Wochenschrift für die schaffenden Stände in Stadt und Land. „Die Arbeit“ erscheint am Sonnabend jeder Woche.— Bezugspreis für das Vierteljahr durch die Post ohne Bestellgeld 60 Pfg.; bei Zusendung unter Streifband 85 Pfg.; bei Bezug von mehr als 20 Exemplaren Preisermäßigung. Probenummern umsonst. Anzeigenpreis für die sechsspaltige Petitzeile 25 Pfg., im Reklameteil die zweispaltige Petitzeile 60 Pfg., bei Wiederholungen entsprechender Rabatt. Beilagegebühren pro Tausend von 5 Mark an je nach Gewicht. Nummer 31. Barmen, den 31. Juli 1915. 14. Jahrgang. Der Herr, unser. Gott, sei mit uns, wie er gewesen ist mit unsern Dätern. Er verlasse uns nicht und greife die Hand nicht ab von uns, zu neigen unser Herz zu ihm, daß wir wandeln in allen seinen Wegen und halten seine Gebote, Sitten und Rechte, die er unsern Dätern geboten hat. 1. Kön. 8, 57 u. 58. Ein Jahr Welttrieg! Morgen, am 1. August, haben wir ein Jahr Krieg. Eine lange Zeit schwerer Arbeit, ernster Sorgen, tiefen Wehs liegt hinter uns, aber auch eine Zeit gewaltiger Kraft, herrlicher Erfolge, großer Freude. Unser Blick geht rückwärts. Wir denken zurück an die Tage der Mobilmachung, wo der Begeisterungssturm durch die deutschen Lande ging, wo alles einmütig und kraftvoll sich erhob, um den schmachvollen und schamlosen Ueberfall der Feinde abzuwehren. Wir erinnern uns jener herrlichen Stunden und Tage, wo die ersten Siegesnachrichten uns erreichten, wo die ersten Festungen auf feindlichem Gebiet zusammenstürzten unter der Wucht deutscher Geschütze, wo die feindlichen Heere abgetrieben wurden von den deutschen Grenzen, wo deutsche Fahnen wehten in Feindesland. Wir denken noch einmal wieder an die geniale Feldherrnkunst eines Hindenburg und der anderen Heerführer, an die beispiellose Tapferkeit unserer Soldaten, unserer Marine, unserer Luftflotte. Wir lassen noch einmal wie der vor unserem Geist aufsteigen alle die Opferfreudigkeit, alle die Arbeitswilligkeit, alle die Beweise des Mutes und der Ausdauer und des Siegeswillens. Un sere Herzen schlagen noch einmal wieder höher beim Gedenken dieser einzig großen Zeit in deutschen Landen. Wir preisen uns glücklich, eine solche Zeit mit erlebt zu haben. Und über all diesem frohen und bewegten Gedenken gehen unsere Blicke höher hinauf bis in die Unendlichkeiten des Himmels und wir le gen noch einmal dem allmächtigen Herrn der Heerscharen unseren tiefsten Dank aus Herzensgrund zu Füßen und setzen über alles Erleben und Durchleben, über alles Fühlen und Denken den großen Lobgesang eines Emmanuel Geibel: Der Herr hat Großes an uns getan! Dem Herrn allein die Ehre! Unser Blick rückwärts sagt uns aber auch noch etwas anderes. Wir gedenken nicht nur des Herrli chen und Großen, sondern auch des Schmerzlichen und Traurigen. Wieviel Tausende deutscher Volksgenossen gehen mit leidgeprüftem Herzen daher! Wieviel Gräber mußten geschaufelt werden in Feindesland. Väter, Söhne und Brüder sanken dahin, von feindlicher Kugel oder Granate getroffen. Sie haben ihr Herzblut hingegeben für des Vaterlandes Freiheitskampf. Eine Tränen= und Blutsaat ohnegleichen steigt vor uns auf, wenn wir beim Rückblick noch einmal wieder an alle die Opfer denken, die dieser uns so frevelhaft aufgezwungene Kampf gekostet hat. Ja, es war ein ge waltig großes, herrliches Jahr, aber es war auch eine furchtbar ernste, düstere Zeit. Freude und Trauer, Jubel und Leid standen so dicht beieinander. Und nun geht es ganu so weiter. Noch immer ist kein Ende da. Es werden der Opfer noch mehr werden. Es werden der Tränen noch mehr fließen. Des Schicksals ganze Härte lastet noch immer auf uns. Aber dennoch! Auch die Größe der Zeit, auch das Herrliche ist noch da. Gerade jetzt, wo das Toben des Weltkrieges sich jährt, da redet der Herr der Heerscharen wieder so deutlich zu uns in seiner Sprache des Trostes, der Aufmunterung und der Hoffnung. Taten des richtenden Gottes reden zu uns. Große Ereignisse gehen im Östen vor sich. Der an Zahl übermächtige Feind weicht auf der ganzen Front den an Kraft übermächtigen deutsch=österreichischen Heeren. Die Verzweifelungsrufe und Verzweifelungstaten der Feinde sagen uns, daß man die Aussichtslosigkeit des teuflischen Beginnens einsieht. Die neutralen Staaten besinnen sich, sie hören auf die deutsche Wahrheit und mißtrauen der welschen, englischen und russischen Unwahrheit. Italiens, des Treulosesten von allen, Zwanglage steigert sich. Und bei uns zeigt sich nach wie vor der einmütige Wille zum Durchhalten und Aushalten, zum Sieg, zum ehrenvollen Frieden. Des Völkerlenkers starker Arm trifft die Feinde und zerschmettert sie. Und uns gibt er täglich immer wieder neue ungeahnte Kraft, draußen und hier. Und so ist es uns, als ob der Völkerlenker uns gerade durch diese Kriegslage am Anfang des neuen Kriegsjahres zuriefe: Halte aus im Sturmgebraus! Es muß doch gelingen! Das hinter uns liegende Jahr dient als Beweis. So wie in ihm uns die Feinde in ihrer geschlossenen Kraft nichts anhaben konnten, so werden sie uns auch nunmehr in ihrer gebrochenen Kraft nichts mehr antun können. Mag der Sturmwind über Europas Erde noch weiter toben, mag es in den Aesten der deutschen Eiche krachen, die deutsche Eiche selbst steht fest! Sie steht fest, weil sie auf einem fruchtbaren Boden steht, auf dem Boden der Gottesfurcht, der Treue, der Wahrheit, der Kraft. Und auf diesem fruchtbaren Boden bleiben wir! Wir bleiben darauf in der Gewißheit, daß die Frucht selbst heranreift. Die Ernte kommt, der Tag, wo die letzte Schlacht geschlagen, der letzte Sieg errungen wird. Und dann wird auch die Stunde kommen, wo von allen Türmen durch alle Gassen, durch alle Straßen, weit übers deutsche Land hinein in die Häuser und die Menschenherzen die Friedensglocken klingen. Daß es dahin kommt, sagt uns der Rückblick aufs erste Kriegsjahr, wo wir trotz aller Schwere der Zeit, trotz aller Opfer, trotz aller Not und Sorge doch triumphieren konnten. Daß dieser Triumph über die Feinde uns bleibt, dafür bürgt uns die Hilfe Gottes und die unerschütterliche deutsche Kraft. Mit dankbarem, tiefbewegten Herzen blicken wir rückwärts. Mit frohem, bittenden Herzen sehen wir der Zukunft entgegen. Wir warten aushaltend und ausharrend des Tages, wo nach langer Trennung, nach schwerer Kriegsarbeit es wiederum durch die deutschen Gaue froh erklingt: In der Heimat, in der Heimat, Da gibts ein Wiedersehn! 