Rheinische Das sehöͤnste Dappen auf der auernDie Rh. B.=Z. erscheint täglich mit Ausnahme der Tage nach Sonn= und Feiertagen. Bezug nur durch die Post. Redaktion: Kempen=Rh. Fernsprecher 435 u. 436. Geschäftsstelle: Kreseld, Friedrichstr. 54. Fernsprecher Krefeld 27279. Geschäftsstelle: Rheydt, Mühlenstr. 120. Fernsprecher Rheydt 118 5 Einzelverkaufspreis 10 Pfennig Der blanke Pflug auf freiem Feld Tageszeitung für die westdeutsche Landwirtschaft- Früher Niederrheinische Bauernzeitung Organ der rheinischen Landwirtschaft- Organ des Bezirksverbandes der Landwirtschaftsschüler Düsseldorf Organ niederrheinischer Züchtervereinigungen und des Aachener Herdbuchvereins in den Kreisen Aachen, Düren, Erkelenz, Geilenkirchen, Heinsberg, Jülich Nr. 21 Krefeld, Mitiwoch, den 26. Januar 1927 Das Grund= und Gebäudesteuergesetz Zum vorläufigen Entwurf des Gesetzes über die Erhebung einer Steuer vom Grundbesitz Dr. Dr. Jacobs, Geschäftsführer bei der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Berlin. Das Gesetz vom 14. Februar 1923 über die Erhebung einer vorläufigen Steuer vom Grundvermögen in Preußen, das unter der Notwendigkeit zustande gekommen war, dem Staate so schnell wie möglich neue Einnahmequellen zu erschließen, enthielt manche Mängel. Es war daher nur als eine vorläufige Regelung gedacht und soll am 1. April 1927 außer Kraft treten. Das Preußische Staatsministerium hat nun den Entwurf eines Grund= und Gebäudesteuergesetzes veröffentlicht, das mit Wirkung vom 1. April 1927 an die Stelle der vorläufigen Regelung treten soll. Auch dieses Gesetz muß mit Rücksicht auf die noch ausstehende endgültige? sung des Finanzausgleichsgesetzes als ein Provisorium beytet werden. Der Steuer unterliegen nach dem vorläufigen Entwurf a) das landwirtschaftliche, forstwirtschaftliche und gärtnerische Vermögen gemäß§ 2, Nr. 1 des Reichsbewertungsgesetzs, b) das Grundvermögen gemäß§ 2, Nr. 3 des Reichsbewertungsgesetzes, c) die im§ 31, Abs. 3 des Reichsbewertungsgesetzes bezeichneten, zum Betriebsvermögen gehörigen Vermögensgegenstände. Steuerbemessungsgrunolagen bilden die auf Grund der Vorschriften des Reichsbewertungsgesetzes festgestellten Einheitswerte. Der für die Veranlagung der Steuer maßgebende Zeitpunkt ist für Hauptveranlägungen der jeweilige Hauptfeststellungszeitpunkt im Sinne des§ 5, Abs. 2 des Reichsbewertungsgesetzes, für Neu= und Nachveranlagungen der für die Neu= und Nachveranlagung gemäß§ 75, Abs. 2 und§ 76, Abs. 3 des Reichsbewertungsgesetzes maßgebende Feststellungszeitpunkt. Die allgemeine Veranlagung der Steuer(Hauptveranlagung) erfolgt für das auf den Feststellungszeitpunkt folgende Rechnungsjahr. Wird der Einheitswert für einen längeren Zeitraum als ein Jahr festgestellt, so reicht der Hauptveranlagungszeitpunkt bis zum Ablauf des Rechnungsjahres, in dem der neue Hauptfeststellungszeitpunkt des Einheitswertes fällt Die Veranlagung erfolgt durch das Katasteramt. in dessen Bezirk der Grundbesitz gelegen ist Gegen den von diesem ausgestellten Steuerbescheid ist das Rechtsmittel des Einspruchs beim Katasteramt, gegen die Einspruchsentscheidung des Katasteramtes die Berufung an den Berufungsausschuß und gegen dessen Entscheidung die Rechtsbeschwerde an das Oberverwaltungsgericht gegeben. Das Rechtsmittel darf nicht damit begründet werden, daß die Zurechnung des Grundbesitzes zum landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Vermögen oder zum Grundvermögen oder zu den im§ 31, Abs. 3 des Reichsbewertungsgesetzes genannten Vermögensgegenständen unrichtig erfolgt und daß der Einheitswert unrichtig ermittelt ist. Das Rechtsmittel darf ferner nicht damit begründet. werden, daß Grundstücke bei der Feststellung des Einheitswertes zu unrecht als zwangsbewirtschaftet oder als nichtzwangsbewirtschaftet angesehen worden sind. Die Steuer ist an den Vorstand der Gemeinde, und zwar für den landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen und gärtnerischen Grundbesitz in vierteljährlichen Beträgen am 15. des zweiten Monats in jedem Vierteljahr, für den übrigen Grundbesitz in monatlichen Beträgen zu zahlen. Der Berufungsausschuß, dessen Vorsitzender der Regierungspräsident ist, wird für jede Provinz gebildet. Die übrigen Mitglieder und ihre Vertreter werden auf 6 Jahre teils vom Oberpräsidenten ernannt, teils vom Provinzialausschuß gewählt. Die Zahl der Mitglieder des Grundsteuerberufungsausschusses wird für jeden Bezirk vom Finanzminister mit Rücksicht auf die Größe des Bezirks und die Verschiedenartigkeit des Grundbesitzes in der Art bestimmt, daß die Zahl der ernannten Mitglieder einschließlich des Vorsitzenden die Hälfte der gewählten Mitglieder nicht überschreitet. Der Finanzminister kann für einzelne Fälle die Steuer, deren Einziehung nach Lage der Sache unbillig wäre, ganz oder zum Teil erlassen oder in solchen Fällen die Erstattung oder Anrechnung der bereits entrichteten Steuer verfügen, sofern d Gründe für den Erlaß in dem Steuergegenstande selbst liegen. Er kann seine Befugnis auf die ihm unterstellten Behörden übertragen. Bezüglich des Steuerschuldners ist die aesamtschuldnerische Haftung des früheren Gesetzes beibehalten. Gehören die Betriebsmittel oder Gebäude einer wirtschaftlichen Einheit des landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Vermögens einem anderen als dem Eigentümer des Grund und Bodens so ist Steuerschuldner für die gesamte wirtschaftliche Einheit der Eigentümer des Grund und Bodens. neben dem der Eigentümer der Betriebsmittel oder der Gebäude für den auf diese entfallenden Steuerbetrag haftet. Für den mit einem Erbbaurecht belasteten Grundbesitz ist Steuerschuldner der Erbbauberechtigte, so weit der Grundbesitz auf Grund des Erbbaurechts genutzt ist. Aenderungen im Eigentumsverhältnis und in der Nutzung sowie solche Aenderungen, die den Uebergang vom steuerpflichtigen Grundbesitz zum steuerfreien und umgekehrt begründen, hat der Stuerschuldner dem Katasteramt anzuzeigen. Der Steuersatz beträgt einheitlich für landwirtschaftliches wie für das übrige Grundvermögen 3,6 Proz. des Wertes. Eine geringe Staffelung bei der Landwirtschaft ist insofern vorgesehen, als bei Vermögenswerten unter Mk. 100 000 sich der Steuersatz auf 3 Proz. ermäßigt. Bezüglich der zwangsbewirtschafteten Gebäude gelten für die Uebergangszeit noch besondere Bestimmungen für den Steuersatz. Von der Steuer sind u. a. befreit Wohnhausneubauten, die nach dem 31. März 1924 fertig gestellt sind nebst zugehörigem Hofraum für die Dauer von 5 Jahren. Ausgenommen sind Bauten m Zusammenhange mit einem landwirtschaftlichen, forstwirtschaftlichen oder gärtnerischen Betrieb. Ebenfalls werden auf Antrag die auf Grund des Reichssiedlungsgesetzes seit dem 1. April 1923 begründeten Siedlungen für die Dauer von 5 Jahren von der Stever befreit. Die Gemeinden können Steuern vom Grundbesitz in Form von Zuschlägen bis zur Höhe des Doppelten der staatlichen Steuer beschließen. In besonderen Ausnahmefällen können sie über diese Grenze hinausgehen, jedoch bedürfen sie dann der besonderen Genehmigung nach den Vorschriften des Kommunalabgabengesetzes. Soweit eine solche Genehmigung erforderlich ist, müssen die Berufsvertretungen der hiervon betroffenen Steuerschuldner vor Fassung des Gemeindebeschlusses gehört werden. Diese Anhörung der betroffenen Steuerschuldner ist bei Gemeinden unter 3000 Einwohnern nur dann erforderlich, wenn einer der Betroffenen es beantragt. Als Berufsvertretungen im Sinne dieser Vorschrift gelten die zuständigen Landwirtschafts=, Handwerks=, Industrie= und Handelskammern, sowie die örtlichen Vertretungen des Haus= und Grundbesitzes. Bemerkenswert ist, daß die Befreiung von der staatlichen Grundsteuer nicht auch die Befreiuung von der Gemeindesteuer unmittelbar nach sich zieht. Bezüglich des Erlasses der Stundung und Niederschlagung von Gemeindesteuern ist bestimmt, daß Steuerbeträge vom Gemeindevorstand oder der mit der Einziehung beauftragten Stelle gestundet und, wenn ihre Beitreibung ohne Aussicht auf Erfolg sein oder die Kosten der Beitreibung außer Verhältnis zu dem Betrag der Steuer stehen würden, niedergeschlagen werden können. Die bisherigen Grundsteuerausschüsse fallen, wie seitens der Regierungsvertreter erklärt wurde, vor allem aus Ersparnisgründen, fort, wie überhaupt die ganze Tendenz des Gesetzes hinausgeht auf eine Vereinfachung und Einfassung des preuß. Gesetzes in die Reichssteuergesetzgebung. Wie sich die Uebernahme der Werte des Reichsbewertungsgesetzes als Grundlage für die Steuerbemessung auswirken wird, läßt sich zur Zeit nicht überblicken, da die Ergebnisse des Reichsbewertungsgesetzes selbst noch nicht genügend feststehen. Nach einer Aufstellung des Preuß. Finanzministeriums wird damit gerechnet, daß das Aufkommen aus der Steuer nach dem Entwurf ungefähr die gleiche Höhe erreicht, wie nach dem bisherigen Gxundvermögenssteuergesetz. Der Entwurf soll die Tendenz haben, eine der bisherigen Ungerechtigkeiten in der Bewertung, nämlich mit sinkender Betriebsgröße die Flächeneinheit höher zu bewerten, abzuschwächen. Dringend erwünscht wäre es auch— ohne den Charakter der Grundsteuer als Ertragssteuer zu verkennen—, wenn der Härteparagraph nicht nur Gründe, die im Steuergegenstand selbst liegen, sondern daneben auch die persönlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen berücksichtigen würde. Die kommunalen Spitzenverbände haben beantragt, daß die Zuschlagsbeschlüsse, die 300 Proz.(nach dem Entwurf 200 Proz.) der staatlichen Grundsteuer übersteigen, der Genehmigung bedürfen. Ebenso wird von den kommunalen Spitzenverbänden die Streichung der Bestimmung angestrebt, daß bei Gemeinden unter 3000 Einwohnern diese auf Antrag eines Betroffenen die Berufsvertretung hören müssen. Beide Maßnahmen würden eine starke Machterweiterung der kommunalen Behörden bedeuten, der die Wirtschaft energischen Widerstand entgegensetzen dürfte. Das Gesetz vor dem Staatsrat tu. Berlin, 25. Jan.(Drahtb.) Der Entwurf eines Grundund Gebäudesteuergesetzes, der kürzlich, wie erinnerlich, vom preußischen Staatsministerium angenommen worden ist, ist nunmehr dem preußischen Staatsrat mit Begründung zum Zwecke der gutachtlichen Aeußerung übersandt worden. 8. Jahrgang Bilder von draußen Aus dem in diesen Tagen im Verlag von Kurt Vohwinkel, Berlin=Grunewald unter dem Titel„England, Europa und die Welt“ erschienenen Werk von Professor Dr. Erich Obst (Hannover), in dem der Nachweis geführt wird, daß der wirtschaftliche Imperalismus für England unmöglich und die Idee eines abgeschlossenen britischen Wirtschaftsreiches undurchführbar ist, geben wir folgendes wieder: Der haager Neumilliardenstreit Dawes vor dem Schiedsgericht. tu. Haag, 24. Jan. Die heutige Sitzung des internationalen Schiedsgerichts mußte auf Dienstag verschoben werden, da der deutsche Vertreter, Professor Naufmann, seine Neplik noch nicht hatte fertig stellen können. Am Dienstag wird wahrscheinlich auch noch das französische Mitglied der Reparationskommission, Jacques Lyon, zu Worte kommen. Damit werden die öffentlicher Besprechungen vorläufig abgeschlossen sein. Das Ergebnis des Prozesses dürfte erst in der nächsten Woche zu erwarten sein Die Not der Auslandsdeutschen Die memelländische Einheitsfront gegen die Landtagsauflösung. tu. Memel, 25. Jan.(Drahtb.) Die aus Volks=, Landwirtschafts= und Sozialdemokratischer Partei bestehende memelländische Einheitsfront legt heute durch die memelländische Presse schärfsten Protest gegen die Memeler Konvention dar. Das Direktorium, das sich in bewußtem Gegensatz zur Landtagsmehrheit gebildet hatte, war nicht berechtigt, dem Göuverneur die Landtagsauflösung zu erlauben. Bei den Neuwahlen am 4. März 1927 werde sich die Einheitsfront zum Schutze der Autonomie so stark zeigen wie bisher. Dr. Noldin verhaftet. tu. Bozen, 25. Jan.