2. a G Durch unsere Boten mil den Beilagen„Unterhallung und Belehrung“. des„Landmanns SonntagsBlatt" und der Beilage„Aus dem Reich der Frau" sowie der Monatsschrift„Heimatblätter“ für den Monat 2.— Goldmark. Bei Eintritt höherer Gewalt, Bekriebsflörung, Papiermangel, Versagen der Lieferungsmittel und Erscheinungsverboten wird keine Gewähr für Lieferung und Leistung Ubernomme Erkelenzer Kreisblalt. Erkelenzer Zeitung.. Erkelenzer Volkszeitung Amtliches Kreisblatt Für die Schriftleitung Dr. Josef Hahn und Carl Wachtendung, Erhelenz Erscheint täglich mit Ausnahme von Sonn= und Feierlagen Anzeigenprei Fur den Kreis Erkelenz 20 Pfg. für die 3 mm. hohe Petitzeile, für behördliche u. auswartige Anzeigen 30 Pfg. und Reklamezeilen 00 G.=Pfg. Postscheck=Konto Köln Nr. 21716. Geschäftsstelle: Brückstraße 20. Fernsprech=Anschluß Nr. 1. Telegramm=Adresse: Kreisblatt“ Erkelenz. Druck und Verlag: J. Brandts. Buchdrucherei und Verlag. G. m. 74. Jahrgang. Erkelenz, Donnerstag, den 14. April 1927. Nummer 87 Die Antwort auf die Nanking=Note. Neuer Erfolg der Nordtruppen. Pukau besetzt. WTB London, 13.April1927.(Drahtbericht.) Reuter meldet aus Schanghai: Die Nordtruppen haben Pukau, ohnWiderstand zu finden, besetzt Beschießung eines britischen Kanonenbootes. In Pukau die nationalistische Flagge niedergeholt. Schanghai, 13. April 1927.(Drahtber.) Das britische Kanonenboot Woodcock wurde auf der Fahrt von Hankau lußabwärts von Chinesen, vermutlich Kantonesen, beschossen. Das Kanonenboot antwortete mit seinen Maschinengewehren und 6=Pfündergeschützen. Britischerseits sind keine Verletzten zu verzeichnen. Ein drahtloses Telegramm aus Wuhu beagt, die Nationalisten haben die Bureaus der britischimerikanischen Tabakgesellschaft besetzt. Der Einnahme von Pukau ging ein Bombenangriff von nordchinesischer Flugzeugen voraus. In Pukau wurde nach der Besetzung die nationalistische Flagge niedergeholt. Tschens Antwort an die Mächte. WTB Hankau, 13.April1927.(Drahtber.) Der natiosalistische Minister des Aeußern, Eugen Tschen, wird die Forderungen der fünf Protokollmächte über die Vorfälle von Kanking in vier Einzelnoten beantworten. Die Mächte, deren Kriegsschiffe Nanking besch ossen haben, verden eine Antwort erhalten, in welcher die Frage der bewalttätigkeiten der nationalistischen Truppen umgangen ind den Mächten der Vorwurf gemacht wird, daß sie durch as Bombardement ohne jeden Grund Menschen getötet nd die Häuser der Zivilbevölkerung zerstört haben. Italien nd Frankreich sollen Noten erhalten, in denen die Zahung von Schadenersatz zugesichert wird. Auch die kote an Japan soll, wie man glaubt, persönlich gehalten ein, um zu versuchen, Japan und England von den Verinigten Staaten zu trennen. Der Text der Noten soll am Freitag veröffentlicht werden. Streik gegen Tschangkaischek. Schanghai, 13. April 1927.(Drahtber.) Der Streik ist in der Niederlassung nur teilweise zur Durchführung gekommen. Die Straßenbahnen sind nur schwach in Mitleidenschaft gezogen. Zahlreiche Arbeiter in dem Jangtsebezirk der Niederlassung streiken. Einige Baumwollfabriken und Tabakfabriken sind in Mitleidenschaft gezogen. Der Omnibus= und der Rikschaverkehr ist normal. Der Streik richtet sich nicht gegen die Ausländer, sondern wird von den Kommunisten und Radikalen gegen Tschangkaischek geführt. Um 3 Uhr früh kam es zwischen Italienern und Chinesen an der Urgat, an der Grenze der Niederlassung, zu einem Zusammenstoß. Die Italiener feuerten über die Köpfe der Chinesen hinweg, die sich zurückzogen. Schanghai, 13. April 1927.(Drahtber.) 1.30 Uhr nachts.) Der von der Allgemeinen Arbeiterunion angeordnete Generalstreik ist in der ganzen internationalen Niederlassung und in der Eingeborenenstadt im Gange. Er begann gestern spät abends. Nach Mitteilung der Arbeiterführer sind bereits mehr als 50 000 Arbeiter ausständig. Man erwartet gn deid sieh de Zas der Srellanen hrute deltchuicg e en wird, rechnet aber nicht mit einer langen Dauer des eiks. In einem Rundschreiben der Seemannsunion wird erklärt, daß die gemäßigten Elemente der Kuomintang den Ausländern in die Hände spielen. Nach Meldungen aus Hinapo haben radikale Angehörige der Kuomintang die Leitung einer Hutfabrik übernommen, deren Besitzer ein Franzose ist, und die 15 000 Arbeiter beschäftigt. Die Dixektoren wurden aus Hingpo vertrieben. Erklärung der Ankuoschun über Peking. Die Ankuoschun(Nordpartei) hat gestern abend eine amtliche Erklärung über die bei den Haussuchungen in den Rebengebäuden der Sowjetbotschaft in Peking in der vorigen Woche beschlagnahmten Schriftstücke ausgegeben. Die Erklärung besagt, daß sich unter den Schriftstücken u. a. befinden: Eingehende Pläne für die Ausrüstung und Organisierung von Kavallerie in Charbar in der Mongolei und Mandschurei unter dem Befehl des Generals Fengyuhsiang durch die Sowjetregierung, Berichte von den Agenten des nilitärischen Geheimdienstes der Sowjetregierung aus Kanon, Honan, Schensi und anderen Orten, militärische Pläne der Fengtien= und Kuomingtang=Armeen, vertrauliche Briefe und Berichte der russischen Befehlshaber der Armee Fengyuhsiangs, ein Briefwechsel zwischen den von Moskau ertannten militärischen Sachverständigen und den Führern der kuomingtang und der Kuomingtangtruppen, ferner ein Schriftwechsel zwischen dem Militärattaché in Peking und den iym nachgeordneten Stellen in den Provinzen, in dem ingere Beziehungen zwischen der Kuomingtangpartei und der Sowietregierung dringend gefordert werden. China-Diplomatie. Ein Telegramm Tschens an die Labour Parry. London, 13.April1927. Der nationalistische Außenninister Tschen hat seine frühere Erklärung, die Nankinger Ausschreitungen seien von den Schantungtruppen angestiftet worden, in einem ziemlich vorsichtigen Telegramm in die Independent Labour Party qualifiziert, indem er ausdrücklich feststellt, daß sie nur das Ergebnis einer„voräufigen“ Untersuchung gewesen sei. Das spricht für die in London verbreitete Auffassung, daß er die Wiedergutnachungsforderungen der fünf Mächte weder ablehnen, noch ohne weiteres annehmen, sondern versuchen wird, durch einen Antrag auf eine neue Untersuchung, vielleicht unter Mitwirkung der Mächte, Zeit zu gewinnen. Von Tschangaischek erwartet man allgemein eine noch entgegenkommendere Haltung. Vorläufig braucht man daher in der Kritik des Daily Telegraph, der die Forderungen der Mächte Uls verwässert und ihre Ablehnung als sicher betrachtet, nicht nehr als die gewohnte tendenziöse Auffassung der konservaliven Rechten zu sehen. Da im Augenblick niemand weiß, ver in der Kuomintang, noch wer in China selbst die Oberhand behalten wird, darf man im übrigen in englischen Pressekommentaren nicht viel Erleuchtung suchen. Die Times jat das sichtliche Gefühl, daß die militärische Entwicklung der chinesischen Revolution wieder einmal im Begriff steht, die Diplomatie der Mächte mit Riesenschritten zu überyolen. Weitere Siege Tschanatsolins könnten die Nationalisten jeder Verantwortung für Nanking entziehen. Die Times möchte die jüngsten Mißgeschicke der Kantonesen als eine nationale Reaktion Chinas gegen die bolschewisierenden Tendenzen des Südens auffassen. Sie ist sich jedoch über die tieferen Ursachen der chinesischen Revolution genügend klar, um keine großen Hoffnungen auf eine solche Entwicklung zu setzen. Das letzte Ziel der chinesischen Wirren ist, das Land von den regierungsunfähigen Milisaristen zu befreien, und England kann nach der Times bensowenig für die Generale des Nordens wie für die Kuomintang Partei ergreifen. Die gleiche Unsicherheit herrscht auch in der Bewertung der durch Nanking zuwege gebrachten neuen diplomatischen Einheit der Mächte. Die Times, die nicht davor zurückschreckt, von der Wiederherstellung der Washingtoner Einheitsfront unter den neuen Verhältnissen und in neuem Geiste zu sprechen, ist trotzdem nüchtern genug hinzuzufügen, daß die Mächte sich zunächst nur für einen bestimmten Zweck zusammengeschlossen haben, und daß die neue Interessengemeinschaft vielleicht„nur einen Augenblick" dauern werde. Die Lage in der spanischen Marokkozone. WTB Paris, 13.April1927.(Drahtber.) Wie Havas aus Madrid berichtet, dementiert die spanische Nachrichtenagentur in einer Note die Nachricht, daß die spanischen Truppen Im Rifgebiet Niederlagen erlitten hätten. Die Gerüchte, nach denen die Aufstandsbewegung, deren Bedeutung vom ersten Augenblick an übertrieben worden sei, an Ausdehnung gewinne, seien gleichfalls falsch. Der Herd des Aufstandes liege an den Grenzen der französisch-spanischen Zone und nache beiden Nationen zu schaffen. Die spanische Offen.de, die sorgsam vorbereitet worden sei, werde einem genau ausgearbeiteten Plan entsprechend bald einsetzen. Bei all diesen Nachrichten handle es sich um eine tendenziöse Pressekampagne anläßlich der Tangerverhandlungen. Die Kosten der Rheinland=Entfestigung. Ein neuer Spruch des Haager Schiedsgerichts? Berlin, 13.April1927. Wie der Demokratische Zeitungsdienst erfährt, wird zurzeit im Reichsfinanzministerium geprüft, ob die deutsche Auffassung vor dem Haager Schiedsgericht mit Aussicht auf Erfolg vertreten werden kann die Auffassung, die dahingeht, daß die Kosten für die Rheinland=Entfestigung von den Dawes=Annuitäten abgerechnet werden mussen. Bei der Prüfung dieser Frage kommt dem kürzlich ergangenen Urteil des Haager Schiedsgerichts über den Ersatz der Liquidationsschäden besondere Bedeutung zu. Die Mologaverhandlungen. Berlin, 13.April1927. Einer russischen Agenturmeldung aus Moskau zufolge zeigen die Verhandlungen zwischen dem Hauptkonzessionskomitee in Moskau und dem deutschen Vertreter über die Fortführung der Mologakonzessionen nicht den gewünschten Verlauf vornehmlich wegen der Bedingungen, die die russischen Vertreter stellen. Diesen zufolge wird an eine Revision des Konzessionsvertrages erst gedacht für den Fall der Einhaltung der übernommenen Verpflichtungen sowohl wirtschaftlicher (Eisenbahnbau) als auch finanzieller Natur(Wechsel). Danach soll der Mologa eine Aenderung der Konzession in Form einer Rohstoffkonzession nach japanischem Muster gestattet werden unter der Bedingung der Aufgabe des russischen Binnenmarktes seitens der Mologa. Eine weitere finanzielle Unterstützung von russischer Seite wiro nichtmehrzugestanden. Auch wird der Mologakonzession das Monopolrecht für die Holzlieferung nach Deutschland nicht gewährt werden. Die schwierigen Verhandlungen zeigen bereits Auswirkungen auf die Verhandlungen der schwedischen und dänischen Konzessionäre für neue Holzkonzessionen in Karelien. Lohnbewegung der Reichs= und Staatsarbeiter. Berlin, 12.April1927. Vor dem Reichsfinanzministerium haben Montag Verhandlungen über die Neuregelung der Lohnund Arbeitszeitbestimmungen für die Reichs= und Staatsarbeiter begonnen. Bekanntlich haben diese den bisher geltenden Lohn= und Manteltarif zum 31. März gekündigt. Wie es heißt, kam es in der Arbeitszeitfrage zu einer Annäherung der Parteien, während über die Lohnfrage noch nicht endgültig entschieden werden konnte. Das Reichsfinanzministerium hatte den Vorschlag gemacht, die Löhne mit Wirkung ab 1. April bis 31. März um 4 Pfg. pro Stunde zu erhöhen. Diesen Vorschlag lehnten die Unterhändler der Arbeitnehmerorganisationen ab mit der Begründung, daß dieses Angebot der Steigerung der Lebenshaltungkosten, insbesondere der Mietssteigerung ab 1. Oktober nicht entspreche. Die Verhandlungen wurden schließlich auf Donnerstag vertagt. Die Arbeitnehmervertreter hatten noch betont, daß sie neben den für die ab 1. April zu gewährenden Stundenlohnerhöhungen auch noch eine solche für den 1. Oktober erreichen müßten. Urteil im Kolmarer Prozeß. Die Klage Haegy abgewiesen. WTB Kolmar, 13. April 1927.(Drahtb.) In dem Beleidigungsprozeß des Abbé Haegy gegen den Redakteur des Journal, Helsey, verneinten die Geschworenen sämtliche von dem Zivilkläger gestellten Fragen. Der Vorsitzende verkündete, daß die Klage Haegys gegen das Journal und seinen Redakteur Helsey abgewiesen ist. Der Österurlaub des Reichskanzlers. WTB Freiburg, 13.April. Reichskanzler Dr. Marx ist mit seiner Familie in einem badischen Kurort eingetroffen, wo er den Österurlaub verleben wird. Der preußische Justizminister in Köln. WTB Köln, 13.April. Der preußische Justizminister Dr. Schmidt traf auf seiner Rheinlandreise in Begleitung des Geh. Rats Schwister und des Ministerialdirektors Hartwig hier ein Gestern morgen wurden ihm beim Amts= und Landgericht, sowie beim Oberlandesgericht am Reichensperger=Platz die Beamtenschaft, Rechtsanwälte und Notare vorgestellt. An die Vorstellung schloß sich eine Besichtigung an. Deutsch=schweizerische Verhandlungen. Fremdenpolizeiliche Angelegenheiten. WTB München, 13.April1927.(Draytber.) Die am 4. d. M. in München eingeleiteten Verhandlungen zwischen deutschen und schweizerischen Delegierten über fremdenpolizeiliche Angelegenheiten sind heute zum Abschluß gelangt. Hinsichtlich einer großen Anzahl der zur Erörterung gebrachten Fragen wurde eine Verständigung erzielt, die eine befriedigende Regelung der in den letzten Jahren hervorgetretenen Schwierigkeite nerwarten läßt. Ferner konnte eine weitgehende Uebereinstimmung der beiderseitigen Auffassungen über zurzeit besonders wichtige Fragen des internationalen Fürsoxgerech ts festgestellt werden. Deutschenhetze in Polen. MTB Kattowitz, 13.April1927.(Drahtber.) Bei einem für die deutschen Kinder in Breziz in Ostoberschlesien veranstalteten Märchenabend erschienen plötzlich trotz des ausdrücklich zugesagten polizeilichen Schutzes eine Anzahl polnischer Insurgenten, die durch Lärmkundgebungen die Veranstaltung störten, so daß sie abgebrochen werden mußte Die Polizei hat festgestellt, daß es sich um von auswärts bestellte und für diesen Zweck besonders bezahlte Elemente handelte. Beschimpfungsfreiheit gegen Lehren und Einrichtungen der Kirche? Am 11. April ist in Berlin vom Schöffengericht ein Urtei gefällt worden, das einen Buchhändler von der Anklage Einrichtungen der christlichen Kirchen beschimpft zu haben freispricht. Dieses Urteil wird in weitesten katholischen und evangelischen Kreisen Widerspruch und Entrüstung hervon rufen. Eine auf den Freispruch des Schöffengerichts bezügliche Nachricht des WTB aus Berlin lautet: Der Verlagsbuchhändler Leon Hirsch, der beschuldigt war den Marienkult der katholischen Kirche und die Christ verehrung beider Konfessionen verächtlich gemacht zu haben wurde vom Schöffengericht freigesprochen. Das Gericht hat angesichts der Reichsgerichtsentscheidungen, wonach zwar Beschimpfungen Gottes oder Einrichtungen der christlichen Kirchen 126 Opfer eines Wirbelsturmes. WIB San Antonio(Texas). 13. April1927.