Elberfeld=Barmen. Ein zelpreis 15 Goldpfennig. Montag, den 20. Oktober 1924. Nr. 246. 41. Jahrgang. Erscheint täglich nachmittags, außer Sonntags.— Bezugspreis monatlich 2 M.— Bei Nichterscheinen keine Erstattung des Bezugsgeldes. Postscheckkonto: Köln 9928. Bei allen Ueberweisungen wird um genaue Angabe der Anzeigen= und Zeitungsnummer gebeten. Zeitung der Anzeigenpreis: 1 Millimeter Höhe. (35 Millimtr. breit) 10 Goldpfennig, Reklamen, 1 Millimeter Höhe(94 Millimtr. br) 40 Goldpfennig zum amtlichen Goldmarkkurs am Tage der Zahlung.— Anzeigenrechnungen sind sofort zahlbar. Bei Zahlungsverzug werden Bankzinsen und sonstige Unkosten berechnet. Sozialdemokratischen Partei für das bergische Land. Sonderbeilagen: Bilder vom Tage„Volk und Zeit",„Feierstunden","„Die arbeitende Frau",„Das neue Werden",„Die arbeitende Jugend". Redaktion: Elberfeld, Robertstr. 8a. Fernsprecher 1041.— Haupt geschäftsstelle: Elberfeld, Robertstr. 8. Fernsprecher 1411.- Neben geschäftsstelle: Barmen, Ref. Kirchstr. 13-15. Fern Abonnements= und Anzeigen=Annahmen: Langerfeld, Oldenburger str. 13. Fernsprecher 6964. Remscheid, Kirchhofstr. 24. Ronsdorf, Wiesenstr. 7. Velbert, Friedrichstr. 136. Fern Heute Reichstagsschluß? Der Reichskanzler hat bisher noch keinen Entschluß gefaßt. Aber heute heute„beabsichtigt“ er, die Verhandlungen zu Ende zu führen. Schon wieder mal. Solche endgültigen Lösungen sind schon sehr oft angekündigt worden. Aber auch vor den besten Absichten kann einem übel werden, wenn sie auf ein meyr als ehrwürdiges Alter der Abgestandenheit zurückblicken. Die Verhandlungen mit den Deutschnationalen haben den Kanzler befriedigt.„Die grundsätzliche Einigung zwischen Kanzler und Deutschnationalen“ ist hergestellt. Nun sollen noch die Demokraten an die Reihe kommen. Sonnabend haben die demokratischen Führer Erkelenz und Keinath dem Kanzler nochmals versichert,„daß sie keinem Mitglied ihrer Partei die Zugehörigkeit zu einem durch Deutschnationale ergänzten Kabinett gestatten können". Es sei auch keine Rede davon, daß die demokratische Fraktion einer solchen Regierung etwa mit wohlwollender Neutralität begegnen werde. Sie werde zwar nicht sofort auf den Sturz eines solchen Kabinetts hinarbeiten, werde auch ihren politischen Grundsätzen getreu eine Außenpolitik unterstützen, die sich in der bisherigen Richtung bewegt. Die demokratische Fraktion behalte sich aber in der Innenpolitik volle Handlungsfreiheit vor und fühle sich als Gegnerin des Rechtskabinetts, wie es nach den bisherigen Mitteilungen geplaut ist.“ So zu lesen in einer Parlaments=Korrespondenz. Die Demokraten sollten mit Hilfe der Reichswehr zu einer„grundsätzlichen Einigung“ mit den Deutschnationalen gebracht werden. Von diesen wurde nämlich der„dringende Wunsch zum Ausdruck gebracht, daß Dr. Geßler auf seinem Posten als Wehrminister verbleibe". Obwohl nun die Demokraten wirklich oft genug erklärt hatten,„daß sie keinem Mitglied ihrer Partei die Zugehörigkeit zu einem deutschnational ergänzten Kabinett gestatten könnten, hielten sie sich jetzt als besonders„gerissene“ Taktiker doch heilig verpflichtet, die Frage prüfen zu wollen,„ob die politische Lage das Verbleiben Geßlers im Wehrministerium erforderlich mache". Die Deutsche Volkspartei, von der auch diese neueste Schiebung ausgeht, knüpft an diesen Schachzug wieder einige Hoffnungen. So kann man in ihrer Presse lesen,„in parlamentarischen Kreisen“ nehme man an, daß Dr. Geßler, der schon seit dem Jahre 1919 das Amt des Wehrministers versieht,„nicht um einer parteitaktischen Augenblickslinie willen seine Stellung aufgeben wird". Wieder ein Strohhalm. Am deutschnationalen Ausguck stehen sich die Leute vor Ungeduld nach Regierungsland in gut semitischer Beharrlichkeit vergeblich die Beine krumm. Das hält sie aber nicht ab, im eigenen Lager die Frage zu ventilieren,„ob man drei oder vier Ministersitze fordern will“. Man halt sich also zurück mit seinen Ansprüchen, bombardiert dafür aber die Oeffentlichkeit mit der Erklärung: Der Vorschlag der deutschnationalen Ministerliste ist dem Herrn Reichskanzler Marx nicht überreicht worden, weil die Voraussetzung dazu noch nicht gegeben war. Die in der Presse bisher gebrachten Vermutungen über die Ministerliste entbehren jeder Grundlage. In der Sitzung der deutschnationalen Reichstagsfrattion am Sonnabendnachmittag machte sich eine steigende Befremdung(!) über die insbesondere durch das Verhalten der Demokratischen Partei nochmals verursachte Hinauszögerung einer Entscheidung deutlich bemerkbar. Die Demokraten werden auch heute nicht umhin kommen, dem Reichskanzler zu wiederholen, was sie:hm nun schon öfter gesagt. Ihre nochmalige Prüfung der„neuen“ Lage ist nur der großen Sucht, taktisch groß zu erscheinen, zuzumessen. An die Möalichkeit, den Reichstag vor der Auflösung zu retten, glaubt fast kein Mensch mehr. In parlamentarischen Kreisen wurde am Sonnabend wicder einmal die Hoffnung auf eine Lösung ohne Auflösung aufgegeben. Die Germania sucht die Position noch ein klein wenig zu verschieben, indem sie sich gegen bestimmte Ministervorschläge der Deutschnationalen wendet, im übrigen aber zum soundsovielten Male betont, daß ohne Demokraten auch das Zentrum keine Koalition mit den Deutschnationalen eingeht. Auch die Germania sieht die Auflosung kommen. Ihre Ausführungen sind um so beachtlicher, als sie sicher nicht ohne engere Uebereinstimmung mit dem Reichskanzler gemacht wurden. Man lese: „Die Deutschnationalen wollen in eine Regierung unter Marx eintreten, aber wenn es richtig ist, daß sie Männer von der radikalen Gesinnung eines Lawerrenz dem Reichskanzler als Ministerkollegrn zu präsentieren gedenken, müssen neue Zweifel an der Aufrichtigkeit der deutschnationalen Absichten entstehen. Wir können uns jedenfalls nicht denken, wie eine Zusammenarbeit mit einem Lawerrenz möglich sein sollte. Ein solcher Vorschlag würde beweisen, daß die extreme Richtung in der Deutschnationalen Volkspartei die Oberhand gewonnen hätte. Im übrigen aber ist die Haltung der Demokraten von ausschlaggebender Bedeutung. Bleiben sie bei ihrem jetzigen ablehnenden Standpunkt, dann wäre der Zweck der Regierungserweiterung, nämlich die Schaffung einer breiteren Grundlage für die Regierung, ohnehin vereitelt. Das neue Kabinett würde ohne Demokraten im Reichstage über ganze neun Stimmen Mehrheit verfügen. Aber auch abgesehen davon, kann die Mitwirkung der Demokraten in einem solchen Kabinett nicht entbehrt werden. Das Uebergewicht der Rechten wäre zu stark, das Kabinett würde seinen mittelparteilichen Charakter verlieren und zu einer Rechtsregierung werden, deren Arbeitsunfähigkeit sich bald herausstellen müßte. Und weil es so kommen wird, ist es immer noch das Wahrscheinlichste, daß die Verhandlungen die Unmöglichkeit ergeben, mit diesem Reichstag zu Rande zu kommen. Ein Kabinett, in dem die Demokraten nicht vertreten sind, und in dem Herri Lawerrenz sitzt, verspricht keinen Bestand. Man tut besser, es gar nicht erst zu bilden. Bleiben Demokraten und die Deutschnationalen bei ihren jetzigen Absichten, dann wird nichts anderes übrig bleiben, als den Weg zu beschreiten, den die Zentrumsresolution für den äußersten Notfall vorzeichnet: den Appell an die Wähler. Wir vermuten, daß das der Abschluß der Verhandlungen sein wird.“ Warum aber immer noch gezögert? Warum immer wieder neue Situationen schaffen, wenn man sie fünf Minuten später doch wieder als vermasselt preisgeben muß? Nun soll endlich der beutige Tag die Entscheidung bringen. Wird nun beute der Reichskanzler seiner Ueberzeugung gemäß, daß man besser tut, den Reichstag, der übrigens morgen zusammentreten soll, erst gar nicht einzuberufen, wenn die Demokraten nicht in die Regierung eintreten, die Auflosung vollziehen? Das Hohngelächter des Auslandes spd. Paris, 19. Okt. Die linksstehende Presse in Frankreich ist einmütig in ihrem Urteil, daß die Welt noch kaum jemals ein so„jämmerliches Schauspiel“ gesehen habe, wie es die Entwicklung der politischen Krise in Berlin zeige. So erklärt am Sonntag der Cuctidien daß mit Ausnahme der Sozialdemokraten, deren Haltung vom ersten Tage der Krise an klar und unzweideutig gewesen sei, alle anderen Parteien eine geradezu klägliche Komödie aufgeführt hätten, die den republikanischen Gedanken in Deutschland um jeden Kredit bringen müsse. Immerhin sei erfreulich, daß die Demokraten nach längerem Wanken endlich den Mut gefunden hätten, sich offen dem Eintritt der Nationalisten zu widersetzen. Man könne sich nicht vorstellen, daß der Kanzler sich nicht darüber im Klaren sein sollte welche Provokation es gegenüber der ganzen Welt, besonders Frankreichs bedeute, wenn er Monarchisten in sein Kabinett aufnehme. Auch der unvoreingenommenste Berbachter könne sich der schwersten Besorgnisse nicht enthalten, daß die Vorkämpfer der deutschen Revancheidee nun mit Hilfe des Zentrums erneut die politischen Zügel an sich reißen, die ihnen die Revolution aus der Hand gewunden habe. Aehnlich urteilt das Oeuvre, das dem Zentrum zum Vorwurf macht, sich seiner politischen Berantwortung zu entziehen Die ganze Entwicklung der Krise dränge den Gedanken auf, daß die Republik in Deutschland noch keine Wurzeln geschlagen habe. Einzig und allein die Sozialisten und Demokraten seien ihren Prinzipien treu geblieben, das Zentrum dagegen habe einen verhängnisvollen Mangel an politischer Courage und innerer Solidität gezeigt. Das Blatt ist der Ansicht, daß ein Kabinett des Bürgerblocks sich gegen die Oppofition der Linksparteien kaum längere Zeit halten könne. In der Zwischenzeit aber habe Deutschland ohne Vorteil seinen Kredit im Auslande ruiniert. Bauernbündlerische Amgruppierung Die Trennung des„Deutschen Bauernbundes“ von der Demokratischen Partei(Austritt des Abg. Dr. Bohme aus der demokratischen Reichstagsfraktion) wirkt sich in Bayern insofern aus, als bereits Verbandlungen mit dem Ziele im Gange sind, die bayerischen Mitglieder des Deutschen Bauernbundes politisch mit dem Bayerischen Bauernbund zusammenzuschließen. Die Stärkung die die Partei des Landwirtschaftsministers Fehr dadurch erfahren würde, fällt zahlenmäßig wenig ins Gewicht, da die Anhängerschaft des Deutschen Bauernbundes in Bayern sich beschränkt auf gewisse Gebiete in Unter= und Oberfranken. Es handelt sich hierbei um die gutgestellte Bauernschaft protestantischen Glaubens. Das neue schwedische Kabinett Der mit der Regierungsbildung beauftragte Gen. Branting hat seine Ministerliste inzwischen fertiggestellt. Das rein sozialistische Kabinett besteht aus folgenden Personen: Präsidium: Branting. Inneres: Möller(auch Soziales). Aeußeres: Professor Undén. Justiz: Nothin. Militär: Hansson. Finanz: Thorsson. Handel: Sandler. Verkehr: Larsson. Ackerbau: Linders. Ohne Ressort: Wigfors und Levinson. Professor Unden ist Völkerrechtslehrer und Mitglied der bisher von Branting geleiteten schwedischen Völkerbundsabordnung. Möller und Hansson sind leitende Redakteure des Stockholmer „Socialdemokraten“. Thorsson war auch schon im früheren Kabinett Branting Finanzminister, Levinson war bisher Staatssekretär im Wehrministerium. Er wird der Sprechminister in den bevorstehenden Militärdebatten sein. Alle Minister sind altbekannte Mitglieder der Sozialdemokratischen Partei.— Chefredakteur des Stockholmer Zentralorgans unserer Partei wird für den Genossen Möller Abg. Genosse Engberg. Anatole Frances Bestattung Unter Beteiligung des gesamten offiziellen Frankreichs wurden am Samstagmittag die sterblichen Ueberreste Anatole Frances zur letzten Ruhe begleitet. Am Quai Malplaquais, in unmittelbarer Nähe des Geburtshauses des großen Toten, vor dem„Institut de France“, das in ihm sein größtes Mitglied verloren hat, war der Sarg auf einem Katafalk mit schwarzen und violetten Behängen und reichem Blumenschmuck aufgebahrt worden. Abordnungen wissenschaftlicher, literarischer und politischer Gesellschaften und Vereine hatten zu beiden Seiten der Lahre Aufstellung genommen. Auf der Tribüne batte sich der Präsident der Republik, umgeben von sämtlichen Mitgliedern der Regierung, eingefunden. Unter den geladenen Eästen bemerkte man neben den Präsidenten von Kammer und Senat u. a. den ehemaligen Ministerpräsidenten Caillaux, der durch den Spruch des reaktionären Staatsgerichtsbofes unter Clemenceau von Paris verbannt, von der jetzigen Regierung die Erlaubnis erhalten hatte, nach Paris zu kommen, um seinem persönlichen Freunde die letzte Ehre zu erweisen. Reden wurden gehalten von Painleve im Namen des Parlaments, von dem Unterrichtsminister Albert für die Regierung, dem Historiker Hanotaux für die Akademie, dem Schriftsteller Licomte im Namen der literarischen Verbände, von Buisson für die Liga der Menschenrechte, von Leon Blum für die Sozialistische Partei und von Jouhaux für den Allgemeinen Französischen Gewerkschaftsbund. Die Ueberführung des toten Dichters und seine Beisetzung auf dem Friedhofe von Neuilly fand unter ungeheurer Beteiligung der Pariser Bevölkerung statt. Wenn ja: Warum? Kommunistischer Verfall, sozialistischer Aufbau. Man wird kald einen Führer notwendig haben, um durch die vielen Parteien, Unione und Bünde hindurchzufinden, die sich abseits von der großen Organisation des deutschen Proletariats, der Sozialdemokratie, gebildet haben. Da sehen wir neben der als allein echt abgestempelten Filiale von Moskan, der Kommunistischen Partei, die Kommunistische Arbeiterpartei, die Allgemeine ArbeiterUnion, den Kommunistischen Rätebund, die Oppositionsverbände der Weyer und Schumacher, dazu noch verschiedene andere kommunistische, anarchistische und syndikalistische Splitter. In der Kommunistischen Partei selbst aber sitzt schon der Wurm: es hat sich dort eine„Arbeiterlinke“ gebildet, die ihre Parteigenossen mit Broschüren und Flugblättern bombardiert, und auch der„Brandlerismus" ist nicht tot. Die Rote Fahne muß von dem Brandenburger Parteitag klagend berichten:„Daß die jetzige Situation große Gefahren reformistischer Abirrungen in sich birgt, zeigte sich symptomatisch auf dem Parteitag durch die Rede des Delegierten Bolze. Er verlangte, daß die Partei in den Mittelpunkt ihrer Propaganda als„Rettungsprogramm“ ein Steuerprogramm zur Abwälzung der Daweslasten auf die Bourgeoisie stelle.