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In der Erklärung, die Ministerpräsident Blum im Senat im Namen der Regierung und Außenminister Delbos in der Kammer verlesen hat, heißt es: Auf internationalem Gebiet wie auf allen anderen wird die Politik der Regierung eine freimütige sein. Die friedliche Betätigung Wir würden dem uns vom Lande erteilten Auftrag zuwiderhandeln, wenn wir nicht zuerst seinen Friedenswillen betonen würden. Wir wollen den Frieden für alle Völker, den Frieden mit allen Völkern. Unser Friedenswille ist zu aufrichtig, um nicht ein tätiger Friedenswille zu sein. Deshalb wollen wir mit allem Nachdruck unsere Völkerbundstreue betonen. Die Prüfungen, die der Völkerbund durchmacht, entfremden uns dem Völkerbund nicht, sondern stärken unsere Entschlossenheit, ihn zu einer wirksameren Organisation der kollektiven Sicherheit auszubauen, die zwei Bedingungen erfordert: Die Achtung des Gesetzes und der internationalen Verträge und die Wiederherstellung eines durch zu viele Erschütterungen, Enttäuschungen und Befürchtungen wankend gewordenen Vertrauens. Die Sanktionen In diesem Geist hat die Regierung das Problem der Sanktionen gegen Italien geprüft. Niemand erwartet von uns wohl, daß wir nach der Niederlage Abessiniens die Besiegten verleugnen und diese Gefühle in Abrede stellen, aber beim gegenwärtigen Stand der Dinge wäre die Aufrechterhaltung der Sanktionen nur noch eine symbolische Geste ohne wirkliche Wirksamkeit. Unter diesen Umständen haben wir am Freitag unsere Ansichten bekanntgegeben und sind sicher, dabei im Einvernehmen mit den befreundeten Völkern zu sein. Die kollektive Sicherheit Der Frieden kann nur durch die Verstärkung der Sicherheit der Nationen gefestigt werden. Um einen Angriff zu unterdrücken, muß man möglichst bald das Höchstmaß der Mittel einsetzen, über die die internationale Gemeinschaft verfügen kann. Aber es wäre für den Augenblick ein Trugschluß, auf diesen vollkommenen Beistand von Völkern zu zählen, die nicht unmittelbar von dem Streit betroffen sind. Also muß die kollettive Sicherheit zwei Seiten umfassen. Zunächst muß eine Gruppe von Mächten bereit sein, alle ibre Kräfte gegen den Angreifer einzusetzen. Dafür muß die gesamte Kollektivität des Völkerbundes zwangsläufig die wirtschaftlichen und finanziellen Sühnemaßnahmen anwenden. Die Art, wie in Genf der Grundsatz der in den Satzungen enthaltenen Einstimmigkeit ausgelegt wird, lähmt das Spiel des Artikels 11. Solange man Artikel 11 in dieser Weise auslegt, wird der Völterbundsrat nicht in der Lage sein, die Vorbereitung eines Streites zu verhüten und der Angreifer wird vollkommen Zeit haben, um seine Stunde zu wählen. Die französische Regierung wird vorschlagen, dieser paradoxalen Lage ein Ende zu bereiten. Die Gründe, die den Abschluß eines Paktes zwischen allen Donaustaaten empfehlen, haben heute mehr ihren Wert als jemals. Ein solcher Pakt wird allen Mächten Mitteleuropas offenstehen, wir selbst sind daran durch die Bande der Zuneigung interessiert, die uns mit der Kleinen Entente vereinen. Ebenso notwendig ist es, alle Mittelmeerstaaten von Spanien bis zur Balkan=Entente in einem Abkommen zusammenzufassen, das ihnen die Bürgschaft gibt, daß sich keine Vorherrschaft einstellen kann in einem Meer, dessen Ufer durch eine gemeinsame Zivilisation verbunden ist. Für Westeuropa wünschen wir ein Abkommen, das der am 7. März eröffneten Krise ein Ende bereitet. Wir sind überzeugt, daß Italien diesen Aufgaben seine notwendige Mitarbeit leiht. Wir sind glücklich, daß diese Bemühungen sich in herzlicher Weise mit den unserigen und mit denen aller interessierten Mächte decken. Bei unserer Anstrengung zur Wiederherstellung der kollektiven Sicherheit zweifeln wir nicht an der vorbehaltlosen Unetrstützung der großen britischen Demokratie, die durch so viele gemeinsame Erinnerungen und Anstrengungen mit der französischen Demokratie verbunden ist. Wir legen umso größeren Wert darauf, als die enge und vertrauenswolle Zusammenarbeit unserer beiden Länder die wesentliche Bürgschaft des Friedens in Europa ist. Frankreich rechnet über Großbritannien hinaus auf die herzlichen Gefühle der amerikanischen Demokratie, der natürlichen Freundin der freien Völker. Frankreich ist des machtvollen Beistandes seines Freundes, der Sowjetunion, gewiß, mit der Frankreich ein Pakt des Beistandes, der allen offensteht, verbindet, ein Pakt, den uns unsere gemeinsame Sorge um den Frieden vorgeschlagen hat. Die französisch=polnische Freundschaft wird eine neue Weihe in einer herzlichen unmittelbaren Suche nach besseren Formen der Zusammenarbeit zwischen zwei solidarischen Völkern finden. Mit Belgien, Rumänien, der Tschechoslowakei und Jugoslawien fühlt sich Frankreich sowohl durch eine enge Intimität des Gedankens und des Herzens vereint. Ihre Sicherheit bildet ein Element unserer eigenen Sicherheit, wie auch unsere eigene Sicherheit restlos zum Bestand ihrer Sicherheit gehört. Wir rechnen auch für die zu erfüllende große Aufgabe auf die BalkanEntente auf die spanische Demokratie, auf alle Völker, die von Portugal bis zu den skandinavischen Staaten über Holland so viele Unterpfänder der Treue zum Völkerbund gegeben haben. Frankreich und Deutschland Die Regierungserklärung beschäftigt sich dann eingehend mit den Beziehungen Frankreichs zu Deutschland. Die Parteien, die heute in der Volksfront vereinigt sind, so heißt es an dieser Stelle, haben immer für die deutsch=französische Verständigung gekämpft. Jaures hat seine leidenschaftliche Handlung für den Frieden mit seinem Leben bezahlt. Briand hat Verleumdung und Beleidigung gekannt, weil er wollte, daß der Rhein Deutschland und Frankreich verbinde, anstatt sie zu trennen. Wir haben die von Herriot verhandelten Londoner Abkommen begrüßt, weil sie Locarno möglich machten. Wir bedauern nicht die Handlung, die wir seit 15 Jahren durchgeführt haben. Wir sind entschlossen, sie in der Sicherheit und Ehre der beiden Länder fortzusetzen. Bei mehreren Gelegenheiten hat der Reichskanzler seinen Willen zur Verständigung mit Frankreich bekundet. Wir haben nicht die Absicht, an seinem Wort als ehemaliger Frontkämpfer, der vier Jahre lang in den Schützengräben das Elend gekannt hat, zu zweifeln. Aber so aufrichtig unser Wille zur Verständigung auch sei, wie können wir die Lehren und Ekfahrungen und die Tatsachen ververgessen. Die deutsche Aufrüstung entwickelt sich in einem täglich steigendem Rhythmus. Am 16. März 1935 hat Deutschland die Militärklauseln des Versailler Vertrages unter Bedingungen zurückgewiesen, die gewisse von ihm angegebene Irrtümer nicht rechtfertigen. Am 7. März 1936 bat es den freiwillig unterzeichneten LocarnoPakt verletzt und zurückgewiesen, von dem der Reichskanzler bei mehreren Gelegenheiten erklärt hatte, daß er die hauptsächlichste Garantie für den europäischen Frieden darstelle. Seit diesem Zeitpunkt ist die Lage ernst geblieben. Am 19. März unterbreiteten die Locarno=Mächte Deutschland einen Plan, der greifbare Vorschläge für die Schaffung eines neuen Sicherheitsabkommens enthält. Am 24. März unterbreitete Deutschland Gegenvorschläge, die jedes System von Abkommen zurückweisen, das auf dem gegenseitigen Beistand in den Beziehungen Deutschlands zu seinen Nachbarn mit Ausnahme der LocarnoMächte beruht. Am 10. April beauftragten die Locarno=Mächte— in dem Wunsche, alle Versöhnungsmöglichkeiten auszunützen— die englische Regierung, gewisse Punkte der deutschen Denkschrift aufzuklären. Dies ist Gegenstand eines englischen Fragebogens, der am 6. Mai in Berlin überreicht wurde. Auf diesen Fragebogen hat das Reich noch nicht geantwortet. Wird es dies morgen tun? Frankreich wird auf alle Fälle die deutschen Vorschläge in dem aufrichtigen Wunsche prüfen, darin eine Abkommensgrundlage zu finden. Dieses Abkommen kann aber nur verwirklicht werden, wenn es den Grundsatz des unteilbaren Friedens entspricht und keine Drohungen gegen irgendjemand enthält. Die Frage des Luftpaktes Mit der Entwicklung der deutsch=französischen Beziehungen, heißt es dann weiter, ist der Erfolg der Anstrengungen im internationalen Rüstungswerk eng verbunden. Das französische Volk weiß, daß der Abrüstungswettlauf zwangsläufig zum Kriege führt. Es würde gern durch eine kollertive Anstrengung diesen Wettlauf anhalten und eine durch die Gemeinschaft der Völker kontrollierte Abrüstung möglich machen. Die Regierung wird zunächst die vorherige Veröffentlichung und die Kontrolle der Kriegswaffenherstellung durch Gegenbesuch des Staatssetretars In Erwiderung des Besuches des Reichsministers der Luftfahrt, Generaloberst Göring, und des Staatssekretärs der Luftfahrt, General der Flieger Milch, im Jahre 1933 in Italien, wird am Mittwoch der Staatssekretär im Italienischen Luftfahrtministerium, Armeegeneral Valle, zu einem fünftägigen Aufenthalt nach Berlin kommen.(Atlantic, M.) eine internationale ständige und in Genf sitzende Kommission beantragen. Die Regierung wird ferner die zweite Lesung des von einer Mehrheit der Staaten im April 1935 bereits verabschiedeten Entwurfes vorschlagen. Die Regierung wird sich mit vollkommener Loyalität jeder Maßnahme anschließen, die einstimmig ergriffen werden sollte, um die Rüstungen zu kontrollieren, zu beschränken und herabzusetzen, und die Regierung wird alle zweckmäßigen Gelegenheiten nützen, um dazu die Initiative zu ergreifen. Die Abrüstung Trotz aller Anstrengungen sind die Verhandlungen über einen Luftpakt nicht fortgeschritten, da die deutsche Regierung bisher ihre Antwort aufgeschoben hat. In ihrer letzten Denkschrift har sie grundsätzlich sich nochmals einem Abschluß des Paktes geneigt gezeigt, jedoch nicht gesagt, ob ihrer Ansicht nach dieser Pakt notwendigerweise durch ein Beschränkungsabkommen ergänzt werden sollte. Von der englischen Regierung ist in dieser Angelegenheit eine Frage gestellt worden. Auf die Antwort wird gewartet. Um den Rüstungswettlauf anzuhalten, der in der Luft immer schneller wird, bleibt ein Abkommen über die Beschränkung der Luftstreitkräfte außerordentlich wünschenswert. Frankreich ist für seinen Teil dazu bereit, ob es sich nun allein um die Luftstreitkräfte der Westmächte oder um die gesamten europäischen Luftstreitkräfte handeln sollte. Die letzte Ruhestätte des ersten Königs der Deutschen. Die Stiftskirche in Quedlinburg, in der König Heinrich I. begraben lieat. Die Kirche ist von ihm vor mehr als 1000 Jahren erbaut worden.(Weltbild, M.) Wirtschaftsfragen Um eine Bilanz der allgemeinen Wirtschaftsfragen der Bedürfnisse der Völker und der Maßnahmen, die ergriffen werden könnten, um den Austausch zu beleben, aufzustellen, wird die französische Regierung die Einberufung des Studienasschusses für die europäische Union beantragen, die Briand geschaffen hatte. Dieser Ausschuß umfaßt alle europäischen Staaten, ob sie Mitglieder des Völkerbundes sind oder nicht. Deutschland wird also daran teilnebmen können und seine Anregungen geben können, ebenso wie die Sowjetunion zu Beginn daran teilnahm, die damals noch nicht Mitglied des Völkerbundes war. Internationale Zusammenarbeit Alle Männer, die beute auf der Regierungsbank sitzen, schließt die Erklärung, sind einig in der Auffassung, daß der Zustand des bewaffneten Friedens, aus dem Katastrophen entstehen, vorübergebend sein muß und daß alle Anstrengungen darauf gerichtet sein müssen, um seine Dauer abzukürzen und daß die Sicherheit der Völker nur durch kollektive Einrichtungen der internationalen Gemeinschaft gesichert werden kann. Die Völker werden sich mit aller unentbehrlichen Vorsicht auf den Zustand des abgerüsteten Friedens einstellen müssen, wo das universelle Gewissen gegen jeden Angreifer alle materiellen und moralischen Kräfte der friedfertigen und vorhergehend methodisch organisierten Völker aufrichten wird. Unseere Tätigkeit wird von dem Glauben in die Zukunft der kollektiven Sicherheit beseelt sein. Dem Aufbau dieser Zukunft werden wir unsere ganze Arbeit widmen. Wir werden nicht die Unvorsichtigkeit begehen, bereits jetzt den Stand unserer Verteidigungskräfte unseren Hoffnungen anzugleichen. Solange ein internationaler Mechanismus nicht den Beweis seiner Wirksamkeit erbracht hat, ist„es die Pflicht Frankreichs, sich selbst gegenüber sowie gegenüber seinen Freunden,:n der Lage zu bleiben, alle Angreifer zu entmutigen. Aber wir rufen zur internationalen Zusammenarveit alle Völker und Regierungen auf, die dem Frieden ergeben sind, die glauben, daß der Friede auf der Achtung der frei übernommenen Verpflichtungen beruben muß, die anstelle der Umwandlung der Welt durch die Gewalt die Entwicklung unter Führung einer internationalen Gerechtigkeit und Moral wünschen, alle diejenigen, die entschlossen sind, wie Frankreich solidarisch alle Lasten und Verpflichtungen der kollektivn Sicherheit zu übernehmen, weil sie wie Frankreich darin die beste Garantie der nationalen Sicherheit sehen. Abgeordneter Montigny uver die Moskauer Einflüsse Als erster Redner ergriff nach Verlesung der außenpolitischen Erklärung der Abgeordnete Montigny von der Radikalen und Demokratischen Linken das Wort. Er bedauerte, daß Frankreich seit Monaten keine Außenpolitik mehr habe, und daß man sich fragen müsse, ob die kollektive Sicherheit noch als Grundlage der Politik in Frage komme. Wenn man die kollektive Sicherheit auf nur drei Mächten— Ena land, Rußland und Frankreich— aufbauen wollte, so würde das eher einem Bündnis nach der alten Formel ähneln. England wollte von einem System vollgkommener kollektiver Sicherheit nichts wissen. Mithin käme nur noch in Frage Sowjetrußland, die Tschechoslowakei und Frankreich. Vom sowjetrussischen Heer habe Abgeordneter Archimbaud behauptet, es sei nur eine beschränkte Abwehrstreitkraft.(Hier ruft Abgeordnete Archimbaud dazwischen:„Das war vor einem Jahr. Ich habe meine Ansicht geändert!“) Also bliebe nur noch das tschechoslowakische Heer und die russische Luftwaffe. Könnte das französische Heer, falls es zwischen Deutschland und Italien zu einem Abkommen käme, nach zwei Fronten hin Widerstand leisten? (Ein rechtsstehender Abgeordneter ruft dazwischen:„Die Volksfront ist gleichbedeutend mit Krieg.") Wenn ein deutsch=italienisches Abkommen geschlossen wäre, müßte man zu einer Verständigung mit Deutschland und mit Italien kommen. Man dürfe nicht die Politik des Blocks der Demokratien gegen den Block der Diktaturen betreiben. Er, Abgeordneter Moutiany, wisse nicht, ob es Möglichkeiten zu nützlichen Verhandlungen mit Deutschland gegeben habe. Aber zum mindesten hätte man einen entsprechenden Versuch machen müssen. Als von der Rechten des Hauses der Ruf ertönt:„Nach Moskau!" und Abgeordneter Montigny sein Bedauern ausspricht, daß fremdländische Einflüsse auf der französischen Außenpolitik lasten, erhebt Außenminister Delbos Einspruch und erklärt, er könne diese Anschuldigungen nicht durchgehen lassen, ohne dagegen mit größter Energie Einspruch zu erheben. Er müsse auf diese gegen die Regierung und ihre Mehrheit gerichteten Unterstellungen antworten, weil sie die Gefahr mit sich brächten, im Auslande als Beweisgründe gegen Frankreich zu dienen. Die politische Leidenschaft dürfe nicht dazu führen solche Anschuldigungen auszusprechen, denn sie könnten dem Lande Schaden zufügen. Abgeordneter Montigny versucht, zu antworten, aber seine Stimme verliert sich zunächst unter den Pfui=Rufen der Linken. Schließlich kann er, zu den Radikalsozialisten gewandt, ausrufen:„Ihr sprecht ja im Namen eines drerteiligen Gebildes; ich begreife Eure Einsprüche im Namen der Radikalsozialistischen Partei, aber hinter Euch stehen die Zweite und die Dritte Internationale." Nach dem Abgeordneten Montigny erklärte Abgeordneter Heraut, daß man gegenwärtig in der Angst vor einem Kriege lebe. Auch er wies auf die Abneigung Englands gegenüber der kollektiven Sicherheit hin. Er betonte, daß man nicht etwa zwischen den Arten von Politik der verschiedenen Länder seine Wahl treffen, sondern französische Politik machen müsse. „Sprecht unmittelbar mit Deutschland, sprecht unmittelbar mit Italien!“, rief der Abgeordnete aus. Der katholisch=demokratische Abgeordnete Pezet llagte darüber, daß sich das Stärkeverhältnis zwischen den vertragsbefriedigten Völkern und den anderen verschoven habe. Nach einer kurzen Siitzungspause sprach der Abgeordnele de Gerillis, der sich selbst als Nationalist bezeichnete. Er versuchte der Kammer wiederum das„Gespenst der deutschen Gefahr“ an die Wand zu malen und war bestrebt, krampfhaft die Furcht vor einem nach seiner Behauptung drobenden deutschen Angriff anzufachen. Um das düstere Bild, das er entwarf, wirkungsvoller zu gestalten und die den Franzosen angeblich drohenden Gefahren zu vergrößern, ließ er sich sogar herbei, die„vollkommene Ordnung“, die im Reiche herrsche, anzuertennen und ihr die Unordnung in Franlreich gegenüberzustellen Schließlich griff er erbittert den französischen Kriegsminister an, den er nicht nur als„Mann des Schwundgeldes“, sondern auch des „Schwundheeres“ bezeichnete. Nach ihm sprach der kommunistische Abgeordnete Peri. Er schlug in dieselbe Kerbe wie de Gerillis und ergänzte dessen Angriffe, was ihn aber nicht vor einem Zusammenprall mit de Gerillis verschonte. Als Pert erklärte, daß er geglaubt habe, aus dessen Rede eine Recht schen:„Ja, das darf aber nicht so weit geben, Um 19.50 Uhr wurde die Sitzung unterbrochen daß in der französischen Kammer 72 russische und auf 20 Uhr eine Nachtsitzung anveraumt. Abgeordnete sitzen!“ Die Nachtsitzung der Kammer Außenminister Delbos erwidert den Debatterednern Die Nachtsitzung der Kammer begann mit zu beseitigen. Eine Verständigung zwischen allen Ausführungen des elsässischen Abgeordneten Völtern, den großen und den kleinen, müsse herWallach, der Deutschland als sehr gefährlichen gestellt werden. Die Regierung sei sich der beGegner schilderte. Er fragte die Regierung, ov stehenden Gefahren voll bewußt und werde ihre sie eine starke Armee aufrechterhalten und das Verpflichtungen durchführen. Berufsheer verstärken wolle. Frankreich wünsche Delbos glaubte dann auf die angeblichen Geden Frieden. Man müsse nämlich mit Deutsch= fahren infolge des„Dynamismus" Deutschlands land sprechen und keine Gelegenheit versäumen, hinweisen zu sollen, betonte aber, daß FrankMan müsse ohne Mittler verhandeln, aber solche reich ruhig bleibe. Es werde nichts vernachVerhandlungen seien nur möglich, wenn Frank= lässigen, was zu seiner Sicherheit beitragen könne. Frankreich wünsche eine Verständigung mit Deutschland gemäß dem Recht und der Gerechtigkeit für alle. reich start sei und Freunde zur Seite habe. Der Vorsitzende der Republikanischen Vereinigung, Marin, sprach ebenfalls über die angebliche„deutsche Gefahr“. Ebenso befaßte sich der radikalsozialistische Abgeordnete Margaine in seinen Ausführungen lediglich mit Deutschland, mit dem man nützliche Verhandlungen führen könnte, um ihm die gewünschten Ausdeynungsmöglichkeiten in der Welt zu geben. Der Abgeordnete Wiedemann befaßte sich vorneymlich mit dem Völkerbund, der jedesmal gescheitert sei, wenn eine große Macht im Spicle gewesen sei. Man müsse deshalb den Bankrott— dub. Brussel, 21. Juni. Tus neue beigisch des Völkerbundes feststellen, dessen Opfer Frant= Parlament ist am Dienstag zusammengetreten. reich sei. In der mehrstündigen Vollsitzung wurden die verDann bestieg Außenminister Delbos erneut schiedenen Organe und Ausschüsse für die neudie Tribüne, um auf die Ausführungen der Red= Legislaturperiode eingesetzt. Die Tribünen waner zu antworten. Delbos appellierte an das ren überfüllt. Das Hauptinteresse richtete sich Vertrauen des Hauses und erklärte, hinsichtlich diesmal auf die zum ernten Mal im der nationalen Verteidigung werde nichts ver Marlament erschienenen Vertreter nochlässigt werden, was notwendig sei, um die wegung, die in geschlossenem Zuge das Parla Sicherheit Frankreichs zu gewährleisten und um Zum Schluß verlangte der Außenmimster das einstimmige Vertrauen der Kammer. Vertrauensvotum für die französische Regierung dnb. Paris, 24. Juni. Mit 382 gegen 198 Stimmen sprach die Kammer um 1,15 Uhr der Regierung ihr Vertrauen aus. Diskontermäßigung in Frankreich duv. Paris, 23. Juni. Die Bank von Frankreich hat den Diskontsatz von 6 auf 5 Prozent ermäßigt. Gleichzeitig wurde der Satz für Vorschüsse auf Wertpapiere von 8 auf 6 Prozent und für Vorschüsse auf 30 Tage von 6 auf 5 Prozent herabgesetzt. Nach dem in den letzten Monaten als Abwehrmaßnahme gegen die Spekulation erfolgten Anziehen der Diskontschraube(am 28. März um 1½ Prozent und an 6. Mai um ein weiteres Prozent) ist dieier heutige Beschluß der erste Wiederabbau des Diskontsatzes. Rexisten gegen Marxisten Erste Sitzung der neuen belgischen Kammer Frantreich zu erlauben, seinen Verpflichtungen nachzukommen. Der Friede, den Frankreich wolle, sei weder platonisch noch resigniert. Die Regierung werde der Wahrheit ins Gesicht sehen und bestrebt sein, den Frieden zu stärken auf dem Wege der kollektiven SSicherheit. Der Gedante von der Unteilbarkeit des Friedens sei nicht von allen anderen anerkannt wor den. Dieser Tatsache müsse Rechnung getragen werden, wenn sie auch zu keiner besonderen Beunruhigung Anlaß geven dürfte. Die Aufhebung der Sanktionen gegen Italien, so sagte der Außenminister weiter, werde dazu beitragen, die„Gewitteratmosphäre" in Europa ment betraten. Der Führer der Bewegung, Dearelle, gehört vorläufig noch nicht dem Parlament an. Die Sitzung begann mit einem kleinen Zwischenfall, als der Alterspräsident an die neuen Abgeordneten eine kurze Ansprache hielt. Von den Bänken der Nationalstamen ertönten sofort Rufe:„Wir verstehen diees Sprache nicht!" Die Aufregung legte sich erst, als der Beisitzer Tollenaere die Worte des Präsidenten ins Niederländische übertrug. Bei der Prüfung der Mandate konnte man das starke Uebergewicht der Flamen in der neuen Kammer feststellen. Die meisten Abgeordneten leisteten nämlich den Eid in flämischer Sprache: geradezu sensationen wirkte es, als der Nex Vertreter von Eupen, Rechtsanwalt Wintgens, den Eid laut und vernehmlich in deutscher Sprache leistete. Jedesmal wenn ein Vertreter der Rexisten oder ein Nationalflame den Eid sprach, ertönten von den Bänken der Sozialdemokraten und Liberalen höhnische Zurufe. Zu de mersten heftigen Zusammenstoß zwischen Nexisten und Sozialdemokraten kam es, als der Vorsitzende nach einer mehrstündigen Beratung vorschlug, die Sitzung abzubrechen und die Neuwahl des Präsidiums auf Mittwoch zu vertagen. Der Rex=Abgeordnete Olivier aus Brüssel widersprach unter Hinweis auf den Ernst der Lage im Lande. Die Sozialdemokraten machten während der Rede Oliviers einen ungebeuren Lärm, um seine Ausführungen unverständlich zu machen. Als auch der Kommunistenführer Jacquemotte die sofortige Wahl des Präsidenten forderte, damit eine Aussprache über die Streiks und die Lage der Arbeiter stattfinden könne, klatschten die Rexisten lebhaften Beisall. Die verschwundene Witwe Der Fall Graß vor dem Kölner Schwurgericht wld Köln, 23. Juni. Dienstagvormittag man einen alten Schimmel, bei dem es sich 9 Uhr begann vor dem Schwurgericht in Köln um das ehemalige Reitpferd des Sohnes der der Prozeß gegen den mutmaßlichen Mörder Frau Graß handelte der sich nach einem Streit der 67jährigen Witwe Josef Graß, den 43 mit seiner Mutter Weihnachten 1925 erschoß, Jahre alten Josef Ludwigs. Das spurlose nicht ohne für seine Geliebte, einer Zirkusspäter, wie seine Geschwister, in der Landwirtschaft. Daneben erlernte er die Zuckerbäckerei. Mit 18 Jahren schon hatte er Großhandelserlaubnis und handelte mit Gemüse. Im Jahre 1925 lernte er den Sohn Joseph der Frau Graß kennen, stellte auch hin und wieder sein Fuhrwerk im Anwesen der Frau Graß unter, ohne aber das Haus zu betreten. Im Laufe der Zeit lernte er denn auch Fran Graß kennen, und zwar sprach diese erstmals zwei Tage vor der Beerdigung des durch Selbstmord aus dem Leben geschiedenen Sohn Joseph mit Ludwigs. 