Die heutige Nummer umtit V gerten. (Nachdruck verboten.) Berliner Brief. Ein halb Jahrhundert Burgfriede.— Die Aeltesten der Zunft.— Restors Rede.— Der Prinz von Aegypten.— J. G. Macaura F. R. S. A.— Amerikanischer Rummel und berlinischer Hineinfall.—„Der kleine Tipper“. Einmal, ausnahmeweise, einmal alle fünfzig Jahr, darf der Zeitungsschreiber wohl auch von den eigenen Berufsangelegenheiten sprechen, bevor er die interessantesten Dinge vom Tage ins Auge faßt— die übrigen interessantesten Dinge. Denn dies Jubiläum des großen Vereins„Berliner Presse“, das hier gemeint ist, gehört auch an sich zu den interessanteren Tageserscheinungen. Wenn man in den Berliner Zeitungen blättert, findet man zwischen vielen von ihnen so viel Verschiedenheit, Gegnerschaft, ja unversöhnliche Feindseligkeit, daß man meinen sollte, die Leute, die gegeneinander schreiben, müßten auch im Leben ungefähr so gegeneinander losgehen, wie Bulgaren und Türken. Aber dem ist erfreulicherweise gar nicht so. Das beweist das nun halbhundertjährige Bestehen des Vereins„Berliner Presse“; denn ihm gehören von jeher Vertreter aller politischen und sonstigen Richtungen innerhalb des Pressewesens an, und diese Zusammensetzung hat den Frieden noch nicht gestört. Ja, das Gemeinschaftsgefühl scheint sich nach der wirtschaftlichen wie nach der geselligen Seite hin im Laufe der Jahrzehnte nur gestärkt zu haben. Mit Zahlen und Daten wollen wir uns hier nicht beschweren. Etwas davon ist ja neulich schon durch die deutsche Presse gegangen, und wen nach mehr gelüsten sollte, der läßt sich am besten die übersichtliche Festschrift kommen, die Paul Schlenther verfaßt hat. Sind wir persönlich auch der Ansicht, es ließe sich noch mehr tun, auch auf dem Gebiet der außerordentlichen Jahreseinnahmen, die seit langem hauptsächlich durch den berühmten Presseball beschafft werden, so ist doch nicht zu verkennen, daß schon jetzt einiges Verdienstliche für die Hinterbliebenen der Federarbeiter und einiges wenige auch schon für die lebenden Federleute selbst geschieht. Außerdem aber braucht kaum ein andrer Beruf. so notwendig eine ansehnliche Vereinigung mit strengen Aufnahmebedingungen, einen repräsentierenden Zusammenschluß ehrenhafter Standesvertreter, wie grade der sogenannte Beruf der Berufsverfehler. Das große Festbankett im Prunksaal der neuen Zoo=Restaurantbauten bewies, daß der jubilierende Verein wirklich eine solche Repräsentation ausübt. So ziemlich alle Minister, Vertreter der höchsten wissenschaftlichen und künstlerischen Körperschaften, der Dichtung(Hauptmann, Sudermann, Fulda u..), der Behörden, der Verlegervereine(Polizeipräsident v. Jagow saß neben Herrn Mosse), der Parlamente usw. waren dabei. Delbrück redete klug vermittelnd, beinah wie ein süddeutscher Minister, Harnack spendete beredten Mundes eine Art freundlicher Belehrung. Aber die stärksten Eindrücke kamen von den Allerältesten. Karl Frenzel, der sich als feinsinniger Schriftleiter und Schriftsteller schon zur Biedermeierzeit bewährte, der Fünfundachtzigjährige, der jahrzehntelang das Feuilleton der Nationalzeitung glänzend leitete, nun aber ein zartes altes Männchen ist, das im allgemeinen das Haus nicht mehr verläßt, und Julius Rodenberg, der einundachtzigjährige Herausgeber der Deutschen Rundschau, ein seiner, stiller Patriarch, waren zur Freude aller erschienen; die letzten lebenden Gründer des Vereins. Der einundachtzigjährige Stettenheim, der noch etwas ältere Sangesrecke Albert Niemann, der dreiundsiebzigjährige Paul Lindau nahmen sogar an der stark ausgedehnten Nachsitzung teil und hielten freudig begrüßte Bierreden. Das Unvergeßlichste des Abends aber bleibt die Ansprache, die an der Prunktafel im Riesensaal der schlichte greise Frenzel hielt. Da kamen die Journalisten und Ehrengäste jedes Fassons auf den Zehen nahe an seinen Platz heran, um sich nichts entgehen zu lassen. Und rauhe Landsknechte der Berliner Presse sah man erschüttert und erhoben, wie da ein edler Beteran ihrer Waffe von alter und neuer Zeit sprach, vor Verrohung warnte und zum Schluß mahnte: seid achtsam, wachsam und brav!...... Snhet unders Die Mahnung zu befolgen, sender unsereiner im neuen Großberlin ja täglich Gelegenheit. Wie vieles bringt hier das Erwerbs= und Luxusleben, was ungeahndet oder auch ungenossen, je nachdem, vorüberginge, wenn die Zeitungschreiber nicht zur Hand wären! Beispielsweise, wenn jetzt bösgesinnte Auslands= oder auch international begeisterte Inlandsblätter dem deutschen Militärwesen die Sünden der türkischen Kriegführung wonnegrinsend in die Schuhe schieben wollen. Wie hübsch macht sichs da, wenn die große übrige Presse in Berlin die Welt daran erinnert, daß der ägyptische Prinz Aziz, der die Schlacht bei Kirk=Kilisse verdorben haben soll, vor 18 Jahren allerdings in Berlin ein Weilchen preußische Gardekavallerie=Uniform tragen durfte, aber militärischen Studien nicht obgelegen hat, sondern verabschiedet wurde und— die Flucht ergriff: vor seinen zahlreichen Gläubigern nämlich; denn sein hingebendes Studium des Berliner Nachtlebens war ungeheuer kostspielig gewesen. Oder wenn aus Amerika— aber das ist ein frischer Fall von wahrhaft groteskem Reiz; wahrlich, er verdient seinen eignen Abschnitt. Hat sich bei Ihnen vielleicht auch schon Mister G. J. Macaura F. R. S. A. angekündigt? Dann tritt unseres Jagow Wort in Kraft:„Ich warne Neugierige!“ Ein wackerer Arzt hat(in einem Berliner Mittagsblatt) das Geheimnis Macauras enthüllt. Leider erst nachträglich. Seinen Berliner Raubzug hat der amerikanische Weltbeglücker nun bereits größtenteils in Sicherheit. Aber fürs übrige Reich kommt die Aufklärung ja wohl noch früh genug. Die„Provinz“ kann, wenn sie will, in reinster Schadenfreude das superkluge Großberlin auslachen. Es ging einem schon auf die Nerven, daß man seit einiger Zeit in reichshauptstädtischen Blättern jeglicher Richtung dieselben großen Anzeigen fand, die das Bild eines wohlgescheitelten, bartlosen, bekneiferten Herrn mit sanftem Blick und verdächtigem Lächeln brachten und ausführlich, aber ohne greifbare Angaben von wunderbaren Massenerfolgen sprachen, die Macauras„eklatante Erfindung“, der Apparat„Pulsoconn“, außerhalb Deutschlands, zumal in England, errungen habe. Und wenn kaum ein deutscher Mensch weiß, was „F. R. S..“ bedeutet— auch der erwähnte Arzt vermochte diesen Teil des Geheimnisses nicht zu enthüllen— so haben die vier Buchstaben gewiß ihren Zweck— erst recht erfüllt. Die unverständlichen vier Buchstaben bezeugen gewissermaßen die Echtheit des Imports aus dem Wunderland Amerika, und drüben scheint man die alte deutsche Schwäche für fremden Rummel sehr genau zu kennen. Auch in Berlin glaubten viele Hunderte, es müsse etwas„dransein“, wenn mit solcher Bestimmtheit auf Amerikanisch versichert ward, der„Pulsoconn“ heile Rheumatismus, Lähmung„und eine gewisse Art von Schwerhörigkeit“. Man war auch hier, ganz ähnlich wie's Macaura F. R. S. A. also wahrheitsgetreu aus London erzählt, so heftig gespannt auf den genialen Erfinder und seinen „Pulsoconn“, daß die beiden öffentlichen Vorführungen, die an zwei aufeinander folgenden Tagen hier im Wintergarten stattfanden, gewaltig überlaufen wurden. Und nicht minder lebhaft war bis heut der Andrang der Leidenden zu dem sofort eröffneten Verkaufsraum — Verzeihung: zu dem sofort eröffneten„Institut“. Und was sagt jener Berliner Arzt? Er war mit einem Fabrikanten medizinischer Apparate in dem „Institut".„Es ist nicht zu glauben,“ so erklärt er vertrauenswürdig,„aber es ist wahr, so wahr es ist, daß die Macaura=Pilger„Wurzen“ sind: der Pulsoconn ist ein Instrument, das ich schon über zehn Jahre im Gebrauch habe, es ist der einfache, harmlose Handapparat für Vibrations=Massage, den jeder in jedem Geschäft, wo man medizinische Waren erhält, für zwölf bis fünfzehn Mark, je nach der Feinheit der Ausführung, kaufen kann.“ Der Wunderapparat, der den Sachverständigen gezeigt wurde und der fünfzig Mark kostet, war nach dem Zeugnis des Arztes„sicher nicht made in Germany; dafür war er viel zu schäbig ausgeführt“— Und damit sagen wir Mister G. J. Macaura F. R. S. A. freundlichst Lebewohl. Ein Schwindel kleineren Maßstabs und durchaus „made in Berlin“, der soeben vor der Jugendstrafkammer verhandelt wurde, beweist auf ungefähr ebenso groteske Weise, wie— kinderleicht die übergescheite Großstadtwelt sich verblüffen läßt und wie dicksellig mindestens in der Sportwelt das Empfinden sein muß. Ein zwölfjähriger Schüler hat seinem Onkel, einem Schlächtermeister, allmählich 6000 Mark gestohlen und mit diesem Geld das bedenkliche Leben eines ständigen Rennbahnbesuchers und esportlichen Lebemanns spielen können! Dabei ist er auch noch klein; er mißt etwa einen Meter und konnte bei Gericht kaum über die Schranke der Anklagebank hinwegsehen. Das hinderte ihn aber nicht, eine Freundin zu haben(ein kindlicher Zug ist es wenigstens, daß er sich eine Konfitürenverkäuferin aussuchte!), am Totalisator mit einiger Sachkenntnis zu wetten, sich als Reiter im Tiergarten photographieren zu lassen und in sauberen Nachtlokalen den freigebigen„Kavalier" zu spielen. Daß das eine Zeit lang möglich war, erhebt den höchst tragiko mischen Einzelfall ins Typisch=Neuberlinische. Auf den Rennbahnen war der Knabe schon„allgemein bekannt“. Man hatte ihm den Spitznamen„der kleine Tipper“ gegeben. Niemand dachte daran, dem unglaublichen Treiben des verderbten Kindes ein Ende zu machen. Eine nette Umwelt! Das spricht Bände— und enthebt also uns andere der Verpflichtung, die kurzweilige Umschau mit einer sehr moralsauren Betrachtung zu schließen. Wir stellen einfach den kleinen Tipper neben den großen Macaura(klingts nicht beinah wie ein bewußter Ulkname: make aura= mach Gold im Plural?), neben Prinz Aziz u. a. exotische Gestalten und rufen:„Auch so ist das Leben, vornehmlich das berlinerische; und es ist allerlei draus zu lernen...“ (Nachdruck verboten.) Das Modell. Skizze von Heuri Duvernois. Autorisierte Uebersetzung von R. Collin(Berlin). Die kümmerlichen Landstriche, durch die der Zug dahinrollte, kündigten Paris an. Gérard=Amadée Foissenange blickte auf seine schlafende Frau.„Sie erscheint mir häßlich,“ dachte er,„weil wir von Italien zurückkehren. Paris wird mir auch entsetzlich vorkommen. Aber sind wir erst in unserem Heim angelangt, so wird sich alles ändern. Ich werde eine entzückende Häuslichkeit vorfinden, für die meine Schwiegereltern, ohne zu rechnen, eine Menge Geld ausgegeben haben. Ich werde ein behagliches Arbeitszimmer haben— mein Traum—, und ein Sammetjacket werde ich tragen können. Auf Büttenpapier wird mir die Tinte aus einer goldenen Feder fließen. Saftiges Wildpret und feuriger Wein wird zu meiner Stärkung da sein. Teufel auch! Ich bin vierunddreißig Jahre alt, da heißt es arbeiten, um einen Namen zu erringen.... Wenn ich nicht vollständig glücklich bin, muß die Literatur die Leere ausfüllen und meine Einbildung befriedigen. Schließlich waren meine Freundinnen auch nicht alle hübsch und haben mich noch nebenbei ein schönes Stück Geld gekostet... Für eine verheiratete Frau ist Berthe ein wenig zu reserviert, dann ist sie auch ein bißchen eckig, so daß sie eigentlich mehr Achtung als Liebe einflößt. Aber ich bin ganz zufrieden, und man kann doch nachhelfen. Zuerst muß sie sich schönes Haar besorgen; denn wir haben das Geld dazu... dann wird sie durch mich die für die Frau eines Künstlers wohl angemessene notwendige Klugheit erlernen... Es ist nicht recht, daß sie ihr Gesicht ganz zeigt; das Profil ist hundertmal hübscher... Bin ich aber dumm! Jetzt sehe ich sie im Profil, nein, sie sieht doch viel hübscher en face aus... Dann hat sie einen griechischen Zug... Ach ich gleiche wirklich p„ G „Woran denkst Du, Manne," fragte Beerihe erwachend.„„ „An Dich, liebes Herz“, autwortete Geraro=umabee. „Gleich sind wir da. Ich will das Handgepäck herunternehmen. Setz Deinen Hut auf.“ Frau Foissenange starcte ins Leere, der Mund war vom Schlaf noch halb geöffnet, und die Augen hatten einen verstörten Ausdruck. „Wo sind wir,“ murmelte sie; denn sie wurde langsam und schwer munter. „Wir sind in Paris. Da sind schon die siebenstöckigen Häuser, und man spürt bereits den Geruch der Vorstadt, der nicht an den Duft blühender Orangen erinnert. Deine Eltein erwarten uns wohl auf dem Bahnhof, nicht wahr?" „Nein, Männe, Papa und Mama schrieben, daß sie uns allein lassen wollen, damit wir die Ueberraschung besser genießen, wenn wir unsere Einrichtung sehen.“ Es war in der Tat eine Ueberraschung! Zuerst durchschritt Gérard=Amadée Foissennuge den protzigen Salon, der vollkommen wie eine Konditorei ausfah. Durch das Eßzimmer, das an ein dunkles Bierlokal mit unechten Butzenscheiben erinnerte, gelangte er in sein Arbeits zimmer. „Ach,“ stöhnte er,„hier sieht es ja wie in einem Bankgeschäft aus. Was sind denn das für fürchterliche grüne Mappen: Unerledigte Angelegenheiten, Buchführung, Unbeantwortete Briefe. Großer Gott, es fehlt nur noch ein Gitter, ein Schalter und eine Kasse.“ „Mama ist kein Romanschriftsteller,“ wandte Berthe ein.