Nummer 181 1915. Vierundachtzigsier Bezugspreis vierteljährlich: In der Stadt Jülich 1,50 Mk.; durch die Landboten täglich zugestellt 1,80 Mk., zweimal wöchentlich zugestellt 1,35 Mk.; täglicher Postbezug 1,50 Mk. bei Abholung von der Post, durch den Briefträger ins Haus gebracht 42 Pfg. mehr. Geschäftsstelle: Kölnstr. 13. Fernsprech=Anschluß 39. Verantwortlich: Adolf Fischer, Jülich. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Jülich Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage Gegründet 1823. Alteste und verbreitetste Zeitung des Kreises Jülich Freitag den 6. August. Anzeigen am Tagvorher erbeten. Anzeigenpreis 15 Pfg. für die Petitzeile oder deren Raum. Preis der Reklamezeile 40 Pfg. Auskunfts= und Offertgebühr 10 Pfg. Für Aufnahme an bestimmt vorgeschriebenen Tagen wird keine Verantwortung übernommen. Bei Klagen und Konkurs wird der vorher bewilligte Rabatt hinfällig. Druck und Verlag: Jos. Fischer, Jülich. E arschau und Iwangorod in unserer Hand. Kämpfe in Warschau.(Siehe den heutigen Kriegsbericht auf der dritten Seite.) * Zwei russische Festungen auf einmal! Warschau von den deutschen, Iwangorod von den österreichischen Truppen besetzt! Das waren gestern zwei frohe Botschaften an einem Tage. Die beiden starken Weichselfestungen ohne langwierige Belagerung, ohne Verluste an Menschenleben, nur durch die strategische Gesamtlage errungen,— das bedeutet einen Merkstein in der Geschichte dieses Feldzuges. Warschau, eine Millionenstadt, die Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Polen, noch heute die dritte Hauptstadt Rußlands, eine Festung ersten Ranges und eine bedeutende Industrie= und Handelsstadt, ist unser! Ist unser gerade in dem Augenblick, da unsere Gegner schwulstige Telegramme zum Jahrestag des Kriegsbeginns austauschen. An dieser Tatsache läßt sich nichts drehen und deuteln, und wenn unsere Feinde sich auch noch so sehr bemühen, die„Bedeutungslosigkeit" Warschaus zu beweisen, so wissen wir und auch die Neutralen den Erfolg unserer Waffen richtig einzuschätzen. Schon der Besitz einer solchen Stadt an sich ist höchst wertvoll. Warschau liegt am linken Ufer der Weichsel, am rechten Ufer liegt die Vorstadt Praga. Wie so manche polnische Stadt, z. B. Lodz, hat auch Warschau gerade in den letzten zwei Jahrzehnten einen großen Aufschwung genommen. Von 600 000 stieg die Einwohnerzahl auf rund eine Million, von denen etwa 1500 Deutsche sind. Die Zahl der Katholiken beträgt etwa 60 Prozent, die der Israeliten 40 Prozent. Zahlreiche schöne Kirchen, prächtige Paläste und herrliche Gärten schmücken die Stadt. Die über 600 Fabriken stellen in der Hauptsache Metall=, Textil=, Holzwaren und Chemikalien her. Ebenso berühmt wie die Warschauer Woll= und Hopfenmesse ist das in Warschau hergestellte Schuhwerk, das bis in die entlegensten Teile Nußlands geht. Als Mittelpunkt der fruchtbaren und industriereichen Weichselgouvernements, als Knotenpunkt eines großen Bahnnetzes, als Ausgangs= und Endpunkt einer lebhaften Stromschiffahrt von Thorn bis Sandomir hat Warschau sich besonders im letzten Jahrzehnt mächtig entwickelt. Im Aeußern nimmt es immer mehr den Charakter einer europäischen Großstadt an, wie es überhaupt auch unter russischer Herrschaft seinen abendländischen Charakter nie verloren hat. Seit einer Reihe von Jahren gibt es ein großes Straßenbahnnetz. Wie in allen russischen Städten stehen auch im Straßenbilde Warschaus große Gegen säte nebeneinander: Breite Boulevards und Geschäftsstraßen mit eleganten Restaurants und Cafes, dicht daneben enge Gassen, die von Schmutz starren, glänzender Reichtum und furchtbares Elend, besonders im Judenviertel. Der Fall Warschaus trifft die Russen hart, denn es war die dritte Hauptstadt des Reiches und der politische, wirtschaftliche und geistige Mittelpunkt des Polentums, das die Russen jetzt in zwölfter Stunde, wo es zu spät war, zu versöhnen suchten. Als Festung galt Warschau als das festeste Bollwerk Rußlands an der Weichsel. Seine Befestigungen bestehen aus der Alexander=Zitadelle, den Werken der Vorstadt Praga und einem Kranz von 17 Forts mit zahlreichen Zwischenwerken Die Anzahl der Geschütze schätzte man auf 1500. Großartige Magazine waren mit Getreide, Mehl, Zwieback, Ausrüstungsstücken und Schießbedarf, kurz mit allem gefüllt, was zum Unterhalt von hunderttausenden Soldaten nötig ist. Wir wissen, daß die Russen schon vor Wochen begonnen haben, Warschau zu räumen. Es steht zu vermuten, daß der größte Teil der Geschütze und des Schießbedarfs bereits lange vor dem Anmarsch der Deutschen fortgeschafft war zur Verstärkung des in Galizien hart bedrängten Feldheeres, das ja einen großen Mangel an Geschützen und Munition hatte. Mit aller Hofphot. Vieber=Berlin. Prinz Leopold von Bayern, der Führer der deutschen Truppen von Warschau. WTB. München, 5. Aug.(Telegramm.) Prinz Leopold von Bayern hat dem König telegraphisch die Einnahme Warschaus gemeldet. Se. Majestät haben darauf dem Prinzen Leopold das Großkreuz des Militär=Max=Joseph=Ordens verliehen. Kraft werden auch die Russen in den letzten Wochen daran gearbeitet haben, die Magazine zu entleeren und den Inhalt fortzuschaffen. Wie weit das gelungen ist, müssen die nächsten Tage zeigen; ein Teil ist jedenfalls zurückgeblieben. Ein Vertreter der Londoner Times in Warschau berichtete schon vorgestern, die Russen nähmen die Räumung Warschaus gründlich und planmäßig vor. Alle Telegraphen= und Telephonapparate seien bereits fortgebracht und sogar die Drähte mitgenommen worden, damit den Deutschen kein Kupfer in die Hände falle. Der Times=Vertreter sah an einem Tage auch 150 000 Russen in bester Ordnung abziehen. Wir hören ja auch aus dem deutschen Bericht, daß nur starke russische Nachhuten kämpfend den Abzug des Hauptheeres gedeckt haben. Ob diese Nachhuten auch noch innerhalb der Stadt den Deutschen Widerstand geleistet haben oder ob die Deutschen sofort jenseits Warschau die Verfolgung der abziehenden Russen aufnehmen konnten, müssen die Berichte der nächsten Tage zeigen. Jedenfalls ist die Besetzung von Warschau und Iwangorod von größter Bedeutung für die strategische Lage. Der Rückzug der noch zwischen Bug und Weichsel kämpfenden russischen Heere muß jetzt allgemein werden. Eiligst fliehend, müssen die Russen zu retten suchen, was noch zu retten ist. Entscheidend wird dabei der mehr oder minder große Druck der deutschen Heere von Norden sein. Wenn unsere Feinde so tun, als ob der Verlust Warschaus „bedeutungslos" sei, so ist das natürlich eitel Humbug. Sowohl die feindlichen Heeresleitungen wie auch die Völker, mit denen wir im Kriege stehen, wissen in Wirklichkeit ganz gut, was der Besitz Warschaus bedeutet. Einen Tag vor der Besetzung der Stadt schrieb noch der Pariser wigaro: „Der Fald Warschaus kann nur noch Stunden auf sich warten lassen. Unsere vor kurzem aufgestellte Behauptung wird sich bestätigen. Krupp hat gesiegt. Wie jedes Land, hat auch Deutschland seine Munitionskrise durchzumachen gehabt. Deutschland hat die Frage schweigend zu lösen verstanden. Die Wiedereroberung Galiziens und der Fall Warschaus bilden die Belohnung. Um Galizien trauerte bereits Oesterreich. Der Fall Warschaus wird ungeheure Kundgebungen des Triumphes hervorrufen und die Deutschen alle Verluste vergessen lassen.