“ Aber die kommunistische„Vorhut“ unter Werner Scholem und Ruth Fischer weiß, was sie zu tun hat:„Der Parteitag lehnte es einmütig ab, den Weg zu beschreiten, den Genosse Bolze ihm wies.“ Wenn die Rote Fahne das triumphierend feststellt, so bestätigt sie damit die Ansicht ihres Theoretikers Leder, daß direkte Steuern abzulehnen seien, daß also die Kommunistische Partei für möglichste Schonung der besitzenden Klassen eintreten müsse. Aber nicht wir wollen heute Kritik an der kommunistischen Politik üben, sondern den Arbeitern zeigen, wie diese Parteien und Parteichen sich selbst einschätzen. Da wird in der jüngst erschienenen Nummer 20 des Kampfrufs, des Organs der AAU., den Gesinnungsgenossen ins Stammbuch geschrieben:„Vom Kommunismus ist der KPD. nur noch die Phrase geblieben. In ihren Methoden ist sie korrumpierter als die Bourgeoisie selbst und je weiter ihr Weg, desto schmutziger wird er auch.“ Und dann folgt ein langes Sündenregister, vom Verrat der„revolutionären“ Arbeiter in Mitteldeutschland an bis zur Verbrüderung mit den Völkischen beim Tode des nationalen Heros Schlageter. Schließlich heißt es dann:„KPD.=Mann Natz ist Beisitzer für den Staatsgerichtshof zum Schutze der Republik, wo er das Bluturteil über seine Genossen mitfällen darf.“ Wer erinnert sich nicht daran, daß die kommunistische Presse gegen die sozialdemokratischen Beisitzer im Staatsgerichtshof den verlogenen Vorwurf richtete, sie hätten an den Urteilen, gegen„revolutionäre“ Arbeiter mitgewirkt? Und nun wird Herrn Katz von seinen Brüdern aus der anderen kommunistischen Fakultät bescheinigt, daß er zum Blutrichter avanciert sei! Nun könnie man einwenden, die Leute von der AAU. seien Abtrünnige vom heiligen kommunistischen Glauben, daher dürfe man deren Aussagen nicht ganz voll nehmen. Aber die Opposition in der APD., die Arbeiter=Linke, geht mit ihrer eigenen Partei noch viel schärfer ins Gericht. In einer kürzlich„zur innerparteilichen Diskussion“ gedruckten und verbreiteten Vroschüre wird von den„Scheinrevolutionären von der Ruth Fischer=Kompagnie“ ausgesagt:„daß sie durch ihre Jagd nach Posten in der Reichszentrale den Führern der Komintern die Kampfinteressen verkauft und in der ideologischen Abrüstung des Proleteriats mitgewirkt haben.“ Von der kommunistischen Reichstagsfraktion heißt es in der Broschüre:„De scheinrevolutionäre Parlamentshysterie einer Ruth Fischer und ihrer Genossen kann bei den revolutionären Arbeitern nur das Gefühl der Verzweiflung erregen. Solch eine Art von zirkusmäßigem„revolutionären“ Kampf kann man höchst nützlich den faszistischen Radikalen überlassen. Die parlamentarischen „Aktionen“ der Kommunisten sind nur dazu da, um den Proletariern Sand in die Augen zu streuen.“ Diese Auseinandersetzungen zeigen erneut, daß die kommunistische Bewegung das Schicksal aller sektiererischen Unternehmungen teilen muß. Sie gedeihen am besten in Zeiten wirtschaftlichen und politischen Niedergangs; sie schöpfen ihre Kraft nicht aus der planmäßigen Aufklärung der Arbeiterschaft, sondern aus ihrer Verwirrung; sie sind kein Zeichen des Aufstiegs der proletarischen Klasse, sondern gedeihen nur als Schmarotzer an ihrem krankgewordenen Leibe. Der Kommunismus, nicht als Weltanschauung sondern als Parteigeschäft, ist die Ausnützung der Verfallserscheinungen im Völkerleben; weil aber die kommunistische Parteipraxis überall dort versagt, wo Revolution zugleich Aufbau ist, so sucht sie die Entwicklung zu Katastrophen zu treiben, um auf Trümmerfeldern die Verzweifelten und Enterbten der menschlichen Gesellschaft zu sammeln. So weit nicht die Bedürfnisse der imperialistischen Politik der Sowjetregierung die Richtschnur für die Tätigkeit der kommunistischen Parteien bestimmten, verfolgen sie, holb Betrüger, halb Betrogene, noch immer das putschistische Ziel, durch einen„Vortrupp“ die Weltrevolution herbeizuführen. Die kommunistischen Führer glauben zwar selbst nicht mehr an diese auf vorgeschriebenes Komiando losgehende Weltrevolution; und je geräuschvoller sie in der Oeffentlichkeit auftreten, desto weniger glauben sie daran. Aber was sollten die ihnen bisher folgenden Arbeiter sich denken, wenn ihre„revolutionären“ Führer nunmehr dasselbe tun würden, was sie bisher der Sozialdemokratie als größte Schande anrechneten, nämlich die Taktik der Arbeiterbewegung nach den gegebenen wirtschaftlichen und politischen Verhältnissen zu bestimmen? Der Resolutionslärm in den kommunistischen Parteiversammlungen und das immer heiserer werdende Geschimpfe in der kommunistischen Presse kann darüber nicht hinwegtäuschen, daß es, wie in den anderen außerrussischen Ländern, so auch in Deutschland, mit der kommunistischen Bewegung abwärts geht. Die Wahlen in Oberschlesien, in Pirna, in Goslar liefern die ziffernmäßigen Peweise dafür. Und wenn wir Reichstagswahlen bekommen, so wird sich im ganzen Reiche zeigen, wie recht Werner Scholem hatte, als er auf dem brandenburgischen Parteitag über den Rückgang der Kommunistischen Partei klagte. Das ist aber vorläufig erst die negative Seite dieser Entwicklung; jetzt muß die Sozialdemokratie dafür sorgen, daß sie zur positiven Form weiter führt. Die Arbeiter, die sich enttäuscht von den kommunistischen Parolen abwenden, müssen davor bewahrt werden, daß sie dem Indifferentismus verfallen, daß sie von der ganzen Arbeiterbewegung nichts mehr wissen wollen, weil die schillernde kommunistische Seifenblase geplatzt ist. In unserem Zwickauer Parteiblatt berichtete kürzlich ein Rußlandreisender, daß man bei der Ankunft in Moskau Fragebogen ausfüllen müsse.„Keine nebensächlichen Fragen! Etwa: Sind Sie jüdisch?— Wenn ja: warum?" Die sozialistischen Arbeiter sollten ihren in die Irre gegangenen Klassengenossen eine kynltase Frage, wenn auch nicht nach der Religion, sondern nach der Gesinnung vorlegen, etwa: Bist du Kommunist? Wenn ja: warum? Wenn der Klassengenosse sagt, er habe bisher an die von Moskau ausgehende Revolution geglaubt, so solle man ihm berichten, wie die Sowjetregierung sich in unablässigen Verhandlungen mit den Weststaaten darum bemüht, dem Kapitalismus in Rutzland eine neue Stätte zu bereiten; man solle ihm an den hundertfältigen offiziellen Veröffentlichungen zeigen, wie das wirkliche Leben oes russischen Proletariats leschaffen ist. Dann aber wiederum die positive Seite: an Ziffern und Tatsachen weise man nach, wie d Kapitalismus in der ganzen Welt ungeheuer erstarkt ist, wie er nicht nur in den Siegerländern, sondern auch in den besiegten Staaten versucht, die Arbeiterklasse durch lange Arbeitszeit und kärgliche Entlohnung, durch Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit in dauernder Hörigkeit zu halten. Wir wollen die vom Kommunis mus sich jetzt lösenden Klassengenossen, mögen sie zehnmal geirrt haben, nicht bekämpfen und niederschlagen: wir wollen sie über zeugen! Ueberzeugen davon, daß der Aufstieg der Arbeiterklasse nur möglich ist, wenn sie sich in geschlossenen Organisationen zusammenschließt, sei es, daß sie in der Sozialdemokratischen Partei den politischen Kampf mit der Reaktion führt, sei es, daß sie in den Gewerkschaften in zäher Arbeit um die Verbesserung der Lohn und Arbeitsverhältnisse ringt. Eugen Prager. Die Potsdamer Demokraten gegen Rechtsblock und für Reichstagsauflösung. spd. Berlin, 20. Okt.(Drahtbericht.) Am Sonntag fand in Berlin eine Tagung der Vertrauensleute der Deutschen Demokratischen Partei des Wahlkreises Potsdam 2 statt. Einstimmig wurde folgende Entschließung angenommen: „Die zahlreich besuchte Vertrauensmännerversammlung des Wahlkreises Potsdam 2 der DDP. spricht der demokratischen Reichstagsfraktion Dank und Anerkennung für ihre entschlossene Haltung in der Frage der Regierungsumbildung aus. Sie gibt der Erwartung Ausdruck, daß die Fraktion auch weiterhin unter entschlossener Ablehnung der Koalition mit den antirepublikanisch, großagrarisch und schwerindustriell eingestellten Deutschnationalen an der Politik der Mitte im Sinne der Politik der bisherigen Re gierung festhält. Sollte diese Politik an der Haltung einer bisherigen Regierungspartei scheitern, so ist die Auflösung des Reichstages gerade vom demokratischen Standpunkte aus dringend ge beten." Stresemann redete „Die Auflösung des Reichstages ist unerfreulich". Der Reichsaußenminister hielt anläßlich des Parteitages der Deutschen Volkspartei von Hessen=Nassau in Frankfurt a. M. eine Rede über die politische Lage. In ihrem Verlauf besprach er auch die Innenpolitik und die jetzigen Verhandlungen über die Regierungserweiterung. Er führte aus: In der Innenpolitik begegnen wir einer starken Zerrissenheit in der Frage der Regierungsumbildung. Wenn von der Deutschen Volkspartei gesagt wird, daß sie eine Schwenkung vollzogen he „von der großen Koalition zum Bürgerblock", so ist das eine vollkommen unzutreffende Darstellung. Die Deutsche Volkspartei hat ihr Ideal der Volksgemeinschaft nicht aufgegeben und wird es ablehnen, sich auf einen Weg drängen zu lassen, der die Sozialdemokratie prinzipiell von der Mitarbeit am Staate ausschließt. Wir werden diesen Fehler des alten Deutschland nicht wiederholen. Die Deutsche Volkspartei lehnt einen sozialen und politischen Bürgerblockgedanken ab und wünscht nicht, daß Wahlen unter dem Schlachtruf„Hie rechts, hie links“ ausgefochten werden. Bleiben muß das Zusammenarbeiten der Mitte, an die sich gegenwärtig die Kräfte von rechts angliedern müssen Wenn die große Koalition gesprengt worden ist, so sollte die Sozialdemokratie daran denken, daß sie selbst zweimal aus dem Kabinett der großen Koalition ausgeschieden ist und jenes Mißtrauensvotum gegen das verbleibende Kabinett der Mitte eingebracht hat, das naturgemäß zu einer Entwicklung nach rechts führen mußte und gerade diejenigen Kräfte der Deutschen Volkspartei vor den Kopf stieß, die sich unter schweren Opfern für die große Koalition nicht nur im Reiche, sondern auch in den Ländern eingesetzt hatten. Nachdem die Reichstagswahlen im Mai leider eine Schwächung der Regierungsparteien gebracht hatten, konnte man gerade vom demokratischen Gesichtspunkte aus an der Stärkung der Deutschnationalen nicht vorbeigehen. War man damals bereit, mit ihnen wegen des Eintrilts in die Regierung zu verhandeln, als sie noch gegen die Außenpolitik waren, so kann man das heute nicht ablehnen, nachdem sie sich einmütig zu den Richtlinien der Außenpolitik bekannt und ihre Forderung auf Rüchritt des Kanzlers und des Außenministers zurückgezogen haben. Entscheidend für die gegenwärtige Lösung ist die Frage der Konsolidierung des Staates. Man befürchtet eine Störung der Außenpolitik durch Hereinnahme der Deutschnationalen. Man bedenkt aber nicht, welche Störung die Außenpolitik durch eine hemmungslose Opposition der Deutschnationalen erfahren würde. Die Verhältnisse in England sind deshalb so konsolidiert, weil jede Oppositionspartei zeitweise an der Regierung sitzt und ihr deshalb die hemmungslose Opposition sich verbietet. Wenn heute die Deutschnationalen in die Regierung des Reiches eintreten, so würde dies von maßgebendem Einfluß auf die Haltung großer nationaler Organisationen sein, in denen heute Kämpfe ausgefochten werden, um den Gedanken: mit dem Staat oder gegen den Staat, auf dem Boden der Verfassung oder für den Bürgerkrieg! Wer das Wohl des Staates will, kann deshalb eine prinzipielle Zurückweisung der Deutschnationalen nicht unterstützen. Die Haltung der Demokratischen Partei wird vielfach begründet mit dem Hinweis auf die Traditionen ihrer großen Führer, die einer solchen Entwicklung entgegenständen. Insbesondere bezieht man sich auf die Erinnerungen an die Persönlichkeit Friedrich Naumanns, vergißt dabei aber anscheinend, daß Friedrich Naumann selbst im Jahre 1907 die Politik des Bülowblocks unterstützt hat, die ja ebenfalls eine Zusammenfassung der bürgerlichen Kräfte, und zwar namentlich der rechtsstehenden bürgerlichen Kräfte gewesen ist. Die Auflösung des Reichstages ist unerfreulich, weil sie das aufkeimende Vertrauen des Auslandes zu einer stetigen Entwicklung in Deutschland untergräbt. Ein Verbleiben der heutigen Regierung ist aber unmöglich, da sie nur über 138 von 474 Mandaten verfügt und bei Ausschaltung der Deutschnationalen sofort von einer parlamentarischen Krise in die andere hineingestoßen würde. Trotz allem Wirrwarr bei den bisherigen Verhandlungen mit den Fraktionen soll man die Hoffnung auf eine positive Lösung nicht aufgeben. Ist sie nicht zu erreichen, so müssen bei den Wahlen sich diejenigen Kräfte zusammentun, die auf dem Boden einer nationalen Realpolitik diejenigen zur verantwortungsvollen Mitarbeit bereiten Kräfte zusammenfassen sollen, die zu einer Regierungsbildung auf der Grundlage der Fortführung der Richtlinien der heutigen Politik sich bereit finden. * So oft Herr Stresemann Versammlungsreden hält, muß er bementiert werden. Richtig ist an seinen Ausführungen über die „Sprengung“ der großen Koalition, daß die Sozialdemokratie zweimal ausgetreten ist. Das weiß jedes Kind! Aber warum die Sozialdemokratie dem Kabinett Stresemann den Rücken kehrte, sagt der Reichsaußenminister wohlweislich nicht, weil sich dann herausstellen würde, daß für die Volkspartei genau wie heute schon damals der Grundsatz galt: Die Partei über das Baterland! Uebrigens liefert Dr. Stresemann für diese Behauptung selbst den besten Beweis. Er spricht im Verlauf seiner Rede u. a. von der „hemmungslosen Opposition" der Deutschnationalen, während ihm die„hemmungslose Opposition" der Sozialdemokratie im Falle eines Bürgerblocks keine Sorge macht. Damit wird gestanden, daß der Sinn