393 Durchgreifen! Die breite Masse unserer Bevölkerung nahm mit großer Genugtuung aus der Presse die Mitteilung entgegen, daß die bayrischen Generalkommandos mit durchgreifenden Maßregeln der unberechtigten Lebensmittelteuerung entgegengetreten sind. Dann lasen wir auch eine dieselbe Sache betreffende Bekanntmachung anderer Generalkommandos. Die Militärbehörden haben damit den Finger auf eine Wunde gelegt, die in der Tat in den breiten Massen der Bevölkerung in letzter Zeit schmerzlich empfunden wurde. Während sich ganz Deutschland freut, daß durch entsprechende wirtschaftspolitische Maßnahmen die Ernährung unseres Volkes für lange Zeit gesichert und dadurch der Aushungerungskrieg Englands und seiner Getreuen verloren ist, ist auf der anderen Seite die traurige Tatsache vorhanden, daß durch eine ganz ungewöhnlich hohe, auch der Kriegszeit keineswegs entsprechende Verteuerung der wichtigsten Lebensmittel ein Zustand auf dem Gebiet der Volksernährung geschaffen wurde, der auf die Dauer unerträglich wurde. Leider Gottes waren es oft genug so manche unglückselige Maßnahmen der Behörden selber, die— natürlich ohne es zu wollen— diesem Wucher die Wege ebneten. Wir erinnern nur an die Preistreibereien im Kartoffel= und Schweinefleisch=, im Mehl= und im Zuckerhandel; neuerdings wurden auch die See fische zum beliebten Wucherobjekt, ganz zu schweigen von den ungeheuren Preissteigerungen bei Obst, Ge müse, Schuhleder, Petroleum und so vielen anderen Dingen mehr. Man kann den schmerzlichen Vorwurf nicht zurückbehalten, daß von seiten der Behörden auf diesem Gebiete teils viel zu spät, teils mit mehr oder weniger wirkungslosen Mitteln einge griffen wurde. Seit Wochen hallen die Zeitungen wieder von Klagen beispielsweise über die hohen, sachlich ungerechtfertigten Obstpreise, die auf den Obstmärkten den Käufern gegenüber oft mit den unglaublichsten Ausreden begründet werden. Aehnlich geht es mit den Gemüsen! Bis man aber endlich einmal etwas vom Eingreifen der Behörden gewahr wird bis jetzt hat man überhaupt nichts davon gemerkt ist die Kirschen=, Pflaumen=, Beeren= und Bohnenzeit vorbei— die Herren Spekulanten haben ihren Wuchergewinn in der Tasche,— aber oben ist man vor lauter„Erwägungen“ nicht zum Handeln gekommen. Es ist überaus bedauerlich, daß Kreise vorhanden sind, die die gegenwärtige Lage ausnutzen, um Geld zu verdienen, um reich zu werden. Die minderbemittelte Bevölkerung vor allem, die verbrauchende Be völkerung überhaupt hat darunter in letzter Zeit schwer leiden müssen. Allerdings konnte man bei Erörterung der Teuerungsfrage die Beobachtung machen, daß man über diejenigen, welche die Hauptschuld an der Teue rung tragen, verschiedener Auffassung ist. Es besteht immer noch die Neigung, die ganze Verteuerung und was damit zusammenhängt unserer Landwirtschaft in die Schuhe zu schieben. Ein derartiges Verfahren ist ungerecht. Wir wollen hier nicht genauer Untersu chungen über die Hauptschuldigen anstellen. Aber das eine dürfen wir doch wohl aussprechen: Wer in dieser Zeit sich mit den ganzen Wirtschaftsfragen ein wenig beschäftigt hat, auch einmal Vergleiche angestellt hat zwischen den Preisen, die der Erzeuger des Getreides, des Gemüses usw. bekommt und den Preisen, die man auf dem Markt oder im Laden bezahlen muß, der wird doch zu dem Ergebnis getommen sein, daß in der Tat„im Handel der Segen“ steckt. Wir haben wieder holt Beispiele davon gebracht, daß bei Großmühlen in dem letzt abgeschlossenen Geschäftsjahr, in dem also ein gut Teil der Kriegszeit einbegriffen ist, die Ver dienste doppelt so hoch und höher sind. Für solche Verdienste— in der Kriegszeit ungeheuerlich hoch— kann aber der Landwirt nichts. Wic haben weiter wiederholt darauf hingewiesen, wie gerade der Landmann für die Futtermittel Preise zahlen muß, die teilweise dreimal so hoch sind wie früher. Ferner haben wir Beispiele gebracht dafür, wie der Gemüseerzeuger öfters nur ein paar Pfennige für seine Ware bekommt, dieselbe Ware aber auf dem Markt unerhört „Die Arbeit“. 31 hohe Preise hat. Wer diese Tatsachen, die tagtäglich belegt werden können, auf sich wirken läßt und in aller Ruhe einmal studiert, der wird freilich doch zu der Auffassung kommen, daß die Verteurer in der Hauptsache doch wo anders zu suchen sind, wie in den Kreisen der Landwirtschaft. Wir wollen hier nicht näher auf die Sache eingehen, nur unserer lebhaften Freude Ausdruck geben, daß hier wieder einmal Militärbehörden durchgreifend gewesen sind und nun Wandel in der Angelegenheit schaffen werden und wollen. So konnte und kann es nicht weitergehen. Es sind festgestelltermaßen genügend Lebensmittel im Lande. Friedenspreise ver langt keiner. Dazu leben wir in anderen Verhältnissen augenblicklich. Aber es muß vermieden werden, daß solche, die bisher nach Willkür verfahren konnten, sich auf Kosten der verbrauchenden Bevölkerung in dieser ernsten Zeit bereichern. Der Geist der Gemeinsamkeit, des entschlossenen Siegeswillens kann auch hier ausgleichend wirken. Und wenn dieser Geist bisher nicht vollauf auf dem angezogenen Gebiete vorhanden war, dann hoffen wir, daß die Militärbehörden durch ihr Durchgreifen diesem Geist Raum verschaffen. Wir hoffen, daß die Maßnahmen nicht nur auf den Bereich einiger Generalkommandos beschränkt bleiben, sondern auch bei allen übrigen bald Nachahmung finden werden. Des Dankes aller kaufenden und verbrauchenden Volksgenossen können die Militärbehör den gewiß sein. Rundschau. In wuchtigen Akkorden klang der Tonsatz des ersten Weltkriegsjahres aus. Vom Osten her schmetterten die Fanfaren der 1200 Kilometer langen deutsch=österreichischen Angriffsfront, die— von einem einzigen gewaltigen Siegeswillen geführt wird— mit unwiderstehlicher Kraft auf den mit verzweifelter Sähigkeit sich wehrenden Feind drückte. Noch können wir kein abschließendes Bild dieser ungeheuren Kämpfe von Kurland bis Bessarabien geben, und während wir dies schreiben, wogt das Ringen noch am Narew, Bug und Weichsel, und wir dürfen hoffen, daß inzwischen neue Fortschritte unserer Truppen gemeldet sind. War doch schon das Ergebnis der verflossenen Woche, auf die wir zurückblicken, von mächtiger Bedeutung, die selbst englischen Beurteilern das trübe Eingeständnis abnötigte, daß die Lage Warschau's so gut wie hoffnungslos sei. Das Siegeskonto der verbündeten Armee schloß für die Zeit vom 14. bis 25. Juli ao mit der Zahl von 120 000 gefangenen Russen nebst bedeutenden Mengen von Geschützen, Maschinengewehren und Kriegsmaterial. Die Eroberung der zwei Narew=Festungen