„Sie hat nur die praktische Seite ins Auge gefaßt, und ich muß ihr recht geben. Schlechte Werkzeuge gibt es nicht, nur schlechte Arbeiter. Möchtent Du mir vielleicht sagen, ob Du nicht auf der Schreibmaschine ein Meisterwerk zustande bringen kannst? Ich finde hier alles so hübsch, daß ich vor Freude weinen könnte. Bei jedem Schritt, den ich mache, fühle ich die gute Absicht der Eltern heraus! Sieh Dir einmal die Bilder an! Es sind keine Landschaften, lauter Genrebilder haben wir. Und Du kannst mir glauben, daß sie geradezu vollendet sind. Man könnte stundenlang davor stehen und alle kleine Einzelheiten bewundern. Zum Beispiel das große im Salon, das einen Kunstliebhaber bei einem Antiquitätenhändler darstellt, ist so gut gemalt, daß man den Preis lesen kann, der auf jeder Nippsache vermerkt ist! Augenblicklich ist in unserer Wohnung nur die Leitung für das kalt: Wisser in Ordnung, aber wir haben auch warmes Wasser. Das Telephon ist in der Portierloge, und die Portierfrau bedient es immer, außer wenn sie auf den Markt geht, oder wenn sie das Haus reinigt. Ueber uns wohnt ein Klavierlehrer, hörst Du, ein Lehrer, der uns beständig umsonst schöne Musik macht! Die Treppe ist ein wenig unbequem wie in den meisten Häusern, die Fahrstuhl haben, aber ewig wird er doch nicht revgriert werden. Alle Zimmer sind geheizt, außer dem Eßzimmer, dem Schlafzimmer und Deinem Arbeitszimmie. Mama schrieb mir aber, daß wir kein Feuer im Kamin machen sollen, weil die Kamine in den Häusern mit Zentralheizung mehr zur Parade dienen. Aber all diese Kleinigkeiten gehen mich allein an. Jetzt arbeite Du; fange gleich an, um unseren Einzug gut einzuleiten!“ „Erlaube, daß ich mich erst wasche. Ich werde nach dem Mädchen klingeln.“ „Sie heißr Solange. Mama hat sie gemietet, sie soll wie ein Pferd arbeiten können. Augenblicklich hat sie Geschwüre: eins auf der rechten Hand und eins auf der Wange, das sich entzündet hat. Sie geht aber trotzdem aus. Sie sagte: Wenn ich auch die Rose bekommen sollte, darum würde ich doch weiter arbeiten. Nimm Dir ein Beispiel daran, Männe, die Schriftsteller sind ein wenig faul.“ Als Gérard=Amadée Foissenange sich gewaschen hatte, nahm er auf einem harten Sessel Platz, den wohl ein den süßen dichterischen Träumen feindlich gesinnter Tapezierer ersonnen haben mußte. Er ergriff einen Federhalter, der eines Buchhalters würdig gewesen wäre, und zuckte entsetzt vor dem quadratförmig liniierten Papier 1)(Nachdruck verboten.) Gipfellicht. Roman von Karl Bienenstein. I. Eine frische sternenklare Frühherbstnacht. Sogar durch den Dunstschleier, der immer wie ein fahlgelbes Tuch über der Riesenstadt liegt, blitzen heute die Sterne. Traumstill liegt die schlafende Nacht. Mitunter ist's, als welle von draußen, wo von waldüberrauschten Höhen herab die Weingärten bis an die Stadt sich herandrängen, ein Duft von jungem, prickelndem Wein. Wie ein übermütiger Junge mit neckistheut Gekicher läuft dieser Duft durch die Gassen, und da hebt der einsame Polizeimann, der mit gesenktem Haupt und ab und zu schläfrig gähnend die Gasse entlang schreitet, schnuppernd die Nase, und in die Langeweile seines Dienstes fällt das Leuchten eines wunderschönen Traumbildes: er hat sein Amtskleid abgelegt und mit ihm seine Amtsmiene, seine pflichtgemäße Würde und Unnahbarkeit, und als Mensch wie die Tausende anderen, die in ihm nicht das wachende Auge des Gesetzes und der Ordnung, sondern den Störer unschuldiger Vergnüglichkeiten sehen, sitzt er draußen beim„Heurigen“ in Grinzing. Im Glase perlt der köstliche Donauwein, und der Schrammel läßt seine Geige singen, bis alle Herzen so mit Melodie gefällt sind, daß sie keinen Platz mehr darin hat und unaushaltsam über die Lippen muß: „Drah ma um und drah ma auf, es liegt nix dran, Weil mna's Geld auf derer Welt Nit fressen kann!“ Unwillkürlich hebt der Mann der Ordnung die Hände, schnalzt mit den Fingern und summt die Melodie vor 1n. Aber mitten drinnen hält er inne und lauscht. And vas ist kein Traumbild mehr. Durch die Seifenrshergasse kommt das flotte Drahrerlied daher, und jetzt diegt es um die Ecke. Voll und widerhallend schallt und sen die schlafenden Gassen, und dazwischen Lachen StPrens“ der ein Jauchzer, so herausfordernd und ruheder letzte Widerschein des wonnigen verschpinder.“ auf dem Antlitz des Polizisten Bewusefein die Würde des Amtes und das eherne greisen; eeiner Pflicht von seinen Mienen Besitz erum, leot die“ sich auf dem linken Stiefelabsatz herSäbels und schreiter Dand auf die Kuppel seines Erselschaft entgegen, ernst und gemesen der lustigen Es sind fünf junge Männer, und der Polizist sieht, daß auch ein Offizier darunter ist. Ja, ja, auch die Uniform schützt vor dem Heurigen nicht. Aber es ist halt doch eine bessere Gesellschaft, und er weiß, wie er sich zu verhalten hat. Er salutiert, und dann mahnt er höflich:„Bitte, meine Herren, ein bißl ruhiger!“ draußen! Pickfein!“ Und mit Daumen und Zeigesinger sendet er einen entzückten Kuß in der Richtung gegen Grinzing. Der Wachmann hat ein mitfühlendes Herz für diese Begeisterung, aber er kennt auch seine Pflicht, und wohlwollend spricht er:„Ich glaub's ja, Herr, aber so laut dürfen S' halt doch nit sein.“ „Sie sind a fescher Kerl!“ belobt ihn der Verehrer Grinzings, und dann läßt er sich von einem Freunde fortziehen, nicht ohne neuerdings den Versuch zu machen, in seligem Vergessen aller Pflichten eines ruhigen Bürgers aufs neue das liebe Drahrerlied anzustimmen. Mit gemischten Gefühlen sieht ihnen der Polizist nach. Harmlose Leute, die heute nur ein wenig zu tief ins Glas geguckt haben. Wozu also Strenge herauskehren! Und bald waren sie ja aus seiner Gasse und damit aus seinem Amtsbereich. Mochte dann der Herr Amtsnachbar sich mit ihnen beschäftigen. Paarweise, Arm in Arm zog die lustige Gesellschaft dahin. Nur Dr. Othmar Rungold hatte keinen Gespan und schritt einsam hinter drein. Auch in ihm rumorte der Grinzinger, aber während er bei den anderen ein fröhliches Weltvergessen und eine SeidumschlungenMillionen=Stimmung hervorgerufen hatte, hatte ihn ein sehnsüchtiges Gefühl, fast wie Heimweh gepackt. In Grinzing draußen, als sie das Wirtshaus verließen, hatte es ihn plötzlich überfallen. Die frische, würzige Nacht mit ihren klaren Sternen über den dunklen Wäldern, die vom Hermannskogel, vom Dreimarkstein und vom Vogelsang so leise ihren Atem herniederhauchen ließen, das hatte plötzlich die Erinnerung an seine über alles geliebten Berge in ihm geweckt, und während die Freunde immer lauter und lauter wurden, wurde er immer stiller und träumte von dem wunderbaren Frieden schlafender Hochwälder, über deren regungslose Wipfel mondversilberte Felsenstirnen sich emporheben in den sterngestickten Baldachin großer, schweigender Nacht. Doktor Rungold hatte jetzt das Bedürfnis, allein zu sein, und als er vor dem Hause, in dem er wohnte, angekommen war, wvollte er sich von den Freunden verabschieden. „Ach, das gibt's nicht!“ hallte es ihm aber im Chor entgegen, rechts und links wurden seine Arme gefaßt, und obwohl er sich leicht mit einem einzigen Ruck hätte befreien können; denn er überragte die anderen um gute Kopflänge und war wegen seiner Kraft als„Waldbär“ bespitznamt, gelang es ihm doch nicht, den Freunden zu entwischen; stärker als die ihn umklammernden Arme wirkte das Zureden und am meisten der flehende Ton des Oberleutnants Rudolf Derganz, seines liebsten Freundes, der so treuherzig bat:„Geh, Othmar, geh noch für ein Stünderl mit. Schau, es ist heut so gemütlich. In acht Tagen sitz ich droben in dem galizischen Schweinenest, dann kannst solid sein nach Belieben. Heut geh nochmal mit.“ Doktor Rungold war schon besiegt, aber zum Schein und weil wirklich noch ein Rest Sehnsucht nach dem Alleinsein in ihm rief, brummte er etwas vor sich hin von ohnehin schon genug haben und blödsinniger Sauferei, ließ sich aber doch dabei fortziehen. „Brumm nur, alter Waldbär,“ lachte der Oberleutnant, und der Gustl Hausmann stimmte neuerdings das schöne Drahrerlied an, mußte aber nach einigen Takten insolge heftigen Schluckens wieder unterbrechen, was ihn aber nicht hinderte, den Versuch immer wieder zu wiederholen, bis man endlich im Kaffeehaus angelangt war. Die Kellner eilten herbei, um den Gästen aus den Ueberziehern zu helfen; aber der Gustl herrschte den um ihn bemühten dienstbaren Geist an:„Hab ich gesagt, daß Sie mir ausziehen helfen sollen Schampus her, ausziehen kann ich mich selber!“ Der Kellner wollte loslassen, aber ein Blick des Markeurs, der elegant herangetänzelt kam und sich vor Gustl Hausmann graziös verneigte, belehrte ihn eines besseren, und inzwischen früßte jener:„Welche Marke befehlen Herr Baron?“ „Ich bin kein Baron, merken Sie sich das,“ erwiderte der Gustl scharf,„aber Schampus trink ich den besten. Das merken Sie sich auch!“ „Bitte, Herr Baron! Und wieviel Flaschen?“ „Zuerst einmal fünf. Und wenn's noch einmal Baron sagen, kriegen Sie die sechste. Verstanden?“ „Bitte sehr, Herr Baron!“ Der Gustl sah dem Markeur eine Weile in das Flatte demütige Bedientengesicht, dann mußte er lachen, und sich zu den Freunden wendend, deutete er mit dem Daumen über die Achsel auf den Markeur zurück und meinte:„Das ist ein Depp!“ Der Markeur war nicht im geringsten beleidigt; seine Miene drückte im Gegenteil eine Zufriedenheit aus, als sei ihm soeben ein Orden verliehen worden. Er kannte dieses Stadium alkoholischer Begeisterung und wußte, daß es sich tsehr gewinnbringend ausnützen ließ. Für den„Depp“ konnte er ruhig per Flasche um drei Kronen mehr rechnen. Die Propfen knallten, die Gläser klangen aneinander, und die Nachfeier der Grinzinger Partie begann. Der Toni Resch mit dem glattrasierten Komödiantengesicht sing vom letzten Herbstrennen in der Freudenau, bei dem sein„Morgenstern“ gesiegt hatte, zu erzählen an und kam darüber ins Streiten mit dem Willy Ramhartner, der behauptete, daß die„Daisy“ weitaus besser sei, nur sei der Jockey ein Gauner gewesen. Der Streit wurde heftiger und heftiger, da rief der Gustl Hausmann:„Kellner, Klavierwerkel! Hupf mein Mäderl!“ Das Musikgerät begann das plötzlich zum Schlager gewordene Lied herunterzuhacken, und sogleich verstummte der Streit, und einer um den anderen stimmte in die triviale Melodie mit ein. „Prost dem Kantus!“ rief Gustl Hausmann, als der letzte Ton verklungen war und das Notenband sich schnurrend aufwickelte. „Prost! Prost!“ Klirrend flog Gustl Hausmanns Glas in die Ecke. Er war nun in der rechten Stimmung. Wieder begann das Instrument. Wiegend und lockend; klang der Faustwalzer aus dem polierten Kasten heraus; selbst durch den toten Mechanismus hindurch sang die süße Kunst und zog die Herzen in ihren Bann. Gustl Hausmann hatte sich in den roten Plüsch der Sitzlehne zurückgelehnt, legte den rechten Arm um den Nacken Toni Reschs, den linken um den Witty Ramhorrners, schloß selig die Rugen, wiegte sich, die Melodie leise mitpfeifend, hin und her, und die beiden legten ihren Kopf an seine Wangen, sahen mit schwimmenden Augen in den#lauz des hellstrahlenden Lüsters und sangen mit. Den Oberleutnant aber hatte die Musik sentimental gemacht. Er lehnte sich an die Schulter Doktor Rungolds und sagte:„Du glaubst gar nicht, Othmar, wie schwer ich.von Wien fortgehe. Wenn ich mich nicht schämen tät, heulen könnt' ich. Euch nicht mehr haben, keinen Wiener Walzer mehr hören!“—— Er starrte trübfinnig vor sich ins Glas. Be zurück. Ader er hatte diese Arbeitslust, die die guemsten nach einer langen Periode von Untätigkeit ergreist, und er empsand jenen merkwürdigen stand, den man mit Schreibhunger zu bezeichnen pflegt. ur schrieb. Nach einer Stunde kam Berthe im Schlafrock und steckte neckisch den Kopf zur Tür hinein. Wie sie sagte, hatte sie es sich bequem gemacht, und in einem Barchentkleid, das fettige Haar zu einem Knoten auf dem Scheitel zusammengezwängt, schien sie ihre eigene Reinemachefrau zu sein. „Na, bist Du gut im Zuge?“ fragte sie mit gerunzelter Stirn. Ob er gut im Zuge war! Foissenange hatte sich auf dem Papier gerächt. Aus seiner mit allen modernen Unbequemlichkeiten ausgestatteten Wohnung hatte er in der Phantasie ein ideales Heim geschaffen, das weit wie ein Palast und traulich wie eine Hütte war, in dem man das frische Murmeln eines Baches und die geflüsterte Symphonie unsagbar schöner Musik hörte. Dort weilte nun eine Frau. Was für eine Frau war es! Der Verfasser hatte, um sich selbst ein Vergnügen zu machen, sie herrlich geschaffen, ohne sich über den weiteren Verlauf seiner Erzählung den Kof zu zerbrechen. Die Schilderung begann mit den geheimnisvollen Worten:„Und im Hause weilte eine Frau. Sie hieß Purpurine...“ „Lies mir vor, was Du geschrieben hast,“ drängte Berthe. Er zögerte und bedauerte jetzt seine Ungeschicklichkeit. Herthe würde natürlich gleich merken, daß er seine Heldin üppig mit allen physischen und geistigen Vorzügen geschmückt hatte, die ihr selber abgingen.... Da sie sich über sein Schweigen wunderte, begann er: „In dem Hause weilte eine Frau. Sie hieß Purpurine. Alle, die ihr voll ins Gesicht sahen, riesen: Sie ist so schöner als von der Seite. Wandte sie aber den Kopf leicht herum, rief man wieder: Nein, im Profil ist sie doch noch schöner. Einmal hatte sie den blendenden Schimmer der Diamanten, dann wieder das zarte Schillern der Perlen. Wie ein Glorienschein umgab sie ihr schweres goldiges Haar. Zärtlich leuchteten ihre Blicke, und jede Bewegung ihrer Lippen war wie ein Kuß. Lächelnd und strahlend war ihr Erwachen. Wie in Licht gebadet waren ihr biegsamer Nacken, ihre zarten Arme, ihr schwellender Busen, ihr Leib...