(Drahtb.) Wie amtlich bestätigt wird, ist der bekannte Rechtsanwalk Josef Noldir in Salurn in seiner Wohnung verhaftet worden. Dr. Noldin war bereits vor einem Jahre in Haft. Der Prozeß, der gegen ihn in Triest geführt wurde und mit seiner Freisprechung endete, erregte seinerzeit großes Aufsehen. Dr. Noldin wurde nunmehr auf Grund des neuen italienischen Kontinuierungsgesetzes verhaftet und vorläufig in das Gefängnis nach Trient gebracht. Wohin er zur Zwangsansiedlung geschafft werden wird, steht noch nicht fest. seite die Ueberzeugung, daß ein Zusammengehen Großbritanniens mit dem festländischen Europa das unbedingte Gebot einer weitschauenden Politik ist. Die Abriegelung des Britischen Reiches zu einer geschlossenen Zollunion setzt voraus, daß alle Glieder des Reiches mit einer solchen Organisation einverstanden sind, daß sie in ihrer Gesamtheit einem Plan zustimmen, der im Grunde nur im Mutterland entstanden ist und nur diesem Vorteile bringen kann. Die Kolonien durchschauen alles das sehr wohl und sind— wie dies die jüngste britische Reichskonferenz bewiesen hat— in ihrer Mehrheit keineswegs dafür begeistert. Für jeden, der sehen will, bleibt England demnach in Zukunft tatsächlich nichts anderes übrig, als sich als Stück des europäischen Lebens= und Wirtschaftsraumes zu bekennen und ehrlich mit dem Festland zusammen zu arbeiten. Nur wenn England voll und ganz mit dem Imperialismus und überhaupt grundsätzlich mit der Machtpolitik bricht, auch Europa gegenüber ehrliche und uneigennützige Politik treibt, nur dann darf man sich von der Zusammenarbeit zwischen Großbritannien und dem Festland wirklich Erfolg versprechen. Welcher Art diese Kooperation sein soll, wie weit diese europäische Gemeinschaft reichen soll usw., alle diese Fragen können im einzelnen hier nicht erörtert werden. Selbstverständlich sollte danach gestrebt werden, sowohl England als auch Rußland für den europäischen Wirtschaftsblock zu gewinnen. Indessen dieses Ziel wird nicht von heute auf morgen zu erreichen sein. Der Abbau der für unsere Zeit sinnlos gewordenen intereuropäischen Zollschranken, die planmäßige Bewirtschaftung der abendländischen Naturschätze, die Verstärkung und Sicherung des Absatzmarktes der europäischen Industrie im Bereich des Kontinents selbst, alles das kann nicht„gemacht“ werden, sondern muß organisch wachsen. Ob England und Deutschland, oder ob Deutschland und Frankreich die Keimzelle dieses Gebildes werden, ist relativ belanglos gegenüber dem festen Willen, daß der Wirtschaftsblock des gesamten Abendlandes einmal kommen muß. Ebenso ist es u. E. zwecklos, sich jetzt schon darüber den Kopf zu zerbrechen, ob der europäische Wirtschaftsbund Schutzpolitik treiben muß oder ob er es wagen darf, im Wettstreit mit den übrigen Großwirtschaftsreichen der Welt an der Freihandelsidee festzuhalten Für den Augenblick kommt es lediglich darauf an, daß die Völker und Staaten Europas die Notwendigkeit gemeinsamen Handelns begreifen; sie müssen mehr und mehr einsehen, daß entweder allen ein im Verhältnis zur Vergangenheit gewiß bescheideneres Dasein gesichert werden kann oder alle dem Untergang geweiht sind. Siegt erst einmal diese Erkenntnis, so werden die Völker Schritt für Schritt die Folgerungen daraus ziehen und notfalls ihre Regierungen zu entsprechenden Handlungen bestimmen. Was uns mit diesem Europäischen Wirtschaftsbund vorschwebt, ist alles andere denn eine Imitierung der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Wirtschaftsblock Europa ist zunächst lediglich eine durch die weltwirtschaftliche Entwicklung notwendig gewordene Defensiv=Organisation. Er dient in erster Linie der wirtschaftlichen Selbstbehauptung des Abendlandes und besitzt keinerlei Spitze weder gegen Amerika noch gegen andere Großwirtschaftsreiche. Unser Zjel ist auch im Wirtschaftsleben der Menschheit Frieden, nicht Krieg; was wir von der Zukunft erwarten, ist ein ehrlicher und gesunder Wettstreit leidlich ebenbürtiger Partner, nicht die Vergewaltigung des einen durch den anderen. Sollte sich in noch weiterer Zukunft die wirtschaftliche Kooperation zu einer allgemeinen politischen auswachsen, so werden im Grunde die„Vereinigten Staaten von Europa“ noch immer nichts, gar nichts mit den Vereinigten Staaten von Amerika gemein haben. Dort handelt es sich um einen ethisch zwar auch nicht homogenen, aber doch nationalen Großverband, bei uns wird davon nie die Rede sein und soll auch nicht die Rede sein. Wir wollen kein mischfarbenes, graugräuliches Europäertum, sondern wir erstreben eine Synthese zwischen national und international. Was in Sowjet=Rußland doch wohl hauptsächlich als Mittel zum Zweck durchgeführt wurde, das wollen wir in den„Vereinigten Staaten von Europa“ auch, ethischer Ueberzeugung Gestalt gewinnen lassen: Staatseinheit in Wirtschafts= und Außenpolikil, im Innern dagegen nationale Differenzierung und Erhaltung der ihrer nationalkulturellen Eigenart froh bewußten Gliedstaaten. Lange Jahre hindurch hat die japanische Politik eine Richtung verfolgt, die einmal soweit europäische Belange unmittelbar berührt wurden, das Zusammengehen mit England stark betonte, andererseits aber bei den eigentlich ostasiatischen Problemen die volle Unabhängigkeit von allen Einflüssen fremder Mächte bewußt in den Vordergrund treten ließ. Japan hat in zäher, zielbewußter Arbeit die große mandschurische Einflußpläne in wirtschaftlicher und politischer Hinsicht zu befestigen und zu erweitern verstanden. Die in den chinesischen Wirren eingenommene Haltung brachte nur insoweit ein Zusammengehen mit europäischen Mächten als japanische wirtschaftliche Interessen, wie z. B. in dem großen schanghaier Streik vom Jahre 1925, bedroht erschienen. Darüber hinaus nahm Bewegung nur eine beobachtende dabei, den Machtkreis Tschangtsolins Zuwendung von Geld und Waffen zu stärken, ohne daß ein besonderes Aufheben davon gemacht wurde. Nun hat England bei seinen Vorbereitungen, durch Einsatz stärkerer militärischer Mittel Schanghai und die nächstgelegenen Teile des Jangtsetales zu schützen, eine Fühlungnahme mit Japan versucht, um festzustellen, ob man im Falle eines Falles mit einer Beteiligung Japans an einer militärischen Aktion im Jangtseetal rechnen könne. Japan hat höflich aber bestimmt dieses Ansuchen abgelehnt. Für die Politik der tokiver Regierung bleibt danach das Prinziv maßgebend, jedes 9 Neues in Kürze In der königsberger Stadthalle wurde Montaa die diesjährige Ostpreußische Landwirtschaftliche Woche von dem stellvertretenden Präsidenten der Kammer, Dr. Siegfried=Carben eröffnet. Der Geschäftsordnungsausschuß des Preußischen Landtages nahm in seiner Sitzung am Montag abend den Antrag auf Einsetzung eines besonderen Westausschusses an. Auf Einladung des danziger Völkerbundskommissars wird der jetzt in Warschau weilenden Völkerbundsdezernent für Minderheitenfragen, Colban, zu einem mehrtägigen Aufenthalt in Danzig eintreffen. Wie die Morgenblätter aus Belgrad melden, ist der bisherige jugoslavische Gesandte in Rom Palugdjitsch für den berliner Posten bestimmt worden. In der französischen Seite ein Antrag Korps eingebrach bevölkerung in der Geburtshilfe abgeholfen werden und dem Ab wandern der Bauern in die Städte entgegengetreten werden. Der in Nizza verhaftete Italiener Canovis wird auf Beschluß nisters nach Itali des Innenmini Italien abgeschoben werden. Zusammenstoßen auf dem Festlande mit den C welcher Richtung, grundsätzlich zu vermeiden. Japan berücksichtigt damit in kluger Weise den Umschwung, der sich in der Stimmung des chinesischen Volkes seit nunmehr als einem Jahr vollzogen hat, wobei nicht unbemerklich hervorgetreten ist, daß die fremdenfeindliche Bewegung sich von jedem Angriff auf Japan ferngehalten jat. Bisher fand die panasiatische Bewegung ihre Hauptförderung in der russischen Botschaft in Peking und in der für diese europafeindlichen Ziele mit allen Mitteln arbeitenden Ostasienabteilung der Kreml=Regierung. Daß eine unmittelbare Verbindung panasiatischer und bolschewistischer Propaganda seitens Moskau geplant war, dürfte unzweifelhaft sein. Scharfe Gegensätze allerdings haben sich allmählich zwischen den chinesischen Nationalisten und den Förderern des asiatischen Bolschewismus, soweit von diesem in den völlig anderen Vorausetzungen unterliegenden Ostasiatentum überhaupt die Rede sein kann, im Laufe des chinesischen Bürgerkrieges herausgebildet. Die Vorteile, die sich für Japan daraus ergeben könnten, wenn es selbst die Rolle des Schutzherrn und stärksten Trägers der panasiatischen Idee übernehmen könnte, lliegen auf der Hand. England würde bei einem derartigen Hervortreten Japans am stärksten auf seinem vorgeschobenen Posten äm östlichen Asien bedroht sein. China Neue Zirkularnote Englands. tu. Berlin, 25. Jan.(Funk.) Wie die Morgenblätter aus Rom melden, ist dort eine neue Zirkularnote Engllands an die Mächte bezüglich des Vorgehens in China eingetroffen, worin weitere Konzessionen vorgeschlagen en, deren Ablehnung jedoch ohne weiteres ein militärisches Durchgreifen Englands zur Folge haben würde. In der von diplomatischen Vorbesprechungen ausgefüllten Zwischenzeit würden die dazu erforderlichen englischen Streitkräfte in China eingetroffen sein, um dem letzten Angebot den nötigen Nachdruck zu geben. Die Restpunkte enz dem Gesetz zustimmen wird. Gleichzeitig igen über das Kriegsgeräiegesetz gehen in ingen über die Frage der Ostfestungen etzten Tagen ins Stocken geraten sind, Die abschließenden Verhandlungen über das Kriegsgerätegesetz. tu. Berlin, 25. Jan.(Drahtb.) Legationsrat Dr. Clodius, der in Berlin die Vorverhandlungen über das Kriegsgerätegesetz mit den Sachverständigen der Interalliierten Militärkontroll(kommission führte und abgeschlossen hat, hat sich nach Paris begeben, um dort an den abschließenden Verhandlungen teilzunehmen, die zwischen dem Reichskommissar, General v Pawels, und der Botschafterkonferenz über den Gesetzentwurf stattfinden. In hiesigen diplomatischen Kreisen glaubt man, daß die Botschafterkonferenz dem Gesetz zustimmen wird. Gleichzeitig mit den Verhandlungen über das Kri Paris die Besprechungen weiter, die in den letzten trotzdem über ihre juristische Seite eine Einigung erzielt worwoen ist. tu. Berlin, 25. Jan.(Funk.) Wie verlautet, wird Oberst Micheles mit neuen Instruktionen der Reichsregierung sich nach Paris begeben, um sie General v. Pawelsz, der nach einer Pause die Verhandlungen über die Frage der Ostfestungen mit der Botschafterkonferenz wiederaufgenommen hat, zu übergeben. Neue polnische Vorstellungen in Paris wegen der Ostfestungen. tu. Berlin, 25. Jan.(Funk.) Wie die Morgenblätter aus Warschau melden, hat die polnische Regierung beschlossen, sofort eine Kommission, bestehend aus zwei höheren Offizieren des Generalstabes und einem Vertreter des Kriegsministeriums nach Paris zu senden, die dort Vorstellungen in der Angellegenheit der deutschen Ostfestungen erheben soll. Die Kommission soll, falls den polnischen Forderungen nicht Gehör gegeben wird, darauf hinweisen, daß Polen sich mit einer solchen Lösung nicht beruhigen werde. In Kreisen der polnischen Nationaldemokratie ist ferner ein Memorial verfaßt worden, dessen Inhalt in der pariser Presse verbreitet werden soll und das die deutschen Östfestungen als eine Gefahr für Polen und Osteuropa hinstellen soll. Von der Weltwirischaftskonferenz Die Sowjetregierung bleibt der Konferenz fern. tu. Genf, 24. Jan. Die Sowjetregierung hat jetzt dem Völkerbund ihre Antwort auf die Einladung zu der am 4. Mai in (Genf beginnenden Weltwirtschaftskonferenz in einer vom 19. Jan. datierten und von Litwinow unterzeichneten Note zugehen lassen. Schon die Einladung nach Genf, d. h. in die Schweiz, schließe die Teilnahme der moskauer Regierung an der Weltwirtschaftskonferenz aus. Sie sei daher weder in der Lage, zu der Weltwirtschaftskonferenz Stellung zu nehmen, noch Delegierte zu entsenden. Deutscher Der Kampf gegen die Geschlechtskrankheiten. rt. Berlin, 25. Jan.(Drahtb.) Im Reichstag wurde gestern das Gesetz zur Bekämpfung der Geschlechtskrankheiten nach eingehender Einzelberatung in zweiter Lesung anzenommen. Die Ausschußfassung wurde auf Antrag der Regierungsparteien bei den Bestimmungen über die Zwangsbehandlung dahin geändert, daß gehässigen Denunziationen nach Möglichkeit vorgebeugt werden soll. Nach dem Gesetz kann die Gesundheitsbehörde von jemanden, der im Verdacht steht, geschlechtskrank zu sein, ein ärztliches Zeugnis eventuell verlangen, daß er sich einer lärztlichen Behandlung unterzieht. Nach dem heute angenommenen Antrag soll aber Anzeigen in dieser Richtung nur nachgegangen werden, wenn der Anzeigende seine Verdachtsgründe in mündsollen überhaupt von guten Freunwerden rann, um jedenunzieren gsmonopol wurde gegenüber der Ausschußfassung noch dahin verstärkt, daß es sich nicht nur auf ansteckende Geschlechtskrankheiten, sondern auf alle Krankheiten und Leiden der Geschlechtsorgane erstrecken soll. Das Gesetz soll am 1. Oktober 1927 in Kraft treten und wird voraussichtlich am Mittwoch zur 3. Beratung und Schlußabstimmung kommen. manden etwas anzuhängen, ihn zu schikanieren oder zu und bloßzustellen. Das ärztliche Behandlün pol wurde gegenüber der Ausschußfassung noch dahi Das Bild klärt sich Die Besprechungen zwischen Marx und den Deutschnationalen scheinen feste Ergebnisse zu zeitigen Sitzungen und Personen tu. Verlin, 25. Jan.