Pultusk und Rozan führten den vollständigen Durchbruch unserer Truppen am Narew herbei. Wichtige Bahnlinien— für die russischen Heeresmassen unentbehrlich— sind gleichzeitig von Norden wie von Süden her bedroht. Eisern schließt sich der Griff der HindenburgMackensen'schen„Sange“, wie unsre Gegner sich selbst auszudrücken belieben, und auch sie stehn staunend still vor der unerhörten Riesengröße und geistigen Höhenlage dieser Art von Kriegführung. Es ist, als ob selbst den Engländern die Erkenntnis käme, daß gegen solche Heerführer und solche Truppen das Aufbringen auch der massenhaftesten Munitionsmengen nicht ausreicht. So donnern vom Osten her die mächtigen Schlachtenklänge dem Abschluß des ersten Kriegsjahres entgegen, und ihr weithin hallender Ton findet im Westen wie an den Dardanellen und auf den Kampfesfeldern der italienischen Front kraftvolle Ergänzung. In Frankreich schien bislang die letzten Tage über selbst die Bedrängnis des russischen Verbündeten nicht den Willen zu einer neuen entschlossenen Angriffsbewegung auszulösen— es müßte denn inzwischen dazu gekommen sein. Nach wie vor steht unsre lebendige Mauer vom Kanal bis zur Schweizer Grenze eisenfest, und ob in den hundertfachen Einzelkämpfen der Riesenfront mit wechseldem Erfolge bald hier bald da einmal ein par Schützengräben gewonnen oder verloren werden— im großen und ganzen hält unsre herrliche Streitmacht im Westen fest an der alten, guten Werder'schen Ueberlieferung von 1870 71: Hier kommt keiner durch! Macht ihr Brüder im Osten nur kräftig voran, daß es dort drüben vielleicht bald tüchtig Luft gibt— wir hier im Westen stehn feste und halten auch die Front, bis wir gemeinsam— will's Gott— über kurz oder lang ein ander Wörtlein mit dem Britten und dem Franzmann reden können! Nicht minder fest und treu steht die Wacht unsrer österreichischen Verbündeten am Isonzo wie an den Grenzen von Tyrol. Die letzten Tage brachten eine schwere, ungemein blutige Schlacht, in der die italienischen Angriffe mit allen verfügbaren Kräften und darum mit ungeheurer Uebermacht sehr entschlossen einsetzten, aber schließlich unter den allerschwersten Verlusten zusammenbrachen. Damit sinken die Hoffnungen der Italiener auf siegreichen Durchbruch an der Isonzofront tief hinab. Wenn aber der Russenfeldzug in der seitherigen Weise weitergeht, werden sie bald noch ganz andre Dinge erleben. Einstweilen har— unbekümmert um die italienische Seemacht—i die österreichische Flotte an verschiedenen Stellen die italienische Ostküste beschossen. In Paris und London scheint man im übrigen ungeduldig darauf zu drängen, daß Italien endlich auch an die Türkei und Deutschland den Krieg erklärt, und so werden die Italiener bereits nach den Dardanellen und den Dogesen unterwegs sein, um dort für ihre Verbündeten zu bluten. England verlangt auch etwas für sein gutes Geld, das hätte Italien von vorneherein wissen sollen. Aber was wollen sie nun machen? Sie haben das englische Gold dringend nötig, denn die„innere“ Anleihe in Italien hatte ein gar zu bescheidenes Ergebnis. Auch in Italien hat man sich die Sache ganz anders gedacht. Die Türken, die inzwischen vielleicht schon den Verständigungsvertrag mit Bulgarien endgiltig abgeschlossen und damit die Gefahr eines bulgarischen Angriffs beseitigt haben dürften, wehren sich an den Dardanellen, wie auch am Kaukasus, am Euphrat und in Arabien tatkräftig und erfolgreich weiter. Alle Angriffe der Britten und Franzosen auf der Halbinsel Gallipoli zerschellten bislang an der türkischen Tapferkeit. Im Mittelmeer soll ein englischer Truppentransportdampfer durch ein U=Boot torpediert und versenkt worden sein. Auf der Balkanhalbinsel scheinen sich im übrigen die Verhältnisse zuzuspitzen, sonderlich der serbisch=bulgarische Gegensatz in der mazedonischen Frage; auch Griechenland regt sich. Man soll in Paris über die Gestaltung der Tage auf dem Balkan erheblich besorgt sein. Wie sich indessen Rumänien stellen wird, ist nach wie vor noch unklar. Die inneren Verhältnisse in Rußland sind es nicht minder. Fast scheint es so, als suche auch die russische Regierung allmählich krampfhaft nach einem Ausweg, um die Schuld an dem furchtbaren Krieg von sich abzuwälzen, vielleicht der Reichsduma aufzubürden, in der sich— wie es scheint— starke Selbständigkeitsbewegungen regen. Rußland steht vielleicht wieder, wie 1905, vor schweren inneren Erschütterungen, doch hüten wir uns, hierauf etwaige verfrühte Friedenshoffnungen gründen— die wollen wir viel lieber dem guten deutschen Schwerte anheimgeben. Den unablässigen Bemühungen des Granatenministers Cloyd George gelang es, den gefährlichen Ausstand der Bergarbeiter in Wales durch bedeutende Zugeständnisse an die Arbeiter zu beenden. Ob nun bald auch der Vorstoß der allgemeinen Wehrpflicht unternommen wird, können wir in Ruhe abwarten. Die der Form nach höfliche, inhaltlich über alle Maßen ablehnende, geradezu verletzende Rückantwortnote der amerikanischen Regierung auf die jüngst gemachten deutschen Vorschläge bestätigt nur zu deutlich, was wir immer vermuteten und kürzlich auch andeuteten: daß die Unionsregierung in Wahrheit darauf hinaus will, uns die Waffe des U=Bootkrieges aus der Hand zu schlagen. Damit beweist sie, was für uns freilich längst keines Beweises mehr bedurfte, daß sie in Wirklichkeit nicht neutral ist, sondern mit stärkster Absicht auf englischer Seite steht. In England zeigt man denn sich auch durch die mehr als anmaßende Haltung des Präsidenten Wilson äußerst befriedigt. Wir aber— das ist unsre gewisse Ueberzeugung— dürfen vor der ebenso unverblümten wie unverschämten amerikanischen Drohung um keines haares Breite zurückweichen. Lassen wir allen weiteren unfruchtbaren Notenaustausch beiseite und handeln wir! Wir sollten uns auf's äußerste anstrengen, um immer mehr den amerikanischen Waffenhandel nach England und Frankreich zu verhindern. Zur Abwehr der wahrscheinlich fast sämtlich bewaffneten„Handelsschiffe" sollten unsre U=Boote möglichst zu zweien arbeiten, dann könnte man sogar den amerikanischen Wünschen nach vorheriger Durchsuchung der Schiffe bis zu einem gewissen Grade entgegenkommen, indem das eine unsrer U=Boote gewissermaßen die Schutzwache für das andre bildete. Doch unsre tapferen Seeleute werden schon allein wissen, was hier zu tun ist. Wir meinen: so gerne wir wünschen möchten, daß es zu keinem Bruch mit Amerika kommt, so völlig ausgeschlossen muß eine Abschwächung, Abflauen