der Regierungserweiterung nicht die Konsolidierung des Staates ist, sondern den Zweck hat, eine rücksichtslose Parteiherrschaft der Rechten zu errichten. Geradezu lächerlich aber wirkt die Größe der Volkspartei mit der Erklärung, daß die Auflösung des Reschstages mierfreutich ist, weil sie das aufkommente Fertrauen des Auslandes zu einer stetigen Entwicklung in Deutschland untergräbt. Da hört doch alles auf! Die Volkspartei hat bisher überhaupt nichts anderes getan, als fortgesetzt Krisen entfacht, während Herr Stresemann das außenpolitische Porzellan entzweischlug. Die Dementier=Katastrophe vom August dieses Jahres dürfte noch bekannt sein. Stresemann und seine Partei haben wiederholt den deutschen Kredit im Ausland aufs Spiel gesetzt, und als dieser Tage der Zeppelin in Amerika landete, erklärte uns ein französischer Journalist, daß Herr Stresemann jetzt wenigstens sechs Monate zu tun habe, um den Eindruck der Zeppelinfahrt in Amerika und seine Rückwirkungen auf die Stimmung innerhalb der amerikanischen Bevölterung zu vernichten. Es zeugt tatsächlich von einer merkwürdigen Charakterstärke, wenn sich trotzdem dieser Mann hinstellt und die Auflösung des Reichstages als schädigend im Auslande hinstellt. Die kommunistische Paßzentrale Die von der politischen Polizei vor einigen Tagen ausgehobene Paßzentrale der Kommunistischen Partei wurde am Sonnabend den Vertretern der Berliner und der auswärtigen Presse im Polizeipräsidium vorgeführt. Es handelt sich bei dieser Zentrale, die von zwei Angestellten der Kommunistischen Partei in einem illegalen Bureau in Neukölln betrieben wurde, um einen großen Aktenschrank, der alle Utensilien zur Herstellung jedes beliebigen Passes fast aller Länder und jedes beliebigen deutschen amtlichen und privaten Ausweispapieres ermöglichte. Mit erstaunlicher Sorgfalt haben die beiden kommunistischen Facharbeiter alles nötige Handwerk zusammengetragen und mit bureaukratischer Sorgfalt übersichtlich zusammengestellt. Der vorführende Referent konnte mit Recht sagen, daß manche Behörde sich die Arbeit der Kommunisten wenigstens in diesem Punkte zum Vorbild nebmen könne. Eine vorgefundene Liste gibt eine Uebersicht über die zahllosen Pässe, welche die KPD. für ihre Führer ausgestellt hat. Der Reisepaß, mit dem Ruth Fischer vor wenigen Wochen im Gewande einer Schweizer Lehrerin aus Basel nach England zum Parteitag der Kommunistischen Partei Englands gefahren ist, zirkulierte ebenso wie die Pässe Könens, Kilians und anderer kommunistischer Größen. Die Stempel= und Unterschriftensammlung, die in nicht weniger als 27 großen Schubfächern untergebracht war, erregte allgemeines Aufsehen; sie ist von einer seltenen Vollständigkeit. Die Aufdeckung der Paßzentrale wird von der Polizei als eine sehr wichtige Sache angesehen. Das dort vorgefundene Materia' gibt offenbar die Möglichkeit, den Kommunisten das Leben etwas schwerer zu machen. Allerdings steht es keineswegs fest, ob nicht eine zweite Zentrale besteht. Als sicher kann man annehmen, daß sie bald beschafft sein wird, wenn sie nicht bestehen sollte. Eine zoologische Merkwürdigkeit. Der Koalitionsfrosch(hyla arboréa teutonia) aus dem alten Dentschland stammend, unterscheidet sich von unserem gewöhnlichen Laubfrosch dadurch, daß er die Leiter hinauf llettert, wenn schlechtes Wetter herrscht. Tabula rasa Wolffbureau meldet: Nach längeren Verhandlungen wurde am 19. Oktober zwischen der deutschen Abordnung und der Rheinlandkommission ein Abkchommen über die Zurückgabe der Zoll=, Forstund Domänenverwaltung erzielt. Demnach gehen diese Verwaltungen mit dem 21. Oktober wieder in die deutschen Hände über. Vom elben Tage an werden die Ein= und Ausfuhrämter Ems und üsseldorf ihre Tätigkeit einstellen, so daß vom 21. Oktober an Ein= und Ausfuhrbewilligungen ausschließlich von zuständigen deutschen Stellen erteilt werden. Bezüglich der schwebenden Forderungen und laufenden Verträge wurde eine Vereinbarung getroffen Bei den Verhandlungen waren beide Teile von dem Bestreben geleitet, im Sinne des Londoner Abkommens möglichst tabula rasa mit der Vergangenheit zu machen und zur Wiederherstellung normaler Zustände im besetzten Gebiet beizutragen. Ludendorff beehrt seine Richter Eine charakteristische Beleuchtung erfährt das Volksgericht München, das den Hitlerprozeß durchgeführt hat, durch die nunmehr bekannt gewordene Tatsache, daß Ludendorff einem der damals rechtsprechenden„unparteiischen“ Richter sein Bild mit eigenhändiger Widmung überreicht hat. Unser Münchener Parteiorgan, die Münchener Post, richtete deshalb am Samstag eine offene Anfrage an das bayerische Justizministerium. Die Verhandlungen der Sachsenkommission spd. Dresden, 19. Okt. Auf Veranlassung des Parteivorstandes trat am Sonntag, den 19. d. M., in Dresden die vom Berliner Parteitag gewählte Sachsenkommission zusammen. Sie nahm eine Anzahl aufklärender Mitteilungen der Beteiligten entgegen und beschloß, den Parteivorstand zu ersuchen, im Laufe der Woche eine Sitzung mit Landesarbeitsausschuß. Fraktionsvorstand, Redaktionen und Vertretern des Parteivorstandes einzuberufen. Rache für Halle Die Deutsche Volkspartei, die den Deutschnationalen gegenwärtig überall den Rang abzulaufen versucht, hat im preußischen Landtag— als Regierungspartei, wohlverstanden— eine„Große Anfrage" über das Verbot des„Stahlhelm= und Sporttages“ in Halle eingebracht. In ihr wird bitter Beschwerde darüber geführt, daß den Stahlhelmlern vom Regierungspräsidenten in Merseburg, em Genossen Grütznner, in letzter Zeit jede öffentliche Betätigung, selbst bei Denkmalseinweibungen, verkoten wird.„Was gedenkt die Staatsregierung zu tun“, heißt es schließlich,„um die „Schädigung ihres Ansehens“ zu unterbinden, wie sie nach Auffassung der Volkspartei durch ein Vorgehen gegen ihr Schoßkind, den C'ahlhelm, erfolgte.“ Der Abbruch der Zeppelinwerke vertagt Infolge französischer Luftschiffbestellung. Das Pariser Journal versichert in seiner vorgestrigen Frühausgake, daß die Frage der Niederlegung der Zeppelinhalle in Friedrichshafen vorerst nicht akut werde, da eine französische Gesellschaft die Absicht habe, ein Luftfahrzeug von der Größe des soeben an Amerika abgelieferten in Deutschland zu bestellen, und begründete Auslicht bestehe, daß Deutschland die Lieferung übernehmen werde. Es bedürfe nur noch der formellen Zustimmung der Reparationskommission. Da der Bau des Luftschiffes etwa zwei Jahre erfordere, so werde die Frage der Zerstörung der Anlagen in Friedrichshafen bis auf weiteres vertagt. Im übrigen, so fährt das Blatt fort, gewinne die Auffassung an Boden, daß die Zeppelinluftschiffe bei ihrer Größe und angesichts der Fortschritte der Technik der Artillerie kaum mehr als Kriegsmittel in Betracht kämen. Die endgültige Entscheidung sei Sache der Interalliierten Obersten Militärkommission, in der Frankreich durch den Marschall Foch und den General Deitiker vertreten sei. Diese, die in erster Linie von der Sorge um die Sicherheit der alliierten Länder geleitet sei, babe jedoch nicht die Absicht, ein Vernichtungswerk anzuordnen, das im Grunde vielleicht unnötig und wirkungslos sei. Kurze politische Nachrichten Amerikanischer Kredit für Belgien. Der Belgien von einer amerikanischen Finanzgruppe eingeräumte Kredit beträgt 50 Millionen Dollar. die zu 6 Proz. zu verzinsen sind. Für die französische Anleihe sollen dagegen die amerikanischen Bankiers 7 Proz. bei einem Ausgabekurs von 95 verlangen. Der Völkerbundsrat ist von seinem Präsidenten, dem belgischen Innenminister Hymans, zur Beilegung des englisch=türkischen Streitfalles um Mossul für den 27. Oktober nach Brüssel zusammenberufen worden. Monarchistische Frechheiten. Der russische Gesandte der Kerenski=Regierung. Maklakow, stellt heute im Matin die Forderung, für die russischen Emigranten eine französische Botschaft auch dann beizubehalten, wenn die Sowjet=Regierung anerkannt werde. Die sozialdemokratische Partei Bulgariens hält am 26., 27. und 28. Oktober ihren Parteitag in Sofia ab. Die ruthenische sozialdemokratische Partei in der Tschechoslowakei hat ihren Parteitag für den 8 und 9. November nach Uzhorod einberufen. Die französisch-deutschen Beziehungen spd. Paris, 19. Okt. Reichskanzler Dr. Marx hat einem vom Vetit Parisien nach Deutschland entsandten Korrespondenten ein längeres Interview gewährt, dem wir nachstehende Aeußerungen entnehmen: Die Frage des Korrespondenten, ob die Symptome einer Entspannung in den deutsch-französischen Beziehungen, die heute überall sichtbar seien, als wirklich dauerhaft angesehen werden dürften, bejahte der Kanzler mit großer Entschiedenheit: Der Umschwung der deutschen Mentalität kann keinem Zweifel unterliegen. Die Mehrheit des deutschen Volkes hat gegen Frankreich keinen Haßgenau wie schon während des Krieges der Haß Deutschlands sich nicht gegen Frankreich, sondern gegen England gerichtet hat. Die antifranzösische Strömung der letzten Jahre ist ausschließlich durch die Besetzung der Ruhr ausgelöst worden. Jetzt, wo diese Gründe beseitigt sind und die Londoner Konferenz die Situation geklärt hat, macht die Befriedung der Geister täglich Fortschritte. Der Erfolg der deutschen Anleihe sowie die angekündigte Räumung der besetzten Gebiete hat viel zu diesem Umschwung beigetragen. Die Lasten, die der Dawesplan Deutschland auferlegt, sind schwer, aber man darf in Frankreich versichert sein, daß die deutsche Regierung alles daransetzen wird, den Vertrag von London loyal zu erfüllen. Die deutsche Regierung ist überzeugt, daß ihre Bemühungen von keiner Seite durchkreuzt, sondern im Gegenteil von der großen Masse des deutschen Volkes unterstützt werden. Frankreich und Rußland Tschitscherin über Deutschland und den Bölkerbund. spd. Riga, 20. Okt.(Drahtbericht.) Der russische Außenminister Tschitscherin hielt auf einer Sitzung des ZentralExekutivkomitees eine Rede über die internationale Lage der Sowjetunion. Bei dieser Gelegenheit kam er auch auf die Beziehungen zwischen Rußland und Frankreich zu sprechen:„Wir werden nur dann normale Beziehungen wieder aufnehmen, wenn daran keine Bedingungen geknüpft werden, der Wiederaufnahme der Beziehungen ein Botschafteraustausch folgt und sich die französische Anerkennung auf das ganze Gebiet der Sowjetunion bezieht.“ Auch der Eintritt in den Völkerbund wurde von Tschitscherin gestreift. Er lehnte einen Eintritt ab, da er vom Sowjetstandpuukt aus einen Verzicht auf die Selbständigkeit und eine Unterwerfung unter die Politik der Ententemächte bedeutet. Schließlich erklärt er, daß die Sowejtregierung ebenso über Deutschlands Eintritt in den Völkerbund urteile. Aber dieses Urteil ist nicht ehrlich. Mit ihm wird lediglich der Zweck verfolgt, Deutschland für die russische Politik zu mißbrauchen. Forderungen für den Wiederaufbau wtb. Paris, 20. Okt. In Cambrai fand heute ein Kongreß der durch den Krieg geschädigten nördlichen und östlichen französischen Departements statt, in deren Verlauf gefordert wurde, daß der Staat für den Wiederaufbau jedes Jahr 50 Prozent mehr Steuern aufwende, als die Bewohner der ehemaligen Kampfzonen im vergangenen Jahre entrichtet haben. Auch die Frage der Sachlieferungen wurde besprochen. Der Kongreß forderte, daß der Preis der Waren, die Deutschland liefern müsse, niedriger sein müßte, als der französische Inlandspreis. Es wurde ferner gefordert, daß die Geschädigten Reparationsgelder erhalten sollen. Der Kongreß hat schließlich die heute gestellten Forderungen dem Präfekten zur Weitergabe an die Regierung zugestellt. Die Stärke der österreichischen Partei Dem Bericht, den die Parteivertretung der österreichischen Sozialdemokratie dem demnächst zusammentretenden Parteitag vorlegt, ist zu entnehmen, daß die Partei am 30. Juni 566 124 zahlende Mitglieder zählte. Sie hat im abgelaufenen Jahr, das ein Jahr schwerer Wirtschaftskrisen und großer wirtschaftlicher und politischer Kämpfe war, 51 851 Mitglieder neugewonnen. Da Oesterreich 6 Millionen Einwohner hat, ist jeder neunte Staatsbürger in der sozialdemokratischen Partei organisiert. Die österreichischen Gewerkschaften zählen rund 1 Million Mitglieder; jeder zweite Gewerkschafter ist also Mitglied der politischen Partei. Das Zentralorgan der österreichischen Partei, die Wiener Arbeiter=Zeitung, bat im abgelaufenen Jahre ihre Abnehmerzahl um 20000 erhöht und erscheint gegenwärtig in einer Auflage von 111 500. Die gesamte Parteipresse— 23 politische Organe—, bat ihre Auflage um 102000 vermehrt und erscheint jetzt in 660 000 Exemplaren. Dazu kommen die Gewerkschaftspresse, die Organe der Erziehungs=, Bildungs=, Jugend=, Sportorganisationen usw., so daß die gesamte Arbeiterpresse in Oesterreich eine Verbreitung von 2 Millionen Exemplaren erreicht. Auch die übrigen Angaben des Berichts geben ein ungemein erfreuliches Bild der Macht und Ausbreitung der österreichischen Arbeiterbewegung in allen ihren stets wachsenden Zweiger Lokales Elberfeld=Barmen. Der Arbeiter=Astronom Bürgel ist vom Ortsausschuß des ADGB. Barmen=Elberfeld=Vohwinkel für zwei astronomische Lichtbildervorträge gewonnen worden, und zwar für den 8. November, abends 7 Uhr, in der Aula der Oberrealschule Süd in Elberfeld, Weststraße Nr. 7, mit dem Thema:„Weltschöpfung und Weltuntergang“, und für Sonntag, den 9. November, abends 6 Uhr, in der Anla des Realgymnasiums Barmen, Sedanstraße, mit dem Thema:„Der Bau des Weltalls und die Stellung der Erde im Weltganzen". Bruno H. Bürgel hat sich vom einfachen Fabrikarbeiter bis zum vollendeten, vortragenden, schriftstellerischen Arbeiter=Astronom entwickelt und behandelt seine Themen speziell in Verbindung mit der sozialen Stellung der Arbeiterschaft. Ueber die Ab sicht der Vortrage lassen wir Bruno Bürgel in folgendem selbst reden: „Zweck der Vorträge ist es, das gewaltige Weltbild der modernen Sternforschung und Kosmologie zu entrollen. Ein Weltbild, das zugleich die Kleinheit des Menschen und die Torheit seiner Ueberheblich aufzeigt. Auch aus den Sternen kann man, wenn man die Unermeßlichkeit nur recht betrachtet, soziale Gesinnung lernen! Goethe sagt einmal, daß„wir“„nach ewigen, ehernen Gesetzen unseres Daseins Kreise vollenden" müssen. Das gilt auch für das scheinbar ewige, auch für die Sterne. Und sie werden und vergehen, machen eine Lebensgeschichte durch. Es gibt Kinder und Greise auch am Himmel, auch dort Geburt und Tod. Davon handelt der erste Vortrag, der an Hand vieler Lichtbilder die Entwicklung der Sonnen, der Gasmassen, aus denen sie sich formen, schildert, und dann unsere Sonne, die Geschichte der Erde, des Jupiters, des Planeten Mars, des Mondes usw. behandelt. Er zeigt zum Schluß, wie in ewigen Kreisläufen, in Verfall und Wiedergeburt, die ewigen Sternströme des Unwversums sich umformen und erhalten. Der zweite Vortrag aber führt uns von der Erde hinaus bis in die letzten Tiefen des Sternenraumes, zeigt uns, wie die Sternenheere wandern, wie sie im All verteilt sind, wie weit sie entfernt sind, wie unsere eigene Sonne mit der Erde und allen Planeten in diesem Heer von 500 Millionen Sonnen steht und wandert. Wir lernen das Geheimnis der Milchstraße kennen, und erfahren schließlich, daß das Weitall erfüllt ist mit weit voneinander entfernten mächtigen Inseln, die aus Sonnen gebildet werden. Eine dieser Inseln ist das Sterngewimmel der Milchstraße, zu der auch wir gehören, und andere solcher Inseln entdeckt uns in unmeßbaren Fernen das moderne Riesenfernrohr. Stäubchen im Unendlichen ist der Erdball, Stäubchen eines Stäubchens der Mensch darauf, das ist die letzte Quintessenz unseres Wissens vom Weltall.