Abonnement. Bierteljährlich pränumer. für Bonn (einschließl. Traggeld) 4 Mark 50 Pf., desgl. bei allen preuß. Post=Aemtern 4 Mark 50 Pf. Die„Bouner Zeitung" erscheint täglich. — Vierundsiebenzigster Jahrgang. Nr. 127. Druck und Verlag vn v. Reusser(Harmam Rausse), Bonn, Dinstag, 9. Mai Nachmittags. Inserate. Gebühren für die 6gespaltene Petitzeilt oder deren Raum 20 Pf. pränumer. Reclame für die Zgespaltene Petitzeile 60 Pf. pränumer. Expedition Münsterplatz Nr. 12. Vernntwortlicher Redactrur: Hermann Reusser. 1832. Amtliche Nachrichten. Berlin, 8. Mai. Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: Dem katholischen Pfarrer Stölben zu Lonnig im Kreise Mayen den Rothen Adler=Orden vierter Klasse zu verleihen, sowie in Folge der von der Stadtverordneten=Versammlung zu Crefeld getroffenen Wahl den seitherigen Bürgermeister der Stadt Beuthen.=., Oberbürgermeister Küper, als Bürgermeister der Stadt Crefeld, unter Beilegung des Prädikats Ober= bürgermeister auch für dieses neue Amt, für die gesetzliche Amtsdauer von zwölf Jahren zu bestätigen. * Berlin, 8. Mai. Das frohe Ereigniß des Tages, die Geburt des Urenkels unseres Kaisers, weckt nicht allein in Preußen und im ganzen Deutschen Reiche, sondern auch im befreundeten Nachbarstaate Oesterreich freudigsten Widerhall. Das der österreichischen Regierung nahestehende Wiener„Fremdenblatt“ preist das hohe Glück, welches dem Kaiser Wilhelm durch die Geburt eines Sohnes des Prinzen Wilhelm zu Theil geworden sei, und sagt:„Nicht blos in allen Gauen des Deutschen Reiches, sondern auch bei uns werden dem Kaiser Wilhelm an dem seltenen Freudentage des Hauses Hohenzollern die herzlichsten Glückwünsche dargebracht.“— Das heute Vormittag ausgegebene Bülletin über das Befinden der Prinzessin Wilhelm und des neugebornen Prinzen lautet dem„StaatsAnzeiger" zufolge:„Potsdam, 8. Mai, 10¼ Uhr Vormittags: „Ihre königliche Hoheit die Prinzessin Wilhelm haben den gestrigen Tag und die Nacht gut verbracht, auch der Neugeborne befindet sich vortrefflich. Schröder. Ebmeier.“ Die Frau Prinzessin erwartete ihre Niederkunft seit dem 1. Mai, und jene Rücksicht auf ihren gesegneten Zustand, welche sie den ganzen Winter in stiller Zurückgezogenheit zu verleben veranlaßt hatte, wurde seit dem Anfang dieses Monates nach der Uebersiedelung aus dem Stadtschlosse von Potsdam nach dem Marmorpalais noch erhöht. Am Samstag Nachmittag waren die für das bevorstehende Ereigniß zur Behandlung bestimmten Aerzte, der Geh. Rath Dr. Schröder aus Berlin und der Ober=Stabsarzt Dr. Ebmeier aus Potsdam, im Marmorpalais anwesend. Die Frau Kronprinzessin verweilte ebenfalls im Marmorpalais, um in der Nähe der Prinzessin Wilhelm zu sein. Der Kronprinz und Prinz Wilhelm waren für den Nachmittag zum Diner bei dem Kaiser nach Berlin geladen. Prinz Wilhelm hatte sich entschuldigen lassen, der Kronprinz wohnte dem Diner bei, ging dann ins Theater, wurde aber durch eine Depesche der Frau Kronprinzessin von dem zu erwartenden Ereigniß benachrichtigt, worauf der hohe Herr mit Extrazug nach Potsdam sich zurück begab. Die Nacht war hereingebrochen, der Kronprinz erging sich auf dem freien Platze vor dem Palais, als— es war 9 Uhr 50 Minuten— oben neben den Gemächern der Frau Prinzessin der Prinz Wilhelm— so wird erzählt— das Fenster öffnete und mit freudezitternder Stimme zu seinem Vater herab rief:„Papa, es ist ein Junge"! Jedes Wort ist überflüssig, um das Glück des jungen Vaters und der kronprinzlichen Großeltern zu schildern. Noch spät am Abend gingen durch den Hofmarschall Major v. Liebenau Telegramme an die Urgroßeltern, den Kaiser nach Berlin, die Kaiserin nach Baden=Baden, die Königin von Großbritannien nach Windsor, an die Großmutter, die Frau Herzogin Adelheid zu Schleswig=Holstein nach Primkenan und an die übrigen Verwandten. Um 11 Uhr in der Nacht traf der erste telegraphische Glückwunsch von Sr. Majestät dem Kaiser ein, der sich andern Tags persönlich zu der hohen Wöchnerin begab. Der Kaiser trat, wie uns berichtet wird, freudestrahlend in das Zimmer der Prinzessin, die den jüngsten Sprößling des Königlichen Hauses dem Familienhaupte auf den Armen entgegenhielt und ihn gleichsam so vorstellte. Das Marmorpalais ist von beiden Seiten abgeschlossen, so daß kein Wagen bis an das Schloß heranfahren kann und selbst der Kaiser in einiger Entfernung vom Schlosse ausgestiegen war. Die tieffte Ruhe liegt über dem Schlosse am Heiligensee, und dem Maienzauber, der dasselbe umgrünt und umblüht, entspricht das junge Elternglück, welches in die Räume des Palastes eingezogen ist. *** Der neugeborene Prinz ist der erste im preußischen Königshause, welcher im Marmorpalais als solcher das Licht der Welt erblickt hat. Unser Kaiser, der Große Kurfürst, die Könige Friedrich Wilhelm., Friedrich der Große und Friedrich Wilhelm IV., sowie Prinz Wilhelm sind im Schlosse zu Berlin, Friedrich Wilhelm III. ist in Potsdam und der Kronprinz im Neuen Palais bei Potsdam geboren. (0 Berlin, 8. Mai. Die Dispofition über die parlamentarischen Geschäfte hat eine unvermuthete Veränderung erfahren. Der Landtag wird am Donnerstag seine diesmalige Session schließen, der Reichstag sich morgen mit der Zolltarifsnovelle, die sofort im Plenum durchberathen werden wird, und Mittwoch mit verschiedenen Anträgen und Petitionen beschäftigen. Daß daher die erste Berathung des Gesetzentwurfs betreffend das Tabakmonopol früher vor sich gehen wird, als im Anfang künftiger Woche, ist wahrscheinlich.— Leider erfahren wir, daß der Gesundheitszustand des Reichskanzlers neuerdings eine Verzögerung in Hinsicht auf die Rückkehr desselben nach Berlin nöthig gemacht hat. Unsere neuliche Mittheilung, daß die Vorlage betreffend die Einführung des Tabakmonopols vom Reichstage an eine Commission verwiesen werden würde, findet ihre Bestätigung in dem Beschlusse, welchen das Centrum gefaßt hat, sich für die Commissionsberathung zu entscheiden. Es verlautet, daß die Centrumsfraction sich in ihrer überwiegenden Mehrheit aber gegen die Einführung des Monopols ausgesprochen habe und nur vereinzelte Mitglieder der Fraction in Rücksicht auf die Stimmung in ihren Wahlkreisen für das Monopol seien. ∆ Berlin, 8. Mai. Den Mitgliedern des Abgeordnetenhauses ist seitens des Präsidenten die Nachricht zugegangen, daß am nächsten Donnerstag die letzte Sitzung und zugleich der Schluß der Session stattfinden wird. Die Regierung verzichtet also auf den noch vorliegenden Arbeitsstoff, die hannöversche Kreisordnung, die Kanalvorlage u. s. w. Ein ersprießliches Resultat von einer Fortsetzung der Arbeiten des Landtages war ja leider nicht mehr zu erwarten. Die Tabakmonopolvorlage wird am Freitag auf die Tagesordnung des Reichstages gesetzt werden, und die erste Lesung wird wohl in zwei Tagen erledigt werden können. Die Ueberweisung an eine Commission ist schon jetzt gesichert, nachdem das Centrum sich für diese Form der geschäftlichen Behandlung entschieden hat. Die Sitzungen morgen und übermorgen sollen auf die Zolldebatte verwendet werden; am Donnerstag fällt die Sitzung wegen des Landtagsschlusses aus. Nach einer Zusammenstellung der„Kreuzzeitung" über die Frequenz des Reichstages in der Samstagssitzung, in welcher der Antrag auf Auszählung erfolgte, war von allen Fractionen die Fortschrittspartei am schwächsten vertreten, nämlich nur mit zwölf Mitgliedern oder ein Fünftel ihrer Gesammtzahl! In um so eigenthümlicherem Lichte erscheint es, daß die Abbrechung der Sitzung gerade auf Antrag des Abg. E. Richter stattfinden mußte. #t Berlin, 8. Mai. Was die Ministerkrisis in Konstantinopel betrifft, so wird es hier auf das Bestimmteste dementirt, daß irgend ein Einfluß dort von hier aus geltend gemacht worden sei, um den bisherigen Premierminister Said Pascha zu stürzen; man zweifelt auch daran, daß von russischer Seite dazu Schritte gethan worden, man ist vielmehr der Ansicht, daß dieses Ereigniß darauf zurückzuführen ist, daß Said Pascha den Reformbestrebungen und namentlich den Bemühungen der deutschen Beamten daselbst Hindernisse bereitet hat. Said Pascha war allerdings lange Zeit hindurch ein Liebling des Sultaus und früher dessen Sekretär. Da nun aber der Sultan seit einiger Zeit sich bestrebt, selbst und persönlich einen größeren Einfluß auf die innere Politik zu gewinnen und sich sehr eingehend mit derselben beschäftigt hat, so kam es sehr häufig vor, daß der Wille des Sultans mit dem Said Paschas in Conflikt gerieth, und so blieb denn allerdings zuletzt nichts weiter übrig, als daß der Minister weichen mußte. Man ist der Ansicht, daß der Nachfolger desselben sich ganz den Intentionen des Sultans unterordnen wird, und diese gehen vor Allem darauf hinaus, eine Beamten= und Heeresorganisation nach preußischem Muster einzuführen. Allerdings dürfte das auf verschiedene Schwierigkeiten stoßen, denn dazu gehört vor Allem eine sehr große Sparsamkeit auf finanziellem Gebiet und eine Anspannung aller Kräfte, beides Momente, welche man bisher in der Türkei gar nicht gekannt hat. Aber wenn es gelingen sollte, dort eine Verbesserung der inneren Organisation einzuführen, so wäre das nur mit Freuden zu begrüßen, denn das Streben des Sultans ist ein durchaus ehrenwerthes. * Berlin, 8. Mai. Der Bundesrath hat den Gesetzentwurf über die Unfallversicherung der Arbeiter nach den Ausschußanträgen angenommen. Die Vorlage geht unverzüglich an den Reichstag. Die Münchener„Süddeutsche Presse“, eines der Hauptblätter der nationalliberalen Partei in Bayern, schreibt: „In der preußischen Kammer ist das neue kirchenpolitische Gesetz mit den vom Herrenhause angebrachten geringen Aenderungen wirklich angenommen worden. Was der hannoversche Nationalliberale Götting bei jenem Anlasse sagte, daß nämlich außer der Anzeigepflicht die Maigesetzgebung jetzt aufgegeben sei, ist leider richtig; die Einreden des preußischen Cultusministers v. Goßler sind unzutreffend. Mai 1873 und Mai 1882: es ist eine sehr verschiedene politische Temperatur. Wir sagen das nicht aus irgend einer Freude am kirchenpolitischen Streit, aber der Staat hat zu viel aufgegeben. Freilich wer trägt daran die Schuld? Der Linksliberalismus, der im ersten Jahrzehnt des Deutschen Reiches mit einem in den Ueberlieferungen des unumschränkten Königthums aufgewachsenen Reichsoberbaupte sofort unbedingten Parlamentarismus spielen wollte und durch die Skrupellosigkeit seiner Wahlagitationen und Reichstagssprache die gemäßigt conservativen Elemente vor den Kopf stieß. Jetzt hat er freilich nachträglich gut schelten.