“ „Halt ein!“ rief Berthe. Und sie erklärte ihm nun: „Du Böser! Ich bin ja ganz beschämt. Wenn ich bedenke, daß Tausende das alles lesen werden! Ach, mein Schatz, wie Du mich vor aller Welt ausziehst! Ach! Ach! Ach! ich möchte mich unter dem Tisch verstecken... Aber lieber will ich Dir doch einen Kuß geben! Es ist wirklich sein, was Du da geschrieben haft, wirklich nicht danal! Im Grunde, weißt Du, bin ich eine Frau, und wie alle meine Schwestern bin ich kokett... Und jetzt ist es mir auch gleich, Männe, da ich einmal angefangen habe, Dir als Modell zu dienen, tue ich es auch weiter. Aber vielleicht übertreibst Du, Schatz: Mit den Augen der Liebe sieht man alles schöner!“ So hielt sie sich also für Purpurine! Gérard=Amadée Foissenange jubelte innerlich darüber und segnete diese dornierte Eitelkeit, durch die er in seinem Werk ohne Hindernisse fortfahren konnte. Als er seine Heldin perben ließ, beweinte Berthe ihren eigenen Tod und stotterte: „Ich frage mich nur, wo Du den Mut hernehmen kannst, so etwas zu schreiben.“ Nachdem der Roman erschienen war, sah man Berthe überall. Ihre Freundinnen bedauerten sie heimlich: „Armes Ding! Wenn man bedenkt, daß sie all die Schändlichkeiten, die ihm zweifellos irgendeine Geliebte eingab, gelesen hat,“ und sie wunderten sich, sie so verznügt mit so schelmischer Miene umhergehen zu sehen, wie jemand, der ein Geständnis, das er auf der Zunge nicht zu machen wagt. Purpurines Geschichte war Sentag 18 entstanden und vergangen, ohne andere Rommentare hervorzubringen. Foissenange ruhte sich aus. Dann träumte er von weniger abstrakter Literatur, blickte um lich und nahm die Gewohnheit an, Worte, die er gehört hatte, aufzunotieren, weil sie einen so weiten Ausblick auf die Unendlichkeit der menschlichen Dummheit geben. Er erkannte bald, daß er in dieser Hinsicht einen unerschöpflichen Schatz in der Person seiner Frau an seiner Seite hatte. Und er faßte einen ganzen Band ihrer Aussprüche zusammen: „Wenn ich eine Billa hätte, möchte ich sie ganz klein, und ich würde sie„Mir genügt's“ nennen. Wir würden niemanden empfangen. Oder nein, lieber würde ich sie: „Mein Empfang“ heißen.“ „Neulich kommt ein Millionär zu meinem Mann und sag::„Ich habe Sie schon so oft gelobt!“„Ich habe mich nicht geniert, ihm ins Gesicht zu sagen: Haben Sie denn eins seiner Bücher gekaufts.“ Wirklich, niemand kauft mehr Bücher.“ „Mein Mann sagt mir alles, was er tut. Er nennt mich den Wald. Das ist doch nett und poetisch!“ „Gérard ist wirklich reizend zu seinen Freunden. Beständig spricht er von einem gewissen Balzac wie von einem Genie. Ich möchte gern wissen, was dieser Balzac von ihm sagt. So oft ich mich darüber wundere, meint er:„Laß doch, laß doch“. Aber er weiß mir nichts zu erwidern.“ Die Notizen häuften sich derortig, daß November 1912 Weimar tätig war. Sie war eine der wenigen, die noch die Weimarer große Zeit als Kind miterlebt hatte. —. Theater. Gerhart Hauptmanns 50. Geburtstag wurde im Berliner Kleinen Theater mit einer hervorragend guten Aufführung von„Michael Kramer“ geseiert. Die Titelrolle spielte, Albert Steinrück vom Münchener Hoftheater. — Am Böhmischen Landes= und Nationaltbeater in Prag findet heute die Uraufführung des Tanzspiels„Prometheus“ von Gregor v. Bantasi zur Beethovenschen Musik von„Die Geschöpfe des Prometheus“ statt. —„Gabriel Schillings Flucht“ von GerNr. 310 hart Hauptmann machte bei der Erstaufführung im Düsseldorfer Schauspielhaus starken Eind ruck. — Zu Ehren Gerhart Haupt manns veranstaltet das Königl. Deutsche Landestheater in Prag einen Zyklus von sechs Werken des Dichters. Es werden gegeben:„Die Weber“,„Der Biberpelz“(mit Eise Lehmann als Gast),„Der arme Heinrich“,„Fuhrmann Heuschel“,„Die versunkene Glocke“ und„Gabriel Schillings Flucht“. Für das Programmheft hat Emil Orlik ein Bild Hauptmanns gezeichnet. — Das Rheinisch=Westfälische Vollstheater in Essen ist durch Zuwendungen von ver e der verhängnisvolle Augenblick, da er ihn seiner Frau vorlesen mußte. Ihr Eheleben war da Stunde auf Stunde aufnotiert und Berthes Aeußerungen in ihrer ganzen wahren Köstlichkeit aufgeschrieben! Niemals würde sie es begreifen, daß man sich dem Altar der Literatur opfern müßte. Es würde einen furchtbaren Auftritt geben, auf den zweifellos die Scheidung erfolgen würde! Mit wahrer Herzensangst begann er zu lesen. Als er seine Lektüre beendet hatte, schloß er die Augen und wartete. Frau Foissenange schmollte und schwieg. „Nun?“ murmelte er schließlich. „Es ist ja gerade nicht schlecht,“ antwortete Berthe, „aber es hat mich nicht interessiert. Es ist nicht halb so viel wert wie Purpurine. Ach! Männe, man sieht doch, daß wir schon ein Jahr verheiratet sind! Du hast mich in dem ganzen Buch nicht einmal erwähnt!“ Jeben. — Die Gesellschaft der Musikfreunde in Wien wird in diesem Jahre ihr hundertjähriges Bestehen feiern. Zu dieser Feier veranstaltet die Gesellschaft eine Festwoche, die vom 30. November bis 7. Dezember verschiedene große Konzerte und eine Ausstellung von musikalischen Archiv= und Museumsschätzen bringen soll. — Die Stelle eines Direktors der Berliner Sezession ist von der Hauptversammlung dieser Künstlervereinigung Herrn Paul Cassirer angeboten worden, der sie jedoch abgelehnt hat, weil es ihm nicht richtig erscheint, durch diese Stellung in der Sezession größere Borrechte zu haben als andere Vorstandsmitglieder. — Gerhart Hauptmann hat, wie schon berichtet wurde, eines seiner Werke dem K ino überlassen. Wie das Berliner Tageblatt erfährt, handelt es sich dabei nicht um eines der Dramen Hauptmanns, sondern um den Roman„Atlantis“, der von der Nordischen Filmkompagnie erworben worden ist. — In München ist Frau Doris Raff, die Witwe von Joachim Raff, dem ehemaligen Leiter des Frankfurter Hochschen Konservatoriums, 86 Jahre alt, gestorben. Frau Raff war die Tochter des Schauspielers und Spielleiters Gennert, der unter Goetche in * Schuhwaren für Herbst und Winter! 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Schlesinger in Gießen hat für seine Abhandlung zur Theorie der Differentialgleichungen von der Physiko= Mathematischen Gesellschaft zu Kasan den Lobatschewsky=Preis für das Jahr 1912 erhalten. Der ordentliche Prosessor für Kinderheilkunde und Leiter der Kinderklinik der Universität Straßburg, Dr. Adalbert Czerny, hat einen Ruf an die Universität Berlin als Nach=folger Professor Heubners pheten. Kafsorer Gete 7 Nr. 372. Anerkannt bestes und sicherstes Petroleum. Unexplodierbar. Name gesetzlich geschützt. Einzig sicherster Brennstoff für jede Petroleum=Lampe u. Kochmaschine. Echt in verschnürten Kannen somde Fannen zu 5 Kr. Ne..96 Haupt-Niederlage: mer Victoriastr. 24. +AN DORP Elektrische Abe„„ Hervorragende Neuheiten Hlfons Penning Bahnhofstraße 2. Aeltestes und vornehmstes Geschäft am Platze. SaIODund SpessezimmerK Für Lectrilch: □ KNAER: Königl. Hoflieferant. A. Perrin, Bonn Venzelgasse 50. Fernsprecher 131, Wein-Restaurant I. Ranges Austernsalons. Weinhandlung. Delikatessen. 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Cohausen,, Frau Justizrat Conzen, Frau P. Dabi, Frau van der Eist, Frau Eschbaum-Lauff, Frau Espelmann,“ Frau Th. Fleitmann, Frau v. Frowein, Frau v Foncke, Gräfin 8 Galen, Frau Beigeord. Geelen, Frau E. Greeff, Frau Geh.-Rat 5 Guill aume, Frau Wirkl. Geh.-Rat Hamm, Frau Car: Hauptmann, Prl. Heyermann, Frl. Hecke:„ Frau L. Jans n, Frau C. Ingenohl. Frau Landger.-Präsident Juncke mann, Frau C. Kaiser, Frau Dr. Kalischer, Frau Th Killy, Frl. H.., Klostermann, Frau S Koopmann, Frau Nortenbach, Frau., Kracmer, Frau Dr. Krantz. Frau Geh.-Rat Loerbroke, Frau Justizrat M yer, Frau J. Mundorf, Frau Gymn.-Direktor Niepmann, Frau v. Rach, Frau Geh.-Rat Rumpf, Frau v. Salviati, Frau Damian Schmitz, Frau Schulze-Berge, Frau SchummWalter, Frau Dr.-hösberg. Frau Komm.-Rat Soennecken, 2 Frau Oberbürgermeister Spiritue, Frau General Stoll, Frau 9 v. Ti demann-Brands, Frau v. Voss, Frau Wallasch, Frau Dr. Wenzel, Frau Komm.-Rat Wassel. Frau L. Weyerma n, Frau General Wederhold, Frau Prof. Witzel, Frl. v. Wolf, Frau A. Zetzsche, Frau Geh.-Rat Zoen, Frau R. Zuotz. segeeefe0flllflfll 0 „E SUC155658538550 Baltsa- Zinleieunn Caspar Koch H. IOSGU 0 0 0 Hauptniederlage: 0 Niederlage der Tapetenfabrik 0 Strauven, Remigiusstr. 9. Ferurte 388. 0 90033001 0 aufe Telephon 912. Gewissenhafte und gründliche Ausbildung zum Chauffeur-Berufe. Kurse für Herren- und Berufsfahrer. Abendkurse ohne Berutsstörung. Mäßiges Honorar. Repetitorium in Mathematik für Gecdaten von bewährtem Oberlehrer Dr. phil. Poppelsdorfer Allee 36. Tannen für Balkon u. Fensterkasten in jeder Größe Gärtnerei Quirin Voss Venusbergneg 9 Teletens 268 Wer beteiligt sich still mit Kapital an der Errichtung von kleinenVillen! Näh. u.„Villa“ postl. Bonn. Rocdoster Korn-Branntwein das Liter Mk..20, Münsterländer Korn das Liter Mk..40, Edel=Korn das Liter Mk..60, Elmendörfer Korn das Liter Mk..80, Lohmanns Kuhrperlen alt abgelagert, die Literfl. Mk. 2. 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Wenn das Leben des einzelnen zumeist Kampf und Mühe und Arbeit ist, wieviel mehr das eines politischen Vereins, für den noch viel mehr als für den einzelnen das Wort gilt: Stillstand ist Rückschritt; rasten ist rosten. Und wahrlich rastlos hat man in unserem Berein gearbeitet. Sonst könnten wir heute nicht auf sein langes reichgesegnetes Leben zurückblicken; sonst wäre er längst zum alten Eisen geworfen und wie so viele andere Vereine und Vereinchen nach kurzer Wirksamkeit wieder verschwunden. Vielmehr welche Unsumme von Arbeit steckt in diesen 25 Jahren, welche Unsumme von Mühen und Beschwerden, welche Unsumme von Opfern geistiger und auch materieller Art. Aber auch welche Fülle edelster Genüsse, welche Fülle geistiger Anregung und patriotischer Erhebung. Diese rastlose Arbeit, dargebracht auf dem Altare des Vaterlandes, dargebracht im Interesse des Gemeinwohls, sie hat in erster Linie unseren Verein groß und stark gemacht. Und das Zweite, das neben der emsigen Arbeit die lange Lebensdauer unseres Vereins erklärt und uns auch für seine Zukunft nicht bange werden läßt, das ist, daß der Kern unseres Vereins gut ist, daß seine Gründung einem öffentlichen Bedürfnis entsprach, daß man von Anfang an mit sicherem Griff dem Verein das richtige Ziel gesieckt hat: Zusammenzufassen alle nationalen und liberalen Elemente unserer Stadt zum Kampf für Vaterland und Freiheit gegen Sozialdemokratie und Zentrum. So ist unsere heutige Geburtstagsfeier ein Freudensest und ein Dankessest zugleich. Wir sind stolz darauf, einem Verein anzugehören, der so viel Gutes geschaffen, der zumal zum Gedeihen unserer lieben und schönen Vaterstadt so viel beigetragen hat, und wir freuen uns, daß er die Kraft besitzt, noch weiter in derselben Weise segensreich zu wirken; wir freuen uns, daß wir alle, die wir heute dem Verein angehören, ihm zu dienen gewürdigt sind. Aber wir danken auch heute denjenigen, die vor uns ihre beste Kraft dem Vereine widmeten, vor zallem den Gründern, die das Bäumlein gepflanzt, in dessen Schatten wir gar nicht so übel leben. Nicht gar viele der ersten und der ältesten Mitglieder weilen noch unter uns. Mancher hat anderswo eine neue Heimat gefunden; mancher ist auch zur ewigen Heimat eingegangen. Alle aber, die dem Verein in Treue gedient, sie alle erstehen heute wieder in unserer dankbaren Erinnerung. Es ist ein wahrer Genuß, sich in die Vergangenheit unseres Vereins zu vertiesen, auch für denjenigen, der nicht selbst die ganze Zeit dabei war und nun die Zeit der Gründung und der ersten Jahre mit Hilfe der Akten und Protokolle studieren muß. So musterhaft sind diese Protokolle vom ersten Tage an geführt, so klar und licht und zielbewußt ist die ganze Vereinsarbeit von Anbeginn bis auf den heutigen Tag. Unser erstes Protokollbuch bringt zunächst als Motto ein Verslein der Elisabeth Glück:„Was du als wahr erkannt, verkünd' es sonder Zagen; nur trachte, Wahrheit stets mit mildem Wort zu sagen.“ Dann heißt es weiter:„Ueber die Entstehung des Vereins. Die seit einer Reihe von Jahren, besonders aber in der letzten Zeit, bei vorzunehmenden politischen und kommunalen Wahlen gemachten Wahrnehmungen über die mangelhafte Organisation und über den Versall der liberalen Partei in Bonn veranlaßten die Herren Humbroich, Haarmann, Franz Müller, Richard Brüne, Prosessor Giesen, Jean Schmidt, Hermann Neusser, Stürtz, Siegmund Katz, Dr. Weber, Dr. Schmidt, Söhren, in eine Besprechung der Frage einzutreteu, ob es angezeigt sei, einen neuen politischen Verein zu gründen.