(Funk.) Die gestern gemeinsam mit Dr. Stresemann und Dr. Brauns geführten Verhandlungen des geschäftsführenden Reichskanzlers Dr. Marx mit den Führern der Deutschnationalen nahmen heute vormittag ihren Fortgang. Die Deutschnationalen haben eine Fraktionssitzung auf heute nachmittag um 5 Uhr anberaumt. Die deutschnationale Fraktionssitzung um 2 Uhr heute nachmittag wird sich nur mit der Frage der Tagesordnung zu dieser Sitzung befassen. Die Sozialdemokraten und die Deutsche Volkspartei werden nach der Plenarsitzung ihre Fraktionssitzungen abhalten. Der Optimismus in parlamentarischen Kreisen geht soweit, daß man glaubt, daß schon heute die Besprechungen über Personalfragen beginnen werden. Man nimmt an, daß die Deutschnationalen die Posten des Reichsinnenministers des Reichsjustizministers und des Ministers für die besetzten Gebiete für sich in Anspruch nehmen werden. Wegen der Besetzung des Finanzministeriums sollen bereits Verhandlungen mit dem auf dem linken Zentrumsflügel stehenden badischen Staatspräsideten Köhler im Gange sein. Wie verlautet, wollen die Deutschnationalen weiter Schenk, v. Stauffenberg, Wallraf und Dr. Treviranus in das Kabinett entsenden. Auch v. Lindeiner=Wildau, sowie der Abgeordnete Graef==Thüringen werden genannt. Aus dem alten Kabinett sollen Stresemann, Curtius, Brauns, Geßler, Krohne und Stingl übernommen werden. Man nimmt weiterhin an, daß das Verbleiben Haslindes davon abhängen dürfte, ob die Deutschnationalen den Posten des Reichsernährungsministers zugesprochen bekommen. Zentrumsstimmen tu. Berlin, 24. Jan.(Drahtb.) Die Germania gibt in ihrer heutigen Abendausgabe wieder Dr. Wirth das Wort zu den augenblicklich schwebenden innerpolitischen Verhandlungen. Dr. Wirth spricht oavon, daß es sich rächen müsse, wenn eine junge Republik in dem Bekenntnis zu ihrer Staatsform Toleranz übe. Je geschlossener eine Nation im Innern sei, je größer die innere Aufrichtigkeit, desto widerstandsfähiger und kräftiger werde sie auch nach außen sein. Der Eintritt der Deutschnationalen in die Reichsregierun wenn er habe. Trete nis zu den Grundlagen der auswärtigen Politik in die Regierung ein, so bedeute dies eine Minderung des ausländischen Vertrauens. Nur eine rückhaltlose und unverklausulierte Billigung der auswärtigen Politik wäre ein nationaler Gewinn. Die Germania selbst bemerkt, daß sich aus den präzisen Formulierungen des Zentrums bei den Verhandlungen ergeben müsse, daß das Zentrum sich der ungeheueren Verantwortung, die es in dieser Stunde trage, voll bewußt sei und zwar bewußt sowohl seiner Verantwortung gegenüber dem Staatsganzen, als auch gegenüber seinen überzeugten republikanischen Wählern. Das Zentrum werde auch in Zukunft wachsamzu kontrollieren wissen, daß ein Manifest und die von den Koalitionsparteien übernommenen Verpflichtungen nicht verletzt wurden. Wenn die Deutschnationalen, oder ein Teil von ihnen ehrlichen Sinnes auf den Boden des Manifestes treten, bestehe kein grundsätzliches Hindernis gegen ihren Eintritt Vor sich gegang Wenn es zu einem solchen Ergebnis kommen sollte, könne von einem„Bürgerblock“ keine Rede mehr sein. Keine katholische Vermittiung zwischen Zentrum und Deutschnationalen tu. Berlin, 25. Jan.(Drahtb.) Die deutschnationale Reichstagsfraktion erläßt folgende Erklärung: „Einzelne Zeitungen wiederholen trotz der mittlerweile erfolgten ernergischen Zurückweisung seitens aller angeblich beteiligter Personen die Behauptung, daß zwischen katholischen Abgeordneten der deutschnationalen Reichstagsfraktion und dem Zentrum unter Beteiligung hoher katholischer Würdenträger behufs Annäherung beider Partejen vertrauliche Verhandlungen unter anderem über die Konkordatsfrage geführt worden sind. Wir können nach Rücksprache mit allen katholischen Abgeordneten der deutschnationalen Reichstagsfraktion nochmals erklären, daß vorgedachte Meldungen in jeder Hinsicht unwahr sind, und nur als Tendenzlügen gewertet werden können Zwei deutschnationale Ministerkandidaten: Wallraf(links) und Lindeiner=Wildau(rechts). Aus dem Reichshaushaltsausschuß Handel und Industrie. “Berlin, 24. Jan. Der Haushaltsausschuß des Reichstages setzte die Beratung des Etats des Reichswirtschaftsministeriums fort. Als Beitrag zur Hebung der Wirtschaftlichkeit der gewerblichen und industriellen Produktion sind im Etat 1 200 000 Mark angefordert. a A M. seien. Die Industrie wird sich wie in den früheren Jahren auch 1927 mit namhaften Mitteln beteiligen. Die bisherigen Erfahrungen der Vereinigten Staaten von Nordamerika haben bewiesen, daß durch planvolle Erziehung die gesamte Wirtschaft eines Landes verbilligt und damit belebt werden kann. Die Kommunisten beantragen Streichung dieses Postens.— Der Antrag wurde abgelehnt. Schlack(Ztr.) war der Ansicht, daß in erster Reihe die Industrie selbst die Kosten aufbringen müßte. Reichswirtschaftsminister Dr. Curtius erwiderte, daß tatsächlich die Industrie den zehnfachen Betrag bereits für die Finanzierung aufbringe. Ein Antrag auf Verdoppelung des Postens wird dem Unterausschuß zur Beschlußfassung überwiesen. Zur Förderung des deutschen Außenhandels, insbesondere zur Zinsverbilligung für Darlehen an deutsche Exporteure, sind im Etat neu 750 000 RM. angefordert. Die Kommunisten und die Sozialdemokraten beantragen die wurden, wurde die Beschlußfassung über diese Position zunächst dem Unterausschuß überwiesen. Damit war der Etat des Reichswirtschaftsministerium erledigt und der Ausschuß wandte sich der Beratung des Etats des vorläufigen Reichswirtlschaftrates zu. Nach kurzer Besprechung wurde der Etat ohne wesentliche Aenderungen gebilligt und der Ausschuß vertagte sich auf Dienstag. Preußischer Landtag Hirtsiefer über Wohlfahrtspflege. tu. Berlin, 24. Jan.(Drahtb.) In der heutigen Landtagssitzung wies der Wohlfahrtsminister Hirtsiefer darauf hin, daß die Wohlfahrtsmaßnahmen der Behörden trotz ihrer durch den Kriegsausgang beschränkten Mittel Erfolge gebracht haben. Der Minister versprach, sich der privaten, durch die Inflation verarmten Fürsorgeeinrichtungen anzunehmen. Die Notlage der Kleinrentner erfordere eine Regelung im Einvernehmen mit der Reichsregierung. Für die Erholung schwächlicher Kinder besonders aus den Grenzgebieten könne nicht genug getan ne nicht genug getar werden. Dagegen müssen die Ausgaben für die Fürsorgezöglinge noch anwachsen. Deshalb hätten drei weitere Stellen von Poli zeifürsorgerinnen in den Etat von 1927 eingesetzt werden müssen. Ein besonders trauriges Kapitel ist naturgemäß noch die Erwerbslosenfürsorge. 880 000 Hauptunterstützungsempfänger waren am 15. Dezember 1926 vorhanden und seitdem ist ihre Zahl immer mehr angewachsen. Notwendig sei eine Umsiedlung der berufsüberzähligen Arbeitskräfte in aufnahmefähige Provinzen. Dazu sei aber die Ausdehnung der ländlichen Siedlungsbauten Haupterfordernis. In der Aussprache wurden viele Wünsche für die Unterstützung der privaten Wohlfahrtsfürsorge, der konfessionellen sowohl wie der weltlichen, laut. Der Minister arbeitet gerne und gut mit ihnen zusammen. Am Dienstag wird die Beratung fortgesetzt. Breukertag in Recklinghausen Tagung der Bauernvereine. d. Recklinghausen, 25. Jan. In den Tagen vom 26. bis 28. Januar 1927 findet anläßlich der Einweihung des Breukerhauses in Recklinghausen eine Gedenkfeier statt zu Ehren der Gründer der ältesten wirtschaftspolitischen Organisation der deutschen Landwirtschaft, der des Westfälischen Bauernvereins. Der Westfälische Bauernverein wurde geründet im Jahre 1862 von Frhr. von Scherlemer=Alst zusammen mit dem Kleinbauern Breuker in Kirchhellen. Breuker fand durch seine schriftstellerischen, programmatischen Arbeiten unter dem Motto „Buer et is Tied“ im ganzen deutschen Vaterlande Widerhall. Die Tagung wird für die deutsche Landwirtschaft von großer Bedeutung sein. Es reden der Präsident der Vereinigung der deutschen Bauernvereine, Frhr. von Kerkerinck zur Borg und der Direktor der Bayerischen Landesbauernkammer, Reichstagsabgeordneter Dr. Horlacher. aller Welt tu. Berlin, 25. Jan. Die Abenblätter bringen eine Erklärung des Vertreters der Zeppelinwerke, Mayenberger, nach der die Aufnahme des Zeppelinluftverkehrs zwischen Sevilla und Buenos Aires schon zu Anfang des nächsten Jahres beabsichtigt wird. Zu diesem Luftverkehr sollen ganz groß Zeppeline gebaut werden, die Raum für hundert Personen bieten und mit zwei Maschinen ausgerüstet sein sollen. Ein solches Luftschiff soll noch in diesem Jahre fertiggestellt werden und lange Probefahrten u. a. auch eine Fahrt von Sevilla nach Berlin unternehmen. n. Berlin, 25. Jan. Der ehemalige Generdirektor der Steinbank, Iwan Kutister, ist wegen lebensgefährlicher Erkrankung aus der Haft entlassen worden, verbleibt aber nach wie vor in der Charitee, da er bei seinem jetzigen Zustande absolut transportunfähig ist. r. Berlin, 25. Jan. Der 39 Jahre alte Buchhalter Emil Bloch aus der Frauenhoferstraße wurde von der Kriminalpolizei wegen umfangreicher Unterschlagungen verhaftet. Die Höhe der von Bloch veruntreuten Beträge beträgt nach vorläufiger Schätzung 150000 Mark. Der Defraudant hat das Geld dazu verwandt, ein Lichtspielhaus zu erbauen, und hoffte, aus den Einnahmen des Betriebes die Unterschlagungen allmäblich decken und seiner Firma den Schaden ersetzen zu können. Nun wurde eine unvermutete Revision angesetzt und die Fälschungen aufgedeckt. Bloch legte sofort ein Geständnis ab und verpfändete der Baufirma das Kino, das jetzt in der Tat mit Ueberschüssen arbeitet. Der ungetreue Buchhalter wurde von der Kriminalpolizei festgenommen und dem Untersuchungsrichter vorgeführt. r. Berlin, 24. Jan. Zwischen der Türkei und der Sowjetregierung ist, wie die Vossische Zeitung meldet, ein Abkommen über die Legung eines Kabels durch das Schwarze Meer getroffen worden. Das Kabel und die Maschinen sollen in England und Deutschland bestellt werden. d. Wien, 25. Jan. Der„Morgen“ berichtet von schweren Korruptionsbeschuldigungen gegen den Landeshauptmann von Kärnten Schumy. Man wirft ihm vor, in seiner früheren Eigenschaft als Landesrat und Leiter des kärntenschen Wirtschaftsamtes in den Jahren 1919—22 mit den Offizieren ver italienischen Militärmission in Klagenfurth große Holzgeschäfte gemacht zu haben, die ihm reichen Nutzen und dem Lande schweren Schaden gebracht haben. Man behauptet, daß er sich hierbei von einem italienischen Major Vice mit 200 000 Lire habe bestechen lassen. Man wirft ihm weiter vor, daß er den Förster Fuchschlag, der diese Betrügereien und diese Korruption nicht länger mitmachen wolle, und der mit der Aufdeckung des Skandals drohte, in die Landesirrenanstalt habe einsperren lassen. Fuchschlag ist es vor einigen Tagen gelungen, aus dem Irrenhaus zu entfliehen. Er macht nunmehr allerlei Enthüllungen über Major Vice, dem Chemaligen Geschäftsfreund des Landeshauptmannes. tu. Wien, 25. Jan. Der am Montag früh aus Glatz abgegangene Schnellzug stieß nach Verlassen des Gimespasses einen Kilometer von der Station Asolenka mit einem Güterzug bei starkem Nebel zusammen. Beide Lokomotiven wurden gertrümmert. Vom Begleitpersonal des Güterzuges wurden drei Personen, die vollständig betrunken waren und die Haltesignale nicht beachtet hatten, getötet. Vom Personal des Schnellzuges wurden ebenfalls zwei Mann als Leichen geborgen. Ferner wurden zyyn Personen des Schnellzuges schwer und mehrere leicht verletzt. tu. Paris, 24. Jan. Aus verschiednen Teilen Frankreichs, besonders aus der Gegend von Dijon, werden große Schneefälle gemeldet. In der Nähe von Dijon hat der Schnee eine Höhe von 60 Zentimeter erreicht. Der Verkehr ist zum Teil stillgelegt worden. Der internationale D=Zug Paris=Nizza hatte gestern eine Verspätung von drei Stunden zu verzeichnen. tu. Paris, 25. Jan.(Funk.) Ein 18jähriges Mädchen, dem man bei einem heiteren Gelage den Vorwurf machte, daß es angeheitert sei, trank, um das Gegenteil zu beweisen, eine Flasche Rum aus und schickte sich dann an, zu tanzen. Kaum hatte sie einige Schritte getan, als sie, vom Herzschlag getroffen, tot zusammenbrach. tu. Paris, 25. Jan. In der vergangenen Nacht ist in Straßburg eine Höllenmaschine explodiert. Sämtliche Fensterscheiben der Umgebung zersprangen. Einige Häuser wurden schwer beschädigt. Es soll sich um den Racheakt eines Mannes handeln, der kürzlich aus seiner Wohnung ausgewiesen wurde. tu. London, 24. Jan.(Funk.) Nach einer Meldung des„Daily Expreß“ aus Johannesburg hat Südafrika zurzeit unter großer Trockenheit zu leiden. Der dadurch angerichtete Schaden wird auf 500 000 Pfund geschätzt.