1926 zog Ludwigs auf reiterin, ein Testament auf eine hohe Summe Bitten der Frau Graß ganz zu ihr und wurde hinterlassen zu haben. Man entdeckte schließ= bald ihr Berater und Vertrauter. Ludwigs lich am Teppich und auf einer Bettvorlage war auch bei Grundstücksverkäufen an die aus dem gemeinsam von Frau Graß und Ludwigs benutzten Schlafzimmer Blutflecken, die als Menschenblut festgestellt wurden. Tage, ja Wochen brauchten die mit der Untersuchung betrauten Beamten und deren Hilfskräfte, um einiermaßen in dem verwehrlosten Hause eine Uebersicht zu bekommen. Der Verdacht gegen den festgenommenen Ludwigs verstärkte sich, als sich herausstellte, daß er wenige Wochen nach dem Verschwinden der Frau Graß bei der Sparkasse über 5000 Mark von deren Guthaben abgehoben hatte, die er in Kölner Nachtlokalen in leichtsinniger Gesellschaft durchbrachte. Auch ein intimes Verhältnis fing er auf seinen Nachttouren mit einer Bardame an, der er größere Geldmittel zusteckte. Ludwigs war ebenso geldgierig und geizig wie Frau Graß, die ihn bis ins letzte Jahr vor ihrem Verschwinden noch so sehr schätzte, daß sich beide gegenseitig zum Universalerben einsetzten. 1934 suchte sich Frau Graß von Ludwigs zu lösen und über ihr Vermögen anderStadt Köln aktiv beteiligt, ebenso bei der Abfassung eines Testaments im Jahre 1927, wonach zwecks Errichtung eines Kinderheims das Anwesen der Frau Graß an den Orden er Schwestern von der Ewigen Anbetung fallen sollte. Im April des Jahres 1932 machte dann Frau Graß ein Testament, worin Ludwigs als Universalerbe eingesetzt wurde. Ein gleiches Testament fertigte Ludwigs am selben Tage für Frau Graß an. Beide Testamente lauteten auf den Ueberlebenden. Im Jahre 1934 sollen sich die Beziehungen zwischen Frau Graß und Ludwigs getrübt haben, und eine Trennung beabsichtigt gewesen sein. Ludwigs bestreitet dies; auch im Falle einer anderen Existenz, etwa Teilnahme an einem Erbhof, sollte Ludwigs bei Frau Graß wohnen bleiben. Am 24. Oktober 1934 sei dann, so läßt sich Ludwigs weiter aus. Frau Graß verreist. Für diese Reise habe sie ihrem Safe auch Geld entnommen. Ueber Reiseziel und dauer habe sie nichts gesagt. Er habe sie auch Hauses stieß mon auf unglaubliche Zustände. Haus und Hof starrten vor Schmutz und waeine mem- ren vollkommen verwahrlost. Unaepflegtes fertigung des französisch-sowjetrussischen Paktes Geflügel lief nicht bloß im Hof, sondern auch herausgehört zu haben, rief de Gerillis dazwi= in den Zimmern umher. In einem Stall fand Verschwinden der Witwe Graß, die im September 1934 zum letzten Male gesehen wurde. und von der man bis heute noch keine Spur hat entdecken können, hat sehr großes Aufsehen erregt, zumal eine Reibe nicht alltäglicher Begleiterscheinungen und absonderlicher Umstände das Interesse an diesem Fall noch besonders steigerte. Die Vorgeschichte des Prozesses ist kurz Folgende: Die sehr vermögende Juwelierswitwe Josef Graß war am 7. September 1931 zum letzten Male von Nachbarn im Garten ihres Anwesens am Botanischen Garten in Köln gesehen worden. Da sie sehr zurückgezogen lebte, fiel ihr Verschwinden zunächst nicht weiter auf, bis nach etwa zwei Monaten der Nachbarschaft doch Bedenken kamen, und von ihr die Kriminalpolizei benachrichtigt wurde. Sofort wurden von dieser eingehende Ermittlungen angestellt. Es ergab sich u. a.. daß die Frau Graß, die Witwe eines Juweliers, seit dem Tode ihres Mannes im Jahre 1922 in ihrem Anwesen am Botanischen Garten wohnte. Die sehr zurückgezogen lebende Frau nahm aber später den in Sinnersdorf im Landkreise Köln ein kleines bäuerliches Anwesen betreuenden Ludwigs auf, der in ein ziemlich intimes Verhältnis zu der Frau Graß trat. Von den Insassen des Hauses am Botanischen Garten sah man nicht viel; das Anwesen erhielt schließlich im Volksmund den Namen: Verwunschenes Schloß. Alle Nachforschungen nach der Frau Graß blieben erfolglos, trotzdem die Kriminalpolizei nichts unversucht ließ, in das geheimnisvolle Dunkel Licht zu bringen. Der Verdacht, an dem Verschwinden der Frau Graß nicht unbeteiligt zu sein, fiel in erster Linie auf den Vertrauten und Berater der Frau Graß, den 43jährigen Ludwigs, der in Untersuchungshaft genommen wurde. In dem Anwesen der Frau Graß wurde eine eingehende Durchsuchung vorgenommen, sogar das etwa 4000 gm große Grundstück, das das Haus umgab, umgegraben, ein Teich ausgepumpt und ein Brunnen untersucht, um die etwa vergrabene oder versenkte Leiche der Frau Graß zu finden. Aber auch diese eingehenden Ermittlungen hatten keinen Erfolg. Bei der Durchsuchung des des Angeklagten ein, der zunächst auf Auf= Ludwigs eine längerer etwas verworrene Aus forderung des Vorsitzenden mit leiser, schwer kunft, bestreitet aber eine Verfehlung seiner verständlicher Stimme ohne eine Spur von seits. Aufregung zu zeigen. seinen Lebenlauf schil Damit war die Vernehmung des Angeklag dert. Er stammt aus einer kinderreichen Fa= ten beendet. Nach einer Panse erat das Ge milie im Kreise Jülich und beschäftigte sich richt in die Zeugenvernehmung ein. itig zu verfügen. Ludwigs leugnete alles nicht danach gefragt. Irgendein Lebenszeichen esszenna: z. B. durch eine Ansichtskarte, habe sie ihm nicht zukommen lassen. Ludwigs hat auch keine Erklärung für das angebliche Ausbleiben der Frau Graß. Erglaubt, daß sie sich in ein holländisches Kloster zurückgezogen habe, wovon sie früher einmal gesprochen habe. Ludwigs verbreitete sich dann über seine strikte ab mit der gleichbleibenden Erklärung: Frau Graß sei verreist und werde schon wiederkommen. Ludwigs sitzt jetzt etwa 19 Monate in Untersuchungshaft. Von Frau Graß konnte man in dieser Zeit nichts erfahren. Den Vorsitz des Schwurgerichts führt Landgerichtsdirektor Dr. Schäfer, die Anklage nach dem September 1931 bekanntgewordene vertritt Gerichtsassessor Augustin. Der Ane auffällige Aenderung seiner Lebensführung geklagte wird verteidigt von den Rechtsanwäl- sowie seine Bekanntschaft mit einer Frau I ten Dr. Achter und Dr. Gruttner. Für die Diese Frau J., die er hätten heiraten wollen, Durchführung der Verhandlung, für die rund und die ihn auch im Hause der Frau Graß 100 Zeugen geladen sind, sind etwa 10 Tage besucht habe, habe zudem Frau Graß noch angesetzt. Ende Oktober 1934 abends in ihrem Hause Die Anklage gegen Ludwigs lautet auf gesehen. Ebenso habe ein Hausjunge die Frau vorsätzliche Tötung der Frau Graß im Sep- noch um diese Zeit gesehen. Die im Schlaftember 1934 und Versuch zur Verleitung zum zimmer entdeckten Blutflecken sind nach der Meineid. Einlassung des Ludwigs aus früheren, an Zu der Verhandlung haben sich zahlreiche sich naturlichen Vorgängen zu erklären. Pressevertreter und Zuhörer eingefunden. Ueber die Vorgänge eines Kassibers, mit Nach der Verlesung des Eröffnungsbe= dem Ludwigs einen Zeugen zu einer falschen schlusses trat das Gericht in die Vernehmung eidlichn Aussage veranlassen wollte, machte des Angeklagten ein, der zunächst auf Auf Ludwias eine längerer nerene Ile alle gelet wack Gegugia Ggeng Gnngio. GyngienLinks: Die Säulen des Heraion, von Prof. Dörpfeld ausgegraben und wieder aufgestellt. Rechts: Wettläufer in Olympia(Altes Vasenbild). Obent Hier stand einst der Tempel der Hera. Links: Durch dieses Tor schritten die olympischen Kämpfer. stplatz mit dem Zeusam Fuße des Cronoshügels. „Ihr alle geht nach Olympia", sagte der stoische Philosoph Epiktet, der in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts nach Christus lebte,„um das berühmte Werk des Phidias zu sehen, und jeder von euch hält es für ein Unglück, zu sterben, ohne es gesehen zu haben. Habt ihr da nicht unter der Hitze und dem Gedränge zu leiden? Gibt es da nicht Lärm, Geschrei und eine Menge anderer Unannehmlichkeiten? Und doch duldet ihr das alles gern, wenn ihr es vergleicht mit dem herrlichen Schauspiel, das sich euch dort bietet.“ So dachten die Griechen und die griechisch gebildeten Römer zu Beginn unserer Zeitrechnung über Olympia und die Olympischen Spiele, die damals schon auf eine mehr als 800jährige Geschichte zurückblicken konnten und doch noch immer für das gesamte Griechentum im Mittelpunkt des kulturellen Lebens standen. Die Olympien— so nannte man die Spiele— waren so wichtig, daß die ganze griechische Zeitrechnung sich auf sie gegründet hat. Alle vier Jahre fanden sie statt und man zählte diese vierjährigen Zeitabschnitte als Olympiaden. So sagte man z. B.: Christi Geburt war im ersten Jahr der 195. Olympiade, und daher wissen wir, daß die ersten Olympischen Spiele im Jahre 776 vor Chr. stattgefunden haben. Mit diesem Jahr beginnt erst die genauere Zeitbestimmung in der Geschichte der Menschheit. Wie ist Olympia, das berühmte Sportfeld in der Landschaft Elis, nahe der Westküste des Peloponnes, zu seinem Namen gekommen, während doch der Olymp, der Götterberg, sehr weit davon, im nördlichen migkeit einen Altar in dem unbewohnten und doch lieblichen Tal des Alpheios; ihm, dem olympischen Zeus, zu Ehren versammelten sich die Abgesandten aller Griechenstämme dort, an seinem Heiligtum. Und nach diesem Heiligtum des olympischen Zeus nannte man den ganzen Platz Olympia. Die Kampfspiele, die dort ausgefochten wurden, waren ursprünglich Goitesdienst. Daher wurden auch die Sieger vor dem Altar des Zeus von Priesterhand mit dem Kranz geschmückt, der aus einem Zweige des altheiligen Oelbaums bestand, jenes Oelbaums, den der Sage nach Zeus' umschloß, stand der stattliche, bunt bemalte dorische Tempel des Zeus, darin der bärtige Riesengott, von Phidias aus Gold und Elfenbein zusammengehämmert, auf reich geschmücktem Thronsessel. Das war das Wunderwerk, das jeder Grieche, wie Epiktet bezeugt, gesehen haben wollte, bevor er starb. Dorthin pilgerten zu den Festen die einen zu Fuß, die anderen kamen zu Roß oder auf Maultieren. Die Bürgermeister und Räte aus allen Städten kamen mit im Festschmuck, denn die Städte selbst waren es, die die Kämpfer stellten. Es waren offizielle Festgesandtschaften. Fünf chenlands keine höhere Ehre als den Sieg in den Olympischen Kampfspielen. Als Lohn winkte dem Sieger der grüne Kranz, die höchste der Ehrungen. Doch die einzelnen Gemeinden sorgten dafür, daß auch die materielle Belohnung nicht fehlte. Ein altes athenisches Gesetz bestimmte, daß der Sieger im Olympia 500 Drachmen erhielt, daß er lebenslänglich auf Staatskosten im Rathaus speisen und sein Standbild im heiligen Bezirk aufstellen durfte. Im Laufe der Zeit kam auch Pferdesport hinzu. Im Hippodrom gab es Wettfahrten der Viergespanne und Pferderennen. Damit begann aber auch schon die Entartung. Da die alten Olympischen Spiele ihrem Ursprung und ihrem Wesen nach Gottesdienst für den olympischen Zeus waren, so gerieten sie in Verfall, als das Christentum zur Herrschaft gekommen. Der christliche Staat konnte sie nicht mehr dulden, den Tummelplatz der„Heiden", die nun als Staatsfeinde galten. Darum hat Kaiser Theodosius I. sie im Jahre 394 nach Chr. verboten, Theodosius II. ließ 426 die Tempel zerstören und ein Erdbeben vollendete den Untergang des Heiligtums, dessen Trümmer durch Ueberschwemmungen bedeckt wurden. Das alte Olympia galt als der Mittelpunkt der griechischen Welt. Unter der Römerherrschaft wurde die Welt größer, zu groß für Olympia. Seitdem aber in der Neuzeit Eisenbahn, Dampfschiff und Telegraph die entferntesten Teile der Erde einander nahegebracht haben, konnte die Ideder Olympischen Spiele wieder aufleben. Während deutsche Ausgrabungen unter riechenland, liegt? Auf dem Olymp, essen Gipfel in die Wolken ragt und den n Altertum nie ein Mensch zu besteigen dagte, thronte nach dem Glauben der riechen Zeus, der Vater der Götter und Nenschen, mit seiner göttlichen Sippschaft. Ihm, dem„olympischen Zeus", dem man 1 in der unwegsamen Bergwildnis nicht pfern konnte, weihte altgriechische FrömSohn Herakles eigenhändig gepflanzt hatte. So war Olympia eine Tempelstätte in heiliger Einsamkeit. Der geweihte Bezirk, 200 Meter lang und 175 Meter breit, enthielt Tempel, Schatzhäuser und andere öffentliche Bauten, dazu Gebäude und Anlagen für die Wettspiele und die Man sieht noch heute die der Gotteshäuser über den Verwaltung. Bautrümmer Rasen gestreut. Unter dem Kronionhügel, der das Tal begrenzt, zieht sich lang hin eine Terrasse mit Freitreppe, aufgebaut zum Stehen für die Gemeinde. Der Terrasse zu Füßen ein Dutzend Zeusbilder aus Bronze, lauter Weihegaben. In der Mitte des Kultplatzes, den eine Mauer bis sieben Tage dauerte das Fest. An jedem Morgen wurde geopfert. Der olympische Kampf war der„Fünfkampf": Schnellaufen, Springen, Speerwerfen, Diskuswerfen und Ring= oder Borkampf. Daher: die fünf Ringe! Alle Wettkämpfer traten nackt an; die Nacktheit schien in der Hitze unentbehrlich. Deshalb sah man auch keine Frauen unter den Zuschauern. Die Griechen verehrten die Schönheit. So waren es zugleich Schönheitswettbewerbe zwischen Männern, die in Olympia ausgefochten wurden. Bei Homer heißt es, daß nichts dem Manne mehr Ruhm bringt, als ein schneller Läufer und ein guter Boxer zu sein. Dies galt auch noch in späterer Zeit. Noch im 5. Jahrhundert vor Christus gab es nach der öffentlichen Meinung ganz GrieLeitung von E. Curtius und R. Adler in den Jahren 1875 bis 1881 die alten Ban werke von Olympia ans Licht brachten reifte in dem Franzosen Baron Pierre de Coubertin der Plan, die Olympischen Spiele wieder ins Leben zu rufen und sie zu einem weltweiten Fest der Völkerveisöhnung und des Friedens zu machen. Um diesen Plan zu verwirklichen, berief er im Jahre 1894 einen Kongreß nach Paris, auf dem ein„Olympisches Komitee“ eingesetzt wurde. Schnell ging man ans Werk. Nachdem die Olympischen Spiele 1500 Jahre geruht hatten, feierten sie im Jahre 1896 in der Hauptstadt des neuen Griechenlands, in Athen, ihre Wiederauferstehung. Dr. Kurt Schmidt. Photo(5): Scherl Bilderdienst— M. Beilage zum„Stadt=Anzeiger für Wupperial und Umgebung“ Mittwoch. 22. Juni 1936 Düsseldorf ehrt Fortuna Begeisterter Empfang der Fortuna=Elf Düsseldorf stand am Dienstag buchstäblich im Zeichen des Volkssports Fußball. Zwar wurden die Massen nicht zu einem Endkampf um die Deutsche Meisterschaft oder zu einem Länderkampf gerufen, sondern es galt, der FortunaMannschaft, die am vergangenen Sonntag im Endkampf um die Deutsche Fußball=Meisterschaft nach einem höchst ehrenvollen Kampf dem 1. FC. Nürnberg unterlegen war, einen gebührenden Empfang zu bereiten. Selbst wenn man die Be geisterungsfähigkeit der Düsseldorfer Bevölkerung und besonders der Düsseldorfer Fußballfreunde kennt, hätte man eine solch riesige und herzliche Anteilnahme nicht erwarten können. Schon am Hauptbahnhof drängten sich stundenlang viele Tausende, denen die Wartezeit auch dann nicht zu lang wurde, als bekanntgegeben wurde, daß der„Fortuna“=Zug mit mehr als einstündiger Verspätung, die durch eine Streckensperrung zwischen Hagen und Barmen hervorgerufen war, eintreffen würde. In sengender Hitze erwarteten die Düsseldorfer auf dem Bahnhofs=Vorplatz „ihren Meister“ und bereiteten der Mannschaft nach kurzen Begrüßungsworten des DRL.=Gauführers Keyßner und des Fußball=Gauführers Ehle einen begeisterten Empfang. Unter starker Beteiligung der Düsseldorfer Sportvereine formierte sich dann vom Bahnhof aus ein Zug durch die Hauptstraßen der Stadt zum Rathaus. In dichten Reihen umsäumten Sportbegeisterte und Sportlaien die Strecke und immer wieder ertönten spontane„Heil“=Rufe. Bis in die angrenzenden Straßen hinein war der geräumige Marktplatz vor dem Rathaus besetzt und hier wurden die tapferen Fortunen mit einer Freude begrüßt, die auch dann nicht hätte größer sein können, wenn die Düsseldorfer Mannschaft den Meistertitel errungen haben würde. Nach der offiziellen Begrüßung durch die Stadtverwaltung trat die Mannschaft auf den Rathaus=Balkon, und jedem einzelnen Spieler jubelten die Massen begeistert zu. Hochrufe wechselten mit von Sprechchören dargebrachten Glückwünschen und als die Spieler dann wieder ihren, von vier schweren Gäulen gezogenen Wagen bestiegen, um in ihre„engere Heimat“ Flingern zum Vereinsfest zu ziehen, wollten die Zurufe kein Ende nehmen. Ebenso herzlich war die Begrüßung der Elf mit ihren Betreuern auf dem kilometerlangen Weg von der Innenstadt nach Flingern zum großen Schützenzelt, das die Flingerer Schützen in anerkennenswerter sportlicher Weise schon einige Tage vor ihrem eigenen großen Fest hergerichtet hatten. Im Großen Rathaussaal empfing und beglückwünschte in Vertretung des auf einer militärischen Uebung befindlichen Oberbürgermeisters Stadtrat v. d. Lühe die Fortuna=Mannschaft und überreichte ihr in Anerkennung ihres großen Kampfes zwei wertvolle Oelgemälde des verstorbenen Düsseldorfer Künstlers K. Wagner sowie jedem Endspielteilnehmer eine silberne Zigarettendose mit Widmung. Dabei fand Stadtrat v. d. Lühe, der Augenzeuge des Berliner Endspiels gewesen ist, treffende Worte für die großartige Leistung der Fortunen und er freute sich besonders über die Anerkennung dieser Leistung durch den Reichssportführer. Vereinsführer Bakkers dankte der Stadtverwaltung für die Ehrengaben und der Bevölkerung für den herzlichen Empfang, der seiner Mannschaft den Mut und die Kraft gebe, sich zum nächsten Kampf um die Deutsche Meisterschaft zu rüsten. Der„Club" spielt in Düsseldorf VfL. Benrath erwartet Nürnberg in der Pokalrunde. Für die zweite Schlußrunde um den von Tschammer=Pokal, die am 28. Juni durchgeführt wird, erfolgte jetzt die Auslosung. Das Treffen Westmark Trier gegen den VfB. Stuttgart wurde schon an diesem Sonntag vorweggenommen, da Stuttgart am 28. Juni durch ein größeres Privatspiel in Anspruch genommen wird. Der VfL. Benrath hat gegen den 1. FC. Nürnberg oder gegen den SC. Planitz anzutreten. Da zwischen Nürnberg und Planitz erst am 28. Juni die Entscheidung fällt, kann die nach Düsseldorf angesetzte Begegnung erst am 16. August, zu Beginn der neuen Spielzeit, steigen. Ebenso verhält es sich beim Spiel SV. Waldhof gegen Fortuna Düsseldorf oder SV. Klafeld, denn Fortuna spielt erst am 28. Juni gegen Klafeld. Die Düsseldorfer, die dieses Spiel sicher gewinnen sollten, werden dann erst am 16. August in Mannheim antreten. Im übrigen ergab die Auslosung folgendes Bild: Viktoria Stolp oder Preußen Danzig— MSV. Goltz Tilsit oder Hindenburg Allenstein; Wacker Berlin— Viktoria Wambura: Berliner SV. 92 gegen Beuthen 09; Vorwärts/ Rasensport Gleiwitz— VfB. Leipzig, Polizei Chemnitz— Viktoria Berlin; Polizei Lübeck— Hertha/BSC.; VfB. Peine— BC. Hartha: Werder Bremen— Rot/Weiß Oberhausen; Schalke 04— Sp.=Vg. Röhlinghausen in Wanne=Eickel; Wormatia Worms oder VfB. Friedberg— CfR. Köln oder Vingst 05; SSV. Ulm— Freiburger FC.; 1. FC. Schweinfurt— SV. Feuerbach; München 1860— 1. FC. Pforzheim. Gaumeisterschaften im Stadion Erste deutsche Klasse am Start. Der Gau 10 Niederrhein war bei den Olympia=Prüfungskämpfen in Köln der erfolgreichste Gau. Altmeister Kisters Düsseldorf lief eine persönliche Bestzeit. Mit 48.3 Sek. für 400 m hat er die zweitbeste Zeit, die in diesem Jahre in Deutschland gelaufen wurde, erreicht. Schaumburg gewann die 1500 m vor dem guten Wittenberger Böttcher in 3:57.6 Minuten. Konze=Radevormwald gelang es, die gesamte westdeutsche Sprinterelite zu schlagen. Er lief bei schwachem Gegenwind die 100 m in 11 Sek. Außer ihm waren im 100=m=Endlauf noch Heithoff=Krefeld und Voß=Elberfeld. Klewer=Barmen gelang es, die guten 400=mLeute Kölns zu schlagen. Er kam mit der Zeit von 50.7 in den Endlauf. Born=Düsseldorf gewann das Stabhochspringen mit 3.60 m.— Im Kugelstoßen war Jansen=Rheydt mit 14.47 m der Beste.— Auch auf den beiden nächsten Plätzen waren Vertreter des Gaues Niederrhein. Schau= und Werbeturnen des Langerfelder Turnvereins 1885 Am Sonntag, eine Woche vor dem Kreisgruppenturnfest in Solingen= Wald, ruft der Langerfelder Turnverein seine für diese Veranstaltung gemeldeten 76 Wettkämpfer zu einem letzten Probeturnen zusammen. Während am Vormittag nur die Wettkämpfer in Tängkeit treten, wird der Nachmittag alle Abteilungen auf den Plan rufen: Kürturnen der 1. Riege am Reck, Barren und Pferd, Körperschule der Turnerinnen, Vorführungen der Schüler und Schülerinnen, Schaufechten, Tauziehen, Staffelläufe, Faust= und Handballspiele. Am Schluß dieser bunten Folge werden die allgemeinen Freiübungen den turnerischen Teil beschließen, dem nach der Siegerverkündigung noch einige frohe Stunden im Vereinsheim folgen sollen. Marielouise Horn schafft die Leberraschung Auch Cramm/ Henkel und Lund/ Maier siegen in Wimbledon mehr als die Hälfte sofort flüssig sei. Im Wembley=Stadion sei für 100000 Zuschauer Platz. Mit einer für uns recht schönen Ueberraschung begann der zweite Tag des einzigartigen Wimbledon=Turniers. Marielouise Horn, die deutsche Spitzenspielerin, bezwang die amerikanische Wightman-Pokalspielerin Frau Palfrey=Fabyan 6:3, 7:5 und schaltete damit die erste„Gesetzte“ aus. Beherztes Angriffsspiel im ersten und ruhige Nerven im zweiten Satz brachten der Wiesbadenerin diesen erfreulichen Sieg ein. Zwei weitere deutsche Erfolge gab es im Männerdoppel. Gottfried von Cramm und Henner Henkel hatten wenig Mühe, die Engländer Anderson=Collins 6:0, 6:4, 6:2 zu schlagen. Es soll nicht verschwiegen werden, daß unser Davispokaldoppel im zweiten Satz ihre jungen Gegner etwas zu leicht nahmen. Mit dem spanischen Meister Enrico Maier zusammen schlug der lange Kieler Kaj Lund die englisch-irische Paarung Leader=Mac Veagh 6:1, 6:3. 4:6, 6:3 In der zweiten Runde treffen Lund=Meier auf Oesterreichs starkes Davispokaldoppel Graf Baworowski-Metara, das Andrews=Peters 6:3, 6:2, 4:6, 6:2 ausschaltete. Von Cramm=Henkel werden sich in der nächsten Runde mit Hebda=Destremeau(Polen=Frankreich) auseinanderzusetzen haben. Etwas unerwartet kam im Frauen=Einzel auch das Ausscheiden der bekannten Engländerin Peagy Scriven, die gegen ihre Landsmännin Saunders 4:6, 6:1, 4:6 unterlag. Bereits in der dritten Runde des Frauen=Einzels stehen die Amerikanerin Helen Jacobs und die Spanierin de la Valdene, die in der ersten Runde rasteten und in der zweiten Runde nur leichte Gegnerinnen zu schlagen hatten. 