“ Was unter diesen Wahrnehmungen zu verstehen ist, können wir unschwer ermessen, wenn wir bedenken, daß die liberalen und nationalen Elemente unseres Bonn seit etwa zehn Jahren ohne eigentliche Organisation waren. Der„Deutsche Verein“, der in den siebziger Jahren diese Elemente umschloß, war eingegangen. Nur' von Fall zu Fall, sooft„Wahlen vor der Türe standen, trat eine Anzahl politisch interessierter Herren zu einem Komitee zusammen und führte, so gut es eben gehen wollte, die Wahl durch. Daß man dabei nur mäßige Erfolge erzielen konnte, liegt auf der Hand. In der Friedenszeit zwischen den Wahlen schlief alles wieder ein, niemand kümmerte sich um die Masse der Wähler. Bei jeder neuen Wahl hieß es, nin in aller Eile eine Organisation aus dem Boden stampfen. Diese blieb natürlich in den Anfängen stecken, darnach waren denn auch die Erfolge. Bei der und Reichstagswahl des Jahres 1878 waren noch 2879 Stimmen gegen das Zentrum zusammengekommen, 1881 nur noch 1376, 1884 gar nur 1100. Da kam das Jahr 1887 und mit ihm eine neue Reichstagswahl, die bedeursamste seit Gründung des Reichs, als der Reichstag das Septennatsgesetz abgelehnt hatte. In jener Zeit gefahrvoller auswärtiger Lage kam unsere leidige Parteizerklüftung, die deutsche Eigenbrödelei und Besserwisserei mit Naturnotwendigkeit dazu, sich einmal selbst zu verleugnen und den vaterländischen Interessen ein Opfer zu bringen. Wenn man ohne das Zentrum die Mittel zur Verstärkung der Wehrkraft bewilligt haben wollte, mußten Nationalliberale und Konservative sich die Hand reichen. Diese Verständigung gelang, und der Erfolg war hocherfreulich. Die Gegner des Septennats wurden in die Minderheit gebracht. Auch bei uns in Bonn wurden für den nationalen Kandidaten dreimal mehr Stimmen aufgebracht als drei Jahre zuvor. Das Jahr des Bismarckschen Kartells ist das Geburtsjahr unseres Vereins. Diese Wahlbewegung mit ihrer durchschlagenden Parole, mit ihrem begeisternden Verlauf, mit ihrem erfreulichen Endergebnis hat auch betebend auf die liberalen und nationalen Kreise unserer Stadt gewirkt. Auf einmal faßte man wieder Mut; man sah, was doch mit Arbeit zu erreichen war, und so entschloß man sich, diese Arbeit systematisch fortzusetzen und hierfür einen dauernden Mittelpunkt zu schaffen. Bei diesem Entschluß ist gewiß nicht ohne Einfluß der Umstand gewesen, daß in dem eben beendigten Wahlkampf Konservative und Gemäßigt=Liberale Schulter an Schulter gekämpft hatten und daß der gemeinsame Feind das Zentrum war. Für die rheinischen Verhältnisse bedeutete das nichts Neues. Der Gegensatz konservativ und liberal, wie er im preußischen Osten gang und gäbe war, war hier kaum bekannt. Liberal hieß hier jeder, der kein Zentrumsmann sein wollte. So traten am 28. Oktober 1887 jene zwölf Männer zusammen, bejahten einstimmig die Frage der Vereinsgründung sund einigten sich, dem neuen Verein folgende Aufgaben zu stellen: Organisation eines aus seßhaften Bürgern bestehenden politischen Vereins zur Besprechung vaterländischer, kommunaler und gemeinnütziger Angelegenheiten; Bildung eines dauernden Mittelpunktes für die Agitation bei den Wahlen; Bekämpfung der Zentrumspartei. Am 9. November fand dann bei Adtorf am Markt die erste größere Versammlung statt, welche die Satzungen beriet und dem Verein seinen Namen gab. Bis vor zwei Jahren sind diese Satzungen fast unverändert dieselben geblieben. Damit der Verein in das Vereinsregister eingetragen werden konnte, mußten damals einige unwesentliche Aenderungen vorgenommen werden. Als Zweck des Vereins galt vom ersten Tage seines Bestehens an bis heute: Förderung vaterländischer, städtischer und anderer gemeinnütziger Angelegenheiten und Bildung eines Mittelpunktes bei den verschiedenen Wahlen im Dienste liberaler und nationaler Wahlbestrebungen. Mitglied kann jeder werden, der sich zu nationalen und liberalen Anschauungen bekennt. Damit ist der Kampf gegen das Zentrum und die Sozialdemokratie oder, wie die Dinge hier liegen, vornehmlich gegen das erstere gegeben. Ueber den Namen des Vereins hat man sich bei aller sonstigen Einmütigkeit doch einige Zeit gestritten. Um den der konservativen Partei angehörenden Mitgliedern möglichst gerecht zu werden, hat man nach einem geeigneteren Namen gesucht, dann sich aber einmütig auf den Namen„Liberaler Bürgerverein“ geeinigt. Am 15. November fand dann wieder eine Versammlung statt, zu welcher durch einen öffentlichen Aufruf eingeladen war. Der Vorstand wird gebildet aus den zwölf Gründern, denen noch drei Herren, Erwin Nasse, Sprengel und J. Schorn, hinzugefügt werden; außerdem gehören dem Verein bereits 46 weitere Mitglieder an. In der bald folgenden Vorstandssitzung werden gewählt Justizrat Humbroich und Dr. Haarmann als erster und zweiter Vorsitzender, als Schriftführer Dr. Schmidt und Stürtz, als Kassenführer Jean Schmidt. Bis zum Februar 1888 stieg die Zahl der Mitglieder auf 170. Jetzt wird auch eine Geschäftsordnung für die beamteten Mitglieder des Vorstandes aufgestellt. Im Interesse der Ordnung und auch der Vereinskasse wurden zum Teil scharfe Bestimmungen in sie aufgenommen; leider ist ihre Handhabung im Laufe der Zeit außer Uebung gekommen. Es würde zu weit führen, wollte ich Ihnen auch nur in einigermaßen erschöpfender Weise den Vereinsbetrieb der 25 Jahre schildern. Nachdem der Grund gelegt war, ist auf ihm emsig und stetig weitergebaut worden. Nicht als ob nicht hier und da mal ein Stillstand oder gar auch ein kleiner Rückschritt zu verzeichnen wäre. Aber es ging doch schließlich immer wieder vorwärts auf der vorgezeichneten Bahn. Nicht selten drohte Kleinmut die Geister zu befallen angesichts der wahren Sisyphusarbeit, die vielfach geleistet werden mußte, zumal bei der Reichstags= und Landtagswahl. Schon im Jahre 1890 war ja das Kartell wieder auseinandergefallen. Zentrum wurde jetzt erst recht Trumpf in deutschen Landen, und die Wirkung auch auf unseren Kreis blieb nicht aus. Bei der Reichstagswahl des Jahres 1890 sank die Zahl der liberalen Stimmen auf. 1233, um dann in den Jahren 1893, 1898 und 1903 wenigstens etwas, aber nicht über 2300 zu steigen. Glücklicher war nur in dieser Zeit die Arbeit bei der Stadtverordnetenwahl dank der hier wesentlich günstigeren Verhältnisse, aber auch dank einer ausgezeichneten Organisation und einer ungemein geschickten Führung. So mancher schöne Sieg auf dem Rathause, wenn auch nicht ohne Mühe erfochten, mußte für die Opfer entschädigen, die an anderer Stelle vergeblich gebracht wurden. In ähnlicher Weise erhebend und stärkend wirkten die Gedächtnisfeiern des 18. Januar, die seit 1893 regelmäßig stattfanden, namentlich mit ihren Festreden, deren erste von Geheimrat Kahl gehalten wurde. Endlich aber nahm auch dieser Abschnitt der Zentrumsherrlichkeit ein Ende. Die fortgesetzten Hemmnisse, welche das Zeutrum einer entschlossenen Kolonialpolitik bereitete, führten endlich zu einem Konflikt, dessen Entscheidung zugleich die Entscheidung darüber brachte, ob Zentrum noch länger Trumpf sein sollte. Bei der Reichstagswahl des Jahres 1907 behauptete sich das Zentrum zwar in seinem Besitzstande, aber durch die schwere Niederlage der Sozialdemokratie und die entschlossene Schwenkung der Linksliberalen zu einer nationalen Politik wurde es gleichwohl als ausschlaggebender Faktor in der Reichsgesetzgebung ausgeschaltet. An seine Stelle trat der konservativ=liberale Block. Noch mehr als das Kartell von 1887 entsprach diese Verbindung den tatsächlichen Verhältnissen, unter welchen man sich bei uns gewöhnt hatte Politik zu treiben. Denn der Gesamtliberalismus bekannte sich zur Blockpolitik, und so war die Vereinigung der nationalen und liberalen Elemente in unserm Liberalen Bürgerverein; nur mehr eine Wiederholung, ein Spiegelbild der neuen verheißungsvollen Parteigruppierung im Reich. Hier wie dort hatte das Zeutrum mit seinem übermächtigen Druck bewirkt, daß alte Parteigegensätze verschwanden, daß man sich auf das Einigende mehr als auf das Trennende besann. Aber was in kleinem Kreise sich jahrzehnteang als möglich erwies, hatte in dem größeren Rahmen diesmal wenigstens nur kurze Dauer. Ueber der Reichsfinanzreform ging der Bülowblock in Trümmer. Liberale und Konservative schieden sich schärfer denn zuvor. Auch in die Rheinlande trugen sie ihre Sonderorganisation hinein, soweit sie noch nicht vorhanden war, und bei der letzten Reichstagswahl mußten wir es in unserem Wahlkreise erleben, daß die Konservativen neben den Liberalen eine eigene Kandidatur aufstellten. Damit haben wir unser Geburtstagskind bis in die Gegenwart geleitet. Die letzten Erfahrungen sind gewiß nicht geeignet, uns sorgenlos in die Zukunft blicken zu lassen. Aber wir wollen darum unsere heutige Festfreude auch nicht um einen Ton herabstimmen. Wir wissen, daß unsere Sache gut ist und durch 25 Jahre bewährt. Das Zentrum mit seiner Gönnerschaft für alles, was unserem Reiche seins ist, mit seiner prinzipiellen Feindschaft gegen den modernen Staat, mit seiner Politik, die darauf aus ist, die Kirche über den Staat zu stellen und die Schule der Kirche auszuliefern und unser Bolk in zwei Teile auseinander zu reißen, dieses Zentrum wird schon selbst dafür sorgen, daß bei uns die übrigen Parteigegensätze nicht zu groß werden. Wo man das Zentrum an der Arbeit sieht, gibt man sich über seinen Charakter keinen Illusionen hin. Im Liberalen Bürgerverein zu Bonn wird sich auch in Zukunft eine Stätte bieten allen, die keinen Gewissenszwang wollen, die in erster Linie und immer Deutsche ..., die treu zu Kaiser und Reich stehen. Das möge noch lange, lange die schöne Aufgabe unseres Vereins sein: Zusammenzuführen zu gemeinsamer patriotischer Tat, was sonst vielleicht getrennt seine eigenen Wege glaubt gehen zu müssen. Mit diesem Wunsche lassen Sie mich schließen, ihn wollen wir unserem Geburtstagskinde als Angebinde überreichen und dazu unser aller Gelöbnis, nach besten Kräften bestrebt zu sein, daß dieser Wunsch zur Wirklichkeit werde. Lassen Sie uns all das hineinlegen in den Ruf: Unser Liveraler Bürgerverein, er blühe, wachse und gedeihe noch lange, lange Jahre! Er lebe hoch! Der letzte Verzweitlungskampf. Bon unserem militärischen Mitarbeiter. Einen fast beispiellosen Siegeszug muß man das bisherige Vorgehen der Bulgaren nennen. Im Zeitraum von noch nicht vier Wochen ist es ihnen gelungen, das türkische Reich in Europa niederzuwerfen. Jetzt tobt der Kampf um das letzte Bollwerk, das die Türken noch zum Schutze ihrer Hauptstadt besitzen. Kaum 40 Kilometer vor den Toren der Hauptstadt wird die letzte große Entscheidungsschlacht ausgefochten, mit der wahrscheinlich das Schicksal des Osmanenreichs auf europäischem Boden besiegelt sein wird. In Konstantinopel selbst muß man den Donner der Geschütze hören können. Die Türkei hatte gehofft, in der Tscharaldscha=Linie den Angriff der Bulgaren aufhalten zu können. Und es ist nicht zu leugnen, daß diese im Frieden ausgebaute, mit schwerer Artillerie ausgestattete Stellung für die Verteidigung sehr günstig ist. Es war deshalb wohl denkbar, daß auch der schwächere Verteidiger hier das Gelände ausnutzen und auch einem stärkeren Angreifer erfolgreich Widerstand leisten konnte. Der Angriff mußte planmäßig vorbereitet und durchgeführt werden, setzte einen längeren Artilleriekampf mit schwerer Artillerie voraus. Selbst wenn die Bulgaren über die erforderlichen Angriffsmittel verfügten, erforderte das viel Zeit. Diese konnten die Türken benutzen, um frische Reserven aus Asien heranzuziehen und damit dem Kampfe eine günstige Wendung zu geben. Dies mögen die Gedanken der Türken gewesen sein, als vor einigen Tagen ein großer Kriegsrat sich einmütig für die Fortsetzung des Krieges aussprach. Er setzte sich dadurch in Gegensatz zum Großwesir, der die Vermittlung der Machte zum Abschluß eines Waffenstillstandes angerufen hatte. Der Gedankengang der türkischen Offiziere war vom militärischen Standpunkt aus unzweifelhaft richtig. Unter den jetzigen Umständen war für die Türken überhaupt nur zweierlei möglich: entweder den letzten Entscheidungskampf anzunehmen oder sang= und klanglos Europa zu verlassen und alle Truppen nach Asien zu überführen. Wenn der türkische Kriegsrat glaubte, daß zu einem letzten Kampf noch genügend Widerstandskraft in der Armee war, dann wäre es richtig gewesen, noch einmal das Glück zu versuchen, aber in jener Voraussetzung haben die Türken sich geirrt, und damit fiel ihre ganze Hoffnung ins Wasser, wurde die Grundlage ihres ganzen Gedankenganges hinfällig. Die Leistungsfähigkeit und Widerstandskraft der Armee war nach allem, was man bisher darüber erfahren hat, vollkommen unfähig, noch Widerstand zu leisten. Was helfen die besten Werke, die schönsten Geschütze, wenn ihre Besatzung und Bedienung einfach davonläuft. Außerdem scheint auch noch die Führung einen verhängnisvollen Fehler gemacht zu haben. Sie hat, nachdem sie nach dem Verluste der Schlacht bei Lüle=Burgas=Bunar Hissar den Entschluß zu dem Rückzug nach der Tschataldscha gefaßt hatte, die Armee nicht sofort dorthin zurückgeführt, sondern hat verschiedentlich vor der Stellung wieder haltgemacht, und zwar nicht mit der Nachhut allein, sondern mit der ganzen Armee. Warum dies geschehen, ist nicht recht erklarlich. Jedenfalls hat dies nur dazu geführt, die Verbände noch mehr zu lockern, die Verluste zu vergrößern. So kam es dann, daß die Bulgaren unmittelbar den Türken folgten, als diese die befestigten Stellungen erreichten, und sofort den Angriff begannen, ehe die Türken Zeit gehabt hatten, sich in ihnen einzurichten. Etwas anderes fällt außerdem noch auf. Es scheint nach den bisherigen Nachrichten, als ob die Bulgaren auf dem nordöstlichen Flügel umfassend vorgegangen wären, um von hier aus gegen die Flanke der ganzen Stellung vorzugehen und diese