Abonnement. Bierteljährlich pränumer. für Vonn (einschließl. Traggeld) 4 Mark 50 Pf., desgl. bei allen preuß. Post=Aemtern 4 Mark 50 Pf. Die„Bouner Zeitung" erscheint täglich. 330. Deut und Balaz un. Rausser(Sarmumn M. Mit der parlamentarischen Session scheint auch diejenige der „Enthüllungen“ wiedergekommen. Wie schon früher wiederholt, sind es auch diesmal die Leipziger„Grenzboten“, welche von Berlin aus zu diesem Ende als Mundstück benutzt werden. Zum Glück stammen jene Aufzeichnungen aus dem Jahre 1874 und beweisen also für die augenblickliche Stimmung wenigstens nicht direct. Unter dem Titel„Zur Geschichte Sachsens in den Jahren 1866 und 1870“ findet sich dort eine Ausführung, auf die offictös obendrein noch aus Sertin Po ds Wiener„Montagsreone“ ganz besonders hingewiesen in jener„Enthüllung“ eigentlich nicht viel enthalten. Daß das Schicksal Sachsens 1866 an einem Haare hing, ist bekannt. In den Nikolsburger Friedenspräliminarien zwischen Preußen und Territorialbestand Sachsens unter der Bedingung des Eintrittes in den norddeutschen Bund freilich gewährleistet; Naon III. aber hatte bei der Hinauszögerung der Verhandlungen eemchteind Sgmasd der Preußen in Wien eine solche Angst, daß er aun vernstame teen die sächfische Dynastie an den Rhein zu verpflungen vorschlug, zwischendurch aber einmal Sachsen vollständig a.#egeben hatte. Preußen hielt indeß an jenen Verträgen fest, welche arck bei dem Empfang der sächsischen Bevollmächtigten, Frhrn. riesen und Graf Hohenthal, offenherzig als einen preußischerseits begangenen Fehier bezeichnete, dessen Folgen man jetzt aber ehrlich auf sich chelt, das der Zu einer späteren Parie des Aufsatzes wird mitge. van einer Beite Vetr. v. Benst damals sowohl den König Johann ## nach Rikolsburg, wie den jetzigen König, damaligen Kronptinzen avert, von einer Reise in das preußische Hauptquartier zurückhielt, so daß König Wilhelm noch am 4. August bei der Heimreise auf dem Görlitzer Bahnhof dem ihn interpellirenden preußischen Sioilogmmissar in Dresden, Herrg v. Burmb, gegenüber verdrießlich daß er„von dem König von Sachsen nicht ein Wort gebörr“ habe. Daneben wird besimmt in Abrede gestelt, daß der Gloßherzog von Sachsen=Weimar, der Bruder der jetzigen deutschen Kaiserin, jemals in den Fall gekommen sei, die sächsische Königskrone auszuschlagen. So viel über das Jahr 1866. „Was aber das Jahr 1870 betrift, so soll der Freiherr v. Friesen ### den Auftrag gehabt haben, im norddeutschen Bundesrathe zu uchst auf Erhaltung des Friedens und erst wenn diese unthunlich, D. Krisen befang c de. Tuhrung des Krieges zu dringen. Herr Schrt um Bag, sich gamals in Wiesbaden und konnte auf der Vesesle seines Koungs eings e uidt mehr in Dreiden die nach Verlin, Jeuer argeen; ein Gehelmrathz brachte ihm diesaben zur Ausinerungnu en Theil seiner Aufträge gelange aber nicht eer renig gno; man wies den sächsischen Bevollmächtigten in Berlin Berchsstnshen sene Erlärung unter den obwaltenden und bei der entschiedenen Kriegslust der Franzosen einer sächsiche Vepostmschisg mit der Erklärung der Unvermeidlichkeit des und der Nochwendigkeit seiner schnellen und krüftigen Führung. Auch bei der Uebersendung des Protokolls jener norddeutschen Bundesrathssitzung vom 16. Juli 1870 wies Herr v. Friesen einem Abgesandten des Bundeskanzleramts=Präsidenten Dr. Delbrück gegenüber darauf hin, daß er für den Frieden zu sprechen beauftragt gewesen sei, beruhigte sich dann aber bei jenem Protokolle. Jene VorSars von igog Man fühlie sich an den Zu. der Schlacht uei Immert, als Sachsen noch vor dem Bekanntwerden Seig der gzena über Wien dem Kaiser Napoleon die MitSrichene ggegen u5, daß der damalige Kurfürst die Erhaltung des den prasischen sedielich uu zur Vereinigung seiner Trupen mit ange gelte em gendtchigt gewesen sei. In Folge dieser Vordie weite weiter 1810 das sächlische(12) Armetcorps Anfangs in selce ais Veriaugren. an 18. August bei Gravelate wurde dasSechass und d Garderorps gebildeten inien bracht, schlugi wuns anderer Truppen in das Feuer ge#ug sich dann aber bekanntlich glänzend und erfolgreich. König Johann suchte die Julivorgänge durch Stiftung eines eigenen Großkreuzes vom sächsischen militärischen St. Heinrichorden für den König Zweiundsiebenzigster Jahrgang. Bonn, Freitag, 3. December Nachmittags. von Preußen wieder gut zu machen. In Berlin aber war man verstimmt, weil zwar im Jahre 1806 nur ein Militär=, im Jahre 1870 aber ein Verfassungsbündniß zwischen Preußen und Sachsen bestanden hatte und man nach der Berliner Auffassung in Dresden diesem nicht ganz entsprechend vorgegangen war. Graf Beust soll von Wien aus in jenem Sinne gewirkt haben und außerdem die Ansicht von Segenriche. d wie von dem Eiatreiten „in Sansten Frankreichs maßgebend gewesen sein. Außervem wiro uuf den Herrn v. Friesen als den„kleinen Pfiffikus“, der der daneben auch der„kleine Krakehler“ genannt wird, gestichelt. So Ausführungen in den„Grenzboten", die aus dem Jahre 1874 stammen, in Folge der jetzt erschienenen Denkwürdigkeiten des Freiherrn v. Friesen aber in diesem Augenblick in den„Grenzboten“ veröffentlicht werden. Was mit dieser Veröffentlichung in diesem Augenblick beabsichtigt wird, mag Gott allein wissen. Vielleicht handelt es sich lediglich um eine literarische Speculation, denn daß jene ganze Darstellung in Dresden tief verstimmen und schwerlich ohne Antwort bleiben wird, liegt doch auf der Hand. Daß in deutscher Politik stets mit Wasser gekocht wird, geht aus jener Geheimgeschichte ebenfalls zur Genüge hervor, noch mehr von Neuem, welches große Verdienst bei jener Haltung des Dresdener Hofes und den bekannten Stuttgarter Velleimuten su0 König Ludwig II. von Bayern damals um die densche Seche erworben hat. Hoffentlich indeß ist jene ganze Geschichte jetzt nur die zu literarischen Zwecken vollzogene Aufwärmung einer alten Verdrießlichkeit und wird der oberofficiöse Abwieglungsstrahl aus Berlin bald nachfolgen. Auf die nächsten offiriösen Gesprache zwischen Berlin und Dresden darf man allerdings gespannt sein. Inserate. Gebühren für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 20 Pf. pränumer. Reclame für die Zgespaltene Petitzeile 60 Pf. pränumer. Expedition Münsterplatz Nr. 12. #r Achercttur: Hermann Reusser. Amtliche Berlin, R. Der. Krsiathierant füre die Kreise Gedem und Wieg, amsgnrichen Deutschland. 18) Der Schuld geopfert. Erzählung von Elfriede von Werner. un Jalisz 2 Der. Unter ür Berliner Studentenschaft #„eit etlichen Tagen eine Agitation gegen die Colportirung der Amtisemitenpetition durch deutsche Studenten entwickelt. Es haben deshalb bereits mehrere Versammlungen stattgefunden, in denen eine offene Erklärung in dem gedachten Sinne vereinbart werden sollte, mit welcher man an die Oéffentlichkeit treten will. Diese Erklärung circulirte auf der Universität und den dazu gehörigen Instituten und bedeckte sich sofort mit vielen Unterschriften. Die jüdischen Studenten halten sich von der Agitation und Allem, was damit zusammenhängt, fern. * Berlin, 2. Dec. Der Geist der Besonnenheit, welcher Rector und Senat der hiefigen Universität beselte, als sie das Verbot einer akademischen-Theatervorstellung für diesen Winter ließen, um nicht die„jetzt vielbesprochene Tagesfrage", als Keim endloser Streitigkeiten in der Studentenschaft zerstörend wirken zu lassen, scheint leider nicht auch auf die Bürger der alma mater übergegangen. Gestern Abend ist es vielmehr in einer auf 5 Uhr angesetzt gewesenen öffentlichen philosophischen Vorlesung des Professor „Lassonzu hshst bedauerlichen tumultnarischen Seenen gerommen. Die Veramassung zu denselben war, schreibt das„Tgbl.“, die von dem genannten Docenten in seiner Vorlesung vor acht Tagen ausgesprochege Stellungnahme zu der Judenfrage und zwar im Sinne der Toteranz. Schon damals kam es zu einer Störung des Vortrages, welche mit der freiwilligen Entfernung einiger Gegner ihr Ende fand. Die Aufregung wurde inzwischen genährt und oerart gesteigert, daß gestern ein gewaltiger Strom von Menschen Beginn des Couegs nach dem Auditorium Nr. 6 fluthete und dassetbe bis hinaus auf die engen Flure überfüllte. Während furchtbaren Tobens und Rufens nach Rechenschaft über seine Aeußerungen, bemühte sich Dr. Lasson, seine Deductionen zu beginnen. Die Gegner forderten Verantwortung wegen der in der„Germania" und viel, Signora, es handelt sich um einen Beweis Ihres Vertrauens, der mich zum Glücklichsten aller Menschen machen Siererguen sich einen Schen mit mir.“ nicht, wie ich mein Anliegen Leider ist es wein beliger Ernst. 3ch weiß und doch—— Sienorat, fahe er. e1: 44 ist müir kaum mizlich wollen Sie mir einige Augenblicke Gehör schenken?“ din erbschen ie8 du 1. sue nich in Ihnen eine Art müterlicher Freundin erticen lied. e hase niciche sien iueien gltricher Grauru cboum im Vegeis Hint Sesauden, bus zu erleichtern, eine Frage: Wisen Sie, daß ich liebepe unempfingsich für die Schnbeit eines weidlichen Desene Bieidor mit debender Simme fort. „Auch das glaube ich bejahen zu müssen“, entgegnete die Dame.„Sie, weisch, 1ong ga zu jener schäßenswerthen Menschensorte, Sie erleieg, in den Augen und auf der Zunge trägt.“ sief ausatsemtern gir durch Ihre Worte mein Bekenntniß“, sagte Bietor, Comine„end„Ja, Signora Alighieri— ich liebe Ihre Tochter, liebe slsch errieggrg uuderte bei diesem Bekenntniß keine Miene. Ihr Gesicht Hohn..“ lächelnd, ohne irgend welche Beimischung von Spott oder „„Ich peiß es, Wilford, mir konnte das nicht wohl verborgen bleiben, und ich nuzue nicht, daß Ihre Liebe für mein Kind mir manche trübe Stunde bereitet hat. Still, unterbrechen Sie mich nicht", fuhr sie fort, als sie sah, daß Victor eine Frage an sie richten wollte.