“ Um die Durchführung beider Vorträge zu gewährleisten, galt es für das Sekretariat Ueberwindung mancherlei Widerstände. Bruno Bürgel dürfte bei der Wuppertaler Arbeiterschaft den seinen letzten Vorträgen 1922 her noch in bester Erinnerung sein, so daß seine jetzigen Vorträge ebenfalls wieder großes Interesse der hiesigen Arbeiterschaft erhoffen lassen.— Eintrittskarten zum Preise von 50# sind bei allen Gewerkschaftsvorständen sowie im Sekretariat des ADGB., Barmen, Allee 237, und in den Buchhandlungen der Freien Presse und Volkstribüne Barmen=Elberfeld schon jetzt zu haben. Den Mitgliedern, denen es am Samstag, den 8. November, durch Hinderungsgründe nicht möglich ist, den ersten Vortrag zu besuchen, ist absichtlich die Gelegenheit geboten, das am Sonntag, den 9. November, wo doch jeder zeitlich in der Lage sein dürfte, im Barmer Vortrag nachzuholen. Die Karten haben nur Gültigkeit für den Vortrag, auf den sie lauten. Das Sekretariat. Darlehn an ausgewiesene Angehörige freier Berufe. Die Reichsregierung hat Mittel zur Gewährung von Darlehen zur Wiederaufrichtung der Existenz für ausgewiesene Angehörige freier Berufe von Rhein und Ruhr zur Verfügung gestellt und dazu entsprechende Richtlinien erlassen. Wie der preußische Minister des Innern, dem Amtlichen Preußischen Pressedienst zufolge, in einer Verfügung mitteilt, sind die erforderlichen Prüfungen und Begutachtungen von demjenige Regierungspräsidenten vorzunehmen, in dessen Bezirk sich die aufgegebene Existenz des Ausgewiesenen befunden hat. Im Falle mehrere Regierungspräsidenten als Vorprüfungsstellen in Frage kommen, ist derjenige zuständig. in dessen Bezirk sich der Sitz der Verwaltung des Betriebes befunden hat, der die Grundlage der aufgegebenen Existenz gebildet hat. An diese Stelle sind auch die Anträge auf Gewährung von Darlehen zu richten. Alle Ermittelungen sind mit größter Beschleunigung durchzuführen. Wie aus den Richtlinien hervorgeht, sind den Ausgewiesenen und Verdrängten solche Personen gleichzustellen, die, ohne ausgewiesen oder verdrängt zu sein, aus Anlaß der widerrechtlichen Besetzung des Rhein= und Ruhrgebiets durch Eingriffe der Besatzungsbehörden ihre persönliche Freiheit(Haft, Internierung) verloren haben, sofern sie vorher eine selbständige Existenz gehabt haben und diese vernichtet oder so geschädigt ist, daß ihnen bei einer Rückkehr die Wiederaufrichtung aus eigenen Mitteln unmöglich ist, oder sie eine neue Existenz im unbesetzten Gebiet gründen müssen, weil ihnen die Rückkehr in das besetzte Gebiet durch Anordnung der Besatzung unmöglich gemacht ist oder billigerweise nicht zugemutet werden kann und ihnen die Errichtung einer neuen Existenz aus eigenen Mitteln unmöglich ist. Das Darlehen darf bis zu 3000 Goldmark betragen und ist von dem Tage der Auszahlung mit 6 v. H. zu verzinsen. Die Tilgung kann in Raten erfolgen, hat spätestens ein Jahr nach Auszahlung des Darlehns zu beginnen und muß innerhalb dreier Jahre nach Beginn vollendet sein. Ueber die Verwendung muß der Darlehnsnehmer auf Verlangen Auskunft erteilen. Vom Tage der Auszahlung an erhalten die in das besetzte Gebiet Zurückgekehrten nur mehr 50 v. H. der Uebergangsbezüge der Rückkehrer, die im unbesetzten Gebiet Verbliebenen an Stelle der bisherigen Betreuungssätze die Sätze für Uebergangsbetreuung für Rückkehrer. Die Richtlinien sind am 1. Oktober d. I. in Kraft getreten. * Ein= und Auszahlungen im Postscheckverkehr. Nachdem das neue Münzgesetz von der Reichsregierung in Kraft gesetzt worden ist, hat das Reichspostministerium die Postanstalten angewiesen, bei Einzahlungen auf Zahlkarten außer Rentenmark alle zu Zahlungen an Postkassen zugelassenen Zahlungsmittel unbeschränkt entgegenzunehmen. Zu Auszahlungen im Postscheckverkehr werden gleichfalls außer Rentenmark die sonst zugelassenen Zahlungsmittel verwandt. * Warnung vor einem Schwindler in der Uniform eines staatlichen Försters. Von der Staatsanwaltschaft in Bückeburg wird ein Schwindler gesucht, der die Städte Rheinlands und Westfalens aufsucht, in der Uniform eines staatlichen Försters auftritt und mit Vorliebe Hotel= und Gasthausangestellte anborgt. Der bisher noch Unbekannte bedient sich der Namen Schlüter und Hortmann. Besondere Kennzeichen: Fehlen der rechten Hand. Der Schwindler ist auch schon in Elberfeld aufgetreten und hat hier mit Erfolg gearbeitet. * Vermißt. Wie durch Funkspruch aus Leipzig mitgeteilt, wird dort seit dem 23. 9. 24 der am 9. 12. 04 geborene Volontär Herbert Tauber, nennt sich auch Rudolf König, aus Leipzig, vermißt. Tauber war bis zum 23. 9. 1924 in Weckershagen bei Kassel in Stellung. Vermutlich ist an dem Genannten ein Verbrechen verübt oder er ist zur Fremdenlegien geschleppt worden. Tauber ist 1,93 Meter groß, schlank, hat hageres, blasses Gesicht, ist bartlos und hat blonde Haare. Bei seinem Fortgange trug er kellgrünen Sportanzug, hellgrüne Windjacke, hohe gelbe Schnürschuhe. Er fuhrt ein Fahrrad. Marke„Wanderer“, Nr. 13 947. mit sich. Etwaige Angaben über Tauber erbittet die Kriminalinspektion Elberfeld bezw. erbitten die einzelnen Kriminaldienststellen. Elberfeld, 20. Oktober. Die Freie Volksbühne vermittelte ihren Mitgliedern neuerdings einen Rezitationsabend im gelben Saal der Elberfelder Stadthalle. Verpflichtet war Karl Noack von den Vereinigten Theatern. Nach den vorzüglichen Proben des Schauspielers(„Juckenack" u. a.) sah man den Fähigkeiten des Rezitators mit besonderem Interesse entgegen. Zu Wort kamen u. a. Moskowsky, Busch, Chamisso(„Die Sonne bringt es an den Tag") und Schönaich=Carolath(„Sulamith"), ferner einige Repertoiresachen im Stile der Münchener„Jugend“. Die Vorträge wechselten zwischen heiter und seriös, komisch und dramatisch. Noack ist ein glänzender Sprecher, dem auch außerhalb der Bühne reiche Ausdrucksmittel zu Gebote stehen. Er versteht fein zu pointieren. Die Satire liegt ihm besonders. Geste unterstreicht, ohne aufdringlich zu wirken. So wurden gewisse„Tücken des Objekts(ein voluminöses Konzert im großen Saal, ein solenner Schnurfen, die just in tragischen Momenten sich vordrängende Moritzlocke usw.) spielend überwunden. Alles in allem: ein amüsanter Abend, der beiden Teilen gedient, seinen Zweck mithin bestens erfüllt hat. W. R. e. Eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet am Dienstag, den 21. Oktober, nachmittags 5 Uhr, statt. Auf der Tagesordnung stehen 11 Sachen, u. a. ein Antrag der Fraktion der deutschnationalen Volkspartei, Lernmittel an Schüler der Volksschulen in Zukunft nur noch auf Antrag unentgeltlich zu liefern; sodann die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion zum geplanten weiteren Schulabbau, zur Regelung des Straßenverkehrs und auf Errichtung einer kommunalen Fahr= und Fachschule für Verkehrsarbeiter. e. Wechselfahrer. Außer der Wechselfahrerin, über die die Kriminalinspektion vor einigen Tagen berichtete, treibt auch jetzt ein Wechselfahrer hier sein Unwesen. Der Betreffende besucht Geschäfte, kauft Kleinigkeiten, legt einen 50=Markschein zum Bezahlen bereit und verwickelt die Verkäuferin in ein Gespräch. Hat diese nun während der Unterhaltung das Wechselgeld auf den Ladentisch gelegt, so nimmt der unehrliche Käufer seinen 50=Markschein sowie seine Ware und verschwindet. Die Kriminalinspektion bittet, diesen Schädling dem nächsterreichbaren Polizeibeamten zu übergeben. e. Der seit dem 30. 9. 24 als vermißt gemeldete Schüler Wilh. W., von dem angenommen wurde, daß ihm ein Unglück zugestoßen sein könnte, hat sich wieder eingefunden. Ebenso konnte der Aufenthalt von fünf weiteren aus Elberfeld als vermißt gemeldeten Personen durch die Kriminalpolizei ermittelt werden. e. Der Fußweg an der Wupper zwischen Döppersberger= und Brausenwerther Brücke wird bis auf weiteres für den öffentlichen Verkehr gesverrt. e. Buntes Theater Bavaria. Dem Programm der zweiten Septemberhälfte wird durch einige Höchstleistungen auf rein artistischem Gebiet der Stempel aufgedrückt. Wir denken da in erster Linie an die Fritz Klein=Truppe, die in ihrem nervenerregenden Luftakt fabelhafte Arbeit leistet. Solch eine Nummer sieht man selten. Was sie, hoch über den Köpfen der Zuschauer hängend, an Tollkühnheit zeigt, ist geradezu verblüffend. Die 6 Dubskys in einem Leiter=Balance=Akt sind eine Klasse für sich. Es wird kaum möglich sein, sie zu übertreffen. In der Eröffnungsnummer sieht man die 3 Artons, Handvoltigeure von gutem Können. Eine Neuheit für Elberfeld ist das Auftreten des englischen Gesangs= und Tanz=Sertetts Billy und Tivoli Folly Girls. In unnachahmlicher Weise bringen sie eine Reihe neuer Tänze, ernster wie auch grotesker Art. Diese liegen ihnen besonders gut. Aus dem vorigen Programm wurde die Operettensängerin Eda Harloff übernommen. Sie entzückt durch elegante Kostüme. Auch wenn sie ihr Mündchen grazös spitzt, um dem Publikum etwas vorzupfeifen. freut man sich. Heinrich Kohlbrandt würdigten wir schon. Er trägt glänzend vor, aber es wäre wünschenswert, wenn er einmal eine neue Walze aufziehen würde. Alte Witze werden durch den besten Vortrag nicht neu. Viel Vergnügen macht die Paul Paetzold=Truppe in ihren Szenen„Der Fahrraddieb“—„Die Räder der Zukunft".„ Auf allen möglichen„Vehikeln“ zeigen sie ihre Kunst. Für die musikalische Umrahmung der einzelnen Tarbietungen sorgt in bester Weise Kapellmeister Hans Rühl mit dem ausgezeichneten Hausorchester. Alles in allem: ein genußreicher Abend. L. Barmen, 20. Oktober. wird die freie Schule an der Werlestraße anständig untergebracht? Aus der freien Schulgesellschaft wird uns geschrieben: Immer stärker und für die Oeffentlichkeit bereits ärgerniserregend machen sich die Widerstände gegen die freie Schulbewegung bemerkbar, die von seiten ihrer Gegnerschaft, der konfessionellen Schulbewegung nebst ihrem Anhang, aufgehäuft wird. Nicht nur in Ronsdorf, sondern auch in Barmen wird die freie Schulbewegung immer mehr beengt mit dem Unterbewußtsein, ihr die Lebensmöglichkeit vollständig abzuschnüren. Die Kinder der freien Schule Werletraße haben in letzter Zeit sehr oft in ungeheizten und chlecht ventilierten Schulräumen ihre Unterrichtsstunden berbringen müssen. Schon Östern sollte wegen diesen Mißständen diese Schule für Schulzwecke nicht mehr benutzt und für andere, geeignetere Zwecke geräumt und für die freie Schule Werlestraße die Schule in der Ziegelstraße eingerichtet werden. Damals gelang es der konfessionellen Schule, durch Protest(Schulstreik) gegen den Schulabbau, die Räumung der Schule Ziegelstraße für die freie Schule Werlestraße zu unterbinden, so daß nach wie vor der Unterricht in der Schule Werlestraße notgedrungen weitergegeben werden mußte, wenn nicht die Kinder dieser freien Schule pädagogischen Nachteil erleiden sollten. Daß hierüber der Elternbeirat der reien Schule Werlestraße ungehalten und empört wurde, ist verständlich, besonders deshalb, weil in der konfessionellen Schule Meierstraße noch so viel Klassenzimmer frei sind, daß die gesamte Schule Werlestraße darin Unterkunft für ihren Unterricht finden könnte. Ein Verlangen aber des Elternbeirates und der Kinder der freien Schule Werlestraße beim Rektor der Schule Meierstraße, diese Klassenzimmer doch zur Verfügung zu stellen, wurde vom Rektor mit dem Vorwande abgelehnt, daß dann die Gefahr einer „Verseuchung“ der konfessionellen Kinder, die bereits in dieser Schule Unterricht finden, vorläge. Was dieser Rektor unter„Verseuchung“ versteht, wird sein eigenes Geheimnis sein. Wir wollen hier mit ihm über pädagogische„Verseuchung“ nicht rechten, weil das bei seiner Auffassung fruchtlos sein dürfte. Appellieren wollen wir aber in eindringlichster Weise an die Schulverwaltung der Stadt Barmen, daß sie völlig neutral das Wohl und Wehe der gesamten Schulbewegung im Auge behält und die berechtigten Ansprüche der freien Schule Werlestraße sowie der freien Schulbewegung überhaupt genau in demselben Maße berücksichtigt, wie die der anderen Seite, ebenfalls auch Deputationen beider Richtungen bei ihrem Vorstelligwerden objektiv und unterschiedslos behandelt. Auf alle Fälle ist es an der Zeit, für passende Unterkunftsräume der Schule Werlestraße zu sorgen, besonders, da uns jeder Tag dem Winter näher bringt und für Kinder, die sowieso ehr empfindlich sind, ein