11. Olympische Spiele 1936 Das Meldeergebnis der Nationen. Am 20. Juni war der Nennungsschluß für die allgemeinen Meldungen der Nationen für die sportlichen Wettbewerbe der 11. Olympischen Spiele 1936 zu Berlin abgelaufen. Bis zu diesem Termin mußten sich die Olympischen Ausschüsse der einzelnen Länder entschieden haben, an welchen einzelnen Wettbewerben jeder ausgeschriebenen Sportart sie sich beteiligen wollen. Es handelt sich also noch nicht um ein endgültiges Meldeergebnis, da die zahlenmäßigen und namentlichen Nennungen erst in der Zeit vom 15. bis 28. Juli beim Organisationskomitee in Berlin abzugeben sind. 53 Nationen vertreten. Es steht nunmehr endgültig fest, daß die 11. Olympischen Spiele von 53 Nationen beschickt werden. Diese Rekordbeteiligung, die in der 40jährigen Geschichte der Olympischen Spiele bisher noch nicht zu verzeichnen war, nimmt sich noch größer aus, da die beteiligten Länder mit wenigen Ausnahmen zahlenmäßig außerordentlich starke Mannschaften ausrüsten werden und ihre Expeditionen in einem Ausmaße wie nie zuvor vornehmen. Zum Boxturnier werden die Vertreter von 38 Ländern antreten, während im Ringen Kämpfer aus 33 Nationen auf der Matte erscheinen werden. Stark besetzt ist das Fechtturnier mit 32 Nationen bei den Männern und 16 bei den Frauen. Gleichfalls 32 Nationen sind bei den Radrennen vertreten. Die Abgesandten von 31 Nationen nehmen am Olympischen Schießen teil. Auf die übrigen Sportarten verteilen sich die Meldungen wie folgt: Segeln 27, Rudern 26, Basketball 25. Reiten 24, Gewichtheben und Kanufahren je 19, Moderner Fünfkampf und Fußball je 18, Turnen(Männer) 15,(Frauen) 7, Hockey 14, Polo 7 und Handball 6 Nationen Anstralien auf der Wege nach Berlin Von Paris kommend, traf die australische Olympiamannschaft in Köln ein, wo sie herzlichst begrüßt wurde. Nach einer Besichtigung des Riesenwerkes der I. G. Farben in Leverkusen wurde ein Ausflug ins Bergische Land unternommen, dessen Abschluß eine Fahrt auf der Reichsautobahn Düsseldorf—Köln bildete. Am späten Nachmittag fand eine Begrüßung durch den Oberbürgermeister der Stadt Köln und den Stadionsdirektor Reinarz statt. Die Australier waren begeistert von all dem Schönen, das sie in wenigen Stunden gesehen hatten. Unter den 30 Sportlern, die in schmucker einheitliecht Kleidung auftraten befinden sich die Schwimmerinnen Pat Norton, Kitty Kay und Evelyn de Lacy sowie die Hochspringerin Doris Carter. Dagegen ist die berühmte Schwimmerin Clare Dennis nicht mitgekommen. Der Kurzstreckenschwimmer Kendall weilt bereits in Berlin. Die Australier erklärten, die besten Sportler des Landes mitgebracht zu haben. Viel erwarten sie von den Dreispringern Metcalfe und Dickinson, dem Skuller Cecil Pearce sowie dem Achter der Rudermannschaft, der aus lauter Polizisten besteht. Die Sportler werden von neun Begleitern betreut. Nach einer Besichtigung des Rathauses und der Sehenswürdigkeiten von Köln, erfolgte um 22,49 Uhr die Weiterfahrt nach Berlin. Die Australier freuen sich auf Berlin, um sich endlich von den großen Strapazen der langen Reise zu erholen, dann aber an die letzten Vorbereitungen für die Olympische nSpiele gehen zu können. Die Reichshauptstadt wird Dienstagfrüh kurz vor 8 Uhr erreicht. Gustav Eder muß warten Bereits im nächsten Monat kommen in Neuvork die nächsten Weltmeisterschaften im Berufsboren zum Austrag. Barney Roß, der Titelbalter im Weltergewicht, setzt seine Meisterschaft gegen Pedro Montanez am 22. Juli aufs Spiel. Veranstalter ist wieder Mike Jacobs, der auch Schmeling gegen Louis zustande gebracht hat. Gustav Eder, dessen Bestreben es ist, mit Rotz um den Titel zu kämpfen, wird also vorerst noch warten müssen.— Am 30. Juli ist es der Weltmeister im Leichtgewicht, Toni Canzoner, der im Madison Sauare Garden seinen Titel gegen Lou Ambers verreidigen wird. Die nächsten Pläne von Mike Jacobs Mike Jacobs ist als Veranstalter des Weltmeisterschafts= Ausscheidungskampfes zwischen Max Schmeling und Joe Louis trotz der unter den Erwartungen gebliebenen Einnahmen durchaus zufrieden und hat bereits neue Pläne. Neben seinen Vorbereitungen für den im September zum Austrag kommenden Titelkampf Braddock— Schmeling trägt er sich mit dem Gedanken, Joe Louis im August gegen Mar Baer kämpfen zu lassen. Der Sieger dieser Begegnung soll dann im Juni 1937 gegen den im Titelkampf unterlegenen Borer antreten und der Gewinner dieser Ausscheidung würde im September 1937 dem Titelhalter im neuen Weltmeisterschaftskampf gegenübergestellt werden. Wikordern Jhen Kond Unsere Denksportaufgabe. Siebenfache Bedeutung. Er sitzet an des Jägers Hut, Traf den Hirsch die Kugel gut. Dem Landmann ist er recht bekannt, Weil er ist ein sumpf'ges Land. Und schafft er auch dem Schüler Qual, Ist er drum noch keine Zahl. Mit Schrecken man ihn oft benennt, Wenn er durch Schmerz die Wunde brenDer höchste Wert geht schnell vorbei, Wenn der Unhold ist dabei. Die Freundschaft, die durch ihn vergel Sicher nicht aus Herzen weht. Erfreuen kann er doch das Ohr Dringen seine Weisen vor. London will Olympische Spiele 1940 Gaumeisterschaften im Stadion a.Zoo OlympiaAusscheidungskämpfe Noch 3 Tage Vorverkauf zu ermäßigten Preisen: Kaiten für beide Tage Stehplatz 0 40 Mk. Sitzplätze(Zielgerade) 0 60 Mk., Tribüne 1.00 Mk. bel Dahl in Barmen und Elbeifeld und bei sämtlichen Vereinen des R. f. L. Eintrittskarten berechtigen zu stark verbilligter Fehrt auf der Schwebebehn. Nach Tokio und Helsingfors will sich jetzt ganz überraschend auch London, die Hauptstadt des vritischen Weltreiches, um die Austragung der 12. Olympischen Spiele 1940 bewerben. In London hat nämlich Lord Burghley erklärt, Sir Percy Vincent, Londons Oberbürgermeister, beabsichtige, das JOK. einzuladen, die Zpiele 1940 in London abzuhalten. Vincent erinnerte daran, daß London die Spiele 1908 bestens durchgeführt bahe und versicherte, daß dies auch 1940 der Fall sein werde. Lord Burghley meinte, man werde ein einflußreiches OrganisanonsKomitee aufstellen, wenn die Einladung angenommen wird, und garantiere sofort einen Fonds von 100000 Pfund Sterling, von dem Zwischen Ruhr und Schwelm Böse Enten Eine Warnung an Tierhalter Schwelm, 23. Juni. Hier gelangte ein G.fügelbesitzer zur Anzeige, dessen Enten in einem fremden Garten Schaden angerichtet hatten. Es wird bei dieser Gelegenheit erneut darauf hingewiesen, daß Tierhalter verpflichtet sind, ihre Tiere so zu halten, daß sie nicht ausbrechen und Schaden anrichten können. Die Besitzer der Tiere haften für den Schaden, den sie anrichten. Er mißhandelte Frau und Kinder Schwelm, 23. Juni. Ein von seiner Frau geschiedener Mann verblieb trotz der Scheidung in der Wohnung seiner Frau und der Kinder. Bei Gelegenheit mißhandelte er diese, sodaß die Frau bei der Polizei Schutz suchen mußte. Sittlichkeitsverbrecher gefaßt. Schwelm, 23. Juni. Hier wurde ein 23jähriger junger Mann verhaftet, der sich seit längerer Zeit an Mädchen im Alter von 7 bis 12 Jahren in schwerster Weise unsittlich vergangen hatte. In einem Fall hat der Mann seit vielen Monaten mit einem der Kinder in Beziehungen gestanden. Nach seiner Verhaftung legte er ein volles Geständnis ab und wurde dem Untersuchungsrichter zugeführt. Schwelmer Arbeitsdank Am Donnerstagabend 8 Uhr findet im kleinen Saale des Märkischen Hofes eine Mitgliederversammlung des Arbeitsdank Schwelm in Anwesenheit des Bezirksarbeitsdankwalter Feldmeister Aßmann, statt. Für alle Kameraden und Kameradinnen, die schon von unserer Organisation erfaßt sind, ist der Abend als Pflichtabend anzusehen.„Wir bitten aber auch Euch, Arbeitsmänner und-Maiden, die Ihr noch fern von uns steht, tretet ein in unsere Mitgliedschaft und erlebt da weiter die Kameradschaft, die Ihr im Arbeitsdienst so geschätzt habt.“ Wir rechnen bestimmt mit dem Erscheinen sämtlicher Kameraden; denn es sind wichtige Fragen zu erörtern, es soll auch gleichzeitig der im Juli stattfindende Kameradschaftsabend besprochen werden.“ Großes Ereignis in der Kreisstadt Schwelm: Deutscher Artilleristentag Vom 11. bis 13. Juli/ Außerdem Tagung des Kreiskriegerverbandes des Ennepe=Ruhr=Kreise Schwelmer Sportler bei den olympischen Ausscheidungskämpfen Zu den leichtathletischen Gaumeisterschaften Schwelm, 23. Juni. Die am kommenden Sonntag in den Gauen stattfindenden Gaumeisterschaften der Leichtathleten tragen überall den Charakter von olympischen Ausscheidungskämpfen. Im Gau Westfalen finden diese in Herford statt und zwar am kommenden Samstag und Sonntag. Aufgrund einer Aufforderung hat sich der Schwelmer Fußballklub 06 entschlossen, einige seiner Athleten zu diesen Meisterschaften und Ausscheidungskämpfen zu entsenden. In erster Linie werden Prange für den 10 000=m=Lauf, Gensler für den 800Meter-Lauf und Simon für den 100-m=Lauf gemeldet werden. Außerdem wird Simon als Kreismeister im Weitsprung versuchen, auch den Gaumeistertitel und damit die Berechtigung zur Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften zu erkämpfen. Die jungen Schwelmer stehen damit vor einer schweren Aufgabe. Die Aussichten sind sehr schwer zu beurteilen, aber man sollte annehmen, daß sich vor allen Dingen Simon bei einem etwa gleich weiten Sprung wie in Witten zum mindesten plazieren könnte. Auch Prange, der ja schon einmal Gaumeister wurde, befindet sich in aufsteigender Form, sodaß vielleicht auch mit ihm zu rechnen ist. Für Gensler kommt es lediglich darauf an, seine bisherige Zeit erneut zu verbessern und in harten Kämpfen Erfahrungen zu sammeln. Jedenfalls sieht man in beteiligten Kreisen dem Abschneiden der SFCer mit Interesse entgegen. Schwelm, 23. Juni. Die umfangreichen Vorbereitungen für die Durchführung des 36. Abgeordnetentages der Deutschen Artilleriekameradschaften, der bekanntlich am 11., 12. und 13. Juli in der Kreisstadt Schwelm stattfindet, sind abgeschlossen. Inzwischen hat sich auch die Frage nach der Tagungsstadt für den Abgeordnetentag des Kreiskriegerverbandes des Ennepe=Ruhr=Kreises geklärte. Dieser findet am Sonntag, dem 12. Juli ebenfalls in Schwelm statt und damit nehmen neben den Vertretungen von 124 Vereinen der Artilleriekameradschaften noch die 65 Vereine des Kreiskriegerverbandes des Ennepe=Ruhr=Kreises an diesen Tagen großer militär-kameradschaftlicher Art statt. Um eine reibungslose Abwicklung zu gewährleisten, mußten bestimmte organisatorische Voraussetzungen gelöst werden. Der große Saal der Wilhelmshöhe würde nicht ausreichen. Man wird diesen daher durch einen großen Zeltanbau erweitern und dadurch 1700 überdachte Sitzplätze schaffen, bei gutem Wetter stehen dann noch rund 300 Sitzplätze in den Gartenanlagen zur Verfügung, sodaß über 2000 Personen unmittelbar an den Festlichkeiten teilnehmen können. Sämtliche Festräume sind durch Großlautsprecheranlage verbunden. Auch die Unterbringungsfrage der vielen auswärtigen Teilnehmer wurde durch ein eigens eingerichtetes Quartieramt gelöst. Der Abgeordnetentag der Artilleristen findet an der Wilhelmshöhe. der des Kriegskriegerverbandes im Märkischen Hof statt. Für die musikalische Ausgestaltung der Festlichkeiten wurde die bekannte Kapelle der Arnsberger Jäger verpflichtet, die in doppelter Besetzung d. h. auch für Streichmusik spielen wird. Außerdem wurde noch der Gauspielmannszug mit 22 Musikern gewonnen. Mit all diesen Vorbereitungen, wozu noch die Herausgabe eines Festzeitschrift kommt, verspricht dieses größte Ereignis der Kreisstadt für 1936 einen würdigen Rahmen zu bekommen. Erfreulich ist u. a. auch die Tatsache, daß sich der festausrichtende Verein die Schwelmer Artilleristenkameradschaft, dazu entschlossen hat, den Besuch der Militärkonzerte allen Volksgenossen durch ganz volkstümliche Eintrittspreise zu ermöglichen, ja. z. T. ist der Besuch der Veranstaltungen sogar kostenlos. Das Programm ist umfangreich. Der Samstag steht im Zeichen des Abgeordnetentages der Deutschen Artilleristenkameradschaften, der um 10½ Uhr im großen Festsaale der Wilhelmshöhe beginnt und mit einer gemeinsamen Mittagstafel und großen Militärkonzert endet. Im Anschluß daran ist eine vom Schwelmer Verkehrsverein veranstaltete Fahrt durch die nähere Umgebung der Kreisstadt vorgesehen. Abends versammeln sich die Teilnehmer zu einem Festkommers an der Wilhelmshöhe, zu dem Spitzen der Partei und Behörden, der Militärvereine und Organisationen eingeladen sind, und der im Zeichen der militärischen Kameradschaft und der Militärmusik stehen wird. Der Sonntag wird mit einem großen„Wecken“ und anschließenden Ständchen an den Krankenhäusern und am Hause des Ehrenführers der Schwelmer Kameradschaft eröffnet. Nachmittags findet der große Festzug statt und im Anschluß daran ein Militärkonzert auf der Wilhelmshöhe. In den Vormittagsstunden ist der Abgeordnetentag des Kreiskriegerverbandes inzwischen im Märkischen Hof abgewickelt worden und die Vertreter der 65 Vereine des EnnepeRuhrKreises nehmen dann nachmittags ebenfalls am Festzug teil, sodaß dieser ein imposanter Aufmarsch werden wird. Abends findet dann wieder ein Militärkonzert mit Festball statt. Montag ist ein Frühkonzert, nachmittags ein Marsch der Schwelmer Artilleriekameradschaft durch die Stadt, im Anschluß daran wieder ein Konzert in der Wilhelmshöhe und abends klingt das große Fest dann aus mit einem Fe“tball. Auch die dem Verband Deutscher Artilleriekameradschaften nicht angeschlossenen Artillerievereine sind herzlichst zur Teilnahme an diesen Fest= und Erinnerungstagen eingeladen, nur werden sie gebeten, sich in Schwelm beim Quartieramt anzumelden. Radevormwald Bezugsscheine für verbilligte Speisefette r Die Bezugsscheine für verbilligte Speisefette für die minderbemittelte Bevölkerung geltend für die Monate Juli, August und September werden vom städtischen Wohlfahrtsamt für den Wupperbezirk am Donnerstag, den 25. Juni, nachmittags 3.15 bis 5.15, im Spannagel'schen Saale in Vogelsmühle, für den Stadtbezirk am Freitag, den 26. Juni, vormittags von 8.30 bis 12 Uhr in der Lesehalle ausgegeben. Für diejenigen Empfangsberechtigten, die am 1. Ausgabetag noch keine Verdienstbescheinigungen vorlegen können oder aus anderen Gründen verhindert sind, erfolgt eine 2. Ausgabe am Freitag, den 3. Juli, vormittags von 8.30 bis 12 Uhr. in der Lesehalle der Stadt. Eine zwischenzeitliche Ausgabe findet nicht statt. Die Unterstützungsempfänger müssen bei der Abholung ihre Zahlungsausweise, die Lohn= und Gehaltsempfänger die Verdienstbescheinigungen sämtlicher Familienangehörigen vorlegen. Vermißt r Seit Sonntagmittag wird der Sohn des Bäckermeisters A. Klein, Hans Klein, als vermißt gemeldet. Der Vermißte ist 21 Jahre alt und leidet in der letzten Zeit an einer Nervenerkrankung. Es wird angenommen, daß Hans Klein in der Umgebung umherirrt. Jeder, der den Aufenthalt des Vermißten kennt oder ihn seit Sonntagmittag 1.15 Uhr gesehen hat, wird gebeten, sofort der Polizei oder den Angehörigen, Kaiserstraße 62, Nachricht zukommen zu lassen. Memleben Als Auftakt zur großen Feier in Quedlinburg anläßlich der 1000. Wiederkehr des Todestages König Heinrich I. am 2. Juli 1936 veranstaltet am 26. Juni d. Is. der Kreis Eckartsberga im Gau Halle=Merseburg der NSDAP. in der Kaiserpfalz zu Memleben im Unstruttal eine schlichte nächtliche Weihestunde. Während Quedlinburg die Grabstätte des Königs beherbergt, ist Memleben seine Todesstätte, wie es später die seines Sohnes Otto geworden ist. Von Memleben ist König Heinrichs Leichnam nach Quedlinburg überführt worden. In Memleben steht noch heute eines der wenigen Baudenkmäle aus der Zeit Heinrichs, ein gewaltiges, grob gefügtes Tor mit Mauerresten. Durch dieses Tor der Pfalz werden Heinrich I., Otto der Große, Otto II. und die folgenden Könige oft geritten sein. Als heilige Stätte gilt die Pfalz nach dem Tode der beiden großendeutschen Könige, des ersten Volkskönigs Heinrich J. und des Gründers des heiligen römischen Reiches, Kaiser Otto I. Aus der Pfalz wurde ein Kloster. Von der gewaltigen, spätromanischen Klosterkirche sind die schöne Krypta, in der beider Könige Herz und Eingeweide beigesetzt sein sollen, und die ragenden Seitenwände, ein Flügel des Querschiffes und die Abspriß erhalten. Der Gauleiter des Gaues Halle=Merseburg, Staatsrat Rudolf Jordan, hat anläßlich der Vorbereitungen zu dieser Feierstunde die Kirchenruine von unnützem Beiwerk befreien und würdig wiederherrichten lassen, und noch in diesem Jahre werden die von ihm veranlaßten Ausgrabungen nach dem Umfang der Kaiserpfalz ihren Anfang nehmen, von denen man ähnlich günstige Ergebnisse, wie von den s. Zt. durchgeführten Grabungen nach der nabegelegenen Pfalz Tilleda, erwarten darf. Sie sollen aufzeigen, wie die Pfalzen der sachsischen Könige ausgesehen haben. Lösung des Kreuzworträtsels aus Nr. 144 Von links nach rechts: 1. Gala, 4 Stat. 8. Ate, 9. Wolle, 10. Shaw, 12. Neer, 13. Terrine, 15. Alt, 18. Anlagen, 21. Fang, 23. Gabe. 24. Einem. 25. Ger, 26. Ural, 27. Herz.— Von oben nach unten: 1. Gast, 2. Athen, 3. Lear. 4. Sonntag, 5. Klee, 6. Ale, 7. Terz, 11. Wrangel, 14. Ill16. Leber, 17. Efeu, 18.Anna, 19. Gage, 20. Nerz, 22. Air. Erdbeersaft und Marmeladen Der Wohlgeruch der köstlichen Erdbeeren ist etwas, was wir nach Möglichkeit aufbewahren und uns erhalten möchten. Es genügt uns nicht, die Erdbeerzeit insofern auszukosten. als wir täglich Erdbeeren in irgend einer Form als Nachtisch zu uns nehmen, daß wir Erdbeerbowlen bereiten, sondern wir wollen auch in erdbeerlosen Zeiten einen Nachgeschmack von all der Herrlichkeit haben. Es gibt glücklicherweise ja viele Möglichkeiten, Erdbeeren so einzumachen daß sie viel von dem Zauber der frischen behalten. Zum Beispiel macht man in letzter Zeit vielfach rohen Erdbeersaft ein. Man kann dazu nur gute, frisch gepflückte Erdbeeren verwenden. 2½ Kilo Erdbeeren werden von den Stielen befreit, gut abgespült und auf ein Sieb zum Abtropfen getan. Dann werden sie in einem irdenen Topf mit einer Holzkeule zerquetscht. Man kocht nun etwa 2 Tassen Wasser auf. löst hierin 40 Gramm Weinsäure, setzt 1¼ Liter Wasser zu, und gießt dieses über die Erdbeeren, die man nun 24 Stunden stehen läßt. Man gibt die Masse darauf in den Saftbeutel zum Abtropfen. Der gewonnene Saft wird gemessen und in eine Schüssel getan, worauf man auf je 1 Liter Saft 1 Kilogramm Streuzucker zusetzt, nebst 1 kleinen Teelöffel Salizylsäure; man rührt mit einem großen silbernen Löffel, bis aller Zucker geschmolzen ist und der Saft klar aussieht. Man läßt ihn nun eine Weile stehen und schäumt ihn gründlich ab. Darauf wird der Saft in gut gereinigte, trocknete Flaschen aetan und mit einem harten Pfropfen aus Watte, die man in eine Salizylsäurelösung getaucht hat, verschlossen. Dieser Saft hat ein sehr feines Aroma. Roheingemachte Erdbeeren. 2½ Kilo gute. frisch geflückte Erdbeeren werden entstielt, abgespült und zum Abtropfen auf ein Sieb geschüttet. Man mischt nun die Beeren mit 1 Kilo Streuzucker und 5 Gramm benzoesaurem Natron in einem irdenen Topf und rührt, bis der Zucker geschmolzen ist. Dann gibt man die Erdbeermasse in gut gereinigte trockene Gläser. Man übergießt die Gläser mit einer dünnen Schicht zerlassenem Rindertalg. Sobald dieser festgeworden ist. bindet man die Gläser mit Pergamentpapier zu. Sie müssen an luftigem, kühlem Ort aufbewahrt werden, an dem die Temperatur nicht über 15 Grad Celsius steigt. Erdbeeren mit Rhabarber. 