K— Einzelpreis 20 Gf. 21. Jahrgang Der Mitta Illustrierte Tageszeitung für Politik=Verkehr=Sport Kunst Versandort Düsseldorf: Hauptgeschäftsstelle, Verlag und Schriftleitung: Dusseldorf, Pressehaus am MartinLuther=Platz, Fernruf Nr. 204 71; Nacht=Nr. Schriftleitung 225 51. Anzeigenannahme 225 24 Pförtner 22484 Anzeigenpreis: 1 Millimeter voch. 22 Millimeter breit 18 Rpi.: Tertzeile: 1 Millimeter voch, 84 Millimeter dreit, 90 Rpf.— Monatlicher Bezugspreis durch Boten 2,60, RM und 30 Mpf. Botenlohn: durch die Post 2.90 RM. einschließlich 19.2 Rpf. Postzeitungsgebühr zuzüglich 36 Rpf. Bestellgeld.— Dravianschrift: Drostererina— Postschecklonto: Eisen Nr. 964.— Reichsbank=Gtrokon1o. Dienstag, 23. Juli 1940 Schriftlenung und Geschaftsstelle: Beriin SW#8. Friedrichstraße 203. Fernruf Nr. 11 29 47 und — Geschäftsstellen: Nachen Theaterplatz 2. Fernruf 3 07 25,— Bieleseld. Bahnhofstraße 36. Berliner Nr. 11 29 48.— Geschaftssteuen: wachen Theaterbias 2. Ferntah Sur#0.— Oielesela,npe C0, Fernruf 64 84.— Dorimund. Hutropwall 2. Fernruf Nr 250 50.— Dulsdurg Königstraße 9, Fernruf Nr. 206 02.— Eisen. Haus der Techntk. Hollestraße 1d. Fernruf 32367.— Frankjur: a. M. Kaiserstraße 46. Fernruf S 1087.— Kodlenz. Markenbildchenweg 12 Fernruf 38 96.— Köln Zeppelinstraße 2 (Schwertdof). Fernruf 22 50 82.— Wuppertal=Elderseld Adolf=Hitter=Straße 79, Fernruf Nr 27133. Geheimakten- unerschöpfliche Fundquellen Weitere Dokumente aus den politischen Geheimakten des französischen Generalstabes bringen neue Beweise für die schamlose, verlogene Propaganda der Westmächte *„„„„„„ antwortet Churchill den Friedensworten des Führers Mord an deutschen Frauen und Kindern Verbrecherische Pläne gegen Neutrale * Seit Freitag, dem Tag der Führerrede, hat die englische Luftwaffe ihre Angriffe auf die deutsche Zivilbevölkerung vervielfacht „Feierliche Voranzeige des sicheren Triumphes Telegramm Cianos an den Reichsaußenminister: Berlin, 23. Juli.(Drahtb.) Der Königlich Italienische Minister des Außeren, Graf Ciano, sandte nach seinem Berliner Besuch anläßlich der Sitzung des Deutschen Reichstages beim Verlassen des Reichsgebietes folgendes Telegramm an den Reichsminister des Auswärtigen: „Lieber Ribbentrop! Beim Verlassen des deutschen Reichsgebietes entbiete ich Ihnen einen herzlichen Gruß und erneuere meinen aufrichtigen Dank für die mir erwiesene herzliche Gastfreundschaft. Wollen Sie bitte dem Führer zusammen mit meinen ergebenen Gefühlen auch meine tiese Befriedigung darüber ausdrücken, daß ich der Reichstagssitzung vom 19. Juli beiwohnen konnte, welche durch die Rede Ihres großen Chefs und Heerführers die neuesten Siege der glorreichen deutschen Wehrmacht historisch abgeschlossen hat und die unlösbaren engsten Bande bestätigt, die das nationalsozialistische Deutschland mit dem faschistischen Italien verbinden; sie war für die Welt eine feierliche Voranzeige des sicheren Triumphes unserer gemeinsamen Sache. In herzlicher Kameradschaft Clano.“ Wie steht's heute mittag? England steht am Abgrund und scheint es doch nicht zu ahnen. Die neutrale Welt faßt sich an den Kopf und überlegt vergeblich, auf welches Wunder Winston Churchill immer noch zu hoffen wagt, wenn er den Mut besitzt, seine Presse nichts anderes auf den allerletzten Appell des Reiches entgegnen zu lassen, als mit abgestandenen Phrasen und ebenso gequälten wie gefährlichen Witzeleien. Es wirkt schon mehr als grotesk, ein einsames, seiner Bundesgenossen beraubtes, hoffnungslos auf seiner Insel eingeschlossenes Land wie in einem Fieberwahn von Schlachten um die„europäische Freiheit", um Recht und um Menschlichkeit reden zu hören. Wie und wo diese Schlachten geschlagen werden sollen, bleibt ein Geheimnis. Auch die „Times“, wie immer die lauteste Ruferin in der seltsam gemischten Atmosphäre von wildem Kampfgeschrei und krampfhaft unterdrückter Beklommenheit, vermeidet wohlweislich, an dieses Thema zu rühren. Sie erinnert nur an die„vorweggenommene Antwort Churchills“ auf das Friedensangebot des Führers, die bekanntlich in dem Traum eines von London diktierten europäischen Friedens gipfelte, und meint dazu, Churchills Parole des Krieges bis zum Siege und um jeden Preis beruhe auf der Meinung der Fachleute in der Armee, Marine und Luftwaffe, die allesamt „gute Gründe“ sähen, welche die Hoffnung auf einen endgültigen Sieg rechtfertigten. Danach müssen Narvik, Andalsnes und Dünkirchen in den Augen der englischen Kriegswissenschaft„gute Gründe“ gewesen sein. Vielleicht täte man trotzdem in England besser daran, nicht allzu voreilig der„Times“ zu folgen, die glaubt, als einziges Fazit aus der Reichstagsrede des Führers die deutsche„Erkenntnis des Bankrotts“ sehen zu müssen. * Keiner weiß darüber besser Bescheid, als Churchill, wie grundlegend verschieden die gegenwärtige Lage Englands von derjenigen im Weltkriege ist. Damals stand ein Menschenreservoir von 1390 Millionen hinter den Alliierten gegenüber 160 Millionen im Lager der Mittelmächte.„Eine solche Konstellation, schrieb Churchill in seinem Buche über den Weltkriea. kommt in einem Jahrtausend nicht wieder." Dieses Mal ist es England selbst mit seinen silbernen Kugeln nicht einmal geglückt, die europäischen Staaten sich gefügig zu machen. Und was wird dereinst der britische Schaumschläger an der Spitze des Weltreiches über die Lage schreiben, in die er das Empire hineinmanöoriert hat, wenn er bereits 1919 feststellte:„Wir sind nur gerade so durchgekommen. Oft hat es an einem kleinen dünnen Fädchen gehangen... Nur ein wenig mehr, und der Unterseebootkrieg hätte, statt Amerika an unsere Seite zu führen, uns alle durch Hunger zur Übergabe gezwungen. Selbst 1918 war die Gefahr äußerst groß für unsere Kanalhäfen... Denn— so schreibt er weiter über den deutschen Angriff im Frühjahr 1918— es war die größte Niederlage in unserer Geschichte.“ Ein anderer „prominenter“, Engländer, Lord Rothermere, der Herausgeber der„Daily Mail“, hat kurz vor dem gegenwärtigen Fortsetzung zweite Seite Berlin. 22. Juli.(Drahtb.) Eine Registrierung der seindlichen Einflüge in der letzten Zeit hat ergeben, daß die englische Luftwasse ihle Angriffe auf nichtmilitärische Ziele seit Freitag, dem Tage der großen Führerrede, die dem englischen. Volke noch einmal den Weg zur Vernunft wies, vervielfacht hat. Groß war die Zahl der Bombenabwürfe und unverhältnismäßig gering der militärische Schaden. Es ist deutlich zu erkennen, daß der Gegner es darauf abgesehen hat, die deutsche Zivilbevölkerung zu treisen. Zahlreiche deutsche Ortschaften, offene Städte und Dörser sind in den letzten Tagen wiederholt angegrissen worden. So wurden in der Nacht zum 21. Juli in der Innenstadt von Wismar Bomben abgeworsen, ebenso in der darauffolgenden Nacht. Dabei waren fünf Tote und 20 Schwerverletzte zu beklagen. Die Stadt Bremen erlebte in einer der letzten Nächte starke Angrisse auf verschiedene Wohnviertel. Drei Tote, drei Schwerverletzte sielen dem brutalen britischen Angriff zum Opfer. Viele Badeorte auf den deutschen Nordseeinseln hatten sinnlose Bombenangriffe zu verzeichnen. Auch die Stadt Hamburg wurde in der Nacht zum 21. Juli angegriffen. Wohnviertel und dichtbesiedelte Ortsteile erhielten Bombentresfer. Im benachbarten Pinneberg wurde das Krankenhaus beschädigt. Die Städte Paderborn, Hagen und Bochum wurden mehrsach von seind. lichen Fliegern angeflogen und verzeichneten rücksichtslose Augrisse auf zivile Ziele. In Schwerin wurden vier Männer, drei Frauen und drei Kinder durch englische Bomben getötet. Zahlreiche Verletzte sind zu beklagen. In Wilhelmshaven wurden das Krematorium und eine Leichenhalle zerstört. Bemerkenswert ist hier, daß die seindlichen Flieger vor ihren Bombenabwürsen zahlreiche Leuchtkugeln benutzten, wodurch sie hätten eindeutig feststellen können, daß sie keine militärischen Ziele vor Augen hatten. Die Stadt Kassel war in der Nacht zum 22. Juli ebenfalls das Ziel feindlicher Angriffe. Auch hier arbeitete der Gegner mit einer beträchtlichen Zahl von Leuchttugeln. Trotz allem wurden sämtliche Bomben auf nichtmilitärische Ziele in Wohnvierteln und Gärten abgeworsen; u. a. sind hier Sanitätsfahrzeuge getroffen worden. Darüber hinaus wurden der Landkreis Kassel und der benachbarte Gau Hannover= Suo von englischen Bombenangriffen heimgesucht, viele Orte, und zwar kleine Bauerndörser, mit seindlichen Bomben beworsen. Da auch hier der Feind Leuchtkugeln verwandte, ist seine Absicht, lediglich die Zivilbevölkerung zu tressen, Frauen und Kinder zu morden, klar und eindentig erkeunbar. Noch in der Nacht zum Sonnabend haben die Engländer mit einer verstärkten Zahl von Einflügen in das deutsche Reichsgebiet den großmütigen Appell des Führers zur Vernunft beantwortet. Sie haben mehr noch als bisher in verbrecherischer Weise ihre Bombenangrisse auf die Zivilbevölkerung gerichtet, ihr Ziel in offenen Städten, Bauerndörfern, Marktflecken, in Lazaretten und Schulen gesucht. Diese Absicht wird dadurch erkennbar, daß die letzten Nächte besonders klar waren und den englischen Fliegern gute Sicht boten. Außerdem haben die Engländer eine Großzahl von Leuchtkugeln geworsen, die ihnen keinen Zweisel darüber lassen konnten, daß sie sich über offenen Städten, über Wohnvierkeln und Dörfern befanden. Nicht ein einziges nennenswertes militärisches Ziel haben sie im Lause der letzten nächtlichen Einflüge getroffen. Wie sind überzeugt, daß sie es nicht gesucht haben. Die ganze Anlage und Durchführung der britischen Luftangriffe auf deutsches Reichsgebiet läßt erkennen, daß Churchill dem deutschen Volke zeigen will, wie er sich die Antwort auf des Führers Friedenstat denkt. Es ist Mord an deutschen Frauen und Kindern, Verwüstung friedlicher Städte und Dörfer. Ehrenmitglied des Deutschen Alpenvereins Innsbruck, 22. Juli.(Drahtb.) Die Führung des Deutschen Alpenvereins hat den Helden von Narvik, General der Infanterie Dietl, zum Ehrenmikglied ernannt. Alpdruck auf Gibraltar Rom, 22. Juli.(Drahtb.) Gibraltar bietet ein trostloses Bild. Der größte Teil der Bevölkerung hat, wie Stefani meldet, die Seefestung wieder verlassen und fährt auf britischen Schiffen einem unbekannten Schicksal entgegen. Die zurückgebliebenen Personen verbringen die Nächte auf freiem Feld. Alle Geschäfte und Läden sind geschlossen. Militär= und Polizeistreisen durchziehen unaufhörlich die Stadt, vor allem in den nördlichen Vierteln. Die gesamte rumänische Erdöli ndustrie sollte vernichtet werden Entlarvte„Beschützer“ Von unserer Berliner Schriftleitung Berlin. 23. Juli. Daß die in Frankreich durch einen Zufall aufgesundenen Geheimakten des französischen General= stabes eine unerschöpfliche Fundgrube darstellen, wird durch die jetzt veröfsentlichten Dokumente des demnächst erscheinenden sechsten deutschen Weißbuches noch einmal in aller Vollständigkeit bewiesen. Den neuen Dokumenten kommt eine besondere Bedeutung deswegen zu, weil sie gerade auch die englische Lieblingsthese, Großbritannien trete uneigennützig für die kleinen Nationen ein, als grobe Lüge erweisen. Mit auffallender Vorliebe behaupten die Engländer ja stets, daß sie ihren Krieg beileibe nicht für ihren eigenen Vorteil führen, sondern in erster Linie einen heiligen Krieg für die Lebensrechte der Kleinen und Schwachen. Das erste der jetzt veröffentlichten Schriftstücke, Dokument Nr. 30, enthüllt die Verlogenheit der britischen Propaganda im Falle Rumänien. England und Frankreich haben gleich bei Kriegsausbruch genaue Pläne für eine radikale Vernichtung der rumänischen Erdölindustrie ausgearbeitet. Nach außen hin wurde Rumänien mit Freundschaftsbeteuerungen durch die Westmächte überhäuft; ja durch die Garautieerklärung vom Früh jahr 1939 war den Rumänen, so stellten es die englischen und französischen Propagandisten mit großer Eindringlichkeit dar, ein Beweis außerordentlichen Wohlwollens zuteil ge worden. Im geheimen aber schmiedete man mit erschreckender Kaltherzigkeit Pläue. um eine große rumänische Industrie, eine der wichtigsten Grundlagen für die wirtschaftliche Wohlfahrt des Landes, zu zerstören. An Gründlichkeit sehlte es nicht! Die Zerstörungen sollten alle Teile der Industrie erfassen und ganz systematisch vorgenommen werden. nämlich neben der Produktion auch das Transportwesen, die Vorräte und die Raffinade betressen. Der Zweck dieses unheimlichen Plaues war natürlich in erster Linie eine Schädigung Deutschlands. Wie man durch die Besetzung Norwegens Deutschland von den Schwedenerzen abschneiden wollte, so sollte Deutschland auch der letzte Tropsen rumänischen Erdöls entzogen werden. Der Plan der Westmächte ging in seiner Rücksichtslosigkeit gegenüber Rumänien sogar so weit, nicht nur das zum Export verfügbare Erdöl, sondern auch die von den Rumänen selbst benötigten Mengen der völligen Vernichtung preiszugeben. Das Zerstörungskommando sollte sich hauptsächlich aus französischen Fachleuten, die bei den Olgesellschaften selbst angestellt waren, zusammensetzen. Der französische und der englische Botschafter arbeiteten hierbei treu und brav zusammen. Der„Sonderbeauftragte der französischen Regierung“ für diese finsteren Pläne wurde dem britischen Gesandten in Bukarest ausdrücklich vorgestellt. Die„freundschaftliche Aufmerksamkeit" der Westmächte für ihren Schützling Rumänien begnügte sich nicht mit dem Pressebildzentrale Der italienische Außenminister Graf Ciano verabschiedet sich nach dem Empiang beim Führer in der neuen Reichskanzlei vom Chei des Protokolls. Gesandten von Dörnberg. Anschlag gegen die rumänische Erdölindustrie. Der rumänische Teil der Donau sollte, wie es in einem anderen Geheimdokument enthüllt wird,“ unverzuglich gesperrt werden. Von der Zustimmung der rumänischen Regierung dispensierte man sich selbst in großzügigster Weise, obwoh man in der Propaganda unablässig beteuerte, auch die kleineu und kleinsten Staaten müßten ihren eigenen Willen durchsetzen können. Über die französischen Absichten in Belgien liegen ebensalls neue wertvolle Enthüllungen vor. Wie wir einem Fortsetzung zweite Seite Lähmende Furcht im englischen Kriegsministerium Die Churchill=Clique kann nicht nachgeben und will nicht nachgeben Allgemeiner Pessimismus Drahtmeldung unseres Sonderberichterstatters Gens. 23. Juli.„Wie sag ich es meinem Kinde?