„Sie dürfen über meine Worte nicht beleidigt sein, denn das verdienen dieselben in der That nicht,, Sie, werden zugeben, daß es meine Pflicht ist, als Mutter und Caeinzige Stütze im Leben über deren Wohl und Seelenruhe zu wachen. zenn ich mein Kind auch fast zu leidenschaftlich und abgöttisch liebe, so werde ich doch für Camilla's Glück und Frieden offene Augen behalten, und daher glaubte ich auch Ihre Neigung für mein Kind mit wachsender Seree ich mich sicder Prten freiz und schon .ce geder wurcht, sie jemals zu verlieren, entschlagen zu dürwit i„ thr in den Weg traten. Seit dem Tage ist es anders nur das, was Sie beunruhigt, verehrte Frau?“ unterbrach Victor e m„O, dann machten Sie sich ungsite Sorgen. Comilla wird meinerwegen nie ihre Mutter verlassen dürfen." „Sie sind sehr großmüthig, Wilford, aber nicht das hat mich allein beunruhigt, sondern noch etwas Anderes, etwas von größerer Wichtigkeit. Sie haben einen Vater. Derselbe ist, wie man ihn allseitig beurtheilt, engherzig und despotisch.“ „Signora— ich bitte um Verzeihung, wenn ich Sie unterbreche, ich glaube, mein Vater ist weder das Eine, noch das Andere, sondern ein Mann, der einen gesunden Sinn und offenen Verstand hat.“ Manne, niche d Sienor zuckte es voll Spott, es entzing dem jungen „Die Vertbeidigung Ihres Vaters, Wilford, macht Ihrem Herzen alle Ehre, aber Sie werden mir verzeihen, wenn ich in diesem Falle doch mehr gur dss, eaparteische, Urtheil der Welt gebe. Ich halte Ihren Vater in Gg eigen Mann mit einem felsenharten Kopfe. Finden Sie in dem Faue die Befürchtungen einer Mutter nicht gerechtfertigt?“ „Allerdings, Signora, aber ich werde Ihnen den Beweis bringen, wie sehr Sie sich in meinem Vater getäuscht haben.“ sollte mir lieb sein, Wilford, um Camilla's Ruhe willen. Das Ange, der Jugend geßt Alles in einem weit helleren, freundlicheren Lichte, in meinem Auer in man schon ein wenig nüchterner geworden." „Und wenn ich Ihnen den Beweis gebracht habe, Signora, daß Sie sich in reineg. Vater tänschten, daß er das Glück seines Kindes für das Höchste eun, Wo werden Sie dann sagens.4 füir das Hichte „Wenn Ihr Vater Ihnen seine Einwilligung gibt, daß Sie Camilla niche verigurn Ihnen die meine Dank, Signora, Sie machen mich unaussprechlich Sippen führend Hlu de dichze Du ergeisend und an seine Vere bblichee., eicht den Hohn, mit welchem Sie auf ihn veravoliate, er horte auch nicht den Spott in dem Tone ihrer Stimme, er war zu sehr mit sich und seinem Glücke beschäftigt. Aber plötzlich stieg eine an, dem reinsten tiefblauen Himmel seines Lebens auf, er dachte varan, naß iym noch etwas der Signora zu sagen übrig blieb, so sehr sich sin Gern uch busgen Kriste. 4 „Deutschen Landes=Zeitung" enthaltenen bezüglichen Berichte. Herr Lasson wies dies unter dem Jubel seiner Anhänger zurück. Jetzt begann der reine Hexensabbath: Schreien, Pfeifen, Zischen, Zurufe, Panken und Stampfen mit Händen und Füßen, Beifall, Hohngelächter, Alles tobte minutenlang wild durcheinander. Endlich erschien Castellan und Portier und empfahlen Herrn Lasson, das Baracken=Auditorium als größten Raum zur Fortsetzung der Vorlesung zu benutzen. Sofort stürmte die aufgeregte Menge dorthin und occupirte,—800 Mann stark, in kürzester Frist den Saal. Der Vortragende stand jedoch für gestern von der Vorlesung ab, was der Decan, Herr Professor Zupitza, der Versammlung ankündigte. Der Castellan fügte sodann hinzu, daß nach zehn Minuten das Gas ausgelöscht werden würde, denn es schien, als solle eine Studenten=Versammlung improvisirt werden.„Vivat Treitschke!" „Vivat Lasson!" durchkreuzt von dem entsprechenden„Pereat“, bildeten den Schluß dieser bedauerlichen Sceuen. Wie man der„Kreuzztg.“ schreibt, gelangten im mecklenburgischen Landtage zu Malchin am 20. November Rescripte beider mecklenburgischen Regierungen, betreffend die Aufhebung der obligatorischen Civilehe, zur Verlesung. Auf das seit vier Jahren oft wiederholte Gesuch der Ritterschaft— die Landschaft hatte ihre Betheillgung durch Majoritätsbeschluß abgelehnt— erklärten jetzt beroe megierungen ihre Uebereinstimmung mit dem Wunsche, daß die obligatorische Civilehe wieder beseitigt werde, und ihre Geneigtheit, bei sich bietender Gelegenheit in diesem Sinne im Bundesrathe wirken zu lassen. Der sachsen=coburgische Staatsminister v. Seebach hat einen längeren Urlaub nachgesucht, der als Einleitung seines Rücktrittes gilt. Von verschiedenen Zeitungen wird das Gerücht verbreitet, Herr v. Bennigsen beabsichtige einem Rufe zur Uebernahme jener Stellung Folge zu geben; von berufener Seite wird der„NationalZtg." dies Gerücht als jeder Begründung entbehrend bezeichnet. Ebenso beruhe die weitere Meldung einzelner, namentlich fortschrittlicher Blätter, daß Herr von Bennigsen den Verkehr mit den Secessionisten abweise und Fühlung mit den Freiconservativen suche, vollständig auf Erfindung. Das Ausscheiden des Grafen BethusyHuc, mit welchem Herr von Bennigsen persönliche Beziehungen unterhielt, habe gerade in der entgegengesetzten Richtung gewirkt. Gelegentlich der in Oesterreich begangenen Erinnerungsfeier an een Kaiser Josef II. sei auch eines Urtheils Friedrichs des Großen über diesen seinen jüngeren Zeitgenossen erwähnt, welches in einem Briefe an'Alembert vom Januar 1781 enthalten ist. Dort heißt es:„Ich meinerseits grenze schon an den Zustand der upathie, wohin das Alter die betagten Schwötzer führt; ich sehe, ohne mich zu beunruhigen, wegsterben und geboren werden, an wen die Reihe kommt, daß er in die Welt tritt oder von ihr scheidet. Inzwischen habe ich dennoch den Tod der Kaiserin=Königin(Maria Theresia) bedauert, sie hat dem Throne und ihrem Geschlechte Ehre gemacht, ich habe mit ihr Krieg geführt, war aber nie ihr Feind. „Den Kaiser, den Sohn dieser großen Frau, kenne ich persönlich, er schien mir viel zu aufgeklärt, als daß er übereilte Schritte unternehmen sollte, ich schätze ihn hoch und fürchte ihn nicht.“— So Friedrich, dessen erbitterte Feindin Maria Theresia war. Gegen die Provisionen der Lieferanten. Es ist mehrfach vorgekommen, daß Unternehmer und Lieferanten für hiesige staorische Arbeiten den mit ihnen verhandelnden Beamten Provisionen anzubieten versucht haben. Der Magistrat hat in Folge dessen beschlossen, Unternehmer und Lieferanten, welche in irgend einer Weise Zuwendungen, sei es in Form von Anleihen, Provisionen, Vergütigungen u. s. w. für besondere amtliche und außeramtliche Leistungen an einen städtischen Beamten machen, bei Arbeiten und Lieferungen für die Stadtgemeinde nicht mehr heranzuziehen. „Auf eine für den kleineren Kapitalbesitz angeblich nicht ungefährliche Seite unserer heutigen Münzzustände macht die folgende, der „Tribüne" zugegangene Zuschrift aufmerksam: .shypschskensläubiger werden gut tbun, die Augen aufzumachen und bei Fracent wenigen. 20 und mehr Achrang#u ger werth sein kann. Sollte in Folge einer Krisis ein starker andrung an die Reichsbank erfolgen— und er wird erfolgen— so wird „Signora, ich muß Sie aber noch mit einem Umstande bekannt machen, der Ihnen wahrscheinlich verborgen war. Mein Vater ist nicht mehr der reiche Mann, welcher er war. Wäre Graf Paolo Pocci hier, wahrlich, Eeitger gsige, Par vu 0 Sie über einen Punkt aufgellärt haben, der Grsse eet gerborgen geblieben ist und es auch ferner sein wird. Große verluste und, gestehe ich es nur offen, meine Verschwendungssucht, Vater in eine momentane Verlegenheit gebracht, welche die übelsten Folgen nach sich ziehen kann, wenn dieselbe nicht gedeckt wird. Einige Tage reichen hin, Alles wieder in das rechte Geleise zu bringen, aber gewinnen wir diesen Aufschub nicht, dann—“ „Dann?“ unterbrach die Signora Wilford voller Spannung. „Dann steht das Schlimmste zu befürchten.“ Die Signora athmete tief auf. Einem aufmerksamen Beobachter wäre es gewiß nicht entgangen, wie mancherlei Gedanken das Gehirn der Dame zermarterten. Trotz aller Selbstbeherrschung, deren sie fähig war, konnte sie doch ihrer Gefühle und Empfindungen nicht Herr bleiben. Sie sah das Ziel und die Vernichtung ihres Feindes, nach welchem sie so endlos unermüdlicher Gebuld gestrebt, in einer Weise nahe, wie s5, elhst ihre Lühnsten Erwartungen übertraf. Es war gleichsam, als ob sich tor aue Fäden, welche das Netz des Verderbens um Charles Wilford zusammenziehen sollten, in die Hand drängten und sie berufen sei, das Amt der Nemesis in schrecklichster Weise zu üben. wollte es thun, fürwahr— in dem Herzen der stolzen, unversöhnlichen Frau wohnte kein Mitleid, kein Erbarmen. Mit wahrer Wollust sab Se die, Stunde näher und näher kommen, wo sie sagen konnte: „Verin Kind ist gerächt!“ „Das Schlimmste wird nicht eintreffen, mein junger Freund“, sagte sie nach einer minutenlangen Pause heiter lächelnden Antlitzes.„Dafür lassen Sie mich nur sorgen. Wie groß ist die Summe, deren Sie bedürfen?" „Vorläufig zwanzigtausend Thaler.“ Die Signora erhob sich von ihrem Sitze, sie trat an ihren Schreibtisch. „Die Summe ist für meine Verhältnisse zu bedeutend, lieber Wilford“, sagte sie in scherzendem Tone,„aber vielleicht läßt sich die Sache doch arrangiren. Nehmen Sie vorläufig dies Päckchen Banknoten und— morgen holen Sie das Uebrige.