2 Kilo Rhabarber werden gut gewaschen und ungeschäft in 1 cm dicke Scheiben geschnitten. Diese werden in einem Aluminiumtopf getan und mit 1½ Kilo Zucker bestreut. So bleiben sie bis zum nächsten Tag stehen. Dann gibt man 2 Kilo gut gewaschene Erdbeeren und noch 1 Kilo Streuzucker hinzu. Nach etwa zwei Stunden wird der Topf aufs Feuer gestellt: man läßt die Früchte langsam aufkochen und läßt den Topf etwa eine habe Stunde auf gelindem Feuer. In dieser Zeit muß die Masse so gut abgeschäumt werden. Dann nimmt man die Erdbeeren vom Feuer, läßt sie ein wenig abkühlen und gibt dann etwas benzoesaures Natron hinein das man in ein wenig Saft aufgelöst hat. Darauf füllt man das Eingemachte in gut gereinigte, trokkene Einmachgläser. Erdbeermarmelade. Frischgepflückte, recht reife Erdbeeren werden durch ein Sieb gestrichen und gemessen. Auf jeden Liter Erdbeermuß nimmt man 1 Kilo Zucker. Diese Mischung rührt man mit dem Holzlöffel zwei Stunden lang. Die Marmelade, die sich besonders gut zum Füllen von Torten eignet, wird in Gläser oder Töpfe getan un mit Pergamentpapier zugebunden. Sie ist sehr haltbar. Erdbeermarmelade auf andere Art. 2 Kilo gut gesauberte Erdbeeren werden in 8 Liter Wasser weich gekocht. Man reibt sie dann durch ein Haarsieb und kocht das Fruchtmus nun mit 1 Kilo gesiebtem Zucker unter ständigem Rühren so lange, bis eine Probe auf einem Teller geliert. Darauf wird die Marmelade heiß in trockene Gläser gefüllt, erkaltet mit Pergamentpapier bedeckt, das man in Rum angefeuchtet hatte, und schließlich die Gläser gut verschlossen. Man kann auch Erdbereen mit Himbeeren mischen. Erdbeersaft. Aus Walderdbeeren kann man einen besonders aromatischen Saft gewinnen. Man kocht 1 Kilo Streuzucker in ½ Liter Wasser auf. schüttet 1½ Kilo zerquetschte Walderdbeeren hinein und läßt sie in dem Saft heiß werden, aber nicht kochen. Man läßt sie dann die Nacht über stehen. Dann gibt man die Masse in den Saftbeute und läßt den Saft abtropfen; dieser wird in trockene Flaschen gefüllt und die Flaschen gut verschlossen. Aus dem Rückstand bereitet man. indem man ein wenig Wasser hinzutut und dann etwas in Wasser glatt gerührtes Kartoifelmehl hineinrührt, ein wohlichmeckendes Kompott. Man kann auch Kaltschale davon bereiten indem man vielleicht noch den Saft einer Zitrone und hinzutut. Konserven= und Kochgemüse Im allgemeinen wird angenommen, daß das in Blechdoien konservierte Gemüse sehr viel armer an Vitaminen sei als das im Sommer von der Hausfrau frisch zubereitete. In Wirtlichteit liegen die Dinge aber etwas anders. Obwohl das frische Gemüse zweifellos den Vorzug verdient, wird es doch durch die übliche Zubereitung in einen Zustand gebracht, der eine noch stärkere Verarmung an Vitaminen zeigt als er bel Konservengemüsen nachweisvar ist. Die haushaltübliche Zubereitung der Gemüse läßt daher die Vorzüge des frischen grünen Gemüses im Frühjahr und Sommer gar nicht zur Auswirtung auf den Organismus gelangen. Um den Wert der frischen Gemüse auszunutzen, ist es nötig, ihre Zubereitung sorafiltig zu gestalten. Frische Preßsäfte sind besonders als Zusatznahrung bei Krankenkost zu empfellen. Doch sollen sie auch vom Gesunden nach töglichkeit des öfteren genossen werden. Auch kurzes und gelindes Dampfen schont die wertvollen Bestandteile der Gemüse stärker als das lange Kochen. Ist diese Zubereitungsart nicht immer möglich, so soll man sich mit einem kur zen Abwellen der Gemüse mit heißem Wasser begnügen und sie dann in kleingebacktem Zustand anrichten. Nur so wird auch der Geralt unserer Nahrung sich in günstigem Zinne mit rzeiten ändern. Es wird bisweilen behauptet, daß Fledermäuse tagblind seien. Da trifft aber nicht zu. Sie werden nur gleich uns geblendet, wenn lie plötzlich aus dem Dunkeln in sehr grelles Licht kommen Katzen können im Dunkeln nicht sehen, im Tämmerlicht dagegen sehen sie besser als der Mensch, weil ihr Auge anpassungsfäiger ist. 50 e =— 6 :— —. — = Zum letztenmal gesehen. Odells Herz pochte in rasenden Schlägen Das da oben waren Mallory und Irevin sie würden es heute schaffen. In raschen Gedankensprüngen sah er diesen Tag mit erzenem Meißel eingegraben in die Geschichte der Bergsteigerei. Dieser Tag würde dem Himalaya sein größtes, sein letztes Geheimnis entreißen. Bald würden die drahtlosen Stationen es in alle Welt hinausfunken, und die Londoner, die Pariser, die Berliner Amerika, Asien und Australien würden die Botschaft hören, auf die auch die Unbeteiligten seit Jahrzehnten warteten: der Mount Everest ist bezwungen. So steht Odell, schaut und fiebert. Es können höchstens noch 200—250 Meter sein, die die beiden Tapferen vom Gipfel trennen. Plötzlich hat sich das Bild durch Wolken und Nebel verschleiert. Odell kann nicht mehr erkennen, ob sich Mallory und Irevin vereinigt haben. Er hat auf seine Uhr gesehen, die zeigt 12.50. Nach Mallorys Berechnungen hätten sie schon um zehn an diesem Punkt sein müssen. Trotzdem— Verzögerungen waren möglich. Die Menge des Neuschnees sprach da mit und die Schwere der Sauerstoffapparate, die jede Berechnung unmöglich machte. Odell kann auch nicht erkennen, ob die beiden angeseilt waren oder nicht, als kritischer Bergsteiger hatte er den Eindruck, daß dieses letzte Stück alpinistisch nicht schwer sein konnte. Da zieht ein Schneesturm herauf. Odell ist sich der Gefahr bewußt, die dieser Schneesturm für ihn in sich birgt, und tritt den Rückmarsch nach Lager VI an. Er weiß, daß es nun um Tod und Leben geht für die beiden Kameraden, die im letzten Sturm begriffen sind. Können sie sich vor dem nahenden Unwetter nicht in Sicherheit bringen, dann ist das Verhängnis da, denn in 8600 Meter Höhe kann man einem solchen Schneesturm in keinem Falle trotzen. Odell wartet und wartet im Lager auf die Gefährten. Und als ihm die Furcht befällt, sie könnten das Lager wegen des Schneetreibens nicht finden, da spottet er als guter Kamerad jeder Gefahr und macht sich nochmals auf den Weg nach oben. Er macht sich durch Singen und Pfeifen Mut. Er ruft durch die Gegend, die ein hohles Echo wiederbringt, in der Hoffnung, die Kameraden würden es hören. Nichts rührt sich. Jetzt weiß er, daß seine Kameraden von dem Verhängnis erreicht wurden. Weiß und tot liegt die Einöde. Haben sie den Gipfel bezwungen? Kein Mensch hat je Mallory und Irevin wiedergesehen. Der Berg hat sie als Opfer verschlungen, wahrscheinlich sind sie von einem Schneesturm wie Federn ins Nichts geschleudert worden, diese Menschlein, die sich vermaßen, den Thron der Göttin zu erklimmen. Kein Mensch weiß, wann und wie sie endeten. Ob sie den Gipfel tatsächlich erreichten, wird nie zu klären sein. Es ist schon viel darüber gestritten worden. Odell hält es nicht für ausgeschlossen— aber beweisen kann es niemand. Natürlich wurde auch diese Expedition abgebrochen, nachdem die beiden stärksten Stützen der Expedition, die besten Kletterer, dem Berge zum Opfer gefallen waren.„Sic itur ad astra!“„Wir erwarten keine Gnade vom Everest!“ waren Mallorys letzte Worte, als sie sich im Lager III von den Kameraden verabschiedeten. Der Everest hatte auch keine Gnade geübt, er brach den weißen Stab über sie und schleuderte sie ins Nichts!... „Sie hatten noch 240 Meter etwa,“ schreibt Odell in seinem Bericht,„zu überwinden, um den Gipfel zu erreichen, und wenn sich ihnen keine besonders schweren Hindernisse auf der obersten Pyramide in den Weg stellten, hätten sie den Gipfel ungefähr um 3 oder 3.30 Uhr erreichen müssen. Das hätte eine Verspätung von 3—4 Stunden bedeutet, und sie wären nicht vor Einbruch der Nacht im Lager VI gewesen. Es war Mondenschein und klares Wetter. Sie konnten sich jedoch verirrt haben und gezwungen gewesen sein, bis zum Tagesgrauen Schutz zu suchen— eine Gefahr, über die sich Mallory bei seiner Erfahrung im klaren war. Schlaf in dieser Höhe und bei diesen Kältegraden mußte so gut wie sicher zum Tode führen.“ Old England hatte die Schlacht gegen die Göttinmutter der Berge verloren. Die Deutschen greifen an. Im Kampf um den„Kantsch“. Im Wesen des Engländers liegt die Sucht nach dem Rekord. Wenn der englische Jager von einem Jagdausflug nach Afrika zurückkehrt und seine Trophäen vorweist, wird es ihm immer auf das größte Geweih, auf den größten Elefantenzahn ankommen, nicht auf die Umstände, unter denen die Trophäe erworben wurde, nicht auf den Wert der Beute für die Allgemeinheit, sondern auf die Quantität des Erlebten und Erlegten. Es wurde schon einmal erwähnt, daß die englischen Angriffe auf den Mount Everest, unzweifelhaft von sehr tapferen Männern versucht, kein anderes Ergebnis gezeitigt haben, als eine imposante Höhenbezwingung. Alles andere als die Bezwingung des höchsten Gipfels war nebensächlich. Aus diesem Umstande erklärt es sich auch, daß das wissenschaftliche Ergebnis der drei englischen Expeditionen minimal war. Finanziell waren sie olle drei Fehlschläge, und die dritte schloß mit einem Defizit von 200 000 Mk. Es ist sehr die Frage, ob oas Erreichte, wenn man von der sportlichen Leistung absieht, ob der Erfolg die vielen Hunderttausende wert war, die er gekostet hat. Englische Rekordsucht— deutsche Gründlichkeit. In dieser Frage weicht die Einstellung des Engländers von der des Deutschen erheblich ab. Vergleicht man die englischen Expeditionen im Himalaya mit denen der deutschen Unternehmungen, so treten deutliche Unterschiede zutage. Bei den Engländern fällt sofort der Einsatz riesiger Geldmittel und modernsten Materials ins Auge, bei den Deutschen sparsamster Betrieb, Einteilung aller Dinge bis ins kleinste. Bei den Engländern die Rekordsucht, den Berg zu bezwingen, als erste zu bezwingen, bei den Deutschen als Endergebnis eine Fülle von wissenschaftlichen Feststellungen, die vielen Gelehrtenzweigen lange entbehrten Stoff bringen und alles andere in den Hintergrund treten lassen. Bei den Engländern mußte es der höchste Gipfel der Erde sein, den Deutschen genügte auch der Kantschendzönga mit seinen 8578 Metern. Was bei den zwei Expeditionen des Deutschen Bauer an physischen Leistungen gefordert wurde, das übertrifft bestimmt die Leistungen der Engländer. Was aber die deutschen Expeditionen ganz besonders aus dem Rahmen anderer HimalayaExpeditionen herausgehoben hat und ihren inneren Wert ausmachte, das ist der herrliche Idealismus und Heroismus, aus dem heraus sie geboren und in die Tat umgesetzt wurden. Diese deutschen Helden des Himalaya waren gleich dem Führer Adolf Hitler Soldaten des Weltkrieges gewesen, die, des zerbrochenen Deutschland überdrüssig, ihre Energien nun in anderer Richtung einsetzten. Münchener Studenten bereiten sich vor. Sie studierten in kümmerlichsten Verhältnissen in München. Die Berge um diese schöne Stadt waren ihnen Heimat. Sie waren alle geübte Bergsteiger, und als die Berge der nächsten Umgebung für ihre Talente ein zu enger Raum wurden, gingen sie an größere Aufgaben in der Ferne heran. Sie bestiegen eine Anzahl von Alpenbergen bis zu einer Höhe von 4000 Meter, darunter den Monte Rosa und das Matterhorn. Wahrlich, sie waren keine Luxusreisenden, sie waren jener Typ von Studenten, der auch bei seinen Erholungen immer an das Semestergeld denken muß. Um Reisekosten zu sparen, fuhren sie weite Strecken auf Rädern, nahmen mit der Bergausrüstung eigenen Proviant für einige Wochen mit, um nicht unterwegs unerwartete Ausgaben zu haben. Mit dem Erfolge wachsen die Schwingen. Diese Leute erwarben sich langsam, Stein für Stein, das Fundament zu einem alpinen Wissen, brachten es durch ihre intensive Naturversunkenheit zu Kenntnissen, die sie für größere Aufgaben befähigten. Und nachdem 1928 der Kaukasus auf dem Programm gestanden hatte, sollte 1929 der große Sprung nach dem Himalaya gemacht werden. Mit deutscher Gründlichkeit ging man an die Vorbereitungen. Jeder der Kameraden hatte sein bestimmtes eigenes Ressort, das er im Interesse der Gemeinschaft verwalten mußte. Es gab keinen besonderen Vorrang für die neun Männer: Allwein, Aufschnaiter, Beigel, Brennert, Bauer, Fendt, von Kraus, Leupold und Thönes. Sie zogen aus, um auf wissenschaftlicher Basis den Himalaya zu erforschen, nicht wie die Engländer um die unsichtbare Gottheit vom Throne der Götter zu stoßen. Freilich mußte man alle Kraft und alle Kenntnisse auch der alpinistischen Seite widmen, denn ohne diese Waffen gab der Himalaya nichts her. Wenn man vorwegnehmend bedenkt, daß diese ganze Expedition 40 342 Mk. gekostet hat— die Engländer hatten allein das Fünffache Defizit— dann merkt man sofort den Unterschied des Geistes. Die Teilnehmer allein hatten 15 000 Mk. dazu aufgebracht. Wenn man aber gar die Ergebnisse vergleicht, die im Verhältnis zu den Kosten erzielt wurden, dann sieht man die Kluft, die die englischen und die deutschen Unternehmungen voneinander trennt. Die„Vergnügungsreise“ beginnt. Am 23. Juni 1929 fahren die Kameraden aus der Heimat ab. Sie sind ernst und sich der Aufgabe bewußt, die vor ihnen liegt. Sie wissen, daß sie der Tradition ihrer tapferen Ahnen folgen müssen und daß die Gründlichkeit und die Ehrlichkeit des Willens immer der schönste Zug in der Geschichte des Vaterlandes gewesen ist, das sie im Herzen tragen. So hatte sich denn der englische Generalkonsul in München sehr geirrt, als er in ihren Pässen den Grund der Reise als„Vergnügungsreise“ bezeichnete. Nein, eine Vergnügungsreise war das nicht, sondern eine Fahrt zu ernster wissenschaftlicher und bergsteigerischer Arbeit. Am 28. Juli geht es bereits von Dardschilling zum eigentlichen Zweck der Fahrt. Die Deutschen haben inzwischen kaum Rast gemacht, jeder Tag war mit Vorbereitungen und Arbeit ausgefüllt. Die Träger und Köche wurden angeworben, in der Hauptsache Leute, die schon an Everest=Expeditionen teilgenommen hatten. Alle Erfahrungen früherer Unternehmungen wurden gewürdigt und, soweit sie wertvoll erschienen, ausgenutzt. In Dardschilling teilte sich die deutsche Expedition in zwei ungefähr gleich große Gruppen auf, von denen die erste 44 Träger, die zweite 42 aufwies. Am 12. August war man bereits in der Gletscherzunge des Zemugletschers und konnte in 3860 Meter Höhe das erste Lager einrichten. Man war, wie gesagt, nicht so ehrgeizig, den Mount Everest als Ziel zu wählen, sondern hatte es auf einen seiner riesenhaften Nachbarn, den„Kantsch“ abgesehen. Bevor man aber den Angriff auf den „Kantsch“ wagte, machte man einige Eingehversuche an kleineren Bergen und wartete ab, ob die Ergebnisse den Anforderungen entsprechen würden. Diese Vorsicht war unumgänglich für ernsthafte Alpinisten, denen diese Welt vollkommenes Neuland war, in dem sie sich erst akklimatisieren mußten. Unter diesem Gesichtswinkel waren die Schwierigkeiten nur von einer solchen heroischen Schar zu bewältigen. In jubelndem, immer neu vorgetragenem Ansturm werden gewaltige Höhen erreicht, die bis zu 7440 Meter führten. Einer für alle, alle für einen — das ist die herrliche Devise, die Glück und Unglück gleichmäßig durch alles strömen läßt, alles gemeinsam tragen hilft. Denn an Strapazen und Gefahren war diese Expedition nicht ärmer als die Mount=Everest=Expeditionen; denn der Kantschengdzönga ist ein noch rauherer, noch gefährlicherer Geselle als der Everest. Großes mit kleinen Mitteln gewagt. Die Wirkung dieser Expedition für das Ansehen von deutscher Kraft und Geisteshaltung war ungeheuer. Es war die erste größere Unternehmung, die nach dem Kriege nach dem fernen Osten kam. Da die Kriegspsychose— ein Ueberbleibsel jener oft gegeißelten lügnerischen Propaganda— noch recht lebendig war, sahen die Bewohner Indiens erstaunt in die Gesichter dieser ehemaligen deutschen Soldaten, aus denen ihnen Friedfertigkeit, Kraft und Größe, gepaart mit ehernem Willen, entgegenschauten. Einen gewaltigen Eindruck hinterließ es auch, daß diese kleine Gruppe sich an eine solche Aufgabe heranwagte, mit kleinen Mitteln zwar, aber doch mit einem reibungslosen und bewundernswerten Geschick. Die bergsteigerischen Ergebnisse der beiden „Kantsch"=Expeditionen sind erheblich, wenn auch der Gipfel dieses dritthöchsten Berges der Erde nicht bezwungen wurde. Dafür aber sind die gefährlichen Abstürze in der Mittellage mit beispielloser Energie begangen worden, Aufgaben, die alpinistisch viel gefahrvoller waren als die Besteigung des Everest. Selbst wenn die deutschen Bergsteiger 1000 Meter unter den Engländern geblieben sind, so will das wenig bedeuten. Viel wichtiger ist, daß sie den Beweis erbracht haben, daß es möglich ist, in solchen gewaltigen Höhen auch ein ausgesprochen schwieriges Gelände zu überwinden und trotz härtester Arbeit viele Wochen dort oben auszuhalten, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Damit ist die vielbestrittene Akklimatisierungsmöglichkeit einwandfrei bewiesen, die die Aussicht eröffnet, daß bei richtiger Einstellung und sorgfältigster Vorbereitung auch der Mount Everest sich eines Tages dem Willen des Menschen beugen wird. Die Olympia=Medaille für Paul Bauer. Riesig ist die Fülle der wissenschaftlichen Ergebnisse. Die Technik der Besteigung ist für Nachfahren klargelegt worden, über die Verpflegung in solchen Höhen sind Richtsätze festgelegt worden. Ueber Meteorologie, medizinische Bedingungen, photographische Voraussetzungen sind Hinweise vorhanden, die hoch bewertet werden müssen. Paul Bauers Buch „Im Kampf um den Himalaya" ist dadurch zu einem der bedeutendsten Berichte der hochalpinen Fachliteratur geworden. Und wenn der Verfasser für diesen Bericht die goldene olympische Medaille verliehen erhielt, so ist damit nur eine verdiente Ehrung ausgesprochen worden. Später schrieb Bauer ein zweites Buch„Um den Kantsch“. Und dieses Buch, das über seine zweite im Jahre 1931 durchgeführte Expedition berichtet, ist eines der ganz großen Heldengedichte der deutschen Wissenschaft und Geschichte.— Als Bauer, von riesigen Neuschneemengen gezwungen, am 7. und 8. Oktober 1929 dem Kantschendzönga den Rücken kehrte, wußte er, daß er wiederkehren würde, wenn günstigere Verhältnisse einen neuen Angriff gestatten würden. War der Mount Everest für die Engländer zu einem nationalen Ziele geworden— ein Ziel, das wahrscheinlich das letzte, größte geographische Problem der Welt darstellt—, so war der dritthöchste Berg der Erde, der Kantschendzönga, von ungleich größerer Bedeutung in alpinistischer Hinsicht. Allein die Bezwingung des Nordostsporns mit seinem messerscharfen, vereisten Grat, seinen Eisstürmen und Hängegletschern hatte eine Bresche in die Unbesiegbarkeit dieses Berges geschlagen, die auszubauen Bauer und seinen Kameraden als eine Pflicht höherer Ordnung erschien. Der zweite Versuch. Als die zweite Expedition Bauers im Jahre 1931 startete, gehörten ihr wieder außer Paul Bauer, Dr. Allwein, Peter Aufschnaiter, Julius Brenner, Wilhelm Fendt, Joachim Leupold an, die auch die erste Expedition mitgemacht hatten; dazu kamen dann noch einige jüngere Semester: Dr. Hartmann, Hans Pircher, Hermann Schaller und Dr. Wien. Die hervorragende Homogenität dieser Gesellschaft, die ideale kameradschaftliche Eintracht, auf der schon bei der ersten Expedition ein großer Teil des Erfolges beruht hatte, garantierten auch diesmal den Erfolg im voraus. Als man am Pfingstmontag des Jahres 1931 aufbrach, nahm man ungefahr den gleichen Weg wie zwei Jahre zuvor, über Kalkutta und Dardschilling. Wieder werden unter großen Mühen die verschiedenen Lager angelegt, bis am 14. Juli endlich die Arbeit am Berge selbst beginnen kann. Wieder werden die Steilhänge des Nordostsporns mit ihren Neigungswinkeln von 60—70 Grad bezwungen und auf dem Grat wird ein Lager eingerichtet. Aber oberhalb des Little Camp ist eine Stelle, die sich nicht bezwingen lassen will. Tagelange unerhörte Strapazen sind allein zur Vorbereitung nötig, um die Stelle passierbar zu machen, unaufhörlich donnern die Lawinen rundum, und der„schiefe Tod“ saust in die Abgründe. Grandiose Naturschauspiele von elementarer Majestät erleben die kühnen Bergsteiger Tag für Tag, aber jeder einzelne Schritt kann den Tod bringen. Schließlich hatte es den Anschein, als ob auch diese Stelle überwunden werden könne. Hartmann, Wien und Schaller waren überzeugt, daß man es schaffe. Aber als Bauer, als der Führer, schon auf dem Vormarsch die Stelle zu sehen bekam, erkannte er sofort, daß dieser Weg wohl für geübte Bergsteiger vielleicht zu schaffen wäre, daß aber die Trüger mit ihrer geringeren Gewandtheit und ihren Lasten nie und nimmer diese Passage bewältigen könnten. Allein, das Rad war schon im Nollen, der Vortrupp hatte die Stelle schon passiert und ein Abblasen hätte erst recht Unruhe, Bestürzung und vielleicht dadurch eine Katastrophe herbeigeführt. Schallers tragisches Ende. Aber lassen wir Bauer selbst erzählen: „So stand ich höchst beängstigt am Beginn des Querganges und folgte jeder Bewegung der anderen mit den Augen, als ob ich sie festhalten und stützen könne. Schaller stieg langsam an. Jede Stufe reinigte er sorgfältig von dem Firn, der herniedergerutscht war, und vergrößerte sie. Dann verschwand er für mich hinter der weit vorragenden diesseitigen Begrenzungsrippe der Rinne. Nach einer kleinen Weile ging Pasang(einer der Träger) nach und verschwand gleichfalls hinter der Rippe. Der dritte Mann, Tsin Norbu, stand am Fuß des Eiscouloirs am Sicherungsblock und bediente das Seil. (Schluß folgt.) Die australische Flagge geht hoch. Als erste vollzählige Mannschaft sind die Australier in Stärke von 38 Mann in das Olympische Dorf eingezogen. Zu ihren Ehren wurde auf dem Fahnenmast die australische Flagge gehißt.(Atlantic, M.) Der politische Witz des Auslandes. Stalin will die ganze Welt rot anstreichen. Besorgt blickt John Bull dem geschäftigen Treiben des Anstreichers Stalin zu, der bereits Westeuropa mit roter Farbe beschmiert und ruft ihm zu:„Nicht auf dieser Insel, Mister Stalin, unsere Farben werden immer Rot, Weiß und Blau sein!(Das sind die Farben des Union Jack.)— Das untere Plakat heißt übersetzt:„Stalin u. Co, mit unbeschränkter Haftpflicht. Welt=Verschlechterer, Spezialisten in einer Farbe: Rot."(Sunday Dispatch.) Drei Kanus auf der Isar. Auf der Isar bei Bad Tölz wurde die zweite Kanu=Isar=Patrouille durchgeführt. Die Teilnehmer hatten mit allen Wildflußmöglichkeiten gerechnet und es wurden von ihnen unvorhergesehene Geschicklichkeitsprüfungen verlangt.(Presse=Photo, M.) — Deutschlands Zukunft. Eine Bilderfolge aus dem Leben unserer Jugend. Fröhliches Spiel im Sommerlager. (Graphische Werkstätten, M.) Schnappschuß aus Montreux. Der türkische Gesandte in London, Fethi Okyar (links), und der türkische Außenminister Rüschtü Aras(rechts), aufgenommen vor ihrem Hotel in dem malerischen Montreux, wo die sogenannte Meerengenkonferenz begonnen hat. Auf dieser Konferenz wird bekanntlich die türkische Forderung nach Wiederbefestigung der Dardanellen ehannelt. PPresse=Photo, M.) Das dicke Ende kommt zuletzt. Ein Bild vom Sommerfest der Lübecker Jugend, das im Rahmen der Reichstagung der Nordischen Gesellschaft veranstaltet wurde. Das Stangenklettern ist immer noch beliebt, aber der letzte Meter ist doch der schwerste.(Weltbild, M.) Das ruhmlose Ende. Ein Funkbild von der Auffindung des kleinen englischen Fischkutters„Girl Pat“ an der Küste von Guayana. Der Fischkutter ist bekanntlich vor einiger Zeit von seiner Mannschaft entführt worden, die sich angeblich mit ihm auf die Schatzsuche begeben wollte. Er wurde nunmehr von einem Regierungsdampfer gestellt. Seine Mannschaft war völlig abgerissen und halb verhungert.(Presse=Photo, M.) Nr. 145 Beilage zum„Stadt=Anzeiger für Wuppertal und Umgebung“ Mittwoch, 24. Juni 1936 Meister- und Meisterinnen=Konzert „Wer vieles bringt, wird jedem etwas bringen....“, unter diesem Leitwort stand der „fröhliche Abend mit ernsten Hintergründen“, den die Arbeitsgemeinschaft für Förderung der Musikpflege in Wuppertal im Saale des Elberfelder Frauenklubs veranstaltete. Zwanzig Wuppertaler Großmeister und Großmeisterinnen unter der zuverlässigen Führung ihres Urgroßmeisters traten im Verlaufe des Abends auf den Plan und boten„fröhliche Kunst mit ernsten Hintergründen“. Man hätte den ernsten Meistern— noch viel weniger den würdigen Meisterinnen zugetraut, daß sie auf so schlimme Gedanken verfallen, so vom Wege der musikalischen— nicht musikantischen, das ist ja etwas anderes— Tugend auf ernste Hintergründe abgewichen wären. Wenn auch mit einem lachenden und einem weinenden Auge, das tat der Sache keinen Abbruch; im Gegenteil: es steigerte die komische Wirkung; jedenfalls: es war ein fröhlicher Abend, der neben der Erheiterung mancherlei nachdenkliches brachte. Eigentlich ist ja ein fröhlicher Abend in diesem ernsten Kreise an sich schon eine Erheiterung. Und da, wo die Darbietungen komisch wirken sollten, wie bei„Hermännchens erster Klavierstunde“, einer Dialog=Szene nach Goethes Faust, zwischen Mephisto und seinem Schüler„Hermännchen“, blieb denn auch kein Auge trocken. Teils dieserhalb, teils außerdem! Starken Anklang fand weiter ein Gesangsterzett: „Der Tod des Verräters“, welches die heute schon etwas weit zurückliegenden Auswüchse der großen französischen Oper zur Zeit Meyerbeers geißelte. Auch hier stürmischer Beifall, denn nicht nur die kompositorischen Verirrungen wurden köstlich persifliert, es wurde sogar wie echt geknödelt. Das steigerte natürlich die komische Wirkung ungemein. Ebenso blieb die groteske Wirkung der ernsten Mimik bei dem die Vortragsfolge einleitenden heiteren Quartett nicht ohne zwerchfellerschütternden Eindruck. Nicht minder gefiel ein nächtliches Ständchen, einige Einzelgesänge lustiger Art und schließlich die verschiedenen instrumentalen Darbietungen: Streichquartette und Klaviervorträge. Dem Gesamtbild die Würze gab ein witziger Ansager, ein Mann des„trocknen Tons“, der sich unter die Meister und Meisterinnen gemischt hatte und Unzulängliches— das fehlende Programm— Ereignis werden ließ.