(Drahtb.) Nach einer telephonisch aus Rock Springs(Texas) hier eingetroffenen Meldung des dortigen Bürgermeisters wurden heute nacht 126 Personen durch einen Wirbelsturm getötet. Nach in San Antonio später eingetroffenen Meldungen sollen in Rock Springs nur noch sechs Häuser stehen. Die ganze Stadt gleicht im übrigen einem Trümmerhaufen. Ueber die Zahl der Toten und Vermißten, die sehr hoch sein soll, liegen zurzeit genaue Nachrichten noch nicht vor. Aus Fort Clark ist Kavallerie zur ersten Hilfeleistung abgerückt. strafbar seien, nicht aber die Angriffe auf die Lehren der Kirchen, nicht zu einer Verurteilung kommen können. Ueber die Person dieses Verlagsbuchhändlers gibt das offizielle Adreßbuch des deutschen Buchhandels keine Auskunft. Es ist auch aus dem Bericht des WTB nicht ersichtlich, auf welchem Gebiete des Verlegerberufs sich Hr. Leon Hirsch betätigte und in welcher Sorte von Schriften seines Verlags er die beschimpfenden Aeußerungen über die christlichen Kirchen getan hat. Was aber den Freispruch des Schöffengerichts betrifft, so fußt er auf reiner Begriffsspielerei. Die Erläuterungen des Strafgesetzbuches von Henle u. Schierlinger sagen ausdrücklich:„Kirchliche Glaubenslehren stehen, soweit fundamental, den Kirchen gleich... so die katholischen Dogmen von der... Gottesmutter Maria.“ Das gleiche nilt. selbstverständlich von der Christusverehrung. Auch der Kommentar von H. Göbel urteilt:„Zu den Einrichtungen und Gebräuchen der Kirchen sind zu zählen: Der Marienkultus, die Christusverehrung" usw. Diese„Einrichtungen“ sind selbstverständlich der Ausfluß der betreffenden dogmatischen Lehren, und darum sind beide voneinander logisch nicht zu trennen. Wenn das Gericht sich tatsächlich auf Reichsgerichtsentscheidungen hat stützen können, so erheischen diese eine gründliche Revision. Der Berliner Freispruch, der in kirchen- und glaubensfeindlichen Kreisen die übelsten Konsequenzen nach sich ziehen würde, bedarf entschieden einer gründlichen Untersuchung und kritischen Beleuchtung. Deutsch=polnischer Aussöhnungsausschuß. Haag, 13.April1927. Wie ich erfahre, ist der holländische Gesandte in Paris, Dr. Loudon, zum Vorsitzenden des deutsch=polnischen Aussöhnungsausschusses ernannt worden. Artikel 4 des Schiedsgerichtsvertrages, der am 16. Oktober 1925 in Locarno zwischen Deutschland und Polen beschlossen sst, bestimmt die Einsetzung eines ständigen Ausföhnungsausschusses, der fünf Mitglieder zählt. Deutschland und Polen ernennen beide je ein Mitglied aus ihren eigenen taatsangehörigen, während die drei übrigen Mitglieder nach gemeinschaftlicher Vereinbarung beider Länder aus Angehörigen früher neutraler Länder gewählt werden. Der Ausschuß besteht jetzt aus folgenden Mitgliedern: Loudonlland(Vorsitzender), de Moron(Schweiz), Sjöborg hweden), Simson(Deutschland) und Wicklowicyski Men). Befestigung der belgischen Ostgrenze. Brüssel, 13. April 1927. Seit der Rede des Krlegsministers de Broqueville, in der er sich für eine Armeeverstärkung einsetzte, führt die nationalistiche Presse einen Feldzug für die Befestigung der Oftgrenze. Man gibt die Parole aus:„Das Vaterland muß gegen eine Invasion geschützt werden.“ Es haben auch schon Besprechungen zwischen dem französischen und dem belgischen Generalstab stattgefunden und es bestätigt sich, daß die Regierung einen außerordentlichen 10=Millionenkredit anfordern wird, um die Ostgrenze befestigen und das Limburger Loch schließen zu können. Die Festungen auf dem rechten Maasufer sollen wieder instandgesetzt werden, und es soll eine lange Reihe von Verteidiaunaswerken in ähnlichen Abständen wie in Frankreich errichtet werden. Wahrscheinlich werden später weitere Maßnahmen folgen, die die Anforderung von Ergänzungskrediten notwendig machen werden. Auflösung des litauischen Sejm. Kowno. 13.April1927.(Drahtber.) In der gestrigen Sitzung des litauischen Seim kam auch der Fall Dr. Pajauiis zur Sprache. Die Mehrheit des zur Prüfung dieses Falles in der letzten Seimsitzung gebildeten Ausschusses stellte sich au den Standpunkt, daß die Verhaftung des Dr. Pajaujis zu Unrecht erfolgt sei. Ministerpräsident Woldemaras vertrat den entgegengesetzten Standpunkt. Eine nach der Aussprache den Volkssozialisten eingebrachte Uebergangsformel, die Regie ung das Mißtrauen ausdrückt, wurde mit 45 Stimmen einschließlich der Stimmen der Minderheiten, darunter der Memelländer, gegen 30 Stimmen der Rechten angenommen. Der Ministerpräsident übergab darauf dem Seimpräsidium den vom Staatspräsidenten unterzeichneten Beschluß über die Auflösung des Seim, den der Seimpräsident zum Schluß der Sitzung verlas. Eine Erklärung der Minderheiten, die vor der Abstimmung verlesen wurde, besagt, daß die memelländischen Deutschen, die jüdische und die polnische Fraktion im Hinblich auf die Tatsache, daß die jetzige Regierung sich über die Beschlüsse des Seim hinwegsetze, für das Mißtrauensvotum stimmen werde. Niederlage der Liberalen in Nikaragua. WTB Washington, 13.April1927.(Drahtb.) Konter admiral Latimer, der Kommandant der Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten in den nikaraguanischen Gewässern mmedet, daß die liberalen Streitkräfte in Nikaraqua in der Begend von Gerro Caballo eine vollständige Nieverlage erlitten haben. des Staatssekret'ärs a. D v. Kühlmann, der, wie erinnerlich, vor drei Wochen einer ihweren Unfall erlitt, hat sich, Blättermeldungen zufolge, in der etzten Tagen wesentlich gebessert, so daß mit seiner baldiger Entlassung aus der Klinik gerechnet werden kann. Der polnische Gesandte Olszowski hat eine Note berreicht, in der die polnische Regierung wegen des Films Land interm Kreuz Einspruch erhebt. Sonderkurier mit den Anweisungen für den südslawischen Gesandten in Rom für direkte Verhandlunger wischen den beiden Ländern zur Regelung des italjenisch ugoslawischen Konflikts abgegangen. Das Fiasko der Abrüstungskonferenz. Nach der Tragödie die Komödie! Paris, 13. April1927. Nach der Tragödie des Scheiterns der vorbereitenden Abrüstungskonferenz, deren baldiger Abschluß vorauszusehen ist, wird die Komodie der gegenseitigen Anklagen der Alliierten wohl unvermeidlich sein. Die französische Presse leitet bereits heute diese Komödie ein. Einmütig erklären die Blätter der Linken wie der Rechten, daß England die Schuld an allem trage, und daß die englischen Thesen darauf hinausliefen, die maritime Vorherrschaft den Seemächten zu sichern und die Landmächte zu entwaffnen. Einem solchen Projekt pgeriider wird laut de Nowendgell der Scherhelt de= t. Bisher hat noch kein Land mit solcher Offenheit verlangt, daß alle anderen den Höchststand seiner Rüstungen anerkennen, wie Frankreich. Es bleibt indessen zweifelhaft, ob die Idee einer internationalen Kontrolle dieses Rüstungskandes, in welcher sich das Begehren nach internationaler Unerkennung der eigenen militärischen Anstrengungen ausbrückt, zu besonderem Stolz Veranlassung geben kann. Man kaunt immer wieder über diese primitive Psychologie, vor deren Augen nichts begründet ist, als der eigene Standpunkt und die naiver Weise annimmt, die Versicherung, man wolle lch ja nur verteidigen, genüge, um das Ausland von der rechtigung der französischen Militärgesetze und des französischen Standpunktes in der Entwaffnungsfrage überhaupt zu überzeugen. Als ob nicht die Furcht der Großmächte voreinander eine der Hauptursachen des Weltkrieges gewesen wäre! Aus dem Weltkriege siegreich hervorgegangen, proklamiert Frankreich jetzt tatsächlich die Furcht erst recht als Notwendigkeit! Die gegen England heute von der französischen Presse angewandte Argumentation ist mn fast allen Blättern die gleiche. Der französische Leser muß aus ihnen die Ueberzeugung gewinnen, daß allein Frankreich Konzessionen jemacht habe, und es wird durchweg ausgesprochen, daß Lord Cecil die Verantwortung für das wahrscheinliche Scheitern der vorbereitenden Entwaffnungskonferenz trage. die Zurückweisung des französischen Standpunktes, daß die naritime Entwaffung sich in gleichem Maße wie die Landmtwaffnung vollziehen müsse, sowie besonders die Zurückweisung der französischen Ansicht, daß die Tonnenzahl in ihrer Gesamtheit und nicht die einzelnen Kategorien als Maßstab genommen werden solle, gibt zu den heftigsten Ausfällen gegen England Veranlassung. Unmöglich, daß eine Nation, die ehrlich eine Maximalziffer sr ihre Flottentonnage annimmt, diese Tonnage nicht nach Beleben auf die einzelnen Einheiten verteilen könnte.(Figaro.) England will nur seine Nachbarn entwaffnen.(Paris Soir.) Frankreich weigert sich, das Spiel der Angelsachsen mitumnachen, die unter Entwaffnung die Entwaffnung der andern berstehen.(Oeuvre). England will vermeiden, daß seine Kreuzerflotte eines Tages urch eine zu große Anzahl von Unterseebooten anderer Länder n Gefahr geriete.(Volonté.) Durch die Beschränkung der Unterseeboote und der Torpedoboote liefern wir unsere Küsten den Schmähungen unserer Feinde aus.(Quotidien.) Auf diesen Ton sind sämtliche Ausführungen gestimmt. Pertinax unterzieht im Echo de Paris das bisherige Erjebnis der Entwaffnungskonferenz einer eingehenden Unteruchung und findet, daß der Aufschub ad calendas graecas znvermeidlich sei. Die englische und die französische These tünden sich mit Entschiedenheit gegenüber. Paul Boncour habe verschiedene Erfolge gehabt. Es sei ihm gelungen, die Beschränkung der ausgebildeten Reserven zu verhindern; aber man wisse nicht, inwieweit der französische Delegierte auf die„potentiels de guerre“ verzichtet habe. Ohne diese Idee aber würden die Völker, welche die meiste Bevölkerung owie die meiste Industrie und den kriegerischen Geist beläßen, ein Uebergewicht an Macht gewinnen. Wie könne nan die Kriegsluftschiffahrt beschränken, wenn man die Handelsluftschiffahrt frei lasse? Was die maritime Abrüstung anbelange, so wisse Gott allein, warum die Angelachsen dem Festland auferlegen wollten, was sie selbst nich innähmen. Der Temps überschreibt seine heutigen Ausführungen: Der Engpaß von Genf. Das Blatt schreibt, die Haltung Engands stelle die Entwaffnungskonferenz vor eine Mauer, und zum mindesten könne man sagen, daß jedes Projekt einer wirklichen Entwaffnung vertagt sei. Das Scheitern der Konferenz werde schwere Folgen für die Sache der Entvaffnung nach sich ziehen, die in einzigartiger Weise kompromittiert sei. Das Blatt setzt dann auch seinerseits austinander, daß offenbar nur die Landrüstungen getroffen verden sollten. Frankreich habe große Konzessionen genacht, und zuletzt hätten sich ihm sogar die Vereinigten Staaten und Japan angeschlossen. Niemand in Europa verde darüber im Unklaren sei, wen die Verantwortung reffe. Nach dem Ausgang des Krieges habe eine perfide Propaganda versucht, der Welt die Ueberzeugung beizupringen, daß das militaristische Frankreich dem Frieden Hindernisse in den Weg lege. Gegen den Willen Frankreichs sei die Entwaffnungsfrage gestellt worden, und um es elbst zu entwaffnen, sei man auf die einfache Idee gekomnen, seine militärische Macht auf denselben Stand wie denenigen Deutschlands zu bringen. Aber Frankreich sei immer der Vorkämpfer des Friedens gewesen. Es habe den größten Anteil an der Ausarbeitung des Genfer Protokolls gehabt; es habe das Werk von Locarno vorbereitet; es habe die größten Anstrengungen gemacht, damit die Beschränkung der Bewaffnung Wirklichkeit werden solle. Man werde nach alledem anerkennen müssen, daß der Fehler bei anderen liege und nicht bei Frankreich. Wie hieraus ersichtlich, sind es keineswegs die Prinzipien des Vertrages von Versailles, welche die Franzosen den Engändern gegenüber verteidigen, sondern sie verteidigen sich tur dagegen, daß diese Prinzipien auf sie elbst angewandt werden. Sie verlangen von England, was sie selbst Deutschland versagen. Sie stellten ich damit zum mindesten auf den gleichen Boden wie die von ihnen Bekämpften, und es ist nur logisch, wenn der deutsche Standpunkt in der Presse nur abfällig gestreift wird ind sich der ganze Zorn gegen den ehemaligen Alliierten vendet. Immerhin sind manche auf den Gedanken geommen, daß Deutschland diesem Spiele doch vielleicht licht ewig geduldig zusehen werde, und daß es seinerseits eine Konsequenzen aus dem französischen Standpunkt ziehen konnte. Pertinax schreibt im Echo de Paris, das Scheitern der Konferenz werde Deutschland sicher Freude bereiten. Es verde sagen, daß die in Versailles gemachten Versprechungen licht eingehalten seien und die militärischen Klauseln abchütteln, die es in der Erwartung auf weiteres schon jetzt nöglichst umgehe.„Deutschland," so heißt es in der natiotalistischen Liberté,„wird sagen, daß die Alliierten den Verailler Vertrag verletzen. Dies ist keineswegs ein Spaß. Braf Bernstorff hat diese These in Genf verteidigt. Stresenann wird sie eines Tages wieder aufnehmen, um Deutschand seine militärische Freiheit zurückzuverschaffen." Rheinland=Westfalen. Erhelenz, 14 April 1927 *Wir werden behördlicherseits gebeten, darauf hinzuweisen. daß nach einem Ministerialerlaß von 1926 am Karfreitag in Lokalen mil Schankbetrieb, gleichgültig ob es sich um Cafes, Konzertoder ähnliche Lokale handell, musikalische Darbietungen jeder Art, also auch ernste Musik grundsätzlich verboten sind. In Lichtspieltheatern dürfen nur Bilder religiösen oder legendären Inhalts vorgeführt werden. *Postdienst an den Feiertagen: Am Karfreitag und den Oster Feiertagen sind die Postschalter wie Sonnlags geöffnel. Die Briefzustellung geschieht am Karfreitag und am 1. Feiertag wie an Sonnlagen, am zweiten Feiertag ruht sie. Am Karfreitag und am Östersonnlag findet eine Geldzustellung statt. DDie angekommenen Pakele werden am Karfreitag und am Östermontag, jedesmal vormiltags, zugestellt. * Woylfahrtsbriefmarden. Die letzten Verkaufswochen für Wohlfahrtsbriefmarken werden noch einen recht guten Erfolg bringen. Gerade die Osterzeil, in der viele Grüße in alle Welt yinaus gesandt werden, gibt die beste Gelegenheit zu Verwenoung von Wohlfahrtsdriefmarken. Soweit sich üversehen läßt, ist überall dort, wo die Organisationen der Worlfahrtspflege sich nachdrücklich für den Vertrieb eingesetzt haben, ein erfreuliches Ergebnis zu buchen. Die Bevölkerung, die dem diesjährigen Vertrieb der Marken bereits recht viel Verständnis entgegenbrachte, wird, wie man im Interesse der Notleidenden hoffen möchte, auch dafür sorgen, daß diese letzten Wochen sich noch günstig gestalten Die Marken sind uur noch bis zum 20. April ds. Je. dei den bekannten Wohlfahrtsstellen zu haben; ihre postalische Gültigkeit behalten sie bis zum 30. Juni ds Is. * Julassung zum Universitälsstudium ohne Reifezeuanis. Die Bestimmungen, betreffend Zulassung zum Universitätsstudium ohne Reifezeugnis, vom 11. Juni 1924, sind nunmehr auch auf die preußischen Technischen Hochschulen ausgedehnt worden. Die Bestimmungen gelten, nachdem sie vor einiger Zeit auf die Landwirtschaftlichen, Tierärztlichen und Forstlichen Hochschulen, die Handelshochschulen und Pädagog schen Akademien ausdehat sind. für alle preußzischen wissenschaftlichen Hochschulen. * Was man von Trier mitorachte. Die urallen Wallfahrtsprozessionen der Heimat nach Matthias haben wieder begonnen, und wer von uns Alten erinnert sich da nicht der„Mutterjoltespiefgen von Trier“. Es waren weißirdene Mutzen, deren Kopf meist ein Muttergottesbild, aber auch andere Figuren darstellte. Die Pfeifen hatten 1, 2 und oft 3 solcher schön polychromierten Köpfe an einem Stiel: Es war eine Trierer Spezialität Irdene Tabakspfeifen waren früher bekanntlich mehr im Gebrauch, als heute. Die Kinder bliesen schillernde Seifendlasen damit in die Luft oder füllten den Kopf mit Wasser und dliesen einen Wasserstrahl durchs Rohr. Die„Audner“— wie man in Trier die Bäcker irdener Geschirr nannte— sind heute dort nicht mehr zu sinden wie auch so viele andere Handwernszweige verschwunden sid. Statt der Muttergottespfeifen und der Papierfähnchen mit der St. Matthiaskirche auf der einen und Domkirche mit der hl. Helena auf der anderen Seite nehmen die Pilger nunmehr schönere und wertvollere Andenken mit heim. Kh. * Zu unserem Bericht über das nächtliche Rencontre in der Kaiserstraße bezw. Mllhlenstraße ist berichtigend nachzutragen, daß der erste Schuß nicht aus einer„Scheinlodpistole", sondern aus einer Schreckschukvistole in Form eines Brownings gefallen ist. ° Das Hornberger Schießen. In dem ehemaligen würktembergischen Städlchen Hornberg, das jetzt zu Baden gehört, liefen die Schützen bei einem Schützenfest zu Anfang des 18 Jahrhunderts einer nach dem anderen fort, weil ihnen dadei manches nicht gefiel, so daß sich zuletzt das Ganze in nichts auflöste. In Hornderg gehl die Sage, man habe den Herzog mit Flintenschüssen begrüßen wollen. Beim Versuchsschießen habe man aber das vorrätige Pulver verschossen, so daß nichts übrig war, als der Herzog kam.