3) Quarkal-Preis bei täglichem Erscheinen, außer an den Sonn= und Feiertagen, in der Expedition 3 Mark. bei der Post 3 Mark 50 Rpfg. Insertionsgebühren für die Petitzeile oder deren Raum 15 Rpf., für Abonnenten nur 10 Rpf., Reclamen 25 Rpf. Niederrheinische Volkszeitung. Verantwortlicher Redacteur: Hein r. Otto. (Crefelder Agenturen: Köln, Berlin, Frankfr. a. M. Hamburg, Wien, Pario: Haa= senstein& Vogler; Köln u. Berlin: Rud. Mosse; Elberfeld: W. Thienea: Frankfurt a. M.: G. L. Daube& Cie. u. J. Jäger“che Buchhdl. Leipzig: Eug. Fort. Druck n. Verlag der J. B. Klein'schen Buchdr., M. Buscher. Nr. 217. Amtliches. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Den Regierungs=Assessor Meier in Münster zum Regierungs= Rath zu ernennen. Deutschland. Berlin, 20. Sept. Daß sich beute die Blätter fast nur mit der Salzburger Conferenz zwischen Bismarck und Andrassy beschäftigen, erklärt sich leicht. Jeder möchte gerne hinter die diplomatischen Cou lissen gucken, aber keinem gelingt's. Man kann dennoch wohl mit ziemlicher Bestimmtheit behaupten, daß es sich in Salzburg nicht um Friedensvermittelungen gehandelt hat; denn aus den Aeußerungen der gestrigen ministeriellen„Prov.=Corr.“ muß man entnehmen, daß unser Ca binet auf einen neuen russischen Feldzug nach dem Winter rechnet. Man hält hier nach dem Eindrucke des bisherigen Verlaufs der Kriegs=Ereignisse einen Friedensschluß für Rußland als platterdings nicht angängig. Rußland— so schreibt die„Kreuzztg."— dessen Ansehen als Großmacht in Frage steht, dürfte gerade jetzt am wenigsten geneigt sein, einen vorzeitigen Frieden zu schließen. Das deutsche Reich aber hat bisher weder direct, noch indirect eine Pression auf Rußland geübt, wird also auch in diesem Augenblicke schwerlich einen der artigen Schritt thun. Die Friedensgerüchte dürfen also vorläufig als ein überwundener Standpunkt betrachtet werden. Je mehr aber die Lage Rußlands sich verschlimmert, um so mehr scheint an unserem Hofe das Bestreben zu wachsen, dem„so nahe verwandten und innigbefreundeten Zaren" Hülfe zu leisten. Nach den neuerdings erlittenen furchtbaren Niederlagen ist Rußland vor die Alternative gestellt, entweder einen sechsmonatlichen Waffenstillstand nachzusuchen oder über die Donau zurückzugehen und in Rumänien Winterquartiere zu beziehen. Ohne Zweifel werden— so meint die „Augsb. Allg. Ztg."—- die Bemühungen unseres auswärtigen Amtes zunächst darauf gerichtet sein, die übrigen neutralen Mächte für gemeinsame Schritte zu Gunsten der Herstellung einer längern Waffenruhe empfänglich zu machen und man dürfte kaum in der Annahme fehl greifen, daß diese Frage einen hervorragenden Punkt in den Besprechungen zwischen Bismarck und Andrassy gebildet hat. Wie es aber mit diesen„gemeinsamen Schritten" aussieht, darüber bat die bisherige Entwickelung der orientalischen Dinge ein sehr lehrreiches Capitel geliefert, und eine andere Frage ist die, ob die Türkei nun sich auf einen nur zu Gunsten der Russen vorgeschlagenen Waffenstillstand einlassen wird, ohne vorherige Garantie für den späteren Friedensschluß. Die Lage hat sich für die Türkei ganz wesentlich gebessert; sie ist ein Factor geworden, mit dem Europa rechnen muß. Sehr richtig bemerkt in dieser Beziehung die„Volksztg.", wenn sie schreibt: „Bisher hat man bei allen Comb nationen politischer Conflicte und Allianzen in Europa die Türkei entweder ganz außer aller Berechnung gelassen, oder als den absterbenden Mann betrachtet, über dessen Erbe die betheiligten Mächte in Krieg gerathen wür den Bisher hegte man eine so seste Ueberzeugung, daß Ruß land im Stande sei, die Türkei zu zertrümmern, daß man das Augenmerk nur auf die Frage gerichtet hielt, wer eintreten werde für die Türkei,— wer die Existenz der Türkeigarantire, oder nicht garantire? Der Gedanke, daß die Türkei gar keinen fremden Vertheidiger brauche, sondern stark genug sei, um für ihre Existenz zu kämpfen, war ein so fremdartiger und so abenteuer licher, daß man ihm so gut wie keinen Ernst zuwandte. Die sogenannte orientalische Frage war nicht eine Frage. was in der Türkei selbst vorgehe, sondern gewann ihren erschreckn den Charakter nur in der Befürchtung, daß mitten in Eutovder Zündstoff eines großen Krieges damit angebrannt wird, und daß im Herzen Europa's Schlachten geschlagen werden wurden, um zu entscheiden, wie die Erbschaft des widerstandsosen Patienten vertheilt werden sell....... Und Deutschlano!? Das ganz neutrale Deutschland!? Es gibt uns die gegenwärtige Situation recht viel zu denken. Da klagen die Einen und da Die Hoffnung von Hawthorne Hall. Dem amerikanischen Originale des M. F. Caldor nacherzähl von Lina Freifrau von Berlepsch. „So, nun magst Du wieder zu Deinen Katzengold zurückkehren; wir dürfen das Fräulein nicht länger hier im Schatten stehen lassen." Der Professor verneigte sich und verließ die Gesellschaft. „Welch angenehmen Morgen ich Ihnen verdanke!“ rief Isabella, als Lilly und Richard sie nach Hause brachten. „Wir werden morgen wieder kommen und sie entführen", lachte Richard. „Siehst Du, es geht Alles prächtig," sagte er auf dem Heimweg zu Lilly,„Du mußt nur immer bei mir sein, wenn ich Miß Hathaway besuche." „Der Ausflug hat mir wirklich gut gethan." entgegnete Lilly. Als sie an dem Kreuzweg vorüber kamen, murmelte er:„Welch tolle Idee!" „Was sagtest Du?" „Nichts," erwiederte er verlegen,„es thut mir wohl, Dich heiter zu sehen. Weißt Du, wie lange Karl hier bleibt?" „Nein; lange aber auf keinen Fall, denn er gönnt sich, wie er zu sagen pflegt, wenig faule Zeit." „Schwerfällig ist seine faule Zeit immerhin, aber der Schlingel legt seine Sache wohl an. War es nicht unbescheiden. Miß Hathaway den Stein anzubieten? Mich wundert, daß sie ihn annahm." Lilly hatte keine Zeit zu antworten. Sir William galoppirte auf sie zu, und Richard hielt die Pferde an. „Es war eine angenehme Spazierfahrt, Vater", rief er dem alten Herrn entgegen,„Miß Hathaway versprach morgen zu kommen.“ „Soll mich freuen. Apropos, Mille ist in der Bibliothek, ich befahl ihm, Dir mehr Quartalgeld auszubezahlen, für die nächste Zeit brauchst Du wohl Ertra=Vergoldung." Richard fühlte sich ungewöhnlich heiter und Miß Peyton vermochte nicht, sich zu erklären, warum auch Lille vergnügter aussah. Am folgenden Morgen holte Richard Isabella Hathaway ab. Lilly mußte zurůckbleiben, weil Lady Cameron nicht dulden wollte, daß in dem leichten Gefähr drei Personen fuhren. Als Richard das Fräulein aus dem Wagen hob, stand Lilly hinter den Gardinen und ihr Herz wurde Crefeld, Freitag den 21. September(Mauritz*) 1877. halten es die Anderen für sehr weise, daß Deutschland einen Druck ausübe auf Oesterrrich und es zur Thatenlosigkeit zwinge! Wie die Dinge früher standen, war dergleichen in der That ein Schachzug für Rußland und gegen die Türkei; aber diese Be rechnung war trügerisch. Jetzt liegt gerade in der Thaten= losigkeit Oesterreichs der stärkste Triumph der Türkei und der härteste Schlag gegen Rußland. Wie geauben wirklich, daß sich Anbrassy bei Bismarck bedanken kann für das erquick= liche Schauspiel, welches jetzt Oesterreich Ungarn genießt, ohne Entree den kranken Mann bewundern zu können, wie er so gesund die Knochen seines erblüsternen Nachbarn zermalmt. Das hat weder Andrassy noch Bismarck erwartet! Nun aber gar die großen Politiker, die uns heute noch vorrechnen, wie wir pure Feinde um uns herum haben und Rußland, nur Rußland gang allein unser Schutz seil Die rechnen erst recht verkehrt! Denn wäre dem so, wie sie behaupten, dann stände es ja noch gefährlicher um uns, wenn wir uns auch noch die Türkeizum Feinde machen wollten!“ Daß die Lage Oesterreichs, wie die„Volksztg." richtig hervorhebt, heute durch die Niederlagen der Russen eine unvergleichlich bessere ist, als vor einigen Monaten, und daß heute Andrassy schon eber ruhig zusehen kann, das ist unleugbar; der Mann hat eben Glück gehabt.— Die „Liberalen" machen schwache Versuche, den Umstand, daß die katholischen Rheinländer sich von dem feierlichen Em pfange des Kaisers nicht ausgeschlossen haben, für sich Capital zu schlagen. Das wird aber nun wohl nicht gelingen; im Gegentheil kann die Anerkennung des Ver haltens der rheinischen Katholiken nur zu unsern Gunsten, aber auch nur zu Ungunsten der„Liberalen" ausfallen, welche es zur Zeit(wovon speciell Ihre Stadt Crefeld, welche in den 60er Jahren einen v. Sybel zum Vertreter harte, zu erzählen wissen wird) ganz gewaltig anders gemacht haben.— Von einer Bemerkung der ministeriellen„Prov.=Corr." müssen wir bei dieser Gelegenheit noch Notiz nehmen; sie sagt, von allen Seiten und namentlich durch die katholischen Blätter selbst werde ausdrücklich bestätigt, daß an den Huldigungen für den Kaiser während seiner Anwesenheit am Rhein die Massen der katholischen Bevölkerung den lebhaftesten Antheil genommen und dadurch gewisse Vorbersagungen ultramontaner Führer widerlegt würden.— Das ministerielle Blatt hätte sich nun wohl etwas klarer aussprechen können, oder ist es Perfidie, womit auf ein gewisses Publikum gerechnet wird? Die Haltung des katholischen Volkes bei der Anwesenheit des Kaisers am Rhein steht mit nichts im Widerspruch, was jemals ein„ultramontaner Führer“ vorhergesagt hat; diese Haltung entspricht eben ganz unserm principiellen Standpunkte, daß wir die Person des Monarchen von den Maßnahmen seines Ministeriums wohl zu trennen wissen, und diesen principiellen Standpunkt hat nie einer unserer Führer verlassen. — Die„Klausn. Fortschr. Correspondenz" bringt eine Serie Artikel mit der Ueberschrift„Ein Wort zum innern Frieden". Sie schließt dieselben mit folgenden Worten: „Der verhan n ßvolle Fehlerist einmal begangen, und wir sehen nur einen Auswen, der beiden Parteten die Rückkehr zum Frieden ermöglicht. Wir meinen nicht eine Revision der Maigeseyze, wie sie schon so oft vorgeschlagen worden; denn diese dürfte schwerlich zum Ziele führen, schon aus dem Grunde, weil über die Art der Nevsion vielleicht die verschiedenen Gruppen der Majorität, nicht aber mit diesen die Minorität Einigung finden möchte. Wir muthen auch keinem der Streitenden zu, mit gebundenen Händen sich dem Andern zu überliefern. Wir meinen aber, daß hier dasselde Auskunftsmittel am Platze ist, welches jener Konig von Sparta empfahl: die Gesetze auf einen Taa schlafen zu lassen. Wie jener Sparterkönig weise ha delte, als er sich weigerte, nach einer großen Niederlige durch Vollstreckung des Gesetzes, das über den flüchtigen Krieger den Tod verhängte, sein Land wehrlos zu machen, so wurden wir weise handeln, wollten wir alle die Gesetze auf einen Tag. d. h. bis die imminente Gefahr voruber ist, schlafen lassen und nicht zur Anwendung bringen, welche es dahin gebracht haben, daß die Regierung des neuen deutschen Reiches in der Halfte seiner Wahlrecht übenden Bürger„Reichofeinde" sieht. Wenn wir auch glauben, daß die Preßorgane der regierenden Parteien mit diesem Worte wissentlich ein frevelhaftes Spieschwer wie Blei. Sie kannte seines Auges schimmernden Blick aus jener seligen Zeit, die nun so unreichbar fern schien; nun strahlte er auf Isabella. „Und doch wollte er mir Alles opfern," sagte sie sich tröstend, als sie dem geehrten Gaste entgegeneilte. Unerwartet stellte sich auch Professor Lorraine bei der Gesellschaft ein. Sein Anzug war sorgfältiger geordnet, als gewöhnlich. „Ich habe meinen projectirten Ausflug aufgeschoben," wandte er sich mit seinem warmen, freundlichen Lächeln an Isabella,„um Ihnen mitzutheilen, daß meine gestrige Forschung von unerwartet günstigem Erfolg gekrönt wurde. Sehen Sie, welch ausgezeichnetes Exemplar. Ich wußte, daß es Ihnen Freude machen werde, es zu erfahren." Mit diesen Worten zog er einen handgroßen Glimmerschiefer hervor, und bot ihn zur Bewunderung, als wäre es ein Diamant aus Südafrica's Minen. Das ruhige Vertrauen, das aus des ernsten Mannes Tone sprach, war gewiß schmeichelhaft und Miß Hathaway untersuchte seinen Schatz auch mit gebührender Aufmerksamkeit, stellt eine Frage um die andere und schien zunächst nur für Geologie Sinn zu haben. Nichard Cameron beobachtete das Paar mit zornigem Stirnrunzeln, welches Lilly ebenfalls aus Erfahrung kannte, welches sie verfolgt hatte, so oft sie für Cordell van der Dack ein freundliches Wort gehabt. „Gott helf mir!" seufzte sie schmerzvoll;„Isabella's Schönheit hat ihn bezaubert, und was soll aus mir werden!" Inzwischen unterhielt sich der Professor mit der Erbin auf diese für dieselbe ebenso neue als interessante Weise. „Ich werde den Gagat fassen lassen, weiß aber noch nicht wie, um etwas Würdiges herzustellen," lächelte sie anmuthig;„zunächst werde ich mir die dicken Foliobände der Bibliothek holen und mich über die Mineralogie und Geologie unterrichten; ich ahnte nicht, daß dieses Studium so viel Interesse biete." „Ich möchte Ihnen wohl gern einige der schönen Crystallarten zeigen, die in diesen Gegenden vorkommen. Im Allgemeinen dürfen sich nur Fachleute bei meinen Excursionen betheiligen; ich finde es widerwärtig, wenn man hohles, kleinliches Gezwitscher anbören soll, während man mit ernsten Dingen beschäftigt ist. Ich hatte nicht einmal mit Lilly Geduld, bei Ihnen aber ist es anders, Miß Hathaway; aus Ihren Worten:„und Sie fanden den Beweis", erkannte ich eine Art verwandter Seele, Jemand, der würdig wäre, inmitten der Geheimnisse der wunderbaren Welt, die uns umgibt, zu wandeln." treiben, wenn wir auch die feste Zuversicht haben, daß ein An genblick der äußeren Gefahr bei uns keine Parteien, sondern nur Patrioten finden würde; so können wir uns doch nicht ver= hehlen, einerseits, daß das blöde Geschreiüberdieinnern Reichsfeinde dazu angethan ist, eine fremde Macht zueinem Ungriff auf das angeblich innerlich gespaltene Reich zu verführen, andererseits, daß das Wort des Tacitus nicht an Geltung verloren hat„contomptu famne contomnuntur virtutes“—„Wer des Rufeo nicht achtet, wird bald die Tugend verachten". Eben jene Ausnabriegesetze haben es dahin gebracht, daß unser Volk seine Aufmerksamkeit auf den Culturkampf concentrirte und darüber die Wahrnehmung seiner wesentlichsten freiheitlichen Jnteressen vergaß." — Von den 19 hannoverschen Abgeordneten gehören jetzt 7 dem Centrum an: Windthorst(Meppen), von Müller(Osnabrück), Nieper(Nienburg), Brüel Hannover), v. Lenthe(Hameln), v. Adelebsen(Gottingen), Graf Bernstorff(Uelzen). — Der Voranschlag für den nächstjährigen preußischen Landeshaushaltsetat ist vollendet, das Gleichgewicht zwischen Einnabmen und Ausgaben hergestellt, ohne daß neue Finanzmaßnabmen erforderlich waren. So wird aus zuverlässiger Quelle versichert und wir begrüßen diese Mittheilung mit aufrichtiger Befriedigung. Begann man doch Angesichts der allgemein beklagten Stockung im Handel und Wandel sich mit dem Gedanken an ein De ficit vertraut zu machen, nachdem die Ueberschüsse und der Ueberfluß der Staatscassen seit zwei Jahren einer bedenklichen Ebbe gewichen waren. Einstweilen wollen wir jedoch unsere Freude noch mäßigen, da wir nicht wissen, durch welche Manipulationen das Gleichgewicht in den Finanzen zu Wege gebracht worden ist; hierauf aber kommt's doch auch an.