“ Ebenfalls einige Tage vor dem Fall Warschaus las man in der Londoner Morning Post: „Wir wollen uns nicht verhehlen, daß der Fall Warschaus ein ernstes Ereignis für Nußland sowohl als auch für die Verbündetenwäre. Warschau ist keine ersttlassige Festung, ist aber von erstklassiger politischer Bedeutung, da es nicht nur eine der bedeutendsten Städte des östlichen Europas, sondern auch die Hauptstadt Polens ist. Mit Warschau in deutschen Händen würde der Traum von dem neuen Königreich Polen unter einem österreichischen Erzherzog greifbare Gestalt gewinnen. Warschau ist aber auch ein Brennpunkt von strategischer Wichtigkeit, da nicht weniger als sechs große Hauptlinien von hier ausgehen, Eisenbahnen, ohne die ein militärisches Vorgehen eine Unmöglichkeit ist. Und nicht allein das, sondern die Stadt liegt auch an der breiten schiffbaren Weichsel, die allein schon für sich eine Schranke und Sperrlinie bedeutet, für den Feind aber eine bequeme Zugangsstraße bietet. Dann ist Warschau noch von Bedeutung als Handelsplatz und Industriezentrum. Es wäre kindisch, die Wichtigkeit all dieser Dinge zu verkleinern, oder behaupten zu wollen, daß unser guter Verbündeter die Stadt anders als mit schwerem Herzen aufgeben würde. Wir wagen es, Rußland unser tiefes Beileid zu dem zeitweiligen Verlust auszusprechen, und es mit dem Hinweis zu trösten, daß sowohl Preußen wie Oesterreich schon einmal früher Warschau besaßen und doch nicht im Besitz desselben geblieben sind. Aber für den Augenblick sind die deutschen Waffen zu stark.“ Die Freude bei unsern Verbündeten. WTB. Wien, 5. Aug.(Telegramm.) Schon in den Vormittagsstunden verbreitete sich das Gerücht vom Falle von Warschau. Als die Nachricht in den ersten Nachmittagsstunden durch den Bericht der deutschen Heeresleitung bestätigt wurde, durchlief die Jubelkunde die ganze Stadt. Vor den Redaktionen, die Extrablätter ausgaben, sammelten sich Menschenmengen an. Die Blätter gingen von Hand zu Hand. Wo Hurrarufe auf die verbündeten Armeen und ihre ruhmreichen Feldherren erschollen, wurden sie vielstimmig wiederholt. Kurze Zeit darauf schmückten Fahnen die Häuser. Bürgermeister Weiskirchner ordnete sofort die Beflaggung der Gemeindegebäude an. Als in den späten Nachmittagsstunden auch die Nachricht von der Besetzung von Iwangorod durch unsere Truppen bekannt wurde, steigerten sich die Begeisterung und der Jubel der Bevölkerung, die sich in patriotischen Kundgebungen Luft machten. Auch aus den Provinzstädten treffen Meldungen über die begeisterte Aufnahme der Nachrichten über den Fall von Warschau und Iwangorod ein. Relieskarte von Warschan. Die Wiener Allgemeine Zeitung schreibt zum Falle Warschaus:„Ein Ereignis von welthistorischer Bedeutung hat sich heute vollzogen: Warschau ist den Russen entrissen worden. Diese Stadt war das Symbol des Dranges nach dem Westen, von dem das Zarenreich erfaßt war; sie war das Symbol der Unterjochung aller Slawen unter russischer Herrschaft, das Symbol der russischen Unterjochung und Knechtschaft, das Symbol für die Eroberungslust des Zaren. Der Fall Warschaus ist das Wahrzeichen für den Zusammenbruchderrussischen Macht. Am Jahrestag der Kriegserklärungen der Westmächte gegen Deutschland ward dieser ungeheure Erfolg errungen. Solche Jubiläumsfeier hatte man wohl in Paris und London nicht erwartet. Das russische Millionenheer sollte ja als Dampfwalze jeden Widerstand niederwersen, bis die Kosaken in Wien und Berlin siegreich eindrängen. Jetzt befinden sich die russischen Armeen überall auf dem Rückzug, und der Fall Warschaus wird der ganzen Welt klar machen, wie weit es mit der russischen Widerstandskraft gekommen ist. Mit hellem Jubel wird die Nachricht von diesem ungeheuern Ereignis in der Monarchie und Deutschland vernommen werden, mit ebenso tiefer Niedergeschlagenheit in Paris, London und Rom. Warschau befreit! Das ist eine Freudenkunde, nicht bloß für uns und unsere Verbündeten, sondern auch für alle, welche ein Gefühl für die Gerechtigkeit und rächende Vergeltung der Geschichte besitzen WTB. Konstantinopel, 5. Aug.(Telegramm.) Die Bekanntgabe der Einnahme von Warschau hat den tiefsten Eindruck gemacht. Die von den Zeitungen gebrachte Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer durch die Stadt. Binnen kurzer Zeit trugen alle Straßen reichen Flaggenschmuck. Der Jubel in Berlin. WTB. Berlin, 5. Aug.(Telegramm.) Zum Fall von Warschau und Iwangorod bringen die Abendblätter Artikel, in denen sie auf die Bedeutung der Eroberung der beiden Festungen hinweisen und dankbar der herrlichen Taten der verbündeten Heerführer und Soldaten Anerkennung zollen. In allen Straßen wehen die Fahnen von öffentlichen und privaten Gebäuden, und die Glocken verkünden den großen Sieg. Ueberall sieht man freudig erregte Gesichter. Einer rief dem andern beim Bekanntwerden der Nachricht die frohe Botschaft zu, und es bildeten sich fröhliche Gruppen wie in den ersten Siegestagen nach der Mobilmachung. Berliner Pressestimmen. ( Berlin, 6. Aug.(Telegramm.) Die Morgenblätter heben die Bedeutung des Falles von Warschau hervor, indem sie auf seine Eigenschaften als Hauptstadt Polens, als gewaltige Festung, als Zentrum von Handel, Gewerbe und Industrie, als wichtigsten Knotenpunkt der westrussischen Eisenbahnen und als Uebergangsort an dem breiten Weichselfluß hinweisen. Die Vossische Zeitung schreibt:„Wir stehen vor dem Ergebnis des von langer Hand vorbereiteten und dann mit ebensoviel Vorsicht wie Tatkraft durchgeführten Planes der deutschen und österreichisch=ungarischen Heeresleitung, der großen Ofsensive beiderseits der Weichsel und der Aufrollung der russischen Front. Für die gesamte Kriegslage kommt vor Allem die Verkürzung der Front in Betracht. Hier ergibt sich nicht nur die Möglichkeit reicher Tiefenstaffelung zur Sicherung des errungenen großen Erfolges im Osten gegen alles Widerstreben der Russen, sondern auch das Freiwerden namhafter Teile zu beliebig anderer Verwendung." Major Morath schreibt im Tageblatt:„Was zwang Rußland, sein Weichselbollwerk aufzugeben? Nicht Munitionsmangel, nicht Soldatenmangel, aber die geschlagene Strategie des Großfürsten=Heerführers und die durch viele Niederlagen zerrüttete Manneszucht des Heeres, auf die auch die Verluste ungeheuren Kampfmaterials zurückzuführen sind.