— Die ländliche Redensart, daß eiwas ausgehl, wie das„Sornberger Schießen" meint, daß etwas vorzeitig aufhört, weil es an genügender Substanz fehlt. ° 1000 Dollar in der Minute mit der Kehle verdient. Die russische Sowjetregierung hat zu den für den kommenden Herbst geplanten Festlichkeiten anläßlich des zehnten Gedenklages der bolschewistischen Revolution auch ihren berühmten Landsmann Schaljapin eingeladen. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm versprochen, daß er seine seinerzeit von der Regierung nationalisierten Güter zurücherhalten solle. Es besteht ader wenig Hoffnung, den berühmten Sänger mit diesem Angebot zur Rückkehr in sein Vaterland, das er absichtlich meidet, zu bewegen, denn die Honorare, die er in Amerika erhält, sind die höchsten, die zurzeit ein Sänger bezieht. Vor kurzem hat eine Klage, die der Theateragent Listo in Newyork gegen Schaljapin eingereicht hat, großes Aufsehen erregt. Listo verlangt von Schaljapin einen Schadenersatz von 50000 Dollar. Der Sänger hatte seine Mitwirkung bei einem Konzert zugesagt und verlangte dafür ein Honorar von 4000 Dollars, womit der Theateragent auch einverstanden war. Der Saal war natürlich trotz den außerordentlich hohen Preisen vollständig ausverkauft. Schaljapin sang die Arie des Basilio aus dem„Barbier von Sevilla". Obwohl das Publikum in höchster Begeisterung ein Dacapo verlangte, verließ Schaljapin den Saal und fuhr, ohne sich an den händeringenden Listo zu kehren, nach Hause. Da die Arie nur vier Minuten dauerl, so hatte er 1000 Dollars in der Minute verdient. Das Publitum geriet aber in Wut, bedrohte den Theateragenten und verlangte schließzlich sein Geld zurück. Das Gericht wird jetzt zu entscheiden haben, ob Schaljapin berechtigt war, unter so glänzenden Bedingungen eine Zugabe zu verweigern. Kleingladbach, 13 April. Außer der Schändung des Missionskreuzes haben die gleichen Unholde, die sich dieser schuldig gemacht haben, wie wir nachträglich erfahren, auch die Toten in ihrer Ruhe gestört, indem sie auf verschiedenen Gräbern des Friedhofes Kreuze ausgerissen und zerschlagen haben. Ein wirklich trauriges Zeichen der Zeil! Dem sofortigen Eingreifen der Landjägerei ist es zu verdanken, daß man bereits zwei der Schandbuben(Bewohner der Schaufenberger Kolonie) in Haft abführen konnte, von denen einer bereils geständig ist und seinen Komglicen als Mittäter verraten hat. Linnich, 12. April. Der heutige Pferdmarht wies nicht so viele Pferde auf wie der Märzmarkt. Es waren wohl zirka 400 Stück, die aufgestellt waren. Die fremden Händler, viele Württemberger, hatten aber schon an den Vorlagen bei den hiesigen Händlern ihre Käufe gemacht, denn am hiesigen Bahnhofe sah man großen Betrieb mit dem Einladen der Pferde. Der Handel war sehr lebhaft und es herrschte auch in den Straßen ein lebhafter Betrieb. Der nächste Pferdemarkt ist am 10. Mai. Ratheim, 13. April. Goldene Hochzeik. Die Vorarbeiten des Festausschusses für die Goldene Hochzeit der Eheleute Jakob Görtz und seiner Gemahlin Frau Gertrud geb. Herrmanns, Burgstraße, sind soweit gediehen, daß das Programm nunmehr vorgelegt werden kann. Demnach versammeln sich am Ostersonntage abends 8½ Uhr, das Festkomitee und die Nachbarschaft, Bewohner der Burg= und Steinstraße zum Fackelzug auf der Kirchstraße. Die Musik stellt der St. Josephs=Musikverein Ratheim unter persönl. Leilung des Herrn Limburg. Der Fachkelzug zieht zur Burgstraße, allwo dem Jubelpaare große Ovationen dargebracht werden. Am eigentl. Festtage, Östermonlag, 8½ Uhr morgens, versammeln sich sämtliche Ortsvereine mit ihren Fahnen auf dem Markiplatze; dort wird sich der Festzug formieren, um das Jubelpaar zum Hochamt zu geleiten. Beendigung der kirchl. Feier erfolgt der Ra der-, Mürlenstraße, Mardt zur Woheung des Braulpaares. sindet offizeller Glüchwunsch statt. Abends 6½ Uhr ist die gerschaft in der Centralhalle Winkens herzl eingeladen zu einer sen Saalfeier, der auch das Brautpaar beiwohnen wird. Der mel wird wohl ein Einsehen haben, und so wollen wir hoffen, der Feier das schönste Frühlingsweiter beschieden sein möge. Wanlo=Kuchun, 12. April. Die umfangreiche Tagesordnung sestrigen Gemeinderatssitzung wurde wie folgt erledigt: Gederat ist mil dem Plan der Kraftfahrlinie von Kuckum—Wanlo Brevenbroich einverstanden, macht aber darauf aufwerksam, daß jemeindeweg keinen solchem Verkehr genügenden Unterbau bend die Gemeinde allein außerstande ist, die höheren Unterigskosten zu tragen. Zwei Anträge vom Landratsamt betr. stenbeleiligung an einem Kreissilm und Maßnahmen zur Förg des Milchverbrauchs wurden bis zur Beratung des Haushalts gestellt. Mit der Erhöhung der Versicherungssumme für die ndegedäude ist Gemeinderat einverstanden, doch soll mit der izialversicherung über verbilligte Sätze verhandelt werden. AnBewilligung des Tariflohnes für Tiefdauarbeiten an die ungsarbeiter sowie einer Entschädigung für Mehraufan die mit Pflichtarbeit beschäftigt gewesenen Erwerdsroen abgelehnt mit der Begründung, daß die Entlohnung geltenden Bestimmungen ordnungsmäßig erfolgt und die nicht in der Lage ist, mehr zu leisten. Es wird darauf n. daß die Gemeinde ohnehin zu den Kosten der Erwerbsrge 2300 Ma. Juschüsse hat bewilligen müssen. In perVerhandlung sou mit einer Wickrather Firma eine Einigung Beitrag zur Pflichtfortbildungsschule herbeigeführt werden. rgelegten Entwurf für die Inbetriebnahme der Wasserleitung Wassergeldtarif nahm Gemeinderat an. Gegen die nebenAnstellung des Herrn L. Kllpper aus Wanlo als Rohrund Wassergeldeinnehmer hat er keine Bedenken. Der Wasserhrif soll nur vorläufig angewandt werden, dis genügend Eringen über seine Auswirkung gesammelt sind; möglichenfalls noch eine Ermäßigung ein. Einstweilen muß der hohen Anungs- und Instandhaltungskosten wegen vom Einbauen von rmessern abgesehen werden; doch soll die Ansammlung eines echenden Betrages für spätere Anscaffung von Wassermessern luge gefaßt werden. Die Gemeinde erhält für die Anlage der ng eine Zulage für 2200 Tagewerke mit rund 5100 M., sowie darlehen gegen Schuldschein von rund 25 500 M. Letzteres ist % zu verzinsen und in 17 Jahren zu tilgen. Bezüglich der ung der zweiten Wohnung im neuen Amtsgebäude verbleibt dem früher gefaßten Beschlusse. Die im Herbst freiwerdenden ndeländereien sollen baldigst neu verpachtet werden. In geSitzung erklärte sich Gemeinderat mit der Aufrückung des eamten zum Polizeiassistenten einverstanden; vom 1. April ilt er die Bezüge der Gruppe 5. Einige Steuerniederschlagungsge, ausgenommen Hundesteuer, wurden genehmigt. Außerhalb agesordnung erstattete der Vorsitzende einen vorläufigen Bericht die geldliche Lage der Gemeinde, die zwar gegen die Vorjahre günstig ist, immerhin ader noch erträglich scheint. Düffeldorf. 13. April. Wie kurz mitgeteilt, wurde die seit von ihrem Ehemann getrennt lebende Frau Güldens, 40 ili, Mutter von sieden unmündigen Kindern, wegen unlicher Mißhandlungen ihres vierjährigen Sohnes 2 Jahren Gefängnis verurteilt. Aus den bei der Verhandegen das entmenschte Weib zu Tage gekommenen Einzelheiten wir nach Berichten Düsseldorfer Blätter noch nach: Während e älteren Kinder gut behandelte, hat sie den kleinen Karl nur, sie„ihn nicht leiden konnte", in der gemeinsten Weise mit eisen, Besenstielen, Gummischläuchen usw. geschlagen; wollte tessen, dann hing die Rabenmutter ihn mit einem unter den durchgezogenen Schal an der Küchentür hoch über den Boden er Nachbarin hat sie erzählt, sie habe den Karl einmal mit in den Ofen gesteckt, bis die Haare brannten. Eine andere hat gesehen, wie die Güldens den Jungen an den Beinen ob und mit dem Kopf in eine mit Wasser gefüllle Wanne sließ, der Kopf des Jungen mehrmals heftig auf den Boden stieß. Schlagen mit dem Besen wurde dem Jungen das Nasenbein eschlagen da sich an dem Besenstiel ein Nagel befand. Die nde hat dann die Mutter einfach mit Creme ausgefüllt. Nach sagen von Zeugen war der Junge ein ganz besonders liebes, Kind. Nach ärztlichem Befund gefährdeten die Mißhanddes Kindes Leden. Der Arzi fand Strangulationsmarken den Armen; das Aufhängen hätte den halten Brand herbein können. Das eingangs erwähnte auf nur 2 Jahr Gefängnis nde Urteil wurde vom Vorsitzenden des erweiterten Schöffensts als sehr milde bezeichnet. Keldenich bei Brühl, den 13 April. Beim Aufhängen von henglochen löste sich plötzlich von dem hierzu aufgestellten ein Balken, der einem verheirateten Monteur der Glockenei aus Geschede auf den Kopf siel und den Mann so schwer daß er alsbald stard. om Rhein.(Existenzbedrohung der Gesangvereine.) letzten Zeit setzt in Westdeutschland eine sehr starke ing der Gesangvereine gegen die steuerlichen Lasten ihnen bei der Veranstaltung von Konzerten ausererden. Trotz der Verfügungen des Finanzministers Lultusministers, daß die Städte den Gesangvereinen enkommen möchten, werde die Existenz derselben durch lickende kommunale Steuerpolitik zunichte gemacht. nstag fand in Düren seitens der Interessengeft der Dürener Männergesangvereine eine überaus. esuchte Protestversammlung statt, in der der zweite zende des Rheinischen Sängerbundes, Derichs=Köln, die kulturelle Mission der Gesangvereine sprach und der Besorgnis Ausdruck gab, wenn nicht höhernorts griffen werde, zahlreiche Gesangvereine gezwungen ihre Proben einzustellen. Der Redner geißelte scharf ngesunde übermäßige Bedeutung, die man heute den mpfen beimesse. Wo würden mehr sittliche Werte fen, fragte der Redner, bei einem Boxkampf oder bei erzieherisch wirkenden Gesangkonzert? Der Rheiniängerbund wird sich demnächst auch mit diesen Fraschäftigen und höhernorts vorstellig werden müssen, as Schlimmste vermieden und die seit Kriegsenve in inder Linie befindlichen rheinischen Gesangvereine ungeheuren steuerlichen Belastungen der Städte Bestande nicht bedroht werden. Zu den Berliner Pressemeldungen über die lenfälschungen teilt uns die Firma„Haus Neuermit, daß die damit verbundenen Fälschungen ihrer „Overstolz" bereits ca. drei Vierteljahre zurückliedie Firma hat schon vor Monaten mehrere Fälscheraufdecken lassen und glaubt dadurch erreicht zu haaß sich gefälschte Zigaretten ihrer Marken nicht mehr andel befinden.— Wegen Tabaksteuerhinterziehung ein Kaufmann aus Rodenkirchen festgenommen, Mille Zigarren mit falschen Steuerzeichen auf Lager An Hand seiner Bücher konnten noch für weitere Mark Zigarren mit falschen Banderolen ermittelt eschlagnahmt werden, die er inzwischen verkauft hatte. eschlagnahmte Ware verfällt bestimmungsgemäß dem zfiskus. Diese Steuerhinterziehungssache steht mit den letzten Tagen bekanntgewordenen Banderolenngen nicht in Verbindungen. chen.(Die Befehlsstelle.) Im hiesigen Hauptbahnrde am Montag das neue elektrische Stellwerk, die nte Befehlsstelle, dem Verkehr übergeden. Aebet es Jahr hat man daran gebaut und es nun in den Eisenbahnbetrieb eingegliedert, damit von hier aus in ununterbrochenem Tag- und Nachtwechsel die Leitung des Bahnhofbetriebes erfolgt. Das neue Stellwerk ist das erste seiner Art im Bereich des Betriebamts Aachen. M.-Gladbach.(Gefängnis für Anfug am Feuermelder.) Das Jugendgericht zu M.-Gladbach verurteilte einen jungen Burschen zu drei Wochen Gefängnis, weil er versucht hatte, einen Feuermelder böswillig zu ziehen. In der Arteilsbegründung wurde ausgeführt, die Feuermeldeanlage sei eine öffentlichen Zwecken dienende Telegraphenanlage im Sinne des Paragraphen317 des Strafgesetzbuches. Diese Bgründung ist sehr wichtig, weil demzufolge bei böswilliger Benutzung der Feuermelder nur noch Gefängnisstrafe in Frage kommen kann. Odenkirchen.(Neue Wohnungsbauten.) Die Stadtverordneten beschlossen die Ausführung eine Bauprogramms demzufolge dem hiesigen Wohnungsmarkt in diesem Jahre über 500 Zimmer neu zugeführt werden sollen. Damit wird der größten Wohnungsnot hier abgeholfen werden. Weiter wurde von der Stadtverordnetenversammlung die Erweiterung des Städtischen Krankenhauses beschlossen, deret Kosten einschließlich der inneren Einrichtung sich auf run 800 000 Mark belaufen werden. Für die Ausführung die ser Projekte sollen langfristige Anleihen aufgenommen wer den. Vonn. Das Deutsche Beethovenfest in Bonn ist mit Rücksicht auf die außerordentlich starke Nachfrage nach Karten bis zum 30. Mai verlängert worden. Bekanntlich sollt das Fest ursprünglich vom 21. bis 26. Mai abgehalten werden. Außer Vertretern der Reichs= u. Staatsregierung mit dem Reichskanzler Marx an der Spitze hat eine ganze Reihe ausländischer Diplomaten ihre Teilnahme an der Veranstaltung zugesagt. Bei dem Festakt am 22. Mai werden außer dem Reichskanzler der preußische Kultusminister und ein österreichischer Vertreter Ansprachen halten. Vonn.