— Die Reorganisation des Justizdienstes macht ein ganzes System von Neubauten für Gerichts= und Gefängnißlokale erforderlich, wie es in gleichem Umfange vielleicht noch nie auszuführen war. Es handelt sich darum, an vielen Orten, wo bisher Kreisgerichte bestanden, wo aber vom 1. Oct. 1879 ab Amts und Landgerichte gemeinsam ihren Sitz haben werden, neue oder wenigstens erweiterte Räume zu schaffen. Die Kosten sind auf etwa 36 Millionen Mark veranschlagt. Aus den laufenden Einnahmen kann dieser Aufwand selbstverständlich nicht bestritten werden; eine Anleihe wird unvermeidlich sein, aber man weiß noch nicht, ob dieselbe sich aus den regelmäßigen Einkünften des Staates verzinsen läßt. Diese letztere Schwierigkeit bildet gegenwärtig noch einen dunklen Punkt an unserem finanzpolitischen Horizont. — Mit der Steuerreform beschäftigen sich immer mehr Blätter. Die„Fortschr. Corresp.“ bemerkt in ihrem dem Thema gewidmeten Artikel:„Was die Steuerlast gegenwärtig so drückend macht, das ist das Vielerlei der dem Volke auferlegten Abgaben. Der complicirte Eintreibungsapparat arbeitetviel zu kostspielig, sein Betrieb verschlingt eine weitaus zu hoch bemessene Quote seines Ertrages. Hier gilt es, zuerst die bessernde Hand anzulegen. Wenn es sich erreichen ließe, daß die Kosten der Steuerverwaltung auch nur um ein Drittheil herabgemindert und der Netto=Ueberschuß um ebensoviel erhöht würde, so wäre noch auf Jahre hinaus Deckung für alle Bedürfnisse vorhanden, ohne daß zur Creirung neuer Steuern geschritten werden müßte." — In der„Planenberg=Affaire hat man nun nach dem Setzerlehrling sogar das Dienstmädchen Kolkmann's vernommen. Dieses behauptet aber, von den„Schattenseiten des preußischen Richters" nicht viel zu wissen. — Die Einstellung der Rekruten wird in diesem Jahre in der Zeit vom 3.-10. Nov. erfolgen. Diese Fristbestimmung hat, da die Entlassung der Reserven in den jüngsten Tagen stattgefunden, Ersparungen im Soldtitel zur Folge. — Auch der„Reichs=Anzeiger" beschuldigt gestern die„Sermania"„polnischer Agitation" Seine Rede war einfach und ungezwungen, als ahnte er nicht, welche Huldigung in seinen Worten liege. „Setzen Sie mich einmal auf die Probe," bat das junge Mädchen,„und gestatten Sie mir einen Ausflug in jene unbekannten Regionen." „Erlauben Sie mir, mein Fräulein, Ihnen den neuen Stahlstich zu zeigen, den Sir William machen ließ," unterbrach Richard,„und Dich, Karl, bittet Mama, das Mineralien=Cabinet zu ordnen, damit wir es in Augenschein nehmen können." Des Tones Schärfe war nur Lilly bemerkbar. Als Sir William seinen schönen Gast nach dem Speisesaal geleitete, äußerte er galant:„Die Aehnlichkeit, die Sie mit Lady Grace haben, ist außerordentlich.“ „Ich besah erst diesen Morgen ihr Bild," entgegnete Isabella hastig,„und Sie waren von jeher ein Freund der Familie, Sir William; Sie vermöchten mir Aufklärung zu geben, die ich von meinem Onkel, um ihm peinliche Erinnerungen zu sparen, nicht verlange." „Ich stehe zu Diensten." „Wollen Sie mir gefälligst sagen, wie es sich mit dem Gelde verhält, das Montani gestohlen haben soll?“ fragte sie mit jenem ernsten, flusternden Ton, der eine eigenthümliche Bedeutsamkeit in sich zu tragen scheint. Der Baron erschrak so heftig, daß er zusammenzuckte und in sprachloser Verwirrung schwieg. „Ach, Sie sind, gleich den Andern von dem Widerwillen, die Sache zu berühren, angesteckt" „Allerdings," stammelte Sir William,„und überdies war ich von der unerwarteten Frage überrascht. Warum glauben Sie, ich wüßte etwas von der Sache?" Nicht die Frage, sondern der klägliche Ton war es, der Isabella zur Ueberzeugung brachte, daß er die Wahrheit wisse. Lady Cameron's Eintritt gab dem Gespräche eine andere Wendung. Als Isabella am Abend allein in ihrem Zimmer saß, durchblätterte sie das vergilbte Notizbüchlein.„Aus den Notizen erhellt, daß Montani, nachdem er den Agenten verlassen, mit Sir William zusammenkam," flüsterte sie gedankenvoll,„und dieser weiß auch, was aus dem Gelde geworden." 9. Kapitel. „Es war der Mühe werth, zu sehen," sprach Prudy zur Haushälterin,„wie Sir Hugo bei seiner Rückkehr von London aus dem Wagen sprang und dem lächelnden Mädchen entgegen eilte, das ihn oben an der Treppe mit ausgestreckten Händen und frohem Gruße erwartete. Das katholische Blatt hatte am 8. d. in seiner"ochenrundschau betont, daß Rußland, welches den panslavistischen Gedanken repräsentire, Europa mit Barbarei bedrohe. Der asiatischen Eroberungslust gegenüber müßten vor allem Preußen und Deutschland beständig auf der Wacht stehen, und diese Wacht werde es niemals zu einer Abrüstung der europäischen Staaten kommen lassen. Erst wenn ein selbstständiges, kräftiges Polen die Behütung des Erdtheiles gegen den Osten übernehme, könnten die anderen Reiche sich in Frieden einrichten. Speciell empfahl der Verfasser des in Rede stehenden Artikels als Ver= fassungsform für Polen die bundesstaatliche, auch deßhalb, weil die Erfahrung lehre, daß ein Bundesstaat einen eminent friedlichen Charakter habe. Einen Theil dieser Ausführungen reproducirte die„Nordd. Allg in ihrer nächsten Nummer, ohne irgend eine Bemerkung daran zu knupfen. Erst, nachdem volle acht Tage ver gangen waren, machte sich das„freiwillig gouvernementale" Blatt an die Würdigung des Artikels, wobei es sich so ausdrückte, daß seine Leser annehmen mußten, der Aufsatz sei in der letzten Nummer der„Germania" enthalten gewesen. Danach kann es kaum einem Zweifel unterliegen, daß der letzte Artikel der„Nordd. Allg. Zig.“ hoheren Ursprunges ist. Das Wolff'sche TelegraphenBureau sorgte denn auch sofort für die Verbreitung der officiösen Auslassung, und aus dem Telegramme erfuhr die Welt auch, daß die„Germania"„die Wiederberstellung eines kriegerischen und katholischen Polen als nothwendig" bezeichnet habe! — Wie der„Ostsee Ztg." aus Stralsund geschrieben wird, hat Fürst Putbus sich nach dem Süden begeben und sein pommer'sches Majorat in gänzlich ungeordneten finanziellen Verhältnissen zurückgelassen. Wahrend sich die jährlichen Einnahmen aus den Allodialgütern und dem Majorat auf 400,000 M. belaufen, hat Fürst Putbus auf seinen Namen Schulden gemacht, die sich mit Wuchergelder auf 1 Mill. M. beziffern. Die Sache macht überall das größte Auf sehen. In eingeweihten Cercles wußte man schon lange um die großen finanziellen Verlegenheiten, in denen sich der Obersttruchseß des Königreichs Preußen befand. Inletzter Zeit hat der Fürst bis zu 40 pCt. Wucherzinsen gezahlt. Es ist fraglich, ob die Gläubiger, einige Berliner Banquiers und Commissionäre, zu ihrem Gelde kommen werden, da besondere Bestimmungen über die Fideicommisse existiren. Fürst Putbus ist einer der ersten Cavaliere Preußens, Mitglied des Herrenhauses, dessen Vicepräsident er einige Zeit war; auf seinem Stammschlosse zu Putbus auf der Insel Rügen brachte früher der Reichskanzler mit seiner Familie oft einen Theil des Sommers zu. Friedrich Wilhelm III. und IV. waren Stammgäste auf Schloß Putbus.— Man spricht hier von der Zahlungseinstellung des jungen Attaché bei der hiesigen russischen Botschaft, Herrn v. B., der erst vor drei Jahren eine der reichsten Erbinnen Rußlands, die Fürstin Woikow, geheirathet hat. Unglückliche Hauserund Borsenspekulationen haben den Nuin des Herrn v. B. herbeigeführt. ** Berlin, 20. Sept. Officiös wird geschrieben: „Der Aufenthalt des Fürsten Bismarck in Salzburg, der ursprünglich von ganz kurzer Dauer sein sollte, bat eine unerwartete Ausdehnung gewonnen. Nach einer verbürgten Nachricht aus Regierungskreisen wäre als Ergebniß der Zusammenkunft der beiden leitenden Staatsmänner von Deutschland und Oesterreich=Ungarn das sichere Zustandekommen des deutsch österreichischen Handelsvertrages zu betrachten. Man behauptet, daß dem Bundes atbe bald nach seinem Zusammentreten schon Gelegenheit gegeben würde, sich mit dem Handelsvertrage zu beschaftigen. Auf handelspolitischem Gebiete sind in den letzten Tagen mehrfache Arbeiten angeordnet worden, aus welchen man schließt, daß auch nach dieser Richtung hin dem Reichs„Du hast Dich ja wunderbar erholt, liebe Bella," rief er entzückt,„und scheinst Dich während meiner Abwesenheit nicht gelangweilt zu haben." Er nahm ihren Arm und führte sie, den Bedienten, die ihm theilnehmend nachblickten, freundlich zunickend, in den Speisesaal. Während des Frühstücks betonte Sir Hugo noch einmal das gute Aussehen der Nichte. „Es scheint mir auch, als sei Dein alter Onkel Dir lieber geworden, und ich muß gestehen, daß die Furcht, als liege irgend ein Zwang zwischen Dir und mir, mich öfter beunruhigte. Welch' eigenthümlicher alter Thor ich doch gewesen bin, nicht wahr!" „Wie könnte ich auf diese Frage antworten, Onkelchen? Ich kann nur sagen, daß ich Dich lieber habe von Tag zu Tag. Wie lange das so fortgehen wird, weiß ich nicht zu sagen; schade, daß wir nicht im Reiche der Unendlichen leben. Und hast Du Deine Geschäfte langweilig gefunden?" „Langweilig? Das gerade nicht, ich bedauerte nur Dich verlassen zu müssen. Die Reise hat mir übrigens einige hundert Pfund Renten eingetragen, die ich zu Deinem Nadelgeld bestimme. Du bist nun vernünftig genug, um Deine eigenen kleinen Angelegenheiten zu verwalten." „Du bist zu großmüthig, Onkel," stammelte sie verlegen, als eine schwere Börse in ihren Schooß fiel. „Großmüthig mit einer Erbin," lächelte er heiter,„mit der Hoffnung auf Hawthorne Hall! Ich hoffe, wir werden die Glücksgüter, welche der Himmel in unsere Hand gelegt, nie unsinnig oder leichtfertig verschwenden, und deshalb setze ich Dir getrost eine bestimmte Summe zur Erreichung kleiner Wünsche und Unterstützung nothleidender Brüder aus.“ Sie wandte des nasse Auge ihm zu, ihre Lippe bebte vor Aufregung. „Willst Du mir erlauben, über diese Summe zu bestimmen, ohne Rechenschaft darüber abzulegen?" „Gewiß; was versetzt Dich in solche Aufregung?" „Du bist so gut, lieber Onkel, und es macht mich so glücklich, einer armen Familie helfen zu können. Als wir in Italien waren und drei von uns dem Fieber erlagen, lernte ich das Schicksal einer Familie kennen, die durch den Tod des armen Mädchens, das meine Gesellschafterin war, Alles verlor. Es lastete schwer auf meinem Herzen, und in einem vielleicht voreiligen Briefe sprach ich zu helfen, so viel ich es vermöchte. Erlaubst 313 tage wichtiges Material unterbreitet twerden soll. Ferner wird erwartet, daß mit dem bevorstehenden Aufent balt des Fürsten auch die Arbeiten bezüglich der Gewerbeordnungs=Novelle wieder in Fluß kommen werden. Es lag in der Absicht, hier nach drei Richtungen bin vorzugehen, und zwar sollte ein Entwurf über das Lehrlingswesen, ein zweiter über die Frauenarbeit in den Fabriken und ein dritter über gewerbliche Schiedsgerichte erscheinen. Ueber alle drei liegt umfassendes Material vor, welches trotz aller Gegenrede einige Zeit geruht hat, und zwar auf besondere Weisung des Fürsten Reichs kanzlers, der sich persönliche Anordnungen vorbehalten batte."— Die Commission zur Ausarbeitung des Ent wurfs eines deutschen bürgerlichen Gesetzbuches wird, wie im vorigen Jahre, wo sie vom 18. September bis 25. October tagte, ungefähr fünf Wochen beisammen sein. Dem„Reichsanzeiger" zufolge sind die Arbeiten in der Commission seit vergangenem Jahre wesentlich gefördert worden und ist Aussicht vorhanden, bis Ende nächsten Jahres die fünf Theilentwürfe vollendet zu sehen. — Anläßlich der sich widersprechenden Zeitungs An gaben über die Rückkehr des deutschen Panzergeschwaders nach den heimischen Gewässern bemerkt die„Nordd. Allg. Ztg.": Die Meldung der„Elbf. Ztg.“, wonach in den nächsten 8 Tagen darüber Entscheidung getroffen werden soll, ob das deutsche Geschwader zurück berufen wird oder ob sein Verbleiben im Mittelmeer auch ferner geboten erscheint, dürfte eine zutreffende sein. — Da haben wir's! Die Fortschrittspartei und die Radicalen sind allein Schuld am Ausbruch des„Cul turkampfes"; nicht bloß die Regierung, sondern auch die Nationallilberalen haben ihn von Anfang an nicht so verstanden wissen wollen, wie jene„extremen" Parteien! — So steht zu lesen in der„National=Zta“ vom 20. Sept. 1877, merkwürdiger Weise an demselben Tage — bemerkt die„Germ.