rgekommen; damit da it Speichel und warf, Barmen Dienstag, den 29. September 1903 id ihre Folgen. T. mannsdorf, der beide örfer, haben gegen g von Strafmandatei tragt waren, Flurbe ben recht pflichtgemiß n sie jeden, der ei eifrigsten ist der Genrhat ca. 80 Anzeigen die Neugierigen my in diesen„herrlichste er„ortsübliche SatzObstzüchter haben de er zuständigen Behörd il ihnen während de den Bäumen abgeer anstellen mußten. ietz' Verlag) ist soebe Aus dem Inhalt de autsky.— Wirtschafz rinann— Verfassungs1 Vereinigten Staaten — Ein Romantiker d Nichter. Von Fran sschau: Tie empiristi rücksichtigung modern robleme. Von Ma der deutschen politischer Gottlieb, Wien. Dem ge.— Notizen: 2e istischen Partei. Vo minien). Die Knapp einmal und ist durc kolvorteure zum Prei der Zeitungspreislist Nr. 5575 eingetragn pro Quartal abonnie aters Elberfeld. r. Tod". Ein dramatische cr. Oper in 4 Akten vo Wildschütz". Komisch Welt, in der man su Pailleron. d Liebe“. Ein bürge von Schiller. ihrung! Novität!„Rs von Cyrill Kistler l. litterarische Matine kien von Sven Lang= ändler". Operette in aust und Margareth.“ Sonnod. tipiel der Großherzogl rnoldson:„Mignon“ htasyl. sebständige Preuße ensfahr vollendet ha reinde seinen Wohnst ist seit 1869 gesetz Freußen nicht.— Ta Kolonialvaren=Hand spelt über Grümer abrikate und Gratilung. dazu leise— schwe der Donau. hören es gedämp ich." und humpelt herba mir kommen g'rad r'nma— na schau eh'n wollen— m !Der Mann is ng’ ka Arbeit g'hab tbindung— und nit anseh'n könn nmüller. was s' g'habt hab rt word'n— auß da hat s' halt oder zur Polizeis mährischem Nest zu a schiebt man s'a dös. Und det recht Grund' ge“ Steinmüller. S' was! Schau risetzung folgt.) eld. Nr. 227. 20. Jahrg. Erscheint jeden Nachmittag außer Sonntags. Abonnementspreis 60 Pfg. Monat in Elberfeld=Barmen auswärts 70 Pfg. Bei der Post unter Nr. 2799 2 Mark pro Quartal. Einzel=Exemplar 10 Pfg. Telegramm=Adresse: Lreie Presse Elberfeld. Anzeigen: Die 6 gespaltene Petitzeile 15 Pfg. Anzeigen im Reklameteil die 2gespaltene Petitzeile 50 Pfg. Größere Annoncen=Aufträge erbitten wir einen Tag vor Erscheinen der betr. Ausgabe, kleinere bis 10 Uhr Vorm. Fernsprecher 1411*. Organ des werktätigen Volkes von Rheinland und Westfalen. Haupt=Erved. u. Redaktion: Elberfeld, Friedrichstr. 37.— Filial=Expeditionen: Barmen, Oberdörnerstr. 104.— Remscheid, Kiechhofftr. 1a.— Hagen, Riegeste. 21.— Iserlohn, Mühlengang Hierzu eine Beilage. Rautsky über den Parteitag. In der neuesten Nummer der„Neuen Zeit“ bringt Karl Kautsky längere Betrachtungen über den Dresdener Parteitag. Nachdem Kautsky die zum Teil unerquicklichen Debatten als notwendig bezeichnet und der auch von uns schon ausgesprochenen Ansicht beitritt, daß es besser gewesen wäre, wenn die Debatte über die Taktik, der Debatte über die Literatenangelegenheit vorausgegangen wäre, fährt er fort: Und daß ihr(der Genossen, welche die Literatendebatte veranlaßten) Position unhaltbar sei, das mußten diese Genossen von vornherein wissen. Sie machten auch keinen ernsthaften Versuch, sie zu verteidigen; um aber dem Rückzug den Charalter einer Flucht zu nehmen, versuchten sie eine Tiversion auf ein ganz anderes Gebiet, und um ihren gegenwärtigen Fehler zu bemänteln, hatten zwei von ihnen sorgfältig Alles zusammengetragen, was sie an Irrungen aufstöbern konnten, deren sich Genosse Mehring vor zehn und zwanzig Jahre schuldig gemacht hatte oder gemacht haben soll. Dieser fein ausgeklügelte Schachzug trug die Haupt schuld daran, daß aus einer sachlichen Diskassion ein persönliches Gezänk wurde. Erhebender und instruktiver als die Verhandlungen über die Mitarbeit an bürgerlichen Blättern waren die über die Taktik, die ihren Abschluß in einer bemerkenswerten Abstimmung fanden. Gegenüber der von Hannover bedeutet die von Dr den einen entschiedenen Fortschritt in der Klarlegung des Kraftverhältnisses der verschiedenen Richtungen innerhalb der Partei zu einander. Damit ist der Zweck der Diskussion und unserer Resolution so weit erreicht worden, als er überhaupt erreichbar war. In meinem Artikel„Zum Parteitag"(Nr. 49 der„Neuen Zeit") sprach ich den Wunsch aus, dem Dresdener Parteitage möge gelingen, was dem von Hannover nicht gelang,„eine Entscheidung zu treffen, die allseitig in gleicher Weise als der unverkennbare Wille der Mehrheit der Partei anerkannt und beachtet wird. Wird dem revisionistischen Flügel einmal nachdrücklich die Ueberzeugung beigebracht, daß für eine Aenderung des Charakters unserer Partei in dieser kein Voden vorhanden ist, dann dürfen wir wohl erwarten, daß er seine Energie statt dem Aufspüren und Aufwerfen von Parteiproblemen viel mehr dem Kampfe gegen den gemeinsamen Feind zuwenden wird", so daß wir schließlich wieder „Beide Schulter an Schulter ohne den leisesten Mißton kämpfen." Diese Erwartung ist zunächst wenigstens in ihrem ersten Teile in Erfüllung gegangen: es ist auf das Nachdrücklichste konstatiert worden, daß für eine Aenderung oder Revidirung des Charakters unserer Partei in dieser kein Boden vorhanden ist. Ganze elf Stimmen wurden gegen unsere Resolution abgegeben. Darunter einige von Genossen, denen sie nicht scharf genug war. Freilich gab es auch Genossen, von denen es unbegreiflich blieb, wie sie gegen Bernstein stimmen konnten, Genossen, die den tiefen Gegensatz zwischen dem revisionistischen und dem„orthodoxen" Standpunkt so klar dargestellt hatten, wie Genosse Kolb. Freilich blos dargestellt. Ob auch erfaßt, ist eine andere Frage. Aber sie hatten ihn doch empfunden, und wenn sie trotzdem nicht mit Bernstein stimmten, ist das nur dadurch zu erklären, daß sie die Schwäche seiner Position erkannten. Aber man kann den Grund dafür, daß eine Reihe von Revisionisten nicht mit Bernstein stimmten, auch noch anderswo suchen. Die revisionistische Bewegung der letzten Jahre ist nicht zu verstehen, wenn man nicht zwei Gruppen in ihr unterscheidet, die man vielleicht als theoretischen oder bewußten uno praktischen oder unbewußten Revisionismus bezeichnen könnte. Nur die erstere der beiden Gruppen fühlte sich durch unsere Resolution getroffen, nur sie stimmte dagegen. Die zweite Gruppe dagegen repräsentirt für sich allein keine bestimmte, durchdachte Richtung, sondern nur eine gewisse Stimmung, eine[Stimmung, wie wir sie in der Partei immer hatten und haben werden, die erst durch das Hinzutreten des bewußten Revisionismus sich mehr zu der geschlossenen Einheit einer bestimmten Richtung verdichtete, durch dessen Ausscheiden aber wieder in den losen Nebelzustand einer Stimmung aufgelöst wird. Das Wort unbewußte oder praktische Revisionisten bezeichnet sie vielleicht insofern nicht ganz richtig, als ihnen die Theorie und deren Revision eine ganz gleichgiltige Sache ist. Man könnte sie auch Opportunisten nennen, wenn dieser Name nicht ein so mißverständlicher wäre, weshalb ich mich auch möglichst hüte, ihn zu gebrauchen. Es ist klar, daß in unserer Partei bei aller Einheit der Grundsätze immer Differenzen in den Charakteren und Temperamenten, sowie der Einsicht der einzelnen Genossen geben wird, die sie auch zu verschiedenen Auffassungen der einzelnen Fragen veranlassen. Noch wichtiger als diese persönlichen Divergenzen sind die lokalen. In einem so großen Reiche wie Deutschland sind nicht alle Gegenden gleich hoch entwickelt — sowohl wirtschaftlich wie politisch—; ihre Geschichte, ihre Traditionen, ja selbst ihre politischen Einrichtungen sind verschieden; so bilden sich die verschiedensten sozialen Milieus, die die verschiedensten sozialen und politischen Stimmungen erzeugen. Bebel hat in Dresden München als ein Capua der Geister bezeichnet, das erschlaffend auf sie wirke. Das war sicher nur scherzhaft gemeint, und die Münchener Delegierten haben es mit Unrecht bitter ernst genommen. Aber es enthält einen ernsten Kern. Es ist ganz unbestreitbar, daß das soziale Milien von München oder Karlsruhe anders wirkt, als das von Leipzig oder Dresden oder Berlin; daß Genossen, die hier„radikal“ waren, dort„gemäßigt" werden oder umgekehrt. Ein derartiger Gesinnungswechsel braucht nicht etwa von Gesinnungslosigkeit herzurühren oder von mangelnder ntelligenz, sondern einfach daher, daß in dem einen Orte oder Lande die Klassengegensätze weit schroffer zugespitzt sind als in dem anderen. In Berlin haben wir gar zwei Milieus nebeneinander, die in entgegengesetztem Sinne wirken, und je nachdem ein Genosse in das eine oder andere gerät, beeinslußt es ihn in dem einen oder dem anderen Sinne. In Berlin N oder 0 wird er mit intensivster proletarischer Kampfeslust erfüllt, in den Kaffeehäusern des Westens dagegen nur mit litterarischem Dünkel, dekadenter Blasirtheit und journalistischer Sensationssucht. Wer auf der soliden Grundlage einer wohldurchdachten Theorie steht, die der Gesamtheit der kapitalistischen Welt entnommen ist, kann sich bis zu einem gewissen Grade über die wechselnden Einflüsse der verschiedenen lokalen Milieus ebenso wie über die periodischen ökonomischen Schwankungen— Prosperität und Krise— erheben. Völlig kann sich dem Einfluß seines besonderen persönlichen Miliens Niemand entziehen. Die Mannigfaltigkeit der Milieus erregt mehr noch als die Mannigfaltigkeit der persönlichen Charaktere und Kenntnisse eine Mannigfaltigkeit von Stimmungen und Meinungen in unserer Partei, die immer bestanden hat und bestehen muß, trotz aller Einheitlichkeit in den Grundanschauungen. Die rasche Ausdehnung unserer Partei hat die Tendenz, diese Mannigfaltigkeit immer meyr zu steigern. Andererseits wirkt jedoch die nivellierende Tendenz der modernen Produktionsweise, die alle lokalen Eigentümlichkeiten immer meyr zu verwischen sucht, in entgegengesetzter Richtung. Zu diesen lokalen Verschiedenheiten gesellen sich temporäre. Die Stimmung weiter Parteikreise ist eine andere in Zeiten der Prosperität oder eines liberalen Aufschwunges, als in Zeiten der Krise oder eines Niederganges des Liberalismus. So ist an verschiedenen Orten und bei verschiedenen Personen der Gegensatz des Parteiempfindens gegenüber der bürgerlichen Welt, also sein„Radikalismus", ein sehr verschiedener, und er ist an denselben Orten und bei denselben Personen nicht immer der gleiche. Da, in einer Aera der Prosperität, kam der theoretische Revisionismus in Deutschland auf, aus England importirt von Vernstein, nachdem schon David und Andere einige Anläufe in gleicher Richtung, aber erfolglos, gemacht hatten. Dieser Revisionismus entsprach damals der Stimmung einer ganzen Reihe von Personen und Lokalitäten, die für ihn eintraten, nicht weil sie seine theoretischen Ausführungen anerkannten, sondern weil seine taktischen Tendenzen auf Milderung des Klassenkampfes und Annäherung an die bürgerliche Demokratie ihren Neigungen entsprachen. Sie identifizirten sich nicht mit seinen Theorien, predigten vielmehr Gleichgültigkeit für alles„theoretische Gezänk"; aber sie griffen seine Gegner und Kritiker auf das Heftigste in der Weise an, daß sie deren Kritik als Unterdrückung der Freiheit der Meinungsäußerung verurteilten, was sie in die bequeme Lage versetzte, die Gegner des Revisionismus treffen zu können, ohne sich die Mühe nehmen zu müssen, den theoretischen Revisionismus zu begreifen und zu verfechten. Durch diese praktischen Revisionisten, die den theoretischen Revisionismus nicht ausdrücklich anerkannten, sondern nur verteidigten und förderten, ist aber der theoretische Revisionismus erst zu einem politischen Faktor in Deutschiand geworden, dessen Macht und Gefährlichkeit die bürgerliche Presse noch aufbauschte. Andererseits erhielt aber durch den theoretischen Revisionismus der praktische ein geistiges Band, das ihm früher fehlte. Aus einem Zusammenfließen lokaler und persönlicher Stimmungen wurde er zu einer besonderen Richtung mit einem besonderen Publikationsorgan. Nun bekam der Gegensatz zwischen dem rechten und dem linken Flügel, der Partei einen anderen Charakter, als er ihn bis dahin gehabt. Indem man im theoretischen Revisionismus den Leitstern des praktischen sah, erschien dieser als eine Richtung, die die Partei aus ihren bisherigen Bahnen in entgegengesetzte leiten wollte, und die Gegensätze hörten auf, gelegentliche zu sein wie ehedem, sie wurden ständige, die bei jeder Gelegenheit aufeinanderplatzten, so