Bezugspreis: Durch unsere Boten mit den Beilagen„Unterhaltung und Belehrung", des„Landmanns SonnlagsBlatt" und der Beilage„Aus dem Reich der Frau" sowie der Monatsschrift„Heimatblätter“ für den Monat 2.— Goldmark. Bei Eintritt höherer Gewalt, Betriebsflörung, Papiermangel, Versagen der Lieferungsmittel und Erscheinungsverboten wird keine Gewähr für Lieferung und Leistung übernommer Erkelenzer Kreisblatt. Erkelenzer Zeitung.. Erkelenzer Volkszeitung Amtliches Kreisblatt Für die Schriftleitung verantworklich: Dr. Josef Hahn und Carl Wachtendung, Erkelenz. Erscheint täglich mit Ausnahme von Sonn= und Feierlagen Anzeigenpreis: Für den Kreis Erkelenz 20 Piofür die 3 mm. hohe Petitzeile, sübehördliche u. auswärtige Anzeigen 30 Pfg. und Reklamezeilen 100 G.=Pfg. Postscheck=Konto Köln Nr. 21749. Geschäftsstelle: Brückstraße 29. Fernsprech=Anschluß Nr. 1. Telegramm-Adresse: Kreisblatt“ Erkelenz. Druck und Verlag: I. Brandts, Buchdruckerei und Verlag, G. m. b. 5. 74. Jahrgang. Erkeleng, Dienslag, den 26. Juli 1927. Nummer 170. Austrili des Reichskanzlers Dr. Marx aus dem Reichsbanner. Besprectzung führender Zentrumsmitglieder. Berlin, 25.Juli1927. Reichskanzler Marx hat aus seinem Urlaubsaufenthalt in Ober=Grainau unter dem 23. Juli 1927 in einem Schreiben an den Bundesvorstand des Reichsbanners seinen Austritt aus dieser Organisation erklärt. Das Schreiben des Reichskanzlers hat folgenden Wortlaut: An den Vorstand des Reichsbanners, zu Händen des Herrn Oberpräsidenten Hörsing, Magdeburg. Mit Rücksicht auf verschiedene Vorkommnisse der letzten Zeit, insbesondere auf die Kundgebung des Vorstandes des Reichsbanners an den Republikanischen Schutzbund in Wien, die eine unberechtigte Einmischung in die politischen Verhältnisse des befreundeten Oesterreichs und eine schwere Herabsetzung und Beleidigung der Bundesregierung enthält, erkläre ich meinen Austritt aus dem Reichsbanner. Wie uns mitgeteilt wird, hatten führende Reichsbannermitglieder der Zentrumspartei zu der gestrigen Tagung des Reichsbanners in Magdeburg eine Erklärung abgeben lassen, in welcher bezüglich des bekannten Aufrufes Hörsings nach der formalen Seite hin dagegen Einspruch erhoben wurde, daß dieser Aufruf vom Bundesvorsitzenden erlassen wurde, ohne daß die der Zentrumspartei angehörenden Mitglieder des Vorstandes befragt oder auch nur in Kenntnis gesetzt worden sind. In dieser Erklärung war nach der inhaltlichen Seite in Verwahrung gegen die Vorwürfe, die in diesem Aufruf gegen die österreichische Regierung erhoben worden waren, zu einer Zeit, als eine einwandfreie Beurteilung der Wiener Vorgänge noch ganz unmöglich war, eingelegt worden. Außerdem wird in der Erklärung die Erwartung ausgesprochen, daß gegen die Wiederholung ähnlicher unliebsamer Vorkommnisse Sicherungen getroffen werden. Auf diese Erklärung ist, wie weiter mitgeteilt wird, der Bundesvorsitzende Hörsing in einem Schlußwort eingegangen, indem er zugab, den Aufruf ohne Befragen aller Vorstandsmitglieder abgesandt zu haben. Er habe dabei aber auch zugleich versprochen, künftig Derartiges zu vermeiden. Hörsing schloß: Daß durch diesen Aufruf im Lager des Zentrums und der Demokratischen Partei Unruhe erzeugt worden ist, bedauere ich aufs tiefste. Ein ernster Konflikt zwischen diesen Parteien und dem Reichsbanner darf aber daraus bestimmt nicht entstehen. Im Laufe des Tages haben dann zwischen den Mitgliedern des Bundesvorstandes wiederholt Besprechungen stattgefunden. Eine endgültige Stellungnahme zu der Erklärung der Zentrumsmitglieder im Reichsbanner ist für die nächsten Tage vom Bundesvorstand zugesagt worden. Außerdem werden die der Partei angehörenden führenden Mitglieder des Reichsbanners zu einer Besprechung im Laufe dieser Woche in Berlin zusammentreten. Hörsings Amtsrücktritt als Oberpräsident An verschiedenen Kundgebungen des Gesamtbundesvorsitzenden des Reichsbanners, des sozialdemokratischen Oberpräsidenten von Sachsen, Hörsing, hatte sich besonders in Jentrumskreisen starke Kritik geltend gemacht. Ein Telegramm, das Hörsing aus Anlaß der Wiener Anruhen an den Deutschösterreichischen Schutzbund gerichtet und in dem er u. a. der österrreichischen Regierung Hilflosigkeit vorgeworfen hatte, hat die deutsche Reichsregierung bei der österreichischen Regierung sogar ausdrücklich bedauern müssen Hörfina bat nun am Sonntag in Magdeburg bei der regelmäßigen Reichskonferenz des Reichsbanners seinen Entschluß bekanntgegeben, von seinem Amte als Oberpräsident zurückgetreten. Hörsing erklärte, diesem Entschlusse sei eine Rücksprache mit dem preußischen Ministerpräsidenten Braun und dem Innenminister Grzesinski vorausgegangen.Er könne sich, so sagte er, als Vorsitzender des Reichsbanners nicht mundtot machen lassen, und in seiner Eigenschaft als Abge ordneter und Bevollmächtigter für den Reichsrat sei er verpflichtet, Kritik zu üben. Er stehe jetzt vor der Wahl, entweder auf die Kritik oder auf seinen Oberpräsidentensessel zu verzichten; er tue das letztere, besonders deswegen, um der preußischen Regierung keine Schwierigkeiten zu machen und um alles aus dem Wege zu räumen, was den Bestand der preußischen Regierungskoalition und das Zustandekommen einer republikanischen Regierung im Reich für die Zukunft gefährden könnte. Die Haltung des Reichsbanners bleibe unverändert; er habe nun als dessen Vorsitzender größere Ellenbogenfreiheit und werde sie auch gebrauchen. Daß damit die parteipolitische Krise im Reichsbanner noch nicht gelöst ist, geht aus verschiedenen Arteilen vor Zentrumsblättern hervor, die von der„Ellenbogenfreiheit“ Hörsings eine verschärfte agitatorische Tätigkeit des Reichsbannerleiters im sozialdemokratischen Interesse und gegen die Reichsregierung befürchten. Die der Zentrumspartei angehörenden führenden Mitglieder des Reichsbanners sind, wie die„Germania“ mitteilt, zu einer Besprechung im Laufe dieser Woche nach Berlin berufen worden Was den Nachfolger Hörsings auf dem Magdeburger Oberpräsidentenposten betrifft, so dürfte das preußische Staatsministerium kaum vor Mittwoch dieser Woche darüber Beschluß fassen. Die Nachricht von der Berufung des ehemaligen Innenministers Severing als Nachfolger Hörsings ist inzwischen bereits überholt. Es dürfte zwar richtig sein, daß sich die preußische Staatsregierung darum bemüht hat, Severing zur Annahme des Magdeburger Oberpräsidentenposten zu bewegen; indessen hat Severing die Uebernahme dieses Amtes bereits endgültig abgelehnt, und zwar mit der Begründung, daß er sich gesundheitlich noch nicht kräftig genug fühle, um die Anstrengungen einer leitenden und exponierten Stellung im preußischen Staatsdienst übernehmen zu können. Für den Magdeburger Oberpräsidentenposten ist nun, laut„Voss. Itg.", der langjährige sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Otto Landsberg, s. J. „Volksbeauftragter“ und danach bis 1924 Gesandter in Brüssel, in Aussicht genommen. ... Otto Hörsing wurde 1874 in Östpreußen geboren, war Schmied, drei Jahre Grenadier und von 1905 bis zum Kriege Gewerkschafts= und Parteisekretär in Beuthen. Den Krieg machte er als Vizefeldwebel mit und erhielt das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Später wurde er Reichskommissar für Schlesien und Westposen. Er hat der Nationalversammlung und dem ersten neuen Reichstag angehört. Nach seinem Rücktritt als Reichskommissar wurde Hörsing 1920 Oberpräsident von Sachsen. Nachdem er als Vertreter Sachsens Mitglied des Reichsrats geworden war, schied er 1923 aus dem Reichstag aus. Jetzt ist er noch preußischer Landtagsabgeordneter. Der Reichspräsident empfing am Sonntag den in Deutschland auf Arlaub weilenden deutschen Botschafter in Washington, Frhrn. v. Maltzan. Am Sonntag machte der Reichspräsident einen privaten Besuch in Doberan an der Oftsee; überall auf der Reise, besonders in Rostock, wurde v. Hindenburg herzlichst begrüßt; Sonntag abend kehrte er nach Berlin zurück. Der Schachteinsturz auf Zeche Auguste Viktoria. WIB Essen, 25.Juli1927.(Drahtb.) Der in der Nühe des Lippe=Seitenkanals gelegene eben fertiggestellte Schacht III der Zeche Auguste Viktoria in Hüls (Kreis Recklinghausen) ist gestern vormittag durch Wassereinbruch mit sämtlichen Tagebauten vollständig zerstört worden. Alle Anlagen sind in einem Krater von etwa 200 Meter Durchmesser verschwunden. Die Nachtschicht von 15 Mann konnte sich im letzten Augenblick vor dem Zusammenbruch noch retten. Die über Tage beschäftigte Belegschaft von 30 Mann entging nur durch schleunige Flucht dem Tode. Die Schachtanlagen I und II der gleichen Zeche, die mit Schacht III durch Querschläge in Verbindung stehen, sind schwer in Mitleidenschaft gezogen. Die 3. Sohle steht unter Wasser, die 2. Sohle hat einen Meter hoch Wasser. Ein Pferdejunge auf der 3. Sohle wird vermißt. Ein Steiger und vier Mann, die zur Abdämmung des Wassers auf die 3. Sohle vorzudringen versuchten, sind von den Fluten überrascht und abgeschnitten worden. Man hofft jedoch, daß sie sich retten konnten. Die Rettungsarbeiten wurden sofort aufgenommen. Zu dem Zusammenbruch des Schachtes III der ZechAuguste Viktoria erfahren wir weiter: Der neue Schacht ist 700 Meter tief. Die mit den Schachtausbauarbeiten beschäftigte Nachtschicht von 15 Mann bemerkte gegen Ende der Schicht ein starkes Geräusch in der Anlage, die sie zunächst auf ein Unwetter zurückführte und deshalb nicht ausfuhr. Plötzlich hörte sie unter sich ein gewaltiges Krachen und eilte schleunigst zum Förderkorb und ließ sich rasch zutage fördern. Nun wurde festgestellt, daß in etwa 200 Meter Tiefe durch den Bruch der Tübbinge ein Wassereinbruch erfolgt war. Die Nachtschicht sowie die ganze Belegschaft über Tage von etwa 30 Mann verließen fluchtartig die Anlage, die innerhalb einer Viertelstunde unter lautem Getöse vollständig zusammenbrach und in einem Krater von etwa 200 Meter Durchmesser versank. Von dem Förderturm, den Maschinenanlagen und sonstigen Uebertageanlagen ist nichts mehr vorhanden. Alles bietet ein wüstes Chaos, ein Gewirr von Eisen= und Maschinenteilen. Zwei in der Nähe aelegena Beamtenwohnungen mußten schleuniast aeräumt werden, da die Ränder des Kraters dauernd nachstürzen und sich in den Mauern der beiden Häuser Risse zeigen. Die Unglücksstelle ist in einem Umkreis von einem Kilometer durch starkes Polizeiaufgebot abgesperrt, da das Betreten der Stelle mit Lebensgefahr verbunden ist. Oberbergrat Meier und Bergrat Wißmann sind von der Bergbehörde zur Unglücksstelle entsandt worden. Essen, 25. Juli 1927.(Drahtber.) Zu dem Schachteinsturz bei der Gewerkschaft Auguste Viktoria in Hüls hören wir von der Verwaltung, daß woyl kaum noch Hoffnung besteht, die im Unglücksschacht eingeschlossenen fünf Bergleute zu retten. Sie sind wahrscheinlich bereits gestern schon durch die herabstürzenden Wassermassen zu Tode gekommen. Gestern abend mußten die zu ihrer Rettung aufgebotenen Mannschaften zurückgezogen werden, da sie ebenfalls in Lebensgefahr schwebten. Eine neue Rettungskolonne unter Zuziehung des Betriebsrates konnte heute vormittag gleichfalls nicht von den Abgeschlossenen entdecken. Durch das Unglück sind auch die Schachtanlagen I und 11 in Mitleidenschaft gezogen worden. In diesen beiden Schachtanlagen sind die Strecken vollkommen verschlammt, so daß der Betrieb der Schachtanlagen dadurch stillgelegt worden ist. Wie lange die Aufräumungsarbeiten in den letzten Schachtanlagen dauern und wann die Kohlenförderung wieder aufgenommen werden kann, läßt sich noch nicht übersehen. Die Verwaltung hofft indessen, im Laufe des heutigen Nachmittags die Wasserhaltung wieder in Gang setzen zu können. Die Gewerkschaft Auguste Viktoria, die sich im Besitze des Interessengemeinschaft Farbenindustrie befindet, erleidet durch den Schachteinsturz einen Verlust von Milé lionen. Die Arbeit von zweieinhalb Jahren ist dadurch vollkommen vernichtet. Der Schacht ist gänzlich verloren Die Abteufungsarbeiten waren fast beendet. Allerdings waren die Nebengewinnungsanlagen über Tage noch nicht gebaut worden. Das Ereignis erinnert an den Einsturz des Schachts Franz Haniel der Gutehoffnungshütte vor zwei Jahren, wobei die gesamten Anlagen zerstört worden waren Die Gewerkschaft Auguste Viktoria hatte beim Kohlensyndikat für den neuen Schacht eine Beteiligungsquote von 500 000 Tonnen beantragt. Fünf Opfer der Grubenkatastrophe. Essen(Ruhr), 25. Juli 1927.