“— an welchem die unschuldigen Piemontesen durch die Bresche an der Porta Pia in die ewige Stadt eindrangen. * Posen, 19. Sept. Wolff's Telegraphisches Bureau versendet folgende Depesche:„Gestern wurde Vicar Rymanowicz aus Pyrment durch den Landrath v. Kalk reuth als Pfarrer der seit längerer Zeit schon vacanten Propstei Groß Chrzywisko(Chrzyvsko?] eingeführt. Der Act ging, obschon der anwesende Kirchen=Vorstand gegen die Einführung protestirte, doch sonst in aller Ruhe vor sich." Wenn man nicht ohnehin wüßte, wie selten derartige„Einführungen" sind, müßte man es aus dem Umstande schließen, daß eine Depesche das Ereigniß meldet * Kosten, 18. Sept. Seit der staatlichen Einführung des staatskatholischen Pfarrers Brenk in Kosten sind die hiesigen Bürger wiederholt zu recht herven Geld= und Gefängnißstrafen verurtheilt worden. Die Maßregeln haben jedoch für Brenk keine Früchte getragen. Der „Staatspfarrer" scheint sich jetzt in anderer Weise helfen zu wollen; er tritt, wie man der„Germania" schreibt, nunmehr denunciatorisch gegen das hiesige Gerichts Personal auf, und es sind bereits von ihrer Behörde zur Verantwortung gezogen: 1. der Kreisgerichtsrath Ziolecki, weil er eine Frau wegen ungebührlichen Be nehmens gegen Brenk nur mit zwei Wochen bestraft und dem am hiesigen Landarmenhause fungirenden Secretair Rakowski, der sich über sein langes Warten vor dem Termine beklagte, gesagthabe:„Dann hätten Sie schweigen müssen"; 2. der Kreisgerichtsrath Zawadzki wegen nicht tactvoller Behandlung des Brenk bei dessen Zeugenvernehmung und 3. Kreisgerichts=Director Beissert, der die Criminalisten zum Besuche des Brenk'schen Gottesdienstes nicht energisch genug aufgefordert haben soll. Ferner hat Brenk an Stelle der noch zu Recht hier angestellten zeitweise nur ausgewiesenen Mansionare einen „staatsfreundlichen" Vicar amtiren lassen, durch den man dem Vernehmen nach auch zum Theil die dem Kloster Gostin vermachten Fundationsmessen verrichten läßt. Weiß denn, fragt das genannte Blatt. von der letzteren Thatsache der sonst so eifrige Staats=Anwalt von Kosten nichts? Bekanntlich muß auf Grund des§ 15 des Gesetzes vom 11. Mai 1874 die Uebertragung eines geistlichen Amtes dem Ober=Präsidenten vom geistlichen Obern der betr. Candidat benannt werden. Da der zuständige geistliche Obere, Cardinal=Erzbischof Graf Ledochowski, staatlich„abgesetzt" ist, so ist eine Benennung unmöglich; Brenk wird doch wohl aber Niemand, auch nicht die Staatsbehörde, für einen solchen„Oberen" im Sinne des Gesetzes halten. Wie kommt es also, daß weder gegen Brenk wegen Ausübung bischöflicher Rechte, noch gegen den betreffenden Vicar wegen„unbefugter" Ausübung geistlicher Functionen das gerichtliche Verfahren eingeleitet ist? * Aus Baden, 20. Sept. Die„Konst. Ztg.", deren Herausgeber bekanntermaßen sehr gute Beziehungen zu Herrn Minister Stösser unterhält, brachte in ihrer Nr. vom 15. einen geharnischten Artikel gegen die den badischen Bahnen durch die Reichs bahnen bereitete Concurrenz, die nicht undeutlich als„Schmutz Concurrenz bezeichnet wird. Ein Correspondent der„Fr. Ztg.“ glaubt annehmen zu dürfen, daß der Artikel nicht im Garten der Redaction der„Konst Ztg.“, die Alles auf's Reich bezügliche fein säuberlich mit Glacé=Handschuhen anfaßt, sondern eher in einem Ministerial=Bureau zu Karlsruhe gewachsen ist, wo hie und da einmal über gewisse Berliner bundesstaatliche Freundschaftsstückchen die Galle überlaufen mag. Der Artikel der„Konstanzer Ztg." weist zunächst auf die Thatsache hin, daß die elsaßlothringische Verwaltung angefangen hat, die Tarifsätze so niedrig zu normiren, daß selbst in guten Jahren das Anlagecapital nicht verzinst werde, in schlechten aber sogar ein Betriebsdeficit entstehe. Hierdurch würden nicht nur der badischen Bahn viele Transitgüter entzogen, son dern diese selbst genöthigt, mit der Herabsetzung der Tarifsätze bis zu einem gewissen Grade zu folgen; das Resultat dieser Art von Concurrenz, die man im gewöhnlichen Leben„Schmutzconcurrenz" nenne, liege ziffermäßig in einem Mindererträgniß der Badischen Bahn von 504,000 M. vor. Der Artikel weist dann darauf hin, daß auch Baden mit seinem Gelde, d. h. mit dem Abzuge, den es an seinem Antheil an der KriegsentDu mir, von meinem Taschengeld den Aermsten zuzuwenden?" Sie sprach schüchtern, beinahe zagend, eine Thräne bebte an ihrer Wimper und fiel auf seine Hand. „Wie kannst Du mich so aus dem Spiele lassen, Kind; habe ich ein Herz von Stein? Nein, Du sollst Deine paar Pfennige nicht opfern, ich will Dir eine eigene Summe aussetzen zur Tilgung dieser heiligen Schuld." Kein dankbarer Blick erhob sich zu dem großmüthigen Manne, sie saß mit gesenkten Augen und nachdenklichem Gesichte. „Dann wäre es Deine Gabe, lieber Onkel, und nicht die meine. Vielleicht auch hättest Du später ein Recht, Deine Großmuth zu bereuen, sollten die Leute, Deiner Meinung nach derselben unwürdig sein."(Forts. folgt.) schädigung erlitten, an den Reichsbabnen participire und schließt:„Nun wäre es doch eigenthümlich, wenn Baden für sein eigen Geld, welches in den linksrheinischen Babnen steckt, noch obendrein seine rechtsrheinischen durch ein ver kehrtes wirthschaftliches System ruiniren lassen müßte Eine ausgleichende Tariferhobung in den Reichslanden und in Baden würde unseres Erachtens hauptsächlich die angrenzenden Länder, die Schweiz und Frankreich, treffen und dürfte nicht nur gerechtfertigt, sondern sogar geboten erscheinen." In Berlin leidet man bekanntlich nicht an der Schwäche, sich um die Ansichten der„Kleinen viel Kummer zu machen und so wird denn auch wohl dieser Stoßseufzer einer bedrängten badischen Seele gleich Dichters„letztem Rocheln" in leere Luft gehaucht sein * Karlsruhe, 20. Sept. Heute fand zwischen Muggen sturm, Rastatt und Rauentbal, auf dem Gesechts terrain des Jahres 1849. das erste Feldmanöver der 28. und 28. Division statt, welchem Se. Majestät der Kaiser, die Großherzöge von Baden und Mecklenburg und die Großherzogin von Baden beiwohnten. Der Kaiser hielt wiederholt an den Stellen, wo er im Jahr 1849 als Prinz von Preußen commandirt hatte (Ob ihm dabei keine Erinnerungen aufgestiegen sind?) Se. Mijestät blieb trotz des strömenden Regens lange Zeit zu Pferde.— Nachmittags fand im Schlosse Familienfest statt; der Thee wird bei der Frau Großherzogin von Baden eingenommen werden.— Ihre Majestät beabsichtigt morgen von Baden Baden zu kommen um dem zweiten Feldmanöver beizuwohnen. Oesterreich. * Wien, 19. Sept. Die Arsenal= Affaire wächst immer mehr zu einer cause célèbre unangenehmster Natur für alle Betheiligten aus. Der„Frkf. Ztg." wird darüber geschrieben: „Wie heute aufs Bestimmteste verlautet, soll nicht blos der italienische, sondern auch der deutsche Militärattaché, Graf Keller, mit den Verhafteten in Geschäftsverkehr gestanden haben. Beid haben das Gefolge des Kaisers verlassen, der Erstere wegen persönlichen Unwohlseins, der Andere wegen eines Unfalls in seiner Familie. Gegen Mainoni ist die Stimmung in den milt tärischen Kreisen eine besonders gereizte; man ließ ihn in Kaschau allgemein fühlen, daß man ihn nur dulde, weil er sich im Gefolge des Kaisers befinde. Franz Joseph, dem Mainoni sehr lieb war, wollte den Anklagen gegen denselben anfangs keinen Glauben schenken, bis ihm die unwiderleglichsten Beweise der Mitschuld des Majors an dem Diebstahl geliefert wurden. Dann freilich zögerte er nicht, den ehemals von ihm besonders ausgezeichneten Offizier seine Verachtung fühlen zu lassen. Der Kaiser, so erzählt ds„Neue Pester Journal“, lenkte in Kaschau sein Noß zufällig nach der Richtung, wo der Italiener sich zu Pferde hielt. Dieser machte eine Bewegung, als erwartete er, von dem Nonarchen angesprochen zu werden; der Kuser aber, ihn er blickend, riß sein Pferd heftig nach der Seite und lenkte ab Von diesem Momente ab war Mainoni's langeres Verweilen im kaiserlichen Gefolge unmöglich; er wurde unwohl und reiste ab.“ — Zur Berichtigung des Staatsanwalts Graf La mezan, wonach es weder einen italienischen Consul, noch einen Consulatssecretär Armani gebe, schreibt eine andere Wiener Correspondenz: „Von verläßticher Seite kommt uns die berichtigende Mt theilung zu. daß Jacob Armani nicht Secretär, sondern Pri vatbeamter des italienischen Consulats in Wien ist. Sowohl das Verhör, wie auch die Durchsuchung der Wohnung Armani's in der Schottenbasteigasse nahm ein Oberbeamter der Polizei=Derection vor. Die Thatsache steht fest, daß der die Haussuchung leitende Poligei=Beamte Schriftstücke saisirte die mit dem durch"achtnebel und Consorten begangenen Verrath in Verbindung zu bringen sind.“ Großbritanien * London, 20. Sept. Die Zeitungen bezweifeln, daß der Zweck der Salzburger Zusammenkunft ein Versuch zur Friedensvermittlung sei. Die„Times" meint, bei Bjela müsse erst eine Schlacht geliefert werden, ehe irgend welche Vermittlungspläne sich verwirklichen könnten. Der Ideenaustausch zwischen dem Fürsten Bismarck und dem Grafen Andrassy könne eher Bezug haben auf die Pflichten und Interessen Deutschlands im Falle einer großen russischen oder türkischen Niederlage. — Der russische Botschafter, Graf Schuwaloff, ist zu Lord Derby nach Knowsley gereist. Italien. —n Rom, 15. Sept. Die ialienischen Revolutionäre sprechen augenblicklich viel davon, das Patrimonium Petri, dessen besten Theil sie usurpirt haben, zu reorgani siren. Das ist ihr Stichwort, und man muß gestehen, es drückt eine alte Idee aus, denn man findet es schon in dem samosen Garantiegesetz vom Jahre 1871, welches im Art. 18 ein weiteres Gesetz für die Reorganisation des Kirchenvermögens verheißt. Der Moment ist gekommen, die Maske ganz abzuwerfen, das damals begonnene Werk zu vollenden, welches Pius IX. so treffend als ein Denk mal der Gottlosigkeit und Heuchelei gekennzeichnet hat. Im Grunde handelt es sich jetzt darum, das beste Mittel ausfindig zu machen, um der Verpflichtung enthoben zu sein, den Mitgliedern der unterdrückten geistlichen Orden Pensionen zu zahlen und zugleich die Güter der Bislhümer und Pfarreien zu confisciren. Das ist der Zweck des Ministers„der Gerechtigkeit und des Cultus". Mancini, welcher soeben einen Gesetzesentwurf ausgearbeitet har, dessen Hauptgrundzüge von den radicalen Blättern veröffentlicht werden. Es geht aus diesen officiösen Mittheilungen bervor, daß Mancini die Verwaltung aller Kirchengüter einer Laiencommission anvertrauen will, welche durch allgemeine Abstimmung gewählt wird. Dieses all gemeine Stimmrecht soll dann auch nach Bedürfniß zur Wahl der Pfarrer, ja selbst der Bischöfe seine Dienste leisten, nämlich in der Weise, daß da, wo die canonische Ernennung eines Pfarrers oder Bischofs einigen Dissidenten nicht gefiele, diese das Recht baben sollen, eine Wahl nach ihrem Geschmack vorzunehmen, den Gewählten der Verwaltungs=Commission der Güter zu repräsentiren, damit ihm die Einkünfte überwiesen werden. Der sacrilegische Raub und das Schisma würden so mit einem Schlage gefördert. In Betreff der bisher den Mitgliedern der unterdrückten Orden gezahlten niedrigen Pensionen, so sollen diee gleichfalls mit einem Schlage eingehalten werden, und zwar dadurch, daß alle Empfangsberechtigten einen besondern Eid leisten mürten, den aber nur ein Abtrünniger leisten könnte. Das nennt man in der Sprache unserer Italianissimi das kirchl. Eigenthum reorganisiren Mittlerweile geht man auf dem Wege der Verwaltung im beregten Sinne schon vor; man müht sich allenthalben ab, die Nonnen zu verfolgen, indem man sie, als gehörten sie zum Ausschusse der Gesellschaft, in einigen aufgehobenen Klöstern zusammenpfercht, wahrscheinlich in Ausführung des Gesetzes, welches ihnen auf Lebenszeit eine Wohnung anweist. So erschien z. B. vor einigen Tagen ein Beamter im Kloster bei St. Peter und Marcellini, um den dortigen Nonnen einige Räume zu nehmen, damit in denselben ein Gardecorps untergebracht werde; ihr seid im Ganzen, sagte er, 21 Personen, darum genügen für euch 18 Zimmer, die übrigen müssen abgetreten werden. Der Regierungsbeamte erging sich sodann sogar gegen die Schwestern in Invectiven. Die Regierung bestand auf ihrem Willen. Die Nonnen vom Kloster St. Lorenz jagte man aus demselben heraus, um dort eine Kaserne einzurichten. Auch mit diesen Macchinationen verbindet man einen satanischen Zweck; man will die Ordensleute so viel als möglich aus solchen Klöstern entfernen, mit welchen Kirchen verbunden sind, damit diese in die Hände der Wunsch soger in Rom erwirkt hatte, durch Nichterecution der Liquidationscommission fallen können. Diese will diesezu und dadurc mitwirken zur Kränkung der Heiligthümer in Schulen, Theater und Magazine um wandeln. So heißt es jetzt mit aller Bestimmtbeit, daß man daran denke, die berühmten Jesuitenkirchen al Gesu und Ignatius, welche zu den schönsten Tempeln Italiens gerechnet werden(die Leiber der Heiligen Aloysius und —-ann m Kränkung der Rechte, welche die Herren Dr. München und Dr. Westhoff durch die Ernennung des Papstes aus ihre respectiven Stellen erworben hatten; er mußte, nachdem er inzwischen auch von den in dieser Sache von Köln auß nach Berlin wirkenden gedeimen Einflüssen Kenntniß erhalten hatte, nunmehr entschieden Stellung nehmen. In den Jahren, in denen diese 4 Vorgänge Ignatius ruben dort), zu Theatern zu machen. Ein solches(varatl. Domdechant Baudri; wurlcke Unterfangen richtet sich selbst. * Das Kölner Domcapitel und die „Deutsche Vereins=Correspondenz". Schweitzer, München. Waitz, Broix. Strauß, Trost. Frenken, Dieringer, Vill; Ehrendomherren Schaffrath, Joecken, Reinarz, vierte Stelle(pacatl. „Unser verehrter Landtags Abgeordneter", Hr. Seysfardt, kürzlich in der zweiten Auflage seiner bekannten Schrift über „die katholische Volksschule unter geistlicher Leitung“ einige das Kölner Domkapitel berührende Angaben gemacht, welche im liberalen Lager angenehm berührt zu haben scheinen. Die„Deutsche Vereins=Correspondenz“, die fromme Stiftung des jetzigen General=Directors der preußischen Archive, sog„an zuverlä sigster Stelle“ weitere Erkundigungen ein, und die„Köln. Ztg." beeilte sich, den betr. Artikel des v. Sybel'schen Leiborganes an vervorragender Stelle nachzudrucken. Dies ge schah am 15. September, vielleicht zur Nachfeier der Anwesenheit Sr. Maj. des Kaisers, eine Vermuthung, die vielleicht einige Berechtigung gewinnt durch den Umstand, daß eine frühere Kö niasreise bei den fraglichen Vorgängen eine Rolle spielt. Wir lassen zunächst den Artikel der„D. V.