“ Während des Krieges von 1864 war eine Anzahl von Häusern, die gerade vor den Düppeler Schanzen standen, auf Befehl des dänischen Oberbefehlhabers zu besserer Vertheidigung jener Werke nach vorgängiger Taxation abgebrochen und das Material zum Schanzenbau verwendet worden. Die Hälfte des Taxwerthes ist den Beschädigten im Gnadenwege von der damaligen schleswigholsteinischen Staatskasse ersetzt worden, einen Ersatz der anderen Hälfte haben dieselben jedoch im Prozeßwege weder von der dänischen Staatskasse erstritten, noch vom preußischen Staate oder vom schleswig= holsteinischen Provinzialverband erlangen können. Die Beschädigten haben sich nun petitionsweise an den Landtag gewandt und beantragt, daß aus Billigkeitsgründen ihnen die restirenden 38,960 M. aus der preußischen Staatskasse möchten gezahlt werden. Die Petitionscommission hat aber beschlossen, dem Hause vorzuschlagen, über dies Ersuchen zur Tagesordnung überzugehen, nachdem der Regierungs=Commissar Geh. Rath Rüdorf ausgeführt hatte, daß es sich im vorliegenden Falle um einen von Dänemark verursachten Kriegsschaden und nicht um eine vom dänischen Staate vorgenommene Expropriation handle. Einen derartigen Kriegsschaden zu ersetzen, sei rechtlich auch wohl Dänemark nicht verpflichtet und Billigkeitsgründe könnten für die Petenten nicht anerkannt werden, da in den alten Provinzen Kriegsschäden allgemein nicht ersetzt seien, etwaige Zuwendungen aber zahlreiche Reclamationen veranlassen könnten, deren Tragweite gar nicht zu übersehen sei, besonders mit Rücksicht auf die großen unersetzten Kriegsschäden von 1806—15. ∆ Berlin, 8. Mai. Mit Recht findet die durch Herrn Eugen Richter am Samstag bei der Generaldebatte der Gewerbeordnungsnovelle veranlaßte Auszählung des Reichstages auch in gemäßigt liberalen Kreisen die entschiedenste Mißbilligung. Dieser Mißbrauch eines formalen Rechts, welches bestimmt ist, gegen Beschlüsse durch eine nicht beschlußfähige Versammlung die Garantie zu gewähren, setzt der planmäßigen Verschleppung der Geschäfte des Landes durch end= und zwecklose Geschäftsordnungsdebatten allerdings die Krone auf. Diese Debatte und die in ihr vorgetragenen Klagen über das Zusammentagen von Reichs= und Landtag gewinnen erst die richtige Beleuchtung, wenn man sich vergegenwärtigt, in welcher geradezu unverantwortlichen Weise die radicale Oppofition sowohl die praktischen Etatsberathungen durch lediglich Wahlzwecken dienende Discussionen, als die übrigen Verhandlungen des Landtages durch Anträge ähnlicher Tendenz 40 Berliner Kinder. Roman von Max Ring. Am nächsten Tag erschien das unter dem Namen Marie bekannte M chen zu der ihr bestimmten Stunde in der Wohnung des Fräulein Freu berg, von der sie mit freundlichem Wohlwollen empfangen wurde. „Treten Sie näher!“ sagte Tante Anna gütig.„Ich habe ber Ihretwegen mit Herrn Gruner gesprochen. Sie können sogleich Ih Dienst antreten.“ „Ich danke Ihnen, mein gnädiges Fräulein!" erwiderte Marie sicht bewegt,„und werde mich bemühen, Ihrer Empfehlung Ehre zu machen. „Sie find mir keinen Dank schuldig. Es ist eine schwere Pflicht, Sie übernehmen, ein trauriger Beruf.“ „Das weiß ich und darum hab ich mich darum beworben. Der Him wird mir die nöthige Kraft schenken.“ „Sie sind noch jung. Fürchten Sie nicht die übermäßige Anstreng und die Gefahren der Ansteckung?“ „Ich fürchte nicht den Tod“, versetzte das Mädchen ruhig,„seitdem mich mit meinem Gott versöhnt habe. Er ist barmherzig und wird meine Schuld vergeben, wenn ich in meinem Beruf sterben sollte.“ „Das wird er! Der Herr segne Dich und behüte Dich, meine Tochte entgegnete Tante Anna tief ergriffen und reichte dem unglücklichen Mädd ihre Hand, die diese ehrerbietig an ihre bleichen Lippen drückte. Eine Thräne glänzte in den Augen des alten Fräuleins und das Gest der armen Marie strahlte, als ob ihr ein Engel erschienen wäre, um die Gnade des Himmels zu verkündigen. 18. Ein Tag war gekommen, wie er nur selten in dem Leben eines Vol wiederkehrt, der Tag des Weltgerichts, der göttlichen Offenbarung, Tag von Sedan. Der Telegraph hatte die unglaubliche Nachricht gebracht und der bekam Brief des Königs an die Königin sie bestätigt: Der Kaiser Napoleon, Marschall Mac Mahon, neununddreißig Generale, zweihundertdreißig Stal und dreitausend andere Offiziere, vierundachtziztausend Mann und vierzel tausend Verwundete waren gefangen, das feindliche Heer vernichtet, a Adler und Fahnen der besiegten Armee, siebenzig Mitrailleusen, dreihunde dreißig Feld= und hundertfünzig Festungsgeschütze mit ihrer Munition, d ganze Kriegsmaterial und zehntausend Pferde erbeutet. Wie ein Lauffeuer flog die Nachricht von dem ungeheuren Sieg, der a bisherigen rühmlichen Waffenthaten des deutschen Heeres weit hinter Prendenchmren rreste einen mie Die ganze Bevölkerung der Hauptstadt drängte sich und wogte in all Straßen,„Hesonders Unter den Linden. Der Gelehrte verleß seine ftl Arbeiter seine Werigang e Dureau der Kaufmann seim Comptoir,I A. m fein. Werkstätte, um das freudige große Ereigniß zu feiern. Freunde und Bekannte umarmten sich auf offener Straße, Fremde, sich nie gesehen, schüttelten sich die Hände und theilten sich die frohe Botschaft mit. Es war ein allgemeines Verbrüderungsfest und das ganze Volk bildete eine einzige große Familie. Arm in Arm schritt der reiche Banguier mit dem armen Handwerker, der steife Bureaukrat mit dem flotten Bruder Studio, die vornehme Dame mit der bescheidenen Dienerin. Selbst die Kranken vergaßen heute ihren Schmerz, die Betrübten ihr Leid und die Trauernden ihren Kummer um die theuren Gefallenen. Ein Gefühl des Dankes und des Staunens, eine Ahnung der göttlichen Macht und des himmlischen Strafgerichts, ein Bewußtsein der hohen geschichtlichen Bedeutung dieses Tages durchströmte und erfüllte die bewegte Menge. „Zu der Königin"! riefen plötzlich tausend Stimmen wie aus einem Munde. Ein unübersehbarer Menschenstrom zog nach dem bekannten königlichen Palais unter den Linden und begrüßte die hohe Frau mit lautem Jubelruf, als sie auf dem Balkon erschien und mit lauter kräftiger Stimme die eben von dem König erhaltene Depesche verkündigte. Lautlose Stille herrschte auf dem weiten Platz, wo die Menge mit entblößten Häuptern den Worten der Königin andächtig lauschte, als wollte sie die Bestätigung der unglaublichen Nachricht noch einmal aus ihrem hohen Munde vernehmen. Als aber die Königin geendet hatte, erhob sich ein wunderbares Singen und Klingen wie von unsichtbaren Geisterchören in der Luft. Erst leise, dann immer lauter, immer brausender und gewaltiger erschallte zum Himmel der ergreifende Gesang, das alte herrliche Lied:„Nun danket Alle Gott". „Nun danket Alle Gott!" jubelte Jung und Alt, Groß und Klein, Vornehm und Gering, die Königin auf dem Balkon und das ganze Volk auf dem Platz, sich vor dem Herrn der Heerschaaren beugend und seine Gnade preisend. Und jede Brust war tief bewegt und jedes Herz von begeisterter Freude und frommer Andacht erfüllt und in allen Augen glänzten Thränen des Dankes und der Rührung. Das war ein Anblick, unvergeßlich und unbeschreiblich; der ganze Platz ein Riesendom und hunderttausend fromme Beter. Dagegen verstummten alle folgenden Freudenbezeugungen, erblaßte der helle Lichterschein, der in der Nacht die ganze Stadt wie ein Strahlenmeer überfluthete. Leider aber mischte sich auch in den hellen Glanz ein trüber Schatten, in den hellen Jubel ein dumpfer Ton, die stille Klage um die im Kampf Gefallenen, die bange Sorge um das ungewisse Schicksal der bei Sedan mitbetheiligten Angehörigen. Zahllose Familien erwarteten in den nächsten Tagen mit schmerzlicher Sehnsucht und peinlicher Ungeduld einen Brief, eine Postkarte oder irgend ein Lebenszeichen von den Männern und Söhnen aus dem Feldlager. Manches arme Mutterherz verzagte im Stillen und manches treue Frauenauge weinte im Verborgenen, während die Menge laut jubelte.— „Berubige Dich, Alte!“ tröstete Herr Gruner seine jetzt doppelt besorgte Frau.„Richard wird schon schreiben, morgen bekommen wir gewiß einen Brief von ihm.“ „Wer weiß, ob er noch lebt!“ seufzte sie beklommen.„Seit der letzten Geschichte habe ich keinen ruhigen Augenblick mehr. Bei Tag und bei Nacht steht das schreckliche Bild vor meinen Augen, sehe ich nur meinen armen Sohn in der brennenden Kirche." „Du solltest Dich schämen, so kleinmüthig zu sein. Hat ihn der liebe Gott nicht wunderbar beschützt und ihn vor dem sichern Tod durch den braven Wilhelm bewahrt? War nicht seine Wunde ganz ungefährlich und schon nach acht Tagen völlig geheilt und freust Du Dich nicht, daß er für sein tapferes Verhalten bei St. Privat Offizier geworden ist?“ „Ich würde mich noch mehr freuen, wenn erst der ganze Krieg glücklich beendet und Richard gesund und munter bei uns wäre, oder wenn wir wenigstens einen Brief von ihm hätten. „Das geht nicht so schnell. Unser Stephan thut schon das Menschenmögliche, aber hexen kann er nicht. Wir müssen uns schon noch einen Tag gedulden. Wenn wir morgen keine Nachricht von Richard haben, gehe ich selbst mit dem nächsten Sanitätszug nach Frankreich, um mich nach ihm zu erkundigen.“ Dazu kam es aber nicht, da der Postbote am nächsten Tage den so ungeduldig erwarteten Brief brachte, der die Eltern zugleich erfreute und beunruhigte. Wie Richard ihnen ausführlich schrieb, hatte er zwar glücklich die Schlacht bei Sedan mitgemacht, aber in Folge der damit verbundenen Strapazen und Märsche war seine kaum geheilte Wunde wieder aufgebrochen und er selbst durch den Blutverlust und die heftigen Schmerzen so angegriffen, daß er auf Antrag des Arztes vorläufig, wenn auch gegen seinen Wunsch, einen längeren Urlaub erhalten hatte, um sich im elterlichen Hause zu erholen und seine völlige Genesung abzuwarten. Außerdem meldete er noch, daß sein treuer Freund und Lebensretter, der Gefreite Wilhelm Horn, bei Sedan eine lebensgefährliche Kopfwunde erhalten habe und zugleich mit ihm selbst mit demselben Krankentransport in Berlin eintreffen werde, da er den Unglücklichen unter diesen Umständen nicht verlassen wollte und auch die Erlaubniß erhalten hatte, ihn begleiten zu dürfen. „Das ist krecht von ihm“, sagte Herr Gruner,„und steht unserem Richard ähnlich. Der Junge hat doch immer das Herz auf dem rechten Fleck.“ „Ich bin nur froh“, erwiderte die gute Mutter,„daß wir ihn wieder haben, wenn er auch als Krüppel zurückkommt.“ „So schlimm wird es wohl nicht sein. Du hörst ja, daß seine Wunde nicht viel zu sagen hat. Er wird sich schon unter Deiner Pflege bald wieder erholen. Aber mit dem guten Wilhelm scheint es schlecht zu stehen. Der arme Kerl wird wohl daran glauben müssen, wenn Gott ihm nicht hilft.“ „Das würde mir in der Seele leid thun; ein so braver Mensch, der unseren Sohn gerettet hat. Wir müssen Alles ausbieten, was in unseren Kräften steht, um ihn am Leben zu erhalten.“ „Das versteht sich, und wir wollen keine Mühe und keine Kosten sparen, um ihn wieder berzustellen, wenn es noch möglich ist. Er soll es wie ein Fürst haben und von den besten Aerzten behandelt werden. Das sind wir ihm schuldig.“ Seite 526 verschleppt hat. Es ist immer der gleiche Zug des Voranstellens der Partei=Interessen vor dem Gemeinwohl, aber so eclatant ist derselbe noch nicht hervorgetreten, wie bei dem Vorgange am Samstag. Zur Vermeidung ähnlicher Machinationen wird es sich empfehlen, an die Frage der Herabsetzung der zur Beschlußfähigkeit des Reichstages erforderlichen Zahl, welche in der ersten Legislaturperiode des deutschen Reichstages von dem Grafen Münster Namens der deutschen Reichspartei betrieben und am Schluß der vorigen Legislaturperiode wieder in Anregung gekommen war, sich zu erinnern. Während nach den bisherigen Erfahrungen für die entscheidenden Abstimmungen eher eine stärkere Präsenzzahl vorzuschreiben sein müßte, ist jedenfalls für die ersten Lesungen, bei denen nur rein formelle Beschlüsse gefaßt werden können, die Herabsetzung der Beschlußfähigkeitsziffer ebenso unbedenklich wie zweckmäßig. * Wiesbaden, 8. Mai. Der„Rhein. Kur.