“ Unter diesem Gedanken stehen seit Freitag abend in London die politischen Besprechungen der Churchill=Elique. Die englische Presse, die in ihrer Gesamtheit den Appell des Führers an die Vernunft auf einen Wink von oben ablehnt, beweist durch ihre vom Informationsministerium aufgezwungene negative Reaktion auf die Reichstagsrede Hitlers, daß die Aufnahme der historischen Rede in England sehr geteilt ist. Selbst die oppositionellsten Blätter, die sonst jede Gelegenheit wahrnehmen, Herrn Churchill am Zeuge zu flicken, lassen erkennen, daß das einheitliche ablehnende Echo ein erzwungenes ist. Eine amtliche Stellungnahme ist schließlich ja auch noch nicht erfolgt. Churchill sucht nach ihrer Formulierung. Er kann seinen Landsleuten unmöglich eingestehen, daß er nicht nur den Anschlußomnibus verpaßt, ja daß er schon vorher einen falschen Omnibus genommen hatte. Herr Churchill hat größere Sorgen denn je! Es ist nicht leicht, einem ganzen Volk und darüber hinaus der ganzen Welt klarzumachen, daß dieser englische Krieg ein heiliger Krieg sei. Selbst Polizeibüttel vermögen auf die Dauer nicht, die Zuneigung eines Volkes zu sichern. Dazu kommen starke oppositiouelle Strömungen im Oberhaus. Selbst in der City bildet sich ein Anti=Churchill=Kreis. der vor allem stark judenseindlich eingestellt ist. Denn trotz der Bemühungen Churchills, sich nach außen von den jüdischen Drahtziehern der Hochsinanz und Politik zu distanzieren, weiß man auch in London, daß diese Kräfte, wenn sie gelegentlich auch getrennt marschieren, doch nach wie vor darauf bedacht sind, vereint zu schlagen. In London glaubt man aus allen diesen Gründen, daß Herr Churchill nicht anders kann, als die dargebotene Hand auszuschlagen. Churchill hat sich in seine Idee so verrannt, daß er nicht mehr zurück kann und nicht mehr zurück will. Beweis dafür ist die von der Regierung und ihren Meinungsbütteln kontrollierte Presse. Diese sucht einmal den Standpunkt Churchills zu rechtfertigen, diesen mit den Interessen aller Beiten in Einklang zu bringen und daraus den Schluß zu ziehen, daß weiter gekämpft werden müsse. An der Spitze dieser Presse gibt sich die„Times“ für das verantwortungslose Spiel Churchills her. Sie behauptet, die Führer Englands seien sich ihrer Verantwortung vollkommen bewußt, und darum gerade müsse der Krieg weitergeführt werden. Aufmerksame Leser glauben allerdings, in dieser Schreibweise, die auch in der übrigen englischen Presse zu beobachten ist, schon heute eine Feststellung der Verantworklichen für den Fall zu sehen, daß das Verhängnis über England hereinbricht. Wie der Berichterstatter der„Basler Nachrichten“ schreibt, scheine die Abweisung des Appells der Vernunft beschlossene Sache zu sein. England werde vermutlich für die nächste Zeit die Initiative auf militärischem Gebiet Deutschland noch überlassen. Die Pläne Englands seien aber, so werde in London versichert, schon auf lange Sicht ausgearbeitet. Solche Verheißungen sollen die Unsicherheit, die im britischen Amt und im Kriegsministerium herrschen, verbergen. In Wirklichkeit hat man nämlich in London überhaupt keine militarische Initiative. Gerade deshalb hat man es so laut hinausposaunt, man wolle zu einer Offensive übergehen. Die Herren des Kriegsministeriums sind. trotz oder gerade wegen der letzten Ernennungen und Umbesetzungen, wie gelähmt. In Wirklichkeit sieht man auch in London die Kriegsaussichten gran in grau. — Entlarvte„Beschützer“ Fortsetzung von der ersten Seite reug vertraulichen Bericht des französischen Kriegsausschusis entnehmen, trat die französische Heeresleitung bereits April für ein Einrücken sranzösicher Armeen in Belgien ein. Auch Generalissimus Gamelin sprach sich sehr entschieden dafür aus. Die Kriegsausweitungspläne der Westmächte im Südostraum erfahren durch die neue Dokumentenveröfsentlichung gleichfalls eine neue Beleuchtung. Die Westmächte bereiteten im April die Entsendung einer Streitmacht nach Saloniki vor. Gamelin und Weygand arbeiteten beide an der Vorbereitung für einen Feldzug in Mazedonien. Die raschen deutschen Erfolge im Westen haben auch diesen Plan nicht ausreisen lassen. Aber der französische Generalstab hielt an diesem Plan zunächst noch fest und ging so weit, noch am 15. Mai zur Tarnung der beabsichtigten Landung in Saloniki für die wichtigsten Namen im östlichen Mittelmeer Decknamen, z. B. Honduras für Salgniki, Guatemala: Kreta, Equateur: Griechen, Brasil: Türken uss. einzuführen. Erst am 27. Mai teilte der französische Generalstab seinem damaligen Generalissimus im Nahen Osten, Weygand, mit, daß die„Operationen als Folge gegenwärtiger Umstände wieder in Frage gestellt“ seien. Von hoher dramatischer Kraft ist das letzte Dokument Nr. 38 erfüllt. Die kurze Geheimmitteilung des Ministerpräsidenten Reynaud an Churchill vom 24. Mai charakterisiert das verräterische Verhalten der Engländer den Franzosen gegenüber. Ohne sich um das Schicksal ihres Verbündeten zu kümmern, eilten die Engländer getreu der Devise„Rette sich, wer kann!" nach den Kanalhäsen. Daß hierdurch in die französische Front eine gefährliche Lücke gerissen wurde, kümmerte sie wenig. Ihnen kam es unter em Eindruck der deutschen Wassenerfolge nur darauf an, ihre Haut in Sicherheit zu beingen. Es ist kein Zusall, daß das Wort:„Wenn der Krieg erklärt ist, ist die Wahrheit das erste Opser“, ausgerechnet aus England stammt. Die gesamte verlogene englische und frauzösische Propaganda der letzten Jahre kann durch nichte besser als durch die Geheimakten des französischen Generalstaber widerlegt werden. Das neunzehnstöckige Gebäude der Londoner Universität, das das englische Insormationsministerium beherbergt, besitzt einen 65 Meter hohen Turm, der über ganz London hinweg sichtbar ist. Kritiker haben den oberen Teil, wo die Räume des Lügenministers untergebracht sind, als„Johle Nuk" bezeichnet. Wahrheitsgemäß sollte man hinzufügen, daß diese Nuß saul ist und einen üblen Geruch verbreitet. Wie steht's heute mittag? Fortsetzung von Seite 1 Krieg ein Buch veröffentlicht„Warnungen und Prophezeiungen“. In ihm sagt er:„Können wir Großbritannien nicht gegen Angriffe von oben sichern, so können wir ebensogut auch die Flotte abschaffen, das Heer auflösen und uns der Gnade der Welt ausliefern.“ Und geradezu seherhaft ist seine Antwort auf die Frage:„Kann etwa unsere Flotte helfen?" Rothermere sagt:„Nein, denn sie würde reichlich genug Arbeit haben, um sich selbst vor der Zerstörung zu retten. Im letzten Kriege fand die große Flotte in Scapa Flow Zuflucht vor U=Booten. Im nächsten Kriege würde eine solche Schiffsvereinigung sehr bald neben den deutschen Schiffen ruhen, die auf dem Grunde jenes berühmten Ankerplatzes versenkt liegen. Sie könnte den Torpedos der Kriegsflugzeuge nicht entgehen, die mit der zehnfachen Geschwindigkeit der U=Boote auf sie herabstürzen.“ Man sieht, es gehört schon jene Dosis von Unverschämtheit und sturer Überheblichkeit dazu, die das Kennzeichen der britischen Kriegsverbrecher ist, um die letzte großzügige Chance, die der siegreiche Feldherr Adolf Hitler im Namen Europas dem verratenen und in die Irre geführten britischen Volke und nicht seinen Verrätern bot, als ein Zeichen der Schwäche und Schlimmeres zu erklären. * Inzwischen haben sich dem Chor der englischen Blätter in willfähriger Verkennung alles dessen, was heute die Lage Englands bestimmt, auch die amtlichen Sprecher Australiens und der Südafrikanischen Union angeschlossen. Etwas ungeschickt für das, was er später sagte, übersah der australische Premierminister Mencie die Tatsache, daß Australien„auf Grund der europäischen Lage“ seine Truppentransporte nach dem englischen Mutterland soeben eingestellt hat, und machte dem britischen Premier, der darin kaum einen angemessenen Ausgleich erblicken wird, eine rhetorische Verbeugung. Großbritannien, so meinte Mencie, werde niemals die Sache der Humanität aufgeben; denn Australien und Großbritannien hätten ein und denselben Glauben, und zwar bestehe er darin, einen Frieden„nur unter britischen Bedingungen“ abzuschließen, und nicht unter denen Adolf Hitlers. Noch besser konnte es Herr Smuts, der, augenscheinlich aus naheliegenden Besorgnissen um die ständig wachsende Opposition in seinem Lande, nicht in seiner amtlichen Eigenschaft als Ministerpräsident sprechen wollte, dafür aber seiner tatsächlichen Meinung von den Kriegsaussichten Englands mit sprudelnder Unbekümmertheit den von London bestellten positiven Eindruck gab. Smuts' Auffassung von der britischen Kriegslage und der„uneinnehmbaren Festung Großbritannien“ entsprach in jeder Beziehung der Entfernung, die den südafrikanischen Ministerpräsidenten von den europäischen Ereignissen trennt. Smuts erläuterte gleichzeitig zur Belehrung jener Engländer,„die die Dinge nur oberflächlich betrachten“, auch die militävischen Ereignisse vor Dünkirchen und kam zu dem Schluß:„Wenn es dem deutschen Heere und der deutschen Luftwafse gemeinsam trotz äußerster Anstrengung gegen diesen einzelnen Punkt nicht gelungen ist, zu verhindern, daß das britische Expeditionskorps und ein großer Teil der französischen Formationen gerettet worden seien, wie könne es der deutschen Wehrmacht dann vernünftigerweise gelingen, einen Angriff gegen ein so großes Gebiet wie Großbritannien auszuführen!“ Zum Schluß verstieg sich Herr Smuts zu dem optimistischen Ausruf:„Nichts von dem, was bis jetzt geschehen ist, rechtfertigt die Annahme, daß das Schicksal Großbritanniens dem der anderen Länder folgen wird.“— Warten wir ab, Herr Smuts! * Die von unserer Marine besetzte Insel Quessant wird in der Sprache unserer Seeleute auch als Uschant bezeichnet. Es ist eine fast unzugängliche Felseninsel vor der Küste der Bretagne und gleichzeitig der westlichste Punkt Frankreichs. Sie ist nicht sehr groß und umfaßt kaum sechzehn Quadratkilometer. Aber die Insel ist dadurch von großer Wichtigkeit für die Seefahrt, weil ihr Leuchtfeuer eine bemerkenswerte Ansteuerungsmarke ist. Auch hat man Quessant des öfteren als Ausgangspunkt für die Berechnung der Zeitdauer von Fahrten über den Ozean benutzt. Die Bewohner der Bretagne, die Bretonen, haben bis auf den heutigen Tag ihre völkische Eigenart bewahrt. Und eine halbe Million von ihnen spricht noch immer nur das Bretonische, eine Abart des britisch=keltischen Sprachstammes. Während der großen französischen Revolution waren die Bretonen für die Sache und Partei des Königs eingestellt und kämpften im Aufstand der Chouans für ihn. Diesen eigentümlichen Namen hatten sie von dem merkwürdigen Schrei ihres Anführers bekommen, der seine Anhänger ähnlich wie eine Eule, „chat=huant“ auf Französisch, zusammenrief. Das Leben der Bretonen, die meistens Fischerei treiben und daneben die besten französischen Matrosen stellen, hat Pierre Loti in seinem meisterhaften Noman von den Islandfischern geschildert, und mehrere Maler Frankreichs haben die Gesichtszüge dieer Küstenbewohner festgehalten. Die dretonischen Volkslieder gehören zu den schönsten des Landes. Lynkeus. Dokument Nr. 32 Bericht über eine Sitzung des französischen Kriegsausschusses vom 9. April 1940 Die französische Heeresleitung tritt erneut und dringend für den Einmarsch in Belgien ein. Einstimmiger Beschluß des Kriegskomités, die diplomatischen Schritte hierfür einzuleiten Streng vertraulich! „Kriegsausschuß vom 9. April 1940. Der Kriegsausschuß ist am 9. April im Elysée unter dem Vorsitz des Präsidenten der Republik Albert Lebrun zusammengetreten: Zugegen waren: Paul Neynaud, Ministerpräsident, Minister des Außeren; Edouard Daladier, Landesverteidigungs= und Kriegsminister: Campinchi, Minister der Kriegsmarine; Laurent=Eynac, Luftfahrtminister; Mandel, Kolonialminister; General Gamelin; General Vuillemin; General Georges. Der Ministerpräsident gab die letzten Informationen über die Lage. Er ist der Ansicht, daß im Raume von Narvik sofort gehandelt werden müßte, da das Eisenerz für den Ausgang des Krieges kapitale Bedeutung habe. Er verlangte die Beschleunigung der Entsendung der Division Audet nach Brest und die sofortige Einschiffung der Waffen. Er macht den Ausschuß darauf aufmerksam, daß nunmehr ein Wettlauf zwischen Deutschland und den Alliierten eingesetzt habe. Admiral Darlan beantragt: 1. in Belgien einzurücken; 2. Flußtreibminen einzusetzen; 3. örtliche Angriffe auf der Nordostfront durchzuführen. Der Ministerpräsident ersucht General Gamelin um eine Gußerung zu diesem Antrage. General Gamelin erklärt sich für das Einrücken in Belgien. Der Ministerpräsident machte den General darauf aufmerksam, daß der Feind mit seiner Luftwasse und seinen Efsektiven eine doppelte Überlegenheit über uns besitze. General Gamelin verbleibt ausdrücklich bei seiner zustimmen. den Antwort und General Georges schließt sich ihr an. Der Landesverteidigungs= und Kriegsminister gibt ein Gutachten ab, das sich völlig für die Operation ausspricht. Es ergeht folgender einstimmiger Beschluß: 1. Die Regierung wird versuchen, die Zustimmung der Geplanter Einmarsch in Belgien Aus den Dokumenten des vom Auswärtigen Amt herausgegebenen 6. Weißbuches belgischen Regierung für die Operation in Belgien zu erlangen. 2. Wird die Zustimmung erlangt, so findet die Operation statt. 3. Wird die Operation durchgeführt, so werden Flußminen verwendet werden. 4. Die Regierung wird der norwegischen Regierung mitteilen, daß sie auf die Unterstützung Frankreichs zählen kann.* 5. Der Ministerpräsident, der Landesverteidigungs= und Kriegsminister und der Admiral Darkan werden sich heute nachmittag nach London begeben. Dokument Nr. 36 Mitteilung Reynand an Churchill vom 24. Mai 1940 Verräterischer Rückzug der Engländer gegen Besehl Wengands Verzweifelter französischer Hilferuf: Der „erfolgreiche" Rückzug der Engländer auf die Häsen wirft Weygands Kriegsplan über den Hausen Geheim! 24. Mai 1940 (An Sir Ronald H. Campbell von Hand zu Hand gegeben durch Hauptmann de Margerie am 24. Mai 1940 um 20 Uhr.) Wortlaut einer heute von Herrn Paul Reynaud an Herrn Winston Churchill gerichteten Mitteilung——--- „Sie haben mir heute vormittag telegraphiert, daß Sie den General Gort angewiesen haben, weiterhin den Plan Weygands auszuführen. Mit einem Telegramm des Generals Blanchard teilt mir nun General Weygand mit, daß die englische Armee, entgegen dem heute früh durch General Weygand bestätigten sormellen Besehl, einen Rückzug über 40 Kilometer in Richtung auf die Häfen beschlossen und durchgeführt hat, während unsere von der Südfront kommenden Truppen nach Norden zu in Richtung auf die alliierten Nordarmeen Gelände gewannen. Dieser Rückzug hat natürlich den General Weygand gezwungen, seinen ganzen Aufmarsch zu ändern. Er sieht sich nunmehr gezwungen, auf eine Schließung der Lücke und die Bildung einer fortlausenden Front zu verzichten. Es braucht nicht betont zu werden, wie schwerwiegend die Folgen sind, die sich hieraus ergeben können.