=C.“ in extenso folgen „Nach der Bulle De Salute animarum vom 16. Juli 1821 besetzt in Preußen der Papst diejenigen Domherrenstellen, welche in den ungeraden Monaten(Januar, März rc.) vacant werden. geschieht aber so, daß zuerst der König die Person designirt, der Bischof das Idoneitäts Zeugniß gibt und der Papst eine Ernennungs Urkunde ausstellt. Staatlicherseits wird aber auch die königliche Designation wie eine Ernennung angesehen. Die Vacanzen in den geraden Monaten besetzt der Bischof. Seit etwa Mitte der fünziger Jahre ließ nun der Erzbischof von Koln in seinem Capitel keinen Domherrn mehr zu, der nicht mit Leib und Seele dem Ultramontanismus zugethan war. Ein sehr ge= mäßigter und kirchlich tadelloser Mann war der in den sechsziger Jahren als Stiftsherr zu klachen verstorbene Dr. Gau, früher Subregens im Kölner Priester Seminar, auch eine Zeit lang Abgeordneter in Berlin. Diesen designirte die Staatsregierung auf eine Domcapitularstelle in Köln, aber Geissel verweigerte hartnäckig ohne Angabe von Gründen das Idoneitäts Zeugniß mehrere Jahre hindurch, bis Gau starb. Aehnlich wurden andere Persönlichkeiten zurückgewiesen, und so kam es, daß im Jahre 1863 fünf Vacanzen vorhanden waren. Es war die Conflictszeit. Der König wollte an den Rhein reisen; man fragte sich in Berlin: welche Aufnahme wird er finden? Diese Veranlassung benutzte Aulicke, der sich bald nachher dessen selbst rühmte, um Herrn v. Mühler aufmerksam darauf zu machen, wie vortheilhaft für den Empfang des Königs die freudige Erregung der rhei nischen Katholiken sein würde, welche dadurch leicht hervorzurufen sei, daß man vor der Abreise des Königs dem am Rhein vom Volke vergötterten Erzbischof v. Geissel die von ihm gewünschten frommen und brauchberen Männer in s Domcapitel gabe. Mühler ging darauf ein und drang um Cabinet durch. Wegen der von Geissel gewünschten Personen wurde weder der Ober=Präsident v. Pommer Esche gefragt, noch die Kölner und Aachener Regierungs Präsidenten v. Möller und Kühlwetter, sondern pro forma der Regierungs Präsident v. Massenbach in Düsseldorf, der in die Bedeutung der falschen Kirchenpolitik keine Einsicht hatte. Allerdings waren von den fünf Vacanzen zwei bischöflicher Besetzung, aber die Personen kamen natürlich mit in die Verhandlung. So wurden ernannt: Westhof, Halm, Kirch, Dumont als residirende Domherren und Josten als Ehrendomherr. Allerdings wurde auch Reinarz zum residirenden Domherrne rnannt, aber das war Blendwerk, da er vorher schon Ehrendomherr war, in welchem Range er Josten Platz machte, so daß die staatsfreundliche Partei daber keine Stimme gewann, während die vatica nische Partei fünf Stimmen Zuwachs erhielt. Vor dem famosen Domherrenschub waren sechs Domberren staatsfreundlich, und zwar der Dompropst München und die Domherren Frenken, Trost. Reinarz, Schaffrath und Endepols(die drei letzten da mals Ehrendomherren), in den Händen der Jesuiten waren fest nur vier und einer schwankend; zu diesen gab nun die Staatsregierung im October 1863 auf ein Mal fünf Stimmen dem Vatican. Der Erzbischof starb, es kam die Wahl. Nun war der Dompropst mit den fünf anderen loyalen Männern in der Minorität. Die nunmehrige Minorität hatte formelle Bedenken gegen das Listenverfahren. Die Majorität, gefuhrt von Bauori, wurde ung=duldig, versammelte sich ohne Propst als Rumpfcapitel und sandte eine Liste nach Berlin, auf der auch Melchers stand, die Liste wurde zurückgewiesen. Es begannen directe Verhandlungen der Staatsreg erung mit Rom. Papst und Konig gaben das Wahlrecht dem Capitel wieder mit der vertraulichen Rittheilung, daß beiden Theilen die Candidaten Hohenlohe, Haneberg und Pelldram genehm seien. Die Majorität setzte Relchers wieder auf die Liste. Und nun wurde dem Capitel die definitive Wahl entzogen, aber die Regierung gab den Je suiten ihren zwei Mal vorgewählten Melchers.“ So die„Deutsche Vereins=Correspondenz". Daß die„Cref. Ztg." diesen Artikel ebenfalls zum Abdruck brachte, erklärt sich um so leichter, als sie eben sich mit ihrem Seyffardt in tausend Nöthen befand. Die„Köln. Vztg“ hat es nun unternommen, den Artikel der„D. V. C.“ zu beleuchten. Sie schreibt: Nach der Versicherung der„D. V. C.“ ist von ihr der Sachverhalt an zuverlässigster Stelle ergründet worden. Bei der lebhaften Theilnahme, welche sie an den erzählten Vorgängen nimmt dürfte es ihr nur erwünscht sein, wenn wir dem Gedächtniß ihres Inspirators etwas nachhelfen, die in ihrer Darstellung mit Stillschweigen übergangenen Vorkommnisse und Thatsachen noch nachtragen und die darin enthaltenen tendentiösen unwahren Angaben berichtigen. Es erscheint uns dies nothwendig im Interesse der historischen Wahrheit sowohl wie zur Ehrenrettung verschiedener durch ihre Darstellung verunglimpfter Persönlichkeiten. Jm Jahre 1853 starb der Ehrendomherr Joecken. 1855 der Domcapitular Filz und im Jahre 1858 der Domcapitular Waitz, sämmtliche drei in Monaten, in welchen der König designirte. Zum Ehrendomherrn designirte die Staatsregierung den Ober= pfarter Endepols zu Heinsberg, und zu residirenden Domherren den Oberpfarrer Ehrendomherrn Reinarz zu Crefeld und den Stifteherrn Gau zu Aachen. Letzterer scheint der„Quelle“ der „D. V.=C.“ besonders am Herzen zu liegen; sie nennt ihn einen sehr gemäßigten, kirchlich tadellosen Mann, verschweigt aber dabei den Umstand, daß dieser Mann einige Jahre vorher vom Erzbischof seiner Stelle als Subregens im Priester Seminar enthoben worden war. Die königliche Staatsregierung ersuchte inzwischen den Cardinal=Erzbischof wiederholt, die IdoneitätsZeugnisse für ihre drei genannten Candidaten auszustellen, worauf derselbe beharrlich erwiderte, er könne zu Besetzungen von Stellen im Domcapitel erst dann die Hand bieten, wenn die seit 1852 in Berlin beruhenden päpstlichen Ernennungs bullen für die Herren München und Westhoff ihre Vollziehung gesunden hätten, und Ersterer in die ihm verliehene Dompropstei Stelle, Letzterer in das ihm verliebene Canonicat am Dome eingeführt sei. Inzwischen starb im Jahre 1862 auch noch der Domherr Strauß in einem Monate bischöflicher Besetzung. Das war der Personalbestand des Kölner Domcapitels, als im Sommer 1863 der Minister v. Mühler die Hand dazu bot, die immer unerquicklicher sich gestaltenden Verhältnisse durch gegenseitige Verständigung zum Austrage zu bringen. Das Ergebniß dieser Verständigung war: München wurde nach elfjährigem Warten Dompropst, und Westhoff, gleichfalls nach jährigem Warten, Domherr. Reinarz und Halm(Letzterer in die Stelle des inzwischen verstorbenen Canonicus Gau) erhielten ebenso wirkliche Domherrenstellen königlicher Designation; Ende= vols wurde Ehrendomherr in Folge königlicher Designation, und die durch die Beforderung von Reinarz vacant gewordene Ehren= domherrnstelle erhielt der Landdechant Pfarrer Joesten zu Düssel= dorf. Der Erzbischof hatte dabei nur die Stelle eines wirklichen Domherrn zu besetzen, die er seinem Secretair, dem Domvicar Dumont verlieh, sowie eine Ehrendomherrnstelle, welche der Stadtdechant Oberpfarrer Schnepper zu Koln erhielt. Wenn die„D. V.=C.“ den später, nach den Tode des Domherrn Vill im August 1863 ernannten Domherrn Kirch mit in diese Verhandlung hineinzieht, so beruht dies auf einem Irthum. Ganz besonders erscheint es derselben aber nahe zu gehen, daß der Oberpräsident v. Pommer Esch= und die Regierungs Präsidenten v. Moller und Kühlwetter bei diesem Geschäfte nicht zu Rathe gezogen worden sind. Wr glauben als Grund dafür den Umstand angeben zu können, daß man über die Anschauungen dieser Herren in Berlin mehr wie genau unterrichtet war, und deren Rath deswegen in dieser Sache nicht wollte, weil man dort den „gemeinsamen Berather dieser drei Herren in kirchlichen Dingen" nur zu gut kannte. Wenn die„D. V. C.“ ferner die Unterredung des Hrn. Ministers v. Mühler mit dem Ministerial=Director Aulicke gehört und daraus entnommen haben will, wie Aulicke hervorgehoben habe, welch' freudige Erregung für den Empfang des Königs bei den rheinischen Katholiken dadurch hervorgerufen würde, daß man dem am Rhein vom Volke vergötterten Erzbischof v. Geissel die von ihm gewünschten frommen(sic) brauchbaren Männer in's Domcapitel gäbe, so bemerken wir dazu, daß weder wir, noch auch der„zuverlässige" Gewährsminn der„D. B.=C.“ bei der Unterredung anwesend gewesen sind, und man durch Angaben über vertrauliche Unterredungen dieser inzwischen verstorbenen Persönlichkeiten sich nur lächerlich machen kann. Schließlich kommt die„D. V.=C.“ auf den Cardinalpunkt, die Erzbischofswahl, zu sprechen. Sie erschricktl, da sie unter den 16 Kölner Domherrn zehn„Jesuiten" erblickt und nur sechs staatsfreundliche loyale Männer zählen kann. Mit ein paar Zeilen geht sie über diese noch in aller Erinnerung lebende Angelegenheit hinweg, um ihre Darstellung mit der„unwahren“ Behauptung zu schließen, daß auch dem Papste die Herren Hohenlohe, Haneberg und Pelldram genehme Candidaten für den erzbischöflichen Stuhl zu Köln gewesen seien. „Sei etwa Mitte der fünfziger Jahre," sagt die„D. V.=C." ließ der Erzbischof von Koln in seinem Capitel keinen Domherrn mehr zu, der nicht mit Leib und Seele dem Ultramontanismus zugethan war." Was die„D. V.=C.“ unter Ultramontanismus versteht, ist zu bekannt, als daß wir nöthig hätten, mit ihr uns auseinander zu setzen über den Ultramontanismus der allseitig bekannten hervorragenden Persönlichkeit des Cardinals v. Geissel, der wegen seiner Verdienste um Staat und Kirche gleich ausgezeichnet dastand in kirchlichen und weltlichen Ehren und Würden. Ueber die Gründe dagegen, welche denselben bestimmten, längere Zeit in sein Capitel keinen Domherrn mehr zuzulassen, welche Gründe die„zuverlässigste" Quelle doch auch kennen mußte, erfahren wir durch die„D. V.=C.“ nichts. Sie redet nur von erledigten Domherrenstellen, und es scheint ihr nicht mitgetheilt worden zu sein, daß auch die Stelle eines„Dompropstes" seit Jahren vacant war. Antangs der fünfziger Jahre wurde bekanntlich dem Cardinal=Erzbischof durch den damaligen Cultusminister v. Raumer die Mittheilung gemacht, der König würde es gern sehen, wenn der Domcapitular Dr. Munchen zur erledigten Dompropsteistelle befördert werden könnte; man trage jedoch wegen bekannter früherer Vorkommnisse in Berlin Bedenken, diese Beförderung direct und ohne die ver Wir schließen hieran noch folgende Reminiscenz, welche uns von geehrter Seite zugeht: Liberale Blätter bringen in letzten Tagen eine der Seyffardt'schen Broschüre entnommene Mittheilung über die Anstellung der verschiedenen Domcapitulare, welche dem nominellen Verfasser natürlich zu ultramontan waren. Unter diesen befand sich auch unser nun in Gott ruhender Dechant Reinarz. Es verlohnt sich der Mühe, einen Rückblick auf die Zeit seiner Berufung zu werfen, um wiederum die Königstreue unserer Liberalen zu constatiren. Der von ganz Crefeld schmerzlich empfundene Abgang unseres Herrn Dechanten zum Domcapitel in Köln fiel in die Conflictsperiode 1863. Zu dessen Abschied wurde ein großes Festessen veranstaltet, welches so stark besucht war, daß nur die Centralhalle zur Abhaltung ausreichte. Zahlreichen Besuchern wird es nicht schwer sein, in ihr Gedächtniß zurückzurufen, daß die heutige liberale Partei es war, welche den üblichen ersten Toast auf den Landesherrn bei Seite gelassen wünschte und wir sagen es dreist heraus, mit den Füßen zu scharren drohte, wenn man dennoch darauf toast ire. Nichts destoweniger übernahm es der s. Z. anwesende Regierungs=Schulrath Dr. Schlünkes von Düsseldorf(nunmehriger Stiftsprobst in Aachen) in meisterhafter Rede die Verdienste des Herrn Dechanten hervorzuheben, welche der Landesherr durch Berufung ins Domcapitel in schönster Weise gelohnt.