(Drahtbericht.) Nach den letzten Nachrichten über die furchtbare Gewalt des Wassereinbruches auf Zeche Auguste Viktoria III in Hüls (Kreis Recklinghausen) darf jetzt als sicher angenommen werden, daß die fünf im Schacht III durch Wasser= und Schlammassen eingeschlossenen Bergleute überrascht wurden und den Tod gefunden haben, ehe sie sich der Gefahr bewußt wurden. Die Leichen zu bergen besteht vorläufig keine Aussicht. Die Lage in Rumänien Bukarest, 25. Juli. In dem Ministerat vom Samstag wurde die Frage der Thronfolge besprochen. Nachdem Prinz Michael zum König proklamiert worden ist, hat Rumänien keinen Thronfolger. Der Ministerat beschloß daher, den Prinzen Nikolaus, den Bruder des Exkronprinzen Carol und Mitglied des Regentschaftsrats als einziges jetzt in Betracht kommendes Mitglied der königlichen Familie zum Thronfolger zu ernennen. Zu diesem Zwecke soll in einer gemeinsamen Sitzung des Senats und der Kammer eina Gesetzesvorlage über die Abänderung der Thronfolge erledigt werden, die auch die Seitenlinie des königlichen Hauses zur Thronfolge berechtigt. Bukarest, 25. Juli. Am Sonntagvormittag fand das feierliche Leichenbegängnis König Ferdinands statt. Seit den frühesten Morgenstunden umsäumte eine nach Hunderttausenden zählende Menge die Straßen, die der Leichenzug passieren sollte. Anmittelbar hinter der Lafette, die des Königs Sarg trug, schritt Ministerpräsident Bratianu, zusammen mit dem Senatspräsidenten und den Kammerpräsidenten, sowie dem Präsidenten des Obersten Gerichtshofes. Ihnen folgten König Alerander von Juzoslavien, Prinz Nikolaus, die Neffen des Königs, darunter 2 Prinzen aus dem Hause Hohenzollern-Sigmaringen, sowie die Minister und das diplomatische Korps. Die weiblichen Mitglieder der königlichen Familie nahmen an dem Trauerzuge nicht teil. Auf dem Nordbahnhofe von Bukarest, wohin die Leiche gebracht wurde, warteten vier Sonderzüge, um den Sarg nach Curtea de Arges zu begleiten. Von dem dortigen Bahnhof begleiteten etwa 1000 Priester den Zug nach dem Kloster, in dem König Ferdinand neben den Gräbern König Karols und der Königin Elisabeth seine letzte Ruhe finden soll. Reichsbankpräsident Dr. Schacht ist wieder in Berlin eingetroffen. Er hat Montag vormittag seine Amtsgeschäfte wiederaufgenommen. Die letzte belgische„Ankwort". WB Berlin, 25. Juli1927. Die belgische Regierung hat dem deutschen Gesandten in Brüssel, Herrn v. Keller, das nachstehende Memorandum überreicht: In Beantwortung der Mitteilung der belgischen Regierung wom 19. Juli 1927 hat die Reichsregierung in einem Memorandum vom 20. d. M. erklärt, daß sie die Bemerkungen ihrer früheren Note über die Senatsrede des Herrn Wehrministers aufrechterhält. Die deutsche Regierung hat hinzugefügt, daß ein weiteres sachliches Eingehen auf die Frage sich für sie erübrige, da Graf de Broqueville seine Erklärungen durch keine konkreten Beweise gestützt habe. Die Regierung des Königs Albert beehrt sich, die Reichsregierung daran zu erinnern, daß Herr de Broqueville von Anfang an die Gründe angegeben hat, die ihn daran hinderten, alle Nachrichtenquellen zu enthüllen. Darüber hinaus glaubt Herr de Broqueville, daß seine Erklärungen und Erläuterungen das deutsche Memorandum vom 18. Juli in entscheidender Weise widerlegen und geeignet sind, jede Zweideutigkeit auszuschließen. Indem sie das Vorstehende der Reichsregierung mitteilt, stellt die belgische Regierung fest, daß die Antwort der deutschen Regierung vom 20. Juli über denjenigen Teil des belgischen Memorandums vom 19. Juli gänzlich schweigt, in dem die Regierung des Königs ihr Erstaunen darüber aussprach, daß Deutschland ihr Vorwürfe über ihre Haltung machte, während ganz kürzlich noch offizielle, einer weiten Oeffentlichkeit zugänglich gemachte Reichstagsdokumente gegen die belgische Regierung und das belgische Volk schwere Anschuldigungen wiederholt haben, deren Unrichtikeit seit langem nachgewiesen ist. * Mit dieser weiteren belgischen Verlegenheitsanwort kann wohl der deutsch-belgische Notenwechsel als abgeschlossen betrachtet werden. Auf deutscher Seite ist er fast mit einem Uebermaß an Geduld und Bemühen um sachliche Aufklärung geführt worden, während die Belgier von Anfang bis zu Ende mit völlig beweislosen Behauptungen und nicht zur Sache gehörigen Ableugnungsmanövern gearbeitet haben. Wohl selten ist eine diplomatische Kontroverse mit solcher Leichtfertigkeit vom Zaune gebrochen worden, wie im Falle des belgischen Kriegsministers. Der Festigung der deutschbelgischen Beziehungen, um die sich hüben und drüben die besonnenen Kreise in stets wachsendem Maße bemühen, hat er damit nicht gedient. Wer wird Vertreter in der Mandatskommission? Berlin, 25.Juli1927. In der Berliner Presse werden in der letzten Zeit Erörterungen darüber angestellt, wer als deutscher Vertreter in die Mandatskommission des Völkerbundes entsandt werden soll. Es wurde dabei der Name des früheren Gouverneurs von Kamerun, Dr. Schnee genannt, der auch Mitglied der volksparteilichen Reichstagsfraktion und von dem bekannt ist, daß er zu den aufrichtigsten Befürwortern der Wiederzulassung für kolonialpolitische Betätigung gehört. Ein Berliner linksstehendes Montagsblatt führt diese Erörterungen heute fort und wendet sich gegen die Person des Herrn Schnee. Diese Erörterungen sind einstweilen hinfällig, da die Frage zurzeit überhaupt nicht akut ist. Obgleich Dr. Schnee vielfach genannt wird, präsentiert man, und das wahrscheinlich vom Auswärtigen Amt, für diesen wichtigen Posten in erster Linie ein Präsidialmitglieddes Reichsverbandes der Deutschen Inpustrie, der mehr Aussichten hierfür hätte. Wie gesagt, ist aber eine Entscheidung einstweilen noch nicht zu erwarten. Nach den Wiener Unruhen. Verräterische Photographien. WTB Wien, 25.Juli1927. Der Polizei ist es, wie die Blätter melden, gelungen, den größten Teil der vor acht Tagen aus einer geplünderten Waffenhandlung weggeschafften Waften und Munition in einem Vereinslokal der sozialdemokratischen Jugendorganisation wieder zu beschlagnahmen. Bei den politizeilichen Ermittlungen spielten einige von verschiedenen Photographen während der Unruhen aufgenommene Bilder eine bedeutsame Rolle. Die Photographien wurden stark vergrößert, vodurch es möglich war, eine große Anzahl von Peronen, die sich an den Ausschreitungen besonders als Brandtifter beteiligten, festzustellen. Die österreichischen Sozialdemokraten. WTB Wien, 25.Juli1927. Die Vertreter der Sozialdemokratischen Partei sind hier zu einer außerordentlichen Reichskonferenz, die einen streng vertraulichen Charakter trägt, zusammennetreten. Es verlautet, daß neben der Besprechung der weiteren innerpolitischen Haltung der Partei nach den blutigen Ereignissen der Vorwoche die Beratung von Orpanisationsfragen der Sozialdemokratie, sowie der Maßnahmen, durch die verhindert werden soll, daß künftig wieder unberufene und unverantwortliche Elemente die Möglichkeit zu Ausschreitungen fänden, im Vordergrund steht. Die Organisationsmaßnahmen sollen sich auch auf den Republikanischen Schutzbund erstrecken. Außerdem soll die Konferenz zu der vom Landbund angeregten Frage der Auflösung des Nationalrats und zur Frage der Neuwahlen Stellung nehmen. Die Arbeiterzeitung veröffentlicht u. a. folgenden auf der lozialdemokratischen Parteikonferenz gefaßten Beschluß: Die Parteikonferenz nimmt den Bericht des Parteivorstandes über die letzten Ereignisse zur Kenntnis und billigt die Beschlüsse, die Parteivorstand und Gewertschaftskommission in den idenden Stunden gefaßt haben. Die Parteikonferenz fordert den Verband der sozialdemokratischen Abgeordneten und Bundesräte auf, im Nationalrat folgende Forderungen zu erheben: 1. Strenge Untersuchung darüber, wie es zu dem Blutbad in den Wiener Straßen gekommen ist. 2. Amnestie für die Verhafteten des 15. und 16. Juli. 3. Bundeshilfe für die Hinterbliebenen der Opfer. 4. Niederschlagung des Prozesses gegen die Schutzbündler, die wegen der Schattendorfer Vorfälle angeklagt sind. Im übrigen gibt die Parteikonferenz dem sozialdemokratischen Verband freie Hand für seine politischen Entscheidungen. Besprechung Seipel=Bauer. WTB Wien, 25. Juli1927.(Drahtber.) Nach Meldungen des christlichsozialen Neuen Montagsblattes fand gestern im Parlament eine längere Besprechung zwischen Bundeskanzler Seipel und dem sozialdemokratischen Führer Dr. Otto Bauer statt, der anscheinend augenblicklich die Opposition leitet. Die erhandlungen dürften sich auch auf die morgige Sitzung des Nationalrats bezogen haben, in der die Aussprache über die Ereignisse des 15. und 16. Juli stattfindet. Bundeskanzler Seipel dürfte die Sitzung mit der Darlegung der Stellungnahme der Regierung einleiten. Die heutige Trauersitzung Um den deutsch-französischen Handelsvertrag. Französischer Optimismus. Garis, 25. Juli1927. Auch in dem heutigen Endstadium der heutsch-französischen Handelsvertragsverhandlungen häben sich die beiderseitigen Delegationen zu völligem Stillschweigen über den Verlauf der Arbeiten verpflichtet. Im Gegensatz zu den letzten Tagen sieht die französische Presse den Ausgang der Verhandlungen optimistisch an. So macht der Matin heute auf die Bedeutung des deutsch-französischen Handels aufmerksam, indem er darauf hinweist, daß der Warenaustausch zwischen Frankreich und Deufschland heute in Goldmark gerechnet nur 15 Prozent unter dem Warenaustausch von 1913 liegt. Hierbei ist jedoch zu berücksichtigen, daß im Jahre 1926 Deutschland nach Frankreich Waren im Werte von 367 Mill. M. exportiert hat, von denen auf Elsaß=Lothringen 74 Mill. M. entfallen. Der deutsche Export nach dem Saargebiet, welches zu dem französischen Zollgebiet gehört, beträgt 131 Mill. M. Das Blatt verrät, daß die jetzigen Verhandlungen sich über ein viel weiteres Gebiet ausdehnen, als ursprünglich vorgesehen war. Nachdem man die Methode der kurzfristigen Abkommen verlassen habe, sei in der Tat nur ein Provisorium möglich, welches sämtlichen Wünschen der beiden Länder Rechnung trage und nur Fragen von untergeordneter Bedeutung dem endgültigen Vertrag vorbehalte. Die bisherigen Provisorien erstreckten sich nur auf ein Achtel des Warenaustausches. Durch das Ermächtigungsgesetz vom 14. Juli habe die französische Regierung weitgehende Vollmachten erhalten, und nur ein Abgehen von den bisherigen Zöllen bei Lebensmitteln und Artikeln der Bekleidungsindustrie sei vom Parlament ausgeschlossen worden. In dieser sichtlich offiziös inspirierten Meldung wird dagegen Verwahrung genommen, daß das jetzige Handelsabkommen mit Deutschland die spätere Zollgesetzgebung Frankreichs präjudizieren könne. Der Kammer stände immer noch frei, die jetzt festgesetzten Tarife durch Kündigung des Vertrages zu modifizieren. Trotz alledem dürfe man nicht vergessen, daß das jetzige Abkommen mit Deutschland, für dessen Zustandekommen die besten Aussichten beständen, einen weiteren entscheidenden Schritt für die wirtschaftliche Annäherung der beiden Länder bedeute. Das Zentralexekutivkomité und die parlamentarischen Fraktionen der polnischen sozialistischen Partet veröffentlichen in der Parteipresse einen Aufruf, der sich gegen die Regierung Pilsudski richtet. Unsere Sachlieferungen an Frankreich. Paris, 25.Juli1927. Im gestrigen amtlichen Verordnungsblatt wurde ein vom Senat angenommenes Gesetz veröffentlicht, welches den zuständigen Minister ermächtigt, das Telephonnetz zwischen Paris, Bordeaux und Toulouse erheblich auszubauen. Die vorgesehenen Kredite belaufen sich auf über 36 Mill. Franken. Der Minister hat wissen lassen, daß die Regierung beabsichtige, den größten Teil dieser Kabelarbeiten durch Deutschland auf Konto der Sachlieferungen zu verlangen. In hiesigen Regierungs- und Finanzkreisen bildet das Sachlieferungsproblem Gegenstand ernstester Erwägungen. Angesichts des fortdauernden Widerstandes der französischen Industriellen gegen das Hereinströmen deutscher Ware auf Reparationskonto versucht die Regierung, der Gefahr, das ihr zustehende Warenquantum nicht abrufen zu können, dadurch zu entgehen, daß große öffentliche Arbeiten in Frankreich durch Deutschland ausgeführt werden sollen. Die Kabellegung von Paris nach Bordeaux gehört zu diesem