der Schärfe unsrer U=Bootkriegführung sein. Das ist, so weit wir sehen, auch die einmütige Ueberzeugung der gesamten deutschen und österreichischen Presse, soweit sie maßgebend ist und zu der Angelegenheit sich geäußert hat. Milchteuerung. Einer unser Mitarbeiter sendet uns folgende Zuschrift: Es wird jetzt vielfach über Milchteuerung geklagt, man kann nach dieser Seite hin die verschiedensten Beobachtungen machen. So lasen wir vor einiger Zeit, als wir noch mitten in der Dürre waren und alles auf dem Lande nach Regen lechzte, in einem Bericht über eine Versammlung eines Konsumentenausschusses in einer rheinischen Großstadt von einem Redner, der eine Ermäßigung des Milchpreises forderte mit der Begründung, daß jetzt reichlich Grünfutter(!) vorhanden sei; dabei waren gerade in der Umgebung dieser Stadt Wiesen und Felder rot von der Sonne verbrannt und das Vieh mußte schon teilweise mit Heu diesjähriger Ernte gefüttert werden. Kann man nun wirklich von einer allgemeinen Milchteuerung reden? Nach unserer Kenntnis wird in den meisten Städten Westdeutschlands 25—26 Pfg. für das Liter Milch frei Haus bezahlt, vielfach ist der Preis noch etwas niedriger, in einigen ganz teuren Großstädten mag der Preis noch etwas höher sein. Bei der Fassung des Begriffs„teuer“ muß man den Nährwert des betreffenden Nahrungsmittels im Vergleich zu dem anderer Nahrungsmittel in Betracht ziehen. Die„Arbeit“ hat schon früher darauf hingewiesen, zuletzt in Nr. 5 vom 30. Januar d. I., wo nach Professor Dr. König festgestellt wird, daß Milch etwa das 2½fache an Nährwerteinheiten enthält, gegenüber gutem Rindfleisch, wenn man als Unterlage der Berechnung für Milch einen Literpreis von 20 Pfg. und für Rindfleisch 80 Pfg. für das Pfund annimmt. Hiernach kann mit Recht gesagt werden, daß heute im Kriege, bei einem Preise von 25 Pfg. für das Liter, Milch immer noch das billigste und wohlfeilste Nahrungsmittel ist. Wenn man ferner bedenkt, daß jetzt immer noch trotz Erzeugungseinschränkung etwa 3000 Millionen Mark(in Friedenszeiten waren es mehr als 4000 Millionen Mark) für alkoholische Getränke wie Bier, Branntwein usw., deren Nährwert im Vergleich zur Milch gleich Null ist, ausgegeben werden; daß man anstandslos im Kleinverkehr in den Wirtschaften 60 Pfg. und mehr für das Liter Bier zahlt; wenn man weiter bedenkt, daß die KriegsverLebensmittelwucher. Von Richard Calwer Ueber Lebensmittelwucher und Lebensmittelteuerung wird seit Monaten mit Recht geklagt und geschrieben, man ist aber bei dem größten Teil der Bevölkerung— besonders in den Städten— sehr leicht geneigt, die Schuld nur bei dem Erzeuger zu suchen. Daß dieses nicht berechtigt ist, daß dafür die verschiedensten Gründe, auch sachliche, vorliegen, wird in dem nachstehenden Aufsatz, den wir der„Kölnischen Zeitung“ entnehmen, ausgeführt. Ohne uns mit den Einzelheiten einverstanden zu erklären, halten wir die Ausführungen des bekannten sozialdemokratischen Wirtschaftspolitikers und ehemaligen Reichstagsabgeordneten, der nicht in den Verdacht etwaiger„begehrlicher agrarischer“ Gesinnung kommen kann, für beachtenswert, und bringen wir sie hier unseren Lesern zur Kenntnis. In Buxtehude fand kürzlich eine stark besuchte Versammlung statt, in der gegen das Zunehmen des Mondes lebhaft protestiert wurde. Es wurde eine Resolution angenommen, in der die Behörden aufgefordert wurden, dafür Sorge zu tragen, daß der Mond am Zunehmen gehindert werde. Nach Annahme dieser Resolution löste sich die Versammlung auf, und die Besucher gingen befriedigt nach Hause, sicherlich in dem angenehmen Gefühl, ihre Pflicht als Staatsbürger getan zu haben. Wenn wir eine solche Notiz in der Zeitung lesen würden, so würden wir uns alle über die Buxtehuder gar sehr erhaben fühlen. Aber nur gemach! Wir haben auch unsre wissensschwachen Seiten. Alle Augenblicke finden Versammkungen gegen den Lebensmittelwucher statt, Anklagen und Entrüstung über ihn füllen die Spalten der Zeitungen, die Behörden und der Staat werden bestürmt, durch Eingriffe in das Wirtschaftsleben diesen Wucher zu verhindern und unmöglich zu machen. Daß von dem Staate und den Behörden in der Hauptsache etwas Unmögliches verlangt wird, daß sein Eingreifen sehr häufig das Uebel ärger macht, das will die Masse der Konsumenten nicht einsehen, sehen aber auch leider Leute nicht ein, die von Menschen und Wirtschaft etwas zu verstehen glauben. Wenn man die öffentlichen Erörterungen über den Lebensmittelwucher während der Kriegszeit verfolgt, so fallen zwei Umstände auf: auf der einen Seite sucht man für die Tatsache überhoher Preise einen Schuldigen zu finden und zwar möglichst eine ganze Schicht von Erwerbstätigen, also etwa die Landwirte, die Händler, die Detaillisten, die Banken, die Industriellen, auch mal Teile der Konsumenten selbst. Man sieht das Bestreben, eine persönliche Schuld zu konstruieren. Daß auch rein sachliche Gründe eine starke Verteuerung herbeiführen könnten, das will man in seinem Aerger über die Verteuerung nicht zugeben. Auf der andern Seite ruft man in der Erkenntnis, daß man selbst ohnmächtig ist, nach einer starken Hilfe, und das sind in solchen Fällen stets und ständig die Behörden und der Staat. Der muß eben helfen, wenn es sonst nicht anders geht. Wie das Kind, wenn es sich nicht zu helfen weiß, nach Vater oder Mutter ruft, so rufen die Konsumenten bei hohen Preisen nach dem Vater Staat. Nun, in Kriegszeiten greift Vater Staat in die wirtschaftlichen Verhältnisse ein, aber er mag angreifen, wie er will, seine Erfolge sind und bleiben eben problematischer Natur: die Warenhersteller sind mit ihnen nicht zufrieden und die Konsumenten unten erst recht nicht. Vor allem aber vermag er den sogenannten Lebensmittelwucher nicht zu bannen. Die zu behandelnde Masse ist wie Kautschuk. Drückt der Staat an einer Stelle stark hinein, so kommen an andern Stellen die Wirkungen dieser Eingriffe um so unangenehmer zum Ausdruck; es hat eine Verschiebung stattgefunden, aber im Effekt beileibe keine Verbilligung. Woher rührt es nun, daß der großen Masse der Konsumenten, aber auch vielen, von denen man wirklich Besseres erwarten sollte, jedes Verständnis dafür fehlt, daß gegenüber dem Lebensmittelwucher der heutige Staat nicht helfen kann, mag er Eingriffe vornehmen, welche er wolle? Kurz gesagt, weil die Einblicke in die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Kräfteverhältnisse fehlen, weil unsre wirtschaftskundliche Bildung noch