— Das Gescharre konnte den Hoch's gegenüber nicht zum Durchbruch kommen, wie viele Liberale aber sich nicht vom Stuhle erhoben, mag noch manchem Theilnehmer recht erinnerlich sein. Der russisch=türkische Krieg. Die Situation auf dem Kriegsschauplatze ist dahin zu characterisiren, daß die Russen vor Plewna mit der Reorganisation ihrer entmuthigten und decimirten Armee beschäftigt sind und durch eine fortgesetzte Kanonade Osman Pascha's von einer Offensive abzuschrecken suchen, während derselbe sich selbst dazu wohl zu schwach fühlt— er soll, wie behauptet wird, nur noch über ca. 35-40,000 Mann gebieten— und zunächst den von Sophia herbeimarschirenden Chefket Pascha erwartet, der ihm frische Truppen, Munition und Lebensmittel zuführt. Zwischen Mehemed Ali und dem Thronfolger finden fortgesetzte Alänkeleien statt, welche augenscheinlich eine demnächstige Entscheidungsschlacht vorbereiten. Russischer Seits dürfte die Offensive keinesfalls vor Eintreffen der Garden eröffnet werden, türkischer Seits wird man den Entscheidungskampf vorher herbeizuführen suchen. Suleiman wird noch immer durch zwecklose, blutige und erfolglose Kämpfe im Schipkapasse festgehalten. Die ganze Jantralinie von Sistowa bis hinauf zum Schpkapaß ist ese Vermittelung eintreten zu lassen. Der Cardinal sagte die Ali bemerkt die Wiener Presse, ist jetzt wie immer der eigentliche . I0 NAT. R WAR ANNT AANA KE.: Vermittelung zu, unter der Bedingung jedoch, daß die durch die Beförderung des Dr. München zum Dompropst frei werdende Domherrnstelle dem Pfarrer Dr. Westhoff zu Diestede zugesichert werde, da er diesen an die Stelle des seit längerer Zeit erkrankten und freiwillig aus seinem Amte ausgeschiedenen Seminar=Präses Dr. Weitz zum Seminar=Präses zu ernennen beabsichtige. Der König nahm diese Bedingung an und ließ durch den Cultusminister den Erzbischof ersuchen, die Ernennungen für die Herren München und Westhoff in Rom nunmehr zu erwirken. Der apostolische Stuhl erklärte sich bereit, die Ernennungen zu vollziehen, wofern Dr. München Widerruk leiste. Der Widerruf erfolgte in einem italienischen Blatte und ging sodann auch in die öffentlichen Blätter Deutschlands über. Die Ernennungs Urkunden wurden darauf zu Rom im Jahre 1852 ausgefertigt und nach Berlin zur weitern Veranlassung bezw. um Zwecke der Einführung der Ernannten in ihre Stellen überandt. Allgemein war das Erstaunen, als inzwischen bekannt wurde, durch seinen Widerruf sei München zu Berlin aus einer persona gratissima persona ingrata geworden. Alle Bemühungen des Erzbischofes, die Execution der päpstlichen Ernennungs Urkunden durch Einführung der Ernannten in ihre Stellen herbeizuführen, waren vergeblich. Hartnäckig verweigerte der Minister die Auslieferung der Urkunden. So standen die Sachen. Von allen diesen Vorgängen scheint die„D. V. C." bei ihrer„zuverlässigsten" Quelle nichts in Erfahrung gebracht zu haben, ungeachtet in ihnen allein die Haupt= und Grundursache der Nichtbesetzung noch anderer im Laufe der Jahre vacant gewordenen Stellen am Kölner Dome beruht. Unmöglich konnte der Erzbischof der königl. Staatsregierung das Recht zuerkennen, päpstliche Ernennungs Urkunden, welche er auf deren und gefährlichste Gegner der Russen und von der Energie und Zahl seiner Truppen werden die Ereignisse der nächsten Zeit abhängen." Der Werth der am 11. von den Russen und Rumänen erstürmten und seitdem behaupteten Grivitza Redoute wird von den Berichterstattern der„Daily News" sehr gering veranschlagt, da sie durch eine andere, nicht über 750 Fuß entfernte, nordwestlich gelegene türkische Redoute vollständig beherrscht und fortwährend mit einem dichten Kugelregen überschüttet werde. Schon Oberst Wellesley(der bekannte englische Militärbevollmächtigte im russischen Lager), der die Grivitza=Redoute am Tage nach ihrer Erftürmung durch die Russen besichtigt hatte, erzählte, daß er sie voll von todten und verwundeten Russen und Rumänen gefunden habe. Nun meldet darüber der Berichterstatter der„Daily News", der ihr nicht ohne Lebensgefahr einen Besuch abgestattet hatte, ausführlicher Folgendes:„Ich bete zum Himmel, daß mir nie wieder ein solch schrecklicher Anblick beschieden werde. In dem Innern des ausgedehnten Werkes lagen zu Haufen geschichtet nicht blos Todte, sondern mit diesen vermischt auch die Verwundeten— ein gräulicher Knäuel von Leibern. Durch das unausgesetzte Feuern waren Aerzte und Krankenträger ferngehalten worden und nicht einmal Kameraden waren zur Stelle, die den armen Verwundeten ein Wort des Trostes oder einen Tropfen Wasser gespendet hätten. Da lagen sie stöhnend und zuckend. Meiner Meinung nach hätte doch auf jede Gefahr hin irgend ein Versuch gemacht werden sollen, um diesen armen Leuten Hülfe zu bringen. Waren es doch dieselben tapfern Jungen, die 24 Stunden zuvor die langersehnte Redoute heldenmüthig erstürmt hatten. Jetzt ließ man sie vorkommen, ohne daß auch nur ein Versuch zu ihrer Rettung emacht worden 1 von den herzierrei derwärts geschaut. Nerven erschüttern Das.N. W. 7 Sept.: Plewna wi bombardirt und ist mitteln und Muni Bombardement we 4.Vol. Corr.“ meld Plewna beschre Bombardement au schwach erwiedern. derweitige Artiller in der Nacht vom 1. mehrere Ausfälle g unter bedeutenden wurden. Dagegen von den Rumänen a vor Plewna zu üb= Verlust von etwa 3 geworfen. * Die„Times" Nicolaus sein Ha verlegt hat, den S von Plewna nach Telegramm des 0 vom 19. d. meldet Die Blokade und — Der„Golos“ m eröffneten die Türk= ganze Linie. Die derselben kam der indem er Laufgräbe Ein Telegramm die Wiedereinnahm= Schipkapasse du nur 6 Stunden bes den Russen, welche gegriffen wurden. w chanzungen zurückti 100 Todte und 200 an Todten und Verr „Standard“ aus S das Fort Nikolas siebenstündigem blu weil sie unter dem genagenden Verstärl lussen starke Hülfe Mehem=d Ali me Morgen besetzte die Schagodan und Keu vertheidigt wurden.“ Rustschuk vom 17. d Schwadronen Russer Mann kampfunfähig rumänischen Ufer wi aus Vodica vom 17. Angriff einer russisch fand eine lebdafte von dem Plateau nö lungen statt. Die tü: vor. Auf der ganzen Geplänkel statt.— 19. d.: Die Aufstän kischen Mustehafiz zer sich nur noch drei Ab meldet aus Belgrad nisterrath hat beschlo zu vertagen. Die a bleiben vorläufig dor Sendung von Trupi Aus Kladowa werden russischer Truppen ge Nach einer Meldu d. haben die Türken cognoscirung weiter Losikova und Cerkor besetzt. Am 17. c. Kanonade statt. Son Ein Telegramm d Charkow fand zwisch Verwundeten ein Zus Personen getödtet un Aus Cattaro w dem 18. d. M. seien Dugapasse in die Hän den capitulirenden Be bewilligt worden sei. Bilek freies Geleite tenegriner beabsichtigte und dann gegen Treb Aus Bukarest, Grenadiere und Dr hier durchpassirt.—H heit der Fürstin, des Geheimrath Jomini u Stuart, ein Trauergot 11 A Crefeld, 20. Se gebrochen!" Es is n unserer Stadt bere ist, und schon kracht ei Weise, die deutlich b näher ist, als das Bei könnte, wenn er diese langten Mittheilungen. noch der Bestätigung terlassung einer Schul denen nicht das gering geworden. Beunruhig hiesiger Frmen an die wenn dieselben sich be solche Häuser handeln, der Arbeitslöhne einen nur auf Kosten ihr sich Aufträge zu versche sollte der Zweck vorlieg was die betreffenden F. Sie bringen vor, es sei als gar nichts verdiene auch nicht viel bei ein mag wahr sein, wenn Faorirant oder ob ei in diesem Falle von f Hunger leiden muß, auch dem Arbeiter sehr gedient. Wenn ein Fab dieser aus zweierlei Gri der Auftraggeber die W jeden Fall ein entsprech ein Preis, der auch dem steller hat die Waare culation, weil sie ihm und dann beruht der g und ist von den schlimm gezwungen, Abzüge vom „kneiken", die Solidität leidet der Ruf seines He gehört— und das Alleschaffenes Bedürfniß Verbrauch vor und die 1 ist der große Fehler, de zu häufig in den letzten kant sucht den anderen gen; so sinken die Pre verleiten, weit über seine fabricirt, und währendd nur eine Stockung für Ueberproduction das El Das alles aber wäre nie reellen Preise gehalten lassen. So ist es also ni damit helfen zu wollen 1 schneidet: er hätte einige einschränken müssen; jetz auf Besserung seiner Lag scheinung ist freilich im Verkehrten, von„liberalen das aber hier auseinande le Zum Heute Morgen 9¼ U Appellationsgerichts=Dire emacht worden wäre. Jh könnte seitenlange Beschreibungen von den herzierreißenden Scenen liefern, die ich hier und an= derwärts geschaut, würde damit aber nur meine und der Leier Nerven erschüttern." Das„N. W. Tzbl.“ meldet aus Gornii Studen vom 18. Sept.: Plewna wird von den Kussen und Rumänen fortwährend bombardirt und ist derart cernirt. daß die Zufuhr von Lebens= mitteln und Munition abgeschnitten ist. Die Türken lassen das Bombardement wegen Mangel an Munition unerwiedert.— Die „Pol. Corr.“ meldet aus Bukarest vom 2). Sept.: Die Aktionen hei Plewna beschränken sich keineswegs auf ein continuirliches Bombardement auf die turkischen Positionen, welches die Türken schwach erwiedern, vielmehr haben seit dem 17. d. mehrere an= derweitige Artilleriekämpfe stattgefunden. Namentlich wurden in der Nacht vom 17. zum 18. d. von größeren türkischen Colonnen mehrere Ausfälle gegen die Redoute von Griritza gemacht, welche unter bedeutenden Verlusten für die Turken zurückgeschlagen wurden. Dagegen mißglückte ein am Nachmittag des 18 d. von den Rumänen gemachter Versuch. die größte türkische Redoute vor Vlewna zu überrumpeln, die Rumänen wurden mit einem Verlust von etwa 300 Mann in die Redoute von Geipitza zurückgeworfen. * Die„Times" zieht aus dem Umstand, daß der Großfürst Nicolaus sein Hauptquartier wieder nach Gornii Studen verlegt hat, den Schluß, daß der Schwerpunkt des Joteresses von Plewna nach der Jantra gerückt sei.— Ein officielles Telegramm des Großfürsten Nicolaus aus Gornii Studen vom 19. d. meldet: Gestern(am 18.) herrschte überall Rube Die Blokade und Beschießung von Plewna wurde fortgesetzt — Der„Golos“ meldet aus Igdyr vom 18. d.:„Heute früh eröffneten die Türken von ihren Batterien das Feuer auf unsere ganze Linie. Die Kanonade dauerte bis zum Mittag. Während derselben kam der Feind allmählich von den Bergen herunter, indem er Laufgräben aufwarf." Ein Telegramm Suleiman Pascha's vom 18. d. bestätigt die Wiedereinnahme der Befestigungen von Sweti Nikolas im Schipkapasse durch die Russen; die Türken haben dieselben nur 6 Stunden besetzt gebalten und mußten sie, als sie von den Russen, welche Verstärkungen erhalten hatten, heftig angegriffen wurden, wieder räumen und sich hinter die ersten Verchantungen zurückziehen. Die Türken geben ihren Verlust auf 100 Todte und 200 Verwundete, der der Russen auf 1000 Mann an Todten und Verwundeten an.— Eine Zuschrift des Londoner „Standard“ aus Schipka vom 17. d. medet, daß die Türken das Fort Nikolas in raschem Sturm genommen, aber nach siebenstündigem blutigen Gefecht wieder verloren hatten, theils weil sie unter dem Feuer der übeigen russischen Redouten keine genügenden Verstärkungen vorschieben konnten, theils weil die lussen starke Hülfe von Gabrowa erhielten. Mehem=d Ali meldet aus Schumla vom 18. d.:„Gestern Morgen besetzte die Division Salih Pascha's die Höhen von Schagodan und Keuprudje, welche von den Russen nur schwach vertheidigt wurden.“ Eine Depesche Achmed Ejub Pascha's aus Rustschuk vom 17. d. berichtet:„Die Tscherkessen schlugen zwei Schwadronen Russen bei Dolan in die Flucht und machten 60 Mann kampfunfähig. Die telegraphische Verbindung mit dem rumänischen Ufer wurde gerstört."— Das„N. W. Tbl.“ meldet aus Vodica vom 17. d.: Salim Pascha hat bei Jadziktöi den Angriff einer russischen Brigade zurückgeschlagen Heute Morgen fand eine lebdafte Kanonade Seitens der russischen Geschutze von dem Plateau nördlich von Vodica gegen die türkischen Stellungen statt. Die türkische Infanterie ging darauf gegen Osikowa vor. Auf der ganzen Linie bis Sinankiöi finden fortwährend Geplänkel statt.— Aus Serajewo meldet dasselbe Blatt vom 19. d.: Die Aufständischen unter Kowatschewits sind von türkischen Mustehafiz zersprengt worden. Im Koitaragebiet befinden sich nur noch drei Abtheilungen Aufständischer.— Dasselbe Blatt meldet aus Belgrad vom 19. d.: Der gestern stattgehabte Ministerrath hat beschlossen, den Eintritt Serbiens m den Kampf zu vertagen. Die auf dem Marsche befindlichen Truppen ver bleiben vorläufig dort, wo sie sich augenblicklich befinden. Die Sendung von Truppen nach der Grenze ist vertagt worden. Aus Kladowa werden weitere Vorbereitungen für den Uebergang russischer Truppen gemeldet. Nach einer Meldung der„N. fr. Pr." aus Kopace vom 17. d. haben die Türken am 16. d. nach einer mehrstündigen Recognoscirung weiter vorwärts gelegene Positionen bezogen. Losikova und Cerkovna wurden ohne Widerstand der Russen besetzt. Am 17. c. Mittags fand bei Cerkovna eine leichte Kanonade statt. Sonst liegen keine neueren Nachrichten vor. Ein Telegramm der„Presse“ aus Bukarest meldet: Bei Charkow fand zwischen einem Güterzug und einem Zug mit Verwundeten ein Zusammenstoß statt, wobei eine große Anzahl Personen getödtet und mehrere Waggons zertrümmert wurden. Aus Cattaro wird der„Polit. Corresp." gemeldet, seit dem 18. d. M. seien auch die türkischen Blockhäuser in und am Dugapasse in die Hände der Montenegriner gefallen, nachdem den capitulirenden Besatzungen derselben freier Abzug nach Stolatz bewilligt worden sei. Ebenso sei den türkischen Familien in Bilek freies Geleite nach Stolatz gewährt worden. Die Montenegriner beabsichtigten, ihre Operationen zunächst gegen Korjenic und dann gegen Trebinje zu richten. Aus Bukarest, 20. September, wird berichtet: Die Grenadiere und Dragoner der russischen Garde sind heute hier durchpassirt.