daß schließlich Mißtrauen und Erbitterung selbst die besten Kameraden und Freunde voneinander trennten. (Schluß folgt) Politische Uebersicht. Die tapferen Nationalliberalen. Große Worte haben die Nationalliberalen am Sonntage auf ihrem Parteitage in Hannover gelassen ausgesprochen— große Worte, denen der Nachdruck fehlen wird. Man behandelte die bevorstehenden Landtagswahlen und da sei der schlimste Feind das Zentrum, welches bekämpft werden müsse. In einem darauf erfolgten Wahlaufruf der Nationalliberalen heißt es: „Im Reichstage ist die Regierung in Fragen der nationalen Wehrkraft und bei den auf Grundlage des neuen Zolltarifs abzuschließenden Handelsverträgen auf die Mitwirkung des Zentrums angewiesen. Dafür wird dieses Zugeständnis auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung in Preußen zu erlangen ver sucht. Noch großer als bisher ist darum die Gefahr des weiteren Anwachsens der Macht des Zentrums. In seinem Streben, die Schule kirchlicher Herrschaft zu unterwerfen, hat das Zentrum in einem großen Teil der Konservativen leider einen willfährigen Bundesgenossen. Dringend erforderlich ist nun eine neue Regelung der Unterhaltungspflicht der Volksschule im Interesse der Gemeinden, der Lehrer und besonders der Schule selbst. Gelingt es einer konservativ=ultramontanen Vereinigung bei dieser Regelung mit ihren Bestrebungen durchzudringen, so würde dies für die Bildung und Kultur unseres Volkes von den verhängnisvollsten Folgen sein. Die Konservativen, denen in der Verwaltung ein übergroßer, nicht un Interesse des Landes liegender Einfluß eingeräumt ist, verfolgen mehr und mehr eine einseitige Interessenpolitik, während eine weise Politik wie in allen Landesteilen so allen Berufsständen gerecht werden muß. Wie die erforderliche Regulierung der Flüsse zur Verhütung der immer wiederkehrenden Schädigung in erster Reihe der Landwirtschaft zugute kommen soll und wird, so sind an der Verbindung unserer Flüsse untereinander durch leistungsfähige Wasserstraßen ebenso Industrie und Handel wie Landwirtschaft interessiert Die Verwerfung der Kanalvorlage durch eine aus Konservativen und Zentrum bestehende Mehrheit hat die wirtschaftliche Entwicktung unseres Landes schwer geschädigt. Ihre unverkürzte Wiedereinbrinauna muß deshalb eine der ersten Forderungen der natlonalliberalen Partei sein. Rückschritt und Rückständigkeit bedrohen uns. Ihre Bekämpfung wird erschwert durch das Landtagswahlrecht in seiner gegenwärtigen Gestaltung. Eine zeitgemäße Reform des Dreiklassenwahlrechts ist anzustreben, insbesondere auch eine gerechtere Abgrenzung der Wahlbezirke und Beseitigung der widersinnigen Drittelung in den Urwahlbezirken.“ Diese programmatischen Gesichtspunkte wurden auf dem Parteitag von Pfarrer Hackenberg in einer fulminanten Rede des näheren auseinandergelegt und ein stürmischer Beifall folgte nach der„Köln. Ztg." diesen Ausführungen. Danach könnte man ernsthaft glauben, es sei etwas wahres an dem in letzter Zeit oft besprochenen„Ruck nach links." Aber man täusche sich nicht, es sind Worte nichts als Worte, welche man da zu hören bekam. Das beweist z. B. die Abfertigung, welche einem Berliner Antrag zuteil wurde. Dieser Antrag regte ein Zusammengehen mit den Sozialdemokraten bei den Landtaaswahlen an, er fand aber gar keine Unterstützung. Damit die nationalliberalen Jugendvereine nicht in den Verdacht kämen, besser zu sein als die„Alten" erklärte der Kölner Delegierte Bau, daß die nationalliberalen Jugendvereine mit dem Verliner Antrag nichts zu tun hätten. Diese Erklärung wurde mit stürmischem Beifall aufgenommen. Auch Siebert=Hagen und Dr. Lohmann=Krenznach erllärten unter dem Beifall der Versammlung, daß es ganz unmöglich sei, für einen Sozialdemokraten einzutreten, auch wenn sich das Zusammengehen gegen das Zentrum richten solle. Kein vernünftiger Mensch wundert sich über die Haltung der Nationalliberalen, aber es muß doch besonders festgenagelt werden, wie einfältig diese Leutchen sind. Sie muten dem Volke zu, zu glauben, daß sie den Kampf gegen den Ultramontanismus mit aller Schärfe aufnehmen wollen, erklären den Ultramontanismus als die schlimmste Gefahr und bekreuzigen sich dreimal vor der Partei, die einzig und allein begründete Aussicht hat, die Macht des Zentrums zu brechen. Armeebesehl über den Lurus der Ossiziere. Die übertriebene Eleganz und Ueppigkeit in der Lebenshaltung der Offiziere ist sowohl für den Einzelnen als insbesondere auch für die Gesamtheit schon lange durch Vorschriften verboten. Da aber in der letzten Zeit zur Verminderung der enormen Ausgaben der Offiziere finanzielle Zugeständnisse und Besserstellungen gemacht wurden, so erwächst den Regimentskommandeuren daraus die Pflicht, mit Eifer dafür zu sorgen, daß ihre Offiziere auch den vollen Genuß dieser Vergünstigungen erlangen. Der Regimentskommandeur hat übertriebenen Ausgaben seiner Offiziere energisch entgegenzutreten. Die Armeekorpskommandos haben durch sorgfältige, sowohl periodische als auch unvorhergesehene Untersuchungen dafür zu sorgen, daß die Offizierskasinos so tüchtig und umsichtig verwaltet werden, daß es auch für Leute nut bescheidenen Einkommen möglich ist, im Dienste auszuhalten. Sollte einer der Regimentskommandeure es verabsäumen, die Vorschriften über diese Sache, welche für das Fortkommen und Gedeihen der jüngeren Offiziere von größtem Werte ist, dem wahren Sinn und der Absicht der obersten Armeeleitung in Ausführung zu bringen, so muß der oberste Kriegsherr ernstlich in Erwägung ziehen, ob ein solcher pflichtvergessener Offizier in seiner Stelle als Regimentskommandeur zu belassen ist. An die Armeekommandos. Um vor Irrtümern zu bewahren, wollen wir rechtzeitig mitteilen, daß der oberste Armeebefehl nicht den preußischen Kriegsminister v. Einem, genannt Rotmaler, sondern den englischen Lord Roberts zum Verfasser hat. Beutschland. Berlin, 28. September. Zwölf bis fünfzehn Millionen Mark haben die Steuerzahler für die Einführung der neuen Rohrrücklaufgeschütze, über die wir vorgestern kurz berichteten, aufzubringen. Bei Krupp soll große Freude sein, denn wie die Rheinisch=westfälische Zeitung, die auch das Exempel ausgerechnet hat, von gut informierter Seite erfährt, sind an den in betracht kommenden Stellen alle Vorbereitungen für eine schnelle Inangriffnahme der Geschützveränderung getroffen. Diese Aenderung kostet für jedes Geschütz etwa 2000 Mark. Da sich die offiziöse Dementierungsspritze der Sache bereits bemachtigt hat, muß es wohl seine Richtigkeit haben. Die„Post" schreibt nämlich, die Meldung entbehre in ihrer Form jeder tatsächlichen Grundlage, da die ganze Frage noch nicht spruchreif sei. Die Geschütze seien zwar im Kaisermanöver probeweise in Gebrauch genommen worden, die Gutachten dürsten aber noch nicht fertiggestellt sein und müßten außerdem dem Kaiser vorgelegt werden. Selbst wenn aber die Gutachten fertig wären, hätten sie doch noch nicht zur Vorlage kommen können, da der Kaiser sich seit dem Manöver andauernd auf Reisen befunden habe. Dieses Dementi ist in Wirklichkeit nichts anderes, als eine Bestätigung der Meldung. Wir können uns aber sehr woht oenten, warum das verschwommene Dementi „Aöln. Ztg." hatte namlich im Anschluß an die erste Meldung unvorsichtigerweise die Bemertung gemacht, daß fünfzehr Millionen eine verhältnismäßig kleine Summe sei und daß diese Forderung mit der geplanten neuen großen Artillerievorlage nichts zu tun hätte. Also die große Artillerievorlage wird gleichfalls kommen, das scheint selbst den Offiziösen auf einmal etwas zu viel des militärischen Segens zu sein. Das Wellfriedensbanner. Die„Frankf. Itg.“ brachte aus Rouen uner die Verhandlungen des dortigen internationalen Friedenskongresses die Meldung, der Fürst von Monaco habe dem Kongreß einen von dem Kaiser Wilhelm gezeichneten Entwurf einer Weltfriedensfahne vorgelegt, welcher ein weißes Kreuz auf rotem Grunde enthalt. Das ganze ist übesät mit roten und weißen Sternen. Das Berner Friedensbureau hat diesem Entwurf zugestimmt und mit Genehmigung des Kaisers noch in der Mitte der Fahne einen großen Stern angebracht mit der Inschrift„Pax!“(Frieden!). Der ganze Entwurf sollte dem jetzigen Kongreß zur Genehmigung vorgelegt werden, findet jedoch bei den englischen und besonders bei den amerikanischen Delegierten prinzipi Widerspruch und dürfte deshalb vollständig fallen gelassen werden. Von den französischen Delegierten wurde der Entwurf im allgemeinen gutgeheißen. Man erblickte in dem Werk des deutschen Kaisers„ein Entgegenkommen gegen die Friedensbewegungen, welches vielleicht von praktischem poli lischen Wert sein könnte." Selbstverständlich hat der Entwurf durchaus keine eigentliche Bedeutung. Wie sinngemäß das Weltfriedensbanner ist, ergibt sich aus den Tatsachen, daß neue Heer= und Flottenvorlagen schon im Anmarsch sind, und wenn alles gut geht, werden wir auch noch mit neuen Kanonen— gesegnet. * Der Internationale Friedenskongreß beschloß in seiner letzten Sitzung, auf die Tagesordnung des nächsten Kongresses die Elsaß=Lothringensche Frage zu setzen, um Mittel und Wege zu ihrer Lösung und zur Annäherung Frankreichs und Teutschlands zu finden. * Der Bestechungsprozeß Baganz, in welchem u. a. auch Eduard Sanden und Buchmüller, die früheren Direktoren der preußischen Hypothekenbank, der Beamtenbestechung angellagt sind, begann am Sonnabend vor der Verliner Strafkammer. Der Angellagte Baganz, der des Amtsverbrechens beschuldigt wird, hatte über seine Verhältnisse gelebt und gesteht ein, wiederholt gegen Entgell aus den Akten unerlaubte Auskünfte erteilt zu haben; und zwar das erste Mal zu Gunsten von Sanden und Puchmüller in einem Zivilprozeß. Er hat von den beiden im ganzen 100000 Mark erhalten. Der große Bann. Der freisinnige Reichstagskandidat für Torgau=Liebenwerda, Dr. Arthur Vernstein=Charlottenburg, hatte das todeswürdige Verbrechen begangen, in einer von der„Verl. Ilg.“ verössentlichten Erklärung von einer „Mißwirtschaft in der Zentralleitung" der freisinnigen Volks partei zu sprechen. Prompt ist ob dieses unerhörten Frevels an dem Allerheiligsten der freisinnigen Volkspartei über perrn Dr. Vernstein der große Bann ausgesprochen worden, der, wie die Berliner„Volkszeitung" mitteilt, darin besteht, daß der sogenannte geschäftsführende Ausschuß es ablehnt,„mit Dr. Vernstein und seinen Parteigängern fernerhin irgend welche Verhandlungen zu führen oder Verbindungen aufrecht zu erhalten." Dr. Bernstein erklärte nun, von seiner Landtagskandidatur in Charlottenburg zurücktreten zu wollen, aber die Freisinnigen Charlottenburgs beschlossen einstinnig, daß er diesen Schritt nicht tun solle. Es waren etwa 85 Vertrauensmänner erschienen, die mit allen gegen eine Stimme folgende Resolution annahmen: „Die versammelten Vertrauensmänner erblicken in dem Vorgehen der Parteileitung eine unerhörte Mißachtung der volksparteilichen Organisation des Wählkreises Teltow=Charlottenburg. Die Versammlung schiebt der Parteileitung die Verant wortung für die in die Wahlbewegung hineingetragene Verwirrung zu und erklärt, an den vorher gefaßten Beschlüssen festzuhalten." Herr Richter hat somit die richtige Antwort auf seine Diktatur erhalten. Stechende Kriegervereinler. Ueber eine Verhandlung vor der Strafkammer in Sondershausen berichtet ein dort erscheinendes Lokalblatt: Der Landwirt Edmund Bracke, der Arbeiter Emil Göhring, der Dienstknecht Theodor Hirschfeld und der Arbeiter Willibald Koch, sämtlich in Trebra, haben sich wegen gefahrlicher Körperverletzung bezw. wegen öffentlicher Beleidigung zu verantworten. Am Sonntag den 14. Juni d. J. ging der Landwirt Karl Tettenborn II aus Jecha mit der ledigen Anna Reinhardt aus Trebra abends gegen 11 Uhr vom Bezirkskriegerfest in Hagelbich weg nach Trebra zu. Auf dem Wege holte sie der Trebraer Krieger verein ein, die Angeklagten stellten sich um die beiden herum und stießen Tettenborn. Als dieser sich das verbat, stieß der Angeklagte Koch beleidigende Aeußerungen gegen ihn aus. In diesem Augenblick trat Bracke hinzu, zog, ohne ein Wort zu sagen, seinen Säbel, den er als Kriegervereins=Vorstand umgelegt hatte, und schlug den Tettenborn auf die rechte Gesichtsseite, so daß eine zwölf Zentimeter lange blutende Wunde entstand. Nunmehr nahm Göhring