“ Victor Wilford war betäubt, überwältigt von Glück, er fand keine Worte, der Signora zu danken. Wie ein Wirbelwind erfaßte ihn der Gedanke an sein Glück, er zitterte im Uebermaße der Wonne. Aber noch ehe er der Dame danken konnte, war sie hinausgeeilt und Victor mit seinem Glück und Jubel allein. IX. Der Polizeirath Hebermann durcheilte mit raschen Schritten sein kleines Arbeitszimmer. In dem strengen, aber wohlwollenden Antlitze des alten Herrn prägte sich große Unruhe und Besorgniß aus, und wiederholt nahm er einen auf dem Tische liegenden Brief zur Hand, um ihn aufs Neue durchzulesen. „Es läßt sich nicht leugnen, die Dinge stehen für meinen armen Freund Seite 1336 Bonner Zeitung vom 3. December 1880. Nr. 330 diese bei der schwachen Goldreserve und der nicht durchgeführten Goldwährung kaum in der Lage sein, der Nachfrage nach Gold gerecht zu werden, und wir haben mit einem Schlage Silberwährungs, d. h. im Vergleich zu dem jetzigen Zustande— Kapitalsentwerthung. Ein sorgsamer Notar sollte nie anders instrumentiren, als daß die Zahlung des Darleheus, des Kaufpreises 2c. in Gold, oder in Gold oder Silber— nach Wahl des Gläubigers— erfolgt, und Jeder bonus pater familias sollte sich das Gleiche ausbedingen. Geschiebt das durchgängig, so ist dem Bimetallismus ein Giftzahn wenigstens ausgebrochen.“ An der Berliner Börse herrschte heute eine so große Aufregung, daß das Geschäft auf kurze Zeit unterbrochen wurde. Die Nachricht, daß Jander heute früh in Kiel verhaftet wurde und bei ihm noch 186,000 Mark gefunden worden sind, ging von Mund zu Munde und veranlaßte eine massenhafte Ansammlung in der Nähe der Geschäftsinhaber der Firma Albert Samson& Co. Mehreremal wurde der Freude über die Verhaftung in Hurrahrufen Ausdruck gegeben. Folgende Umstände führten die Gefangennahme des Defraudanten herbei: Ein Maler Greve zu Hamburg las am 25. November im„Hamburger Fremdenblatt“ eine Annonce, Inhalis deren ein Reisebegleiter nach dem Auslande gesucht wurde. Da die Offerte sehr günstig schien, schrieb Greve unter der angegebenen Adresse M. O. nach Wismar und erhielt als Antwort ein vom 27. November curr. datirtes, mit M. von Oderberg unterschriebenes Schreiben sowie 50 Mark mit der Aufforderung, seine Legitimationspapiere und seine Paßkarte nach Kiel postlagernd sub M. O. einzusenden. Reisegeld sowie ein Monatsgehalt von 75 Mark werde er später erhalten. Auf den Greve machte das Ganze den Eindruck, als sei es dem Inserenten nur darum zu thun, sich fremde Legitimationspapiere zu verschaffen, und er brachte dieses Manöver mit der Entweichung des Jander in Verbindung. Die Polizeibehörde zu Hamburg, welcher Greve von diesem Vorgange Anzeige gemacht hatte, sandte das von dem angeblichen M. von Oderberg an Greve gerichtete Schreiben an die hiesige Criminal= polizei, welche durch sofort vorgenommene Vergleichung des Schreibens mit Briefen, welche erweislich von der Hand des Jander herrührten, fesistellte, daß der Brief vom 27. November eine frappante Aehnlichkeit mit den Schriftzügen des Jander hatte. Nun wurde auf telegraphischem Wege die Polizeibehörde in Kiel ersucht, diejenigen Personen, welche in Kiel postlagernde Sendungen unter Adresse M. O. in Empfang nehmen wollen, festzuhalten und zugleich der Criminal=Commissarius Richard nach Wismar, woher jenes Schreiben datirt war, zur Verfolgung der Spur des Briefschreibers abgeschickt. Der Criminal=Commissar Richard, welcher gestern Morgen in Wismar angelangt war, stellte noch im Verlaufe des Tages fest, daß Jander am 23., 25. und 27. November in Wismar in einer genau beschriebenen Kleidung(Jagdjoppe, langen Stiefeln) gewesen und von da nach Kiel gereist sei. Dies theilte er noch gestern telegraphisch der hiesigen Criminalpolizei mit und heute Vormittag kam von der Polizeibehörde zu Kiel an die hiesige Criminalpolizei die telegraphische Nachricht, daß gestern Abend in Kiel Jander mit 187,000 M. ergriffen und fesigenommen worden sei. Der materielle Verlust der Firma Albert Samson & Cie. beträgt nunmehr blos 2000 M. Oesterreich-Angarn. * Wien, 2. Dec. Im Abgeordnetenhause sind folgende Gesetzentwürfe eingebracht worden: vom Ministerpräsidenten Graf Taaffe der Gesetzentwurf, betreffend den Ausbau der Bosnathalbahn von Sieniza nach Serajewo, vom Handelsminister der Handelsvertrag mit Spanien, vom Finanzminister der Entwurf, betreffend die Forterhebung der Steuern und Abgaben bis Ende März, und betreffend die Begebung von 14,500,000 Notenrente. Der Abg. Obratschai brachte eine Interpellation ein über den Stand der Verhandlungen mit Preußen betreffs der Oderregulirung. Frankreich. 4 Paris, 2. Der. Das„Avenir diplomatique“ theilt mit, daß der französische Gesandte beim heiligen Stuhl, Desprez, nicht nach Rom zurückkehren werde, da die den Protest des Papstes gegen die Märzdecrete enthaltende Note, welche der Nuncius jüngst der Regierung überreichte, in Ausdrücken abgefaßt war, die eine Fortsetzung des diplomatischen Verkehrs ausschließen. Daß der Nuncius deshalb Paris verlasse, sei nicht gerade unausbleiblich. Desprez' Stellung in Rom sei durch seine Unterhandlungen über die Declaration bereits unmöglich geworden; wie es scheint, hatte er sowohl die Instructionen Freycinet's überschritten, als auch der Regierung von den Absichten des Cardinal Nina ein falsches Bild entworfen.(Von anderer Seite wird die Mittheilung des„Avenir" betreffs des Herrn Desprez für unbegründet erklärt.) Der Pariser Municipalrath wird morgen über die Petition der Redaction des„Intransigeant“ zu befinden haben, welche um Ueberlassung eines Platzes zur Errichtung eines Monumentes für die gefallenen Kämpfer der Commune bittet. Die Petition erklärt, daß dieselben illegal oder ohne Urtheil füfilirt worden seien, weil sie mit den Waffen in der Hand die Republik vertheidigt hatten, die von der Coalition des Auslandes und der monarchistischen Partei bedroht war. In der Deputirtenkammer stand heute die Interpellation über die auswärtige Politik auf der Tagesordnung. Nach einer langen Verhandlung und Darlegung der auswärtigen Politik durch Barthélemy Saint Hilaire beschließt die Kammer mit 304 gegen 107 Stimmen:„Die Kammer geht im Vertrauen auf die Erklärungen der Regierung und in der Ueberzeugung, daß dieselbe die Rechte und Pflichten Frankreichs als Großmacht mit der Erhaltung des Friedens, den der einstimmige Wunsch des Parlaments und des Landes fordert, in Einklang zu bringen wissen werde, zur einfachen Tagesordnung über.“ * Paris, 2. Dec. Der deutsche Botschafter, Fürst Hohenlohe, ist im besten Wohlsein wieder hier eingetroffen. Rußland. * St. Petersburg, 2. Der. Die Entdeckung einer geheimen Druckerei, wobei falsche Pässe, Stempel 2c. aufgefunden wurden, bestätigt sich. Dagegen ist die Nachricht des„Herold“ von gestern, daß auch in Kiew eine südrussische revolutionäre Druckerei entdeckt worden, unrichtig und beruht auf einer Verwechslung des Blattes mit den in Charkow gemachten Entdeckungen, * Ssaratow.(Elend unter den Schulkindern.) Ein höchst unerfreuliches Resultat förderte kürzlich die Weisung der Ssaratower Schul=Commission an die örtlichen Lehrer zu Tage, sich nach den Ernährungsverhältnissen der Schulkinder zu erkundigen. In der 7. Knabenschule fanden sich, wie die„M. D. Zig." berichtet, 10 Schüler, in deren Familien Wasser und Brod das ausschließliche Nahrungsmittel bildete; gegen 20 Schüler erhielten ein= bis zweimal in der Woche warme Speisen; in der 4. Knabenschule erwiesen sich 18 Schüler als auf Wasser und Brod gesetzt und in der elften meldeten 19 Knaben, daß sie höchstens an Sonntagen und auch da nicht regelmäßig eine Fleischspeise erhalten. In der zweiten Mädchenschule fanden sich 18 Kinder, die nur von Wasser und Brod leben, während 28 andere zwar hier und da warme Speisen erhalten, jedoch nur Fasten=, nicht Fleischgerichte. In der 7. Mädchenschule wurden 18 Mädchen gefunden, die nur Wasser und Brod und höchstens hier und da einen Kartoffelbrei ohne Fleisch und Butter erhalten. Ein Knabe ging in der Mittagspause nicht nach Hause; vom Lehrer darüber zur Rede gestellt, sagte er: Eine Brodrinde habe ich noch bei mir, mehr bekomme ich zu Hause auch nicht.„Was eßt ihr denn Abends“, fragte der Lehrer.„Gar nichts, wir legen uns früh nieder, dann wirft man sich wohl manchmal auf der Pritsche hin und her, aber schläft endlich doch ein.“ Ein anderer Knabe wird wegen zu späten Erscheinens in der Schule zur Rede gestellt. „Ich mußte vorher betteln gehen, um ein Stück Brod zu bekommen“, war die Antwort des Knaben. Amerika. * Karl Heinzen, der„Ferschtekiller"(Fürstentödter), ist todt. Seine deutsch=amerikanische Zeitung der„Pionier“ machte ihn zum komischen Alten unter der deutsch amerikanischen Bevölkerung. In allen Variationen predigte er den Fürstenmord. Als er vor einigen Jahren Deutschland besuchte, ohne daß die Polizei von ihm die geringste Notiz genommen hätte, wurde er von der deutsch= amerikanischen Presse nicht wenig aufgezogen. Er war ein Flüchtling von 1848, der nichts gelernt und nichts vergessen hatte und seinen Groll auch auf das neue Deutschland übertrug. Geboren am 22. Februar 1809 zu Grevenbroich, studirte er in Bonn Medicin, wurde von dort relegirt und führte seitdem ein bewegtes Leben. An der badischen Revolution mit Hecker betheiligt, flüchtete er nach Amerika, wo er journalistisch thätig war und sich durch seinen„Pionier“ einen originellen Ruf erwarb. Vor zwei Jahren begann Heinzen zu kränkeln und mußte sein Blatt eingehen lassen. Am 12. November starb der alte Achtundvierziger in Boston Highlands nach schweren körperlichen Leiden. Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. * Ueber den Schluß der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 1. December ist noch eine Beschwerde des Abg. v. Hagenow, sowie die bedeutsame Antwort des Justizministers nachzutragen. Der Abg. Dr. v. Hagenow beschwerte sich nämlich über das Verfahren der Landgerichtspräsidenten gegenüber den Amtsrichtern im Allgemeinen und wegen verschiedener ungerechtfertigter, ihm widerfahrener Rectificirungen des Landgerichtspräsidenten zu Greifswald im Besonderen und fragt den Minister, ob er gesonnen sei, hier Abhülfe zu schaffen. Justizminister Dr. Friedberg: Ueber das Verhältniß der Amtsrichter zu dem Präsidenten des Landgerichts hier Discussionen zu führen, das gehört meiner Meinung nach nicht hierher!