“ meldet: Um dem Leichenbegängnisse seines Schwagers, des Herrn Dr. med. und praktischen Arztes Heß in Kirberg, beizuwohnen, hatte sich gestern Vormittag Herr Oberbürgermeister Lanz mit der Hessischen Ludwigsbahn nach Limburg begeben und von dort aus zusammen mit dem Bruder des Verstorbenen, dem Herrn Heß aus Faulbach, und dem Herrn Kreisgerichtsrath Riedel von Limburg in einem Zweispänner die Fahrt nach Kirberg fortgesetzt. Zwischen dem Zollhause und Neesbach am Nanheimer Wege trafen die Herren auf einen Einspänner, dessen Pferd scheute. In Folge dessen stürzte der Einspänner mit seinen Insassen, einem Herrn und einer Dame, in den Chausséegraben und die Dame kam im Falle unter das Pferd zu liegen. Rasch eilte der Herr Oberbürgermeister zu Hülfe und half die Frau glücklich aus ihrer gefährlichen Lage befreien; als er dann auf die Chaussée hinaufgehen wollte, brach er mit den Worten: „Gott! wie wird mir so unwohl!“ zusammen, wurde in dem Gefährt in den Armen des Herrn Kreisgerichtsraths Riedel bereits bewußtlos nach Neesbach gebracht und gab dort um 4 Uhr 10 Minuten Nachmittags in Gegenwart des Herrn Ober=Medicinalraths Göbel von Limburg und des Herrn Dr. med. Justi von Idstein seinen Geist auf. Frankreich. * Aus Paris schreibt man der Berliner„Tribüne": Grisel, der kürzlich mit dem Kreuz der Ehrenlegion decorirte Lokomotivführer, ist augenblicklich der Held des Tages. Sie haben seiner bereits Erwähnung gethan, Sie haben mitgetheilt, daß Gambetta bei einem ihm zu Ehren zu veranstaltenden Banket erscheinen und eine Rede halten wird. Wer ist nun dieser Grisel, dem eine Decoration zu Theil geworden ist, nach der Tausende vergeblich streben; was hat er gemacht, um sich des kleinen rothen Bändchens würdig zu erzeigen, das in Frankreich allüberall mit tiefer Ehrfurcht betrachtet wird? Grisel ist ein Mann, der dem Arbeiterstand der ganzen Welt als Vorbild dienen kann, und so wird seine Decoration denn auch von den Zeitungen aller Schattirungen gleich sympathisch begrüßt. Er ist im Jahre 1813 zu Lille geboren, also heute hochbetagt. Den größten Theil seines Lebens verbrachte er als Lokomotivführer bei verschiedenen Eisenbahngesellschaften Frankreichs, und in diesem Berufe hat er wohl ein Dutzend Mal das Leben von Hunderten durch seinen Muth, seine Entschlossenheit, seine Geistesgegenwart gerettet. Der Ehrentitel seines Lebens ist aber ein Ereigniß, das sich im Jahre 1857 zugetragen hat. Es war am 23. November, als Grisel einen Zug mit Reisenden von Clermont nach Broude führte. Der Regen goß in Strömen herab, über die Ebene wehte ein orkanartiger Wind und tiefschwarze Nacht hinderte auch nur fünf Schritte weit zu sehen. Als man in Vic=le=Comte ankam, hörte Grisel bereits das dumpfe Brausen des Allier, über den in kurzer Entfernung hinter der Station der Zug auf einer schadhaften Brücke hinüberzufahren hatte. Der Bahnhofsvorsteher gab das Signal zur Abfahrt, allein Grisel weigerte sich, die Maschine in Bewegung zu setzen; er verlangte, daß man vorher die Tragfähigkeit der Brücke untersuche. Der Bahnhofsvorsteher beharrte auf seinem Befehl; er drohte, den Widerspänstigen sofort seines Dienstes zu entsetzen, allein Grisel blieb fest; er sagte, sein Gewissen verbiete ihm, bei diesem Unwetter ohne vorherige Prüfung die Brücke zu passiren. Das laute Zwiegespräch hatte die Reisenden aus den Coupés gelockt und sie umstanden die erregt streitenden Männer. Endlich faßte sich der Stationsvorsteher kurz; er depeschirte die Weigerung Grisel's an die Centralstation und bat zugleich um Verhaltungsmaßregeln. Da, ehe noch die Rückantwort eingetroffen war, hörte man im Bahnhof ein furchtbares Krachen; der Allier hatte einen Pfeiler der Brücke fortgerissen, wenige Minuten später stürzte der Rest des Baues in den schäumenden Fluß nach. Grisel hatte 125 Menschen das Leben gerettet, die ihn nun in tiefer Dankbarkeit umstanden; hätte die Brücke dem Fluß und dem Wetter eine Stunde länger widerstanden, so hatte der brave Mann seine Stellung eingebüßt; ließ er sich zur Fahrt bewegen und die Brücke sank unter der Last des Zuges zusammen, so war Grisel und mit ihm über hundert Menschen verloren. Jetzt nach gerade fünfundzwanzig Jahren erhält der Greis eine verspätete Anerkennung für seine damalige Pflichttreue und Energie. Gambetta, Victor Hugo und mit ihnen gegen 250 Senatoren und Deputirte werden dem ihm zu Ehren veranstalteten Banket beiwohnen; man wird schwungvolle Reden halten; man wird die Arbeit, die Pflichterfüllung, die Freiheit mit wohlklingenden Worten feiern, und in alle die tönenden Phrasen wird auch hier und dort der Name„Grisel“ sich eingewebt finden. Niemand wird opponiren, wenn es gilt, einen tüchtigen Beamten zu feiern; aber einen Greis, der sein Lebtag der Pflichterfüllung in bescheidenen Grenzen gelebt hat, zum Mittelpunkt einer lärmenden politischen Demonstration zu machen, erscheint wenig taktvoll, und der Gefeierte dürfte leider an seinem Ehrentage sich selbst am wenigsten behaglich fühlen. * Paris, 7. Mai. Der„Petit Marseillais" erhält von seinem Oraner Correspondenten Näheres über das Gefecht am Schott Tigri, das der Sache ein ganz anderes Ansehen gibt: „Der Offizier, welcher die Colonne zum Schutze der topographischen Mission befehligte, hatte erfahren, daß sich gewisse Duars in der Nähe seines Lagers befanden, und hatte gegen sie eine erfolgreiche Razzia unternommen, in welcher er 1800 Schafe erbeutet hatte. Die betroffenen Eingeborenen baten die benachbarten Stämme um Unterstützung und nun griffen 2000 Mann die Colonne an, die überrascht ein Carré bilden wollte, als die Anfangs nicht zahlreichen Araber ankamen; leider wurde das Carré schlecht gebildet und auf der einen Seite durch den Proviantzug hergestellt. Die Munition wurde verschlossen, und als man die Reserve„Am liebsten würde ich ihn zu mir in unser Haus nehmen und ihn selbst pflegen, als ob er unser Kind wäre.“ „Dagegen hätt' ich nichts, aber wir werden schwerlich die Erlaubniß bekommen. Auch ist er in den Baracken besser aufgehoben, als bei uns. Ich selbst werde dafür sorgen, daß es ihm an nichts fehlt und ihm eine ausgezeichnete Wärterin geben, die mir Fräulein Freudenberg ganz besonders empfohlen hat.“ „Und ich will sogleich zu Martha gehen und ihr sagen, daß Richard kommt.“— Selbstverständlich eilte die ganze Familie Gruner wieder nach dem Bahnhof, um den einige Tage später eintreffenden Krankenzug, in dem sich Richard befand, zu empfangen. Die unaussprechliche Freude eines solchen Wiedersehens wurde nur durch den Anblick der meist schwer Verwundeten und durch Richard's trauriges Aussehen getrübt, der in der That weit leidender und angegriffener erschien, als seine Eltern nach seinen Mittheilungen geglaubt hatten. Ihr größtes Bedauern und Mitleid erregte aber der hoffnungslose Zustand des unglücklichen Wilhelm, der gleich einem Todten, völlig bewußtlos und zur Unkenntlichkeit entstellt, in dem Krankenwagen lag. Nachdem der Färbermeister seinen Sohn begrüßt und umarmt hatte, sorgte er mit der Zärtlichkeit eines Vaters für den Transport des Verwundeten nach dem Barackenlazareth durch die zu diesem Zwecke mitgebrachten Wärter, denen er die höchste Vorsicht und Schonung dringend anempfahl. Bonner Zeitung vom 9. Mai 1882. munition benutzen wollte, war dieselbe vom Feinde, der immer stärker wurde, genommen. Man sah sich genöthigt, den Rückzug anzutreten, indem man auf 10 Kilometer nur ein Feuer auf Commando unterhielt; die Todten und Verwundeten sah man sich genöthigt, auf dem Kampfplatze zurückzulassen. Der verlorene Zug betrug 200 Kameele, welche die Lebensmittel trugen, ein bedeutendes Kriegsmaterial und zahlreiches Schlachtvieh.“ Also erstens, die Franzosen haben in Marokko die Khrumirs gespielt und geplündert; zweitens die Marokkaner haben das nicht in der Ordnung gefunden und sich gesammelt, um ihr geraubtes Gut wiederzuerhalten; drittens die Franzosen haben das Schlachtfeld nicht behauptet und nicht ihre Todten und Verwundeten mitgenommen; viertens sie haben mit Mühe 10 Kilometer lang sich der verfolgenden Marokkaner erwehrt. Die amtliche Darstellung im„Journal Officiel" vom 1. Mai hat sich wohl gehütet, die Razzia des Hauptmanns de Castries und das Zurücklassen der Todten und Verwundeten einzugestehen; sie läßt dort nur„einen Theil des Convoi in Folge der jähen Flucht der arabischen Treiber“ abhanden kommen, sie enthält aber den jetzt sehr erklärlichen Zug:„Die arabischen Weiber begleiteten die Kämpfer und zeigten eine unerhörte Wuth.“ Sie waren beraubt, es handelte sich um ihre Existenz. Der„Siécle", das Organ des Kammerpräsidenten Henri Brisson, verlangt die Mandats=Niederlegung des republikanischen Abgeordneten von Issoudun, Leconte, der es sich hat beikommen lassen, eine ihm von einer Eisenbahngesellschaft kürzlich zur Verfügung gestellte Freikarte in der Weise zu fälschen, daß er zwischen die Worte Monsieur und Leconte die Worte et Madame einschob, damit die Karte auch für seine Frau gelten sollte. Großbritannien. * London, 8. Mai. Der Premier Gladstone und der Staatssekretär des Aeußeren, Granville, werden in den heutigen Sitzungen des Parlaments beantragen, als Zeichen der Hochachtung für Cavendish und Bourke beide Häuser zu vertagen. Die Führer der Opposition werden, wie es heißt, diesen Antrag unterstützen. Forster hat der Regierung seine Dienste in Irland angeboten.— Dem„Standard" zufolge ist der Posten des Obersekretärs für Irland Chamber= lein angetragen worden.— Sämmtliche Morgenblätter drücken den tiefsten Abscheu und die tiefste Entrüftung über das Verbrechen aus und verlangen die Anwendung der schärfsten Maßregeln zur Unterdrückung der Gesetzlosigkeit in Irland.— Die„Times“ sagt, die Regierung stehe Angesicht zu Angesicht mit einem in England fast beispiellosen Zustande; kein Ministerium könne unter solcher Wucht der Verantwortlichkeit lange im Amte bleiben, falls es nicht verzweifelte Anstrengungen mache, seinen Charakter zu rehabilitiren. Es sei unumgänglich nothwendig, daß der Premier ohne Verzug den Beweis gebe, daß er endlich zu dem rechten Verständniß des wahren Charakters der Schwierigkeiten in Irland gelangt sei. Der„Standard" und die„Morningpost“ machen die Landliga für das Verbrechen verantwortlich.