Nr. 49.— 50. Jahrgang. Organ für amtliche Bekanntmachungen. Erscheint Montägs, Mittwochs, Donnerstags und Samstags. Bezugspreis mit den 6 Gratis=Beilagen für den Monat durch Boten zugestellt 1.45 Goldmark, für Holländer 90 Cent.— Fernsprecher Nr. 6.— Druck und Verlag: P. W. Joppen. Für die Redaktion: Herm. Wagner. Volks= Montag, den 28. März 1927. Anzeigenpreis: das einspaltige mm Höhe 7 Soldpfg. zeigen mit kompliziertem Satz entsprechend höher. Reklamen pro mm Höhe 20 Goldpfg. Auskunft und Offertengebühr werden besonders berechnet.— Störungen infolge höherer Gewalt rechtfertigen keine Ersatzansprüche.— Postscheckkonto Köln Nr. 43133. Seitung Gratis=Beilagen: Sonntagsglocken Lesefrüchte Frauenwelt Welt und Wissen Die Heimat Die Heimat im Bilde Heinsberger Bauernblatt. Beethoven=Feiern im Geburtshaus und am Grabe. Bonn, 26. März Der Verein„Beethoven=Haus“ veranstaltete heute im Beethoven=Geburtshaus eine Gedächtnisfeier, an der teilnahmen u. a. der Kölner Regierungspräsident, die Vertreter der Stadt Bonn und der Universität Bonn. Nach einem Vorspruch des Dichters Wilhelm Schmidtbonn, den Theaterintendant Dr. Fischer vortrug, spielte das KlinglerQuartett auf den im Beethovenhaus aufbewahrten Beethovenschen Instrumenten den zweiten Satz aus Quartett Opus 135. Rathaus, Stadthaus und Beethovenhalle, auch die staatlichen Behörden und viele Privathäuser haben heute zum Gedächtnistage Beethovens geflaggt. An Beethovens Denkmal wurde eine Anzahl kostbarer Kränze niedergelegt. Wien, 27. März. Heute vormittag fand im Beisein der Herren der ausländischen Regiecungen am Grabe Beethovens eine Feier der Sangerschaft statt, welche sich zugleich zu einer Huldigung der Wiener Bevölkerung gestaltete. Das weiße Grabmal Beethovens hob sich leuchtend aus einem Meer von grünen Kränzen und Blumen heraus, in deren Mitte der gestern vom Bonner Oberbürgermeister Falk niedergelegte mächtige Lorbeerkranz der eburtsstadt Beethovens mit Schrift und den Stadtfarben und dem Stadtwappen einen hervorragenden Platz einnahm. Nach Einleitung der Feier durch den Bläserchor der Stadtoper brachten etwa 600 Sänger unter Leitung des Musikdirek. Weinberg„Die Ehre Gottes“ in ergreisender Weise zum Vortrag. Hierauf ehrten die Festgäste, die Sänger und das zu Tausenden herausgeströmte Publikum stehend und entblösten Hauptes, am Grabe vorüberschreitend, das Andenken des großen Toten. Zu gleicher Zeit legte namens des Vereins„Beethoven=Haus“ in Bonn deslen Vorstand am Wiener Beethovendenkmal einen Kranz nieder, der aus Efen vom Geburtshaus Beethovens gewunden war. Mittags gelangte im groden Konzerthaus Beethovens Missa solemnis zur Aufführung, während der Abend vornehmlich seiner Oper Egmont in der Stadtoper gewidmet war. Der chinesische Drache. Chinesen beschleßten die Flüchtlinge aus Ranking. London, 27. März. Nach einer Meldung aus Schanghai ist dort unter Bedeckung eines englischen Kanonenbootes und eines amerikanischen Zerstörers ein Dampfer mit 140 aus Ranking abtransportierten Ausländern eingetroffen. Unterwegs wurden die Schiffe von beiden Ufern des Jangtsekiang unter heftiges Gewehrfeuer genommen. Die Flüchtlinge erklärten, daß das von den vor Anker liegenden Kriegsschiffen abgebene Sperrfeuer eine vollständige Niedermetzelung der Ausländer verhindert habe. Weitere Truppensendungen Amerikas. Washington, 27. März. Die amerikanische Reglerung hat heute beschlossen, weitere 1500 Marinesoldaten nach China zu schicken. Damit erreicht die Zahl der amerikanischen Truppen in China etwa 9000, wovon sich allein in Schanghai 5000 Mann befinden. Nach einem Telegramm aus Sau Diego aeten S amrntansche Fleger den Besehl erhalten, mit 28 Flugzeugen zum Abtransport nach nghai bereitzuhalten. Laut„Chiacago Tri“ sind bei den Kämpfen in Nanking nach einem niedergel lten. Laut bune" sind bei den Kämpfen in Nanki Kabeltelegramm einer in Nankina niedergelassenen amerikanischen Petroleumgesellschaft insgesamt 36 Amerikaner gerotet worden. Katze und Hund. Das Verhältnis Italiens zu Frankreich läßt sich nicht ganz unzutreffend mit diesem Vergleich aus Tier umschreiben. Wie Katze und Hund nüb dem Tierre liegen sich die beiden Staaten gegenüber. Einer macht dem andern Vorwürfe und stellt Forderungen, um dan, wenn sich die Gemüter explosionsgefährlich erhitzt haben, einzulenken und dem Gegner eder Freundschaft zu heucheln. Augenblicklich ist eine Periode der Katzenfreundlichkeit zwischen Italten und Frankreich eingetreten. Mussolini betont wöchentlich einmal in einer Unterredung mit einem ranzösischen Journalisten, daß er nur friedliche Gekühle gegen Frankreich habe, und Frankreich beteuert seit drei Wochen, daß die Grenzbefestigungen und Geländeverstärkungen, die in den Seealpen geplant waren, wegen des gegenseitigen wieder eingetretenen, vertrauensvollen Verhältnisses nicht zur Ausführung gelangen werden.— Letztere Beteuerungen mögen politisch ganz geschickt sein, sie entbehren aber der Wahrheit. Die Grenzverstärkungen werden tatsächlich ausgeführt, nur nicht in dem Tempo, wie olches vor Wochen geplant war An den Interessengegensätzen, wie solche vor mehreren Wochen auch von der Oeffentlichkeit als stark zugespitzt angesprochen wurden, hat sich bis eute nicht das mindeste geändert Uebrigens tut man dem heutigen Italien unrecht, wenn man annimmt, daß die neue italienische Staatsdoktrin mit ihrem unverhüllt imperalistischen Außengrogramm die heute zwischen Italien und Frankreich bestehende teilweise tiese Verstimmung ge schaffen habe. Unier dem Duce haben die schon seit kurz nach dem Kriege bestehenden Gegensätze gewissermaßen erst konkrete Form angenommen. Sie sind eine Folge der allgemeinen Mißstimmung in Italien, wie sie das Kriegsende gezeitigt hat. Man R in Italien sehr bald auf die harte Wirklichkeit einer negativen Kriegsbilanz gestoßen. Für diesen Mißerfolg giaubt man in Italien allgemeln in erster Linie Frankreich die Schuld zuschieben zu müssen Das Rheinland und die Besatzung. Erklärungen des Reichskanzlers. Berlin, 26. März. Der Reichstag erledigte in seiner heutigen Sitzung den Etat des Ministeriums für die besetzten Gebiete in zweiter Lesung. Reichskanzler Dr. Marx führte u. a. aus: Zunächst einige Zahlen über das Ausmaß der Besetzung. Immer noch stehen 75000 Mann fremder Besatzung in einem Gebiet, das vor dem Kriege nur 50000 Mann deutsches Militär hatte.(Hört, hört!) 26 deutschen Garnisonen der Vorkriegszeit stehen 115 alliierte Garnisonen gegenüber, in denen 9364 Wohnungen von der Besatzung beansprucht sind. (Hört, hört!) Ich habe bei dieser Ziffer die im Jahre 1926 zurückgegebenen Wohnungen bereits abgezogen. In der zweiten Hälfte des Jahres 1926 wurden etwa 600 Wohnungen von der Besatzung zurückgegeben. Dieses Entgegenkommen soll anerkannt werden. Es ändert aber nichts an dem Gesamteindruck, daß unsere berechtigten Forderungen auf diesem wichtigen Gebiet noch bei weitem nicht befriedigt sind, zumal die Truppenherabsetzung nur sechs Prozent erreicht.(Hört, hört!) Ich gebe der Erwartung Ausdruck, daß die schon in Locarno zugesagte Herabsetzung der Besatzungsstärke nun bald erfolgt.(Sehr richtig!) Selbst B ertreter der Besatin der letzten Zeit für —nläss tellen Anlässen ausgezungsregierungen haben si# diese Herabsetzung bei o“ sprochen. Einige kurze Worte in politischer Hinsicht. Zurzeit steht der Herr Reichskommissar für die besetzten rheinischen Gebiete in Koblenz in Verhandlungen mit der Rheinlandkommission über die Revision des Ordonnanzsystems. In sehr eingehender Aussprache wurden die deutschen Forderungen der Gegenseite in allen Punkten dargelegt. Die Verhandlungen werden voraussichtlich noch über einen Monat in Anspruch nehmen. Bei ihrem vertraulichen Charakter kann ich zurzeit über den Stand der Dinge, die übrigens noch ganz im Flusse sind, keine Mitteilungen machen. Ich muß aber sagen, daß das deutsche Volk als Ergebnis dieser Verhandlungen bestimmt erwartet, daß das Ordonnanzsystem ein kongruenter Ausdruck der neuen Aera der Außenpolitik auf dem Gebiete der alliierten Besetzungspolitik sei, das heißt, daß die Besatzung sich mit dem Minimum von Einmischung in die deutschen Verhältnisse und von Lasten und Pflichten für die Bevölkerung begnüge, das objektiv wirklich notwendig ist. Ein anderes Ergebnis könnte nur schädlich wirken. Auch bezüglich der Militärjustiz ist eine innere Reform unerläßlich. Der Prozeß Rouzier hat dieses klar bewiesen.(Sehr wahr!) Auch ich möchte, wie es auch mein Amtsvorganger als Reichsminister für die besetzten Gebiete, Herr Kollege Dr. Bell getan hat, an alle Stellen des Reiches, der Länder und der öffentlichen Körperschaften die Bitte richten, der Wirtschaft des besetzten Gebietes in bevorzugtem Maße Lieferungsaufträge zuzuwenden.(Sehr gut.) Ja, selbst an die Privatwirtschaft des unbesetzten Deutschlands möchte ich heute ein Wort richten. Immer noch klagen viele Unternehmer des besetzten Gebietes über die Verdrängung aus dem Geschäft im unbesetzten Deutschland, die sie währens des Ruhrkampfes durch die damalige Absperrung erlitten haben, die aber auch heute noch nachwirkt. Ich möchte die Wirtschaft des unbesetzten Deutschlands bitten, im Rahmen des wirtschaftlich Möglichen doch auch den nationalen Gesichtspunkt gegenüber dem besetzten Gebiet zu würdigen. Noch heute ist die Wirtschaft des besetzten Gebietes, wie ihre relativ höhere Erwerbslosenziffer ausweist, schwächer als die des unbesetzten Deutschlands, und sie bedarf daher des Ausgleichs. Der Wirtschaft der besetzten Gebiete diente es auch, wenn die so schönen und gesunden Heilbäder des besetzten Gebietes wieder stärker aus dem unbesetzten Deutschland besucht werden, wo immer noch eine vollkommen unbegründete Zurückhaltung in dieser Richtung herrscht. Möchte auch die deutsche Presse für jene herrlichen Stätten, die jetzt unter einem unberechtigten Vorurteil immer noch schwer leiden, ihre Stimme erheben. Was auf diesem Gebiete geschehen ist, genügt noch lange nicht. Heißer Dank gebührt aber, wie schon oft, aber nie genug gesagt, der Bevölkerung der besetzten Gebiete, die nun bald achteinhalb Jahre für uns alle Leiden der Besetzung mit bewunderungswürdiger Vaterlandsliebe. Selbstbeherrschung und Selbstaufopferung trägt. Möge diese schwer geprüfte Bevölkerung aus unseren Beratungen wenigstens ersehen, daß wir uns mit allen Kräfen für sie bemühen. Möge sie überzeugt sein, daß die Regierung und das ganze Volk kein anderes Ziel innig erstreben, als ihre Befreiung von dem schweren Druck der Besatzung. Der möglichst baldigen Erreichung dieses Zieles seien alle unsere Kräfte geweiht.(Lebhafter Beifall.) Abg. Frau Schiffgeus(S.) meinte, daß im besetzten Gebiet mit großer Sorge die Tatsache beachtet werde, daß durch die Gestaltung der neuen Reichsregierung das Mißtrauen gegen Deutschland im Auslande gewachsen sei. Schmerzlicher noch als das übrige Deutschland habe die Bevölkerung des Rheinlandes das negative Ergebnis der Genfer Verhandlungen empfunden. Abg. Dr. Ellenbeck(DN.) glaubte im Gegensatz zur Vorrednerin nicht, daß es einen einzigen Rheinländer gäbe, der die Behauptung begründen könne, daß wegen des Eintritts der Deutschnationalen in die Regierung die Franzosen ihre Besetzungspolitik änderten.(Sehr wahr! rechts, Widerspruch links.) Selbst wenn es richtig sei, sollte man sich lieber die Zun geabbeißen, als es auszusprechen und damit den Franzosen eine Handhabe zu geben.