(Beifall links.) Da der Herr Abgeordnete aber die Sache vorgebracht hat, so will ich ihm antworten. Ich habe vom Augenblicke meines Amtsantritts an die traurige Erfahrung gemacht, daß diejenige Unterordnung, welche bisher gang und gäbe und welche der Stolz des preußischen Richterstandes war, ungerechtfertigterweise an vielen Stellen aufhört, und daß sie namentlich aufhört bei den jungen Amtsrichtern!(Hört, hört! Bewegung.) Die Amtsrichter sind durch die neue Organisation sehr günstig gestellt, das aber hat letztere nicht gewollt, daß sie nun glauben, sie haben gar keine Vorgesetzten mehr; und wenn die Frage hier vorkommt, ob man mit oder ohne Submissionsstrich schreiben soll, wenn das als eine hier der Behandlung würdige Sache angeregt wird, dann finde ich darin eine Bestätigung dessen, was ich vorbin angeführt habe.(Bravo! links.) Sehr bald nach meinem Amtsantritt sind mir Beschwerden der Amtsrichter zugegangen, der und der Landgerichts=Präsivent habe nicht im Requisitions= stil geschrieben, denn er habe das Wort„ersuchen“ fortgelassen.(Heiterkeit.) Dem habe ich geantwortet in einer Weise, daß ich glaube, eine Beschwerde von demselben wird nicht wiederkommen.(Heiterkeit.) Aber ich glaube, der Herr Abgeordnete, der seine Sache hier zur Sprache gebracht hat, hätte besser getban, den Ausgang der Beschwerde abzuwarten, denn eine großmächtige Beschwerde ist auch darüber eingegangen, daß der Landgerichtspräsident verlangt hätte, es solle in dem Stile geschrieben werden, wie ein untergeordnetes an ein übergeordnetes Gericht schreibt. Darauf werde ich Bescheid geben; ob ich damit die Befriedigung des Beschwerdeführers erlange, weiß ich nicht, aber jedenfalls soll der Bescheid ihm nicht entgehen. (Beifall links.) Abg. v. Hagenow: Ich kann nicht umhin, meine Collegen gegen den Vorwurf der Unbotmäßigkeit zu verwahren; ich selbst, wie meine Collegen, wir wissen uns davon frei. Italien. * Am 7. und 9. December finden zwei päpstliche Consistorien, darunter ein geheimes, Statt. Bei dieser Gelegenheit wird dem Cardinal Jacobini der Cardinalshut ertheilt und seine Ernennung zum Staatssekretär officiell proclamirt werden. Der Papst wird eine Allocution halten, wbelche, wie es heißt, sich auch mit den kirchlichen Verhältnissen in Frankreich beschäftigen wird. Großbritannien. * Die„Pol. Corresp.“ läßt sich aus London melden, der neueste Antrag der britischen Regierung bestehe in der Anregung, daß die einzelnen Geschwader bestimmte, gegenseitig bekanntzugebende Hafenplätze aufsuchten oder in vorher bestimmten Richtungen kreuzten, so daß eine Art von ideellem Zusammenhange der europäischen Flotte bestehen bliebe. Die russische Regierung sei diesem Vorschlage beigetreten. bedenklicher, als ich geglaubt“ murmelte er.„Hier scheint nicht allein jugendlicher Leichtsinn im Spiele zu sein, und die Sache dürfte für Wilford schlimm genug ausfallen, käme sie aus Tageslicht, woran ich kaum noch zweifle. Armer Mann, der Schlag ist ein harter! Dein einziger Sohn! Fürwahr, wenn es sich mit meiner Pflicht vereinigen ließee, ich würde Dir wenigstens den offenen Schimpf ersparen, aber— ich kann nicht, ich darf Dich nicht einmal warnen, es handelt sich um die Entlarvung einer Bande von Verbrechern, und ich kann nicht mehr zögern, die Sache zu Ende zu führen.“ Wenige Augenblicke später, während welcher der Polizeirath einige Worte niedergeschrieben, öffnete sich die Thür und Friedrichsen trat ein. „Was bringst Du?“ lautete die erste Frage des Polizeirathes. „Nicht viel, Herr Polizeirath, weitere Nachforschungen haben nichts ergeben. Der Graf ist in Sicherheit, der junge Wilford aber geht seinen ruhigen gewöhnlichen Gang, ich kann mir nicht denken, daß er der Schuldize——“ „Wir wollen es hoffen, Friedrichsen, indessen bleibt uns vorläufig nichts weiter übrig, als ihn zu verhaften. Die Umstände erfordern es, und es ist uns nicht gestattet, auf seinen Vater Rücksicht zu nehmen, hier kommen andere Dinge in Betracht. Es ist ein nichtswürdiges Verbrechen verübt, und zwar in einer Weise, die alles vorher Dagewesene übertrifft. Der Staat und ein großer Theil seiner Bürger ist um enorme Summen betrogen oder bestohlen und es handelt sich darum, den Dieb zu Rechenschaft zu ziehen. Darum fort mit allen Bedenken! Mag den Verbrecher die gerechte Strafe ereilen!“ #* Berlin, 2. Dec. Das Abgeordnetenhaus setzte die Berathung des Justizetats fort. Beim Kapitel 81: Unterhaltung der Justizgebäude brachte Abg. Bachem die wahrhaft kläglichen Zustände im Landgerichtsgebäude zu Köln zur Sprache und bat um Remedur. Der Justizminister erkannte die Mangelhaftigkeit und Unwürdigkeit der Zustände an, die er aus eigener Anschauung kennen gelernt, und theilte mit, daß nach dem Scheitern eines früber aufgestellten Planes für den Umbau ein neuer in Ausarbeitung sich befinde. Aehnliche Mißstände seien übrigens auch in anderen größeren Städten vorhanden; es fehle aber an den nöthigen Mitteln, überall abzuhelfen. Abg. Statz wies darauf hin, daß ähnliche Mißstände wie in Köln auch in Aachen vorhanden seien. Abg. Windthorst wünschte bis zur dritten Lesung des Etats eine Zusammenstellung der Einnahmen und Ausgaben der Justizverwaltung vor und nach dem 1. October 1879, welche der Unterstaatssekretär Rindfleisch in Aussicht stellte, um daraus annähernd eine Vorstellung von den Kosten der neuen Justizorganisation zu gewinnen, so weit die nicht normalen Erscheinungen einer Uebergangsperiode dies gestatten. Das Haus wandte sich dann einem noch ausstehenden Kapitel des landwirthschaftlichen Etats zu. Die Budgetcommission beantragte, das Gehalt für einen neuen Bau=Inspector zu bewilligen. Abg. Rickert erklärte sich gegen die Bewilligung und bat den Titel auszusetzen, bis die Frage erledigt sei, ob in der Bauverwaltung ein Beamter gespart werden könnte. Der Ministerial=Director Marcard und der Abg. Graf Clairon’Haussonville traten für die Bewilligung ein. Abg. Schroeder(Lippstadt) trat ebenfalls für die Bewilligung ein, weil sonst die eigentlichen Aufgaben des landwirthschaftlichen Ministeriums durch technische Arbeiten zu sehr beeinträchtigt würden. Redner benutzte diesen Titel zu einer Abschweifung auf die Ziele der landwirthschaftlichen Verwaltung überhaupt; es wäre nothwendig, den Bauernstand zu heben, dazu habe man die Getreidezölle mit bewilligt, aber das landwirthschaftliche Ministerium müsse mithelfen. Namentlich wäre eine durchgreifende Anwendung des neuen Auseinandersetzungsgesetzes nothwendig, auf das er sich sehr ausführlich einließ. Minister Dr. Lucius fand es ungewöhnlich, bei einem so speciellen Titel die allgemeinsten Fragen zu erörtern. Er hielt eine Förderung des Auseinandersetzungswesens für gerathen, aber man müßte dabei auch die Volksanschauungen berücksichtigen und könnte nicht ganze Bevölkerungsschichten vergewaltigen; denn namentlich#### sich die Bevölkerung auf dem linken Rheinufer dagegen abwehrend verhalten. Der Minister glaubte ferner bemerken zu müssen, daß Preußen in Bezug auf das landwirthschaftliche Vereinswesen mit auf der höchsten Stufe stehe; den Vereinen könnte man aber die Specialcommissarien nicht aufoctroyiren.— Das Gehalt für den neuen Bauinspector wird darauf mit bedeutender Mehrheit gegen die Stimmen des Fortschritts und der Secessionisten bewilligt. Im Etat war ferner die im vorigen Jahre geforderte, aber abgelehnte Functionszulage für den Vorsteher des Centralbureaus wieder eingestellt. Die Budgetcommission beantragte die Streichung dieser Forderung. Trotzdem der Ministerialdirertor Marcard mit warmen Worten für die Bewilligung des Postens eintrat, wurde derselbe abgelehnt. Bei dem Etat der Staatsarchive lenkte Abg. v. Fürth die Aufmerksamkeit des Directors der Staatsarchive auf die in dem Archiv des Königsstuhles zu Aachen befindlichen Urkunden, die einmal gründlich untersucht werden müßten; ferner hat Redner, das Archiv des Reichsgerichts in Wetzlar der Aufsicht des Amtsgerichtes zu entziehen und der Verwaltung der Staatsarchive zu unterstellen. Director der Staatsarchive Dr. v. Sybel theilte mit, daß bezüglich des letzten Punktes eine Unterhandlung schwebe; was die Einforderung der älteren historisch denkwürdigen Gerichtsacten anginge, so fehlten die nöthigen Arbeitskräfte, um die Sache schnell zu erledigen. Beim Etat des„Reichs= und Staatsanzeigers" bemängelte Abg. Cremer die parlamentarischen Berichte des„Staatsanzeigers"; er vertheidigte die parlamentarische Berichterstattung im Allgemeinen gegen die Angriffe des Abg. v. Ludwig und wies auf die Schwierigkeit der Berichterstattung bin; aber er verlangte, daß der„Staatsanzeiger“ objective Berichte bringe. Der Reg.