“ Der Lokalanzeiger schreibt:„Innerhalb 21 Stunden hat der Feind im Osten zwei heftige Schläge erhalten, die nicht weniger schmerzen werden, wenn er und seine Freunde behaupten, wir hätten nur Lufthiebe ausgeteilt. Wir kennen die Melodie schon lange; aus dem Munde der Engländer haben wir sie zuerst gehört, als das uneinnehmbare Antwerpen von uns doch genommen wurde. So oft unsere Gegner sahen, daß sie einen besonders wichtigen Punkt nicht würden halten können, erklärten sie ihn für wertlos.“ Die Morgenpost schreibt:„Mit der Besitznahme von Warschau und Iwangorod und der dazwischenliegenden Weichsellinie gewinnen die Deutschen eine starke Verteidigungsstellung, die unter Umständen auch mit verhältnismäßig schwachen Kräften gehalten werden kann. Auch für die Fortführung der Operationen ist dadurch eine neue sichere Basis geschaffen, aus der der Vormarsch in breiter Front nach Östen fortgesetzt werden kann.“ In seinem Leitartikel erklärt das Tageblatt:„Die Einnahme von Warschau ist eine Tat, getan im Dienste der westeuropäischen Gesittung, obwohl alte und stolze Kulturvölker wie Franzosen und Engländer sich zu Helfern der jetzt besiegten Russenherrschaft gemacht haben. Deutsche bewachen wieder die Schwelle, über welche das Kosakentum in den Westen einzubrechen gedachte, und der Name Hindenburg bürgt uns dafür, daß kein Nikolai Nikolajewitsch sie sobald wieder betreten wird.“ Die Verpflegung im Osten. Aus dem Kriegspressequartier schreibt der Vertreter der Köln. Ztg.: Ueber die Nachschubverhältnisse im Abschnitt um Iwangorod erfährt Ihr Berichterstatter, daß dort die Art ihrer Abwicklung eine Vollendung erreicht hat, die kaum mehr überboten werden kann. Auf zahlreich mitten im Vormarsch neugebauten Straßen versorgen jetzt große Transporte die Truppen so reichlich mit Mineralwässern aller nur erdenklichen Herkunft, daß vom Gebrauch des dortigen immerhin bedenklichen Trinkwassers schon sett längerer Zeit ganz abgesehen werden konnte. In den durch unsern Vormarsch in immer breitern Streifen besetzten Gebieten haben die Russen trotz größter Bemühung nicht alle Vorräte fortschaffen oder vernichten können. Die Truppen werden mit den verschiedenartigsten Gemüsen aufs ausgiebigste versorgt. Auch die von den Russen zurückgelassenen ehlmengen sind bedeutend. Radom ist vollständig unversehrt. Seine Fabriken und Betriebe sind fast unmittelbar nach dem Einmarsch der Verbündeten wieder in Arbeit gesetzt worden. Dagegen ist Nowo=Alexandria durch russische Brandlegung sehr beschädigt. Man konnte aus den Linien der Verbündeten genau verfolgen, wie die Kosaken, die sich ihr Werk durch Verwendung und Anbrennung kleiner Zelluloidwürfel am Nachmittage erleichterten, schließlich ganz Nowo=Alexandria aufflammen ließen. Der Ort brannte die ganze Nacht und den folgenden Tag hindurch. Er brannte noch, als schon der Bahnhof von den österreichisch=ungarischen Truppen erstürmt war. Ein nentrales Urteil über die Kriegslage. WTB. Bern, 5. Aug.(Telegramm.) Eine Besprechung der Kriegslage überschreibt der Bund:„Die russischen Fronten brechen zusammen! Druck von allen Seiten!“ Stegemann schildert darin eingehend das erfolgreiche deutsche Vorgehen und die verzweifelte Lage der russischen Heere und schließt: Der russische Kriegsminister erklärte der Reichsduma, daß diese Heere planmäßig zurückgehen. Das ist richtig, aber dieser Plan ist nur eine Reflexwirtung des überlegenen Planes der Verbündeten. Wir sehen nun eines der schwierigsten strategischen Probleme seitens der Russen in der Ausführung begriffen: Die Vollziehung einer Neugruppierung unter dem konzentrischen feindlichen Druck nach unzähligen taktischen Niederlagen und den schwersten Verlusten an unersetzlichem Kampfzeug und ausgebildeten Truppen. Wird diese Bewegung sich als strategischer Rückzug vollziehen oder unter diesem Namen ein überstürztes Zurückfluten der Massen eintreten, soweit sie der Umklammerung entrinnen? Die letzten Meldungen stellen der Durchführung des strategischen Rückzuges der Russen das übelste Horoskop. Alle Vorgänge vollziehen sich immer noch, ohne daß im Westen von der englisch=französischen Heeresleitung eine Entlastung versucht würde. Die große Offensive der Italiener am Isonzo kann als vorläufig gescheitert betrachtet werden und hat Teilversuchen zur Aufrechterhaltung der Kampflage Platz gemacht. (*) Das Urteil Hollands. Die Londoner Daily Mail berichtet aus Rotterdam: Vor sechs oder sieben Monaten erwarteten alle Holländer die schließliche Niederlage der Zentralmächte, namentlich infolge der starken Aktion Englands. Heute ist es schwer, Holländer zu finden, die den Sieg der Verbündeten durch Waffengewalt voraussehen. Warschau in der Wieder einmal ist der Blick Europas hingewendet zur altehrwürdigen Hauptstadt des ehemaligen Königreichs Polen, nach Warschau, das dereinst, in den Tagen der Könige aus dem Wettiner Fürstengeschlechte, Zeiten unerhörten Glanzes erlebt, das aber anderseits im Laufe der Geschichte auch viel Blut und Leichen in und vor seinen Manern gesehen hat. Wie bei Leipzig nämlich, so ist auch bei Warschau das Gekände für Schlachten, für militärische Entscheidungen im allergrößten Maßstabe, überaus günstig. Das lehren uns ein Blick auf eine genaue Karte wie ein Durchblättern der Geschichte Warschaus, die fast ebenso reich ist an großen Schlachten wie die blutgetränkte Leipziger Ebene. Weite, sumpfige Niederungen, durchzogen von unregelmäßigen Dünenreihen— großenteils Wanderdünen—, säumen die breit dahinfkutende Weichsel, die bei Warschau eine Breite von 1,8 Kilometer hat. Ungebändigt, ungeregelt ist ihr Lauf: im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze in besonders hohem Grade, aber auch zu Johanni und Jakobi setzt sie ihr flaches Östufer unter Wasser, große Werte vernichtend und die arme, ungebildete Bauernbevölkerung wieder und wieder erbarmungslos beraubend. Gegliedert wird der weite Schlachtraum durch einige Höhenzüge— auf deren einem das stolze Warschau liegt, während die auf dem gegenüberliegenden Ufer Warschaus befestigte Vorstadt Praga in der flachen Niederung erbaut ist— und durch Nebenflüsse der Weichfel; von strategischer Bedeutung ist auch ein toter Arm der Weichsel, der südlich von Praga westwärts abzweigt und in der Geschichte der Warschauer Schlachten heißumstritten eine große Rolle spielt. Wie schon oben gesagt wurde, ist