das Gewehr, das er bei sich hatte, und stieß damit den Tettenborn gegen die Brust. Darauf gingen alle bis auf Hirschfeld fort. Hirschfeld ging auf Tettenborn mit erhobenen Fäusten zu, Tettenborn setzte sich zur Wehr und beide fielen schließlich in den Chausseegraben. Hirschfeld zog nun sein Messer und brachte dem Tettenborn vier ziemlich tiefe Stiche in Schulter, Kopf und beide Hände bei. Auf das Hilfegeschrei der Reinhardt kamen vier andere Burschen herbei, worauf Hirschfeld weglief. Tettenborn ist ärztlich behandelt worden und acht Tage lang arbeitsunfähig gewesen. Hirschfeld ist wegen Körperverletzung bereits zweimal vorbestraft. Das Urteil lautete wegen vorsätzlicher Körperverletzung mittels gefährlichen Werkzeugs auf sechs Monate Gefängnis für Bracke, auf ein Jahr Gefängnis für Hirschfeld und auf zwei Wochen Gefängnis für Göhring, sowie wegen öffentlicher Beleidigung auf 10 Mark Geldstrafe oder 2 Tage Gefängnis für Koch. Das Gericht erkannte weiter auf Einziehung des von dem Angeklagten Hirschfeld bei der Tat gebrauchten Messers und verurteilte ferner die Angeklagten Bracke und Hirschfeld zur Zahlung einer Geldbuße von 150 Mark an den Nebenkläger Tettenborn. Es lebe die Manneszucht der Kriegervereinler! Wer sich so als Wilder benehmen will, tut allerdings gut, patriotischer gervereinler zu bleiben. Als Sozialdemokrat dürfte er das Schlagen und Messerstechen noch wesentlich teurer be zahlen müssen. Die sächsischen Eisenbahner lösen sich mehr und mehr vom Gängelbande an dem sie früher von ihren Vorgesetzten und von christlichen Jünglingsvereinen geführt wurden, Selbst energische Drohungen mit Maßregelung usw. vermogen die Eisenbahner nicht mehr von der modernen Arbeiterbewegung zurückzuhalten. Am Freitag abend fand, nachdem in Dresden schon mehrere Eisenbahner=Versammlungen mit gutem Erfolge stattgefunden, auch in Leipzig wiederum eine Eisenbahner=Versammlung statt. Die Eisenbahndirektion hatte— wir möchten wissen mit welchem Recht — den Besuch der Versammlung verboten. Trotzdem hatten sich ca. 300 Eisenbahnarbeiter und=Angestellte in der Flora eingefunden. Reichstagsabgeordnete Sinderwann sprach über die Landtagswahlen und die Eisenbahnpolitik der sächsischen Regierung. Seine Ausführungen wurden mit großem Beifall aufgenommen.— Die Bewegung macht erfreuliche Fortschritte unter den Eisenbahner und auch in dieser Versammlung ließen sich eine Reihe Eisenbahner in den Verband aufnehmen. Oesterreich-Ungarn. * Im Abgeordnetenhause erklärte bei der Beratung der Notstandsvorlage Ministerpräsident Dr. von Körber, die diesjährigen Hochwasserkatastrophen überschritten bei weitem diejenigen der Vorjahre. Die Regierung habe sich bemüht, durch die sofortige Anweisung eines Notstandsbetrages für die Linderung der ersten Not helfend einzugreifen, er habe auf dem Wege einer laiserlichen Verordnung 15 Millionen behufs Ueberweisung an einzelne Länder zur ausgiebigen Hilfeleistung in Anspruch genommen; die jüngsten Hochwasserkatastrophen in Kärnthen, Tirol, Salzburg und teilweise auch in Steiermark machten allerdings einen neuen Kredit notwendig, über dessen Höhe die Regierung sich so rasch wie möglich orientieren werde. Die Regierung setze die Genehmigung aller Parteien hierzu voraus. Kroatische Bauernprozesse. ac. In Belovar haben dieser Tage die Verhandlungen gegen 116 Bauern begonnen, die des Aufstandes im Bezirk Krizeval beschuldigt sind. Am Vorabend des Verhandlungslages kam es zu stürmischen Demonstrationen; dem Oberge spann wurden die Fenster eingeworfen. Gewerkschaftliche Arbeiterbewegung. Inland. * Berlin, 28. Sept. Die„Voss. Zig." schreibt: Der Ausstand der Berliner Gärtler und Metalldrücker ist heute durch Vergleich vor dem Einigungsamte des Gewerbegerichts beigelegt worden, der für alle Firmen Giltigkeit hat. Die Rache der Crimmitschauer Tertilbarone. Nicht genug, daß es forlwährend Strafen gegen die Streikposten in der Crimmitschauer Tectilarbeiter=Ausspercung nur so hagelt, nein, jetzt wendet sich die Rache der Textilbarone auch noch gegen die Redaktion des Sächsischen Volksblattes. So ist jetzt gegen unser Zwickauer Bruderblatt ein wahrer Rattenkönig von Anklagen inszenirt worden. So haben sämtliche 125 Crimmitschauer Fabrikanten gegen unseren Genossen Jäckel, verantwortlicher Redakteur des Sächsischen Volksblattes, Anklage wegen angeblicher Beleidigung erhoben. Desgleichen soll auch Genosse Goldstein, ebenfalls in seiner Eigenschaft als Redakteur vom Sächsischen Volksblatt, den Vorsitzenden des Spinnerei= und Fabrikantenvereins der Filiale Crimmitschau, Lukas Schmidt, beleidigt haben und hat dieser ebenfalls Anklage erhoben. Als dritter im Bunde ist gegen den Geschäftsführer der Druckerei des Sächsischen Vollsblattes, Genossen Irmscher, ebenfalls Anklage wegen angeblicher Beleidigung einiger Fabrikanten erhoben worden, die angeblich in einem Inserate, welche Genosse Irmscher verantwortlich zeichnet, enthalten gewesen sein soll. Sämtliche Anklagen werden von dem als Sozialisten, freund" bekannten Rechtsanwalt Tietze= Crimmitschau vertreten. Es bleibt abzuwarten, was aus den ganzen Anklagen herauskommt. Lokales. Elberfeld— Elberseld, 29. September. Zur Landtagswahl. Die Elberfelder Zeitung, das Organ der hiesigen Nationalliberalen, übt sich jetzt nach dem Abschluß des Bündnisses mit den Freisinnigen im Abschreiben der Weisheiten eines Engen Richters, wie dieser sie in seinem„berühmten" Sozialistenfpiegel abgelagert hat. Sie weiß nämlich in ihrer gestrigen Nummer gar gruselich zu erzählen von dem Terrorismus der Sozialdemokraten und knüpft daran folgende Bemerkung: „Werden aber die linksliberalen Parteien auch die nötigen Lehren für die Landtagswahlen daraus ziehen? Werden sie mit den Mittelparteien sich zu einer festgeschlossenen Phalanx allüberall ebenso zusammentun wie man es in Elberfeld angestrebt hat? Es ist hohe Zeit. Gelingt der Sozialdemokratie der Erwerb einer auch nur nennenswerten Anzahl von Mandaten, so wird der Uebermut und Terrorismus keine Grenzen mehr kennen." Die„Politiler“ der Elberfelder Zeitung scheinen in der Tat unfähig zu sein, aus dem Ergebnis der Reichstagswahl logische Schlüsse ziehen zu können, denn sonst würde man bei der Landtagswahl die Bekämpfung der Sozialdemokratie nicht wieder über den alten abgebrauchten Leisten schlagen. Das Gruseln haben die Wuppertaler Wähler schon längst verlernt, höchstens daß noch einige alte Weiber männlichen und weiblichen Geschlechts beim Lesen der Elberfelder Zeitung eine Gänsehaut bekommen. Bei vernünftigen Leuten machen sich die Geschichtenerzähler vom Schlage der Elberfelder Zeitung nur lächerlich. Auch scheint die alte Tante am Hofkamp an starker Begriffsverwirrung zu leiden. Die Liberalen haben es nämlich nicht in der Hand, den„Uebermut und den Terrorismus" der Wuppertaler Sozialdemokratie zu brechen, wohl aber werden aller Voraussicht nach die Sozialdemokraten in die angenehme Lage kommen, die vom Rotkoller befallenen Liberalen bei der Landtagswahl ganz gründlich abstrafen zu können. Das mögen sich die Herren jetzt schon hinter die Ohren schreiben! Zur Ausbildung von Lehrern an kaufmännischen Fortbildungsschulen wird auf Veranlassung des Handelsministers wiederum in Berlin ein Kursus abgehalten in der eit vom 25. November bis 22. Dezember. In diesem Kursus soll Anleitung zum Unterrichten in der Buchführung, im kaufmännischen Rechnen, in der allgemeinen Handelslehre (Bank= und Börsenwesen, Post= und Eisenbahnverkehr in der kaufmännischen Korrespondenz und im Handels= und Wechselrecht gegeben werden. Außerdem sind Besprechungen über Lehr= und Stoffverteilungspläne, Lehrmittel, Lehrmethode usw. sowie Besuche von kaufmännischen Fortbildungsschulen in Aussicht genommen. Zur Teilnahme an dem Kursus werden etwa 40—50 Lehrer und Lehrerinnen einberufen werden. Sie erhalten freien Unterricht, freie Hin= und Rückfahrt und einen Züschuß zu den Kosten des Aufenthalts in Berlin in Höhe von 5 M. täglich. Gesuche um Zulassung zu diesem Kursus können nicht mehr berücksichtigt werden, da keine Plätze mehr verfügbar sind. *Elberfelder Staditheater. Heute geht die letzthin wieder mit so viel Beifall aufgenommene beliebte Ober„Martha“ von Flotow in Szene. Die Titelpartie singt diesmal Frl. Gertrud Adam.— Für Mittwoch ist Lortzings„Wildschütz" angesetzt. — Tonnerstag gelangt das Lustspiel„Die Welt in der man sich langweilt" zur Wiederholung.— Der Freitag bringt Schillers „Kabale und Liebe“.— Sonntag den 4. Oktober gilt als erster Suppliment=Sonntag. * 1. Litterarische Matinee. Man schreibt uns: Das Schauspiel„Ein Verbrecher“ von Sven Lange, das am Sonntag den 4. Oktober zur Aufführung kommt, ist von großerer BühnenWirksamkeit als das Schauspiel„Die stillen Stuben“ des Dichters, das seiner Zeit am Wiener Burgtheater einen tiefgehenden Erfolg hatte Aber nicht allein dieser Umstand war für die Wahl des Stückes zu einer Matinee maßgebend, sondern vor allem die im ner“ stärker zutage tretende Meisterschaft Sven Langes in der Ausgestaltung pfychologischer Probleme. Die Einfachheit der künstlerischen Mittel, mit denen Lange seine großen Wirkungen erzeugt, geben dem Werke einen hohen mustergültigen Wert. Die Schnellzüge zwischen Elberfeld=Barmen und Essen auf der rheinischen Strecke erhalten vom 1. Oktober ab andere Fahrzeiten. Der Morgenzug ab Elberseld=Mirke fährt 8,38 Uhr(bisher 7,08 Uhr), der Abendzug 6,11 Uhr(bisher 6,15 Uhr). Von Essen fährt der Morgenzug um 8,47 Uhr (bisher 7,30 Uhr), der Abendzug um 8 Uhr(bisher 9,40 Uhr). Eine neue Werkstätteninspektion ist im Bezirk der Eisenbahndirektion in Elberfeld errichtet worden und hat ihren Sitz in Opladen. *Die Straßenbahn Elberfeld=Cronenberg=Remscheid hat auf ihrer Linie Remscheid=Elberfeld die im starken Gefälle liegenden Zahnradschienen entfernen lassen, um die sogenannte„Magnetbremse“ einzuführen. Tie neue Bremsvorrichtung, welche durch Berührung des Bremsschuhes mit einem Magnetkern in Tätigkeit gesetzt wird, soll tadellos sunktionieren. )( Schwurgericht. Der 33jährige Eisenbahnbremser Ernst Schlikowey von Radevormwald hatte sich wegen einer Tat zu verantworten, die hauptsächlich unter den Nachwirkungen des Alkoholgenusses begangen und durch deren Folgen die Existenz einer Familie untergraben wurde. Der bisher unbestrafte Sch, der, wie verlautet, mit seiner Frau ssonst in gutem Einvernehmen gelebt haben soll, hatte sich gegen die Beschuldigung zu verantworten, seine Frau am 31. Mai körperlich wo mißhandelt zu haben, daß infolgedessen der Tod derselben eingetreten ist. Der Angeklagte hatte am 31. Mai dienstfrei gehabt und des abends eine Anzahl Wirtschaften aufgesucht. Gegen 11 Uhr traf er auf seiner Kneiptour mit dem Kuischer Röllinghaus zusammen, der mit ihm u gleichen Hause wohnte, ging mit demselben nach Hause und hielt sich bis gegen nachts ½12 Uhr noch zechend auf N.s Wohnung auf, worauf er dann polternd Einlaß in seine Wohnung begehrte, und ihm von seiner Frau geöffnet wurde Sch legie sich hierauf ohne weiteren Zwischenfall ins Bett. Am selben Morgen mußte Sch. den ersten, morgens 5,10 Uhr von Nadevormwald nach Rittershausen fahrender Personenzug als Schaffner begleiten und um 4 Uhr deshalb schon aufstehen. Er wurde auch von seiner Frau durch Rufen, Schütteln, Abziehen der Decke und dergl. zu wecken versucht, jedoch vergeblich. Erst als die Ehefrau des Angeklagten ihm Wasser ins Gesicht spritzte, ließen ihn die Geister des Alkohols und des Schlafes aus ihrem Banne. Sch. stand auf und fing an zu schimpfen, als er seine Kleider und Schuhe nicht gereinigt vorfand. Der ihm angeblich beim Anziehen im Wege stehenden Ehefrau versetzte er einen Stoß, daß sie an einen Eckpfosten slog und zur Erde stürzte, worauf er ihr noch einige Fußtritte versetzte. Die angegriffene Frau wehrte sich mit der Kohlenschüppe und versetzte damit dem Sch. einen Schlag auf den Kopf, worauf ihr Sch. mit der Kleiderbürste einen Schlag auf den Mund gab. Dann soll er ihr in das Nebenzimmer nachgefolgt sein und sie dort mehrmals mit dem Kopf an die Wand geschlagen haben. Durch die Schläge und Stöße an den Kopf soll bei der Frau eine Gehirnerschütterung hervorgerufen worden sein, an deren Folgen die Frau am 27. Juni im Krankenhaus starb. Als Todesursache wurde ärztlicherseits Gehirnerweichung und dadurch entstandene Herzlähmung angegeben. Als Sch. am Tage der Mißhandlung wieder heimkam, söhnte er sich mit seiner Frau wieder aus und versprach, sich niemals wieder so weit zu vergessen. Leider kam in diesem Falle die Reue zu spät, denn einige Tage nach dem Vorfalle bekam die Mißhandelte starke Kopfschmerzen mit Erbrechen und steigerten sich diese Symptome derartig, daß die Aufnahme im Krankenhause erfolgen mußte. Der Angeklagte gibt die Beschuldigungen der Anklage teilweise zu, will sich aber im übrigen der Vorgange nicht mehr recht entsinnen. Seine verstorbene Frau hatte, um ihren Mann zu schonen, fast immer erklärt, daß sie die Kellertreppe herabgestürzt sei und sich dabei verletzt habe. Dem Arzte und ihrer Schwester, der Ehefrau des Maurers Thun, hat die damals im vierten Monate schwangere Frau den wahren Pergang erzählt. Die Ehefrau Th., die von dem Rechte der Zeugnisverweigerung keinen Gebrauch machte und später durch Gerichtsbeschluß auch vereidigt wurde, belastete den Angeklagten durch Bekanntgabe der genannten Vorgänge auf das schwerste.