— Heute fand in der Hauptkirche in Anwesen heit der Fürstin, des Reichskanzlers Fürsten Gortschakoff, des - Geheimrath Jomini und des russischen Generalkonsuls, Baron Stuart, ein Trauergottesdienst für die Gefallenen statt. Volkswirthschaftliches und Sociales. A Crefeld, 20. Sept„Wir sind gebeugt, doch nicht gebrochen!" Es ist erst einige Tage her, daß dieses seitdem in unserer Stadt bereits„geflügelt“ gewordene Wort gefallen ist, und schon kracht es in unserer unmittelbaren Nahe in einer Weise, die deutlich bekundet, daß für Manche das Brechen / näher ist, als das Beugen, und daß man's ihm nicht verargen könnte, wenn er dieses über jenes vergäße. Nach hierher gelangten Mittheilungen, die freilich in ihrer ganzen Tragweite noch der Bestätigung bedürfen, ist ein Londoner Agent mit Hinterlassung einer Schuldenmasse von 5 Millionen Francs, denen nicht das geringste Activum gegenüberstehen soll, flüchtig geworden. Beunruhigende Gerüchte über die Mitleidenschaft hiesiger Frmen an diesem Falle durchschwirren die Luft, und wenn dieselben sich bewahrheiten, so würde es sich gerade um solche Häuser handeln, die sich durch enormes Herabschrauben der Arbeitslöhne einen traurigen Namen gemacht haben, die also nur auf Kosten ihrer Arbeiter im Stande gewesen sind, sich Aufträge zu verschaff n. Auf diesen Mißbrauch hinzuweisen, sollte der Zweck vorliegender Zeilen sein.— Wohl wissen wir, was die betreffenden Fabrikanten zu ihrer Entschuldigung sagen. Sie bringen vor, es sei doch besser, daß der Arbeiter ein Weniges als gar nichts verdiene und weisen darauf hin, daß sie selbst auch nicht viel bei einem solchen Handel aufstecken. Letzteres mag wahr sein, wenn es auch ein großer Unterschied ist, ob ein Fabrikant oder ob ein Arbeiter wenig verdient, da Ersterer in diesem Falle von früher Erworbenem zehrt, Letzterer aber Hunger leiden muß, um den Ausfall zu decken. Allein es ist auch dem Arbeiter sehr schlecht mit einem solchen Auskunfsmittel gedient. Wenn ein Fabrikant einen Auftrag erhält, so kann ihm dieser aus zweierlei Gründen ertheilt worden sein. Entweder hat der Auftraggeber die Waare nöthig, und dann wird auch auf jeden Fall ein entsprechender Preis dafür zu erlangen sein, d. h. ein Preis, der auch dem Arbeiter sein Brod läßt, oder der Besteller hat die Waare nicht nöthig, bestellt sie nur auf Speculation, weil sie ihm außergewöhnlich billig angeboten wird, und dann beruht der ganze Handel auf keiner soliden Basis und ist von den schlimmsten Folgen begleitet. Der Fabrikant ist gezwungen, Abzüge vom Lohne zu machen, an der Qualität zu „kneifen", die Solidität seines Artikels zu vermindern; dadurch leidet der Ruf seines Hauses, der ganzen Industrie, der er angehört— und das Alles geschieht nur, weil ein künstlich geschaffenes Bedürfniß befriedigt werden soll. Man greift dem Verbrauch vor und die Ueberproduction hört gar nicht auf. Das ist der große Fehler, der auch in unserer Industrie Stadt nur zu häufig in den letzten Jahren begangen worden ist. Ein Fabriant sucht den anderen durch billige Preisnotirung zu verdrängen; so sinken die Preise immer mehr, der Besteller läßt sich verleiten, weit über seinen Bedarf aufzugeben, es wird drauf los fabricirt, und während der nachlassende Bedarf allein vielleicht nur eine Stockung für kurze Zeit verursacht hätte, erklärt die Ueberproduction das Elend auf Jahre hinaus in Permanenz. Das alles aber wäre nicht gekommen, hätte man sich auf einem reellen Preise gehalten und den Consum an sich herantreten lassen. So ist es also nur Täuschung, wenn man dem Arbeiter damit helfen zu wollen vorgibt, daß man ihm seinen Lohn beschneidet: er hätte einige Wochen, vielleicht einige Monate sich einschränken müssen; jetzt darbt er Jahre lang, ohne Aussicht auf Besserung seiner Lage.— Die ganze, oben beschriebene Erscheinung ist freilich im Grunde auch nur eine Folge unseres Verkehrten, von„liberalen" Principien getragenen Erwerbswesens, das aber hier auseinanderzusetzen, würde zu weit führen. Zum Bischofsproceß. Munster, 20. Sept. Heute Morgen 9¼ Uhr begannen unter dem Vorsitze des Appellationsgerichts=Directors Koch die Verhandlungen II. Jn= stang in dem gegen unsern hochw. Bischof, dessen Generalvicar Dr. Giese und 5 ehemaligen Generalvecariats Beamten er= hobenen Monstro=Proceß. Keiner der Angeklagten war erschienen. Als Vertreter des öffentlichen Mnisteriums fungirte Herr Staatsanwalt Grawert, mit der Vertheidegung wiren die Herren Advocat=Anwalt Fischer. Advocat Anwalt Müller und Justigrath Windthorst betraut. Vor Eintritt in die Berhandlung theilt Herr Justizrath Windthorst mit. daß er auf Grund einer heute Morgen 18 Uhr in seinen Besitz gelangten Vollmacht von dem schwer erkrankten Rechtsanwalt Dockhorn mit der Vertretung des hochw. Bischofs beauftragt sei. Da es ihm selbstverständlich bei der Kürze der Zeit unmöglich gewesen wäre, sich auch nue oberflächlich zu informiren, so beantrage er die Verhandlungen zu vertagen und hoffe, daß der Gerichtobof aus Grunden der Billigkeit diesem Antrage beitrete. Diesem Antrage, welchen Herr Adoocat Anwalt Müllerunter besonderem Hinwets darauf warm befürwortet. daß der vom Gerichtshof bei der Ableinung dieses schon unter'm 17. von Rechtsanwalt Dockhorn gestellten Gesuchs angegebene Brund, es könne den Angeklagten Dr. Brinkmann und Dr. Giese die Edictalladung nicht mehr zeitig zugestellt werden, gefallen sei. da er sich im Namen dieser Angeklagten dem Antrage anschließe, tritt die Staatsanwaltschaft entgegen. Jn Hinsicht auf die Mühen und Lasten, welche den Beamten des Gerichts durch eine Bertagung erwüchsen, musse der Antrag aus Grunden der Billigkeit abge lehnt werden. Jm Uebrigen scheine der Client des Rechtsanwaltes Dockhon auch nicht viel Jnteresse an der Sache zu haben, da derselbe nicht erschienen. Nach einer Replik des Advocat Anwalt Müller zieht sich der Gerichtshof zu einer zstündigen Berathung zuruck und faßt den Beschluß, in die Verhandlung einzutreten. Die sodann vorgenommene Verlesung des Referats über den bisherigen Verlauf des Processes, der Appellationsrechtfertigungsschriften und der erfolgten Repliken nimmt 2½ Stunde in Anspruch. Von den verlesenen Actenstücken verdienen ein Schreiben des hochwürdigsten Bischofs und ein solches des Generalviears Dr. Giese hervorgehoben zu werden. Jn dem ersten d d. Antwerpen, 28. Närz 1877 erklärt unser hochw. Bischof über den Verbleib der bischöflichen Gelder, er habe Dr. Giese und Fievaz mit der Flussigmachung der Gelder beauftragt und dieselben sodann ersterem mit der Weisung übera ben, sie zu Diöcesanzwecken zu verwenden. Eins vorherige Abrede habe zwischen ihm und Dr. Giese nicht stattgetunden. Die Behauptungen der Anklage und die Annahme des Urtheils erster Instanz seien unrichtig, er habe keinen Pfg. mit in's Ausland ge nommen. Der hochw. Herr spricht schließlich die Hoffnung aus, der hohe Gerichtshof werde seinem bischöfl. Ehrenworte Glauben schenken. Generalvikar Dr. Giese bestätigt durch sein, Mannheim, 21. März 1877 datirtes Schreiben, die Angaben des Herrn Bischofs und gibt an, zu welchem Zwecke die Gelder verwandt seien und zwar vor dem 8 Mirz 1876, dem Tage der staatlichen Absetzung unseres hochw. Bischofs. Auf Befragen werden beide Schreiben als von den Unterzeichnern herrührend. von dem Herrn Adv=Anw. Muller legitimirt. Der Vorsitzende eröffnet sodann zunächst die Debatte über die in den Appellationsschriften zum Beweis gestellten Behauptungen. Staatsanwalt Grawert erklärt zunächst, daß es bei der Beschlagnahme in der Wohnung des Generalvkars Dr. Giese durchaus nicht so glatt abgegangen sei, wie die Appellationsscheift des Angeklagten sich darzuthun bemühe, dieses gehe speciell aus einem ihm eben von dem staatlichen Vermögensverwalter Gedike zugegangenem Schreiben hervor; er stellte dem hohen Gerichtshofe anheim, dieses Schreiben verlesen und die zeugeneidliche Venehnung Gedik'o stutthaben zu lassen. A div. Anw. Müller hat gegen den Antrag des Staatsanwalts nichts einzuwenden. Es sei ihm auch ganz Recht, wenn bezl. der Anstalt in Kevelaer, worauf die Anklage so großes Gewicht lege, die Zeugen vernommen würden, er müsse aber auch seiner seits die in seiner Appellationsschrift gestellten Anträge wieder holen. Nachdem auch Adv. Anw. Fischer erklärt hat, daß er nicht in der Lage sei, a priori die Anträge der Staatsanwalschaft ab= zulehnen, er sich im Gegenth-il wohl den Fall denken könne, daß dieselben für die richterliche Entscheidung von Gewicht seien, tritt der Gerichtshof ab. NNach 1½stündiger Berathung um 2 Uhr erscheint derselbe wieder und der Vorsitzende verliest den Beschluß, nach welchem den gestellten Beweisanträgen stattgegeben und zur Beweisaufnahm- demnächst ein Audienztermin anberaumt werden wird. Nach östündiger Verhandlung ist demnach die so sehnlichst gewünschte Vertagung beschlossen. Rheinland und Westfalen. * Crefeld, 21. Sept. Auf den an den Geleisen der Thüringischen Eisenbahn=Gesellschaft adjacirenden Feldern des Rittergutsbesitzers Z. war durch Fluafeuer aus den vorüberfahrenden Locomotiven die Ernte zum größten Theil zerstört worden. Die Verluste werden auf mehr als 4000 Mark festgestellt, welche der Geschädigte von der Eisenbahn=Gesellschaft einforderte. Die verstand sich jedoch nur zur Leistung von etwa 1800 M., den etwaigen Werth der erst halbreifen Früchte zur Zeit des Brandes, und ließ den Rest gegen sich einklagen. Das Apellationsgericht zu Naumburg verurtheilte die verklagte Gesellschaft zur Zahlung der ganzen Schadensumme, und das Ober=Tribunal I. Senat bestätigte das vorrichterliche Erkenntniß, indem es motivirend ausführte:„Als Zeit des Verlustes kann nicht die der Beschadigung der noch ungeernteten Früchte und ihrer damaligen Beschaffenheit, vielmehr nur diejenige Zeit angesehen werden, in welcher der Besitzer die reifen Früchte eingeerntet, eingebracht hat, auch dadurch in den Stand gekommen ist, die gewonnenen Früchte durch eigenen Verbrauch oder durch Umsetzung zu verwerthen." * Düsseldorf, 20. Sept. Das„Düsso. Volksbl." meldet: Wiederum fuhr gestern ein Segelschiff, das mit einer Lidung von 5000 Centnern belastet war, an der Golzheimer Insel auf eine Kribbe auf, so daß jetzt ein Dampfer und ein Segler friedlich nebeneinander aufs Flottwerden warten. • Vom Rhein, 20. Sept. Im Jahre 1876 wurden au polizeiliche Anordnung in der Rheinprovinz 216 rotzkranke Pferde und 198 Stück lungenkranken Rindviehes getödtet, und dafür aus dem Vieh=Entschädigungsfonds 57,181 Mark resp. 26,525 Mark gezahlt. Die Pferde vertheilten sich auf die Regierungs bezirke wie folgt: Aachen zwei, Coblenz 15, Köln 21, Dusseldorf 56, Trier 122; Rindvieb: Aachen 56, Coblenz 0, Köin 118, Dusseldorf 22, Trier zwei. Die Einnahme(20 Pfg. pro Pferd, 10 Pfg. pro Rindvieh) des Entschädigungssonds betrug bei den Pferden 27,823 Mark, beim Rindvieh 101,962 Mark. Die Ausgaben(Veranlagungskosten, Hebegebühren, Druckkosten und Porto, sowie Entschädigungen der Viehbesitzer) bezifferten sich bei den Pferden auf 60,466 Rark und beim Rindvieh auf 37,226 Mark, so daß dort ein Vorschuß von 32,643 Mark sich ergibt, hier ein Bestand von 61,736 Mark verblieben ist. § Uerdingen, 20. Sept. Seit einigen Tagen wird hier die Ehefrau P. vermißt. Hier sowohl, als auswärts könnte mencher ein Liedchen von ihr singen, das aber nicht gut klingen würde. Vergangenen Sonntag bot sich ihr wiederum eine Gelegenheit dar, ihre Raffinirtheit an den Tag zu legen. Nicht weit von ihr wohnt die Familie K. Diese war, außer einem 13jährigen Mädchen, welchem das Haus anvertraut war, verreist. Die Schlaue erbittet von dem Kinde den Goldsmuck, um ihn in Düsseldorf putzen zu lassen, was die Mutter ihr aufgetragen — so sprach die Lügnerin. Das Mädchen, nichts Arges ahnend, händigt ihr eine Dose ein, die, wie wir erfahren, eine goldene Uhr nebst Kette, Ringe und Nadeln enthielt. Das Frauenzimmer reist auch wirklich und zwar in Begleitung ihrer Eyehälfte nach Düsseldorf, ist aber seitdem verduftet, während ihr Gespons zurückgekehrt ist. * Gladbach, 18. Sept. Der Inseratentheil der heutigen Nummer der„Gl. Ztg." enthält eine Bekanntmachung vom Polizei=Anwalt Heiming, in welcher u. A die Namen von 14 wegen Feilhaltens verfälschter Wurst verurtheilten Personen veröffentlicht werden. §° Cleve, 20. Sept. Das landwirthschaftliche Fest hierselbst hat bei meistens herrlicher Witterung einen sehr glänzenden Verlauf genommen. Die Ausstellung war, wie allgemein anerkannt wurde, sowohl was Maschinen, Ackergeräthschaften, landwirthschaftliche Producte 2c., als auch besonders, was die an den beiden letzten Tagen ausgestellten Thiere betrifft, eine umfassende und wohlgelungene. Die Zahl der ausgestellten Maschinen und Ackergeräthschaften z. B. betrug weit über 300. Der Fremdenzudrang zum Ausstellungsplatze am Schützenzelte war, besonders gestern und vorgestern, ein ungemein großer; vorgestern allein sollen an der Cassa e. 5000 Einlaßkarten verausgabt worden sein ohne die an die Mitglieder des landwirthschaft lichen Vereins verabfolgten. Die vom letzteren gemachten nicht geringen Kosten sollen deshalb auch mehr wie gedeckt sein. Gestern Nachmittag fand, nachdem auf dem Ausstellungsplatze die prä miirten Thiere vorgeführt waren, im Thiergarten ein Wetttraben Statt. Der Ehrenpreis war ein vom Gutsbesitzer Gerpott zu Schmitthausen geschenkter silbener Pokal und wurde vom Ackerer Terlinden aus Rindern errungen. Ein glänzender Festball im Theatersaale des Rathhauses bildete dann gestern Abend den Schluß des Festes. * Wesel, 19. Sept. Wie großartig das vor dem Cleverthore hierselbst zu errichtende Fort sein wird, ist daraus zu entnehmen, daß die Gesammtkosten sich auf ca. 600.000 Mark belaufen. Die Ausführung dieses Baues ist der Firma Leintzkes u. Co., welche mit einer hiesigen Firma das gleiche Angebot abgnden das, dotage Jelihen desen an den ait Ro= desttorderung lag eine Differenz von ca, 45 00) M. Kanten. 15. Sepk. Der„Bote" melvel: Heute hatten wir die Exre, den Herrn Regierungs Präsidenten v. Hagemeister in unsern Mauern zu sehen. Um 9 Uhr Margens war der Stadtrath auf's Rathhaus beschieden zur Begrüßung des hohen Herrn.