Warschau im Verhältnis zu seiner Umgebung hoch gelegen; 109 Meter überm Meeres=, 36—40 Meter über dem Stromspiegel gelegen, breitet die stolze Stadt sich auf dem linken Weichselufer halbmondförmig aus. Mit dem gegenüberliegenden Praga ist die Stadt durch zwei gewaltige Brücken in Eisenkonstruktion verbunden. Seitdem Warschaus Name zum ersten Male urkundlich erwähnt wird— es geschah dies im Jahre 1224—, ist es immer der Schauplatz interessanter, überaus wechselvoller Geschichte gewesen. Bis 1526 war es die Hauptstadt der Herzoge von Masovien. Als Residenz der polnischen Wahlkönige war Warschau dann der Schauplatz der durch ihre große Prachtentfaltung wie durch ihr ödes, ergebnisloses Parteigezänk gleich berühmten und berüchtigten polnischen Reichstage. Besonders interessant für uns Deutsche wird seine Geschichte aber im 17. Jahrhundert: war es doch bei Warschau, wo die preußische Armee ihre erste große Schlacht ausfocht„mit der das Haus Brandenburg recht eigentlich seine Souveränität begründet hat, mit der der werdende Staat in die Reihe der Mächte der baltischen Politik eintritt.“ 1655 fielen die Schweden in Polen ein; den Großen Kurfürsten, der damals noch als Herzog in Preußen unter der polnischen Oberhoheit stand, zwangen sie zunächst zu Neutralität in dem entbrennenden Kriege. Dann aber trat er— unter der Bedingung, daß sie ihm die Oberhoheit über Preußen zugestanden, an ihre Seite, und die etwa 16000 bis 17000 Mann starken Truppen der Schweden und Preußen haben dann in den Tagen vom 28. bis 30. Juli 1656 den etwa 100 000 Mann starken Gegner bei Warschau niedergerungen. Auch im 18. Jahrhundert haben Kämpfe vor Warschaus Toren getobt: 1794 haben die Preußen Praga beschossen, und Warschan ward dann in der sogenannten dritten Teilung Polens zwischen Preußen, Rußland und Oesterreich als Hauptstadt Südpreußens sogar preußisch; 1806 hat Napoleon es uns aber wieder entrissen. Polen ward damals unter dem König von Sachsen als Großherzogtum Warschan selbständig, doch existierte es nicht lange als eigenes Staatswesen: der russische Nachbar überwältigte es und behauptete seine Herrschaft trotz mehrsacher Aufstände, von denen der von 1830 und 1831 besonders bemerkenswert ist. Nach anfänglichen Erfolgen unterlagen die Polen schließlich, und Warschau selbst öffnete am 8. September dem siegreichen russischen Oberbefehlshaber Paskewitsch die Tore. Das„organische Statut“, die russische Gouvernementsverfassung, wurde eingeführt und dadurch alles nationale Leben fortan unterdrückt. Das war indessen ein auf die Dauer unhaltbarer Zustand, und so kam es im Januar 1863 zu einer neuen großen polnischen Erhebung infolge der Ernennung des Großfürsten Amerikas glänzende Gewinné aus dem Weltkrieg. Während die Kriegsgewinne der europäischen neutralen Staaten durch die Lasten der Bewaffnung und die Teuerung gewisser Lebensmittel, durch Abschneiden ihrer Handelsverbindungen zu Wasser und zu Lande, vollständig wieder aufgehoben werden, erfreuen sich die Vereinigten Staaten von Amerika eines ins Ungeheure sich steigernden Ausfuhrverkehrs, der fast nur fabelhafte Einnahmen und so gut wie keine gesteigerten Lasten nach sich zieht. Die obenstehende bildliche Darstellung zeigt die Unterschiede in der Ausfuhr Amerikas im Jahre 1914 und der bisherigen Ausfuhr des laufenden Jahres. Zahlen sprechen, jede weitere Auslegung würde den Eindruck abschwächen, den obige Ziffern machen müssen. John Bull pumpt nicht mehr! „up, Uieber Freund, da müssen Sie mir schon was Posttives ingenl 2 Konstantin zum Statthalter von Polen. Erst als Preußen gemäß der Konvention vom 23. Februar 1863 seine Grenzen gegen die Insurgenten streng sperrte, wurde indessen Rußland un Februar 1864 endlich der Empörung Herr, und die russische Bedrückung setzte von neuem mit aller Schärfe ein. Wiederholte Verschwörungen gegen das russische Regiment sind seitdem stets im Keime unterdrückt worden. Für die Polen würde es daher inmitten der jetzt bevorstehenden Neugestaltung Europas nur ein Zeichen weitausschauender politischer Klugheit sein, wenn sie ihr Schicksal nicht an das des brutalen russischen Machthabers ketten würden, der, wie die Geschichte, und besonders die des vergangenen Jahrhunderts, zeigt, einzig und allein darauf ausgeht, jedes nationale Leben mit rücksichtsloser Strenge niederzuhalten. Der Krieg im Orient. Eine Niederlage der Russen im Kaukasus. WTB. Konstantinopel. 5. Aug.(Telegramm.) Privatnachrichten aus Erzerum besagen: Infolge der Kämpfe seit zwei Tagen in der Gebirgsgegend einschließlich der Ararat, in den Gegenden Karaklisse und Alaschkerd, in der Nähe der türkischrussischen Grenze, etwa 170 Kilometer östlich Erzerum, zieht sich die Hauptmacht der Russen in Unordnung in der Richtung auf Kagyman auf russisches Gebiet zurück. Sie verloren etwa 1000 Tote und 2000 Verwundete; die türkische Armee verfolgt. Ein neuer Angriff der Verbündeten auf die Dardanellen? WTB. Athen. 5. Aug.(Telegramm.) Nach dem Messager d'Athenes konzentrierten die Verbündeten auf Gallipoli 300 Geschütze, mit denen sie den türkischen Widerstand zu brechen gedenken. Es gehe aber auch auf türkischer Seite sehr lebhaft zu, unablässig kämen Verstärkungen an Soldaten und Material an. Die Teilnahme Italiens an dem Kriege gegen die Türkei? WTB. London. 5. Aug.(Telegramm.) Das Reutersche Bureau meldet aus Paris: Ein Offizier der italienischen Armee ist im Hauptquartier des britischen Expeditionskorps im Mittelmeer angekommen, um über ein gemeinsames Vorgehen der französischen, britischen und italienischen Streitkräfte zu Wasser und zu Lande gegen die Türkei zu beraten. 6 Paris. 6. Aug.(Telegramm. Ueber Genf.) Delcasse stellte gestern vor der Kommission für auswärtige Angelegenheiten die baldige Beteiligung Italiens an der Dardanellenexpedition in Aussicht, wofür bereits alle Punkte festgestellt worden seien. Die Lage am Balkan hielt er für äußerst ungerlart, wenn auch von dem Zustandekommen des türkisch-bulgarischen Vertrages offiziell nichts bekannt sei, so sei doch mit einer Verständigung der Türkei mit Bulgarien zu rechnen. Ein Einspruch Griechenlands gegen England. * England will bekanntlich Deutschland den Krieg nur deshalb erklärt haben, weil Deutschland die belgische Neutralität gebrochen habe. Die deutsche Regierung hatte bekanntlich bei Kriegsbeginn der belgischen Regierung erklären lassen, Deutschland müsse aus militärischen Gründen durch Belgien marschieren; allen Schaden werde es ersetzen. Jetzt hat Eng land kurzerhand die griechische Insel Mytilene besetzt und von diesem Umstande Griechenland lediglich Kenntnis gegeben mit dem Bemerken,„es werde die Insel räumen, sobald die Gründe für ihre Besetzung verschwinden würden". England hat also selbst getan, was es Deutschland zur Schuld anrechnet! Aber merkwürdig: während die Neutralen Deutschland heute noch nicht den Bruch der belgischen Neutralität verzeihen können, haben sie gegen England kein Wort des Vorwurfs! Nur Griechenland selbst meldet sich: * Wien, 6. Aug.