— Um 1,7 Uhr wurde die Verhandlung vertagt und am die nächste Schwurgerichtsveriode verlegt. Inzwischen soll ein Gutachten des königlichen Medizinal=Kollegiums in Berlin eingeholt werden. Am 26. September erledigle das Gericht zwei Anklagen, bei deren Verhandlung die Oeffentlichkeit ausgeschlossen wurde. Zuerst hatte sich der Maurerpolir Karl Stohl von Solingen wegen Sittlichkeitsverbrechen zu verantworten, und lautete das Urteil auf 18 Monate Gesängnis.— Im zweiten Falle war der Schleifsteinund Kohlenhändler August Tesche von Remscheid angeklagt, in einem Kuppeleiprozeß gegen den Wirt Garweg am 5. Januar vor der hiesigen Straftammer einen Meineid geleistet zu haben. T. hat bereits aus diesem Anlaß nachträglich wegen fahrlässigen Falscheides in zwei Fällen vor der Strafkammer gestanden. In einem Falle erkannte die Strafkammer auf Freisprechung, während in dem zweiten Falle es sich als unzuständig erklärte, weil ein Meineid vorliege. Das genannte Verbrechen sollte T. begangen haben, indem er wider besseres Wissen eidlich in Abrede stellte, mit einer bei Garweg bedienstet gewesenen Kellnerin intimen Umgang gepflogen zu haben Jedoch auch in diesem Falle erkannten die Geschworenen auf Nichtschuldig, worauf das Gericht auf Freisprechung erkennen mußte. Flüchtig geworden ist der Schweizer Wilhelm G., der für seinen Dienstherrn eine Kuh verkauft und den Erlös mit 435 M. unterschlagen hat. Frein Dieh 5 Maurerhan Schachtmeiste dahlerstraße entwendet. Gesun rotgestrichene 8. Polizeibez werden. Im Genosse Hab Parteitages diesen Berich die Genosser pünktlich in dan punkt 9 8 Falsc sind, und n haben sind, Umlauf. Di Scheine ist b Menschenhaa man die Fe Messerchens! vermerks ist Genns dem Genusse schädliche, li Natur, entha Kochen unsch Wege und Widersta hier verhafte 5 Diebst Gustav H., fahren wegen Frau wird b Händlerin W nußmitteln en den Korb n Wittwe Kl. z wohnenden haben. Die wohnenden 4 Remsch tische Zen wahlkreisS Sonntag in Komitee hat Abgeordneten von denen sässig sind. Genossen Wi Wupperstr. 1 aus Remsd Julius Wetz Menninghauf dorf die Ge brink, Brei diese Genosse Anliegen zu werden, sich genannten Ge nach dem Be niederrh. Lan den Urwahlen müssen, als Ronsdorf am nossen der§ haltene Land stellung der 2 zu übertragen dieser Frage. als Abgeord Solingen=Rei einstimmiga mann, Reid Reichstagsabe und Dr. Le Doppelmanda war mand überbürdung Gan Bar Tabak863-2-836 schenke ich in Indem ich n Aug. K. 10006 1 kausmännischen ung des Handels= halten in der In diesem Kursus Buchführung, im inen Handelslehre ahnverkehr usw.), im Handels= und ind Besprechungen Lehrmittel, Lehrännischen FortbilTeilnahme an dem ehrerinnen einbecht. freie Hin= und 1 des Aufenthalts liche um Zulassung werden, da die letzthin wieder r.Martha“ von Frl. Gertrud dschütz" angesetzt. elt in der man sich g bringt Schillers ober gilt als erster : Das Schau= am Sonntag den größerer Bühnenzuben" des Dichters, tiesgehenden Erfolg für die Wahl des vor allem die im Spen Langes in Die Einfachheit der großen Wirkungen süiltigen Wert. Barmen und Essen Oktober ab andere d=Mirke fährt 6.11 Uhr(bisher zug um 8,47 Uhr (bisher 9,40 Uhr). t im Bezirk der worden und hat Nemscheid hat auf falle liegenden mannte„Magnetung, welche durch eitern in Tätigkeit ahnbremser Ernst gen einer Tat zu achwirkungen des folgen die Existenz r unbestrafte Sch, lein Einvernehmen digung zu verant= o mißhandelt zu getreten ist. 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In rechung, während erklärte, weil ein llte T. begangen in Abrede stellte, erin intimen Um1 Falle erkannten das Gericht auf Vilhelm G., der den Erlös mit * Freiwillig aus dem Leben geschieden ist heute morgen unverheirateter Gerichtsassessor; er hat sich in seiner Wohnung Lukasstraße 13 erhängt. Was den Mann in den Tod getrieben hat, ist noch unbekannt. Diebitähle. Aus der Baubude des Neubaues unter halb der Hebammenanstalt in der Vogelsangstraße wurden 5 Kaurerhammer und eine Anzahl Nägel gestohlen. Einem Schachtmeister wurden von einer Ziehkarre in der Uellendahlerstraße zwei Schläuche im Werte von 75 Mark entwendet. * Gefunden wurde vor dem Hause Grünstraße 4 ein retgestrichenes Schild mit der Aufschrift„Friseur“. Auf dem 8. Polizeibezirk kann es von dem Eigentümer abgeholt werden. Barmen, 29. September. G Im sozialdemokratischen Verein wird morgen Abend Genosse Haberland über die Verhandlungen des Dresdener Parteitages Bericht erstatten. Da sich voraussichtlich an diesen Bericht eine lebhafte Debatte knüpfen wird, werden die Genossen ersucht, nicht allein zahlreich, sondern auch pünktlich in der Versammlung zu erscheinen. Es sei bemerktdaß punkt 9 Uhr die Versammlung eröffnet wird. 8 Falsche Fünfmarkscheine, die täuschend nachgemacht sind, und nur eine etwas hellere Färbung wie die echten haben sind,— namentlich am Mittelrhein— gegenwärtig im Umlauf. Die Schraffierung auf der Rückseite der echten Scheine ist bei diesen falschen Scheinen durch kleingeschnittene Menschenhaare täuschend nachgemacht, und zwar derart, daß man die Fälschung nur unter Zuhilfenahme eines feinen Messerchens konstatieren kann. Der Druck des Strafandrohungs vermerks ist auch nicht so klar geraten als bei den echten. * Genuß ungekochter Milch. Behördlicherseits wird vor dem Genusse ungekochter Milch erneut gewarnt, weil sie schädliche, krankheiterregende Keime, besonders pilzartiger Natur, enthalten kann. Diese Keime werden durch längeres Kochen unschädlich gemacht. 3 Wegen Diebstahls in strafverschärsendem Rückfalle und Widerstandsleistung wurde der Bandwirker Karl H. von hier verhaftet und dem Amtsgericht zugeführt. Diebstahl und Unterschlagung. Gegen die Ehefrau Gustav H., Fatlohstraße wohnhaft, ist das Ermittelungsverfahren wegen Diebstahls und Unterschlagung eingeleitet. Die Frau wird beschuldigt, der in demselben Hause wohnenden Händlerin Wittwe Kl. einen Korb mit Nahrungs= und Genußmitteln entwendet zu haben. Die P. hatte sich erboten, den Korb mit Inhalt nach der verheirateten Tochter der Wittwe Kl. zu bringen. Außerdem soll die H. zwei im Hause wohnenden Italienern einen Anzug und Ueberzieher gestohlen haben. Die Kleider wurden bei einer in der Westkotterstraße wohnenden Pfandvermittlerin versetzt. Lennep—Remscheid—Meitmann. Remscheid, 28. Sept. Das sozialdemokra lische Zentral=Wahlkomitee für den Landtags wahlkreis Solingen=Remscheid=Lennep hielt am Sonntag in Solingen seine erste Zusammenkunft ab. Das Komitee hat bekanntlich seinen Sitz in Solingen, dem Ort der Abgeordnetenwahl und besteht aus insgesamt 9 Personen, von denen je 3 in Solingen, Remscheid und Ronsdorf an sässig sind. Aus Solingen gehören dem Komitee an die Genossen Wilh. Dittmann, Hochstr. 23; Ernst Forkert, Wupperstr. 12 und Herm. Steinmüller, Henkelsstr. 39; aus Remscheid die Genossen Wilh. Koch, Neuenkamp 15, Julius Wetzel, Nordstr. 38 und Otto Breidenbach, Menninghausen 33 b, Remscheid=Bliedinghausen; aus Rons dorf die Genossen W. Kleine, Breitestr. 24, Emil Lusbrink, Breitestr. 24 und Peter Betzold, Bahnstr. An diese Genossen sind alle auf die Landtagswahl bezüglichen Anliegen zu richten, weshalb die Parteigenossen gut tun werden, sich die Adressen zu merken. Die für jeden Ort zuerst genannten Genossen führen gegenseitig die Korrespondenz. Da nach dem Beschluß der am 9. Aug. in Elberfeld abgehaltenen niederrh. Landtagswahlkonferenz in jedem Wahlkreis schon vor den Urwahlen soviel Abgeordnetenkandidaten aufgestellt werden müssen, als dort Abgeordnete zu wählen sind, und die in Ronsdorf am 6. September von Beaustragten der Parteigenossen der Kreise Solingen, Remscheid und Lennep abgehaltene Landtagswahlbesprechung beschlossen hat, die Aufstellung der Abgeordnetenkandidaten dem Zentralwahlkomitee zu übertragen, beschäftigte sich dasselbe am Sonntag auch mit dieser Frage. Die Beratungen führten zu dem Ergebnis, daß als Abgeordnetenkandidaten für den Landtagswahlkreis Solingen=Remscheid=Lennep vorbehaltlich ihrer Zustimmung einstimmig aufgestellt wurden die Genossen Ph. Scheidemann, Reichstagsabgeordneter für Solingen, Karl Meist, Reichstagsabgeordneter für Remscheid= Lennep=Mettmann und Dr. Leo Arons=Verlin. Ueber die eventuellen Doppelmandate der Genossen Scheidemann und Meist war man der Ansicht, daß die Bedenken wegen Arbeitsüberbürdung aufgehoben würden durch die Diätenzahlung im in reichhaltigster Answahl empfiehlt Carl Haberland, Barmen, Rödigerstraße 1, Tabak- und Gigarren-Handlung. Landtag, die eine vermehrte Teilnahme sowohl an den Ar beiten des Landtags wie auch des Reichstags ermöglichen würde. Die Frage der Herausgabe eines zweiten allgemeinen Flugblatts wurde vorläufig offen gelassen. Zur Deckung der Wahlkosten wurde beschlossen, Sammlungen für einen besonderen Wahlfonds zu veranstalten. Die Sammellisten sollen von Solingen, Nemscheid und Ronsdorf herausgegeben und ihre Erträgnisse von den 3 Mitgliedern des Zentral wahlkomitees an den drei Orten u Interesse der Wahl verwendet werden. Ueber die Abhaltung von größeren Landtagswählerversammlungen wurde mitgeteilt, daß Mitte Oktober ein Verliner Genosse als Redner über die Landtagswahlen an den Niederrhein kommen wird. Stadttheater Elberseld. * Wallensteins Tod, Trauerspiel in 5 Aufzügen von Schiller. Wir waren leider verhindert, der ersten Aufführung beizuwohnen, weshab wir der gestrigen Vorstellung einige Betrachtungen widmen wollen Gewaltig wie das Werk der Dichtung der Tragödie, ist auch das der Aufführung. Jeder Mitwirkende muß auf seinem Platze, jeder mit seinem ganzen Können, seinem ganzen Empfinden dabei sein, wenn die beabsichtigte Wirkung voll erzielt werden soll. Mit der gestrigen Aufführung kann man so ziemlich zufrieden sein. Es wäre zwar zu wünschen, daß der Wallenstein des Herrn Treu eine klarere, eine Feldherrnaussprache hätte, auch lagerte anfangs ein gewisses Pflegma über seinem Spiel, allein das wurde von Szene zu Szene besser, sodaß schließlich doch noch eine ganz respektable Leistung herauskam. Die beiden Piccolomini sind bei den Herren Hartmann und Hart gut aufgehoben; vielleicht daß man Herrn Hart empfehlen könnte, den Kriegsmann nicht allzusehr hinter den feurigen Liebenden zurückzustenen. Seiner Partnerin, Frl Gertrud Jakobi(Thekla) kann man den Vorwurf überhastenden Eisers nicht machen. Während der Abschiedstzene schien sie mehr teilnahmslos als die innerlich leidende aber besonnene Ratgeberin; ihr letztes Auftreten war da gegen eine Glanzleistung gegenüber dem, was Schiller in dieses ebenso stille als tief empfindende Mädchenherz gelegt hat. Sehr gut gefiel auch Hertha Frentzel als Gräfin Terzky, nur könnte sie in der Schlußizene, trotz der vorgeschriebenen schwachen und leidenschaftslosen Sprache, den Worten: Der Herzog ist tot, mein kann ist tot, die perzogin ringt mit dem Tode u s. w. eine etwas stärkere Betonung geben. Die Stelle ist zu schade, als das sie unverstanden bleibt. Die Verzogin gab Klara Geldner, den Oberst Vuttler Herr Heims in zufriedenstellender Weise; gut war Herr Nuhbeck als Oberst Wrangel. Die Generäle Terzky, Illo und Isolani sanden in den Herren Tischler, Grunwald und Lentz genügende Interpreten, besonders Herr Leutz eignet sich ganz gut für den leichtsinnigen Isolani, Frl