— Nachdem Herr Bürgermeister Schlei den Herrn Prasi= denten begrüßt, hielt derselbe eine kurze Ansprache, in welcher er unter Anderm der Hoffnung Raum gab, daß die Ackerbau= schule nach Xinten verlegt werde(auf das Haus Erprath). Nach der Ansprache fand seitens des Herrn Bürgermeisters die Vor stellung des Collegiums statt. worauf sich der Herr Präsident verabschiedete und noch eine kurze Belichtigung des Domes vornahm unter Begleitung des Herrn Dr. Dorenberg und des derrn Caplan Beenen, welchem der Herr Präsident vorher einen Besuch abstattete. * Köln, 20. Sept. In der gestrigen General=Versammlung, es Vereins selb ständicer Handwerker und Fa bricanten des Stadt= und Landkreises Koln wurde das Haft= pflicht Gesetz verleien und laut der„Köln. Bztg." beschlossen. der Vorstand moge dasselbe berathen, um demnachst über die= jenigen Punkte Mittheilung zu machen, welche sich auf die Hano werker beziehen. Daran reihte sich die Mittheilung, daß am 22. October ein Provinzial Delegirtentag in Koln stattfinden werde, in welchem der Obermeister der Schreiner=Jnnung, Hr. Brandes von Berlin. Schriftfuhrer des Central Vorstandes, erscheinen werde. Eine Einladung zur Beschickung dieser Versammlung wird ergeyen nach Alachen, Vonn, Codlenz, Trier. Düren. Eupen, Nemscheid, Cleve. Crefeld. Neuß, Viersen, Duisdurg, Dusseldorf, Elberfeld, Barmen, Hagen, Witten, Iserlohn, Essen, Mülh=im a. d. Ruhr, Bochum, Wesel, Dortmund, Neuwied. * Jstlich 18. Sept. Heute früh nahm sich ein zur Dienst= leistung bei der hiesigen kgl. Unteroffizierschule commandirter Offizier in seiner Wohnung in der Citadelle durch einen Flin= tenschuß das Leben. Nach der einen Nachricht soll ein mit furchtbaren Schmerzen verbundenes Kopfleiden, nach der andern Bedrängniß durch Gläubiger Veranlassung zu dieser schrecklichen That gewesen sein. * Bonn, 19. Sept. Der rheinische TurnlehrerVerein wird Ende dieses Monats in unserer Stadt seine dies= jährige Versammlung abhalten. * Coblenz, 19. Sept. Wie man sich erinnern wird, verschwand Ende vor. Jahres aus Kreuznach der Jnspector der dortigen Sool= bader Artien=Gesellschaft, Lieutenant a. D. Graf v. Blücher, unter Mitnahme des von ihrn geführten Haupt Kassenbuches. So weit sich feststellen ließ, lagen Unterschlagungen im Betrage von 14,500 Mark vor. Zugleich stellte sich, der„Cobl. Zig." zufolge, heraus, daß Blücher einen Rentner B. aus Kreuznach auf raffinirte Weise beschwindelt hatte. Der Graf war nämlich zu Anfung Dec. v. J. bei Hrn. B., einem Haupt Actionair der Gesellschaft, erschienen, und hatte demselben mitgetheilt, daß er in den Büchern große Unregelmäßigkeiten entdeckt habe und des halb gegen den Aufsichtsrath vorgehen wolle; daß er dies aber, wie ihm der Ober=Procurator am Landgericht zu Coolenz gesagt habe, nur thun könne, wenn er selbst im Besitze einer größeren Anzahl Actien sei. B. möge ihm also 100 Stück überlassen. Hr. B., der bei der Sache sehr interessirt war, ging darauf ein, und man einigte sich dahin, daß der Graf, der kein Geld zum Bezahlen der Actien hatte, diese an den Hrn. Ober Procurator einsenden und den Einlieferungsschein an B. übergeben soll:. Der Graf wußte es aber auch durch alle lei Mandver so einzurichten, daß er die 100 Stück Actien an einen Herrn in Bingen gegen eine Summe von 4500 Mark versetzen konnte. Da der Aufenthalt des Grafen nicht zu ermitteln gewesen, wurde in heutiger Sitzung des Zuchtpolizeigerichtes in contumaciam gegen ihn verhandelt, und lautete das Urtheil auf eine GeammtGefangnißstrafe von 2 Jahren und 6 Monaten und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 3 Jahren. Ein wahrend der Verhandlung von dem Grafen aus England ein gehender Brief, worin derselbe um Aussetzung der Sache bat, weil er später persönlich erscheinen und seine Unschuld darthun wolle, wurde von dem Gerichte nicht berücksichtigt.— Wegen Majestatsbeleidigung wurde ein Maschinist aus Italien, zuletzt in Cochem wohnhaft, zu einer Gefängnißstrafe von zwei Monaten verurtheilt. * Coeofeld, 19. Sept. Der„Westf. Merkur" berichtet: Gestern erschien hier im Kloster„Unserer lieben Frau" bei dem Direktor Kickum der Kreisgerichts Sekretär Schildhaus und der Rechtsanwalt Herz, um im Auftrage des Commissars für die Vermögens Verwaltung des Bisthums Münster, Regierungsrath Gedike, das Privat=Vermogen des Directors mit Beschlag zu belegen!! Wie wir erfahren, war vor Kurzem an das Curatorium des Klosters durch eine Verfügung des Regierungsraths Gedike das Ansinnen gestellt, den Direktor Kickum auf Herausgabe von über 299,000 M. zu verklagen, weil diese Summe an Grundbuchschulden, an Verkauf von Mobilar rc. von dem Vermögen der Genossenschaft zu Unserer lieben Frau zu Coesfeld veräußert sei. Natürlich sind die Gruadbuchschulden, wie der Verkauf der Mobilars 2c. ganz legal und notariell vor Erlaß der kirchlichen Vermögensgesetze gemacht, damit die Genossenschaft Unterer lieben Frau zu Coesfeld(etwa 250 Schwestern) in fremden Landern ihrem Berufe noch dienen könne, was ihnen auf preußischem Cultur=Boden nicht mehr gestattet war. In mehreren Städten der„Vereinigten Staaten Amerika's" verbreiten jetzt ihre unstalten den größten Segen, wie sie es hier 25 Jahre lang gethan. * Mainz, 18. Sept. Unsere Gründerjobber haben einen neuen schmerzlichen Schlag zu beweinen. Der deputirte Meister zur Großloge, Herr Dr. Moritz, sitzt schon seit geraumer Weile im Gefängniß, weil er die rheinische Actienbrauerei als Director so verwaltete, wie es mit dem Strafgesetzbuch nicht ganz vereinbar war. Zur Herstellung seiner geschwächten Ge sundheit wurde er aus dem Gefängniß entlassen und eilte nach Niedermendig, wo ebenfalls eine große Actienbrauerei, an der er betheiligt war, der Bethätigung seines directionalen GGenies wartete. Die Niedermendiger Brauerei ist jetzt auch bankerott, und wurde für 95,000 Mk. der Meininger Creditbank zugeschlagen. Die Gesellschaft hatte das Erablissement für 330,000 M. gekauft. Hoffent lich wird sich die Gesundheit des Herrn Moritz setzt so weit ge kraftigt haben, diß er seinem anderweiten Berufe im Mainzer Gefangniß Dütten zu pappen, nachkommen kann. Lokales. + Crefeld, 21. Sept. Der hiesige Kaufmann H. gerieth am verflossenen Mittwoch, wie uns erzählt wird, in große Lebensgefahr. Als derselbe auf der Landstraße von Vorst nach St. Tönis dahinfuhr, wurden die Pferde, ein neues Gespann, scheu und gingen durch. Der Kaufmann schaffte zuerst seinen mit ihm fahrenden Sohn heraus, was bei der Schnelligkeit, mit welcher der Wagen dahinsauste, ein gefahrliches Unternehmen war, und rettete sich dann selbst durch einen Sprung aus dem Wagen. Mit einer leichten Verletzung an der Schulter kam er davon. Der Kutscher entging ebenfalls durch einen kuhnen Sprung der offenbaren Todesgefahr. Die Pferde rannten mit dem Wagen in's Feld hinein und wurden später in der Nahe von St. Tönis eingefangen. X Crefeld, 21. Sept. Der Zudrang von Kirmeßbuden war in letzter Stunde noch so stark wie kaum je zuvor. Der GGemüsemarkt bietet heute eine Fülle, wie eine solche sich die ältesten Leute nicht zu erinnern wissen; er zieht sich sogar noch über den Südwall hinweg bis an die Oelschlägerstraße. * Dr. Strousberg in Berlin. Die Blätter schreiben: Personen, die den Dr. Strousberg gesehen haben, sind erstaunt, daß er sich seine alte Frische und Beweglichkeit vollständig bewahrt hat. Nur schweigsamer ist er geworden. auch geistig ruhiger. Strousberg glaubt, er werde aller Schwierigkeiten Herr werden, wenn mit einem etwa bald eintretenden Friedensschluß die Zeiten ein klein wenig besser werden. Nöthig ist, daß sich zu den vielen Etablissements, die zum Verkauf ausgestellt sind, über haupt Käufer finden; so mancherlei würde wohl à tout prix losgeschlagen werden, blos damit nur Geld zum Vorschein kommt. Die Verpflichtungen Stiousberg's sind kolossale; sie betragen in runder Summe 40 Millionen Mark. * Tilsit. 16. Sept. Vor einiger Zeit erkrankten in unserer Nähe neun Menschen an der Trichinose, und zwei derselben fielen der Krankheit zum Opfer. Der betreffende Fleischermeister, welcher das inficirte Schweinefleisch, ohne es vorher untersuchen zu lassen, verkauft hatte, ist dieser Tage vom hiesigen Kreisgericht wegen fahrlässiger Tödtunig zu einem Jahr Gefäng niß verurtheilt worden. * Die Bevölkerung von München befindet sich seit einigen Tagen in freudig erregter Stimmung. Es wurde nämlich in letzter Zeit nach eiflicher Ueberlegung und vielfachen Berathungen ernstlich beschlossen, die allerdings in niederträchtigem Zustande befindlichen Schank Localitäten des so altehrwürdigen Hofbräuhauses— ein klein wenig zu erweitern. Ja, noch mehr. Es blieb die sehr thätige Verwaltung des Hofbräuhauses bei dieser Er weiterung allein nicht stehen, sondern ließ sogar den Fußboden aus den Gast=Localitäten herausreißen. An Stelle des Bretterbodens wird Asphaltpflaster kommen, was— wie Münchener Hlätter mit berechtigtem Stolze melden— nicht wenig zur besseren Reinhaltung des Hofbräuhauses heitragen wird. Auch eiserne Tische und Bänke sollen an Stelle der bekannten alten Möbel kommen. Kurz und gut, das Hofbräuhaus, respective die Einrichtung des GMlocals, wird ginz neu und voraussichtlich auch den Anforderungen des Publikums entsprechend werden. Weiter soll so viel Hofbräuhausbier gebraut werden, daß, wenn nicht außer= ordentlicher, so zu sagen eptdemischer Durst eintritt, der Schluß der Quelle kaum mehr nothwendig werden dürfte, kein geringer Trost für die Hofbräuhausdier=Sehnsüchtigen. * Die französische„Correspondance unwerselle“ theilt die folgende schnurrige Notiß mit:„Der Hintritt des Herrn Thiers ruft eine Prophezeiung ins Gedächtniß zurück, die in Deutschland seit dem Kriege von 1870 existirt, und welche besagt, daß eine 8jah= rige große politische Persönlichkeit Frankreichs, welche sich während ihres Lebens sehr viel mit Kriegsgeschichte beschaftigt habe, dem Fürsten Bismarck dreimal dreißig Tage in die Ewigkeit vorangehen werde." Wir haben von der Existenz dieser Prophe= zeiung in Deutschland bisher nicht das Mndeste vernommen, und es wäre nur das Eine denkbar, daß die odige interessante Notiz aus den Prophezeiungen des„alten Schäfer Thomas“ oder des„griechischen Mönches Leonidas" geschöpft ist. Patente. Hermann Witter& Heinr. Hagemann zu Bochum Gegenstand: Gährmittel für Hefefabriken. Hr. A d. Müller. Ingenieur und Patent Agent zu Köln. Gegenstand: Luftungs Apparat für Zimmer.(Lindesrechtlich patentirt.) Hrn. Fischer& Stiehl, Fabrik für Centralheizung in Essen an der Ruhr. Gegenstand: Wasserverdunstungs=Vorrichtung für Luftheizungen. Hrn. C. Lütters& Cie. zu Solingen. Gegenstand: Taschen= messer. dr. Carl Ofers, Kgl. Maschinenbauführer zu Crefeld. Gegenstand: Verbesserung der Wasserdruckapparate zum Bierpumpen. Hr. Gustav Werther. Civil=Ingenieur zu Dresden. Gegen stand: Vorrictung zum Reguliren des Dampfes an Funkenlöschern.(Landesrechtlich patentirt.) Hr. RodertHasenclever, Generaldirektor der chemischen Fabrik Rhenania zu Aachen. Gegenstand: Rostofen für schwefelhaltige Erze zur Darstellung von Schwefelsäure. Hr. Morttz Demmer. Cwvil Ingenieur zu Inden bei Aachen. Gegenstand: Nadel mit keilförmigem Oehr.(Vom Patentsucher genannt: Keilnadel). Hrn. Alfred Lehrkind zu Haspe in Westfalen. Gegenstand: Herstellung von Zapfen an Schieserplatte. Wechsel Course von Beckerath=Heilmann. Crefeld. 19. September. Briefe. Geld. Brieie Gelo Amsterd. k. S. 169. 35 168. 75 Antwerp. k. S. 81. 45— Rotterd. 2 M.—— Brüssel 2 M.—— Paris k. S. 81.45— London k. S.—— do. 2 M.—— do. 3 M. 20. 335 20.205 Geld=Course. 20 Francs=Stücke M. 16. 10. Souvereignes M. 20. 25. h=Francs=Stücke„ 4.—. Gulden holl.„—.— Marktberichte Frucht= und Biktualienmärkte. * Crefeld, 21. Sept. Weizen schwere Sorte neuer 25.00. mittlere Sorte neuer 24.00. leichte Sorte—.— Noggen schwere Sorte neuer 17—. mittlere Gorte neuer 16.—. Gerste schwere Sorte 22.50. mittlere Sorte 21.50. leichte Sorte 00.00. Haser schwere Borte 18.60. mittlere Sorte 18.00. leichte Sorte—.— (Alles per 100 Kilo.) Kartoffeln(per 100 Kilo) 6 81. Strot (per 100 Kilo) 5.0). Heu(per 100 Kilo) 6.00. Rinofleisch(per ½ Kilo)—.55. Schwein fleisch—.—. Pammelfleisch—.—. Speck 75.—. Butter 1.20. Eier(60 Stück) 3.50. * Neuß, 21. Sept. Weizen 1. Qual. neuer 25.40. 2. Qual. 23.40 3. Qual.—.—. Landroggen 1. Qual. neuer 17.—. 2. Qual. 15.—. Wintergerste 16.—. Sommergerste—.—. Buchweizen 14.50. Hafer, alter, 17.80. Hafer, neuer, 13.80. Rubsen(Aveel) 34.—. Raps 35.50. Kartoffeln 6.—.(Alles per 100 Kito.) Heu a 50 Kilo 2.70. Roggenstroh a 100 Kilo 4.20. Ruböl per 100 Kilo in Parthien von 100 Ctr. 81.—. Ruböl pr. 100 Kilo faßwweise 83.00. Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3.—. höher als Rubol. Preßkuchen pr. 1000 Kilo 163. Weizen=Vorschuß 00 a 100 Kilo 30.50. Kleien a 50 Kilo 5.40. + Geldern, 20. Sept. Weisen neuer 1. Qual. 23.33. 2. Qual. 26.67 3. Qual. 25.—. Roggen neuer 1. Qual. 18.04. 2. Qual. 17.73. 3. Qual. 17.41. Gerste neue 1. Qual. 18.—. 2. Qual. 17.67. 3. Qual. 17.33. Bachweizen 1. Qual. 16.14. 2. Qual. 15.83. 3. Qual. 15.19. Hafer alter 1. Qual. 14.50. 2. Qual. 14.—. Raabsamen—.—. Kartoffeln 7.—.(Alles per 100 Kilo.) 500 Kilo Heu 24. 500 Kilo Stroh 24. Köln, 20. Sept. Getreidemarkt. Weizen hiesiger lo26, 00, fremder loco 24, 0), per Novbr. 22 85, per Marz 22. 40 Roggen loco 18, 50, per Noobr. 14, 95, per Marz 15, 50. Hafer loco 15, 50, per Novbr. 14, 80, per Márz—,—. Rubol, locs 40, 50, per Octobe 39, 40, per Mai 38, 70. *Bremen, 20. Sept. Petroleum hoher.(Schlußbericht Standard white loco 13. 