— Die„Times“ erfährt, die Regierung sei geneigt, das Amendement Gibson zur ersten Cloture=Resolution anzunehmen, welches an Stelle der einfachen Majorität die ZweidrittelMajorität setzt. Griechenland. * Athen, 6. Mai. Am Donnerstag; den 4.., um 2 Uhr Nachmittags hat in feierlicher Weise zu Kalamaki auf dem Isthmus von Korinth die Eröffnung der Arbeiten zum Zwecke Durchstiches stattgefunden. Dreizehn Fahrzeuge, theils Kriegsschiffe der griechischen und russischen Marine, theils Privat=Gesellschaften gehörige Dampfer, beförderten die Königliche Familie, den Großfürsten Constantin und mehr als 3000 zu der Feierlichkeit geladene Bewohner Athens an den Schauplatz der letzteren. König Georg that mit einer silbernen Schaufel den ersten Spatenstich und füllte eigenhändig mit der ausgehobenen Erde einen silbernen Schiebkarren, welchen der Ministerpräsident Trikupis in's Meer ausleerte. Es folgte unter Führung des Ingenieurs Bela Gerster die Besichtigung der schon vollendeten und noch zu vollendenden Arbeiten, wobei die Königin eine Dynamit= und Pulvermine entzündete, durch welche ein mächtiger Felsvorsprung abgesprengt wurde. Das Fest, bei dem General Türr und Gemahlin die Honneurs machten, endete mit einem Banquet in einem eigens hergestellten und mit großer Pracht ausgestatteten Kiosk. Der Orient. * Der neue türkische Premier=Minister Abdurrahman Pascha gilt als ein aufgeklärter und dem Fortschritt ergebener Mann; bisher hat man ihn kaum mit unter die hervorragenden Politiker des osmanischen Reiches gezählt. Man weiß von ihm nur, daß er, von Geburt Albanese und etwa 40 Jahre alt, mit Erfolg als Wali in den asiatischen Provinzen fungirt hat. Uebrigens hält der „Wakit", das officiöse Organ der Pforte, die Versicherung für angezeigt, daß die Ernennung Abdurrahmans zum Premier=Minister der eclatante Ausdruck dafür sei, daß der Sultan das Reformwerk beschleunigt zu sehen wünsche. Dieses Reformwerk hat aber seine eifrigsten Förderer gerade in den deutschen Beamten gefunden, welche in die Dienste der Türkei getreten sind. Die deutschen Finanz= und Steuerbeamten, welche der Sultan nach Konstantinopel berufen hat, haben dort nicht, wie die Engländer oder Franzosen, welche früher in den türkischen Dienst traten, große Politik getrieben; aber sie haben es durch ihre uneigennützige Tüchtigkeit zu Stande gebracht, daß die bankerotte, am Rande des finanziellen Ruins schwankende Türkei sich mit ihren Gläubigern auseinandersetzen konnte. Sie waren es wohl auch, welche die nothwendige Auseinandersetzung mit Rußland beschleunigt sehen wollten und den Sultan zu dem directen Verhandeln mit Nowikow angeregt haben, weil sie, so lange das Damoklesschwert der russischen Forderungen über der Türkei schwebte, nicht an die definitive Regelung der türkischen Finanzen herangehen zu können glaubten. Von dem Wohlwollen des Sultans gegen seine deutschen Finanzbeamten haben die jüngsten Tage erst wieder neue Beweise gebracht. Zudem haben vor Kurzem auch deutsche Offiziere einen ehrenvollen Ruf nach Konstantinopel erhalten und mit Genehmigung des Kaisers auch angenommen. Ihnen ist die Aufgabe gestellt worden, die türkische Armee zu reorganifiren. Jedenfalls spricht nicht das geringste Anzeichen dafür, daß die Tendenzen, welche vor einigen Monaten den Sultan bewogen haben, eine außerordentliche Gesandtschaft nach Berlin zu entsenden, welche dem deutschen Kaiser die Huldigungen des Sultans überbringen sollte, am Goldenen Horn durch den Sturz Salds erschüttert worden seien. Deutscher Reichstag. 2A* Beelia, 8. Mai. Der Reichstag setzte heute die erste Beratbung der Gewerbeordnungsnovelle fort. Der freiconservative Abg. Günther(Sachsen) stellte sich im Allgemeinen auf den Boden des Gesetzentwurfs, der praktisch hervorgetretenen Uebelständen abhelfen wolle, und zieh die liberalen Redner, namentlich den Abg. Lasker bei seinen Ausführungen über die Hausirer und Handelsreisenden der Uebertreibung und Unkenntniß der sachlichen Verhältnisse. Aehnlich sprach sich auch ein anderer conservativer Redner, Abg. v. Köller, aus. Der socialdemokratische Abg. Kayser sab in den Vorschlägen des Gesetzentwurfs nichts als eine Vermehrung der Befugnisse und der Willkür der Polizei und eine unerträgliche Einschränkung der Gewerbefreiheit. Abg. Stephani erkannte einigen Vorschlägen, wie einer neuen Regelung der auf das Hausirgewerbe und die öffentlichen Schaustellungen bezüglichen Vorschriften eine gewisse Berechtigung zu; sehr bedenklich aber fand er die Beschränkung des Colportagebuchhandels. Abg. Munckel übergoß das Gesetz mit einem mitunter zweifelhaften Witz und beleuchtete namentlich die politischen Bedenken, die gegen eine Reibe von Vorschlägen sprechen. Die Vorlage wurde alsdann an eine Commission verwiesen. Der Consularvertrag mit Brasilien wurde nach kurzer Debatte, Nr. 127 in welcher namentlich der Abg. Kapp verschiedene Ausstellungen im Einzelnen vorbrachte, im Ganzen aber die Vorlage wohlwollend besprach, in erster und zweiter Lesung angenommen. Nächste Sitzung morgen(Zolltarifnovelle). Landtag. Herrenhaus. .: Gräßnung der kr.. 84° Berlin, 8. Mai. Bei Eroffnung der heutigen Sitzung des Herrenhauses sprach der Präsident v. Ratibor die Hoffnung aus, daß das freudige Ereigniß, das unser kaiserliches Haus betroffen und das vom ganzen Lande mit hoher Freude begrüßt worden, bereits zur Kenntniß der Mitglieder gekommen sei. In der Ueberzeugung, daß das Herrenhaus gern bereit sein werde, Sr. Majestät dem Kaiser seine freudigen Gefühle zu erkennen zu geben, habe er bereits Schritte gethan, um diesem Gefühle bei Sr. Majestät Ausdruck zu geben. Hiernach in die Tagesordnung eintretend, genehmigte das Herrenhaus nach längerer Debatte den mündlichen Bericht der Eisenbahn=Commission über den Gesetzentwurf betr. die Einsetzung von Bezirks=Eisenbahn= räthen und eines Landes=Eisenbahnrathes sowie den über den Secundärbahn=Gesetzentwurf. Auch der Gesetzentwurf betr. den Erwerb der Anhaltischen Bahn für den Staat, sowie der durch den Erwerb der Privatbahnen nothwendig gewordene Nachtragsetat werden vom Herrenhause genehmigt, das sich bis morgen 12 Uhr vertagte. Vom Rhein und aus Westfalen. * Kirn, 4. Mai. In einem Garten des Commerzienraths Theodor Simon wurde heute Morgen durch dessen Gärtner ein interessanter Fund gemacht. Es wurde daselbst nämlich ein steinerner Topf mit einigen Tausend Silbermünzen aufgefunden, bestehend in Kronenthalern, sogen. 6= und=Bätznern,=, 3= und=KreuzerStücken. Die Münzen stammen großentheils aus dem 18., einige auch aus dem 17. Jahrhundert und tragen das Gepräge der damaligen österreichischen, württembergischen, baden=durlachischen, hessendarmstädtischen, kurpfälzischen u. s. w. Regenten. Wahrscheinlich ist dieser Schatz in den Revolutionsjahren oder zur Zeit der Franzosenkriege dorthin vergraben worden. * Bensberg, 6. Mai. Herr Bürgermeister Mund, welcher erst vor vier Wochen sein Amt hierselbst angetreten hat, ist plötzlich an einem Herzschlage gestorben. *.=Gladbach, 6. Mai. Der Director des hiesigen Gymnasiums, Herr Dr. Schweikert, hat einen Ruf als Director des Real=Gymnasiums in Düsseldorf###halten. * Elberfeld, 7. Mai. Der„T. Anz.“ berichtet: Am Donnerstag den 11. d. Mts. feiert in hiesiger Stadt ein ZwillingsSchwesternpaar den gewiß bei Zwillingen hochselten vorkommenden 82. Geburtstag. Neueste * Dublin, 9. Mai.(Telegramm.) Gestern Abend wurde in dem unweit von Dublin liegenden Maynooth ein der Ermordung Cavendish's und Bourke's verdächtiger Mann Namens Charles Moore verhaftet. Derselbe wurde behufs seiner Identificirung heute nach Dublin gebracht. Seine Erscheinung stimmt mit dem Signalement überein, welches man von dem Mörder hat. Der Verhaftete gab an, daß er erst am Freitag aus Amerika zurückgekehrt sei. Literatur, Kunst und Wissenschaft. ar Düffeldorf, 7. Mai. Das neueste große Bild von Karl v. Piloty „Die klugen und die tbörichten Jungfrauen“ wird, wie man dem„D..“ mittheilt, vom nächsten Dinstag an in der Permanenten Kunstausstellung von Eduard Schulte ausgestellt werden, an welchem Tage die renovirten größeren Lokalitäten der genannten Ausstellung wieder eröffnet werden sollen. F Amerikanisches Musikfest. Aus New=York wird unter'm 3. ds. berichtet: Das große Musikfest wurde hier gestern Abend mit außerordentlichem Erfolg eröffnet. Siebentausend Personen waren zugegen. Frau Materna machte ihr Debut in einer Arie aus„Fidelio" und erregte grenzenlosen Enthusiasmus. Die Künstlerin wurde fünfmal gerufen. Die Choralwerke, welche zur Aufführung gelangten, waren eine Cantate von Bach und Händel's„Jubilate". Zwischen diesen Werken spielte das Orchester Mozart's„Jupiter"=Symphonie. Die besten Kritiker bezeichnen die Aufführung als eine in jeder Hinsicht erfolgreiche. Die künstlerischen Leistungen des 1800 Sänger und Sängerinnen starken Chores, sowie des 300 Mitglieder zählenden Orchesters werden doch gepriesen. #r Ueber altägyptische Pflanzenfunde entnimmt die„Rigaische Zeitung" einem Briefe des Professors Dr. Georg Schweinfurth in Kairo folgende interessante Mittbeilungen:„Ich werde nächstens im hiesigen geologischen Institut einen Vortrag über die wunderbarsten Pflanzenfunde aus der Zeit der 18. und 20. Dynastie(d. b. ein paar Jahrhunderte vor dem trojanischen Kriege) halten. Ganze Haufen Guirlanden habe ich untersucht, die Blätter aufgeweicht und ausgebreitet und neu gepreßt, unter Glas und Rahmen schön arrangirt, so daß es eine Freude ist, diese Reliquien von den Leichnamen der größten Könige, die Aegypten gehabt, anzuschauen. Eine Rittersporn=Art, die heute noch in Algerien und Syrien wächst, in Aegypten aber verschwunden ist, fand sich in diesen Guirlanden und ist von völlig erhaltener violetter Farbe, 3500 Jahre alt!“ % Berlin, 6. Mai. Das vor etwa einem Jahre für 200,000 M. aus der Galerie Schönborn in Wien für das hiesige Museum erworbene Bild „Neptun und Amphitrite“ bildete, wie man sich erinnern wird, damals die Veranlassung einer ungewöhnlich heftigen, fast erbitterten Controverse zweier Parteien. Die Herren Bode und Eisenmann behaupteten nicht blos die unbedingte Echtheit des Bildes, sondern setzten es auch in die Periode der lebendigsten Schöpferkraft von Rubens, welche seiner Rückkehr nach Italien folgte, und wußten ihrem Liebling alle möglichen Vorzüge nachzurühmen. Gegen sie focht eine beträchtliche Anzahl von Künstlern, zu deren Stimmführer Anton v. Werner sich machte. Letzterer ging so weit, in der„Gegenwart“ zu behaupten, der fragliche„Rubens“ sei ein Werk des vorigen Jahrhunderts. Man vernahm wohl die spöttische Ansicht, der Preis sei selbst dann noch zu boch, wenn man zwei Nullen von der Kaufsumme wegstreiche; an die Moabitischen Alterthümer u. A. wurde ironischerweise erinnert. Einer der besten Rabenskenner, Adolph Rosenberg, würdigt nun in dem jüngsten Heft der„Lützow'schen Zeitschrift" kurz und bündig die extremen Ansichten Bode's und Werner's und gelangt zu dem Urtheil:„Es sind der innern Gründe genug, die dafür sprechen, daß=Neptun und Amphitrite= nicht ein Bild aus der ersten Antwerpener Periode des Meisters, sondern aus der zweiten, und zwar etwa aus den Jahren 1618—1625 ist, daß es zwar ein Product seines Geistes, aber nicht eine Arbeit seiner Hände ist, daß vielmehr der Antheil eines Schülers an der Ausführung erheblich höher angeschlagen werden muß als der des Meisters.“ ar; Soeben erschien im Verlage von Eduard Heinrich Mayer in Köln die erste Lieferung des zweiten Bandes(Liefg. 9) von E. F. Theodor Moldenbauer: Das Weltall und seine Entwickelung. Darlegung der neuesten Ergebnisse der kosmologischen Forschung. Das treffliche Werk erscheint in 18 Lieferungen(2 Bänden) à 80 Pf.