(Sehr wahr rechts.) Abg. Reyses(Z.): Seit der vorjährigen Etatberatung sei für das besetzte Gebiet wohl der bedeutendste Vorgang der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Als eine weitere Etappe sei aber auch Locarno und Genf zu betrachten, die das Ziel der möglichst raschen Befreiung des besetzten Gebietes haben. Es sei betrüblich, daß von den zugesagten Rückwirkungen recht wenig zu spüren sei, ja, daß alle die berechtigten Hoffnungen und Erwartungen, die das besetzte Gebiet hegt, im wesentlichen unerfüllt blieben. Gewiß seien durch die Beseitigung des Delegiertensystems, die Zulassung deutscher Gesetze und Beamten und kleine Paßerleichterungen und dergleichen, wie die beschränkte Zulassung des Rundfunks, recht begrüßenswerte Ergebnisse erzielt. Alles wesentliche aber u. für die Bevölkerung Drückende habe die Besatzrig sich erhalten. Die erwartete Milderung der Besatzung sei ausgeblieben. Die Zahl habe sich beinahe noch vermehrt. Der Redner gibt dafür einige Zahlen. Er wies ferner auf die materiellen und seelischen Leistungen ganz besonders für die unmittelbaren Grenzkreise und Grenzgebiete hin, die die Bevölkerung dort nicht mehr tragen könne„ Dies seien unzweifelhaft Folgen des Friedensvertrages und der neuen Grenzziehung gegenüber Belgien. Die Veränderung der Zollgrenze gegenüber Luremburg, das Herausbrechen des Saargebietes, die neue Grenze gegenüber Elsaß=Lothringen, die Störungen des Bahnverkehrs durch die neue Zoll= und neue Landesgrenze seien für die dortige Wirtschaft einfach vernich tend Der Redner setzte sich dann für diese unmittelbaren Grenzgebiete besonders ein, ohne damit die Not des übrigen besetzten Gebietes als gering zu bezeichnen. Wir wollen für das besetzte Gebiet keine Vorteile, aber auch keine Preisgabe irgendeines Rechtes. Lieber tragen wir die Besatzung bis zur gegebenen Stunde weiter, als daß wir von der Regerung irgend ein Opser verlangen, das der Allgemeinheit Schaden bringt.(Lebhafter Beifall im Zentrum.) Nachdem noch verschiedene andere Redner gesprochen, wurde die Aussprache beendet. Schon aus imperialistischen Gründen hat übrigens das demokratische Frankreich den Haß des Faszismus auf sich geladen. Dann haben die Feinde des Regimes in Frankreich Gastfreundschaft gefunden, die ihnen gestattet, in sicherem Schutze antifaszistische Propaganda zu treiben. Ferner betrachtet das faszistische Italien Paris als die Hochburg der Freimaurerei und fürchtet von Paris aus stets das eben des Duce. Gewisse Kreise in Rom haben es darauf abgesehen, jede sich bietende Gelegenheit auszunützen, um die Köpfe gegen Paris zu mobilisieren. Zweifellos ist, daß die Rücksicht, die Italien auf England und auch auf den Völkerbund zu nehmen hat, eine gewisse Garantie gegen ein kriegerisches Abenteuer bildet. Der Umstand aber, daß im italienischen Generalstab eine erhebliche Anzahl von Offizieren vom Gedanken der Notwendigkeit eines Krieges gegen Frankreich beherrscht sind, gestaltet die Lage doch recht ernsthaft. Man weiß im französischen Generalstab, daß im Herbst 1926 im italienischen Generalstab Kriegsspiele stattfanden, die die Möglichkeit einer Offensive über einem„Kl. St. Bernhard," den„Col de la Seigne“ und den„Col de Geant“ zum Thema hatten! wran kennt im Pariser Generalstab die Neubewaffnung der itallentschen Forts, den vollendeten Ausbau der Unterman weiß, schen F. kunftsräume und deren jetzige Besetzung, daß der Ausbau der wichtigsten Straßen vollzogen Den Ausspruch des Duce„ausbreiten oder explodieren“ hat man in Paris wohlverstanden. Verhandlungen drängen sich immer gebieterischer auf. In Rom würde man es gern sehen, wenn die französische Diplomatie den ersten Schritt zu einer Besprechung Mussolini=Briand täte. Es ist aber mehr als selbstverständlich, wenn das Pariser Außenamt, hauptschächlich nach den in der ktalienischen Presse erhobenen kolonialen Forderungen und den noch nicht allzu weit zurückliegenden Zwischenfällen, auf solche italienische Winke nicht hört. Man ist in Pariser diplomatischen Kreisen der Ansicht, daß es unbedingt am italienischen Regierungschef ware, den Boden für eine Zusammenkunft vorzubereiten. In Rom hat man Scheu vor der Möglichkeit eines negativen Ergebnisses. Jedenfalls bleiht die Frage nach wie vor ernst und bedarf der ständigen Ueberwachung. Französische Ausfälle gegen Mussolini. Paris, 25. März. Hier herrscht, wie der K. Z. aus Paris berichtet wird, das unbedingte Empfinden vor, daß durch einen bewaffneten italienischsüdslawischen Zusammenstoß auch Frankreich unmittelbar in Mitleldenschaft gezogen würde, und zwar natürlich gegen Italien. Auch auf der rechten Seite werden jetzt die Stimmen immer lauter, die den italienischen Machthaber aufs schärfste angreisen. Das Journal des Debats äußert ohne Umschweife den Verdacht. Mussolini habe Italien in eine derartig schwierige und geradezu betrügerische S Finanz= und Wirtschaftspolit ik hinein. setrieben, daß er mit einem militärischen Abenteuer ch einen Ausweg suchen musse. Es begründet ese Behauptung folgendermaßen: Die italienische Industrie steht im Kampf mit sehr großen Schwierigkeiten. Eine Psund= oder Dollaranleihe folgt auf die andere. Die in London und Newvork eingegangenen Anleiben sind durch#ypotbeken verpsändet. Wenn diese Anleibepolitik in unem derartigen Tempo fortgesetzt wird, so werden bald alle nationalen Reichtümer Italiens von angelsächsischen Finanzleuten abhängig sein Die italienischen Großindustrieellen, die noch vor kurzem die Geldaeber des Fascismus waren, zeigen sich sehr beunruhigt. Sie fragen sich, ob das jetzige Regime, daß sie aus Furcht vor dem Kommunismus ermutigt batten, sie nicht dem Ruin, der allgemeinen Arbeitslosigkeit und Arbeiterunruben entgegenführte. Mussolini unterstützt einige Firmen dadurch, daß er bei idnen Kriegsmaterial bestellt. Er zwingt die Banken, diesen Firmen das entgegensprechende Kapital zu liefern. Er verfügt über das Bankenkapital wie über ein nationales Eigentum. Die Bilanzen sind gefälscht. Wir könnten eine Gesellschaft der Metallindustrie nennen, die dem Banco Commerciale, dem Credito Italiano usw. medrere hundert Millionen schuldet. Es gibt eine Menge anderer Beispiele. Soll nun ein Streit mit Südslawien, soll eine militärische Besetzung Albaniens aks Gegenmittel gegen diese Zugeständnisse dienen? Kommunistische Umtriebe in Niederländisch=Indien. Haag, 25. März. Wie das Telegraphenbureau Aneta meldet, wurde im Gebiet von Solok(Westküste Sumatras) wiederum eine Reihe von kommunistischen Agitatoren festgenommen. Die Verhaftungen führten zu der Entdeckung von Plänen zu einer neuen kommunistischen Aufruhrbewegung, die Ende März beginnen sollte. Das Arbeitszeitnotgesetz. Die neue Fassung. Berlin, 24. März. Der Entwurf des Gesetzes 4 laut: „Die Verordnung über die Arbeitszeit vom 21 Dezember 1923(Reichsgesetzblatt 1 S. 1249) wird vorbehaltlich einer endgültigen Regelung wie folgt geändert: 1.§ 6 erhält folgenden Abs. 3:„War die Arbeitszeit tarifvertraglich geregelt und ist der Tarif=——“ vertrag seit nicht mehr als drei Monaten abgelaufen, so dürfen die im Abs. 1 bezeichneten Behörden nicht eine längere Arbeitszeit zulassen, als nach— dem Tarifvertrag zulässig gewesen wäre.“ 2. Der bisherige Abs. 3 des§ 6 wird Abs. 4.; 3. Hinter§ 6 wird folgender s 6a eingeschaltet. „Wird auf der Grunolage der§§ 3,5, 6, 9 oder 10 Abs. 2 Mehrarbeit geleistet, so haben die Arbeitnehmer, mit Ausnahme der Lehrlinge, für die über die Grenzen des§ 1 Satz 2 und 3 hinausgehende Arbeitszeit Anspruch auf eine angemessene Vergütung über den Lohn für die regelmäßige Arbeitszeit hinaus. Dies gilt nicht, soweit die Mehrarbeit auch nach den§## 2, 4 oder 10 Abs. 1 zulässig wäre oder lediglich infolge von Naturereignissen, Unglücksfällen oder anderen unvermeidlichen Störungen erforderlich ist. Als angemessene Vergütung gilt, sofern die Beteiligten nicht nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes eine andere Regelung vereinbaren oder besondere Umstände eine solche rechtfertigen, ein Zuschlag von fünfundzwanzig vom Hundert. Im Streitfall entscheidet bindend der Schlichter. War Mehrarbeit schon am 1. April 1927 tarifvertraglich vereinbart oder behördlich zugelassen, so gelten die Vorschriften der Absätze 1 und 2 erst vom Ablauf des Tarifvertrages oder der Genehmigung, spätestens jedoch vom 1. Juli 1927 an. Wird in Gewerben, die ihrer Art nach in gewissen Zeiten des Jahres regelmäßig zu erheblich verstärkter Tätigkeit genötigt sind, in diesen Zeiten über die Grenzen des§ 1 Satz 2 und 3 hinaus gearbeitet, so kann der Reichsarbeitsminister nach Anhören der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer bestimmen, daß die Vorschriften der Absätze 1 und 2 keine Anwendung finden, soweit die Mehrarbeit durch Verkürzung der Arbeitszeit in den übrigen Zeiten des Jahres aus geglichen wird. 4.§ 9 Abs. 1 erhält folgenden Wortlaut: Die Arbeitszeit darf bei Anwendung der in den§§ 3 bis 7 bezeichneten Ausnahme zehn Stunden täglich nicht überschreiten: Ueberschreitung dieser Grenze ist nur in Ausnahmefällen aus dringenden Gründen des Gemeinwohls mit befristeter Genehmigung dei im§ 6 Abs. 1 bezeichneten Behörde oder dann zu lässig, wenn es sich um Vorbereitungs= und Ergän zungsarbeiten handelt, bei denen eine Vertretung des Arbeitnehmers durch andere Arbeitnehmer des Betriebes nicht möglich ist und die Heranziehung betriebsfremder Arbeitnehmer dem Arbeitgeber nicht zugemutet werden kann. Was als Vorbereitungs= u Ergänzungsarbeit anzusehen ist, bestimmt der Reichsarbeitsminister nach Anhörung der wirtschaftlichen Vereinigungen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer 5.§ 10 erhält folgenden Wortlaut: Die nach dieser Verordnung sich ergebenden Beschränkungen der Arbeitszeit finden keine Anwendung auf Arbeiten in Notfällen und in außergewöhnlichen Fällen, die unabhängig vom Willen der Betroffenen eintrete: und nicht auf andere Weise zu beseitigen sind, besonders, wenn Rohstoffe oder Lebensmittel zu ver derben oder Arbeitserzeugnisse zu mißlingen drohen Das gleiche gilt, wenn eine geringe Zahl von Arbeitnehmern an einzelnen Tagen mit Arbeiten beschäftigt wird, deren Nichterledigung das Ergebnis der Arbeit gefährden oder einen unverhältnismäßigen wirtschaftlichen Schaden zur Felze haben würde und wenn dem Arbettgeber andere Vorrehrungen nicht zugemutet werden können. 6.§ 11 Abs. 3 und§ 12 fallen weg.“ Diese Fassung geht bekanntlich auf ein Kompromiß zurück, das zwischen dem Zentrum und der Deutschen Volkspartei nach äußerst langwierigen Verhandlungen zustandegekommen ist. Man darf deshalb annehmen, daß der weiteren parlamentarischen Erledigung keine allzu großen Schwierigkeiten mehr im Wege stehen werden. Kirchliches. Priesterjubiläum in Hastenrath. Am 19. März konnte die Rektoratsgemeinde Hastenrath ein Doppelfest feiern: das Fest des Kirchenpatrons, des hl. Joseph und das silberne Priesterjubiläum ihres Rektors Eugen Knein. Kirche, Straße und Wohnung waren durch Gu,irlanden, Fahnen und Triumphbogen sinnvoll geziert. Prachtvolles Frühlingswetter gab die rechte Festtagsstimmung. Vor dem Hochamt traten Schützen und Trommler spalierbildend an. In fekerlichem Zuge wurde der Jubilar zum Levitenamt abgeholt. us der Reihe der weißgekleideten Kinder überreichte ein kleines Mädchen unter sinniger Deklamation das Birett mit dem Silbersträußchen, ein größeres Kind richtete an den Priesterjubilar die Einladung zur Darbringung des hl. Opfers. Inmitten seiner geistlichen Freunde betrat der Jubilar das Gotteshaus Brausende Orgeltöne erklangen und der Hochaltar Bünzte in herrlichem Kerzen= und Blumenschmuck. Der Kirchenchor trug eine dreistimmige Messe von Piel in hervorragend und schöner Weise vor. In der Festpredigt gab Herr Dechant Pauen=Waldenrath ein begeistertes Bild von dem Wirken des Priesters. Nach dem Festgottesdienst wurde der Jubilar im Festzug unter den Klängen eines exakten Marsches zu seiner Wohnung geleitet, ebenso zu der feierlichen Komplet um 3 Uhr.