(Fassadenkletterer.) Der bekannte Fassadenkletterer Metzler, der nach zahlreichen Proben seiner„Kunst" bekanntlich seit einiger Zeit eine Freiheitsstrafe verbüßt, steht mit seiner Fassadenkletterei nicht allein da. Seit länger als Monatsfrist wurden die Bewohner Bonns durch verwegene Einbrüche in Aufregung versetzt, ohne daß der oder die Diebe durch die Haustüren gekommen sein konnten. Dieser Tage nun gelang es am Venusbergweg, zwei Männer beim Einsteigediebstahl zu entdecken. Der eine wurde von der Kriminalpolizei ergriffen, als er drei Mäntel übereinander angezogen und einen vierten über den Arm trug. Nach seinen eigenen Mitteilungen zieht er gewöhnlich in den Gärten die Schube aus klettert die Hauswand empor in offenstehende Fenster. Sein Komplize wurde gleichfalls festgenommen; dieser betätigte sich vornehmlich als Aufpasser. Oberhausen, 13. April. Für den Karfreitag war für ein Fußballspiel im Oberhausener Stadion F C. Nürnberg gewonnen worden Die kirchlichen Kreise beider Konfessionen sahen in dieser Veranstaltung eine Entheiligung des Karfreitags und erhoben öffentlich Protest. Nunmehr wurde in geheimer Stadtverordnetensitzung beschlossen, künftig am Karfreitag keinerlei Spiele mehr zuzulassen. Lüdinghausen. 12. April. Als ein Forstardeiter in der Bauernschaft Beerendock über den Gronebach ging, sah er im Wasser zwei Holzschuhe liegen und fand hurz darauf, daß sie der Frau des Landwirts Heinrich Kortmann gehörten, die im Wasser lag. Er barg die Frau und ging dann zu dem Manne, um ihm von seinem Funde Mitteilung zu machen. Sonderbarerweise war der Mann nur schwer zu bewegen, mit zur Unfallstelle zu gehen, und noch sonderbarer war sein Verhalten, als er bald danach der Polizei den Tod seiner Frau mitteilte. Die Vernehmung des Mannes, der mit seiner Frau in recht schlechtem Verhältnis leble, ließ es als möglich erscheinen, daß Kortmann an dem Tode seiner Frau nicht unschuldig ist. Er wurde daher in Haft genommen und ins hiesige Gerichtsgefängnis gebracht. Vermischtes. Berlin, 13. April. Bei Schwedt a. d. Oder gingen drei Pferde eines Ackerwagens durch. Der Mitfahrer fiel vom Wagen, blieb mit den Füßen an der Wagendeichsel hängen und wurde zu Tode geschleift. Auch der Kuischer wurde heruntergerissen, er wurde schwer verletzt. Breslau, 12. April. Ganz unerwartet und plötzlich ist in einer Breslauer Fremdenpension am Freitag vormittag der unter dem Namen„r. Unblutia" in der ganzen Welt bekannlgewordene Kaufmann Paul Wasciemiecz gestorben. Wie die„Breslauer Neueslen Nachrichten" erfahren, ist die Leiche Dr. Unblutigs von der Kriminalpolizei beschlagnahmt worden, da der dringende Verdacht besteht, daß Waciemiecz keines natürlichen Todes gestorben ist, sondern den Folgen einer Kopfoerletzung erlag, die er aus Anlaß einer Schlägerei davongetragen hatte. Warschau, 13. April. Dieser Tage gelang es der Polizei, einen vierzigfachen Raudmörder, der sich seit sechs Jahren in den urwaldartigen Waldungen bei Bialystock versteckt hielt, zu verhaften, nachdem der Bandit zahlreiche Revolverschüsse auf seine Verfolger abgegeben hatte. Der Raudmörder gab an, in den sechs Jahren fast nur von Wild gelebt zu haben und zu seinem Ledensunterhalt etwa 500 Wildschweine und 200 Hirsche erlegt zu haben. London. 13 April. Bei Walton stürzte eine von London kommende Kraftdroschke, deren Führer die Herrschaft über den Wagen verloren hatle, mitsamt dem Passagier in die Themse. Der Chauffeur ertrank, während der Passagier sich retten konnte. Taucher enldeckten das Auto in der Mitte des Stromes. Furchtbare Statistik. In Verlin häufen sich'n der letzten Zeit die Selbstmorde wieder in erschreckender Weise. Am Montag dieser Woche haben sich acht Personen das Leben genommen und im Laufe des letzten Monats haben in Berlin insgesamt 147 Personen Selbstmord verübt. Hierzu kommt eine große Anzahl von Lebensmüden, die noch gerettet werden konnten. Die größte Aufmerksamkeit erfordern die sich häufenden Kinderselbstmorde. Im Monat März nahmen sich sieben Kinder das Leben, meist Schüler, die einen schlechten Fortgang in der Schule zu verzeichnen hatten. Das Eisenbahnunglück in Mähren. Brünn, 13. April. Aeber das große Eisenbahnunglück vom Dienstag wird noch bekannt, daß der Lokomotivführer und der Heizer des Zuges, das auf Halt stehende Einfahrtsignal überfahren hatten, verhaftet worden sind. Der Lokomotivführer soll bereits vor einigen Jahren ein Zugunglüd verschuldet haben. Nach der amtlichen Liste wurden insgesamt 110 Personen verletzt und drei Personen getötet. Schwer verletzt wurden 15 Personen. Die Jahl der Toten dürfte sich noch um zwei erhöhen. Das Anglück ereignete sich Dienstag früh 7,30 Uhr am Bahnhof von Brünn. Zwei von der entgegengesetzten Seite einfahrende voll besetzte Arbeiterzüge stießen zusammen. Es ist noch als ein besonderes Glück zu bezeichnen, daß die aus den Gleisen geschleuderten Wagen nicht über die an dieser Stelle befindliche, 7—8 Meter hohe Straßenrampe hinausgeworfen wurden; dagagen wurden zahlreiche Passagiere, die auf den Plattformen des überfüllten Juges sich befanden, über die Nampe hinausgeschleudert und blieben unten auf der Straße schwer verletzt liegen. Die Mailänder Messe. Am Dienstag wurde die diesjährige Mailänder Messe eröffnet. Der deutsche Pavillon zeigt in geschmackvoller Aufmachung viel sehenswertes. Brand eines Wolkenkratzers. In der Nacht zum Mittwoch brach in Newvork in dem hölzernen Oberbau des Niederland=Hotels, eines Neubaus von über 185 Meter Höhe, in der Fifth Avenue, Feuer aus. Der Brandherd lag zwischen dem 30. und 38. Stockwerk, sodaß die Schlauchlei ingen der Feuerwehr nicht ausreichten. Außerdem wurde das Feuer, das meilenweit sichtbar war, durch den Wind begünstigt. Das Hotel war noch nicht besetzt. Personen wurden nicht verletzt. Es dürfte sich um die größte Feuersl inst der Newyorker Geschichte handeln. Dreißig Meilen im Amkreise sah man den Brand, der nach allen Seiten bis zu 1000 Meter weit Funken warf. Stand der Erwerbslosigkeit in Deutschland. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger in der Erwerbslosenfürsorge im Deutschen Reiche zeigt auch in der zweiten Märzhälfte einen sehr erfreulichen weiteren Rückgang, und zwar um 305 000 gleich 21,2 v. H. Die Zahl der männlichen Hauptunterstützungsempfänger ist in der Zeit vom 15. März 1927 von 1 222 000 auf 946 000 zurückgegangen, die Zahl der weiblichen von 214 000 auf 185 000, die Gesamtzahl von 1 436 000 auf 1 131 000. Die Zahl der Zuschlagsempfänger hat sich von 1 664 000 auf 1 297 000 verringert. Der Gesamtrückgang in der Zahl der Hauptunterstützungsempfänger beträgt 535 000(1 696 000 Hauptunterstützungsempfänger am 1. März 1927 gegen 1 161 000 am 1. April 1927). Ueber die Krisenfürsorge liegt eine neuere Zahl nicht vor, da diese nur in der Mitte jedes Monats festgestellt wird. Die Banderolenfälschungen. Zu den Fälschungen von Zigarettenmarken und Zigarettenbanderolen wird aus Berlin bekannt, daß außer dem Inhaber der früheren Zigarettenfabrik Dilia, Krakauer, setzt auch dessen Geschäftsführerin, ein Fräulein Moses, verhaftet wurde, die den Verkehr zwischen den Personen in Hamburg und Krakauer in Berlin vermittelte und angeblich große Mengen von gefälschten Banderolen nach Hamburg gebracht haben soll. Ferner wurde eine Reibe von Geschäftsleuten festgenommen, die mit Krakauer in Verbindung standen. Die ins Ausland geflüchteten Fabrikanten Bring, Brül und Katzki können, solange sie außerhalb der deutschen Grenzen bleiben, nicht verfolgt werden, da auf Grund von Jollvergehen eine Auslieferung nicht erfolgen kann. Es soll aber wenigstens versucht werden, eine Auslieferung des flüchtigen Fabrikanten Katzki aus Belgien— er hält sich mit seiner Braut in Eupen auf— herbeizuführen und ibn dem verhafteten Jungermann gegenüberzustellen. Der öfter genannte Franz Apisdorf soll übrigens den Behörden schon von frühern Banderolenbetrügereien bekannt sein. Der Kaufmann Kurt Kohn aus Berlin, der in Düsseldor verhaftet wurde, ist inzwischen wieder freigelassen worden, dagegen wurde in Köln ein gewisser Bartoldy unter dem Verdacht der Beteiligung an den Fälschungen festgenommen. Landwirkschaftliches. Lokalabkeilungs=Versammlung Erkelenz. Im Saal der Restauration Will— Markt fand am Dienstag nachmittag eine Versammlung statt, welche gut besucht war. Der Vorsitzende, Landrat Dr. Geheimrat von Reumoni, war verhindert und so begrüßte der stellvertretende Vorsitzende Gulsbesitzer JansenHabera die Erschienenen. Unter Geschäftliches machte derselbe Mitteilung, daß vom 24.—29 Mai cr. in Dortmund die große landwirtschaftliche Ausstellung stattfinden werde. Bei der Bildung eines Kreisausschusses der Landwirtschaftskammer für den Kreis Erkelenz wurden als Mitglieder Ehrenbürgermeister Kuester=Schwanenberg und Ehrenbürgermeister Jansen=Nierhoven gewählt. Als Ort für die diesjährige Kreiswanderausstellung wird Lövenich bestimmt. Es erfolgte sodann ein Vortrag des Landwirtschaftsschuldirektors Dahlem über Zuchlmaßnahmen und Leistungsprüfung in der Pferdezucht. Redner brachte unter anderem zum Ausdruck, daß er hoffe daß die Landwirtschaftskammer sich dafür einsetzen werde, daß die Jollbestimmungen so gestaltet würden, daß die Aufzucht wieder rentadler wird. Belgien führte noch immer eine große Menge kaltblütiger Pferde nach Deutschland ein, obschon der Bedarf hierfür gedeckt sei,— Sodann führte Redner aus, daß bei den künftigen Provinzialausstellungen bei der Kaltblutzucht mehr auf Leistungsfähigkeit gesehen werden solle. Am Schlusse seiner Ausführungen wurde dem Redner lbhafter Beifall und der Dank des Vorsitzenden für seine interessanten Ausführungen zuteil.— An der nachfolgenden Diskussion beleiligten sich noch Bürgermeister Reuber=Beeck, Geschäftsführer Kall und der Vorsitzende des Kreis=Reil= und Fahrvereins, Gutsbesitzer EichhornHauerhof. Gegen 7 Uhr wurde die Versammlung vom Vorsitzenden aeblasen. Regiments=Appells. Ratheim, 13 April. Am 14.,15 u. 16 Mai sindet in Köln a. Rhein eine Zusammenkuuft der ehemaligen 65er statt; wozu auch alle Formationen, die aus diesem Regiment hervargegangen sind, herzlichst eingeladen sind. Nachdem schon vor einigen Wochen im Kreise Erkelenz, aber auch darüber hinaus in Birgeln und Ratheim Versammlungen der Kameraden, zwecks Besprechung zur Teilnahme an dieser Tagung stattgefunden, werden weitere Vorbesprechungen am Sonntag den 1. Mai in Ratheim-Busch im Restaurant Heinrichs und in Myhl am Östermontag bei Seppener noch statlfinden. Ehemalige 462er Die Angehörigen des ehemaligen Iuf. Regts. 462 veranstalten eine Wiedersehensfreier am Pfingstsonnabend- und Sonntag, den 4 und 5. Juni 1927 in Köln am Rhein. Näheres ist zu erfahren bei Osto Berbig, Essen, Maxstraße 49 und Hildebrandl, Kiel, Waitzstraße 48. Produktenmarkt zu Krefeld. Krefeld, 13. April. Es notierten je 100 Kilo: Inl. Weizen 26,75—27,25, inl. Roggen 25,50—25,75, inländ. Hafer 21,00 bis 21.50, Wintergerste 00,00—00,00 ab niederrheinischen Stationen Weizenmehl 38,00—00,00, Roggenmehl 36,00—00,00, Roggenscher! aus ausl. 30,00—00,00 frei Wagen niederrh. Stationen; auständ. Weizen 31,50—82,00, ausländ. Roggen 28,00—28,25, auslärd Futtergerste 24,00,—00,00, ausl. Hafer 20,25,—00,00, La PlataMais 00,00—00,00, grob. Mais 18,25—00,00, kl. Mais 20,00 bis 00,00, Leinkuchen 22,00—00,00, Rapskuchen 15,00—00,00, Palmkuchen 18,00—00,00 Kokoskuchen 20,00—00,00, Zuckerschnitzel 16,00—17,00, Weizenkleie 14,00—16,00, Roggenkleie 13,75—14 75 (alles frei Krefeld=Hafen Uerdingen, Duisburg, Düsseldorf, Neuß oder Köln); Stroh 3,00-3 50. Wiesenheu 8,00—9,00, Luzernheu 13,00—14,00, Mark frei Wagen niederrheinischer Stationen. Bekannkmachung. Die Ryeinische Verbehrsgesellschaft Antiengesellschaft in Köln beadsichtigk, folgende Kraftjahrzeuglinie einzurichten: Von Erhelenz üder Venralh—Auchum—Hochnen= dirch— Jüchen—Gierath—Elsen nach Grevendroich Dieses bringe ich zur öffentlichen Kenntnis mit dem Bemerken, daß Ensprüche gegen dieses Unternehmen dinnen zwei Wochen, vom Tage der Ver öffentlichung ab gerechnel, bei dem Unterzeichnelen schriftlich angedracht werden können. Erhelenz, den 6. April 1927. Der Landrat J. V.: gez. Dr. Beringer, Regierungs=Assessor. Zwangsversteigerung. Am Sonnabend, den 16. April 1927, nachm 1 Uhr, werde ich in Holkum an Ort und Stelle, (Sammelort der Käufer Wirtschaft Loefen): 1 Büfettschrank, 1 Kredenz und 1 runder Tisch in Eichen, 1 Schre btisch, 1 Küchenbürett, 1 Anrichte, 1 comb. Fräse, 1 Band säge und 1 Gasmotor 8 P S. öffentlich mestdietend gegen gleich bare Jahlung versteigern. emann, Obergerichtsvollzieher in Eräelenz. Für die Islerlage empfehle: la. 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Arm:„Du dem sie so Mg frage ich da sie ihn zet wie ich jed viel ertrage braven Me daß ihr d n de um der der dach ni war zu sto Sange F. ihr fern.1 er sich er kammt es er steht er immer weit schließluh Aus 1 durch die Mutter, st nicht an.1 unglücklich ihr, als u lrost! Har Alex und vertra 1e2 Mutter sch utter weinte. D or etwas nr.8. Erkelenzer Kreisblatt. Donnerstag 14. April. im„Erkelense att“ nachweisbas den ößten rfolg. nd Kinder sarbig. Billigste Preise! al-Fenster eb. Real beschw. Schütz. Chinosol erhalter stets Chinosol im haben. Äußerlich alle Verletzungee Wunden. Intiche, Hautkrank und zur Verhütung deckungen nnegen Geflügeldipt und zur Desinfel Darmes. Chinosol rAnwendung sen in der Wirksam aktisch dem Subl eich, aber durch giftig. Seit 30 in der ärstlichen rärztlichen Praxis bewährt. En en Chinosol, ent10 Tabletten s0 r lange Zeit aus1 RK 2.- b Apotheken und len Versucheung nur 60 Pl. 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Sie klebten an alle möglichen Ecken Proklamationen. Die erste lautet wie folgt: Wir kommen heute friedlich und freundschaftlich, um unsere verlorenen Limburger Brüder zu erlösen und ihnen den Beweis zu liefern, daß wir sie nicht vergessen haben. Wenn Limburg und Belgien in bezug auf die Revision des Vertrages von 1839 befriedigt werden, dann gehen wir zurück, aber sonst ziehen wir nicht wieder ab, bis Freiheit und Recht auf beiden Ufern der befreiten Bahn wieder herrschen. Die zweite Proklamation lautet: Limburg wird erlöst von der holländisch-protestantischen Unterdrückung. Belgien wünscht keine Landeroberung, fordert aber Revision des aufgezwungenen Vertrages von 1839 und vor allem freie Verbindung mit dem Rhein. Der Fortschritt und die Zukunft Limburgs liegen im Westen und im Süden, mit und dei Belaien und nicht in Rotterdam und im Norden. Die letzte Proklamation lautet: Die Limburger haben das Recht, über sich selbst zu verfügen und in aller Freiheit zu unterhandeln über die Regelung ihrer Interessen mit Belgien und der Außenwelt. Die Bevölkerung Limburgs hat überall diese Proklanationen abgerissen. Die Behörden untersuchen, ob die Proklamationen wirklich von Belgiern angeklebt worden ind. Maßnahmen werden getroffen, um Wiederholungen sorzubeugen. Der Zwischenfall wird in der Presse ruhig leurteilt. Es wäre nur zu bedenklich, wenn er eine neue Bewegung des Annexionismus einleiten würde. Zunehmende Auswanderung aus Deutschland Im Jahre 1926 haben 65 281 Deutsche ihrem Vaterland den Rücken gekehrt, um in überseeischen Ländern eine neuHeimat zu suchen. Das bedeutete eine erhebliche Zunahme gegenüber 1913- 25 843 deutsche Auswanderer— und auch ein Anwachsen gegenüber den Jahren 1924 und 1925 — 58 328 bezw. 62 828 deutsche Auswanderer. Im Jahre 1923 war die Auswanderung infolge der ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnisse in Deutschland allerdings größer — 115 416 Personen—, aber das Wiederanschwellen der Auswandererzahl im vergangenen Jahre charakterisiert genügend die unzureichenden Arbeitsbedingungen und den niedrigen Lebenshaltungsstand der deutschen Arbeitnehmer. Es Die Brüder Overhaard. Roman von Emil Frank. (Copyright 1926 by Alfred Bechthold, Braunschweig.) 