unschätzbarer Nachteil in der Schulerziehung eintreten würde durch Ablenkung vom Unterricht durch die Kälte. Wr. Die Barmer Inderzahl für Ernährung, Wehnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung stellte sich nach Mitteilung des Statistischen Amtes für den 15. Oktober auf das 1,22fache der Vorkriegszeit und ist gegenüber dem Vormonat um 6,1 Prozent gestiegen. An der Steigerung dieser Lebenshaltungskosten ist vor allem die Ernährung beteiligt, darunter in erster Linie Brot, Kartoffeln, Milch, Eier usm. Die der Indexzahl zugrunde liegende absolute Zahl, die sogenannte Teuerungszahl, belief sich für den 15. d. M. auf 124,66 A gegenüber 117,49 A im Vormonat. Der Zweck der Barmer Teuerungszahl(nach der Reichsmethode) ist nicht, wie vielfach angenommen wird, die Feststellung des Existenzminimums, also nicht der absolnten Höhe der Lebenskosten, sondern die Errechnung von Verhältniszahlen, die die Bewegung der Kosten der Lebenshaltung dartun, und zwar lediglich gemessen an den in Betracht gezogenen Aufwendungen: Ernährung, Wohnung, Heizung, Beleuchtung und Bekleidung und auch nur nach Mußgabe des vom Reich für das ganze Reichsgebiet angenommenen Verbrauchsschemas. b. Eine Sitzung der Stadtverordnetenversammlung findet Mittwochnachmittag 4 Uhr statt. Zur Beratung stehen u. a. folgende Punkte: Annahme einer Handschriften= und Bildersammlung aus dem Nachlaß des Barmer Ditchers Emil Rittershaus; Errichtung einer Anstalt zur Herstellung von Säuglingsmilch; Anschaffung von 6 Motortriebwagen für die Barmer Straßenbahnen, sowie verschiedene Anträge der Kommunisten betr. Unterstützungen usw. b. Bersuchter Einbruch. In der Nacht zum Montag versuchten Diebe in die im Rathaus befindliche Verkaufsstelle der Konsumgenossenschaft„Vorwärts“ einzubrechen. Die Einbrecher haben einige Scheiben der Ladentür eingedrückt und versucht, mit einem Stecheisen das Schloß auszulösen. Da ihnen dieses nicht gelungen ist, haben sie den Schauplatz ihrer nächtlichen Tätigkeit ohne Erfolg verlassen müssen. h. Bunte Abende in der Stadthalle veranstalten die Barmer Nothilfebezirke Nr. 7 und 24 am Mittwoch und Donnerstag. Die Programme deuten auf wirklich gediegenen Inhalt. Es sind Abende künstlerischen, ernsten und fröhlichen Geistes zum Besten des Kleinkindes, aber auch zu anderen gemeinnützigen Hilfeleistungen. (Siehe heutige Anzeige.) b. Goethe=Vorträge. Am Dienstag, den 21. d. M., beginnen in der Volkshochschule die diesjährigen Goethe=Vorträge von Herrn Pfarrer Kulp. Ihr Gegenstand wird eine Dichtung sein, die gerade in unseren Tagen besonderes Interesse hat. Goethe flüchtete damals aus der Unruhe der Zeitereignisse in den Orient. Seine Dichtung will eine Vermählung orientalischen Geisteslebens mit deutschem Wesen sein. Auch heute wieder schauen viele nach dem Orient: Indien, China, Japan haben die europäische Menschheit nie so lebhaft beschäftigt wie in unseren Tagen. Da können wir von Goethe lernen, wie wir Fremdes uns aneignen dürfen, ohne Eigenstes zu verlieren. Und in diesen west=östlichen Klang hinein tönen nun die unvergleichlich schönen Lieder von der Liebe des 65jährigen Dichters zu der jugendlichen, hochbegabten Marianne von Willemer(Suleika). In 7 Abenden soll das Wesentlichste des west=östlichen Divan an dem inneren Auge der Zuhörer vorüberziehen. Karten für die Vorträge(1 für 7 Abende) sind noch beim Hausmeister des Realgymnasiums und in der Buchhandlung Graeper zu haben. Beginn 8¾ Uhr. Sozialdemokratische Partei. Unterbezirke Elberfeld, Lennep=Remscheid Arbeiterwohlfahrt Barmen=Elberseld Die Ortsausschüsse für Arbeiterwohlfahrt von Barmen und Elberfeld finden sich zur gemeinsamen Aussprache am Montag, 20. Oktober, abends 8 Uhr, im Rathause in Elberfeld, Zimmer 62. zusammen. Ortsverein Elberfeld Eine Sitzung aller Funktionärinnen und Mitarbeiterinnen der Partei findet am Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, in der Freien Presse statt. Alle Eingeladenen müssen erscheinen. Jugendschutz Elberseld Die etwa noch für Schutzaufsicht in Frage kommenden Genossen und Genossinnen werden dringend gebeten, ihre genaus Adresseheute aben. in der Mitgliederversammlung beim Vorstand, oder spätestens bis Mittwoch, den 22. d., im Bureau der Arbeiterwohlfahrt abzugeben, damit sie zu den Einführungsvorträgen die das Jugendamt veranstaltet, eingeladen werden könnenDer Ortsausschuß für Arbeiterwohlfahrt. Bezirk 20 a Elberfeld=Uellendahl. Dienstag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Bezold, Eschenbeeker= und Uellendahlerstr.=Ecke: Bezirks=Verammlung. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom Sommerfest; 2. Bericht über die mit der Stadt gepflogenen Verhandlungen betr. Mieten, insbesondere in den städtischen Häusern. Berichterstatter; Stadtv. Gen. Marschall: 3. Bezirksangelegenheiten. In Anbetracht der wichtigen Tagesordnung müssen alle Mitglieder erscheinen. Stadtverordnetenfraktion Barmen Morgen, Dienstag, den 21. Oktober, abends 8 Uhr: Wichtige Fraktionssitzung im Rathaus, Zimmer 167. Reichsbanner Schwarz=Rot-Gold Ortsgemeinschaft Elberfeld. 9. Kameradschaft. Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8.30 Uhr, bei Braß, Karnap= und Gerberstraßen=Ecke: Versammlung. Die Kameraden, die mit nach Düsseldorf fahren, müssen unbedingt erscheinen. 11. Kameradschaft(Uellendahl). Mittwoch, den 22. Oktober, abends 8 Uhr, beim Wirt Bezold, Eschenbeekerstraße: Versammlung. Ortsgemeinschaft Barmen. 5. Kameradschaft(Leimbach=Hatzfeld). Donnerstag, den 28. Oktober, abends 8 Uhr, bei Schwafferts, Steinweg 54: Wichtige Versammlung. Anschließend Tour. 8. Kameradschaft. Mittwoch, den 22. Oktober, abends 7 Uhr, bei Sonnenschein: Zug= und Gruppenführer=Sitzung. 10. Kameradschaft. Mittwoch den 22. Oktober, abends 8 Uhr, bei Wirt Aring: Kameradschafts=Versammlung. Der Wichtigkeit halber muß jeder Kamerad pünktlich erscheinen. Jungvolk=Veranstaltungen Elberfeld. Grupve Nord? Dienstag, den 21. Oktober, abends 7½ Uhrs Mitgliederversammlung. Alle Teilnehmer an der Fahrt nach Düsseldorf haben sich bis Dienstagabend 9 Uhr in der Gruppe Nord zu melden. 40 Pfg. für Mittagessen müssen mitgebracht werden. Die Gruppe Südwest zahlt an ihren Vorsitzenden. Barmen. Gruppe Mittelbarmen. Dienstag: Vortrag des Gen. Krüger über:„Das Sozialistengesetz in Preußen=Deutschland." Donnerstag: Märchenabend. Einführung und Vorlesungen von Herrn Lehrer Klovvennurg— Sonntag: Wanderfahrt zur Isenburg a. d. R. Kosten 50 5. Vereins=Nachrichten. Freie Turnerschaft, Ronsdorf. Dienstag, den 21. Oktober, abends 3 Uhr, im Gewerkschaftshaus: Generalversammlung. Verantwortlich für Politik: Emil Rauch=Elberfeld; für Lokales Elberfeld=Barmen: Emil Quitzau-Elberfeld; für Gewerkschaftliches, Genossenschaftliches, Aus aller Welt, LennepRemscheid=Mettmann, Kunst und Sport und den unterhaltenden Teil: Oskar Hoffmann=Elberfeld; für den Inseratenteils Friedrich Heyck=Elberfeld.— Rotationsdruck und Verlag: Verlagsanstalt Freie Presse, Molker buhr u. Ko., Elberfeld.— Berlinex Redaktion: Berlin SW., Lindenstr. 8. 1* Der Hausherr sagt: Ganz Vorzüglich schmeckt der Kaffee, seit meine frau nur noch den guten Quieta verwendet. Trinke Quieta! Strom= und Gaspreise. die setzen: die Kommission hat am 13. d. Mts. beschlossen, trom= und Gaspreise wie folgt herunterzu1. Strompreise: a) Lichtstrom 45 Pfa. je Kwst. b) Niederspannungs=Kraftstrom: 1. Allgemeiner Preis für alle dienigen Abnehmer, die mit der Benutzungszeit des Anschlußwertes unter 50 Stunden im Monat bleiben.. 20„„ 2. Preis für regelmäßige garantierte Abnahme mit einer Benutzungszeit des Anschlußwertes über 50 Stunden im Monat: Grund- Zubis 400 Kwst. monatl. über 400„ „ 500„ „ 700„ „ 1000„ „ 1200„ 1600„ 3000 4000„ „ 5000„ „ 6000„ 7000„ 8000„ „10000„ c) Hochspannungs=Kraft Preise für regelmäßige garantierte Entnahme ohne Vertrag mit einer Benutzungszeit des Anschlußwertes über 50 Stunden im Monat )Kwst. monatl. 12 11½ 2000„ 3000„ 4000 19908 15000 20000„ 10¾ 10 9½ 81. 71 7 6¾ 1½ 13½ 1½ 13, 1½ 12¼ 1½ 11½ 1½ 11 1½ 10½ 1½ 10 1½ 9½ 1l 8i. 8. d) Betriebsstundenraba.te: Am Ende des Geschäftsjahres der städt. Werke. d. b. im zweiten Quartal 1925, werden auf die unter b) und c) angegebenen Grundpreise für die letzten 6 Monate des Geschäftsjahres folgende Betriebsstundenrabatte vergütet: bei 750 bis 1000 Betriebsstunden jährlich 7½% „ 1000„ 1250„„ 10% „ 1250„ 1500„„ 12½% 1750„ 200„„ 131. 200 20: 321. über 2750„ 25% Die Zahl der Betriebsstunden wird durch Teilung der bezogenen Kwst. durch den am Ende des Rechnungsjahres vorhandenen Anschlußwert erAls Anschlußwert gilt allgemein die Summe der einzelnen Leistungen aller angeschlossenen Motoren und Apparate bewertet in Kw. Für die Bewertung in Kw. wird bei allen Motoren unter 100 PS. die Leistung von 1 PS. mit 860 Watt berechnet und bei allen Motoren über 100 PS. mit 820 Watt ie PS. 2. Gaspreise: 500 chm monatlich 17 Pfg. ie chm bis über 500 800 1000 1500 2000 3000 5000 8000 10000 15000 20000 14 13½ 13 12½ 12 11½ 11 10½ 10 9½ 9 Remscheid, den 14. Oktober 1924. Der Oberbürgermeister. J. V.: Schulte. Nachtrag Aufruf! Die Elberfelder Private Wohlfahrtspflege, in welcher sämtliche Wohlfahrtsorganisationen Elberfelds vereinigt sind, wendet sich mit folgendem Aufruf an die Bevöl erung. Angesichts der schwierigen finanziellen Lage der Gegenwart steigt die Not immer höher, und Hilfe tut dringend not. Oft genug wird in falscher Weise gebolfen, z. B. durch Geldgaben an den Türen ohne Prüfung der wirklichen Notlage. Um nun die Not zu lindern und die Möglichkeit zu haben, besser den Notitänden in den Familien nachgehen zu können, schlagen wir nach längerer Beratung folgenden Weg vor— eine Einrichtung. welche in anderen Städten sich bereits bewährt hat. Wir geben Gutscheine zu 5. 10 und 20 Pig. aus. welche von Familien, Geschäften ulw. in folgenden Ausgabestellen käuflich erworben werden können: 1. Evangl. Jugend= und Wohlfahrtsamt. Bergstraße 50. Telephon 3529. 2. Kath. Caritassekretariat, Auerschulstraße 1. Telephon 8062. 3. Jüdischer Wohlfahrtsverband, Genügsamkeitstraße 7. Telephon 4845. 4. Arbeiterwohlfahrt, Robertstr. 8. Tel. 2973. Die Hilfsbedürftigen erhalten von ihren Gebern statt Bargeld Gutscheine. Diese Gutscheine müssen in einer Ausgabestelle abgestempelt werden, bevor sie in bestimmten Geschäften in Lebensmittel(niat in Tabak und Alkohol) umgesetzt werden können. Diese Geschäfte können zu jeder Zeit ihre Scheine aber nur abgestempelte, auf den Ausgabestellen gegen Reichsgeld einlösen. Die oben angegebenen Ausgabestellen prüfen die versönlichen Verhältnisse der Hilfsbedürftigen und stehen in Fühlung untereinander und mit dem Städt. Wohlfahrtsamt. um notwendige Maßnahmen zu veranlassen. Die Elberfelder Private Wohlfahrtspflege bittet die Bürgerschaft Elberfelds um größtmöglichste Unterstützung im Interesse ihrer gemeinnützigen Bestrebungen. Die Elberselder Private Wohlfahrtspflege. Ter Schriftführer. Rektor Sprungmann. zur Tagesovdnung für die Stadtverordnetensitzung vom 21. Oktober. Antrag der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft: Die Stadtverordn.-Verlammlung wolle beschließen. die Tätigkeit des städtischen Baubetriebsamtes und der städtischen Schuhbesohlanstalt einzustellen Der Oberbürgermeister Dr. Hartmann. Nachtrag zur Tagesordnung für die Stadtverordneten=Versammlung zu Remscheid am Dienstag, den 21. Oktober 1924, nachmittags 4 Uhr. im Rathaussaale 17. Antrag der bürgerlichen Arbeitsgemeinschaft auf Einstellung der Tätigkeit des städtischen Baubetriebsamtes und der städtischen Schnhbesoblanstalt 18. Antrag der Kommunistischen Fraktion wegen Nichtvergebung städtischer Aufträge an Stadtverordnete oder an Mitglieder von städtischen Kommissionen. Fortsetzung der Beratung derjenigen Punkte der Tagesordnung, die in der Sitzung vom 21. Oktober 1924 nicht zur Erledigung gelangen, am Mittwoch. den 22. Okt. 1924, nachm. 4 Uhr. Remscheid, den 18. Oktober 1924. Der Oberbürgermeister. Der Vorsitzende. Eugen Blank Zur Wahl von 11 Repräsentanten und 6 Stellvertretern ist Termin auf Montag, den 1. Dezember d. Js., im Vortragssaal der Höheren Handelsschule, in der Zeit von vormittags 10 bis nachmittags 4 Uhr, anberaumt, wozu die Wähler hierdurch eingeladen werden. Die Wählerliste liegt von Samstag, den 25. Oktober, bis einschließzlich Samstaa, den vormittags von 10 bis Uhr, tur die Gemeindemitglieder im Bureau des Gemeindehauses, Genügsamkeitstrabe, zur Einsicht aus. Einsprüche gegen die Liste sind bis zum Ablauf der Auslegungsfrist beim Vorstand der Synagogengemeinde anzubringen. Wahlvorschläge sind spätestens 21 Tage vor dem Wahltage. also bis zum Sonntag. den 9. vember 1924, bei dem unterzeichneten Wahlkommissar(Rathaus. Zimmer 51) einzureichen. Die Wahlvorschläge mussen von mindestens 25 zur Wahl berechtigten Personen unterzeichnet sein und dürfen nicht mehr Namen enthalten, als Repräsentanten und Stellvertreter zu wählen sind. Mehrere Wahlvorschläge können miteinander verbunden werden. Die Verbindung mußz von den Unterzeichnern der betr. Wahlvorschläge oder ihren Bevollmächtigten übereinstimmend spätestens am 7. Tage vor dem Wahltage beim Wahlkommissar schriftlich erklärt werden. Verbundene Wahlvorschläge können nur gemeinschaftlich zurückgezogen werden. Die verbundenen Wahlvorschläge gelten den anderen Wahlvorschlägen gegenüber als ein Wahlvorschlag. Nach der öffentlichen Bekanntgabe der zugelassenen Wahlvorschläge können diese nicht mehr zurückgenommen und ihre Verbindung kann nicht mehr aufgehoben werden. Elberseld, den 16. Oktober 1924. Der Wahlkommissar. Prol. Dr. Gensel Beigeordneter. Werbt neue Abonnenten. Ein beste Ransenberg& Cie. Herzogstr. 1 Elberfeld Ecke Wall. Billigste Bezugsquelle für fertige Herren-, Burschen- und Knaben-Garderobe. Leder in Kerntafein und im Ausschnitt sowie Batterien per Stück 40 Pfg. Taschenlampen kompl. von 1 Mk. an. Gasstrümpfe Stück 35 Pfg. Nur beste Qualität. 