— Der Inhalt der 9. Lieferung behandelt die Verdichtung und Ringbildung: Ballungstendenz und Dichtezunahme. Die Drebungsbeschleunigung gegenüber der Verdichtung. Die Ringbildung. Unzuträglichkeiten in derselben und ihre Folgen. Die Entfaltung unserer Planetenwelt: Das Zerreißen der Ringe und ihre Ballung. Ueber die vermuthliche Breite der Ringabsonderungszonen am Sonnenballe zu verschiedenen Zeiten. Merkwürdiges An= und Abschwellen der Zonen und Abbruch der Ringbildung. Aufbau der Planeten. Der„kritische Punkt“ in der Weltkörperentwickelung: Sind Drehungsschwankungen oder Verdichtungseigenthümlichkeiten die Veranlassung der Ringbildungsinconsequenzen? Der elliptische Umlauf und die Unveränderlichkeit des Sterntages. Die Umsetzung der Gravitationsarbeit in Wärme. Die Bedeutung der Temperatur im kosmischen Ballungsakte. Die Spannung als Verdichtungswiderstand. Condensation und„kritischer Punkt“. Abhängigkeit der Temperatur von der Größe der Weltkörper. # Von dem Werke: Die Körperkraft und Geschicklichkeit des Menschen von Guillaume Depping(Verlag von J. C. C. Bruns in Minden) liegen Lieferung 3 und 4 vor. Die ersten Lieferungen dieses Werkes sind in der gesammten Presse auf das Beifälligste aufgenommen und beurtheilt, und es ist mit allem Recht zu sagen, daß die vorliegenden Lieferungen den genannten, sowohl was den Text, als auch die Ausstattung betrifft, in Nichts nachstehen. Die 3. Lieferung bringt im 2. Kapitel: Die Läufer der Adligen in England und anderen Ländern. Läufer in neuerer Zeit: im 3. Kapitel: Frauen=Wettlauf, mit einem hübschen Vollbilde: Wettlauf der Schäferinnen in Württemberg; im 4. Kapitel: Der Sprung und die Springer im Alterthum und im 5. Kapitel: Der gefährliche Sprung. Die Kubisten im Alterthum u. s. w. Das 4. Heft bringt im 8. und 9. Kapitel: Die Seiltänzer im Alterthum und Mittelalter, mit zwei schönen Vollbildern: Seiltänzer in Venedig und Glockenläuter in Sevilla; im 10. Kapitel: Das Schwimmen. Nr. 127 Seite 527 Verein für Körperpflege in Volk und Schule. S Bonn, Anfang Mai. Am Montag den 1. d. fand in der Restauration„Beethovenhalle“ eine Versammlung Statt behufs Gründung eines„Vereins für Körperpflege in Volk und Schule". Dieselbe war vorzugsweise von Lehrern und Aerzten besucht und führte zur Bildung eines provisorischen Comités, welches demnächst die weiteren Schritte veranlassen wird. Aehnliche Vereine sind bekanntlich auf Anregungen von Düsseldorf aus in mehreren Städten der Rheinprovinz in den letzten Monaten entstanden. Es sei uns im Folgenden gestattet, über Zweck und Bedeutung eines derartigen Vereins Einiges beizubringen. Die Bedeutung der öffentlichen Gesundheitspflege für das Wohl der Gesammtheit wie des Einzelnen ist in den letzten Jahrzehnten erst voll erkannt worden. Der ziffermäßige Nachweis, daß gründliche Maßnahmen in Bezug auf Städtereinigung, Beschaffung guten Trinkwassers u. s. w. einen bedeutenden Einfluß haben auf größere oder geringere Sterblichkeit, auf die Zahl der Erkrankungsfälle, hat zur Abhülfe mancher offenbaren Uebelstände in Staat und Stadt geführt. Allerdings sind derartige segensreiche Einrichtungen wegen der damit verbundenen finanziellen Opfer zuweilen von dem Mißwollen und Opposition Vieler begleitet. Eine allgemeiner verbreitete Einsicht über den thatsächlichen Nutzen hygieinischer Maßnahmen wäre deshalb sehr zu wünschen. Jedoch so sehr wir hoffen, daß unsere Städte in Bezug auf sanitäre Maßregeln in Jahren einmal den Standpunkt erreichen, den die englischen Städte heute haben, so sehr wir wünschen, daß unsere Schulen, unsere Krankenhäuser in ihren gesundheitlichen Einrichtungen immer mehr Musteranstalten werden sollen— es gibt noch eine Menge wunder Punkte in unserm Volksleben, zu deren Besserung nicht der Staat, nicht die Stadt allein, sondern auch die private Thätigkeit, die allgemeine Theilnahme angerufen werden muß. Allzuleicht sind wir Deutschen geneigt, bei allen Dingen Staat und Polizei anzurufen. Leicht wissen wir stets, wie Das und Jenes hätte„eigentlich“ gemacht werden müssen. Aber weniger bereit als zur Kritik sind wir zur thätigen Abhülfe. So kommt es denn, daß Verhältnisse, welche schon vor vielen Jahren als unhaltbar erkannt sind, heute ruhig fortbestehen. Da liegt vor uns ein bekanntes Gutachten der Berliner medicinischen Gesellschaft vom 17. Februar 1864. In demselben wird die zunehmende Nervosität und Blutarmuth der heranwachsenden Mädchen geschildert, die Aufnahme des Mädchenturnens in den Schulplan gefordert und es heißt dann weiter: „Wir Aerzte können nicht laut genug unsere Stimmen erheben, „daß diesem Mangel abgeholfen werde. Wir erkennen neben anderen „körperlichen Uebungen(Schwimmen, Schlittschuhlaufen, Spielen im „Freien 2c.) in dem methodischen Mädchenturnen das wesentlichste „Mittel zur Abhülfe"“ u. s. w. Diese Worte sind heute noch ebenso anerkannt richtig wie vor 18 Jahren, und mangelhaft ist noch immer, was für die körperliche Entwickelung der Mädchen geschieht. Nicht zufällig ist es, daß in allen möglichen Blättern und Zeitschriften mehr oder minder berechtigte Klagen über geistige Ueberbürdung der Jugend in den Schulen laut werden. Daß da manche Uebertreibungen mitlaufen, ist klar; auf der anderen Seite ist aber nicht zu verkennen, daß in unseren Schulen die Körperpflege gegenüber der geistigen Arbeit, die vom Schüler verlangt wird, einer ganz anderen Rücksichtnahme bedarf als dies bisher geschieht. Mit einer oder höchstens zwei Turnstunden in der Woche gegenüber 30 Stunden auf der Schulbank ist da nicht viel geholfen. Man gebe unserer Jugend mehr Gelegenheit, Körper und Gemüth zu ergaicken, dann wird sie auch mit mehr Frische zur geistigen Arbeit zurückkehren. So sollte z. B. an keiner Schule eine gedeckte Halle fehlen, damit auch bei regnerischem Wetter die so nothwendige Bewegung in frischer Luft und gründliche Lüftung des Schulzimmers stattfinden kann. Dann sollten unsere Schüler häufiger hinausgeführt werden ins Freie, zur stärkenden Schülerfahrt. Sie sollen ferner auf Spielplätzen und Schulwiesen sich an Spielen im Freien erholen können. Unsere Jugend muß in der That erst wieder spielen lernen. Viele, namentlich Ballspiele, sind in völlige Vergessenheit gerathen. Wie anders ist es hierin mit der englischen Jugend bestellt, zu so großem Vortheil für ihre körperliche Entwickelung. Wahrlich besser wäre bei unserer heranwachsenden Jugend ein derartiger„Sport“, als das so früh erwachende Bedürfniß, in der miserablen Luft verborgener Winkelkneipen Massen von Bier zu schlingen, nervenvergiftende Rauchstudien zu machen. Hier find also für einen„Verein für Körperpflege“ in Verbindung und unter Mithülfe der Schule eine Reihe segensreicher Aufgaben zu lösen. Einer ganz andern körperlichen Fürsorge bedürfen ferner unsere Lehrlinge. Wer da weiß, welche Luft in unsern Handwerksstuben meist tagüber herrscht, welche einseitige und verkrümmende Körperhaltung manches Gewerbe erfordert oder doch begünstigt, wie aber andererseits gerade in den Lehrlingsjahren so oft der Keim zu der Krankheit gelegt wird, welche den Handwerkerstand in so hohem Grade trifft, nämlich der Schwindsucht— der wird ermessen können, welche Wohlthat für die Lehrlinge es sein wird, wenn ihnen Gelegenheit zu regelmäßigem Turnen in Lehrlingscursen, zu erfrischenden Fußmärschen an den Sonntagen, zur regelmäßigen Hautpflege in billigen Volksbädern gegeben werden kann. Da wir gerade an Bäder erinnert sind, fügen wir eine weiteres dringendes Bedürfniß bei, nämlich Volksfrauenbäder. Sehen wir nicht zu stolz auf unsere schönen Bade=Anstalten herab und glauben nach der Hinsicht unsere Stadt glänzend versorgt. Wir haben für die männliche Bevölkerung eine städtische Bade=Anstalt im Sommer, in der Jeder unentgeltlich baden kann, aber für Frauen der ärmeren Volksklassen fehlt jede entsprechende Einrichtung. Wir haben im Obigen nur einige der Aufgaben angedeutet, deren Anregung, Besprechung und, so weit es möglich, sofortige praktische Verwirklichung sich der zu bildende Verein zu widmen hätte. Hoffen wir auf freudige Betheiligung und Mitwirkung in allen Kreisen der Bürgerschaft! Handelt es sich doch um eine Sache, die fernab vom politischen Parteihader nur dem allgemeinen Besten, dem Wohle Aller dienen soll. Vermischtes. Wien, 6. Mai. Die gestrige Verhandlung im RingtheaterProzeß gestaltete sich äußerst lebhaft und spannend. Gleich zu Beginn stellte der Vertheidiger Jauner's, Dr. Singer, eine ganze Reihe von Anträgen: 1. auf Vernehmung neuer Zeugen, welche bestätigen sollen, daß Noetel am 8. December die Regie gehabt, 2. auf Vernehmung Franz SteiDirectors des Theaters an der Wien, und Hugo Benedix, OberPesisseurs des Karltheaters, welche auslagen wärden, daß vor dem 8. "####er in gar keinem Wiener Theater Sicherheitsvorkehrungen bestanden, „,uul vorladung der Theater=Sachverständigen Heinrich Laube und Anton ascher, welche über den Pflichtenkreis eines Theater=Directors aussagen sollen. Der Staatsanwalt trat allen diesen Anträgen, die überflüssig seien, entgegen.— Von nachhaltigstem Eindrucke war hierauf die Vernehmung des Teugen, Loseph Helmesberger, Director des biesigen Conservatoriums. Ei beschwort, zu Landsteiner gesagt zu haben:„Es sind noch Leute im Theater, schaffen Sie Rettung.“ Landsteiner erwiderte:„Berubigen Sie bird Alles gerettet. Die Wirkung der Zeugenaussage war für den Keiner eine niederschmetternoe. Vergebens erklärte derselbe, von rath ihe#esnung nichts zu wissen. Helmesberger erklärte:„Herr PolizeiEin Versuch: Die seit zwanzig Jahren, ich könnte Sie nicht verkennen.“ erkennen. daser Vertheidigung, Helmesberger möchte die Möglichkeit anzurückzemies, eine Verwechslung vorliege, wurde von diesem mit Ironie im Regi#ni Helmesberger Sohn, Kapellmeister, bestätigte, Landsteiner wvul gesehen zu haben, da der Sohn desselben sein Duzbruder sei. haben zu meinem Sohne vor wenigen Tagen gesagt, daß 335 Begegnung Ihres Vaters mit mir unwahr sei.“ Präsident: # peuge hat einen Eid abgelegt, ist daher unbedenklich. Ich finde es hochn sonderbar, daß man solche Sachen hier erzählt. Lundsteiner:„Mein Bonner Zeitung vom 9. Mai 1882. Sohn ist Oberlieutenant und lügt nicht.“ Helmesberger junior sagte, er habe gemeint, er bedauere, daß ihre Väter nach 35jähriger Bekanntschaft nunmehr entzweit seien durch diesen Prozeß. Bei dem Brande habe Alles den Kopf verloren. Rosa Helmesberger, Gattin des Kapellmeisters, eine Tochter des Schauspielers Anschütz, bestätigte ebenfalls, Landsteiner im Vestibul gesprochen zu haben. Polizeirath Breitenfeld und Gattin sagen aus, Landsteiner sei erst um 7 Uhr von ihnen weggegangen. Breitenfeld's Dienstmädchen Anna Kreuter bestätigte dasselbe und sagte, sie habe schon auf der Straße gebört, daß das Ringtheater brenne, sie sei dann hinaufgegangen und habe Landsteiner den Ueberrock anziehen geholfen. Landsteiner sagte: Ich fahre ins Ringtheater. Staatsanwalt:„Sie sagten ihm nicht, daß das Theater brennt?“(Heiterkeit.) Sehr wichtig ist die Aussage des Journalisten Frischauer, Landsteiner habe dem Erzherzog Albrecht die Meldung gebracht:„Alles ist gerettet. Inspector Neswadba meldete Landsteiner leise:„25 Todte". Dieser flüsterte ihm zu:„Sagens nix". ** Wien, 6. Mai. Zum Schlusse der heutigen Verbandlungen im Ringtheaterprozeß ergab sich noch ein interessantes Moment, welches allgemeine Entrüstung hervorrief. Ein Vertheidiger brachte vor, daß in dem Zeugenzimmer heute erzählt wurde, einzelne bei dem Leichentransvort beschäftigte Privatpersonen hätten den Leichen Schmuckgegenstände abgenommen. Ein Zeuge erzählt, ein Wachmann habe ihm selbst gesagt, daß er einer todten Frau ein Anhängsel vom Halse nahm „als Andenken" *.