(Telegramm.) Aus Athen wird gemeldet: Die griechische Regierung richtete eine energische Protestnote nach London wegen der Besetzung von Mytilene durch die Alliierten. Desgleichen hat die griechische Regierung dagegen protestiert, daß englische Kriegsschiffe zwei griechische Dampfer mit Eisenbahnmaterial für die neue griechische Unionbahn, die Alt= und Neu=Griechenland verbinden soll, mit Beschlag belegt haben. Die Haltung Rumäniens. Aus Berlin läßt sich die Köln. Ztg. melden: Zu den soeben durch die Presse geyenden Meldungen italienischer Blätter, wie des Giornale d'Italia, daß die Kriegserklarung Rumäniens an die Zentralmächte bevorstehe, wird mir von rumänischer Seite und zwar von einer Stelle, die über die Absichten der Bukarester Regierung gut unterrichtet sein muß, mitgeteilt, daß alle Nachrichten dieser Art zu den immer wieder auftauchenden bekännten Schwindelmeldungen gehören, mit denen man die öffentliche Meinung Frankreichs und Italiens zu beleben versucht. Bei der jetzigen Weltlage ist das Eingreifen Aumäniens an der Seite des Vierverbandes noch mehr als früher ausgeschlossen. Die Haltung Bulgariens. WTB. Kopenhagen, 5. Aug.(Telegramm.) Politiken schreibt: Die Londoner Presse rechnet bereits mit der Möglichkeit eines Eintritts Bulgariens in den Krieg an der Seite der Zentralmachte und meint, daß in diesem Falle Griechenland augenblicklich zeigen werde, daß der serbisch-griechische Vertrag kein leeres Papier sei, und daß Hriechenland es als eine nationale Ehrensache betrachten würde, Serbien beizustehen. Bnkarest, 6. Aug.(Telegramm.) Nach einer Meldung des Sofivter Korrespondenten der Bukarester Minerva sind die türkisch-bulgarischen Verhandlungen unterzeichnet worden. Lulgarien habe mit dem Zustandekommen derselben der Turtei gegenüber gewisse Verpflichtungen übernommen eine amtliche Bestätigung liegt bisher nicht vor.) Ein neuer Druck des Vierverbandes. Bnkarest, 6. Aug.(Telegramm.) Die SondergesandtEnglands, Frankreichs, Italiens und Rußlands sind des Heurest und Athen eingetroffen, um neue Vorschlage des Vierverbandes zu überbringen. Messimy verwundet. Der ehemalige französische Kriegsnister Messimy, der vor einem Jahre die Mobilmachung Lande zu leiten hatte, ist in den Vogesen durch einen hruMitter am Schenkel verwundet worden. Vor Ausdte Krieges nur Landwehr=Hauptmann, ist dieser Abgedete im Kriege rasch befördert worden, denn als Oberleutwurer eine Abteilung Jäger, als er verwundet . Messtmy, dessen große Unfähigkeit als Kriegsminister Zugebür verdankte seinen politischen Aufstieg seiner Sumdorigkeil zur Pariser Freimaurerloge Grand- Orien:. feir. erwundung soll schwer, aber nicht lebensgefährlsch Letzte Nachrichten. X München, 6. Aug.(Telegramm.) Der Metzgermeister Lang aus Berchtesgaden, der seit Kriegsbeginn als Vizefeldwebel bei den bayerischen Motorfahrern steht, hat auf einer Dienstfahrt ein französisches Flugzeug mit seinem Karabiner heruntergeschossen und die Insassen, den Führer sowie den Beobachter, einen Major, tödlich getroffen. § Paris, 6. Aug.(Telegramm.) Pont-a=Mousson wurde, wie französische Blätter melden, von der deutschen Artillerie unter heftiges Feuer genommen. Die Stadtbehörden mußten die Feuerwehr von Nancy herbeirufen, um elf Brände zu löschen, die infolge der Beschießung ausgebrochen waren. § Paris, 5. Aug.(Telegramm.) Im Petit Parisien bespricht Oberstleutnant Rousset die italienische Kriegführung. Ohne Zweifel seien ständige Fortschritte zu verzeichnen, infolge des äußerst schwierigen Kampfgeländes seien diese aber sehr langsam. Die Aufgabe, welche die italienische Armee unternommen habe, beginne eigentlich erst. Was noch auszuführen sei, sei ungeheuer und müsse in verhältnismäßig kurzer Frist getan werden. Deshalb müsse man sich fragen, ob die Verbündeten den Italienern nicht in allernächster Zeit kräftig Beistand leisten sollten durch die Auf nahme einer energischen Offensive an der französi schen Front oder selbst die Entsendung eines Expeditionskorps an die italienische Front. WTB. New York, 5. Aug.(Telegramm. Meldung der Agence Havas.) Wie verlautet, verhandelt Italien augen blicklich in New York über die Aufnahme einer Anleihe von 50 Millionen Dollars. Der Kriegsbericht von heute. WTB. Großes Hauptqnartier, 6. Aug.(Telegramm.) Westlicher Kriegsschauplatz. Der Kampf am Lingekopf und südlich dauert noch an. Durch unsere Abwehrgeschütze wurden vier feindliche Flieger zur Landung gezwungen. Eines der Flugzeuge verbrannte, eines wurde zerschossen. An der Küste fiel ein französisches Wasserflugzeug in unsere Hände. Oestlicher Kriegsschauplatz. In Kurland fanden in der Gegend von Popel(60 Kilometer nordöstlich von Poniewitsch) und bei Kowarsk und Kurkre nordöstlich von Wilkiemz für uns erfolgreiche Reiterkämpfe statt. An der Narew=Front südlich von Lomza machten die deutschen Armeen trotz hartnäckigen Widerstandes der Russen weitere Fortschritte. Zwischen Bugmündung und Nasielsk durchstießen Einschließungstruppen von Nowo=Georgiewsi eine feindliche Stellung südlich von Blendostwo und drangen gegen den unteren Narew vor. Unser Luftschiff=Geschwader belegte die Bahnhofsanlagen von Bialystok mit Bomben. Wie in dem gestrigen Tagesbericht erwähnt, hatten die Russen, nachdem sie aus der äußeren und inneren Fortslinie von Warschan geworfen waren, ohne daß die Stadt irgendwie in Mitleidenschaft gezogen war, diese geräumt und waren nach Praga auf das rechte Weichselufer zurückgewichen. Von dort aus beschießen sie seit gestern Morgen das Stadtinnere Warschaus stark mit Artillerie und Infanterie. Besonders scheinen die Russen es auf die Zerstörung des alten polnischen Königsschlosses abgesehen zu haben. Unseren Truppen wird in einer Stadt von der Größe Warschaus natürlich durch solches Krenzseuer kein Schaden zugefügt. Man wird hiernach nicht gut die russische Behauptung glauben können, daß die Räumung der polnischen Hauptstadt aus Schonungsrücksichten erfolgt sei. Südöstlicher Kriegsschauplatz. Unsere über die Weichsel vorgedrungenen Truppen nahmen einige feindliche Stellungen. Feindliche Gegenangriffe blieben erfolglos. Die Armeen des Generalfeldmarschalls von Mackensen setzten die Verfolgungskämpfe fort. Auch östlich von NowoAlexandria wurde der Gegner von österreichisch=ungarischen Truppen, bei Sawin(nördlich von Cholm) von den Deutschen aus seinen Stellungen geworfen. Oberste Heeresleitung. Englisch=französische Zwiegespräche. W'TB. Paris, 5. Aug.