— Am Spätnachmittag versammelte sich die ganze Gemeinde vor der Wohnung des Juvilars, da in Ermangelung eines Versammlungsraumes von einer weltlichen Feier abgesehen werden mußte. Der Kirchenchor brachte unter Leitung seines rührigen Dirigenten, des Herrn Lehrer Claßen, passende Lieder zum Vortrag. Den Glückwunsch der ganzen Gemeinde sprach der stellvertretende Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Herr Josef Ritterbecks, aus. Dieser überreichte auch das Geschenk der Gemeinde, einen schönen Chormantel. Er brachte sodann ein Hoch auf den Jubilar aus, in welches alle begeistert einstimmten und das von einem Mitgliede der Jungfrauen=Kongregation in einem Gedichte noch einmal aufgenömmen wurde. Der Jubilar dankte allen, die zum Gelingen des Festes beigetragen. Alle Ehre dem Allerhöchsten! Das Dorf, welches seinen Priester ehrt, ehrt sich selbst! Er ließ seinen Dank ausklingen in ein Hoch auf die Rektoratsgemeinde Hastenrath. Dröhnende Böllerschüsse beschlossen den schön verlaufenen Festtag. Wohlfahrtslotterie für Krüppelfürsorge. Die 1904 gegründete Josefs Gesellschaft für Krüppelfürsorge e. V., Bigge=Ruhr, die heute in ihren 10 Anstalten etwa 1200 Körverbehinderte heil pflegt, erzieht und für einen Beruf ausbildet, vera staltete eine vom Herrn Oberpräsidenten von Westsa sen für die Provinzen Rbeinland und Westfalen ge nehmigte Warenlotterie zugunsten der ihr anvertrauten heil= und heimbedürftigen Körverbehinderten. Es werden Waren im Gesamtwert von 40 450 Mark ausgespielt, die von den Körverbehinderten selbst unter guter fachmännischer und künstlerischer Leitung bergestellt wurden. Hauptgewinn ist eine Dreizimmer=Einrichtung. Die Ziebung ist am 15. und 16. Mai 1927, Preis des Loses 1 Mark. Wer davon überzeugt ist, daß Nächstenliebe, soziales Gewissen und Volkswirtschaft, Heilung, Pflege und Berufsausbildung der Körverbebinderten fordern, der sollte umgebend der Joseis=Gesellschaft seine Hand zur Hilfe reichen und für sich einige Lose bestellen, oder dafür sorgen, daß geeignete Geschäfte und Persönlichkeiten eine Verkaufsstelle einrichten. Wer ein Los kauft, verschafft nicht nur den Körperbehinderten die notwendige Arbeitgelegenheit, sondern er trägt auch mit dazu bei, daß noch viele Heil= und Heimbedürftige in den Anstalten der Josefs Gesellschaft Heilung, Pflege und Berufsausbildung erhalten. Lose sind in unserem Bezirk zu haben vom Vinzenz=Krüppelheim, Aachen==Siegel. Gerichtliches. er. Ein Meineidsprozeß vor dem Schwur gericht in Aachen, unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Hoffmann, am vergangenen Freitag, richtete sich gegen einen jungen ledigen Arbeiter aus Blekden, der seit dem Iten Februar in Untersuchungshaft ist. Der Angeklagte hat s. Zt. mit einem gewissen Sch. vom Grundstück der Glanzstoffwerke Oberbruch drei Bleirohre gestohlen: man ist über einen Zaun gestiegen und hat das Blei auf eine Wiese in der Nähe gelegt; dann holte man bei Z. einen Wagen und wollte das Diebesgut aufladen. Da ist ein gewisser R. gekommen und hat ihnen gesagt, die Luft sei nicht rein, sie sollten machen, daß sie fortkämen. Da stand der Angeklagte auf dem Wagen und B. hat ihn nicht erkannt, wohl den Sch. Spüter erfuhr die Polizei von der Sache; eine Frau W. hatte im Mondenschein beobachtet, wie 2 Leute hinter der Fabrik mit einer schweren Last sich zu schaffen machten. Vor dem Heinsberger Amtsgericht erklärte am 20ten Juli der Sch., er sei unschuldig, er habe für einen Fremden den Wagen geholt und dafür 1 Mark erhalten. Der Angeklagte bekundete damals eidlich als Zeuge, er sei an dem Abend gegen 8,30 von Sch. weggegangen: von dem Diebstahl wisse er nichts; das war wissentlich salsch. Sst. wurde wegen Mangel an Beweis freigesprochen. Jetzt legte der Amtsanwalt Bernfung ein; vor der kleinen Strafkammer in Aachen erklärten Sch. und der Arbeiter dasselbe wie früher; diesmal wurde Sch. wegen schweren Diebstahls zu 6 Monaten Gefängnis verurteilt. Die Verhandlung vor dem Schwurgericht war sehr kurz. Die Anklage wurde durch den Ersten Staatsanwalt vertreten. Der Arbeiter, der den Diebstahl und die beiden Meineide zugibt, wurde vom Rechtsanwalt Raprath verteidigt; er erklärt, daß Sch. ihm gesagt habe, er solle das so sagen, sonst würde er bestraft und wenn ich es nicht sagen würdewürde er mich hereinlegen. Sch. hat in der Voruntersuchung das bestritten. Im Schwurgerichtstermin verzichtete man auf die Zeugen(Sch. und dessen Mutter): Der Vorsitzende teilte mit, die Sache sei dadurch herausgekommen, daß die Mutter Sch. nicht reinen Mund gehalten habe. Sie hat einer Frau D. gesagt, es sei Unrecht, daß ihr Sohn allein bestraft worden sei, der Arbeiter sei beteiligt. Frau D. hat es weiter erzahl..... na, man kennt ja die schöne Geschichte von der„Anna, Maria, Sibilla.“ Schließlich kam die Sache der Polizei zu Ohren und der Arbeiter in Haft. Die Verhandlung am Schwurgericht endigte damit, daß der Angeklagte wegen itweren Diehstabls und fortgesetzte wissentlichen Meineid zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt wurde. Der Erste Staatsanwalt hatte schon auf mildernde Umstände im weitesten Maße playdiert: Der Angeklagte sei damals nicht bestraft gewesen, dem Einfluß und der Verführung des oft estraften Sch. unterlegen, bei der Eidesleistung in einer Zwickmühle gewesen und habe von vorneherein den Meineid zugegeben. Die Mindeststrafe bei Meineid ist 1 Jahr Zuchthaus, doch wandte das Gericht § 156 St. G. B. an, wonach die Strafe bis auf ein Viertel herabgesetzt werden kann, wenn der Angeklagte bei der Eidesleistung durch die wahrheitsgemäße Aussage sich selber einer strafbaren Handlung beschuldigt haben würde. er. Herzogenrath. Mehr oder weniger angetrunken, z. T. mit Gummiknüppeln und einer Eisenstange versehen, lärmten in Pesch sieben Bergleute aus einem Ledigenheim auf der Straße, belästigten Passanten und machten dann in einer Wirtschaft einen wüsten Auftritt. Am erweiterten Schöffengericht in Aachen waren sie Donnerstag wegen Landfriedensbruch angeklagt; das Gericht sah als erwiesen an bei allen Angeklagten gemeinschaftliche gefährliche Mißhandlung in 5 Fällen, bei 6 von ihnen auf gemeinschaftlichen Diebstahl eines Mantels auf dem Hofe einer Wirtschaft und bei einem von ihnen Beleidigung der Wirtin Das Urteil lautet auf 7, 8 und 9 Monate Gefängnis. Im übrigen erfolgte Freispruch. er. Aachen. In Münsterbusch drang ein Arbeiter in die Wohnung des Hausbesitzers, mit dem er im Mietstreit lebte, ein, beschimpfte und bedrohte das Ehepaar, mißhandelte den Mann mit einem Hammer und schlug eine Tür ein. Das Schöffengericht verurteilte ihn zu 5 Wochen Gefängnis.— Mit allen Triks„arbeitete“ ein oft bestrafter„Landwirt“ aus Kinzweiler. Er wollte Kartoffeln liefern, verlangte dabei„Anzahlungen“ oder er hatte bei einem Kauf gerade kein Geld und ließ sich„aushelfen". Insgesamt 15 Mark hat er sich so erschwindelk. Das Schöffengericht schickte ihn auf eineinhalb Jahr ins Zuchthaus. Aus dem Volkskursus in Effeld. Was will die Heimatbewezung? Ueber dieses Thema sprach auf dem letzten Kur susabend der Leiter der Heimatbewegung im Kreise Heinsberg, Herr Hauptlehrer Spehl=Hülhoven. Heimatbewegung ist keine Organisation zur Sammlung von Altertümern. Sie erschöpft sich nicht in Lobpreisungen der„guten alten Zeit,“ nicht in in der Veranstaltung von Heimatfesten, Spinnstuben abenden und Trachtenfesten. Sie verliert sich auch nicht in der Veröffentlichung mehr oder minder vou sievoller Naturbetrachtungen und begnügt sich nicht mit der Aufführung heimatlicher Ritterstücke auf der Theaterbühne. Das alles sind nur Mittel zum Zweck. Der Zweck selbst ist die Lebendigmachung echten Heimatgeistes, der seelischen Verbundenheit und der inneren Verantwortlichkeit. Obwohl heute mehr Menschen in den Städten wohnen, als auf dem Lande, ist und bleibt das Land die Hauptquelle der Volkskraft. Die Stadt, besonders die Großstadt, gleicht dem Treibhaus, das Land aber dem Freigarten. Wie das Treibhaus, so kann auch die Großstadt auf die Dauer nicht bestehen wenn ihr nicht ständig urwüchsige, wurzelechte und wetterfeste Gewächse zugeführt werden. Es soll kein Tadel, sondern die Feststellung einer Tatsache sein, daß das Land der Stadt immer neue, frische Kräfte zuführen muß, wenn sie nicht verfallen soll. Und zwar gilt das nicht nur von der körverlichen, sondern auch von der geistigen Kraft. Wissenschaft, Tech nik und Staatskunst findet immer wieder neue Kräftezufuhr vom Lande. Die Heimatbewegung will die Verantwortung, die sich daraus für das Land ergibt, im Volke wecken und erhalten. Der zweite Gedanke ist die Erhaltung der Heimatverbundenheit. Dem Städter soll im Bewußtsein bleiben, was er dem Lande verdankt. Daß der Landmann ihm die Lebensmittel liefert, ist da bei nicht das Wichtigste, obwohl manche Gering schätzung gegenüber dem Landmann das Bewußtsein dieser Tatsache vermissen läßt. Wirkliche Heimatverbundenheit gründet auf der Erkenntnis aller wechselseitigen Beziehungen zwischen Stadt und Land Sie ist also nicht ohne weiteres gleichbedeutend mit der Anhänglichkeit an den Geburtsort, dem Heimatstolz im engsten Sinne; sie ist seelische Gemeinschaft, Menschheitsliebe im weitesten Sinne. Menschen mit solchem Geist bleiben immer mit der Heimat verbunden, auch wenn das Schicksal sie hun dert Meilen von der Geburtsheimat getrennt hat Der dritte Gedanke ist die Erweckung zu prak tischer Betätigung im Dienste der Menschheit. Hei matverbundenheit und Verantwortung bleiben schöne Worte, wenn man nur davon redet. Wenn Heimat liebe gleichbedeutend ist mit Menschheitsliebe im weitesten Sinne, der wird seine Kräfte überall verwerten, gleichviel, wohin das Schicksal ihn verschlagen hat. Es wäre verantwortungslos, seine Kräfte im Dienste der Mitmenschen, z. B. im soziale, Leben oder im Dienste einer Gemeinde nur da betätigen zu wollen, wo wir geboren und erzogen sind Vor einer solchen Pflichtauffassung will die Heimat bewegung uns bewahren. Wir sind stolz darauf wenn Menschen aus unserer engeren Heimat sich auch an anderen Orten nützlich machen. Und sind erfreut, wenn Menschen aus andern Orten bei uns eine neue Heimat finden, mit uns unser Schicksal tragen und ihre Kräfte auch unserem Wohle zur Verfügung stellen. In diesen drei Hauptdingen liegt der tiefere Sinn der Heimatbewegung. Von diesem Gesichts punkte betrachtet, gewinnt auch die Heimatkultur Das heißt: die Pflege heimatlicher Mundart und Sitten. Feste und Lieder, Kirchen und Altertümer, Denkmäler und Geschichte, Landschaft, Tier= und Pflanzenwelt eine edlere Bedeutung. Heimatkultur ist mehr als Zeitvertreib oder Liebhaberei, sie ist Dienst am Volke, Veredelung der Menschheit. Und noch ein Letztes: Die Heimatbewegung will den Zeitgeist überwinden helfen. Sie kann es nicht allein: es gehören auch religiöse Mittel dazu. Wenn aber Heimatfreudigkeit und Berufsfreudigkeit untergegangen sind im Zeitgeiste der Profitsucht, so kann die Wiedererweckung dieser Dinge auch die Schäden des Zeitgeistes bessern. Damit würde sie auch dienen, der sozialen Versöhnung der Stände und der sittlichen Wiedererstarkung des Volkes. Anmerkung des Berichterstatters: Der Redner hat eine Schwierigkeit übersehen, die er als Einheimischer sicher noch nicht empfunden hat. Das ist jene Uebertreibung des Heimatstolzes, die sich in einer gewissen Ablehnung gegen die aus anderen Gegenden Zugezogenen äußert. Es gibt leider Menschen, die jeden Zugezogenen, vornehmlich die aus anderen Provinzen, als Fremden bezeichnen und ihm das Recht zum mitreden und mittun versagen. Möge die Heimatbewegung erreichen, daß diese, die freudige Mitarbeit hemmende Schwieriakeit überwunden wird. R. K. Lokales. * Heinsberg, 28. März 1927. —n Vom Zuge überfahren. S####tag Abend spät wurde in der Nähe des Güterschz#pens zwischen den Geleisen die Leiche eines Mannes namens Dorsch aus Schanz bei Oberbruch gefunden. Wie der Mann, dem ein Bein abgefahren war, zu Tode gekommen ist, konnte nicht restlos aufgeklärt werden. Auf der Strecke, zwischen Heinsberz—Grebben wurde die Mütze, ein Schuh u. die Brieftasche mit Geld des Verunglückten gefunden. Merkwürdigerweise konnten an keiner Maschine, die die Strecke in der kritischen Zeit passiert haben, irgendwelche Spuren des Unglücks entdeckt werden. Da die dem Verunglückten gehörigen Sachen in der Nähe des Schafhausener Weges gefunden wurden, scheint dort auch das Unglück geschehen zu sein. Der Körper hat sich dann wahrscheinlich irgendwo festgehakt und ist bis zur Fundstelle am Güterschuppen mitgeschleift worden. Jugend und Religion. Auf den, 3. von der Kreisjugendpflege veranstalteten Jugendabend wurde auch das allbekannte Lied gesungen:„Wem Gott will rechte Gunst erweisen...