Programm. Bereits Anfang dieses Jahres waren diese Bestrebungen der französischen Regierung Gegenstand eingehender Besprechungen mit deutschen Geldinstituten. Je länger der Dawesplan funktioniert, desto größer wird das Quantum der von Deutschland zu leistenden Sachlieferungen Man möchte hier alles vermeiden, um eine Abänderung des Dawesplanes dadurch hervorzurufen, daß Frankreich sich außerstande sieht, den ihm zustehenden Teil der Sachlieferungen abzunehmen. Daß diese Möglichkeit aber tatsächlich besteht, wird in ernsthaften Kreisen nicht bestritten. Die Hauptschwierigkeit, große öffentliche Arbeiten durch Deutschland auf Reparationskonto ausführen zu lassen, bestand darin, daß hierzu eine Finanzierung nötig ist, welche die Höhe einer Dawesannuität weit übersteigt und überhaupt Arbeiten, welche sich über mehrere Jahre hinaus erstrecken, finanziell sicherer gestellt werden müssen, als durch die einfache Jahresleistung des Dawesplanes. Es steht zu erwarten, daß französischerseits der Versuch gemacht wird, die im Frühjahr dieses Jahres resultatlos verlaufenen finanziellen Verhandlungen wieder aufzunehmen. Das der Schwerindustrie nahestehende Blatt, Journée Industrielle, hält ferner den Augenblick für gekommen, daß man wieder an das Problem der Mobilisierung der Eisenbahnanleihen herangehen müsse. Um dies zu ermöglichen, müsse Deutschland jedoch eine Revision seiner jetzigen Budgetpolitik vornehmen. des Nationalrates soll sich auf eine Gedenkrede des Parlamentspräsidenten Niklas beschränken. Majora. D. Bernatz, der bisherige Kommandant der Wiener Gemeindeschutzwache, ist von seinem Posten zurückgetreten. Wie die Arbeiterzeitung meldet, wird sich der Gemeinderatsausschuß für allgemeine Angelegenheiten bereits in seiner nächsten Sitzung mit der Vorlage über die Gemeindeschutzwache beschäftigen. Er wird über das vom Magistrat ausgearbeitete Organisationsstatut zu beschließen haben. Deutsche Wiederaufbauarbeit in Kamerun. In dem schmalen Streifen unserer Kolonie Kamerun, der unter englisches Mandat gefallen ist, in dem Bezirk um den Kamerunberg, sind seit etwa zwei Jahren wieder deutsche Kolonialgesellschaften an der Arbeit, auf dem verwahrlosten Boden ihrer früheren kolonisatorischen Tätigkeit das wiederaufzubauen, was Kriegs= und Nachkriegszeit zerstört hatten. Die im November 1924 in London abgehaltene Versteigerung des deutschen Farmbesitzes in Kamerun ermöglichte es einer Anzahl deutscher kolonialer Produktionsgesellschaften, einen Teil ihrer früheren Besitzungen zuruczuerwerben und ihre frühere Kolonisationsarbeit wiederaufzunehmen. Unter den schwierigsten Bedingungen setzte nun ein zäher und unermüdlicher Wiederaufbau der deutschen Farmwirtschaft in diesem Teile Kameruns ein. Heute ist noch alles im ersten Werden und Neubilden. Aber wir sehen doch schon aus den Trümmern, die der Krieg von der einst blühenden deutschen Kolonialwirtschaft in Kamerun übrig gelassen hat, die Grundmauern einer bescheideneren deutschen Kolonialwirtschaft wieder emporsteigen und die Jahresberichte der in Kamerun tätigen deutschen Pflanzungsgesellschaften lassen erkennen, daß der Wiederaufbau langsam aber stetig erfolgt. Kardinal Fürstprimas Csernoch F. WIB Budapest, 25.Juli1927.(Drahlber.) Kardinal Fürstprimas Csernoch ist heute früh sechs Uhr im Alter von 75 Jahren gestorben. Johann Csernoch wurde am 18. Juni 1852 in Szakolcza als Sohn einfacher Bauersleute geboren. Er studierte in Szakolcza, Gran und an der Wiener Universität und wurde am 18. November 1874 in Wien zum Priester geweiht. Drei Jahre wirkte er als Kaplan in der Seelsorge, ein Jahr als Theologieprofessor in Gran und 11 Jahre im Diözesanamte zu Gran als erzbischöflicher Sekretär und Kanzler. 1888 wurde er zum Domherrn ernannt und übernahm 1893 die Leitung der Graner Dompfarre, die er bis 1908 innehatte. Als Leiter des Diözesanamtes Gran, das bekanntlich das erste Ungarns ist(um das Jahr 1000 wurde der Graner Erzbischofssitz gegründet, dem später der Primat unter den ungarischen Bischofssitzen zufiel), war er Vertrauensmann des damaligen Fürstprimas Simor und lenkte die Aufmerksamkeit des Landes auf seine Persönlichkeit, die sich durch allseitiges Wissen, sowie durch reiche Erfahrung und ein schlagfertiges Rednertalent auszeichnete. Während der kirchenpolitischen Kämpfe wurde Csernoch Mitbegründer der katholischen Partei(Volkspartei) und in den Jahren 1901, 1905 und 1906 in den Landtag gewählt. 1906 wurde er als Bischof von Szatmar vorgeschlagen, mußte aber den Antrag aus gesundheitlichen Rücksichten ablehnen. Als seine Gesundheit 1908 restlos hergestellt war, ernannte ihn Kaiser Franz Josef I. zum Bischof von Temesvar. Drei Jahre übte er diese Tätigkeit aus und blieb bis 1910 Mitglied des Abgeordnetenhauses. 1911 wurde er Erzbischof von Kalocsa und eineinhalb Jahr später zur höchsten kirchlichen Würde Ungarns berufen. Er wurde Erzbischo von Gran und Primas von Ungarn. Im Konsistorium vom 25. Mai 1914 wurde er von Papst Benedikt XV. zum Kandinal ernannt. Während des Krieges war der Fürstprimas bemüht, einen ehrlichen Frieden für Ungarn sicherzustellen und benützte jede Gelegenheit, um die Kriegsnot zu lmildern. Zurzeit der Sowjetdiktatur war Csernoch aus seinem Hause verwiesen und öfter am Leben bedroht. Als das Sowjetregime zu Fall kam, hielt er unter Teilnahme der Bevölkerung seinen Einzug in die Graner Kathedralkirche. Am 18. November 1924 feierte Johann Csernoch im Budapester Dome das goldene Priesterjubiläum. In Anwesenheit der Würdenträger Ungarns hielt der Erzbischof von Erlau, Ludwig Szmrecsayi, die Begrüßungsansprache im Namen des Episkopates. Der Fürstprimas war einer der markantesten Gestalten unter den Kirchenfürsten, dessen Wirksamkeit, dessen Starkmut in den dunkelsten Tagen seines Vaterlandes, dessen hilfsbereite Güte sich die Dankbarkeit und Anhänglichkeit des ganzen ungarländischen Volkes erworben hatte. Amerika gegen das Sowjetregime. WTB Washington, 25.Juli1927.(Drahtber.) Die amerikanischen Handel skammern lehnten den Vorschlag, in Moskau ein Bureau für die Förderung des Handels mit den Vereinigten Staaten einzurichten, ab, da lediglich eine für die Vereinigten Staaten schädliche Propaganda hieraus zu erwarten sei. *. Die Haltung der amerikanischen Wirtschaftskreise gegenüber dem Handel und gegenüber wirtschaftlichen Verträgen mit Sowjetrußland hat sich immer mehr versteift. Besonders interessant in diesem Zusammenhang ist ein Streit des großen Petroleumstrusts um den Ankauf von russischem Petroleum, welcher durch aufsehenerregende Erklärungen des Generaldirettors der Königlichen Shell=Gruppe im Haag eine öffentliche Bedeutung erlangt hat. Demnach haben die Sowjets aus den Erträgen des Petroleumgeschäfts u. a. mit der Standard Oil Company(New York, Rockefeller) und der Vacum Oil Company ihre kommunistische Propaganda bestritten. Weiteres darüber ist mitgeteilt im Handelsteil dieser Ausgabe unter„Die Diebstahlspolitik der Sowjets“. Auch der panamerikanische Arbeiterkongreßendete, so berichtet Wolff, auf der gemeinsamen Basis der VerDer Kirchenkongreß in Winchester. Christlicher Pressetag in Köln. WTB Winchester, 25.Juli1927.(Drahtbericht.) Der Kirchenkongreß in Winchester beendigte gestern seine Tagung. In seiner öffentlichen Versammlung, bei der Vertreter sämtlicher Kirchengruppen zu Worte kamen, sprach Reichsgerichtspräsident Dr. Simons über die Bedeutung der christlichen Einigungsbestrebungen für die Gesetzgebung und die Beziehungen der Nationen untereinander. Die Kommission der christlichen Presse beriet in mehrfachen Sitzungen über die Möglichkeit der Anbahnung engerer Beziehungen zwischen der christlichen Presse der europäischen und überseeischen Länder und über die Beteiligung bei der Internationalen Presseausstellung Köln 1928. Es soll bei diesem Anlaß ein erster christlicher Pressetag stattfinden, für den der schwedische Erzbischof Söderblom als Hauptredner gewonnen ist. Erhöhle Beiträge zur Invalidenversicherung. Nochmals wird darauf hingewiesen, daß die bis zum 27. Juni Invalidenversicherungsmarken niederen Wertes nur noch bis zum 31. Juli verkauft werden. Wer mit der Martenverwendung im Rückstande ist, möge die fehlenden schleunigst bei den Postanstalten, den Kontrollstellen der Landesversicherungsanstalt oder bei dieser selbst kaufen. Laut Vorschrift können alte Marken vom 1. August an nicht mehr abgegeben werden. Da der 31. Juli em Sonnins etren Vertaustag tatsächlich der Rheinland=Westfalen. Erkelenz, den 26. Juli 1927 * Endlich ein Lichtblick.„Dauerregen" war von der Wetlerdienststelle Aachen für Sonntag angesagt worden, und schwere Befürchtung war darob aufgelliegen nicht nur für die verschiedenen Orisfestlichkeiten, die für den Sonntag vorgesehen waren, sondern auch der Landmann sah mil Bangen dem entgegen angesichts der drängenden Einscheuerung seiner Halmfrüchte und zögerte weiter mit dem Beginn des Roggenschnitts, der in normalen Zeitläufen bereits vor 14 Tagen hätle beginnen müssen. Auf der Gilbach hatle man schon in der Vorwoche damit degonnen, während die in Haufen tehende Gerste infolge des ewigen Regens uneinbringlich und an Qualität schon sehr gelitten hatte. Und was brachte uns der Wetlerhimmel?— Am Sonntag zwar etwas regendrohend, und sein Nachfolger, der Montag, endlich wieder einen Sonnentag, wie wir ihn selten in diesem Jahre erlebt haben. Auch heute lacht die Sonne abermals vom blauen Himmel und ruft hinaus zur Arbeit in den Feldern, während der weiter aufgestiegene Barometerstand neue Hoffnung aufkeimen läßt, daß endlich eine Wendung zum Besseren, zu beständiger, der Ernte dienlicher Witlerung in Aussicht steht. Gebe das der Himmel! * Mnmnalium. In Rheydt fanden am Samstag die Bannerwettkämpfe und Schlagballpreußenspiele der höheren Schulen Rheinlands statt. An diesen Spielen, die von sämtlichen höheren Schulen Rheinlands mit weil über 1000 höheren Schülern ausgetragen wurden, bekeiligte sich auch die Leichtathlelihmannschaft unseres Gymnasiums. Es kann für sich als Erfolg buchen, daß es bei der Schwedenstaffel, die von 15 Mannschaften ausgetragen wurde, an 4. Stelle stand. 1. Sieger(Wanderpreis der Stadt Düsseldorf) war die Lessing-Oberrealschule Düsseldorf, 2. das städtische Gymnasium Bonn, 3. das Reform=Realgymnasium Essen, 4. Sieger unser hiesiges Gymnasium. Die Leichtalhletikmannschaft, deren Schlagballmannschaft bekanntlich große Erfolge errungen hat und als die beste des Gladbacher Bezirks angesprochen werden muß, wird, wenn sie unter der bewährten Leitung des Herrn Oderschullehrers Quast in ihrem jetzigen anerkennenswerten Streben weilerschafft, noch große Erfolge erringen können. Ihr auch an dieser Stelle ein anerkennendes und anspornendes Lob! * Alles schon dagewesen: Die Welt soll wieder mal untergeben! Es ist auch die höchste Zeit. Denn es sind schon mehr als zwei Jahre seit dem letzten großen Welkuntergangsrummel vergangen. Damals prophezeite die amerikanischen Adventistin das Ende aller Dinge. Man ermnerl sich noch der grolesken Szenen, die sich am 6 Febrvar, dem Tage des voraussichtlichen Welkunterganges, auf Long Island abspielten, wo der Apostel der Adventistin, der Bauer Reidt, sich mit seiner ganzen Familie und 13„Jüngern“ auf die„Himmelfahrt“ vordereitete, indem alle einen hohen Berg erkletterlen, um sich, wie einst Noah, vor der hereinbrechenden Sintflut zu retten. Die Sache war damals ein großes Spektakelstück ür die Newyorber, die in Autos herbeigeeilt waren, um den Weltuntergang ja nicht zu versäumen, für die Kinooperateure und Jeilungsberichterstatter, die am nächsten Morgen der übrigen Mitwelt in Riesenüberschriften melden konnten, daß die Welt wieder einmal nicht untergegangen sei. Jetzt droht uns von neuem Unheil. Nicht durch eine Siniflut, sondern durch einen Kometen. Im Sommer kommt dieser Komet an unserer Erde vorbei. Ein Komet mit Giftgase in seinem Schwanz. Die vergifteten Gase werden niedersteigen zur Erde oder emporsteigen, wie man will, die Menschen werden die Gase einatmen, und dann wird es aus sein mit allen Herrlichkeiten des irdischen Jammertals Um zu beweisen, daß ein Komet in der Tal seine Giftgase auf die Erde senden kann, wird die Geschichte von einer eigenartigen Epidemie hervorgeholt, die im Jahre 930 herrschle. Damals war auch ein Komet mit giftigen Gasen in der Nähe unserer Erde, aber etwas weiler entfernt, als der Komet dieses Sommers; die Gase waren deshalb so verdünnt, daß nur eine Anzahl Menschen dabei ihr Leben verloren. So heißt es.. Diesmal ist es nichts mit den verdünnten Gasen. Aber schließlich brauchen wir auch vor diesem Komelen keine Angst zu haben. Wir haben ja im Kriege nicht umsonst mit Gasmasken umzugehen gelernt. Der Komet soll nur kommen!... Neuer amtlicher Taschenfahrplan. In den nächsten Tagen wird der grüne amtliche Taschenfahrplan neu erscheinen. Da bis zum Ausgabetage eine größere Anzahl, wenn auch nur geringfähiger Fahrplanänderungen eingetreten sind, mußte der Fahrplan berichtigt werden, damit der Benutzer durch Verwendung des alten nicht irregeführt wird. Dse innere Ausgestaltung des Taschenfahrplans ist im übrigen die gleiche geblieben, sodaß er sich jetzt bei Beginn der Ferienreisezeit der Hochsaison im Reisebetriebe für jeden, ob er nun nur in unserem Heimatgebiet reist oder auch Fernfahrten unternimmt, als unentbehrliches, aber auch vollkommen ausreichendes Fahrplanbuch erweisen wird * Wieder eine Wochenendfahrt nach Helgoland! Vom 6.