— a— kommen. Ganz unbemerkt hat sich dieser Sinn eingeschlichen. Es kann in dieser anderen Anwendung neckisch sein, so wie ein kleiner Kobold= der lustig herumspringt. Doch es kann auch ganz bissig und hinterhältig sein. Es kann Dinge sagen, die man sonst nicht ungestraft sagen dürfte. Und man ist doch kaum zu fassen, wenn man es sagt. Denn schließlich stellt es sich scheinheilig-treuherzig hin und erklärt: Was denn? Ich habe es doch gar nicht so gemeint, wie du es aufgefaßt hast; hier steht es ja schwarz auf weiß. Da heißt es: Er ist ein feiner Kerl. Und das ist ein recht ansprechendes Lob. Aber wenn es heißt: Er ist ein „feiner“ Kerl, so sieht es nicht gerade nach Anerkennung aus. Der das sagt, zwinkert mit den Augen und lacht hämisch in sich hinein. Gerade herauszusagen, was er denkt, wagt er nicht; also wählt er diesen Umweg, diese Hintertür, statt aufrecht durch den Haupteingang einzutreten. mm Es kann wohl sein, daß man dann und wann einmal in eine Lage kommt, die zwingt, nicht ganz offen auszusprechen, was man denkt. Nicht so sehr= weil man sich selber schadet, sondern weil man andern nicht nützt. Zumal die volle= die lautere Wahrheit gar nicht einmal so sehr begehrt ist. Es fragt sich nur, ob man dann des Ausführungszeichens bedarf. Ob es nun geschrieben oder durch eine Geste bekundet wird. Es gibt sicherlich noch eine Menge andere Wege, um das nicht sagen zu müssen, was man verschweigen will, aber auch um das zu sagen, was man für notwendig hält, ohne dieses Anführungszeichens zu bedürfen. Denn es läßt auch gewisse unangenehme Schlüsse zu auf den, der es gebraucht. Man wird es sich ziemlich genau überlegen, ob man dem Großverbraucher von Anführungszeichen dieser Art sein Vertrauen schenkt; und ihn zum Freund haben zu wollen, wird man noch weniger sagen. Denn wahrscheinlich ist er ein„guter“ Bekannter und ein noch besserer „Freund“. überwachen, damit von den kostbaren Kräutern nichts umkommt. Es ist sehr wohl möglich, daß auf diese Weise auch die Bevölkerung einer ärmeren Gegend zu Einnahmen und Verdienst kommt. Daß auch der Anbau bestimmter Würzkräuter usw. in den Gärten gefördert und beaufsichtigt werden soll, versteht sich eigentlich von selbst. Helfende Frauenhände sind hier überall von Nöten. Ein noch brachliegendes Gebiet kann mit Vorteil für alle Teile in Bearbeitung genommen werden. Jumbos Flucht ins Wasser Reisepläne Reisepläne? Ja, die hat man noch vor urzem gehegt. Da hat man sich allerlei ausjemalt, was alles man tun und lassen, welche Begend unseres schönen Vaterlandes man aufuchen könnte.— Denn natürlich will man sich nicht nur erholen, sondern will auch neue Einbrücke empfangen. Und man erholt sich am besten, wenn man aus dem bisherigen Gleis perauskommt, in eine ganz neue Umwelt hinin. Aber zu beiden gehört die Sonne, das jünstige Wetter. Man will nicht mit Regenchirm und hochgeschlagenem Mantelkragen durch eine fremde Welt geyen= will nicht frieen und sich keinen Schnupfen oder gar eine Bronchitis holen, sondern man will lachenden himmel, strahlende Sonne= wohlige Wärme ind alle die Vorzüge sommerlicher Welt, von senen man in feuchtgrauen Herbst= und Winerwochen geträumt hatUnd doch! Da gibt es Glückliche, die beeits jetzt ihren Urlaub genießen dürfen und die strahlend verkünden: Wir hatten herrliches Vetter! Es gibt eben doch nicht nur Pechögel, sondern auch Reiselustige die der Weg serade dorthin führt, wo die Sonne scheintUnd so wunderlich es erscheinen mag: Es sibt auch welche, die sagen: Wohl hatte ich Schlechtwetter, aber gerade das war mir recht; senn bei schönem Wetter wäre ich doch nicht aheim geblieben, sondern wäre gelaufen, hätte Louren gemacht, Berge erklommen. Ich aber rauchte Ruhe, und durch das ungünstige Weter war ich zum Nichtstun, zum Schlafen, zum Dösen verurteilt. Das aber ist mir ganz gut ekommenImmer dasselbe: Des einen Uhl, des anern Lerche. Eben darum: Wir lassen uns alle die Reiseläne nicht verderben. Unsere schöne deutsche beimat wartet darauf, daß sie deutsche Menchen erfreuen kann. Und wenn der Wettersott ein schiefes Gesicht zieht: Trotzdem. Imner regnen lassen kann er es nicht. Und in en Pausen, die er notgedrungen einlegen nuß, ist die Welt doch schön. Auch den an die Hitze des tropischen Urwaldes gewöhnten Elefanten ist es in diesen Tagen zu heiß.(Scherl Bilderdienst, M.) Gewinn aus Garten und Natur Würzkräuter und Tees im Hausgarten/ Was der Apotheker braucht Erziehung zur Pflanzenkenntnis Gänselüßchen Man hat auch einmal Gänsefüßchen zu ihm gt. Seine eigentliche Bestimmung ist, in geschriebenen Satz Klarheit zu bringen, bessere Gliederung zu schaffen, wenn es vendig erscheint. Da ist vor allem die kte Rede, die durch dieses Zeichen abgeint wird von dem anderen Satzteil. Und ingewendet- ist das Anführungszeichen ein t brauchbarer Diener. Aber es hat noch einen anderen Sinn beAllerlei Würzkräuter und Tees, die in immer steigendem Maße von der modernen Heilkunde benutzt und benötigt werden, können von uns in unsern Gärten, auf den Feldern, in den Wäldern gesammelt und an die Apotheken und Drogerien verkauft werden. Eine Frau, die einen Garten hatte, klagte lange, es wolle ihr gar nicht gelingen, dort Blumen und Gemüse zu ziehen. Da gab ein Apotheker ihr den Rat: pflanzen Sie die Heilkräuter, die wir benötigen, ich werde sie Ihnen abkaufen und Sie werden einen guten Gewinn daraus haben. Diesen Rat hat sie mit Vorteil befolgt. Vielleicht ist das für manche Frau eine Möglichkeit. Es gibt mindestens etwa dreißig. vierzig Pflanzen, die in irgendwelchen Bestandteilen wertvolle Stoffe enthalten, und die wir deshalb anbauen oder einsammeln und trocknen sollen, denn die Apotheker kaufen sie nur in gut getrocknetem Zustande. Auch Kinder können sich schon beim Sammeln beteiligen und tun es meist gern, weil es fast allen Menschen Freude macht. irgend etwas zu pflücken. irgend etwas von den Schätzen die die Natur uns bietet, einzuheimsen. Man muß sich daran halten, daß das Sammeln stets bei trockenem Wetter geschehen muß und zu einer Tageszeit, wenn kein Tau mehr auf den Pflanzen ist. Am besten eignen sich also die schönen, trocknen Sommertage. Die gesammelten Pflanzen müssen dann rasch getrocknet werden, aber im Schatten. Man breitet sie also am besten in einem luftigen Bodenraum aus. Es ist für eine Frau durchaus möglich, in dem Bezirk, in dem sie wohnt die Einsammlung zu organisieren, indem sie Frauen und Kinder anleitet, die Ware abnimmt, sie vorschriftsmäßig trocknet und an den Apotheker weiterleitet. Auf diese Weise sichert sie bedürftigen Familien eine Einnahme, auf der andern Seite hilft sie aber dazu, daß vorhandene Werte ausgenutzt werden, statt daß wir solche Dinge etwa noch aus dem Auslande beziehen müssen. Unsere deutsche Landschaft ist außerordentlich reich an Heilkräutern der verschiedensten Art.— es ist aber tief bedauerlich, wenn sie, besonders in den abgelegeneren Gebieten, ungenutzt verwelken. Manche dieser Pflanzen und Kräuter sind nicht etwa schwer zu finden,— man denke nur an den gelb blühenden Rainfarn, der eigentlich an jedem Grabenrand, an jedem Feldrain vorkommt. Von ihm pflückt man die ganze Blütendolde, und es ist nicht übertrieben, wenn man sagt, daß man in einer Stunde sicherlich 7 Pfund Rainfarnblüten einsammeln kann. Diese Menge ist ungefähr nötig, um 2 Pfund getrocknete Rainfarnblüten zu liefern: für das Pfund gut getrocknete Rainfarnblüten werden sicherlich etwa 1 Mark gezahlt werden, wenn nicht sogar mehr. Auch Kamillenblüten sind lohnend einzusammeln. Lindenblüten sind besonders leicht in Mengen zu beschaffen. Vor allem darf nicht versäumt werden, später die roten Früchte der Hagebutten abzuernten. Blätter und Blüten der weißblühenden Schafgarbe, die sich durch ihren Duft schnell verratende Minze der Thymian, die Früchte des Kümmels, die das wertvolle Kümmelöl liefern und auch als Gewürz gern benutzt werden,— das alles sind Möglichkeiten genug, ganz abgesehen davon, daß man im Frühling die jungen Blätter des Löwenzahn, junge Sauerampferblätter und junge Brennessel einsammeln soll da sie als Gemüse wertvoll sind. Auch die Beerenernte unserer Wälder und Felder muß richtig wahrgenommen werden. Hier liegt eine Aufgabe für die Gutsfrau oder den Lehrer. Sie müssen sich der Aufgabe unterziehen, sich mit ausn Pflanzen vertraut zu machen, die irgendwie verwertbar sind, müssen sie selber genau kennen lernen und auch feststellen, wo sie in der betreffenden Gegend ihren Standort haben, wenn ihre reichste Blütezeit ist und dergleichen mehr. Dann müssen sie die Frauen und größeren Kinder, die sich der Arbeit des Einsammelns unterziehen wollen, anleiten und selber alles Unserem Toten zum Gedächtnis Zum Todestage des Hitlerjungen Herbert Howarde. Die Hitler=Jugend Wuppertal schreibt uns: Heute vor 4 Jahren starb der Blutzeuge der Wuppertaler Hitler=Jugend Herbert Howarde. Kaum 18jährig, wurde er von Kommunisten überfallen und so zugerichtet, daß er nach wenigen Tagen den erlittenen Verletzungen erlag. Selvstlos und unermüdlich hat Herbert Howarde seine Pflicht getan. Sein Leben, Kämpfen und Sterben ist der jungen Generation Mahnung und Verpflichtung! Die Hitler=Jugend senkt die Fahnen! So wie er sein junges Leben gab für ein großes. freies und stolzes Deutschland, will sich die Hitler=Jugend mit gleicher Kraft, gleicher Treve und in gleichem Heldenmut einsetzen für Führer und Volk! Herbert Howarde ist nicht umsonst gefallen, er starb, damit wir leben! Verleihung des Amtsabzeichens für einen verdienstvollen Wuppertaler Handwerksmeister. Dem Ehrenobermeister der Graveur=Innung Wuppertal, Herrn G. H. Meyer, WuppertalBa., Hobenstein 98, wurde auf der Tagung des Deutschen Handwerks in Frankfurt durch den Reichshandwerksmeister als besondere Auszeichnung das Amtsabzeichen des Deutschen Handwerks verlieben, als Anerkennung für seine großen Verdienste um die Förderung des GraveurHandwerks. Die Verleihung des Amtsabzeichens an Herrn Meyer wird in Kreisen des gesamten, Wuppertaler Graveurbandwerks und weit darüber hinaus Anerkennung finden. Reichskriegertag 1936 in Kassel Wie wir soeben erfahren, ist für jedermann die Möglichkeit gegeben, mit einem Sonderzug des Deutschen Reichskriegerbundes nach Kassel, der Stadt des Reichskriegertages und der Haupistadt Hessens, zu fahren, um dort dem Treffen der alten Soldaten beizuwohnen und die Umgebung Kassels kennen zu lernen. Der Sonderzug fährt am Samstag, 4. Juli 36, 13.20 Uhrab Elberfeld, 13.30 Uhr ab Barmen: Ankunft in Kassel 18.20 Uhr. Rückfahrt am Montag, 6. Juli 36, 18,20 Uhr ab Kassel, Ankunft in Barmen 22,47, in Elberfeld 22.54 Uhr. Fahrpreis M. 4.60 für Hin= und Rückfahrt. Anmeldung sowie weitere Auskünfte durch den Kyffbäuserbund, Wuppertal=Barmen, Heckinghauserstr. 79, Ruf 58077. Absatzregelung für wild wachsende Beeren und Pilze Die Hauptvereinigung der Deutschen Gartenund Weinbauwirtschaft hat eine sofort in Kraft tretende Absetzregelung für wild wachsende Beerenfrüchte und Pilze erlassen. In Bavern, Ostpreußen, im Rveinlano, in Schlesien, Westfalen, Thüringen, Kurbessen und HessenNassau werden geschlossene Erfassungsgebiete für die Regelung des Absatzes geschaffen, und zwar werden im einzelnen Heidelbeeren, Preißelbeeren, Erdbeeren, Brombeeren und Himbeeren, von den Pilzen im wesentlichen Pfifferlinge, Steinpilze und Morcheln erfaßt. In den Erfassungsgebieten sind zum Ankauf der wild wachsenden Beerenfrüchte und Vilze von Sammlern nur diejenigen Aufkäufer berechtigt, die im Besitze eines Ausweises des zuständigen Wirtschaftsverbandes sind. Das Aufkaufgebiet für den zugelassenen Verteiler oder Verarbeiter, der von dem Aufkäufer beliefert wird, kann auf bestimmte Bezirke oder Gemeinden beschränkt werden. Der Aufkauf durch den Einzelhandel unterliegt soweit es sich um die Deckung des örtlichen Bedarfs bandelt, keinen Beschränkungen. Die Verteiler und Verarbeiter müssen über jeden Weiterverkauf einen Schlußschein ausstellen. Für das Sammeln der Früchte und Pilze sind die jeweils geltenden polizeilichen Erntevorschriften maßgebend. Die Vorsitzenden der Wirtschaftsverbände können den Verkäufern die Benutzung bestimmter Versandgefäße und die Prüfung der Ware auf ihre Beschaffenheit vorschreiben. Auch die vom Verteiler oder Verarbeiter zu zahlenden Uebernahmepreise können festgesetzt werden. Zur Vermeidung unbilliger Härten sind Ausnahmen im Einzelfalle möglich. Im übrigen werden für Zuwiderhandlungen Ordnungsstrafen angedroht. Goldene Hochzeit Die Edeleute Ewald Reindardt und Rawilde geb. Herbst. Wuppertal=Ba.. Erlenstr. 9. ictern am 24. Juni 1936 das Feit der goldenen Hochzeit. .. Neue Meister. Vor dem Prüfungsaus= schutz der Handwerkskammer Dusseldorf bestan= den die Meinerprüfung als Schudmacher: Hans Königsmark, Wupperial=Ba., Fintenstr. 5. und als Schlosser: writz Heidemann. DuoPerial=Ba. Fischertal 3. *Hohes Aller. Herr Hermann Zandweg. Vuppertal=Langerfeld. Jnselstr. 36. feiert deute seinen 81 Geburtstaa Dem Geburtstaaskind. tage unseren derzlichiten Glückwunsch! Die Opfer des Straßenverkehrs 131 Tote, 4322 Berlente in der letzlen Woche. Es schien. als od die Bekanntgave der Unfau ziftern eine Besserung derveigeführt hatte. Die Dochenzistern an Toten waren seit Beginn der Bekanntgabe: 147, 134, 110, 8. Diesmal is die Todesziffer wiederum um 43 emporgeschneut. Haben die Zahlen ihren Schrecken bereits ver= loren? Kraftfahrer. dupt nach Möglichkeit gar mcht sondern fahrt vorsichtiger! Radtahrer, bleibt scharf rechts und fahrt in deledter Strate grund= sanlich zu einem! Fungänger. überquert die Strate schnell und auf dem kürzesten Weae! Und ihr. Gespannführer, auch gegen euch kommen jent viele Klagen! *. Aelterer Mann angefahren. Jn der Kö= nisbergerstraße wurde gestern nachmittag um 4.10 Uor ein älterer Mann deim Ueberschreiten der Strabe von einem Personenwagen angefadren Er wurde erbeblich verletzt und vom Füdrer des Tagens zu seiner Sodnung gebracht. *. Auto überschlug sich. Aus unbekannter Ursache gertet auf dem Mollenkonten in Höde des Hauies 105 ein Personenkraftagen von der Faoroaon aufs frete Feld und überschlug sich. vierbei wurde der Faorer und ein Jniasse des Personenkraftwagens am Kodf und an den Armen verleyt Sie wurden minels Kranken= wagens in das städniche Krankendaus Bupper= tal=Ba. gebracht Lebensgekahr beftedt nicht. Der Bagen. der infolge Kurzschlusses in Brand geraten war. wurde schwer beschädigt. *. Brauner Lederkotier gestohlen. Jn der Lönsstratze wurden aus einem Kraitwagen ein Lederkofser und eine Aktemrsche mir Mustern von Sargbeschlägen und Leichenwäsche gestodlen. Es dandelt sich um einen braunen Lederkofser — ctwa 55 mal 30 mal 15 cm— und eine Atteniche aus braunem Leder ** Fengenommen wurden ein 29jöhr. Mann aus der Winterstraße und ein 4fähriger aus der Selkvausstraße wegen Dievitaols: desgleichen eine 5ötäbrige Frau aus der Zeisenstraße wegen Ladendiebstaols. *. Hehler seitgenommen. Sieben Männer aus Supoerial=Ba. und=Bevenburg wurden wegen Heblerei in Hart genommen * Tactudlprand. 218 znseteuner Uriache entend in pene Umerzmunewaldernate 2 ein 2achisbrand. Die Zezerlssoonzeloscte den Brand en Keinem Getät Der 2e000den genng Perionen snd 12 zu 30aden ge= teze *Alsminunie“ei ans Ktenkenbans gestohlen Jas ee engs sterkenseus wurden ein mnnir enen eekticen Herd im Derre ven 150.— Nart 11) der Sedene Glaser ne eingeteren Artdriex geelen * Feigenommen 2arden ein wornungstoer 24täoritzer Kann wegen 2uonss 1nd Unter= Gogung in meoreren 341en and ern 340rger Nann aus Beidert wezen Zttlichtentsver= drechens. Oeffentliche Pfänderversteigerung Am Nittwoch. 24 Juni, und 1. Juli 1955. vorminags 8.30 Unr. finder im Leionaus Bar= men. Cleferstr. M. die Versteigerung der des zu diesem Tage nicht eingelösten oder nicht ver= längerten Pfänder gegen Barzzadlung nan. Versteigert werden am 24 Juni: Nr. 74. bis Nr. 7519 Gold. Nr. 35 194 b:s 35 311 Zeug: am 1. Juli: Nr. 7540 dis Kr. 7919 Gold. Nr. 36312 bis Nr. 37 80 Zeug Am Tonnerstag B. Juni. und 2 Juli. desgleichen im Leibdaus Elberfeld. Obergrüne= walderstratze 21: Versteigert werden am 25. Juni: Nr. 14229 bis Nr. 14 560 Gold. Kr. 47878 bis Nr. 49 0 Zeug: am 2 Juli: Nr. 14561 dis Nr. 14921 Gold. Nr. 4905 dis Kr. 50 442 Zeua. Die Verkaufsüberschüffe können innerbals eines Jadres nach der Versteigerung waarend den Geschäftsstunden(Dienstags= und Freitags= nacmitaas von 14—16 Ubr= erdoden werden. Bereinigung der Angedörigen des ebemailgen Reserve=Jäger=Bataillong Nr. 20, 15 und 16 Auguit 1995 Diederiedensseier. Mit Einwerdung des Edrenmals in der Die„Städtischen Bühnen Wuppertal" werben Einladung zur Zeichnung von Mieten Die Stadtischen Bühnen Wuppertal, über deren Pläne und organisatorische Vorbereitun= gen wir bereits in der vorigen Woche eingebend berichteten, versenden nunmeyr die Einladung zur Zeichnung der Mieten für die Spielzeit 186-37. In dieser Einfladung heißt es u. a.: Durch organisatorische Umstellung der N2 Kulturgemeinde ist es der Intendanz fur die kommende Spielzeit wieder möglich. den Stamm platmietern den früber üblichen regelmäßigen festen Spieltag zu gewährleisten. Jur Aus wahl sieden folgende Mieten: Die große Miete A(Dienstag): Sie umsatzt in beiden Häusern je 3 Aufführungen in Oper. Operette und Schauspiel Jede Woche einmal regelmäßig. Wi= Prozent Ermäßigung gegenuber dem Tagesdurchschnitt= prets. Fester Platz. Dauerkarte. Uebertraabar Die Mieten B und C(Donnerstag): In beiden Häusern je 16 Auffübrungen in Oper. Operette und Schauspiel. Alle 14 Tage einmal regelmatzig., Prozent Ermatzigung gegenüber dem Tagesdurchschnitspreis. Feuter Platz. Tauerkarte. Uebertragbar. Die Miete M(Mittwoch In beiden Häusern je 16 Aufführungen in Oper. Operette und Schauspiel. Alle 14 Tage einmal regelmäßig. 33½ Prazent Ermatzigung gegenüber dem Tagesdurchschnittspreis. Fester Platz. Tauerkarte. Uebertragbar. Die Miete S(Sonnabend): Neu eingeführt. In beiden Häusern le 16 Aufführungen in Oper. Operette und Schauspiel. Alle 14 Tage einmal regelmäßig. 33½ Prozent Ermätzigung gegenuber dem Tagesdurchschnitts= preis. Fester Platz. Dauerkarte. Uebertragbar. Die Miete F(Sonntag nachmittag): Neu eingeführt. In beiden Häusern je8 Aufführungen in Oper. Operette und Schau= spiel. Alle vier Wochen einmal regelmätzig. 25 Prozent Ermäßigung auf die kleinen Preise. Fester Platz. Tauerkarte. Uebertragvar. Die Miete D(Wechselnde Spieltage): Nur erhaltlich durch Beitritt zur NS.= Kulturgemeinde. Jn beiden Päusern 1e 16 Auf= führungen bei drei Preisgruppen in Oper. Operette und Schauspiel. Für diese Miete wer= den bestimmte Daten vorder festgelegt dei Platz= wechsel innerhalb der Preisgrupden.*0 Prozent Ermäßigung Auf Wunsch Zustellung der Taaes= plastarte durch Boten. Uebertragbar. Die Miete E(Wechselnde Spieltage): Nur erhältlich durch Beitritt zur NS.=Kultur= gemeinde. Jn beiden Häusern je 8 Auffüdrun= gen Wechselnder Platz(Rollinstem. Nur gegen Einkommensbescheinigung Nicht überrtagbar. Einkommensarenze: Ledige 120 Mark drutto monatlich: Verbetratete 150 Mark: Verdeiratete mit Kindern 170 Mark: Verbeiratete mit mehr als 3 Kindern 20) Mark. Wahlfreie Miete Für alle Theaterbesucher, denen die Bindung an einen bestimmten Abend nicht moglich ist, dietet die„Waolfreie Mietes vortetlhafte Mög= lichkeiten fur den öfteren Theaterbesuch. Sie imsatzt dei 16 Aufführungen 10 musikalische Verke und 6 Schauspiele nach eigener Wapl. 15 Prozent Ermäßigung gegenüber dem Tages= durchschnittspreis. Uebertraabar. Einlösung mehrerer Plätze an einem Abend möglich. Besondere Bergünstigungen: 50 Prozent Ermätzigung beim Besuch der Norgenfeiern. 20 Prozent Ermäßigung zu allen Gastspielen zu erhöbten Preisen. Ferner genietzen die Mietplayzinbaber sämt= liche Vergünftigungen bei allen Veranstaltungen der NS.=Kulturgemeinde, die diese Organisation ihren Mitgliedern einräumt. Z. B. Sympbonie= Chor= und Meisterkonzerte. Kammer= musikabende, wissenschaftliche Verträge, Kunstausstellungen. Studienreisen usw. Sorgen des älteren Neuhausbesitzes Neuhausbesitzer=Versammlungen in Barmen und Elberfeld Die Haus= und Grundbesitzer=Vereine W.= Barmen und W.=Elberfeld daven gestern und vorgenern im Evang. Vereinsdaus W.=Barmen und Handwerkervaus W.=Elverfeld öffentliche Neudausbesitzerversammlungen abgedalten. Die aut besuchten Versammlungen wurden in W.Barmen von Herrn Architekten Wildelm Habel. in B.