* Der schönste Schuß— so wird aus München geschrieben— der beim siebenten deutschen Bundesschießen abgegeben worden ist, dürfte der .... Ueberschuß sein, mit welchem das Comité soeben abgeschlossen hat. Es ist in der seltenen und glücklichen Lage, über ein baares Plus von 18.000 Mark zu verfügen, von dem, einstimmigem Beschlusse zufolge, 2000 Mark an Wohlthätigkeitsvereine überwiesen, 5000 Mark als Stiftungskapital für einen Schützenpreis beim Königsschießen benützt und die restlichen 11,000 Mark als Grundstein zum Bau eines der Stadt würdigen Künstlerhauses reservirt werden. Man glaubt, durch letztere Gabe den Münchener Künstlern, welche eigentlich den wesentlichsten Theil zum glanzvollen Gelingen beitrugen, einen gerechten Dank abzustatten. Als Curiosum sei aus der den Consum an Speise und Trank aufweisenden Liste nur noch erwähnt, daß während der achttägigen Festesdauer auf der Theresienwiese 730,000 Glas— sage und schreibe Siebenhundertdreißigtausend Glas Bier — getrunken wurden! *.* Aus Bayern wird der„Köln. Volkszig.“ geschrieben:„In Nürnberg hat die Gemeinde=Vertretung dem Fonds, welcher vor einigen Jahren zur Ausschmückung des Rathhauses mit Kunstwerken errichtet astaueg„dis Errihgnuiß der Vlacat=Siulen zugewiesen. Durch diese uw.isung sind neue Mittel disponibel geworden, und es ist Professor „eger beauftragt, für den Sitzungssaal des gathhauses ein neues Bild: Der Besuch des Kaisers Maximilian bei Albrecht Dürer= zu malen. Für das Stiegenhaus des Ratbhauses ist ein Bild in Auftrag gegeben, welches die Uebertragung der Reichs=Kleinodien nach Nürnberg= darstellen soll.— In Albersweiler in der Pfalz feierte am 4. d. das Ebevaar Gehrhard den 76. Jahrestag ihrer Hochzeit. Der Mann ist 102 Jahre alt und die Frau zählt 98 Jahre; Beide sind noch gesund und ziemlich rüftig.“ ####* Einige seltsame Patente wurden in letzter Zeit bei dem Patent=Office in Washington nachgesucht. Eine Lady verlangte ein Patent auf eine Nadel zum Haarkräuseln, die zugleich als Papierscheere, Kleiderträger, Bouquethalter, als Shawluadel und als Merkzeichen für Bücher gebraucht werden konnte. Ein Anderer bat um ein Patent für einen„Pferde=Erfrischer". Dieser sollte aus einem hohlen, mit kleinen Löchern versehenen Pferdezaum bestehen, der durch ein biegsames Rohr in Verbindung mit einem Wasserreservoir im Wagen steht, so daß der Kutscher das Pferd trinken lassen könne, ohne anzuhalten. Ein Dritter wollte ein Gewicht für Kubschwänze patentirt haben, das Milchkübe verhindern sollte, während des Melkens mit ihrem Appendir um sich zu schlagen. 3. Mai. Die„Kulmbacher Zeitung" schreibr unter'm 1. d. Mts.:„Daß es in der Bernecker Districtskasse spukte, deren Verwalter der kürzlich aus dem Landtage ausgetretene Abgeordsrete Bürgermeister Neuper von Berneck war, wurde uns schon vor längrer Zeit von befreundeter Seite mitgetheilt, wir zweifelten aber immer noch an der Richtigkeit; jetzt trifft aber die Nachricht ein, daß sich Neuver heute früh gegen 8 Uhr in seiner Wohnung erschossen habe. Man spricht von einem Deficit von—10,000.“ ** Winkelconsulenten gibt es nach der soeben dem Entwurf über Abänderung der Gewerbeordnung beigegebenen Uebersicht im Gebiete der preußischen Staates 6594. Am Schlimmsten ist in der Beziebung die Provinz Posen daran, wo bereits auf 1813 Personen ein Winkelconsulent kommt. ** Abermals ist in Straßburg, wie der„Köln. Bolksztg.“ von dort geschrieben wird, ein Selbstmord eines Schülers zu verzeichnen. Ein Ober=Secundaner des dortigen Lyceums, der Sohn einer geachteten deutschen Beamtenfamilie, war in der Klasse bei einem Täuschungsversuch ertappt worden und sollte dieserhalb von Conferenz wegen bestraft werden. Aus Verzweiflung über die ihm drohende Strafe tödtete er sich am 4. d. im elterlichen Hause durch einen Schuß in's Herz. Es ist dies der dritte an den hiesigen höheren Schulen innerhalb weniger Jahre. Weiße Maulwürfe. Aus Schlesien, 25. April, wird geschrieben: Weiße Raben und weiße Sperlinge sind nach dem Sprüchworte selten, noch seltener aber dürften weiße Maulwürfe sein. Dieser Tage ist aber ein solcher unterirdischer Wühler in Voigtsdorf bei Hirschberg mit völlig weißem Fell aufgefunden worden. - Nachrichten. ∆ Bonn, 9. Mai. Gestern Morgen 10 Uhr 34 Min. fuhr die Frau Großherzogin von Baden, von Baden=Baden kommend, hier durch, um sich zur Begrüßung der Königin von Schweden nach Köln zu begeben. Die Königin von Schweden kam Nachmittags in Köln an, wo beide hohe Herrschaften das Absteigequartier im Hotel du Nord nahmen. ** Bonn, 9. Mai. Die bisherigen Bemübungen des provisorischen Comités für einen Theater=Neubau in unserer Stadt haben ein durchaus erfreuliches Resultat gehabt. Die Sammler der Zeichnungen auf eine 3procentige städtische Theateranleibe, die bisher keineswegs ihren Rundgang vollenden konnten, sind dem bereitwilligsten Entgegenkommen in den besitzenden und gebildeten Kreisen unserer Bevölkerung begegnet, und so weist die Zeichnungs=Liste bereits die respectable Summe von 175,000 M. auf. Ein von einem großen Financier in Aussicht gestellter Posten von 50,000 M. ist dabei nicht verrechnet. * Boun, 9. Mai. Mit Bezug auf das in unserer Nummer vom 6. d. Mis. gemeldete Erdbeben, welches in der Nacht vom 5. auf den 6. Mai hierselbst bemerkt worden, find uns unterdessen von glaubwürdigen Bewohnern der Hundsgasse, Josephstraße, Gudenauergasse und der Acherstraße Mittheilungen geworden, welche das Stattfinden des Erdbebens zu der angegebenen Zeit, gegen 2 Uhr Nachts, bestätigen. O Bonn, 9. Mai. Ein an hiesiger Universität immatriculirter junger Mann aus Coblenz, welcher die Collegien recht wenig besuchte und die dadurch„gesparte" Zeit recht fleißig zum Kneipen verwandte, wurde vorgestern von seinem Vater, einem Regimentsschuster aus Coblenz, aufgesucht, welcher ihn behufs besserer Ueberwachung mit sich nach Coblenz zurücknehmen wollte. Zu seiner Unterstützung hatte der Bater ein paar Freunde mitgebracht. Als er seinen Sohn nach längerem Suchen in verschiedenen Restaurationen in einer derselben endlich entdeckte und ihm seine Absicht kundgab, ergriff dieser ein neben ihm liegendes Messer und versuchte, sich die Pulsadern zu durchschneiden, was ihm, Dank dem Dazwischenspringen der Freunde seines Vaters, nicht gelang. Die Berwandungen, welche er sich beigebracht, waren jedoch derartige, daß man schleunigst ärztliche Hülfe in Anspruch nehmen mußte. a Bonn, 9. Mai. Gegenwärtig ist man an der Landungsbrücke für die Schiffe der Niederländischen Dampfschifffahrt=Gesellschaft damit beschäftigt, ein großes, mit Jute beladenes Schiff zu entladen. Gestern Nachmittag nun fingen einige Ballen Jute, welche auf dem Werfte aufgestapelt lagen, plötzlich Feuer. Da Jute ein leicht brennbarer Stoff ist, lag die Gefahr eines größeren Verlustes nahe. Den mit dem Ausladen beschäftigten Arbeitern gelang es indessen noch, das schon hell auflodernde Feuer zu ersticken, ebe ein bedeutender Schaden entstanden war. Man vermutbet, daß unvernünftige Jungen, wie sich deren fortwährend am Rheinufer herumtreiben, die Anstifter des Feuers gewesen seien. ∆ Bonn, 9. Mai. Bekanntlich haben sich die Omnibusse der hiesigen Gasthöfe durch Eleganz und Solidität vor denjenigen anderer größerer Städte von jeher vortheilhaft ausgezeichnet. Neuerdings hat die ActienGesellschaft Grand Hôtel Royal einen neuen Omnibus in der Wagenfabrik von Israel in Mülheim a. Rh. erbauen lassen, der das bisber in dieser Art hier Gesehene an Größe und Gediegenheit übertrifft. Der Wagen hat im Innern für 24 Personen Raum. * Bonn, 9. Mai. Auf der Kaiserstraße war heute Morgen eine Kuh ermüdet niedergefallen und konnte auf keine Weise wieder auf die Beine gebracht werden. Nach anderthalbstündigen Bemübungen aller Art schaffte man einen Dienstmanns=Federwagen herbei, das Thier ließ sich gemüthlich auf denselben laden und wurde auf diese Weise nach seinen Bestimmungsort Kessenich befördert. □ Bonn, 9. Mai. In Poppelsdorf wurde vor einigen Tagen ein Mann in seiner Küche von einer Fliege gestochen. Da die Umzebung der kleinen Wunde sofort stark anschwoll, eilte der Mann auf guten Rath hin alsbald zur hiesigen Klinik, wo man ihm die Wunde ausschnitt und durch umfassende Maßregeln einer sonst wahrscheinlich eintretenden Blutvergiftung vorbeugte. * Bonn, 9. Mai. Das Eppmann'sche Panoptikon ist heute Mittag auf dem Münsterplatze bier eingetroffen. + Bonn, 9. Mai. Zum Schlusse der Schwurgerichtssession sitzt auf der Anklagebank der 31 Jahre alte Hausirer Wilhelm Sch., geboren zu Bonn und zuletzt wohnhaft in Hörde. Derselbe ist fiebenmal wegen Landstreicherei resp. Bettelei und dreimal wegen Diebstahls, Widerstandsleistung 2c. bestraft und angeklagt, am 20. December v. J. zu Drausdorf 1) dem Hausirer Franz Joseph Klinckenberg nach kurzem Wortwechsel mittelst eines Taschenmessers unter Anderem eine lebensgefährliche Bauchwunde beigebracht zu baben, in Folge deren am nächsten Tage des Klinckberg's Tod in hiesiger Klivik nach glücklich überstandener Operation erfolgt ist und 2) der Ebefrau Wilhelm Joseph Schmitz mittelst eines Messers vorsätzlich eine Körperverletzung beigebracht zu haben. Angeklagter ist der That im Allgemeinen geständig, will aber vom Verstorbenen dazu gereizt worden sein. Die Verhandlung wird voraussichtlich bis Abend dauern. Der Vorsitzende sprach den Geschworenen seinen Dank für ihr im Interesse des Staates und der Menschheit treues Aushalten und gewissenhaftes Beurtheilen der einzelnen vorgekommenen Fälle aus. Einen in gestriger Sitzung wegen unentschuldigten Ausbleibens zu 100 M. Geldstrafe verurtheilten Geschworenen verwies der Vorsitzende mit seiner Reclamation auf die Einreichung eines schriftlich begründeten Strafaufhebungs=Gesuchs an die Königliche Strafkammer. Meteorelogische Beobachtungen auf der Sternwarte zu Vonn. Mai 8. Maximum der Tagestemperatur 14.°9 C. Mai 9. Minimu der Tagestemperatm°4 1 Uhr Nachm. Barometer auf 0“ reducirt 763.7 Millimeter. Sss Temperatur.°7 C. Hobe des Niederschlages in 24 Stunden.9 Millimeter. Handel, Industrie und Verkehr. * Berlin, 8. Mai. Cours=Notirung. Preuß., ausländ. Fonds und Loose. 4% Reichsanleihe..... 4½2% Consols 4% Consols 3 1/2% Staats=Schuldscheine Trannschweiger 20- Thlr.=Loose Kurhessische 40- Thlr.=Loose Badische 35= Fl.=Loose 3½% Köln=Minden. Präm.=Anl. Oesterreichische Papier=Rente " Silber=Reute Gold=Rente " Lott.=Anl. 1884 Ungar. Goldrente 4% Russ. Nicola=Obligationen 5%" Bod.=Credit=Pfandbr. 5%„ Anleihe von 1871.. 5%„„„ 1877 101770 b 104,80 b# 102.00 B 99.00 kr. 99.40.B 309.75 51. 212.80 b 128,75 5. B 65.10 h. G 65.80 b. G 80.75 b 330,00 bi. G 102.20 K. B 76,10 bu S 82.40.O 86.10 bi. 89.10 B 71.30 br 15,90 b. B 121,00 C 126,75 b G Bank=Actien. Dv. 81 Amsterdamer Bank# Antwerp. Centralbank4 Barmer Baukverein Brüsseler Bank..4 Deutsche Bank.4 10½ 156 60 br „ Hyp.=B. 60% 5 88.50 G Darmstädter Bank4 10 163 90 hr. Darmstädter Zetteldank Köln. Wechsler=Bank4 Disc.=Comm.=Actien4 Luxemburger Bank Meininger Credit.4 Lor.=B. in Meintngense 4½ 91.50 B #nerr. Credit...4 10 11/16 587.50 br. Pr. Central=.=Cr.=.4 8¾ 122.40 br. Reichsbank.. 4½ 6½ 148.90 b# 6 Pr. Boden=Cr.=Act.=B. 4 6½ 111.90 hr. Schaaffh. Bankverein4 3½ 88.10 b. 6 ½ 125.30 kS — 106.50 b1 G 4½ 103.00 br. G 9 1144.25 G 5¼ 109 00 h. G 6 95.60 bz 11⅛ 215.00 k B 8½ 137.75 b1. S 2 92.60 G Industrie=Actien. Mechern. Bergw.=Ges. Bochumer Gußstahl Hörd. Bgw. u. Hüttenv. 4 Phönix 4 „ Lit. B. 4 Harkort, Brückend.=.4 S. Maschinensd. Chemm. 4 Dortmunder Union 4 Hivernin Harvener Bergbau.4 Köln. Bergwerksverein4 Köln= Müsener...4 Stolb. Zinkhütten " Stamm=Prior. 