— Die Landschaft Umata in der Kap=Kolonie wurde gestern von einem Zyklon heimgesucht, der großen Schaden anrichtete. n. Oslo, 25. Jan. In Rußland ist ein neues Verkehrsmittel aufgetaucht, ein Schlitten mit Flugmotor. Seiner Bestimmung nach soll er über Schneeflächen fahren, aber bei Auftreten von Schwierigkeiten imstande sein, sich in die Luft zu erheben. Nach Mitteilung der russischen Gesandtschaft in Stockholm bildet dieser Schlitten eine russische Erfindung, deren Besonderheit in dem Flugzeugpropeller besteht, der am Schlitten angebracht ist. Als großer Versuch wird eine Wettfahrt mit 15 Flugschlitten von Moskau über Finnland und Schweden nach Oslo beabsichtigt, sofern die Behörden der in Frage kommenden Länder ihre Genehmigung erteilen. tu. Rom, 25. Jan. Die heftigen Schneestürme, die in ganz Venetien wüten, haben vor allem an den Telegraphenund Telephonanlagen großen Schaden angerichtet. Die direkte telegraphische und telephonische Verbindung Venedig—Rom ist unterbrochen. tu. Sofia, 25. Jan. Da die Zahl der Grippekranken ständig im Steigen begriffen ist, wurden die Schulen, Theater und Kinos behördlich geschlossen. Alle öffentlichen Veranstaltungen sind verboten. tu. Belgrad, 25. Jan. Nach Meldungen aus Bukarest ist in Rumänien durch den strengen Frost der Verkehr vollig lahmgelegt. Die Telefon- und Telegraphenverbindungen sind empfindlich gestört. Auf der Donau mußte der Schiffsverkehr wegen Eistreiben eingestellt werden. Wegen Unterschlagung verurteilt. wl. Wickrath, 24. Jan. Ein in den Diensten der Gemeinde Wickrath stehender Kassierer war ohne Wissen des Bürgermeisters auch noch für eine neußer Versicherungsgesellschaft tätig. Er konnte für sie Gelder einziehen und hat davon 4100 Mark unterschlagen. m die Verfehlungen zu verdecken, machte er in den Kassenbüchern der Gemeinde falsche Eintragungen. Bei einer Revision des Rendanten wurden diese aufgedeckt. Als er auf Anzeige des Bürgermeisteramtes verhaftet wurde, fand man noch 1200 Mark bei ihm. Das erweiterte Schöffengericht in M.Gladbach verurteilte ihn zu einem Jahre Gefängnis, davon braucht er jedoch, wenn er den Schaden in drei Jahren ersetzt, nur die Hälfte zu verbüßen. Der Barmatprozeß. tu. Berlin, 24. Jan. In der heutigen Verhandlung des Barmatprozesses wurde zunächst der Brief des Abgeordneten Heilmann an den Finanzminister Dr. v. Richter und das Schreiben des Finanzministers an den Präsidenten der Staatsbank, in dem um wohlwollendes Interesse für Barmat gebeten wird, verlesen. Als Zeuge wurde hierauf Bankrat Brand von der Staatsbank vernommen. Dann wurde Geheimrat Rugge, der 1924 stellvertretender Staatsbankpräsident war, als Zeuge eingehend vernommen. Er schilderte das sichere Auftreten der Varmats, die schwer zu überzeugen gewesen seien, daß sie die Kredite auf einmal zurückzahlen mußten. Sie meinten im Gegenteil, noch höhere Kredite beanspruchen zu können. Von einer Weiterverleihung der Gelder durch die Amexima habe der Zeuge nichts gewußt. Barmat habe ihm einmal geraten, sich von der Ausdehnung und Sicherheit seiner Unternehmüngen selbst zu überzeugen. Damit wurde aber Dr. Böttger, der Schwiegersohn des Zeugen, betraut, der alsdann den Posten eines Vertrauensmannes der Barmat gegenüber den verschiedenen Konzernunternehmungen innehatte. Geheimrat Rugge erklärt, daß er selbst weiter keine persönlichen Beziehungen zu Barmat gehabt und auch die Einladungen nach Schwanenwerder nicht angenommen habe. Die Verhandlungen wurden auf Dienstag vertagt. Prozeß gegen den Bethlen=Attentäter in Genf. tu. Genf. 25. Jan. Vor den Bundesassisen, dem höchsten schweizer Gericht, begann gestern in Genf der Prozeß gegen den Ungarn Iwan Justh, der während der letzten Junitägung des Völkerbundsrates den ungarischen Ministerpräsidenten Grafen Bethlen geohrfeigt hatte. Die Anklage lautet auf tätliche Mißholen könnte. Das schweizer Gastrecht gebühre nur denen, die die schweizer Gesetze achten. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnisstrafe von sechs Monaten und die Ausweisung auf Lebenszeit. Darauf ergriff der Verteidiger, der pariser sozialistische Abgeordnete Moutet, das Wort, der darlegte, daß Justh aus patriotischen Motiven im Impuls gehandelt habe. Er wies darauf hin, daß allein die ungarischen Frankenfälschungen Justh zu seiner Tat getrieben hätten, abgesehen davon, daß er als junger begeisterter Republikaner von der budapester Regierung aus der Heimat gewiesen worden ist. Wenn die ungarische Regierung behaupte, daß Justh an Devisenschiebungen beteiligt gewesen sei, was völlig unwahr sei, so wolle sie damit nur die Auslieferung des Angeklagten erreichen. Wirtschaft und Die Preisgestaltung des Getreides an den europäischen Märkten. Liverpool, 21. Jan. Weizen per März 229.50, per Mai 224.10, per Juli 224.50, Mais La Plata cif per Dezember=Januar 136.60, per Januar=Februar 135.20, per Februar=März 135.20, Mais La Plata gelb per Januar 146.45, per Februar 145.90. Rotterdam, 21. Jan. Weizen per Januar 251.60, per März 227.20. per Mai 225.50, per Juli 225.40, Mais per Januar 138.20, per März 137.10, per Mai 135.90, per Juli 135.45. Paris, 15. Jan. Weizen per Januar 274.40, per März=April 266.40. Antwerpen, 19. Jan. Weizen La Plata cif 79/80 kg JanuarFebruar 238.20, Mais La Plata cif Januar=Februar 138.30, Hafer La Plata cif 46/47 kg Januar=Februar 140.30. Stockholm, 11. Jan. Weizen 260.50, Roggen 226.80, Futterhafer, weißer 151.20, schwarzer 151.20, Gerste 68/69 kg 179.60. Genua, 18. Jan. Weizen per Januar 250.65, per Februar 251.55, per März 244.35, per Mai 245.25. Preise für Sämereien in Mark für 50 Kilogramm. kerbundpaktes verstößt. Nach kurzen Zeugenvernehmungen hielt der Staatsänwalt die Anklagerede, nach der die Schweiz verpflichtet sei, die Völkerbundsdelegierten als Diplomaten zu schützen. Dem Angeklagten dürften schon deshalb keine Milderungsgründe zugeschoben werden, weil sich sonst ein ähnlicher Skandal wie die tätliche Beleidigung des ungarischen Ministerpräsidenten wiederH. wirtschaftsbericht vom 14. bis 21. Januar 1927. Markt in überseeischen Hölzern: Beim Verbrauch überseeischer Hölzer zeigt sich eine außerordentliche Knappheit an Mahagoni und Okoume, so daß sich die Preise hierfür infolge geringer Zufuhr und der gesteigerten Frachten verdoppelten. Europäischer Holzmarkt: Führende englische Holzimporteure beurteilen die Marktverhältnisse am nordischen Markt stabiler als je, was auf die gesamte europäische Holzmarktlage nicht ohne günstige Rückwirkungen bleiben dürfte. In Polen sind neben dem englischen Holzkonsortium„Century Trust Co. Ltd.“ nunmehr auch mehrere deutsche Firmen an der Ausbeutung der polnischen Wälder interessiert, wobei es sich um Verträge über mehr als 10 Millionen fm handeln soll. Das Geschäft in der Tschechoslowakei hält sich in kleinem Umfange, jedoch mit ausgesprochen fester Tendenz. Die Entwicklung am österreichischen Markt läßt noch sehr zu wünschen übrig, für den Waldbesitz ist es teilweise schwer, sein Holz zu einigermaßen befriedigenden Preisen abzusetzen. Deutscher Holzmarkt: Der Nadelstammholzmarkt erfreut sich weiterhin einer langsam aufwärtsstrebenden Tendenz. Papierholz, Schwellenholz ist zwar begehrt, jedoch vielfach nur zu mäßigen Preisen absetzbar. Die Lage am Eichenstammholzmarkt hat sich nicht wesentlich zu Gunsten der Verkäufer bessern können. Für Rotbuchenstammholz zeigt sich weiter annehmbare Nachfrage. Am Nadelschnittwarenmarkt herrscht eine absolut feste Haltung, teilweise ist die Nachfrage nach trockener, gesunder Stammware sogar recht lebhaft geworden. Am Baumarkt haben die Preise ihre Tendenz beibehalten, der Platzholzhandel sucht schon jetzt zur Frühjahrslieferung vom neuen Einschnitt größere Mengen Kanthölzer, gesäumte Bohlen, Dachlatten, Rüst- und Hobelware zu kaufen. Am arkte in Eichenschnittware ist im Verhältnis zum Bedarf das Angebot, besonders von geringerer bis mittelguter Ware, zu groß, als Folge davon sind die Preise sehr gedrückt. Für alte, abgelagerte Buchenschnittware tritt fortdauernd Interesse zu Tage und es sind regelmäßige Umsätze möglich. Nadelholz. Fichten= und Weißtannenstammholz. Süddeutschland: 3. Kl.(Heilbronner Sortierung) 20—30.50 M. Mitteldeutschland:(Homa) N. Kl. 1a: 19.10, 1b: 20.30, 2a: 24.90, 2b: 29.30, Za: 35.10, 3b: 35.10:N. Schlesien: Kl. 1b: 18.70, 2a: 21.40, 2b: 24, Za: 26.20, 3b: 25.70, 4a: 27.70, 4b: 31 M. Kiefernstammholz: Norddeutschland:(N) Kl. 1b: 12—16, 2a: 15—21, 26: 19—29, 3a: 23—35, 3b: 26—37, 4a: 31—42, 4b: 33—45 M. Für A=Starkholz Preise bis zu 64.N Schlesien:(A) Kl. 2a: 21.90, 2b 26.9 4a: 39.90, 4b: 41, 5: 52.20 M. Süddeut bronner Sortierung) 21.50—32.50 N. Papierholz.(Fichte und Tanne) Grubenholz.(Nadel) Stempel: 8—10 A je Ster. Norddeutschland: langholz: 12.50—16 M. Laubholz. Eichenstammholz. Süddeutschland=Hessen: 1.—5. Kl. 107, 86, 60, 45, 26 N, 1. Kl. teilweise bis 139 M. Schlesien: Kl. 2: 15.70, 3: 22.50, 4: 34.20, 5: 61.50 M. Rotbuchenstammholz. Süddeutschland: 3. Kl.: 27.50—40 N, Mitteldeutschland=Westdeutschland: Kl. 2—5: 20, 23, 23—26, 31—32 M. Schwellenholz. Kiefer, Norddeutschland: 20 bis 23 M; Süddeutschland: 18—27 M. Viehmärkte. Straelen, 24. Jan. Schweinemarkt. Auftrieb 250 Schweine. Preis pro Stück 23—33 A je nach Alter und Qualität. Handel langsam. Markt wurde nicht geräumt. Nächster Markt am Montag, dem 31. Januar. Duisburg, 24. Jan. Schlachtviehmarkt. 43 Kühe usw. a) 58—60, b) 52—55, c) 45—50. 29 Kälber. c) 60—70, d) 50 bis 60. 546 Schweine. c) 73—74, d) 70—72, f) 68—70. Duisburg=Meiderich, 24. Jan. Schlachtviehmarkt. 36 Kühe usw. b) 58—60, c) 48—54. 446 Kälber. b) 75—80, c) 60 bis 75, d) 55—60. 322 Schweine. c) 70—72, d) 68—70, Za: 29.90, 3b: 34.20, chland: 3. Kl.(Heil13.50—19 M. Süddeutschland: 8—13.30 M. GrubenLetzte Meldungen Ein Kompromiß in den Verhandlungen über die Ostbefestigungen. tu. Paris, 25. Jan.(Funk.) Nach dem„Matin" haben die deutschen Unterhändler bei ihren Verhandlungen mit der Botschafterkonferenz über die Ostbefestigungen ihren Standpunkt, daß Art. 180 des Versailler Vertrages Deutschland berechtige, seine Befestigungen zu modernisieren, nach und nach fallen gelassen. Die Alliierten würden sich deshalb mit der Verpflistchtung genügen, daß an den Ostbefefrigungen keine Neuanlagen geschaffen werden. Die deutsche Reichsanleihe. tu. Berlin, 25. Jan.(Funk.) Das Finanzministeekum gibt bekannt: Soeben wurden die Verhandlungen über die deutsche Reichsanleihe im Betrage von 500 Milliönen Mark, verzinslich mit 5 Prozent, zu einem Ausgabekurs von 92 Prozent abgeschlossen. 300 Millionen Mark sind von einem Bankkonsortium übernommen worden, während 200 Millionen Mar? freihändig mit neunmonatiger Sperrfrist auf dem Markt untergebracht werden sollen. Die Zeichnungsfrist für die Anleihe läuft vom 3. bis zum 11. Februar und die Frist für die Einzahlung vom 21. bis zum 23. Februar. Als Begründung für die jetzige Ausgabe wird angegeben, daß das Finanzministerium es für richtig hält, den gesamten Anleihebedarf des Reichs auf einmal zu decken, und dies in diesem besonders günstigen Momente zu tun da es zur Zeit möglich ist, die Anleihe mit einem Zinssatz von 5 Prozent unterzubringen, gegenüber einem Zinssatz von 7 Prozent im Jahre 1926 Das Urteil im Justh=Prozeß. tu. Genf, 25. Jan.(Funk.) Heute nachmittag um 5 Uhr wurde im Justhprozeß(siehe unter Gerichtssaal. Die Red.) das Urteil verkündet. Es lautet auf 24 Tage Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft abgebüßt sind, und 500 Schweizerfranken Geldstrafe. Bei Nichtzahlung tritt für je 10 Franken 1 Tag Gefängnis ein. Im Urteil wurde die Landesverweisung auf 10 Jahre ausgesprochen. Die Kosten des Verdege lig de Gugsig. Köln, 25. Jan. Die kölner Milchviehmärkte finden im Monat Februar am Donneøstag, dem 3. und 17. von 9 Uhr vorm. bis 1 Uhr nachm. in den Verkaufshallen des Messegeländes am Bahnhof in Köln=Deutz statt. Produktenmärkte. Duisburg, 24. Jan. An der Getreidebörse galten für 100 kg frei Waggon Duisburg, in Mark folgende Preise: Inl. Weizen 29—29½, inl. Roggen 25½/—26, pomm. und schles. Hafer 23½ bis 24¼, rheinischer Hafer 22¼—22¼, ausl. Weizen 31½—33, ausl. Roggen 271/—28½, ausl. Hafer 213—25, ausl. Gerste 22 bis 23, La Plata=Mais 18¾, Cinquantino=Mais 20—20¼, Bäckermehl(Grundpreis) 39, Roggenmehl 37—37½, Weizenbollmehl 152—16¼, Weizenkleie 13½—14½, Roggenkleie 13½—13¼, Steffens Zuckerschnitzel 16. Stimmung fest, Kauflust besser. Essen, 24. Jan. Am Getreide= und Futtermittelmarkt wurden folgende Preise notiert: Inl. Weizen 29—29.50, runder genmehl 37.50—38, Weizenkleie 13.50—14.75, Weizenbollmehl bis 16.50, Zuckerschnitzel 15(alles in Mark für die 100 kg frei Essen). tu. Köln, 25. Jan. Produktenbörse.(Drahtb. Weizen, inl. 29.3—29.6, Weizen, ausl. 30.5—33.5, Roggen, inl. 25.5—25.75, Roggen, ausl. 27.5—28, Hofer, hiesiger 19.75—20.5, Hafer, ausl. 21.75—22.5, Futtergerste 21.75—22, Wintergerste, inl. 21.75—22, Sommergerste 24—25.5. Mais, grober 18.75—19, Mais, kleiner 19.75—20, Roggenmehl, 70proz., inl, 36—36.5, Roggenmehl, 70proz., ausl. 37.5—38, Weizenmehl, 70proz., inl. 38.5—39, Weizenmehl, 70proz., ausl. 38.5—39.5, Weizenkleie 13—14.5, Rübkuchen, lose 16—16.5, Palmkuchen, lose 16—17, Leinküchen, lose 21—21.5, Leinmehl 21.75—22.25, Soyaschrot 20.75—21.25, Zuckerschnitzel 12.25—14.5, Rohmelasse 7.25—7.75, Wiesenheu, inl., lose 6.5—9, Kleeheu, inl. 11—13, Kleeheu, gepreßt 12—13.5, Roggenstroh, gepreßt 3.3—3.8, Weizenstroh, gepreßt 3.33.8, Haferstroh, gepreßt 2.4—2.8. Stimmungsbericht: An der heutigen Börse war Auslandsgetreide höher, von Inlandswaren wurden für Roggen höhere Preise gezahlt. Futtermittel waren fester. tu. Berlin, märk. 265Roggen, 251.5, Sommergerste 217—245, Wintergerste 194—207, Hafer, märk. 185—196, Mai 208. Mais 188—190, Weizenmehl 35—37.75. Roggenmehl 34.75—36.75, Weizenkleie 14.75, Roggenkleie 14.75, Viktoriaerbsen 52—66, Kleine Speiseerbsen 30—32, Futtererbsen 22 bis 25, Peluschken 22—23, Ackerbohnen 20.5—21.5, Wicken 23—24.5, Lupinen, blau 15.5—16.5, Lupinen, gelb 17—18.5, Seradella, neu 31—34, Rapskuchen 16.2—16.3, Leinkuchen 20.7—21, Trockenschnitzel 11.6—12, Sojaschrot 19.6—20, Kartoffelflocken 30.2—30.6, Roggenstroh, gepreßt 1.20—1.60, Haferstroh 1.05—1.35, Weizenstroh 1.05 bis 1.45, Gerstenstroh 1.05—1.35, Langstroh 1.70—2.00, bindfadengepreßtes Roggen= und Weizenstroh 1.20—1.55, Häcksel 2.05—2.30, Heu, handelsüblich 1.70—2.50, Heu, gut 2.80—3.40, Thimotee 3.75 bis 4.25, Klecheu 3.60—4.10. Amtlicher Wetterbericht obs. Aachen, 25. Jan.