=Commissar führte dem gegenüber aus, daß der„Staatsanzeiger“ sich bemühe, möglichst objective Berichte zu bringen. Abg. v. Ludwig glaubte in Folge seiner neulichen Rede eine Besserung constatiren zu sollen; denn man habe seine Rede ausführlicher, in Berliner Blättern sogar wörtlich gegeben. Abg. Rickert weist darauf hin, daß man den Berichterstattern auch bessere Plätze geben müßte, wenn man so großartige Leistungen von ihnen verlange. Die Beilage der stenographischen Berichte zum„Staatsanzeiger“, welche der Abg. v. Ludwig empfohlen, wies der RegierungsCommissar als unzweckmäßig und zu kostspielig zurück. Beim Etat der Lotterieverwaltung brachte Abg. Loewe(Calbe) das Verbot des Spielens in fremden Lotterien zur Sprache und wünschte dessen Aufhebung oder eine Vermehrung der Anzahl der Loose der preußischen Lotterie. Der Finanzminister glaubte, daß das Verbot nur aufgehoben werden könnte, wenn man alle Lotterien im Reiche beseitigte. Eine Vermehrung der Loose empfehle sich nicht, weil die Staatsregierung der Ansicht sei, daß die Lotterie keine wünschenswerthe Einrichtung sei. Abg v. Uechteritz sprach für die Aufrechterhaltung des Verbotes, wollte aber auch die Privatlotterien möglichst beschränken; er ersuchte auch die Lotterieverwaltung, dem Unfuge der Looshändler zu steuern, welche bedeutende Summen über den Preis vom Publikum nähmen. Abg. Strosser bezeichnete die Lotterie als eine schlimme Nothwendigkeit, die so bald als möglich beseitigt werden sollte, auch wenn man einen Theil des Steuererlasses dazu verwenden müßte. Preußen sollte seinen Einfluß im Reiche, den es schon so oft geltend gemacht habe, dazu verwenden, um alle Lotterien im Reiche zu beseitigen. Die Lotterie sei allerdings im Verhältniß zum Giftbaum der Börse noch ziemlich unschuldig; allein ebenso wie er hoffe, daß man diesen Giftbaum in einigen Jahren beseitigen werde, so hoffe er auch auf das Verschwinden der Lotterien. Abg. Seelig führte aus, daß die Schwindelperiode die Neigung zum Lotteriespiel verstärkt habe; dazu käme noch die Aufhebung der Staatsprämien=Anleiben. Redner empfiehlt eine Vereinbarung zwischen den Einzelstaaten über diese Frage. Abg. Windthorst erklärte, daß er die erste Gelegenheit benutzen werde, um die Beseitigung der Lotterie herbeizuführen. Ohne Debatte erledigte das Haus eine Reihe kleinerer Etats und wandte sich dann dem Etat des Ministeriums des Innern zu. Beim Titel: Gehalt des Ministers erörterte Abg. Rickert die Frage der Annoncen der Behörden resp. deren Insertion in den Zeitungen. Der „Posener Zeitung" seien nicht blos die Annoncen der staatlichen Bebörden entzogen, sondern auch solche, die aus städtischen Mitteln bezahlt würden und deren Insertion in der„Posener Zeitung“ der Magistrat für nothwendig gehalten habe. Alle Behörden hätten dem Blatte die Annoncen vorenthalten. Redner wies auf den Beschluß des Reichstages in dieser Frage hin und bat den Ministerialbeschluß von 1874 einer Revision zu unterziehen. Redner beantragte, daß bei der Annoncirung lediglich die Verbreitung berücksichtigt werden sollte. Der Minister des Innern Graf zu Eulenburg bezeichnete diesen Antrag als zu weit gehend; denn es gebe oft eine Opposition von einer Form und Haltung, welche es den Staatsbehörden unmöglich mache, mit dergleichen Organen in Verbindung zu treten, welche Regierungshandlungen täglich dem Haß und der Verachtung aussetzen. Der Minister hat deshalb um Ablehnung des Antrages. Abg. Kantak wies darauf hin, daß man mit den polnischen Zeitungen noch viel schlimmer verfahre; Redner kritisirte dann die Handhabung des Vereinsgesetzes in Bezug auf die polnischen Vereine. Abg. Windthorst wies darauf hin, daß der Reichstag den Antrag, welchen Rickert vorgeschlagen, angenommen; wenn der Minister denselben unannehmbar finde, so werde das bei den Reichsbehörden auch der Fall sein. Der Ministerialbeschluß sei in abstracto schwierig auszuführen, denn man wisse nicht immer, was oppositionell sei oder nicht. Früher sei die„Kreuzzeitung" verfehmt, die„Nationalzeitung" das Lieblingsblatt der Regierung gewesen; jetzt sei es umgekehrt, trotzdem die„Nationalzeitung" sich doch auch zu drehen verstände. Generell müßte der Satz gelten, daß die Annoncen die weiteste Verbreitung finden müßten. Namentlich habe man die ultramontanen Zeitungen sehr zurückgesetzt. Wenn die Regierung auf den Antrag Rickert nicht eingehen wolle, dann sollte man besondere Annoncenblätter schaffen, die aber nichts weiter enthalten dürften. Abgeordneter Dr. Virchow wies darauf hin, wie man in der officiösen Presse, dann auch in officiellen Actenstücken dem Fortschritt republikanische Tendenzen vorgeworfen habe; das führe dahin, daß man auch andere Oppositionsparteien ganz aus dem öffentlichen Leben verdrängen müsse. Die Art und Weise, wie seitens der Regierung verfahren werde, sei rein gouvernemental und verwirre die Bevölkerung über das Verhältniß der Regierung zur Presse. Redner wies dabei auf den Abg. Stumm und das„Neunkircher Tageblatt“ hin. Wenn man eine Regierungspresse fördern wolle, dann könne man es ja aus dem Reptilienfonds thun, deswegen brauche man die„schlimme" Presse nicht zu bestrafen. Was den Ton der oppositionellen Presse angehe, so sei in Verunglimpfung von Personen auf keiner Seite mehr geleistet worden, als von der regierungsfreundlichen Presse.(Sehr richtig!) Wenn die Angriffe gegen Personen in der nicht mehr freiwillig gouvernementalen, sondern officiell anerkannten Regierungspresse so fortgehen, wie dies jetzt der Fall sei, dann könne er nicht mehr anerkennen, daß auf jenen Stühlen eine gerechte Regierung sitze. (Widerspruch rechts. Beifall links.) Abgeordneter v. Bennigsen erklärte sich für den Antrag des Abgeordneten Rickert, den er noch immer seinen Freund nenne. Abgeordneter v. Rauchhaupt: Keine Regierung könne anders handeln als der Minister des Innern, die Liberalen am Ruder würden noch viel energischer in dieser Beziehung vorgehen. Windthorst, Richter, Stengel und v. Luowig nahmen noch das Wort, so daß die Verhandlung, die mit der Annahme des Antrags Rickert schloß, sich bis 5 Uhr ausdehnte. Die nächste Sitzung findet Freitag 11 Uhr Statt. Vom Rhein und aus Westfalen. * Neuwied, 29. Nov. In unserer Stadt befinden sich bekanntlich viele Pensionate sowohl für Knaben als Mädchen, von denen einige fast oder ganz ausschließlich Ausländer, insbesondere Engländer aufnehmen, welche sich außer einer allgemeinen Bildung eine gründliche Kenntniß der deutschen und französischen Sprache aneignen wollen. Bisher hat die Staatsbehörde diese Anstalten mehr als rein gewerbliche Unternehmungen betrachtet, sie nur der Anzeigepflicht und der allgemeinen polizeilichen Staatscontrole insoweit unterworfen, daß in denselben weder unsittliche noch staatsgefährliche Dinge getrieben und Unternehmer, wie Lehrer als moralische Personen bekannt sein mußten. In neuerer Zeit fordert die Staatsregierung auf Grund der, wie uns scheint, nur den Unterricht der schulpflichtigen Jugend betreffenden Staatsministerial=Instruction vom 31. Dec. 1839, daß sowohl die Unternehmer derartiger Pensionate als auch sämmtliche Hülfslehrer derselben ihre wissenschaftliche Befähigung ebenso wie Lehrer an öffentlichen Schulen durch Schulexamen nachgewiesen haben müssen, selbst dann, wenn nur Ausländer, die nicht einmal mehr schulpflichtig sind, sich in der Anstalt befinden; sind es Knabenpensionate, in welchen fremde Sprachen gelehrt werden, so soll der Leiter derselben mindestens das Rectorats=Examen bestanden haben. Diese strengen Anforderungen bedrohen die Existenz der meisten hiesigen, bisher so blühenden Pensionate und sind im Stande, einer Anzahl von Staatsbürgern ihre bisherigen Erwerbsquellen abzuschneiden. So viel bekannt, schreibt die„Neuw. Ztg.“, haben sich bis jetzt nur die betreffenden Anstalten der hiesigen Brüdergemeine, welche jedoch nicht ausschließlich auf Ausländer, sondern ursprünglich als Gemeindeschulen für schulpflichtige Inländer berechnet waren, mit der angeordneten Controle durch die königl. Schulbehörde einverstanden erklärt. Für sich und im Interesse der übrigen Pensionate hat Herr Pfarrer Philipps, dessen Institut bereits seit 40 Jahren besteht, sich unter'm 3. Nov. c. mit einem Gesuche an das Haus der Abgeordneten gewandt und darin gebeten, anzuerkennen, daß Anstalten für die nicht schulpflichtige Jugend den Bestimmungen der Staatsministerial=Instruction vom 31. Dec. 1839 behufs deren staatlicher Beaussichtigung gesetzlich nicht unterliegen, eventuell, daß ErziehungsAnstalten, welche ausschließlich für Ausländer bestimmt sind, behufs deren staatlicher Beaufsichtigung der gedachten Staatsministerial=Instruction gesetzlich nicht unterliegen. Im Falle rechtliche Gründe der Nr. 330 Bonner Zeitung vom 3. December 1880. Erfüllung dieser Bitte entgegenstehen sollten, wird das Abgeordnetenhaus gebeten: die Initiative zu ergreifen, um eine Abänderung der gesetzlichen Bestimmungen dahin herbeizuführen, daß die Gründung und Leitung von Pensionaten für die heranwachsende Jugend, welche nicht mehr schulpflichtig ist, und zumal für die ausländische Jugend allen bürgerlich undescholtenen Personen gestattet sei, und daß von ihnen, wie in Hessen und Baden, nur gefordert werden kann: daß von der Gründung der Anstalt und von der Anstellung der Lehrer an derselben den Schulbehörden Anzeige gemacht werde, und daß die Behörden das Recht haben, Einsicht von der Anstalt zu nehmen, um sich zu überzeugen, daß weder unsittliche noch staatsgefährliche oder gesundheitswidrige Einrichtungen bestehen. * Ems, 30. Nov. Am letzten Sonntag Abend wurde ein Dieb einige Monate hindurch ohne Unterbrechung und fast ohne Nahrung zu sich nehmen auf bestimmten Landzungen der Insel zuzubringen pflegen. Sie sammeln sich dann zu Hunderttausenden in dicht gedrängten Hausen am Strande. Es ist streng verboten, an diesen Stellen zu jagen oder die Thiere ohne vom Dorfvorsteher ertheilte Erlaubniß in ihrer Ruhe zu stören. Wenn eine gewisse Anzahl Séebären getödtet werden soll, wird ein solcher Haufe von einer genügend starken Gesellschaft von Jägern umringt und mit Stöcken ein Stück landeinwärts gejagt. Dann werden die Weibchen, Jungen und Männchen mit schlechtem Pelz weggetrieben und die übrigen erst mit einem Schlag auf die Nase betäubt und darauf mit dem Messer getödtet.... Gefolgt vom Vorsteher des Dorfes, besuchten einige der Unserigen eine von der nördlichen Seite der Insel in die See sich erstreckende Landzunge, welche einen Lieblingsaufenthalt für die Seedären bildet. Nach der uns gewordenen, gewiß etwas übertriebenen Angabe waren zur Zeit 200,000 Thiere auf der Landzunge und dem naheliegenden Strande versammelt. Die älteren Thiere wurden Anfangs etwas unruhig, als sie unSusd,,.; gewiß eigenthümliche Weise abge, sere Annäherung bemerkten, berubigen sich aber bald, und wir batten