Hassert(Neubrum zeigt noch gar zu sehr die junge Anfängerin Tas Theater war sehr gut besetzt, doch bestand wohl mehr als die Hälfte der Besucher aus Schülern der höheren Lehranstalten, für welche besondere Schülerbillets zu dem Einheitspreise von 65 Pfg ausgegeben worden waren. Warum wird nicht auch der obersten Klasse der Volksschulen eine solche Ver günstigung zuteil? Depeschen und Neueste Nachrichten. w. Berlin, 28. Sept. Das„Tageblatt" will wissen, die Grundzüge des neuen Militäretats seien schon bestimmt. Es sei eine Erhöhung der Friedenspräsenzstärke vorgesehen, die sich aber auf die notwendigen Neuschaffungen beschränke. Die Vermehrung dürfte 10000 Mann nicht überschreiten. Die Verstärkung einzelner Grenzregimenter in Östpreußen und Lothringen um dritte Bataillone sei vorgesehen. Bei der Kavallerie dürfte höchstwahrscheinlich keine, bei der Artillerie nur eine unwesentliche Personalvermehrung zu erwarten sein. w. Wien, 29. Sept. Herrenhaus. Die Abgeordneten Auerberg und Schofenburg sprechen der Regierung ihr Vertrauen aus und betonen die unbedingte Notwendigkeit der Erhaltung der Gemeinsamkeit und Einheitlichkeit des Heeres. Das Haus nimmt darauf die Rekrutenvorlage an. Koerber dankt dem Hause zu diesem Beschlusse gemäß seiner glanzvollen Traditionen, die stets der Erhaltung der Macht und des Ansehens der Monarchie gelten. Der Friede beruhe auf einer vollbereiten Wehrfähigkeit des Staates. An den Grundlagen der Armee dürfe nicht gerüttelt werden. w. Wien, 28. Sept. Am Schlusse der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses brachten der Abg. Starzywski und Genossen eine Interpellation betr. Aufhebung des Zuckerkonlingentgesetzes auf dem Wege des§ 14 ein. Die Interpellanten bemängeln, daß der Reichsrat bei dieser Aufhebung übergangen worden sei, was nicht nur einen gefährlichen Präzedenzfall geschaffen habe, sondern auch aus politischen und wirtschaftlichen Gründen nicht hätte geschehen sollen, da ja nicht feststehe, ob der Reichsrat sich nicht für den Austritt aus der Brüsseler Konvention entschieden haben würde. Ferner erklären die Interpellanten, die von der Regierung infolge der Aufhebung des Zuckerkontingentgesetzes mit der ungarischen Regierung vereinbarte Süßtaxe auf österreichischen Zucker als mit der Gemeinsamkeit des Zoll= und Handelsbündnisses in Widerspruch stehend. w. Budapest, 28. Sept. Die liberale Partei beschloß in ihrer heutigen Konferenz die Einsetzung einer Kommission zur Ausarbeitung des Militärprogramms. Sodann kamen Erllärungen Körbers zur Sprache, die er bezüglich der Armenfrage im österreichischen Reichsrat getan hatte. Es wurde beschlossen, Khuen=Federwary zu ersuchen, in entsprechender Form den ungarischen Standpunkt im Abgeordnetenhaus zum Ausdruck zu bringen. Die Kossuthpartei beschloß, in der morgigen Sitzung des Abgeordnetenhauses gegen die ungesetzliche Einbehaltung des dritten Jahrganges des Heeres, gegen die letzten Aeußerungen Körbers, sowie gegen das hausordnungswidrige Vorgehen Apponyis eine Debatte zu eröffnen. w. London, 28. Sept.„Reuter“ meldet aus Tientsin vom 28. September: Die gegenwärtige militärische Stärke Rußlands im fernen Osten umfasse 50000 Mann aller Waffen, darunter 18 Batterien in der eigentlichen Mand schurei, 110000 Mann an den Verbindungslinien zwischen Port Arthur und am Amur, und M000 Mann in Port Arthur und Talienwau. In Port Arthur seien 30 Forts errichtet, 50 andere Forts seien im Bau, alle Gipfel des Gebietes befestigt, ferner seien in Port Arthur ständig 40 Kriegsschiffe, 90 andere lägen beständig unter Dampf. In Talienwau werde am 15. Okt. die Ankunft von 3 Schlachtschiffen, 2 Kreuzern und 4 Torpedobootzerstörern in den chinesischen Gewässern erwartet. w. Syrakus, 28. Sept. Der deutsche Dampfer„Germania“ ist an der sizilianischen Südküste bei Mazzarelli gestrandet. Admiral Frigerio sandte ihm den Kreuzer„Agodat" zur Ditse. Erklärung! Dem Artikel„Arbeiterzersplitterer“, welcher in der letzten Dienstag=Nummer der„Fr. Pr.“ erschienen ist, stelle ich gegenüber,(dem darin enthaltenen Hauptvorwurf) ich hatte mit Vorsatz Streilbrecher gespielt, folgendes fest: „Während der Hauptperiode des Zimmererstreiks war ich durch Krankheit verhindert, irgendwie persönlich an der Lohnbewegung teilzunehmen. Nach meiner Gesundung ließ ich mir meine Arbeitspapiere vom Zimmermeister Bracht aushändigen wegen Nichtanerkennung des Tarifs von seiten Brachts. Meine jetzige Beschäftigung, welche mir als Streitbruch vorgeworfen wird, wurde mir in Gegenwart organisierter Zimmerer in dem Gewerkschafshause nachgewiesen. Ich war daher in der Meinung, bei dem Meister W. Zimmermann wäre der Tarif zur Annahme gelangt. Daß das nicht der Fall war, wurde ich erst gewahr, als ich 5 Tage später den Vorsitzenden des Zimmerer werbandes zufälligerweise traf. Dem Vorsitzenden des Verbandes erklärte ich,— und ebenfalls Drescher— die Lohnkommission möge es bei dem betr. Meister nochmals versuchen, um die gewünschte Anerkennung zu erlangen, wir würden sie in dieser Hinsicht unterstützen. Nachdem von seiten der Kommission innerhalb 2 Tage nichts geschehen, waren wir selbst gezwungen, bei dem betr. Meister vorstellig zu werden, und haben somit die Unterschrift— mit Wissen des Vorsitzenden des Verbandes— an die Kommission übermittelt. Urteile jeder selbst! Die Gegensätze, welche sich aus meiner antizentralistischen und anarchistischen Anschauungen ergeben, haben natürlich die Streitigkeiten mit dem Zentratverband zur Folge gehabt, betone dabei aber, unter Streitigkeiten kamn man vieles verstehen uro nicht verstehen. Elberfeld, den 20. September 1903. K. Schweninger. Griefkasten. A. N. Der Bürgermeister handelt ungesetzlich, wenn er Ihnen das Geld vorenthält. Wenden Sie sich mal an die Landesversicherungsanstalt Rheinprovinz zu Düsseldorf und an das Landratsamt. Sch, Hagen. Tas ist eine ganz verwickelte Geschichte, und können wir Ihnen weiter keinen Rat geben, als es mal mit einer Klage am Gewverbegericht zu versuchen Allem Anschen nach haben Sie es verabsäumt, ganz bestimmte Abmachungen zi treffen. können Sie, verehrte Hausfrau, einen lohnenden Preis erringen, wem Si alle Umbüllungen von Grümer& Neu vorzüglichen und unübertroffenen Seisensabrikaten sammeln Bei keiner anderen Seisensabrik in weitem Umkreise finden Sie eine solche Mannig faltigkeit hervorragender und notwendiger Seifensabrikate wieder. Grümer& Neu Barmen R., älteste Waschpulver=Fabrik, älteste Fettseisen=Jabrik des Wuppertales. Ein guter Rat! Man rühmt dem Kaffee allgemein nach, daß er die Verdauung fördere. Wohl beschleunigt der Kaffee den VerdauungsProzeß, aber in einer unnatürlichen, dem Organismus nachteiligen Weise. Durch den Kaffee=Genuß wird nach Prof Schulz=Schulzenstein ein Stadium der Verdanung förmlich übersprungen, indem der Kaffeereiz einen Teil der Speisen unverdaut, also vorzeitig, dem Körper entführt. Dadurch entziehen wir unserem Körper das, was wir ihm an Nährstoffen zuführen wollten, und lassen ihm zur Verarbeitung und Nutznießung der Nahrung nicht Zeit und Ruhe Deshalb sollten vor allem Magenleidende den Vohnenkassee meiden und sich dafür ein wirklich gutes und gesundes Ersatzmittel suchen. Ein solches bietet sich ihnen in dem rühmlichst bekannten Kathreines Malzkaffee. Dieses ausgezeichnete Produkt besitzt in hohem Grade das köstliche Aroma und den eigenartigen Wohlgeschmack des Bohnenkaffes, während es von dessen Nachteilen vollständig frei ist. Elberfeld, Hochstr. 55. 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Legien-Berlin. — Freie Diskussion Zu dieser Versammlung ist Jedermann freundlichst eingeladen. Der Ausschuss. Zur Deckung der Tageskosten werden 10 Pfg. Entree erhoben Konsdorfer Konsumverein e. G. m. b. H. Ronsdorf. Wegen Inventur=Aufnahme bleibt das Verkaufslokal am Donnerstag den I. Oktober geschlossen. Die Mitglieder sind verpflichtet ihre bis zum 30. September erhaltenen Warenscheine zusammengerechnet und in ein Couvert verschlossen bis spätestens 15. Oktober in der Verkaufsstelle abzugeben. Couverts sind daselbst zu haben. Mitglieder, welche ferner Kartoffeln einkellern wollen, ersuchen wir ihren Bedarf so schnell wie möglich anzugeben, damit keine Verzögerung eintreten kann. Der Vorstand Der Aufsichtsrat Emil Lusbrink. Karl Meyer. Ewald Kleuser. Mittwoch den 30. Septbr., abends 8½ Uhr, im Saale des Herrn Pickard, Zentralpunkt: Grosse öffentliche 1. 2. Tages=Ordnung: Die Ziele der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Referent: Reichstagsabgeordneter Legien=Berlin. Stellungnahme zu dem Beschluß der hiesigen Bürgergesellschaft, diejenigen Mitglieder auszuschließen, die den freien Gewerkschaften angehören. Zur Deckung der Tageskosten werden 10 Pig. Entree erhoben. Zu dieser Versammlung sind alle Arbeiter und Arbeiterfrauen dringend eingeladen. Der Vorstand der katholischen Bürgergesellschaft wird hierdurch ganz besonders eingeladen und wird ihnen volle Redefreiheit garantiert. Der Vorstand. M. knn Remscheid. Die Herren Vertreter der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer werden hierdurch zu der am Sonntag den 4. Oktober 1903, im Saale des Herrn Friedr. Wilh. Hecke, Peterstraße, abends 7 Uhr stattfindenden La Carolina, vorzügliche kräftige 8 Stück 50 Pfg. II. W. Jacobs, Elbereld am Neumarkt. 2 Emma Kaufmann Eduard Flagmeyer Verlobte: Elberfeld im Sept. 1903. Stadt-Theater Elberfeld. Direktion: Hans Gregor. Dienstag den 29. September, abends 7½ Uhr. 17. Ab.=Vorst. Ser II(dunkelrot) Martha. Oper in 4 Akten von Friedrich von Flotow Institut für Lahnleidende von G. Bukofzer, Elberfeld, Bachstr. 99/101. Günftige Bedingungen, wöchentlich 1 Ml., ohne Preiserhöhung. Zahnziehen schmerzlos. Restauration Wwe. Fr. Hildebrand 12 Alleestraße 42. hält sich bestens empfohlen. ff. Vier von Carl Bremme, reinen Merklinghäuser Klaren aus der Oede. Gute Küche zu jeder Tageszeit Billard. 1 usserord. Generalversammlung ergebenst eingeladen. Tages=Ordnung: 1. Beratung und Annahme des von der Kommission ausgearbeiteten Entwurfs des KassenStatuts. Remscheid, den 28. September 1903. Der Vorstand. J. A.. Barthel, Vorsitzender. Konsumverein ,Hoffnung Gevelsberg. e. G. m. b. H. Unsern Mitgliedern hierdurch zur Kenntnis, daß am Donnerstag den 1. Öktober unsere Verkaufsstelle wegen Inventur=Aufnahme geschlossen ist. Ferner bitten wir, sämtliche Dividenden=Scheine und=Marken bis zum 10. Oktober abzuliefern. Die Mitglieder werden ersucht, ihren Bedarf in Kartoffeln und Kappus anzugeben. Der Vorstand. Hosenträger, Brustheutel Klopfpeitschen Brotmesser Spindschlösser rämtliche Bürsten, Handkoffer von 1.25 Mk. an. Fritz Brunöhler, Remscheid, Markt 1, Bismarckst5 Reste für verren= und Kinderauzüge, in Chevlot, Kammgarn, Tuch rc. in neuen modernen Farben, auch einzeln abzugeben. Elberfeld, Erholungsstraße 16, 1 Treppe hoch. Heckkorb billig zu verkaufen, Anders, B., Klingelhollstr 70. Laden mit Nebenzimmer wegen der Nähe mehrerer Schulen vorzüglich geeignet für Buchbinderei, Pavier= u. Schreibmaterialienhandlung, im Hause Nützen bergerstr. 205, per sofort billig zu vermieten. Antonio, kl. fein Vorstenland=Cigarre, 10 Stück 60 Pfg. empf. R. W. Jacobs. Verantwortlicher Redakteur: Karl Eberle, Barmen.— Verlag: Verlagsanstalt Molkenbuhr& Co., Elberfeld.— Rotationsdruck: Buchdruckerei Grimve, Elberfeld Beil Einflu Infolge n Parteit. lung deutsel keit zun Gebiete lieg Kassel lassen Ladenbu schaften auf Der stellungen d schlag gefu Menschen zu Moral und mals betrach der Schöpfn ich als M sahen Bezi seinem Sch Bedeutung Kulturentwi des Mittel gelten ihm mu dieser Sylvis de Deutschland So lum de Norden zu rühmtester? al, daß d rt hat, einziges Bil angesehen n Alten gepf seit der Zei er in gewi da dieser solcherart d gedachte, n wesen ist, lang. 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Ser II(dunkelrot) Martha. 4 Akten von Friedrich von Flotow Institut für von Bukofzer, Elberfeld, chstr. 99/101. stige Bedingungen, öchentlich 1 Mili., te Preiserhöhung. nziehen schmerzlos. estauration von Fr. Hildebrand 2 Alleestraße 42. ich bestens empfohlen. von Carl Bremme, reinen ghäuser Klaren aus der üche zu jeder Tageszeit Billard. senträger, ustbeutel ppeitschen otmesser indschlösser mtliche Bürsten, ofter von 1.25 Mk. an. z Brunöhler, kemscheid, t1, Bismarckst. 