5 Krupp'sche Anleihe.. 5 Dr. 80 13 176.00 kr. 2½ 75.25 5 B 2 60.50 K. B 3 80,60 E 125.50 KG 28.00 G 81.00 kG 3 111.00 102.00 u 27.60 G 21.00 Staats=Eisenbahnen. Bergisch= Märkische.4 125.75 b Bertin= Stettiner.4¾ 118.20.8 Magdeburg= Halberstädter B. 3½— „„.5 12730 E Rheinische...... 6½ 163.25 " zu. v. 4 100,70 f S Rhein=Nahebahn....s4 1 13.60 B Eisenbahn- StammActien. B/. Dv. B0g. Amsterdam=Rotterdamst 7 1440 146.50 b# Berlin=Anhalter.4 6 151.70#S Ludwigshafen=Vexbachs4 9 205,80 u Mainz=Ludwigshafen.4 4 102.90#. 10½ 247,10 k 6 575,00 b 3½ 58.00 b. 7,34 132,00 k. 0 257,00 b 10 219.25 5 Oest.=Franz. Staatsb. 4 Rumänier.... 3½ Rufs. Staatsbahn., gar. 5 Südöst. Eisenbahn=Prioritäts=Obligationen. Bergisch=Märk. 3. Serie 31 28.60# „ R. 3½ 93.60 C „ C. 3½ 23.50 B „ 6. Serie„4½ 104,20 hr „ 7.„ 4½ 108.20 B „ 9.„ 5 106,00 E (Nordbahn) 4½ 108.25 Köln= Minden 2. Emission 4 100.50 C 100.60 B 100.50 S Rheinische. „ 3. Em. Elisaberh Westbahn 1873 gar. 5 Oesterreichische Franz., alte 3 " Sos Sngsuehs 361.10 0 nigationen 5 105,75 1B 4 100.40 B 58 u. 604½ 103.00 S. „„„ 62 u. 64/4½ 103.00 E „„„ 1885 4½ 103.00 C „ con. Obl. 69, 71, 73 4½ 105.25 B Rhein=Nahe vom Staate gar. 4½ 108.70##. Südöst. Bahn(Lomb.) alte„3 286.90 k 6 „„„ neue„S 287,90 „ 5% Odligationen„5 100.20## Mosco=Riäsan 5 100,70 E Central= Paciste....16 113.70 L. Wechsel= Cours. Anstechen....5 Sars London.... 3 Monat Belgische Bankplätze. 8 Tage Wien österr. Währung 8„ Sachm seant Sovereigns 20.37 C 10- Francs= Stücke 16,235# Dollars.22 G Zinsfus der Reichtdank für Wechsel 4, für Lombard 5 Brocent. * Berlin, 8. Mai. Die bentige Börse eröffnete und verlief im Wesentlichen in fester Haltung; aber das Geschäft entwickelte sich im Allgemeinen ruhig, nur für inländische Eisenbabnactien zeigte sich theilweise größeres Interesse. Die Course konnten sich auf speculativem Gebiet zumeist gut behaupten und theilweise etwas bessern.— In dieser Beziehung wirkten auch die günstigen Meldungen, welche von den fremden Börsenplätzen vorlagen, ein. * Berlin, 5. Mai. Das mit großer Bestimmtheit auftretende Gerücht, wonach der Wiederbeginn der Convertirung der Ungarischen Goldrente bereits für die nächste Woche in Aussicht stehen soll, wird an maßgebender Stelle unter Hinweis auf den augenblicklichen Coursstand der vierprozentigen Unzarischen Goldrente jedenfalls als verfrüht bezeichnet. Der Wiederaufnahme dieser großen Operation müßte doch mindestens eine namhafte Steigerung des Courses vorbergehen. * Frankfurt, 4. Mai. Wie die„Eisenzeitung“ in ihrer letzten Nummer meldet, soll Pfingsten hier eine Versammlung des Vereins von Geldschrank=Fabrikanten stattfinden. Der Zweck des betreffenden Vereine ist, das Publikum auf das vielfach bewährte Ade=System aufmerksam zu machen. Mitglied des Vereins und Mitinhaber des Patents Ade's ist Herr Löffler hier. * Plymouth, 8. Mai. Der Hamburger Postdampfer„Gellert“ ist hier eingetroffen. * Köln, 8. Mai.(Amtliche Notirungen der vereideten Produktenmäkler.) Weizen behauptet, eff. biesiger 23,00—24,00., fremder 23,00—24.00 .; per Mai 22.25 bz., 22.30., 22.25.; per Juli 21,75., 21,70.; per Nov. 20,75., 20,70 G. Roggen per Juli und Nov. höher, eff. hiesiger 16,00—20.00., fremder 16,00—20,00.; per Mai 15.60, 55 bz., 15,65., 15,55.; per Juli 14,90 bz., 14,95., 14,90.; per Nov. 14,85, 90 bz., 14,95., 14,90 G. Gekündigt 1250 Sack. Hafer, eff. diesiger 15,50—16,50., fremder 15,50—16,50 B. Rüböl fester, eff. in Partien 30.50.; per Mai 29,90 bz., 30,00., 29.90.; per Oct. 29.00., 28,90 G. Landmarkt. Zufuhr schwach. Preise und Stimmung unverändert. * Fruchtpreise zu Neuß am 9. Mai. Weizen 4 100 Kilo DII. Bf. 22. vl. 1. Qual. 24— Hafer, alter p. 100 Kilo—— 22— Hafer, neuer„.Qu. 15 50 Hafer,„„ 2.„ 14— Rübsen(Aveel)„ 26 50 1. Qu. 28— 2. 3.„ Landroggen 1.„ à 100 Kilo 2.„ Gerste Winter= à 100 Kilos SommerBuchweizen à 100 Kilo 1. Qu.—— Buchweizen à 100 Kilo 2. Qu.—— 19 50 18 50 — Rape 2. Kartoffeln Heu à 50 Kilo. Strob v. Schock 4 600 Kilo 38 Land- und Hauswirthschaft. 2 In den nächsten sonnigen Tagen werden sich die ersten Kohlweißlinge zeigen, auf welche Jagd zu machen wir allen Gartenbesitzern in ihrem eigenen Interesse empfehlen. Diese nicht sehr zahlreich auftretenden Schmetterlinge können zwar noch nicht vielen Schaden anrichten, auch werden die Raupen, welche aus ihren Eiern entstehen, noch keine Landplage werden, wohl aber sind es diese, welche, zu Schmetterlingen geworden, im Spätsommer ihre Eter unter die Kohlblätter heften. Aus diesen kriechen dann in wenigen Tagen die häßlichen grüngelben Kohlraupen, die durch ihre Gefräßigkeit unendlich viel Pflanzen vertilgen und, was sie nicht auffressen, ekelerregend beschmutzen. In einzelnen Jahren treten die Raupen sogar so massenhaft auf, daß sie ganze Ernten vertilgen und daß alle Maßregeln gegen dieselben wenig nützen. Einen tüchtigen Eingriff gegen die Vermehrung dieses schädlichen Kerbthieres kann man aber dadurch erreichen, daß man die in diesem„wunderschönen Monat Mai“ herumvagirenden Koblweißlinge tödtet und zwar sofort, wenn sie sich sehen lassen. Verhindert man ein Weibchen, Eier zu legen, indem man es vorher tödtet. so hat man durchschnittlich 200 Raupen vernichtet, aus welchen vielleicht 100 weibliche Schmetterlinge entsteben, von denen jeder wieder 200 Raupen das Leben gibt. Jeder Mai=Kohlweißling gibt also 20.000 August=Kobl= raupen. Deshalb flott an die Vernichtung jener! Wer aber in unausrottbarer Verblendung glauben sollte, im Herbst werde der Spatz aus Dankbarkeit für zärtliche Pflege und als Entschädigung für ruinirte Erbsen, abgepickte Obstknospen u. s. w. die Feinde des Kohls schon umbringen, der bedenke doch, mahnt die„.= u. Bl.=Ztg.“, daß dann gerade Herr Spatz mit der Verwüstung der Getreidefelder überanstrengt ist. Seite 528 Bonner Zeitung vom 9. Mai 1882. Nr. 127 Bekanntmachung. Nachstehende Bestimmungen aus dem Straßen=Polizei=Reglement für die Stadt Bonn vom 1. Mai 1881, nämlich: § 26. „Marquisen vor Thüren und Fenstern des Erdgeschosses „dürfen nicht über den Bürgersteig hinaus in die Straße „reichen und mit keinem Theile ihrer Unterkante in gerin„gerer Höhe als 2,5 Meter über dem Bürgersteige liegen.“ werden hierdurch zur Beachtung mit dem Bemerken in Erinnerung gebracht, daß die Polizei=Officianten angewiesen sind, die Befolgung jener Vorschriften genau zu überwachen und Uebertretungen derselben zur Bestrafung anzuzeigen. Bonn, den 8. Mai 1882. Der Polizei=Inspector, Polizei=Rath Bornheim. Freiwilliger Immbbitien=Vertäuf. Donnerstag den 1. Juni dieses Jahres, Nachmittags 3 Uhr, läßt Herr Job. Olzem bei Gastwirth Jos. Willms, Meckenheimerstraße, hierselbst, folgende Immobilien, nämlich: 6 Baustellen Vornheimerstraße Privatweg, 2 do. Bornheimerstraße, das Wohnhaus Vornheimerstraße Nr. 32 und das Eckhaus mit Ladenlokal Vornheimerstraße Nr. 34 durch den Unterzeichneten öffentlich meistbietend unter günstigen ZahlungsBedingungen verkaufen. NB. Auch kann das Ganze oder Einzelnes vor dem Termin angekauft werden. Eiler, Notar. Bekanntmachung. Mittwoch den 17. Mai d.., von 9 Uhr Vormittags ab, sollen hierselbst ungefähr 80 bis 90 Gestütpferde, bestehend aus Mutter=Stuten, vierjährigen Hengsten, Walachen und Stuten und jüngeren Fohlen, meistbietend gegen Baarzahlung verkauft werden. Sämmtliche vierjährigen und älteren Pferde sind mehr oder weniger geritten. Die zu verkaufenden Pferde werden am 15. und 16. Mai von 7 bis 10 Uhr Morgens geritten und von 4 bis 6 Uhr Nachmittags auf Wunsch an der Hand gezeigt. Listen über die zum Verkauf kommenden Pferde werden Anfangs Mai zum Versandt 2c. fertig gestellt sein und auf Wunsch zugeschickt werden. Für Personen=Beförderung zu den bezüglichen Zügen vom und zum Bahnhof Trakehnen wird am 15., 16. und 17. Mai gesorgt sein. Trakehnen, den 24. Februar 1882. Der Landstallmeister,(gz.) von Dassel. Englische, schweizer und sächsische Gardinen, neueste Muster, in grösster Auswahl zu sehr billigen Preisen vorräthig.— Auf eine Partie Gardinen-Reste, für—6 Fenster reichend, machen wir ihrer Preiswürdigkeit wegen besonders aufmerksam. Manilla-Stoffe in den geschmackvollsten Dessins, sowie alle anderen Möbel-Stoffe in grosser Auswahl. Gebrader Bavid. □F. W. z. e. K. M. 10,/V. 6.: R. III. B. M. Aerztliche Sprechstunden: 10—12 Vormittags. Dr. Wolff, praktischer Arzt, Kaiserplatz 4, erste Etage. An English Lady wishes to give English lessons, theoretically and conversationallv. Adr. P. C. L. offlce of this paper. Eine engl. Dame erth. Unterricht in der engl. Gramm., Lit. und Conv. Off. sub.A. an die Exped. d. Bl. Niederländische STII Dampfschiff-Rhederei. Tägliche Fahrten vom 8. Mai 1882 an zwischen Rotterdam, Köln, Bonn, Mannheim und allen Zwischenstationen. Von Rotterdam Morgens 7 Uhr. Von Mannheim. Nachm. 2½ Uhr. Morgens 6„ Vorm. 11„ Nachm. Suomission. Die Zubereitung und Lieferung der Speisen und Getränke für die Kranken 2c. der neuen klinischen UniversitätsAnstalten hierselbst soll vom 1. Juni c. an in Entreprise vergeben werden. Leistungs= und lieferungsfähige Köchinnen wollen ihre Offerten bis zu dem auf Freitag den 12. d. Mts., Morgens 10 Uhr, festgesetzten Eröffnungstermin im Verwaltungs=Bureau der genannten Anstalten abgeben, auch die Bedingungen näher eingesehen oder gegen Erstattung der Selbstkosten empfangen werden können.— Die Auswahl unter den Mindestfordernden wird vorbehalten. Bonn, den 5. Mai 1882. Die Verwaltung der neuen klinischen Universitäts-Anstalten. Emmerich„ 2„ " Köln.. Abends 10½„ " BonnMorgens 1½„ „ Coblenz„ 7¾„ " Mainz„ 3„ In Mannheim„ 8½„ Mainz Coblenz Bonn Köln Aymegen 6½ " Nymegen Morgens 9 In Kotterdam Nachm. 3½ Directe Billete nach London zu den billigsten Preisen für die Schiffe der Niederländischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft werden auf Strecke Mainz-Bonn-Köln- Emmerich Donnerstag, Freitag und Sonntag ausgegeben. An die jeden Samstag von Rotterdam- Amsterdam nach NewYork fahrenden Postdampfer I. Klasse der Niederländisch- Amerikanischen Dampfschifffahrts- Gesellschaft haben die Schiffe der Rhederei directen Anschluss für Passagiere und Güter. Rotterdam, 8. Mai 1882. Die Direction. Commission. W. Sturm& Sohn. Spedition. Lelauutmachung. Der von mir unter'm 13. Januar c. gegen den Maurer Jobann Kobl aus Mülheim a. d. Ruhr erlassene Steckbrief wird hiermit als erledigt zurückgezogen. Bonn, den 4. Mai 1882. Der Erste Staatsanwalt. Belanntmachung. Der unter'm 5. August 1881 gegen Ehefrau Stephan Herres, Anna geborne Recht, Näherin aus Bonn, erlassene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen. Bonn, den 8. Mai 1882. Königl. Amtsgericht III. Statz, Amtsgerichtsrath. Bekanntmachung. Die Hebeliste der Gemeinde=Einkommensteuer, Servisbeiträge und Zuschläge zur Grund= und Gebäudesteuer für das Etatsjahr vom 1. April d. J. bis ult. März 1883 liegt vom 4. bis einschließlich den 17. d. M. auf dem Rathhause, Zimmer Nr. 18, zur Einsicht der Betheiligten offen. Bonn, den 2. Mai 1882. Der Oberbürgermeister. J..: Eiter. Bekanntmachung. Nlur echt mit dieser Schutzmarke. ee en Malz Extract u. Caramellen“) v. L. H. Pietscha Co., Breslau. Caramellen.— Ich war so heiser, daß ich kaum sprechen konnte, bin aber nach Gebrauch von zwei Paketen(Huste=Nicht) Malz=Extract=Earamellen von L. H. Pietsch& Co. wieder vollständig hergestellt, was ich hierdurch gern bekannt gebe. Breslau, Alexanderstraße 8. Otto Schmeidel, Kaufmann. *) Extract à Flasche Mk..00, .75 und.50. Caramellen à Beutel 30 und 50 Pfg.