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Oktbr., abends 7 Uhr: Oeffentl. Vorstellung. Madame Pompadour. Operette in 3 Akten v. Fall. Wasch=, Wring= nud Messerputzmaschinen werden repariert. Begr. Wringmaschinen=Fabrik. Elberfeld. Bergstrate 19. Telephon 4165. Elegante Damenhüte in Zilinder, Sammet, Pelz, Leder etc., sehr schicke kleidsame Macharten von 9 G.-Mk. an. Umarbeiten von Damenhüten all. Art, nach den neuesten Hodellen. Elberfeld Frau Elfr. Ebert. Wasserstr 8 Kein Laden.-(Seitenstrasse vom Kipdorf.) Glückwunschkarten zu allen Gelegenheiten. Buchhandlung Freie presse Elberfeld. Robertstraße. Barmen, Ref. Kirchstraße den 20. Oktober 1924. Die Kontrolle des privaten Waffenhandels (Von unserem Genfer Korrespondenten.) Auf der letzten Völkerbundstagung ist die Einberufung einer internationalen Abrästungskonferenz für 1925 nach Gelif beschlossen worden. Sie soll die Lösung des Rüstungsproblems bringen. Eine besondere Kommission wird durch entsprechende Vorarbeiten auf allen Gebieten die endgültigen Entscheidungen der Konferenz fördern und erleichtern. An sich ist der Plan einer Kontrolle der Rüstungsindustrie durch den Völkerbund älteren Datums, als der oben erwähnte Beschluß. Schon die Konvention von Saint Germain 1919 hatte die Möglichkeit einer Lösung dieses schwierigen Problems ins Auge gefaßt, und die vierte Völkerbundstagung hatte im gleichen Sinne dem Rate folgende Resolution unterbreitet:„Die Versammlung empfiehlt dem Rate, die gemischte zeitweilige Kommission(für Militärfragen) aufzufordern, geeignete Pläne auszuarbeiten, die die Konvention von Saint Germain über die Kontrolle des Waffenhandels ersetzen können.“ Die Kommision hat ihre Zeit nicht unbenutzt gelassen. Das Ergebnis ihrer Arbeit für die letzten drei Jahre liegt nunmehr in einer Denkschrift vor, die einen statistischen Ueberblick über den Waffenhandel der Hauptindustrieländer der Welt in den letzten Jahren gibt. Allerdings kann der Bericht keinen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, da er bei der Mehrzahl der Länder nur bis 1922 durchgeführt werden konnte. Außerdem sind die einzelnen Angaben der verschiedenen Länder, z. B. über Zweck und Ziel der transportierten Waffen, recht unklar und unbestimmt abgefaßt. Auch konnte bei dem ganz besonders großen Waffenschmuggel, wie er heute blüht, nur ein gewisser Prozentsatz des gesamten Umsatzes an Waffen erfaßt werden. Aber als Ganzes gesehen, ergeben doch die Ziffern ein gewisses eindrucksvolles Bild über die Bedeutung des privaten Waffenhandels, befonders wenn man seine besonderen politischen Konsequenzen dabei berücksichtigt. Die Schwierigkeiten einer wirklich wirksamen Kontrolle ergeben sich schon aus den Berichten, wie sie gleich das in dem Bericht an der Spitze verzeichnete Land Belgien liefert. Da sind z. B. für das Jahr 1923 Handfeuerwaffen jeder Art mit einer Exportziffer „von 806,6 Tonnen mit einem Gesamtwerte von 290 485 000 Franken angegeben. Davon gingen 71 Tonnen nach dem Belgischen Kongo, der Rest nach—— anderen Ländern! Ohne jede nähere Angabe ist natürlich eine Nachprüfung des Verbleibs dieser Waffen unmöglich. Dasselbe wiederholt sich bei fast allen anderen Staaten, immer wieder die stereotype Angabe—„nach anderen Ländern“. Man begreift— es liegt System darin, man will sich nicht in die Karten sehen lassen. Ofsenherziger ist man bei der Angabe von Schießpulver, vielleicht weil hier die verschiedenen Behörden der verschiedenen Länder der Gefährlichkeit dieses Artikels wegen keine Retouchierungen beim Transporte gestatten. Hier sei nur die Tatsache verzeichnet, daß die größte Menge an Schießpulver nach — Marokko exportiert wurde. Als Gesamtbild steht schließlich einer Ausfuhr von 37 661,4 Tonnen eine Einfuhr von 11 186,0 Tonnen gegenüber. Interessant sind auch die Ziffern Englands. Da sind z. B. noch 1920 für 45000 Pfund Sterling Geschütze nach Rußland transportiert worden und für 87 500 Pfund—„nach anderen Ländern". 1922 ist die russiche Ziffer verschwunden, aber die Ziffer für andere Länder beträgt immer noch 65 400 Pfund. An Maschinengewehren lieferte England an Japan und China für 134 800 Pfund Sterling, an—„andere Länder“ für 11 500 Pfund. Demgegenüber bezifferte sich der Gesamtabsatz für die britischen Besitzungen nur auf 140 600 Pfund Sterling. Hier spielt allerdings der begreifliche Wunsch der Engländer mit, den Eingeborenen keine Waffen in die Hände zu geben. Bei der Angabe der Ziffern von Revolvern, Gewehren und Karabinern für 1922 werden bei einer Gesamtsumme von 49500 Pfund Sterling nur Lieferungen für 2800 Pfund mit dem Bestimmungslande namhaft gemacht,— der Rest für„andere Länder“. Diese dehnbare Bezeichnung trittt immer wieder auf bei der Bestimmung von Pulver, Dynamit und jeder Sorte von Kriegsgerät. Man weiß also höchstens, wieviel Material aus irgendeinem Lande exportiert wird, aber man erfährt nicht, wenigstens nicht bei dem größten Teile, wohin„es fährt“. Ein Vergleich der Ausfuhr mit einer Gesamtsumme von 4 058 700 Pfund Sterling gegenüber einer Einfuhr von 186 000 Pfund ergibt ohne weiteres, wie gewaltig die Menge von Waffen ist, die abgesetzt wird. Ein Hauptlieferant an Waffen sind die Vereinigten Staaten, die für 1923 allein für Handfeuerwaffen eine Erportziffer angeben, die einem Werte von 5123,700 Dollar entspricht. Für die anderen Sorten von Kriegsmaterial fehlen genaue Angaben, aber auch hier begreift man ohne weiteres, wo die Mengen von Waffen bleiben, wenn z. B. noch 1920 Rußland als Abnehmer Roman von Friedrich Thteme. 32. Fortsetzung. Nachdem der Staatsanwalt sich des Näheren über den Vorgang selbst verbreitet, kam er auf das Motiv der Tat und ihre strafgesetzliche Würdigung zu sprechen.„Dies bildet den Teil meiner Aufgabe, der mir schwer fällt,“ betonte er.„Sie haben alle gehört, in was für einer Gemütsverfassung sich die Angeklagte befand. Sie hatte schwer gelitten, war an ihrem Teuersten gekränkt worden, sie war erregt, verbittert, exaltiert — aber alle diese Empfindungen schließen die Verantwortlichkeit nicht aus. Schließlich ist jede Handlung die Folge eines lebhaften Impulses. Das hindert nicht die freie Willensbetätigung des Menschen, und jede solche Handlung ist die Wirkung eines ordnungsmäßigen Gehirnprozesses, bei welchem die Ueberlegung und alle moralischen Hemmungen zu ihrem Rechte gelangen. Auf das Moment der Ueberlegung aber kommt es hier an, und ich glaube, es kann kein Zweifel darüber sein, daß die vom§ 211 des Strafgesetzbuches geforderte Ueberlegung bei der Angeklagten voll und ganz vorhanden war. Schon die lange Zeit, welche hindurch sie mit dem Gedanken des Mordes gespielt hat, und der Diebstahl des Fläschchens beweisen das. Ueber die Frage der Vorsätzlichkeit ihres Tuns verliere ich kein Wort— niemand, auch der Herr Verteidiger nicht, wird diese Vorsätzlichkeit bestreiten. So muß ich, mit so schwerem Herzen ich mich dazu entschließe, die Anklage auf Grund des§ 211 aufrecht erhalten. Die Tat dieser unglücklichen Frau charakterisiert sich, wie wir uns auch gegen die Annahme sträuben mögen, als überlegter, vorsätzlicher Mord. Freilich kennt das Gesetz hierfür keine mildernden Umstände, aber es ist nicht unsere Sache, dies zu bedenken. Wir haben einfach Recht zu sprechen und das Gesetz zu erfüllen; handeln Sie in diesem Sinne, meine Herren, und sprechen Sie die Angeklagte schuldig!“ Voll Grausen wendeten sich aller Blicke auf Marga, die den Staatsanwalt mit aroßen, schreckerfüllten Augen anstarrte. — Doktor Ammarell fühlte, daß es vor allem galt, den Eindruck der letzten Worte des Vertreters der Anklage zu verwischen. „Meine Herren Geschworenen!“ rief er im Tone aufrichtigster Entrüstung.„Ich glaube, nicht recht gehört zu haben, und Sie werden sich vielleicht in der gleichen Lage beFreie Presse. von Granaten im Werte von 5 345 400 Dollar und Gewehren im Werte von 3374 000 Dollar aufgeführt wird. Ein interessanter Beweis dafür, daß eine offizielle Verdammungspolitik Amerikas seine geschäftstüchtigen Kapitalisten nicht am Geschäftemachen mit dem roten Rußland hinderte, vorausgesetzt, daß dieses tüchtig zahlte. Wo aber bleiben all diese Mengen von Waffen und Pulver? Die schöne Formel nach— anderen Ländern gibt dafür wohl keine ganz ausreichende Erklärung, aber man liest z. B. für China die geradezu phantastische offizielle Einfuhrsumme an Waffen von 1 999 588 Golddollars für 1923 und man begreift, warum Bürgerkriege unter Umständen ein recht lohnendes Geschäft sein können. Daß die Größe eines Landes nicht im entsprechenden Verhältnis zu seiner Leistungsfähigkeit als Waffenlieferant zu stehen braucht, beweist neben Belgien wohl am besten die Tschechoslowakei, die z. B. für 1922 eine Ausfuhrziffer von 42 300 000 Dollar gegen einen Einfuhrwert von 26 900 000 Dollar aufweist. Neben diesen offiziellen Ziffern geht noch der illegale Waffenhandel, über dessen Umfang naturgemäß nur ganz unbestimmte Ziffern gegeben werden können. Er geht als Konjunkturgeschäft im wahrsten Sinne des Wortes ganz nach und mit den kriegerischen Zeitläuften. Augenblicklich sind Rußland und China hier die großen Abnehmer. Namentlich nach China werden trotz strenger Seekontrolle immer noch bedeutende Mengen an Waffen geschmuggelt. Es ist kein Ehrenmal für Deutschland, daß ein großer Teil dieses Schmuggels auf deutschen Schiffen geschieht, wobei gern zugegeben werden soll, daß der legale deutsche Handel mit diesen Dingen nichts zu tun hat. Der Völkerbund hat also bisher trotz anerkennenswerter Arbeit auf dem Gebiete des Waffenhandels noch keine wirksame Kontrolle durchsetzen können. Es wäre aber ebenso ungerecht wie töricht, ihm daraus einen Vorwurf zu machen. Ihm fehlen vorläufig noch die dazu gehörigen Machtmittel. Helfen kann hier nur eine gegenseitige Konvention der Hauptländer für die Waffenindustrie, die den gesamten Handel der Kontrolle des Völkerbundes bundes unterstellt. Jubilierende Christen Die christlichen Gewerkschafter sind bescheidene Leute: wenn sie jetzt erst ihr 25jähriges Jubiläum feiern, so erinnern sie sich damit ausgerechnet des Jahres 1899, in dem Jahrzehnte zurück liegende Anfänge einen formalen Abschluß fanden. Ihre Jubiläumstagung in Köln am 12. und 13. Oktober war kaum der Rückschau, sondern vornehmlich der Ausschau in die Zukunft gewidmet. Die Kölner Reden hat die Lehrmeisterin Geschichte zu wenig, dafür aber die Antithesis(der grundlegende Geaensatz) zur marxisti schen Arbeiterbewegung, zu stark beeinflußt. Das ist für die christlichen Gewerkschaften selbst am bedauerlichsten, denn sie haben ein Rückbesinnen auf ihre Anfänge, wie die verhängnisvolle Tätigkeit Stegerwalds evident beweist, dringend nötig. Diese Anfänge der katholischen Arbeiterorganisationen sind Kampfjahre gegen die Verfolgungen des Kapitalismus gewesen. Wenn auch diese Organisationen nie eigenbestimmte soziale Zwecke verfolgt haben, nur immer erst nach den freigewerkschaftlichen Organisationen mit der einzigen Aufgabe, die Integrität der christkatholischen Religion bei den Arbeitern zu wahren, gegründet wurden— so wurden sie doch von dem Unternehmertum mit dem feinen Witterungsvermögen für klassenfeindliche Erscheinungen in der Zeitgeschichte sofort als eine solche erkannt. Gewollt oder nicht, die katholischen Sozialorganisationen waren ein Flügel der Prole tarierarmee im Klassenkampf. In dieser Eigenschaft haben sie als katholische Arbeitervereine und deren Fachabteilungen, wie auch in der späteren Form der christlichen Gewerkschaften die schwere Faust der Unternehmer oft und brutal zu spüren bekommen. Opfer des Klassenkampfes fielen nicht nur bei den freien Gewerkschaften, sondern auch bei den Christen. Das eine schied von Anfang an und später immer stärker die katholischen und überkonfessionell=christlichen(wenn auch bis heute immer noch überwiegend katholischen) Arbeiterorganisationen von den freien Gewerkschaften: in den christlichen Organisationen wurde durch die Harmonielehre von den gleichen Interessen des Bruders Arbeiter und des Bruders Unternehmer die praktische Wirksamkeit der katholischen Arbeiter im sozialen Kampf gehemmt und das Bewußtwerden des Klassenkampfes verhindert. Und das ist die Signatur der christlichen Gewerkschaften geblieben, sie sind nicht Wasser, nicht Feuer: sie haben kontinuierlich Klassenkampf führen müssen und haben die Existenz des Klassenkampfes bis heute geleugnet. Wenn nach Goethe die wahrhaft Weisen die sind, die durch den Irrtum zur Wahrheit kommen, so hat das Schicksal den christlichen Gewerkschaften und ihren Führern reichlich Zeit und Gelegenheit Beilage zu Nr. 246. gegeben, sich zu selchen wahrhaft Weisen zu entwickeln. Prolktarisierung immer weiterer Schichten des Volkes, Verschärfung der Klassengegensätze— diese Erscheinungen(unleugbar vorhanden und für jeden erkennbar) hätten ihre Wirkung tun können. Sie haben auch bei vielen ihre Wirkung getan, aber diese sind ausgeschieden aus den Reihen der„Christen“, weil die Tatsachen der sozialen Lage in deren Organisationen immer wieder der Umdeutung im Sinne eines ganzen Systems christlicher Soziallehre verfallen sind. Davon hat eben noch auf der Kölner Tagung der Kölner Kardinal Dr. Schulte gesagt,„daß die christlichen Grundsätze, die nicht von gestern sind, sondern die die Bewährung von 2000 Jahren hinter sich haben, nur zur Entwicklung gebracht zu werden brauchen, um auch im 20. Jahrhundert das Angesicht der Erde zu ernenern und die Lage der am meisten leidenden Volksgenossen zu einer zufriedenstellenden zu gestalten". Man könnte nun mit Goethe weiter folgern, daß das die Narren sind, die im Irrtum bebarren. Doch mit dieser Kennzeichnung würde man den Führern der christlichen Gewerkschaften Unrecht antun. Soweit sie durch einen Mann wie Stegerwald vertreten werden, kann man ihre Wirksamkeit nicht ernst genug nehmen, muß man sie nicht als Abwegigkeit, sondern als ein klares Zielbewußtsein erkennen. Dem widerspricht nur scheinbar, daß Stegerwald einmal(nach der Revolution) eine Hoffnung nicht nur der christlichen, sondern auch der sozialistischen Bewegung war. Die Frankfurter Zeitung weist darauf hin,„daß ihn die Sozialdemokraten zum preußischen Ministerpräsidenten haben wollten". Er selbst gibt jetzt offen zu, daß er„seit Ende 1920 immer mehr von der Sozialdemokratie abrückte“. Heute ist Stegerwald der eifrigste Befürworter der Koalition mit den Deutschnationalen: politisch sind Junker und Großkapitalisten seine intimsten Freunde geworden. Man kann, wenn man will, hinter dieser Wandlung persönliche Gründe suchen. Die Frankfurter Zeitung nennt Stegerwald einen egenwilligen und zähen Mann mit einem robusten Machtdrang,„ohne Verständnis für psychologische Angelegenheiten, ähnlich etwa wie Ludendorff“. Aber diese Gründe reichen doch nicht aus für die wirkliche Erklärung. Diese findet man eher, wenn man beachtet, was Stegerwald heute will und wie er dies Wollen begründet. Er sprach sich jetzt in Köln mit aller Energie für die Arbeitsgemeinschaft von Arbeitern und Unternehmer=Organisationen aus; er erklärte, Deutschland habe hier eine welthistorische Mission zu erfüllen. Im Interesse dieser Idee habe er sich seit Jahren gegen den starren Achtstundentag gewandt. Dabei demaskierte sich Stegerwald durch die im Munde eines Gewerkschaftsführers ungeheuerliche, weil vollkommen unsinnige Behauptung: Wenn wir mit dem starren Achtstundentag in eine neue Inflationszeit hineingeschlittert wären— und diese Gefahr war sehr groß—, dann hätte die ganze Welt geschrien, daß engstirnige Gewerkschaftsborniertheit dies neue große Unglück verschuldet habe.