“ Deutschlands Aufgaben in Polen Reichsminister Dr. Frank über die Verwaltung des Generalgouvernements Entgegen der Hetze der Presse des deutschfeindlichen Auslandes vollzieht sich die deutsche Verwaltung im Generalgouvernement Polen in einer organisch fortschreitenden Entwicklung. Systematische Aufbauarbeit, die die Bevölkerung nach den verantwortungslosen Spekulationen der früheren Regierung wieder zur Ruhe kommen läßt, sorgt für neue Entfaltung der Lebenskräfte. In der Juli=Nummer der Europäischen Nevue(Deutsche Verlagsanstalt, Stuttgart— Berlin) führt Reichsminister Dr. Hans Frank in seiner Eigenschaft als Generalgouverneur für die besetzten polnischen Gebiete die vielseitigen Gesichtspunkte an, nach denen bisher vorgegangen wurde und die, da sie sich bewährt haben, auch weiterhin richtungweisend sein werden. Er weist eingangs auf die Proklamation vom 26. Oktober 1939 hin, in der er anläßlich seines Amtsantrittes seine Aufgaben in ihren Grundzügen umrissen hat. Die polnische Bevölkerung soll getreu ihren überkommenen Sitten leben und in allen Ausstrahlungen der Gemeinschaft die polnische Eigenart beibehalten dürfen. Auf diese Weise werden frei vom Zwang der Abenteurerpolitik einer verkommenen Remarken Schutz des Großdeutschen gierungsschicht, unter dem starken Reicher Freiheit und Wohlstand gewährleistet. Die Ziele zu erreichen, wurde die Gemeindeverwaltung den polnischen Bürgermeistern übertragen. Auch wurden zahlreiche frühere polnische Beamte in deutsche Dienste übernommen. Eine wichtige Aufgabe ist hierbei die Sicherung des deutschen Ostraumes: denn noch immer herrscht in gewissen polnischen Intelligenzschichten jener verstiegene Chauvinismus, den Frankreich nach 1918 gewaltsam hochgezüchtet hat. Diese Kreise bilden zwar keine Gefahr mehr, doch muß Deutschland hier mit Hilfe der Wehrmachts= und Standgerichte zum Wohle der ruhigen Elemente Polens mit aller Schärse vorgehen. Ein weiteres Problem ist nach Ansicht des Reichsministers die Judenfrage. Gibt es doch viele Gemeinden, in denen nahezu hundert Prozent Juden ansässig sind. Sie beherrschten nach einer früheren polnischen Statistik neunzig Prozent der Banken, achtzig Prozent der Industrieunternehmungen und fünfundsiebzig Prozent des Grundstückmarktes. Auf diese Weise waren nahezu zwei Drittel aller polnischen Beamten, Bauern und Handwerker verschuldet und somit wirtschaftlich rassefremder Willkür verfallen. Es wurden, um hier zunächst einmal klare Verhältnisse zu schaffen, neben der Kennzeichnung der jüdischen Unternehmungen Maßnahmen zur Anmeldepflicht für jüdische Vermögen getroffen. Ferner wurde der Arbeitszwang eingeführt, der zwei Jahre dauert und die Juden in den von ihnen erlernten Berufen zu produktiver Arbeit heranzieht. Eine in jeder Gemeinde gebildete Judenvertretung, der sogenannte Judenrat, hat die Wahrnehmung der Rechte, Pflichten und Lebensnotwendigkeiten zu überprüfen, und entsprechende Maßnahmen im Einvernehmen mit deutschen Behörden zu treffen. Aber auch für die übrigen Polen wurde zwischen dem achtzehnten und sechzigsten Lebensjahr die öffentliche Arbeitspflicht eingeführt. In sozialer Hinsicht wurden zahlreiche Gesetze erlassen, die die Angestellten=, Arbeiter=, Kranken=, Unfall= und Altersversicherung regeln. Als Vereinigung der deutschen Volkszugehörigen wurde die„Volksdeutsche Gemeinschaft“ gegründet, die ihren Sitz beim Generalgouverneur in Krakau hat. Gottfried Keller grüßt Straßburg Im März 1872 war es. An die neue deutsche Universität Straßburg wurde aus der Schweiz Professor Gusserow berufen. Eine Abschiedsfeier versammelte einen stattlichen Kreis von Freunden um den Reisebereiten, unter ihnen auch Gottfried Keller. Zu vorgerückter Stunde ergriff. nachdem schon mehrere Reden gestiegen waren, auch der Dichter das Wort. Der Scheidende möge, so sagte er u. a., die Straßburger herzhaft grüßen von ihren Freunden in der Schweiz. Dabei knüpfte Gottfried Keller an den alten Brauch der Hirsetopffahrt zwischen den alemannischen Städten Zürich und Straßburg an. Die„Straßburger sollten sich nicht allzu unglücklich fühlen im neuen Reich“, fuhr er lächelnd fort und meinte dann,„vielleicht komme eine Zeit, gleichviel ob nächstens oder in fünfhundert Jahren, da sich dieses neue Reich so entfalte, daß es Staatsformen der verschiedensten Art, also auch republikanische, vertragen und in sich aufnehmen könne: dann wäre eine freiwillige Rückkehr der Schweiz zu Deutschland doch nicht so ganz unmöglich.“ So kennzeichnet des Dichters Biograph, Emil Ermatinger: die Rede Kellers, die eine heftige Pressefehde auslöste. Es gab nämlich auch damals schon„deutschsprechende“ Schweizer, die— französischer als jeder Stockfranzose waren. Von diesen seltsamen Landsleuten hörte sich Gottfried Keller als— Landesverräter beschimpfen. Allein, der Dichter war keineswegs geneigt, sich einschüchtern zu lassen. Er veröffentlichte eine Erklärung. in der er auseinandersetzte, daß er allerdings der Meinung sei, unter gewissen Umständen werde die„ausgeräumte Schweizerrepublik“, wenn sie nämlich im Wandel der Zeiten etwa ihren inneren Kantons=Einbau aufgeben müsse,„ihre Kraft und ihr altes Wesen wiedergewinnen, wenn sie im freien Verein mit ähnlichen Staatsgebilden zu einem großen Ganzen in ein Bundesverhältnis treten könnte, und daß dieses mit Deutschland einmal möglich werden könnte“, und das sei, o schrieb Gottfried Keller, die Voraussetzung seines Trinkpruches gewesen:„Wenn ich für einen solchen Anschluß, ein olches Unterkommen in künftigen Weltstürmen mit Vorliebe an Deutschland dachte, so geschah es, weil ich mich doch lieber dahin wende, wo Tüchtigkeit, Kraft und Licht ist, als dorthin, wo das Gegenteil von alledem herrscht...“ Das war der Gottfried Keller, der schon in der Gedichtsammlung von 1846 im Lied„Am Vorderrhein“ dem vom Gotthard kommenden Strom auftrug: O grüß mir all die deutschen Brüder, Die herrlichen, längs deinem Strand. Der Gottfried Keller, der in der„Einkehr unterhalb des Rheinfalls" ausruft: Wohl mir, daß ich dich endlich fand, Du stiller Ort am alten Rhein, Wo ungestört und ungekannt, Ich Schweizer darf und Deutscher sein! Ob gewisse Leute, die heute in der Schweiz das große sie wehklagen, daß die Hakenkreuzfahne am Straßburger Münster weht... Nun, wenn das möglich wäre, würde dieses hysterische Gejammere unsere Freude über das sieghafte Zeichen der neuen Zeit an Erwins Dom nur verdoppeln! O. E. Sutter. Vor Umbildung der Belgrader Regierung Aufsehenerregender Artikel der Zeitung Breme gegen den Einfluß der Freimaurer Belgrad, 22. Juli.(Drahtb.) Die halbamtliche Belgrader Tageszeitung Vreme veröffentlicht einen aufsehenerregenden Leitartikel ihres Direktors Gregoritsch gegen den Einfluß der Freimaurer, den es mit allen Mitteln zu brechen gelte. Das Blatt schildert, wie es den Freimaurern gelungen sei, überall Einfluß zu gewinnen, und wie sie sich auch heute noch haßerfüllt jeder Ordnung und Autorität widersetzten. Vor allem aber seien die Freimaurer das größte Hindernis für die Reformen, die im nationalen und sozialen Leben Jugoslawiens bevorstünden. Mit allen Kräften widersetzten sie sich der allseitigen Erneuerung auf nationaler Grundlage. Das Volk dürfe sich ein solches Verhalten künftig nicht mehr bieten lassen. Entweder mit Milde oder mit Gewalt müsse die Macht der Freimaurerei gebrochen werden. In politischen Kreisen Belgrads wird dieser Artikol in Verbindung gebracht mit den seit längerer Zeit umlausenden Gerüchten von einer Umbildung der Regierung und insbesondere einer Ausschissung der beiden als Freimaurer bekannten Persönlichkeiten, Justizminister Lazar Markowitsch und Staatsminister Konsantinowitsch. Südafrikes Bevölkerung gegen Smuts Burensrauen überreichten eine Bittschrift mit 60000 Unterschriften gegen die Kriegspolitik Lissabon, 23. Juli.(Drahtb.) Die Frauen der burischen Bevölkerung in Südafrika haben eine Friedenspetition, die mehr als 60 000 Unterschriften trug, an den Prei irminister der Südafrikanischen Union, Smuts, eingereicht, in der sie fordern, daß Südafrika sofort den Krieg mit Deutschland beendet. Nachdem diese Petition von Smuts zurückgewiesen wurde, ist der Beschluß gesaß; worden, die Petition nunmehr dem Parlament zu unterbreiten.— Auch die nationalistischen Studenten Südafrikas lehnen sich offen gegen die Politik von Smuts auf. Der Vorsitzende des Nationalen Studentenbundes richtete ein Schreiben an Smuts, in dem er mitteilte, daß die Studenten sich weigern, dar Abzeichenverbot zu befolgen und die Gewehre abzuliefern. Weiterhin forderte er die Einstellung der einseitigen Rundfunkpropaganda und den sofortigen Friedensschluß Südafrikas mit Deutschland. 40000 BRT. aus einem Geleitzug versenkt Berlin, 23. Juli. Das Oberkommando der Wehrmacht gibt bekannt: Deutsche Kampfflugzeuge grissen erneut Flugplätze, Hafen=, Tank= und Fabrikanlagen in England an. Explosionen und starke Brände sind beobachtet worden. Bei Angrifsen gegen einen Geleitzug im Kanal gelang es, einen Tanker und vier Handelsschiffe mit einem Gesamtsassungsvermögen von etwa 40 000 BRT. durch Bombentreffer zu versenken. Feindliche Einflüge in der Nacht zum 22. Juli in Nordund Westdeutschland sowie in die besetzten Gebiete richteten durch Bombenabwurf nur Sachschaden an. Ein Flugzeug ist durch Flakartillerie der Kriegsmarine, ein weiteres Flugzeug durch Nachtjäger abgeschossen worden. Die Gesamtverluste des Feindes betrugen gestern acht Flugzeuge, darunter ein Sunderland=Flugboot durch Abschuß bei Drontheim. Vier eigene Flugzeuge kehrten nicht zurück, darunter ein Seenotflugzeug, das über der Nordsee durch die Engländer abgeschossen wurde. Schäden der britischen Mittelmeer=Flotte Rom. 22. Juli. Der italienische Wehrmachtbericht hat folgenden Wortlaut: Das Hauptquartier der Wehrmacht gibt bekannt: Aus sicheren Insormationen ergibt sich, daß bei den See= und Luftkämpfen zwischen dem 8. und 13. Juli außer einem Flugzeugträger und dem Schlachtschiff„Hood“ auch ein Schlachtschif von der„Warspite"=Klasse(31 000 Tonnen) und die Kreuzer „Sloucester“(10 000 Tonnen) und„Arethusa“(5200 Tonnen) schwere Schäden erlitten haben. Ferner haben die seindlichen Schiffostützpunkte empfindliche Verluste erlitten. Ein seindliches Flugzeug, das bei den Rettungsoperationen eines unserer Flugzeuge, das wegen Motorschadens wassern mußte, den Versuch gemacht hatte, die Besatzung unter Maschinengewehrfeuer zu nehmen, ist von unseren Jagdfliegern brennend abgeschossen worden. Ein Offizier der englischen Besatzung, der mit Fallschirm auf das Meer niedergegangen war, wurde gerettet und von einem unserer Wasserflugzeuge gesangengenommen. In Nordafrika sind die feindlichen Stützpunkte Sidi Barrani und Marsa Matruk stark und wirkungsvoll mit Bomben belegt worden. In Ostafrika sind bei den Stützpunkten Buna und Wajir, wo ein englisches Flugzeug abgeschossen worden ist, englische Flugzeuge und englische Truppen mit Bomben und Maschinengewehrsener angegriffen worden. Alle unsere Flugzeuge sind zurückgekehrt. Feindliche Luftangrisse auf Asmara haben weder Opfer noch Schaden hervorgerufen. Unerschütterliche Siegesgewißheit ; der Achsenmächte Feststellungen der römischen Presse Drahtbericht unseres Sonderverichterstatters Rom. 23. Juli. Mit der Mitteilung, daß Graf Ciano gestern, von Berlin kommend, in Rom eingetrossen ist, heben die römischen Blätter erneut hervor, daß die unmittelbare Fühlungnahme der höchsten verantwortlichen Stellen der Achse klar und eindeutig beweise, daß Deutschland und Italien mehr denn je entschlossen sind, dem Lauf der Geschehnisse ihren unbeugsamen und eindeutigen Willen aufzudrücken. Die Achse lenke das Geschick Europas, und sie habe auch die geeigneten Mittel, die gesteckten Ziele zu erreichen. Wenn ihre militärische Stärke ein Psand des Sieges darstelle, so seien die aus ihr strömenden ausbauenden Kräfte nicht weniger herrschend. Der tiese Grund der Siegesgewißheit der Achsenmächte liege in der sich immer wieder offenbar werdenden Überzeugung einer unverbrüchlichen Einigkeit zwischen Faschismus und Nationalismus, zwischen dem deutschen und italienischen Volk. Das von dem Duce an den Führer gerichtete Telegramm spiegele klar die wahre Seele der italienischen Nation und ihren unerschütterlichen Willen wider. Das italienische Volk fühle, daß, nur wenn Deutschland und Italien bis zum Ende Seite an Seite marschierten, das höchste und letzte Ziel der Achse erreicht werden könne, das der Führer in seiner Antwort„Freiheit“ genannt habe. Die Vorherrschaft Großbritanniens, die Deutschland und Italien zu unsäglichen Opfern gezwungen habe, werde endgültig zertrümmert und das demütigende Joch der Knechtschaft endgültig abgeworsen. Der Sieg der Achse sei der Ansang eines neuen Zeitalters des Wohlstandes, der Ordnung und des wahren Friedens.(„Messagero“.) Gayda stellt fest, daß Europa und die Welt sich wiederum von der Solidarität der Achse und dem von den demokratischen Politikern über sie ausposaunten„düsteren Prophezeiungen“ überzeugen könnten. Die völlige Verständnislosigkeit der Demokratie gegenüber der neuen historischen Wirklichkeit sei zur Grundlage ihrer Politik geworden, die sie schließlich in den Krieg und Hals über Kopf in den Abgrund gestürzt haben. Deutschland und Italien seien ihres Endsieges sicher. weil sie„ihrer Pläne, ihrer Mittel und vor allem der Seele ihrer Völker gewiß seien". I Wirtschaftliches Ein neuer Stahlwerksverband in Belgien An Stelle des alten Verbandes der belgischen Stahlwerke (Cosibel), der mit Besetzung Belgiens durch die deutschen Truppen aushörte zu existieren, wurde ein neues Kartell, das Syndicat belge de l'acier(Sybelac) mit dem Sitz in Brüssel errichtet. Alle belgischen Stahlwerke, auch die weiterverarbeitenden und die Nöhrenwerke, gehören dem Sybelac an, das die Lenkung der Produktion zu besorgen und seine Tätigkeit bereits am 24. Juni aufgenommer“hat. Quoten sind nicht vorgesehen im Gegensatz zur Cosibel. Die belgischen Stahlwerke haben zum Teil, wenigstens durch die Kriegshandlungen, nicht gelitten. Zur Zeit werden die Bestände aufgenommen; sie sollen so rasch wie möglich für den Wiederaufbau des Landes und für Schädenbeseitigung auf den Werken selbst eingesetzt werden. Die Gemeindefinanzen im Wiederaufbau Die tiefgreifenden Wandlungen in den Gemeindefinanzen seit der Machtübernahme werden in zahlreichen Unterlagen zur Beurteilung dieser Finanzen in der„Statistik des Deutschen Reichs“ eingehend behandelt. Die Tendenz der Gemeinden in der Finanz= wirtschaft war getragen von dem Gebanken, nach einer schnellen Beseitigung der voraufgegangenen Wirtschaftskrisis. Soweit die hohen Fürsorgelasten nicht durch die wirtschaftlichen Maßnahmen des Reichs zurückgingen, haben die Gemeinden durch die Einschaltung in die Arbeitsbeschaffung selbst dazu beigetragen. So wurden in den Rechnungsjahren 1933 bis 1935 im Rahmen der gemeindlichen Finanzwirtschaft rund 2 Milliarden für diese Zwecke verausgabt. Daneben ging die Neuordnung des Gemeindekredits einher, der hohe Schuldenstand konnte vermindert werden. Die Bildung neuer Rücklagen wurde eine wichtige Aufgabe der Aufbaujahre. Diese Maßnahmen wurden dann durch die Neuordnung des Finanzausgleichrechts und Anpassung an die Belange der Finanzwirtschaft der gesamten öffentlichen Verwaltung weitgehend gefördert. Die verschiedenen Reformen fanden ihren ersten Abschluß mit der Reform der Realsteuern, die den Gemeinden die Selbständigkeit ihrer Finanzgebarung und die Unabhängigkeit auf steuerwirtschaftlichem Gebiete zurückgab. Die wachsenden Steuereinnahmen ermöglichten einen Abbau der erheblichen Fehlbeträge aus der Krisenzeit. Zugleich konnte neben der Erfüllung der laufenden Aufgaben die Bildung von- neuen Rücklagen vorgenommen werden. Der Wiederaufbau der Gemeindefinanzen war bis zum Ausbruch des Krieges so weit möglich, daß die Gemeinden der weiteren Entwicklung gesichert entgegensehen können. Die Entwicklung in den ersten Kriegsmonaten hat diese Annahme bestätigt. Hauptschriftleiter: Franz Tepel. Stellvertrete Verantwortlich für Politik: Franz Tepel; für d. A. Bopp: für Sport: Arnold Thesen: für Kor Stellvertreter: Heinz Gorrenz. für Kunst und Kultur: „.# Gesb. fül Spoll. aindw Thrlen, ral Kommunales: Wildem Kranefeld: für Unterhaltung: Dr. Horst Kaestner. Anzeigenteiter: Wolfram Bongartz. Sämilich in Düsseldorf. Zur Zeit ist Preisliste 8 gültig. Verlag und Druck: Droste Verlag und Druckerei Tüsseldorf, Pressehaus. * Dlenstag. 23. Juli 1940 Nummer 170 KLIE Auslandsvertreter des„Mittag“ berichtet: bis zum schrecklichen Ende nie wieder entbehren kann, bittet ihn in eindringlichem Flüstern, beichten zu dürfen. Einen kurzen, beklommenen Augenblick muß er die Augen schließen, ehe er sich zu überzeugen wagt, wer vor ihm im Beichtstuhl kniet. Er erblickt zuerst ein poar herrliche, rostbraune Haarflechten. Nun hebt sich ein junges Frauengesicht in mattem Schimmer zu ihm empor. Er sieht in ein paar unergründliche goldbraune Augen. Wird er ihnen jemals auf den Grund zu blicken vermögen? Die schöne Helena und der Bettelmönch haben den Irrgarten ihrer Liebe betreten, der sie zehn Jahre hindurch gefangen halten wird. Er ist zweiunddreißig Jahre alt, sie siebzehn. (Fortsetzung folgt.) Antlitz des Siegers Frankreichs Straßen, von sengender Sonne heiß, Haben auf endlosen Märschen geprägt dein Gesicht. Aus diesem Antlitz, verklebt von Staub und Schweiß, Leuchtet der Augen helles, lebendiges Licht! Tod und Grauen verlöschten nicht ihren Glanz. Aber dein hart und herbe gewordener Mund Ist gezeichnet vom blutigen Waffentanz; Zucht und Willen gibt er graniten kund. Unvergeßlich prägt dein Gesicht sich uns ein, Das der Stolz auf den herrlichsten Sieg verklärt— Und wir messen streng unser eigenes Sein An dem deinen, das sich im Opfer bewährt! Heinrich Anacker PBO. Während der Befreiungskriege gab es im preußischen Heer Kosaken Kuriositäten aus Regiments=Geschichten Von 1813 bis 1815 gab es im preußischen Heer Kosaken. Die Abteilung in Stärke einer Eskadron entstand nach Abschluß der denkwürdigen Konvention von Tauroggen als eine Huldigung an Rußland. Sie bestand aus ausgesuchten Leuten, war einhundertfünfzig Mann stark und war in Breslau garnisoniert. Nach der Besiegung Napoleons wurde die bis dahin selbständige Eskradron dem Garde=UlanenRegiment angegliedert, das 1821 Garde=Kürassier=Regiment wurde. An den Kämpfen des amerikanischen Sezessionskrieges (1861 bis 1865) nahm ein Regiment teil, dessen Soldaten ausschließlich Vertreter der Varieté=Kunst waren. Man nannte den Truppenteil das„Tingeltangel=Regiment“. Im zaristischen Rußland gab es ein Garde=Regiment, in das ursprünglich nur Pockennarbige eingestellt wurden. PK.