61)(Nachdruck verbolen). Verwundert schaute Hedwig die ältere Schwester an. Nas war das nur, was sie so erregte? Warum trat sie so begeistert für den Bruder des Burschen ein, der ihr surchtbare Schmach hatte antun wollen? Ein Gedanke zuckte in dem Hirn des Mädchens auf: Anna hatte den Andreas lieb! Das war es! Darum war sie in der letzten Zeit so merkwürdig verändert! Das hatte ihr die heimlichen Tränen ausgepreßt. Voll Teilnahme ergriff Hedwig der Schwester Arm:„Du tust mir leid, Anna! Hast einen Jungen lieb, dem sie sa schlimme Sachen nachsagen."— „Mögen sie ihm doch nachsagen, was sie wollen. Was frage ich danach. Ich weiß, daß er unschuldig ist, und wenn sie ihn zehnmal verurteilen. Ich habe Mitleid mit ihm, wie ich jeden Menschen bedauern würde, der ungerecht soviel ertragen muß Hier geht es um Glück und Ehre eines braven Menschen.“— Sie brach jäh ab, denn sie fühlte, daß ihr die Tränen kamen. O, könnte sie einmal ihr Herz erleichtern! Könnte sie einem Menschen sagen, wus um den einen leidet, der ihr seine Liebe gab und der dach niemals glücklich werden konnte. Sie wußte es, er war zu stolz, als daß er sich ihr jetzt nach nähern könnte. Spolange seine Unschuld nicht klar erwiesen war, blieb er ihr fern. Und wenn sie ihn gar verurteilten, dann würde er sich erst recht verbittert zurückziehen. Nicht auf sie kommt es an. Sie hat Eltern, eine liebe Schwester. Er er steht ganz allein auf der Welt. Die Menschen, mit nen er zusammenleben muß, hassen ihn. Sie treiben ihn immer weiter hinein in seine Verbitterung. Muß er nicht schließlich an sich und der Welt verzweifeln? Aus ihrem liebewarmen Herzen dringt ein Gebet empor durch die Wolken:„Hilf ihm, lieber Gott! Und du, seine Mutter, steh' ihm bei, tröste ihn. Auf mich kommt es nicht an. Auf alles will ich verzichten. Er aber darf nicht unglücklich werden!" So betete das Mädchen, und es war ihr, als maunte eine freundliche Stimme ihr zu: Sei gekrost! Harre nur aus, du wirst erhört werden. *** Alex Overhaard saß wieder einmal im„Grünen Jäger“ und vertrank seinen Gram und Groll. Der Vater bezeigte ihm nach wie vor seine unzweideutige Verachtung. Die Mutter schlug bei seinem Anblick die Hände zusammen und weinte. Die Knechte machten sich lustig über ihn, und wenn or etwas sagte, dann sahen sie ihn so merkwürdig an, daß sind bekanntlich vielfach die Besten und Tüchtigsten, die sich zur Auswanderung entschließen Der steigende Verlust, den die deutsche Volkswirtschaft dadurch erleidet, zeigt sich recht deutlich in dem Auswanderersatz im Verhältnis zu 100 000 Einwohnern. Es verließen 1913: 39, 1923: 187, 1924: 94, 1925: 97, 1926: 103 Dersonen von 100 000 Einwohnern Deutschlands die deutschen Grenzen. Das Auswanderungsziel war 1926, wie schon 1925, in hervorragendem Maße Amerira— 62 661 Personen— und dann wieder besonders die Vereinigten Staaten von Nordamerika— 51 145 Personen. Die ungünstigen Berichte aus Südamerika scheinen die Auswanderungslust nach diesen Ländern in erheblichem Maße zu hemmen. Von den Auswanderern des Jahres1926- 56 080 Auswanderer mit Angehörigen haben Angaben gemacht— entfallen 20,1 v. H. auf die Land- und Forstwirtschaft, 38,9 v. H. auf die Industrie und 20 v. H auf Handel und Verkehr. Die amtliche Statistik spricht von Berufen. Bemerkenswert ist der große Anteil der industriellen Arbeitnehmer an der Auswanderung. Unter diesen— es waren 22 403— gehörten 9534 der Eisen-, Metallindustrie und Feinmechanik, 3279 dem Baugewerbe, je über 2000 dem Nahrungs- und Genußmittelgewerbe und dem Bekleidungsgewerbe an. Diese Gewerbezweige waren im vergangenen Jahre bekanntlich sehr wenig aufnahmefähig für Ardeitskräfte. Im Januar dieses Jahres sind 5041 Deutsche(die Auswanderung über Antwerpen ist darin noch nicht enthalten) ausgewandert. Geburtensturz in den deutschen Städten. Es ist bereits nicht mehr möglich, von einem Geburtenrückgang in den deutschen Städten zu reden. Zur richtigeren Charaktisierung der Verhältnisse müssen wir von einem großen Geburtensturz sprechen, wenn wir die Entwicklung der Geburtenziffer seit der Jahrhundertwende in unseren deutschen Städten betrachten. Wir haben seit dem Jahre 1900 ein Herabsinken der Geburtenziffer in Stadt und Land, das uns heute dem französischen Niveau gleichgebracht hat. Wenn wir die beiden Zeitpunkte, den Durchschnitt der Jahre 1895—1904 und das Jahr 1924 mit einander vergleichen, so stellt sich die Tatsache heraus, daß in zahlreichen Städten die Geburtenziffer(auf 1000 der mittleren Bevölkerung) um das Dreifache, in den meisten Städten aber mindestens um die Hälfte gegenüber dem Stande zu Beginn des Jahrhunderts sich verringert hat. Während die weitaus meisten Städte mit mehr als 15 000 Einwohnern zu Beginn des Jahrhunderts noch Geburtenziffern in der Höhe von rund 30 bis 40 auf 1000 Einwohner aufzuweisen hatten, stoßen wir heute, mit Ausnahme von nur sechs Städten, auf Geburtenziffern in der Höhe von 7,5 bis 30 auf 1000 Einwohner. Der Geburtensturz ist geradezu erschreckend. Man hat bevölkerungsmathematisch ausgerechnet, daß die Fortpflanzung eines Volkes nur dann als zahlenmäßig ausreichend bezeichnet werden kann, wenn auf den Durchschnitt eines Ehepaares 3—4 Kinder entfallen oder anders aussedrückt, wenn auf je 1000 der Bevölkerung jährlich 20 Geurten kommen. Wenn wir diesen Mindestmaßstab zugrunde ihm das Blut zu Kopfe stieg und er sich schweigend auf die Seite drückte. Das war einfach zum Verrücktwerden.— Hier in der Wirtschaft war es entschieden lustiger. kehrten viele Fremde ein, die durch die Heide wanderten. Jäger und Holzfäller kamen, die den großspurigen Bauernsohn aufzogen soder sich von ihm traktieren ließen, je nachdem sie gerade gestimmt waren. Aber Alex knauferte wirklich nicht. Woher das Geld kam, mit dem er hier um sich warf, hätte höchstens die Mutter sagen können. Aber die schwieg gegen jeden Menschen und zitterte um ihren Liebling.— Heute aber traf Alex in der Wirtschaft eine Gesellschaft von Bauern, die von einem Verkauf aus Brookfeld kamen. Alex blieb unschlüssig stehen, ob er bei ihnen Platz nehmen sollte oder nicht. Allein zu sitzen war entschieden zu langweilig. Und er gehörte doch seiner Abstammung nach zu diesen Leuten. i Schon zog er sich einen Stuhl herbei und wollte sich in die Reihe der Bauern einfügen. Die aber machten so abweisende Gesichter, legten die Arme breit auf den Tisch, damit nur ja keine Lücke entstand. Dem Jungen stieg das Blut zu Kopfe. Was, diese Leute wollten ihm so offen seine Mißbilligung zeigen? Das brauchte er sich nicht gefallen lassen. Erst wollte er es aber doch noch im Guten versuchen. Er tat, als merkte er nichts, und fragte möglichst gleichmütig:„Darf ich euch zu einer Runde einladen?“ Alex wußte, das war ein Zauberwort, das ihm schon manchen Kreis geöffnet hatte, der sich auch erst ablehnend gegen ihn verhalten hatte. Hier aber geschah das Unerwartete. Ein Bauer in mittleren Jahren erwiderte kalt:„Wenn wir trinken wollen, können wir es allemal selbst bezahlen."—„Das glaube ich unbesehen," erwiderte Alex lachend, obgleich er vor Ingrimm die Fäuste ballte; „aber es ist doch nun mal so Brauch, daß man Gäste bewirtet." Ein anderer Bauer knurrte, ohne sich umzuwenden: „Wir sind nicht deine Gäste und wollen auch von dir nicht bewirtet werden.“ Er betonte die beiden Worte„wollen“. und„dir“ so stark, daß auch ein Dümmerer als Alex hätte versichen müssen, wie diese Ablehnung gemeint war. Alex verlor den Rest seiner Beherrschung. Mit geballten Fäusten sprang er sauf die Bauern los und fragte wütend:„Und warum wollt ihr euch gerade von mir nicht „Weil wir eben nicht wollen!“ meinte ein Bauer. „Da müßtest eigentlich doch selbst am besten wissen, warum unsereiner— lich meine Menschen, die auf sich halten, nicht mit dir trinkt!" sagte ein anderer. Alex sprang herum wie einer, der von der Tarmtel gestochen war. Seine Stimme überschlug sich:„Wenn ihr legen, so ergibt sich die verblüffende Tatsache, daß von den 142 deutschen Städten nur 73 eine höhere Geburtensiffer als 20 auf 1000 Einwohner aufzuweisen haben. Mit underen Worten stehen wir vor der Tatsache, daß vier Fünftel aller deutschen Städte mit mehr als 15 000 Einwohnern für die deutsche Volksvermehrung einfach nicht mehr in Betracht kommen und aus eigenem Geburtenzuwachs sich nicht mehr am Leben erhalten können. Diese allgemeine Tatsache ist vom bevölkerungspolitischen und vom seelsorgerlichen Standpunkte aus sehr betrüblich. Es ist aber für die breitere Oeffentlichkeit und namentlich für kommunale Interessenten von Reiz, das Verhalten bzw. den Absturz der Geburten in den einzelnen Städten kurz kennen zu lernen. Es seien daher wenigstens von einer größeren Anzahl der 342 von uns untersuchten deutschen Städte die Geburtenziffern des Durchschnitts 1895—1904 und die des Jahres 1924, das sich mit den Zahlen des Jahres 1923 auf gleich tiefer Stufe jält, mitgeteilt. Die Geburtenziffer um die Jahrhundertvende steht in Klammern beigefügt. Eine Geburtenziffervon7,5bis10,5, also die ziederste Stufe weisen auf: Feuerbach bei Stuttgart, Schöneberg(27,8), Charlottenburg(26,1), Neukölln(39,0), Lichtenberg(39,2), Berlin(26,5), Eßlingen(33,6). Eine Gedurtenziffer von 11,1 bis 11,9 haben: Reinickendorf(35,3), Göppingen(34,2), Dresden(32,8), Spandau 34,0), Stuttgart(27,8), Potsdam(21,1), Wandsbek(33,1). Eine Geburtenziffer von 12,0 bis 12,9 haben: Ohligs(34,8), Reutlingen(30,1), Leipzig(33,5), Jena(35,4), Frankfurt a. M.(28,4), Wiesbaden(25,8), München(34,5) Hannover(30,7), Frankfurt a. d. Oder(28,7), Tübingen 43,3). Eine Geburtenziffer von 13,0 bis 13,9 randenburg(31,1), Bielefeld(33,8), Nürnberg(37,6), Bautzen(26,7). Eine Geburtenziffer von 14,0 is14.9 haben: Magdeburg(31,5), Barmen(33,1), Wittenberg(29,2), Krefeld(28,7), Altona(31,4), Kreuznach(30,9), Kempten(28,8), Würzburg(31,2), Darmstadt(26,0), Ulm 26,1), Staßfurt(38,9). Eine Geburtenziffer von 5,0 bis 15,9 haben: Köslin(30,8), Breslau(32,7), Düsseldorf(38,2), Liegnitz(30,8), Fürth(38,8), Meerane 39,6), Gera(33,2), Stettin(35,2), Erfurt(31,1), Marburg 37,8), Heilbronn(31,9), Harburg a. E.(39,4), Höchst a. M. 36,0), Zwickau(34,4), Elberfeld(33,3), Freiburg i. Br.(27,7), koburg(26,0), Schwerin(22,7), Pforzheim(33,4), Lübeck 30,4), Greiz(31,0), Velbert(41,6), Bamberg(30,6). Eine Beburtenziffer von 16,0 bis 16,9 haben: Zeitz (34,9), Meißen(22,1), Karlsruhe(29,0), Hildesheim(28,8 Themnitz(38,7), Augsburg(31,5), Eisenach(32,8), Hall (33,5), Hanau(27,6), Bremen(29,8), Landau(21,8), Inster burg(29,2), Goslar(26,6), Bonn(37,6), Bayreuth(26,9 Weimar(23,9), Mannheim(37,5), Grünberg i. Schl.(33,1) Köln(37,9), Konstanz(26,0), Kaiserslautern(37,4), Halber stadt(29,6), Heidelberg(35,3), Stralsund(27,9), Aacher (33.8). Gießen(38,4). Kassel(27,9) Mühlhausen i. Th.(34.5 Mut habt, dann sagt es doch rein heraus, was ihr an mir auszusetzen habt, und drückt euch nicht feige herum." Da erhob sich einer der Bauern, maß Alex mit einem verachtenden Blick und sagte:„Wenn du es also hören willst, werden wir nicht schweigen: mit einem Menschen, der sich nicht scheut, ein anständiges Mädchen in so gemeiner Weise anzutasten, wie du es getan hast, mögen wir nichts zu tun haben. So, nun weißt du es.“ „Haha! Was ihr nicht sagt! Wann und wo soll ich das getan haben? Ich werde euch wegen Beleidigung verklagen. Dann sollt ihr beweisen, was Ir mir vorwerft!" Der Bauer, der zuletzt gesprochen hatte, stand noch immer. Ruhig fertigte er den aufgeregten Burschen ab: „Klag' du nur zu. Davan seid ihr Overhaards einigermaßen gewöhnt. Und damit du um Zeugen nicht verlegen bist, will ich dir gleich einen zeigen!" Er schlug mit der Faust vor die mächtige Brust:„Hier steht er! Ich war es nämlich, der dich erwischte und so windelweich schlug, daß dir hoffentlich die Lust zu solchen Gemeinheiten einfür allemal vergangen ist. Bist du jetzt endlich zufrieden?" Mit einem gellenden Wutschrei warf sich Alex auf den Bauern, obgleich er doch eigentlich hätte wissen müssen, daß dieser Mann nicht mit sich spaßen ließ. Und er kam auch diesmal übel genug an. Vornefeld ergriff den Burschen, als er auf ihn eindrang, hob ihn mit seinen starken Armen wie ein Wäschebündel auf und warf ihn schweigend aus der Tür. Alex blieb geraume Zeit liegen. Endlich raffte er sich vom Boden auf, rieb die schmerzenden Glieder seines Leibes und machte ein so klägliches Gesicht, daß es einen Hund hätte jammern können. In diesem Augenblick kam der Wachtmeister Braitulat vorüber. Schon aus der Ferne hatte er den Lärm geört und war rascher ausgeschritten. Als er sich der Birtschaft näherte, sah er gerade, wie Alex aus dem Hause flog. „Was ist hier los?" fragte er den Burschen, der ihn mit allen Zeichen des Schreckens anstarrte. „Nichts, Herr Wachtmeister,“ stotterte er verlegen. „Warum hat man Sie denn herausgeworfen?" „O. das war ja man Spaß!" „Merkwürdiger Spaß. Sie sehen mir gerade danach aus, als ob Sie an diesem Spaß großes Vergnügen hätten. Also, heraus mit der Sprache!“ „Ich habe mich mit einigen Bauern gezankt!“ (Fortsetzung folgt.) Die Zeilungsanzeige der beste Kundenwerber. Eine Geburten den(26,9), Passau(24,7), Schweidnitz(30,2), Langendree (49,5), Naumburg(26,4), Dortmund(42,4), Apolda(33,4) Essen(-4,0), Worms(36,3). Eine Geburtenziffe von 19,0 bis 19,9 haben: Mülheim a. d. R.(41,1) Erlangen(28,3), Siegen(32,0), Aschaffenburg(32,3) Speyer(33,7), Amberg(35,9), M.=Gladbach(39,1), Neiss (23,4), Fulda(29,4). Alle diese Städte erreichen also heute das Minimum deGeburtenziffer mit 20 auf 1000 Einwohner nicht mehr. EinGeburtenziffer von 20 bis 25 haben: Stolp i. P (33,5), Ingolstadt(36,6), Schneidemühl(36,8), Eisleber (35,6), Bochum(42,1), Paderborn(36,9), Regensburg(31,3) Emden(31,2), Düren(35), Zerbst(29,9), Allenstein(32,0) Pirmasens(47,6), Duisburg(43,3), Kleve(34,5), Herne(55,8) Trier(26,7), Wanne(61,2), Straubing(29,4), Oppeln(44,4) Oberhausen i. Rh.