gewissermaßen aufzurollen. Die Stellung war aber so angelegt, daß sie nicht umfaßt werden konnte. Wenn es trotzdem geschehen ist, so kann dies nur in einem groben Fehler der türkischen Truppenführung oder in einem gänzlichen Versagen der auf jenem Flügel befindlichen Truppen beruhen. Jedenfalls haben die Bulgaren Erfolge errungen, die von großer Bedeutung auf die weiteren Kämpfe sein müssen. Der Fall der ganzen Stellung dürfte für die nächsten Tage zu erwarten sein, und dann stände dem Bulgaren=Zaren der Weg nach Konstantinopel in die Hagia Sofia offen. **** * In Konstantinopel predigen jetzt die Ulemas den heiligen Krieg. Alle Behörden beschwören die Bewohner, zu den Waffen zu eilen, den Sturz des Kalisats der islamitischen Welt zu verhindern und bis zum äußersten zu kämpfen. Die Zeitungen rufen, keiner dürfe mehr in den Straßen müßig umhergehen; man solle an der Verteidigung der ganzen Stadt Tag und Nacht arbeiten, keiner dürfe in diesem wohl letzten Brieg der Türken in Europa fehlen. Im Heer werden Andachtsstunden von Geistlichen und vaterläudische Stunden von den Offizieren und Unteroffizieren abgehalten, um den Mut zu befestigen. Der arme Sultan hat schon zum vierten Male beim Mantel des Propheten gebetet. Der Großwesir erklärte den Botschaftern, weder er noch der Sultan würden lebend die Hauptstadt verlassen. Nach einem Einzug der Sieger würde die unglückliche Bevölkerung, die er jetzt noch im Zaume habe, durch die Greuel des Krieges zur Verzweiflung gebracht werden. Für die Folgen sei das Gewissen Europas verantwortlich. In Rumänien waren Freitag schon die abenteuerlichsten Gerüchte verbreitet, Galata stehe in hellen Flammen, die Kurden metzelten in den Straßen, der Sultaupalast werde bewacht, die Behörden seien machtlos. Doch bedurfte es dieser Lärm= und Klatschnachrichten erst nicht; verzweifelt ist ohnedies die Lage. Es fehlt an allem; nichts ist vorbereitet, und während die Bulgaren die Türken am Tschataldscha von Stellung zu Stellung werfen, läßt sich die unverzeihliche Nachlässigkeit von Jahren nicht mehr in einigen Stunden gutmachen. Noch nie hat ein ungerüsteteres Heer gegen einen zeitgemäß bewaffneten Gegner gefochten, urteist der ausgezeichnete Gewährsmann der Wiener Reichspost, und er bestätigt, daß die Türken, die Tag und Nacht kämpften, mehrere Tage lang noch nicht einen Bissen zu essen bekamen, ja daß Bataillone in die Schlacht gesandt wurden ohne eine einzige Patrone. Wie die Garben wurden sie daher von der seindlichen Artillerie und Infanterie niedergemäht und, als sie in wilder Flucht flohen, von den trotz aller Austreugung kriegsbegeisterten Bulgaren haufenweise vernichtet. Unzählige verbluteten, da auch Aerzte und Verbandszeug nicht da waren. Noch mehr: Es gibt keine Gewehre, keine Uniform, kein Schuhzeug, jeder Soldat sieht anders aus wie sein Kamerad. Trotzdem fechten die armen Soldaten auch jetzt noch bei Tschataldscha erbittert weiter, wenn auch sehr ungleich, die offenbar frischen aber sehr hartnäckig. Die turkische Stellung konnte noch nicht durchbrochen werden, allein der Durchbruch ist nur noch ein Frage kürzester Zeit. Auch die Vermittlung Poincarés stockt. Ist er müde geworden, beschäftigt ihn mehr die albanische Frage, glaubt er erst den Schluß des bulgarisch= serbisch=griechischen Siegeslaufes abwarten zu müssen? Daß er eine allgemeine europäische Konferenz unter der Hand vorschlug, an der Rumänien und der Balkaubund teilnehmen sollen, ist noch unbestätigt. Während die Balkanstaaten immer noch erklären, die Türken dürften nicht die Goßmächte, sondern einzig und allein die Sieger angehen, und sie würden in Konstantinopel den Frieden diktieren, in allernächster Zeit schon. Außer den Bulgaren sollen auch Griechen und Montenegriner und Serben in Konstantinopel einziehen. Ein großer Dankgottesdienst soll in der Sophienkirche abgehalten werden, dann wollen die Sieger großmütig die Hauptstadt verlassen, unbedingt uber alles übrige Eroberte behalten und demgemäß auch ihre Titel und Würden erweitern. Zar Ferdinand will sich angeblich als Kaiser ausrufen lassen, der König von Serbien glaubt sich fortau nur noch König aller Serben, der der Griechen König aller Griechen und Nikita gar König von Montenegro und Albanien nennen zu müssen. Zunächst sind die Verbündeten freilich noch nicht in Byzanz. Sie bahnen sich erst den letzten Weg dorthin. Noch sind nach Saloniki noch Skutari und Adrianopel zu erobern, doch soll ihr Fall nur noch eine Frage kürzester Zeit sein, sind doch zwei Hauptpunkte bei Adrianopel schon wieder erobert. Noch wichtiger als alle diese Dinge aber ist für uns die albanische Frage. Der österreichisch=unga rische Gesandte in Belgrad ist von Pest, wo er mit dem Kaiser und dem Grafen Berchtold(vor dessen eiliger Rückreise nach Wien zu wichtigen Besprechungen) angelegentlich verhandelt hat, heimgeeilt. Er soll der Regierung mitteilen, Oesterreich wollte das alte andrassysche Vertrauensverhältnis zu Serbien wiederherstellen. Es könne aber eine Festsetzung Serbiens an der Adria nicht dulden. Er soll auch auf die ernsten Folgen eines serbischen Widerstandes hinweisen. Der italienische Gesandte soll hinzufügen, daß auch Italien ein Serbien in Albanien nicht dulden werde, und der deutsche Gesandte soll die Einigkeit des Dreibundes betonen.(Auch alle diese Angaben aber werden bezweifelt.) Serbische Staatsmänner und serbische Blätter versteifen sich zunächst noch immer sehr schroff darauf, sie würden ihre Lebensbedürfnisse nicht von Oesterreich zerstören lassen. Unter der Hand aber hört man, daß Oesterreich und Serbien sich entgegenkommen wollen, daß Oesterreich schließlich Serbien einen Hafen, der aber nicht befestigt werden dürfe, zu wirtschaftlichen Zwecken als Endziel einer Donau=Adriabahn zugestehen würde. Man nimmt an, daß Serbien besonders nach den gestern veröffentlichten Drohungen eines Albanerführers, sein Volk würde die Freiheit gegen die Serben ebenso wild wie gegen die Türken verteidigen, in Belgrad zum Nachdenken veranlassen wird. Auch die albanische Frage wäre längst beseitigt, wenn nicht der Gegendreibund auch hier wieder eine zweideutige Rolle spielte. Die Parifer Liberts schreibt ganz offen, die serbischen Ansprüche seien nicht ernst zu nehmen. Der halbamtliche Pariser Temps verteidigt sie durchaus. Die Pariser Croix krächzt, da der Dreibund(!) zum Kriege dränge, sei dessen Ausbruch mit 60 zu 40 zu erwarten, der Sieg aber für die Franzosen mir 70 zu 30!! Die radikalen Londoner Blätter greifen Oesterreich leidenschaftlich an, während die Westminster Gazerte sehr richtig betont, es sei sicherlich nicht Englands Aufgabe, Oesterreich=Ungarn Unrecht vorzuwerfen und den Serben schlechten Rat zu erteilen. Daß die halbamtliche Petersburger Börsenzeitung einen wilden Artikel gegen Oesterreich gebracht hat, berichteten wir schon gestern; neuerdings läßt sie den serbischen Gesandten die Sehnsucht nach der Adria mit der serbischen Ausfuhr, besonders von Hornvieh, und mit geschichtlichen Gründen erklären, da Serbien vor der türkischen Eroberung ein Stück adriatischer Küste besessen habe. Serbien schließt aus allem darauf, daß Rußland ihm Daher sein Widerstand gegen beistehen wird. Oesterreich. *** droht noch ein furchtbarerer Drei Flüchtlinge sind bei der Feind: HauptKonstantinepel Die Cholera. stadt an Cholera erkrankt. Die Türken sind stolz darauf, daß Drama der bulgarischen Uebermacht noch immer trotzt. Djakowitza ist am 5. November ohne besonderen Widerstand der Türken eingenommen worden. Bei der Besetzung wirkte die serbische Artillerie mit, die aus Prisren zu Hilfe gekommen war. Die Montenegriner hatten nur geringe Verluste. Auf seiten der Türken und Albanesen sind größere Verluste zu verzeichnen. Zahlreiche Albanesen meldeten sich bei den Montenegrinern als Kriegsfreiwillige. Sie wurden zum Bojanafluß geschickt. Ein Ausschuß aus den Abteilungsvorständen der verschiedenen Ministerien und den früheren dulgarischen Konsuln in der Türkei bereitet einen Entwurf für die Verwaltung in dem„befreiten Lande“ vor. Die Griechen haben die Einnahme von Salonis mit ungeheuerem Jubel gefeiert. Der soll Regierungsverweser der Stadt werden. Jostgmtnster 1— Seite*— galischen#t venschiste Hibernie, *.- und Do winion und die## K 40 Price und Cumberland i. Maita haben Besehlzerhalten, sich sofort nach den Häfen I. Orients zu begeben. Sie sollen in zwei Stunden abge ven. In Malta ist jetzt in Schist muhr außer ewnigen Torgszige zähhren. Auch zwei amerikanische### aun, nu den türkischen Gewässern eilen. Kaiser Franz Joseph empfg am gestrigen Samstag vortrtttug den Minisier des Neußern Grasen Berchtold und sodann den deutschen Botschafter v. Tschirschky in Privataudienz. In Itallen taucht der Plan auf, die Inseln des Aegäischen Meeres, zum wenigsten Rhodos und zwei Nachbarinseln, der Türkei, die sie doch nicht mehr halten könne, nicht zurückzugeben, sondern auf 99 Jahre abzupachten. Der bekannte Tübinger Rechtsgelehrte Thudichum veröffentlicht in der Tübinger Chronik einen uns gütigst zur Versügung gestellten Artikel„Deutschland und der Krieg“. Er kommt zu folgenden Schlüssen: Die Stärkung des Slawentums auf der Balkanhalbinsel mag den Deutschen in Oesterreich und den Magyaren in Ungarn nicht angenehm sein, einen stichhaltigen Grund zum Dreinschlagen bietet das nie und nimmermehr; die Millionen Tschechen, Kroaten, Serben, welche neben den Deutschen und Magyaren leben, begrüßen das Ausblühen ihrer Volksgenossen am Balkan mit ungeteilter Freude und werden in ihren Parlamenten! jedem Versuch, dem„kranken Mann“, dem Türken, seine Herrschaft über die slawischen Christen zurückzugeben, mit Nachdruck entgegentreten. Wenn Rußland mit Waffengewalt auf den Schauplatz tritt, wird es darauf aus sein, die Dardanellensperre für seine Kriegsschiffe zu Fall zu bringen, und man kann ihm das nicht verübeln; diese Sperre ist ehemals auf Betreiben Englands in den Frieden ausgenommen worden; liegt sonst in keiner anderen Macht Interesse, auch nicht Oesterreich=Ungarns. Läge es in der Absicht Rußlands, Konstantinopel für sich zu behalten, so mögen ihm England, Frankreich, Italien entgegentreten. Für Oesterreich=Ungarn hätte die Verwirklichung des alten russischen Wunsches keinerlei nachteilige Bedeutung, für das Deutsche Reich eher einen Nutzen. Auf einen salschen Weg könnte die österreichisch=ungarische Politik nur geraten, wenn sie sich Hoffnung machte, auf den Beistand des Deutschen Reiches rechnen zu dürfen; daß viele Deutsch=Oesterreicher sich in dieser Hoffnung wiegen, und viele Bayern, ehemalige Anhänger der groß=deutschen Ideen, ihnen beistimmen, bleibt begreiflich, unbegreiflich aber, wie auch manche deutsche Militärs, z. B. Generalleutnant z. D. v. Litzmann, es für an der Zeit halten, den deutschen Regierungen Mut einzusprechen. Wir leben der Hoffnung, daß das deutsche Volk noch nicht so heruntergekommen ist, für nichts und wieder nichts sich in einen halsbrechenden Krieg zu stürzen, sondern sesthält an den Grundsätzen seines großen Reichskanzlers und seines großen Kaisers Wilhelm I. China hat gegen Rußlands Vertrag mit der Mongolei Einspruch erhoben. Deutsches Reich. e Professor Gothein in Heidelberg schreibt in einer sehr fesselnden Studie über die Gesellschaft Jesu in der Frkstr. Ztg. u..:„Das erste, was(nach der Zulassung der Jesuiten) unweigerlich kommt— denn sie haben es nach Möglichkeit schon von der Ferne getan—, ist die Kontrolle über die Universitäten. An dem Tage, wo die Jesuiten wieder in ihr verlassenes Haus am Hofgarten in Bonn einziehen, ist auch der Hochschule gegenüber ihr Auspasser gestellt, und genauer noch als bisher wird über jeden Theologieprofessor in Bonn Buch geführt werden.“ Und weiter:„Man täusche sich nicht: auch was er am Sozialismus bekämpft, sind vor allem dessen liberale Bestandteile.“ Und zum Schluß:„Weite katho lische Kreise, die jetzt schweigen, werden ihn früher als eine Last und Beunruhigung empfinden als die protestantischen und der Staat. Man soll niemand hindern, sich seine Zuchtrute selber zu binden. Für den Staat könnte dann die Sache so liegen, daß jene Kreise, manche Bischöfe mit eingeschlossen, gegenüber einem noch anwachsenden Romanismus und einer sich überall einmengenden Nebenregierung wieder bei ihm Rückhalt suchten. Eine neue und unerhörte Erscheinung wäre das zum allerwenigsten. Unter diesem Gesichtspunkte könnte man sich versucht fühlen, dem Staat den Rat zu geben, die Probe zu machen— wenn dieser Rat nicht etwas jesuitisch wäre.“ 9 Bei den Stadtverorductenwahlen in Mörs sind in der ersten und zweiten Abteilung nur Liberale, in Bochum und in Wattenscheid in der zweiten Abteilung die gemeinsamen Kandidaten der Liberalen und des Zentrums gemählt, worden. In Düsseldorf=Rath gelang es dem ##crum, in der zweiten Abteilung den bisherigen liberalen Vertreter in die Stichwahl zu drängen. Der ererhielt 237, der Zentrumsmann 210, die Sozialdemokraten 57 Stimmen. Die Hauptwahl in der zweiten Klasse findet in Düsseldorf Montag und Dienstag statt. In Bommern ist in der dritten Klasse der Sozialdemokrat durch den Liberalen besiegt worden. In Posen wurden in der zweiten Abteilung alle deutschen Kandidaten gewählt. 