- Sado- Pressebildzentrale Die Engländer sprengten auf ihrem Rückzug die Brücke über den Kanal Gand-Terneuzen. Deutsche Bausoldaten errichteten eine neue Brücke, so daß der Verkehr von Ufer zu Ufer nach wenigen Tagen wieder aufgenommen werden konnte Droste-Verlag Die schwarze Madonna von Tschenstochau PK.-Mees- Atlantic Sinnlose Uberschwemmungen im Vorfeld der Maginotlinie Die Franzosen glaubten, mit solchen Mitteln den deutschen Ansturm aufhalten zu können EIN POLNISCHIES SITTENBILD VOR FRIEDRICH ALBRECHT Ein Berg Akten— Gerichtsakten!— erzählt von der Liebe der schonen Helene Krzyzanowski und des Bettelmönchs Damczy Mazoch, der um dieser Liede willen beiratete, stard, von den Toten wiederauferstand und ein Mörder wurde. Darüder hinaus berichten die Akten von Diebstädlen und Meineiden, von Erpressern, Lüdrianen und einem reinen Toren. Strich um Strich setzt sicheio— buchstgbengetreu nacherzählt— aus trockenen Protokollen und Berichten ein grelles : G e m ä l d e e c h t p o l m i s c h e r Z u s t ä n d e z u s a m m e n. D i e V o r g a n g e erbielten idren Abschluß durch harte Gerichtsurteile vom 28. November 1912. Aber bis heute leben sie unvergessen im Volk. Aus der grobschlächtigen Wahrbeit ist allerdings längst eine romantische Legende geworden, die von Unrecht und Gewalt berichtet, die wieder einmal„armen, verfolgten Polen“ angetan wurden. Für uns aber ist es ein Dokument„polnischer Wirtschaft“, daß uns erneut bestätigt, warum dies„Kulturvolk“ in achtzehn Tagen von unserer beldenhaften Webrmacht überrannt werden konnte und— mußte! I. Sechshundertmal soll der Apostel Lukas, der Schutzpatron der Maler, in frommem Eifer die Himmelsmutter gemalt haben. Sein erfolgreichstes Bild aber ist entschieden das kleine Gemälde auf Zedernholz, das die Bettelmönche vom Heiligen Paul auf dem Jasna Gora von Tschenstochau hüten, seit es der Polenkönig Wladislaw Jagello den Leuten von Belecz in Galizien im Jahre 1382 mit blutiger Gewalt entriß. Eine„weiße" Madonna Seitdem bewohnt das Wunderbild die kleinste Kapelle der gewaltigen Kirchenburg, die zu seinen Ehren entstanden ist. Es scheint fast, als ob es sich hierher geflüchtet habe aus dem Prunk und Glanz, die es in Jahrhunderten um sich herum angesammelt hat— nur dadurch, daß es traurig und einsam über die unzähligen Menschen, die sich immer wieder gläubig und vertrauensvoll vor ihm neigen, hinwegblickt. Die Zeit, Weihrauch und ein Wald von Kerzen, die Tag und Nacht vor ihm brennen, haben die Malerei derart nachgedunkelt, daß man wirklich von einer„schwarzen“ Madonna Als Zivilgefangener nach den Pyrenden Das Ende der qualvollen Fahrt- Abmarsch in ein halbfertiges Barackenlager IV. Le Vigeant S Die Wallfahrts „* Droste-Verlag e von Tschenstochau Copyright by Duncker-Verlag. Berlin sprechen kann. Diese Unscheinbarkeit und Unsichtbarkeit hat aber dem Wunderglauben der Menschen keinen Abbruch getan. Vor allem aber zeigt sich das schwarze Bildchen geneigt, den Liebenden zu helfen. Wer Liebe sucht oder um Liebe leidet, der pilgert bestimmt zur schwarzen Madonna und beichtet seine Bedrängnisse den Bettelmönchen. Diese sorgen auch geschäftig dafür, daß jede neue Wundertat des Bildes sofort in Polen und der ganzen östlichen Welt bekannt wird. In ihrer unermüdlichen Hut ist die Madonna eine große Dame geworden. Sie bekam goldene Kleider, über und über mit Perlen bestickte Mäntel, odelsteinfunkelnde Kronen. Zu Beginn unseres Berichts— im Jahre 1903—, schätzte man allein den Wert ihrer Kronen auf 18 Millionen Mark, ganz zu schweigen von den wahrhaft unschätzbaren Reichtümern, die in den unterirdischen Gewölben der Klosterburg untergebracht waren und die sich durch die täglichen Pilgerspenden rastlos vermehrten. Hierüber hätte am besten der dürre, lange Pater Bazyli Olesinski, der Schatzwächter und Klosterkustode, Auskunft geben können, aber der schwieg wie ein Grab und vermutete in jedem, der Fragen stellte, einen Sendboten des Zaren. Nach den Behauptungen der Mönche waren der Zar und seine Ochrana rastlos bemüht, dem polnischen Volk, daß sie so grausam vergewaltigt und seiner Selbständigkeit beraubt hatten, nun auch noch seine heiligsten Schätze zu rauben. Die Ochrana dagegen ließ wissen, daß sie sich weit mehr für den Lebenswandel der Mönche als für die Klosterschätze interessiere und goß damit nur noch mehr Hl ins Feuer Welch eine Gemeinheit, die heiligen Brüder, Mönche von der strengsten Observanz, die die Gelübde ewiger Keuschheit und Armut abgelegt hatten, zu verdächtigen! Ganz Polen war auf seiten der Paulaner, die sich empört gegen jede Einmischung zur Wehr setzten. Mehr denn je drängten sich die Gläubigen um sie und haschten nach ihren Händen, um sie mit inbrünstigen Küssen zu bedecken, wenn sie in ihren schwarzen, härenen Kutten vorüberwandelten, ein wunderlicher und beruhigender Gegensatz zu der schier maßlosen Pracht, die sie zu hüten hatten. Eine Cellostimme beichtet Einen nicht geringen Teil der riesigen Wallfahrtskirche auf dem Jasna Gora beanspruchen die Seitenschiffe und Kapellen, in denen die Beichtstühle untergebracht sind. Um die Mittagsstunde eines schönen Maitages des Jahres 1903 ist es hier endlich einmal etwas stiller geworden. Der kleine, schmale Pater Damczy Mazoch kann sich eine Ruhepause gönnen. Ermüdet späht er hinter der roten Samtgardine seines Beichtstuhls hervor. Die Gläubigen kommen gerne zu dem jungen Priester, der erst vor einem Jahr die Weihen empfing. Staunend nahen sich vor allem die Leute von Lipie, seinem Heimatdorf. Ja, das hätte sich wohl niemand einfallen lassen, daß der schwächliche Sohn des ärmsten Bauern, der, weil er zu keiner rechten Arbeit tangte, zum Gehilfen des Gemeindeschreibers gemacht worden war, noch einmal so hoch steigen würde. Triumphierend preßt der Pater die schmalen Lippen zusammen. Er hat's geschafft! Er ist sogar der Sekretär des hochwürdigen Priors Euszebjus Reiman. Vor allem aber ist er der beste Freund Pater Bazylies, des Schatzhüters, und des dicken Pater Isidor Straczewski da drüben, der gerade dabei ist, einem Bauernmädchen in bunter Tracht die Beichte abzunehmen. Es scheint sich nicht um schlimme Sünden zu handeln. Sie kichern beide. Damczy kneift die kleinen Augen mit den stets etwas entzündeten Lidern zu sammen. Ein Bauernmädchen— pah? Was ist das schon? In seinen Beichtstuhl sollen die vornehmen Damen kommen, die so schöne weiße Hände haben, unter deren Röcken Froufrou knistert und raschelt, und die so berauschend nach Patschouli und Chypre duften. Ex schreckt aber doch zusammen, als im gleichen Augenblick, als sollten seine sehnsüchtigen Wünsche sich erfüllen, vor ihm Froufrou raschelt und der Duft, den er sich erträumt hat, seinen Beichtstuhl erfüllt. Eine Stimme, deren kunklen selleklang er von nun an Am dritten Abend nach unserer Abfahrt von Tournai hielt der Zug irgendwo auf dem Lande. Wir befanden uns. wie unsere Späher durch die Waggonritzen erkundet hatten, nicht allzu weit entfernt von Poitiers, also südlich der Loire. Seit Tours war die Reise friedlicher geworden. Wir hatten das Kriegsgebiet verlassen, und nach den Mengen Wasser, die wir. dem Abfluß einer Badewanne ähnlich, in unsern überdursteten Leib gestürzt hatten, lagen wir ermattet, kaum noch zu einem Redewechsel geneigt, auf dem Waggonboden. Die meisten hatten sich ihrer Kleider entledigt. Wessen Koffer vorsorglich eine Badehose enthielt, wurde wie ein Dandy in einem Warschauer Vorstadtviertel bestaunt. Die Drohungen der Juden gegen uns Arier waren gegenstandslos geworden. Die Greuel, die wir am eigenen Leib ohne Unterschied der Rasse erfahren hatten, ließen auch den unentwegtesten Antinazi verstummen. Gut ein Drittel meiner Waggonkameraden lag im Fieber. Aus den Spalten an den beiden Türen stieg Kloakengeruch empor. Wo sollten wir die natürlichen Bedürfnisse, denen kein Kommando Einhalt zu gebieten vermag, anders verrichten? Die Wilden in der Urwaldsiedlung verhalten sich hygienischer als wir es konnten. Guter Rat für alle, die einmal in einem Waggon zur Internierung verfrachtet werden sollten: niemals einen Platz in der Nähe der Türen wählen; auch die engste Ecke, die schmalste Lücke an einer der beiden Querwände ist bekömmlicher als der Platz an den Türen. Sind wir am Ziel der Reise? Nachdem der Waggon eine Weile gehalten hatte, bemerkten wir Anzeichen dafür, daß wir mit einem längeren Aufenthalt rechnen konnten. Aus den Berichten der französischen Presse wußten wir seit Monaten, daß in dieser Gegend, in der Mitte Frankreichs, umfangreiche Vorkehrungen zur Unterbringung von Internierten und Evakuierten getroffen worden waren. Wir ermittelten bald, daß wir nicht auf freiem Felde sondern auf der Höhe eines kleinen Bahnhofs gehalten hatten. Sollten wir schon aussteigen, schon in ein Lager übergeführt werden? Wir vernahmen das Geräusch von Waggontüren. von Leuten, die mit ihrem Gepäck auf den Kleinschlag zwischen den Schienen sprangen. Hastig zogen wir uns an. und wir waren damit noch nicht fertig, als auch unsere Tür aufgerissen wurde. Draußen standen wieder die unheimlichen Gestalten der belgischen Soldaten, zumeist Bauernburschen aus Flandern, die ein französisch artikuliertes Kauderwelsch redeten, gutmütige oder niederträchtige Kerle von Natur, aber uns wehrlosen Zivilisten gegenüber allesamt Schurken, Diebe, Räuber und Teusel. In der belgischen Presse ist es üblich, die nationale Fußballmannschaft mit „Diables rouges“, also„Rote Teufel“, zu bezeichnen. Das ist als ein Ehrenname gemeint und soll das Tempo, die Angriffsfreudigkeit des belgischen Sportsmanns dokumentieren. Ich warne die Kollegen der belgischen Zeitungen, künftig bei der Verwendung dieser Ehrenbezeichnung zu bedenken, daß andere Leute, wenn sie aus Belgien von Teufeln in Menschengestalt hören, nicht an Fußball sondern an die Erlebnisse zwischen Brüssel und Le Vigeant erinnert werden. Ein Bahnwärterhäuschen auf freiem Der Bahnhof. an dem wir ausstiegen, hieß Le Vigeant, laut einem Dörfchen, das dort an der Strecke liegt. Von einem„Bahnhof“ zu sprechen, ist eigentlich übertrieben. Wer in Le Vigeant in den Zug steigen will, wartet auf freiem Feld neben dem Bahnwärterhäuschen. Als wir aus der Waggontür blickten, sahen wir an der Bahnstrecke mehrere französische Offiziere stehen. Einer darunter trug einen Stahlhelm, ein anderer war Hauptmann. Der Offizier im Stahlhelm redete uns auf deutsch an. Nur wer in Gefangenschaft gelebt hat, vermag zu empfinden, wie es ist, wenn man an einer Ankunftsstation plötzlich die Muttersprache aus amtlichem oder fremdem Munde vernimmt. Wie ganz anders empfindet man, wenn man, aus dem Ausland in die Heimat zurückkehrend, wieder die eigene Sprache hört. Der Offizier im Stahlhelm, ein Reservist von rund dreißig Jahren, sorgte dafür, daß wir in Reih und Glied kamen. Er war knapp acht Tage mit uns zusammen. Sollte er in deutsche Gefangenschaft geraten sein, so würden wohl, wenn solches nötig sein sollte, die meisten von uns ehemaligen Internierten von Le Vigeant gern bereit sein, ihm zu bezeugen, daß er sich viel Mühe gegeben hat, menschlich mit uns zu verfahren. Ubrigens auch der Hauptmann, der im Zivilberuf Fabrikant oder Landwirt aus der Gegend von Lille war. Wir essen, um uns zu erfrischen, Grasbüschel Als wir am Bahndamm von Le Vigeant standen und uns bei Tageslicht betrachteten, waren wir betreten über unser Aussehen. Die Gesichter hatten sich verändert. Sie hatten sich dem Menschlichen entfremdet und dem Kreatürlichen angenähert. Wie Felle und Gefieder lagen die Kleider über unserm Leib. Die Hände muteten uns an wie Krallen. Wenn mein Hund mit unsicherem Gewissen lauert, ob ich ihn wohl freundlich beranrnfe oder aber schelte: nicht wesentlich anders, schien mir, blickten die meisten von uns um sich, der kommenden Dinge harrend. Was Wunder, wenn bei solcher Metamorphose unsere Kolonne, nachdem die lässige Art der französischen Offiziere dazu Ermunterung gegeben hatte, sich daran machten, das Gras am Bahndamm auszüreißen und Büschel davon zu kauen. Im Gras, wie die Kinder wissen, steckt eine erfrischende Flüssigkeit, und wie hat sie uns wohlgetan! Die belgische Eskorte versuchte, uns an diesem Genuß zu hindern, aber der Dolmetscher wehrte ihr. Er schritt Reihe für Reihe ab. Wo irgendwo vier Mann gut ausgerichtet nebeneinander standen, nickte er billigend mit dem Kopf. Zu der Reihe, in der ich mit drei Kollegen stand, sagte er sogar„gut". Vermutlich hat er das mechanisch, ohne Absicht getan, aber daß er es sagte, war wie eine Kundgebung. daß unsereins nun vielleicht doch wieder unter Menschen gerückt werde. Als Zivilisten von freiem Stand hätten wir uns verbeten, von einem jungen Dolmetscher mit einem Prädikat auch nur versehen zu werden. Als Gefangene und nach solchen Erfahrungen fühlte man sich Dankes schuldig. Lieber im Freien übemnachten Eine gute halbe Stunde lang marschierten wir, bis die Umrisse von Drahtzäunen und Baracken auftauchten. Die Franzosen, denen wir begegneten, warfen weder die Steine. auf die wir uns seit Tournai gefaßt machten, gegen uns. noch beschimpfren sie uns. Das Lager, in dem wir haltmachten war noch unfertig. Zu je 500 Mann wurden wir auf drei Baracken verteilt. Bei gerechter Aufteilung des Platzes wären vielleicht 80 Quadratzentimeter auf den Einzelnen einschließlich Gepäck gekommen. Aber wo wäre es unter 500 Leuten in Selbstverwaltung jemals gerecht zugegangen? Draußen in der kühlen Mainacht zu übernachten — Le Vigeant liegt auf einer Hochebene—. war vorteilhafter als drinnen, wo überdies Türen und Fenster fehlten und vom ausgebreiteten Stroh uns lediglich der Staub zugute kam. 9 Unser aller Frage lautete auf Wasser. Im Lager aber war keine Wasserleitung. Dank dem Dolmetscher traf nach anderthalb Stunden. als es schon dunkel geworden war, ein Sprengwagen ein. Aber wir hatten nicht die Gefäße, die wir zum Heranschleppen des Wassers und zum Trinken brauchten. Krawalle. Tumulte entstanden, und nur die verwegenen Fachleute im Umgang mit Gefangenenlagern, die trotz des Verbots sich zu dem Sprengwagen schlichen, konnten ihren Durst stillen. Der Sprengwagen erwies sich andern Tags übrigens als ein ausgedienter Benzinwagen, und die Pumpstelle. aus der uns das Wasser herangebracht wurde, bezeichnete drei Tage später ein Veterinär, der mangels eines Arztes sich um die Gesundheitspflege bei uns zu kümmern hatte, als ungeeignet zur Versorgung mit Trinkwasser. Nachdem wir dieses erfahren hatten, erklärte sich uns neben dem befremdlichen Geschmack des Wasser auch, warum die Ruhr Einzug in unsere Baracken zu nehmen begonnen hatte. Dr. Franz