(Telegramm. Havas.) Poincaré erhielt vom König von England nachstehendes Telegramm:„Anläßlich der Jahreswiederkehr des Tages, an dem mein Land gezwungen wurde, die Waffen gegen eine Macht zu ergreifen, die den Krieg einer Konferenz vorzog und die auf das flagranteste den Vertrag, den sie unterzeichnete, verletzte, wünsche ich, Ihnen meine feste Zuversicht auszusprechen, daß unsere vereinten Bemühungen zum Erfolge führen werden und Sie meiner unermüdlichen Mitwirkung und meines sowie meines Landes Entschlusses zu versichern, den Krieg mit unseren tapferen Armeen fortzusetzen, biserzuunserer Befriedigung beendigt ist und der Friede sichergestellt werden kann.“ Poincare antwortete:„Ich danke Euerer Majestät für die Zusicherungen, die Sie mir geben. Frankreich beginnt das zweite Kriegsjahr mit derselben Entschlossenheit und Zuversicht, wie England. Es ist entschlossen, die Waffen nicht niederzulegen, bevor nicht der Sieg unsere und der tapferen Bundesgenossen Waffen krönt, bevor nicht unsere Feinde niedergerungen sind und aufhören, eine Bedrohung des Weltfriedens zu sein." Je übler die Lage, desto tönender die Phrase! Der gestrige österreichische Bericht. WTB. Wien, 5. Aug.(Telegramm.) Amtlich wird verlautbart: Russischer Kriegsschauplatz. Die lange Neihe von Erfolgen, welche die Verbündeten seit der Maischlacht am Dunajec in Galizien, in Süd= und Nordpolen und in den Ostseeprovinzen errungen haben, wurde des täglichen Bedarfs birgt für die Lebensführung und Zu= durch die Besitznahme von Iwangorod und Warfriedenheit großer Schichten der Beyölkerung Gefahren in sich, scan gekrönt. Gestern haben unsere Truppen Iwangorod denen mit allem Nachdruck entgegengewirkt werden muß. Die= besetzt. Heute sind deutsche Truppen der Armee des Prinzen Gegen übermäßige Preissteigerungen. WTB. Berlin. 5. Aug.(Telegramm.) Die Nordd. Allg. Ztg. veröffentlicht einen Erlaß des Ministers für Handel und Gewerbe an die Handelsvertretungen, in dem es heißt: Die fortgesetzte Steigerung der Preise für die Gegenstände ses Ziel verfolgt die Bekanntmachung des Bundesrates gegen Leopold von Bayern in der Hauptstadt von Russisch=Polen übermäßige Preissteigerungen vom 23. Juli ds. Is. Sie ge. eingerückt. Zwischen Weichsel und Bug dringen die beiwährt die Möglichkeit, Gegenstände des täglichen Bedarfs, den Verbündeten unter Verfolgungskämpfen gegen die zur Veräußerung bestimmt sind, aber dem Verbrauch vol. Oesterreichisch-ungarische Reiterei hat Ustilug, vorenthalten werden, dem Besitzer zu entziehen und zwangs= Wladimir-Wolynskii erreicht. Sonst blieb die LaaWladimir=Wolynskij erreicht. weise dem Verkehr zuzuführen. Der Geltungsbereich der Be ändert kanntmachung umfaßt in gleicher Weise die Gütererzeugung und die Güterverteilung. Insoweit sich ihr Anwendungsgebiet auf Handel und Gewerbe erstreckt, lege ich den Handelskammern und kaufmännischen Korporationen ans Herz, sich Norden deutsche onst blieb die Lage unverItalienischer Kriegsschauplatz. An der Tiroler Grenze kam es nur in der Gegend des Kreuzberg=Sattels zu größeren Kämpfen. Ein gestern morgen in den Dienst der Bestrebungen zu stellen, die mit der Bekannt= begonnener Angriff von mehrern Bataillonen des italienimachung verfolgt werden. In einem Kriege, in dem das ein= schen Infanterie=Regiment Nr. 92 gegen die Nemes=Alp mütige Zusammenwirken aller in der Nation lebenden Kräfte(nordöstlich Kreuzberg=Sattel) brach blutig zusammen. Der die Voraussetzung des Erfolges ist, muß auch im wirtschaft= Feind ging nachmittags teilweise fluchtartig in die Wälder lichen Leben die Rücksicht auf den eigenen Vorteil zurücktreten, südlich des Grenzbachs zurück. Zur Entlastung dieser italieDer Krieg darf unter keinen Umständen als Konjunktur nischen Kräfte versuchte am Nachmittag ein feindliches Batailangesehen werden, aus welcher der größtmögliche Gewinn lon überraschend gegen die Seikofelstellung(unmittelherauszuholen ist. Vielmehr ist es vaterländische Pflicht, be= bar nördlich des Sattels) vorzubrechen. Auch dieses wurde sonders bei den Gegenständen des täglichen Bedarfs sich mit nach kurzem Kampfe zurückgeschlagen und verlor rund 100 Gewinnen zu begnügen, die neben angemessener Lebensführung des Unternehmers und seiner Familie den Fortbestand des Unternehmens sicherstellen. Ich hege die Zuversicht, daß die Handelsvertretungen, so viel an ihnen liegt, im Sinne der obigen Anschauungen auf die von ihnen vertretenen Kreise einwirken und diese zu einem Verhalten bewegen werden, das in gleicher Weise ihrem Ansehen wie dem vaterländischen Interesse entspricht und die Anwendung der Zwangs= und Strafbestimmungen der Bekanntmachung vom 23. Juli entbehrlich macht. Zur Bierknappheit. WTB. Berlin, 5. Aug.(Telegramm.) Amtlich. Durch Einschränkung der Brauereien auf 60 Prozent ihres Kontingents und den großen Bedarf der Heeresverwaltungen ist gerade in den Sommermonaten eine gewisse Bierknappheit eingetreten. Der Bundesrat hat zur Abhilfe in seiner heutigen Sitzung beschlossen, daß Brauereien, die über genügende Malzmengen verfügen, bis zur Hälfte ihres Malzkontingents für das letzte Vierteljahr schon im voraus in dem gegenwärtig laufenden Vierteljahr verwenden dürfen. Ferner sollen die Brauereien, die nicht über genügende Malzmengen verfügen, für die nächsten Monate von andern Brauereien Malz erhalten, um dadurch ihren Betrieb fortführen zu können. Gefängnis für Lebensmittelwucher. * Saarbrücken, 4. Aug. In der benachbarten Pfalz gehen die maßgebenden Behörden recht entschieden gegen den Lebensmittelwucher vor. Vor dem Standgericht in dem nahen Zweibrücken hatten sich dieser Tage eine Anzahl Milch= und Butterhändler und=händlerinnen unter der Anklage zu verantworten, daß sie für ihre Produkte zu hohe Preise gefordert hatten. So hatten diese Händler die Milchpreise bis auf 28 Pfg. für das Liter und die Butterpreise auf 2 Mark für das Pfund in die Höhe getrieben. Ein eidlich vernommener Sachverständiger bekundete, daß bei der guten Futterernte in den landwirtschaftlichen Verhältnissen zu solchen Preisen kein Anlaß gegeben sei. Das Gericht verurteilte die Angeklagten zu je einem Tag Gefängnis. Jedenfalls wird dieses Vorgehen geeignet sein, abschreckend vor weitern Lebensmittelverteurungen zu wirken. Mann an Toten. Der Bataillonskommandenr und mehrere Offiziere des Bataillons fielen. Unsere Verluste in diesen Gefechten waren gering. Im Görzischen unterhalten die Italiener seit gestern mittag wieder ein heftigeres Artilleriefeuer gegen unsere Stellungen am Platean von Dobero. Als feindliche Infanterie von Sagrado und von südlich Sdraussina her zum Angriff vorzugehen versuchte, wurde sie durch unsere Artillerie zusammengeschossen. Nachrichten ans Stadt und Land. * Jülich, 6. Aug. Wie im ganzen deutschen Reich, so rief auch in unserer Stadt die Kunde von der überraschend schnell erfolgten Besetzung Warschaus allgemeine Freude hervor. Gegen 3,30 Uhr läuteten die Glocken und in reichem Flaggenschmuck zeigten sich die Straßen. Die Freude wurde doppelt groß, als um 6,30 Uhr über Wien die Nachricht eintraf, daß unsere Verbündeten in Iwangorod eingerückt seien. Die Kapelle unseres Landsturm=Bataillons, die gestern abend zu einem Konzert in Düren weilte, ließ heute mittag auf dem chloßplatz Choräle und patriotische Weisen erschallen. —* Das Eiserne Krenz erhielt Herr Oberstleutnant Schrötter, Kommandeur des Landsturm=Bataillons Jülich. Beförderungen im Bereich, des Landwehrbezirks Jülich: Zu Leutnants d. N. die Offizieraspiranten Jansen, Feldart.