“ Es ist eines der schönsten und frischesten Lieder, die uns Eichendorff geschenkt, steht mitten drin in der eigenartig seinen Erzählung:„Aus dem Leben eines Taugenichts“ mit ihrem Glück und harmlosem Leichtsinn eines treuherzigen deutschen Jungen. Vor etwa 100 Jahren ist diese Geschichte erschienen. Wenn wir heute ihre Stimmung empfinden wollen, müssen wir einen Augenblick die Augen schließen und die Gegenwart vergessen Denn die Gegenwart ist anders. Der Gegenwart galt der inhaltsreiche Vortrag des Herrn Dr. Funke(M.=Gladbach), in dessen Person der Volksverein einen jugendlichen, feurigen Redner nach Heinsberg entsandte. Er hat es zweifellos verstanden, sowohl die Jugend als auch die Erwachsenen und Jugendführer zu fesseln und manches bedeutungsvolle zu sagen Wenn heute am Wirtshauetisch, so meinte er, der Gesprächsstoff ausgegangen ist, sällt mann über die heutige Jugend her. über ihre Zerfahrenheit und Verderbuis. Der junge Anwalt der Jugend schilderte die Not, vor allem die seeliche Not der Jugend von heute, hob die sozialen Ursochen hervor, griff hinein in die Entstehungsgeschichte des„Kapitalismus“ und der modernen Technik, in der der Mensch gegenüber der religiösen„mittelalterlichen“ Ueberzeugung dem nackten Nützlichkeits rinziv geopfert und gewertet wurde, wie irgend ein Betriebsstoff. Erschütternde Beispiele führte er vor des zerrütteten Familienlebens unserer Zeit:„Die Jugend ist nicht schlechter als unsere Zeit“ Aus der Großstadt namentlich waren diese ernsten Bilder genommen, aber die Stadt kommt auch zum Lande, wenn wir uns auch das Wort(Spenglers) nicht zu eigen machen wollen:„Die Stadt hat über das Land endgültig gellegt“ Ueber die Schwierigkeiten, welche die heutige Jugendführung zu überwinden hat, ließ der Vortrag keinen Zweifel. Sie sind dem Seelsorger, dem Lehrer bekannt, ebenso wie die Fehler, die emacht worden sind und gemacht werden. Jugend und Religion: Ueberzeugende Beweisführung und Begeisterung gaben den Worten, die der Redner über die Bedeutung der Religion in der Jugend und für die Jugend fand, besondere Kraft und Glut: der Gottesgedanke für die Jugend, vo frisch und lebendig, durchsonnt von der Liebe zu aller Kreatur, wie ihn der hl. Franziskus verwirklicht hat Dieser 3. Jugendabend in Heinsberg war überaus gut besucht. Herr Landrat Classen wies eingangs hierauf hin und hob den Wert hervar, den die Religion für die Jugend, aber auch für das ganze Volk und den Staat hat. Ein ernstes Dank= und Schlußwort zu dem Vortrage sprach Herr Dechant Msgr. von den Driesch, indem er die Ausführungen des Redners vom Volksverein bekräftigte Wenn nicht die Religion die Grundlage für unsere Jugend ist, dann bauen wir in die Luft. Sie darf aber kein Phantom, sie muß praktisch sein; sie muß sich zeigen im täglichen Leben. die Hände müssen sich falten zum Gebet, die Jugend muß sich ihrer kirchlichen Pflichten bewußt werden. Bedauernswert sei es, daß die Jugendpflege so zersplittert wird: ür die katholischen Jünglinge ist die Jünglingskongre= gation die richtige Stätte Und ein treffendes Beispiel führte der Herr Dechant an, das manchem„Volkebeglücker“ zu denken geben sollte. Als Sokrates, der griechische Weise und edle Mensch einst seine Schüler für das Gute und Schöne zu erziehen suchte, begegnete ihm ein Volksverführer und rief ihm zu: Was Du die Jugend in einm ganzen Jahre lehrst, das kann ich in - Stunden zer ören. Das glaube ich wohl, erwiderte Sokrates: Du führst die Jugend den Bera hinunter; ich führe sie hinauf Unter lebhaftem Beifall rief der Herr Dechant den Jugendlichen zu:„Hütet Euch vor denen, die Euch den Berg inunter führen wollen.“ Wie an dem vorhergehenden Abend wurde auch diesmal in Blachetta=Bühnenspiel aufgefühtt: Diesmal„Die Geschichte einer Mutter.“ Das Spiel machte einen großen Eindruck dank des guten Zusammenwirkens der Beteiligten und auch besonders des ausgezeichneten Spieles der Darstellerin der Mutter Die Heinsberger Laienspielschar, hat ebenfalls ganz vorüglich gefallen. Die Jugendlichen aber, welche die Gedichte vortrugen, waren prächtig. —n Vom Kreisverband Heinsberg des Zeutralverbandes Deutscher Kriegsbeschädigter und Hinterbliebener var auf gestern Nachmittag zur diesjährigen Hauptfersammlung geladen. Der Vorsitzende des Kreiserbandes, Herr Kleinen=Dremmen, eröffnete die ark besuchte Versammlung und begrüßte die Kameraden und Kriegerfrauen, die Gäste, und insbesondere den errn Landrat, welcher durch sein Erscheinen seine Sympbatie für den Verband und seine Bestrebungen ekundete. Nach Bekanntgabe der Tagesordnung wurde unächst der Gefallenen gedacht, indem sie durch Erbeben von den Sitzen geehrt wurden. Redner dankte dann allen denen, die für das Wohl der Kriegsopfer tätig sind und die Not lindern helfen. Nach Erstatrung des Geschäfts= und Kassenberichts gab Herr Rechnungsrat Corsten Auskunft über die Leistungen und Arbeiten der Fürsorgestelle. Auch im Rechnungsjahre 1926 sei die soziale Kriegsbeschädigten= und Kriegsbinterbliebenen=Fürsorge im hiesigen Kreise nach den bisberigen Grundsätzen fortgeführt und mit Rücksicht aus die noch herrschenden schwierigen Wirtschaftsverhältnisse in möglichst weitherzigenn Umfange betrieben worden. Es wurde betont, daß durch die Abwälzung der sozialen Kriegsbeschädigten= und Kriegsbinterbliebenenfürsorge auf die Kommunen keine Verschlechterung, sondern eine Verbesserung der Lage der Kriegsopfer im hiesigen Kreise eingetreten ist, da die zu diesem Zweck aus Kreismitteln zur Verfügung gestellten Beträge wesentlich höber seien, als die in früberen Jahren aus Kreismitteln bewilligten Beträge. 1926 seien an bedürftige Kriegsopfer in 310 Einzelsällen über 6000 Mark verwandt worden. Dieser Betrag ist als Sach= und Barspenden und Uebernahme für Arzt= und Apotbekenkosten benutzt worden. An Berufs= und Erziehungsbeihilfen an Kriegswaisen und Kindern von Kriegsbeschädigten wurden 765 Mark verteilt. Auch der Gesundheitsfürsorge ist seitens der Fürsorgestelle gedacht worden: 36 Kinder sind zu Erholungs= und Heilstätten==Kursen entsandt worden. Für die Einkellerung von Kohlen und Kartosseln sind die Kosten vorschußzweise übernommen worden. 214 Versorgungsberechtigte sind mit 612 Zentner Kartosseln und 2780 Zentner Kohlen beliefert worden. Die Kosten hierfür betragen 6843 Mark und ist dieser Betrag bis März ds. Is. ratenweise von den Zusatzrenren einbehalten worden. An 1118 Personen werden Zusatzrenten bezahlt.— Hierauf nahm Herr Landrat Classen das Wort. Er bat zunächst um Entschuldigung, daß er in den letzten zwei Jahren leider der Jahres=Versammlung nicht habe beiwohnen können. Es sei ein Ding der Unmöglichkeit, es allen Menschen Recht zu machen. Deshalb sei es auch nicht immer möglich, allen Wünschen der Kriegsopfer zu entsprechen. Es sei Pflicht des Staates für die Kriegsopfer zu sorgen; aber die finanzielle Leistung des Staates erlahme, da leider zu viele Fälle zu berücksichtigen seien. Was aber seitens des Kreises geschehen könne, werdea usgeführt. Alle berechtigten Wünsche der Kriegs. opfer, die ausführbar seien, würden vom Redner mit aller Entschiedenheit vertrebten. Auch erwähnte der Herr Landrat mit Genugtuung das reibungslose Zusammenarbeiten zwischen Verwaltung und Kreisverbands=Vorsitzenden. So möge es für alle Zukunft bleiben. Die Summe des zinslosen, kurzfristigen Kapitals soll von 2000 auf 10000 R.=M. erhöht werden. Für seine trefflichen Ausführungen wurden dem Redner Dank und lebhafte Anerkennung zuteil.— Der erste Vorsitzende des Landesverbandes Rbeinland, Herr Gustav Scholz=Essen, hielt sodann einen Vortrag über die allgemeine Lage der Versorgung und unsere Forderungen. Nach den gemachten Erfahrungen scheine man bei der Reichsregierung nicht mehr das nötige Verständnis für die Forderungen der Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zu haben. Man scheine dort nicht mehr zu wissen, daß es einmal einen Weltkrieg gegeben. Anstatt daß das Versorgungsgesetz verbessert würde, kämen Verschlechterungen vor. Das Reichsarbeitsministerium sei nicht mehr das, was es gewesen, es versuche Ausgaben zu sparen auf Kosten der Kriegsbeschädigten. Redner behandelt an Hand reichhaltigen Materials die erstrebenswerten Forderungen, wobei er besonders der Heilbehandlung das Wort redete. Herr Schieffer=Türen redete über die Organisation und bedauerte, daß noch so viele Kameraden a.bseits ständen. Um mehr zu erreichen, müßten alle tatkräftig mitarbeiten. Zum Schluß sprach Herr Thelen=Aachen über Vers. Gerichts=Angelegenheiten. Dann wurde die ausgezeichnet verlaufene Tagung vom Vorsitzenden geschlossen. Kursus in der Krankenpflege. Von Seiten des Vaterländischen Frauen=Vereins und des Zweigvereins vom Roten Kreuz ist die Abhaltung von Unterrichtskursen in der Krankenpflege und in der ersten Hilfeleistung bei Unglücksfällen beschlossen worden. Der Kursus, der nur für Personen weiblichen Geschlechtes bestimmt ist, soll in der Hauptsache der Unterrichtung in der Krankenpflege gewidmet sei und beginnt am Dienstag, den 29. März ds. Mts. abends 6 Uhr in der Wirtschaft Houben, hierselbst, Apfelstraße Anmeldungen zu den Unterrichtskursen verden im Ge schäftszimmer des Wohlfahrtsamtes im Kreishause hierselbst entgegengenommen. Aus Nah und Fern. () Wassenberg. Herr Hauptlehrer Dörenkamp von hier ist zum 1. April unter Beförderung zum Konrektor nach Düren versetzt worden. Man sieht den tüchtigen Schulmann nur ungern scheiden, da er sich in den langen Jahren seiner Tätigkeit an der hiesigen katholischen Volksschule wegen seines geraden aufrechten Wesens in allen Bevölkerungsschichten reiche Sympathien erworben hat. Wir wünschen ihm auch in seinem zukünftigen Wirkungskreise reiche Erfolge. () Wassenberg. Wie wir erfahren, wird der augenblicklich im Priesterseminar in Köln studierende Diakon Hubert Bienen bereits zu Pfingsten zum Priester geweiht werden. Er ist der zweite Sohn des Landwirtes Heinrich Bienen von hier, der sich dem Priesterstande widmete; sein älterer Bruder hat bereits im Herbst 1924 die Priesterweihe erhalten und wirkt seitdem als Kaplan in Essen. () Wassenberg. Seit einigen Tagen hat das hiesige Postamt wieder die zweite Postbestellung eingeführt, sodaß nunmehr auch auf diesem Gebiete wieder Vorkriegsverhältnisse geschaffen sind. Namentlich für den Gewerbetreibenden, aber auch für den Privatmann konnten aus der einmaligen Bestellung manche Unannehmlichkeiten erwachsen, sodaß die neue Einrichtung, die die Postverwaltung, dank den ernsthaften Bemühungen der Gemeindeverwaltung und des Verkehrs= und Verschönerungsvereines in entgegenkommender Weise eingeführt hat, nur begrüßt werden kann und hoffentlich auch bestehen bleiben wird. — Kreuzratd. Mit allgemeinen Interesse und großer Freude hat man hier von der bevorstebenden endgültigen Anstellung des alllverebrten und bei Jung und Alt beliebten Herrn Lehrers Schiffer vernommen. Die Jahre seiner hiesigen Tätigkeit waren eine wirkliche Seaenszeit für die biesigen Schulverbältnisse, die damals sehr zu wünschen übrig ließen. Nicht genug daß er in ausopferndster, rastloser und mübesamer Pflichterfüllung die Schule zu beben suchte, auch der Kreuzrather Gesangverein verdankt seinem Wissen und Können seinen glänzendem Ausstieg. Hoffen wir, daß Herr Lehrer Schiffers noch lange in unserer Mitte weilen wird, da die Schule und auch ganz Kreuzrath in ihm den Mann gefunden hat, den man sich schon lange wünschte. Cofferen. Wer kennt nicht das kleine stille Landdörfchen Cofferen zwischen Geilenkirchen=Erkelenz, berühmt durch seine wandernden Musikanten? Wird doch von Cofferen gesagt:„Die Hecken und Zäune sind hier musikalisch.