0 Daß den Lehrern eine neue sehr vernünftige Versügung des Kultusministers Einblick in eine ungünstige Eintragung der Geheimakten gestatte, war vor einiger Zeit gemeldet worden. Zu Unrecht, wie versichert wird. 6 Dem neuen preußischen Staatshaushalt soll ein Ueberblick beigegeben werden, der das Verständnis erleichtert. c 2000 kleine Gastwirtschaften sind in Berlin im Jahre 1911 ein gegangen. Das wird mit der Teuerung, dem sozialdemo kratischen Schnapsverruf, der Bewegung gegen den Mißbrauch geistiger Getränke und den Kinos begründet. e Bischof Benzler hatte das Reichsmilitärgericht gebeten, für die vier wegen der bekannten Vorkommnisse auf einer Kontrollversammlung zu Festung verurteilten Diedenhofer Kapläne ein Begnadigungsgesuch einzureichen. Er ist aber abgewiesen worden. Die vier Kapläne selbst hatten kein Gnadengesuch eingereicht. * Frau Toni Breitscheid ist(wie die Freis. Zig. berichtet) jungst ihrem Mann zur sozialdemokratischen Partei gefolgt. 9 Der Vorwärts hatte im April das Abgeordnetenhaus scharf angegriffen, seine Mehrheit mache stets Schluß vor einem sozialdemokratischen Redner, es sei eine reaktionäre Affenkomödie, eine tolle abgeschmackte, eine ganz ordinäre Komödie zur Beschwindelung der Oeffentlichkeit; weiter wurde ihm heillose Bloßstellung, pathologische Tobsuchtsanfälle, Geldsackparlament usw. vorgeworfen. Das Gericht verurteilte den Vorwärts zu 200 Mure Geldstrafe. Die Ausdrücke gegen die Mehrheit beleidigten nicht das Abgeordnetenhaus. Geldsack= und Junkerparlament seien auch keine Beleidigung des Gesamthauses, da sie sich nur gegen die Zusammensetzung tichten. Dagegen sei der Ausdruck Toühaus eine Beleidigung. Die Verteidiger hatten noch betont, das Volk habe die Nachricht von der Wahl des Grafen Schwerin Seirceh eiiht urdr die Mil.er heit schütze und Auftritte wie die unter —, miche mbgith seten. Sonntag, 10 November 1919 Besinden des in den letzten Tagen, Thron= wie halbRußland. Das folgers befriedigte amtlich gemeldet wird. Der Soldat, der bei der Vorodinoseler mit dem Gewehr aus dem Gliede trat, um dem Zaren eine Bittschrift zu übergeben, und dafür zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt worden war, ist begnadigt worden. Mexiko. Die Zapatisten sind endgültig geschlagen worden. Bo sn, 10. Rovenben 1912. Bouner Gedenktage. 10. November 1883: Der 400. Geburtstag Luthers wird festlich begangen. 10. November 1884: Eröffnung der Fernsprech=Anlage(Bonn—Köln). Seentagsgedauten. Unterscheide die Menschen nicht in solche, die du magst, und solche, die du nicht magst, sondern suche an jedem das Liebenswerte. Moltke. Der verträglichste Mensch ist auch der glücklichste. Glück ist Eintracht, einmal in uns, dann aber auch um uns. Klatschdasen und Fanatiker können nicht glücklich sein. Haß und Gehässigkeit stören unser eigenes inneres Gleichgewicht edenso, wie Recht und Gerechtigkeit es dauernd halten. Jedem gerecht werden, sich selbst wie andern, das ist die Kunst, die zum glücklichen Aufbau des Lebens gehört. Es gibt einseitige Naturen, die zu dieser Kunst unbedingt ungeschickt sind. Andere verstehen sie zu üben den Toten gegenüber, wenn Allerseelentage das Herz weich stimmen und am Längsthingeschiedenen vergessen lassen, was uns einst dornig an ihm war: Aber es ist so schwer, diese Kunst auch den Lebenden gegenüber zu bewähren. Sie vollkommen zu üben, ist sogar unmöglich. Wenigstens für Menschen. Wir stoßen immer einmal auf Naturen, die der unsrigen so vollständig entgegengesetzt sind, daß es keinen Verbindungsweg mehr gibt. Aber mancher vergrößert sich auch die Zahl der Abstoßenden mehr als nötig. Bor allem der Schwarzseher. Menschenverachtung ist ja im Grunde genommen auch nur ein Ausschnitt aus allgemeiner Weltverachtung. Und der Weltverächter findet sein grausames Vergnügen darin, überall das ausfindig zu machen, worüber er sich ärgern kann. Natürlich sehlts daran nicht in dieser unvollkommenen Welt. Denn sie ist eine lebendige Entwicklung, ein Wachstum, und da gibt es überall Mängel, die überwunden, Engen, die gesprengt, und Lücken, die ausgefüllt werden sollen. Zudem sind die unendlichen Gaben des Lebens an unzählige Geschöpfe verteilt. Da ist niemand, der alles in sich vereinigte, was gut und schön ist. Und ein jeder weiß von sich manches, was eigentlich anders sein sollte. Wer das an uns aufspüren will, kanns sicher einmal finden und braucht vielleicht gar nicht lang danach zu suchen. Und wenn er sich dann über uns ärgert, so hat er eben einen Kummer mehr in der Welt. Und was noch trauriger ist, er verschließt sich mit seinem Aerger leicht selbst den Weg zu anderen Eigenschaften in uns, die ihm am Ende gar Freude machen könnten, wenn er sie kennen lernte. So macht er sich selbst ärmer, als nötig wäre. Wir wollen uns hüten vor solchem Fehler; nicht auf das Veilchen schelten, weil wir gerade an ein Edelweiß dachten. Und wenn wir Dornen und Disteln fänden: nun, die haben auch ihre Blütezeit und ihre Orte, wo sie hinpassen. Wer an einer Rose riecht, muß vergessen können, daß er sich an ihrem Dorn geritzt hat. Es ist die Haupttugend guter Regenten auf allen Thronen und in allen Aemtern: an den Menschen möglichst ihre gute Seite herauszufinden. Geben sie ihnen da Arbeit, werden sie Freude ernten und noch Dank obendrein. Und glatt und eben wird in ihren Reihen das Leben laufen. So auch stehts in unserem Bekanntenkreis. Wenn man wollte, könnte man mit jedem Feindschaft haben. Man brauchte nur das immer wieder anzugreifen, worin andere anders sind wie wir. Klüger aber ists wohl, den Teppich der Höflichkeit über die kleinen Flecken, Dornen und Löcher unserer gegenseitigen Beziehungen zu hängen. Es ist eine Wohltat, die wir uns selbst so gut wie andern erweisen. Dann können wir uns ungetrübt dessen freuen, was uns in anderen Seelen harmonisch entgegenklingt. Und von dem Standpunkt dieser Züneigung aus gewinnen wir mit der Zeit vielleicht sogar den Weg zum Verständnis auch dessen, was uns erst abstieß. Auf alle Fälle locken wir so das uns Liebe imme stärker aus andern heraus und aus uns selber auch. Das heißt dann, sich selbst wie andere erziehen. Eine Aufgabe, mit der wir freilich schwerer fertig werden, als mit dem raschen Aburteilen über unsern Mitmenschen. Von der wir aber auch um so mehr gewinnen. ** Der städtische Fleischverkauf wird auch mit Ende dieser Woche noch nicht beendet werden, da, wie wir hören, die Fleischer=Innung dem städtischen Teuerungsausschuß nicht entgegengekommen ist. Geringe Zugeständnisse, die die Innung zuerst in Aussicht gestellt hatte, sind auf Beschluß der letzten Innungsversammlung auch widerrufen worden. Die Stadtverwaltung wird daher auch in den nächsten Wochen das dänische Fleisch noch in den städtischen Verkaufsstellen verkaufen lassen. ** Von der Universität. Die im Staatshaushalt für 1912 neu errichtete Stelle einer Bibliothekssekretärin ist vom 1. November ab Frl. Agnes Worzewsk übertragen worden. Der Unterrichtsassistent für analytische Chemie am chemischen Institut Privatdozent Dr. Julius Gewecke ist ausgeschieden. An seine Stelle ist der bisherige Unterrichtsassistent für das Mediziner=Praktikum Dr. Robert Wintgen und an dessen Stelle der Kandidat der Chemie Wilhelm Herzmann aus Erpel getreten. Die Literarhistorische Gesellschaft Boun unter dem Vorsitz von Professor Berthold Litzmann veranstaltet auch in diesem Winter für ihre Mitglieder eine Reihe von Vortragsabenden, an welchen Herr Professor Litzmann neuerschienene Dichtungen vortragen und Julius Bab aus Berlin über„Die Stiltendenzen im jüngsten deutschen Drama“ sprechen wird. Näheres im heutigen Anzeigenteil. * Stadttheater. Heute abend sbeginnt Herr Anton Frank, der erste Charakterkomiker des Hamburger Thaliatheaters, sein Gastspiel als Dittmar in dem zugkräftigen Schwank„So'n Windhund“. Herr Frank, der hier in der vorigen Spielzeit als Basil im Grafen von Luxemburg und in Hasemanns Töchter außerordentliche Erfolge hatte, spielte die Rolle des Dittmar allein in Leipzig über hundertmal. Der Sonntagaufführung wird einer der Verfasser des Schwankes„So'n Windhund“, Herr Arthur Hoffmann, beiwohnen. ** Fräulein Gustel von Blücher, die Urenkelin des vom deutschen Volke unvergessenen„Marschall Vorwärts“, wird am 16. November, abends 8 Uhr, im Weißen Saale der Beethovenhalle über„die Frauen im Befreiungskampfe vor 100 Jahren und heute“ sprechen. Gleich ihrem Ahnherrn von glühender Vaterlandsliebe erfüllt, kämpft sie gegen die inneren Feinde, von denen unserer Nation jetzt die meiste Gefahr droht, sittliche Verwahrlosung und körperliche Entartung. Sie ruft die Frauen auf zur Teil„ nahme an diesem Kampfe gegen den Zerstörer körperlicher, geistiger und sittlicher Kraft. Frl. von Blücher hält ihren Vortrag auf Einladung einer größeren An#A von sozial arbeitenden Bonner Vereinen. Vermagn Hüffer, Lebenserinnerungen, herausgegeben von Erus Sieper, sind soeben im Verlag von, Georg Reimer in Berlin erschienen. Den stattlichen Band schmückt ein lebenstreues Bild dieser, wie das Vorwort mit Recht hervorhebt, edlen, milden und doch im Grunde starken Persönlichkeit. Für heute nur der kurze Hinweis. Wir werden auf das Werk noch zurückkommen. ** Im Verein zur Bekämpfung der öffentlichen Unsittlichkeit wird am übermorgigen Dienstag abend 8½ Uhr Exzellenz Hamm über die Aufgaben für die gesetzgeberische Behandlung der Kinematographen sprechen. Die Versammlung, zu der auch Nichtmitglieder Zutritt haben, findet im Hotek du Nord statt. * Städtisches Abonnementskonzert in der Stadthalle. An Stelle des Städtischen Orchesters konzertiert am heutigen Sonntag in der Stadthalle die Kapelle des 2. Westfälischen Pionier=Bataillons Nr. 24 unter persönlicher Leitung des Herrn Musikmeisters Meinerzhagen, und zwar von 3½ bis 6½ Uhr. ** Ausstellung Zirkel. Die hiesige Kunsthandlung Zirkel veranstaltet heute eine Ausstellung seltener Perser=Teppiche, alter Handwebereien, orientalischer Kunststickerei, alter Bronzen, Lackarbeiten und Elfenbeinschnitzereien. Auch werden japanische Stichblätter, Kakimonos, alte Drucke und Malereien ausgestellt. Unter den Keramiken fällt die Sammlung seltener koreanischer Basen auf, die bedeutende Stücke von hohem Wert enthält. Die Ausstellungsräume(Gangolfstraße 8/10) sind heute den ganzen Tag über zur freien Besichtigung geöffnet. * Militärisches. Leutnant v. Osterroth vom Bonner Königshusaren=Regiment ist als Schüleroffizier des Winterlehrganges 1912/13 zur Kavallerie=Telegraphenschule kommandiert worden. ** Im Liberalen Jugend=Verein sprach Freitag abend Chefredakteur Jung aus Köln über die politischen Forderungen der Gegenwart. Er wies auf die ununterbrochene Entwicklung im Leben der Völker und Staaten hin und zog gerade aus dem Niedergang der Türkei die Lehre, daß ein Reich und ein Volk, das seine Stellung in der ständigen Entwicklung behaupten wolle, einig und in seiner Mehrheit von einer einheitlichen Staatsidee beherrscht sein müsse. Auch uns Deutschen tue eine einheitliche Auffassung der Staatsidee not, vor allem in der inneren Politik. Gerade in den weiten Schichten unseres Volkes, die sich nicht zum Zentrum oder zur Sozialdemokratie bekennen, herrsche eine große Teilnahmslosigkeit an allen öffentlichen Dingen. Während in Zentrum und Sozialdemokratie ein gewisser Idealismus verkörpert sei, im Zentrum der der gemeinsamen Kirche und in der Sozialdemokratie die Opferwilligkeit zur Stärkung der ganzen Klasse, schwimme die große Masse aller derer, die außerhalb dieser Parteien stehen, wie Treibholz den Strom herunter. Unter diesen Verhältnissen sei es heutzutage keine angenehme Aufgabe, Politik zu treiben. Das war nicht immer so. Es gab eine Zeit, da ein Zukunftssehnen durch das deutsche Volk ging und gemeinsame liberale Ideen auf wirtschaftlichem und politischem Gebiet das Volk ersüllten. Mit dem Reich hat sich auch das Wirtschaftsleben in ungeahnter Weise entwickelt, diese Entwicklung hat allerdings auch als unerfreuliche Folge die gegenwärtigen Erscheinungen in unserm öffentlichen Leben gebracht. Die Arbeitskraft der Menschen wird bis aufs außerste beansprucht, so daß zur Beschäftigung mit politischen Fragen, ja selbst zu guter Erholung nicht mehr die Aufnahmefähigkeit und geistige Spannkraft vorhanden ist. Theater und gute Konzerte bleiben infolgedessen leer, während Tingeltangel und Kinos sich des größten Zuspruchs erfreuen. Beim Kino ziehen gerade die blutrünstigsten Dramen am meisten, während gute belehrende Films es nicht zu füllen vermögen. Die Ursachen dieser höchst bedenklichen Erscheinungen festzustellen und nach Mitteln zur Abhilfe zu suchen, ist eine Aufgabe des Reichsverbandes der nationalliberalen Jugend. Von heute auf morgen ist eine Aenderung unmöglich. Durch eine stete Beschäftigung der Massen mit der Politik und die dadurch hervorgerufene Einwirkung auf die Gesetzgebung könnte eine Aenderung herbeigeführt werden, vor allem durch die Schule. Die Schulen sind heute in vielen Fällen nur Dressuranstalten für das praktische Leben, für die Gemütsbildung tun sie viel zu wenig. Der Idealismus muß die Erziehung wieder beherrschen. Auch die Lücke, die durch den zurückgegangenen Einfluß der Kirche entstanden ist, weil die Geistlichkeit sich nicht der Entwicklung anzupassen vermochte, muß ausgefüllt werden. In immer weitere Kreise muß das Gefühl getragen werden, daß die