äußerst tief steht, sie meist überhaupt nicht als erforderlich erachtet wird. Jedermann glaubt eben, in diesen Dingen sachverständig zu sein, und wäre bitter beleidigt, wenn man ihm sagen würde, daß er von diesen Dingen nichts verstände. Vor allem wären die beleidigt, die als sachverständig gehalten werden, und die an ihre Sachverständigkeit glauben und sich berufen fühlen, ihre Autorität auch in diesen Fragen zur Geltung zu bringen. Auf sie hören dann wieder die Behörden, lassen sich von ihnen informieren und treffen ihre Maßnahmen nach diesen Informationen. Was Wunder, daß dann der Lebensmittelwucher oft noch üppiger gedeiht, als es der Fall wäre, wenn man sich die Maßnahmen erst besser überlegt und vielleicht gar nicht getroffen hätte. Es soll damit nicht gesagt sein, daß unter gewissen Kautelen und in richtiger Begrenzung behördliche Maßnahmen nicht mancherlei verhindern könnten, was die menschliche Tauschwirtschaft an Mißständen während eines Krieges mit sich bringt, aber das wird bestritten, daß die Staatsmacht schon imstande ist, den Tauschverkehr in seiner heutigen Ausdehnung und Intensität auch nur vorübergehend beherrschen zu können. Man vergegenwärtige sich doch nur einmal den tauschwirtschaftlichen Verkehr bei uns in Deutschland. Wir haben an 15 Millionen Privatwirtschaften, Millionen landwirtschaftliche und Millionen gewerbliche Unternehmungen, daneben noch eine Masse Organisationen. Alle diese Wirtschaftssubjekte verkehren miteinander auf Grund des Tausches mittels Geld. Es bilden sich gewisse Formen für den Tauschverkehr aus, aus Gebräuchen werden Gewohnheiten oder die Formen werden durch Gesetze und Verordnungen festgelegt. Aber diese Formen ändern am Wesen und am Inhalt der Tauschakte nichts; jeder Tauschende wertet das, was er empfängt, auf Grund seiner subjektiven Autonomie, die nur durch den Zwang der Marktverhältnisse sich schwächen läßt, er ist und bleibt selbstherrlich und egoistisch, so viel man ihn auch zwingen und in bestimmte Schranken zurückweisen mag. Entweder er weiß trotz dieser Schranken das, was er will, zu erreichen und durchzusetzen, d. h. er umgeht sie, oder er wird erbittert über die Schranken und achtet in seinem Handeln nicht auf sie, läßt es darauf an31 hältnisse u bis Mitte die Erzeugi es nicht ge über Milch Einige kosten der tischen Verl dieses nähe besitz der S den Versuc ten an Ki Die Gutsv für das Li mit dann kein nenner Bericht der für das Re bei einer 2 von 1856 160 865 9 Ein u oberbayrisch Jahren die geführt, un kost zu sor erzeugungs stellt wurd Pfa. betri billiger ha Dieselb Milchverka meist den wollte den und glaub fahren. 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Es sind seitdem reichlich Feldprediger angestellt worden, aber trotzdem ist der Mangel an Soldatenfürsorge noch nicht überall beseitigt. Hiermit ist nicht in Einklang zu bringen, was wir kürzlich aus einem Synodalbericht ersahen, daß ein älterer Pfarrer einer Großstadtgemeinde an einem kleinen Ort am Niederrhein militärischen Dienst als Bahnhofskommandant leistet. Wir meinen, wenn ein Pfarrer im militärischen Dienst nicht als Seelsorger wirken kann, dann ist er in seiner Gemeinde notwendiger und leistet dort dem Vaterland großere Dienste; die Gemeinde, die ihre Zustimmung dazu gibt, daß einer ihrer Pfarrer Bahnhofskommandant wird, handelt gegenüber ihren Gemeindegliedern nicht ganz pflichtbewußt. An geeigneten Bahnhofskommandanten ist im deutschen Vaterlande nach jeder Seite hin kein Mangel, dagegen ist darüber noch nichts verlautbart, daß hier im Lande oder draußen bei den Kriegern Ueberfluß an Seelsorgern herrscht. Im Anschluß hieran ist eine andere Frage aufzuwerfen. Bekanntlich erhalten alle Beamte, die militärische Dienste leisten, nach wie vor ihr volles Gehalt ausgezahlt. Die Gemeinden haben aber das Recht, denjenigen, die Offiziere sind oder im Offizierrange stehen, wozu selbstverständlich Feldprediger gehören, 70 v. H. ihres Kriegsgehaltes vom Zivilgehalt abzuziehen. Jedes Recht schließt eine Pflicht in sich. Unseres Erachtens haben die Kirchenvertretungen bei den jetzigen Verhältnissen und gegenüber ihren Steuerzahlern die Pflicht, von diesem Recht Gebrauch zu machen. Ob das überall geschieht, oder ob man falsche Rücksichten walten läßt, wir wissen es nicht. Die politischen Gemeinden haben jedenfalls allenthalben von diesem Recht pflichtgemäß Gebrauch gemacht. *** Welsches aus dem Reichslande. In der „Süddeutschen Kons. Korr.“ finden wir hierüber:„In der„Straßburger Post“ waren in der letzten Zeit verschiedene Zuschriften von Alt=Elässern veröffentlicht worden, die ein entschiedenes Deutschtum und eine rücksichtslosere Bekämpfung des Franzosentums verlangen. Gerade die sogenannten Stillen im Lande müßten in Zukunft ihr Deutschtum offen und freudig bekennen .. Folgende„gebieterische Forderung“ erhebt einer dieser Alt=Elsässer:„Wir wollen hier Verhältnisse geschaffen haben, die uns gestatten, unser Deutschtum als etwas Selbstverständliches laut zu bekennen, ohne gesellschaftliche oder berufliche Rücksichten. Nichts wäre verkehrter als eine Wiederholung früherer Zustände, als eine Rückkehr zur alten Kompromiß=Politik, vor der wir uns heute noch nicht sicher fühlen. Sitzt doch jetzt mitten im Kriege noch mancher in bevorzugter Stellung, von dem wir wissen, daß seine Gesinnung nicht einwandfrei ist.“ Diese Ausführungen werden in ganz Deutschland ein freudiges Echo finden. Der Kaiserliche Stadthalter hat sich in seiner Rede vor dem versammelten Landtage ganz in diesem Sinne ausgesprochen, wenn er betonte, daß die vor dem Kriege vielfach beliebte Spielerei mit einer sogenannten Doppel=Kultur mit der Vermittlerrolle des Grenzlandes ein Ende haben müsse. Die so überaus zahlreichen Verurteilungen wegen deutschfeindlicher Gesinnung reden da doch eine zu deutliche Sprache.“ Inzwischen nimmt ein Alt=Lothringer in der„Straßburger Post“ die Klagen des Alt=Elsässers auf:„Den Französlingen und ihren Freunden war es stets leicht, das Heft in den Händen zu behalten, oder es Gleichgesinnten zuzuschieben, wobei der deutsch=gesinnte Mann als fünftes Rad am Wagen mitlaufen mußte... Wer sich, wie der Verfasser dieser Zeilen, des Krieges 1870=71 erinnert und festgestellt hat, wie die seit dieser Zeit zugezogenen deutschen Elemente allmählich von der französisch sprechenden Bevölkerung zum Teil aufgesogen und verwelscht wurden, sodaß schon bei ihren ersten Nachkommen ihre Abstammung verwischt war, muß dringend wünschen, daß es anders wird, soll nicht umsonst für das Deutschtum das rote Blut unserer Söhne, Brüder und Männer geflossen sein. Wir deutschen Lothringer müssen entschieden die Forderung stellen, daß nach dem großen siegreichen Kriege der eiserne Besen allen Unrat ausfegt, damit die deutsch gesinnten Elemente sich frei und ungehindert entwickeln können.