unn auf dem hiesigen Baynhofe auf gewig regentthumtiche Wpeise u bve daß Vergnügen eines böchst eigenthümlichen Schauspiels. Wir waren die fangen. Er hatte sich mit einem Spießgesellen in den Wartesaal Zuschauer Die Scenerie hildete ein von Steinen hedeckter und begeben, um den um 7 Uhr fälligen Zug nach Coblenz zu benutzen. Hier begegnete ihnen das Malheur, einen Stuhl zu zerbrechen. Durch einen anwesenden Gendarmen wurden sie zur Bezahlung desselben angehalten und sollten schließlich, da sie angeblich kein baares Geld mehr bei sich hatten, einige Sachen aus dem sehr umfangreichen Koffer, den Beide mit sich führten, zum Pfand zurücklassen. Den Koffer aber wollten sie um keinen Preis öffnen, und als dies endlich dennoch geschah, da sah man, daß sein Inhalt in lauter gestohlenen Gegenständen, als Wäsche, Kleider u. s.., bestand. Während einzigen Zuschauer. Die Scenerie bildete ein von Steinen bedeckter und von schäumender Brandung umgebener Strand, den Hintergrund gab das unabsehbare Meer ab und die Darsteller waren Tausende von eigenthümlich geformten Thieren. Einige alte Männchen lagen still und unbeweglich, unbekümmert um Alles, was in ihrer Nähe vorging. Andere krochen auf ihren kurzen Beinen mit einem eigenthümlich scharfen Laut zwischen den Steinen herum oder schwammen mit unglaublicher Schnelligkeit zwischen den Brandungen, spielten, liebkosten oder zankten sich untereinander. An einer Stelle kämpften zwei alte Thiere unter großem Lärm und in einer Weise miteinander, als wenn Angriff und Vertbeidigung nach gewissen Regeln unternommen würde. An einer anderen Stelle sahen wir ein Scheingefecht zwischen einem alten Thiere und einem Jungen. Es sah fast aus, letzteres Unterricht in der Fechtkunst erhalten sollte. Ueberall andere(Cobl. Bte.)„„.. f. h ursgichmen unt * Düsseldorf, 1. Dee. Die Umgestattung der verschiedenen, weit voneinander abliegenden Bahnhöfe hierselbst ist schon lange ein sehnlicher Wunsch der Bürgerschaft. Jetzt berichtet hierzu die„Düss. Zig.“: In der zweiten Hälfte des Monats December wird in un schreckte jedoch die am Strand lagernden Kameraden nicht serer Stadt eine Vorberathung von Ministerial=Commissarien unter unter ihnen zufolge der am Strande liegen gebliebenen, von selbst crepirten Zuziehung von Vertretern der betheiligten königlichen Eisenbahnver= Thiere ein gleicher Geruch herrschte. Unter dieser großen Schaar von * Bonn, 3. Der. Die zwischen Roisdorf und Bornheim am Friedhose gelegene Kapelle ist in verflossener Nacht erbrochen worden. Die Diebe haben die Thüre der Kapelle mitgenommen, dagegen aber einen rothen Shawl zurückgelassen, welcher vielleicht auf die Spur der Spitzbuben leiten dürfte. Meteorologische Beobachtungen auf der Sternwarte zu Vonn. Dec. 2. Maximum der Tagestemperatur.°0 C. Dec. 3. Minimum der Tagestemperatur—.°4 C. 1 Uhr Nachm. Barometer auf 0“ reducirt 766.6 Millmmeter. Temperatur.°9 C. Höhe des Niederschlages in 24 Stunden.0 Millimeter. Handel, Industrie und Verkehr. * Berlin, 2. Der. Cours=Notirungen. Preutz., auslürd. Fonds u. Lause. krochen die kleinen schwarzen Jungen geschäftig zwischen den Alten herum und blöckten wie Lämmer, um die Mutter zu rufen. Oft werden die Jungen von den Alten erdrückt, wenn diese, zufällig aufgeschreckt, zum Meere eilen. Hunderte von todten Jungen wurden schon nach einem derartigen Alarm am Strande gefunden. Nur 13,000 Thiere waren in diesem Jahr getödtet worden. Deren abgehäutete Körper lagen im Grase am Strande aufgehäuft, weit und breit einen widerlichen Geruch verbreitend. Dies schreckte jedoch die am Strand lagernden Kameraden nicht ab, weil auch Irgrgg von Vertreiern der bethelligten königlichen Eisenbahnverwaltungen, der königl. Regierung hierselbst und unserer Stadt über eine geeignete Besserung der hiesigen Eisenbahnverhältnisse stattfinden. Möge diese Versammlung eine für Düsseldorfs Handels= und Verkehrsinteressen und für ihre zukünftige Entwicklung und Gestaltung so äußerst wichtige Frage in einer alle Interessenten befriedigenden Weise lösen. * Barmen, 1. Dec. Die„B. Ztg." berichtet: Gestern Abend gegen 7 Uhr begab sich ein hiesiger Laden=Inhaber,., in die Wohnung seines Vaters, des Althändlers., um von demselben Geld, wie es heißt 1000., zur Zahlung eines heute fälligen Wechsels zu holen. Als der Vater das Geld zu geben sich weigerte, zog der Sohn einen Revolver aus der Tasche und feuerte fünf Schüsse auf seinen Vater ab, von welchen zwei trafen. Eine Kugel fuhr durch den Arm, eine andere in den Oberschenkel, wo sie noch sitzt. Der Attentäter stellte sich hierauf selbst der Polizei und wurde in Verwahrsam genommen. * Essen, 30. Nov. Wie die„Ess. Ztg.“ erfährt, ist die Ernennung des Ober=Regierungsrathes von Rosen in Schleswig zum Regierungs=Präsidenten in Arnsberg nunmehr eine definitive. * Dortmund, 2. Dec. Unsere Stadtverordneten haben einem Lehrer der Gewerbeschule, der in Folge eines mißglückten physikalischen Experiments auf beiden Augen erblindet ist, auf vorläufig 5 Jahre eine Pension von 600 M. jährlich bewilligt. * Münster, 30. Nov. Gestern starb hier plötzlich Professor Dr. Cappenberg. Geboren 1808 in Münster, wurde er laut dem „W..“ 1835 als Professor der Kirchengeschichte und des KirchenSeebären thronte auf der Spitze eines hohen Gesteins ein einsamer Seelöwe, das einzige Thier dieser Gattung, welches wir auf unserer Fahrt geür— (0) Bonn, 2. December. Am Montag betrat ein seltener Gast das Podium unserer Beethovenhalle. Die berühmte Pianistin Frau Annette Essipoff=Leschetitzky, welche als hervorragendste Klavierspielerin der Gegenwart bekannt ist, gab unter Mitwirkung verschiedener anderer Künstler ein eigenes Concert. Leider war die Betheiligung nicht so lebhaft, als man mit Rücksicht auf die künstlerische Bedeutung der Concertgeberin hätte erwarten sollen. Die Ursachen der zurückhaltenden Stellung der hiesigen kunstliebenden Kreise sind hier nicht zu erörtern, halten wir uns daber lediglich an die gebotenen Leistungen. Frau Essipoff hat am vorigen Montag den bedeutenden Eindruck noch erhöht, welchen wir vor Jahren bei ihrem Debut in Berlin und später noch in anderen Städten von ihr empfingen. Der Zufall wollte es, daß wir im Jahre 1872 Zeuge waren, wie die Künstlerin bei ihrem ersten Auftreten in Berlin sich mit Mendelssohn's Gmoll-Concert alle Herzen eroberte. Seitdem sind ihr die Schwingen im Fluge gewachsen. Mancher Herren Länder hat sie gesehen, manche Concerthalle betreten, stets und überall wurde sie mit Begeisterung empfangen. Die Vorzüge der Künstlerin sind nach mehr wie einer Richtung hin ganz eminente. Für's Erste hat sie einen solchen Grad der Technik erworben, daß sie fähig ist, die schwierigsten Bravourstücke mit einer seltenen Sicherheit vorzutragen. Dazu ist äußerlich nie aufdringlich Selbst in der tollsten F ihre Bravour außern nie aufdringlich. Selbst in der tollsten Flucht der Passage bewahrt sie eine wahrhaft classische Ruhe und eine Würde der Haltung, die nur Dem zu Gebote stehen, der die letzten Spuren des Kampfes mit dem spröden technischen Material getilgt hat. Sodann hat Frau EssiIs Professor der Kirchengeschichte n. 90 poff die Verbindung der Virtuosität mit dem gediegenen musikalischen Gerechts an die hiefige Akademie berufen, welche Professur er über 30 schmack auf's Glücklichste vollzogen. Gerade dadurch ragt sie über die Jahre bekleidete. In den letzten Jahren war er pensionirt. meisten ihrer Colleginnen hervor. Ihre stets geistreiche und eigenthümliche 4% Reichsanleite..... 4½2% Consols 4% Consols 3 1/% Staats=Schuldscheine Brannschweiger 20-Thlr.=Loose Kurhessische 40- Thlr.=Loose Badische 35=Ffl.=Loose.... 3 1/% Köln=Minden. Präm.=Anl. Oesterruichische Papier=Reute „ Sülder=Reute " Gald=Reut: „ Lott.=Anl. 1864 Ungar. Goldrente 4% Kufs. Nicolai=Obligationen. 5%" Bod.=Credit Pfandbr. 5%„ Anleihe von 1871.. 5og Türtsche Anlaihe von 1955. 6% Amerik. per 1881... Amerik. 3% fund. Anleihe. 7% Nem=Fersey=Citp=Anleihe 7% Rew=horter Stadt=Anleihe 6%„" Seld=Anleihze 130,65 a. 104.90 k. 100.20.5 96.50 d. 45 13500 K. 62.25 a 62.75 b. 74,75 b. 308.75 B 93.87 k. 75.290 k. 1 50 4. 111.52 123.5 Dont=Gcher Amsterdauer Bank Gnswerp. Centruldank Jammer Bankverein Brüsseler Bauk.. Deutsche Bank " Lan.=B. 60% Darmstädter Bank.. Darmstädter Zetteldank Disc.=Comm.=Actien Köln. Wechsler=Bank. Euremburger Bunk Neuunger Credit.. Hov.=V. in Meiningen Oesterr. Credit Pr. Centml=.=Cr.=B. 115,50.O 105,50 □ 106.30 132,50 14537 5. 91.00 K B 144s 5 106.75 G 180.50 k. 94.75 6 14120 18 98.50 G 91.60 425.50 158 75 0 14750.O 93.85 K 92.60 L. S Industrie=Actien. Rachern. Bergw.=Ges. Bochumer Gußstahl Hird. Bgw. u. Hüttenr. 147/76 0 72.25.S 12.20 b. S 85.0. k. S 44.60 B 33.50 S 108 00 12.90 B 89,25 d. 112.76 G 107,90.S 31.25 à S 31 45 kS 95.60 B 11.25 LS 107.85 d. Eirboin=Sumn=Gckn. Andrsem-Gasrhen! Perzsch=Pärtiche..4 40 Berlin= Anhalter4 6 Berl.=Potsd.=Magdeb. 4 4 Berlin=Steitiner.. 4½ 4½ Köln-Mindener... 8 S Ludwigshafen= Berd..49 Magdeburg-Halbers. 6 6 Ragzdch.=Hälder. a. gek Maime sear#cheten. Oberschlesische Ltt. A. O. 3½g 3½ Oest.=Franz. Staatsd. 4 6 61/ 117.60 a. 4u 115.60 8. 5 121,25 4. 39.20 4 115,00 K B 149,00 u. 203.50 14930 A. 85.00. S 122.75.0 95.95 E. 262.90 K. 484.50 u. 158 20 u. 99.00 k. 25.15 5. S 53.20 k. 127.50 158.00 K. 264.40 E. Wirsacm=Primtkit-=Sthliustenr Ellsabeth Westbahn 1873 gar. Ogerunigs strau, ull„ Erztuungn „ 5% Obllgan#ne Rheinische " k. Em. von 58 u. 60 "„ 6 u. 64 ** 1885 " cond. Obl. 69, 71, 75 Khein=Nahe v. Staate gar. Südsg. Bahn(Lomb.) alle 90/80 Nc. 20 E 85.75 B 103.80 104.40 105.82 L. 4½ 101.20 99.40 □ 99.65 k. 99.50 k. S 85,20 E 275.70 366.70 A. 103.85 101290 101,20 K. 101.80 L. 192.25 A B 102.25 0 270.45 276.20 K. S 94.70 LS 111.20 Wechiesl=Kamt Amstasdon.... 