=Elberfeld von Herrn Gruntz. geleitet Nach den Begrutungsworten gaben die Geschäftsführer der beiden Vereine. in B=Barmen Herr Dr. Tismer. in W.Elverfeld Herr Kürten. einen interesianten Bericht über die Gründe der auch amtlich anerkannten Notlage des älteren Neu= dausbesites. Die interessanten Ausfüdrungen der Bortragenden waren vielfach von Betfall be= aleiret und die anschließende Aussprache bewies das große Jnteresse aller Versammlungsteilneo= mer an den bedandelten Themen. Einleitend wiesen die Vortragenden auf den Gedanken zur Schadenverdütungswoche in der Zen vom 22. bis 28 Juni din. Die Schadenverdütung sei eine Gemeinschaftepflicht des deutschen Volkes. Neben der Parrei= und Reichsardeitsgemeinschaft für Schadenderbütung einer Autendienststelle des Propagandaministeri= ms. in Hauptträger dieser Atnon der Zentral= vervand Teuticher Haus= und Grundoesitzer= Bereine. Tas Notto für die Hausvewooner auxet: Verdüter Hausunfalle“. Zaolreich sind die verschiedenen Arten von Hausunfallen Ta= Basser des Hauses wird abgesperrt. Der Mieter latt seinen Hadnen laufen. eine Ueverschwem= muna int die Folge. Der Boden soll nicht mit Licht derreten werden, der Oien mot mit Ben, in oder Petroleum angemacht, die Feuerung im Saschtüchenofen nicht ma Basser ausglöscht werden Jn Zentraldeizungswoonungen dari m Winter das Feniter nicht offen steden blei= den. damit ertl der Herzkörder platzt und die Sodnung überschwemmt Es werd vergessen. den Badewannenvaon zuzudreyen. Die Kinder rutichen das Treppengeländer dinunzer. Beson= dere Vorsicht ist der Gas und elettriichen An= Stüßen gedoten. Beun Einschlagen von Nägeln in Sände m gröste Vorsicht gevoten. das n.cht rgendeine elektrische Lichtleitung oder Wasser= leitung getroffen wird. Jeder Hausvewooner 22te auf genugende Beleuchtung seiner Tredoe. auch sollen Treppenstufen mcht glatt gevonnert verden. Schlecht begende Treydenläufer. slechte Treprenstufen können Unfalle derverfunten pier nur eine Neibe von Um= tinden. die zu Hausunfällen führen kana. Ailltardenberräge munen deute zur Regulierung von Schäden aufgewandt werden, ganz abge= eden davon. wieniel Ungluck. Aerger und Ver= druß sie über ganze Familten bringen können. Die Unfallverdutungswoche dient dazu. diese Schäden für Bock und Volksvermögen möglich: Stade Rinteln a d Weier. Kameraden der Der und Buckedurger Jager: Die Vorvereitungs= ardeiten sind soweit gedieden daß in Kürze die Feirtolge bekannzgegeben werden kann. Naderes durch Tr. Wiegrerse. Stadtdagen. Sclageter= Tate 2 wiedrig zu halten. Eine großzümge Propaganda muß dadin führen, daß jeder einzelne Volks= genosse von sich aus mitdilft. derartige Schaden zu vermeiden, dann wird es ein Leichtes sein. diese Schäden um mindestens 10 bis 15 Prozent berunterzudrücken. Die Reichsarbeits= gemeinschaft für Schadenverbütung dat zur Auf= larung der Hausbewodner ein Plakat zur An= bringung in den Häusern„Verbutet Hausun= falles derausgebracht, das durch die Haus= und Srundbesitzervereine zum Preise von 1 Mark erdältlich iit und wichtige Belehrung zur Zcha= denverbütung entdält. Nach allgemeinen Ausführungen über die Ursachen der Notlage des älteren Neuhausbesitzes, insbesondere die Zusammendänge zwischen Alt= und Neubausbesitz. gaben die Vortragenden soogende Erläuterung uder die Steuerverein= heitlichung der Steuerbefreiung des Neubausbesttzes nach dem Reichsgesetz vom 2. April 1936. Hernach sind Gevaude, die in der Zeit vom 1. April 1918 bis 31. Marz 1931 dezugsfertig geworden sind. von der Landesgrundsteuer dis 31. Marz 197 befreit, soweit diese Befreiung bisder bestanden dat. Bohngebäude aus diesem Zettraum sind jedoch zusätzlich mit einem Betrag entprechend 200 Prozent der staatlichen Gruns= vermögensteuer zur Gemeindegrundsreuer deran= zuzieden. d. d. Boongebäude aus den Jadren I. April 1918 bes Ende 1923 bedalten sowodt idre Boiteuerung mit staanicher Grundvermögen= teuer, staatlichem Zuschlag als auch 35 Prozent tommanale Grundvermögensteuer. Städte, die rom Neudausbesitz 10 Prozent kommunale srundvermögensteuer bisder erdoden und deren kommunaler Grundvermögenfteuersatz 350 Protent vetrug erdöden den Satz von 100 Prozent um 200 Prozent auf 300 Prozent, jedoch bi= zur Höchsigrenze von 350 Prozent. Jn Wupper= tal war der Neudausbesitz seit 1924 von der temmunalen Grundvermögensteuer frei: er ent dader mit 200 Prozent deranzuzieden. Hrer eine Erlauterung zum neuen Steuerzettel: Die Beneuerung mit der neuen kommunalen Srundvermögensteuer soll keinesfalls zu Mict= steigerungen fuhren, vielmehr ist in dem Durch= fübrungserlatz des Reichstinan=mintiters vom April 1956 bereits ausgefudrt, daß det mit biientlichen Mitteln finanwerten Bodnungsneu= bauten zunächit seitzustellen ist, ov die Mehr= belastung durch den Wegfall der Grundver= nögenteuerbeireiung oder aus anderen Natz= admen, z. B. Anordnung der Tilgung von Voonungbaudariedn. Erdöbung kommunaler sebübren nicht aus dem Ueberschuß des detr. dauses bestrinten werden lann. Hierbei sind für dee Rentavilitätsberechtungen die bisder zu= telassenen Panschallätze, fur Abschreibung ein Srozent der Baukosten, für Reparaturen und Setriedskoften 1, der Baukosten, weiter an= tuertennen Aus den im vergangenen Jadre für die Neu= dauten aufgentellten Rentaollitätsberechnungen i zu erkennen. o0 ein die Nedrbelaitung decken= der Ueverschutz vordanden in. Jn all den Fallen. wo aber dereus wegen mangelnder Rentabilität die Hauszin seuer= ovordekenzinsen auf 1 Prozent gesenkt und die Gemeindegrundsteuer aus der bisher zugebilligten Pauschale nicht gedeckt werden kann, können auf Antrag die Hauszinssteuerhypothetenzinien und Gemeindegrundsteuer gestundet und am Ende des Rechnungsjahres erlassen werden Be: diesen Anträgen dürfen aber die Reparaturkosten nur mit /, Prozent der Baukosten berucksichtigt werden: die Betriebskosten sino nach ihrer tatsächlichen Hohe nachzuweisen. Währeno in dem erwähnten Rentabiltätsformular der Stadiverwaltung aus dem vergangenen Jahr Verwaltungskosten und Wietausfall erwahnt waren, fehlen diese bei Positionen unter den Betrieoskosten des nunmehr vorliegenden Formulars Zoweit Verwaltungskosten efsektiv im letzten Rechnungsjahr entstanden sind, empfeolen wir, diese in dem Formular besonders anzusetzen. Auch int es u. E. richtig, nach dem Durchschnitt des letzten Jahres etwaigen Mieiausfall anzugeben. Im Kopf des Formulars wird unterschieden zwischen eigengenutzten, ganz vermieteten und teilweise eigengenutzten Grunditucken. Der Reichsfinanzminister sagt betr. der eigengentzten Wohnungen in dem Runderlaß vom 2. April, daß bei der Prüfung der Rentavilitat dieser Grundstücke von dem bisherigen Mietwert der eigengenutzten Wohnungen auszugehen ist. Von der Möguchkeit des Erlasses der Hauszinssteueroppothetenzinsen unter 1 Prozent und der Gemeindegrundsteuer ist jedoch abzuseben, wenn die Belastungserdöbung dem Eigentümer nach seinen wirtschaftlichen Verbältnissen zugemutet werden kann. In dem vorliegenden Formular wird daher Seite 2 und 3. soweit eine eigengenutzte Wovnung im Hause vorhanden ist, nach der wirtschaftlichen Lage des betr. Neuhausbesitzers gefragt. Unser Vervand Rheinischer Haus= und Grundbesitzer=Vereine hat sich bei seinen Verbandlungen mit der Regierung in Tüsseldorf auf den Standpunkt gestellt, daß dem Eigentümer hinsichtlich seiner eigenen Wohnung im Neubau keine arößeren finanziellen Belastungen auferleat werden dürfen, wie dem Mieter binsichtlich einer gleichartigen Wohnung. Wir ver= treren daber den Standpunkt, daß, soweit Vergleichsmieten gegeben sind, diese für die notwendige Rentabilitatsberechnung maßgebend sein müssen. Bei den freifinanzierten Neubauten kann bekanntlich mit Ermatzigung von Zinsen der Hauszinssteuerdopotbeken nicht gevolfen werden. Hier ist nur mit Erlaß von Grund= vermögensteuer zu delfen. Es bleibt die Frage offen, ov nicht ebenso der kommunale Zuschlag bei Billigervermietung fur Neubausbesitz künftig zu erlassen ist, wie dies bereits bei dem Althausbesitz nach dem Kunderlat vom 7. Mär; 1933 der Fall ist. Alle Anträge mussen binsichtlich Erlatz der Hopotdekenzinsen und Grundsteuer an das Oberbürgermeisteramt Wuppertal=E., Abt. 20. Finanzabreilung, bis zum 30. Juni in doppelter Ausfertigung eingereicht werden, falls sie mit dem 1. April 1936 Wirkung baben sollen Die Abteilung 20. die also für die Hauszinssreuerhopotdeken maszgebend in. prüft die Rentabtlitätsberechnung und entscheidet über die Stundung und Niederschlagung der Hauszinssieuerdopotdekenzinien. Die Grundsteuerbedörde entscheibet über den Erlaß der Grundstenct. Die Zeit zur Antragstellung, namlich bis 30. Juni, ist so kurz, daß es vielfach nötig sein wird, einen Antrag auf Fristwahrung zu stellen. Selbitverständlich muß vermieden werden, daß Anträge dem Oberbürgermeisteramt ein= gereicht werden, die von vorneberein volltommen aussichtslos sind. Soweit aber irgendwie die berechtigte Annahme besteht, daß dem Antrag stattgegeben werden kann, ist es fur den Besitzer eines älteren Neubauses gevoren, von der Antragsmöglichkeit Gebrauch zu machen Fünfzig Jahre Barmer Johanneum| Genau genommen. ist die Ueberschrift„Funfzig Jahre Barmer Jodanneum“ nicht ganz zutreffend, denn die Evangelistenschule Jodanneum befindet sich in Barmen erst seit dem Jaore 1893. Vorder war sie in Bonn. Unser Volk machte Anfang der 8er Jahre des vorigen Jaor= dunderts eine schwere religiöse Krise durch. Die Entkirchlichung und Entchristlichung erfaßte im= mer wettere Kreise. Diese Tatsache rief den Uni= versitätsprofessor D. Coristlieb auf den Plan und veranlaßte ion zur Gründung einer Schule. in der junge Männer zur Verkundung des Evange= liums berangebildet werden sollten. Jm Jahre 1890 wurde Pastor D. Th. Haar= deck in die Leitung des Jodanneums— das war der Name der Neueinrichtung— derufen. Die Zculerzahl nadm von Jaor zu Jahr zu. die Bonner Räume erwiesen sich bald als reichlich eng und schließlich als vollig unzulanglich. Außerdem machte sich immer mehr das Feblen eines gecianeten Feldes zu praktischer Betätigung bemerkbar. So kam es denn zu dem Umzug nach dem Wuppertal. und zwar nach Barmen wo die Schule in dem schmucken Bau am Rande des Carnapervusches eine passende Heimitan fand. Als im Jahre 1911 das Bjädrige Juoilaum ge setert wurde. standen 113 Brüder in der Ardeit und 40 befanden sich in der Ausbildung 2 Jahre lang nand D. Haarbeck an der Spitze der Schule. 1918 trat er in den Rubestand und erdiett 1919 Pastor Burkdardt zum Nachfolger Nicht nur als Evangeliumsverkunder dahen sich die„Jodanniter" betätigt, sondern auch noch mannigsache Ardeitsgeviete erschlossen uch idnen. 20 wirken sie als Stadtmissionare, in den lan= deskirchlichen Gemeinschaften oder im Junamän= nerwerk neuerdings auch in den Berliner Stadt randiredlungen. Zur Zeit sieden 386 ebemalige Jodanneumsschuler in der Ardeit. wadrend sich in der Schule 27 Brüder befinden Das Jubiläum wird in den Tagen vom 27. Jumi dis 2. Juli mit einer Reide Veranstal= rungen begangen. Jn eben dieser Zeit wird auch eine Brüdertagung nattfinden. Die evan gelische Bevöllerung des Tales. die unendlich riel SSegenswirkungen der Jodanneumsarbeit verspurt dat. nimmt an dem Juvilaum inneren Anteil. Veraniwortung im Verkehr Lehren der Statistik Bei Gesprächen über die Entwicklung des Verkeyrs und über die damit verbundenen günstigen oder ungünstigen Folgen hört man des öfteren, die Verkehrsunfallgefahr wachse mit der Steigerung des Verkehrs in außerordentlichem Umfang an. Dagegen sei ebensowenig ein Kraut gewachsen, wie gegen den Tod. Ausführungen dieser Art sind irrig. Die Unfallturve wird nicht nur durch die Vermehrung der Verkehrsteilnehmer beeinflußt; größere Bedeutung kommt vielmehr den Verschiebungen in dem Beteiligungsverhältnis der einzelnen Verkehrsteilnehmer=Gruppen zu und den damit vertnüpften Schwierigkeiten eines Ausgleichs zwischen den verschiedenen Energien, deren sich die einzelnen Verkehrsteilnehmer bei ihrer Fortbewegung bedienen, sowie der Art, in der sie sich um den Ausgleich mehr oder weniger bemühen. Immerhin ist natürlich gegen die VerkehrsUnfallgefahr mancherlei mit Erfolg zu tun. Die Stanstik gibt dazu recht wertvolle Aufklänung. Zwar fehlen unbedingt zuverlässige Zaylen auf der Grundlage einer geschlossenen Verkehrsunfall=Statistik, jedoch läßt die Bevölkerungsstatistit mit ihren Angaben über die tödlichen Verkehrsunfälle und über die Beteiligung der verschiedenen Verkehrsmittel an diesen Zahlen, sowie die besondere„Vierteljahresstatistit" der„Verkehrswarte“ wertvolle Schlüsse zu. Die Entwicklung in Deutschland zeigt in den Jahren 1929 bis 1932 folgendes Bild: Während der Bauer angespannt und andauernd inmitten der Grasblüte seiner Beschäftigung nachgeht und in der Regel den Heuschnupfen nicht kennt, wirkt auf den gegen die Gräserpollen empfindlichen Haufieberkranken schon die kleinste Pollenmenge so stark, daß heftige Niesanfälle erfolgen. Die großstädtische Bevölkerung scheint am stärksten von dieser Krankheit heimgesucht zu sein. Es handelt sich um eine„Zivilisationskrankheit“, bei der neben einer vererbten Bereitschaft und den auslösenden Gräserpollen vor allem wichtige Hilfsbedingungen mitwirken, die in den Besonderheiten großstädtischer Lebensweise zu suchen sind. Nicht selten wird der Heuschnupfen beispielsweise durch ein unvorsichtiges Sonnenbad oder bei Ausflügen in praller Sonne ausgelöst. Während der Bauer mit der Sonnenbestrahlung sehr vorsichtig umgeht, hat der Städter meist jedes Gefühl dafür verloren, daß eine länger dauernde Bestrahlung dem Körper mehr schadet als nützt. Auch die Ernährung des Bauern unterscheidet sich grundlegend von der Ernährung des Städters, der weit mehr Fleisch, vorzugsweise in roher Form, und Eier genießt, dagegen auf die kalkspendenden Milcherzeugnisse im wesentlichen verzichtet. Hinzu kommt die nervöse Anspannung und die Ueberreizung des Großstadtmenschen, die auch einige der Hilfsbedingungen darstellen, welche die Entwicklung des Heuschnupfens unterstützen. Ist der Heuschnupfen einmal aufgetreten, so tritt er meist alljährlich mit großer Regelmäßigkeit wieder in Erscheinung. Erst im Alter flauen die Krankheitserscheinungen langsam ab. Die Arbeitskraft ist während des Pollenfluges vielfach erheblich herabgesetzt, bei schweren Asthmazuständen teilweise ganz aufgehoben. Soweit es derartigen Kranken möglich ist, fliehen sie an Orte, wo die Gräserblüte verzögert ist, auf die Inseln der Nordsee, auf Seefahrten oder ins Gebirge. Indessen kann denen, die zuhause bleiben müssen, geholfen werden. Denn das Heufieber ist heilbar. Allerdings muß die Behandlung schon einige Monate vor Beginn der Heufieberzeit einsetzen. Hierüber unterrichten laufend die Jahresberichte des Heufieberbundes, der sich seit Jahrzehnten zum Ziel gesetzt hat, über dieses Leiden aufzuklären und die Bekämpfung des Leidens zu unterstützen. Die Geschäftsstelle des Heufieberbundes befindet sich in Köln=Mülheim, Buchheimer Straße 63. Einheitliche Rechnungsprüfung jetzt auch in den Ländern Länderstellen, abgesehen von Preußen, aufgehoben sind nicht verkehrsberechtigt und daher hier fortgelassen! Anteil zirta 8 Prozent. In diesen Zahlen ist also deutlich eine sinkende Tendenz zu erkennen. Das ist um so beachtlicher, als das Sinken der tödlichen Verkehrsunfälle trotz weiter aufsteigender Entwicklung des Automobils eingetreten ist und wie auch die örtliche Statistik aus der neuesten Zeit erkennen läßt, die an sich nicht zu bestreitende Zunahme der Verkeyrsunfälle hinter der starten Steigerung des Kraftfahrzeugbestandes nicht unerheblich zurückbleibt. Noch aufschlußreicher sind die Zahlen, die sich aus der Tavelle auf einer großen Tafel ergeben, die in der Ausstellung Auskunft über die tödlich verlaufenden Kinder=Verkehrsunfälle erteilt. Für das Kalenderjahr 1932 lauten die entsprechenden Zahlen: tödlich verunglückt im Alter bis zu 5 Jahren: Knaben 308, Mädchen 176: tödlich verunglückt im Alter von 5 bis zu 15 Jahren: Knaben 545, Mädchen 199. Die sinkenden Ziffern und das gleichbleibende Beteiligungsverhältnis zwischen Knaben und Mädchen— nämlich 2:1— erweisen deutlich daß die(tödlichen) Verkehrsunfälle nicht unvermeidbar sind. Denn das Verhältnis der Knaben zu den Mädchen wird nicht etwa dadurch beeinflußt, daß die Knaben aus diesem oder jenem äußeren Grund etwa einer größeren Verkehrsunfallgefahr ausgesetzt sind. Aufmerksame Betrachtung zeigt vielmehr einwandfrei, daß die Menge der(tödlichen) Verkehrsunfälle neben anderen Momenten von dem mehr oder weniger großen Verantwortungsbewußtsein der Verkehrsteilnehmer und ihrem entsprechenden Verhalten abhängt. Einen wertvollen Fingerzeig hierfür bieten tägliche Beobachtungen: Obwohl Mädchen in den angegebenen Altersgruppen viel lebhafter sind als Knaben, so zeigen sie in dem Augenblick ein ganz anderes Verhalten, in dem sie etwa mit dem Puppenwagen über die Straße gehen. Man beachte einmal, wie langsam sie dann fahren, wie sie den Wagen vorsichtig von der Gehbahn auf die Fahrbahn herabsetzen und umgekehrt wieder auf die Gehbahn hinaufheben, damit das„Kind“ nur ja keinen Schaden leide. Das der zukünftigen Frau und Mutter im Hinblick auf die ihr zugewiesenen späteren Aufgaben gegenüber der Volksgemeinschaft vom Schöpser eingepflanzte erhöhte Verantwortungsbewußtsein tritt schon in jungen Jahren in Erscheinung! Hier muß also angesetzt werden. Das ist auch leicht möglich; denn beim Ueberprüfen des Verhaltens unseres männlichen Volksteiles im Verkehr ist der Mangel eines solchen Verantwortungsbewußtseins einwandfrei erkennbar— wenngleich er sicherlich auch in einer großen Anzahl von Fällen auf der mangelnden Kenntnis der Verkehrsverhältnisse und=bedingungen beruht. Tatsächlich ist ja infolge der sehr starken und sprunghaften Steigerung der Motorisierung im Jahre 1934 und 1935 eine größere Erhöhung der Verkehrsunfallziffer eingetreten. Dennoch ändert diese Tatsache nichts an den vorhergehenden Ausführungen. Sie beweist nur erneut die Notwendigkeit, immer weitere Kreise der Verkehrsteilnehmer über die Besondrheiten des Verfehrs aufzuklären und diesem Zwecke dient gerade die Verkehrsschutz=Ausstellung, die zur Zeit in Wuppertal=E., Turmhof 15/17 gezeigt wird. Durch ein Gesetz über die Haushaltsführung, Rechnungslegung und Rechnungsprüfung der Länder, das nach dem Führer und Reichskanzler der Reichsfinanz= und Reichsinnenminister unterzeichnet haben, wird eine Vereinheitlichung des Rechnungsprüfungswesens und damit der Ausgabenkontrolle für alle deutschen Länder unter Aufhebung der bisher bestandenen besonderen Prüfungsstellen der Länder herbeigeführt. Das Gesetz findet aber nicht Anwendung auf Preußen, da hier die vom Reich gewünschte Vereinheitlichung bereits gewährleistet ist. Die preußische Oberrechnungskammer bleib bestehenda ihr Präsident in Personalunion Präsident des Rechnungshofes des Deutschen Reiches ist und da auch bei den Fachreferenten die Einheitlichkeit gewährleistet ist. Im übrigen wird die Rechnungsprüfung vom Rechnungshof des Deutschen Reiches ausgeübt= der seine so erweiterte Tätigkeit mit der Prüfung der Rechnungen des Rechnunggsjahres 1936 beginnt. Die Haushaltsrechnungen bis einschließlich 1935 werden in den Ländern nach den bisherigen Vorschriften erledigt. Die Prüfung dieser Haushaltsrechnungen muß bis 31. März 1937 abgeschlossen sein. Für die Aufstellung des Haushaltsplanes und seine Durchführung, die Bewirtschaftung der Mittel und die Ueberwachung der Haushalts= und Wirtschaftsführung der Länder gelten dann die Vorschriften der Reichshaushaltsordnung entsprechend, soweit nicht ausdrücklich etwas anderes bestimmt wird. Der Rechnungshof wird seine Prüfungsbemerkungen der obersten Finanzbehörde des Landes und dem Reichsfinanzminister übermitteln. Der Reichsfinanzminister kann erklären, daß er die Entscheidung über die Entlastung für das Reich in Anspruch nimmt. Zu der Bestimmung des Gesetzes, daß zur Durchführung des erweiterten Aufgabenkreises Außenabteilungen des Rechnungshofes des Deutschen Reiches gebildet werden, hat der Reichsfinanzminister bereits eine Verordnung erlassen. Danach werden solche Außenabteilungen mit dem Sitz in München, Karlsruhe, Koblenz, Hamburg und Leipzig gebildet. Soweit die Prüfung der Reichs= und Landesrechnungen nicht bei diesen Außenabteilungen erfolgt, wird sie beim Rechnungshof in Potsdam durchgeführt. Angorawolle in der Hand der Hausfrau Gesundheit schützende Kleidungsstücke/ Die temperaturausgleichende Faser Ersprießliche HandweberHeuschnupfenzeit Alljährlich gegen Ende Mai kann man beobachten, daß viele Leute von einer Krankheit befallen werden, die sich durch heftigen Juckreiz und durch Entzündung der Schleimhäute. vor allem der Augen und der Nase, bemerkbar Jacht, die aber auch teilweise schwere asthmassche Zustände mit sich bringt. Mit dem ersten Tage der Pollenstäubung der Gräfer tritt diese unangenehme Krankheit auf, die als Seuschnupfen oder Heufieber bezeichnet wird Man liest heute oft von Angorakaninchenzucht und Angorawolle, aber viele Menschen sind sich nicht darüber klar, worin die Hauptbedeutung der Angorawolle liegt. Der hohe Preis und die oft als unangenehm empfundene Eigenschaft des Haarens der aus Angorawolle gefertigten Kleidungsstücke(Mützen, Schals, Handschuhe, Westen) sind schuld daran, daß eine Verwendung für modische und kunstgewerbliche Zwecke nur in geringem Umfang möglich ist. Die Hausfrauen haben daher ihren Blick auf ein anderes von den Modelaunen unberührtes Gebiet und die Verarbeitung von Angorawolle zu gesundheitsschützenden Kleidungsstücken in Angriff genommen. Sie wissen, daß durch Angorawolle die Gesundheit erhalten werden kann, weil diese Wolle lindernde Wirkung auf Leiden wie Ischias und Rheuma ausübt. Wer je von den genannten Leiden heimgesucht wurde und den Segen der Angorawolle am eigenen Leibe spüren konnte, weiß voller Dankbarkeit davon zu erzählen. Die erkrankten Glieder oder Körperteile werden mit einer Binde aus Angorawolle umwickelt, wonach keine Erhitzung oder fieberhafte Erkrankung eintritt. Die Wärme der Angorafaser ist temperaturausgleichend. Anfällige Personen beugen durch rechtzeitiges Anlegen solcher Binden dem Ausbruch der Erkrankungen, die sich oft schon beim Witterungswechsel ankündigen, vor. Da derartige Heilbinden im Handel nicht billig sein können, sollte die Hausfrau sich die Selbstherstellung vornehmen. Ein kleiner Handwebrahmen genügt als Arbeitsgerät und verarbeitungsfähige Wolle zu bekommen, hält nicht schwer. Auf diesem Gebiet kann die Bedeutung der Handwebrahmen, der immer mehr in den Schulen und Haushaltungen eingeführ, wird, voll zur Geltung kommen. Als praktische Anleitung für die Herstellung von Heilbinden aus Angorawolle mögen folgende Angaben dienen: Man wähle weiße Angorawolle, die meist in 2/12er Stärke im Handel ist. Am praktischsten sind für Binden Webbreiten von 12, 18 und 22 Zentimetern, die günstigsten Längen liegen zwischen 2 und 3 Metern. Man webt im mittleren Kamm 10/10, allerdings erfordert die geringe Reißfestigkeit der Wolle große Sorgfalt. Man sorge dafür, daß von Anfang an keine Knoten im Kettfaden sind und nehme nach dem Scheren etwa geknotete Fäden aus der Kette heraus. Bei Verwendung des Walzenrahmens gilt der alte Webspruch: Gut gebäumt ist halb gewebt. Beim Aufbäumen streiche man nach je einer Umdrehung der Kettwalze die Fäden vor dem Kamm mit gespreizten Fingern glatt, denn es können sich vor dem Kamm liegende Fäden verheddern. Sollte der Kamm durch verhedderte Fäden mitgerissen werden, so ist es an der Zeit, die Fäden vor dem Kamm wieder zu ordnen. Das Durchstecken der Schiffchen durch das Fach muß sehr geschickt erfolgen. Leicht stößt man mit der Spitze des Schiffchens Kettfäden an, die dann reißen können. Nach Aufwickeln von etwa 2 m fertiger Ware müssen die Halteklötzchen nachgestellt werden, damit das Fach sich wieder genügend öffnen läßt. Alle Angorasachen lassen sich vorzüglich waschen, wenn man die geeigneten Waschmittel benutzt und nur kalt wäscht. Durch vieles Waschen geht die Angorawolle keineswegs zusammen, sondern sie wird immer schöner und luftiger. Es besteht also die Möglichkeit, die in verhältnismäßig geringen Mengen vorhandene Wolle der Angorakaninchen im Hausbalt nutzbar zu machen und damit Werte zu schaffen, die manche lästige Krankheit auf immer verscheucht. Ausschließung beruflich ungeeigneter Bauunternehmer und Bauleiter von der Ausführung von Bauten Der Preußische Finanzminister gibt durch Runderlaß vom 18. Mai 1936 folgendes bekannt: Aus weiten Kreisen der Bevölterung geben Klagen darüber ein, daß unzuverlässige und fachlich ungeeignete Bauunternehmer Bauvorhaben ausführen, denen sie in keiner Weise gewachsen sind. Nicht zuletzt sind unter den Beschwerdeführern enttäuschte Bauherren, die sich bei Vergebung ihrer Aufträge weniger von der Frage nach dem Können und der Leistungsfähigkeit der Unternehmer als von der Billigkeit des Angebots haben leiten lassen. Viele dieser Unternehmer bieten nicht annähernd die Gewähr für die Einhaltung der allgemeinen Regeln der Technik und der baupolizeilichen Bestimmungen, geschweige denn, daß sie das nötige Gefühl für eine Einfügung des Bauwerkes in das Orts= und Landschaftsbild besitzen. Dieser Entwicklung muß im Interesse nicht allein des einzelnen Bauherrn, sondern des Volksganzen nachdrücklich begegnet werden. Die Baugenehmigungs= und Baupolizeibehörden werden angewiesen, hierbei tatkräftig mitzuwirken. Soweit im einzelnen nicht schon durch Beratung auf die Hauberren eingewirkt werden kann, müssen die gesetzlichen Bestimmungen angewendet werden. Ich verweise in diesem Zusammenbang auf die Bestimmungen der Reichsgewerbeordnung in§ 35 Abs. 5 und in§ 53a. Bei Unzuverlässigkeit des Baugewerbetreibenden ist von der Möglichkeit des§ 35 Abs. 5, den Gewerbebetrieb zu untersagen. Gebrauch zu machen. Bei Bauten, zu deren sachgemäßer Ausführung ein höherer Grad praktischer Erfahrung oder technischer Vorbildung erforderlich ist, ist nach § 53a zu verfahren. Als Bauten in diesem Sinne sind in der Regel anzusetzen: 1. bauliche Anlagen mit staatlich besonders stark beanspruchten Bauteilen(durch Erschütterungen, Maschinen, Krane u. dergl.), 2. Bauwerke aus Eisenbeton oder mit Eisenbeton= und Steineisendecken, mit vorbandenen Trägerkonstruktionen, mit Holzkonstruktionen größerer Spannweiten, kurz alle Bauwerke, bei denen statische Berechnungen erforderlich sind, 3. bauliche Anlagen, bei denen sogenannte neue Bauweisen(Runderlaß vom 10. Febr. 1931 — V 19.6200 e 51—) angewendet werden, 4. alle baulichen Maßnahmen an oder in künstlerisch oder geschichtlich wertvollen Bauwerten. Reichsfilmkammer=Archive bitten um Mitarbeit Die Abteilung Inlandpresse der Reichsfilmkammer ist bestrebt, die von ihr geschaffenen Archive nach Möglichkeit auszubauen, und wendet sich daher an alle deutschen Volksgenossen mit der Bitte, sie in diesen Bestrebungen zu unterstützen. Erwünscht sind vor allen Dingen Zuwendungen von Plakaten, Programmen und Reklamezetteln, von Bildern, Photographien, Broschüren und Zeitungen, die auf den Film Bezug haben, sowie von alten Filmapparaturen und Apparateteilen. Das überwiesene Material wird in den der Abteilung Inlandpresse der Reichsfilmkammer eingegliederten Archiven pfleglichste Behandlung erfahren und eine Kennzeichnung übre seine Herkunft erhalten. Es wird der Wissenschaft und der Forschung, den deutschen Schriftleitern und den Filmschaffenden sowie jedem sonstigen ernsthaf Filminteressierten zugänglich sein. Etwaige Sendungen sind zu richten an die Abteilung Inlandpresse der ReichsfilmkammerBerlin W 35, Bendlerstr. 