-8. August veranstaltet die Reichsbahndirektion Köln wiederum eine ihrer belieblen Wocheneudfahrten nach Helgoland. Die Ferienzeit wird manchen, der keine lang dauernde Ferienreise machen kann, veranlassen, von dieser schönen Gelegenheit, das Meer zu sehen, Gedrauch zu machen. Die disherigen Wochenendfahrten haben bewiesen, daß das Meer bei jedem Wetter, ob Sturm, ob Sonnenschein, schön ist, und daß eine Seefahrt auf dem prachtoollen Lloyddampfer„Roland" ein Genuß und eine Erholung ist. Eine Musikkapelle begleitet die Teilnehmer. Also auf zum Wochenende nach Helgoland! Adfahrt am Samstag, den 6 August um 706 ab Köln und Wiederankunft in Köln am Montag, den 8. August, 7.14 Uhr. Fah=preis für Eisenbahn und Schiff 26.— Mk. Dazu bergt die Eisenbahndirektion auf Wunsch Gutscheine für Mittagessen, Abendessen und Nachtquartier in Bremerhaven. Auch hier sind die Preise äußerst billig gemessen. Hiesige Teilnehmer wenden sich um Milfahrt nicht nach Köln, sondern an das Reisebllro„Tha“ Düsseldorf Hbf. Der Sonderzug ist in Düsseldorf zu erreichen mit dem Personzug 542 ab hier bis Rheydt, von dort mit dem D=Zug 6.28, an Düsseldorf 7.17 Uhr. Nähere Aushunft erleilt auch die Fahrkarien-Ausgabe. P—. * Schutzwafsen mit Schalldämpfern. In der letzten Zeit sind Schußwaffen mit Schalldämpfern hergestellt und in den Verkehr gebracht worden Wenn auch die Vorteile der Benutzung on Schalldämpfern beim Schießen in geschlossenen Räumen, beim schießen auf Scheibensländen, in Gärten oder in Wäldern während Schonzeit nicht zu verkennen sind, so werden diese doch aufgen durch die Nachteile, die durch die Verwendung von solchen pfern entstehen. Es ist zu befürchten, daß bei Angriffen auf und Leben und insbesondere bei politischen Auseinandersetzungen die Feststellung des Sachverhaltes und die Ermiltelung der Täter durch die Benutzung von Schußwaffen mit Schalldämpfern sehr rschwert, wenn nicht unmöglich gemacht wird. Für Jugendliche ist Möglichkeit der Verwendung von Schalldämpfern geradezu ein eiz zur Benutzung von Schußwaffen. Dasselbe gilt für WildDeshalb ist die Benutzung von Schalldämpfern durch den rn Minister des Innern vollständig verdoten worden. Baal, 26. Juni. Gestern ereignete sich auf dem hiesigen Babnhof ein Unglücksfall. Der Bahnarbeiter Reiff war dem Auslegen eines Kanals an der Weiche beschäftigt. Der nglückte halte erst im letzten Augenblick den herannahenden Zug bemerbl und noch versucht, aus dem Geleise herauszuspringen Er b aber mit einem Fuße hängen und wurde ihm der linke Unternkel abgefahren. Das Lokomotivpersonal halte den Unfall beral, ließ den Zug halten und beförderte den Mann, nachdem das ein abgebunden worden war, mit dem Zuge rach Rheydt, wo er 1 Krankenhause zugeführt wurde. Eine direkte Levensgefahr für Verletzten besteht nicht. Cörrenzig, 26. Juli. Am vergangenen Sonnlag, abends 8 hr. ereignete sich hier ein bedauerlicher Autounglücksfall. in Motorradfahrer, aus der Richlung Glimbach herkommend, behr in mäßigem Tempo die hiesige Kulschstraße. In einem Neuzu an der Kulschstraße spielende Kinder liefen in demselden Augenke auf die Straße. Ein 10 Jahre altes Mädchen wurde von Motorrad erfatzt und zu Boden geschleudert Blutüberströmt das Kind auf der Straße. Der Motorradfahrer kam durch diesen Anprall ebenfalls zu Fall, erlilt jedoch nur einige Hautabschürfungen. Auch das Molorrad wurde beschädigt. Die sofort herdei gerufenen Aerzte aus Linnich waren innerhalb 10 Minuten zur Stelle. Nach Anlegung von Notverbänden wurde sofort die Ueberführung zum Krankenhause nach Linnich vollzogen. Das Kind hat erhebliche Kopfverletzungen. Ledensgefahr besteht bisher noch nicht. Nach Aussagen der Zeugen trifft den Fahrer keine Schuld, da er vorschriftsmäßig gefahren sei. Er bekümmerte sich um die Schwerverletzte und hat sich auch bereit erklärt, die Kosten des Unfalles zu tragen. Cofferen, 25. Juli. Am Freitag Abend wurde in einer Versammlung unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Sels eine Freiwillige Feuerwehr für Cofferen gegründet, welcher sofort 38 Milglieder beitraten. Nachdem der Vorsitzende das Grundgesetz für die anerkannten Feuerwehren der Rheinprovinz eingehend erläutert halte, wurde zu den Vorstandswahlen geschritten. Zum Brandmeister wurde Herr Franz Gehlen, zum stellvertretenden Brandmeister und Führer der Spritzenabteilung Herr Franz Jäger, und zu Abteilungsführern die Herren Josef Krichel, Joses Bongartz und Wilhelm Bongartz gewählt. Das Ami als Schriftführer übernahm Herr Alois Röden und die Kasse Herr Wilhelm Röben. Die freiwillige Feuerwehr in Cofferen tritt dem ProvinzialFeuerwehrverband der Rheinprovinz bei. Die Gründung ist zu begrüßen, da bei den schwierigen Wasserverhältnissen in Cofferen und den umliegenden Ortschaften eine organisierte Bekäwpfung des Feuers unbedingt notwendig ist. Glimbach, 26. Juli. In einer am Sonntag, abends 8 Uhr im Lokale Lohmann unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Sels statlgefundenen Versammlung wurde die Freiwillige Feuerwehr von Glimbach wieder neu gegründel. Nach eingehender Erläulerung des Grundgesetzes für die anerkannten Feuerwehren in der Rheinprovinz erklärten etwa 35 Personen ihren Einteitt in die Feuerwehr. Die stattgefundenen Vorstandswahlen hatlen folgendes Ergebnis: Brandmeister Herr Gotlfried Roemer, stellv. Brandmeister Herr Martin Beyhs, zu Abteilungsführern die Heiren Rob. Roeben, Heinrich Kramp, Marlin Beyhs, Heinrich Finken. Die Geschäftsführung und die Kasse wurde dem Herrn Wilhelm Offermanns übertragen. Die Freiwillige Feuerwehr krilt den in Frage kommenden Verbänden bei. Auch für Glimbach ist diese Gründung sehr zu begrüßen, zumal bei den ungünstigen Wasserverhällnissen die Bekämpfung des Feuers sehr schwierig ist. Leider haben die Hauptinteressenten ihren Beitrilk noch nicht erklärt, jedoch kann dieses noch beim Brandmeister und Geschäftsführer geschehen Ueber die Aufnahme entscheidet in der nächsten Sitzung der Vorstand. M.=Gladbach, 25. Juli. Oberpfarrer Lingnau, der seit sieben Jahren segensreich an St. Mariä=Himmelfahrt in M.=Gladbach wirkte, wiro einem Rufe vom Kardinal-Erzbischof nach Köln folgen. Er ist zum Oberpfarrer an St. Columba in Köln ernannl. — Dr. Karl Gielen, der Sohn des hiesigen Oberbürgermeisters, ist als Assistent an das Konvikt in Neuß berufen worden. M.=Gladbach, 25 Juli. Der Polizei ist es gelungen, in M Gladbach-Rheindahlen fünf Fässer Sprit zu beschlagnahmen und sicherzustellen, die aus Remscheid unversteuert nach hier verschoben werden sollten. Vier Leute, die dieser Schiebung verdächlig sind, wurden festgenommen. Zwei der Verhafteten wurden sofort nach Elberseld gebracht, wo in dieser Sache ebenfalls Verhandlungen schweben. Die beiden anderen wurden dem hiesigen Gerichtsgefängnis zugeführt. Hilden. 25. Juli. In der vergangenen Nacht, kurz nach 2 Uhr, durchfuhr ein aus der Richtung Düsseldorf kommendes Auto, das mit zwei Herren und drei Damen besetzt war, die Benratherstraße. Die Kurve am Volkshaus nahm der Wagen zu weit, so datz er gegen den Bordstein fuhr und sich überschlug. Die beiden Herrn. die vorn im Wagen saßen, wurden bei dem Anprall derart verletzt, daß der herbeieilende Arzl nur den Todfeststellen konnte. Die drei Damen wurden auf die Straße geschleudert und kamen mit unbedeutenden Verletzungen davon. Die beiden ködlich Verunglückten sind beide aus Solingen. Herford, 24. Juli. Eine bei einem Landwirt in Exter angestellte Magd geriet auf der Landstraße unter ein Auto und wurde auf der Stelle getötet. Das Unglück geschah dadurch, daß das Mädchen in einer Kurve sich durch zwei aneinander vorbeifahrende Automobile erschrecken ließ, die Geistesgegenwart verlor und direkt auf eines der Fahrzeuge zulief. Wanne=Eichel, 23. Juli. Die kaum 16jährige Amalie der Familie W. aus der Steinstraße erhielt von ihrem Valer, weil sie erst nach Mitternacht nach Hause gekommen war, eine Tracht Prügel. Der Fall schien beigelegt. Plötzlich sprang das Mädchen in einem unbewachten Augenblick aus den Fenstern der im vierten Stock gelegenen elterlichen Wohnung auf die Straße Mit zerschmetterten Gliedern, Beinbrüchen und anderen Verletzungen wurde das Mädchen nach dem Hospital gebracht. Ob es mit dem Leben davon kommen wird, ist noch fraglich. Koblenz. Auf dem Maifelde bei Bassenheim stießen in einer scharfen Kurve zwei vollbesetzte Autos, von denen das eine nach Koblenz und das andere nach Mayen fuhr, zusammen. Der Anprall war so beftig, daß beiden Wagen die Vorderteile vollkommen eingedrückt wurden. Beide Führer wurden schwer verletzt. Der Führer des einen Wagens erlitt einen Schädelbruch, dem des zweiten wurde die Halsschlagader durchschnitten. Seine Frau wurde gleichfalls schwer verletzt; die übrigen Insassen, darunter zwei Kinder, kamen mit leichten Verletzungen davon. Köln. Am Samstag stürzte kurz vor dem Start eines Ruderbootes, während die Kameraden noch im Bootshause beschäftigt waren, ein auf dem Floß stehender Mitruderer plötzlich in den Rhein. Sofort aufgenommene Nachforschungen blieben erfolglos. Es handelt sich um den einzigen Sohn eines Kölner Sanitätsrats, den stud. jur. Andreas Kuznitzky. Der Verunglückte hatte kurz vorher den Kameraden gegenüber geäußert, daß er sich nicht recht wohl fühle.— Ein Familienvater aus dem südlichen Stadtteil, der nicht wußte, daß sein Jagdgewehr geladen war, spielte mit der Schußwaffe, als diese sich plötzlich entlud und sein vor ihm stehendes Töchterchen so unglücklich traf, daß es tot zusammenbrach. Duisburg. Ein vierjähriges Mädchen geriet unter einen Straßenbahnzug und erlitt so schwere Verletzungen, daß es kurz nach seiner Einlieferung ins Krankenhaus starb. Xanten. Sanitätsrat Dr. Jordans=Saarbrücken, der so plöylich verstorbene Vorsitzende des Saarzentrums, wurde am Samstag in Marienbaum, seiner bei Xanten gelegenen Geburts= und Heimatgemeinde, zu Grabe getragen. Zahlreiche Vertreter der Rbeinischen Zentrumspartei und eine starke Abordnung des Saargebiets waren erschienen, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Einen kernigen Nachruf widmete dem Verstorbenen der stellvertretende Vorsitzende des Saarzentrums, Abg. Kiefer. Justizrat Mönnig=Köln sprach im Namen des Vorsitzenden der Deutschen Zentrumspartei, Reichskanzler Marx, sowie der Rheinischen Zentrumspartei unter besonderer Hervorbebung des vaterländischen Wirkens des Verstorbenen in der für das Saargebiet besonders schweren Nachkriegszeit. Luxemburg.(Deutsche Kriegergräber in Luxemburg.) Die im Großherzogtum verstreut begraben liegenden deutschen Soldaten werden nach dem Friedhof von Weimerskirch, einem Vorort von Luxemburg, gebracht, wo sie in einem gemeinschaftlichen Grab beigesetzt werden sollen. Auf diesem Massengrab soll ein Kriegerdenkmal errrichtet werden. Aus Belgien. In Ypern ist Sonntag vormittag durch Feldmarschall Lord Plumer, den Oberkommandierenden der 2. englischen Armee im Weltkrieg, das nach dem Plan des englischen Architekten Blomfield errrichtete neue Meniner Tor enthüllt worden, das als Ehrenmal derjenigen britischen Gefallenen gedacht ist, deren Ruhestätte nicht festgestellt werden konnte. Die Namen von über 58 000 verschollenen Briten stehen in diesem einzigartigen Kriegsdenkmal eingemeißelt. Eine große Pilgerfahrt hatte in den letzten Tagen aus allen Teilen des britischen Reiches nach Ypern begonnen. Anbemittelten, die Angehörige in Flandern verloren haben, deren Gräber unauffindbar sind, ist von verschiedenen Gesellschaften die Fahrt ermöglicht worden. Die Feier selbst, an der auch der König der Belgier teilnahm, wurde, laut einem Londoner Telegramm der„Köln. Ztg.