Staats= und öffentlichen Angelegenheiten auch Sache des einzelnen sind. Die Errungenschaften der letzten Jahrzehnte dürfen nicht als Selbstverständlichkeiten genossen werden, schon die Schule muß daher lehren, wie es früher in wirtschaftlicher und politischer Beziehung ausgesehen hat. Das Volk muß lernen, sich auch für die mit größeren Rechten verbundenen größeren Pflichten zu begeistern. Mögen die liberalen Parteien sich verschmelzen oder einen Großblock der Linken bilden, der Liberalismus wird nur dann den ihm gebührenden Einfluß zurückgewinnen, wenn es ihm gelingt, die Jugend für den Idealismus zu begeistern. Dann wird in dem Maße, in dem die soziale Gesetzgebung und die freiwillige Tätigkeit der Unternehmer jedem ein gewisses Geringstmaß in der Lebenshaltung sichert, auch der materialistische Zug mehr und mehr einem idealistischen weichen. Vor allem aber muß die heranwachsende Jugend mit einem Schwung der Begeisterungsfreudigkeit das staatsbürgerliche Gefühl wecken, das die Beruhigung bietet, wenn auch nicht für sich selbst, so doch für das Volk mitgearbeitet zu haben. Dieses staatsbürgerliche Gefühl gibt innere Befriedigung und ist mehr wert als materielle Güter. Der Vorsitzende der Versammlung, Herr Redakteur Helle, dankte dem Redner für seinen begeisternden, mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag und teilte mit, daß der Liberale Jugendverein in jedem Monat eine öffentliche Versammlung und alle 14 Tage einen staatsbürgerlichen Lehrgang veranstalten werde. Der erste dieser Lehrgänge findet am 16. November, abends 9 Uhr, im Hotel zur Post statt. Da sich trotz mehrmaliger Aufforderung niemand zum Wort meldete, obwohl auf die besondere Einladung auch mehrere Herren vom Windthorstbunde anwesend waren, schloß Herr Helle kurz nach 10 Uhr die Versammlung. ** In der Abteilung für Literatur und Kunst der Bonner Freistudentenschaft sprach gestern Herr Privatdozent Dr. Ohmann über„Die modernen Bestrebungen zur Theaterresorm und die Aesthetik“. Der Gesichtspunkt, unter dem alle Bühnengestaltung und=Einrichtung zu fassen ist, bleibt immer die Rücksicht auf die räumlichen Bedingungen der Leistung des Schauspielers. Das Wort im Drama ist nicht nur mitteilend und aussagend, wie etwa in epischen oder lyrischen Werken, sondern ist ein Teil des schauspielerischen Ausdrucks, der eben die Ganzheit der Ausdrucksähigkeit des menschlichen Körpers einschließlich des Wortes umgreift und fordert. Die Bühnenkunst ist nicht auf dem gehörten, sondern auf dem gesehenen Wort aufgebaut, sie ist Bewegungskunst und bedarf daher ihres Bewegungsraums unerläßlich. Der Bühnenraum ist im künstlerischen Sinne ein erfüllter Raum, und von der raumabschließenden Absicht der Plastik sind die Bedingungen des Bühnenspielraums wohlunterschieden. Auf dem antiken Theater lagen die Verhältnisse wesentlich anders; unser Bühnenraum, der vor die Welt der Nr. 810 Pschaut ie uuns Bil usr Stelt iost nust 1lh. sondern auf einer Flachbühne, die nur den Abschluß des ganzen Theaters bildete, spielte sich das gleichsam unter den Zuschauern ab. Die tieferen Gründe dieses Unterschieds, die in der Beschaffenheit der Dichtwerke und der verschiedenen Artung der Kunstabsicht liegen, drücken sich in der Bühnengestaltung vollkommen aus. Für uns besteht um das Bühnenbild ein Rahmen, der die Vorgänge des Stücks nicht nur äußerlich, sondern auch ästhetisch von uns trennt. Die Wirkung des Schauspielers beruht nun gerade auf der Durchbrechung des Rahmens, auf einem Herübergreisen zu uns und einem Mitreißen des Zuschauers in die Bewegung des Stücks. Die mannigfachen Versuche, die eine Steigerung dieser Wirkung bald durch künstliche Auflösung des Rahmens, bald durch Hervorhebung seiner Grenzen anstreben, laufen schlie ßlich darauf hinaus, dem Bühnenraum eine möglichst eigenartige, das Spiel des Darstellers unterstützende Gestalt zu geben. Die rein malerischen Gesichtspunkte, die hier zu künstlerischen Bühnernbildern nach Art von Naturausschnitten, dort zu streng stilisierten Bildern, anderswo wieder zur rhythmischen Darstellung eines Reliefs führten, können allein die Lösung nicht bringen. Die moderne Flachbühne etwa von Marsorw, Behrens, Fuchs ist nur für bestimmte Stilgattungen brauchbar. Das Ziel wird immer sein, einen individuellen Raum herzustellen, der nicht nur seiner Begrenzung, sondern auch seiner ästhetischen Wirksamkeit nach die Besonderheit einer anderen, von der unseren verschiedenen Wirklichkeit uns nahe bringt.— In einer Aussprache, an der auch erfahrene Theaterpraktiker teilnahmen, konnte noch auf manche besonderen Bedingungen der Bühneneinrichtung hingewiesen und die von Fall zu Fall notwendige Entscheidung über die Wahl des jeweils geforderten Bühnenraums betont werden. ** Gesterben ist im Alter von erst 48 Jahren infolge eines Herzschlages der Rentner Herr Philipp Oster. Herr Oster entstammte einer alten rheinischen Familie, die besonders auf dem Gebiete der Gasindustrie tätig gewesen ist. So hat ein Onkel des jetzt Verstorbenen das Bonner Gaswerk, sein Vater das Kreuznacher Gas werk gegründet. Seit etwa zehn Jahren hatte der Verstorbene seinen dauern den Wohnsitz in Bonn. Er hat in dieser Zeit die künstlerischen und besonders die musikalischen Bestrebungen unterstützt und sich durch sein liebenswürdiges Wesen viele Freunde erworben, die gern in seinem allezeit gastlichen Hause sich einfanden. ** Vier junge Burschen hatten vor kurzem in der Fortbildungsschule drei Ueberzieher gestohlen. Drei von ihnen sind, wie berichtet, in der Nacht zum letzten Montag ermittelt worden. Gestern konnte auch der vierte ermittelt werden. Die gestohlenen Ueberzieher sind den Besitzern wiedergegeben worden. ** Daß auf dem Markt Hunde vielfach die Körbe mit Gemüse, Obst usw. in der ekelhaftesten Weise beschmutzen, darüber sind wiederholt Beschwerden bei der Polizei eingegangen. Ein Verbot, Hunde mit auf den Markt zu nehmen, besteht nicht, nur in LebensmittelLäden dürfen Hunde nicht mitgenommen werden. Die Polizei ersucht uns jedoch, die Hundebesitzer und=besitzerinnen zu bitten, im Interesse der Allgemeinheit auch ohne polizeiliches Verbot die Hunde vom Markte fernzuhalten. ** Genehmigte Bangesuche. Von der Ortspolizeibehörde sind folgende Baugesuche genehmigt worden: Um= und Erweiterungsbauten: Baustelle Bonngasse 10/12, Bauherr Hubert Gentrup, Bauleiter Architekt Böhm.— Baustelle Colmantstr. 2, Bauherr Th. Graff, Bauleiter Architekt Fenster.— Baustelle Rheindorfer Straße 151, Bauherr St. Agnesstift, Bauleiter Regierungs=Baumeister Thoma.— Baustelle Dechenstr. 1, Bauherr Wwe. Sonheur, Bauleiter Architekt Rings.— Baustelle Bornheimer Straße 96, Baul herr Wilhelm Vollmar, Bauleiter der Bauherr.— Ballstelle Klemens=August=Straße 35, Bauherr Joh. Bursch, Bauleiter Julius Runge.— Baustelle Wenzelgasse 10, Bauherr Anton Scholl, Bauleiter Architekt Gerhards.— Baustelle Dransdorfer Weg 19, Bauherr Firma Jäger, Bauleiter Architekt Lohr.— Baustelle Bonner Talweg 90, Bauherr Mechanische Jutespinnerei und Weberei, Bauleiter Architekt Mennicken. ** Der Spielplan der Vereinigten Stadttheater Köln lautet für die Zeit vom 10. bis einschließlich 18. November: Opernhaus: Sonntag, 10., Anfang 7 Uhr, Ende 11 Uhr: Die Afrikanerin; Montag, 11., Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 10¼ Uhr, Sonder=Vorstellung für den Eisenbahn=Verein Köln: Zar und Zimmermann; Dienstag, 12., Anfang 7½ Uhr, Ende 10½ Uhr: Der fliegende Holländer; Mittwoch, 13., Anfang 7½ Uhr, Ende 10¾ Uhr: Der Zigeunerbaron; Donnerstag, 14., Anfang 7 Uhr, Ende gegen 11 Uhr: Der Rosenkavalier; Freitag, 15.: Unbestimmt; Samstag, 16., Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 10 Uhr: Die Bohème; Sonntag, 17., Anfang 6½ Uhr, Ende gegen 11 Uhr: Die Walküre; Montag, 18., Anfang 7 Uhr, Ende gegen 10¾ Uhr: Undine. Schauspielhaus: Sonntag, 10., nachmittags 3 Uhr, Ende gegen 5½ Uhr, Sonder=Vorstellung fur den Post=Unterbeamten=Verein: Die fünf Frankfurter; abends 7½ Uhr, Ende gegen 11 Uhr, neu einstudiert: Im Weißen Rößl; hierauf: Als ich wiederkam; Montag, 11., Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 10 Uhr: Der Hüttenbesitzer; Dienstag, 12., Anfang 8 Uhr, Ende gegen 11 Uhr, volkstümliche Vorstellung: Die Schmetterlings= schlacht; Mittwoch, 13., Anfang 8 Uhr, Ende gegen 10½ Uhr: Alt=Heidelberg; Donnerstag, 14., Anfang 8 Uhr, Ende gegen 10½ Uhr: Der Biberpelz; Freitag, 15., Anf. 7½ Uhr, Ende gegen 10¼ Uhr: Volkstümliche Vorstellung zu Gerhart Hauptmanks 50. Geburtstag: Die versunkene Glocke; Samstag, 16, Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 11 Uhr: Im weißen Rößl; hierauf: Als ich wiederkam; Sonntag, 17., nachmittags 3 Uhr, Ende gegen 6 Uhr, Sonder=Vorstellung für den Männer=Gesangverein Concordia: Der Störenfried; hierauf: Dienstboten; abends 7½ Uhr, Ende gegen 9¾ Uhr: Die fünf Frankfurter; Montag, 18., Anfang 7½ Uhr, Ende gegen 11 Uhr: Wallensteins Tod. ** Der Spielplan der vereinigten Theater in Köln lautet für die nächste Zeit: Deutsches Theater: Sonntag, 10., vormittags 11 Uhr, Matinee: Schiller; nachmittags 3 1/8, Ende 6 Uhr: Frühlings Erwachen; abends 8, Ende 11 Uhr: Magdalena; Montag, 11., Anfang 8, Ende 11 Uhr, bei volkstümlichen Preisen: Taifun; Dienstag, 12., Anfang 8, Ende 11 Uhr: Hinter Mauern; Mittwoch, 13., Anfang 8, Ende 11 Uhr: Magdalena; Donnerstag, 14., Anfang 8, Ende 11 Uhr: Hinter Mauern; Freitag, 15., Anfang 8, Ende 11 Uhr, zum ersten Male: Das Friedensfest; Samstag, 16., nachmittags 3½ Uhr, Ende 5½ Uhr, Gastspiel Roubau: Le Malade Imaginaire; abends 8 Uhr, Ende 11 Uhr, zum ersten Male: Die Räuber. Metropoltheater: Sonntag, 10., nachmittags 3 ½/, Ende 6 Uhr: So'n Windhund; abends 8, Ende 11 Uhr, Gastspiel Odemar: Kabale und Liebe; Montag, 11., Anfang 8, Ende 10½ Uhr: So'n Windhund; Dienstag, 12., Anfang 8, Ende 10½ Uhr: So'n Windhund; Mittwoch, 13., Anfang 8, Ende 11 Uhr: Zaza; Donnerstag, 14., Anfang 8, Ende 11 Uhr: Kabale und Liebe; Freitag, 15, Gastspiel Franz Ludwig: Die ersten Menschen; Samstag, 16., Anfang 8, Ende 11 Uhr, zum ersten Male: Laura massiert... Pkzinkand ** Hockey. Die Hockeymeisterschaft von Rhemtane wird von jetzt ab in zwei Klassen ausgetragen. Demgemäß sind auch zwei Pokale für die Sieger ansgesetzz. Zur Klasse 1 gehören Düsselderf I, Köln I und wonn 1, Sonntag, 10 November Ho1D Nr. 310 zur Klasse II Ossen, Duisburg, Däskdorf II, Köln 11 und Vonn II. Jedes gewonnene Spiel zählt zwei Iunkte, ein unentschiedenes einen Punkt. Die Meisterschaftsspiele dieses Winters beginnen am hentigen Sonntag für Klasse I hier in Bonn mit dem Zusammentreffen Bonn I gegen Köln I vormittags 11 Uhr auf dem Spielplatz an der Richard=Wagner=Straße. Die Kölner haben gegen früher gewaltige Fortschritte gemacht und werden für Bonn einen ebenbürtigeren Gegner abgeben wie letztes Jahr. *# Die Referendariatsprüfung in Köln haben gestern von vier Kandidaten die Herren Haus Langenberg aus Krefeld, Johannes Pönsgen aus Beurath und Ludwig Sidon aus Koblenz bestanden. Die nächste Prüfung ist am 14. November. Aus Kunst, Wissenschaft und Leben. — Das neue Deutsche Opernhaus in Charlottenburg ist, wie uns geschrieben wird, Donnerstag abend vor einer glänzenden Versammlung geladener Gäste, unter denen sich der Reichskanzler v. Bethmann Hollweg und eine große Menge hoher und höchster Staatsbeamten und Militärs befand, festlich eröffnet worden. Selbstverständlich waren auch die Künste und Wissenschaften durch ihre bekanntesten Männer vertreten. Es wurde„Fidelio“ gegeben. Von allem Beiwerk, Begrüßung der Gäste u. dergl. hatte man abgesehen, nicht einmal die sonst bei ähnlichen Gelegenheiten übliche „Weihe des Hauses“ erklang. Die Darstellung und musikalische Wiedergabe standen auf gleicher Höhe und einigten sich zu einem großen Gesamteindruck. Schen der Schlußanstritt des ersten Aktes erweckte lauten Beifall, der sich nach der Kerkerszene des zweiten Aktes noch steigerte. Auch die während der Verwandlung des zweiten Aktes gespielte große Leonorenonvertüre brachte dem Orchester unter Waghalter stürmischen Beifall ein. Am Schlusse wurden die Mitwirkenden, an der Spitze Frl. Bland als Fidelio, Herr Kirchner als Florestan, Peter Lordmann als Rocco mit dem Direktor Hartmann und dem Erbauer des Hauses, Baurat Seeling, immer von neuem hervorgejubelt. Da auch die Klangverhältnisse sich als durchaus günstig erwiesen, so kann, man behaupten, daß das„Deutsche Opernhaus“ seine Feuerprobe bestanden hat. — In der Galerie Schulte in Düsseldorf wird vom heutigen 10. bis 30. d. M. die Corinth=Sammlung aus dem Besitz von E. Zaeslein in Berlin ausgestellt werden. Es ist dies für das Rheinland die erste Gelegenheit, Bilder aus allen Zeiten dieses Meisters kennen zu lernen. — Hochschulnachrichten. Die juristische Fakultät der Universität Kiel hat den Präsidenten der Hamburger Bürgerschaft, Landgerichtspräsidenten Engel, zum Ehrendoktor ernannt. — Auerbachs Keller soll auch in dem neugebauten Auerbachs Hof in Leipzig erhalten werden im Zusammenhang mit einer neuen zeitgemäßen Weinstube über ihm. — Eine Geige, die ein Lehrer vor einigen Jahren einem Zigeuner in Hilkerode um einige Mark abgekauft hat, soll sich als äußerst wertvoller echter Stradivarius erwiesen haben. — In Newyork haben sich jetzt die vier Mitglieder der Straßenbande, die Rosenthal im Auftrage des Polizeikommissars Becker ermordet haben, zu verantworten. — Die Erkennungskarte der Göttinger Studenten lautet:„Der Inhaber dieser Karte hat dieselbe zu seiner Legitimation stets bei sich zu führen und auf Verlangen der Pedellen oder sonstiger die öffentliche Ordnung beaussichtigender Offizianten vorzuzeigen oder abzugeben.