— Zu haben in Vonn bei Emil Meyer, in Wipperfürth bei W. Beckmann. Agentur der Niederländ. Dampfschiff-Rhederei in Rotterdam. Beförderung von Gütern nach allen Stationen des Rheines, nach allen Plätzen der Mosel, des Main, des Neckar, SüdDeutschland, sowie des In- und Auslandes, zu den billigsten Frachten und Uebernahmen. Bonn, 8. Mai 1882. „OTTO'S neuer Motor“ („Patent“*) Prämürtm..höchst. Auszeichnung., u. A. „Goldene Staats-Medaille“. Düsseldorf 1880. Goldene Medaille Paris 1881. Billigste und beguenste Betriebskraft, ou ½, 1, 2, 4, 6, 8, 10, 12, 16, 20, 25, 30, 40, 50 und mehr Pferdekraft, gegenwärtig in vielen Tausend Exemplaren in Anwendung.— Vollständig geräuschloser Gang. Seeche eeriüiher gchghriher Perich.— Gerucher Gotepton.— dein „##.— Keine beständige Wartung.— Keine Belästigung durch ausstrahlende sarme.— Jederzeit ohne Vorbereitung betriebsfähig.— Keine behördliche Concession. — Aufstellung in Etagen zulässig. Gasmotoren-Fobrik Deutz in Deutz bei Cöln. ieneral-Agent für die Rheinprovins Franz Rings, Kölnl, burgerstr. 18. Prospete, Ausstellungspläne und bezügt teanischer Ratt gratis.. Das neu angefertigte Flurbuch der silberbsech: Wandspiegel.w F. Bemeinde Alfter und die dazu ge an.nospieger=Riestecteure, Genee—e n e gehörigen Karten liegen von heute ab während sechs Wochen offen und zwar bis zum 13. d. M. in der Kaiserhalle zu Alfter beim Wirtbe Weber und können daselbst, sowie vom 13. d. ab im Geschäftslokale des Herrn Kataster=Controleurs Simon zu Godesberg an drei Tagen in der Woche, nämlich Dinstag, Donnerstag und Samstag, in den Stunden von 9 Uhr Vormittags bis 5 Uhr Nachmittags, von allen Betheiligten eingesehen werden. An den bezeichneten Wochentagen ist auch das neue Flurbuch der Gemeinde Rüngsdorf mit den dazu gehörigen Karten bei dem Herrn Kataster=Controleur Simon zu Godesberg während eines sechswöchentlichen Zeitraumes von heute ab, zur Einsichtnahme offen gelegt. Bonn, den 8. Mai 1882. Der Ober=Bürgermeister. J..: Der Beigeordnete, Eller. Vacante Lehrerstelle. Die Lehrerstelle an der einklassigen katholischen Elementarschule zu Buschdorf ist vacant und soll baldigst wieder besetzt werden. Das mit derselben verbundene Gehalt beträgt außer freier Wohnung im Schulhause, Garten und den übrigen gewöhnlichen Competenzen 1050 Mark. Qualificirte Bewerber wollen sich binnen vierzehn Tagen unter Vorlegung ihrer Zeugnisse bei dem Herrn Kreis=Schulinspector Reinckens zu Bonn und dem Unterzeichneten persönlich melden. Alfter, den 8. Mai 1882. Der Bürgermeister und Lokal=Schulinspector, Eine gutsingende Schwarzamsel, ein gebr. Reservoir u. dito Badewanne zu verkaufen. Näh. in der Exped. d. Bl. Tulernen, als: Straßen= Garten=, Flur=, Stall=, Hand=, Feuerwehr=, Conducteur=, Schaffner=, Signal=, Bau=, Kegelbahn=, Sturm=, Geschirr=, Markt=, Schaufenster= und TransparentLaternen zu Gas, Petroleum und Oel; aus Eisen, Messing oder NeuFlaschenbier 22 Flaschen à ½ oder 15 Fl. à 3/4 Liter 3 Mark, Feinstes Bockbier 17 Flaschen à ½ oder 12 Fl. à 3/4 Liter 3 Mark, exel. Glas frei an's Haus, empfiehlt Otto Kaupe, Bayerische Brauerei. Trierische Prämien= Lotterie. Die Hauptgewinne besteben in Gold= oder Silberbarren à 25000, 15000, 10000 Mark und sind dem baaren Geldwerthe nahezu gleich zu rechnen. Außerdem figuriren als Hauptgewinne: Brillantschmuck, eine feinst garnirte Tafel für 18 Personen, vollständige Einrichtungen in Leinen, Saloneinrichtungen, feine Pianino's, große Collectionen feinster Moselund Saarweine im Betrage von 5000, 4000, 3000, 2000 Mark. Die kleineren Gewinne sind gediegene und brauchbare Gegenstände und sind Bagatellsachen, wie solche bei anderen Lotterien den Unmuth der Gewinner erregt haben, völlig ausgeschlossen. Der Gesammtbetrag der Gewinne berechnet sich auf 157,500 Mark. Gegen den geringen Einsatz von 2 Mark hat man demnach Aussicht, in unserer reichst dotirten Verloosung Gewinne von hohem Kapitalwerthe zu erlangen. Loose verlange man bei den Lokalagenten in den Städten, oder bei dem Generalagenten Herrn D. Löwenwarter in Köln, oder bei der Verwaltung der Prämien=Lotterie in Trier. Bei größerem Loosebezuge wird der übliche Rabatt gewährt. Das Resultat der Ziehung wird durch die Zeitungen und die ausgiebigste Versendung von Gewinnlisten bekannt gemacht. Zur Erbebung der Gewinne ist eine viermonatliche Frist gestattet. Die Ausstellung der Gewinne ist in dem hiesigen Gräflich von Kesselstatt'schen Palais veranstaltet. Die Ziebung erfolgt im städtischen Großen Kaufbaussaale. Zur Ausstellung und zum Ziehungsacte haben nur Solche Zutritt, welche beim Eingange ein Loos präsentiren. Der auf den 27. April er. angesetzt gewesene Termin der Ziehung mußte, um die Verloosung planmäßig durchführen zu können, noch auf kurze Zeit verschoben werden. Tag und Stunde der Ziehung wird demnächst definitiv publicirt. Der Vorstand. Köchinnen, Küchen= und Zweitm., sowie Mädchen für häusl. Arbeit ges. d. Fran Wedemever, Belderbers18. Ein tüchtiges Zweitmädchen, welches sofort eintreten kann, gesucht Markt Nro. 35. Das mit der Agentur der Kölnischen Zeitung für Bonn und Umgegend verbund. Insertions-Comptoir Gust. Cohen, 11 Markt, besorgt Inserate für alle Zeitungen und Zeitschr. aufs schnellste u. pünktlichste. Enr.(umkarhein.) Vom 15. October ab: Von Bonn nach Köln 4“ 6, 2610, 720, 84, 10“ Morgens; 12“5, 1%"5 Nachmittags; 628, 7%, *, 915 Abends. Von Bonn nach Mainz u. weiter 1233 früh:“, 81, 9 41, 1010 Mergens; 1240 Mittags; 31½ nach Remagen;“, 5“ Nachmitt.; nach Coblenz 68 und 9° Abd#. Von Bonn nach Ahrweiler“, 101%, 354, 9e. Von Bonn nach Niedermendig und Mayen“, 8½, 10“, 1240 Von Bonn nach Euskirchen 82, 2%(an Wochentagen), 315 (nur Sonn- und Feiertags), 9“ Von Bonn nach rechtem Ufer 656, 842, 104% 12“, 329, 7, 920. Vom rechten Ufer in Bonn 7½, 10%, 12%, 22, 42 82, 10% Ab Bonn weiter nach Köln%% 84, 10“,%, 425, 62, 82. Von Beuel rheinabwärts 68, 10“ 11%,“, 85.(825 u. 11“ Morg. u 6 Nachm. nur bis Siegburg.) Von Beuel rheinaufwärts“, 11“, 1284, 712, 943 Abends. * Fährt an Sonn- u. Festtagen nicht. 1 Extrazug an Sonn- u. Festtagen. gen=Laternen auf Federn ruhend zu Petroleum(D..=P. Nr. 16317), sowie Laternen=Arme aus der Fabrik von H. A. Steiner zu Berlin stehen zu Fabrikpreisen bei Unterzeichnetem auf Lager. Illustrirte Preiscourante gratis. Allein=Verkauf für Süddeutschland, Rheinland und Westfalen. Poppelsdorf b. Bonn, Wielstr. 1. Ferd. Fest. Besen= und Bürstenwaaren, Kehrbesen, Schrubber, 8 Abseifbürsten 2c., Fuß= und Tischmatten, 8 Fensterleder und Schwamme, 88 Möbelklopfer u. Federbesen, 8 Aufnehmer, Spültücher, Holzwaaren, als: Eimer, Bütten, Butterschüssel, alle Sorten Löffel in Ahorn und Buchen, Waschklammern 2c., empfieblt zu den billigsten Preisen W. A. Rucker, A. Schuhmacher Nachf., 1 Bonngasse 1. Pilsener Bier (aus dem Bürgerlichen Bräuhause in Pilsen) liefert in Fässern und Flaschen billigst frei an's Haus Sternthorbr. Ein Scuhmachermeister empf. sich in Reparaturen schnell, billig und gut, Brücke 8, Eingang Acherstraße. Ein Kanarienvogel, gut. Schläger, wird zukaufen gesucht, Wilhelmstr. 11. 1 Probekiste mit 12 ganzen Flaschen in 12 ausgewählten Sorten von Cephalonia, Corinth, Patras und Santorin versendet— Flaschen u. Kisten frei— zu I. F. MENZER, 19 Mark Ritter des Königl. Gr. Erlöserordens. Die Aufnahme jeder Art von Behörden und Privaten in sämmtliche existirende Zeitungen, Kreis- und Wochenblätter, illustrirte Journale, Fachzeitmzeigen Sriften, Kalender, Coursbücher u. a. Publications-Organe vermitteln sicher, billig u. discret HAASENSTEIN& VUGLER, älteste Annoncen-Expedition in Köln am Rhein. Weißhaus=Loose. Die drei ersten Haupt=Gewinne: Gold= und Silberbarren im Werthe von 25,000, 15,000, 10,000 Mark, gleich baar Geld, zwei Collectionen feinster Weine von 1000 und 500 Flaschen, Salon=Einrichtung, Leinwand= Ausstattung 2c. 2c. 2c. Im Ganzen über 2000 Gewinne. Ziebung in kürzester Zeit. Loose à 2 Mark bei P. Piske, Münsterplatz Nro. 21. Rhein-Dampfschifffahrt Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft. Abfahrten von BONN vom 1. Mai. für den Personen- und Güter-Verkehr. Zu Berg: Morg. 8¼ Uhr(Schnellfahrt) nach Mainz; Morgens 9¼ Uhr nach Mannheim mit Uebernachtung in St. Goar; Mittags 12¼ und Nachm. 3¼ Uhr nach Coblenz; Abds. 12¼ Uhr nach Mannheim. Zu Thal: Morgens 9, Nachm. 3¼ und 4¼ Uhr(Schnellfahrt) nach Köln; Mittags 12½ Uhr nach Köln, Mülheim und Düsseldorf; Nachmittags 5¼ Uhr nach Köln, Mülheim, Düsseldorf, Arnheim, Rotterdam und London via Harwich. Comptoir=Lehrling mit tüchtigen Schulkenntnissen für ein größeres kaufmännisches Geschäft gesucht. Offerten sub J. 95. besorgt die Expedition d. Bl. Halte mich stets empfohlen im Besorgen von ganz tüchtigem DienstPersonal sämmtlicher Branchen. Bureau Michels, Neugasse 41. = ETS. Die Bonner Eis= und Mineralwasser=Fabrik an der Baumschule empfiehlt ihr chemisch reines Crystalleis, sowie ihre Mineral= und medieinischen Wässer zur gefl. Abnahme resp. zum Abonnement auf tägliche Lieferung von Eis in's Haus. Ein wohlassortirtes Lager von Eisschränken zu Kauf oder Mietbe wird ebenfalls bestens empfohlen. Rich. Flume, Apotheker. Eier! Eier! Eier! Westerwälder Grasbutter per K M..20, * Cier. Eler: frische Stangenbutter M..20, Süßrahm= Butter in Staniol M..40, Schweizer, holländ. u. 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Ein Mädchen sucht wegen Verzieheus der Herrsch. Stelle als Zweitmädchen. Coblenzerstraße 152. Die Schnellfahrten werden durch die Salonboote„Humboldt“ und „Friede“ ausgeführt. Täglich directe Güter-Verladung von und nach der Mosel.— Täglich Güterverladung nach Köln, Mülheim und Düsseldorf. — Directe Güter-Verladung nach unterhalb Düsseldorf bis Arnheim, Rotterdam und London und allen Zwischenstationen täglich, ausser Samstags. Niederländische Dampfschiff-Rhederei zur Beförderung von Personen und Güterz. Tägliche Fahrten vom 8. Mai ab von BONN nach: 1# Coblenz, Mainz, Mannheim Morgens 1½ Uhr,## Köln, Düsseldorf, Nymegen,(#E Emmerich, Rotterdam(Am-Es sterdam) Nachmittags 2 Uhr.) Directe Billete nach London: Donnerstag, Freitag und Sonntag; nach New-York wöchentlich.— Prompte und billigste Beförderung von Gütern nach allen Richtungen. Ein tüchtiges gesucht, Hofgartenstraße Nr. 8. Gesucht mögl. sof. brav. Mädchen z. Alleindienen, Wilhelmstr. 32, I. Et. Perf. Costum=Arbeiterinnen sof. ges. Endenich, Pastoratgasse 10. Perf. Costum=Arbeiterinnen sof. ges., Meckenheimerstr. 24, 1. Et. Ankommende Posten. Botenpost von Beuel 7½ Uhr Morg., 1½ Mittags, 6 Nachm.,“0 Abends, von Kessenich 7 Uhr Morgens und 5“ Nachmittags. von Endenich 7 Uhr Früh und 6 Uhr Abends. Privstpersonen-Wagen aus Hersel 8 Uhr Morg. u. 5 Nachm. in Bonn 850 Uhr Morg. u. 5“ Nachm. Ausserdem Mittwoch u. Sonntag Nachm. 1 Uhr ohne Post-Beförderung(am Kölnthor). Abgehende Posten. Botenpost nach Beuel 7“ Morg., 1“ Nachm. 615 Abende, nach Kessenich 71 Morgens und 615 Nachmittags. nach Endenich 71 Uhr Früh und 615 Uhr Abends. Privatpersonen-Wagen aus Bonn 9 Uhr Morg. u.°0 Abde. in Hersel 101 Uhr Vm. u.%Abd. Ausserdem Mittwoch u. Sonntag Nachm. 2 Uhr ohne Post-Befördrrung(vom Kölntbor.)