Mariaux. Professor Domagk Preisträger für experimentelle Therapie Die Stiftung für experimentelle Therapie, Berlin, hat in einer Sitzung des Kuratoriums der Stiftung am 10. Mai 1940 mit allen Stimmen beschlossen, den diesjährigen Preis in Höhe von 3000 Mark an Prof. Dr. G. Domagk, Wuppertal, zu vergeben. Der Preisträger erhält den Preis für seine Entdeckungen auf chemotherapeutischem Gebiet. Auslandspresse bei Winifried Wagner Am Montag empfing Frau Winifried Wagner im Bayreuther Festspielhaus Münchener Vertreter der ausländischen Presse, denen sie den Bayreuther Festspielgedanken erläuterte und einen Einblick in die technischen Einrichtungen, die Zusammensetzung des Ensembles und seine Betreuung gab. Besonders interessiert zeigten sich die Gäste für die berühmten akustischen Verhältnisse des Hauses, die von dem Erbauer Richard Wagner selbst entworfen und angeordnet worden sind. Die Auslandsjournalisten wohnten dann der SiegfriedAufführung bei. Ein sauberer Mensch kann ebensowenig auf Zahnpaste wie auf Seife verzichten! A Dienstag, 23. Juli 1940 Sport des Mittag Nummer 170 Was wird Björn Borg dazu sagen! Der neue Klasseschwimmer Tatos aus Budapest In Ungarn derrscht helle Freude. Nach langer Zeit ist dem Lande wieder ein Schwimmer von Conderklasse geschenkt worden. und man steht voller Hoffnungen auf die weitere Ennvicklung des achtzehnjährigen Langstrecenschwimmers Tatos, der die ruhmreiche Tradition der ungarischen Schwimmerschule fortführen soll. Eine Tradition, mit der die Namen und Leistungen der Halmay und Bela Las Torres, der Demsa, Toldi und Kenyert, der Sipos. Dr. Barand und Csik unlösbar verknupft sind. Ungarn dat, seitdem Dr. Perenez Csik sich nach seinem 100=Meter=Olympiasiege vom aktiven Sport zurückzog und sich ganz seinem Berufe als Arzt wid mete, keinen wirklichen Klasseschwimmer mehr herausgebracht. Die Krauler Grof, Körössp und Elemert haben nicht gehalten, was man sich von ihnen versprach, auch die Brustschwimmer Angvel, der als Schauspieler keine Zeit zum Training dat, Dr. Mezei und Fabian kamen nicht wetter; im Rückenschwimmen schlugen alle Versuche mit Dr. Lengvel, Erdelv und Galambos sehl, und in jedem Jahr bestätigee sich im Länderkampf gegen Deutschland von neuem, daß man in allen Einzeldisziplinen eben doch unterlegen war und unterlegen blieb. Damals In Wien Im Vorjahr, als man diesen Länderkampf in Wien austrug (und die Ungarn eine hausbobe Schlappe erlitten) sad man wenigstens eine Hoffnung: Der junge Vörds schwamm über 1500 Meter gegen den deutschen Meister Heinz Arende ein gutes Rennen, und in ihm glaubte man einen kommenden Mann seden zu dürfen. Aber es kam nicht Vörös, es kam ein anderer. Einer, der damals erstmals in einer Auswahlstaffel mitwirken durfte, wenn auch nicht im offiztellen Länderkampf. Der stebzehnjährige Tatos wirkte in der B=Staffel min, die man nevender zur Förderung des Nachwuchses gegen Deutschlands zweite Garnitur über viermal 200 Meter schwimmen ließ. Sie wurde zwar von den Deutschen gewonnen, ader man war mit Tatos zufrieden, der seine 2.21 binlegte und damit besser war als zwei Mann aus der offiziellen Länderstaffel. In diesem Frübjahr 1940 kam dann der junge Mann Tatos. Er kam auf 200 und 400 Meter, er kam aber vor allem auf 1500 Meter. Und gerade zu der Zeit, da der deutsch=ungarische Wenstreit wieder vor der Tür stand, lief der stämmige Bursche zu Überraschend großer Form auf. Erstaunt vörte man bei uns seine neuen Zeiten, 2:13,8 für 200 Meter, 19:55 und damit neuer Landesrekord über 1500 Meter. Höchstleistungen zerbrachen wie Glas Am zweiten Tage des Länderkampfes ist das Talent Tatos dann zu voller Blute erwacht. Nicht die 200 und nicht die 400 Meter sind seine Strecke, dieser Junge ist eine ausgesprochene Begabung für die 1500 Meter. Sein eigener Rekord, gerade acbt Tage alt, blied um sast 20 Sekunden geschlagen, und unterwegs zerbrachen auch die alten guten Höchstleistungen eines Grof über 800 und 1000 Mener wie Glas. Der Deutsche Plath tvieb den Ungarn Tatos, aber er durfte nur treiben, und obwohl er selbst eine hervorragende Leistung bot, obwohl er selbst die deutschen Rekorde über 800 und 1000 Meter übertraf und die 1500 Meter in der rekordnahen Zeit von 19:57,2 schwamm(19:50,7 heißt seines Kameraden Arendt Marke, die er vor zwei Jahren beim Länderkampf gegen Ungarn in Berlin schuf), kam er nie an den von ihm gesagten Magvaren heran; denn der schlug mit einer Zeit von 19:37,4 um mehr als 20 Meter vor unserem Meister ans Ziel, Anschluß an die Weltklasse Diese 19:37,4 bedeuten, daß Tatos ein Mann ist, der Anschluß an die Weltklasse der 1500=Meter=Schwimmer finden kann. Weder der Franzose Jean Taris in seiner Glanzzeit, noch der Deutsche Heinz Arendt, weder der Engländer Leivers in früherer Höchstform, noch der derzeitige Europameister Bsörn Borg aus Schweden haben auch nur annäbernd diese Leistung erreicht. Es hat nur einen Europäer gegeben, der sie vormachte: Arne Borg. Schwedens früherer Wunderschwimmer. Aber auch Freund Arne nur ein einziges Mal in seinem Leben— in jenem unvergeßlichen Rennen bei den Europameisterschaften 1927 in Bologna, in dem er aus Wut über zwei beim Wasservallspiel verlorene Zähne einen wunderbaren Weltrekord mit 19:07,2 schuf, einen Weltrekord, der elf Jahre lang bestanden hat und bis heute auch erst von einem einzigen Manne übertrossen worden ist, dem Japaner Amano, der 1938 unter 19 Minuten kam. Es gibt nur wenige Schwimmer in der Welt, die 1500 Meter schneller als in 19:37,4 schwimmen konnten und können. Die Japaner Kitamura, Makino, Terada, Utob und Amano, die Amerikaner Medica und Flanagan— da ist die Liste aber auch schon zu Ende. Arne Borg schwamm wir sagten es schon, nur einmal besser: denn schon ein Jahr später, in Amsterdam 1928, dolte er bei seinem olvmpischen 1500-Meter=Sieg nur eine Zeit von 19:51,8 heraus. Und mit 19:55,6 wurde Blörn Borg 1938 in London Europameister. Bsörn Borg war in diesen zwei Jahren Europas bester Mann der langen Strecke. Er ist es seit dem 21. Juli 1940 nicht mehr, und wenn er die Zeit des Ungarn Tatos bört, wird er wissen, daß er es auch nicht mehr werden kann; denn mir Taros ist eine neue, jüngere Generation aufmarschiert, die mit dem Irrglauben aufräumen wird, europäische Schwimmer müßten binter sapanischen und amerikanischen Spitzenkräften zurücksteben, könnten die 1500 Meter seit Arne Borgs Tagen nicht mehr unter 19:50 schwimmen. Werner Plath, und wer weiß wer sonst noch, werden mit ihm marschieren, Ungarns Schwimmervolk aber strahlt, und wir fühlen mit den alten Freunden und können ihren Stolz verstehen. Das den Budapester Schwimmländerkampf beschließende Wasser ball Freundschaftsspiel zwischen Deutschland und Ungarn wurde ebensalls von den Magyaren gewonnen, die diesmal mit 6:3(4:1) erfolgreich blieden. Die Tore erzielten Tarics(3), Bozai(2) und Szivos für Ungarn, Hettfeld, Schneider und Sternberger für Deutschland. Atterlee führt vor Wanniee und Ammerlee Die Drei Seen Wettfahrt auf dem Attersee, die am Montag ihren Anfang nahm und an der die Vertreter des Atter, Ammer= und Wannsees beteiligt sind, drachte am ersten Wettkampftag den ontmarkischen Seglern einen großen Erfolg. Attersee fuhr durch Ing. Auteried und Ing. Weizelbaumer einen ersten und dritten Platz heraus, Wannsees Vertreter, Teltow und Rosenberg, erkämpften sich die zweite und sechste Stelle, während die Ammersee Gegler, Dr. Cuern und Walter, mit dem vierten und fünften Play vorlieb nehmen mußten. In der Punktwertung führt der Attersee mit 16 Zählern überlegen vor Wannsee(8) und Ammersee(5). Im Conderbewerb für den desten Steuermann in Ing. Auteried mit 12 Punkten vor Teltow(7) und dem zweiten Oftmärker Weixel• baumer(4) zu finden. Weltdeutlche Iudererfolge in Hanau An der mit 17 Vereinen gut beschickten Hanauer Ruderregatta nahmen auch westdeutsche Ruderer tetl. Am erfolgreichsten war Westfalen Münster mit einem Sieg im Kriegs=Bentoren Vierer mit Steuermann vor dem Offenbacher RV. sowie einem zweiten Platz in einem zweiten Sentoren Viererrennnen mit Steuermann hinter Germania Homburg, aber vor Post Berlin. Den Kriegs SeniorenAchter gewann Rhenus Universität Bonn vor Hanau und Offenbach. Außerdem wurden die Bonner Zweiter im Junioren Achter hinter dem Offenbacher NV. Doppelerfolg der Gebrüder Strathmann Bei der Kann Regatta auf der Sieg bei Bergheim, mit der die Gebietsmeinerschaften der HJ. von Klln Nachen verbunden waren, kamen die Gebrüder Strathmann(Essen) zu zwei Siegen im Kajak Einer und Faltkaol Einer und wurden zusammen Zweiter im Fallboot Zweier hinter den Bergheimern Pees=Gronewald. Duisburger Amateurbozer in Dülleldorf Am Sonntagvormittag werden in Düsseldorf nach langer Pause wieder ein nal Amateurvoxkämpfe durchgeführt. Der Postsportverein, dem für die Veranstaltung wieder das Paulushaus zur Verfügung steht, hat eine Groß Dutsburger Auswahlmannschaft verpflichtet. Die Hotel Reichspost-Reichshof mit der bekannten„Poststube“ Kämpfe versprechen sehr interessant zu werden, zumal das Programm u. a. die Begegnungen Rothweiler(Bost) gegen Stieselhagen Dutsburg) im Federgewicht, Bracht(Post) gegen Franz(Duisburg) im Wettergewicht, Bongartz(Post) gegen Wildtraut(Dutsburg) im Schwergewicht und Nellus(Hentel) gegen Ludwig(Duisburg) im Jugend Schwergewicht bringt. Beim Wuppertaler Freilustboxen wurde der starke Weltergewichtler Fiedler überraschend von Poweleit nach Punkten geschlagen. Auch Bereichs meister Steuder erlitt im Bantamgewicht durch Becker II eine unerwartete Punttniederlage. Federgewichtsmeister Graas(Berlin) stellte sich in Hildesheim vor und schlug hier den Hannoveraner Kay sicher nach Punkten. * Amateur-Boxländerkampf Deutichland gegen Ungarn am 7. September Der nächste Amateur Boxlanderkampf zwischen Deutschland und Ungarn wird am 7. Geptemder in Budapest durchgeführt. Diese Veranstaltung sonl zugleich der sportliche Ausklang der Beratungen des Vollzugsausschusses des Internationalen Amateurdoxverdandes 738A.) in der ungartschen Hauptstadt sein. Gleichzeitig hat Rumänien den Wunsch geäußert, im Anschluß an den Budapester Länderkampf die deutsche Nationalstafsel in Butarest begrüßen zu können, jedoch sind die Verhandlungen für dieses erste Boxländertreisen zwischen Deutschland und Rumänien noch nicht abgeschlossen. In Budapest soll die gleiche deutsche Mannschaft antreten, die am 4. August in Klagenfurt gegen die Slowakei voxt. Der Nachwuchs fuhr in Dülken Der für die deutschen Jugendmeisterschaften in Erfurt auserwähl. ten 9J.=Fahrer aus dem Gebiet 34(Dusseldor!) stellten sich noch einmal auf der Bahn in Dülken vor, wo sie mit recht guten Leistungen auswarteten. Jedensalls hat die Vorprüfung gezeigt, daß die Nach wuchskräfte aus dem Geviet Dusseldorf in Erfurt Aussichten geltend machen können. An den Meisterschaften nehmen nunmehr aus dem Gebiet 34 tell:„Der erste Schritt": Bescht(Dülken), Zimmermann Rheydt), Jacobe(Rheindahlen), Kamphausen(Rheydt), Kleinhaus Dülten) und Reisges(Krefeld); 1000 Meter Mai= und 1000 MeterZeitfahren: Kleinhaus(Dulkon): Mehrsitzerfahren: Kleinhaus Hölzer Dütten M. Gladbach); 4000 Meter Mannschaftsfahren: Kleinhaus (Dulken), Hölzer(M. Gladbach), Hermanns(M.Gladbach) und Vin macher(Solingen): Straßenrennen: Plümacher(Solingen), Greites (Viersen und Steinbergs(Kreseld): Vierer Mannschaftsfahren auf der Straße: Steinbergs(Krefeld), Greites(Biersen), Hermans(M. Gladbach), Teuven(M. Gladbach) und Beckmann(M. Gladbach): Einer=Kunstsahren: Scheifer(Wickrath); Zweier Kunstfahren: JansenManegres(Schiesbahn). Weltbild Lächelnd schießt Kalwitzki über den tallenden Kreß hinweg das einzige Tor des Tages, das Schalke zum fünften Male den Titel des deutschen Fußballmeisters sicherte. Meister Schalke kehrte heim Eigenbericht des Mittag Gelsenkirchen, 23. Juli. Diesmal gad es kein Volksfest am Schal ker Markt, es gav keinen Fackelzug in den Straßen und kein blau weißes Fahnenmeer, aber es gav dennoch einen würdigen Empfang für Schalle 04, den Sieger von Berlin. Schon als der Zug ins westsälische Land einfuhr, standen Hunderte von Menschen in den Dörsern, winkten Arbetter von den an der Strecke liegenden Zechen, Kinder an den Straßen den durchreisenden Schaltern zu. Wie ein Lauffeuer hatte es sich rundgesprochen, mit welchem Zuge die Mannschaft heimkehren würde. In Dortmund ließ die Stadtverwaltung einen Blumenstrauß überreichen. In Wanne=Gickel wurde Schalte 04 von der Kreisleitung empfangen. Hier war auch die Eisenbahnfahrt zu Ende, in Kraftwagen ging es nach Gelsenkirchen; we im großen, prachtvoll ausgeschmückten Saoie des Hans Sachs Hauses der offizielle Empfang war. Saal und Goserten waren übervoll besetzt. Am langen Tisch sah man Spieler und Ehrengäste mit der Vereinsführung zusammen. Zuerst sprach Kreisleiter Scholdra:„Jungens, ic oin stolz auf euch!“ war der Tenor seiner Ansprache, und mit diesem Satz hatte er auch schon am Sonntag telegraphisch seine Glückwünsche und die der Stadt Gelsenkirchen, des Kreises und des gesamten Gaues Westfalen Nord nach Berlin gedrahtet. Im Auftrage des Gauleiters war der Schayzmeister des Gaues erschienen, um dessen Glückwunsch zu überbringen. Persönlich winl der Gauletter der Mannschaft in Münster noch seine Anerkennung aussprechen. Oberbürgermeister Böhmer von Gelsenkirchen, der mit in Berlin war, sand treffliche Worte für den berühmten Verein und seine große Mannschaft. Als dann Kreisletter Scholdra dem Mannschaftsführer Ernst Kuzorra einen Str auß prachtvoller Rosen überreicht hatte, dankte der Vereinsführer Pineck allen für die Anerkennung und den wunderbaren Empfang, den man ihnen bereitet hatte.