=Regt. 112 und Oligschläger, Inf.=Regt. 69. —* Auszeichnung. Die kürzlich gestiftete Spange zum Eisernen Kreuz von 1870=71 für Inhaber, die im jetzigen Krieg wieder tätig sind, hat erhalten der Oberleutnant a. D. Jungbluth aus Köln=Lindenthal, jetzt bei der Briefüberwachungsstelle in Köln=Deutz(in Jülich geboren). —* Aus der Verlustliste Nr. 293. Inf.=Regt. 29. Karl Schmitz XI, Dürwiß, schwer verw.— Res.=Jäger=Bat. 19. Arnold Dichans, Gevenich, gefallen. —* Wetterbericht. Gestrige Höchsttemperatur 22, niedrigste Nachttemperatur 13 Grad. Keine Niederschläge. SonnenAufgang 5,4,=Untergang 8,9; Mond=Aufgang—,=Untergang 5,48 nachmittags. Amtliches. Verordnung. Nachdem durch Beschluß des Bundesrats eine einheitliche Regelung der Kriegswohlfahrtspflege stattgefunden hat(vergl. die Bekanntmachung des Reichskanzlers vom 22. Juli 1915 R. G. Bl. S. 449), wird die denselben Gegenstand betreffende Verordnung vom 2. März 1915— V. W. 167—, mit Wirkung vom 1. August ab, aufgehoben. Der Kommandierende General von Ploetz, General der Infanterie. Auszug aus den Ausführungsbestimmungen zu der Bundesratsverordnung vom 22. Juli 1915(N. G. Bl. S. 449) betr. Regelung der Kriegswohlfahrtspflege. Auf Grund der Verordnung des Bundesrats vom 22. Juli 1915 wird für den Umfang der Preußischen Monarchie folgendes bestimmt: § 1. Zur Erteilung der Erlaubnis ist zuständig: 1. für öffentliche Sammlungen und den Betrieb von Gegenständen al sosern sie über den Bereich eines Regierungsbezirks oder den Landespolizeibezirk Berlin nicht hinausgehen, der Regierungspräsident bezw. der Polizeipräsident von Berlin, b) sofern sie über den Bereich eines Regierungsbezirks, aber nicht über den Umsang einer Provinz hinausgehen, der Oberpräsident, c) sofern sie über den Bereich einer Provinz bezw. über den Landespolizeibezirk Berlin hinausgehen, sowie in Fällen, in denen es sich um die Ausdehnung in einem anderen Bundesstaate bereits genehmigter Sammlungen handelt, ein vom Minister des Innern zu ernennender ständiger Staatskommissar, für den ebenfalls vom Minister des Innern ein Stellvertreter zu bestimmen ist; 2. für Veranstaltungen zur Unterhaltung und Belehrung al sofern sie auf ein und demselben Ort beschränkt bleiben, die Ortsvolizeibehörde, im Landespolizeibezirk Berlin der Polizeipräsident von Berlin, b) sofern die Veranstaltungen an verschiedenen Orten erfolgen sollen(Wander=Vorführungen), aber auf einen Regierungsbezirk oder den Landespolizeibezirk Berlin beschränkt bleiben, der Regierungspräsident bezw. der Polizeipräsident von Berlin, c) sofern Wander=Vorführungen über die unter b) bezeichneten Bezirte hinaus ausgedehnt werden sollen, der Oberpräsident jeder Provinz, in der die Veranstaltungen stattfinden. Sammlungen innerhalb eines Personenkreises, dessen Mitglieder ausschließlich einer staatlichen oder Reichs=Verwaltung angehören, bedürfen lediglich der Erlaubnis des betreffenden Ressortchess, der die Erlaubnisbefugnis auf ihm unterstellte Provinzialbehörden übertragen kann. Für Kirchenkollekten sowie für sonstige Unternehmungen der im§ 1 der Bundesratsverordnung vom 22. Juli 1915 bezeichneten Art, die von einem Geistlichen in seiner Kirchengemeinde und lediglich für deren Zwecke veranstaltet werden, bewendet es hinsichtlich der Erlaubniserteilung bei den geltenden Bestimmungen. Die Entscheidungen des Oberpräsidenten und des Staatskommissars sind endgültig. § 2. Die Anträge auf die Erteilung der Erlaubnis sind schriftlich einzureichen und von dem Unternehmer zu unterschreiben. Die Erlaubniserteilung hat ebenfalls schriftlich zu erfolgen: von der Erteilung einer stempelpflichtigen Ausfertigung der Erlaubnis wird, falls eine solche vom Unternehmer nicht ausdrücklich beantragt wird, abzusehen sein. Die Anträge sind in den im§ 1 unter 1a und b sowie unter 2a, b und c bezeichneten Fällen bei der zuständigen Genehmigungsbehörde, in den im§ 1 unter 1c bezeichneten Fällen bei dem für den Wohnsitz des Antragstellers bezw. für den Sitz des veranstaltenden Vereins pp. zuständigen Regierungs=Präsidenten, im Landespolizeibezirk Berlin bei dem Polizei=Präsidenten von Berlin einzureichen. Dem Antrage sind die zur Beurteilung des Unternehmens erforderlichen Unterlagen beizufügen. Hierzu gehören: 1) Plan des Unternehmens, 2) Form der Ankündigung, 3) genaue Bezeichnung des in Betracht kommenden Kriegswohlfahrtszweckes, 4) Angabe, in welcher Weise die aufkommenden Mittel für diesen Zweck Verwendung finden sollen, 5) genaue Bezeichnung der Stelle, die über diese Verwendung zu bestimmen hat, nach Name und Sitz, 6) Angabe, welcher Betrag oder Anteil dem Wohlfahrtszweck zugeführt werden soll, bei Sammlungen usw., die für mehrere Kriegswohlfahrtszwecke gemeinschaftlich veranstaltet werden, Angabe desjenigen Teiles des Gesamterträgnisses, der jedem einzelnen Zweck zugute kommen soll, 7) Voranschlag über die zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben, 8) Angabe der Art und Weise der Sammlung bezw. des Vertriebes oder der Veranstaltung, 9) Angabe des Zeitabschnittes und des Bezirkes, in welchem die Sammlung oder der Vertrieb stattfinden soll, 10) Angabe, in welcher Form die Abrechnung und Abführung der Beträge erfolgen und kontrolliert werden soll, 11) Angabe der Anzahl der Druckschriften, Postkarten, Bilder, Marken und sonstiger Gegenstände, sowie der Eintrittskarten, deren Vertrieb beabsichtigt ist, 12) etwaige Verträge. In geeigneten Fällen kann die Genehmigungsbehörde auf die Beibringung einzelner Unterlagen verzichten. Berlin, den 22. Juli 1915. Der Minister des Innern. von Loebell. Bekanntmachung betreffend Ausdrusch von Hafer. Zur Deckung des dringenden Bedarfs der Heeresverwaltung