“ Dem wird jeder deutsche Mann rückhaltlos zustimmen, aber wozu warten mit dem Gebrauch des eisernen Besens bis nach dem Kriege? Wir meinen, der eiserne Besen zum Ausfegen des französischen Unrats in Elsaß=Lothringen sollte schon jetzt rücksichtslos in Gebrauch genommen werden, unsere militärischen Behörden wissen denselben ja tadellos zu handhaben. 79. Unser künftiges Parteiwesen. Von Geheimrat Professor D. Dr. Seeberg. Man kann wohl die Frage aufwerfen, wie die großen Erlebnisse des Krieges auf unsere politischen Parteiverhältnisse einwirken werden. Von Wichtigkeit wird dabei natürlich der Friede sein, d. h. ob und wie er den Erwartungen und Hoffnungen in den verschiedenen Kreisen und Schichten des Volkes entspricht. Nur wenn das Volksbewußtsein den Eindruck gewinnt, daß den Opfern des Krieges seine Früchte entsprechen, wird die Regierung die Stärkung ihrer Autorität gewinnen, die für eine Neuorientierung der inneren Politik erforderlich wäre. Niemand aber vermag hier irgend etwas vorherzusagen. Aber auch sonst bleibt so gut wie alles im Dunkeln und Halbdunkeln. Wir werden vielleicht folgende Momente als bedeutsame Faktoren für die Parteiorientierung der Zukunft hervorheben dürfen. Zunächst erscheint es als unzweifelhaft, daß die nationale Idee ziemlich gleichmäßig in allen Schichten der Gesellschaft Steigerung finden und daher auch das Parteileben beeinflussen wird. Der internationale Gedanke wird partei31 Shältnisse und dann auch noch die von Mitte Mai bis Mitte Juli währende Dürre für den Landmann die Erzeugungskosten wesentlich erhöht haben, dann ist des nicht ganz unberechtigt, zu sagen, die Entrüstung über Milchteuerung ist nicht immer begründet. Einige Beispiele aus Friedenszeiten über Selbstkosten der Milch bei Versuchen von Städten und städtischen Verbrauchern billige Milch zu bekommen, mögen dieses näher veranschaulichen. Auf dem großen Grundbesitz der Stadt Berlin hat man vor einigen Jahren den Versuch gemacht, den Bedarf städtischer Anstalten an Kindermilch durch Eigenerzeugung zu decken. Die Gutsverwaltung mußte die Milch mit 30 Pfg. für das Liter frei Anstalt bewerten und rechnete damit dann den Stadtvätern vor, daß bei diesem Preise kein nennenswerter Reingewinn erzielt würde. In dem Bericht der städtischen Güterverwaltung von Berlin für das Rechnungsjahr 1913 erbrachte die Viehhaltung bei einer Ausgabe von 2017606 Mk. eine Einnahme von 1856 741 Mk., also eine Unterbilanz von 1160865 Mk. Ein unter sozialdemokratischer Leitung stehendes oberbayrisches Genesungsheim hatte auch vor etlichen Jahren die Kuhhaltung für eigene Milcherzeugung eingeführt, um für gute Verpflegung mit reichlicher Milchkost zu sorgen. Man stellte aber später den Milcherzeugungsbetrieb wieder ein, weil inzwischen festgestellt wurde, daß die Selbstkosten für das Liter 28 Pfg. betrugen, und man die Milch von den Bauern billiger haben konnte. Dieselbe Erfahrung machte vor Jahresfrist eine Milchverkaufsgesellschaft in Witten, deren Mitglieder meist den wohlhabendsten Kreisen angehörten. Man wollte den Bauern den geforderten Preis nicht zahlen und glaubte mit einer Verkaufsgesellschaft billiger zu fahren. Man kaufte allerdings von weither die Milch etwas billiger ein, bedachte aber nicht, daß der Vertrieb auch mancherlei Unkosten verursacht, die in Rechnung gestellt werden mußten. Das Ende vom Liede war, daß nach kurzer Zeit die Verkaufsgesellschaft mit 2550 Mark Schulden verkrachte. Wenn man diese Summe auf die in der Zeit gelieferte Milch verrechnet, kommt ein höherer Preis heraus als der von Milchbauern geforderte. Alle diese Beispiele zeigen, daß Theorie und Praxis manchmal zweierlei verschiedene Dinge sind. Im Anschluß hieran möchten wir nochmals die dringende Forderung an die Staatsregierung erheben, die schon oft von verschiedenen Seiten, auch von der„Arbeit“ ausgesprochen ist, für die Kriegszeit eine noch viel größere Einschränkung der Herellung von Bier und Branntwein zu verordnen.„Gelegenheit macht Diebe.“ Wenn Bier und Branntwein nicht mehr in dem Umfang zu haben sind, wie das heute leider noch der Fall ist, werden viele Hundert Millionen Mark frei zur Anschaffung von Milch und anderer guten Nahrungsmittel. 333 Randbemerkungen. Soldatenseelsorge. In den ersten Kriegsmonaten wurden viele Stimmen laut über mangelnde kommen, ob er ertappt wird, oder aber seine wirtschaftliche Energie läßt infolge der Schranken nach. Alle diese Möglichkeiten sind vorhanden, und es lassen sich noch andre ausdenken. Nun kommt der Staat und setzt z. B. für ein Erzeugnis höchstpreise fest. Er greift in das auf dem freien Tauschverkehr beruhende Wirtschaftsgetriebe mit rauher Hand an einem bestimmten Punkt ein. Was ist die Folge! Daß zunächst bei den Herstellern und Vertreibern der Ware eine Unterbrechung des freien Tauschverkehrs stattfindet, daß diese dann versuchen und versuchen müssen, ihren Verdienst bezw. Gewinn dadurch zu sichern, daß sie auf die Preise der Rohstoffe, Betriebsmaterialien, auf die Töhne der Arbeiter usw. einwirken, deren sie zur Herstellung der mit Höchstpreisen belegten Waren bedürfen. Diese Einwirkung ist aber in Zeiten, wo Höchstpreise erlassen werden, meist unmöglich, und man versucht dann auf andere Arten und Weisen den schwindenden Gewinn und Verdienst sich zu sichern; kein Wirtschaftssubjekt mit gesundem Egoismus wird widerstandslos sich fügen; dafür sorgt schon die gegenseitige Konkurrenz. Der Rücksichtslose treibt auch hier den Weichern, Schwächern vorwärts. Es sind für Umgehungen und für direkte Verletzungen so viel Möglichkeiten vorhanden, die um so sicherer sind, je größer die Macht des einzelnen Wirtschaftssubjektes ist, daß der Staat beim besten Willen nicht dieser offenen und geheimen Umgehungen und Verletzungen Herr werden kann. Man bedenke doch, daß die Bevölkerung des Reiches in rund 76 000 Gemeinden wohnt, daß so viele Schutzleute und Beamte gar nicht eingestellt und besoldet werden können, um die einzelnen Tauschakte der in Frage kommenden Bevölkerung zu überwachen. Der Staat mag noch so viel dekretieren, er wird von der Masse