„Der leere Platz bei Mutter Thiemeyer, dort, wo die Vittoria gestanden hatte, kam uns unmöglich vor. Gie muß unbedingt wieder dahin, haben wir uns gesagt, na, und nun wird sie wieder ihren Einzug dort halten, nur daß halt noch ein Meisterschildchen mehr dran IR, auf dem der Name„Schalke 04“ stehen wird“, sagte er unter dem begetsterten Beisaul aller Anwesenden. Einen besonderen Höhepunkt der festlichen Stunde bildete der Glückwunsch des alten Rivalen Fortuna Düsseldorf, überbracht durch den Geschaftsführer Körser, der die gerade von der Fortuna richtig eingeschätzte und gewürdig.e Leistung des Meisters hervorhob und in: Namen seines Vereins eine schöne Statue eines Bergmannes überreichte, symbolhast den meisterlichen„Knappen“ gewidmet. Diese seine Geste der Fortuna sand auhaltenden Beisall im ganzen Saal. Bei mustkalischen Darbietungen und persönlicher Unterhaltung folgte dem noch ein kurzes gemütliches Zusammensein, ehe die Spieler sich hten N zur wohlverdich kuhe zurückzogen. Tennis-Vergleichskampf Oltmark gegen Brandenburg 2:1 In Pörtschach am Wörthersee wurde am Sonntag im Rahmen des Tennisturniers der Vergleichskampf zwischen Ostmark und BerlinBrandenburg begonnen. Das erste Einzel gewann Rois Göpfert leicht mit=:2, 6:3, 246, 6:1 gegen den spielerisch weit unterlegenen Wiener Benedet. Im Gemischten Doppel war das Wiener Paar Hilde WalterDoleschell von Metaxa über die Berliner Lorc Guren=Ferdinand Genkel mit 6:2, 6:3 klar überlegen. Der Vergleichskampf, der insgesamt 14 Begegnungen umsaßzt, wobei an jedem Tage zwei Spiele ausgetragen werden, steht somit 1:1. Der zweite Spieltag am Montag brachte die Ostmärker 2:1 in Führung. Im Frauendoppel lieferten die Wienerinnen Dollesche Grov gegen von Rosenow Buren eine ganz ausgezeichnete Partie und gewannen überlegen 6:4, 6:0. Hart wurde im Mannereinzel zwischen dem Brandenburger Ferdinand Henkel und v. Metaxa um den Sieg gestritten. Der Wiener kam nur sehr schwer in Fahrt und verlor die beiden erken Säue 6.0, 6:4. Spater sand v. Metaxa zur gewoynten Form zurück und entschied die nächsten Spiele 2:6, 5:7 für sich. Der entscheidende Satz wurde beim Stande 1:1 abge brochen. Syrings 10.000-Meter-Rekord ichon anerkannt Das Reichsfachamt Leichtathletik hat den von Max Syring Wittenberg) am 13. Juli gelaufenen 10 000 Meter Rekord bereits anerkannt. Die Zeit des neuen Retordes ist jedoch nicht 30:06,8, sondern 30:06,6 Minuten, also noch zwei Zehntelsekunden besser. Das Kampfgericht in Jena hatte die von einer der drei Uhren gestoppte schlechteste Zeit als neuen Rekord verkündet. während den Bestimmungen nach die mittlere Zeit zu gelten hat. Und diese betrug 30:06,6 Minuten, so daß dies also neuer deutscher Retord ist. Gewichtsheberweltmeilter Wägner tritt ab Der deutsche Mittelgewichtsweltmeister in Gewichtheden,#volf Wagner(Essen), hat seine sportliche Lausbahn deendet. Wagner leidet an einer alten Knieverletzung, die sich in den letzten Wochen so sark verschkimmerte, daß er auch für die Zulunft auf die Aus. übung seines Svorts verzichten muß. Mit Wagner verliett die deutsche Schwerathictik eine tüchtige Stünze. Wagner gewann 1938 in Wien die Weltmeisterschaft und gehörte neden Ismayr lange zu den Besten seiner Klasse. Wie hoch sein Können auch im Auslande geschätzt wird, beweist, daß er wiederholt als Amateurtrainer derusen wurde. Kurze Sportnotizen Die Frauen des SCC. führen in der Vereinsmeisterschaft von Berlin=Brandenburg mit 503,75 Punkten vo. dem Deutschen OSC. mit 415, Berliner Turnerschaft mit 380 und Berliner SC. mit 376,5 Punkten. Blau=Weiß Berlin gewann in Magdeburg den Tennis=Clubkamp“ gegen Grün=Roi Magdeburg mit 12:4 Punkten, 25:15 Sätzen und 217:176 Spielen. Die Hamburger Frauen von der Turnerschaft von 1816 kamen beim zweiten Versuch zur deutschen Vereinsmeisterschaft auf 476,5 Punkte und haben sich damit an die zweite Stelle hinter den aCC. Bei den finnischen Sportspielen trat am Haupttag Taisto Mali über 800 Meter an, konnte sich hier aber nicht durchsetzen. Die besten Leistungen boten die Speerwerfer, von denen Matti Järvinen mit 75,64 Meter von Nikkanen mit 71,44 Meter zum Siege kam. Der Große deutsche Traberpreis, eine Zuchtprüsung im Werte von 18000 RM., wurde in Hamburg von Holsate mit J. Schmidhuber vor Epilog und Peter von Meldorf gewonnen. Kroatiens Tenntsspieler gewannen in Agram den Länderkamp# gegen Ungarn mit 3:2 Punkten. Die Überraschung des letzten Tages war der 6:0, 6:4, 6:1=Bieg des Ungarn Asvoth über den starken Franio Puncec Das 0J.=Gebiet Westsalen blieb beim Kasseler Gruppenturnter in den Ausscheidungsspielen für Breslau sowohl im Fußball als auch im Handball und Hockey ohne Erfolg. Versäumen Sie nicht... die Bezugsgebühren für den Monat August rechtzeitig zu bezahlen. Die Post hat bereits mit dem Einzug der Bezugsgebühren begonnen. Rechtzeitige Zahlung sichert pünktliche Zustellung und erspart Ihnen Kosten und Arger. Verlag des„Mittag“ 18. Fortsetzung 23. Recht kleinmütig kehrte Rita nach Berlin zurück. Sie war nach Strelitz und von dort in einem gemieteten Wagen nach dem kleinen Landgut gefahren, das sich der ehemalige Diener Wiercinskis, Hofmann, gekauft hatte. Der alte Mann mit dem faltigen Domestikengesicht und den lauernden, unruhigen Augen unter fast haarlosen Brauenwülsten, der auch eine für seine bescheidenen Bedürfnisse gute Rente aus der Angestelltenversicherung bezog und somit die Rosenzucht als Nebenverdienst betrachten konnte, hatte Rita brüsk hinausgewiesen, als sie ihm ihr Anliegen vortrug, seine Aussage schon in Anbetracht seiner vorgerückten Jahre und des nahen Lebensendes zu widerrufen, um Walter wenigstens eine Rückkehr in die Heimat zu ermöglichen. „Ich glaube, Sie halten mich für verrückt, he?“ hatte er gerufen.„Soweit sind wir noch nicht, daß wir uns auf unsere alten Tage noch selbst als meineidig bezichtigen und dafür ins Zuchthaus setzen lassen... soweit noch lange nicht, merken Sie sich das. Und was mein Lebensende anbelangt, so hoffe ich, daß dies noch nicht so nahe ist, als Sie dies mir aus begreiflichen Motiven glauben machen möchten... Lassen Sie sich nicht mehr hier blicken, sonst hetze ich den Hund auf Sie... Sie— Verbrecherliebchen!“ Was sollte sie bloß noch beginnen? Zu Kasper fahren, der im Thüringer Wald eine Ausflugschenke, und neben einer Tankstelle auch noch eine Autoreparaturwerkstätte betrieb? Es würde ihr nicht besser ergehen, vielleicht noch viel schlimmer. Aber es mußte doch etwas geschehen. Walter konnte unmöglich so weiter in der Welt umhergehetzt werden. Vielleicht war es das beste, wenn sie ihn wiedergefunden hatte, ihm den Vorschlag zu machen, zusammen nach einem Staat auszuwandern, der nicht ausliefert. Mit ihrem Geld und Walters Tüchtigkeit als Maschineningenieur mußte sich dort schon eine Existenz aufbauen lassen. Wie aber, wenn sie ihn nicht wiederfand... wenn er überhaupt nicht in Deutschland, und seine Mutter irgendwo anders hingefahren war als zu ihrem Sohn? Für eine Sekunde tauchte das ernst=heitere Gesicht Doktor Storks vor Rita auf, wie wenn es sagen wolle: dann komm zu mir. Da hielt der Zug, und Rita nahm einen Wagen zur Pension in der Bernburger Straße. Als sie die Tür aufschloß, trat ihr Frau von Langenhain mit freundlichem Lächeln entgegen. „Das war ja eine Überraschung, Rita, bei meiner Rückkehr zu hören, daß du hier wohnst.“ „Und ich bin noch glücklicher, Ihrem strahlenden Gesicht anzusehen, daß Sie bei Walter waren“, sagte Rita mit schnellem Atem, die Hände der immer noch schönen, weißhaarigen Frau drückend, die aber leise einen Finger auf ihre Lippen legte und flüsterte: „Nicht, Kind... die Wände haben Ohren... Komm, lege ab, und dann trinken wir erst einmal gemütlich Kassee.“ Frau von Langenhain schickte, als alles gerichtet war, die beiden Mädchen fort, und sagte dann, einschenkend: „Zunächst dürfte es dich interessieren, daß Wiercinski... Aber entschuldige, bitte, du weißt ja gar nicht, welche Rolle er noch im Leben Walters gespielt hat.“ „Doch, Frau von Langenhain, ich weiß alles. Ich war sogar bei ihm und habe ihn zur Rede gestellt; denn ich bin doch lediglich hier, um Walter zu rehabilitieren, ihm wenigstens dabei zu helfen.“ „Und du hast nicht einmal Ahnung, wo er sich aufhält?“ „Nein... ich hoffe aber, es von Ihnen zu erfahren.“ „Also mal schön der Reihe nach... nimmst du Apfeloder Buttertorte?“ „Es ist mir ganz gleich... viel wichtiger—“ „Erlaube, Essen und Trinken ist vielleicht noch wichtiger; denn ohne dies geht das andere nicht, und Walter vergißt es auch nicht, liedes Kind... Er erzählte mir übrigens von euter zufälligen Begegnung in New York und von deiner glücklichen Position. Infolge der plötzlichen Abreise habe er dir nur noch den Blumenstrauß schicken können, aber er hoffe, dir recht bald auch schreiben zu können... Also scheint es dir doch recht gut gegangen zu sein.“ „Außerlich ja, aber innerlich— nein... Es war mir, wie wenn auf einmal eine unendlich graue Wolkendecke zerreißt and die Sonne durchbricht, als ich Walter sah.“ Frau von Langenhain lächelte.„Ich kann es dir nachfühlen, Rita, mir ist es früher mal nicht anders gegangen. Aber man sieht daran doch immer wieder, daß wir nicht für uns in der Welt herumlaufen, sondern daß da ein Schicksal ist, das unsere Wege genau festgelegt hat und weiß, wann sie sich wieder zu kreuzen haben.“ „Ja, es ist wirklich sonderbar.“ „Doch nun zu Wiercinski. Er hat einen Schlaganfall erlitten, wie ich heute morgen hörte, und liegt im Spital des Westens.“ Rita wurde blaß.„Mein Gott", flüsterte sie erschrocken, „wenn er stirbt, ist alles verloren.“ „Ich sehe nicht so pessimistisch, mein Kind; denn wie mir Walter sagte, hat er bereits Schritte unternommen, um die Helfershelfer zur Strecke zu bringen und damit die Hauptmachtstellung Wiercinskis gewissermaßen von der Flanke her anzugreifen und aufzurollen.“ „Wie will er dies, fertigbringen?" fragte Rita verzweifelnd. „In etwa acht Tagen werden drei auf absolutes Schweigen verpflichtete hervorragende amerikanische Detektive hier ein, die nach ganz gewissen und tausendfach bewährten Methoden die Sünder dazu bringen sollen, wider Willen zu schwatzen. Der Erfolg könne sich rasch einstellen, aber es sei auch möglich, daß einige Wochen darüber vergingen. Natürlich sprächen die Leute gut deutsch. Es seien geriebene Füchse, die schon mit schwierigeren Fällen fertig geworden wären. Sie erhielten ihr verlangtes Honorar auch nur im Erfolgsfalle, und wären vom Ehrgeiz beseelt, schon der eigenen Reklame halber zu siegen.“ Rita war nachdenklich geworden. Sie hatte schon von diesen„Fallenstellern", wie die Spezialdetektive drüben genannt wurden, gelesen, und sie wurde sich plötzlich ihrer Einfalt und kindlichen Ungeschicklichkeit bewußt, mit der sie geglaubt hatte, die Festung Wiercinski zu Fall bringen zu können. Ja, so konnte es nur gehen, die Schlauen mußten durch noch Schlauete bekämpft werden, und dafür waren die „Fallensteller“ richtig. In die Augen Ritas trat wieder Hoffnungsglanz, dann aber sagte sie unsicher: „Aber das kostet doch eine Unmenge Geld!"„ „Walter erzählte mir etwas von hunderttausend Dollar.“ „Hunderttausend... Wie kommt er denn zu dem vielen Geld?“ „Er wohnt in St. Moritz, Grand=Hotel, und wartet dort das Eintreffen der Detektive ab. Woher er das Geld hat, konnte ich nicht genau von ihm erfahren, aber er beteuerte, daß es eine einwandfreie Bewandtnis damit habe. Nur so viel glaube ich aus einer unbedachten Außerung entnehmen zu dürfen, daß eine reiche Dame, wahrscheinlich eine ältere, exzentrische Amerikanerin, ihm das Geld zur Verfügung gestellt hat... eine Miß oder Mrs. Kennywood, oder so# ähnlich... Was hast du denn, Kind?“ Frau von Langenhain war aufgesprungen und lief um den Tisch herum. Sie kam gerade noch rechtzeitig, um die ohnmächtig gewordene Rita vor dem Sturz auf den Boden zu bewahren II. Teil 24. Professor Holwein, ein wohlgenährtes Männchen mit silbergrauem Künstlerhaat und raschen Bewegungen, erhob sich vom Stuhl neben dem Bett Wiercinskis, dessen linke Gesichtshälfte unruhig zuckte, während die andere in maskenhafter Starre verharrte, und wandte sich der Frau zu, die am offenen Fenster lehnte. „Wir können ganz unbesorgt sein. Erste Voraussetzung einer Wiederherstellung ist natürlich, daß Herrn Wiereinski jede Aufregung erspart bleibt.“ Er nickte noch einmal ermunternd und sauste dann mit wehendem Besuchskittel an seinen Assistenten vorüber, hinaus. Die Frau, eine große, elegante Erscheinung von tadellosem Wuchs und ebenso kohlschwarzen Haaren wie Augen, wartete, bis der Professor mit seinem Gefolge auf dem Kiesweg des Hospitalgartens sichtbar wurde, lächelte dem über und über rot gewordenen langen Assistenten noch einmal verstohlen zu und trat dann langsam neben Wiercinski. Gewaltsam das eben noch verführerische Lächeln soweit beibehaltend, daß es wie liebevolle Zuneigung aussah, strich sie dem Halbgelähmten unter sichtlichem Zwang über den Kopf. „Hast du gehört, Franz?“ sagte sie mit tiefer, gutturaler Stimme,„nicht aufregen darfst du dich.“ „Ja, ja“, lallte Wiercinski,„ja, ja. Mischi.“ Mischi, vor acht Monaten noch als temperamentvolle „Zigeunerin“ hinter der Bartheke eines intimen Berliner Nachtlokals die abenteuerlustigen Gäste mit gewagten Koketterien unterhaltend, und jetzt„Frau" des Fabrikanten Wiercinski, ließ sich jetzt in den Korbsessel nieder, schlug die klassisch geformten Beine übereinander und zündete eine Zigarette an. Dann sagte sie:. „Auf deinem Schreibtisch lag der ausgefüllte Besuchszettel einer gewissen Rita vom Heiden aus Boppard am Rhein. Hatte dich die— Unterredung mit ihr so aufgeregt?“ Sie beobachtete dabei durch den Rauch das Gesicht Wiercinskis, der das linke Auge zusammenkniff und hastig erwiderte:„Nein, nein.“ „Soso, ich dachte nur“, sagte sie harmlos.„... Aber hör mal— bitte, verstehe mich recht, ich meine es nur der Ordnung halber und weil das einfach Pflicht eines jeden Menschen ist, mag er auch noch so gesund sein—, hast du schon mal daran gedacht, ein Testament zu machen?“ „Nein, noch nicht.“. „Das ist aber leichtsinnig, Franz. Schau mich mal an, ich bin fast zwanzig Jahre jünger als du. habe gewiß nicht viel zu hinterlassen, aber mein Testament liegt schon lange beim Notar. Es gehört sich einfach so, denk doch mal darüber, nach. Lieber.“ „Ja, ja— Mischi.“ „Schließlich bin ich doch auch deine Frau, Franz, wenn auch nicht gesetzlich, weil ich dich nicht dazu drängen wollte. Ich habe deinethalben und auf deinen Wunsch hin meine einträgliche Position im„Nachtfalter“ aufgegeben. Nehmen wir nun einmal an, daß du auf deinen vielen Autofahrten oder Flugzeugreisen verunglücken würdest, was wir nicht hoffen wollen,— und dann? Dann sitze ich da und kann sehen wie ich fertig werde. Eine Rückkehr in den„Nachtfalter“ wäre kaum mehr möglich. Mein Platz hinter der Bartheke ist inzwischen neu besetzt worden, und darauf warten, bis er wieder frei wird, da kann ich alt und grau werden.“ „Ja, ja. Mischi, verstehe.“ „Na, dann ist es gut, Franz, und wir werden gelegentlich das Versäumte nachholen, es eilt ja nicht gerade, aber immerhin, man soll das nicht zu lange hinauszögern.“ „Ja, Mischi“, stimmte Wiercinski mit verstecktem, boshaftem Lächeln der noch lehendigen linken Gesichtshälfte zu. „(Fortsetzung folgt) DIE SCHIAUBUHNE IN HRIEGE IM SCHUTZE DES WESTWALLS ERFULLEN DEUTSCHETHEATER VORBILDLICH IHRE AUFGABE Schauspiel=Rückblick II. Uraufführungen Wenn das zeitgenössische Stück auch gegenüber den Klassikern in der Kriegsspielzeit zurücktrat, ergab sich doch noch eine recht beachtliche Reihe von Schauspiel=Uraufführungen. War unter ihnen auch kein Werk, von dem man berichten könnte, es leitete einen neuen dramatischen Stil ein oder es sei eine entscheidende Probe oder ein Auftakt einer Zukunft versprechenden dichterischen Begabung oder Entwicklung, so beweist doch die Zahl der Uraufführungen, daß die Einsatzbereitschaft der Bühnen im westdeutschen Raum für den jungen oder lebenden Dramatiker und Bühnenautor unter den veränderten Zeitumständen ebenfalls vorhanden war. Die Uraufführungen brachten auch einige Klarstellungen. Daß zum Beispiel junge Dramatiker wie Geora Basner mit seinem in Düsseldorf uraufgeführten„Der Todfeind Flanderns“ oder Joachim Haecker mit seiner in Bochum uraufgeführten mittelalterlichen Rattenfängerlegende„Die Stadt“ so stark von der ihnen zunächst so wichtigen ideenhaften Konzeption ihrer Schauspiele erfüllt sind, daß ihnen hierbei der Weg zu wirklich charakterisierten, substantiellen Bühnenfiguren, Rollen, „Menschen“ des Dramas, einstweilen noch nicht geöffnet ist und die Vorgänge und Figuren an ihrem„Symbolwert“ leiden. Eine Klarstellung anderer Art ergab die Uraufführung der Komödie„Der teure Tanz“ von Ernst Bacmeister in Düsseldorf. Nämlich, daß die philosophisch unterbaute Heiterkeit dieser Komödie ein fröhliches Mitgehen des Publikums nicht ausschließt und diese nach Spanien verlegte Auseinandersetzung zwischen dem Geist und dem Geld in ihrer fein gefaßten Verssprache im Spielplan deutscher Bühnen genau so ihren festen Platz einnehmen könnte wie Nachdichtungen des Calderon oder Lope de Vega. Zumal es ein 60jähriger deutscher Dichter ist, der um den Stil seiner Werke mit großer Verantwortung vor dem Zusammenklang von Wort und Inhalt besorgt war. Hermann Bredehöfts„Schmettaus Fall“ in M.