“, durch Rundfunk verbreitet und so zu einem britischen Nationaltrauertag gestaltet. Der Unwetter=Sommer In der Gegend von Trachenberg(Niederschlesien) sind neuerdings schwereAnwetter niedergegangen, von denen besonders die Nartsch-Niederung betroffen wurde. Trachenberg selbst und seine nächste Amgebung sind schwer heimgesucht. Es ging dichter Hagelschlag nieder, von starken Gewittern begleitet. Ein Wirbelsturm hat einen mit Baumaterial beladenen Wagen samt Pferd und Fahrer in den Straßengraben geworfen. Viele Obstbäume, Telephonmasten, usw., sind zerbrochen. In Trachenberg hat der Sturm die Mauer eines Sägewerks umgerissen, Dächer abgehoben und Scheunentore durch die Luft getragen. Die großen Wassermengen, die niedergegangen sind, haben das schon bestehende Hochwasser noch verstärkt, so daß die ganje Amgegend wiederum unter Wasser steht. Alle Hoffnungen auf die Ernte sind zerschlagen. Durch ein neues Gewitter mit wolkenbruchartigem Regen ist die Schwarze Elster wieder im Steigen begriffen. Der Damm bei Elsterwerda ist abermals an einer Stelle durchbrochen worden. Die Ernte dürfte vernichtet sein. Der Schaden ist sehr groß. In Mecklenburg sind abermals große Aeberschwemmungen eingetreten, von denen vor allem der Ort Neu=Brandenburg betroffen ist. Kilometerweise sind die Felder überschwemmt; die Ernte ist großenteils vernichtet. Am Oelmühlenbach ist der Deich gebrochen. Die römischen Blätter berichten von schweren Anwettern, die in Norditalien großen Schaden anrichteten. In Cremona wurden viele Häuser und eine Kirche abgedeckt und eine Kokonzüchterei fast vollständig verwüstet. Vier Tote und etwa 50 Verletzte sind zu beklagen. Die Felder sind sehr in Mitleidenschaft gezogen. Auch aus der Amgebung wird ein Toter gemeldet. Ueber Venedig ging ein schweres Gewitter und Sturm nieder, wobei die Basilika von San Marco leicht beschädigt wurde. Im Krankenhaus schlug ein umgewehter Schornstein das Dach ein. Zwei Kranke wurden unter dem Schutt begraben, drei Aerzte und zwei Kinder sind verletzt. In den letzten Tagen sind über die französischen Departements Rhone und Ardeche heftige Gewitter niedergegangen, die die Ernte stark beschädigten. Besonders die berühmten Weinberge im Rhonetale sind an vielen Stellen völlig vrnichtet worden. Werkbundausstellung„Die Wohnung“. In Stuttgart wurde am Samstag die große Werkbundausstellung„Die Wohnung 1927“ eröffnet. Unter den Ehrengästen befanden sich die gesamte württembergische Regierung, Vertreter von Behörden des Reiches, des Landes, der Städte und Gemeinden, Reichs- und Landtagsabgeordnete. Störung in der Venzinzufuhr! Der Dessauer Versuch zur Schaffung eines neuen Dauerflugweltrekordes ist infolge einer eintretenden Störung der Benzinzufuhr abgebrochen worden. Die Junkerswerke berichten hierüber: Die Notlandung in der Nacht zum Samstag bei Leipzig wurde veranlaßt, daß der Motor, der bis dahin einwandfrei gearbeitet hatte, nicht mehr genügend Brennstoff bekam. Die Arsache der ungenügenden Brennstoffzufuhr dürfte darin zu suchen sein, daß bei dem Start auf aufgeweichtem Boden ohne Startbahn die Maschine mit ihrem nabezu doppelten Normalfluggewicht vor dem endgültigen Abheben vom Boden einige Male auf den Boden aufgesetzt und diese Stöße der mit 3700 Kilogramm belasteten Maschine zum Verbiegen eines Brennstoffzuleitungsrohres geführt hatte, was sich erst beim Einschalten des betreffendeTanks herausstellte. Fürchterliche Bluklat eines Gefangenen. Wien, 25. Juli. In dem kleinen niederröstereichischen Städtchen Raabs an der Thauna wurde in der Nacht von Samstag auf Sonntag eine fürchterliche Bluttat verübt. Der 18jährige Hilfsarbeiter Johann Souvada, aus Bosnien gebürtig und nach der Tschechei zuständig, der sich wegen Einbruchsdiebstahl und Notzucht in Haft befindet, übersiel, während er die Kanzlet aufräumen sollte, den 28jährigen Gefängnisbeamten Karl Herrmann mit einem Eisenstab, verletzte ihn tödlich und raubte einen Bardetrag von 10 000 Schilling. Dann beging er an der 23jährigen Frau des Hermann, die er im Keller des Bezirksgerichts antraf, ein Sitllichkeitsverbrechen und ermordete sie schließlich. Darauf hal Souvada dem vierjährigen Söhnchen des Ehepaares den Kopf mit einer Hacke fast vom Rumpfe getrennt. Das acht Monate alte Töchterchen hal er ebenfalls ermordet. Souvada konnte flüchten. Es heißt, daß er von der Gendarmerie erkannt und verhaftet worden sein soll. Soziales. Der Reichsbund der Kinderreichen e. V. Orlsgruppe Erkelenz hielt am Sonntag bei Will seine Monalsversammlung ab. Der Bericht der Provinzialtagung in Bonn, den das„Erkelenzer Kreisblatt“ in dankenswerter Weise bekannt gegeben, wurde von dem Vorsitzenden, welcher der Tagung beigewohnt hat, in einigen Punkten ergänzl, so z. B. über Hauszinssteuer, Hauszinssteuerhypolh h, Mietzuschüsse, Lernmittel, Schulgeldermäßigung, Elternschaftsversicherung, Wohnungsbau, alles dieses, was den kinderreichen Familien sehr interessiert. Die sich anschließende Aussprache zeigte bei den Mitgliedern den festen Willen, sich durch die Organisation dafür einzusetzen, daß das in der Verfassung verbriefte Recht auch voll zur Gellung komme. Die Versammlung beschloß, innerhalb der Ortsgruppe eine Beratungsstelle einzurichten über obengenannte Punkte, um den Mitgliedern hierbei behülflich zu sein, und werden dieselben gebelen, in betreffenden Angeleger heiten die Gesuche nebst wahrheitsgetreuen Unterlagen beim Vorsitzenden einzureichen, wlche dann nach Prüfung durch den Vorstand an die betreffende Behörde we tergeleitet werden. Möge diese Einrichtung sich auswachsen zum Wohl unserer kinderreichen Famitien und zum Heil unserer Kinder.—tz. 1 11 Volkswirtschaftliches. Vergebung von Erziehungsbeihilfen. Gemäß Artikel 146 Abs. 3 der Reichsverfassung werden Ersehungsbeihilfen für Minderbemiltelle bereit gestellt Die Erziehungeeihilsen haben den Zweck, cinzelnen hervorragend begadien Schülern(innen), insbesondere solchen der oderen Klassen, das Vrbleiben auf der mitlleren oder höheren Schule zu ermöglichen. Auch soll besonders begadten Schülern der Volksschule durch Erziehungsbeihilfen der Zugang zu einer weiterführenden Schule ermöglicht werden. Demnach sind die Erziehungsbeihilfen nur für solche Schüler bestimml, deren Persönlichkeil und Leistungen die Aufwendung öffentcher Miltel rechtfertigen. Die Erziehungsbeihilfen sollen im Dienste planmäßiger Begabienauslele stehen. Es soll bei dieser Auslese nicht einseitg die verstandesmäßige Begadung zu werten sein, auch nicht äußeres Wohlverhalten, sondern die ganze Persönlichkeit des Schülers. Bei der verhältnismäßig geringen Höhe des Gesamlbetrages sollen die Erziehungsbeihilfen nicht wirkungslos verzettelt werden, sondern müssen für einige, ganz besonders liegende Ausnahmefälle vorbehalten werden Die Beihilfen werden grundsätzlich nur auf Vorschlag der Schule vergeben. Den Anträgen ist eine Darstellung der wirtschaftlichen Lage seiner Eltern beizufügen. Vorzugsweise sollen die Schulen, die der Förderung begabter Kinder dienen, berücksichtigt werden, vornehmlich Aufbauschulen. Die Erziehungsbeihilfen werden von Jahr zu Jahr neu festgesetzt. Welcher Betrag bewilligt wird, wird von Fall zu Fall festgestellt. Eine wirksame Begabtenförderung ist nur dann möglich, wenn die Mitiel nicht verzettell, sondern in wenigen Einzelfällen ausreichende Beihilfen gewährt werden. Auch entspricht es dem Grundgedanken der Begabtenförderung, daß in erster Linie solche Schüler weiter bedacht werden, die bereils in den Vorjahren bedacht worden sind; es sei denn, daß bei der alljährlichen Prüfung der Voraussetzungen sich wesentliche Aenderungen in der Beurteilung der Begabung des Schülers oder in den wirtschafllichen Verhältnissen seiner Eltern ergeben|—r— Spiel und Sport. Deuische Jugendkraft Zum 2. Reichstreffen der 9JK. am 5.-8. August in Köln. Was ziehen die Schaaren denn alle zum Rhein? Was mag wohl das Ziel all der Wandernden sein? Von Osten und Westen, von Norden und Süd Singt man in Köln ein Jugendkraftlied. Ja Köln, du herrliche Stadt am Rhein, Sollst Schauplatz des großen Treffens sein, Wo Zeugnis man ablegt, von dem, was man schafft Und leistet die Deutsche Jugendkraft. Drum auf, ihr Sportler, in geschlossenen Reih'n, Hinaus zum Wettkampf, zum deulschen Rhein, Nehmt mutig und freudig am Kampfe teil, Tapfer und Treu!.. Jugendkraft Heil! J. Fehrendach, Düsseldorf. Feldgoliesdienst beim 2. Reichstreffen. Im prachtvollen Grün der großen Kampfbahn findet am Hauplkampftage, Sonntag, den 7. August, vormittags 8 Uhr, ein Feldgottesdienst statt. Für Tausende und Aberlausende wird diese schlichte, aber überaus eindrucksvolle Feier ein Erlebnis bedeuten. Standorie beim 2. Reichstreffen. Um den Mitgliedern, die gelegentlich des 2. Reichstreffens in Köln weilen, Gelegenheit zu geben, sich an einem gemeinsamen Sammelpunkt zu treffen, sind für die Kreise der DIK. Standorte festgelegt worden. Das Standquartier des Kreises Niederrhein, dem auch Erkelenz angehört, ist im„Salzrümpfchen" am Museum. Das erste Chrenmitglied der DJK. Der Reichsverband DIK. hat den verdienstvollen Förderer seiner Bestrebungen, Herrn Dr. h. c. Konrad Adenauer. Oberbürgermeister der Stadt Köln, Präfident des Preußischen Slaatsrales, zum Ehrenmitglied ernannt. Westdeutscher Spielverband. Kückhoven— Holzweiler 6:5: Beide Mannschaften lieferten sich am Sonnlag ein spannendes Spiel, welches für die Kückhover Jugend gut ausfiel. Bis zur Halbzeil 2:0 für Kückhoven. Gut gefiel der Torwart Kückhovens, wie auch die Mannschaft ein gutes Können an den Tag legie. Ergebnisse des Trommler= und SolislenWeilstreiks in Venralh. Saalspiel A Klasse Giesenkirchen Ehrenpreis, Brachelen 1. Preis, Hoven=Bettrath 2., Wickrath 3. Saalspiel B Klasse Würm Ehrenpreis, Golsrath 1. Preis, Holtum 2., Brunsum(Holland 3. Saalspiel C-Klasse Dülken Ehrenpreis, Hockstein 1. Preis, Hückelhoven 2. Preis, Viersen 3. Festzug A=Klasse Hoven=Beltrath Ehrenpreis, Unterbruch 1. Preis, Brachelen 2., Giesenkirchen 3. Festzug B=Klasse Würm Ehrenpreis, Gerderhahn 1. Preis, Golkrath 2. Preis, Holtum 3. Festzug C-Klasse Dülken Ehrenpreis, Viersen 1. Preis, Hückelhoven 2. Preis, Schwanenberg 3 Parade Hockstein Ehrenpreis, Brachelen 1. Preis, Giesenkirchen 2, Golkrath 3. Die deuische Mark von 1914 bis 1924. Diese im philalelistischen Verlag von E Schuster in Nürnberg Gabelsbergerstr. 62, erschienene Büchlein dürfte allgemein Interesse erwecken. Das Werkchen bringt im ersten Teil sämtliche deutsche Reichsbanknoten, Reichshassen= und Darlehnskassenscheine der Vorkriegs-, Kriegs- und Inflationszeit von 1 Mark dis zum 100 Billionenschein nebst erläuterndem Text, sodaß man über alle Eigenheiten, sowie über den Sammelwert der einzelnen Scheine, der dei den sellensten heule schon 85 Mark beträgt, unterrichtet wird. Der 2. Teil enthält die Briefmarken des Deutschen Reiches von 1914 bis 1924(von der 2 Pfg. Germania= bis zur 50-Milliarden Marke) mit alle Nebenausgaden, Provisorien und Dienstmarken in guler photographischer Wiedergabe auf destem Kunstdruckpapier. Das Werkchen, das 64 Seilen umfaßt, stellt eine interessante Chronik über eine hinter uns liegende schwere Zeil dar. Der Preis desselben beträgt 1 Mark. Billige Ferienreisen nach Paris. Ab 6. August veranstaltet das Reisebüro Hagemann& Co., Aachen, Kapuzinergraben 13, hillige Ferienreisen nach Paris. Abfahrt jeden Samstag. Der Aufenthali in Paris dauert 5 Tage. Die Besichtigung aller Hauptsehenswürdigkeiten sowie der Ausflug nach Versailles erfolgen im Automodil. Der Preis beträgt nur 73 Mh. einschließlich aller Kosten für Hotel, volle Verpflegung, Führung, sämtliche Autofahrten, Eintrilts= und Trinkgelder, Steuer etc. Ausführliche Prospekte kostenlos durch: Zigarren-Importhaus Wilms, Hermann=Josefstr. 