5 Tape 16349 4. London..... 3 Monat 20,19 k. Belgische Bankplätze. 8 Tage 80,65 d. Wien, österr. Währung 8„ 175.25 2 Paris......„ 84.35 4 Petersburg...3 Wechen 257.10 d. Gold. Geurrters Nachrichten. * St. Petersburg, 3. Dec.(Telegramm.) Der Kaiser ist heute Vormittag 10 Uhr im besten Wohlsein und in Begleitung von Loris Melikoff und anderer hoher Beamten hier eingetroffen und am Bahnhof von den Spitzen der Behörden, sowie der Generalität empfangen worden. Die Stadt ist festlich beflaggt. Literatur, Kunst und Wissenschaft. ## Die Mailänder Handelsgesellschaft zur Erforschung Afrikas hat beschlossen, in Bengasi(Tripolis) eine Handelsstation zu errichten. Die italienische Regierung bewilligte dazu 20,000 Lire à fonds perdu. Die Somosierra. Roman aus dem spanischen Bübnenleben. Von Robert Waldmüller(Eduard Duboc). Eleg. brosch. M..50. Verlag von Levy& Müller in Stuttgart. Somosierra ist der Name einer berühmten Schauspielerin Madrids. Sie stammte aus der französischen Champagne, hatte aber eine deutsche Mutter, eine Elsässerin. Dies empfahl sie der Theilnahme der deutschen Prinzessin, welche als dritte Gattin König Ferdinand des Siebenten und als Vorgängerin der ränkesüchtigen Maria Christina von 1819 bis 1829 Spaniens Königin war. Solcher Art hat die Somosierra in dem buntscheckigen Roman ihres Lebens dem eigenartigen Zuschnitt des Hofes von Madrid und Aranjuez sehr interessante Studien widmen können. Nicht minder aus unmittelbarster Anschauung ist das Treiben vor und hinter den Coulissen geschildert, und auch die Beziehungen der Bühne zum Journalismus durchschaut man nach mehr als einer Seite. Endlich hat die Somosierra bis in die Klöster hinein das Leben des spanischen Volks als solches kennen zu lernen Gelegenheit gehabt. Wir freuen uns, dem romanlesenden Publikum, insbesondere der leselustigen Damenwelt, einen gesunden Roman empfehlen zu können. Die Ausstattung des Werkes und die Billigkeit des Preises verdienen alles Lob, und es wird namentlich der große, deutliche Druck den Vielen, die beim Lesen stets auch auf möglichste Schonung des Auges Bedacht nehmen, in hohem Grade erwünscht sein. ir„Illustrirter Hausschatz für die Jugend.“ Unter diesem Titel hat Maximilian Bern, der Verfasser der vielbesprochenen, auch in diesem Blatte warm empfohlenen Erzählungen„Auf schwankem Grunde" und„Ein stummer Musikant“ soeben im Verlage von Wilh. Nitzschke(Stuttgart) ein mit feinem Geschmack zusammengestelltes und prächtig ausgestattetes Werk erscheinen lassen. Dasselbe kommt dem Verlangen der Jugend nach bunter Abwechselung entgegen, ohne ein systemloses Kunterbunt zu bilden. Während Fabeln und Lieder die jungen Leser belustigen und die schönsten Märchen und Sagen ihre Phantasie anregen, sorgt eine Fülle von leichtfaßlichen und belehrenden Artikeln dafür, daß sich die Phantasie nicht auf Kosten des Geistes entwickele. Aus der dämmerigen Stube, in welcher die märchenhaften Weisen erklingen, geleitet dieses reichhaltige Werk die Jugend zur Schule und auf den Spielplatz, in die umgedende Natur, sowie in ferne Zeiten und Länder. Ohne den jungen Leser zu ermüden, veranlaßt es denselben zu mancher weiten Wanderung und macht ihn bald mit Diesem, bald mit Jenem bekannt, was über seinen Gesichtskreis nicht hinausgeht. Von dem Wunsche beseelt, daß dieses fesselnde Werk des bekannten Novellisten allgemein eine gleich freundliche Aufnahme finden möge wie seine vielgerühmte„Anthologie für die Kinderstube“, empfehlen wir Bern's„Illustrirten Hausschatz“ nicht blos allen Eltern schulreifer Kinder, sondern auch allen Lehrern und Erzieherinnen, welche ihre Schüler durch eine bildende, unterhaltende und auregende Lectüre geistig zu fördern wünschen. Vermischtes. ##.* Madrid, 2. Dec. In Folge heftigen Regens haben in Malaga Ueberschwemmungen stattgefunden. Neapel, 1. Dec. In der hiesigen Tabakfabrik hat eine große Feuershrunst stattgefunden. Der Schaden wird auf mehrere Millionen Francs geschatzt. #### Agram, 2. Dec. Die Wieder=Eröffnung der Vorlesungen an der Universität ist auf den 13. ds. festgesetzt. Die aus der Stadt geflüchteten Bewohner kehren allmälig zurück. ## Ueber das Thierleben auf der Bering=Insel gibt Prof. Nordenskjöld in seinem Bericht über die nordöstliche Durchfahrt folgende interessante Schilderung:„Das einzige größere Thier, welches noch immer in bedeutenden Mengen auf der Insel vorkommt, ist der Seebär(Otaria ursina). Die zahlreichen Schaaren von Seebären, welche sich an den Küsten der Bering=Insel und Kupfer=Insel aufhalten, werden beinahe wie eine Heerde zahmer Thiere behandelt. Dies ist nur dadurch möglich, daß diese Thiere Auffassung der Compositionen wirkt oft geradezu fesselnd. Jedem Motiv und Motivchen weiß sie ein charaktervolles Gepräge aufzudrücken, ohne auch nur im Geringsten die Harmonie des Ganzen zu verletzen. Selbst da, wo man die Art und Weise der Wiedergabe nicht unbedingt gutheißen möchte, wird der Hörer in Spannung gehalten durch das Interesse, das diejenige streng einheitliche Auffassung stets erregt, welche das Ganze nicht durch übertriebenes Verweilen auf ausgeklügelten Pointen unterbricht. Das breite Fundament aber, worauf das Spiel der Essipoff sicher ruht, ist die Pietät, mit welcher sie an erster Stelle nur die Intentionen des Componisten walten läßt, von den eigenen Zuthaten nur soviel hinzufügend, als der Geist des Tonstücks erheischt. In dieser strengen künstlerischen Unterordnung unter die Absicht des Tondichters ist Frau Essipoff unübertrefflich. Darin zeigt sich ihre wahre musikalische Gesinnung gegenüber jenen Tastenstürmern, denen das eigene„Ich“ und die Wirkung der Bravour als letztes Ziel gilt. Ihre Vorträge begann die Künstlerin mit der Fmoll-Sonate op. 57 von Beethoven, bekannt unter dem Namen„apassionata“. Die Wahl gerade dieses Stückes machte uns neugierig. Noch nie nämlich hat eine zarte Damenhand es vermocht, dieses riesenhafte Tongemälde in wirklicher Vollendung vor uns hinzustellen. Auch Frau Essipoff hat unsere Meinung, daß Pianistinnen die Sonate den derben Fäusten eines Rubinstein, Bülow u. A. überlassen sollten, nicht wansend gemacht. Namentlich der erste Satz litt unter dem giftigen Hauch des tompo rubato, welches sich förmlich in Permanenz erklärt hatte. Wird nun auch Niemand gerade bei diesem Satze gegen ein sparsames, feinfühlendes Anwenden des rubato Einspruch erheben, so dürfte es doch Jeder gegen dem übertriebenen Gebrauch, den Frau Essipoff davon machte. Das Andante#trug sie sehr poetisch und innig empfunden vor. Glänzend bewältigte sie den letzten Satz, jedoch für unsern Geschmack an einzelnen Stellen nicht kraftvoll genug. Ungern vermißten wir die Reprise im letzten Satze.— Mendelssohn's„Variations sérieuses“ op. 54(auf dem Programm irrthümlich mit op. 83 bezeichnet) gab die Künstlerin geradezu vollendet. Sämmtliche siebzehn Variationen, mit Ausnahme von Nr. 9, bei der die Triolenfiguren beider Hände nicht prägnant genug klangen, haben wir noch nie so klar und mit so streng einheitlicher, wir möchten sagen männlicher Auffassung gehört.— Die eigentliche Domäne von Frau Essipoff ist Chopin. Der fremdartige Zauber der Muse dieses Componisten gewinnt unter ihren Händen den überzeugendsten Ausdruck. Ihr ist in Berlin das kühne Wagestück gelungen, an einem ganzen Concertabend nur Chopin zu spielen und dabei das Publikum zu begeistern, geschweige denn zu langweilen. Am vorigen Montag hatte sie das Cmoll-Nocturno, chant polonais Nr. 1 sowie einen Walzer gewählt. — Für die Wahl von„Abends“ und„Grillen“ aus Schumann's reizenden Phantasiestücken sowie des Schubert'schen Impromptu in B dur sind wir der Künstlerin aufrichtig dankbar gewesen. Namentlich das verlende Tonspiel des letztgenannten Stückes kann entzückender nicht wiedergegeben werden. Neben der Concertgeberin hatten die übrigen Mitwirkenden einen schwierigen Stand. Wie zu erwarten, entledigte sich am besten Herr Bellmann seiner Aufgabe. Seine Vorträge bestandenin„Berceuse“ von Napravnik,„Arlequin“ von Lalo, dem Abendlied von Schumann sowie einer Gavotte von Popper. Die beiden letztgenannten Nummern trugen Herrn Bellmann reichen und wohlverdienten Beifall ein.— Die Vorträge des Herrn Concertmeister Veermann aus Utrecht: Romanze von Bruch und Polonaise von Wieniawski wollten nicht recht bei uns zünden. Möglich, daß Indisposition oder Befangenheit dem Künstler im Wege standen, der, wie wir hören, in Holland vielfach mit Erfolg aufgetreten ist.— Statt der plötzlich verhinderten Hofopernsängerin Frl. Horson aus Weimar war Frl. Marie Schneider aus Köln erschienen. Dieselbe sang die bekannte Arie aus Gluck's Orpheus„Ach, ich habe sie verloren“, sowie Lieder von Reinecke, Schubert, Hiller und Schumann einfach und mit gesundem musikalischen Verständniß. Nur davor müßte sich die junge Dame hüten, bei Transponirungen zu tiefe Tonarten zu wählen. Z. B. Schumann's feinfühlige„Widmung“ kann unmöglich in F dur von Wirkung sein. Die Begleitung am Flügel hatte Herr Blomberg freundlichst übernommen. Sein Accompagnement war durchaus correct und verständig. Lokal-Nachrichten. O Bonn, 3. Der. Seit dem 1. December ist eine für das Publikum und die betreffenden Beamten lästige Einrichtung im Eisenbahn=Verkehr aufgehoben worden: Die Abstempelung der Retourbillete vor Antritt der Rückreiseist nicht mehr erforderlich. Ella Vergperksverta Euc. Zuchurg:. Stamm=Priorit. 5 Wissener Bergw.=Act. 6 Ermp'sche Anleihe.. 5 Zinsfuß der Reichshank für Wechsel 4, für Lombard 5 Broczut. * Berlin, 2. Dec. Die heutige Börse eröffnete in weniger fester Haltung. Das Geschäft entwickelte sich sehr ruhig und nur sehr vereinzelte spekulative Devisen gingen lebhafter um. Die Course erschienen meist wenig verändert und konnten sich im Verlaufe des Verkehrs ziemlich behaupten. Die von den fremden Börsenplätzen vorliegenden Notirungen gewannen auf die Haltur; am hiefigen Platz keinen wesentlichen Einfluß. * New=York, 2. Dec. Der Dampfer des norddeutschen Lloyd„Cimoria“ ist bier eingetroffen.