=Gladbach=Rheydt erwies sich als interessante Darstellung soldatischer Pflicht gegen sich selbst, die gleichwohl als Novelle ein stärkerer Einfall denn als Stück war, die beiden historischen Schauspiele„Gustaf Wasa“ von Hinze Ullerich und„Günstlinge“ von Alfred Möller in Dortmund waren ein Wiederaufgreifen schon einmal konzentrierter behandelter Motive aus der schwedischen und russischen Geschichte, während P. I. Cremers„Rheinlandtragödie“, ebenfalls in Dortmund, die verspätete Sichtbarmachung gewisser von einem Schriftsteller der Zeit schon vor Jahren im Zusammenhang erschauter und sinnbildlich erweiterter Tatsachen aus der Separatistenzeit waren. Unter den Komödien finden wir die ausgesprochene Satire auf englische Willkür unter Heinrich VIll. in Max Christian Feilers in Düsseldorf uraufgeführter Komödie „Seine sechste Frau“, die ganz den Stil der leichten närrischen Burleske einhält und Heinz Scharpfs unterhaltsames Lustpiel„Fasanenjagd um Mitternacht“ in M.=Gladbach=Rheydt, was nur so tut, als sei es eine Parodie auf die Beliebtheit recht exotischer Kriminalstücke. Leicht satirisch waren auch die beiden uraufgeführten Komödien„Die Globus A.=G. zeigt ein Künstlerleben“, eine Satire auf die Welt des Films, in Bielefeld, und„Der Hut“, in Münster, des Berliner Schaupielers Axel von Ambesser, von Ironie auf die politischen Umstürzler des Vormärz und Jahres 1830 in Wien das Lustspiel„Theres und die Hoheit“ von Walter Erich Schäfer in Düsseldorf und auf die Gesinnungslosigkeit und Wetterwendigkeit von Auch=Politikern Robert Jordans„Wetterfahnen“ am Rheinischen Landestheater Neuß. Reizvolle Erweckungen bisher übersehener kleiner Köstlichkeiten auf dem Gebiet älterer Komödien waren das einaktige Lustspiel der Annette von Droste=Hülshoff,„Dichter, Verleger, Blaustrümpfe“. in Bielefeld und von Goldouis„Liebeshändel in Chiozza“. am Stadttheater Düren; eine Überraschung auf dem Gebiet der in Deutschland selten gewordenen Einakter=Zyklen die menschlich reizvoll belichteten Kurzkomödien von F. W. Hoboiken„Dreimal Liebe“ in den Kammerspielen von Münster. Dazu noch der dramatische Versuch„Ikarus“ von Hans Joachim in Wuppertal, das niederdeutsche Schauspiel„De Brügge“ in Münster, und das aus dem Lokalkolorit heraus sicher beobachtete rheinische Düsseldorfer Volksstück„Der Mehlbüdel“ von Hans Müller=Schlösser im Schauspielhaus Düsseldorf. Spielplanentwicklungen Nicht die Größe oder der technische Apparat eines Theaters ist entscheidend, sondern allein die Qualität seiner Leistung. Eine darstellerisch und dramaturgisch einwandfrei und sicher durchgearbeitete Aufführung einer kleinen Bühne ist genau so viel wert und genau so aufschlußreich wie die einer größeren Bühne. Für uns entscheidet dabei auch nicht der Gagenetat der betreffenden Mitglieder, sondern einzig ihre Leistung innerhalb des Gesamtbildes der Aufführung. Wenn wir hier schon einmal hier und da Vergleiche ziehen. dann gewiß nicht über die Theater der westdeutschen Städte an sich, damit diese sich dann eventuell eine von uns nie beabsichtigte Rivalität— obwohl gesunde Rivalität künstlerisch immer nur fruchtbar ist— der Bewertung herauslesen, sondern einzig und allein über die zum Ausdruck gekommene künstlerische Intensität verschiedener Aufführungen, womöglich von demselben Stück. Wir wissen auch, daß oft Verhältnisse ganz verschiedener Art auf eine starke Aufführung eine schwächere folgen lassen können. Wir sind auch weit davon entfernt, Spielleitern Überraschungsgrade dieser Art nachzurechnen, nur das Publikum mag wissen, daß es aus vielerlei Gründen keine festzulegenden Erwartungen bei Inszenierungsergebnissen gibt und daß es nicht gleich undankbar sein soll, wenn eine Premiere einmal ganz gegen seine Erwartung ausgefallen ist. Bereits die dritte Aufführung kann dann oft schon völlig anders sein und das Ideal eines wirklich guten und eingespielten Theaters ist immer, daß die Vorstellungen, je mehr sie eingespielt werden, reisen. Wenn wir hier also gewisse Maßstäbe feststellen und gewisse Ergebnisse, so interessiert uns dabei nur die Entwicklungslinie der Spielzeit in den betreffenden Theatern als solche. Die Schauspielbühnen Wir beginnen mit den selbständigen Schauspielbühnen. Was das Arbeitstempo, das kulturelle„Gewissen“ und die Disposition des Spielplans anlangt, so steht hier Bochum an erster Stelle. Neben der ausführlichen Vorbereitung großer, schwerer, personenreicher Werke hat diese Bühne stets noch Zeit gefunden, eine Komödie, ein nicht so personenreiches Schauspiel von dichterischer Qualität dazwischen zu schieden. Die Probeneinteilung ist hier ebenso genau wie das umfangreiche Personal wirklich genutzt. Man hat hier seine Ideen für gewisse Zusammenfassungen, die das„Kultische" des Theaters betonen und dem Publikum Stützpunkte für sein Interesse bieten und die nun seit Jahren gut eingeführt sind. So bot man einen„Heldischen Zyklus“, in den man das über fünf Stunden lange Schauspiel„Friedrich der Große“ 1. und 2. Teil von Hermann von Bötticher, Friedrich Bethges„Nebellion um Preußen“ und Gerhart Hauptmanns„Florian Gever“ hineinspannte, zu dem auch noch sinngemäß vielleicht Edgar Kahns Schauspiel„Oberst Vittorio Rossi“ gerechnet werden darf. Hatte Saladin Schmitt bei zwei von diesen Werken selbst die Spielleitung übernommen, so fügte er seiner Regiearbeit in dieser Spielzeit noch die Neuaufführung der„Minna von Barnhelm", unter besonderer Einbeziehung der Charakte= risierung des Milieus des Gasthofes, die Neuinszenierung von Goethes„Iphigenie“ und Shakespeares„Ein Sommer= nachtstraum“(in einer großzügig festlichen und stark von Musik durchzogenen Form) und die Erstaufführung von Grabbes„Don Juan und Faust“ hinzu. Wir können hier nur andeuten, daß in diesem Spielplan, der auf Dauthendeys„Spielereien einer Kaiserin", Halbes„Jugend“, auf den einen Gerhart=Hauptmann=Abend einen anderen mit „Elga“ und Sudermanns neuaufgewärmter„Teja“, folgen und Grillparzer mit„Des Meeres und der Liebe Wellen“ (und damit die darstellerische Jugend der Bühne) zu Wort kommen ließ, auch noch fortgesetzt Platz für eine Reihe mit guter Spiellaune bewältigter Komödien und Lustspiele lieb, darunter Bahrs„Konzert“, Zinns„Die gute Sieben“, Hauptmanns„Biberpelz", Lenz'„Heimliche Brautfahrt" und die Uraufführung des ganz auf den Reiz des Dialogs und der Unterhaltung beruhenden echten Lusttspiels von Otto Ernst Hesse„Sommerfrische". Als Spielleiter trat Walter Thomas teils mit komödiantisch inszenierten Abenden, wie dem vom„Triumph des Tobias",„Das neun#acige„Mädchen“ und„Heimliche Brautfahrt“, und der ierung der„Stadt"(stark expressiv, in Anlehnung an den aus dem Dunkel heraus skizzierten Nachtstücke=Stil Bochums) neben den bisher bewährten Spielleitern Viktor Ahlers und Ernst Holznagel stärker in Erscheinung. (Fortsetzung folgt.) Anreger der Freilichtmalerei Gerade vor hundert Jahren starb unerkannt und kaum noch beachtet in Berlin der Maler Karl Blechen. In Kottbus in der Lausitz geboren, quälte er sich in jungen Jahren eine Zeitlang mit der Kaufmannschaft, für die er aber auch nicht die geringste Begabung hatte. Der große Baumeister Preußens, Karl Friedrich Schinkel, erkannte als erster die zeichnerische Veranlagung Blechens und beschäftigte ihn als Theatermaler. Eine Zeitlang lebte der junge Künstler dann in Dresden, wo besonders die Bilder des damals noch wenig bekannten Kaspar David Friedrich einen starken Eindruck auf ihn machten. Ein vierjähriger Aufenthalt in Italien wirkte dann weiter anregend auf Blechen und weckte den Künstler in ihm zu voller Entfaltung. Seine Bilder nach der Natur wie das Palmenhaus auf der Pfaueninsel bei Potsdam oder das Walzwerk bei Eberswalde fanden aber wohl den Beifall einiger Kenner, und Bettina von Arnim, die Entdeckerin geistiger Größen, äußerte sich geradezu begeistert von ihnen. Doch die große Menge verhielt sich gleichgültig gegen ihn. Und Käufer seiner Bilder fand er erst recht nicht. So versank Blechen, obwohl man ihn zum Professor der Berliner Akademie gemacht hatte, immer mehr in Schwermut und Lebensüberdruß. Er endete schließlich in einer unheilbaren Gemütserkrankung, die ihn in verhältnismäßig jungen Jahren erlöschen ließ. Heute gilt dieser zarte, feinnervige Künstler als Vater und Vorläufer der Freilichtmalerei. Und die Kunstgeschichte bewahrt seinen Namen als den eines unserer besten Meister zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Krefelds Stadttheater in den Riederlanden Das Krefelder Stadttheater leistete in der vorigen Woche einer Einladung des Reichskommissars für die besetzten niederländischen Gebiete, Reichsminister Sepß=Inquart, zu einer Gastspielreise durch die Niederlande Folge. Die erste stellung sand am Mittwoch im Gebäude für Kunst und Wissenschaft im Haag statt, wo vor über 2000 Soldaten aller Waffengattungen die Straußsche„Fledermaus“ zur Aufführung kam. Die musikalische Leitung hatte der Städtische Musikdirektor Richter=Reichhelm. In dem vorzüglichen Nahmen eines modernen Theaters trug die Vorstellung einen großen. repräsentativen Charakter, da sie die kulturelle Betreuung unserer Soldaten in den Niederlanden eröffnete. Der Aufführung wohnten neben hohen und höchsten Offizieren auch der Wehrmachtbefehlshaber in den Niederlanden, General der Flieger Christiansen, sowie Reichominister Seyß=Inquart und Oberbürgermeister Dr. Heuung(Krefeld) bei. Die Krefelder Theaterexpedition startete am Donnerstag nach Amsterdam, wo im Stadttheater vor rund 1500 Besuchern die zweite Aufführung stattsand. Auch dieser Vorstellung wohnte General Christiansen neben zahlreichen Soldaten und Mitgliedern der Deutschen Kolonie bei. Die musikalische Leitung hatte Kapellmeister Bungart. Die dritte und letzte Vorstellung fand Freitag abend in Herzogen busch statt, wo wieder rund 1500 Soldaten die Darsteller mit Beifall überschütteten. Zahlreiche Anfragen wegen weiterer Gastspiele beweisen den großen Erfolg des Krefelder Theaters, das als erste deutsche Bühne in den Niederlanden pielte. Die gesamte Gastspielreise wurde vom Reichsbeauftragten für die kulturelle Betreuung der Wehrmacht in den Niederlanden, Pg. Hoßfeld, durchgeführt. Kunst am Riederrhein VI. Unsere Serie„Kunst am Niederrhein ist nicht jenen Denkmälern gewidmet, die, wie der Kölner oder der Tantener Dom, längst über Westdeutschland hinaus in das Bewußtsein der Nation gedrungen sind. Ebensowenig will sie aber„Neuentdeckungen“ provagieren. Sie will lediglich versuchen, mit ausgewählten Stücken sowohl das für den niederrheinischen Kulturraum Typische wie einige Sondererscheinungen aufzuzeigen, die— obwohl bekannt— doch nicht so sehr im Brennpunkt des allgemeinen Interesses stehen wie die berühmten in allen Kunstgeschichten behandelten Werke. So wollen wir auch heute, wo wir uns dem von Schlaun und Cuvillit erbauten Schloß des Kurfürsten Clemens August in Brühl(zwischen Köln und Bonn) zuwenden, die Aufmerksamkeit auf eine„Nebenerscheinung“ lenken: auf das vor zwei Jahren nach den alten Plänen von Dominique Girard(1735) wiederhergestellte Broderieparterre des Schloßgartens. Es ist für den Niederrhein insofern eine Besonderheit, als sich in seinem Gebiet kaum mehr streng geometrische Barockgärten erhalten haben. Gerade für den Barockoau ist aber der Garten wesentlicher Bestandteil. da seine architektonische Gestaltung als„Natur=Festraum“ vom Garten aus gesehen den Bau vorbereitet oder, vom Hause aus gesehen, in den Park, in die Natur überleitet. Der wesentlichste Bestandteil des Barockgartens ist das tiefliegende. flache„Parterre de Broderie". das so nach seiner an Spitzenwerk erinnernden Musterung durch niedrigen Buchs. Blumen oder farbige Erde genannt wird. Genießt man aus den Fenstern des Schlosses das schöne farbige planimetrische Bild schwungvoller barocker Kurven und Linien. so steht man vom„Parterre“ aus das Schloß aus diesen Linien gleichsam wie aus seinem eigenen Grundriß herauswachsen. Und gerade diese innige Verschmelzung ron Architektur und Garten berechtigt uns. von einer„Gartenkunst" zu sprechen, deren architektonische Planung. plastische Gliederung. malerische Bildwirkung, dichterischer Beziehungsreichtum und musikalische Beseeltheit oft ein kleines„Gesamtkunstwerk“ darstellt. Zu dem herrlichen Treppenhaus Balthasar Neumanns, den prunkvollen Innenräumen, die den Ruhm des Schlosses begründeten. ist nun auch wieder der Garten als ein notwendiges Schlußstück dieser„bedeutendsten Leistung des Rokoko in den Rheinlanden“(Dehio=Gall) zum sehenswerten Anziehungspunk: geworden. J•.CCC666cc oldaten rauchen aufmerksamel, sie genießen den Tabak gründlicher schon deshalb, weil sie oft nicht wissei, wann sie ihren Dor, rat wieder ergänzen können. Da wir uns mit der Herstellung unserer Zigaretten sehr viel Mühe geben, glauben wirzunsere Marken gerade den Soldaten besonders empfehlen zu dürfen. 0Oir unterwerfen unsere COLDENRINC mit OcMundstück gern dem Urteil aufmerk. samer=Raucher; denn wir wissm, dass sie jeder Kritik gewachsen ist: Cie wird nach wie vor in reinen und unveränderter OrieniQualität hergestellt; darüber hinaus schützt das Bundstück den Jabak vor nachteiliger Durchfeuchtung, es sorgt also dasür dass alle Feinheiten ihrer Mischung erhalten bleiben ECDLDENRINU MiF Enenosröck a PFUA Die I Land und Trad Trad Bela Dr. 1 Dr. aktiv mere. Krau sich: Scha kame Dr. stätig man Dam 9 (und stens gegein 13 es 1 mal offiz B=3 gege schw aber dam e * kam Und vor For für Höc zu: sein die um alte An na per 10 Dr. ner 16 So 12 val nal W St n Gde Ad 211 der 6J.=Arbeit im freien Eupen=Malmedy Fi R „Es reißt uns alle mit...“ Seit wenigen Wochen erst gehört Eupen=Malmedy wieder zum Reich. Mit dem Tage der Befreiung aber begann schon die Aufbauarbeit der Hitlerjugend. Mit solch großer Begeisterung, Freude und Bereitwilligkeit kamen die Jungen und Mädel zu den Meldestellen, daß schon nach wenigen Tagen die gesamte Jugend erfaßt war. Aus den Jugendgruppen der Heimattreuen Front, die vor der Rückgliederung der Kreise ins Reich den Kampf um die Erhaltung des Volkstums getragen hatten, wurden die Fähigsten vorläufig als Führer und Führerinnen eingesetzt. In kleinen und kleinsten Orten, in denen es bisher keine Jugendarbeit gegeben hatte, setzten die Ortsgruppenleiter der Heimattreuen Front die besten Kräfte für den Aufbau der HJ. ein. So gelang es, in kürzester Zeit fünfundsiebzig Meldestellen aufzubauen und, nachdem die gesamte Jugend erfaßt war, Gefolgschaften und Fähnlein, Mädel= und Jungmädelgruppen einzurichten und Führer und Führerinnen hierfür zu bestimmen. Achttägige Schulungen In allen Orten, selbst in den kleinsten Dörfern, begann dann der Dienst, für dessen Durchführung die Führer und Führerinnen von den Beauftragten der Gebietsführung und des Obergaues Köln=Aachen Richtlinien und Anweisungen erhalten hatten. Es ist eine helle Freude, bei den Appellen in den einzelnen Orten diese disziplinierte Jugend zu sehen, die in tadelloser äußerer Ordnung antritt und nur von dem einen Willen beseelt ist, möglichst bald den Vorsprung aufzuholen, den ihre Kameraden im Altreich vor ihnen haben. In achttägigen Schulungen sind deshalb die Führer und ührerinnen zusammengefaßt worden, um ihnen das nötige lüstzeug für ihre Arbeit zu geben und die Besten unter ihnen für die verantwortlichen Aufgaben auszulesen. Das Gebiet Köln=Aachen hat die Führerschaft gemeinsam mit Führern aus den einzelnen Bannen einberufen, die schon länger in der Arbeit stehen. So wurde allein durch Beispiel und gegenseitige Erziehung ein Bild tadelloser äußerer Ordnung und Disziplin geschaffen. Hunger nach deutscher Geschichte Besonders interessiert waren die Kameraden aus EupenMalmedy an allen Schulungsstunden, die ihnen einen Überblick über die jahrtausendealte geschichtliche Entwicklung im deutschen Raum gaben. Von den Großtaten der Deutschen in allen Jahrhunderten hatte der Unterricht in den belgischen Schulen nichts gewußt. Deutsche Geschichte gehörte hier zu den überflüssigen Kapiteln, und wenn man sich notgedrungen ab uno zu mit dem geographischen Begriff „Deutschland“ befaßte, so geschah dies eben, weil es sich einfach nicht umgehen ließ. Dafür stand die Geschichte der westlichen Demokratien weit im Vordergrund. So konnten sich die Jungen und Mädel vom neuen Deutschland nur durch die Erzählungen ihrer Kameraden und Kameradinnen, die einmal herübergekommen waren, ein Bild machen, und ihre Geschichtskenntnisse mußten sie sich mühsam nach dem Wissen der Eltern aufbauen. Deshalb können sie nun einfach nicht genug hören. „Es reißt uns alle mit!