“ Die Geschichte der Musikanten reicht bis ins 16. Jahrhundert zurück Nun hat Cofferen noch eines der ältesten Denkmäler religiöser Kunst, die aus dem 11. Jahrhundert stammende Kirche; aus Bruchsteinen und römischen Ziegeln ist sie hergestellt. Eine Sage erzählt, daß der hl. Bernhardus auf seiner Missionsreise in diesem alten Kirchlein die hl. Messe gefeiert habe. Nach und nach wurde nun, da der Ort sich immer vergrößerte, dieses Kirchlein auch zu klein. Ende vorigen Jahres beschloß der Kirchenvorstand einen Erweiterungsbau dieser Kirche nach den Plänen des Aachener Münsterbaumeister Buchkremer, die auch vom Provinzialkonservator genehmigt wurde. Alle Arbeiten gingen schnell voran, und dem ersten Spatenstich folgte rasch die Grundsteinlegung. Alle verfügbaren Leute aus dem Orte helfen aus freien Stücken mit. Jetzt freut sich schon die ganze Pfarrgemeinde auf die feierliche Einweihung. (a.) Vlodrop(Holl.) In der ersten Hälfte des Monats April wird die Beschlußfassung über eine mögliche Ausbeutung des Grubenfeldes Vlodrop fallen. Dem Vernehmen nach wird das Konsortium, das das Grubenfeld in der Hand hat, beschließen, den Abbau zu unternehmen und das Terain vom holländischen Staate zu kaufen. (K.) Aus dem südlimb. Kohlenrevier. Die gesamte Produktion aller südlimburgischen Gruben betrug im Februar 701 751,30 Tonnen. Die Anzahl der beschäftigten Arbeiter sämtlicher Gruben betrug am 1. März 1927 24283 unter Tag und 8945 über Tag.—(Unglückschronik.) Bei Heerlen wurde ein Radfahrer von einem Auto überfahren. In Stockem brach eine Feuersbrunst aus, der ein ganzes Auwesen zum Opfer fiel. Nur das Vieh konnte gerettet werden. Auf Staatsgrube„Hendrik“ geriet ein Bergmann aus Schinfeld unter herabfallendes Gestein, er liegt hoffnungslos darnieder. M.=Gladbach. Ein 17jähriges Mädchen warf sich hier in selbstmörderischer Absicht vor die Straßen bahn. Der Straßenbahnführer vermochte aber seih nen Wagen durch starkes Bremsen noch rechtzeitig anzuhalten. Die Lebensmüde, die vor einigen Tagen bereits einen anderen Selbstmordversuch unternommen hatte, gibt an, häuslicher Unfriede habe sie zu dem Entschluß gebracht, aus dem Leben zu scheiden. Stolberg. Abends geriet vor der Prymschen Fabrik ein viereinhalbjähriges Kind unter einen Kleinbahnwagen der Linie 19. Mit großer Geistesgegenwark zog der Führer alle Bremsen an, sodaß der Wagen im Augenblick um a: Das und lag mit dem Kopf an den Schienen und etwa noch eine Hand breit vor den Rädern. Der Vorderteil des Wagens hatte sich über das verunglückte Kind geschoben, sodaß es nur durch Heben des Wagens aus seiner schlimmen Lage befreit werden konnte. Zum Heben des Wagens war aber keine Winde zur Verfügung. Ein Autoführer, der vorüberfuhr, stellte eine Winde zur Verfügung, die aber nicht stark genug war und zerbrach. Schließlich gelang es, den Wagen zu heben und das Kind zu befreien. Es hatte nur leichte Hautschürfungen davongetragen. Mainz. Am 26. März wurden vom französischen Kriegsgericht die beiden Soldaten, die am 8. Januar deutsche Zivilisten, darunter zwei Frauen, durch Faustschläge auf den Kopf schwer mißhandelt hatten, zu je drei Monaten Gefängnis verurteilt. Landwirtschaftliches. Myhl. Dem Wunsche vieler Landwirte entsprechend — finden am Dienstag 29 März Abends 8 Uhr im Jugendheim O zu Myhl Vorträge u. Lichtbildervorführungen über Veiwendung, Vorteile u. s. w. bei Anwendung der künstlichen Düngemittel statt. Unter andern werden sprechen Dir. Steffen, Dir. Rossin, Dr. Etalen, Leiter von Stickstoff Kalisyndikta und der Superphosphat Industrie. Da dieVeranstaltung für alle Laudwirte u. Interessenten belehrend sein wird, kann der Besuch allen von Myhl u. Umgegend nur dringend empfohlen werden Aus aller Welt. Vier Todesurteile. Das besondere Schwurgericht des Landgerichts 3 in Berlin hat die vier Hauptangeklagten des sogenannten Wilms=Prozesses zum Tode verurteilt, und zwar wegen Mordes an den Feldwebel Walter Wilms aus Neumünster im Juli 1923: den Oberleutnent a. D. Fritz Fuhrmann, den Feldwebel Peter Umhofer us) Erich Klapproth, wegen Anstiftung dazu den Oberleutnant a. D. Paul Schulz. Drei weitere Angeklagte wurden freigesprochen. Die ebenfalls angeklagten Feldwebel Büsching und Fahlbusch sind flüchtig und galten schon im Landsberger Femeprozeß als unaussindbar. Die Leiche des Wilms wurde am 24. Juli 1923, mit Eisen beschwert, in der Havel gesunden: als Todesursache wurde Kopischuß festgestellt. Am Schluß seiner Urteilsbegründung teilte der Vorssitzende mit, daß das Gericht beschlossen habe, ein Guadengesuch für die Verurteilten einzureichen. Stapellauf des Kreuzers„Königsberg“. Wilbelmsbaven, 26. März. Heute vormittag wurde auf der hiesigen Reichswerft der kleine Kreuzer„Königsberg“ vom Stapel gelassen. Schon in den Morgenstunden boten Stadt und Werst ein #ebhaftes Bild. Ueberall grüßten Fahnen und Wimp] Zablreiche Ebrengäste waren aus dem ganzen Reich berbeigeströmt, um dem feierlichen Akt beizuwohnen. Es nahmen u. a. teil: Staatssekretär Dr. Pünder, Staatssekretär Gutbrod, der Staatspräsident von Oldenbura, von Finko, der Oberpräsident Siehr von Königsberg, zablreiche Abgeordnete des Reichstages, Vertreter der Militär= und Zivilbehörden. Auch die Marineleitung und das Kommando der Marinestation, das Flottenkommando und das Marinearsenal Kiel waren durch Abordnungen vertreten. Celbstmordversuch im Bölkerschlachtdenkmat. Leipzig, 25. März. Am Freitagnachmittag stürzte sich während einer Führung im Völkerschlachtdenkmal ein in einem hiesigen Krankenhaus tätiger, 33 Jahre alter Arzt, plötzlich aus etwa 20 Meter Höhe auf die Steinfließen der Halle hinab, wo er mit schweren äußeren und inneren Verleßungen liegen blieb. Sein Zustand ist lebensgefährlich. Zusammenstoß eines Eisenbahnzuges mit einem Dampfer. Ein Eisenbahn= und Schiffsunfall, wie er sowohl in der Chronik der Eisenbahnunfälle, wie in der der Schiffadrtsunfälle einzig dastehen dürfte, hat sich unlängst in Nordamerika ereignet. Als im Ansang diees Jahres die regelmäßiger Ueberschwemmungen des Obio einsetzten; wurden auch wieder, wie häusig, die Eisenbahngeleise auf den dem Fluß benechbarten Landstrecken unter Wasser gesetz:. Dieser Zustand hatte zur Folge, daß, so komisch es klingt, ein EtenbahnZug mit einem Dampfschitf zusammenstief. Der Dampfer, ein Schiff mit geringem Tiefgang, war aus seinem Fahrwasser herab und über die überschwemmten User des Flusses geraten, so daß er ganz vergnügt über dem festen Boden herumgondelte. So geschah es, daß der Dampfer, ohne es zu abnen, auf die Eisenbahngeleise der Strecke Lonisville=Nasyville geriet, die etwa eineinhalb Meter hoch von dem Wasser überflutet waren. In diesem Augenblick kam ein Eisenbahnzug, dessen Führer naturgemäß über das sonderbare Hindernis sehr erstaunt war. Es gelang ihm nicht mehr, rechtzeitig zu bremsen, so daß der unvermeidliche Zusammenstoß zwischen Eisenbahnzug und Dampsschift erfolgte. Zwar hatte der Führer des Dampfers, dem es gleichfalls nicht gelang, das Unheil abzuwenden, noch rechtzeitig durch verzweifelte Sirenensignale die Katastrophe abzuschwächen versucht. Es war aber zu spät, und mit großen Krachen stieß die Lokomotive an die Schiffswand. Nur mit großer Mübe gelang es. mit Hilfe einiger anderer herbeigeeilter Schiffe und einergleichfalls hinzugezogenen Lokomotive, die vor dem bintere Ende des Zuges gekuppelt wurde, die beiden ungleichen Gegner auseinander zu bringen. Der Dampfer wurde abgeschleppt: es zeigte sich dann, daß der Schaden nicht groß war, und so konnte denn das Dampfschiff sowohl wie der Eisenbahnzug nach diesem seltsamen Erlebnis die unterbrochene Reise fortsetzen. Personen sind bei dem Unsalll nicht verletzt worden. Im nächsten Jahre wird man vielleicht hören, daß sich ein Eisenbahnzug, um Revanche zu nehmen, auss Wasser begeben habe. Ein Polizeibeamter zu Tode Vor dem erweiterten Schöffengericht in Essen fand eine deisviellos rohe Tat ihre Sühne, die im letzten Sommer von einer Rotte rabiater Burschen in Wanne=Eickel verübt worden ist. Bei dieser wüsten Ausschreitung ist ein Polizeibeamter in Ausübung seines gefahrvollen Dienstes förmlich zu Tode getreten und gestochen worden, während ein anderer Beamter, der ihn begleitete durch Messerstiche schwer verletzt worden ist. Auf der Anklagebank sitzen die Bergleute Heinrich Kirsch, Heinrich Dorn, Gustav Bodzian, der Schmied August Bartlewski, der Schlosser Rudolf Bodzian, der Schlosser Paul Kasperski und der Bergmann Fritz Kaminski, sämtlich aus Wanne=Eickel. In der Nach zum 23. August befanden sich die beiden Polizeiwachtmeister Hülsmann und Peters auf einer Streise durch Eickel. Als sie um die Mitternachtsstunde in der Näbe des Volkshauses gekommen waren, vernahmen sie Lärm und wüstes Gröhlen, das aus dem Volkshause drang. Da die beiden Beamten sofort erkannten, daß in der Wirtschaft ein Streit ausgebrochen war, begaben sie sich in das Lokal, wo es wüst berging. Wegen eines Glases, das zerschlagen worden war, hatte man einen Streit entsesselt. Die Wirtin und der Kellner konnten der lärmenden Gäste, die sich in der Hauptsache aus den Ang klagten rekrutierten, kaum Herr werden, und waren frob, daß die Polizeibeamten kamen und einschritten. Die Wirtin suchte die Rubestörer durchaus los zu werden, daß sie Feierabend gebot, während die beiden Polizeibeamten sich alle Mübe gaben, die Leute aus dem Lokal zu entfernen. Das war allerdings keine so leichte Sache. Die aussässigen Burschen, deren Gemüter durch den Alkohol schon ziemlich erbitzt waren, kümmerten sich zum Teil nicht um die Anordnungen der Polizeibeamten, so daß mehrere von ihnen mit Gewalt an die frische Luft gesetzt werden mußten. Bald darauf kehrte einer von ihnen, der seinen Hut zurückgelassen hatte, in die Wirtschaft zurück, in der Wirtin und Kellner inzwischen mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt waren. Nun kam es abermals zu einer geräuschvollen Auseinandersetzung, so daß die beiden Polizeibeamten zum zweitenmal gezwungen waren, einzuschreiten und die Rub: wiederberzustellen. Dann wurde, um weiteren unliebsamen Zwischensällen vorzubengen, das Lokal abgeschlossen. Mittlerweilen hatten sich die rauflustigen Burschen draußen zusammengesunden. Unbeil sinnend standen sie unter den Bäumen in der Näbe der Wirtschaft M. beieinander und beratschlagten, wie sie sich an den beiden Polizeibeamten reiben könnten. Diese ahnten nichts Gutes und trieben die Leute auseinander. Plötzlich, wie auf ein gegebenes Zeichen, stürzten sich die roben Burschen auf den Polizeibeamten Hülsmann und schlugen auf ihn ein, bis er am Boden lag. Der Oberwachtmeister Peters, der in kurzer Entfernung abseits gestanden hatte, kam seinem Kollegen zu Hilie: aber auch er wurde angegriffen und so schwer mißhandelt, daß er zusammenbrach. Als er sich mühsam wieder erheben wollte, wurde er zum zweitenmal zu Boden geschlagen. Die Unbolde stachen mit Messern auf ihn ein. Gleichzeitig wurde auch der zu Boden gestreckte Hülsmann scheußlich mißhandelt und mit Messern bearbeitet. Plönlich sah Peters die Burschen sämtlich querseldein lausen. Sie entkamen in der Dunkelheit. Aus mehreren kiesen Wunden blutend, erhob sich Peters und sah seinen Kollegen in einer Blutlache auf der Straße liegen, unsähig, sich zu erbeben. Er begab sich zur Wirtschaft zurück, um Hilie berbeizubolen. Hülsmann gatte inzwischen oas Bewußtsein verloren. Er war gräßlich zugerichtet. Der Körver war mit Messerstichen über und über bedeckt. Der Kopf wies schwere Verletzungen auf, die nicht von dem Messer herrührten. Die gewalttätigen Burschen hatten den Kopf des Beanten mit wüster Gewalt mit ihren Füßen bearbeitet. Der schwerverletzte Beamte wurde schleunigst in das Krankenhaus gebracht. Dort ist er zwei Tage später an den surchtbaren Verletzungen gestorben. Die Obducktion ergab, daß ihm, abgesehen von den Messerstichen, die Schädeldecke eingetreten war. Peters hatte fünf Messerstiche erhalten, die nicht tödlich gewesen sind. Die Unmenschen konnten einige Tage nach der rohen Tat festgenommen werden. In der Verhandlung vor dem erweiteren Schöfsengericht konnte im einzelnen nicht festgestellt werden, im welchem Umsange und welcher Art die Angeklagten sich an den furchtbaren Mißhandlungen beteiligt baben. Zu den Haupttätern gehören jedenfalls die beiden Brüder Bodzian, von denen einer sich später sogar noch seiner Untat gerühmt hat mit den Worten, er habe mit dem Kopf des Hülsmann ordentlich Fußball gespielt. Das Gericht verurteilte nach der„Ess. Volkszta.