52. Beste ren= und Kinderauzüge, lot, Kammgarn, Tuch rc. modernen Farben, auch inzeln abzugeben. ld, Erholungsstraße 16, 1 Treppe hoa. orb billig zu verkaufen, Klingelhollstr 70. mit Nebenzimmer er Nähemehrerer Schulen ch geeignet für Buchbinavier= u. Schreibmateriidlung, im Hause Nützen.205, per sofort billig zu ntonio, Vorstenland=Cigarre, 0 Stück 60 Pfg. I. W. Jacobs. Elberfeld Beilage zu Nr. 227 der Freien Presse, Dienstag, den 29. September 1903. Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung. Infolge der Berichterstattung und Betrachtungen über den Parteitag war es uns leider unmöglich, der Versammlung deutscher Naturforscher und Aerzte eingehende Aufmerksamkeit zu widmen. Dem von uns gebrachten auf sozialem Gebiete liegenden Vortrage des Sanitätsrats Dr. Alsberggassel lassen wir heute einen Vortrag von Professor Dr. A. gadenburg=Breslau über den„Einfluß der Naturwissenschaften auf die Weltanschauung folgen. Der Vortragende geht aus von den anfänglichen Vorstellungen der Naturvölker, wie sie in der Bibel ihren Nieverschlag gefunden haben und beleuchtet die Stellung jener Dienschen zur Natur und ihre Auffassung über dieselbe. Alle il und Ethik jener Zeit kam aus der Religion. Damals betrachtete sich der Mensch gewissermaßen als die Krone der Schöpfung, die ihm untertänig sei. Die Erde dachte man sich als Mittelpunkt des Weltalls. So erklären sich die nahen Beziehungen, die nach der Bibel den Menschen mit seinem Schöpfer verbanden. Redner erläutert sodann die Bedeutung des Heidentums, speziell der Hellenen, für die Fulturentwicklung Europas und erwähnt kurz die Auffassungen des Mittelalters über die Natur. Petrarca und Voccacio gelten ihm als klassische Vertreter des italienischen Humanismus dieser Periode. Redner erinnert daran, daß s. Z. Aeneas Sylvis de Piccolomini, der spätere Papst Pius II., nach Teutschland ging, um hier in humanistischem Sinne zu wirken. So lom denn schließlich der Humanismus auch im kalten Norden zur Blüte. Erasmus von Rotterdam ist sein berühmtester Vertreter. Er spricht sein tiefes Bedauern darüber al, daß der von ihm bewunderte Humanismus es dazu geort hat, daß gegenwärtig die klassischen Sprachen als einziges Bildungselement der Jugend an höheren Schulen angesehen werden. Das Wiedererwachen der schon von den Alten gepflegten Naturwissenschaften datiere eigentlich erst seit der Zeit des kühnen Entdeckers Christoph Kolumbus, den er in gewissem Sinne als großen Experimentator betrachte, da dieser Ostindien von Westen aus erreichen wollte und solcherart die Kugelgestalt der Erde erperimental zu erweisen gedachte, wenn es allerdings auch erst Vasco de Gama gewesen ist, dem die Durchführung dieses Gedankens 1498 gelang. Auf Kolumbus folgte 1543, also fünfzig Jahre später, Nikolaus Kopernikus, der das heliozentrische System in die Naturwissenschaft einführte. Durch seine Annahme, daß die Plancten sich um die Sonne bewegen, gelangte man zu einer viel größeren Einfachheit und Gleichmäßigkeit gegenüber der Lehre des Ptolomäus in seinem„Almagest". Als eigentlicher wissenschaftlicher Begründer der Kopernikanischen Lehre muß Johannes Kepler, einer der größten Denker und Kämpfer aller Zeiten gelten, der die nach ihm benannten beiden Planetengesetze entdeckte. Auf seinen Schultern gewissermaßen steht der englische Forscher Isaak Newton als Begründer der theoretischen Physik. Dieser war es, der das bekannteste Weltgesetz der Schweikraft oder Gravitation entdeckte, nach welchem alle Himmelskörper sich gegenseitig in einem ganz bestimmten Verhältnis anziehen. Er übertrug damit das Hauptgesetz der irdischen Natur, die Bewegung fallender Körper auf das Weltall. Aus dieser naturwissenschaftlichen Kenntnis heraus ergibt sich eine ganz andere Bedeutung des Menschen auf der Welt, als sie die Bibel annimmt und das Mittelalter in starrem Dogmenfanatismas behauptete. Die Gottähnlichkeit des Menschen war ein Wahn, ebenso die persönlichen Beziehungen, die angeblich zwischen dem Menschen und einem Weltenschöpfer bestehen sollten. Der Mensch erscheint allein als ein Nichts in der Unendlichkeit, die wir mit unseren Sinnen kaum zu fassen vermögen. Redner geht des weiteren auf die Entwicklung der modernen Naturwissenschaften ein, zeigt die herrschende Stellung des Newton'schen Gesetzes von der Schwere und die absolute Sicherheit seiner Schlüsse. Er erwähnt weiter noch zwei andere gleichbedeutsame Gesetze, nämlich das von der Unzerstörbarkeit der Materie und jenes von der Erhaltung der Energie, die Ludwig Büchner in seinem Werke„Kraft und Stoff eingehend behandelt hat. Eine weitere Zahl weniger allgemein geltender aber trotzdem doch für die Naturwissenschaften hochwichtiger Gesetze werden angeführt, um daraus den vollkommenen gesetzmäßigen und auf die natürlichste Weise erklärlichen Verlauf aller Natur=Erscheinungen zu resultieren. Damit zerfällt der Wunderglaube in das absolute Nichts, aber auch der Glaube an einen allgegenwärtigen und allmächtigen Gott wird angezweifelt. Sodann kommt Redner auf die Entwicklung der biologischen Wissenschaft zu sprechen, wobei die Darwin'sche Theorie hervorgehoben und erörtert wird. Nach ihm bestimmt diese letztere die Bedeutung der Menschheit auf Erden ebenso, wie die ermittelten physikalischen und chewischen Gesetze die Stellung der Menschheit im Universum fesilegen, indem die genannte Theorie die genetische Beziehung zwischen Mensch und Tier herstellt. Das aber führt den Redner zur Unsterblichkeitsfrage und er führt diesbezüglich aus, daß es kaum möglich sei, wenn dies überhaupt der Fall, dann nur dem Menschen allein die Unsterblichkeit zuzuerkennen. Es wird auf das Seelenleben des Menschen verwiesen, um diese Ausnahmsstellung zu motivieren. Aber man dürfe auch an dem Seelenleben des Tieres nicht zweifeln! Dies sei einer jener Gründe neben vielen anderen, die die Redner gegen den Unsterblichkeitsglauben ins Feld führt, während nach seiner Auffassung keine einzige naturwissenschaftliche erhärtete Tatsache für denselben existiert. Bei der Unsterblichkeit sei der Wunsch ganz offensichtlich der Vater des Gedankens! Wer nicht blindlings daran glaubt, dem müssen die schwersten Zweifel kommen! So hat die Naturwissenschaft gewissermaßen den Himmel entvölkert und die Phantasie vernichtet! Redner hört schon im Geiste rufen:„Ihr nehmt uns die Unsterblichkeit— was gebt Ihr uns dafür?" Darauf antwortete er:„Wir geben Euch die Aufklärung durch die naturwissenschaftliche Erkenntnis!"(Bravo.) Schließend wendet Redner sich gegen den Vorwurf, daß die konsequente Durchführung der naturwissenschaftlichen Erkenntnis und ihrer Vorstellungen zur reinen Negation des Glaubens und der Religion führe. Er sucht im Gegensatz dazu den Nachweis und zwar an der Hand historischer Tatsachen zu erbringen, daß die Idee der Freiheit des Menschen mit allen humanen Bestrebungen der Vergangenheit auf die Aufklärung zurückgeführt werden müsse, die wir den Naturwissenschaften verdanken. Diesbezüglich erinnert Redner an die Habeas corpus=Atte, die als Grundgesetz der individnellen Freiheit 1679 in England proklamiert und 1774 bei der Gründung der Vereinigten Staaten von Amerika in Philadelphia ihre Nolle spielte. Das folgenschwerste Ereignis aber war die Erklärung der Menschenrechte zur Zeit der französischen Revolution im August 1788 durch die National=Versammlung, umsonst ist damals das viele Blut nicht geflossen! Die Aufhebung der Negersklaverei und der Leibeigenschaft war ihr großartigstes Resultat! Millionen sind dadurch zu menschenwürdigem Dasein erweckt! Ist es nicht des Lobens wert, an solchen Zielen mitgearbeitet zu haben? Die werktätige Menschenliebe sei das letzte Wort, in welchem die Philosophie der Naturwissenschaften gipfelt!(Lebhaster Beifall.) Lokales. Elberfeld— Elberfeld, 29. September. * Apothekenbetriebsordnung. Der Kultusminister hat nach der„Voss. Itg.“ die Bestimmungen der Apothelenbetriebsordnung über das Lehrlingswesen in 2 Punkten geändert. Die eine Aenderung zielt darauf hin, den Apothekenbesitzern, die ohne Gehilfen arbeiten, die Annahme von Lehrlingen zu erleichtern; die andere erschweit den Apolhekerlehrlingen den Uebergang von einer Apothéke in die andere während der Lehrzeit. Die Aenderungen lauten: 1. Wer keinen Geh“#en halt. kann einen Lehrling ausbilden, bedarf aber der Erlaubnis des Regierungspräsidenten, welche widerruslich ist. 2. Ein Lehrling, welcher während der Lehrzeit die Lehrsteile wechselt, hat von dem für die neue Lehrstelle zuständigen Kreisarzt das Zulassungszeugnis genehmigen zu lassen. In dem Abgangszeugnis aus der früheren Stelle ist der Grund des Abganges von dem Lehrherrn anzugeben. Ohne ein so ergänztes Zulassungszeugnis darf kein Lehrling von einem andern Lehrherrn angenommen werden. Lennep—Remscheid—Mettmann. c. Cronenberg, 28. Sept. Cronenbera hat Schule genossen! Zurzeit liegt die Wählerliste zu den im November stattfindenden Stadtratswahlen zur Einsicht auf dem Bürgermeisteramte auf. Es wird uns nun mitgeteilt, daß bei der Durchsicht der Listen sich ergeben hat, daß alle diejenigen, welche keinen eigenen Haushalt haben, vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, selbst für den Fall, daß sie Einkommenstener zahlen. Es können dem nach nur solche Bürger zum Stadtverordnetenkollegium wählen, welche 24 Jahre alt sind, ein Jahr hier am Orte wohnen und entweder ein selbstständiges Geschäft oder Eigentum haben oder mindestens 6 Mark Einkommensteuer zahlen und einen selbstständigen Haushalt haben, also über eine eigene Wohnung verfügen Die Neuerung schließt also alle jene vom Wahlrecht aus, welche noch bei ihren Eltern sind oder sonstwo im Logis gehen Nicht immer ist das letztere hier der Fall gewesen. Vor 2 Jahren noch konnten alle jene wählen, die mindestens 6 Mark Einkommensteuer zahlten, ganz gleich, ob sie einen eigenen Hausstand halten oder nicht. Wenn wir uns richtig entsinnen, war es vor 4 Jahren der Herr Oberbürgermeister Dr. Lentze in Barmen, der zu obiger Neuerung den Anstoß gab und den sogenannten Schlafburschen das Wahlrecht zum Stadtverordnetenkolleginm vorenthielt. Heute nach 4 Jahren macht man sich in Cronenberg diese Neuerung, die doch nur zugunsten der Wohlhabenden und zum Schaden der Arbeiter herausgefunden zu sein scheint, zu eigen. Vor 2 Jahren wurde in Elberseld die Entdeckung gemacht, daß diejenigen vom Wahlrecht auszuschließen sind, die zum ersten Male Einkommensteuer bezahlen In Cronenberg hatte man damals nichts Eiligeres zu tun, als dies nachzumachen, und sollen dadurch mehr als 100 einkommensteuerzahlende Bürger vom Wahlrecht ausge schlossen worden sein. Wieviel Bürger auf Grund der Schlasburschenpolitik, die jent auch, wie oben bereits gesagt, in Cronenberg nachgemacht wird, vom Wahlrecht ausgeschlossen werden, können wir vorläufig noch nicht sagen Es berührt eigentümlich, daß obige Entdeckungen erst in den letzten Jahren gemacht wurden, obwohl doch unseres Wissens an der Städteordnung nichts geändert worden ist. Eins geht jedenfalls aus obigem hervor, nämlich daß die Herrschenden es ganz meisterhaft verstehen, die wenigen Rechte des arbeitenden Volkes nach allen Regeln der Kunst zu beschneiden. In der preußisch deutschen Gesetzgebung ist also der Grundsatz von den gleichen Rechten und Pflichten noch lange nicht zur Geltung gebracht, oder wie Kaiser Friedrich M. einmal sagte:„Die erste Aufgabe des Gesetzgebers bleibt in meinen Augen immer, gleiches necht für Alle zu schaffen" Zum Schluß empfehlen wir den Arbeitern Cronenbergs, die wenigen Tage, an welchen die Listen zu den Stadtratswahlen offen liegen(bis 30. September), noch fleißig zu benutzen, um sich selbst oder durch einen Freund zu überzeugen, ob ihr Name in der Wählerliste steht. Das ist die erste Vorbedingung, um wählen zu können. * Cronenberg, 28. Sept. Wie wir vernehmen, wird unsere Stadt zur Vornahme der Landtagswahl in 8 Urwahlbezirke eingeteilt. s. Velbert, 28. Sept. Das elendeste aller Wahlsysteme scheint unsrer Verwaltungsbehörde noch nicht reaktionär genug zu sein, oder aber die schlotternde Angst vor der Sozialdemokralie läßt sie Handlungen begehen, welche das Rechtsgefühl jedes Menschen, der nicht geradezu Fanatiker des Unrechts ist, tief verletzen muß. Hier in Velbert hat man es fertig gebracht, durch die bei den Stadtratswahlen so berüchtigt gewordene Schlafburschenpolitik eine große Anzahl von Arbeitern auch ihres Wahlrechtes zum preußischen Landtage zu berauben. Es ist unerhört! Männer, die aus dem einen oder andern Grunde noch davon absahen, sich zu verehelichen, werden zu Bürger 2. Klasse degradirt, wenn sie nicht über ein Zimmer verfügen. Man wird auf den§ 8 des Landtagswahlgesetzes verwiesen, wonach jeder selbstständige Preuße wahlberechtigt ist. Aber ist denn ein lediger Arbeiter weniger selbständig als ein verheirateter? Uns ist es ja klar, es ist die Furcht vor der lauten Stimme des Volkes, welche durch eine große Beteiligung auzugrell zur Geltung kommen würde. Doch noch mehr! Man hat es sogar versucht, entgegen dem klaren Wortlaul des§ 8 der Verordnung vom 30. Mai 1849, sowie der ebenso llaren§§ 1 und 2 des Gesetzes betr. Aenderung des Wahlverfahrens vom 26. Juni 1893, Leute in die Wählerlisten nicht aufzunehmen, Im Wirbel. Ein Buch aus der Anarchie des Lebens. Von Carl Morburger. (Nachdruck verbolen.) 