“, sagte uns der Lehrgangsleiter, „wenn man sieht, wie die Jungen mitgehen, wie sich ihnen auf einmal Zusammenhänge auftun, Erkenntnisse in ihnen wach werden und sie der Wunsch nach immer größerem Wissen um die Dinge ganz beherrscht.“ Genau so aufmerksam und konzentriert war auch die Beteiligung an dem übrigen Dienst des Lagers, seien es nun die Arbeitsbesprechungen, Heimabende, Singestunden, Sport oder praktischer Dienst. Immer spürte man die gleiche starke Aufnahmebereitchaft, die getragen war von dem Wunsch ernsthafter Arbeit an sich selbst und der Verpflichtung, alles Gehörte und Gelernte den Kameraden daheim weiterzugeben. Kulturarbeit auf dem Lande Zur gleichen Zeit lief für die Mädelführerinnen in der Obergauschule der erste Lehrgang. Auch hier konnte man die gleiche Aufgeschlossenheit beobachten, das aufmerksame Mitgehen. Neben der weltanschaulichen Schulung, die auch hier die geschichtliche Entwicklung in den Vordergrund stellte und vor allem die Geschichte des Weltkrieges behandelte, der den Mädeln in der Schule vollkommen vom Blickpunkt heroischer belgischer Siege aufgezeigt worden war, stand bei den Mädeln vor allem die kulturelle Arbeit. Während der Kreis Eupen durch seine Industrie stärkere Bindung an die Stadt hat, finden sich in Malmedy rein bäuerliche Gemeinden. Auch die Führerinnen sind fast alle Landmädel, so daß die Fragen der Kulturarbeit auf dem Lande gleich in ihrer ganzen Bedeutung erkannt werden und mit dazu beitragen, die Landmädel durch fachliche und berufliche Schulung und durch das Wecken aller kulturschöpferischen Kräfte zur Treue zum Boden zu erziehen. Die Schulung der BdM.=Führerinnen brachte ähnlich wie die der HJ.=Führer vor allem eine Fülle praktischer Arbeitsanweisungen zur Durchführung und Gestaltung des Dienstes, die im gegenseitigen Austausch immer mehr erweitert und vertieft wurden. So stehen nun, nachdem in diesen Kursen die gesamte Führer= und Führerinnenschaft erfaßt wurde, für die erste Schulung der Einheiten in den nächsten Wochen und Monaten auch im kleinsten Dorf der Führer und die Führerin bereit. Natürlich ist diese Schulungsarbeit erst der Auftakt, dem eine ständige Weiterarbeit folgen wird. Ziel der gesamten Arbeit ist, sobald wie möglich den Stand der Einheiten im übrigen Reich zu erreichen. Daß dies nicht allzulange dauern wird, dafür bürgt vor allem der Einsatzwille und die pflichtbewußte, verantwortungsvolle Arbeit der Führer= und Führerinnenschaft. Bo. Ferienkinder kehrten aus Belgien nach Eupen=Malmedy zurück Eupen. Zu Beginn des deutschen Einmarsches in Belgien im Mai d. J. befanden sich 88 Kinder aus Eupen, Malmedy und St. Vith in belgischen Ferienheimen. Die belgischen Verwaltungen hatten zu diesem Zeitpunkt nichts Eiligeres zu tun, als diese Kinder in die Bretagne und noch weiter nach Frankreich hinein zu verfrachten. Die NSV. in Eupen nahm sich sofort dieser Kinder an, und ihren Nachforschungen war es zu verdanken, daß ihr Aufenthaltsort schließlich ausfindig gemacht werden konnte. Mit großen Autobussen der Hansestadt Köln wurden die Kinder nun aus Frankreich heimgeholt und trafen am Sonntag in Eupen ein. Im Kurhotel Bredohl wurden die kleinen Gäste kurz bewirtet und dann in ihre Heimatorte zurückgebracht. Endlich alles unter einem Hut Wuppertal. In den Hauptversammlungen der bereits zu Beginn dieses Jahres gebildeten Wuppertaler Bahnen A.=G. und der Elberfelder Bahngesellschaften— zu ihnen gehören neben der Schwebebahn die Bergischen Kleinbahnen sowie die elektrische Straßenbahn Elberfeld=Barmen— wurde beschlossen, die drei Elberfelder Gesellschaften ebenfalls in die Wuppertaler Bahnen A.=G. aufzunehmen, und zwar rückwirkend ab 1. Januar 1940. Damit besteht jetzt im Wuppertaler Verkehrsleben völlige Einheitlichkeit, sodaß die noch offenstehenden Fragen, die sich auf die Tarifgestaltung und Umsteigemöglichkeiten beziehen, schnell geklärt werden können. Aus einem Durcheinander von rund einem Dutzend Verkehrsgesellschaften ist jetzt eine einheitliche starke Organisation hervorgegangen. Die Vereinheitlichung wird bei der künftigen Umgestaltung Wuppertals von großem Wert sein. Er ist montags zu müde! Remscheid. Eine seltsame Auffassung von den Pflichten der Heimat hatte ein 21jähriger Jüngling aus Remscheid, der sein Fernbleiben von der Arbeit an den Montagen damit begründete, er sei montags vom„Sport“ her so müde(!), daß er unmöglich zur Arbeit erscheinen könne. Im übrigen wohne seine Braut in Süddeutschland, und Reisen zu ihr nähmen zwei Tage in Anspruch, so daß also...(siehe oben). Für derart lächerliche Ausreden eines offenbar der Arbeit nicht sehr zugetanen jungen Mannes hatte der Remscheider Strafrichter gar kein Verständnis. Er verurteilte den jungen Mann, dessen gleichaltrige Kameraden draußen an der ront ihre Pflicht erfüllen, zu einer Gefängnisstrafe von drei Monaten. Der Soldat und sein Mädchen Der Soldat Christian hatte den wohlverdienten Urlaub in die Heimat erhalten. Pfeifend schritt er auf der staubigen Landstraße dahin und es war ihm gar fröhlich ums Herz. Ein Lastauto nahm ihn unterwegs auf und brachte ihn bis zur Bahnstation. Bald darauf rollte sein Zug ab. Unter den Kameraden in Christians Abteil herrschte ebenfalls beste Stimmung, alle sprachen davon, wie sie zu Hause erwartet würden. Es war keiner, auf den nicht jemand Liebes gewartet hätte. Ein knorriger Gebirgsjäger freute sich am meisten auf das Wiedersehen mit seinem Hund, für den er ein mächtiges Stück Wurst im Rucksack trug. Auch an Christian kam die Reihe zu berichten. „Ich fahre schnurgerade zu meinen Mädchen“, sagte er stolz. Da grinsten die andern, denn das taten sie ja alle, das war doch nichts Besonderes. Aber bei Christion war es doch etwas Besonderes.„Ich kenne es noch gar nicht“, fuhr er fort,„ich habe es noch nie gesehen, nur ein Bild habe ich von ihm.“ „Mensch“, fielen die andern über ihn her,„eine Postbraut hat du, ein Briefliebchen, einen Paketchenschatz? Zeig' her das Bild. Christian zog lächelnd ein Photo aus der Tasche und reichte es herum. Da rissen alle die Augen auf über das netteGeschöpf, das sie zu sehen bekamen, es fand einmütigen Beifall, und kameradschaftlich leerte man auf sein Wohl Christians Rumflasche. Eine Weile später waren die Urlauber der Reihe nach eingeschlafen und auf jedem der harten Gesichter lag ein Schimmer von Glück, sie träumten alle offenbar von ihren Frauen und Bräuten. Am Morgen darauf war Christian am Ziel. Niemand holte ihn vom Bahnhof ab, aber das war ihm recht. So konnte er noch rasch den struppigen Drahtverhau in seinem Gesicht von einem Friseur entfernen lassen, um derart verschönt in Erscheinung zu treten. Dann bestieg er die Straßenbahn und fuhr in die Siedlung hinaus zu seinem Mädchen. Etwas abseits von der Straße lag ein kleines Gartenhaus, knirschend schritten seine wuchtigen Stiefel über den Kies. aber kein Mensch kam ihm entgegen. War hier niemand zu Hause? Auf einmal verhielt er den Schritt, der Atem stockte ihm. Da lag jemand in der Sonne und schlief— sein Mädchen. Er trat leise näher. Mein Gott, dachte Christian, das Mädchen da, das war in Wirklichkeit ja noch viel netter als auf dem Bild. Das Herz schlug ihm bis zum Halse, er wollte sich niederbeugen, um es zu küssen, aber er fand nicht den mut dazu. Er, der das Eiserne Kreuz für besondere Tapferkeit auf der Brust trug, machte plötzlich schlapp. Er fürchtete, die Schlafende zu erschrecken.(Beim ersten Kuß eines Mannes erheben oft auch wache Mädchen ein Geschrei, um dann später ebenfalls eines zu machen, wenn sie nicht mehr geküßt werden.) Während er so stand, öffnete das Mädchen die Augen und sah ihn groß an, aber es schrie durchaus nicht auf, es lächelte ihn freundlich an, es erwies sich tapferer als er— und das erfreute sein Soldatenherz mächtig— denn es war immerhin erst zwölf Wochen alt und hatte seinen Vater Christian noch nie gesehen. Heinz Scharpf auntbühnen Resi=Künstlerspiele, Wuppertal=Elberseld Die zweite Julihälfte steht im Zeichen der Vortragskunst. Hans Broich, der von den westdeutschen Modeschauen her bestens bekannte Plauderer, vermittelt die Vorstellung der Künstlerschar, die das Publikum zwei Stunden auf das beste unterhält. In Friedl Trunzer stellt er eine vom literarischen Kabarett kommende entzückende Vortragskünstlerin vor, die ihre eigenen, dem Kieninger siegte mit zwei Punkten Vorsprung Eigenbericht des Mittag Köln. Wie erwartet, konnte Ernst in der letzten Partie des Wettkampfes Kieninger— Ernst nicht mehr lange Widerstand leisten; er mußte sich schon nach wenigen Zügen geschlagen geben. Damit ist der Schlußstand 6:4 für Kieninger. In dem Wettkampf wurde ganz ausgezeichnet gespielt. Der Westfalenmeister Ernst war, wie stets, taktisch voll auf der Höhe und hat es seinem erfahrenen Gegner nicht leicht gemacht. Besonders interessant war in dem Wettstreit die verschiedenartige Spielweise. Kieninger war der große Stratege und Endspielkünstler. Einen kleinen Endstellungsvorteil hält er mit großer Genauigkeit fest bis ins Endspiel. An Zähigkeit und Ausdauer findet er höchstens in Meister Carls einen Konkurrenten. Im Gegensatz hierzu liebt Meister Ernst ein volles, lebhaftes Mittelspiel. Vor keiner noch so großen Verwicklung schreckt er zurück, ja, gerade in solchen Stellungen fühlt er sich zu Hause. Man muß sein Abschneiden in dem Wettkampf unbedingt als Achtungserfolg bewerten, gilt doch Kieninger als einer der besten Wettkampfspieler, wie seine zahlreichen Siege in Wettkämpfen beweisen(Engels, Brinkmann usw.). Mit einer gut aufgemachten Siegesfeier fand die Veranstaltung am Montagabend ihr Ende. Besondere Erwähnung verdient noch, daß das Turnier ohne jeden Mißton dank der ausgezeichneten Leitung durch den Deutschlandreister zu Ende ging. Leben entnommenen Werken mit starkem Empfinden vorzutragen weiß und damit begeisterten Beifall findet. Nicht weniger stark ist der Eindruck, den Lucie Eger als Tanzsoubrette hinterläßt. Die junge Künstlerin, die mit einem seltenen Steptanz auf Spitzen aufwartet, dürfte eine der besten ihres Fachs sein. Auch die Akrobatik ist mit mehreren feinen Darbietungen vertreten. Shackwell ist eine sehr vielseitige Natur; gleich gur zu sein auf dem Gebiet der Fangkunst, des Tanzes und der Komik und dabei doch über dem Durchschnitt liegende Leistungen zu bringen, gehört nicht zum Alltäglichen. In den drei Trombellis lernen wir Aquilibristen von Format kennen, deren Leistungen ebenfalls den ungeteilten Beifall des Hauses finden. Fritz Rademacher „Morgen marschieren wir“ „Morgen marschieren wir". Liederbuch der deutschen Soldaten. Im Auftrage des Oberkommandos der Wehrmacht her ausgegeben von Leutnant Hans Baumann. 260 Lieder, 35 Pf., Melodicausgabe kart. RM. 1.20. Ludwig Voggenreiter=Verlag, Potsdam Solange es deutsche Soldaten gibt, solange gibt es auch deutsche Soldatenlieder. Frundbergs Fähnlein und Wallensteins Truppen marschierten schon singend gegen den Feind: in Frieden und Krieg, auf dem Marsch und im Biwak, in der Kaserne und im Schützen graben, wo der Soldat geht und steht, ist ihm das Soldatenlied ein treuer, guter Kamerad, Große Dichter und einfache Männer aus dem Volke, bekannte Namen und viele Unbekannte schufen in Soldatenliedern köstliche Kleinodien deutschen Liedergutes. Freud und Leid, Mühsal und Kurzweil, Stürmen und Siegen, Lieben, Scheiden und Sterben— alles klingt in ihnen, und in ihnen klingt mit die Seele des deutschen Volkes. Hans Baumann hat aus all diesen Zeugnissen unvergänglichen Soldatentums die bewährten alten und lebendigen neuen Lieder ausgewählt. Dem Titel entsprechend sind die Lieder der Lustwasse nicht enthalten. Von deutscher Wehr Das Seister=U=Boot von Clemens Laar. Verlag„Die Wehrmacht", Berlin. Eine Episode aus dem U=Boot=Krieg 1915 ersteht hier in atemraubender Schilderung zu unheimlichem Leben. Es ist die Geschichte von U 31, das von einer Erkundungsfahrt nicht mehr zurückkehrte, aber als„Geister=U=Boot“ mit seiner toten Besatzung an Englands Küste Furcht und Schrecken verbreitete. Ein tief ergreisendes Heldenlied von deutschen Seemannstaten. Unbezwinglicher Westwall. Ein Volksbuch vom Ringen um Deutschlands Westmark. Mit einem Geleitwort von Dr. Nobert Ley. Verlag Deutsche Volksbücher G. m. b. H., Wiesbaden „Der Westwall ist mehr als eine Befestigungslinie. Er ist ein Stück Weltgeschichte, geschaffen durch den Geist des Führers und die Fäuste deutscher Arbeitskameraden.“ Mit diesen Worten leitet Dr. Ley ein Werk ein, das in volkstümlicher Arr Planung= und Entstehung des Westwalls, seine militärische und politische Bedeutung schildert. Erste militärische und technische Fachleute haben an der Schrift mitgearbeitet, die auf das wärmste empfohlen sei. 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Für die Außenstellen 19/20, 31/32, 33/34, 35/36, 37, 38, 41, 42, 43 an die Hausbeauftragten aus den Straßen A—5 am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, an die Hausbeauftragten aus den Straßen I—3 am Donnerstag, dem 25. Juli 1940. Für die Außenstellen 1, 8, 13, 14, 15, 16, 25, 28 an die Hausbeauftragten aus den Straßen A—3 am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, an die Hausbeauftragten aus den Straßen K—3 am Donnerstag, dem 25. Juli 1940. Für die Außenstellen 3, 6/7, 9, 11/12, 22/23, 24/29, 26, 27, 30, 40, 44 an die Hausbeauftragten aus den Straßen A—K am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, an die Hausbeauftragten aus den Straßen L—3 am Donnerstag, dem 25. Juli 1940. Für die Außenstellen 2, 10/21, 39 an die Hausbeauftragten aus den Straßen A—M am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, an die Hausbeauftragten aus den Straßen N—3 am Donnerstag, dem 25. Juli 1940. Für die Außenstelle 4/5 an die Hausbeauftragten aus den Straßen A—O am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, an die Hausbeauftragten aus den Straßen P—3 am Donnerstag, dem 25. Juli 1940. Die Hausbeauftragten haben die Lebensmittelkarten bei ihren zuständigen Außenstellen gemäß der Anordnung unter Ziffer I pünktlich abzuholen. Ist der Hausbeauftragte persönlich verhindert. so hat er einen Vertreter mit der Abholung der Lebensmittelkarten zu beauftragen. An einzelne Hausbewohner werden die Lebensmittelkarten nicht ausgegeben. III. Die Hausbeauftragten haben beim Abholen der Lebensmittelkarten die etwa nach der letzten Berichtigung eingetretenen und noch nicht mitgeteilten Veränderungen im Personenstand des Hauses der Außenstelle anzugeben. N. 8 Die Hausbeauftragten haben die Lebensmittelkarten noch am Tage des Empfanges an die Bezugsberechtigten weiterzugeben. Die Bezugsberechtigten sind verpflichtet, den Empfang der Karten zu bescheinigen. V. Wegen der Kartenausgabe werden am Mittwoch, dem 24. Juli 1940, Anträge auf Ausstellung von Bezugscheinen für Schuhe und Spinnstoffwaren nicht angenommen. Düsseldorf, den 23. Juli 1940... Der Oberbürgermeister. In Vertretung: Dr. Füllenbach Stadtkämmerer.