“ sämtliche Angeklagten wegen Raushandels und erkannte gegen Gustav Bodzian auf eine Gefängnisstrase von 2 Jahren 6 Monaten, gegen Bartlewski auf 1 Jahr und 6 Monate, gegen Kasperski auf 2 Jahre, gegen Rudolf Bodzian auf 2 Jahre 6 Monate, gegen Kaminski ebenfalls auf 2 Jahre 6 Monate, gegen Kirsch auf 1 Jahr und gegen Born auf 9 Monate Gesängnis. Sämtliche Angeklagten wurden aus der Untersuchungshaft vorgeführt bis auf die beiden Brüder Bodzian, die mit Rücksicht auf die schwere Erkrankung ihrer Mutter einstweilen auf freien Fuß gesetzt worden waren. Das Gericht beschloß aber angesichts der Höhe der über sie verhängten Sträfen ihre sofortige Wiederverhaftung. Und nun der tragische Abschluß der Gerichtsverhandlung. Der Verteidiger der Brüder Bodzian betonte in seiner Verteidigungsrede die schwere Erkrankung der Mutter und bezweiselte, daß die Mutter eine Verurteilung ihrer Söhne überleben werde. Als die Mutter von der Verurteilung ihrer beiden Söhne und von ihrer Verhaftung Kenntnis erhielt, brach ihr der Kummer über die Untat ihrer Söhne das Herz. Sie überlebte die Verurteilung nicht lange. Einige Stunden, nachdem sie die Kunde davon erhalten hatte, war sie tot. Sport vom Sonntag. Fußball im Bezirk Heinsberg. Randerath—Prummern 2: 1. Neuhaaren—Lieck=Kirchhoven 1: 4. Heinsberg—Dremmen 1: 2. Arminie Vieleseld- Duisburger Spielverein 0:4. Annäbrend 20000 Zuschauer bekamen einen Kampf zu sehen, der, wie es stets bei diesen beiden Meistern der Fall gewesen ist, von der ersten bis zur letzten Minute fesselte. Nach etwa 20 Minuten kommt der Spielverein zum ersten Tor. Sackenheim 1 hatte seinem Bruder zugespielt, der, ohne lange zu zögern, aus 12 Meter Entsernung unbaltbar einschoß Arminia wird nun ziemlich deutlich überlegen, aber die Angrisse sind zu lasch und zu wenig, als das man das Gesübl haben könnte, daß die Arminen den Ausgleich berbeiführen, geschweige denn einen Vorsprung herausbolen würden. So ebbt denn bald das Tempo der Arminen wieder ab, und etwa 10 Minuten vor der Pause kann Meinberg auf eine schöne Vorlage von Malsch das zweite Tor erzielen.— In der zweiten Hälfte zeigt sich der Dutsburger Spielverein edenso sorsch wie zu Beginn. Als dann in der 14. Minute nach einem schönen Zusammenspiel Sackenheim 2=Malsch Duisburg den dritten Treffer erzielt, ist der Kampf entschieden. Die Angriffe der Westfalen werden immer kraftloser, die Läuserreibe ist überlastet und gibt immer mehr nach. In der 31. Minute ist es wiederum Meinberg, der erfolgreich sein kann. Mit diesem Resultat gibt sich Duisburg zufrieden und bei abflauendem Tempo gebt der Kampf ohne weitere nennenswerte Ereignisse zu Ende. Endkämpfe in allen Landesverbänden. Westdeutschland: Runde der rsten: Arminia Bieleseld gegen Duisburger Spielverein 0:4. S. V. Schalke 04— e. K. Hagen 05 3•0, Fortuna Düsseldorf—Kurhessen Kassel 1:2. Runde der Zweiten: Turn Düsseldorf gegen Borussia Rheine 5:1, B. V. Altenessen gegen S. K. Odenkirchen 07 9:1, F. V. 80 Duisburg— Spielverein Kassel 3:1. Um die süddeutsche Meisterschaft. Runde der Ersten: 1. F. K.Nürnberg gegen V. f. B. Stuttgart 5:1, F. S. V. Frankfurt— SpielDie Frau im Hermelin. Kriminal=Roman von E. R. Punshon. Autorisierte Uebersetzung von Otto Vonderbank. 15.„—[Nachdruck verboten. Der Mann vom Varietee. Es war fast komisch: Der erste Gedanke, der in Harold aufstieg, hatte mit Isobel nichts zu tun, sonDern war ein Gedanke bitteren Vorwurfs Courtland hegenüber! Das mußte ja eine nette Verkleidung sein, die ihm dieser Courtland da aufgehängt hatte! Weshalb steckte Courtland ihn in dieses blödsinnige Maskenzeug, wenn man ihn doch sofort erkannte! Nun, er würde Mr Courtland seine Meinung schon sagen; hübsch deutlich, klar, präzise! Er lehnte sich gegen die Bar und horchte. Da— wieder hörte er die liebe Stimme— diesmal in leidenschaftlichem Flehen: „Hurold! Lieber Harold! Du verstehst mich doch? Du wirst mir doch helfen? Und dann hörte er das leise Lachen eines Mannes. Mit einem Satz war Harold über den Schenktisch gesprungen, warf sich gegen die Tür und—— Er blieb maßlos erstaunt stehen, sah nach links, sah nach rechts, wurde immer erstaunter. Nirgends eine Spur von Lady Isobel! Und aus dem kleinen Zimmer hinter der Bar, in dem er jetzt stand, war doch die Stimme gekommen— wie aus nächster Kähe hatte er doch die Worte gehört! Das Zimmer, in dem er stand, wurde anscheinend als Küche benützt. Es war sehr klein. Weder war eine zweite Türe sichtbar noch ein großer Schrank, in dem sich jemand hätte verstecken können. Und die beiden Menschen, die in dem Zimmer waren, saßen ganz ruhig da und zeigten keinerlei Harold erkannte Mrs. Davis, die dicke Wirtin, sofort wieder. Auch heute trug sie das schmutzige idenkleid. Sie saß am Herd, vor sich hinnickend, ein vergnügtes Lächeln auf ihrem unsympathischen * Noch ein Mann war im Zimmer. Ein schlanker Reusch von kleiner Statur, dreißig Jahre alt vielleicht, mit einem schmalen glattrasierten Gesicht und sonderbar schief stehenden Augen. Er war sehr gut gekleidet, mit der übertriebenen Eleganz eines Dan dy, und hatte auffallend schmale und weiße Hände, augenscheinlich gut gepflegt. Er saß kerzengerade auf einem Stuhl und hielt die Hände verschlungen vor sich hin. Beim ersten Blick schon empfand Harold starken Widerwillen gegen ihn, ohne eigentlich zu wissen, weshalb. Eine erbärmliche Luft war in dem engen kleinen Raum. In dem Herd brannte ein riesiges Feuer und ein Kessel kochenden Wassers brodelte auf der Platte: auf einem Tisch standen schmutzige Teller und eine Menge Bierflaschen. Alles machte einen schmutzigen und erbärmlichen Eindruck. Von Isobel aber war nichts zu sehen und nichts deutete darauf hin, daß sie in diesem Zimmer gewesen sei. Harold wußte nicht, was er denken sollte! War es denn möglich, daß seine Einbildung ihm einen solchen Streich gespielt hatte— daß er wachend geträumt haben konnte? Aber die Stimme Er stand schweigend in der Türe, in einer Sekunde den ganzen Raum übersehend Da sprang Mrs. Davis, das listige Lächeln noch auf dem Gesicht, so heftig auf, daß der Stuhl umfiel und mit einem Krach aufschlug„und der Mann, der im Zimmer war, fuhr mit einem Schrei in die Höhe, sah Harold mit einem einzigen Blick an, und rannte Hals über Kopf in den nächsten Winkel. Dort in der Ecke blieb er stehen, an allen Gliedern zitternd. Und plötzlich funkelte ein Revolver in seiner zitternden Hand. „Aufgepaßt!" rief Harold wirklich erschrocken, „das Ding könnte losgehen!“ „Was wollen Sie?“ schrie Mrs. Davis und ging auf ihn zu. Sie sah ihn prüfend an und diese Prüfung schien sie zu beruhigen.„Sei still, Bob!“ rief sie dem Mann über ihre Schulter hinweg zu. Er stand noch immer in der Ecke und hielt den Revolver fest umklammert. Wahrscheinlich war er feige, aber in seinen Augen lag doch etwas Unheimliches. Wie eine in die Ecke getriebene Ratte kam er Harold vor, der ihn scharf in den Augen behielt. „Du bist still!“ sagte Mrs. Davis wieder und wandte sich dann an Harold.„Also, was wollen Sie? Was soll das eigentlich heißen, auf diese Art und Weise hereinzukommen? Was fällt Ihnen denn ein? Ich werde die Polizei rufen!“ Harold lehnte sich gegen den Türpfosten, die Hände in den Taschen vergraben. Wenn er auch Mrs. Davis ansah, so war es doch der Mann, den sie Bob nannte, den er nicht aus den Augen ließ; denn es kam ihm vor, als habe ein solcher Schrecken diesen Mann erfaßt, daß er zu allem fähig war. Harold wußte, daß sein Leben in großer Gefahr schwebte. Ein Mann in derartiger Angst feuerte wahrscheinlich bei dem leisesten Verdacht. „Was ich will?" wiederholte Harold. Gerade noch zur rechten Zeit erinnerte er sich, welche Marke er trug, und sprach langsam und schwerfällig, so wie Courtland es ihm vorgemacht hatte. „Oho— das nenn' ich aber mal'ne komische Frage! Was ich will? Wenn Ihr nun mal schon ’ne Wirtschaft haltet, so könntet Ihr Euch nun mal um Eure Gäste kümmern, eh? Komm' ich da rein und steh' da draußen und klopf' auf den verdammten Bartisch, bis mir die Knöchel wehtun, un' kein Mensch kommt! Nix. Nich' mal das hintere End von’nem Hund war zu sehen! Nette Wirtschaft, denk ich mir. Na, und dann komm' ich rein. Wollt bloß mal nachsehen, an was Ihr eigentlich alle gestorben seid!“ Mrs. Davis und der Mann sahen sich an. Offenbar begannen sie, sich von ihrem ersten Schrecken zu erhoheln. „Aha— und da dachten Sie, das wär'’ne gute Gelegenheit,'was mitgehen zu lassen, eh?“ bemerkte Bob, ihn scharf ansehend.„Mutter, sieh' mal nach, ob die Kasse in Ordnung ist.“ „Legen Sie den Revolver weg,“ sagte Harold, „oder ich komm' und tret' Ihnen das Gesicht ein. Was glauben Sie denn eigentlich, heh? Ich bin ein ehrlicher Mann, ich. Wer soll' was von Ihrer gesegneten Kasse wollen, heh? und er begann laut zu schreien, überzeugt, daß gerade diese Leute sich sicherlich vor Lärm und Zeugen scheuten. „Na, dann kommen Sie endlich und trinken Sie Ihr Bier,“ sagte Mrs. Davis ungeduldig. Plötzlich drehte sie sich um und sah ihm gerade ins Gesicht.„Wenn Sie nicht hinter der Kasse her waren,“ schrie sie,„waren Sie dann nicht hinter etwas anderm her?“ Aus seinen Augenwinkeln sah Harold, wie Bob sich in seinem Winkel zusammenduckte und den Revolver hochhob. Es war klar, daß die beiden ihm noch nicht trauten; beide waren augenscheinlich in einer so fürchterlichen Angst, daß wahrscheinlich nur vereinigung Fürth 2•0(!9), V. f. L. Reckarau— F. S. V. Mainz 05 5:2. Runde der Zweiten: F. V. Karlsruhe gegen München 1860 2:1(!!), F. V. Saarbrücken gegen Eintracht Frankfurt 1:3. Um den norddeutschen Meistertitel. Runde der Ersten: Hamburger S. V. gegen Kilia Kiel 4:0, Phönix Lübeck— Junnover 96 9•3(9. Runde der Zweiten: Werder Bremen gegen Komet Bremen 2:4, Viktoria Wilhelmsburg— Altona 93 2:3. Die Meisterschaftsspiele in Berlin. Abteilung A: Tasmania— Wedding 6:1, Union 92— Meteor 5:4, Hertha B. S. C. gegen Minerva 6:1. Abteilung B: 1. F. C. Neukölln gegen Verliner Kickers 4:1, Polizeisportverein— Berliner S. V. 2:1, Norden=Nordwest— S. V. Spandau 2:3. Alemannia— Wacker 04 1:2, Viktoria— Union Potsdam 2:1. Gesellschaftsspiel: Preußen— S. C. Charlottenburg 9:1. Um die mitteldeutsche Fußballmeisterschaft. In Dresden: S. C. Dresden— B.. C. Chemnitz 2:3(0:1)!!