(49,8), Hamm(39,5), Gleiwitz(44,4), Ra tibor(29,1), Beuthen(39,6), Recklinghausen(54,4), Esch weiler(39,3), Wesel(27,6), Gelsenkirchen(52,9). In der Frage der Beschränkung der Geburtenziffer spiel neben der heute brennenden Wohnungsnot und Erwerbs losigkeit die Hauptrolle die weltanschauliche Bin dung. Während die zuerst aufgeführten Städte die aller niedrigsten Geburtenziffern von 7,5. bis 13,9 aufzuweiser haben und alle(außer München) vorwiegend protestantisch Städte sind, stehen nun die vorwiegend oder ganz kath. Städt an der Spitze der Städte mit den höchsten Geburten ziffern von 25 und bis 33 Geburten auf 100 Einwohner. Es haben solch hohe Geburtenziffern die Städte Stolberg i. Rh., Wattenscheid(55,6), Herten, Hindenbur (43,5), Recklinghausen Ld.(48,5), Buer(60,1) Hambori (55,4), Sterkrade(43,8), Gladbeck(48,1), Datteln, Zaborz (71,9), Österfeld(47,8), Bocholt(48,8), Bottrop(59,6), Lünen Horst a. Emscher, Ahlen, Roßberg und Mikultschütz. Aud die Städte mit einem überwiegenden katholischen Bevölke rungsprozentsatz haben einen starken Niedergang ihrer Ge burtenziffern aufzuweisen, und viele von ihnen sind unter die Skala des Geburtenminimums von 20 auf 1000 Ein wohner heruntergeglitten. Aber in nicht unerheblichem Maßhaben die katholischen Städte, ebenso wie die katholische Be völkerung überhaupt dem Geburtenrückgang doch einen stär keren Widerstand entgegengesetzt, wie die protestantischen Städte und die protestantische Bevölkerung. Die traurige Gesamtlage aber bietet Grund genug, daß all perantwortlichen Kreise in Reich, Staat und Gemeinde all Maßnahmen ergreifen, um die kinderreichen Familien, ohn Unterschied der Konfession natürlich, durch Kinderzulagen Wohnungsbauten und irgendwelche Lebenserleichterunger zu unterstützen. Denn von diesen kinderreichen Familien hängt es ab, ob Deutschland seine Bevölkerungszahl auf rechterhält oder ob es noch tiefer herabsinkt. In den Städten wirkt sich jetzt aus, was an Erbauung an Wohnungen ver säumt, vor allem aber, was an sogenannter Volksaufklärun durch sexuelle Präventivmittel, durch Propaganda für daRecht auf Abtreibung der Leibesfrucht namentlich seiten des Freidenkertums gesündigt worden ist. Unsere Zahlen sprechen eine durchaus ernste Sprache. Ob wohl noch in diesTendenzen der Geburtenflucht eingegriffen werden kann! Selbst materielle Verbesserungen der Lebenslage werder schwerlich viel helfen können, wenn nicht die weltanschaulich Bindung wieder stärker Platz greift. Die Heilighaltung der Karwoche. Nach den Bestimmungen über die äußere Heilighaltung der Sonn= und Feiertage dürfen in der ganzen Karwochweder öffentliche noch private Tanzmusiken, Bälle und ähn liche Lustbarkeiten veranstaltet werden. Für den Kar freitag gelten außerdem, nach einer Meldung der Polizei folgende Bestimmungen: Theater, Zirkusse, Varietees, Kaba retts, Konzert= und sonstige Vergnügungslokale sind grund sätzlich geschlossen zu halten. Ausnahmen sind nur zulässig für Theater bei Stücken religiösen oder legendären In halts, z. B. Passionsspiele, Mysterienspiele, auch das Bühnenweihespiel Parsifal. Andersartige Theaterstück sind verboten; für Theater= und Konzertsäle, in denen regelmäßig nun Darbietungen von höherem Kunstwert stattfinden, wen es sich um rein geistliche Musik handelt; für Lichtspieltheater, wenn Bilder religiösen oder legendären Inhalts vorgeführt werden. Dagegen sind in Lokalen mit Schankbetrieb, gleichgültig ob es sich um Cafés, Konzert= oder ähnliche Lokale handelt musikalische Darbietungen jeder Art, also auch ernste Musik, grundsätzlich verboten. Das gleiche gilt für öffentliche gewerbliche Veranstaltungen, wie Boxkämpfe und ähnliche Darbietungen. Außer den öffentlichen sind auch alle privaten in Theatern, Konzert= und sonstigen öffentlichen Vergnügungslokalen veranstalteten Lustbarkeiten, mit Einschluß der Gesangs= und deklamatorischen Vorträge, Schaustellungen, theatralischen Vorstellungen und Musikaufführungen, verboten. Am Karfreitag ist die bestehende herkömmliche Werktagstätigkeit erlaubt, soweit es sich nicht um öffentllich bemerkbare und geräuschvolle Arbeiten in der Nähe von dem Gottesdienst gewidmeten Gebäuden handelt. Riesiger Banderolen=Schwindel Wie die„Voss. Ztg.“ erfährt, beschäftigen sich zurzeit ein eigenes Sonderdezernat beim Landgericht Berlin 1 und die Zollbehörden von Berlin, Köln und Hamburg mit der Aufklärung des größten Zollbetruges, der bisher in Deutschland aufgedeckt worden ist. Seit dem Herbst v. J. ist ganz Deutschland mit gefälschten Vanderolen überschwemmt worden, allein eine Hamburger Firma hat für 40 Millionen Mark gefälschter Vanderolen in den Betrieb gebracht. Jahllose Verhaftungen sind vorgenommen worden, in Hamburg wurden an einem Tage 20 Personen festgenommen. In die Angelegenheit verwickelt sind die Inhaber namhafter Zigaretten=Fabriken. Die Hauptsabrik, in der die gefälschten Banderolen hergestellt wurden, ist noch nicht ausfindig gemacht worden. Eine Nebenfabrik wurde dieser Tage in Wiesbaden ausgehoben. Die Fälschungen, die in den letzten Tagen aufgetaucht sind, sind so raffiniert ausgeführt, daß die Zollbehörden sie nicht mehr von den echten unterscheiden können und die Reichsdruckerei als Obergutachter angerufen haben. Dieser Betrug ist auf eigenartige Weise aufgedeckt worden. Es hatten sich Ende vorigen Jahres die Anzeichen gemehrt, daß eine beliebte 5=Pfennig=Zigarette einer der größten ryeinischen Zigarettenfabriken in massenhaften Hätschungen auftrat. Zahlreiche Fälscherwerkstätten wurden ausgehoben, so in Dortmund die Firma Westenburger, in Berlin die Zigarettenfabrik Hassuan, Franz Apisdorf, und mehrere andere in Köln und Hamburg. Im Verlauf der Ermittlungen der Staatsanwaltschaft stellte es sich heraus, daß die Zigaretten nicht nur gefälscht, sondern auch falschen Banderolen versehen worden waren. Die Vertreiber der falschen Banderolen wurden nun bald entdeckt. Ein gewisser Sire, in Vonn gebürtig, jetzt in Aachen wohnhaft, wurde ertappt, als er in Köln falsche Banderolen an den Mann zu bringen versuchte. Er behauptete, daß er sie von einem gewissen David Valsam, gekauft habe. Balsam, der auch Warenschwindg in großem Amfange getrieben hat, war aber mittlerweile geflohen. Dann verhaftete man den Inhaber der Firma Dilia in Berlin, Krakauer, und einen Angestellten der Firma Desnoli, Jungermann. Krakauer behauptete, er habe die Banderolen von der Firma Bing in Hamburg bekommen. Bing ist aber gleichfalls entflohen. Die Inhaberin der von Bing abhängigen Zigarettenfaoru dami, eine Frau Schumacher, wurde jedoch verhaftet. Sie gab an, daß allein die von Bing versandten falschen Banderolen fast ausschließlich für Hundertpackungen zu 3 Prozent einen Wert von 60 Millionen Reichsmark gehabt haben. Die Zollbehörden in Köln ermittelten als am schwersten belastet die Fabrikanten Peter Brüll, den früheren Inhaber der Zigarettenfabrik Haus Nordeck, und den Inhaber der Firma Wilka. Willi Katzy. Die beiden sind gleichfalls geflüchtet, wahrscheinlich nach Belgien. Auf der Suche nach der Hauptfabrik für die gefälschten Banderolen hat man jetzt eine Spur in Sachsen gefunden. Hauszinssteuer und besetztes Gebiet. Wie der Amtliche Preußische Pressedienst, der auf eine Kleine Anfrage einiger deutschnationaler Landtagsabgeordneter erteilten Antwort des preußischen Finanzministers entnimmt, werden die Vorschriften des§ 9 der Hauszinssteuerverordnung im besetzten und besetzt gewesenen Gebiet im Westen besonders wohlwollend angewandt, wegen des verhältnismäßig starken Zurückbleibens des Hauszinssteueraufkommens gegenüber dem Soll in diesen Gebietsteilen. Für die Monate April bis Dezember 1926 sind aufgetommen: im Regierungsbezirk Koblenz 51 Proz. des berichtigten Solls, Regierungsbezirk Düsseldorf 66 Proz., Regierungsbezirk Köln 54 Proz., Regierungsbezirk Trier 50 Proz. und in Regierungsbezirk Aachen 50 Proz. des berichtigten Solls, dagegen in Berlin 84 Proz. Neue Platinfundstätten Wir stehen vor einer vollkommenen Amwälzung des Platinmarktes der Erde infolge der reichen Funde des Bergassessors Dr. h. c. Merensky. Dieser fand in Transvaal stellenweise bis zu 30 Gramm Platin in einer Tonne, eingebettet in kristallinischen Felsarten der Norit- und Periodit-Gruppe. Das ist ungemein interessant, da es beweist, das Platin auf ursprünglicher, primärer, also uralter Lagerstätte und sehr tief im Erdinnern seine eigentliche Heimat — wenn man so sagen darf— hat. Es läßt sich daraus vermuten, daß bei genügend tiefem Hineindringen in die Erde noch ungeheure Mengen gefunden werden können. Aber auch die neuen Funde werden den Preis des Platins aller Voraussicht nach sehr senken Ilse Römer. Roman von Elsbeth Borchart. 16)(Nachdruck verboten) Das war zunächst alles, was ihre Blicke erspähen konnten. Als sie jetzt an der Glocke zog und der Ton durch die tiefe Stille hallte, klopfte ihr Herz sekundenlang in stürmischen Schlägen. Was lag hinter diesem Gitter für sie verborgen? Welches Schicksal harrte ihrer? Würde ihr Stolz die Demütigungen ihrer Stellung ertragen und mußte sie, nach dem, was sie bisher vernommen hatte, nicht fürchten, daß ihrer viele warteten? „Nur mutig vorwärts und nicht gezagt!“ Hatte das nicht soeben ihr seltsamer Begleiter gesagt und war es ihr dabei nicht so warm und siegesfreudig geworden? Wie er durch wenige Worte zu ermutigen verstand! Wieder wollte sich die Gestalt des Fremden vor ihre Seele stellen, aber sie drängte sie hastig zurück. Auf dem Hofe wurden schlürfende Schritte laut und eine große, dunkle Gestalt näherte sich dem Tore „Wer ist da?“ fragte eine rauhe Baßstimme. „Die neue Gouvernannte,“ gab Ilse zur Antwort. Der Riegel wurde zurückgeschoben und das Tor geöffnet. Ilse trat ein. Der Schein der Laterne fiel gerade auf ihr Gesicht. „Donnerwetter,“ entfuhr es dem Haushofmeister,„hät ten auch was anderes werden sollen! Na— der alte Krziko witz tut mal für ein gutes Wort—— „Führen Sie mich, bitte, zu der Mamsell," unterbrad sie ihn kurz, warf den Kopf stolz in den Nacken und gin an ihm vorüber. Der Haushofmeister sah sie eine Weile verdutzt un sprachlos an. Das klang ja wie ein Befehl. Was bildet sich dies hochmütige Ding eigentlich ein, ihm, dem Haus hofmeister, so zu kommen? Na, der Hochmut wird ihr bal ausgetrieben werden. Hübsch war sie ja. Donnerwetter noc mal— was für den jungen gnädigen Herrn, wenn der al Urlaub kam— aber befehlen läßt sich der Krzikowitz darun von so einer nicht. Er setzte die strengste Miene aufu sagte barsch: „Kommen Sie mit!“ Er dachte nicht daran, ihr die Handtasche abzunehmen Was war sie denn auch weiter als im Schlosse bedienste wie er? Ilse folgte mit gemischten Gefühlen. Dieser erst Empfang war nicht gerade vertrauenerweckend Der Haushofmeister trat an die Tür des rechten Seiten gebäudes und rief in das Souterrain, laut und ungeniert „Mamsell! Mamsell!“ Nach einigen Minuten zeigte sich ein Kopf in der Tü spalte: „Nun, Hausmeister, was gibt's? Warum schreien S so? Sie wissen doch, daß ich heute alle Hände voll zu tu be!“ „Ganz recht, Mamsell, aber die neue Gouvernanntei hier und ich weiß doch nicht, wo ich mit ihr hin soll!“ Als ov es sich um ein Stück Möbel handelte, von de man nicht weiß, wohin stellen, so sprach er von ihr. De Mann wurde ihr immer unsympathischer. Der üble Eindruck wurde jetzt aber durch einen freundlicheren verwischt. Die Mamsell trat jetzt vollends aus der Tür und ein freundlich gutmütiges, wenn auch etwas derbes, rotes Gesicht nickte Ilse grüßend zu: „Wenn Sie das neue Fräulein sind, bitte ich Sie, mir zu folgen. Ich habe bereits Anweisungen erhalten und werde Sie in Ihr Zimmer führen.“ Diese Höflichkeit im Gegensatz zu der Art des Hausmeisters tat Ilse unbeschreiblich wohl und sie fand einige freundliche Begrüßungsworte für die Mamsell. „Aber Sie tragen ja noch immer Ihre Tasche- Franz. Franz!“ rief die Mamsell in den Gang hinein. Sofort eilte ein Diener herbei:„Hier, trage dem Fräulein ie Tasche auf ihr Zimmer, linker Flügel, zweiter Stock, das dritte Zimmer rechts“ Der linke Flügel? Sollte der verrückte Graf diesen nicht allein bewohnen, wie sie von den Frauen im Wartesaal zu R... gehört hatte?——— Dieser Gedanke beschäftigte sie, während sie der Mamsell über den Hof, in den Haupteingang des Schlosses zwei Treppen hinauf und durch endlose Gänge folgte. Endlich schloß die Mamsell eine Tür auf und ließ sie eintreten. „Das hier ist Ihr Zimmer; lassen Sie es sich wohl darin sein.“ Bei diesen Worten zündete die Mamsell eine Lampe an und breitete ein weißes Tuch auf dem Tische aus. Ilse warf einen forschenden Blick durch den Raum. Die Einrichtung ließ an Einfachheit nichts zu wünschen übrig, aber es sah behaglich und wohnlich aus und das war schon viel wert. Sie trat jetzt an den Tisch zu der Mamsell zurück und diese warf einen forschenden Blick auf ihr Gesicht. Gleich darauf flog ein mitleidiges Lächeln über deren Züge. Schade um das Mädel, dachte sie. Die wäre zu etwas Besserem geboren, als der Ableiter für die Launen unserer Gnädigen und der Komtessen zu sein. Laut sagte sie freundlich: „Ich werde Ihnen sogleich Tee und Aufschnitt heraufschicken, Sie werden hungrig sein. Dann können Sie sich, wenn Sie wollen, zu Bett legen. Wir haben Gesellschaft und die gnädige Gräfin empfängt Sie heute nicht mehr." „Es ist so still hier," sagte Ilse jetzt.„Bewohnt denn außer mir niemand diesen Flügel?“ „Doch, doch, der gnädige Herr Graf wohnt hier, gerade unter Ihnen.“ „Von dem man sagt, daß er—“ entfuhr es ihr wider Willen, aber sie stockte mitten im Satz und wurde rot. „Wissen Sie das schon?“ fragte die Mamsell erstaunt, fast ärgerlich.„Hat der Stationsvorsteher etwa wieder geschwatzt?“ „Nein, nein, nicht der——— ein Zufall ließ es mich hören.“ Die Züge der Mamsell wurden ernst.„Liebes Fräulein, was man auch reden mag, Sie dürfen darauf nicht hören. Man redet viel. Gott sei's geklagt,— aber— ich sage Ihnen, es ist nicht wahr, was die Leute sagen. Der gnädige Herr Graf ist ebenso klar wie Sie und ich und dazu ein lieber, guter Herr, nur ein bissel verschlossen, sonderbar zuweilen— immer einsam für sich— immer studierend über seinen Büchern. Der stört Sie nicht und Sie werden ihm auch kaum je begegnen. Er geht nur spät abends oder früh morgens, wenn noch alles schläft, aus.“ „Haben die anderen Erzieherinnen auch in diesem Zimmer gewohnt?“ fragte Ilse weiter. „Nein, bis jetzt nicht, sondern neben der gnädigen Komtessen Schlafzimmer; doch jetzt hat Komtesse Gerda das Zimmer bekommen und es war kein anderer Platz mehr frei.— Sie fürchten sich doch nicht hier allein?“ Ilse lachte und schüttelte den Kopf.„Nein, nein, ich fürchte mich nicht.“ „Freilich, so sehen's halt auch nicht aus,“ erwiderte die Alte mit einem zärtlichen Blick auf Ilses Gesicht. „Sie haben so ein liebes Gesichtel— mir tät's in der Seele weh, wenn— es Ihnen hier nicht gefallen, wenn— sie stockte, als fürchtete sie, schon zuviel gesagt zu haben. „Sie sehen sehr stark und mutig aus und— schlimmstenfalls ist auch noch die alte Mamsell da,“ setzte sie dann schnell hinzu. Ilse streckte der gutmütigen Alten die Hand hin.