(Drahtb.) Vereinzelt kam es gestern in Westdeutschland zu unbedeutendem Niederschlag, im übrigen herrschte wolkiges oder heiteres Wetter bei südlicher Luftströmung. Die Luftwärme stieg allgemein an In der Nacht traten auch noch strichweise leichte Fröste ein. In Mittel= und Ostdeutschland herrscht noch stärkerer Frost. Der Luftdruck ist weiter angestiegen, sodaß ein kräftiges Zwischenhoch entstanden ist. Der Kern der tiefen ozeanischen Zyklone ist näher an Island herangerückt, doch ist jetzt in der Ausbreitung nach Osten hin ein Stillstand eingetreten. Vorhersage bis Donnerstag. Meist heiter, tagsüber ziemlich mild, strichweise bewölkt, vereinzelt Niederschläge, in den südlichen Bezirken strichweise leichter Frost. Wasserstandsnachrichten. Hüningen 0.83, Kehl 2.08, Maxau 3.78, Mannheim 2.57, Mainz 0.76, Bingen 1.85, Caub 2.03, Koblenz 2.34, Köln 2.28, Düsseldorf 1.92. Hauptschriftleitung: R. B. Drößler D. H. H. C., Tleve. Verantwortlich für Wirtschaftspolitik und Organisationsfragen R. B. Drößler(Cleve). für Politik, Feuilleton und den übrigen Teil H. J. Lingen(Wankum), für Sport G. I. van Hoffs(Krefeld), für den Anzeigenteil F. Drießen (Kempen). Verlag: Verein Landwirtschaftl. Presse e. V. Cleve. Rotationsdruck: Rheinische Druckerei G. m. b. H., Kempen=Rhein. Niemand kann die Witterung für die arbeitsreiche Zeit der Frühjahrsbestellung voraussagen. Sofern aber der Landwirt nach der ruhigen Zeit seine Sämaschine instand setzt, das Saatgut durch Kauf oder gründliche Reinigung in ausreichender Menge bereit stellt und vor allem für die Beschaffung des notwendigen Kunstdüngers sorgt, wird es ihm leicht sein, selbst in wenigen schönen Tagen seine Saat richtig und sorgfältig auszuführen. Vielen Landwirten ist es auch nicht bekannt, daß jetzt schon die Thomasmehlgabe selbst auf eine leichte Schneedecke verabfolgt werden kann, entweder auf die rauhe Furche, oder zur Winterung, um eine etwa versäumte Herbstdüngung nachzuholen. Bei Thomasmehl sind keine Verluste durch Auswaschung zu befürchten. 0 n 40 Die glückliche Geburt eines gesunden Mädels zeigen hocherfreut an 0235 Hans heicks u. Frau Glara geb. Baumann Elverich b. Büderich F. B. Mörs Ortsgruppe Labbeck Am Freitaß. 28. Januar, nachmittags 4 Uhr. bei Wwe. Wellmann - Versammlung des Steuerausschusses Diejenigen, welche meinen, daß sie bel der Neubewertung zu hoch veranlagt sind, mögen zu dieser Versammlung erscheinen. Die Reinertragssätze sind mitzubringen. 270 Josel Paeßens, Vorsitzender. des Rh. B.-V. .Kreisgruppe Cleve Am Freitag, dem 28. Januar 1927, nachmittags 4 Uhr. beginnt in der Wirtschaft van Gelder, Cleve(Böllenstege) der diesjährige von Loë-Kursus Wir laden alle Junglandwirte, besonders die Söhne unserer Mitglieder, herzlichst ein, an diesen Kursen teilzunehmen. 0237 Der Vorstand. I. A.1 A. Pitz, Krelsvorsitzender. General-Versammlung des Pferdezucht-Vereins Baerl e. V. Freitag den 28. Januar, nachmittags 3.45 Uhr, bel Abel, Lohmannsheide. 1. Besichtigung der Verelnshengste:„Natur 859*, 1. Preis Köln 1926,„Successeur de l’Escolle",(Albion Sohn). 2. 4.15 Uhr: Vortrag des Herrn Dr. Grötz Leiter der Hauptlehrschmiede der Rheinprovinz über: Pferdebeine. Stellung. Hutpflege, Beschlag usw. 0233 Hierzu laden wie alle Pferdezüchter,-Halter, Schmiede und die ländl. Jugend dringend ein. J. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Einladung zur Generalversammlung des Winnekendonker Pferdezuchtvereins am Mittwoch, dem 2. Februar 1927, nachmittags 3 Uhr- im Lokale des Stationshalters Johann Drießen. 266 Tagesordnung: 1. Vorführung der vier Vereinshengste, 2. Rechnungsablage und Bilanz, 3. Festsetzung der Deck- und Fohlengelder. 4. Vortrag des Herrn Dir. SchoenmackersGeldern, 5. Verschiedenes. Im Auftrage des Vorstandes: Joh. Terhoeven, Schriftführer. 5. Ulanen heraus! GeneralVersammlung am Sonntag, dem 30. Januar 1927. nachmittags 2½ Uhr. im Lokale des Kameraden Peter Wolftram in Geldern, Harttor. Die Tagesordnung wird aut der Generalversammlug bekannt gegeben. Neuaufnahmen von Mitgliedern werden in der Versammlung entgegengenommen. Der Vorsitzende des Ulanenvereins Bochum, Kamerad Th. Schröder, hat sein Erscheinen zugesagt und wird über Zweck und Ziele des Ulanenvereins und des Verbandes sprechen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Versammlung erwarten wir, daß alle ehemalige 5, Ulanen pünktlich erscheinen. 0234 I. A. Bendgens, Vorsitzender. Großer Inventar-Verkauf Am Montag, dem 7. Februar, vormittags 10 Uhr. läßt Herr Th. Langenberg zu Birten-Poll verziehungshalber öffentlich freiwillig auf Kredit versteigern: 3 Pferde, 1 5Jährige belgische Stute, 2 1jährige Fohlen, 15 Stück Rindvich, 5 hochtragende 3 jährige Mahlen, 5 2jährige tragende Rinder, 5 11 Monate alte Weiderinder, 12 Schöttlinge, 50 Legehühner, 1 fast neue Dreschmaschine mit doppelter Reinigung, Entnahme und Benzolmotor, 2 lange Karren, davon eine schwere, für Milchfuhrwerk geeignet, 1 kurze Schlagkarre, 1 Schlagkarrbörie mit Brettern und Bäumen, 1 leichten Milchwagen, 1 viersitzige Tilbury zum Autklappen, 1 zwelsitzige Tilbury, 1 Dogcart, Halbtonneaux, 2 Pflüge, alze. 2 Eggen. Häckselmaschine, Nähma schine, 2 Waschmaschinen, 1 Mantelofen, 1 gronen Küchenschrank, 1 große Partie Länker Rüben. Das Vieh kann noch 8 Tage auf dem Hole stehen bleiben. Unbekannte Anstelgerer und Bürgen haben ihre Zahlungsfähigkeit vorher durch neuestes Attest ihrer Ortsbehörde nachzuweisen. Bei Barzahlung gräßerer Viehsteigpreise wird nur fünf Prozent Aufgeld berechnet. 271 Alpen. Fürdens, Aukt. SCHUTZMARKN Wissenschaftlich anerkannt, in der Praxis erprobt, billig ist die Aufzucht der Kälber mittels Magermilch una verzuckerter Stärke. Kälber Maiszucker ist die einzige käufliche, pulverförmige, leicht lösliche, schmackhafte, gebrauchsfertige und haltbare, nach besonderem patentierten Verfahren verzuckerte Stärke für Kälber. Kälber-Maiszucker zu Vollmilch macht deren Nährstoffverhältnis für die Kälber günstiger. DEUTSCHE MAIZENA GESELLSCHAFT A.-G. HAMBURG 15 b. SPALDINGSTRASSE 216/18 LITERATUR: J. Hansen. Lehrbuch der Rinderzucht, 2. und 3. Auflage, Seite 480 ff.; Fingerling, Die landwirtschaftlichen Versuchsstationen, 1910, Heft 1 und 2; Martens, Deutsche landwirtschaftliche Presse, 1926, Nr. 13 und 14; Kluge, Deutsche landwirtschaftliche Tierzucht, 1926, Nr. 39. Nülchvichmarkt in Köln am Bahnhof Köln-Deutz, Messegelände Nächster Markt: Donnerstag, den 3. und 11. 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Schanzen Saatkartotteln erste Absaat von Original Modrows Industrie, von der Landwirtschaftskammer anerkannt zu verkaufen Reddersbol Evil b. Nleukerk. Rheinische Bauern=Zeitung Nr. 21 Krefeld, Mittwoch, den 26. Januar 1927 8. Jahrgang Getäuschte Exporthoffnungen Von Dr. Ludwig Rudloff(Berlin). Das Jahr 1926 hat den Propheten des Aufschwunges deutscher Fabrikatausfuhr neue Enttäuschungen gebracht. Das vorige Jahr hat unserer Gesamtausfuhr zwar einen großen Aufschwung infolge des englischen Kohlenstreiks gebracht, denn von der Mehrausfuhr von etwa 1 Milliarde Mart gegenüber dem Jahre 1925 entfallen 42 Prozent auf den Kohlenexport. Während die Gesamtausfuhr um 12,6 Prozent stieg, wüchs der Fabrikatexvort im vorigen Jahre noch nicht um 6 Prozent. Mit dem Ende des Kohlenstreiks ist die Voraussetzung der künstlichen Exportkonjunktur gefallen; diese muß nach den Schätzungen westfälischer Eisenindustrieller im Frühjahr zu Ende gehen! Dann tritt die Erschwerung unserer Ausfuhrchancen unverschleiert wieder in die Erscheinung. Auch eine Senkung der Preise ist nur sehr bedingt das geeignete Mittel zur Eroberung des Weltmarktes. Obwohl im vorigen Jahr für fast alle Eisenerzeugnisse ein Sinken der Ausfuhrpreise festgestellt worden ist(für haus= und landwirtschaftliche Geräte, Handwerkszeug, Metall= und Holzbearbeitungsmaschinen, Fahrräder und Verbrennungsmotoren ist der Preisindex durchschnittlich um 8 bis 10 Punkte gesunken), hat man ein entsprechendes Steigen der Ausfuhrmenge, wie es vor dem Kriege gewöhnlich eintrat, vermissen müssen. Unabhängig von der Preisgestaltung, die in der Vorbelastung der Industrie durch Steuern, Reparationsobligationen und Reichsbahntarife eine enge Grenze findet, ist die Absatzfähigkeit auf dem Weltmarkte hauptsächlich durch folgende Gründe Alle übervölkerten Industriestaaten, deren Zahl sich mit der stürmischen Industrialisierung des Erdballes mehrt, konzentrieren ihre wachsende Arbeitsenergie zur Verarbeitung ihrer und fremder Rohstoffe. Die hochentwickelte Maschinentechnik kann weniger industrialisierten Nationen ermöglichen, Massenerzeugnisse in kaum geringerer Qualität herzustellen als die älteren Industriestaaten. Deshalb wird der Wettbewerb auf dem Weltmarkt immer schwieriger, und diese Schwierigkeit wächst mit der fortschreitenden Einengung noch einfuhr„freier“ Länder. Der Kampf um den Absatzmarkt wird zu einem Problem der kreditweisen Exportfinanzierung, bei dem uns der Atem eher ausgehen muß als Amerika und den europäischen Reparationsgläubigern Deutschlands. Daher ist es kein Wunder, wenn Amerika die Ausfuhr Europas allmählich einengt. Nur ein Beispiel: Der Wert der Maschinenausfuhr aus den drei großen Exvortländern wandelte sich in den Jahren(in Millionen Mark): 1913 1924 Amerika 686,3 1275,1 England 755,1 977,6 Deutschland 818,4 594,6 Noch ungünstiger wird das Bild, wenn man die Ausfuhr von Eisenbahnwagen, Lokomotiven, sonstigen Fahrzeugen, besonders ader Kraftwagen. hinzunimmt. Dann fällt jetzt bereits mehr als die Hälfte der gesamten berifflich erweiterten Maschinenausfuhr auf ordamerika! Die ungeheure Ausdehnungskraft der amerikanischen Industrie drängt über den infolge der dünnen Befiedlung vorzeitig gesättigten Binnenmarkt auf den Weltmarkt und drückt allmählich ganz Europa, ganz Deutschland, auf seinen Binnenmarkt zurück. Unsere europäischen Absatzgebiete haben ihre eigene Maschinenindustrie durch Hochschutzzölle und handelspolitische„Diskriminierung“ Deutschlands so gefördert, daß der deutsche Anteil an der Maschinenausfuhr stark gesunken ist. Unsere Handelsverträge wollen diesen Absatzmarkt wieder erobern. Der deutsche Anteil an der Maschineneinfuhr Frankreichs sank von 40 Prozent im Jahre 1913 auf 16 Prozent im Jahre 1925, an der Maschineneinfuhr Italiens von 53,2 Prozent(1913) auf 41,8 Prozent(1925), an der Maschineneinfuhr Spaniens von 48,3 Prozent(1913) auf 36,2 Prozent(1925). Die Wiedereroberung dieser Absatzmärkte ist abhängig von der Ueberschwemmung Deutschlands mit landwirtschaftlicher Luxuseinfuhr. Dem„Verein deutscher Maschinenbauanstalten“ ist diese Art der Eroberung des Absatzmarktes wichtiger als die Sicherung des Binnenmarktes. Aber er beziffert den Gesamtexport an Maschinen im Jahre 1925 auf 735 Millionen Mark, dagegen den Inlandsabsatz auf 2135 Millionen Mark. Trotzdem hält er an seiner handelspolitisch falschen Einstellung fest mit der Begründung, daß der Verlust von 735 Millionen Mark Auslandsabsatz viel schwerer wiege als ein Gewinn von 97 Millionen Mark, der durch die Verdrängung der Maschineneinfuhr mittels hoher Einfuhrzölle entstehe. Diese Art von Beweisführung ist unvollständig, denn sie vergißt, daß die Sicherung und Stärkung inländischer Kaufkraft die Stockung des Auslandsabsatzes um ein Vielfaches überwinden kann. Das Sinken der Ausfuhrkonjunktur nach dem Ende des englischen Kohlenstreiks wird hoffentlich endlich die Augen auch der unentwegten Exportfanatiker für diese Tatsache öffnen. Gedanken zum neuen Zolliarif Von maßgebender Seite erhält die„Landwirtschaftliche Wochenschau“ die folgende Stellungnahme: Als im Jahre 1925 nach mehr als 10jähriger Unterbrechung wieder ein landwirtschaftlicher Zollschutz eingeführt wurde, mußte die Landwirtschaft auf eine ganze Reihe wirtschaftlich wohlberechtigter Wünsche verzichten. Ihr Forderungen wurden als maßlos übertrieben bezeichnet, während sie in Wirklichkeit nur den Versuch bedeuteten, die Parität des Zollschutzes für Landwirtschaft und Industrie wieder herzustellen. Die Regierungsdenkschrift führte damals ganz richtig aus:„daß der Zolltarif vom Jahre 1902 ein einheitliches Ganzes bildet, daß die landwirtschaftlichen Zölle ein unerläßliches Korrelat zu den Industriezöllen darstellen, und daß die durch die Zölle beeinflußten Preise für landwirtschaftliche Erzeugnisse und für Betriebsmittel, die die Landwirtschaft zur Gewinnung ihrer Erzeugnisse benötigt, in einem angemessenen Verhältnis zueinander stehen müßten". Trotzdem gelang es der Landwirtschaft nicht, diese Parität auch nur annähernd wieder herzustellen. Die Industrie, die schon im Jahre 1925 gegenüber der Vorkriegszeit zum Teil recht erheblich erhöhten, in seiner Wirkung durch die Einfuhrverbote noch gesteigerten Zollschutz besaß, erreichte weitere wesentliche Zollerhöhungen auf den verschiedensten Gebieten, während die landwirtschaftlichen Zölle nicht nur unter Berücksichtigung der allgemeinen Preissteigerung, sondern zum Teil auch nominal niedriger als in der Vorkriegszeit festgesetzt wurden. Insbesondere wurde der landwirtschaftliche Zollschutz durch die Uebergangszölle stark abgebaut. Das in der Vorkriegszeit sorgsam ausbalanzierte Verhältnis zwischen landwirtschaftlichen und Industriezöllen ist also durch die Regelung des Jahres 1925 stark zu Ungunsten der Landwirtschaft verändert worden. Auch die seitdem abgeschlossenen Handelsverträge haben das Bild nur zu Ungunsten der Landwirtschaft geändert, da die landwirtschaftlichen Zölle fast durchweg außerordentlich stark herabgesetzt wurden, während dies bei den Industriezöllen bei weitem nicht in gleichem Ausmaß der Fall war. In dieser ungleichen Vehandlung der Landwirtschaft und der Industrie liegt der eine Hauptfehler unseres gegenwärtigen Zolltarifsystems. Der andere Fehler ist der: Die Zolltarifnovelle von 1925 war eine aus der Not der Zeit heraus Molkereitag in Goch Tagung der Genossenschaftsmolkereien der Kreise Cleve, Geldern, Mörs, M.