(Bericht der Köln. Ztg. in Nr. 726.) Von solchen Ansichten aus gelangte dann Stegerwald zu der Forderung, die christliche Gewerkschaftsbewegung müsse von den Staatsbedürfnissen ausgehen. Das Staatsbedürfnis aber verlange die Einbeziehung aller nationalen Kräfte in die Regierungstätigkeit: Landwirtschaft und Protestantismus müsse eingegliedert werden in die staatliche Verantwwortung, die Hauptkräfte sowohl der Landwirtschaft, wie des Protestantismus aber ständen im deutschnationalen Lager. Stegerwald verglich dann Protestantismus und Sozialismus: „Der Protestantismus ist in Deutschland eine ganz andere Geistesmacht wie der Sozialismus. Er hat geistig bedeutsame Entwickelungslinien; er übt zudem eine charitative Tätigkeit und Praxis aus, die kein Freund deutscher Volksgesundheit und Volkssittlichkeit entbehren kann. Der Sozialismus dagegen geht von ökonomischen Voraussetzungen aus. In wirtschaftlicher Hinsicht ist der Sozialismus um Jahrzehnte zurückgeworfen, während er als Geistesmacht überhaupt zusammengebrochen ist. Die evangelische Kirche ist auf dem Wege zur Volkskirche.“ (Wörtlicher Bericht der Köln. Ztg. in Nr. 728.) Der alte Kämpe Imbusch ist Stegerwald energisch und wirkungsvoll entgegengetreten. Er berief sich auf die Hunderttausende christlicher Gewerkschafter, die im Gegensatz zu Stegerwald es ablehnen, von den Bedürfnissen des Staates auszugehen: der Gewerkschafter müsse von den Arbeiterinteressen ausgehen. Die anderen Glieder des Staatsganzen redeten viel von Volksgemeinschaft und sorgten dabei kräftig für sich. Das wüste Ge schrei gegen den Marxismus sei doch von vielen einfach nur so gemeint, daß es sich genau so gegen die christlichen Gewerkschaften richte, wie gegen die Sozialdemokratie. Wenn der MünchenGladbacher Joos erklärte: Gewiß, der einzelne Arbeiter kann beute Minister und Reichspräsident werden, aber die Masse der Arbeiter wird davon gar nicht berührt, sie sagt, in unserem finden. Sie haben die Angeklagte gesehen, Sie haben die Geschichte ihrer Leiden vernommen, Sie haben die Tat, deren man sie beschuldigt, vernommen— haben Sie danach die Ueberzeugung erlangt, daß in Frau von Wolfern eine gemeine Mörderin vor Ihnen steht, deren Handlungsweise nur das Schwert des Henkers sühnen kann, auf eine Stufe zu stellen mit jedem erbärmlichen Raubmörder? Ich bin entsetzt, einen solchen Antrag zu vernehmen. Die Angeklagte erklärt sich für unschuldig. Nun wohl, als mir zuerst die gegen sie sprechenden Belastungsmomente vor Augen geführt wurden, da nahm ich ebenfalls an, die arme, bemitleidenswerte Frau habe sich von ihren bis zum äußersten gereizten Muttergefühlen hinreißen lassen zu einem unseligen Beginnen, je mehr ich aber im Verlauf der Untersuchung und Verhandlung mich überzeugen mußte von ihrer Öffenheit und Wahrheitsliebe, die alle Dinge beim rechten Namen nennt ohne Rücksicht darauf, ob die Wagschale der Beweise für oder gegen ihre Schuld davon beschwert wird, je mehr verblaßten die schweren Schatten, die ihre Gestalt umgaben, in meinem Innern, und wenn ich jetzt vor Sie hintrete mit der Versicherung: Ich für meine Person glaube nicht an die Schuld der unglücklichen Mutter, so dürfen Sie dies nicht bloß hinnehmen als eine Phrase meines Berufes, sondern als das Resultat einer unumstößlichen, wohlbegründeten Ueberzeugung! Freilich, was habe ich gegen die schweren Indizien der Anklage in die Wagschale zu werfen? Was spricht für die Angeklagte? Nichts. als ihre eigene Beteuerung! Das erscheint wenig nach der üblichen traditionellen Auffassung, das Wort einer Angeschuldigten gilt nichts in unserem Gerichtsverfahren. Nun, meine Herren, ich halte das für einen Fehler. Wir stecken noch immer mit halbem Leibe in dem hochnotpeinlichen Prozeß des Mittelalters, wir wissen nichts von Psychologie, von der wahren Erfassung der menschlichen Seele. Wüßten wir mehr davon, so würden wir sagen: Wohl wahr, die Angeklagte ist schwer belastet, aber sie ist eine Person von hoher Bildung, edelster Denkart, offenem Charakter. Sie hat sich hier furchtlos und wahrhaft zu Anschauungen bekannt, die, wie sie wohl wußte, als Waffen gegen sie dienen würden.“ Der Verteidiger fuhr fort:„Ist es glaublich, daß eine solche Frau sich feig der Verantwortung für eine von ihr begangene Tat entziehen würde? Ich bin gewiß, wie sie nur im Affekt ein Verbrechen wie das ihr zur Last gelegte begehen könnte, so würde sie auch nach geschehener Tat von der Reue zu Boden geworfen. Sie würde dann hier vor Ihnen stehen, gebeugt von den Vorwürfen ihres Gewissens, oder vielleicht auch— falls sie das für recht hielt, was sie getan— mit dem Mute einer Fanatikerin, die frei und laut verkündigt: das habe ich getan— und ich vertrete es vor Gott und Menschen! Nein, eine Marga von Wolfern, wie wir sie heute kennen lernten, ist unfähig einer gemeinen Lüge und Hinterlist! Ich glaube ihr, daß sie unschuldig ist, weil sie es mir sagt, mir sagt mit dem reinen, treuen, aufrichtigen Blick ihrer truglosen Augen! Fragen Sie mich nicht: wer ist schuldig, wenn nicht sie— ich weiß es nicht. Ich kann Ihnen keine Darstellung geben, die eine andere Erklärung des furchtbaren Geschehnisses enthielte— Möglichkeiten haben keinen Zweck für uns, aber sie sind darum nicht von der Hand zu weisen, sie haben tiir jemand. der über Tod und Leben eines Menschen entscheiden soll, die Bedeutung von Tatsachen! Und wer will hier auftreten und mir zuschwören: Es gibt keine andere Möglichkeit des Vorganges! Bedenken Sie wohl, es sind schon sonderbare Dinge in der Welt geschehen, und die Zahl der Justizmorde ist leider größer, als der Laie ahnt! Trotzalledem steht es nicht bei mir, in diesem Falle mit dürren Worten die Freisprechung meiner Schutzbefohlenen zu beantragen. Das Menschenauge ist trüb und vermag nicht auf den Grund der Dinge zu schauen. Ich muß mit der Möglichkeit, nein, mit der Wahrscheinlichkeit rechnen, daß Sie die Ihnen vorgeführten Beweise auf sich wirken lassen, daß Sie sich von der Täterschaft der Angeklagten überzeugen. Ist dies jedoch der Fall, so gilt es, Ihre geistigen Blicke so zu leiten, daß Sie das Geschehnis im rechten Sinne sehen, und nicht mit den umflorten Augen des Vertreters der Anklage. Sie können und dürfen nimmermehr Marga von Wolfern als gemeine Mörderin hinstellen! Unser Strafgesetz kennt keinen Unterschied in der Bestrafung vorsätzlichen und überlegten Mordes— Motive existieren nicht für dasselbe. Es beruht das auf einer Kurzsichtigkeit des Gesetzgebers, die zu den entsetzlichsten Konsequenzen führen und nur durch Verdikt der Geschworenen einigermaßen kuriert werden kann. Wir müssen dem§ 211 die Frage nach mildernden Umständen hinzufügen — warum das Gesetz sie ausgeschlossen hat, ist unbegreiflich. Es macht doch einen fundamentalen Unterschied, ob jemand aus Habsucht und Raubgier oder aus einem edlen Beweggrund heraus handelt, wie er für die Angeklagte in Frage kommt, wenn wir ihre Schuld als wirklich annehmen. Soll jemand, der aus Barmherzigkeit, aus Mitleid ein armes Opfer von seinen Qualen erlöst, weil dies nicht mit dem Opfers Einwilligung geschieht resp. geschehen konnte, nach demselben Maßstabe beurteilt werden wie ein Raubmörder? (Fortsetzung folgt.) r.. Leben hal sich nichts geändert— so rührte er damit an den tiefen Zwiespalt zwischen politischer Demokratie und sozialer Ungleichheit, der die Zukunft bis zu seiner endlichen Losung beherrschen wird. Zwei Richtungen in den christlichen Gewerkschaften standen sich bei der Jubiläumstagung unversohnlich gegenüber: Vertreter der einen Stegerwald, gestützt vornehmlich auf den Deutschnationalen Handlungsgehilfenverband, der mit dem Gesamtverband deutscher Angestelltengewerkschaften zur(von Stegerwald geleiteten) Spitzenorganisation, dem Deutschen Gewerkschaftsbund, ge hört;— Vertreter der anderen Richtung Imbusch, der sich auf die christlichen Arbeiter=Gewerkschafter vornehmlich im Westen stützt. Ergründet man den Gegensatz tiefer, so findet man auf der einen Seite den durch die Harmonielehre zum Unternehmerknecht gewordenen Stegerwald, der die im Rechtsblock zum Ausdruck kommende politische und soziale Reaktion will,— auf der anderen Seite die Arbeitergewerkschafter, denen trotz theoretischer Ablehnung die Idee des Klassenkampfes im Blute sitzt. Ein Juhiläum, das zum Jubilieren keinen Anlaß gibt! Ein Kampf, der so um die tiefsten Interessen der Arbeiterklasse geht, wie der zwischen den skizzierten Richtungen in der christlichen Gewerkschaftsbewegung, ein solcher Kampf endet nicht für die Dauer mit einem Kompromiß. Die Wirklichkeit des Klassenkampfes bricht es immer wieder. Stegerwald oder Imbusch, staatliches (d h. immer noch kapitalistisches) oder proletarisches Interesse leitend in der christlichen Gewerkschaftsbewegung: am Schluß wird immer der Sieg der Arbeiterklasse sein, mit oder gegen die christlichen Gewerkschaften Joh. Kretzen. Tagung des Beirats des DEV. Am 10. und 11. Oktober waren in Erfurt die aus allen Teilen des Reiches kommenden Vertreter des Beirats und Vorstandes des Deutschen Eisenbahnerverbandes versammelt. In Berichten und Debatten kam Genugtuung darüber zum Ausdruck, daß der Verband sich im Stadium der Aufwärtsentwicklung befinde und die Zeit der unverantwortlichen berufsmäßigen Kritik vorüber sei. Angesichts der ungeheuerlichen Preissteigerungen und des Mißlingens der von der Regierung unternommenen Preissenkungsaktion wurde der Vorstand einstimmig beauftragt, in Gemeinschaft mit den übrigen Tarifkontrabenten die Lohnparagraphen des Tarifvertrages am 15. Oktober zum 1. November zu kündigen, damit der neuen Reichsbahnverwaltung Gelenheit gegeben wird, durch Lohnerhöhungen ihr Personal vor der vollständigen Verelendung zu bewahren. Weiter wurde die jetzt gebräuchliche zehntägige Lohnzahlung scharf getadelt. Was die Verwaltung bei diesem Modus spare, könne sie durch andere Maßnahmen bei der Lohnzahlung und Lobnberechnung wiedergewinnen. Der Vorstand erhielt den Auftrag, auch in dieser Sache seinen ganzen Einfluß aufzubieten. Die Bestimmungen sind zwar bis 1. April 1925 vertraglich festgelegt, aber der Unwille des Personals würde wesentlich verringert werden, wenn schon vor diesem Termin eine Aenderung eintrete. In bezug auf die Beamtenforderungen berichtet Scheffel, daß die vom ADB. und den übrigen Beamtenverbänden unternommene Aktion bisher erfolglos geblieben sei. Es zeige sich, daß die Beamten ohne die Arbeiter kaum den nötigen Einfluß ausüben können. Das haben anscheinend auch die Beamtenverbände erkannt, die nach dem Scheitern der Gehaltsbewegung den Wunsch nach Bildung einer einheitlichen Front zu erkennen gaben. Scheffel betonte in seinem Bericht, daß der Vorstand dies Verlangen nicht ablehne, wenn er auch nach dem erfolglosen ersten Vorgehen die sich jetzt ergebenden Schwierigkeiten erkenne. Die Tagung beschäftigte sich weiter mit der Wiedereinführung von vorübergehend aufgehobenen Unterstützungseinrichtungen des Verbandes. Es wurde beschlossen, ab 5. Januar 1925 die Arbeitslosenunterstützung, die Unterstützung in Sterbefällen und die Unterstützung in Notfällen neben der bestehenden Kranken=, Streikund Gemaßregeltenunterstützung wieder einzuführen. Die Sätze aller Unterstützungsarten wurden einem Vorschlage des Vorstandes entsprechend erböbt. Ferner protestierte die Tagung gegen die in den Reichsbahngesetzen verewigte Personalabbauverordnung und gegen den mangelnden Kündigungsschutz der Reichsbahnbeamten. In einer Entschließung wurde verlangt, daß „die Bestimmungen des Betriebsrätegesetzes, sowie die Bestimmungen der von den obersten Reichs=, Landes= oder Gemeindebehörden herausgegebenen Erlasse über Beamtenvertretungen durch die Vorschriften der Personalabbauverordnung nicht aufgehoben werden.