33. Billige Ferienreisen nach Blankenberghe! Ab 4. August veranstaltet das Reisebüro Hagemann& Co., Aachen, Kapuzinergraben 13, billige Ferienreisen an die Nordsee nach Blankenberghe. Die Reise dauert 8 Tage und stellt sich auf Mk. 87.— einschließlich aller Kosten für Bahnfahrt 3, Klasse, Unterkunft mit voller Verpflegung, Trinkgelder. Steuern eis, sowie einschließlich der Kosten für Paß und Visum. In Blankenberghe ist Gelegenheil zu preiswerten Ausflügen nach den flandrischen Schlachtfeldern, nach Ostende, Brügge eic Ausführliche Prospekte Kottbus durch: Zigarren=Importhaus Wilms, Hermann=Josefstr. 33. Handel. Gewerbe u. Industrie. Kölner Schlachtviehmarkt vom 25. Juli: Auftrieb: 1148(zuletzt 1038) Stück Großvieh, und zwar 292(290) Ochsen, 106(88) Bullen, 672(581) Kühe, 72(66) Färsen, 6(13) Fresser; ferner 1236(997) Kälber, 32(33) Schafe, 6117(4966) Schweine. Geschäftsverlauf: Großvieh: beste Tiere auch noch höher bezahlt, ziemlich belebt, geräumt. Kälber und Schafe ruhig, geräumt. Schweine anfangs lebhaft, später in fetter Ware abflauend. Marktpreise in Reichsmark je 50 Kilogramm Lebendgewicht: Ochsen: vollfl., ausgemäst. jüngere 66—70 (65—69), ältere 60—65(58-64), sonstige vollfleischige jüngere 53—58(51-55), ältere 43—50(40—48), fleischige 35—40(30—38).— Bullen: jüngere vollfleischige 59— 62(58—62), sonstige vollfleischige 54—58(53-57), fleischige 48—52(47—52).— Kühe: jüngere vollfleischige 58—62 (58-62), sonstige vollfleischige 50—57(50-56), fleischige 40—48(40—48), gering genährte 25—38(24—38).— Färsen: vollfleischige, ausgemäst. 62-66(60-65), vollfleischige 53—60(52-58), fleischige 47—52(44—50).— Kälber: Doppellender 88—115(85—115), beste Mastund Saugkälber 78—85(78-83), mittlere Mast und Saugkälber 65—75(65—75), geringere 50—60(50—60).— Schweine: über 300 Pfd. Lebendgewicht 60—64(62— 65), 240—300 Pfd. 63—68(64—68), 200—240 Pfd. 65—68 (65—68), 160—200 Pfd. 62—67(63—67), 120—160 Pfd. 56—63(56—63), Sauen 53—60(53—60). Kredilbedingungen der RenkenbankKredilansialt. Landwirie, die aus der neuen 30 Mill. Dollar=Anleihe der Deutschen Rentenbank-Kredttanstalt einen Kredit zu erhalten wünschen, wenden sich an ihr Realkreditinstitut unter Mitnahme der notwendigen Unterlagen(Grundbuchauszug, berichtigter Mehrbeitragswert, Taxe und dergl.) bzw. zunächst an ihre Genossenschaft. Sind auf das zu beleihende Grundstück bereits Vorlasten eines Realkredilinstitutes eingetragen, so ist zu empfehlen, sich an dieses Instituk zu wenden. Im Vertrag über die zweite AmerikaAnleihe ist vorgesehen, daß Vorbelastungen(Aufwertungs- und Hypotheharbelastungen) desjenigen Realkreditinstilutes, das die Beleihung vornimmt, bestehen bleiben dürfen Die Beleihung darf, sofern das Realkreditinstitut einwilligt, einschließlich der eben erwähnten Vorlasten bis 40% des berichtigten Wehrbeitrages betragen. Die Ausza lungsbedingungen sind die folgenden: für je 100 RM. aufgenommene Schuld erhäll der Landwirl 90.50 RM. bar ausgezahlt, bei Beträgen bis zu 5000 RM. 90 RM. dar ausgezahlt. Die Schuld ist mit 6% jährlich zu verzinsen, außerdem ist ½% Verwaltungskostenbeitrag und 1% Tilgung zu zahlen, also jährlich in zwei Halbjahresraten am 1. Mai und 1. November zusammen 6.5%plus 1% Tilgung= 7,5% der im Grundbuch eingetragenen Hypothek. Die Darlehen sind seitens des Landwirkeszu Zinstermin kündbar, und zwar zum Nennbetrag in Bar ohne Aufschlag oder durch Rüchgade von Schuldverschreidungen der Anleihe(Bonds) zahldar. Je nach der zukünftigen Entwicklung des Geldmarktes ist es also dem Landwirt stets möglich, innerhalb von 33 Jahren seine Hypolhek zurüchzuzahlen, und zwar, falls der Kurs der Bonds im Auslande(in Deutschland dürfen die Bonds an der Börse nicht gehandelt werden) unter 100 ist, durch Einreichung solcher gekaufter Bonds zum Nennwerk. Der Landwirt kann also jederzeit sich von seiner Schuld defreien, falls er bei zukünftiger günstiger Entwicklung des Geldmarkles ein billigeres Darlehen erhalten kann. Der Darlehnsgeber, also das Realkreditinstitut, darf das Darlehen dem Landwirt dagegen nicht hündigen. Behält der Landwirt dasselbe dis zum Ablauf, d. h. 33 Jahre, so ist die Schuld gelilgt. Das Geld darf bekanntlich nur für produktive Zwecke, d. h. zur Förderung der landwirtschaftlichen Erzeugung oder zur wirtschaftlichen Gestallung des Betriebes denutzt werden, u. a. auch zur Umwandlung drückender, kurzfristiger Verdindlichkeilen. Dem Jubelpaare Leonh. Römer u. Maria Römer geb. Peters zu Hückelhoven zur silbernen Hochzeit die herzl. Glück u. Gegenswünsche. Gewidmel von seinen Arbeitern. Alle Artikel zur Weinbereitung kaufen Sie preiswert in der Lambertus Med.=Drogerie, Erhelenz Markt 6 Süchelhoven, Dorfstr 62 in allen Preislagen. Nur Ia. Fabrikate. 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In Berliner politischen Kreisen hat ein Artikel des diplomatischen Korrespondenten des Londoner„Daily Telegrapb", der zu dem deutsch-belgischen Streitfall in der Angelegenheit der Broqueville=Verdächtigungen Stellung nimmt, einige Beachtung gefunden. Der Artikel gibt zwar zu, daß in„britischen Kreisen die scheinbar übertriebenen Ausgaben für das deutsche Heer, die Ländern mit allgemeiner Wehrpflicht unverständlich erscheinen mögen, angesichts der Aufwendungen für das englische Freiwilligenheer vollkommen begriffen" würden, deutet dann aber an, daß „der andere Teil der Anschuldigungen, nämlich betr. der illegalen Einstellung neuer Mannschaften in Reichswehr und Reichsmarine von einer der beiden Seiten gemäß Artikel 230 vor den Völkerbundsrat gebracht werden würde.“ Wie wir hierzu von zuständiger deutscher Stelle erfahren, besteht jedenfalls auf deutscher Seite nicht die geringste Absicht, die Angelegenheit vor den Völkerbund zu bringen. In deutschen Regierungskreisen sieht man den Fall mit der überreichten zweiten deutschen Note, in der bekanntlich die Klarstellungen der ersten Note vollkommen aufrechterhalten und die belgischen Anzweiflungen mit der gebührenden Deutlichkeit zurückgewiesen werden, als abgeschlossen an. Man ist, wie ja auch das Echo aus dem Ausland, nicht zuletzt aus England zeigt, davon überzeugt, daß durch die beiden letzten deutschen Noten auch jenseits der deutschen Grenzen genügend Klarheit geschaffen worden ist, um die Berechtigung des deutschen Standpunktes zu beweisen. Eine Unterstreichung dieses Standpunktes durch eine Entscheidung des Völkerbundsrates oder, wie offenbar der diplomatische Mitarbeiter des„Daily Telegraph“ meint, durch eine sogenannte Völkerbundsinvestigation hält man in Berlin für absolut überflüssig. Was die deutsche Regierung machen würde, wenn von der anderen Seite, also von Belgien, ein Investigationsbeschluß des Völkerbundsrates beantragt werden sollte, ob sich die deutsche Regierung im Rat dieser Beschlußfassung widersetzen oder, um einmal ein Exempel gegenüber den grundlosen Verdächtigungsversuchen interessierter Auslandskreise zu statuieren, sich mit der Durchführung einer Investigation einverstanden erklären würde, läßt man in deutschen Regierungskreisen vorläufig dahingestellt. Man glaubt aber, daß Belgien es sich durchaus überlegen wirö, die auf so fragwürdigen Unterlagen wie Spitzelberichten und entstellten Zeitungsberichten aufgebauten Beschuldigungen des Grafen Broqueville zum Gegenstand eines Investigationsantrages beim Völkerbundsrat zu machen. Der Ausgang einer solchen Untersuchung würde zweifellos— und das wird man sich auch in Brüssel sagen— für das belgische Prestige außerordentlich blamabel sein. Aber selbst wenn die belgische Regierung es riskieren sollte, ihren Kriegsminister von Vökkerbundswegen Lügen strafen zu lassen, so muß immer noch dahingestellt bleiben, ob der Völkerbundsrat einem belgischen Investigationsantrag überhaupt stattgeben würde. Voraussetzung der Behandlung eines Investigationsantrages vor dem Rat ist ja in jedem Falle, daß dieser Antrag dem Rat genügend morivierterscheint. And das ist im belgischen Falle wohl sehr zu bezweifeln. Die Erschließung des Kongogebiets Zur Erinnerung an die Erforschung des Kongogebiets durch Stanley vor fünfzig Jahren. In allen Städten Belgiens und in den bedeutendsten Orten des Kongogebietes werden in diesen Tagen Festzüge und Feierlichkeiten abgehalten, durch die man die 50jäbrige Zugehörigkeit des Kongogebietes zum belgischen Staate feiert. Der Erwerb des Kongogebictes ist aufs engste verknüpft mit dem Leben und Werk des berühmten englischen Afrikaforschers Henry Morton Stanley. Als Jüngling nach den Vereinigten Staaten ausgewandert, nahm Stanley, der Sohn eines englischen Anteroffiziers, an den Kämpfen des Sezessionskrieges teil. Dann wandte er sich der Journalistik zu, wurde Korrespondent des „New York Herald“ und Berichterstatter beim englischen Kommandanten Lord Napier, der die Strafexpedition gegen den Negus Theodor in den Jahren 1867—68 leitete. Auf Grund der vorzüglichen Leistungen Stanleys forderte ihn Bennet im Jahre 1869 auf, an der Expedition ins Innere Afrikas teilzunehmen, die nach dem dort verschollenen Forschungsreisenden David Livingstone fahnden sollte. Es gelang Stanley tatsächlich, Livingstone in Agipi am Afer des Tanganyikasees aufzufinden. Nun trug ihm Gordon Bennet auf, das noch unerforschte Gebiet des Kongoflusses zu bereisen, und die reiche Ausbeute Stanleys nach dreijähriger Expedition war für die Wissenschaft und Politik gleich interessant. Bei seiner Rückkehr erwarteten ihn in Marsaille im Jahre 1878 zwei Abgesandte des Königs Leopold 2, von Belgien, der, dem Beispiel Englands folgend, seinem Lande Kolonialbesitz verschaffen wollte und dafür das Kongogebiet ausersehen batte. Eine Kolonialgesellschaft deren Präsidium der König selbst führte, wurde ins Leben gerufen und Stanley von dieser erneut ins Kongogebiet entsandt, in dem er 1881 Leopoldsville am Mittelkongo gründete. Inzwischen hatte der König die internationale Kongo gesellschaft gegründet, die die riesenhaften Länderstrecker zu beiden Seiten des Kongoflusses in Besitz nahm und der Verwertung entgegenzuführen begann. Ein amüsantes diplo matisches Schachspiel sicherte Leopold die Anerkennung der europäischen Großstaaten, nur das eifersüchtige England beschränkte seine Zustimmung auf die Anerkennung der Erwerbung der inneren Teile, während sie dieselbe für die Küstengebiete verweigerte. Da hatte der gerissene Leopold einen klugen Einfall. Er wandte sich an Bismarck, dem die Vorherrschaft Englands auf den Kolonialgebieten wenig behagte. Der Eiserne Kanzler unterstützte das belgische Projekt und lud die Mächte zu einer Konferenz nach Berlin ein, die im Jahre 1885 unter seinem Vorsitz stattfand und als Endergebnis die Anerkennung des Kongostaates unter belgischer Personalunion hatte. Am 19. Juli 1885 proklamierte Stanley in Bunano die Verfassung des neuen Staates, und im September darauf übernahm Camillo Janssen als erster Gouverneur die Regierung. Im Jahre 1908 wurde dann vom belgischen Varlament die Amwandlung der Personal- in eine Realunion beschlossen und die wahre Souveränität ausgesprochen. Die Kongokolonie war 2760 000 Quadratkilometer groß und zählte 12 Millionen Einwohner. Durch den Vertrag von Versailles wurde der Besitz um weitere 55 000 Quadratkilometer und 3 Millionen Einwohner erhöht. Zur Wirtschaftslage „ Wer in dem Rückgang der Arbeitslosenziffern einen intrüglichen Gradmesser für den Aufstieg unseres Wirtschaftslebens sieht, muß zu einer recht optimistischen Auffassung gelangen. Ende Juni waren die Arbeitslosen auf ein Drittel des Standes von Anfang Januar zutückgegangen. Von April bis zum Mai konnten die Auszaben für die Erwerbslosenfürsorge um die Hälfte redujiert werden, während gleichzeitig die Lohnsteuererträge wischen Februar und Juni von 80 auf 100 Millionen Mark heraufgingen. Es ist wohl anzunehmen, daß die Zahl der Arbeitslosen am 1. Juli(540000 plus 200000 Krisenunterstützte den Normalzustand der Vorkriegszeit nicht vesentlich überschreitet. Man muß dabei berücksichtigen, daß vor dem Kriege etwa eine halbe Million arbeitsfähiger Leute In der Armee Aufnahme fanden; daß ferner der Kapitalsverlust auch solche Kreise, speziell Frauen, dazu zwingt sich einen Erwerb zu suchen, welche früher von ihrem Belde leben konnten; desgleichen spart die Mechanisierung und Rationalisierung unserer Betriebe überhaupt