=Gladbach, Krefeld u. Kempen 4. Auf geschäftlichem Gebiet seien bereits Anfänge zur Bildung von Interessengemeinschaften der Molkereigenossenschaften für die Belieferung einzelner Großstädte und Industriegebiete zu verzeichnen, deren Ausbau allerseits gefördert werden müßte. gesetzlichen, betriebstechnischen und geschäftlichen 2. 3. Vg. Goch, 25. Jan. Unter dem Vorsitz des Genossenschaftsvorstehers Dr. Graf v. Loe(Wissen) waren auf Einladung des Verbandes rheinischer landwirtschaftlicher Genossenschaften in Köln am 21. ds. Mts. die Vorstands= und Aufsichtsratsmitglieder sowie die Geschäftsführer der Genossenschaftsmolkereien aus den genannten Kreisen versammelt, um zunächst vormittags über die Aufgaben des Vorstandes und Aufsichtsrates in einer Molkereigenossenschaft. a) nach der b) nach der Seite zu verhandeln. Der Nachmittagstagung lag folgende Tagesordnung zu Grunde: 1. Beobachtungen und Lehren aus den Geschäftsbetrieben der Molkereien in der letzten Zeit. Neue Bestrebungen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung. Verschiedenes. Das rege Interesse der Verwaltungsorgane der Molkereigenossenschaften an den Tagungen des Verbandes kam schon durch den außerordentlich zahlreichen Besuch zum Ausdruck. Schon die Vormittagstagung war von ca. 150 Landwirten besucht und in der Nachmittagstagung, an der auch Direktor Müller, Dr. Frahm und die Schüler der Versuchsanstalt und Lehrmolkerei in Cleve teilnahmen, vermochte der Saal in der Fruchtbörse in Goch die Gäste taum zu fassen. Einleitend wies vormittags der Vorsitzende auf den Zweck und die Bedeutung der Tagungen hin und erteilte zum ersten Punkte der Tagesordnung dem Molkereiinstruktor Koppelberg vom Verbande rheinischer landwirtschaftlicher Genossenschaften das Wort. Anhand der entsprechenden Bestimmungen des Statuts wurden die Aufgaben des Vorstandes und Aufsichtsrates in einer Molkereigenossenschaft durchgegangen und eingehend erörtert. Zu dem zweiten Punkte der Tagesordnung besprach Molkereiinstruktor Schwarz von der Landwirtschaftskammer in Bonn in eingehenden Darlegungen dasselbe Thema nach der betriebstechnischen und geschäftlichen Seite, wobei durch Beispiele aus der Praxis die Ausführungen in interessanter Weise ergänzt wurden. Troß des recht trockenen Stoffes der Vormittagstagungen folgten die Teilnehmer den beiden Ausführungen mit regem Interesse, und dieses Interesse kam noch besonders in der an die Referate angeschlossenen sehr lebhaften Aussprache zur Geltung. In der Nachmittagstagung referierte zu den ersten Punkten der Tagesordnung Molkereiinstruktor Koppelberg aus Köln. Vor der Behandlung des eigentlichen Themas legte Referent eingehend die Begriffe Genossenschaft und Genossenschaftsarbeit klar. Dieser Erläuterung waren die Fragen zu Grunde gelegt: Was ist eine Genossenschaft? und Sind wir mit unserer Genossenschaftsarbeit noch auf dem rechten Wege? Dabei wurde die eine Art der Genossenschaften, Molkerei= bzw. Milchverwertungsgenossenschaft besonders eingehend dargelegt. Zum eigentlichen Thema übergehend, wurde die Entwicklung der Molkerei= bzw. Milchverwertungsgenossenschaften im letzten Jahre besprochen und zwar nach der organisatorischen, technischen und kaufmannischen Seite. Referent wies auf die Einführung neuer Statuten, die Gründung neuer Milchverwertungsgenossenschaften und die dabei gemachten Erfahrungen, sowie die in Aussicht stehende geldliche Unterstützung durch Reich und Preußenkasse hin. Die Hauptarbeit sei aber auf technischem Gebiete geleistet worden und zwar auf dem Gebiete der Besserung der Milchanlieferung durch die Arbeiten und Erfolge der Molkereikontrollvereinigung, der Käsekontrolle und der Butterprüfungen. Daneben sei der Anschluß an das freiwillige Tuberkulosetilgungsverfahren in fast sämtlichen Betrieben wieder aufgenommen und auch die Bestrebungen der Rindviehkontrollvereine wurden seitens der genossenschaftlichen Molkereien tatkräftig unterstützt. Zum Ausbau der Betriebe seien wesentliche Fortschritte gemacht durch Vergrößerung der Kraftanlagen, der Kühlmaschinen und in letzter Zeit sei auch die Einführung der Dauer=Pasteurisierung sowie die Herstellung von Flaschenmilch in größerem Umfange aufgenommen. Nach der geschäftlichen Seite ist im letzten Jahre die Käseverkaufsvereinigung ins Leben gerufen, deren weiterer Ausbau als Butter= und Milchausgleichsstelle eine Frage der Zeit sei. Als nächste Zukunftsaufgabe bezeichnet Referent Gebiete der Besonders sei die . den Rahmen der eigenen Genossenschaften hinaus innerhalb der berufsständischen Vereine unentbehrlich. 2. Die Geschäftsführer der Molkereien wurden dringend an die regelmäßige und pünktliche Einreichung der monatlichen Buchund Betriebsausweise erinnert, damit die genossenschaftliche Zentralstelle jederzeit über Anlieferung und Verwertung der Milch innerhalb der einzelnen Bezirke unterrichtet sei. 3. Auf technischem Gebiet würde der weitere Ausbau nach der Einführung einer Käsemarke zu Markenmilch und Markenbütter führen müssen. Ueberall, wo auf dem Gebiete der Milchverwertung und Milchversorgung Genossenschaften tätig sind, zeigt sich Bewegung, Fortschritt und Erfolg. Durch einmütiges Zusammenarbeiten aller Genossenschofter muß es gelingen in nächster Zukunft auch die der Genossenschaftsarbeit fernstehenden Landwirte für die Mitarbeit zu gewinnen. Nur die zielbewußte Weiterarbeit auf altbewährter genossenschaftlicher Grundlage führt zu dem Ziel bestmöglichster Verwertung der Milch, Einfluß der Landwirtschaft bei der Regelung des Marktes und damit der Preisbildung ihrer Erzeugnisse und zu dem letzten großen nicht nur landwirtschaftlich, sondern auch volkswirtschaftlich bedeutungsoollen Ziel„Ernährung des deutschen Volkes mit dem wichtigsten Erzeugnis der Landwirtschaft und dem wichtigsten Volksernährungsmittel aus der deutschen Scholle. Zu dem zweiten Punkte der Tagesordnung referierte Molkereiinstruktor Schwarz eingehend über die neuen Bestrebungen auf dem Gebiete der Gesetzgebung und Verwaltung Dabei wurden folgende Gesetze und Verordnungen bzw. zu erwartenden Gesetze besprochen: Das vorläufige Reichsmilchgesetz, das noch bis zum 1. April 1928 gültig bleiben und dann durch ein neues ersetzt werden soll. Ferner das Lebensmittelgesetz, das Arbeitsschutzgesetz und Ministerialerlasse über Lehrlingsausbildung und Aufnahmebedingungen für Molkereischulen. Außerdem wurde auf die Notwendigkeit der Einführung von Marken für Butter und Käse nochmals besonders hingewiesen. Der Vorsitzende dankte den beiden Referenten für die interessanten und eingehenden Darlegungen und ergänzte die Ausführungen an mehreren Stellen, wobei die Wichtigkeit und Notwendigkeit der Genossenschaftsarbeit auf dem Gebiete der Milchverwertung besonders betont wurde. Die recht lebhafte sich auf die verschiedensten Gebiete erstreckende Aussprache führte zu der nachstehenden vom Genossenschaftsvorsteher Küsters(Huisberden) eingebrachten Entschließung der Molkereien zur Wirtschaftslage: Die zur diesjährigen Tagung der Molkereigenossenschaften in Goch versammelten Verwaltungsorgane der niederrheinischen Genossenschaftsmolkereien erklären nach eingehender Beratung über die bisherige Entwicklung und zukünftigen Aufgaben der Molkereien einstimmig das Folgende: 1. Die Molkereigenossenschaften sind seinerzeit zu dem Zwecke gegründet worden, den angeschlossenen Landwirten durch gemeinsamen Geschäftsbetrieb neben anderen Vorteilen insbesondere die bestmögliche Milchverwertung zu gewährleisten. Dieses Ziel ist statutarisch festgelegt und wird auch heute noch unentwegt weiter verfolgt. Die ausschließliche Verfolgung dieser Zielstellung zeitigte bis zum Kriege eine außerordentlich günstige Entwicklung, wodurch gleichzeitig der gesamte Wirtschaftsbetrieb, vornehmlich die Viehzucht in den Bezirken der Molkereigenossenschaften, ersichtlich gefördert wurde. Wenn auch bei Gründung der Molkereigenossenschaften der Betrieb hauptsächlich auf Verarbeitung eingerichtet war, so erforderte doch die Entwicklung der Großstädte und Industrieorte schon gegen Ende des vorigen Jahrhunderts eine stärkere Heranziehung der genossenschaftlichen Molkereibetriebe für die Versorgung der Städte mit Milch. Hinzu kam, daß durch die Entwicklung der Technik der Versand auf größere Entfernungen ermöglicht wurde. 2. Durch Krieg und Zwangswirtschaft erfolgte die fast völlige Umstellung der meisten Molkereibetriebe zum Milchversand. Nachdem seit einigen Jahren die Städte und Verbrauchsorte wieder reichlich mit Milch versorgt sind, ist eine Rückentwicklung der Molkereien zum Verarbeitungsbetriebe an sich erwünscht. Diese kann jedoch nur langsam und in dem Ausmaße erfolgen, als die Milchverwertung für die angeschlossenen Mitglieder darunter nicht leidet, da letzteres mit dem statutarischen Recht auf die bestmöglichste Verwertung ihrer Milch nicht zu vereinbaren ist. Auch können die Wirtschaftsbetriebe der einzelnen Mitglieder, wie die Betriebseinrichtungen der Molkereien, nur allmählich umgestellt werden, wie auch der Absatzmarkt für Molkereierzeugnisse nur langsam zurückgewonnen werden kann. 3. Die versammelten Vorstands= und Aufsichtsratsmitglieder erklären sich bereit, im Rahmen der geschäftlichen Möglichkeit an einer Beseitigung der Milchschwemmen mitzuwirken, müssen aber von den nicht an Molkereien beteiligten Landwirten verlangen, sich ebenfalls in Milchverwertungsgenossenschaften mit Einrichtung zur Verarbeitung der überflüssigen Milchmengen zusammenzuschließen, um so auch ihrerseits zur Entlastung des Milchmarktes wirksam beizutragen. geschaffene Flickarbeit, die den unbrauchbar gewordenen Zolltarif von 1902 mehr nach mechanischen Gesichtspunkten, als unter ausreichender Berücksichtigung der Verschiebung der Wirtschaftsverhältnisse seit der Vorkriegszeit auffrischen sollte. Insbesondere läßt, wie bei den Zollkämpfen des Jahres 1925 die Betriebswissenschaftler mit Recht hervorgehoben haben, die jetzige Regelung in weitgehendem Umfange ein Abwägen der einzelnen Zollsätze gegeneinander vermissen. Die Zölle für landwirtschaftliche Halbund Fertigfabrikate stehen häufig in keinem angemessenen Verhältnis zu den Rohstoffzöllen. Während bei der Industrie der Zollschutz je nach dem Verarbeitungsgrade immer mehr steigt, ist dies bei der Landwirtschaft häufig nicht der Fall. Man denke nur an die im Verhältnis zu den Getreidezöllen durchaus unzureichenden Mehlzölle. Auch auf diesem Gebiet muß der neue Zolltarif wesentliche Aenderungen bringen. Endlich sind auch bei der Landwirtschaft die Fortschritte in der Produktion aanz anders als bisher zu berücksichtigen. Es ist nicht nur bei der Industrie so, daß sie seit dem Jahre 1902 wesentliche Fortschritte gemacht hat, auch die Landwirtschaft ist heute auf vielen Gebieten in ganz anderer Weise als in der Vorkriegszeit in der Lage, die Versorgung der deutschen Bevölkerung aus eigener Scholle zu decken. Es wird deshalb im neuen Zolltarif notwendig sein, den Aufbau des Zollschemas und die Höhe der Zollsätze auch aus diesen Gesichtspunkten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen. Die Landwirtschaft muß verlangen, daß die Vorarbeiten zum neuen Zolltarif unter den vorerwähnten drei Gesichtspunkten sobald als möglich aufgenommen werden. Es kann ihr nicht genügen, daß