14) Fortsetzung Herrnfeld kennt einen Gastwirt, der auf seine Empfehlung hin den Obdachlosen für einige Zeit Quarlier gibt. Er schreibt einige Zeilen an ihn und gibt ihr die Adresse. Auch einiges Baargeld, das sie untereinander gesammelt, geben sie ihr noch. Unter Tränen und kraftlosen Dankesworten schleicht die Truppe fort. Ihre dünnen Schatten recken sich verzerrt und phantastisch am Boden— ein Totentanz. Tie Vier blicken schweigend nach. In das Wimmern und Schluchzen mengt sich das dumpfe Rauschen der Donau. Sonst wuchtige Stille. Dann flüstert Anton: „Was nur aus den Kindern werden wird?" Schneidend, schrill, höhnisch lacht Haller: „Stützen der Gesellschaft werden sie!“ Wieder eine Pause; dann Steinmüller: „Muß denn derlei sein auf der Welt? Soviel Jammer, soviel Elend, soviel Nacht?" Haller sieht den Frager scharf an. Dann sagt er: „Muß? Nein!“ „Und warum ist es?“ „Darüber müßte man gründlich reden—“ „Wenn Sie wollen—" „Gut", sagt Haller.„geh'n wir. Anton, Du kannst inzwischen dem andern Herrn vom— Leben erzählen." Sie gehen paarweise dahin. Steinmüller hört, was Haller spricht, und es ergreift ihn mächtig. Es klärt seine Gedanken und es gibt ihm die Antwort auf die Frage, die er sich vorhin gestellt. Er bricht mit per Theologenweisheit, mit der Erbsünde, die alle Qual geschaffen. Er nickt eifrig, glutvoll, da Haller spricht: „Die Strafe, die Qual sollen wir leiden, weil wir leben? Kann ich dafür, daß ich bin? Die Natur fündigt nicht und diese hat mich in die Welt gesetzt. Und wenn es wirklich sündig ist, warum mir die Strafe, warum nicht jenen, die die Tat begangen? Ich bin ja unschuldig! Und wozu leb' ich, wozu dieses„Mensch=sein"? Um wieder zu„fündigen"! Hahaha! Sehen Sie des Pudels Kern, die Theologenweisheit: wir leben, um zu„sündigen". Und da erfaßt Steinmüller die Erkenntnis, daß das Gute und Böse auf Erden den Keim hat, und er löst sich los von dem Ueberirdischen. „Aber was auf Erden ist, muß man fassen können", sagt er sich, und da fragt er, wie man es fassen, wie man es bezwingen kann. Haller autwortet ihm mit der Wucht des Hassers. Als es zum Abschiede kommt, haben Haller und Steinmüller ein Rendezvons für den nächsten Tag verabredet. Sie haben sich gefunden. 6. Nur noch einige Stunden, und die Lichter sind entzündet, es glitzert und strahlt durch die Fenster, hinaus auf die Straße. Der heilige abend ist angebrochen. Nur noch einige Stunden, und es künden die Glocken von dem Wohlgefallen auf Erden, und sie künden von dem Wohle des Einst. Nur noch einige Stunden... Es ist mittag. Draußen wirbeln die Flocken, ohne Halt hin= und hergewerfen von dem Winde. Sie streben zur Erde. Ein bunt bewegtes Gewirre.— Die Pepi hat ganz heiter und vergnügt ihr Zimmer verlassen und sich auf den Platz hinter die Kasse begeben. Sie findet einige Briefe vor. Gratulationen von diesem und jenem, lauter Bewerber um ihre Gunst. Sie lächelt. Und da noch wenig Gäste hier sind, setzt sie sich hin und blickt in das Flockentreiben. Seine magische Kraft stellt sich ein. Es zwingt zum Träumen, lullt ein in die Vergangenheit. Es zaubert Stunden hervor, die lange vorüber. Wirbelnder Schnee ist der Mahner an die vergangene Kindheit. Auch bei Pepi. Sie sieht sich als Kind jubelnd in den Straßen herumtollen. Schnee! Schnee! Wie das die Brust geschwellt hat! Schnee— dieses Glück, dieses leichte, kurze, zerfließende Glück! Und im vorigen Jahre noch, bei einem gleichen Gestöber, da war sie jetzt, kurz nach Mittag fortgeeilt, um zu den bereils erstandenen Geschenken dem Vater eine neue Pfeife und der Mutter noch rasch eine Schürze zu kaufen. Welche Freude das am abend gab! Und heute? Ja, heute schickt sie dem Vater Tuch für einen neuen Anzug herüber und der Mutier ein paar Ohrgehänge— aber sie selbst muß hierbleiben, sie hat Dienst. Schade eigentlich, daß sie den abend nicht mit ihren Leuten verbringen kann— Wie der sich wohl gestalten würde? Ob den früheren Weihnachtsabenden gleich—? Nein, sie sieht ein, sie würde sich bei den Eltern drüben nicht mehr wohl, nicht mehr heimisch fühlen. Ja, wenn ihre Leute zu ihr kommen und da von ihr beschenkt würden, das möchte ihr Freude machen. Freude? Sie horcht tief auf in ihrem Innern. Würde es ihr wirklich Freude machen oder nur Spaß? Sehnt sie sich überhaupt danach, den Eltern Freude zu machen? Sehnt sie sich überhaupt danach, mit den Eltern zusammen zu kommen—? Sie wird rot. Sie schämt sich. Nein, das ist wirklich nicht schön, grübelt sie. Ich denk ja gar nicht mehr an meine Leute. Nicht an die Eltern, nicht an Anton, nicht an Gabi— ja nicht einmal an Gabi, an das Kind, das früher mein Liebling war... Aber der dumme Fratz ist sich selbst schuld daran. Warum hat sie sich damals so benommen? Was ist das sie angegangen, wenn ich mich mit dem Steinmüller... oh, der Arme! An dem hab' ich wirklich nicht recht gehandelt. Ich hätt' ihn sitzen lassen sollen... wie der ausg'schaut hat— alleweil hab' ich an ihn denken müssen... aber, warum war er so? Man hat mich ja ausgelacht, wenn er wie ein Polizeimann— Jetzt freilich sitzt er nicht mehr dort. Nur einmal spät welche keine Steuern zahlen.§ 1 des Gesetzes vom 26. 6. 93 lantel:„Für jede nicht zur Staatseinkommensteuer veranlagte Person ist an Stelle dieser Steuer ein Beitrag von drei Mark zum Ansatz zu bringen“ und s 2 sagt: Urwähler, welche zu einer Staatssteuer nicht veranlagt sind, wahlen in der 3. Abteilung. Das ist doch gewiß lar und man sollte meinen, auch die Velberter Verwaltungsbehörde könne das verstehen. Es ist das erstemal, daß wir listen früher ausgesehen haben. Haben sie aber schon früher diese unerhörten Fehler gehabt, sso ist damit wieder bewiesen, daß den bürgerlichen Parteien an den Rechten des Volkes nichts gelegen ist und daß es immer wieder des Vordringens der Sozialdemokratie bedarf, damit dem Volke das gegeben wird, was des Volkes ist. Erwähnen wollen wir noch, daß mehrere Genossen ihren Einspruch gegen die Listen zu Protokoll gegeben haben. Auf die Entscheidung sind wir gespannt. An die Arbeiterschaft ergeht jetzt der Ruf: Auf zur Agitation für die Landtagswahlen! Jeder muß Agitator fein! Auf zum Kampf gegen das elendeste aller Wahlsysteme, auf zum Kampf für Recht und Gerechtigkeit! l. Remscheid, 26. Sept. Zur Lohnbewegung der Maurer. In der Nummer 255 der Remscheider Zeitung erschien ein Bericht von der Sitzung der vereinigten Baugewerksmeister, in welcher beschlossen wurde, die Forderung der Maurer, einen Minimallohn von 46 Pfg. sofort und 48 Pfg. vom 1. April nächsten Jahres nicht anzuerkennen, sondern eine Lohnerhöhung von nur 5 Prozent zu gewähren. Damit dieser Beschluß nicht gebrochen werden sollte, wurde eine hohe Konventionalstrafe festgesetzt. Die Unternehmer August Schwert, Krume, Nowack, Sassenhausen, Hofstadt, Pauel, Hahn und Fückhardt stimmten diesem Beschluß ebenfalls zu, obgleich sie unsere Forderung schon bewilligt haben. Sie mußten nun doch auf einer Seite ihr Wort brechen und dies geschah gegenüber den Maurern, indem sie den bewilligten Lohn nicht auszahlten. In einer öffentlichen Versammlung der Maurer wurde nun beschlossen, bei diesen Untermehmern vorstellig zu werden, um sie an ihr gegebenes Wort zu erinnern. Als nun die Lohnkommission vorstellig wurde, erhielt sie zur Antwort, daß sie in diesem Sinne nicht bewilligt hätten. Hierauf wurde über die Unternehmer Schwert, Hofstadt, Paul Fückhardt u. Sassenhausen die Sperre wieder verhängt. Als am 24. Sept. die Arbeit bei Sassenhausen niedergelegt wurde, sah sie sich genötigt, die Forderung der Maurer und die Organisation anzuerkennen. Er stellt alle bei ihm Beschäftigten wieder in Arbeit. Bei Zurücknahme der Sperre war Herr Baurat Hertwig zugegen. Tönisheide, 21. Sept. Die Wählerliste zur Landtagswahl liegt am 28. 29. und 30. September während den üblichen Bureaustunden auf dem Rathaus in Neviges zu Jedermanns Einsicht offen. Diejenigen Genossen, die nicht selbst die Liste einsehen können, mogen sich an die bekannten Genossen wenden, die dann das Weitere veranlassen worden. Hagen—Schwelm. * Hagen, 28. September. Ein Nachspiel von der Reichstagswahl. Am Abend des Stichwahltages hatte sich vor dem Geschäftslokal der„Hagener Zeitung" eine große Menschenmasse angesammelt, weil dort die einlaufenden Wahlresultate bekannt gegeben wurden. Es kam zu Reibereien zwischen den Anhängern Richters und Timms und schließlich auch zu Gewalttatigkeiten, worauf die Polizei mit großer Schneidigkeit eingriff und verschiedene Verhaftungen vornahm. Gestern standen dieserhalb 5 Personen als Angellagte vor der Strafkammer und zwar die Tagelöhner C. St. und A. Ka., der 13jährige Schüler F. Ge., der Handlanger F. St., der noch nicht wahlberechtigt ist, und der Fabrikarbeiter L. E. Der Angeklagle St. soll sich einem Schutzwann widersetzt haben; er erhielt 6 Wochen Gefängnis. Der Angeklagte Ka. hat sich nicht allein widersetzt, sondern sich auch tätlich an dem Schutzmann vergriffen; er erhielt 9 Monate Gefängnis. Der Schüler G. erhielt eine Woche Haft, weil er mit Steine geworfen hat. St. erhielt 2 Monate Gefängnis, weil er mehrere Personen getreten hatte. Der Angeklagte E. hatte mit einem Revolver mehrere Löcher in die Luft geschossen und muß dies mit 6 Wochen Haft büßen. Wie die„H. Zig.“ berichtet, wurden die Strafen so hoch be messen, um als warnendes Beispiel zu dienen. Für heute sei nur so viel bemerkt, daß dieser„Wahl krawall“, der von der bürgerlichen Presse, vorab von der freisinnigen H. Ztg., der„verhetzenden Tätigkeit" der Sozialdemokratie seiner Zeit zugeschrieben wurde, nach dem Ergebnis der Gerichtsverhandlung nicht mehr gegen die sozialdemokratische Partei ausgeschlachtet werden kann. Und weiter hat die Gerichtsverhandlung ergeben, daß die Berichte der H. Ztg., die sie seiner Zeit über den Krawall gebracht hat, maßlos übertrieben waren. * Vogelsang, 27. September. Schwer verletzt wurde vorgestern auf seiner Arbeitsstelle der verheiratete Schlosser Joh. Lippel von hier. Ein vomn Spiralbohrer abspringendes Stückchen Stahl drang dem Manne ins rechte Auge. Es durchschlug Hornhaut und Linse und blieb tief im Glaskörper sitzen. In der Augenklinik zu Hagen gelang es, den 4 Millimeter langen und 2 Millimeter breiten Stahlsplitter mittels des Elektromagneten aus dem Augeninnern hervorzuholen und wird dem Schwerverletzten das betroffene Auge und das Sehvermögen voraussichtlich erhalten bleiben. am abend ist er hereingekommen und hat sich dorthin in die Ecke gesetzt— er und Haller. Der Haller! Der Haller, dem ich einmal so gut war— War?! Sie stockt. Nein! regt es sich mächtig in ihr. Ich bins ibm ja noch! Bin es ihm noch! Ja! ja! ja! Immer intensiver wird die Macht der Flocken, immer inter siver Pepis Grübeln. Ja, sie ist ihm noch gut! Warum das so auf der Welt ist, daß gerade er kein Geld hat?! Aber braucht men Geld, wenn man sich lieb hat? Nein, nein— antwortet sie sich— man braucht's nicht— aber es ist halt doch so schön— so schön— wenn man— na ja, es ist halt doch etwas ganz And'res! Wenn sie daran denkt, wie sie früher—— Wann sie glücklicher war, damals oder—? Die Flocken wirbeln und tanzen dicht aneinander geschmiegt in fast lückenlosen Ketten und dicht hintereinander wirbeln die Gedanken.