seiner Wirtschaftssubjekte, die er eben nicht einzeln dirigieren kann, ohne Gnade erdrückt. Würde man nur einmal das einsehen, so würde man an den Staat nicht immer wieder die unmöglichsten Forderungen stellen. Wenn die Konsumenten nicht selbst sich durch wachsende Organisierung zu helfen vermögen, der Staat kann in seiner heutigen Struktur den freien Tauschverkehr mit seinen täglichen in die Milliarden gehenden Austauschakten noch nicht maßgebend beeinflussen. Da verweist man manchesmal auf die hohen Leistungen der militärischen Organisation, als ob dies nicht etwas total anderes wäre. Die militärische Organisation beruht auf der Gewalt, auf Zwang. Das ist das eine. Aber fast noch wichtiger für unsere Betrachtung ist das andere. Bei der militärischen Organisation ist der einzelne Mann so fortgesetzt unter Aufsicht und Kontrolle, daß er in allem seinem dienstlichen Tun und Lassen nicht mehr seiner persönlichen Auffassung folgen kann, wenn er nicht riskieren will, daß er sofort abgefaßt und schwer bestraft wird. Diese Organisation können wir nicht auf den wirtschaftlichen Tauschverkehr übertragen. Die militärische Organisation lassen sich die Menschen in Zeiten der Not und für Zeiten der Not gefallen, den Verkehr in wirtschaftlichen Gütern, Diensten und Leistungen kann keine Organisation in seiner Gesamtheit übernehmen, so lange nicht ein ziemlich allgemein anerkannter Wertmaßstab für alle Arbeits= und Dienstleistungen usw. besteht. Die militärische Organisation ist ein konstruktives Gebilde, der menschliche Tauschverkehr ist gewissermaßen eine natürlich gewordene Erscheinung, die allen andern als formellen Regelungsversuchen bisher Trotz bot und Trotz bieten mußte, weil sie in ihrer Massenhaftigkeit und Verwickeltheit, in ihrer Flüssigkeit und in ihren anarchischen Auswüchsen noch nicht für eine systematische und befriedigende Regelung reif ist. Wenn wir den menschlichen Tauschverkehr auf der einen Seite und die Grenzen der staatlichen Macht, wie sie sich heute darstellt, uns einmal ausführlich vergegenwärtigen, so würden wir uns zu dem Problem des Lebensmittelwuchers wesentlich anders stellen, als wir es meist tun. Der Lebensmittelwucher kann nur dort gedeihen, wo er den geeigneten Boden dazu findet. Es müssen denen gegenüber, die zu viel nehmen, solche vorhanden sein, die zu viel geben. Warum geben aber die Käufer zu viel? Es mag sein, daß sie als einzelne Käufer nicht die Macht haben, den zu hohen Preisen gegenüber Widerstand zu leisten. Nun gut, wenn dem so ist, warum schließt ihr Käufer euch nicht zusammen, warum findet ihr die Kraft nicht, geschlossen gegen die Verkäufer aufzutreten? Solange ihr das nicht könnt, solange ihr das nicht wollt, solange ihr das nicht einseht, so lange sorgt ihr ganz allein dafür, daß der geeignete Boden, auf dem der Lebensmittelwucher gedeihen kann, vorhanden ist. Dagegen kann keine Macht, auch nicht die staatliche Macht ankämpfen. Es nützt auch nichts, eine Erwerbsschicht als besonders schuldig an den Pranger stellen zu wollen. Damit kommt man nicht im geringsten weiter, sintemalen unter gleichen Voraussetzungen die meisten Wirtschaftssubjekte ihren Egoismus ziemlich in gleicher Stärke betätigen. Die, die gegen den Lebensmittelwucher gar so heftig sich entrüsten, bedenken nicht, daß sie selbst als Wirtschaftssubjekte genau so handeln würden wie die einzelnen angegriffenen Schichten. Wenn sie es nicht tun, so eben nur deshalb, weil sie die wirtschaftlich Schwächern sind und es einfach nicht können. Sicherlich gehören die Arbeiterschichten zu den wirtschaftlichen Schwächern. Aber wenn ihnen die Kriegskonjuktur die Möglichkeit bringt, ihre Arbeitskraft teuer zu verkaufen, so werden sie nicht lange fragen, ob dadurch die Waren für die Konsumenten verteuert werden oder nicht, sondern sie werden die Marktlage ausnützen und nehmen, was sie bekommen können. Daraus ist den Arbeitern, die in die glückliche Lage kommen, nicht der mindeste Vorwurf zu machen. Aber wie die Arbeiter es hier machen, so machen es eben alle Wirtschaftssubjekte, die stärkeren vielleicht oft noch gewandter und rücksichtsloser als die schwächeren und schwachen, denen nicht so viele Möglichkeiten zur Verfügung stehen. Das es so ist, mag ja von einer höheren Warte aus betrachtet bedauerlich sein, aber wir haben uns damit abzufinden, was ist. Wir haben es verstehen zu lernen, warum es so ist. Und wenn wir es ändern wollen, so können wir nur dann Mittel und Wege ausfindig machen, wenn wir volle Klarheit über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und vor allem über die Dynamnik des modernen Tauschverkehrs ge wonnen haben. Daran fehlt es heute aber unserer nationalökonomischen Wissenschaft noch ebensosehr, wie der Masse der Konsumenten. 4 politisch, selbst innerhalb der Sozialdemokratie, nur so haltbar sein, daß er nicht Negation, sondern Ergänzung des nationalen Gedankens ist, das heißt, die nationale Art nicht bestreitet und beschränkt, sondern sie als Ausgangs= und Ziewvunkt aller internationalen Beziehungen betont. Nur wer selbst etwas ist, kann anderen etwas werden uno von ihnen wirkliche Förderung empfanaen. Sodann wird unfraglich in der Zukunft jede Form des Antimilitarismus so ziemlich in allen Volksschichten völlig die Popularität einbüßen. Weiter dürften auch allen Bemühungen zu einseitiger Förderung der industriestaatlichen Tendenzen zu Ungunsten des landwirtschaftlichen Betriebes die Wurzeln durchschnitten sein. Die in der letzten Zeit zur Ueberwindung gewisser Stockungen in unserer Geburtenfrequenz ausgesprochene Forderung der Ausdehnung der inneren Kolonisation wird bestehen bleiben und hoffentlich allseitige Berücksichtigung finden. Allerdings wird hier wie in allen landwirtschaftlichen Fragen genaueste Sachkunde und praktische Erprobung die Voraussetzung gedeihlichen Fortschreitens sein. Nirgends muß man mit den Rezepten des grünen Tisches so vorsichtig sein als in der Landwirtschaft.