33. Aenderungen im Reichsbahn=Fahrplan ab 1. Juli Von den Aenderungen im Sommerfahrplan der Reichsbayn dürften folgende für unseren Bezirk von Bedeutung sein: Der Sonntagszug Nr. 1541, Köln—Opladen—Wermelskirchen—Lennep bisber Köln ab 7,40. Lennep an 9.05, wird 6 bis 10 Minuten später gefahren. Der Eilzug 164 nach Düsseldorf wird von Oberbarmen(ab 1.12) als Personenzug gefanren, erbält Halt in Gruiten und fährt desbalb von Hochdahl bis Düsseldorf eine Minute später. Der Personenzug 1064 auf der Strecke Radevormwald—Oberbarmen wird von Dahlerau 7,09, von Remlingrade 7,15 abfahren. Der Werktagszug 1604, Lennep ab 6.04, Winterbagen an 6.15, wird bis Hückeswagen verlängert, Winterbagen ab 6,18, Hückeswagen an 6.23 Uhr. als das steht das„r“ der Gemeinschaft, deshalb ist es deine Pflicht Mitglied der N. S. V. zu sein Moser Rhein Von Rudolf Herzog An den Rhein, an den Rhein! lautet immer wieder die Losung, zu grüßen die Dome zukunftheischender Städte und die Burgen traumverlorener Romantik, die Arbeitsfahnen der Schlote und Maschinen und die goldgrünen Bänder der Rebenhügel. Natürlich zu Schiff! Im Hafen von Wesel liegt der weiße Dampfer. Wo an Hollands Grenze die Lippe sich in den Rhein ergießt. Wo die germanische Seherin Veleda hauste und die Uferstämme aufrief gegen römische Tyrannei. Saftige Niederungen umschmiegen die einstige Feste, und das altgotische Rathaus sah Holländer und Spanier, Franzosen und friderizianische Preußen als Herren. Vom alten Exerzierplatz geistert ein Denkstein. Elf Schillsche Offiziere erlagen hier einer napoleonischen Mordsalve. Doch unser Schiff, es fährt! Das Kleinod am Niederrhein, der Sankt=Viktors=Dom, winkt mit seinen Meister=Türmen den Gruß deutscher Wunderkultur in die rheinische Tiefebene, und wie eine Erleuchtung kommt es über uns: Xanten! Hier war's, wo dem König Siegmund und der Königin Siegelinde ein Sohn geboren wurde, Siegfried geheißen, Siegfried der Drachentöter! Und dort, wo landeinwärts ein Hügel sich hebt und auf dem Hügel ein Turm, schmiegt sich das sagenumwobene Kleve an, und der Turm, von Julius Cäsar für das Lager seiner Legionen gegen Bataver erbaut, wurde zur Schwanenburg, in der der Parsifalsohn Lohengrin seine Brautnacht hielt mit Elsa von Brabant. Dunkel wird der Himmel vom Rauch der Schlote, und die Luft erdröhnt vom Widerhall der Hämmer, vom Kreischen der Krane, vom Sirenengeheul der unübersehbaren Reihen der Schleppdampfer und Kohlenkähne. Aber schon wird das Tunkel bis zur Blendung erleuchtet von den glutenden Türmen der Hochöfen, von den Lichtgirlanden der Hafenbecken und Wasserstraßen im Mündungsgebiet der Ruhr in den Rhein.„Das schwarze Venedig“ taufte ich das Stadtbild Duisburg=Ruhrort, und wer es nicht weiß, der erdurch ihren neuen Hafen an den Rheinstrom heran, dessen aufrüttelndstem Lied„Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ Krefelds Musikleiter Karl Wilhelm die hinreißende Weise gab. Vorüber an der Pfalz Pippins. an Kaiserswerth, zieht unser Schiff gen Düsseldorf. Wohl ragen noch als altes Wahrzeichen der Turm, der zum Residenzschloß der Landesherzöge gehörte und die Erdrosselung der leidenschaftlichen Jülicher Herzogin, der Jakobe von Baden, sah, und der schiefe Kirchturm von Sankt Lambertus, aber die Neuzeit hat das Stadtbild angepackt und in Granitmauern eine Kaianlage geschaffen, wie keine andere Stadt sich ihrer rühmen kann. Gewaltig schallt das Lied der Schwerindustrie durch die Halbmillionenstadt, die dennoch das Wunder wirkte, im Rauschen des meilenweiten Hofgartens, in der Künstlerungebundenheit des„Malkastens", in der Frohheit der Altstadt die Wirkungsstätte Immermanns, Schadows, Cornelius', Robert Schumanns, ein Märchen zu bleiben. Wir drängen nach vorn! Seit einer Stunde und mehr spähen wir aus, ob sich die Schwurfinger nicht zeigen, die Schwurfinger des Kölner Doms. Und nun spiegelt es sich in den Wellen, das große heilige Köln... Der gewaltige Turm von Sankt Martin wuchtet empor, eher einer Trutzburg denn einer Kirche ähnlich. Wie ein Wächter trutzt Sankt Martin, als bewache er das Weltwunder des sternenhohen Domes, der unsere Herzen an sich reißt, wie er die Herzen unserer Väter, unserer Ahnen an sich riß.„Deutsch allewege!“ Kuppeln, Türme und Dachreiter ungezählter Kirchen und Kapellen glitzern auf, der Rathausturm predigt auf eigene Art vom nie gebeugten Kölner Bürgerstolz, die Sagen raunen von Agrippina, des großen Germanikus Tochter, die der Stadt den Namen schenkte:„Colonia Agrippina“, die Legenden erzählen von den hingemordeten Bekennerinnen, den„Zehntausend Jungfrauen“, und die Märchen zwitschern von den Kölner Heinzelmännchen und köstlichem Schabernack bis auf den heutigen Tag. Der heutige Tag aber schuf aus dem alten das neue Köln, die rheinische Weltstadt in Handel, Schiffahrt und hoben Schulen. Eine Biegung des Stromes, und wir sehen sie nicht mehr. Nur noch den Kölner Dom. Nein, Deutschlands Dom. Meilen um Meilen bleibt er am Himmelsrand sichtbar, mahnend, beschwörend. Bis eine Bastei sich aufreckt in grünen Gartenanlagen, bis aus Blumenschmuck ein Denkmal sich erhebt, das Standbild Ernst Moritz Arndts, des mannhaftesten aller Vaterlandssänger, und sein ehernes Wort über alle Ufer ertönt:„Der Rhein, Deutschlands Strom, nicht Deutschlands Grenze!“ Bonn. die Musenstadt, ist es, die so starken Gruß entbietet, und in ein n verwitterten Hause träumt eine schräge Dachkammer einen Unsterblichkeitstraum: Ludwig van Beethovens Geburt. Fernab vom Strom, eingewinkelt in die holländische und belgische Grenze, träumt eine ganze Stadt den Unsterblichkeitstraum: Aachen, Karls des Großen Kaiserpfalz. Zweiunddreißig Krönungsfeiern sah die unsterbliche Stadt in ihrem Kaiserdom, und als die Kronen sanken, wob sie sich neuen Ruhm durch die Aachener Tuche auf allen Märkten der Welt. Durch die Porta Rhenania“ dampft das Schiff. Mitten ins Herz oHönheit. Schämt euch nicht eurer Ergriffenheit! Hier liegt, nach Alexander von Humboldts Zeugnis, eins der sieben Weltwunder gebettet, eine der allerschönsten Stätten der Erde. Am rechten Rheinufer die sagendurchrauschten Waldberge des Siebengebirges, der Drachenfels Jung=Siegfrieds als steilthronende Schutzwehr, am linken Rheinufer die waldigen Ausläufer der Eifel, die Trümmer der Rolandsburg, der Rolandsbogen, als Eingangstor, und tief drunten im sonnengoldenen Strom die Inseln Grafenwerth und Nonnenwerth, schwimmende Eilande, vom Zauber der Zeiten eingesponnen. Im Städtlein Unkel jubilierte der freiheitstrunkene Dichter Ferdinand Freiligrath beim Wein, und schräg gegenüber, bei der alten Römergründung Remagen, streckt die Apollinariskirche ihre zierlichen gotischen Spitzen in den Himmel und winkt zu den Heilquellen Neuenahrs einen besonderen Segensgruß und tief hinein in die vulkanischen Eifelberge zum Kloster des hl. Benedikt am Laacher See. Vulkane schufen das Rheinbecken weithin, Vulkane schufen die springenden Brunnen der Heilsprudel ringsum, und in das vulkanische Land zog die stille, arbeitsame Brüdergemeinde der Herrnhuter und schuf der Stadt Neuwied ihr geruhiges, arbeitsfrohes Ansehen. Wieder haltet eure Herzen fest! Wohin zuerst mit dem Blick, der in Herrlichkeiten ertrinkt? Ja, Koblenz ist es, an Rhein und Mosel gelegen und noch gegenüber die Mündung der Lahn! Koblenz mit dem Deutschen Eck zwischen Moselmündung und Rhein, dem still dahinreitenden greisen Gründer des neuen Deutschen Reiches, Wilhelm I. Und hart gegenüber der mächtige Bergkegel mit der Feste Ehrenbreitstein, ein Rufer zur deutschen Sammlung. Blutjung verstarb zu Koblenz im Jahre 1817 der Regierungsrat Mar von Schenkendorf, der Frühlingssänger deutscher Freiheit. Und es öffnet sich das Tal der Mosel, Weinland, wohin der Blick dich führt, und du spürst Trier, die römische Kaiserstadt, die zur deutschen Grenzwacht wurde gegen den westlichen Nachbarn und ins unerlöste deutsche Saarland schaut. Und es öffnet sich das Tal der Lahn, einen Sprung nur, und du hast Ems erreicht, die ruhmreiche Bäderstadt, einen Sprung nur, und du stehst in Bad Nassau, stehst vor dem Geburts= und Wohnhaus des Freiherrn von und zum Stein, des größten deutschen Staatsmannes und Wiederherstellers des preußischen Staates in napoleonischer Zeit, kein Mensch auf Erden glühender vom Korsen gehaßt und verfolgt denn er. Ach, es lohnt sich, in unseren Tagen den Rhein zu befahren. Und wir fahren, wir fahren! Jeder Ort, jeder Berg, jede Burg ein Name, jeder Name ein Gedicht. Ueber Braubach stößt die Marksburg ihren Turm wie einen Speerschaft in den Himmel, über dem Wallfahrtskloster streiten sich die Burgen der„Feindlichen Brüder“, das weiße Boppard ruht im Früchtesegen, in Sankt Goar duften die Gassen nach Wein wie zu Geibels Zeiten, als er sein erinnerungsschweres Lied sang„Ich fuhr von Sankt Goar...“ Und nun die Lorelei: die Wasser des Rheins springen empor Tut es die Fülle der Schönheit, deren reichstes Maß du hier findest? An Oberwesel hängt sich dein Herz und an die uralte Wernerkirche. An die stromumrauschte Pfalz bei Caub. und du siehst in der Silvesternacht 1813/14 Blücher über die hastig geschlagene Schiffbrücke reiten, den Erbfeind Napoleon zu erlegen. An Bacharach, dem zauberschönen, vorbei. Ach, und an Aßmannshausen, dem fröhlichen Zechernest aller Dichter und Künstler, und an Rüdesheim zu Füßen des Niederwaldes, von dem die„Germania“ Ausschau hält über das Kleinod des Rheins, den Rheingau. Rheingau! Die edelste aller Weinkarten glaubst du zu lesen, wenn in rascher Folge die Ortsnamen über den Landungsstegen aufblitzen: Geisenheim und Winkel, Hattersheim und Eltville und hunderte dazu. Die Weinschlösser Johannisberg, Vollrads, Rheinhartshausen. Und tief in den Rebenhügeln Kiedrich und Kloster Eberbach, der preußischen Domäne vornehmste Kellerei der Steinberger, Rauentaler, Markobrunner Edelweine. Bingen lagert sich die Höhe hinan, die Burg Klopp trägt, dem vierten Kaiser Heinrich von seinem ungeratenen Sohne zum Gefängnis erkoren. Darunter schäumt der Rheinstrom wild durch das Binger Loch. Hier, so singt das Nibelungenlied, versenkte Hagen von Tronje den Schatz der Nibelungen und verfluchte ihn. Sanft ergießt sich die Nahe in den Rhein und plaudert von den Gesundbrunnen zu Kreuznach und Münster am Stein. Und von schmaler Inselzunge grüßt des Bischofs Hatto Mäuseturm und versucht, dich das Gruseln zu lehren. Vergeblich. Der goldene Wein nimmt alle Hemmungen wie ein Rassepferd die Hindernisse. Vom Schloß der letzten Nassauer Herzöge zu Biebrich führt schnurgerade die Straße zum deutschen Weltbad Wiesbaden. Wenn du im Kurhaus niedersitzest oder im Park, von blendenden Feuerwerkskünsten umwogt, glaubst du zu Babel zu sitzen zu Zeiten des Turmbaus denn alle Sprachen der Erde singen und klingen in deinem Öhr. Die Wellen des Rheins rauschen auf unter unserem Schiff. Mainz! Das goldene Mainz war am Rhein, bevor die Römer an den Rhein kamen. Und Jahrtausende hindurch ließ sich der Mainzer Bürgerstolz das Erstgeburtsrecht nicht schmälern. Ueber Drusus hat Mainz das Grab gewölbt, und Gutenbergs Wiege hat es geschaukelt. Sein Schönstes, sagt man, sei sein Dom. Mich aber will dünken, als sei es ein Grab im Dom, als sei es die Gruft Heinrich Frauenlobs, des geliebten Dichtermannes, den die Frauen von Mainz auf ihren Händen zu Grabe trugen. Kein seliger Schicksal als seins. Wir fahren, wir fahren! Als könne die Schönheit der Natur und der Jahrtausende kein Ende nehmen. Feierlich läuteten die Glocken von Worms. Durch preußische und hessische Hoheitsgebiete fuhr unser Schiff. Nun grüßen wir badisches Uferland. Vor uns Mannheim, der große Umschlaghafen an Rhein und Neckar; hier brachte Schiller „Die Räuber“ zur Aufführung und setzte Tausende von Herzen in Brand. Eine Brücke schwingt zum andern Ufer. Bayerisch das Land. Ludwigshafen, die Stadt. Gemeinsames Wollen, gemeinsames Schaffen verwischt die Grenzen. Nur ein paar Wegmeilen sind es nach Alt=Heidelberg, der feinen, darin die Becher läuten, nur ein paar Wegmeilen nach Speyer, der stillen Hauptstadt der bayerischen Rheinpfalz, darin die Glocken läuten, und wenn ihr hinhorcht, läuten sie köstliche Pfalzweinnamen. Aus dem Badener Land kommt der Rhein geströmt, hindurch zwischen dem badischen Städtlein Kehl und der alten Stadt Straßbura, die sie heute „Strasbourg“ benennen. Ein Alphorn hör' ich klagen... Und an der Südecke des Badener Landes, am Knick bei Basel, heißt er der junge Rhein und stürmt dahin über Stock und Stein in unbändiger Jugendkraft, vorüber an den vier Waldstädten Badens: Rheinfelden, Säckingen, der Trompeterstadt, Laufenberg und Waldshut, die sich seine Jugendkraft zunutze machen zum Heil ihrer Menschen. Längst stiegen wir vom Schifflein ab. Fern über dem Bodensee leuchtet in ewigen Alpen die Heimat des Rheins. Unsere Wallfahrt ist zu Ende. Kehrt heim und predigt von dem deutschen Heiligtum, woher ihr auch gekommen seid!Der Tombolapreis Skizze von Frederik Lund. Frau Mertens hatte trotz des strömenden Regens fast eine halde Stunde am Elbufer gestanden. Als sie wieder in ihr Häuschen trat, verschwand das Schiff gerade hinter Schulau in einer dicht über dem Wasser lagernden Dunstwolke. Es wäre aber auch das erste Mal gewesen, daß der Dampfer mit den drei gelben Schornsteinen und den schwarzweiß=roten Ringen ohne Frau Mertens seinen Kurs elbabwärts genommen hätte. Solange sie, die jetzt knapp Siebzigjährige auf ihren beiden gesunden Beinen stehen könnte, wollte sie dem treuen Schiff ihr ganz persönliches Dankopfer bringen. Und wenn dieses auch nur darin bestand, daß fie bei Wind und Wetter an den Strand ging, um dem Ozeanriesen zuzuwinken, der so viele Menschenschicksale an Bord trug. Während sich Frau Mertens in der warmen Stube wieder unter die tickende Uhr ans Fenster setzte, durch das ihre Blicke über den breiten Elbstrom schweiften, wanderten ihre Gedanken ein knappes Jahrzehnt rückwärts. Damals wohnten sie und ihr Mann, der lange Zeit im Dienst der großen Schiffahrtsgesellschaft gestanden hatte, noch droben in Hamburg, aber stets war es beider Wunschtraum gewesen, sich eines Tages ein kleines Häuschen bei Blankenese zu erstehen, um hier ein sorgloses Alter zu verbringen. Kinder hatten beide nicht, auch sonst keine Verwandte; so konnten sie, wenn sie einen Teil seines Gehalts am Monatsende auf die Sparkasse gebracht hatten, den Tag näher heranrücken sehen, an dem der alte Bootsmann zum letzten Male auf dem Schiffe in den Hafen kehren würde. Dann wollten beide, so hatten sie es sich vorgenommen, als freie Passagiere auf dem gleichen Dampfer gemeinsam eine Fahrt über den Ozean machen und anschließend ihren Wohnsitz am Elbufer nehmen. So fügten sie Stein für Steinchen zum Zukunftsbau zusammen, bis er durch ein hartes Schicksal in wenigen Schlägen grausam zertrümmert wurde. Zunächst brachte man eines Tages ihren Mann sterbend ins Haus. Ein Ladebaum hatte ihn gegen einen Stapel von Kisten geschleudert. Dann kamen die Jahre der Inflation, das Ersparte zerrann. Schließlich war sie froh, als sie den Posten einer Garderobenfrau bei einem Hamburger Ruderklub erhielt. Dabei mußte sie noch persönliche Beziehungen spielen lassen. Frau Mertens war strebsam und bescheiden. Daher nahm sie keinen Anstoß daran, daß sie lediglich diejenigen Räumlichkeiten betreuen durfte, die stets nur vorübergehend aufgesucht werden, die aber doch zu den notwendigsten Einrichtungen eines Klubheims gehören. Deswegen blieb sie doch die Frau Bootsmann und wurde von den Mitaliedern ihres Rudervereins geachtet. Natürlich hatte sie aber auch unter den jungen Ruderern ihre Lieblinge. Besonders hatte es ihr der zwanzigjährige Ehrmann angetan, der sich als Werkstudent in Hamburg die Mittel zur ärztlichen Ausbildung verdiente, aber trotzdem immer vergnügt war. So auch eines Abends, als in den Räumen des Klubs ein großes Fest stattfand, bei dem sich die oberen Zehntausend der alten Hansestadt ein Stelldichein gaben. Soeben erst hatte ihr Ehrmann heimlich eine halbvolle Flasche Rotwein und ein Glas gebracht, und schon stand er wieder vor ihr.„Liebe Frau Mertens! Sie müssen ein Tombolalos nehmen. Hauptgewinn eine Reise nach Neu York und zurück. Wenn Sie gewinnen, schenken Sie mir das Los, und ich mache endlich einmal bei meinem reichen Onkel jenseits des Teiches die notwendigen Mittel zum Weiterstudium flüssig. Und wenn Sie verlieren; nun der neue Achter, den der Klub sich von dem Erlös der Tombola anschaffen will, ist vielleicht auch die halbe Reichsmark wert. Es ist doch für Ihren Klub. Also ab dafür, junge Frau!“ Sie nahm eines der Lose wie abwägend in die Hand. „Nummer 60; mein Jahrgang!— Geben Sie her, das nehme ich. Ich will einmal sehen, ob ich wenigstens jetzt noch ein wenig Glück habe“, fügte sie leise und mehr für sich selbst gesprochen hinzu. In tollem Wirbel flossen die nächsten Stunden dahin, bis um Mitternacht der große Akt der Verlosung vor sich ging. Plötzlich hieß es:„Nummer 60: der Hauptgewinn. Eine Reise nach Neu York und zurück.“ Niemand meldete sich, bis zum allgemeinen Erstaunen Ehrmann im Festsaal erschien, Frau Mertens hinter sich herziehend:„Hier ist die Preisträgerin! Mutter Mertens. Das Los hat ihr Glück gebracht.“ Ein wahrer Tumult setzte ein. Frau Mertens saß, schneller, als sie begreifen konnte, wie es geschah, in einem Klubsessel, hatte schäumenden Sekt vor sich und mußte mit Dutzenden von wildfremden Leuten anstoßen. Vor allem aber tat sie dem jungen Akademiker Bescheid, der ihr das Los verkauft hatte und dem sie also mittelbar ihr Glück verdankte.„Sehen Sie, Mutter Mertens, jetzt kommen Sie doch auf Ihre alten Tage nach Neu York“, flüsterte er ihr in einem stillen Augenblick heimlich zu, denn gerade er kannte ihre Lebensgeschichte bis zur letzten Zeile. „Ja", sagte sie freudestrählend,„jetzt geht mein sehnlichster Wunsch doch in Erfüllung: Ich lerne Neu York kennen, das mein seliger Mann mir immer zeigen wollte.“ Und dann benutzte sie einen geeigneten Augblick, um aus dem Saale zu huschen. Sie wollte mit ihren Gedanken allein sein. Plötzlich entsann sie sich des Gesprächs, das Ehrmann mit ihr geführt hatte, als er ihr das Los anbot. Was hatte er gesagt? Er möchte gern nach Neu York fahren, um bei seinem Onkel die Mittel zum Weiterstudium flüssig zu machen, wo hier vielleicht ein Menschenschicksal und seine Zukunft auf dem Spiele standen?„Pfui, Frau Bootsmann Mertens!“ sagte sie halblaut zu sich selbst.„Das wirst Du nicht tun.“ Zwar bedurfte es tagelanger Mühe, um Ehrmann zu der Reise zu bewegen. Immer wieder gab er vor, er habe seine Bemerkung nur im Scherz gemacht. Aber schließlich nahm er den Preis, jedoch unter einer Bedingung, in die sie auch einwilligte:„Bekomme ich das Geld und habe ich eines Tages eine große Praxis, dann fahren wir beide zusammen noch einmal nach Neu York.“ Sie schloß ihn wie eine Mutter in die Arme:„Jawohl, min Jung!“ Ihr stand eine Träne im Auge. Sie dachte daran, daß der junge Mensch da vor ihr, der in früher Jugend beide Eltern verloren hatte, niemanden auf der Welt besaß als eben jenen Onkel, der vor lauter Geschäftemacherei nicht dazu kam, sich um den Jungen zu kümmern. „Und kümm mi gesund wedder!“ rief sie in ihrem geliebten Platt, als er wirklich wenige Wochen später wie ein kleiner Krösus auf dem Promenadendeck stand und ihr Abschied zuwinkte.— Er kam gesund wieder in die Heimat! Die eine Woche Aufenthalt drüben hatte genügt, um den Busineßman an seine Familienpflichten zu erinnern. Ein entsprechendes Bankkonto sorgte dafür, daß Ehrmann nicht nur sein Studium sorgenlos vollenden, sondern auch die Assistentenjahre an einer deutschen Klinik verbringen konnte. Vor einem Jahr gerade hatte der Onkel ihn nach drüben geholt, wo der junge Arzt aus„Germany“ inzwischen eine gutgehende Praxis ausübte. Diesmal war sie mitgereist, aber länger als vier Wochen hielt sie es drüben nicht aus, dann reiste sie wieder in die Heim““ Und nun wohnte sie wirklich in einem kleinen Häuschen a. Elbstrand, wie sie es in jahrelangen Träumen ersehnt. Der junge Dr. Ehrmann hatte es ihr geschenkt. Frau Mertens war wunschlos glücklich. 