(Fortsetzung folgt.) Provinzielles. c. Düsseldorf, 26. Sept. Auf dem Friedhof am Tannenwäldchen erschoß sich heute früh ein anscheinend den besseren Ständen angehörender, etwa 30jähriger Mann aus Galizien. Ein noch wit fünf scharfen Patronen geladener Revolver wurde neben der Leiche des Selbstmörders vorgefunden.— Das Schwurgericht verurteilte heute den Fabrikarbeiter Herm. Kaspari aus Krefeld wegen Anfertigung falscher Zehnpfennigstücke unter Annahme mildernder Umstände zu 10 Monaten Gefängnis.— Der 22jährige Arbeiter Wilhelm Tingelhoff aus Neudorf, der von der Duisburger Strafkammer zu mehrjähriger Zuchthausstrafe verurteilt worden war, benutzte gestern einen unbewachten Augenblick, um aus der Irrenanstalt Grafenberg, wo er zur Beobachtung seines Geisteszustandes untergebracht war, zu entfliehen. Bisher ist es noch nicht gelungen, des Flüchtlings wieder habhaft zu werden. c. Gelsenkirchen, 26. Sept. Bei der Unterführung zwischen Gelsentirchen und Bulmke wurden drei im Sande spielende Kinder verschüttet. Ein 10jähriger Knabe wurde getötet, ein anderes Kind schwer, das dritte leicht verletzt. c. Miilheim a. Rh., 26. Sept. Im Rhein wurde die Leiche einer hiesigen Arbeiterfrau, die sich vor einigen Tagen in geistesgestörtem Zustande von Hause entfernt hatte, gelandet. Hardt(b. M.=Gladbach), 26. Sept. Bei einem Gewitter schlug gestern nachmittag in der Sektion Vorst der Blitz ein, wodurch drei Wohnhäuser in Asche gelegt wurden. Vom Mobilar konnte nur wenig gerettet werden; indes war alles gut versichert. Aachen, 28. Sept. Beim Reinigen der Gasleitung in der hiesigen Strafanstalt entstand durch den Gebrauch eines ungesicherten Lichtes Feuer, das auf einen Gasbehälter übergriff und diesen zur Explosion brachte. Der Brandinspektor Brinz, drei Feuerwehrleute und ein Gasarbeiter wurden erheblich verletzt. c. Trier, 26. Sept. Die Untersuchung gegen die des Mordes an dem Förster Junk angeklagten Gebrüder Hamm aus Riveris ist nunmehr abgeschlossen. Die beiden der Tat dringend Verdächtigen werden sich am 25. November zu verantworten haben.— In Trittenbeim wurde der„Trierer Landesztg.“ zufolge beim Abreißen eines Hauses unter dem Zimmerboden das Skelett einer vor 50 Jahren verschollenen alleinstehenden Dame namens Martellöhn, welche bis dahin in jenem Hause gewohnt hatte, gesunden. Die Untersuchung ist im Gange. Gewerbegericht. )( Elverfeld, 28. September. In der am letzten Freitag unter dem Vorsitze des Herrn Peill stattfindenden Hauptsitzung sind als erwähnenswert nur zwei Sachen hervorzuheben: Ein Schreiner klagte gegen den Schreinermeister Michael Stief auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von 2,80 Mark und begründete die Forderung damit, daß er eine Theke in Accord zum Preise von 36 Mark angefertigt habe Bei den bisher von ihm in Accord angefertigten Theken habe er das erforderliche Holz stets von Stief fertig zugeschnitten erhalten und dieses Verhältnis auch bei der letzten Arbeit als selbstverständlich vorausgesetzt. Stief sei aber bei Beginn der Arbeit verreist und eine volle Woche aus geblieben, sodaß er, um überhaupt arbeiten zu können, gezwungen gewesen sei, sich das Holz selbst zuzuschneiden. Hierdurch habe er durch den Zeitverlust einen Schaden in Höhe des eingeklagten Betrages erlitten. Bevor Stief abgereist sei, habe er denselben auch auf das Fehlen zugeschnittenen Holzes aufmerksam gemacht, der elbe habe sich aber achselzuckend entfernt. Stief wußte weiter nichts einzuwenden, als daß die Theke sehr schlecht gearbeitet ge wesen sei, was den noblen Mann aber nicht hinderte, die angeblich schlechte Arbeit anstandslos abzunehmen. Wie nicht anders zu erwarten war, wurde Stief zur Zahlung des eingeklagten Be trages verurteilt. Des ferneren klagte ein Maurer gegen die Firma Anton Frese auf Zahlung eines rückständigen Lohnes von 29 Mark. Die Firma gab die Richtigkeit der Lohnforderung zu, verweigerte die Auszahlung des Geldes aber, weil der im Neubau der BergischMärkischen Bank beschäftigt gewesene Kläger durch grobe Fahr lässigkeit eine Fensterscheibe im Werte von 27 Mark zerbrochen habe. Der Kläger habe gar nicht nötig gehabt, die Fenster zu öffnen. Der Kläger behauptete, nicht grob fahrlässig gehandelt zu haben, er habe an den Fensterbrettern zu arbeiten gehabt und habe deshalb ohne Oeffnung der Fenster nicht richtig arbeiten können. Nach längerer Beratung verurteilte das Gericht die Firma zur Zahlung eines Betrages von 7 Mark. Den größten Teil des einbehaltenen Lohnes büßt der Kläger auf diese Weise ein. Auch muß er drei Viertel der Kosten tragen. Die Herren Unternehmer verstehen es wirklich gut, ihre Interessen zu ver treten. Kunst, Wissenschaft und Leben. *165 Kilometer in einer Stunde! Die größte Geschwindigkeit, mit der jemals ein menschliches Wesen befördert worden ist, hat, nach der Kölnischen Volkszeitung, am Samstag, 19. September, die Studiengesellschaft für elektrische Schnellbahnen auf der Versuchsstrecke zwischen Marienfelde und Zossen erreicht. Der neuverlegte stärkere Oberbau war am Montag im Auftrage des Streckenkommissars abgenommen worden. Am Dienstag wurden die Versuchsfahrten aufgenommen. Hierbei beschränkte man sich auf Geschwindigkeiten bis zu 140 Kilometer in der Stunde. Am Mittwoch wurden die Versuchsfahrten bis zu 163 Kilometer gesteigert. Damit war bereits die höchste Leistung der Studiengesellschaft übertroffen. Am Samstag wurde eine Geschwindigkeit von 165 bis 167 Kilometer erreicht. Wenn dieser Tage schon von 172 Kilometer gefabelt wurde, so trifft dies nicht zu. Eine Geschwindigkeit von 167 Kilometer bedeutet die Zurüeklegung eines Weges von 2790 Meter in einer Minute oder 46½2 Meter in einer Sekunde. Der stärkste bis jetzt beobachtete Sturm an der See hatte eine Geschwindigkeit von ungefähr 44 Meter in der Sekunde. Industrie, Handel und Verkehr. *Die Syndikatsbestrebungen der Kalkindustrie. Nachdem am 15. d. Mts. in Hamm in W. eine Besprechung der westfälischen Kalkwerksbesitzer zur Gründung einer neuen Verkaufsvereinigung der westfälischen Werke stattgefunden hat, sollte die Erklärung der einzelnen Firmen über ihre Beteiligungsziffern an den Liquidator der früheren Vereinigung abgegeben werden. Nach einem von diesem versandten Rundschreiben steht die Mehrzahl der Kalkwerksbesitzer dem Projelt wohlwollend gegenüber, dagegen haben einige Werke For derungen bezüglich ihrer Beteiligungsziffer aufgestellt, die wenn sie aufrecht erhalten werden, das Zustandekommen der neuen Vereinigung sollen vereiteln müssen. Von neuen Firmen haben ihren Beitritt zu dem Verbande zugesagt: die Kalkwerke Lehmkuhl und Vorcherd in Wattenscheid w 1600, Norddeutsche Kalkwerke in Roterfelde mit 100, Metesin Geseke mit 3000, F. Gröne in Geseke mit 1000 und die Westdeutschen Kalkwerke in Geseke bei einer Forderung vo800 Waggonladungen Beteiligung. Offizierserziehung in Rußland. Man schreibt der Wiener„Arbeiterzeitung" aus Rußland: Im Laufe der letzten Jahre hat die revolutionäPropaganda in der Armee immer größeren Umfang angenommen. Je häufiger die Regierung das Militär gegen streikende Arbeiter und hungernde Bauern ausrücken läßt, u so stärker erwacht in den Soldaten und selbst schon in der Offizieren das Bewußtsein der Unmenschlichkeit und Schlechtigkeit, die sie dadurch begehen, und in der letzten Zeit höft man immer häufiger von in die Luft abgegebenen Salve von Weigerungen einzelner Offiziere, ihren Kompanien der Befehl zum Angriff auf die wehrlose Menge zu erteilen. Ei Erlaß nach dem anderen zeigt die Ratlosigkeit der hohen militärischen Behörden. Visher hat man hauptsächlich der Propaganda zu steuern gesucht, jetzt scheinen die Spitzen der Armee entschlossen zu sein, mit kräftigeren Mittelnz operieren, und haben den Militärinstituten, aus denen die Offiziere hervorgehen, die Weisung zugehen lassen, ein ganz besonderes Augenmerk auf die politische Schulung der Offlzierszöglinge zu richten, um sie für die wichtigste und verantwortlichste Seite ihres künftigen Berufes vorzubereiten. Wie diese politische Schulung aussieht, kann man aus folgender wörtlich angeführter Probeprüfung ersehen, die der Generalmajor Mawrin im Beisein des berüchtigten Generalgouverneurs Dragomirow am 14. Juni in der Kiewer Militärschule vorgenommen hat. Der Examinator wendet sich an einen der Offizierszöglinge: Angenommen, Sie sind Offizier und führen eine Abteilung. Auf der Alexanderstraße begegnet Ihnen eine unruhige Volksmenge. Was tun Sie mit ihr? Der Z*na: Ich fordere sie auf, auseinanderzugehen. Der General: Sie leistet nicht Folge... Zögling: Wenn sie bei dreimaligem Signal nicht Folge geleistet hat, kommandiere ich Gewehr zur Hand. General: Nun, die Menge weicht zurück. Zögling: Ich gehe weiter. General: Nun, und? Der Zögling weiß nichts zu antworten. General: Sie wissen gar nichts. Also der Nächste. Was würden Sie tun? Zögling: Ich würde sagen: Wenn ihr bis zum dritten Signal nicht auseinandergeht, gebe ich Feuer. General: Weiter? Zögling: Ich kommandiere das Hornsignal: Eins! General: Weiter? Zögling: Zweites Signal! Auseinandergehen! Zweil General: Weiter? Zögling: Drittes Signal! Auseinandergehen! Dreil General: Weiter? Zögling: Gewehr in Anschlag!— Tief zielen!— Achtung!— Feuer! General: Gut so. Würden Sie nicht einmal in die Luft feuern lassen? Zögling: Nein, das ist jetzt nicht angebracht. General: Und würden Sie wohl mitten durch die Menge gehen? Zögling: Nein. General: Warum nicht? Zögling: Weil ich dann in den Bewegungen gehindert wäre. General: Sehr richtig. Die Menge würde Sie überwältigen und Ihnen die Gewehre wegnehmen. Sehr gut! Ich bin zufrieden. Man sieht, wie einfach und klar diese Methode ist. Auch auf andere Weise sucht man die Offiziere vor dem schleichenden Gift der revolutionären Propaganda zu bewahren. Ein Stück ist ganz besonders originell: Die Gendarmerie schick den Offizieren Aufrufe revolutionären Inhalts, um zu beobachten, wie sie sich dazu verhalten. Man kann begierig sein, zu sehen, was für Mittel die aus Angst sinnlos gewordenen leitenden Kreise noch erfinden werden, um— der revolutionären Bewegung neue Streitkräfte zuzuführen! Vermischtes. — Ein Offizierkorps gegen einen Kellner. Der„Tag“ bringt folgende Nachricht:„Die jähe Unterbrechung eines Militärkonzerts wird in Brandenburg a. H. viel besprochen In einem dortigen Restaurant spielte die Kapelle des Infanterie=Regiments(Prinz Heinrich von Preußen) und war gerade im besten Zuge, als ein Leutnant des Regiments erschien und dem Kapellmeister befahl, sofort aufzuhören un mit den Musikern das Lokal zu verlassen. Das erstaune Publikum erfuhr hierauf den Grund dieser Maßnahme. Ver dem Manöver hatte ein Offizier des Regiments mit eine Kellner des Lokals einen Streit gehabt, worauf der Wirt dem Offizierkorps veranlaßt wurde, den Angestellten zu ent lassen. Als nun die Fünfunddreißiger aus dem Manöve zurückkehrten, sahen einige Offiziere den Kellner wiederumi dem Restaurant und stellten den Wirt deswegen zur RedEr entschuldigte sich damit, daß er keine andere Ausbilfhabe finden können; doch ließen dies die Offiziere nich gelten, sondern veranlaßten nun die schleunige Abberufung der Regimentskapelle." Tages-Chronik. * Nizza, 27. September. Anläßlich des Ausstandes de Straßenfeger veranstalteten sämtliche Arbeiterverbände ein Kundgebung zu deren Gunsten. Hierbei kam es zu einen Handgemenge zwischen Ausständischen und der Polizei, welch 8 Personen verhaftete. * Sosia, 27. Sept. Es verlautet, daß in der vergangene Nacht von einer größeren Räuberbande bei Hauzeral Ugul eine Hammelheerde geraubt wurde und die Räuber gegen marokkanische Grenze entflohen sind. Sie konnten von den Safara=Spahis nicht verfolgt werden. Washington, 27. Sept. Es ist unwahrscheinlich, da, die amerikanischen Kriegsschiffe vor Beirut gegenwartig z rückgezogen werden. Nachrichten, welche der amerikanisch Gesandte in Konstantinopel aus Beirut erhielt, besagen, das dort zur Zeit Ruhe herrsche; keineswegs sei aber auf de Dauer die Ordnung wieder hergestellt. Man müsse vielmer die Lage als unsicher ansehen. Die Zurückziehung der Kriegschiffe würde vielleicht den Anlaß zur Wiederkehr der Un ruhen abgeben. Verantwortlicher Rodakteur: Karl Eberle, Barmen.— Verlag: Verlagsanstalt Molkenbuhr& Co., Elberseld.— Rotationsdruck: Buchdruckerei Grimpe, Elberfeld.