— Die Politik des Schutzes der nationalen Arbeit, die seit 1878 allmählich aber sicher das freihändlerische System verdrängt hat, hat sich allseitig bewährt. Sie hat die Landwirtschaft gesichert und zugleich den inländischen Markt gekräftigt. Sie hat den Nationalreichtum in imponierendem Umfang gesteigert und hat zur wirtschaftlichen und gesundheitlichen Hebung des Arbeiterstandes kräftig mitgewirkt. Diese Politik hat die Selbstbehauptung erst ermöglicht, die Deutschland jetzt einer Welt von Feinden gegenüber aufrecht zuerhalten vermag. Die Grundzüge dieser Politik werden daher auch in der Zukunft in Geltung bleiben. Aber daneben darf ein anderer Faktor nicht vergessen werden. Es ist die fortwährende Steigerung des sozialen Empfindens in den meisten Gesellschaftsschichten. Ein Teil des deutschen Idealismus wird heutzutage von diesen Interessen ganz und gar in Anspruch genommen. Denkt man nun an die Erfahrungen von der organisatorischen Kraft und Sicherheit der staatlichen Organe, so erscheint es als sehr wahrscheinlich, daß die staatssozialistischen Tendenzen infolge des Krieges nicht unerheblich gestärkt werden dürften. Vielleicht würden sie als zugkräftige Elemente in einem politischen Programm verwendbar sein, zumal wenn der Staat selbst, mit einer durch den Krieg gehobenen Autorität, die Durchsetzung derartige Ziele ernergisch in das Auge faßte. Es sind nicht utopische Tendenzen, die hierdurch zum Ausdruck kommen. Der Kapitalismus selbst mit seiner Zentralisation der Arbeit und ihres Gewinnes ist ja eine Art Vorbereitung auf den Staatssozialismus. „Die Arbeit“. 31 Wir brauchen doch nicht abzuwarten, bis alle die üblen, für das nationale und politische Leben gleich verhängnisvollen, Konsequenzen, wie sie etwa der Kapitalismus in England und Amerika mit seinen Trufts usw. hervorgebracht hat, auch bei uns eingetreten sind. Wir haben einen starken Staat, der solchen Konsequenzen vorbeugen kann, indem er, wo es nötig wird, die Betriebe in seine eigene Hand nimmt. Schon das fiskalische Interesse wird uns in steigendem Maße zu Reichsbetrieben nötigen. Man kann dabei an mancherlei denken, wie an die Elektrizitätswerke, das Versicherungswesen, die unterirdischen Bodenschätze usw. Aber derartige Details bleiben billig den Fachleuten überlassen.— Die gewöhnliche Einrede, durch Verstaatlichung werde der Plan persönlicher Beteiligung und Selbstaufopferung zerstört werden, besagt in Wirklichkeit doch herzlich wenig. Man denke zum Gegenbeweis nur etwa einerseits an den Betrieb unserer Eisenbahnen, andererseits an die Arbeit der deutschen Wissenschaft, die doch auch zum größten Teil an staatlichen Anstalten von Staatsbeamten ausgeführt wird. Es liegt auf der Hand, daß eine derartige Verstaatlichung des Betriebs, wie sie auf verschiedenen Industriegebieten als möglich erscheint, auf den landwirtschaftlichen Betrieb in absehbarer Zeit und vielleicht überhaupt nie wird erstreckt werden können. Die geschichtliche Entwickelung wie die Natur der Dinge läßt hier die private Wirtschaftsform als die einzig mogliche erscheinen. Dagegen dürfte es sich mit der Forstwirtschaft anders verhalten, die sehr wohl von Staatswegen betrieben werden könnte. Aber auch für das Land wird der soziale Gesichtspunkt für die Zukunft energisch betont werden müssen. Dem Landarabeiter muß, wie es schon in steigendem Maße geschieht, der Weg zur Seßhaftmachung geebnet werden. Er muß Stufen gewinnen, um auch auf dem Lande höherzusteigen und weiterzukommen. Nur so wird der verhängnisvolle Wahn, als wäre der Land arbeiter etwas geringeres als der städtische Industriearbeiter, überwunden und dem Bauer sein altes Selbstbewußtsein erhalten werden können. Wir alle aber wissen jetzt nach dem Kriege, was unsere Landwirtschaft für eine Bedeutung für unser Volk hat. Wir stehen und fallen mit ihr. Aber sie selbst kann nur erhalten und weiter ausgebaut werden, wenn der Landbewohner in die Lage versetzt wird, mit Befriedigung und Freudigkeit und im Bewußtsein seines Wertes und seiner Bedeutung seine Arbeit zu tun. Im übrigen wird auch hier der staatliche Einfluß kräftig eingreifen müssen. Der Staat wird nach dem Kriege alles Interesse daran haben die deutsche Landwirtschaft zu erhalten und fördern und er dürfte in Zukunft dabei nicht auf so unüberlegten Widerspruch stoßen, wie wir in der Vergangenheit zu hören bekommen haben. Die Fürsorge des Staates für die Landwirtschaft wird ihn geneigt machen, der sozialen Hebung des ländlichen Arbeiters sowie der Errichtung neuer Bauernstellen nahezutreten, sie wird ihn aber auch nach Verstärkung seines Ein flußes auf die ländlichen Betriebe ausschauen lassen. Man könnte hierbei etwa an den Antrag Kanitz(1894) denken, der feste Verkaufspreise für Getreide forderte und den Einkauf und Verkauf ausländischen Getreides, das für das Zollgebiet bestimmt ist, ausschließlisch für Rechnung des Reiches erfolgen lassen wollte. Doch, wir wollen hier nicht auf Details eingehen. Es sind so zwei einander gleichwertige Kultur typen, die wir vor unserm Auge erstehen sehen. Sie sind die verjüngte Erscheinung der beiden Typen, die man als technische und als agrarische Kultur bezeichnen kann. Sie würden auch in der Zukunft einem doppelten Be darf des Volkslebens entsprechen und eine doppelte geschichtliche Entwicklungsreihe fortführen. Beiden würde gemeinsam sein die soziale Tendenz auf Hebung des persönlichen Lebens der Staatsbürger und die poli tische Tendenz auf Entfesselung aller vorhandenen Kräfte und Ausbeutung aller gegebenen Möglichkeiten im In teresse des Staates und seiner Weltstellung. Beide wür den die staatliche Autorität hochstellen und ihren prak tischen Wirkungpreis vergrößern auch in der Gestaltung des Wirtschaftslebens. Düsseldorf. Der Vorstand der hiesigen Ortsgruppe der christlich-sozialen Partei beabsichtigt, den Mitgliedern in des Königs Rock Liebesgaben zu übermitteln. Leider stehen nur eine beschränkte Anzahl Feldadressen zur Verfügung Es wird herzlich gebeten, die noch fehlenden Adressen baldmöglichst an den Schriftführer A. Dinger, Wülfratherstr. 12. gelangen zu lassen. Auch der zeitige Kassierer Oskar Leuthäuser, Siemensstr. 30, nimmt Adressen entgegen. An ihn bitten wir auch regelmäßig die Beiträge gelangen zu lassen. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen, unserlangjähriges, treues Mitglied, herrn Generalagent Karl Friedrich Lübert im Alter von 47 Jahren aus dieser Zeitlichkeit abzurufen. Er starb am 25. Juli 1915 in Bad Salzuflen, wo er heilung von seinem Leiden erhofste. Wir werden seiner stets in Ehren gedenken. Der Vorstand der christlich=sozialen Partei Düsseldorf. Kurz-, Woll- und Manufaktur-Waren Carl Vogt Gevelsberg, Hagenerstrasse No. 56. Specialhaus für Schirme und Stöcke Schlipse, Krawatten, Wäsche etc. etc. Reparaturen und Ueberziehen von Schirmen in eigener Werkstatt schnell, sauber u. billigst. — Ausgabe roter Rabattmarken. 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