im Schoße der Regierung oder im Enquete=Ausschuß theoretische Untersuchungen über diese Fragen angestellt werden. Für die praktische Landwirtschaft werden vernünftige Resultate nur gewonnen werden, wenn sie Gelegenheit hat, rechtzeitig an diesen Arbeiten mitwirken zu können. Rußlands landwirtschaftliche Ausfuhr nach Deutschland Rußland, in der Vorkriegszeit das größte Agrarland der Erde, hatte an Deutschland dauernd seinen besten Abnehmer für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Im Jahresdurchschnitt 1910 bis 1912 bezifferte sich unsere Einfuhr auf rund 1½ Milliarden Mark. Nach dem Verfassungsumsturz und der Aufrichtung der bolschewistischen Zwangswirtschaft war die landwirtschaftliche Gütererzeugung derartig zurückgegangen, daß die Sowjetrepublik nicht nur so gut wie nichts auszuführen hatte, sondern zeitweilig bei Mißernten sogar an die Mildtätigkeit anderer Länder appellieren mußte, ohne verhindern zu können, daß Millionen und Abermillionen russischer Bauern im größten Elend schmachteten. In den letzten Jahren zeigt sich Rußland aber doch wieder bestrebt, den auswärtigen Handel mit Deutschland wieder zu begünstigen, wozu nicht zuletzt auch die deutschen Russenkredite beigetragen haben dürften. Was insbesondere die Ausfuhr russischer Ware nach Deutschland im Jahre 1926(bis 30. November) betrifft, so berechtigt die Getreideausfuhr zu gewissen Hoffnungen; betrug sie doch nach der amtlichen deutschen Statistik bei Gerste 497 862 Tonnen, bei Weizen 124890 bei Roggen 37580 bei Mais 36 171„ bei Braugerste 11955 bei Hafer 2463„ Bei den Hülsenfrüchten hat sich namentlich die Linsenausfuhr auf 55 v. H. der vorkriegszeitlichen russischen Ausfuhr, namlich 16 000 Tonnen gehoben, dagegen bildet die Ausfuhr von Buchweizen (950), Hirse(12 210). Erbsen(1148), Leinsaat(3378) nur be0 scheidene Bruchteile der vorkriegszeitlichen Ausfuhr. In starkem Rückstande befindet sich auch die Ausfuhr von Butter, Federvieh und Eiern, obwohl die letztere mit 23 101 Tonnen schon ziemlich ansehnlich geworden ist. Schwache Anfänge zu einer Belebung der Ausfuhr werden bei Fellen und Häuten bemerkbar; eingestellt ist aber die Ausfuhr von Pferden und Fleisch. An Erzeugnissen der Forstwirtschaft wurden 1926 etwa 100 000 Tonnen hauptsächlich Nadelholz ausgeführt, im Vergleich zur Vorkriegszeit eine geringe Menge, wobei aber berücksichtigt werden muß, daß früher größtenteils Russisch=Polen Deutschlands wichtigster Holzlieferant gewesen ist. Von den Märkten Während sich die Verhältnisse auf der südlichen Erdhälfte immer mehr klären und ausgezeichnete, hochwertige Erträge jetzt zur Gewißheit geworden sind, beginnen sich bereits die Witterungsverhältnisse im Norden in Form von Mutmaßungen und Hoffnungen hinsichtlich des Standes der Wintersaaten und damit der Aussichten auf die kommende Ernte bemerkbar zu machen. In den Vereinigten Staaten sind Befürchtungen, die man hinsichtlich der durch keine Schneedecke geschützten Felder gehegt hatte, durch nunmehr erfolgte ausgiebige Schneefälle beseitigt worden. Der Stand der Saaten ist bei genügender Bodenfeuchtigkeit im allgemeinen zufriedenstellend. In Europa hatte noch bis vor kurzem überall warmes, feuchtes Wetter geherrscht, das der Entwicklung der Saaten ungemein förderlich war. In den letzten Tagen ist im Osten und Südosten ein Witterungsumschlag erfolgt. Starke Kälte, die glücklicherweise von mehrfachen, wenn auch nur spärlichen Schneefällen begleitet war, machte der Entwicklung der Saaten vorläufig ein Ende. In Rumänien ist die Temperatur bis unter 10 Grad Kälte gefallen. Ueber die Aussichten, die in der Sowjet=Union bezüglich der Wintersaaten bestehen, erbringt ein amtlicher Bericht nähere Angaben. Danach zeigen die Saaten in den Verbrauchsgebieten einen besseren Stand als im Vorjahr und werden auf 3,5 geschätzt gegen 3,3 um dieselbe Zeit 1926. In keinem der Gouvernements liegt die Beurteilung unter dem Durchschnitt(3), dagegen erreicht sie im Nordwesten, vor allen Dingen im Gouvernement Nowgorod erheblich höhere Begutachtungsziffern(4 und höher). In den Ueberschußgebieten scheint die augenblickliche Lage der vorjährigen annähernd gleich zu sein. Der Saatenstand wird, ebenso wie 1926, im Durchschnitt mit 3,6 angegeben. Am günstigsten liegen hier die Verhältnisse in den Zentralgebieten und an der Wolga, wo die Schätzungsziffern zwischen 3,8 und 4,3 schwanken. Eine bedeutende Besserung gegen das Vorjahr haben die Felder im nördlichen Kaukasus aufzuweisen. Der Durchschnittsstand des Gebirgsrayons wird auf 3,8 geschätzt gegen 3,3 zu Beginn 1926. In Sibirien wiesen die Pflanzen, bevor sie unter die Schneedecke kamen, einen durchaus zufriedenstellenden Stand auf. Auch hier übertrifft die diesmalige Ziffer von 3,7 die vorjährige von 3,3 um ein Bedeutendes. Während somit in Großrußland die Verhältnisse durchschnittlich besser sind als im vorigen Winter, läßt die Lage in den verbündeten Sowjet=Republiken zu wünschen übrig. Ausschlaggebend für die Lage der Sowjetunion ist naturgemäß der Saatenstand in der Ukraine. Und gerade hier, in der früheren Kornkammer Europas, liegen die Verhältnisse ungünstiger als im Vorjahr. zunichte machen. Die Gesamtlage der Sowjet=Union bleibt demzufolge auf der Höhe des Vorjahres und wird amtlicherseits mit der Ziffer 3.6 bemessen. Den russischen Ausfuhrplänen gemäß, die eine Erhöhung des Weizenexports anstreben, ist die Anbaufläche des Weizens in der Akraine in diesem Jahr um 768 930 ha vergrößert worden. Sie beträgt jetzt 8 943 870 ha. Diese Ausdehnung ist aber nicht durch eine Hinzuziehung neuer Flächen, sondern auf Kosten des Anbaus der übrigen Feldfrüchte erfolgt, da die Vergrößerung der gesamten unter den Pflug genommenen Fläche um 1.6 Proz. der Vermehrung der Weizenaussaat keinesfalls entspricht. Um die Hüte des Getreides. vor allen Dingen des Weizens, zu erhöhen, sind von der Sowjet=Regierung für das Erntejahr 1927 erstmalig 107 000 Tonnen hochwertigen Saatgetreides leihweise an die Bauern verteilt worden. Diese Menge, die 65 600 Tonnen Weizen und 32800 Tonnen Hafer umfaßt, soll genügen, um 1,1 Mill. pa mit Sommergetreide zu bestellen, was etwa 3—4 Proz. der Gesamtanbaufläche des Sommergetreides ausmacht. * Nach wie vor bleibt auf dem Weltweizenmarkt der für die Preisbildung entscheidende Faktor, die über Erwarten große Nachfrage, die von den europäischen Zuschußgebieten herausgeht. Es ist erstaunlich, aber offensichtlich, daß die Eigenernten in den wichtigsten getreidebauenden Ländern unseres Erdteils fast allenthalben überschätzt worden sind. Neben Deutschland, Polen und der Tschechoslowakei haben neuerdings auch Italien und Holland ihre Schätzungen nicht unerheblich nach unten berichtigen müssen, und die Folge ist natürlich, daß die Mühlen und die Händler dieser Länder schon jetzt auf Grund der neuen statistischen Lage und unter dem Eindruck der zu erwartenden Knappheit mit beträchtlichen Anforderungen auf den Weltmarkt treten. Auch die skandinavischen Länder sind nach wie vor in starkem Umfange als Käufer tätig. So kauft Europa im Augenblick derartige Mengen von Weizen, wie sie in diesem Umfange selbst bei pessimistischer Beurteilung der bisher sich aus den Statistiken ergebenden Versorgungslage nicht vorhergesehen werden konnte. Auf der anderen Seite stellt sich natürlich auch die Abgeberschaft in Uebersee auf diese brennende Nachfrage mit Freuden ein. Die Anforderungen Europas übertreffen augenscheinlich auch die Erwartungen, die man sich dort, namentlich in Argentinien und Australien, gemacht hatte. Da zugleich die Herabsetzung maßgeblicher europäischer Ernteermittlungen die Aussicht erweckt, diese Nachfrage möchte noch längere Zeit anhalten, so ist die Folge natürlich eine stärkere Zurückhaltung der Abgeberschaft bezüglich eines weiteren Entgegenkommens in den Preisen. War unter dem Eindruck dieser Tatsache schon in den beiden Vorwochen kein nennenswerter Preisrückgang auch in den argentinischen Offerten mehr zu verzeichnen, so konnte in der letzten Woche sogar eine leichte Befestigung durchgesetzt werden. Die Gründe für diesen Stimmungsumschwung sind allerdings etwas verschwommen und man kann nicht ohne weiteres sehen, ob sie nur spekulaliver Natur sind, oder ob hinter ihnen tatsächlich ernst zu nehmende Absichten stecken. Es tauchte nämlich vor kurzem die Nachricht auf, daß die argentinische Regierung nicht mehr ruhig zusehen wolle, wie ihre Farmer ständig in Jahren guter Ernten unter dem Druck der Erntemengen gezwungen seien, sich die Uebernahmepreise von den europäischen und anderen Abnehmern gewissermaßen vorschreiben zu lassen. Man wolle deshalb ein großzügiges Erntefinanzierungsprogramm entwerfen, das die Farmerschaft der Notwendigkeit enthöbe, sofort nach der Ernte zu verkaufen, und wolle auf diese Weise, ähnlich, wie es andere Staaten bei Kaffee und Gummi durchgeführt hätten, versuchen, den argentinischen Weizenpreis zu„valorisieren“, also zu stützen. Die stets aus guten Gründen haussebereiten Nordamerikaner sorgten natürlich umgehend für schleunigste Verbreitung dieser Nachricht und bewirkten damit auch tatsächlich ein noch regeres Zugreifen des Konsums, da man natürlich lieber noch jetzt, als später zu erhöhten Preisen kaufen wollte. Auf diesen plötzlichen weiteren Aufschwung der Nachfrage werden denn wohl auch die Preiserhöhungen, die in Buenos Aires und Rosario selbst eintraten, zurückzuführen sein, wenngleich es durchaus nicht ausgeschlossen ist, daß man sich tatsächlich in argentinischen Regierungskreisen mit dem Gedanken trägt, ein Lombard- oder Lagerhaussystem zum Zwecke der längeren Verteilung des Angebotes einzurichten. Man muß jedoch beachten, daß derartige Pläne nicht ohne weiteres in die Tat umgesetzt sind, sondern daß bis zu ihrer Vollendung vermutlich noch einiges Wasser den La Plata hinabfließen wird. Es ist daher einigermaßen erstaunlich, daß selbst die— natürlich auch von Nordamerika her in Szene gesetzte— Nachricht Glauben finden konnte, daß die Regierung bereits eine Million Tonnen Weizen erworben hätte, um sie gewissermaßen aus dem zurzeit wirksamen Angebot herauszunehmen und die Farmer zu entlasten. Da ist denn wohl doch die Anfrage gestattet, wo und in welcher Weise die Regierung diese Mengen woyl zu lagern gedenkt; denn oekanntlich ist ja gerade die Knappheit an Lagerraum, die die Argentinier zwingt, sobald wie möglich mit ihrer Ware auf den Markt zu treten. Hätten sie Elevatoren und Speicher genug, dann brauchten sie bei der glänzenden Haltbarkeit ihrer Erzeugnisse ohne Zweifel auch gar keine besonderen Eingriffe ihrer Regierung in die Preislage, wenn sie das Angebot auf einen längeren Zeitpunkt verteilen wollten. Diese Meldungen haben aber, wie bereits erwähnt, bei aller Skepsis doch ihren Eindruck auf dem Weltmarkte nicht verfehlt. Es t sich nun die Frage, ob wohl Aussicht besteht, daß die dadurch bewirkte leichte Befestigung auch in Zukunft aufrecht erhalten werden kann. Da ist nun zu bedenken, daß natürlich Europa die nächsten Monate ständig als eifriger Käufer im Markte sein wird, daß aber in den wichtigsten Bedarfsgebieten eine weitere Verschlechterung der Versorgungslage nicht mehr zu erwarten steht. Vor allem aber können auch die strengsten Maßnahmen der argentinischen Regierung nichts daran ändern, daß in diesem Jahre das Weizenangebot auch selbst die augenblickliche Nachfrage noch übersteigt. Wenn man also nicht dazuüberginge, einen Teil der Produktion zu vernichten, dann werden diese Angebotsmengen, einerlei, ob sie jetzt auch etwas zurückgehalten werden, doch früher oder später auf dem Markte erscheinen und vor allem auch jetzt schon von den Abnehmern eingerechnet werden. Schließlich bestehen noch Anzeichen dafür, daß die gegenwärtige Nachfrage Europas nicht ständig in diesem Umfange aufrecht erhalten wird. So sind z. B. bereits die Anforderungen Deutschlands in den letzten Tagen erheblich ruhiger geworden. Im Speisekartoffelgeschäft hielt die nach den Feiertagen einsetzende erhöhte Nachfrage weiterhin an. Der plötzliche Mehrbedarf ist darin begründet, daß die in den Städten vorhandenen Kellervorräte während des Festes beträchtlich in Anspruch genommen wurden. Mit dieser Nachfrage konnte das Angebot nicht Schritt halten, da die Landwirtschaft im Augenblick angesichts des unsicheren Wetters sich nicht dazu bewegen läßt, die Mieten zu öffnen. So konnte in fast allen Verbrauchergebieten der Bedarf nicht sogleich gedeckt werden und diese Tatsache blieb auf die Preisbildung natürlich nicht ohne Wirkung. Fast allenthalben kamen deshalb teilweise erhebliche Preissteigerungen zustande. Während sich in den Hauptverbrauchsgebieten des Westens nun diese Festigkeit aufrecht hielt, wurde an den östlichen Konsumzentren, also u. a. in Berlin, die Lage alsbald in das Gegenteil verkehrt. Wegen der kürzeren Frachtdauer und des dadurch verminderten Risikos wurde hier unmittelbar nach der