35 pr. October 13, 40, pr. November 13, 50, pr. December 13, 60, pr. Januar 13, 60. * Antwerpen, 20. Sept. Getreidemarkt(Schlußbericht.) Weizen behauptet. Roggen ermattend. Hafer ruhig. Gerste sleigend. Petroleummarkt(Schlußbericht.) Raffinirtes Type weitz, loco 33 bez. u. Br., pr. September 33 Br., pr. October 33 Br. pr. December 33 Br., pr. October December 33 Br. Seide. Crefeld. Es sind zur Condition gekommen am 2). Sept Nr. 14 Kilogr. 927. Bom 1. bis 20. Sept. Nr. 400 Kllog 25,141. Total Nrs. 414 Kllogr. 26.068. *Elberfeld. Betrieb der Seidentrocknungsanstalt. Ewurden eingeliefert: am 19. Sept. 6 Nrs. 705 Kil., vom 1.—19. Sept. 173 Nrs. 11,085 Kil. Total 179 Nrs. 11,790 Kil. * Mailand, 17. Sept.(„II sole“.) Nachfrage liegt vor, ist aber sowohl in Bezug auf Gregen als auf Ouvrées weniger allgemein als vergangene Woche. Die Abschlüsse blieben beschränkt in Folge der niedrigen Gebote, die von den Eignern refusirt wurden. Letztere halten hartnäckig an ihren Forderungen fest. Goldcours 21.91. Deutsche Bankpl. 133½—5/8. 3 Monate 5%, * Mailand, 18. Sept.(„II sole“.) Die Marktverhältnisse wichen heute nur wenig von den gestrigen ab. Die Käufer hätten gerne wieder zu schwächeren Preisen zurückkommen mögen ihre Offerten wurden jedoch fast durchgängig refusirt, um so mehr als der Zwirner der Unmöglichkeit gegenübersteht, das Rohmaterial zu ersetzen, indem solches fester als Ouvrées behauptet wird. Dieses Mißverhältniß stellt sich ganz besonders bei asiatischer Seide heraus, in welcher insgesammt die Geschäfte nur mit Mühe sich abwickelten. Goldcours 21.91. Deutsche Bankpl. 133-133½. 3 Monate 5%. Meteorologische Beobachtungen von Carl Schlösser, Optiker, Rheinstr. 113. Telegraphische Depeschen der„Niederrh. Volksztg“. (Während des Druckes eingegangen.) Salzburg, 20. Sept. Andrassy ist gegen 2 Uhr nach Wien abgereist, von Bismarck und dessen Söhnen zum Bahnhof geleitet. Der Abschied war ungemein herzlich. Bismarck reist vermuthlich morgen ab, die Familie desselben bleibt noch einige Tage. * Konstantinopel, 20. Sept. Aus Schumla vom 20. Sept. wird gemeldet: Mehemed Ali rückt langsam gegen das rechte Ufer des Banika=Lom gegen Koptiva vor. Das zwölfte Corps hat das Gebiet von Domagile Beclin bis Monastir besetzt; eine Division des dreizehnten Corps hat Balkanaular und die übrigen das westlich von Kopriva gelegene Cairköi besetzt. Das elfte Corps steht bei Osmanbazar. Die Russen haben Buzosta Zerwitza besetzt. Zerkowna soll vom Prinzen Hassan besetzt sein. 21 314 Bei Nr. 1062 des Handels=Gesellschafts Registers, des hiesigen Kal. Handelsgerichtes, betreffend die offene Handelsgesellschaft aub Firma Hall. Hansen& Co., mit dem Sitze in Neuß, wurde auf vorschriftsmaßge Anmeldung am heutigen Tage ver= merkt, daß der Mitgesellschafter Johann Pesch, Kaufmann in Neuß, vereinbarungsgemäß unterm 15. September 1877 aus der Gesell schaft ausgetreten ist, während diese zwischen den beiden übrigen Mitgesellschaftern, den zu Neuß wohnen en Kaufleuten Adam Hall und Joseph Hansen, unverändert fortbefteht. Crefeld, den 19. Septbr. 1877. Der Handelsgerichts=Secretair, Ensboft. Die Colonialwaarenhändlerin An toinette Oellers, zu Creseld wohnhaft, hat für das von ihr hierselbst errichtete Handelsgeschäft die Firma A. Oellers angenommen und zugleich ihrem Bruder Wilhelm Oellers, Agent, in Crefeld wohn haft, die Ermächtigung ertheilt, die von ihr geführte Firma A. Oellers per procura zu zeichnen. Auf vorriftsmäßige Anmeldung ist Vorstehendes heute aub Nr. 2570 des Handels=Firmen= und resp. 820 des Procuren Registers, hiesigen Kgl. Handelsgerichtes eingetragen worden. Crefeld, den 19. Septbr. 1877. Der Handelsgerichts Secretair, Ensboff. Toded=Anzeige. Gestern Abend stard in Folge der Brechruhr unser liebes Söhnchen Heinrich, im garten Alter von 11 Monaten. Die trauernden Eltern Heinrich Wienges nebst Frau. Crefeld, 21. Sept. 1877. (88•4)* Verkauf respective Verpachtung der Thurmmahlmühle zu Willich Samstag, den 22. Tept. 1877, Nachmittags 5 Uhr, lassen zu Willich in der Wohnung des Wirthes Hrn. Johann Haus, Herr Carl Ruland, Müller und Ackerer in Willich, und Genossen, die in der Gemeinde Willich, im Mählenfelde, gelegene Mahl mühle(Thurmmahlmühle) von drei Fruchtgängen sammt dem zur Muhle und theilweise um dieselbe führenden Wege, nebst anschießendem Bauterrain öffentlich gegen ausgedehnte Zahlungs= termine verkaufen eventuell auf 5 Jahr/ verpachten. Der Antritt be= ginnt mit dem 1. Januar 1878. Die Mühle kann auch vor dem Termine aus freier Hand erworben werden.(7830) Crefeld. Müller. Notar. von Kirchenland in Willich. Samstag, 22. September 1877, des Nachmittags 5 Uhr. zu Willich in dem Lokale des Wirthes errn Johann Hauß, im Anschluß an den Verkauf der Karl Ruland schen Mahlmühle, läßt der Kirchen vorstand von Willich ein Ackerstuck von 3 Morgen 167 Ruthen 40 Fuß, am Wege nach Riddershof gelegen und an die Bahn anschießend. in 4 Parzellen auf 9 Jahre öffentlich verpacten. Crefeld. (8094) Müller, Notar. Verkauf in Willich. Samstag, den 22. Sept. 1877, in der Wodnung des Wirthes Herrn Johann Hauß, im Anschluß des auf 5 Uhr anstehenden Verkaufes resp. der Verpachtung für Herrn Ruland und der Verpachtung von Ländereien der Kirche Willich, laßt Herr Peter Joseph Frings auf Mönnkhof verschiedene zum Frienenhof ge hörige Ackerparzellen am Hunds pohl, groß 7 Morgen 72 Ruth. und 2 Morgen 167 Ruthen, am neuen Busch, groß 4 Morgen 36 Ruthen, am Rohn, groß 5 Morg. 35 Ruthen, in der großen Haide. groß 5 Morg. 124 Ruthen, im Weyerfeld, groß 5 Morgen 17 Ruthen, und am Eichbusch, groß 9 Morg. 80 Rutden gegen ausgedehnten Credit aussetzen. Crefeld. (8093) Müller, Notar. Freiwilliger Verkauf. Am Dienstag den 25. Sept. ert., Vormittags 11½ Uhr, läßt der zu Crefeld wohnende Spediteur Herr Jacob Marx in seinem Geschäftslokale Fischelner Landstraße 3, vis-a-vis der Berg.=Märk. Bahn, zwei Oxhoft Bordeaux=Wein öffentlich gegen gleich baare Zahlung an den Meist= und Letztbietenden durch den Unterzeichneten verkaufen. Hoerig. (8883) Gerichtsvollzieher. Von allen Aerzten als das einachste und billigste Hausmittel mpfohlen gegen Säurebildung, Aufstossen, Krampf, Verdanungsschwäche und andere Magenbeschwerden in 1/1, 1a ½ OriginalPacketen mit Gebrauchsanweisung à 1. 1, und ¼ Mark zu haben bei Orts& Jörgene, Neumarkt, Ed. Gussone, Hochstrasse, Th Thomas, Hochstrasse, Wm Schulze, N. Linnerstr, F. L. Meyer, Blumenstrasse. Gebr. Kraemer, Materialisten. Ein ordentliches Mädchen am liebsten vom Lande, 1. Oct. gesucht. Wo sagt die Exped.(8840)* **Erscheint täglich mit Ausnahme Essener Volks=Zeilung. Jnsertionspreis mo Zeile 15 Pf. Die„Essener Volls=Zeitung“,entschieden den Standpunkt des Centrums vertretend, brinat zahlreiche Leitartikel und Original Correspondenzen, übersichtlich geordnet das Wichtigste aus der Tagespoliik und dem läglichen Leben, mit besondeter Rücksicht auf Rheinland und Westfolen, die Parlamentoberichte tags nach der Sitzung, möglichst ausgedehnt, stets ein interessantes Feuilleton, reichhaltige Handelsnach richten rc. Besonders nichtige Begeber heiten, namentlich setzt vom Kriegsschauplatze gehen der„Essener Volks Zeitung" in Original Depeschen zu und gelangen also schnellstend zur Kenntniß der Leser.(8873) Bürgerschule für Mädchen. Der Unterricht beginnt Montag, den 24. September, und zwar für die Klassen 1 bis V Morgens 8 Uhr, für Klasse III Morgens 9 Uhr. . T. Schepers, Rector. Fortbildungsschule für Mädchen. Der Winterkensus beginnt Montag, den 1. October c., Nachmittags 4½ Uhr. Der Unterricht wird ertheilt in wöchentlich 11 Stunden, wovon 9 für den Unterricht in Handarbeiten(Weiß= und Maschinennähen, Zuschneiden und Anfertigen von Kleidern, event. Unterricht im Gebrauch der Strickmaschine) und 2 für Deutsch und Rechnen bestimmt sind. Schulgeld beträgt für das Halbjah: 10 Mark, die in vierteljährlichen Raten zu entrichten sind. Anmeldungen nimmt von heute ab entgegen (889) L. Schepers, Rector. . Evertsstraße 3 ein Schweinesleischer=Geschäft und erlaube mir dem hiesigen wie auswärtigen verehrten Publikum meine prompte und reelle Aufwartung anzuempfehlen. Hochachtungsvoll Carl Röseler. Crefeld, den 19. September 1877. Geschäft für Wasser=, Gas= und Centralheizungsanlagen Wm. Walter, Ostwall 173, empfiehlt sich zur Ausführung von Privat=Wasserleitungen, Bade= u. Wasch=Einrichtungen, Water Closets, Pissoirs=Aus gußbecken, Gartenbewässerungen, Springbrunnen rc. nach den bewahrtesten Systemen. 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In der Richtung von Nachen nack Gladbach, Crefeld und Ruhrort Aachen= M. 5,10. 6.55. 8,56. 9,52 1.48 4.— 6,4. 7.— 9,35. Herzogenrath 5,42. 9,31. 2,23. 4,32. 7,32. 10,2. Heilenkirchen 5,59. 9,46. 2,36. 4,51 7,50. an. 10,15. Arkelenz 6,27. 10,17. 3,4. 5,24. 7.— 10,43. Rheydt 6,45. 8.— 10,28. 3,21. 5,46. 7,17. 11.1. Aladbach(Ank.] 6,51. 8,6. 10,44. 10,55. 3,27. 5,52. 7,23. 11,7. Gladbach(Abf.] 6,12. 8,20. 11,2. 3,3. 3,35. 6,28. 7,28. 9,47. 11,22. Biersen 6,27. 8,33. 11,14. 3,17. 3,46. 6,40. 7,39. 10,1. 11,33. Anrath 6,36. 8,41. 11,23. 3,26. 6,19 7.48. 10,10. Crefeld[Ank.] 6,48. 8,54. 11.5. 3,39. 4,2. 7,1. 8,1. 10,25. 11,50. Crefeld(Abf.] 6,53. 8,57. 11,38 3,43. 4,3. 7,4. 8,4. 10,32. Uerdingen 7,4. 9,8. 11,48. 3,54. 7,15. 8,14. 10,43. Trompet 7,14. 9,18. 4,4. 7,25. 8,2e. 10,53. Homberg 7,36. 9,36. 12,10. 4,13. an. 2,41. 4,31. 7,41. 8,41. 11,2 an. Ruhrort[Ank.] 7,48. 9.48. 12,22 ar. 2,53. 4,43. 7,53. 8,53. Zurück: Ruhrort[Rbf.] 7,13. 9,13. 1,23. 4,5. 546. 8,1. 9,28. Homberg 6,55. 7,33. 9,34. 1,42. 4,45 6,6. 8,23. 9,50. Trompet 7.5. 7,43. 9,44. 1,52. 4,51 6,15 8,33. 10.— Uerdingen 7,15. 7,53. 9,54. 2,2 5,1. 6,25. 8,43. 10,10. Erefeld(Ank.] 7,25. 8,3. 10/4. 2,12 5,11. 6,35. 8,63. 10,20. Crefeld(Abf.] 5,55. 7,30. 8,6. 10,8. 2,16. 5,16. 6,38. 8,56. 10,25. Anrath 6,8. 7,42. 8,18. 10,20. 2,28. 5.8 6,50. 9,8. 10,37. Viersen 6,20. 7,54. 8,31. 10,31. 2,39. 5,39. 7,2. 9,18. 10,48. Gladbach(Ank.) 6,32. 8,5. 8,42. 10,42. 2,49. 5,50. 7,13. 9,29. 11.— Gladbach(Abf.] 6,42. 8,18. 9.— 10,58. 3,9. 6,23. 9,42. 11,19. Rheydt 6,51. 8,27. 9,8. 11,7. 9,18 6,31. 9,50. Erkelenz 7,13. 8,48. 9,23. 11,29. 3,38. 6,51. 10,11. Geilenkirchen 7,46. 9,18. 11,59. 4.8. 7.21. 10.41. Herzogenrath 8,8. 9,38. 12,18. 4,23. 740. 10,57. Aachen=M.[Ank.] 8,47. 10,12. 10,22 12,52. 4,54. 8,14. 11,26. 12,30. In der Richtung von Viersen nach Venlo. Viersen[Abf.] 8,31. 11,18. 3,21. 6,37. 10,10. Dülken 8,40. 11,27. 3,29. 6,46. 10,19. Boisheim 8,48. 11,34. 3,37. 6,54 10,26. Breyell 8,55. 11,41. 3,44. 7,1. 10,33. Kaldenkirchen 9,3. 11,4v. 3,52. 7,9. 10,41. Venlo(Ank.] 9,10. 11,55. 3,59. 7,16. 10,48. Zurück: Venlo[Abf.] 5,20. 9,57. 2,2. 4,44. 7.34. Kaldenkirchen 5,39. 10,14. 2,18. 5,1 7,51. Breyell 5,48. 2,26. 5,9, 7,59. Boisheim 5,54. 2,33. 5,15. 8,6. Dulken 6,3. 10,32. 2,41. 5,24. 8,15. Viersen[Ank) 6,10. 10,38. 2,49. 5,32. 8,23. Sonntag den 23. und Monteg den 24. September CONGERT der Crefelder Capelle. Entree 50 Pig., für Rbonnenten 20 Pig. Anfang 4 Uhr. Die Crefelder Capelle. (8676) 2. Comp. Sonntag den 23. September Uebung. Antreten Morgens ¼7 Uhr an den resp. Spritzenhäusern. (8897)* Der Comp.=Chef. Danksagung. Hiermit sage ich Allen meinen Nachbarn, sowie der wackern Feuerwehr für ihre bereitwillige Hülfe bei meinem gestrigen Brandunglück meinen tiefgefühltesten Dank Crefeld, 21. Sept. 1877. Peter Schütz. 8 Tiejenigen, welche noch Forderungen an Aloys Möhlen haben, werden ersucht, solche binnen 8 Tagen bei dem Unterzeichneten einzureichen, da spätere Forderungen nicht berücksichtigt werden. Fischeln, 21. Sept. 1877. (8885) Jos. Möhlen. Sonntag Nachmittag ein schwarz. Teckei, auf den Namen „Feldmann" hörend, entlaufen. Wiederbringer eine gute Belohnung. Vor Ankauf wird gewarnt. 8872* Friedrichsstr. 37. Ein schöner, gebrauchter, geschlif= sener Kochofen mit Trommel, zwei Wand Mantelöfen, eine dreilöcherige Fournaise u. ein kleiner Tafelheerd billig zu verk. Stephansstraße 25.“ Köln=Düsseldorfer Dampfschifffahrts=Gesellschaft Station: Uerdingen. Fahrplan vom 15. Mai 1877. Sommerdienst. Zu Thal: Nachts 12 Uhr nach Rotterdam Sonntags, Montags, Dienstags, Donnerstags und Freitags. Zu Thal: Nachts 12 Uhr nach Arnheim Samstags. Zu Berg: Nachts 2 Uhr nach Düssel= dorf=Mannheim täglich mit Ausnahme Freitags. Niedl. Dampfschiff=Rhederei. Stat. Uerdingen. Fahrplan vom 15. Mai 1877. Zu Berg täglich. Morgens ea, 7¼ Uhr. Zu Thal täglich. Nachts ca. 12 Uhr. Anschluß ab Crefeld mit dem Zuge 9,40 der Rheinischen Bahn. Directe Einschreibungen nac London Mittwochs, Freitags u. Sonntags. Vom Rotterdam u. New=Horf monatlich zwei bestimmte Abfahrten durch Postdampfer 1. Classe der Nie= derlandisch=Amerikan. Dampfschiff= fahrts=Gesellschaft. Guter rc. werden prompt beförvert durch die Agentur Verdingen Theodor Münker. Wasserstands=Nachrichten. Düsseldorf, 20. Sept., Morgens 8 Uhr. Wasserstand 2,20 M. Wind W. Auftwärme+ 9. Barometer 2- 8½. Duisbura. 20. Sept. Rheinhöhe 180 Mtr.(5 Fuß 9 Zoll), g f. 008 Rtr. Ruhrhöhr 2,70#te., (8 Fuß 7 Zoll), gest. 0.18 2str. Fahrmasser 078 Mtr. Zur Beachtung! Da bekanntlich unfrankirte Briefe mit 10 Pfg. Zuschlagporto belegt werden, so wird gebeten, den an uns gerichteten Anfragen wegen Anzeigen, wo die Exped. Auskunst ertheilt, eine Marke für Franco=Zusendung der Rückantwort beizufügen. Expedition der Niederrh. Volksztg. .* ämmtliche Gärtner und Gartenlicbhaber Crefelds und Umgegend werden hiermit freundlichst einge= laden zu einer Versammlung im kl. Saale des Herrn Nebeck. Ostwall, Freitag den 21. September, Abends 8½ Uhr. Zweck: Zusammentreten zu einem Gartenbau=Berein. 882) Dao prov. Comite. *