* Pokalrunde: V. f. B. Leipzig#S. V. Falkenstein 5:2, Meerane 70— Dresden 93 2:3, S. C. Apolda— Halle 98 2•0. Die Kämpfe um die Baltenmeisterschaft. Titania Stettin— Stettiner S. K. 2:1, V. f. B. Königsberg— Schupo Danzig 7•0. Südostdeutschlands Meisterschaft. Fünfte Meisterschaftsrunde Breslau 06 gegen Sportfreunde 2•0: V.f.B. Liegnitz gegen Brandenburg Kottbus 1:3, S. T. C. Görlitz gegen Preußen Glatz 6:1. Der Silberschild. Brandenburg—Süddeutschland 211. Norddeutschland—Mitteldeutschland“ 4:2. Städtespiel Bern—München 324(1.1). Bern, 27. März. Das hier ausgetragene Fußball=Städtespiel Bern—München wurde von der Münchener Elf mit 4:3(1:1) gewonnen. Bei Bern waren Ramseyer und Pulver die besten Spieler, während sich auf Münchener Seite in erster Ertl, Kutterer und Pöttinger hervortaten. Literarisches. Ratastrophen der Weltgeschichte in der zeitgenössischen Bilddarstellung ringen im sorben erschienen Heft 12 der„Welt“(Verlag Germania, Bln. C. 2, Preis 15 Pfg.) um die Aufmerksamkeit des Lesers mit dem aktuellen Festartikel„Beethoven“.„Aus der katholischen Welt“ heißt eine wettere Bilderseite die„Frübjabrspslanzung von Obstbäumen“ dient praktischen Interessen des Gartenliebhabers, der Wochenbericht im Bild leitet zum Roman und dem übrigen vielseitigen Inhalt über mit dem Radioprogramm aller deutschen Sender. Im nächsten Heft das Preisrätsel. Handelsnachrichten. Kölner Getreide= und Zuttermittel=Börse vom 25. März. Es notierten die 100 Kilo(Preise in Goldmark): Weizen inl 27.50—27,70, ausl. 29,50—31,50, Roggen inl 25,80—26,00, ausl. 27.25—27,75, Hafer hiesiger 20.50—21.25, norddeutscher 00,00—00,00, ausl. 21,25—22,50, Futtergerste ausl. 21,50—21,75, Wintergerste inl. 22,50—23,00, Sommergerste inl. 24,00—26,00, Mais grober 18.25—18,50, Mais kleiner 19,50—20,00, Raps prima trocken 00.00, Roggenmehl 70% inl. 35,00—36,00, Roggenmehl ausl. 70% 35,50.—36,00 Weizenmehl 70% inl. 37,00—38,00, Weizenmehl 70% ausl 37,50—38,25, Kleie brutto mit Sack 14.25—15.25, Rübkuchen lose 15,25—15,75, Palmkuchen lose 18,00—18.50, Leinkuchen lose 21,00—21,50, Leinmehl brutto mit Sack 21,75—22.25, Soyaschrot brutto mit Sack 20.25—21,25, Trockenschnitze! lose 11,50—12.00, Zuckerschnitzel lose 14.25—15.75, Roh Melasse 6,75—7,00, Wiesenheu, inl. lose 7.00—9,00, Kleehen inl. 10,50—13.50, Kleeheu gepreßt 12,50—14,00, Roggenstroh gepr. 3,60—4,00, Weizenstroh gepreßt 3,60—4.00, Haferstroh gepreßt 2,60—2.80. Auch an der heutigen Börse war die Haltung für Getreide matter, für Futtermittel behauptet. Furcht vor den Folgen sie abhielt, ihn zu ermorden. „Hinter was ich hergewesen bin?— hab' ich es Ihnen jetzt nicht schon dreimal gesagt! Was zum Trinken will ich haben!—'n Glas Bier will ich haben! Nennen Sie das'ne anständige Behandlung, eh? Ich nicht'! Die Schankerlaubnis soll“' Ihnen weggenommen werden„das sag' ich! Man könntsa vor Durst sterben in diesem gesegneten Haus das sich’ne Wirtschaft nennt— so’ne Wirtschaft hab' ich in meinem Leben noch nicht gesehen. Hier gibt's ja mehr Grobheiten wie Bier!“ „Na, dann kommen Sie endlich mit, und trinken Sie Ihr Bier!“ brummte Mrs. Davis. Immer noch schimpfend folgte er ihr in die Bar. Sie schenkte ihm ein Glas Bier ein, schob es ihm hinüber(Harold war unterdessen auf die andere Seite des Bartisches gegangen) und nahm die Kupferstücke, die er hinlegte. „Eigentlich sollt' ich's Bier umsonst haben,“ brummte Harold.„Hab'ne Masse Arbeit gehabt, es zu kriegen.“ „Ich will Ihnen einen Rat geben, junger Mann. Sie,“ sagte Mrs. Davis.„'s nächste Mal stecken Sie Ihre Nase nicht dahin, wo sie nicht hingehört, verstanden? Mein Freund da drinnen ist kein gemütlicher Mann und das nächste Mal könnten Sie nicht so billig wegkommen.“ „Das nächste Mal,“ antwortete Harold und blies kunstgerecht den Schaum von seinem Bierglas,—„'s nächste Mal packe ich die Kasse! Dann verschwind' ich und stör' Sie gar nicht. Das ist Ihnen vielleicht lieber?“ Er tat so, als ob er furchtbar stolz sei auf diese witzige Bemerkung und wiederholte sie mehrere Male: er bestand sogar darauf, sein ganzes Erlebnis zwei oder drei andere Gästen, die hereinkamen, ausführlich zu erzählen, und schmückte seinen Witz mit der Kasse phantastisch aus. Der Mann. Bob, kam nicht in die Bar, aber Harold war überzeugt, daß er horchte und auf jedes Wort aufpaßte. Eine Zeitlang blieb er noch, erzählte und lachte und machte schlechte Witze auf Kosten der Wirtschaft und der Wirtin, bis er endlich das Gefühl hatte, daß ihr Mißtrauen geschwunden war. Andere Gäste kamen. Nach einiger Zeit schlich er sich aus der Wirtschaft und blieb einige Augenblicke in der 6 0 Statt jeder besonderen Anzeige! Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, am Samstag morgen meinen lieben Bruder, unsern Vetter und Onkel Heinrich Jol. Meuler Wirte Verdoppeln Sie Ihren Umsatz!! 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Anfragen und Auskunft kostenlos und ohne jede Verbindlichkeit üb Koukursverfahren über das Vermögen des Kaufmannes Paul Hintzen in Saeffelen, s Zt. in der Strafanstalt Wittlich, wird nach erfolgater Abhaltung des Schlußtermins hierdurch aufgehoben. 15 März 1927. Amtsgericht. III Kostenlos m allen Apotheken un Drogerien die belehrendBroschüre über die Be handlung von blutiger Verletzungen, Brand wunden. Ausschlägen, Katarrhen der Laftwege usw. mit dem blutstillenden antiseptischen und ginstef ungttügen Chinosol. m allen Apotheken und Drogerien. Alle Pschungen eind bestimmt vorrötig in der Germaals- Drogerie, Ratheim. Dregerte Sommer, Heineberg. Dregerie M. Graab, Waseraberg. Ein oder zwei möbl. Zimmer mit oder ohne Pension in besserem Hause zu vermieten. Offerten sind zu richten unter H. A. an die Geschäftsstelle dss. Blattes. Ein Bend an der Wasserrenne, groß 16 Ar, ist auf feste Jahre zu verpachten. 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Als Harold sich, seiner Rolle getreu, gähnend und anscheinend gedankenlos umsah, betrachtete er zufällig dieses Haus und fand, daß er in das Zimmer im Erdgeschoß hineingucken konnte. Und in diesem Zimmer, das wie ein Wohnzimmer aussah, stand ein Mann, halb hinter einem Vorhaug verborgen, der ihn sorgfältig beobachtete. Es war der Mann aus dem Hinterzimmer der Bar, der Mann, den die Wirtin Bob genannt hatte! Also trauten ihm die Leute doch noch nicht. Der Mann mußte das Haus durch irgend einen Seitengang verlassen haben und in die Wohnung hinübergelaufen sein, nur, um auf ihn aufzupassen. Harold sah sofort wieder weg und gab sich den unschein, als habe er nichte gesehen. Einige Minuten blieb er noch stehen. Dann ging er langsam fort und durcheilte mehrere Straßen kreuz und quer, bis er sicher war, daß ihm niemand folgte. Dann ging er langsam den gleichen Weg zurück und trat in einen Laden, wenige Häuser von der Bar entfernt, einen Tabaksladen, dessen Eigentümer wie ein ordentlicher Mensch aussah. Er kaufte etwas Tabak und fing ein Gespräch mit dem Mann an. Schließlich fragte er ihn, wer in dem kleinen Eckhaus mit dem Messingschild an der Straßenecke wohne. „Dort?“ sagte der Mann.„Oh— dort wohnt Gob Roberts vom Varietee. So geschickt wie einer — ist dieser Roberts. Könnte zwanzig Pfund in der Woche verdienen, wenn er wollte, aber entweder betrinkt er sich oder er macht sonst Dummheiten. Taugt nicht viel. Schade drum!" „Oh ja, ich erinnere mich an ihn,“ sagte Harold.„Ich hab' ihn schon einmal im Varietee gesehen.“(Das war nicht wahr.)„Ist er nicht ein Sohn der Mrs. Davis, der das kleine Wirtshaus da oben gehört?“ „Davon weiß ich nichts,“ sagte der Ladenbesitzer urd nachte ein sehr estauntes Gescht.„Rein, das anc gar nicht mögich, denn Roberte gebt nie in die Bar. Als er hierherzog, hatte er einmal einen Streit mit Mrs. Davis und seitdem ist er nie wieder in die Wirtschaft gegangen. So gern er trinkt, dorthin geht er nicht. Ich hab' ihn sagen hören, er würde lieber vor Durst sterben, als dem Königslöwen etwas zu verdienen geben.“ Für diese Mitteilung des Ladenbesitzers interessierte Harold sich besonders, denn er wußte ja genau, wie falsch sie war. Es sah so aus, als sei absichtlich der Anschein erweckt worden, Mrs. Davis und Bob seien miteinander verseindet. Was das wohl zu bedeuten hatte? Roberts tat sicher nichts ohne guten Grund. Er plauderte noch ein wenig mit dem Ladenbesitzer, erkündigte sich über die Nachbarschaft, über alles mögliche. Als Grund gab er an(Harold mußte heute seine Phantasie sehr anstrengen,) er habe ein bischen Geld geerbt und wolle ein kleines Geschäft anfangen. Er erfuhr jedoch nichts Wichtiges mehr von dem Ladenbesitzer, der nur noch bemerkte, Roberts und seine Frau seien oft verreist. „Solche Varieteekünstler reisen ja sehr diel,“ meinte der Mann.„Im Ausland scheint es Bob Roberts besser zu gehen, als in London, denn seine besten Engagements scheint er auf dem Kontinent zu finden.„Von den englischen Varietees wollen die meisten nichts von ihm wissen, aber wenn er kommt und sagt, er sei in Paris gewesen, dann hat er immer Geld.“ Harold horchte auf. „So?“ sagte Harold, und versuchte gleichgültig auszusehen. „Ja. Hübsches Frauenzimmer. Celestine heißt sie. Daß sie mir besonders gefällt, könnt' ich übrigens nicht behaupten. Er gefällt mir auch nicht. Die Leute gefallen mir überhaupt alle beide nicht.“ ringste Bemerkung über die sonderbare Maskerade seines Herren! Harold stürzte Hals über Kopf ins Badezimmer, besch... Wieder das gelbe Automobil. Harold erregte recht nettes Aufsehen, als er in seiner Verkleidung in seine Wohnung kam. Zuerst erkannte ihn sein eigener Diener gar nicht und schlug ihm die Türe zu seiner eigenen Wohnung vor der Nase zu. Seinen Schlüssel hatte Harold in der Beinkleidtasche seines Anzugs gelassen und der war ja noch bei Corutland! Endlich wurde er wütend und und fuhr den Diener derart an, daß dieser prompt öffnete. So grob konnte nur der Herr des werden. Der Mann waate nicht einmal. wusch sich und kleidete sich um, beschämt, daß er den Diener gegenüber sich so hatte gehen lassen. Was konnte der arme Mensch dafür, daß er in so schlechter Laune war! Diese schlechte Laune hatte ihren Grund. Er erkannte jetzt klar, daß nur Zweifel an Isobel und Eifersucht es gewesen wären, die ihn veranlaßt hatten, die Spioniererei in Hoxton zu übernehmen. Und was hatte er da wieder gehört und gesehen! Er setzte sich hin und dachte nach, bis der Kopf ihn schmerzte. Es schien ihm„daß alle die verschiedenen Entdeckungen, die er gemacht hatte, nur auf eine einzige Lösung des Rätsels hindeuten konnten, und doch war diese Lösung so furchtbar, daß er sie immer wieder vor sich abzuschütteln versuchte und nicht an sie glauben wollte und konnte. Welche Rolle dieser Roberts in dem Drama spielte, konnte er sich nicht recht vorstellen, jedenfalls aber war die Entdeckung, daß Celestine seine Frau war, von größter Wichtigkeit. Er legte sich die Frage vor, ob es wohl möglich sei, daß Isobel irgendwie in war und Tragweite oder vrrr## ahnte; mußte jedoch diesen Verdacht sofort wieder als haltlos aufgeben. Er brauchte sich nur Isobels klare Augen vorzustellen, um sich zu sagen, daß sie bestimmt nichts tun würde, ohne genau zu wissen, was sie tat. Er selbst hatte ja gesehen, wie charakterfest sie war, wie unbeugsam in ihren Entschlüssen. Nein, aus Isobel konnte man kein willenloses Werkzeug machen. Es war viel wahrscheinlicher, daß bei allem, was sie unternahm, sie selbst die leitende Rolle spielte Wenn Isobel es gewesen war, deren Stimme er gehört hatte, deren Stimme ihn rief; wenn er nicht geträumt hatte— und das war doch unmöglichch!— weshalb war sie denn sofort wieder verschwunden? Ob nicht doch nur seine aufgeregte Einbildungskraft ihm die Stimme und die Worte vorgegauckelt hatte? Und es kam ihm vor, als er nachdachte, als sei die Stimme ein wenig rauh gewesen, als hätten die henden Worte nicht ganz so geklungen, toie Isobel die Gewalt von Verbrechern geraten wirkliche zu Dingen gezwungen wurde, deren te oder verbrecherischen Charakter sie nicht fle spr eufzend gab er es auf. Es war unmöglich sich in diesem Wirrwarr zurecht zu finden. Heißer Zorn über s““—-.