“ Der nächste ordentliche Verbandstag des Deutschen Eisenbahnerverbandes soll vom 21. bis 27. Juni 1925 in einem Ort des noch besetzten Gebietes stattfinden. Endlich erhielt der Vorstand den Auftrag, das Organisationsgebiet des Verbandes gegen jede fremde Einmischung mit allen Mitteln zu verteidigen. Der DEV. ist als Einheitsorganisation für das gesamte Personal der Reichsbahn geschaffen, weil durch diese Organisationsform die besten Vorbedingungen für gewerkschaftliche Erfolge gegeben sind. Das gilt unter der neuen Verwaltung der Reichsbahngesellschaft mehr als zuvor. Die Tagung klang aus in einem freudigen Bekenntnis zum Grundgedanken der gewerkschaftlichen Organisation. Wirtschaftspolitische Notizen. spd. Die Einnahmen des Reiches aus Steuern, Zöllen und Abgaben entwickelten sich im September und im ersten Halbjahr gegenüber dem Voranschlag wie folgt: Entschädigungskonko. Dadurch machen sich neue Steuern, ebenk. Verschärfung bestehender Steuern notwendig, deren Vorbereitung dem Abschluß nahe ist. Die Eisenbahner fordern ausreichenden Lohn. Die Eisenbahnerorganisationen hatten am Sonnabend mit den Vertretern der Hauptverwaltung der Deutschen Reichsbahn Vorbesprechungen über eine Lohnerhöhung des dem Tarifvertrag unterstehenden Personals. Die Organisationsvertreter verwiesen u. a. auf die Preissteigerungen, die seit der letzten Lohnerhöhung im Juni d. J. eingetreten sind und stellten fest, daß die von der Reichsregierung eingeleitete Preissenkungsaktion ohne jeden Erfolg blieb. Die Vertreter der Eisenbahnverwaltung teilten daraufhin mit, daß der Generaldirektor und der Verwaltungsrat sich zunächst mit der Sache befassen und die Wirtschaftslage sowie den Stand der Induftriclöhne einer eingehenden Prüfung unterziehen müßten. Die entscheidenden Verhandlungen könnten infolgedessen erst Ende Oktober stattfinden. Die Gewerkschaften betonten nochmals, daß eine möglichst schnelle Verhandlung erforderlich sei und eine allgemeine Erhöhung der Bezüge nebst wöchentlicher Lohnzahlung eintreten müsse, da die soziale Lage der Arbeitnehmer eine Verzögerung und eine längere Zahlungsperiode als die wöchentliche Zahlung nicht vertrage. wp. Remscheid, 18. Okt. Unfall. Eine Schulklasse der Schultalstraße in Dusseldorf hatte gestern nachmittag einen Ausflug nach Schloß Burg unternommen. Auf dem weiteren Wege erklärte der Lehrer den Kindern die Tätigkeit der früheren Hammerwerke. Zur besseren Sicht batten sämtliche Kinder und der Lehrer auf einer betonierten Anhöhe Stellung genommen, unter der sich ein Kohlenkeller befand. Durch das große Gewicht gab die Decke plötzlich nach und eine Anzahl der Kinder stürzte mit dem Lehrer in den etwa vier Meter tiefen Keller, wobei acht Kinder verletzt wurden, von denen drei in das Krankenhaus gebracht werden mußten. Ans oller Welt wp. Milspe, 19. Okt. Verunglückt. Am Talbahnhof fuhr in der Dunkelheit ein Auto auf ein Fuhrwerk. Der Fuhrmann erlitt schwere Verletzungen, das Fuhrwerk wurde vollständig zertrümmert. Das Auto suchte das Weite und entkam unerkannt. wp. Duiöburg, 19. Okt. Einen Ueberfall am bellen Tage auf den Inhaber eines Möbelgeschäfts zur Erpressung einer Geldsumme von 1000 AA verübte ein Mann von mittleren Jahren hier. Obwohl er mit vorgehaltenem Revolver operierte, gelang ihm die Erpressung nicht. Als die Polizei erschien, ergriff er die Flucht. wp. Berg.=Gladbach, 19. Okt. Großes Schadenfeuer. Die hiesige Wollspinnerei geriet gestern auf bisher unaufgeklärte Weise in Brand. In kurzer Zeit stand der zweistöckige Teil der Fabrik in Flammen. Die Berg.=Gladbacher freiwillige Feuerwehr war sofort zur Stelle und vollzog die Löscharbeiten so eifrig, daß die einige Zeit später eintreffende Kölner Wehr mit ihrer Motorspritze die Hauptarbeit bereits getan fand. Ein großer Teil der Fabrik wurde indes ein Opfer der Flammen, da sich die Tätigkeit der Feuerwehr darauf beschränken mußte, eine Ausdehnung des Brandherdes zu verhindern. Die im zweiten Stock aufgestellten Maschinen stürzten in die Tiefe. Der Schaden ist sehr groß. wp. Münster, 18. Okt. Ueberfallen und beraubt. Auf ein Stellengesuch eines Mädchens hatte ein angeblicher Witwer aus Kinderhaus um Vorsprache gebeten. Die angegebene Adresse des Witwers erwies sich als falsch. Auf dem Rückwege trat dem Mädchen ein Mann entgegen, der den Namen des Mädchens nannte und sich als der ausgab, der eine Haushälterin suchte. Sie bogen in einen Landweg ein. An einer etwas einsamen Stelle überfiel der Begleiter das Mädchen, vergewaltigte es, band ihm Hände und Füße und raubte ihm die Geldbörse mit rund 20 A Inhalt. Den Anstrengungen der Ueberfallenen gelang es nach einiger Zeit, sich zu befreien. Sie erstatiete Anzeige bei der Polizei. Bis jetzt ist ein Ergebnis nicht erzielt worden. wp. Siegburg, 18. Okt. Verunglückt. Ein Radfahrer wurde bei Oberlar von einem Auto von hinten angefahren und derart verletzt, daß er noch an demselben Abend verschied. wp. Andernach, 19. Okt. Ueberfahren und getötet. Ein hiesiger Techniker, der bei der Anlage einer Fernsprechleitung beschäftigt war, wurde auf der Straße von Weißenthurm nach Urmitz von einem englischen Auto überfahren und sofort getötet. wp. Bernkastel, 19. Okt. Selbstmord. Eine Frau aus Ediger, die an Schwermut litt, entfernte sich abends in einem unbewachten Augenblick von ihrem Hause und lief in die Mosel Sie konnte nur noch als Leiche geborgen werden. Sie hinterließ vier kleine Kinder. wtb. München, 19. Okt. Ein schwerer Unglücksfall ereignete sich heute nacht in der Ledererstraße. Durch ausströmende Gase wurden die 40jährige Frau Algenauer, die Frau eines Küchenchefs, mit ihren beiden Kindern, und der 40jährige Maurer Fischer, der in der Wohnung der Frau Algenauer mit Erneuerungsarbeiten beschäftigt war, getötet. wp. Alzen, 18. Okt. Erstickt. Der Weingutsbesitzer Philipp Freund, bier, wurde in seinem Keller tot aufgefunden. Es ist festgestellt, daß der Tod durch Ersticken infolge der vom neuen Wein entwickelten Gase eingetreten ist. Voranschlag Etatsjahr 1924 4 108 000 1844000 144 000 376 000 30 000 1260 000 180 000 198 000 36 000 4174 000 1099 700 160 000 360 000 126 000 48 000 140 000 231 000 9100 12 600 5243 747 Das erste Semester schließt günstig ab und übertrifft den Voranschlag rein rechnerisch um rund 680 Millionen. An dem günstigen Ausfall ist beteiligt u. a. der Lohnabzug, die Umsatzsteuer und die Körperschaftssteuern, Zölle usw.(besonders Bier- und Weinsteuer). Notleidend sind Luxussteuer, Erbschaftssteuer(wo sich die Hinterziehungen a la Stinnes wahrscheinlich auswirken), die Kapitalverkehrssteuern(die reformbedürftig erscheinen), die ZuckerFeuet uip. Bei der Beurteilung des Aufkommens darf allerdings nicht vergessen werden, daß das Aufkommen durch Zölle und Verbrauch in Zukunft dem Rahmen des Budgets entnommen wird. Bekanntlich laufen die Einnahmen schon seit dem 1. Oktober 1924 über das Literarisches Weibliche Aerzte gibt es in Deutschland etwa 2000. Der „Pund deulscher Aerztinnen", der einen Zusammenschluß der weiblichen Aerzte anstrebt, gibt seit kurzem auch eine eigene Zeitschrift heraus, die im Verlage von C. A. Schwetschke u. Sohn, Berlin M. 80, crscheint. Schulschwimmunterricht wird jetzt in immer rehr deutschen Städten eingeführt. Meist werden die Schüler klassenweise zum Schwimmen geführt, ähnlich wie dies beim Turnen und Spielen der Fall ist. Der Turnrat an der Preußischen Hochschule für Leibesübungen in Spandau, Dr. W. Schütz, hat jetzt ein kleines Buch herausgegeben, in dem der Schwimmunterricht ausführlich geschildert wird und in dem vor gelegentlichen Fehlschlägen und Enttäuschungen, wie sie sich beim Unterricht bisweilen ereignen, in fachmännischer Weise gewarnt wird. Das Büchlein ist soeben in der Weidmannschen Buchhandlung erschienen und sei allen Freunden des Schulschwimmens warm empfohlen. Der Gesundheitskalender 1924 ist soeben herausgekommen. Er entbält eine Fülle anschaulichen Materials und eignet sich torzüglich zur ständigen Benutzung in Haus, Schule und Bureau. Er ist zu beziehen von dem Verlag der„Gesundheitswacht", München N. W. 2, Sophienstr. 5. Der Preis ist 2 A. Eine ganz unverschämte Geschichtsfälschung leistet sich der 14. Band von„Beckers Weltgeschichte", die bei der„Union, deutsche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, Berlin, Leipzig" erschienen ist. In diesem Band wird die deutsche Geschichte bis zur Unterzeichnung des Friedensvertrages fortgeführt. Das 25. Kapitel behandelt die Revolution und den Friedensschluß. Es beginnt folgendermaßen: „In diesem Augenblick brach die deutsche Revolution aus... da glaubten alle die, die fast seit Kriegsbeginn eben diesen Krieg für ihre kommunistischen und sozialistischen Ziele anfänglich erst in geheimer, zuletzt in immer ungescheuter auftretender revolutonärer Agitation benutzt hatten, jetzt sei die Zeit der Ernte für sie gekommen. Nur durch die Niederlage ihres Vaterlandes konnten sie hoffen, ihr Ziel zu erreichen. Jetzt schien diese Niederlage in greifbare Nähe gerückt. Man konnte zum letzten Schlage ausholen. Die Revolution erst im Innern, dann in der Etappe, mußte die Widerstandskraft der Heimat, dann auch an der Front zusammenbrechen lassen. Es war der „Dolchstoß von hinten““ geht es dann das ganze Kapitel hindurch. Mit Geschichtsforschung und objektiver Würdigung der Ereignisse hat diese„Weltgeschichte" absolut nichts gemeinsam. Es lohnt sich nicht, dieses hanebuchene Machwerk eines Verlagsunternehmens, das doch einiges Ansehen zu verlieren hat, sachlich zu berichtigen. Wenn sich der Verfasser oder der literarische Ratgeber des Verlages die Mühe gemacht hätten, außer deutschnationalen Hetzflugblättern auch andere Quellen anzusehen, bätte dieser Mißbrauch der Druckerschwärze nicht passieren können. Das ist Geschichtsklitterung übelster Art. Einem Verlag, der sich dazu bergibt, unter dem Mantel des Ansebens eines größeren Geschichtswerkes zum Träger absolut verlogener und hetzerischer Agitationsphrasen der deutschen Monarchisten zu machen, muß man in Zukunft mit allem Miß:rauen begegnen Die soeben erschienene Oktober=Nummer des Kulturwillen, der Monatszeitschrift des Leipziger Arbeiter-Bildungsinstituts für kulturelle Bestrebungen der Arbeiterschaft, enthält im ersten Teil Aufsätze über die Musik, ihre Entwicklung und ihre Bedeutung für die Arbeiterschaft. Der zweite Teil bringt das Winterprogramm des Arbeiter-Bildungsinstituts, das in seiner Zusammenstellung ein gutes Beispiel für die Bildungsarbeit anderer Städte ist. Die Beilage„Arbeiterschulung“ enthält einen Aufsatz des Genossen Jenssen aus Tinz über Erwachsenenpädggogik und Berichte über Sommer= und Volkshochschulen. Die sechzehn Seiten starke Nummer ist für 10§ durch jede Parteibuchhandlung oder direkt vom ABJ., Leipzig, Braustr. 17(Kreuzband 12 Nummern im Jahr 1,50 M) zu beziehen. Filmschan Skala=Lichtspiele, Elberfeld. Ludwig Ganghofers Künstler= und Italienroman„Die Bacchantin“ ist verfilmt worden und wird zurzeit in den SkalaLichtspielen gezeigt. Die Hauptrollen spielen Hans Mierendorff, Bruno Kastner und Olga Tscheschowa. Hans Mierendorffs vornehme Art vor allem, vereint mit der impulsiven Liebenswürdigkeit und Eleganz Kastners, geben dem Film sein Gepräge. Hinzu kommen stimmungsreiche Bilder italienischer Landschaft, so vorzügliche Szenerion aus Venedig und Sorrent.— Eine Originalität des Programms ist das Polichinellispiel„Die Frösche wählen einen neuen König“. eine köstliche Satire auf politischen Unverstand und deutsche Kasperleaktion. Technisch bemerkenswert ist, daß die Handlung weder von Menschen noch von Tieren dargestellt ist. Wie all diese vielfach bewegte Komik zustandekam, darüber mögen die Besucher einmal den Kopf zerbrechen. Es lohnt sich wirklich.— Der„Bagnosträfling“ erreicht künstlerisch und regietechnisch soeben den Durchschnitt. Die Bilder von der Berliner Verfassungsfeier sind zu loben. W. R. Ufa=Palast, Barmen, bringt in seinem neuen Programm das Gastspiel einer russischen Kleinstadtbunne„arund“ in Gestalt eines Kabaretts mit Regisseur, Konferencier, Gesang und Tanz. Die Darbietungen der temperamentvollen Künstler und Künstlerinnen geben ein gutes und fesselndes Bild von dem bald schwermütigen, bald froh überschäumenden Charakter des russischen Volkes sowie von seinen Sitten und Gebräuchen. Der szenische Rahmen ist grellbunt, in expressionistischer Manier, und die Musik tut ein übriges, die eigentümliche Stimmung festzuhalten. An eigentlichen Filmwerken wird neben guten Aufnahmen von der Eifel und aus Westfalen eine Bearbeitung des Ganahoferschen Romans„Die Bacchantin“ gezeigt, der wie fast alle Filmromane an mangelnder psychologischer Entwicklung leidet. Die vortreffliche Darstellung mit Kräften wie Olga Tschechowa, Charlotte Ander, Hans Mierendorf und Bruno Kastner, sowie glänzende Naturaufnahmen von Sorrent Genua, Neapel und dem Vesuv sorgen aber dafür, daß der Zuschauer reichlich auf seine Kosten kommt. M. L. R.KLARUNG wolkig. mer. O SI.—20 senr loicht. lelen. 1. frisch. starh, rok. E R. Owolkentos, O heiter, O halbbede o Ounst E Nebel, K Gewiter, O Still, senr schwaen, OmBig.—0 frisch.—0 atarh.—0 groik. sfürmisch, voller Sturm. Dle Pfeile Fllagen mu dem Winde. Die aingezeichneren Unien(Jsobaren) verbinden die Orte mit gleichem(auf den Meeressplegel umgerechnerem) Barometerstande. Die nebe den Orten seberden Tanen ceben die Luftremperarur en. Wetterbericht vom 20. Oktober 1924, 8 Uhr morgens. Das gestrige Hochdruckgebiet über Süddeutschland hat sich nach Südosteuropa, sein sich nordwärts erstreckender Ausläufer von Skandinavien nach Finnland zurückgezogen. Das Tiefdruckgebiet ist von Großbritannien nach der Nordsee fortgeschritten, während über Island und Südwesteuropa der Luftdruck wieder gestiegen istEin neuer Tiefdruckausläufer scheint westlich von Island nachzufolgen. In Deutschland herrschte heute früh bei schwachen, südlichen Winden und 3—9 Grad Wärme im Osten wolkiges, sonst trübes und im Westen regnerisches Wetter. Wetteraussichten für Dienstag und Mittwoch: Wolkig sowie zeitweise Regen bei mäßigen westlichen Winden und geringer Wärmeänderung. Kahler Asten heute früh: Mäßiger Südwestwind, Rebel, 8 Grad Wärme, Luftstärke mäßig fallend. Münchener Loden- u. Sportbekleidung Sport AusrüstungenuGeräle Elberfeld. W. Rathenaustraße 36. Barmen. Wertherstraße 37. BARMEN Wertherstr. 32 Spezialhaus für Haushalt-, Glas-, Porzellan-, Luxus-, Galanterie- u. Spielwaren. 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