an Hafer müssen derselben sofort nach der Einerntung große Mengen überwiesen werden. Um diese Mengen zu beschaffen, ist es unbedingt nötig, daß sofort nach der Aberntung, möglichst unmittelbar vom Felde weg, Hafer gedroschen wird. Ich richte daher an die Landwirte des Kreises die Aufforderung, für den sofortigen Ausdrusch von Hafer und für dessen Bereitstellung für die Heeresverwaltung Sorge zu tragen und bemerke, daß gemäß§ 2 der Verordnung über die Höchstpreise für Hafer vom 23. Juli 1915 für den bis zum 1. Oktober 1915 abgelieferten Hafer eine Druschprämie von 5 Mark für die Tonne gewäll t wird. Jülich, den 4. August 1915. Der Vorsitzende des Kreisausschusses. J. V.: Bürsgens. Bekauntmachung über Anzeigepflicht bei Rückfallfieber. Nach den gemachten Beobachtungen haben die Zeitverhältnisse dazu geführt, daß das Rückfallfieber, das in Preußen so gut wie erloschen war, jetzt wieder verschiedentlich auftritt. Es wird deshalb daran erinnert, daß auch das Rückfallfieber zu den übertragbaren Krankheiten gehört, die nach den gesetzlichen Bestimmungen anzeigepflichtig sind. Als wichtigstes Vorbeugungsmittel kommt hauptsächlich die Vernich tung der blutsaugenden Insekten, namentlich Läuse, in Betracht, durch die— nach einwandsfreien Untersuchungen— auch das Rückfallfieber übertragen wird, während die Uebertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch ausgeschlossen erscheint. Jülich, den 3. August 1915. Der Königl. Landrat Dr. Vüllers, Geheimer Regierungsrat. Bekanntmachung, Für die Woche vom 9. bis 15. August 1915 werden mit Einquartierung belegt: Dürenerstraße, Düsseldorferstraße, Ellbachstraße und Friedrichstraße. Jülich, den 4. August 1915. Der Bürgermeister Vogt. Bekanntmachung. Es wird beabsichtigt, den in der Gemeinde Linnich gelegenen Fußpfad, genannt„Weiergäßchen“, einzuziehen. Die bezüglichen Verhandlungen nebst Handzeichnung liegen auf dem Rathause hierselbst zur Einsicht offen. Vorstehendes wird hiermit gemäß§ 57 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 mit der Aufforderung zur öffentlichen Kenntnis gebracht, Einsprüche binnen vier Wochen zur Vermeidung des Ausschlusses bei der unterzeichneten Behörde Goldsammlungen. Die auf Grund zuverlässiger Unterlagen angestellten Ermittelungen haben ergeben, daß der Betrag der noch im Umlauf befindlichen, sowie in Tresoren und Sparbüchsen verwahrten Goldmünzen sich noch auf ungefähr 1 Milliarde Mark beziffert. Auf Grund dieser Veranschlagung ergibt sich, daß trotz der regen und dankenswerten Sammeltätigkeit der Betrag der seit Beginn des Krieges eingelieferten Goldmünzen bei weitem nicht die mögliche und wünschenswerte Höhe erreicht hat. Welche Bedeutung ein großer Goldschatz der Reichsbank in kriegswirtschaftlicher Beziehung hat, ist wiederholt ausführlich dargelegt worden. Es ist die patriotische Pflicht eines jeden, sein Scherflein dazu beizutragen, daß unsere finanziellen Kriegserfolge den Erfolgen auf dem Schlachtfelde ebenbürtig zur Seite stehen. Die bei den Einzelnen aufgespeicherten Goldstücke sind volkswirtschaftlich unausgenutzte Posten. Nur das der Reichsbank zugeführte Gold hilft mit zur Stärkung unserer wirtschaftlichen Rüstung. Nur dort kann es nutzbringend wirken und dem Vaterlande dienstbar gemacht werden. Es ergeht daher nochmals der Mahnruf an alle Säumigen: Gebt dem Vaterlande, was des Vaterlandes ist! Bringt Euer Gold zur Reichsbank! Sämtliche Postanstalten im Deutschen Reiche sind verpflichtet, Goldmünzen in Papiergeld unzuwechseln und an die Reichsbank abzuliefern. Käse!!! Verlaufe Samstua au' dem Wochenmarkt eine große Sendung Käse. in ganzen 88 Pfg. sowie 1.10, Edamer Käse und rote Kugeln von 4 Pld billigst Käse ist im Preise gewaltig gestiegen. Frau Joh Kirbach. Für Selbstversorger übernehmen wir das Vermahlen und des Brotgetreides unter sehr günstigen Bedingungen, sowie die Abnahme größerer Quantitäten gutgekühlter, versandfähiger Vollmilch zu den höchsten Preisen. Molkerei-Genossenschaft Linnich. zu haben bei Jos. Fischer. PRAXIS Otten, Jülich, Friedrichstr. 11. Ein nüchterner, zuverlässiger Fuhrknecht gegen sehr sofort gesucht. Auskunst in der Geschäftsstelle dieses Blattes. Verloren ein Schlüssel mit Kette. Gegen Belohnung abzugeben in der Geschäftsstelle dieses Blettes Zurgefl. Beachtung! Unsere Städtbezieher bitten wir, Bestellungen und Abbestellungen auf das Jülicher Kreisblatt sowie den Wohnungswechsel nur in der Geschäftsstelle zu melden und nicht den Boten. Die Geschäftsstelle. Fruchtpreise und Handelsberichte. Amtliche Fruchtpreise zu Neuß au 5 Aug Mark Pf. Weizen 100 Kil. 29,85 Roggen„„ 25,85 Hafer, alter, festgesetzter Höchstpreis „ für 100 Ko. 28,90 neuer, festgesetzter Höchstpreis 30,65 Gerste, festgesetzter Höchstrreis 30,15 Kartoffeln„ 50„ 6,50—7,00 Mark Pj. Wiesenheu 50 Ko. 3,25-4,25 Luzernerheu„„ 4,50 4,75 Brechstraß 500 Kil. 16 50—1850 Roggen und 91 50-99 10 Hiesige Landeier 15 Pfg. das Stück, Buiter M. 3,50-4,00 das Kilo. Köln, 5. Aug. Fruchtmarkt. Heu, Luzerner, M. 9.00—10,00, Wiesenheu 7,50—8,50, Roggenbrei druschstroh 5,39-5,50, Krumm= und Preßstroh 4,30—4,70 die 100 Kil. * Köln, 5. Aug. Schlachtviehmarkt. Preise für die 50 Kilo Lebendgewicht— bei Schweinen abzüglich 20-22% Tara—, die eingeklammerten Ziffern aber für die 5) Kilo Schlachtgewicht) Die Preise für Lebendgewicht beruhen auf Wiegungen in Köln. Auftrieb: 736 Kälber, a. Doppellender feinster Mast M.—, b. feinste Mastkälber 67—73, c. mittlere Mast= und feinste Saug= 62—65, d. ger. Masiund gute Saug= 48-6), e. ger. Saug=—, f. Fresser 40-46, Baußen Markt sehr schleppend, geräumt. Keine Schafe. 649 Schweine a vollfleischige v. 80—100 Kil. Lebendgewicht M 115—118, b. von 100—120 Kil 120—125, c. von 120—150 Kil. 120—125, d. Feitschweine über 150 Kil.—, e fleischige und gering entwickelte bis 80 Kil 92—115, f. Sauen—, g. geschnittene Eber—. Markt ruhig und geräumt. Fleischpreise im Großhandel, das Kilo: A. Hiesige Schlachtungen: Rindfleisch: Ochsen: 1. Beschaffenheit Mark 2,43—2,56, 2. Mari 2,10—2,30 3. Mark 1,88—1,96. Kahe: 1. Beschaffenheit M. 2,12—2,20, 2, M. 1,84—1,92, 3 M 1,68—1,72. Weidevieh: 1. Beschaffenheit M. 2 M.—, 3. M.—. Schweinefleisch: 1. Beschaffenheit M. 2,70—2,90, 2. M 2,60-2,84, 3. M.— Speck M. 3 22-3,30, B. Eingeführtes Fleisch: Rindfleisch: Vorderviertel I. M 1,60—1,70, II. M. 000—0,00, Hinterviertel I. M. 1,60—1,70, II. M. 0,00-0,00 Kaldfleisch: 1 Beschaffenheit M 1,90.—2,10, 2. M. 1,60—1 80, 3 M. 0,00—0,00 Schaffleisch: 1 M 2,30—2,60, II M. 2,00—2,30, III. M. 1,60—1,80. Schweinefleisch: 1 Beschaffenheit M 2 68—3,00, 2 M.— in hiesigen Schlachtungen: Speck langsam; in eingebrachtem Fleisch langsam.