„„„ 5staug) * Köln, 2. Dec.(Amtliche Notirungen der vereideten Produktenmäkler.) Wetter: trübe.— Weizen besser, eff. hiesiger 21,50—22,50., fremder 22.00—24,00.; per März 22,45bz. u.., 22,40.; per Mai 22,45 bz., 22,40 B. u. G. Rogzen per Mai höher, eff. biesiger 21,00—23,00B., fremder 21,00— 23,00B.; per März 20,40 B. u..; per Mai 20,10bz., 20,15B., 20,10 G. Hafer, eff. hiesiger 14,00—15,00B., fremder 15,00—16.00 B. Rüböl unverändert, eff. in Partien 30,50B.; per Mai 29.70B., 29,60G. Landmarkt. Weizen 21,25—22,25., Roggen 21,25—22,25., Gerste—., Hafer 14—14,75 M. per 100 Kg. Preise und Stimmung ziemlich unverändert. Zufuhren etwa 250 Sack, meist Hafer. Rudolf Mosse's neuester Zeitungs=Katalog. Die sehr oft eintretenden Tarifveränderungen im Inseratentheil seitens vieler Zeitungen, sowie das Erscheinen neuer Zeitungen, Fachzeitschriften 2c. machen es für jeden Inserenten zum dringenden Bedürfniß, einen möglichst completten, mit den neuesten Veränderungen im Zeitungswesen ergänzten Insertionstarif zu besitzen. Mit der soeben erschienenen 17. Auflage des ZeitungsKatalogs nebst Insertionstarif der Firma Rudolf Mosse dürften selbst die weitgehendsten Erwartungen erfüllt sein. Derselbe enthält ein mit großem Aufwand von Zeit und Mühe zusammengestelltes Verzeichniß der Zeitungen, Fachzeitschriften, sowie Coursbücher 2c. des In= und Auslandes unter Beifügung der Auflage(nach Angabe der Verleger), ferner Angaben über Zeilenpreise einer jeden Zeitung, sowie Erscheinungsweise derselben. Einem längst gefühlten Bedürfniß wird endlich mit diesem Zeitungs=Katalog noch dadurch abgeholfen, daß bei den Zeitungen die Spaltenbreite des Inseratentheils nach Millimeter angegeben ist, was die Anfertigung von passenden Eliches außergewöhnlich erleichtert. Es ist dies eine Neuerung, die besonders Erwähnung verdient und von jedem fleißigen Inserenten dankbar begrüßt werden wird. Das Aufsuchen einer jeden Zeitung wird durch die alphabetische Eintheilung nach Länderbezirken leicht und schnell ermöglicht; es ist somit einleuchtend, daß der Zeitungs=Katalog von Rudolf Mosse bei seiner trefflichen Einrichtung für jeden Geschäftsmann ein fast unentbehrliches Hülfsmittel bildet. Ueber die geschmackvolle Ausstattung genannten Katalogs kann man sich nur lobend aussprechen. Todes=Anzeige. Es hat dem Allmächtigen gefallen, gestern Abend 8 Uhr unseren theuren Vater, Schwieger= und Großvater Gerrn Georg Noerpel, gew. Goldarbeiter, nach kurzem Krankenlager zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Derselbe starb, gestärkt durch die Heilsmittel der römisch=katholischen Kirche, im 79. Jahre seines Lebens. Um stille Theilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen. Bonn, den 3. December 1880. Die Beerdigung findet Statt Sonntag den 5. 2 Uhr, vom Sterbehause, Remigiusstraße Nr. 1. „Rachmitius Held=Verskand. Am Montag den 6. December 1880, Nachmittags 3 Uhr, läßt der Herr Bering zu Poppelsdorf in der Wohnung des Gastwirthen Walbrül daselbst 16 Loose Schlagholz an der Melberbrücke, 6 Loose Buchen=Schlagholz an der Fuchskaule, 6 Loose Eichen=Schlagholz im Mühlenberge, Gemeinde Ippendorf, öffentlich gegen Zahlungs=Ausstand verkaufen. Der Feldhüter Peters in Poppelsdorf und Schüren zu Ippendorf werden das Holz auf Verlangen anzeigen. Bonn, 30. November 1880. Lichtenberg, Gerichtsvollzieher. Seite 1338 Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen Ackerer Mathias Honrath aus Lützgenauel, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Meineids verhängt. Es wirdersucht, denselben zu verhaften und in das Arresthaus zu Bonn abzuliefern. Bonn, den 29. November 1880. Königl. Staatsanwaltschaft. ### Beschreibung: Alter 33 Jahre, Größe 1,62 Meter, Statur mittel, Haare dunkelblond, Stirn hoch, Bart rafirt, Augenbrauen blond, Augen blau, Nase gewöhnlich, Mund gewöhnlich, Zähne gesund, Kinn spitz, Gesicht oval, Gegesund, Sprache deutsch. (eKennzeichen: sprichtschnel. Verlag von August Hirschwald in Berlin. Soeben ist erschienen und bei Emil Strauss in Bonn zu haben: Die Homoopathie Hähnemann's und von Dr. C. Koep e. 8. Preis 2 Mk. Bonner Zeitung vom 3. December 1880. Nr. 330 u die der Neuzeit In Luxus-Postpapieren und Couverts Bestellursgn7#le Neuheiten. schlungenenn—4 Converts mit luitidlen, verGolddruck, weich.ppen era. etc. in Bunt- und besonderer ges Geschenken bestimmt, besonderer Anfertigung bedürfen, erbittet baldigst A. Henry in Bonn, Münsterplatz Nr. 6. Nongen tich bei mir ein. Georg Abers, Der Kaiser, 2 Binde. Emil Strauss, Buchhandlung und Antiquariat. Teme., Reien weizen bekuten Wio auren-Geschaft Steckbrief. Gegen den Peter Kümpel, Schäfer, geboren am 24. November 1854 zu Stoßdorf, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Versuchs eines schweren Diebstahls verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Arresthaus zu Bonn abzuliefern. Bonn, den 30. November 1880. Der Erste Staatsanwalt. Durch einen vor dem Königl. Notar Custodis zu Köln unter'm 25. November cr. zwischen Herrn Hubert Balt hasar Zerres, Kaufmann zu Vilich wohnend, und Fräulein Johanna Elisabeth Röckerath, Rentnerin und ohne Geschäft zu Vilich wohnend, abgeschlossenen Ehevertrag, wovon heute ein Auszug in dem Audienzsaale des hiesigen Königlichen Amtsgerichts in der dazu bestimmten Tabelle angeheftet und öffentlich ausgestellt worden ist, haben die genannten Contrahenten vereinbart: Passus concernens. „Die Ehe wird abgeschlossen unter dem Rechtsverhältnisse einer Gütergemeinschaft, welche auf die Errungenschaft beschränkt ist, wie dieses durch die Artikeln 1498 und 1499 des Bürgerlichen Gesetzbuchs näher festgestellt ist.“ Die Richtigkeit dieses Auszuges bescheinigt: Bonn, den 2. December 1880. Der Gerichtsschreiber des Königlichen Amtsgerichts, Sommerkorn. A. Meury in Bonn, Münsterplatz Nr. 6. Musikalien- Leih- Anstalt. . 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Doppelte und einfache eene ührung, Rchreausep. ur Mesreibe Curius nach prömirSiemerde Nachbüfe in allen Siementarfächern.— Privatstunden Annahme für Beischreihen und Einrichten der Bucher. H. Muelenz, Rheinwerst 10. CONCORDIA. Das Stiftungsfest uit am kommenden“. bAerztliche Sprechstunden: 10—12 Vormittags. Dr. Wolff, praktischer Arzt, Kaiserplatz 4, erste Etage. Nichtmitglieder können durch Mitglieder des Vereins unentgeltlich eingeführt, jedoch müssen für diese vorher bei unserm Vorstandsmitgliede Herrn Tschiersky, Wenzelgass Nr. 39, Eintrittskarten entnommen werden. Unter Bezugnahme auf 5 J unseres Statuts vom 22. October 1864 wird hierdurch darauf aufmerksam gemacht, daß die Städtische Sparkasse in der zweiten Hälfte des Monats December geschlossen bleibt. Dagegen ist in der ersten Hälfte December, mit Ausnahmeder Sonnund Feiertage, die Kasse zur ErZinsen pro 1880, sowie zu Einlagen und Rücknahmen, täglich von—4 Uhr Nachmittags geöffnet. Bonn, den 22. Novbr. 1880. Die Verwaltung der Städtischen Sparkasse. Wein-Versteigerung am 6. Decbr., Morgens 9 Uhr, im Lagerkeller Hundsgasse 3. 8500 Liter Moselweine. 8200„ Rhein-und Abrweine. 2000„ Bordeaux- und rethe Ungarweine. L. Laufenberg, Taxator. Sternstraße, Sternthorbrücke 11. CONDFTOREI Chr. Schmidt Brückenel= Unterricht, pro Stunde 1., wird von einem tücht., im Unterrichten erfahr. Clavierspieler nach der neuesten Metbode ertheilt. Adressen sub P. an die Exped. d. Bl. empfiehlt alle Sorten feinster Backwaaren zu Wein. Thee, Kaffee etc. täglich frisch. Legerrgeg. Geutschen, hollindischen und französischen Ligpeuren. terercun unr der Vitlesen Brtun. — Nen Sh che Näheres Paulstraße Nr. 9. Weihnachtn.-Geschenlk für Jedermann! 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Ludwig, Welschenonnenstr. 22. Jos. Schäfer, Bonngasse 34. Jos. Wißkirchen, Kasernenstr. 64. gac. Esser, Maxstraße 30. Jac. Striefler, Rheingasse 30. Joh. Lammerich, Acherstraße 11. Bonner Casino. S" auiung Samstag den 4. Decbr. cr., Abends ½9 Uhr, Die Direction. Rheinische Eisenbahn. Von Bonn nach Köln“, 6, Morgens; 1223, 1% 48 Nachm.; 6%, 855, 941 Abds. Von Bonn nach Mainz u. weiter 1283 früh;“, 819, 941, 104 Morgens, 124 Mittags, 358(bis Coblenz), 38, 5“ Nachm.; nach Coblenz 9° Abds. V3g.B gar gach Neuenahr“, nach Niedermendig 64, 102, 124, 388, H. Euskirchen 84%, 248(an Wochentagen), 3“ (nur Sonntags), 935. Bestes oberruhr'sches „ ß aus dem Schisfe zu beziehen von G. Zingsheim. Restauration Adtorf. Von, Bonn nach rechtem Ufer 658, 846, 104%, 124e 32, 70, 920. Vom rechten Ufer in Bonn 121, 429, 58, 82, 1055. Ab Bonn weiter nach Köln 7“ 102, 14, 42, 697, 899. Von Beuel rheinabwärte“, 1011. 127, 44, 836.— 7 100 uel rheinaufwärts“,%, 82, 77, 9. 6 9 1" Münchener Export und Bock, „Löwenbräu“. Heute Freitag Abend Schellfisch. # Morgen Samstag 6 * Hammchen mit Sauerkraut. Mcne . Froamptschifffahrt Kölnische und Düsseldorfer Gesellschaft. Abfahrten von BONN vom 17. Nov. Für den Personen- und Güter-Verkehr. Rheinaufwärts: Morgens 9¼ Uhr nach Mannheim mit Uebernschtung in St. Goar und Nachm. 333, Uhr nach Coblenz; Abda. 12¼ Uhr nach Mainz. Bestes oberruhr'sches Schrott= und Fettgeriß aus dem Schiffe zu beziehen von Joh. Drammer Jr., Rheinwerft 234. Ein Hundertmarkschein am Dreieck od. Acherstr. verl. Gegen Belohn. abzug. Meckenheimerstr. 59. Das mit der Agentur der Kölntschen Zeitung für Bonn und UmgeNahen 53t Uir nach Ro)““ Mittags 12½ Uhr nach Köln, Düsseldorf Arnheim, Amsterdam, Rotterdam und London via Harwich. gend verbund. Insertions-Comptoir Gust. 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