— rts, ftieg in über diesen Menschen, diesen Roverts, stieg in ihm auf; ein unsäglicher Widerwille. Lächelnd war dieser verächtliche kleine Mensch. Und er hatte gewußt, weshalb Isobel so gesprochen hatte und wo sie gewesen war——— Schaudernd fragte sich Harold, ob er wirklich so tief gesunken sei, auf einen Menschen wie Roberts eifersüchtig sein zu können... Plötzlich sah er klar.— Er kam zu einem Entschluß, den er nun schon zweimal gefaßt und niemals ganz zur Ausführung gebracht hatte: Es war seine Pflicht, Isobel alles zu sagen— seine Pflicht, ihr gegenüber und seine Pflicht sich selbst gegenüher. Er mußte ihr sagen, welcher Verdacht sich um sie zusammenzog. Von seinen Zweifeln mußte er ihr reden, von seinen Befürchtungen; alles mußte er ihr sagen— er durfte sich nicht mehr vor ihrer Antwort fürchten. Vertraute er ihr denn so wenig, daß er sich vor der Wahrheit fürchtete? Liebte er sie denn so wenig? Er fühlte sich erleichtert, als er zu diesem fetschluß gekommen war. Seine Kop sten Entschluß gekommen war. Seine Kopfschmerzer hörten auf. Er erinnerte sich, daß er noch kaum etwas gegessen hatte und ging hinüber zu seinem Klub. Dort nahm er den Lunch ein. Nach den Essen, im Rauchzimmer, begrüßte ihn ein Bekannter, der über dies und jenes zu plaudern begann. Ob denn Charley Cousens eine Erbschaft gemacht habe? Der fette Jüngling strahlte ja förmlich vor guter Laune! Den ganzen Morgen sei er mit einem Laune! Den ganzen Morgen sei er mit einem geheimnisvollen Lächeln umhergelaufen, und irgend jemand habe gesehen, wie er in der Bibliothek einen richtigen Freusentanz aufgeführt habe. Vielleicht sei der gute Charley verliebt.“ „Vielleicht hat er eine neue Sauce erfunden.“ meinte Harold, und der Bekannte brach in schallendes Gelächter aus. Das sei das Wahrscheinlichste, gab er zu Aber Harold war doch unruhig geworden. Was mochte mit diesem Charley los sein? Als er seine Zigarre zu Ende geraucht hatte, ging er in die Bibliothek hinüber und, wirklich, da saß Cousen## Er sah übrigens nicht gerade vergnügt aus; eher bekümmert (Fortsetzung folgt.) * 4 II hen gegen ziltenrl gee hoven. n en für stelle Zorn ihm die: bußt, e geich so berts schar9 rung es zu seine weleinen fürchsich raute rheit n fe47169 kuum einem den inter, Ob gabe? geites ge1d jeeinen ht sei den. schalichste, Was seine n die eher Statt jeder besonderen Anzeige! Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, am Samstag morgen meinen lieden Bruder, unsern Better und Onkel Heinrich Jol. Meuler zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Er starb plötzlich und unerwartet, jedoch vorbereitet durch einen echt christlichen Lebenswandel, im Akter von 60 Jahren. Um ein Gebet für den lieben Verstorbenen ditten Hochbrück, Kempen, Neuß, 26. März 1927. Die Beerdigung findet statt am Mittwoch. den 30. 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Und während er da stand und starrte, fiel ihm etwas Sonderbares auf. Die Wirtschaft lag an einer Straßenecke. Ihr gegenüber in der Seitenstraße war ein kleines, gewöhnliches Wohnhaus, mit schmutzigen Fenstern und von verwahrlostem Aussehen. Auf einer Messing= platte an der Tür stand in großen Buchstaben der Name Roberts. Als Harold sich, seiner Rolle getreu, gähnend und anscheinend gedankenlos umsah, betrachtete er zufällig dieses Haus und fand, daß er in das Zimmer im Erdgeschoß hineingucken konnte. Und in diesem Zimmer, das wie ein Wohnzimmer aussah, stand ein Mann, halb hinter einem Vorhang verborgen, der ihn sorgfältig beobachtete. Es war der Mann aus dem Hinterzimmer der Bar, der Mann, den die Wirtin Bob genannt hatte! Also trauten ihm die Leute doch noch nicht. Der Mann mußte das Haus durch irgend einen Seitengang verlassen haben und in die Wohnung sein, nur, um auf ihn aufzupassen. wieder weg und gab sich den Anr nichts gesehen. Einige Minuten t. Dann ging er langsam fort und durcheilte mehrere Straßen kreuz und quer, bis er sicher war, daß ihm niemand folgte. Dann ging er langsam den gleichen Weg zurück und trat in einen Laden, wenige Häuser von der Bar entfernt, einen Tabaksladen, dessen Eigentümer wie ein ordentlicher Mensch aussah. Er kaufte etwas Tabak und fing ein Gespräch mit dem Mann an. Schließlich fragte er ihn, wer in dem kleinen Eckhaus mit dem Messingschild an der Straßenecke wohne. „Dort?“ sagte der Mann.„Oh— dort wohnt Gob Roberts vom Varietee. So geschickt wie einer — ist dieser Roberts. Könnte zwanzig Pfund in der Woche verdienen, wenn er wollte, aber entweder betrinkt er sich oder er macht sonst Dummheiten. Taugt nicht viel. Schade drum!" a, ich erinnere mich an ihn,“ sagte Hahab' ihn schon einmal im Varietee gerold. er nicht ein leine Wirtshaus sehen.“(Das war nicht wahr.)„Ist Cohn der Mrs. Davis, der das klei da oben gehört?“ „Davon weiß ich nichts,“ sagte der Ladenbesitzer ein sehr erstanntes Gesicht.,„Rein, das guct in beitr and gar nicht denn gebt nie in die Bar. Als er hierherzog, hatte er einmal einen Streit mit Mrs. Davis und seitdem ist er nie wieder in die Wirtschaft gegangen. So gern er trinkt, dorthin geht er nicht. Ich hab' ihn sagen hören, er würde lieber vor Durst sterben, als dem önigslöwen etwas zu verdienen geben.“ Für diese Mitteilung des Ladenbesitzers interessierte Harold sich besonders, denn er wußte ja genau, wie falsch sie war. Es sah so aus, als sei absichtlich der Anschein erweckt worden, Mrs. Davis und Bob seien miteinander verseindet. Was das wohl zu bedeuten hatte? Roberts tat sicher nichts ohne guten Grund. Er plauderte noch ein wenig mit dem Ladenbesitzer, erkündigte sich über die Nachbarschaft, über alles mögliche. Als Grund gab er an(Harold mußte heute seine Phantasie sehr anstrengen,) er habe ein bischen Geld geerbt und wolle ein kleines Geschäft anfangen. Er erfuhr jedoch nichts Wichtiges mehr von dem Ladenbesitzer, der nur noch bemerkte, Roberts und seine Frau seien oft verreist. „Solche Varieteekünstler reisen ja sehr viel,“ meinte der Mann.„Im Ausland scheint es Bob Roberts besser zu gehen, als in London, denn seine besten Engagements scheint er auf dem Kontinent zu finden. Von den englischen Varietees wollen die meisten nichts von ihm wissen, aber wenn er kommt und sagt, er sei in Paris gewesen, dann hat er immer Geld.“ Harold horchte auf „So?“ sagte Harold, und versuchte gleichgültig auszusehen. „Ja. Hübsches Frauenzimmer. Celestine heißt sie. Daß sie mir besonders gefällt, könnt' ich übrigens nicht behaupten. Er gefällt mir auch nicht. Die geel Leute gefallen mir überhaupt alle beide nicht.“ Wieder das gelbe Automobil. Harold erregte recht nettes Aufsehen, als er in seiner Verkleidung in seine Wohnung kam. Zuerst erkannte ihn sein eigener Diener gar nicht und schlug ihm die Türe zu seiner eigenen Wohnung vor der Nase zu. Seinen Schlüssel hatte Harold in der Beinkleidtasche seines Anzugs gelassen und der war ja noch bei Corutland! Endlich wurde er wütend und und fuhr den Diener derart an, daß dieser prompt öffnete. So grob konnte nur der Herr des Hauses werden. Der Mann wagte nicht einmal. ringste Bemerkung über die sonderbare Maskerade seines Herren! Harold stürzte Hals über Kopf ins Badezimmer, wusch sich und kleidete sich um, beschämt, daß er den Diener gegenüber sich so hatte gehen lassen. Was konnte der arme Mensch dafür, daß er in so schlechter Laune war! Diese schlechte Laune hatte ihren Grund. Er erkannte jetzt klar, daß nur Zweifel an Isobel und Eifersucht es gewesen wären, die ihn veranlaßt hatten, die Spioniererei in Hoxton zu übernehmen. Und was hatte er da wieder gehört und gesehen! Er setzte sich hin und dachte nach, bis der Kopf ihn schmerzte. Es schien ihm„daß alle die verschiedenen Entdeckungen, die er gemacht hatte, nur auf eine einzige Lösung des Rätsels hindeuten konnten, und doch war diese Lösung so furchtbar, daß er sie immer wieder vor sich abzuschütteln versuchte und nicht an sie glauben wollte und konnte. Welche Rolle dieser Roberts in dem Drama spielte, konnte er sich nicht recht vorstellen, jedenfalls aber war die Entdeckung, daß Celestine seine Frau war, von größter Wichtigkeit. Er legte sich die Frage vor, ob es wohl möglich sei, daß Isobel irgendwie in die Gewalt von Verbrechern geraten war und zu Dingen gezwungen wurde, deren wirkliche Tragweite oder verbrecherischen Charakter sie nicht ahnte; mußte jedoch diesen Verdacht sofort wieder als haltlos aufgeben. Er brauchte sich nur Isodels klare Augen vorzustellen, um sich zu sagen, daß sie bestimmt nichts tun würde, ohne genau zu wissen, was sie tat. Er selbst hatte ja gesehen, wie charakterfest sie war, wie unbeugsam in ihren Entschlüssen. Nein, aus Isobel konnte man kein willenloses Werkzeug machen. Es war viel wahrscheinlicher, daß bei allem, was sie unternahm, sie selbst die lettende Rolle spielte. Wenn Isobel es gewesen war, deren Stimme er gehört hatte, deren Stimme ihn rief; wenn er nicht geträumt hatte— und das war doch unmöglichch!— weshalb war sie denn sofort wieder verschwunden? Ob nicht doch nur seine aufgeregte Einbildungskraft ihm die Stimme und die Worte vorgegauckelt hatte? Und es kam ihm vor, als er nachdachte, als sei die Stimme ein wenig rauh gewesen, als hätten die steienten Borte niht guna se geklungen wie Stobel h. Seufzend gab er es auf. Es war unmöglich sich in diesem Wirrwarr zurecht zu finden. Heißer Zorn * Daherts, stieg in se über diesen Menschen, diesen Roberts, auf; ein unsäglicher Widerwille. Lächelnd war ser verächtliche kleine Mensch. Und er hatte gewußt, weshalb Isobel so gesprochen hatte und wo sie gewesen war——— Schaudernd fragte sich Harold, ob er wirklich so tief gesunken sei, auf einen Menschen wie Roberts eifersüchtig sein zu können... Plötzlich sah er klan.— Er kam zu einem Entschluß, den er nun schon zweimal gefaßt und niemals ganz zur Ausführung gebracht hatte: Es war seine Pflicht, Isobel alles zu sagen— seine Pflicht, ihr gegenüber und seine Pflicht sich selbst gegenüber. Er mußte ihr sagen, welcher Verdacht sich um sie zusammenzog. Von seinen Zweifeln mußte er ihr reden, von seinen Befürchtungen; alles mußte er ihr sagen— er durfte sich nicht mehr vor ihrer Antwort fürchten. Vertraute er ihr denn so wenig, daß er sich vor der Wahrheit fürchtete? Liebte er sie denn so wenig? Er fühlte sich erleichtert, als er zu diesem festen Entschluß gekommen war. Seine Kopfschmerzer hörten auf. Er erinnerte sich, daß er noch kaum etwas gegessen hatte und ging hinüber zu seinem Klub. Dort nahm er den Lunch ein. Nach dem Essen, im Rauchzimmer, begrüßte ihn ein Bekannter, der über dies und jenes zu plaudern begann. Ob denn Charley Cousens eine Erbschaft gemacht habe? Der fette Jüngling strahlte ja förmlich vor guter Laune! Den ganzen Morgen sei er mit einem geheimnisvollen Lächeln umhergelaufen, und irgend jemand habe gesehen, wie er in der Bibliothek einen richtigen Freusentanz aufgeführt habe. Vielleicht sei der gute Charley verliebt.“ „Vielleicht hat er eine neue Sauce erfunden.“ meinte Harold, und der Bekannte brach in schallendes Gelächter aus. Das sei das Wahrscheinlichste, gab er zu. Aber Harold war doch unruhig geworden. Was mochte mit diesem Charley los sein? als er seine Zigarre m Ende geraucht hatte, ging er in die Bibliothek hinüber und, wirklich, da saß Consen### Er sah übrigens nicht gerade vergnügt aus; eher bekümmert (Fortsetzung folgt.) 2 V hen gegen nilienril geAuers. hoven. n tenfür it östelle Zorn ihm diewußt, e geich so berte schon rung es zu seine weleinen fürche sich raute yrheit mfeserzen kaum einem dem unter, 1. Ob habe? guter n gend jeeinen ht sei dden? schallichste, Was seine n die 9455e 15 355 7u SSST5S SR5S ST.p2 95857STBDEE Sandse 8 58383 3——. 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