„Ich danke Ihnen herzlich, liebe Mamsell. Ihr freundlicher Empfang soll mir als gute Vorbedeutung gelten und was das Uebrige betrifft— ich bin nicht schwach und weichmütig— ich kann schon etwas vertragen.“ Die Mamsell nickte noch einmal freundlich und verließ das Zimmer. Ilse blickte ihr nach; die gute Seele! Sie wird vielleicht die einzige sein, die es hier gut mit ihr meinte, aber besser eine als keine. Unwillkürlich kehrten ihre Gedanken dabei wieder zu ihrem freundlichen, aber wortkargen Begleiter zurück. Ob sie ihn wohl einmal wiedersehen würde?— Sie würde ihn erkennen an seinem Gang, an seiner Sprache, wenn sie sein Gesicht und seine Augen auch nur undeutlich gesehen hatte. Ob er im Schlosse wohnte? Und welche Stellung mochte er bekleiden?— Es wollte ihr nicht recht in den Sinn, ihn für einen Bediensteten zu halten. Seine Kleidung ließ auch eher auf einen Dorfbewohner schließen. Aber seine Sprache, sein vornehmes Wesen, wie reimte es sich damit zusammen? — Doch was grübelte sie über etwas nach, das so vollständig gleichgültig für sie sein mußte— was ging sie der Fremde an?— Viel wichtiger war es, sich in Gedanken ein wenig mit den Personen vertraut zu machen, mit denen sie bald in nähere Berührung kommen sollte. Man hatte sie ihr nicht gerade in verlockenden Farben gemalt: die hochmütige Gräfin, die verwöhnten Kinder—— der verrückte Graf. Ach ja, der verrückte Graf! Er wohnte, wie Mamsell gesagt hatte, gerade unter ihr. Eigentlich ein etwas unheimliches Gefühl, so allein mit ihm in einem abgeschlossenen und sonst unbewohnten Flügel des Schlosses zu wohnen! Sie war zwar weit davon entfernt, sich zu fürchten und glaubte nach den seltsamen Andeutungen auch nicht an einen wirklich Verrückten, dennoch schauderte sie leicht, als sie draußen ein Geräusch vernahm. Schon im nächsten Augenblick mußte sie sich herzlich auslachen. Das Geräusch hatte eine sehr natürliche Ursache, denn der Diener brachte ihr soeben das Abendbrat. (Fortsetzung folgt.) Erwerbslose erzalten 100 b. Vorzeigen des Ausweises Erwerbslose 107 Raban Außergewöhnlich billiger Schuhwaren=Öster-Verkauf In meinem bedeutend vergrößerten Geschäft finden Sie in besten QualitätenRiesenauswahl zu fabelhaft billigen Preisen. Zur Kommunion Lackspangen-, Pumps, Halbschuhe u. Stiefel om Lackspitzen zu staunend billigen Preisen. Alleinverkauf der Marken: „Manz Drachenschuh“ „Müller Extra“ und„Lipsia“ Ia. Rahmenware zu billigsten Einführungspreisen. U. a. in allen Farben in den mod. Ausführ., außergewöhnl. billig Herrenstiefel u.-Dainimuhe undSac. m. 790 u. ohne Einsatz, 15.50, 12:95, 10.95, 8.95 von an braun, schwarz 50 und weiß 12.50, 10.50, 8.50, 6.50, von Tan Damen=Halbschuhe n. hohen, a en 5. 99105, dos. 50 Mädchen= u. Kinder=Lackschuhe los bing. Jagd=u. Arbeiisschuhe"13 2 von n Ledergamaschen Ia. Ware von U. a. Spangen u. 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Man leite as„Grün“ ab von der Aufnahme der Büßenden in die Ge teinschaft der Kirche, indem man hinweist auf die in alter Zei achweisbare Bedeutung von„ohne Sünde" oder auf das heut Süddeutschen noch bestehende Wort„gronen“= greinen tinen, klagen, oder im Anschluß an Luk. 23, 31:„wenn dagrünen Holze geschieht...", auf die Büßer als die wiede gewordenen Zweige. Andere erinnern an die beim Hoch ite an diesem Tage früher vielerorts gebrauchte grüne Farb Gewänder. Man könnte auch hinweisen auf den in vieler egenden bestehenden Gebrauch, heute das erste frische grünnüse zu essen. Dabei ist aber die Frage noch unbeantwortet er diese Gebräuche Grund und Ursprüng herleiten. Wahr nlich sind sie erst eingeführt worden, um dem schon bestehen Namen des Tages gerecht zu werden, also nachträglich. Die liturgische Feier des Tages läßt sich zuerst im 4. Jahr ndert nachweisen, geht aber ohne Zweifel in die erste christlichüit zurück. Sie enthält drei, in der alten Zeit vier Momente ufnahme der Büßer in die Kirche, Weihe der heiligen Ole kesse mit Gedächtnis des Leidens Christi und Fußwaschung n christlichen Altertum sang man zwei Messen, die eine an orgen, die andere zur Erinnerung an das Herrnmahl am Abend der man zur Wahrung der Nachahmung auch eine Mahlzei nahm. So zur Zeit des hl. Augustinus. Das„Gelasianum“ bt drei Messen: eine zur Aufnahme der Büßer, eine zur Weihr heiligen Ole, eine am Abend zur Erinnerung an die Ein tzung des Altarsakraments und an den Verrat. Die Weihe der heiligen Ole und die Fußwaschung finder tisch nur in Kathedralkirchen statt, wo der Bischof zele die Fußwaschung auch in Mönchsklöstern. Vor den oster der Messe wird das Krankenöl geweiht, das zur ung des Sakramentes der heiligen Olung und zur Glocken je verwendet wird; nach der Kommunion das Katechumenenö das Chrisam. esteres wird gebraucht bei der Weihe des Taufwassers, bei endung der Taufe, bei der Priesterweihe, bei der Konsekratior Altäre; letzteres ebenfalls bei der Weihe des Taufwassers nd der Spendung der Taufe, dann bei der Firmung und beKonsekration eines Bischofs, bei der Weihe der Kirchen, Kelche atenen und Glocken. Aus der Verwendung der heiligen Ole bei der am Karsamstac attfindenden Taufe ergab sich früher von selbst die Notwendig it, dieselben am Gründonnerstag zu weihen, weil sie nur ir Messe geweiht werden sollten und eine solche am Karfreitag Karsamstag nicht gelesen wurde. Das wurde auch dann behalten, als der Karsamstag nicht mehr der offizielle Taufmin war. Diese Weihe der heiligen Ole zu der am Karsistag folgenden Taufe war es, die dem Gründonnerstag einst freudigen Charakter verlieh, der im Absingen des Gloria, den weißen Gewändern und der weißen Umhüllung des zbildes zum Ausdruck kommt. Heute bringen wir die freuStimmung in Verbindung mit der Einsetzung der EuchaDaß nicht alle Priester heute zelebrieren und daß nach Gloria statt der Glocken die Klappern gebraucht werden, ist ehrfurchtsvolles und durch die Symbolik begründetes Beibehalten alter römischer Gebräuche während des ganzen Kirchenjahres, die sich jetzt nur an diesen Tagen erhalten haben. Das gleiche gilt von der weißen Farbe der Gewänder, denn weiß war in alter Zeit die einzige liturgische Farbe, wie die gewöhnliche der Kleider überhaupt. Das Gedächtnis des Leidens findet, abgesehen vom Brevier, auch im Meßformular seinen besondern Platz. Vorzüglich wird der Geheimnisse der Fußwaschung, der Einsetzung der Eucharistie und des Verrates durch Judas gedacht. Außerdem werden der Tod Christi am Kreuze und die Belohnung des Schächers für sein offenes Bekenntnis erwähnt, und damit das Gegenstück nicht fehle, wird auch der Auferstehung gedacht und unseres Glückes, uns im Kreuze Christi rühmen zu dürfen. Die Erwähnung des Judasverrats dürfte sich nicht ohne Absicht durch das ganze Meßformular hinziehen; die Größe der Herablassung Christi in der Fußwaschung, eines Sklavendienstes, und die Größe der Wohltat in der Einsetzung der Eucharistie treten in ein um so helleres Licht. Die Präfation der dritten Messe des„Gelasianums" führ diesen Gedanken durch Gegenüberstellung des Judasfrevels ir der unwürdigen Kommunion bei der Abendmahlsmesse und der Geduld und Milde Christi eigens aus. Die Gründonnertags messe ist auch als solche schon eine Erinnerung an die erste Messe im Abendmahlsaale, indem nur der kirchliche Obere als Ver treter Christi zelebriert und alle andern, Priester und Laien kommunizieren. Sobald nach der Messe die für die Kommunionfeier des mor gigen Tages konsekrierte Hostie zu einem festlich geschmückter Nebenaltar oder Seitenkapellchen in feierlicher Prozession getrager und die Vesper gebetet worden ist, folgt eine weitere Erinnerung an das Leiden Christi in der„Entblößung“ der Altäre. De Altar ist hier offenbar als Symbol des Herrn gefaßt, dessen Ent kleidung zum Zweck der Kreuzigung in dem während der Zere monie gebeteten Leidenspsalm 21 erwähnt wird. Ein große Teil dieses Psalms, der die Leiden Christi am Kreuze und diihr folgende Erhöhung als Vater eines großen Volkes schildert ist uns vom Palmsonntag her bekannt. In alter Zeit war das Abdecken des Altars nach Vollendung der Messe ständiger Ge brauch, durch das begleitende Abbeten des Psalms ist die Hand lung aber zweifelsohne zu einer symbolischen erhoben worden... Nach der heiligen Messe wird die für den folgenden Tac konsekrierte Hostie in feierlicher Prozession zu einem festlich ge schmückten Nebenaltar oder Seitenkapellchen getragen. Bei den mittelalterlichen Liturgikern heißt dieser Ort„das heilige Grab“, und im Volksmunde lebt die gleiche Anschauung weiter. Die verhüllte Aussetzung stammt aus nachmittelalter licher Zeit und wurde von den Jesuiten in Deutschland eingeführt Zudem wird der Altar am morgigen Tage vielerorts als Grab des Herrn hergerichtet und von den Gläubigen eifrig besucht Die Auferstehungsfeier am Östersonntag geht auch vielfach vor diesem heiligen Grabe aus. Mancherorts fanden und finder Grablegung und Auferstehungsfeier in der Form dramatischen Aufführungen statt. In der Volksandacht ist also diese Pro zession am Gründonnerstag an den Gedanken der heute vorweg genommenen Grablegung geknüpft, und die drei Leidenstage als Ganzes sind der Verehrung der Grabesruhe Christi geweiht. (Aus„Meßliturgie und Gottesreich" von Jos. Kramp S. J S. 817 ff. Freiburg i. Br., Herder.) Der Karfreitagsgang des Richard Pelzer. Von Johannes Heinrich Braach. Die Pelzers vom Delderhof schritten ohne Gruß an den Leuten vom Untergut vorbei. Handert Jahre lag Zwist zwischen den beiden Familien, und wenn auch heute niemand mehr wußte, welche Ursache der Streit veranlaßte, der alte Zorn und der alte Groll waren die gleichen geblieben. Die Bauern bestellten die Aecker nebeneinander, ohne ein Wort zu finden, sie saßen in der Kirche gegenüber, ohne sich anzublicken, wenn der Pelzer im Gemeinderat etwas sagte, stimmte der Bergner vom Untergute schroff und scharf dagegen. Hundert Jahre waren eine lange Zeit, und was hundert Jahre galt, das hatte seinen Wert. Nur die junge Bergnerin und der Erbe vom Delderhof zürnten dem Zank. Sie liebten sich seit der kindlichen Freundschaft der Schulzeit und ersehnten die Myrthe. Einmal rannte Klaus Pelzer gegen den Trotz an und frug. Aber der Vater fluchte ein barsches Nein, pfiff wütend dem Hund und ging ins Feld. Damit war die Angelegenheit erledigt, mochten auch die Monde laufen, wie sie wollten, und sich zwei Herzen sorgen. Die Zeit schuf Richard Pelzer Not. Der des Volkes verbitterte ihn, Pest nannte er die Untreue an der Heimat durch Vergötterung fremdvölkischer Ideen. Wenn Aufruhr durch Großstädte zuckte, fuhr er mit der Sichel durch's Korn, als könnte er die Mäuler zerschlagen, die mit irren Reden Massen auspeitschten, daß sie entmenscht gegen Brüder wüteten. War dies der aufsteigende Morgen über Meeren von Tränen, dies der Weg, um aus der Enge zu kommen, dies der Wille, mit dem das Unheil gepackt und bezwungen werden sollte?„Ein Leid," keuchte die Brust Richard Pelzers,„ein Freud und ein Vorwärtsgeh'n." Der Sohn stimmte zu, hieb aber der Erkenntnis eine Scharte. )„Vater,“ sagte er:„das muß so sein und es muß dahin kommen. Aber, heißt es nicht bei uns anfangen?" „Was," begehrte der Delder auf,„waren wir nicht immer wie ein Baum, an dem ein Ast blüht, wenn die anderen blüh'n? Und wenn der Winter nur eine Kälte und nur einen Schnee bringt?" „Ja, Vater," entgegnete Klaus Pelzer,„so ist es. Aber wie steht es zwischen dem Nachbarn und uns? Wo ist da die Gemeinschaft, die sein müßt?" „Du willst heiraten, Jung, und das bläst dir in den Verstand." „Es ist so, wie ich mein." „Nein, Jung— und es bleibt dabei." Er ließ die Egge, die er aufgerichtet hatte, um die Zähne nachzuschen Provinzielles. Woher kommt die Frühlingsmüdigheil? In den ersten Monain der schönen Jahreszeit macht sich bei vielen Menschen eine Adgespanniheit bemerddar, die als„Frühlingsmüdigheit" bezeichaet wird. Diese Erschlassung, die sich in Matligkeil der Glieder, Kopfschmerzen und großem Schlafdedürfais äußert, ist ja eigentlich ganz erblärlich, wenn man bedenul, daß sich der Körper den alimatischen Veränderungen erst wieder anpassen muß. Die Frühlingsmüdigbeit wird aber durch so manche veraltete Anschauung verstärht, während einfache Mittel sie leicht bekämpfen lassen Das ist zunächst dei der Kleidung der Fall. Viele Leute entschließen sich nur schwer, die Winterkleidung aufzugeden, wenn es warm wird. So gehen sie übermäßig warm angezogen in die milde Jahreszeit hinein, und es ist sehr begreiflich, daß die schwere und diche Kleidung bei völlig anderer Witterung einen hemmenden Einfluß auf die Umstellung oes Körperhaushalts ausübt. Noch wichtiger ist die Veränderung der Nahrung. Früher sprach man von einer Erhitzung des Blutes im Frühling und suchle diese durch niederschlagende Mittel zu bekämpfen. Die neuzeilliche Medizin sieht diese Dinge unter einem veränderten Gesichispunkt. Man hat in neuester Zeit den starken Einfluß erkannt, den das Licht auf den Körper besitzt. Man nann sogar sagen, daß Licht den Körper in ähnlicher Weise ernährt, wie die Nahrung und daß bei der Junahme des Sonnenscheins dem Körper geringere Mengen Speisen zugeführt werden sollen. Man muß daher möglichst früh, mindestens schon Anfang Mai, mehr Gemüse zu sich nehmen Eine andere Tatsache, die die Frühlingsmüdighett bestimmt, ist die Einwirkung des hellerwerdenden Lchtes auf die Augen. Der Mensch mit vormalen Augen merkt gar nicht, daß die Helligkeit, die ihm mit Beginn des Frühlings zugeführt wird, sehr viel stärker ist. Die Augen gehen aber darauf in schwächerer Weise so ein, wie wenn man aus einem dunklen Zimmer plötzlich ins grelle Licht kommt. Das Auge ist also Reiz- und Blendungserscheinungen ausgesetzt die das ganze Nervensystem beeinflussen und den Menschen stärker ermüden Köln.(Ordnung muß sein!) Ein Kölner Tischlermeister beklebte am 15. Oktober 1926 einen Wechsel über 200 Mark irrtümlich mit einer Zehnpfennig- statt mit einer Zwanzigpfennig-Steuermarke und gab den Wechsel weiter. Es wurde gegen ihn ein Verfahren eingeleitet, und jetzt erbielt der Handwerksmeister vom Finanzamt Köln ein Schreiben, worin ihm mitgeteilt wird, daß er jetzt für die zu wenig gezahlte Zehn-Pfennig-Marke in eine Strafe von drei Reichsmark genommen wird. Außerdem habe er die Kosten des Verfahrens zu tragen, bestehend aus 60 Pfennig Gebühren, 40 Pfenig Schreibgebühren, 30 Pfennig Justellungskosten zusammen 4.30 Mark. Aachen.