Preissteigerung gleich so viel Ware auf den Markt gebracht, daß man zeitweilig schon wieder eine Ueberlieferung feststellen konnte. Insbesondere ist zurzeit das Interesse und die Preislage für großfallende Ware (über 2 Zoll) recht hoch. Die Preisdifferenz beträgt gegenüber der übrigen Ware teilweise bis zu 1AA je Zentner. Allmählich setzt auch das Geschäft in Saartkartoffeln reger ein. Verschiedentlich kam es zu Abschlüssen. Die stärkereichen und gelbfleischigen Sorten fanden hierbei besondere Berücksichtigung. Das Geschäft in Fabrikkartoffeln war in dieser Woche angesichts der erhöhten Preise für Speiseware wieder etwas ruhiger. Größere Abschlüsse kamen anscheinend nicht zustande, da das Angebot etwas knapper wurde. Nach neuen Meldungen aus Hamburg ist das Exportgeschäft bei leicht steigenden Preisen wieder in Gang gekommen. Die Abschlüsse sind jedoch vorläufig noch sehr gering. Vereinsleben der Landwirischaftsschüler Verein Geldern. Am Donnerstag, dem 27. ds. Mts. nachmittags 2½ Uhr hält der Verein ehem. Landwirtschaftsschüler des Kreises Geldern im Saale Hof von Holland zu Geldern seine Monatsversammlung ab. Diplomlandwirt Dr. Jentjens, der zur Zeit in der ostpreußischen Landwirtschaft tätig ist, wird bei dieser Gelegenheit über die Landwirtschaft in Ostpreußen sprechen. Im Zusammenhand hiermit wird er auch die Siedlungsfrage und die Siedlungsmöglichkeiten behandeln. Als zweiter Referent spricht Diplomlandwirt Erven vom landw. Seminar in Cleve über das überaus wichtige und akute Thema: Die Vitamine nach dem Stande der neuesten Forschungen. In Anbetracht der Wichtigkeit der Tagesordnung liegt es im Interesse eines jeden Mitgliedes, an dieser wichtigen Tagung teilzunehmen. Dank des preußischen Innenministers an die Rheinprovinz. wl. Koblenz, 25. Jan. Der preußische Innenminister hat die am 14. Januar beendete Reise in die Rheinprovinz und das besetzte preußische Gebiet zum Anlaß genommen, an den Oberpräsidenten der Rheinprovinz folgendes Schreiben zu richten: Im Rückblick auf meine Reise in die Rheinprovinz und das besetzte Gebiet drängt es mich, noch einmal für die freundliche und entgegenkommende Aufnahme, die ich überall in der schönen Heimatpropinz gefunden habe, meinen wärmsten Dank auszusprechen. Mein Dank gilt vornehmlich auch den staatlichen Behörden und Kommunen die sich um die Durchführung der Reise und mir und meinen Begleitern ihre Gastfreundlichkeit erwiesen haben. Abgesehen von den zahlreichen, für eine praktische dienliche Auswirkung bedeutsamen Eindrücken gereicht es mir zur besonderen Befriedigung, daß mir die Reise Gelegenheit gegeben hat, den Menschen am Rhein, in einem Kernlande deutscher Kultur, ihren Sorgen und Mühen, bei ernster Arbeit und zwanglosem geselligem Zusammensein näher zu kommen. Wie ich bereits zum Ausdruck gebracht habe, hoffe ich in nicht allzu ferner Zeit einzelne Eindrücke an Ort und Stelle vertiefen zu können. Es ist mein aufrichtiger Wunsch, daß sich die persönlichen Beziehungen, die sich jetzt in so glücklicher Weise zwischen dem Rheinlande und mir angeknüpft haben, durch gegenseitiges Vertrauen immer fester und inniger zu gestalten. wl. Niederlahnstein, 25. Jan. Ein hiesiges Blatt hatte bei der Mitteilung des Tages für die Einweihungsfeierlichteit bei der neuen Brücke Nieder=Oberlahnstein ergänzend hinzugefügt, daß der 27. Januar der frühere Kaisersgeburtstag sei. Darauf nahm der Magistrat Veranlassung, die Feierlichkeit vom 27. Januar auf den 29. Januar zu verlegen, um den Verdacht zu vermeiden, als solle der Weihetag mit politischen Momenten verbunden werden! wl. Simmern, 25. Jan. Auf dem Hunsrück gehen unaufhaltsam starke Schneemassen nieder und bedeckten Täler und Höhenzüge. In einigen Orten sind Verkehrsstörungen eingetreten. Vom Niederrhein n. Büttgen, 25. Jan. Bürgermeister Grootens wurde durch seine vorgesetzte Behörde einstweilen von seinem Amte entbunden. Das Vorgehen der zuständigen Behörde gegen den Bürgermeister wird auf eine gegen ihn erstattete Anzeige zurückgeführt, die noch untersucht wird. Nach der Anzeige soll er in einer Strafsache jemanden vor Bestrafung geschützt haben. wl. Korschenbroich, 24. Jan. Der Name Korschenbroich hat in Forscherkreisen einen guten Klang. Abgesehen von den weitfragenden frühgeschichtlichen Neuaufdeckungen, sind hier vor nicht langer Zeit in einer Sandgrube Skelettreste und Zähne von den ausgestorbenen Vorweltriesen Rhinozeros und Mammut zutage gefördert worden. Bei der damaligen Fundbesprechung wurde die Vermutung ausgesprochen, daß an der Stelle weitere Funde zu erwarten seien. Diese sind nun auch tatsächlich gemacht worden. Der ungeheuere Stoßzahn eines Mammuts wurde wiederum durch die Vorsicht eines Arbeiters unversehrt freigelegt. Die völlige Bergung des Stückes konnte leider wegen der vorgeschrittenen Verwefung nicht erfolgen; jedoch wurden einige Stücke, die die Struktur des Zahnes gut erkennen lassen, konserviert. o. St. Hubert, 20. Jan. Gestern waren 25 Jahre verflossen settdem Gutsbesitzer Theodor Rahnen den Vorsitz in der Ortsbauernschaft St. Hubert bekleidet. Mit Herrn Rahnen konnten die Herren Jakob Abelen sen. und Georg Theis ihre 25jährige Mitgliedschaft in der Ortsbauernschaft feiern. Ein Hochamt, dem di Mitglieder mit ihren Angehörigen beiwohnten fand morgens und eine Familienfeier im Vereinslokale Julius Louven am Abend statt. In Reden und Liedern wurde des freudigen Ereignisses gedacht und die Verdienste, des Jubelvorsitzenden um die Entwicklung des Ortsverbandes St. Hubert in gebührender Weise hervorgehoben. An der Feier nahmen Bürgermeister Sauvageot, Direktor Rübsaat, Kreisvorsitzender Emil Pötter, Geschäftsführer Dr. Lindemann und Oerder u. a. teil, während der Bezirksvorsitzende Maassen und Assessor Stapper durch dringende Verpflichtungen verhindert, ihre schriftlichen Glückwünsche übersandt hatten. Die Zentrale des Rhein. Bauernvereins hatte unter Uebersendung einer Ehren=Urkunde ebenfalls ihre Gratulation geschickt. Der Ortsverein St. Hubert überreichte als Angebinde eine prächtige Standuhr. s. St. Hubert=Vösch, 25. Jan. In der vergangenen Nacht brannte das„Jägerhaus“(Ortsteil Escheln), dessen Bewohner verreist sind. bis auf die Mauern nieder. Die Feuerwehren von St. Hubert und St Hubert=Vösch konnten ein Ausbreiten des Feuers auf das Nachbarhaus verhüten. Einige Möbelstücke konnten gerettet werden. p. Niep, 25. Jan. Der Hengsthaltungsverein Niep hielt am vergangenen Mittwoch seine diesjährige Generalversammlung ab. Vor Beginn der Versammlung wurden die drei Vereinshengste: Landgraf 650, Satan de la Motte 114 und Rainer von Loo vorgeführt. Gegen 4 Uhr eröffnete der Vorsitzende Dietrich Fösken die Generalversammlung und begrüßte die Erschienenen, insbesondere die Herren Hauptgeschäftsführer Dr. Meyer(Bonn), Lokalabteilungsdirektor Berns und Landwirtschaftslehrer Walter. Dann erhielt Dr. Meyer das Wort zu seinem Vortrage:„Stand und Zukunft der rheinischen Kaltblutzucht.“ Der Redner verbreitete sich des näheren über die Ent wicklung der rheinischen Kaltblutzucht und begründete Jahren bestehende Absatzkrise. Nur die Qualitätszucht die Zukunft noch lohnend sein. Er zeigte im Anschluß an den Vortrag eine größere Anzahl Lichtbilder aus der rheinischen Pferdezucht. An den Vortrag schloß sich eine lebhafte Aussprache an. Der Vorsitzende erstattete den Jahresbericht, woraus besonders hervorgehoben werden muß daß die Pferdezucht im Verein noch nicht zurückgegangen ist. Dem Schatzmeister des Vereins, Bruckschen, wurde nach Prüfung des Kassenberichts Entlastung erteilt. Weiterhin wurden die Deck= und Fohlengelder für 1927 den Verhältnissen entsprechend festgesetzt. Unter Punkt Verschiedenes gab der Vorsitzende noch bekannt, daß die diesjährige Eintragung in das Pferdestammbuch nicht mehr in Kapellen und Repelen, sondern in Moers an der Landw. Schule am 11. März stattfindet v. Rees, 25. Jan. Hier fand eine Stadtratssitzung statt mit dem einzigen Punkt der Tagesordnung: Abbau des Progymnasiums. Nach mehr als zweieinhalbstündiger Beratung einigte man sich auf Abstimmung. Es standen 8 gegen 8 Stimmen. Die Stimme des Vorsitzenden, Bürgermeister Dr. Greis, gab den Ausschlag für die Erhaltung des Progymnaisums. ga. Hamborn, 24. Jan. Im Oktober wurden zwe sige Kartoffelhändler von einem Schwindler um je 1000 N. betrogen. Der Gauner verkaufte damals an die Händler zwei Waggons Kartoffeln, die auf dem Bahnhofe Neumühl standen, ihm aber nicht gehörten. Als Beweis der vorhandenen Kartoffeln zeigte der Betrüger zwei Duplikatfrachtbriefe vor. Nach Besichtigung der Kartoffeln wurde der Kauf in einer Wirtschaft abgeschlossen. Der findige Verkäufer erhielt die 2000 A. und als die Händler dann ihre Kartoffeln abholen wollten, wurde ihnen mitgeteilt, daß die Frachtbriefe gefälscht seien. Jetzt gelang es nun, den Schwindler in der Person des vor einigen Tagen wegen mehrer in Emmerich verübter Einbrüche hier festgenommenen Christoph Peters zu ermitteln. k. Düsseldorf, 25. Jan. Am Donnerstag wurde die Abschlußfahrt der Versuchsfahrten mit der neuartigen Diesellokomotive unternommen. Die Versuchsfahrten haben vollauf befriedigt. Die Maschinne verdankt ihr Entstehen internationaler und nationaler Gemeinschaftsarbeit. Russische Ingenieure sagten sich, daß es möglich sein müsse, mit Hilfe einer leistungsfähigen deutschen Lokomotivfabrik unter Verwendung des Dieselmotors eine Dieselgetriebelokomotive zu schaffen die sich, weil sie im Gesensatz zur Dampflokomotive kein Wasser nötig hat, zur Durchquerung langer, wasserarmer Steppen= und Wüstengebiete eignet, und die zugleich bei ihren Fahrten, die bis 1000 und noch mehr Kilometer gehen sollen, einen heimischen Betriebsstoff. Oel, über das Rußland ja in großem Maße verfügt, verbraucht. Diesen Gedanken setzte die Lokomotivfabrik Hohenzollern in die Tat um. Den vierhunderttourigen Motor lieferte die Maschinenfabrik Augsburg=Nürnberg, die Reibungskupplungen stammen vom Magnetwerk Eisenach und die Getriebe von Krupp in Essen. Obwohl die Maschine von Rußland bestellt ist, überließ die Verwaltung der russischen Eisenbahnen sie auch der Deutschen Reichsbahn zu Versuchsfahrten. Die vorigjährigen Versuchsfahrten auf der Strecke Güsten—Mansfeld wurden am Donnerstag durch eine weitere Probe auf der Strecke Opladen—Vohwinkel fortgeführt und zu einem gewissen Abschluß gebracht. Die Dieselgetriebelokomotive verbraucht nur ein Viertel bis ein Fünftel der Brennstoffmengen einer gleichstarken ölgefeuerten Dampflokomotive. Die Brennstoffausnutzung der Diesellokomotive beträgt 30,5 v. H. gegen 6 bis 8 v. H. bei der Dampflokomotive. Da seit über Jahresfrist eine andere Bauart als erstes derartiges Erzeugnis der Lokomotivfabrik Hohenzollern, die Diesel=Elektrische-Lokomotive mit ebenfalls 1200 Pferdestärken, auf den Strecken um Moskau im Güterzugdienst fährt, werden demnächst mit der Dieselgetriebelokomotive, die ähnlich wie die Kraftwagen durch ein mehrstufiges Zahnradgetriebe angetrieben wird, zwei neue derartige Maschinen deutscher Technik in Rußland laufen. Auf Grund befriedigenden Versuchsergebnisse hat auch die Deutsche Reichsbahn eine Maschine in Auftrag gegeben. Der Preis der ersten Maschine, die eine Höchstgeschwindigkeit von 50 Kilometer hat und hauptsächlich für den Güterverkehr in Frage kommt, wurde mit 450 000 Mark angegeben. Die von der Reichsbahn bestellte neue Maschine, die mit 800 Tonnen laufen soll, wird nicht nur bedeutend billiger werden, sondern auch eine größere Schnelliakeit entwickeln. Kurze Volkstrauertag. In der Sitzung des Ausschusses für die Festsetzung eines Volkstrauertages würde beschlossen, den Volkstrauertäg zum Andenken an die im Weltkrieg Gefallenen wie bisher am fünften Sonntag vor Östern, Reminiscere,(13. März 1927) in ähnlicher Weise zu begehen, wie dies im Vorjahr geschehen ist. Die Anordnungen für die Feier im Reich liegen in den Händen des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge E. V., der seit Jahren für die Einführung eines Volkstrauertages kämpft. Die Feiern werden, wie im Vorjahre, darin bestehen, daß beim Gottesdienst am Vormittag der Gefallenen des Weltkrieges gedacht wird, mittags ein Läuten aller Glocken stattfindet und außerdem Saalfeiern abgehalten werden. Der Reichsminister des Innern hat durch Runderlaß vom 15. Januar 1927 den Landesregierungen von dem Wunsche des Volksbundes, am 13. März den Volkstrauertag zu feiern, mit dem Anheimestellen der weiteren Veranlassung Kenntnis gegeben. Spare wo Du kannst, ein Wahlspruch, den jeder Landwirt in der heutigen Zeit beherzigen muß. Nur darf er nicht am falschen Ende damit beginnen und an Kunstdünger sparen. Er darf, vor allen Dingen nicht einseitig düngen, sondern muß neben Stickstoff und Phosphorsäure auch Kali in den Boden bringen. Einige Zeit vor der Saat 1—1½ Ztr. 40proz. Kalisalz gestreut, dürfte in der Regel genügen, um den Bedarf der Pflangen an Nährstoffen zu decken.