1. Olympiamannschaft da 38 Australier in Berlin Berlin, 23. Juni. Die erste vollständige Olympiamannschaft, die Mannschaft Australiens, traf am Dienstag früh in der Reichshauptstadt ein. Zum Empfang der 3 australischen Olympiakämpfer war der Bahnhof Friedrichstraße über und über mit den Farben Australiens, mit Hakenkrenz= und Olympiafahnen und festlichen Tannenairlanden ausgeschmückt. Eine Abteilung von Eisenbahnbeamten hatte länast des Zuges Aufstellung genommen. Ein Musikkorps der Wehrmacht spielte beim Eintreffen der Mannschaft die englische Nationalhymne Zum Empfang der ausländischen Gäste waren u. a. der Generalsekretär des Organisationskomitees Dr. Diehm, Hauptmann Kürstner vom Olympischen Dorf. der Ehrendienstoffizier der australischen Mannschaft Hauptmann von Bender und der Major der Schutzvolizei Kolle erschienen. Nach einem kurzen Empfang durch Staatskommissar Lippert im Berliner Rathaus, begaben sich die Australier in das lympische Dorf, wo sie in den Häusern „Worms" und„Nauheim" Unterkunft gefunden haben. Memleben Zum Todestag Heinrichs I. Als Auftakt zur großen Feier in Quedlinburg anläßlich der 1000. Wiederkehr des Todestages König Heinrich I. am 2. Juli 1936 veranstaltet am 26. Juni ds. Is. der Kreis Eckartsberga im Gau Halle=Merseburg der NSDAP in der Kaiserpfalz zu Memleben im Unstruttal eine schlichte nächtliche Weihestunde. Während Quedlinburg die Grabstätte des Königs beherbergt, ist Memleben seine Todesstätte, wie es später die seines Sohnes Otto geworden ist. Von Memleben ist König Heinrichs Leichnam nach Quedlinburg übergeführt worden. In Memleben steht noch heute eines der wenigen Baudenkmale aus der Zeit Heinrichs, ein gewaltiges, grob gefügtes Tor mit Mauerresten. Durch dieses Tor der Pfalz werden Heinrich I., Otto der Große, Otto II. und die folgenden Könige oft geritten sein. Als heilige Stätte gilt die Pfalz nach dem Tode der beiden großen deutschen Könige, des ersten Volkskönigs Heinrich I. und des Gründers des heiligen römischen Reiches, Kaiser Otto I. Aus der Pfalz wurde ein Kloster. Von der gewaltigen, spätromanischen Klosterkirche sind die schöne Krypta, in der beider Könige Herz und Eingeweide beigesetzt sein sollen, und die ragenden Seitenwände, ein Flügel des Querschiffes und die Apsis erhalten. Der Gauleiter des Gaues Halle=Merseburg, Staatsrat Rudolf Jordan, hat anläßlich der Vorbereitungen zu dieser Feierstunde die Kirchenruine von unnützem Beiwerk befreien und würdig wiederherrichten lassen, und noch in diesem Jahre werden die von ihm veranlaßten Ausgrabungen nach dem Umfang der Kaiserpfalz ihren Anfang nehmen, von denen man ähnlich günstige Ergebnisse, wie von den s. Zt. durchgeführten Grabungen nach der nahgelegenen Pfalz Tilleda erwarten darf. Sie sollen aufzeigen, wie die Pfalzen der sächsischen Könige ausgesehen haben Gegen die Franziskanerbrüder Hermann=Josef, Irengeus und Basilius vor Gericht Koblenz, 24. Juni Am Dienstag wurde in dem großen Sittlichkeitsprozeß der 276 Brüder der Franziskanerbruderschaft gegen den Hauptangeklagten, den 23jährigen Wilhelm Altegoer naeus(Anton Spengler) und Basilius als Mitangeklagte gegen die Brüder Irenaeus(Anton Spängler) und Basilius (Richard Korczikowski) verhandelt. Bruder Hermann=Josef wird beschuldigt, in den verschiedenen Ordensniederlassungen durch neun selbständige, teilweise in sich fortgesetzte Handlungen mehrere Jahre hindurch mit den Brüdern unzüchtige Handlungen getrieben zu haben. Dem Angeklagten Richard Korczikowski wird ein Fall von Unzucht mit dem Hauptangeklagten Altegoer(Bruder Hermann=Josef) zur Last gelegt. Dem Angeklagten Anton Spengler(Bruder Irenaeus) wird Unzucht mit dem Bruder Hermann Josef in Bad Kreuznach im Jahre 1933 zur Last gelegt. Im großen und ganzen ist der Hauptangeklagte Altegoer geständig. Der Angeklagte Bruder Basilius gibt sehr marchenhafte Erklärungen ab, nach denen er die unzüchtige Handlung mit Bruder HermannJosef halb im Schlaf ausgeführt haben will, so daß er nicht wußte, was er tat. Auch der Angeklagte Spengler(Bruder Irenaeus) will von der Absicht einer unzüchtigen Handlung nichts wissen und Europa muß zusammenstehn Sanktionen aufgehoben- Baldwin über Politik der Zukunft Aussprache im englischen Unterhaus London, 24. Juni. Das englische Unterhaus begann am Dienstag die außenpolitische Aussprache, die am Donnerstag durch eine Erklärung Edens eingeleitet wurde. Die Opposition warf der Regierung hinsichtlich der Sanktionen Mangel an Entschlossenheit vor. Sir John Simon und Bald win verteidigten die Regierungspolitik. Nach der Aussprache lehnte das Unterhaus einen Mißtrauensantrag der Arbeiterpartei ab. Die Aussprache wurde damit eröffnet, daß der Führer der Opposition, Attlee, den Antrag einbrachte, der Regierung das Mißtrauen auszusprechen, weil ihr Mangel an Entschlossenheit in der Außenpolitik das Ansehen des Landes gemindert, den Völkerbund geschwächt und den Frieden gefährdet habe. Für die Politik der Regierung gebe es keine Erklärung. Der Angriff der Arbeiterpartei richte sich gegen die ganze Regierung. Er halte es nicht für fair, daß der Außenminister allein angegriffen werde. Er habe seine Pflicht getan, und niemand könne annehmen, daß er dabei sehr glücklich sei. Eden habe großes Ansehen genossen. Das habe er nun verspielt(Beifall der Opposition und Rufe der Konservativen: „Nein“). Die Regierung habe von Anfang an einen Mangel an Entschlossenheit bewiesen, die Sanktionen anzuwenden. Sie habe sich ständig von der Hoffnung leiten lassen, zu einer Verständigung mit Italien zu kommen. Der Premierminister behaupte, man habe nur die Wahl gehabt zwischen der Nreisaabe der Sanktionen und dem Krieg. Sei denn mit dem Krieg gedroht worden? Die Regierung habe immer nur daran gedacht, daß sie Bündnisse schließen wolle und daß sie Mussolini für diese Bündnisse brauche. Die Regierungspolitik laufe auf Bündnisse solcher Art hinaus, wie sie 1914 den Krieg herbeigeführt hätten. Die Regierung habe sich geweigert, ein Risiko für den Frieden einzugehen und habe damit das Land in eine gefährliche Lage gebracht. Die strategische Lage des Landes sei nicht die von 1914. Sein eigentliches Herz sei heute auf dem Luftweg vom Kontinent her zu erreichen. Die Besitzungen des britischen Reiches in Fernen Osten hingen vom guten Willen Japans ab, der Weg nach Indien vom guten Willen Italiens. Wolle man die Rüstungen solange vermehren, bis man stark genug sei, um diesen mög lichen Gegnern gewachsen zu sein? Auf diesem Wege werde es nur Rui und Krieg geben. Baldwin sei nicht der Mann, dem man das Wohl Englands anvertrauen könne. Innenminister Sir John Simon antwortete Attlee. Er weise den Fehlschlag der Sanktionen im Sinne einer Schuld der Regierung zurück. Die Regierung habe die Sanktionen prompt erfolgen lassen. Wenn sie nicht so wirksam hätten werden können, so liege das zum Teil an der Tatsache, daß der amerikanische Präsident Roosevelt keine Oelsperre habe durchführen können, obschon Eden sie beantragt habe. Man müsse heute die Sanktionen einstellen, weil der abessinische Krieg zu Ende sei. Zur Frage der Möglichkeit des Krieges sagte Simon, angesichts der gegenwärtigen Lage in Europa und der schweren Gefahren, von denen England näher der Heimat umgeben sei, sei er nicht bereit, auch nur einziges Schiff zu opfern, selbst wenn es sich um eine erfolgreiche Seeschlacht für die Sache Abessiniens handele.(Regierungsbeifall). Im weiteren Verlauf der Aussprache beschuldigte der Oppositionsredner Lansbury die Regierung, daß sie sich bewußt auf den Krieg vorbereite. Er forderte im übrigen die Einberufung einer Weltkonferenz zur Begrenzung der Rüstungen und zur Untersuchung der Brennstoffrage. Er glaube, daß das ganze englische Volk einstimmig die Schaffung besserer Zugangsmöglichkeiten zu den Rohstoffquellen begrüßen würde. Ministerpräsident Baldwin beschloß die Aussprache. Nachdem er erwähnt hatte, daß die meisten britischen Dominien dem Sanktionsbeschluß Englands zugestimmt hätten, kam er auf die Stellungnahme Frankreichs zu sprechen. Die französische Regierung nehme dieselbe Stellungnahme ein wie die britische. Er hoffe, daß England und Frankreich in der Lage sein würden, in Genfäußersteng zusammenzuarbeiten, das sei sowohl der Wunsch Frankreichs wie Englands. Es sei ganz klar, so fuhr Baldwin fort, daß die Sanktionen nicht für alle Zeiten hätten fortgeführt werden können. Die Antwort auf eine Frage Attlees, ob die Regierung die Angriffshandlung Italiens verzeihen wolle, laute:„Nein!" Er wolle es betonen, daß die britische Regierung nicht die Absicht habe, auf der bevorstehenden Völkerbundstagung eine Anerkennung der italienischen Annektierung Abessiniens vorzuschlagen oder ihr zuzustimmen. Der Ministerpräsidet führte weiter aus, daß die britische Regierung auch keine Vollmachten habe, den Italienern Geld zu leihen. Baldwin legte dann die zukünftige Politik der englischen Regierung dar. Er glaubte nicht, daß der Fehlschlag des ersten Versuches zur Anwendung der kollektiven Sicherheit den Tod des Völkerbundes bedeute. Man müsse nun versuchen, inwieweit die kollektive Sicherheit verwirklicht werden könne. Die englische Politik stütze sich immer noch auf den Völkerbund, und diese Angelegenheit müsse auf der September=Tagung aufgegriffen werden. An eine Bemerkung restag der Schlacht Attlees über den Jahbei Waterloo anknüpfend sagte Baldwin, bei Waterloo habe Wellington die Hilse der Preußen erwartet, um seinen Erbfeind, die Franzosen, zu besiegen. Hundert Jahre später hätten Englands Erbfeinde, die Franzosen, Schulter an Schulter mit ihm gegen diejenigen gekämpft, die Englands Verbündete bei Waterloo gewesen seien. Das lege ihm die Frage nahe, ob denn nicht die Zeit für diese drei großen Länder gekommen sei, sich zusammenzuschließen und eine Politik der Befriedung Europas herauszufinden.„Wir sind— so erklärte Baldwin— äußerst bemüht, mit diesen Verhandlungen voranzukommen". Der Ministerpräsident wandte sich sodann nachdrücklich gegen die Behauptung eines Arbeiterabgeordneten, daß England angeblich die Absicht habe, ganz Europa sich selbst zu überlassen, wenn es sich selbst im Westen sichern könnte. Diese Behauptung sei völlig unbegründet. Ich habe die Hoffnung, daß wir, wenn es zu Verhandlungen zwischen unseren drei großen Ländern kommt, wir für die Sicherheit der Länder in Mitteleuropa ebenso Vorsorge treffen, wie wir das für uns selbst erhoffen“. Das ist die Politik, die uns in den kommenden Wochen beschäftigen wird. Das Unterhaus schritt darauf zur Abstimmung, die eine Ablehnung des Mißtrauensantrags der Opposition ergab. Eden beim Negus Der englische Außenminister Eden suchte am Dienstag vormittag den Negus in der abessinischen Gesandtschaft in London auf. Er hatte dort mit dem Kaiser eine Unterredung, die etwa eine Stunde dauerte. Der Negus hat die Gelegenheit benutzt, um Eden davon zu unterrichten, welche Haltung die abessinische Regierung in Genf einzunehmen gedenke. Er soll darauf hingewiesen haben, daß Abessinien sich weiterhin als ein unabhängiges Volk ansehe und daß der organisierte Widerstand noch nicht aufgehört habe; schließlich werde er um weiteren Beistand bitten. Die britische Auffassung steht bekanntlich im Widerspruch zu dieser Ansicht des Negus. Seeräuberschlupfwinkelin China Am Jangkse Kiang- Süden gegen Norden Der drohende Bürgerkrieg in China— hervorgerufen durch das Vordringen der Südprovinzen gegen den japanfeindlichen Norden— ist durch die Verhandlung Tschiangkaischeks aufgehalten, aber noch nicht aufgehoben. Der europäische Leser hat im allgemeinen nur eine unklare Vorstellung von den ungeheuren Gebieten Chinas und den Namen seiner Provinzen. Nachstehend einiges zur Orientierung. Allmählich sind es dieselben stets wiederkehrenden Namen und Begriffe, die langsam im Gedächtnis haften bleiben. Um es auf den kürzesten Generalnenner zu bringen: Die beiden Südprovinzen Kwang tung ist berüchtigt für ihre Seeräuberschlupfwinkel. Die modernere Provinz ist Kwangtung, die durch Kanton und seine guten Häfen an der Südküste aufs stärkste mit tung und Kwansi stellen sich gegen die dem Welthandel verbunden ist. Kanjapanfeindliche Politik der Nankingregie= ton mit seinen 1,2 Millionen Einwohnern rung. Sie hatten die wehrfähigen Mann= ist in den letzten Jahrzehnten eine bedeuschaften mobilisiert und drohten mit einem tende und moderne FabrikindustrieHeereszug nach Norden. Die Provinzen stadt geworden. Der Bergbau, in dem Hunan mit der Hauptstadt Tschangscha und Hupe mit der Hauptstadt Hankau waren die zunächst gelegenen Kriegsziele. Kwangtung die Urheimat der Apfelsine Alle die hier genannten Provinzen grup pieren sich um den Jangtse K dem auch die Hauptstädte liegen. muß man in China mit anderen Begriffen rechnen, als wir sie von Europa her gewohnt sind. Die Provinz Kwangtung, die südlichste am Meer liegende Provinz mit der Hauptstadt Kanton ist bereits halb so groß wie Deutschland. Mit Kwangsi zusammen erreicht sie das Flächenausmaß des Deutschen Reiches. Auch hinsichtlich der Bevolkerungszahl läßt sich eine Parallele ziehen. Bei der stark beweglichen chinesischen Bevölkerung lassen sich Einwohnerzahlen nur schätzungsweise ermitteln. Doch ergeben sich selbst bei vorsichtiger Zählung etwas 60 bis 70 Millionen Einwohner. Neben weithin gestreckten Ebenen findet sich Hügel= und Gebirgsland bis zu 2000 Meter Höhe. Die Südküste KwangKohle, Eisen. Mangan, Wolfram, Antimon, Silber und Blei gefördert werden, ist augenblicklich noch wenig entwickelt. Im Innern der Provinz herrscht begünstigt durch fast tropisches Klima, die Landwirtschaft vor. Die wichtigsten ang, an Ausfuhrarten umfassen Reis, ZuckerNatürlich rohr, Tabak. Tee, Ingwer und lediglich eine medizinische Untersuchung vorgenommen haben. Der Staatsanwalt führte in seiner Anklagerede u. a. aus, daß man bei Beginn der fünften Verhandlungswoche in diesem Pro Fällen unter Anrechnung der vollen Untersuchungshaft. Der Verteidiger hob die Jugendlichkeit des Hauptangeklagten hervor und daß dieser als Kind ins Kloster gekommen und dort zeß mal wieder einmal Gelegenheit habe, das verführt worden sei. Netz der Querverbindungen innerhalb des drei Jahren dem Gift in Franziskaner=Bruderordens festzustellen. Man müsse sich angesichts der dauernd wiederkehrenden widerlichen Schilderungen vor einer Abstumpfung vor diesen Dingen hüten. Im einzelnen beantragte er gegen den Angeklagten Altegoer eine Gefängnisstrafe von 3 Jahren 6 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft von 4 Monaten, gegen den Angeklagten Richard Korczikowski sieben Monate Gefängnis und gegen Spengler acht Monate Gefängnis, in den beiden letzten legen. Der Vorsitzende verkündete folgendes Urteil: Das Verfahren gegen den Angeklaaten Spenaler wird auf Grund der Amnestie vom 7. August 1934 eingestellt, Korczikowski wird freigesprochen, der Angeklaate miteaner wird wegen fortgesetzter widernatürlicher Unzucht zu einer Gefängnisstrafe von 1 Jahr 8 Monaten unter Anrechnung der Untersuchungshaft von sechs Monaten verurteilt. Zink. Im übrigen ist Kwangtung, was die wenigsten wissen, die Urheimat der Apfelsine und der japanischen Mistel. Im Gegensatz zu Kwangtung ist Kwangsi, das sast ausschließlich aus hohem Bergland besteht, ein armes Gebiet. Gewöhnlich reicht die Wirtschaft knapp dazu aus, die Bevölkerung zu ernähren. Hunan und Hupe im Norden unan, zum mittleren Jangtsegebiet gehörig, ist ebenfalls eine Provinz, die nur wenig unter der halben Größe des Deutschen Reiches bleibt. 30 Millionen Menschen wohnen in ihr. Die Hauptstadt Tschangscha zählt über 300000 Einwohner. Kulturell und wirtschaftlich erreicht sie nicht den Süden, was damit zusammenhängt, daß alle chinesische Kolonisation und Kultur zunächst den Flüssen gefolgt ist, Hunan aber außer dem großen Hauptfluß keine weiteren Flüsse besitzt. Die nördlich davon gelegene Provinz Hupe zählt etwa 29 Millionen Einwohner Er sei schließlich nach und ist etwa ein Drittel so groß wie den Klöstern er= Deutschland. Sie ist die eigentliche JangtseKiang=Provinz und hat in Verbindung mit anderen Flüssen eine ausgezeichnete Verkehrslage. Das Land ist außerordentlich sruchtbar, dort werden vor allem auch Maulbeerbäume zur Seidenraupenzucht gepflanzt. Die Hauptstadt ist Hanran, das zusammen mit Wutschang und Hanjang ein großes Flächenausmaß in Anspruch nimmt und über eineinhalb Millionen Einwohner zählt. Zugzusammenstoß im Tunnel Schweres Eisenbahnunglück in Spanien/ Zahlreiche Todesopfer? dnb Madrid, 23. Juni. Am Dienstagvormittag ereignete sich ein schweres Eisenbahnunglück in der Nähe von Bembibre in der Provinz Leon. Der von Madrid kommende Schnellzug stieß innerhalb eines Tunnels mit einem Güterzug zusammen. Einer noch nicht bestätigten Nachricht zufolge sollen mehrere Waggons in Brand geraten sein. Man spricht von einer größeren Anzahl Toten und Verwundeten. Ein Hilfszug mit Aerzten und Sanitätsmaterial wurde an die Unglücksstelle gesandt. Nach späteren Nachrichten über den Zu sammenstoß sind bei dem Unglück 18 Personen ums Leben gekommen und 36 zum Teil schwer verletzt worden. Ein Wagen dritter Klasse und der Gepäckwagen des Schnellzuges, sowie die Lokomotiven der beiden Züge wurden vollständig zertrümmert. Die Bergungsarbeiten stießen auf große Schwierigkeiten. Unter den Toten befinden sich der Lokomotivführer des Schnellzuges sowie der Lokomotivheizer des Güterzuges. Das Unglück wird auf Fahrlässigkeit des Dienstpersonals zurückgeführt, das offenbar das Haltesignal überfahren hat; vielleicht ist das Haltesignal auch gar nicht gezeigt worden. Italienische Ehrung für den Reichsjugendführer dub. Rom, 23. Juni. Auf Vorschlag des Chefs der italienischen Regierung, Mussolini, hat der König von Italien den Jugendführer des Deutschen Reiches, Baldur von Schirach, zum Komtur des Ordens der italienischen Krone ernannt, bringt der Rundlunk Donnerstag 6,45 Morgenlied— Wetterbericht für den Bauer, 5,55 von Stuttgart: Leibesübungen. Anschließend: 2. Abendnachrichten. 6.30 von Leipzig: Frühkonzert(Emde=Orchester). 7,00 von Leipzig: Nachrichten, Anschl. aus Köln: Morgenlied— Morgenruf, 8,00 Zeit, Wetter, Wasserstand. Anschl= Kalenderblatt. 8.10 Frauenturnen. 8.25 Sendepause. 9,45 Zeit, Nachrichten, Wasserstand. 10,00 Volksliedsingen. Zum Tag des deutschen Liedes — Liederfolge 42. 10,20 Sendepause. 11,.50 Hier spricht der Bauer. 12,00 Die Werkpause. Uebertragung aus der Deutschen Kwatta=Kakao= und Schokoladefabrik A.=G. in Köln=Ehrenfeld,(Kleines Orchester, Leitung: Leo Eysold). 13,00 Mittagsmeldungen— Glückwünsche, 13,15 von München: Mittagskonzert, Unterhaltungsfunkorchester(Leitung: Frz. Mihalovic). Mozart: Ouverture zu„Titus“.— Smetana: Szenen aus „Die verkaufte Braut“.— Strauß: Wo die Zitronen blühn, Walzer.— Deschermaier: Largo und Scherzo für Streichgartett.— Joh. Strauß: Tick=Tack=Polka, 14,00 Mittagsmeldungen. 14,15 Kleine Musik. Es spielen die Funkschrammeln; Hans Vries(Zither). Ertl: Hoch= und Deutschmeister=Regimentsmarsch.— Woh. Strauß: An der schönen blauen Donau— Wagner: Wiener Bürgermeister=Marsch.— Kollmanek: Stimmungsbild(Hans Vries).— Joh. Strauß: Schatzwalzer. — Komzak: Erzherzog=Albrecht=Marsch.— a) Chlumsky; Nett und zierlich, Polka=Mazurka, b) Swoboda: Ländliche Weise(Hans Vries).— Ziehrer: Weaner Madln, Wazler.— Rebay: Das ist der Prater, Marsch.— Schrammel: Wien bleibt Wien, Marsch. 15,00 Sendepause. 15,45 Wirtschaftsmeldungen. 16,00 Tanzmusik(Schallplatten). 16,50 Die Welt im Buch. Dr. Wilhelm Schulte: Erinnerung an Ina Seidel. Besprochen werden die Bücher von Ina Seidel: Dichter, Volkstum und Sprache— Meine Kindheit und Jugend. 17,00 Werke alter Meister, Ausführ.: Hella Hohendahl(Sopran); Rudi Stralendorff(Klavier); Josefa Kastert— Oswald Windhausen(Violine); Berta Volmer— Willi Isselmann(Viola); Henk Welling(Cello); Franz Franck(Baß); Egbert Grape(Klavier). Jakob Walther: Sarabande und Gigue(Josefa Kastert— Egbert Grape).— Bach=Liszt: Fantasie und Fuge G.Moll(Rudi Stralendorff, Klavier).— Händel: Deutsche Arien Hella Hohendahl— Josefa Kastert— Egbert Grape).— Rosenmüller: Sinfonia zu einer Suite. 11,40 Kameraden an der Somme, Eine Erzählung von Joachim von der Goltz aus dem Buch:„Der Baum von Clery“— Zur Erinnerung an den Beginn der Sommeschlacht(Specher: Wilhelm Wahl). 18,00 Volk musiziert. Ein westfälisches Douf singt und musiziert(Loxten bei Versmold). 18,45 Abendkonzert des Großen Orchesters(Leitung: Hans Chemin=Petit). Mozart: Pauken=Serenade. In der Pause: Das Stauwerk. Ein Tagebuchbaltt von Hans Carossa. Sprecher: Kurt Ehrhardt. Chemin=Petit: Sinfonietta. 19,45 Momentaufnahme, 20,00 Erste Abendmeldungen, 20,10 von Stuttgart: Spielbälle der Fröhlichkeit. Ein bunter Abend. Zusammenstellung: Werner Bergold, Spielleit.: KZarl Köstlin. Asuführende: Das Rundfunkorchester, der Rundfunkchor— Solisten: Maria Reining(Sopran), Walter Ludwig (Tenor), Hubert Giesen(Klavier) u. a. Musikalische Leitung: Gustav Görlich. 21,00 Nachtgesang der Arbeit. Von denen, die schaffen, während wir schlafen. Ein Funkbilderbogen aus der Nachtarbeit in Stadt und Land, mit Aufnahmen des Zeitfunks. Spielbuch: Dr. Karl Holzamer— Spielleitung:: Josef Kandner. 22,00 Zeit, Wetter, Nachrichten. 22,15 In den Folkwangschulen zu Essen. 3. Fachschule für Sprechen— Sprecher: Dr. Ernst. 22,35 bis 24,00 von Berlin; Tanzmusik(Kapelle: Oscar Joost). Wie wird das Wenter? (Wetterbericht d. Reichswetterdienststelle Essen=Mülheim.) Donnerstag, 25. Juni: Bei schwachen bis mäßigen Winden aus Nordwest teilweise Bodennebel oder Dunst und wechselnd bewölkt. Tagestemperaturen bis 25 Grad. Noch Gewitterneigung. Frettag, 26. Juni: Keine wesentliche Temperaturänderung, meist heiter und trocken. In den Morgenstunden noch Nebel. Wahrscheinsiche Weiterentwicklung: Durchgreifende Aenderung nicht abzusehen. Niederschlag der letzten 24 Stunden 8,2 mm Höchste Temperaturgestern 24,6 Niedrigste Temperatur heute trüb 15.7 Station redu. Wind| Wetter emp. Ast. 679,5 1 NWschwaa, sheit. Dunst 16 Essen 764,9 NNO leise shalb ved. 19 Eigentum, Druck und Verlag: W. Berg, Ko.=Ges., Wuppertal=Barmen Hauptschriftleiter: Karl Buschhaus. Verantwortliche Schriftleiter; Für den politischen Teil, Handel, Unterhaltung und Bilder: Ludwig Aldinger. Für den örtlichen Teil, für Sport und Allgemeines: Dr. Wilhelm Drees, alle in Wuppertal. Für den Anzeigenteil verantwortlich: Willi Steinsan, W.=Barmen— DA. 5. 36(Stadtanzeiger und Barmer Zeitung zusammen): über 7400. Zur Zeit gültig Preisliste Nr. 5. 12 Tage oder 60 Mahlzeiten so lange reicht eine Dose Kufeke für Kinder bis zum Beginn des sechsten Monats. Wer als Mutter einmal gesehen hat, wie wohltuend Kufeke die Verdauung und die Eatwletlang der Klnder beelaftst, t. Tiht bei Kufeke Unterricht 121 BB Nacheichten [Nach Angaben aus dem Leserkreise und aus anderen Blättern.) 5. 2 Geburter Eine Tochter: Paul Dannenberg und Frau Bertel geb. Rodenbusch, Elberfel:, Berlobungen. Reth Bach ond Jul.s Auerbach, Langerfeld. Vermählungen. Karl Hille und Elli geb. Seiffertt, Sonnborn, Todesfälle. Gustav Heischeid, 83 J., Barmen. — Frau Ww. Hermann Engels, Berca geb. Boß, 79 J., Elberfeld.—Frau Ww. Peter Borsch, Gertrud geb. Schmotz, 80 J., Elberfeld.— Friedrich Heinrich, 57 J., Langerfeld.— Isaak Eichmann, 65 J., Elberfeld.— Wilhelm Becker, 73 J., Barmen.— Heri. bert Kirsch, 67 J., Elberfeld.— Willi Denstädt, Barmen.— Hans Gildemeyer, 21 J., Elberfeld.— Elly Schultze, 41 J., Wuppertal.— Frau Karl Köhler, Auguste geb. Dräger, 75 J., Barmen. Familien Anzeigen verbreitet zweckmäßig der Stadt=Anzeiger für Wuppertal und Amgeb. die große Tageszeitung Hiluer Mädchen 14—15 J., ½ Tag im Haush. gesucht. Ang. u. K 6838 a. d. Geschst., B., Altermarkt 21, MietGnhe kleines Häuschen oder 2 und 4 Zim. (mögl. mit etwas Garten) gesucht. Ang. u. K 6763 a. d. Geschst., B., Altermarkt 21. Herrliche 6247 2ö.-Wohn. sof. zu verm. Lothringerstr. 65. Näh. Tel. 54 935, Abgeschlossene 3-Sim. Etage freie Lage, sowie 3 kl. Sp.-Zim zu vm. Näh. B., Carnaperstr. 59. 2-3. B., Steinweg 31, zu vm. Näh. B., Rödigerstr. 10a. 2123 g Kautm. Privatschule am Bhf. Oberbarmen Stennert 5. Schnellfördernd. Einzelunterrichti. 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