Arbeitskräfte gegen früher. Möglicherweise haben wir lugenblicklich einen Tiefstand der Arbeitslosenzahl erreicht, welcher bei der ganzen Weltwirtschaftslage nicht nehr wesentlich unterschritten werden kann. Es wird nun von keiner Stelle bestritten, daß dieses erfreuliche Anwachsen unserer industriellen Produktion ganz allein der Kräftigung und größeren Aufnahmefähigkeit des Innenmarktes zuzuschreiben ist und da vorläufig keine Aussicht auf Steigerung unseres Exvortes vorhanden zu sein scheint, so ist die wichtige Frage nach dem Anhalten der günstigen Wirtschaftskonjunktur in erster Linie abhängig davon, ob unser Innenmarkt die bisherige Aufnahmefähigkeit beibehalten wird. Diese Frage ist aber nicht davon zu trennen, ob auch die Landwirtschaft einigermaßen mit der Prosperität der Industrie fortgeschritten ist. Für deren Lösung liegen nicht so klare Unterlagen wie bei der Industrie(vermehrter Umsatz, gesteigerte Produktion usw.) vor. Die Buchführungsergebnisse lassen sich erst lange Zeit nach Abschluß eines Wirtschaftsjahres übersehen. Daß diese für das Jahr 1925/26 ein recht ungünstiges Bild ergaben, ist bekannt. Inwieweit seitdem eine Verbesserung in der Wirtschaftslage der Landwirtschaft eingetreten ist, läßt sich nur aus gewissen Symptomen mit mehr oder wenigen großer Wahrscheinlichkeit schließen. Und diese Symptome sprechen leider gegen eine solche Annahme Die Zwangsverkäufe hielten bis in den letzten Monat mit unveränderter Stärke an. Ein Vergleich zwischen den Indexzahlen für Agrarprodukte und industrielle Fertigfabrikate im letzten halben Jahr fällt zu ungunsten der ersteren aus; während letztere sich zwischen 141 und 13 bewegen(100 als Vorkriegszahl angenommen), schwankten die Preise für Agrarprodukte außerordentlich stark zwischen 139 und 134. Sehr erschwerend fällt dabei ber ins Gewicht, daß zu diesem Durchschnittsinder Nahtungsmittel mit 169 und Dieh mit 107 beitrug, und der Landwirt pflanzliche Nahrungsmittel nur noch in ganz beschränktem Maße zu verkaufen hatte, während ihn die tiefen Preise für Vieh mit ganzer Schärfe trafen. Die letzte Zusammenstellung über die Verschuldung der Landwirtschaft, Ende 26, ergab die Summe von 9,7 Milliarden; eine halbe Milliarde mehr als im Vorjahr Es ist anzunehmen, daß im Laufe des letzten halben Jah res die Verschuldung weitere Fortschritte gemacht hat Gewiß hat die zeitweise Entspannung auf dem Kapitalmarkt der Landwirtschaft Erleichterungen gebracht; aber abgesehen davon, daß diese doch nur einem Teil der Landwirtschaft zugute kamen(man denke nur an die unglücklichen Roggenrentenschuldner), sind auch die billigsten Zinsen immer noch zu hoch im Verhältnis zu der Rente die heutigentags ein landwirtschaftlicher Betrieb bringen kann. Auf die Dauer ist ein Realkredit nur tragbar, wenn der Zinsfuß, wie vor dem Kriege, sich auf der gleichen Höhe wie die Bodenrente bewegt. Diese hat aber selbst in den günstigen Zeiten 4% nicht überschritten. Damit vergleiche man die Zinsen, welche die Landwirtschaft für Glück. Original=Roman von Irene Hellmuth. 98—(Nachdr. verb.) Doch sie lächelte in ihrer lieben Weise:„Laß nur, Fritz, ich halte es schon aus.“ Da sie nicht wollte, daß die Ersparnisse Alfreds angegriffen würden, bestritt sie aus eigenen Mitteln alle Bedürfnisse des Kranken. Stets brachte sie ihm etwas mit, aber er konnte nichts genießen. Immer geringer wurde die Hoffnung des Doktors, das Leben des jungen Mannes erhalten zu können. Immer ernstere Sorge zeigte der Ausdruck seines Gesichtes; und wenn Mathilde jammernd fragte:„Ist denn wirklich keine Hoffnung mehr, Fritz?“, dann zuckte er die Achseln und meinte:„So lange der Mensch atmet, hofft man, aber ich kann dir nicht verhehlen, es steht sehr schlecht mit dem armen Kerl. Wenn das Herz stark genug ist, die furchtbaren Anforderungen der Krankheit auszuhalten, dann dürfen wir hoffen, Alfred retten zu können. Darauf allein kommt es an. Ich tue, was ich kann, aber unser Wissen ist Stückwerk! Ich fürchte, das Herz ist zu schwach.“ „Ach, Fritz,“ meinte Mathilde,„wie weh mir das tut! Alfred ist mein einziger Bruder, ich habe ihn erzogen, mußte ihm die Mutter ersetzen, die leider viel zu früh arb. Mein Herz hängt nun einmal an ihm.“ „Nun, nun," tröstete er gutmütig und fuhr ihr liebkosend über das weiche Haar,„denkst du gar nicht an mich? Ich bin doch auch noch da!“ „Das ist etwas ganz anderes, Fritz.“— Es zeigte sich, daß man Olly im Krankenzimmer wenig gebrauchen konnte, sie war zu zappelig und unruhig, zu unerfahren in solchen Sachen. Doch wußte sie sich bei Frau Mathilde einzuschmeicheln, sie war wie ein Kätzchen und konnte so herzlich bitten:„Lassen Sie mich hier, Frau Doktor, vielleicht lerne ich von Ihnen, mit dem Kranken umzugehen. An gutem Willen fehlt es mir gewiß nicht. Ich weiß, ich muß noch viel lernen, um eine gute Hausfrau zu werden. Ach könnte ich doch sein wie Sie, Frau Doktor, bitte, nehmen Sie mich ein wenig in die Lehre!“ Auf solche und ähnliche Art wußte sie das gütige Herz der arglosen Frau zu gewinnen. Manchmal merkte auch Mathilde, daß das Mädchen Alfred heimlich liebte, denn Olly verstand es meisterhaft, die unglücklich Liebende zu spielen. Dann empfand Mathilde ein herzliches Mitleid mit dem scheinbar unglücklichen Mädchen und nahm sich vor, ein gutes Wort für Olly einzulegen, falls er wieder gesund wurde. Vorläufig freilich war an so etwas nicht zu denken, denn der Kranke wurde täglich elender und schwächer, und der Doktor gab täglich weniger Hoffnung für die Erhaltung des Lebens. Mathilde wich fast gar nicht mehr von dem Krankenlager; sie sah selbst aus wie eine Schwerkranke. Aber wenn sie zu Hause war, hatte sie keine Ruh und Rast, schrak bei jedem Klingeln der Hausglocke zusammen, immer eine schlimme Nachricht befürchtend. Dann ließ sie wieder alles stehen und liegen und eilte zu dem geliebten Patienten. Und eines Tages schien es, als wollte das nur noch schwach glimmende Lebensflämmchen gänzlich verlöschen. Der arme Kranke atmete kaum noch, unruhig strichen die mageren Hände über die Decke hin und her, die Augen lagen tief in den Höhlen, das Gesicht zeigte eine solche wächserne Blässe, daß man meinen konnte, das Leben sei bereits entflohen. Mathilde stand weinend an dem Lager des geliebten Bruders, der Gatte konnte seiner Frau keinen Trost mehr geben, denn jeden Augenblick befürchtete er, daß das Ende eintreten könnte. „Er wird die Nacht nicht überleben," flüsterte er erregt. „Die Krise übersteht er nicht, dazu ist er zu schwach. Das Herz kann jeden Augenblick stillstehen.“ „Mein armer Junge!“ klagte Mathilde weinend und fuhr dem Kranken über die heiße Stirn. Still nahm sie ihren Platz am Bett wieder ein. Unverwandt betrachtete sie das schmal gewordene Gesicht. Der Herbstwind heulte um das Haus, ihr war fast unheimlich, so ganz allein. Warum sich nur heute niemand sehen ließ? Sie öffnete ein wenig die Türe, um zu horchen. Da vernahm sie vom andern Ende des Ganges, wo das Wohnzimmer von Frau Wandsbeck lag, lebhaftes Geplauder. Sie unterschied deutlich die Stimmen von Mutter und Tochter und schloß beruhigt die Türe wieder. Wenigstens konnte man die Frauen herbeirufen, wenn das Schlimme eintreten sollte. Dann nahm sie ihren Platz wieder ein. Die plaudernden Stimmen klangen bis ir das stille Krankenzimmer. Es mußte etwas ganz besonderes sein, was die beiden miteinander verhandelten. Fräulein Olly war vor kaum einer Viertelstunde nach Hause gekommen, ein Zeitungsblatt wie eine Fahne hin= und herschwingend. Jubelnd fiel sie ihrer Mutter um den Hals und rief in ihrer lebhaften, übersprudelnden Art:„Weißt du, was ich da habe, Mutter?“ Als diese neugierig das dargereichte Biatt durchflog und es kopfschüttelnd der Tochter wieder reichte mit den Worten:„Ich kann nichts finden, was bringst du für eine Neuigkeit?“— Da zeigte Olly auf eine gesperrt gedruckte Anzeige: „Wir beehren uns, die Verlobung unserer Tochter Luise mit Herrn Werner Hildebrand ergebenst anzuzeigen. Generaldirektor Rich. Wiebrecht u. Fran Gertrud.“ Olly faßte die Mutter um die Hüfte und drehte sie ein paarmal wirbelnd im Kreis herum, so daß sie ganz außer Atem auf den nächsten Stuhl sank. „Da doses Rins, schalt sie dann und blöhle del übermütigen Tochter scherzend mit dem Finger,„du bringst mich ja um! Erkläre mir doch endlich, was eigentlich los ist!“ (Fortsetzung folgt.) Hypotheken zählen muß. Es ist gewiß für die Industrie ein außerordentlicher Gewinn gewesen, wenn im letzten halben Jahr die Landwirtschaft für Dünger, Maschinen usw. hohe Aufwendungen gemacht hat. Man muß sich aber darüber klar sein, daß die meisten Betriebe diese Mehraufwendungen kaum aus vergrößerten Einnahmen, sondern nur durch Kontrahierung neuer Schulden bestreiten konnten und daß die Aufnahmefähigkeit des landwirtsschaftlichen Marktes nur dann Bestand haben kann, wenn die Landwirtschaft endlich eine ausreichende Rente aus diesen vermehrten Aufwendungen zieht. Schon aus diesem kurzen Hinweis ergibt sich die große Bedeutung, welche speziell in diesem Jahre ein guter Ausfall der Ernte für unser ganzes Wirtschaftsleben haben muß. Im Jahre 25 hatten wir eine gute Ernte, aber dabei solch unzureichende Preise, daß die Landwirtschaft vor dem Ruin stand; das Jahr 26 brachte zwar ausreichende Preise, aber dafür eine schlechte Ernte. Wird das kommende Erntejahr der Landwirtschaft endlich einmal eine gute Ernte bei ausreichenden Preisen bringen? Dafür, daß die Preisgestaltung für Körnerfrüchte genügend sein wird, liegen manche Wahrscheinlichkeitsgründe vor. Darüber, ob die Ernte nach Menge und Qualität befriedigen wird, lassen sich natürlich nur Mutmaßungen äußern; jedenfalls werden viele Wirtschaftsgebiete höchstens auf einen leidlichen Durchschnittsertrag rechnen können. 360 000 000 Goldmark, Zinsen auf deutsche Industrieobligationen 125 000 000, zusammen 930 000 000 Goldmark. Der Bericht des Generalagenten für Reparationszahlungen begründet die ungleiche Vorstellung der Zahlungen auf die einzelnen Termine des 3. Planjahres hauptsächlich mit der Abmachung über die Zahlungen auf Rechnung des zusätzlichen Haushaltsbeitrages und der Zinsen auf Industrieobligationen. Außer den erwähnten 930 800 000 Goldmark sind im Verlaufe der ersten 9 Monate des 3. Annuitätsjahres außer den Eingängen für das 3. Annuitätsjahr selbst noch Restzahlungen in Höhe von 53 095 425.61 Goldmark auf Rechnung der 2. Annuität geleistet worden. Es ergibt sich hieraus, daß das Deutsche Reich an Reparationszahlungen pro Tag des 3. Planjahres 4 109 561 Goldmark pro Stunde 171 233„ pro Minute 2854„ pro Sekunde 48„ geleistet hat. Auf den Kopf der Bevölkerung gerechnet ergibt sich, daß nach den Ziffern des 3. Planjahres im Durchschnitt jeder Einwohner des Deutschen Reiches nach der letzten Bevölkerungszählung vom 16. Juni 1925 und dem damals vorhandenen Gebietsstand 24 Goldmark pro Jahr an Tribut den Reparationsmächten geleistet hat. Aus diesen Gegenüberstellungen ergibt sich am besten, welche starke Belastung für das gesamte deutsche Volk die Reparationsverpflichtung darstellt. (Weitere Artikel folgen.) Deutschlands Reparationszahlungen Die Belastungshöhe Das sogenannte dritte Planjahr, das sich über den Zeitabschnitt vom 1. September 1926 bis zum 31. August 1927 erstreckt, brachte bis zum 31. Mai 1927 insgesamt Zahlungen von 983 895 425.61 Goldmark, von denen 930 800 000 Goldmark als Zahlungen auf Rechnung der 3. Annuität(gesamte Jahresforderung) galten, während die Differenz im September 1926 fällige Restzahlungen der 2. Annuität darstellten. Der vor kurzer Zeit erschienene Bericht des Generalagenten für Reparationszahlungen, der mit dem 10. Juni J. abgeschlossen ist, ermöglicht eine Aebersicht über die bis zum 31. Mai d. J. entrichteten Reparationszahlungen, wobei in Betracht zu ziehen ist, daß es sich hierbei nicht um sämtliche während des 3. Planjahres geleistete bezw. zu leistende Zahlungen handelt, sondern erst Anfang September der Gesamtüberblick über die Zahlungen des 3. Planjahres erscheinen kann. Nach dem Bericht des Generalagenten für Reparationszahlungen wird sich die 3. Annuität, also die Reparationsleistungen während des 3. Planjahres, auf 1500 000 000 Goldmark belaufen, gemäß den im letzten Jahre hinsichtlich der Festsetzung der Zusatzzahlungen