(Für die Erhaltung des Münsters.) Wie der Oberbürgermeister Farwick in der Hauptversammlung des Karlsvereins mitteilte, hat der preußische Wohlfahrtsminister für die Erhaltung des Aachener Münsters die Abhaltung einer Geldlotterie im Ertrage von 75 000 Mark genehmigt. Außerdem wurden für den gleichen Zweck aus dem Denkmalsfonds der Rheinprovinz 12 000 Mark für das Aachener Münster bereitgestellt. Im vergangenen Jahre wurden nach dem Bericht des Münsterbaumeister, Prof Dr. Buchkremer, weit über 40 000 Mark für die Zwecke der Erhaltung des Münsters ausgegeben. Enskirchen.(Guter Saatenstand.) Die Roggensaat in der Eifel stebt nach dem milden Eifelwinter außergewöhnlich gut. Auswinterungsschäden an Getreide sind fast nirgends eingetreten. Der Kartoffelversand von Matfeld nach dem Industriegebiet bat sich stark belebt. Vergheim(Erft.) Infolge des starken Sturmes wurde im benachbarten Quadrath das Zelt eines dort gastierenden Jirkus umgeweht. Der tief in den Erdboden versenkte Mast brach mitten durch. Auf die Hilferufe der unter den aufbauten verschütteten Zuschauer wurde durch die Polizei die Feuerwehr alarmiert, die in wenigen Minuten zur Stelle war. Das Bergbeimer Krankenbaus sowie die Verwaltung der Grube Fortuna entsandten sofort Sanitätsmannschaften und Krankenwagen. Trotz der großen Gefahr, die in dem Herabreißen der elektrischen Lichtleitung bestand, ging der Anfall noch verhältnismäßig glimpflich von statten. Die Mehrzahl der Verunglückten konnte sich durch Zerschneiden des Zelttuches ziemlich schnell aus ihrer gefährlichen Lage befreien. Ernsthafte Verletzungen hat es jedenfalls nicht gegeben. niedersausen, daß sich die Eisen bis m den Rahmen in die Erde gruben. Von dieser Stunde an lag eine Schärfe zwischen Vater und Sohn.— Peter Neunert, ein buckliger Krämer, war einer der Wenigen im Ort, die Aufruhr und Wirren als Vermittler der Weltrevolution begrüßten. In einer Versammlung prallte er mit seinem Ruf nach Untergrabung der Sitten, seinem Auflehnen gegen Zwang und Ordnung und mit seinem Schrei nach Bürgerkrieg gegen den alten Delder. Der hieb scharf ein und pries die Treue am Lande, die sittliche Kraft des Glaubens an der Heimat und die starke Liebe zum Volk.„Nur den ewigen Feind in uns selber erwürgen“ endete er seine einfache Rede,„nur an einer Deichsel ziehen, nur die verdammte Mißgunst ausrotten, wieder Vertrauen zueinander haben, und immer und überall: ein Leid, ein Freud und ein Vorwärtsgeh'n.“ „Faules Geplärr," zischte Peter Neunert in den brausenden Beifall,„nichts als albernes Gewäsch Von Treue will er prahlen und von Zusammensteh/'n. Aber guckt ihn an und beseht auch den vom Unterhof. Zum ersten mal sind sie einer Meinung, sonst wünschen sie sich die Blattern an den Kpf und den Kornfraß in's Feld. Da erkennt ihr den Unterschied von Wortsalbaderei und wirklicher Tat.“ ein," schrie Richard Pelzer, und die Ader auf seine Stirne quoll glutrot hervor.„Tas ist eine andere Sache." er hinaus, aber sein Aerger verzog nicht, er blieb bei ihm in dieser Nacht und in den folgenden Wachen, die den Delder veränderten. Sonst entdeckte er im aufkommenden Frühling, was nur ein Auge an Schönheit und ein Herz an Freude finden konnte. Jetzt sah er ohne Anteilnahme die Züge der Wandervögel aus dem Süden kommen und ins Land fallen, mürrisch und verdrießlich schritt er hinter dem Pfluge, und die Hand, die säete, hatte nur matten Schrung. Wenn Frau und Sohn forschten, ob er krank sei, gab er ausweichende Antworten, denn er wußte, daß seine Seele Wunden trua. Und das drückte ihn schmerzlicher, als qualende Gicht. Richard Pelzer hatte erkannt, daß Wahcheit hinter dem Worte des Sohnes und der Anklage Peter Neunerts Er verlangte Einheit in Allem und Einstehen für Wie der Dampfer„Newyork" drüben empfangen wurde! Montag vormittag fubren der deutsche Votschafter Frhr. v. Maltzan und der Newyorker Bürgermeister Walke auf dem städtischen Kutter„Macom“ dem in der Nacht an der Quarantänestation Ellis Island eingetroffenen neuer Hapagdampfer Newyork entgegen, wo der Votschafter und Bürgermeister Walker denfrüheren Reichskanzler Cuno und die Ehrengäste der„Newyork" begrüßten. Die„Macom und ein anderes städtisches Schiff begleiteten die„Newyork“ alsdann nach dem Hapagpier, wo die Empfangsfeierlichlei erfolgte. Eine nach Tausenden zäylende Menschenmenge säumte die Afer von Brooklyn und Mankattan, und die Fenster der Wolkenkratzer waren dicht besetzt, als das Schif bei hellstem Sonnenschein zur Anlagestelle fuhr. Bei de Empfangsfeierlichkeit feierte zunächst der Bürgermeister Walker die Ankunft der„Newyork“ und meinte, die Jungfernreise dieses Schiffes bedeute handelspolitisch viel, mehr aber noch vom internationalen Standpunkte aus. Er se stolz darauf, im Hafen von Newyork dieses Schiff willkommen zu heißen, dessen Mutterland Amerika soviele seine besten Söhne und Töchter schenkte. Darauf überreichte der Bürgermeister ein Riesengemälde, eine Ansicht der Wolken kratzerstadt, das er eigens für die„Newyork“ hat malen lassen. Frau Walker enthüllte das Bild. Geheimrat Cundankte für den herzlichen Empfang in warmen Worten. Esprachen dann noch Botschafter v. Maltzan, Kapitän Graalfs Victor Ridder, Mitbesitzer der Newyorker Staatszeitung und verschiedene Vertreter deutsch-amerikanischer Verbände Die Auffahrt des Hapagdampfers zu seinem Landungs pier batte sich zu einem Ereignis gestaltet, wie es der Newvorker Hafen seit dem Krieg selten gesehen bat. Auf der Fahrt durch den Hafen war die„Newyork“ geleitet von drei Hochseeschleppern mit Gästen, auf denen Musikkapeller ununterbrochen deutsche und amerikanische Lieder spielten während die den Dampfer begleitenden Feuerwehrboote zu Begrüßung Wasserströme gegen die Wand der„Newyork“ sandten. Ein Transozeanflug Byrds. Die amerikanischen Marineflieger Commander Richar Byrd und Leutnant=Commander Noel Davis beabsichtigen im Mai in zwei Flugzeugen von Newyork nach Paris zu fliegen. Byrd ist bekannt durch seinen Flug über den Nordpol. Sein Unternehmen wird von der American Transocea nic Cie. finanziert. Während Byrds Flug lediglich wissenschaftlichen Zwecken dient, ist es Davis' Absicht, den vor Raymond Orteig ausgesetzten 25 000-Dollar-Preis zu gewinnen *Schreckenstat einer Mutter. Im Dorse Hellingen bei Heldburg(Thüringen), hat in der Nacht zum Montag, mahrscheinlich infolge von Familienstreitigkeiten die 38jährige Landwirtswitwe Marg. Lange ihre im Anfang der 20er Jahre stehende Stieftochter, Else Lange, als diese im Schlaf lag, durch Beilbiebe auf den Kopf getötet, und dann ihre beiden eigenen Kinder im Alter von zwei und acht Jahren erwürgt. Sodann erhängte sich die Mörderin. Volnswirkschaftliches. Aus fünftausend Dollar einhundert Millionen! Die„Gillette Safety Razor Company in Chicago“ hat einen Bericht veröffentlicht, in dem sie über die in den letzten fünfundzwanzig Jahren erzielten Gewinne berichtel. Die Gewinne belaufen sich bei einer ursprünglichen Kapitalanlage von fünftausend Dollar, auf rund einhundert Millionen Dollar. Von dieser Riesensumme wurde die Hälfte in Bar an die glücklichen Aktionäre ausbezahlt, die andere Hälfte arbeitet, im Betriede. Dabei sind sämtliche Grundstücke, Gebäude und Maschinen stets aus laufenden Einnahmen bezahlt worden, so daß sie mit einem Dollar zu Buche stehen. Die Gesellschaft für Rasierapparate hat aber nach Angabe ihres Vizepräsidenten ihre Möglichkeiten noch heineswegs erschöpft. Die statistische Ableilung der Gesellschaft schätzt den Wellbedarf für Rasierapparale auf 800 Millionen Stück. Rundfunk-Programm. Langenberg(25 AW) Welle Münster(1,5 AW) Welle 241,9 Dortmund(0,7 kW) Welle 283 Freilag, den 15. April 1927. 9—10.00 Köin(für La, Mü, De): Morgenfeier. Ausführende Tonkünstler Paul Mania am Schiedmayer Meistharmonium, AdelKarfreitags=Rezikationen von Dr. M. Weller, Berlin.— 5—530 Münster(für Mü, La, Do): Vortrag A. Lübke: In den Straßen Jerusalems.— 5.35—6.00 Dortmund(für Do, La, Mül): Die Karfreitagsprozessionen in Sivilla. Vortrag von Dr. Ludwig Halla, Wien.— 6-630 Düsseldorf(für La, Mül, Do): Pfarrer Graf Lüttichau: Das Opfer.— 6.30—7.00 Köln(für La, Mü, Do): Friedrich Händel, Text von Th. Morell. Uebersetzung von H. Gervinus und Fr. Chrysander. Neue Bearbeitung von Hermann Stephani. Leilung: Dr. Wilhelm Buschkötter. Mitwikende: Luise ModesWolf(Sopran), Helene Guermanova(All), Mariin Wilhelm(Tenor), Wilhelm Strienz(Baß). Das Orchester des Westdeuischen Rundfunks und der Kölner Volkschor(Dirigenl: Professor Edmund Josef Müller). Bis jetzt hat die Gesellschaft erst 70 Millionen verkauft. Jeder junge Mann, der in das rasierfähige Alter tritt, ist ein Ausdenlungsodjekt für die Gilletle Company. Ebenso groß wie das Apparaiegeschäft ist natürlich dasjenige mit Rasterklingen; von ihnen dat die Gesellschaft bisher 3½ Milliarden verkauft Ihre Bardividende belief sich im Jahre 1926 auf 9 Millionen Dollar. Im selben Jahre hal die Gillette Company zwei neue Fabriken eröffnet Sie ist heute in der Lage, täglich 150 000 Rasierzeuge und 2 bis 3 Millionen Rasierklingen herzustellen. Um die Arbeiter anzuspornen und am Betrieb zu interessieren, werden ihnen Aktten zu besonders biligen Preisen angebolen. Spiel und Sport. Hockey. Öster=Jugend=Turnier in Erkelenz. Das Jugend=Hockey-Turnier, über das wir bereits eine Vorschau brachten, wird Karsamslag mit den Vorrundenspielen seinen Anfang nehmen. Die seitens des Turnier-Ausschusses erfolgle Auslosung der gemeldeten Mannschaften ergab folgendes Resultat: Aachener Hochey=Club— Hochey Club Erhelenz Rheydier Spielverein— Gladbacher Hochey= u. Tennisklud Sporidlub M.=Gladbach— Sportfreunde Neuß Blau=weiß Kreseld— Neußer Hochey= u. Tennisklub Dadurch, daß der Aachener Hochey Club wegen Nichtstellung einer kompletten Jugendmannschaft in letzter Minute absagte, kommt Hochey=Club Erkelenz spiellos in die Zwischenrunde. Das Programm zu der ganzen Veranstaltung ist folgendes Karsamslag 1 Uhr, erste Vorrunde 2" zweite 3„ dritte 4„ vierte„ Östermonlag 9„ vormillag, Sieger der ersten Vorrunde gegen „„ dritten„ 10„„ Sieger der zweiten Vorrunde gegen „" vierten 11„„ Verlierer der zweiten Vorrundegegen " drilten 12„„ Verlierer der ersten Vorrunde gegen „" vierten„ 2 Uhr nachmillag, Damenspiel 3„„ Endrunde um den Turniersieger Sieger der 1 Hauptzwischenrunde gegen Sieger der 2. 4„„ Knadenspiel 5„„ Endspiel der Trostrunde Nach den vorliegenden Meldungen gehl zweifellos hervor, daß es den Mannschaften nicht leicht sein wird, sich bis zur Endrunde durchzuringen, ferner aber auch, daß an den beiden Tagen ein schöner Sport gedoten wird. Dem Hochey Clud Erkelenz ware für seine Arbeiten ein voller Erfolg zu wünschen. c-4. den Bruder, und verriet doch den Nächsten und war ihm feind. Das Gewissen drängte ihn, der alten Fehde ein Ende zu machen, die Gewohnheit stemmte sich dagegen, der Trotz verlangte noch schärfere Einstellung. In dem Wirbel seiner Gedanken frug er die Gräber der Väter, aber keine Antwort kam. Weder eine Wolke schattete vorüber, noch Sonnenschein brach durch das öde gleiche Grau. Am Karfreitag siegte die Seele. Als der Delter früh morgens vor die Türe trat und in die Auen schaute— in das frische Grün der Wintersaat, in die Wiesen, die wieder mit Vieh begangen waren, in die gepflügten und im Bruch glänzenden Aecker— fand sein Sinnen zu der ewigen Weise vom Sterben und Auferstehen und zu der Verkündung vom Erlösen durch Ausopferung und Selbstüberwindung. Das Herz beugte sich vor dem Kreuz des allgöttlich Einen— dann ging er den Weg zu seinem Golgatha. Er nahm den fast vergessenen Pfad zum Unterhof, und folgte ihm über die Grenze seines Eigentums hinaus. Seit hundert Jahren betrat er als erster Delder den Boden, der ihnen von Geschlecht zu Geschlecht verhaßt war. Nur einmal blickte der Wanderer zurück. Ob nicht die eigene Erde aufwogte und der Fluch der Väter ihm Steine nachwarf? Aber die Weite war in lenzlicher Erwartung wie ein einziger Altar. Da begannen die Glocken in Richard Pelzers Seele lauter zu läuten und schmneller eilte er zu seinem Karfreitagsdienst. Der alte weißhaarige Bergner sah ihn kommen, lief ihm entgegen, drückte ihm beide Hände und sprach das erste Wort. „Tu bist der Züngere, Richard Pelzer, und ich habe auf dich gewartet, und ich wußte, daß du kommen würdest.“ „Nun ist alles gut, Karl Bergner. Alles, was war von Vater auf Vater, die ganze lange Zeit.“ „Nun ist alles wieder gut.“ Dann gingen sie Arm in Arm auf den Hof und zu Annemarie. INBENIEUR-SCNULE MaschinenbauElektro technit.Hoch-u Tefbau Tonindusirle 5. Wermelster.AStN. d.Kasine lehrglène frei Östern Die alte Österbotschaft erfüllt wieder die Lande. Heimlich flüstern es die Blüten und Knospen und warten der Frühlingssonne, wenn auch die Aprilwinde noch so rauh mit ihnen umspringen und selbst unbarmherzige Nachtfröste manche von den Schwestern getötet haben. Laut und jubelnd verkünden es die Kirchenglocken und, mit dem jungen, wilden Frühlingswinde braust es auch durch die Welt: Östern! Auferstehung! And du, Menschenberz, wolltest im Wintergram und Alltagssorgen verharren? wolltest dich verschließen all jenem Locken und Klingen und nicht die ersten Lenzsonnenstrahlen fühlen, die zuweilen schon wärmend trotz. der kalten Stürme dich zu umschmeicheln verstehen. Nein, lasse dich mit hineinziehen in die Österfreudigkeir, in die Auferstebungsstimmung! Müssen wir uns nicht andächtig jener großen, beseligenden Erlösungsbotschaft beugen, die da verkündet: Erstanden! Erstanden, dem finsteren Tode zum Trotz, ist der Geist, den Fanatiker vermeinten durch das Kreuz vernichten und töten zu können! Ist diese Gewißbeit, daß die ewige Wahrheit niemals ersterben kann, durch den Haß stumpfer Pharisäer und einseitiger Schriftgelehrten, nicht köstlich und seltsam erhebend! Und die Natur feiert diese Erlösung vom Tode mit. Auch sie war ja bezwungen von den Reif- und Frostriesen lange Monate hindurch, aber die erlösende Sonne verjagte die Strengen und ließ die Blüten und grünen Blatter wieder auferstehen vom Wintergrab. And jene erste Frage sollte heute zu den Betrübten klingen, die einst die klagende Maria am Grabe ihres Meisters vernahm. Was weinest Du? Sieh jetzt ist die Frühlingszeit und Östersonne! Begrabe alles Leid aus trüben Tagen. Noch ein paar Wochen, und der Flieder blüht an den Hecken, und die Lerchenlieder trillern über Tal und Höh'n. Sei hoffnungsfroh und lasse dich nicht mehr verängstigen vom Winterspuk. Es hat ja keinen Zweck, am Vergangenen herumzugrülbeln, das macht müde und klagend; gewiß, es wird auch künftig nicht immer Sonne strahlen und blauer Himmel sein. Wolken und Regen kommen immer zuweilen, wie Sorgen und Kummer nie verschwinden werden. Aber man muß sich nur ganz das Herz erfüllen lassen von der Österbotschaft und der Frühlingsgewißheit. Dann wird die Kraft, das Schwere zu tragen, in uns erstarken und der Lebensmut neu erwachen. Die Österglocken jubeln durch die Lande, die Blüten erwachen, die Menschenherzen sind hoffnungsvoll, der Frübling ist gekommen..