aus dem Reichshaushalt getroffenen Abmachungen. Danach ergibt sich für die 3 Annuität folgende Zusammensetzung: Normaler Beitrag aus dem Reichshaushalt 110 000 000 Goldmark, Zusätzlicher Beitrag aus dem Reichshaushalt 300 000 000 Goldmark, Beförderungssteuern 290 000 000 Goldmark, Zinsen auf deutsche Eisenbahnobligationen 550 000 000 Goldmark, Zinsen auf deutsche Industrieobligationen 250 000 000 Goldmark, zusammen 1 500 000 000 Goldmark. Die bis jetzt auf Rechnung der 3. Annuität gezahlten 930 800 000 Goldmark setzen sich aus folgenden Einzelbeträgen zusammen: Normaler Beitrag aus dem Reichshaushalt 82 500 000 Goldmark, Zusätzlicher Beitrag aus dem Reichshaushalt 160 800 000 Goldmark, Beförderungssteuer 202 500 000 Goldmark, Zinsen auf deutsche Eisenbahnobligationen Die Generalversammlung des Innungsausschusses des Kreises Erkelenz. Am 18. Juli fand im Restaurant Brunen zu bera die Generalversammlung des Innungsausschusses statt. Leider waren durch die Ungunst der Witterung viele Mitglieder der Versammlung fern geblieben. Der Vorsitzende, Herr Wouf, eröffnete die Versammlung lund begrüßte die Erschienenen auf das herzlichste. Sein besonderer Gruß galt dem neuen Geschäftsführer Herrn Dr. Kempkes, der zum ersten Male in der Generalversammlung anwesend sei. Er gab der Hoffnung Ausdruck, daß Herr Dr. Kempkes sich in seiner neuen Tätigkeit recht wohl fühlen und noch lange Jahre sein Amt bekleiden möge. Herr Dr. Kempkes dankte für das ihm durch die Wahl entgegengebrachte Vertrauen und bat die Mitglieder, die Versicherung entgegennehmen zu wollen, daß er seine ganzen Kräfte in den Dienst der ihm anvertrauten Organisationen stellen werde und daß auch sein Wunsch dahin gehe, viele Jahre zum Wohle eds Handwerks im Kreise Erkelenz zu arbeiten. Danach trat man in die Tagesordnung ein. Zunächst erstattete der Geschäftsführer den Kassenbericht, der von den Kassenprüfern in seinen einzelnen Punkten erläutert wurde. Auf Antrag der Kassenprüfer wurde dem Vorstand einstimmig Entlastung erteilt. Einen breiten Raum nahmen die Besprechungen wegen Abänderungen der Statuten ein.(Man war sich darüber klar, daß die derzeitigen Statuten in manchen Punkten veraltet, vielfach sogar verwirvend sind, sodaß unbedingt Abänderungen getroffen werden müssen. Vom Geschäftsführer wurde der Versammlung ein ganz neuer Entwurf vorgelegt, der im Prinzip gutgeheißen wurde. Die weiteren Arbeiten wurden einer besonderen Kommission übertragen, sodaß damit zu rechnen ist, daß bis zum 1. Oktober 1927 die Arbeiten soweit gediehen sind, daß der Genehmigung durch die Regierung keine Hindernisse mehr im Wege stehen. Recht großen Anklang fanden auch die Ausführungen des Geschäftsführers über die bei der Geschäftsstelle einRundfunk=Programm. Langenberg(25 kW) Münster(1,5 kW) Dorlmund(0,7 kW) Welle 468,8 Welle 241,9 Welle 283 Mittwoch, 27. Juli. 13.10: Köln(La, Mü, Do): Konzert. Sol: Isi Hesse(Sopran). Mozart: Ouv. Titus.— Beethoven: Wonne der Wehmut. Der Kuß.— Ralf: Mozart=Mosaik.— Mendelssohn: Zwei Lieder ohne Worte.— Brahms: In Waldemsamkeit. An die Nachtigall.— Urbach: Erinnerungen an Beethoven.— Wolf: Ueber Nacht. Heimweh.— Tschaikowsky: La, Mü, Do): Diözesanpräses Clemens: Teure Heimat. o 20: boien Liumopnaich. Gohe, du. Paghline D So. — Grieg: Aus Holbergs Zeit.— Svendsen: Romanze. Norwegische Rhapsodie.— Tor Aulin: Schwedische Tänze.— Grieg: Norwegisch. Erstes Begegnen. Norwegische Tänze.— Sibelius: Valse triste.— Halvorsen: Einzugsmarsch der Bojaren.— Anschl.: Köln: gerichtete Treuhandstelle. An Hand von zahlreichen Beispielen überzeugte er die Mitglieder von den großen Nachteilen, denen sie ausgesetzt seien, wenn sie keine Buchführung hätten. Diesen Uebelständen, die auf die Dauer emhaltbar seien, abzuhelfen, sei Aufgabe der Treuhandstellen, die an anderen Innungsausschüssen eine außerordentlich segensreiche Tätigkeit für das gesamte Handwerk entfalteten. Wenn sich bereits eine Anzahl Mitglieder gemeldet hätte, so müßte doch mit allen Mitteln danach gestrebt werden, daß in Zukunft kein Handwerker und Gewerbetreibender fernstehe. Die sich daran anschließende rege Diskussion brachte den Beweis, daß alle von der dringenden Notwendigkeit der Treuhandstelle überzeugt sind, sodaß in kurzer Zeit mit einer großen Mitgliederzahl zu rechnen ist. Ebenso freudig begrüßt wurden die Mitteilungen des Vorsitzenden, daß seitens des Geschäftsführers in Zukunft auch Sprechstunden in Wegberg, Niederkrüchten, Baal und Holzweiler abgehalten werden und zwar in Wegberg jeden ersten Dienstag im Monat, in Niederkrüchten jeden zweiten Dienstag, in Baal jeden dritten Dienstag und in Holzweiler jeden vierten Dienstag im Monat. Dadurch ist allen Mitgliedern im Kreise Gelegenheit gegeken, ihre Angelegenheiten bequem durch die Geschäftsstelle erledigen zu lassen. (Nähere Bekanntmachung hierüber erfolgt durch die Zeitung.) Des weiteren erstattete der Vorsitzende Bericht über den am 24. und 25. Juli in Cleve stattfindenden 43. Rheinischen Handwerkertag. Er betonte, daß auch der Innungsausschuß Erkelenz mit dazu beitragen müsse, daß dieser Kundgebung des gesamten rheinischen Handwerks am Niederrhein ein voller Erfolg beschieden sei. Es wurden einige Herren gewählt, die an der Tagung teilnehmen werden. Nachdem noch einige interne Angelegenheiten besprochen waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung. War, wie eingangs erwähnt, der Besuch infolge das schlechten Wetters auch nur gering, der Verlauf der Versammlung hat gezeigt, daß das gesunte Handwerk im Kreise Erkelenz den großen wirtschaftlichen Aufgaben nicht pässiv gegenübersteht, daß es vielmehr von dem eisernen Willen beseelt ist, sich durchzusetzen und mitzuarbeiten an den großen Aufgaben, die das deutsche Volk zu erfüllen hat. Wer handell oder produziert und nicht genügend inseriert, bleibt meistens sitzen auf der Ware. URHESER-RECHTSSCHUTZ DURCH VERLAG OSKAR MEISTER, WERDAU (8. Fortsetzung.) Der Kommerzienrat hatte ein eigentümliches Lächeln um den Mund.„Du liebst ihn ja, wie ich sehe!“ Guntram sah angestrengt nach dem Garten.„Ja, ich liebe ihn," sagte er sinnend,„weil——“ Er sprach den Satz nicht fertig. Molton mußte sich mit der angebrochenen Hälfte desselben bescheiden. Er begriff seinen ruder auch diesmal nicht— und fragen war zwecklos. Kommerzienrat Molton stieß die Läden, welche sein großes Arbeitszimmer vor der ärgsten Nachmittagshitze bewahrten, zurück. Ein breiter, wärmender Strom von Sonne floß auf wden dunkelgrundigen Teppich, welcher das Zimmer bis zum Abschluß der Wände überdeckte. Dann öffnete er die Türe für einen Spalt— horchte nach dem langen, läuferbelegten Korridor und verharrte eine Weile reglos. Als alles ruhig blieb, drückte er auf die lingel und trug dem herbeieilenden Mädchen auf, er wolle ür eine halbe Stunde völlig ungestört bleiben. Nachdem es gegangen war, schob er lautlos den Riegel an der Türe vor, blieb einige Minuten unschlüssig stehen, dann erst schlug er die Portieren aus schwerem, grünem Sammet zurück, wodurch der Blick in ein kleines, trauliches Nebengemach frei wurde. Bei seinem Eintritt erhob sich eine noch junge überschlanke frau, welche auf dem kleinen Sofa gesessen hatte und ging m einige Schritte entgegen. Ihr blondes Haar sprühte simmernd auf, als sie in den Lichtstrom trat, der durch die ohen Spiegelscheiben in das Zimmer floß. Das tiefe chwarz der Kleidung, welche sich um die mädchenhaft ziersichen Formen bauschte, bildete einen eigentümlichen Kontrast hierzu. Molton sah nichts als dieses leuchtende Blond, das unter Ddem Trauerhut hervorquoll und sich schmeichelnd um die dhaft reine Stimme des jungen Weibes legte. Alles jandere versank für ihn. Erst das schwere Atmen der Frau metz ihn die Schultern weit zurückrucken. Es war dieselbe Bewegung, wie sie dem Abte zu St. Georgen eigen war, wenn er sich zu einem Entschlusse, der unwiderruflich war, durchgerungen hatte. Er machte eine Handbewegung nach dem Divan zu und wartete, bis sie sich wieder gesetzt hatte.„Ich möchte dich bitten, die Sache kurz zu machen," sagte er und lehnte sich an die Schmalseite eines geschnitzten Schrankes, der dem Sofa gegenüberstand.„Ich begreife überhaupt nicht, was dich bewogen hat, nach zehn Jahren den Weg hierher zu nehmen und was du damit bezwecken willst.“ „Mein Mann ist tot!" Das Gesicht der Frau sank tief herab. Schweigen!— Unablässig rann das Sonnengold über den bordeauxfarbenen Teppich. Brennend rot leuchteten die Blätter der Blutbuchen vom Parke herüber. Kein Zweig regte sich in der Windstille, die über dem Tale ruhte. „Er starb in Davos— soviel ich gelesen habe!" sagte Mollon. Es klang keinerlei Teilnahme in seiner Stimme mit. Sie nickte. Zum ersten Male sah sie voll zu ihm auf. Es waren dieselben großen blauen Augen, wie die kleine Maria sie im Gesichtchen trug.„Ich weiß, daß ich keinerlei Anteilnahme von dir erwarten darf— ich habe sie nicht verdient— aber ich bin am Verzweifeln.“ „Schulden?“ sagte er hart. Sie schrie leise auf und streckte die eine Hand zur Abwehr aus.„Nein!— Aber ich ertrage die Einsamkeit nicht mehr!“ Er versuchte gar nicht den offenen Spott, der ihm um Augen und Mund saß, zu verbergen.„Wenn man zehn Jahre lang so glücklich gewesen ist, wie du es warst, muß man auch einmal eine Stufe der Einsamkeit mit in den Kauf nehmen." „Glücklich warst?“— stöhnte sie auf.„Ist das Glück gewesen?— Acht Jahre lang an der Seite des Mannes zu leben, auf dessen Tod ich zu jeder Stunde gefaßt sein mußte. —Hundertmal war ich im Begriffe, ihm und mir ein Ende zu bereiten, so rasch und schmerzlos, wie er es immer wünschte.— Aber dann sagte ich mir, daß ich bützen müßte für das, was ich an dir gefehlt habe, und ich schleppte dieses Leben weiter Stunde um Stunde— Tag um Tag— acht Jahre lang.“ Molton öffnete die Lippen nicht. So war sie gezwungen, weiter zu sprechen.„Ist das nicht Buße genug?— Selbst Verbrechern gewährt man, wenn sie sich gut geführt haben, Verzeihung———" Sie erhob sich. Moiton sah an ihrer Bewegung, was sie zu tun un Begriffe war und hielt sie an den Schultern zurück. „Ich bitte dich, keine Szene ins Werk zu setzen, Gertraud. — Es wäre vergebliches Mühen und auch lachhaft.— Es war einmal!— Nicht wahr?— Das mußt du dir immer vor Augen halten.— Du selbst hast es so gewollt, nicht ichDas Nachher und das Jetzt geht alles auf deine RechnungIch habe nichts damit zu tun. Wenn du in Not gewesen wärst, hätte ich dir allenfalls eine angemessene Summe zur Verfügung gestellt, weil ich die Frau, die einmal meinen Namen getragen hat und Mutter meines Kindes ist, nicht betteln sehen möchte.— Aber sonst——“ Sie wollte nach seinen Händen greifen, die er hastig hinter seinem Rücken verschanzte.„Theo!“ Der Ausdruck seines Gesichtes war verletzender Spott. „Ich dachte, du hättest über dem Namen deines zweiten Mannes den meinen längst vergessen.“ Der helle Ruf einer Kinderstimme klang durch den Park und erschien im nächsten Augenblick dicht unter dem Fenster. „Vati, mach doch auf!— Schläfst du denn noch immer, Vaterle?“ Molton rührte sich nicht.— Dann ein Sprung!— Mit beiden Händen hielt er die Frau, welche sich erheben wollte an den Schultern nieder!„Nein!“ Ein würgendes Schluchzen kam zu ihm herauf.„Nur sehen!— Bitte Theodor, nur ein einziges Mal sehen!“ „Nein!" Wort und Ton klangen so hart, als müßten sie durch gewalztes Eisen gehen. „Ich hätte das Recht, einmal im Jahre das Kind für einen Tag bei mir zu haben!" sagte sie und knüllte das kleine Taschentuch zwischen den Händen, daß die Spitzen dovon rissen. In dem bartlosen Gesichte Moltons zuckten die Nervenbündel. Aber er beherrschte sich.„Das Kind würde dich nie als seine Mutter anerkennen.— Es weiß nichts anderes, als daß du tot bist!“ „Tot!“ Gertraud Dürnfeld schrie auf, und ehe er sich's versah, lag sie vor ihm am Boden und umfaßte seine Knie. „Laß das," sagte er ärgerlich.„Ich habe keinen Sinn mehr für Komödienspielen.— Früher— ja— da bin ich auf diesen Trick hereingefallen!— Aber heute?— Nein!“ Er lachte hohnvoll auf. „Du glaubst mir nicht," weinte das arme Weib zu seinen Füßen.„Glaube mir doch, Theo! Wenn je eine Frau für ihren Fehltritt gebüßt hat, bin ich es.— Wenn je ein Mensch aus tiefstem Herzen bereut hat, bin ich es wieder,— und wenn du vergessen könntest-— „Nielf— ortieuna olat