“ — Der auf der Hubertusjagd am Herzschlag verkorbene General v. Windheim ist Freitag in Berlin auf dem alten Iuvalidenfriedhof beigesetzt worden. Bei der Trauerfeier in der Juvalidenkirche legte Prinz Eitel Friedrich einen Kranz des Kaisers nieder. Militär=Oberpfarrer Goens hielt die Rede. Garde=Füsiliere, Garde=Ulanen und GardeFeld=Artillerie bildeten die Trauerparade. — Der flüchtige Berliner Rechtsanwalt Bredereck hat aus Amerika bekanntlich mitgeteilt, daß er mehrere Wochen in Köln gewesen, dann über England nach Newyork gefahren ist und sich in Chikago oder Boston eine neue Wirkungsstätte suchen will. — Ein Pariser Kritiker war von der Leitung einer Ausstellung, die er nicht anständig und nicht künstlerisch genannt hatte, auf 20000 Fr. Schadenersatz verklagt worden. Das Gericht wies aber die Klage ab und verurteilte den Kläger zu den Kosten, da das Recht der Kritik in keiner Weise überschritten sei. — Der Gouverneur in Woronesch hat den Bootsverleihern strengstens untersagt, jungen Herren und Damen ein gemeinsames Boot zu verleihen. Seitdem pflegen stets zwei junge Herren ein Boot und zwei junge Damen ein anderes zu mieten und weit draußen auf dem Wasser die Plätze zu tauschen. Neueste Nachrichten. Der Balkankrieg. Konstautinopel, 9. Nov.(Telegr.) Wie die Blätter melden, ist es in Silivri am Marmarameer zu Unruhen gekommen, nachdem die türkischen Behörden geflohen sind. In der allgemeinen Panik sollen vier Griechen, drei Armenier und drei Israeliten getötet und mehrere Personen verwundet worden sein. Sofia, 9. Nov.(Telegr.) Das Hauptquartier hat Stara Zagora verlassen. Es wird gemeldet, daß Banden von Baschi Bozuks in einigen Ortschaften der Provinz Adrianopel aufgetaucht seien. Die bulgarischen Behörden haben die notwendigen Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Rjeka, 9. Nov.(Telegr.) Gestern wurde die Beschießung von Skutari mit Belagerungsgeschützen sortgesetzt. In der Stadt herrscht Schrecken. Die Katholiken flüchteten in die Kathedrale, wo auch der Erzbischof weilen soll. In Skutari sind die Preise aller Bedarfsartikel unerschwinglich. Der französische Konsul soll von seiner Regierung die Weisung erhalten haben, mit den französischen Staatsangehörigen und etwaigen Schutzbefohlenen die Stadt zu verlassen. Athen, 8. Nov.(Telegr.) Auf eine Anfrage der Regierung über die Einnahme von Saloniki telegraphierte General Pallis, der Chef des Militärkabigets des Königs, um.20 Uhr heute morgen aus #####, Der König erhielt die Benachrichtigung vom Thronfolger, wonach der Kommandant von Saloniki sich am Donnerstag abend zum Thronfolger begeben und die Uebergabe angeboten hat. Der Kronprinz verlangte darauf, daß die Armee, die sich vor den Toren von Saloniki befand, die Waffen strecke und sich zugleich mit em Fort Karaburnu ergebe. Es wurde eine Frist gesellt, die gestern früh ablief, worauf, wenn die BeAngungen nicht angenommen worden wären, das Feuer eröffnet würde. Der Thronfolger fügte Auzu, er hoffe, daß diese Bedingungen angenommen wurden. Dies ist die Nachricht, die der König vom Thronfolger erhalten hat. General Pallis fügt hinzu: Zehn Minuten vor 8 Uhr, vor Ablauf der Frist, hörten zwanzig Kanonenschüsse, dann nichts mehr. Wir schlossen daraus, daß sich die Stadt ergeben habe. Wir erhielten indessen keine Bestätigung vom Ehrenfolgen aryen, 9. Nov.(Telegr.) Die Kapitulation von Galoniki sowie des Forts Karaburnu ist gestern grogdsschnet worden. 25.000 Mann haben Belgrad, 9. Nov.(Telegr.) Heute wurden aus Uebküb Einzelheiten über die Kämpfe der letzten 14 Tage gemeldet. Danach hatten in dem Kampfe in Novibazar die Serben 500 Tote und Verwundete, die Türken 300 Tote und 700 Verwundete. Die Serben erbeuteten 57 Geschütze und zahlreiches Kriegsmaterial. Die Kämpfe bei Kruschewo und Prilep verliefen äußerst blutig, da die serbische Infanterie ohne Unterstützung durch Artillerie Bajonettangriffe unternehmen mutzte. Schließlich gelang es den serbischen Truppen, die Türken gegen Monastir und Dibra zu drängen. Wie Einnahme von Monastir steht bevor. Die Albanesenführer Sabrija Idris, Sefer und Kasumo ergaben sich den Serben. Die serbischen Verluste bei Prilep betragen 2500 Tote und Verwundete, die Verluste der Türken 6000 Tote. Gibraltar, 9. Nov.(Telegr. Reutermeldung.) Der binnen 48 Stunden geht wahrscheinlich Panzerkreuzer Shannon, der gegenwärtig im hiesigen Hasen liegt, erhielt Befehl, die Anker zu lichten. Das Schiff nach dem Orient. Malta, 9. Nov.(Telegr. Reuter.) Die unerwartet schnelle Abfahrt der Kriegsschiffe wird auf die Kapitulation von Saloniki zurückgeführt. Man glaubt, daß die Schiffe nach Saloniki fahren. London, 9. Nov.(Telegr. Reuter.) Die österreichisch=serbische Seite der Balkankrise beansprucht die schärfste Aufmerksamkeit der Mächte. Erkundigungen in diplomatischen Kreisen haben ergeben, daß zwar die allgemeine Lage nicht als so ernst betrachtet wird, wie es von der Presse dargestellt wird. Dennoch vergegenwärtigt man sich, daß die Frage, wenn sie nicht sorgfältig behandelt wird, ernste Möglichkeiten bietet. Unterhandlungen mit Diplomaten, deren Ansichten als diejenigen der Triple=Entente, bezw. des Dreibundes betrachtet werden, haben bewiesen, daß die Meinung bei allen geteilt wird, daß es um so besser ist, je weniger gegenwärtig über diesen Gegenstand gesprochen zwird. Man fühlt, daß Fragen wie die eines serbischen Hafens im Mittelländischen Meere besser der Erörterung durch die Mächte überlassen werden, als daß darüber zwischen einer Großmacht und einem kleinen Staate verhandelt wird. In diplomatischen Kreisen, die den Dreibund vertreten, wird angedeutet, daß die wahrscheinlich vorgenommene Internationalisierung Salonikis Serbien den gewünschten Zugang zur See böte. In diplomatischen Kreisen des Dreiereinvernehmens wird unter dem Ausdruck der Zuneigung für die Bestrebungen Serbiens hervorgehoben, daß es der sicherere Weg ist, die Dinge nicht zu überstürzen und den natürlicherweise starken Gefühlen, die durch die militärischen Erfolge hervorgerufen worden sind, Zeit zu geben, sich zu legen, sowie die allgemeinen europäischen Interessen zu berücksichtigen. Der Friede Europas ist schließlich das allerwichtigste. Den Interessen Serbiens wäre am besten gedient, wenn die Mächte die dornigen Fragen internationalisieren würden, weil die Mächte unter sich zweifellos Mittel finden dürften, um die wichtigsten, wenn nicht alle in Betracht kommenden Punkte zu erledigen. Rom, 9. Nov.(Telegr.) Die Agenzia Stefani meldet: Italien entsandte zum Schutz der italienischen Untertanen der europäischen Türkei die Kriegsschiffe Ammirglio di St. Bon, das bereits in Saloniki angekommen ist, Emanuele Filiberto, das gestern die Dardanellen durchfuhr, und Coatit, das heute in Konstantinopel eintrifft. Die Regierung behält sich vor, nötigenfalls noch ein anderes Kriegsschiff nach dem Bosporus zu entsenden. Sie ließ heute morgen den Dampfer Re'Italia, der mit Lebensmitteln für 600 Personen auf 14 Tage versehen ist, von Neapel nach Konstantinopel abgehen. Wien, 9. Nov.(Telegr.) Das Neue Wiener Abendblatt stellt gegenüber anderslautenden Nachrichten auf Grund von Mitteilungen aus unterrichteten Kreisen fest, daß dem Wiener Kabinett eine Mittelung der englischen Regierung, nach der sie sich der Oeffnung der Dardauellen nicht widersetzen werde, nicht zugekommen ist. Wien, 9. Nov.(Telegr.) Zu der Mitteilung über die Begegnung in Berlin schreibt das Neue Wiener Tagblatt: Der sachliche Inhalt und die Umstände heben die Mitteilung zum Range einer Staatsschrift, eines diplomatischen Aktes und einer diplomarischen Tat emvor. Stolze Genugtuung weckt es, wenn in überzeugenden Ausdrücken die aufrichtigste Freundschaft als der Inhalt dieser Begegnung gerühmt wird. Die Berliner Mitteilung ist stark und friedfertig zugleich. Berlin, 9. Nov.(Telegr.) Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung gibt einen Artikel des Wiener Fremdenblattes über die 20jährige Berliner Amtstätigkeit des Botschafters Grafen Szoegyeny=Marich wieder und fährt fort: Auch wir gedenken am heutigen Tage mit herzlichen Glückwünschen des hervorragenden Diplomaten, der zwei Jahrzehnte hindurch in Berlin als Träger der deutsch=österreichisch=ungarischen Bündnispolitik gewirkt und sich als treuer Freund Deutschlands bewährt hat. Berlin, 9. Nov.(Telegr.) Der Kaiser ist um 6½ Uhr aus Letzlingen hier eingetroffen. Berlin, 9. Nov. Die Nord. Allg. Zig. verteidigt die Vorlage über das Leuchtöl gegen die Hauptbereiligten. Christiania, 9. Nov.(Telegr.) Der deutsch=evangelische Kirchenbasar wurde gestern in Anwesenheit der Mitglieder der Kaiserlichen Gesandtschaft, reicher Vertreter des Hofes, der Diplomatie und der amtlichen und ersten Gesellschaftskreise eröffnet, wobei die hiesigen Künstlerinnen Ellen Gulbranoson, Elsa Wagner und Nanne Storm für ihre meisterhaften musikalischen Darbietungen stürmischen Beifall ernteten. Täbris, 9. Nov.(Telegr.) Der Bezirk Suldus wurde von den Türken geräumt. Die Türken zogen sich an die persische Grenze zurück.— Aus Choi ist die Nachricht eingetroffen, daß die Türken auch in dem Okkupationsgebiet Salmas einige Dörfer räumten. Weimar, 9. Nov.(Telegr.) Der 18jährige Schüler Burkhardt aus Auma, der wegen Teilnahme an einer Schüler. verbindung vom hiesigen Realgymnasium entfernt worden war, schoß sich mit einem Revolver ins Herz und wurde schwer verletzt.— Der Landtagsabgeordnete Collenbusch wurde auf der Jagd durch Schrotkörner erheblich verletzt und mittels Tragbahre in seine Villa gebracht. Leipzig, 9. Nov.(Telegr.) Die Polizei stellte fest, daß die zerstückelt aufgesundene Leiche die 23jährige Ehefrau des inzwischen verhafteten Maurers Rothe ist. Rothe törete seine Frau, die Kellnerin war, in seiner Wohnung durch Dolchstiche in den Hals, zerstückelte die Leiche, trug den Rumpf in einem Korb in den Wald und fuyr darauf nach Leipzig, wobei er die Gliedmaßen in einem Paket mitnahm, das er im Eisenbahnabtell liegen ließ. Paris, 9. Nov.(Telegr.) Der Polizei wurde mitgeteilt, daß einer der Posträuber von Becons ein gewisser Lacombe ist, der Urheber des kürzlich erfolgten Anschlags auf dem Bahnhof Les Aubrais bei Orleans. Heute morgen wurden drei Verhaftungen vorgenommen, von denen eine aufrechterhalten wurde. Lacombe ist unauffindbar. Eine hygienisch vollkommene, in Anlage u. Betrieb billige Umbau und Modernisierung alter Lustheizungen. Meteorologische Besbachtungen auf der Sternwarte. Nov. 8. Maximum der Tagestemperatur+ 7/4 C. „ 9. Minimum der Tagestemperatur+ 1,8 C. 1 Uhr nachm. Barometer auf 0° reduziert 762,8 Militmeter. Temperatur+ 7/7 C. Höhe des in 24 Stunden gefallenen Niederschlags.8 Millimeter. Weterauelcht für den lo. November. 8Fortgesetzt ziemlich mild für die Jahreszeit, dabel vielsoch wolkig oder dunstig. Zeitweise Niederschläge sind für die nächsten Tage noch wahrscheinlich. Reichsbank Diskont: 6, Lombard 6. Wesselsche Porzellanfabrik 74.00. Westdeutsche Jute-Spinnerei 117.00 Leonhard Tiets,.-G. 124.00. Rhain.-Westf. Diskento-Ges. 192.25. Wicküler Brauerei 118.25. Neuß, 9. Nov.(Fruchtmarkt.) Weizen neuer 1. Qual 21,10 Mark, 2. Qual. 20,10., 3. Qual. 09/0 M. Roggen, neuer 1. Qual. 18.50., 2. Qual. 18,00.“ Haser, alter, 1. Qual. 21,90., 2. Qual. 20,90.“ neuer.Qual. 19,90,.Qual. 18,90,.Qual. 15,90 M. Winterzerste neue 16,70 Mark für 100 Kilogramm, Kartoffeln 2,20—2,70 Mark, Heu 3,50—4,00., Luzerner Heu 4,50—5,00 Mark für 50 Kilogramm. Krummstroh 13,00., Breitdruschstroh 15,00 M. für 500 Kilogramm. Rüböl 69,00., faßweise 71,00., gereinigtes 72,00 M. für 100 Kilogramm. Rübkuchen 119,00 M. für 1000 Kilogramm, in kleineren Partien 123,00 M. Kleie .20 M. für 50 Ktlogramm. Raps 1. Qual. 00,00., 1. Qual. 00,00 M. Aveel, 00,00 M. Köln, 9. Nov. Gold-Preise. Severeigns 00.00 Amerik. Aeten.0000 Hell. Asten 169.75 20-Pres.-Stücke 16.30 Belg. 00.00 Italien.„ 80.55 Gelddellars 00.00 Ruglisch. 20.525 dest. Heten kl. 84.00 Amerik. Heten.2175 Franz. 81 40 Runs. Aeten 215.65 Kölu, 9. Nov. Die Hauptversammlung der Gasmotorenfabrik Deutz hat beschlossen, 9 v. H.(8½ i..) zu verteilen. Die Fabrik ist gut beschäftigt, doch gehen die Preise zum Teil noch zurück. Auch üben die Wirren im Orient eine natürliche Zurückhaltung aus. Köln, 9. Nov.(Telegr.) Die Hauptversammlung der Aktiengesellschaft Phönix genehmigte heute ohne Aussprache alle Anträge der Verwaltung und wählte für den verstorbenen Baron Albert vox Oppenheim den Baron S. Alfred von Oppenheim in delk Aussichtsrat. Für den verstorbenen Geheimen Rat Schöller wurde keine Ersatzwahl vorgenommen. Die Verwaltung teilte folgendes mit: Der Gewinn in den ersten drei Monaten des neuen Geschäftsjahres betrug 12368000 M.(gegen 8 238000 M. i..), darunter befinden sich aber infolge des Ablaufs des Stahlwerksverbandes 1 800000 M. im Juli eingegangene außergewöhnliche Beträge(gegen 400 000.). Am 30. September lagen 456.000 Tonnen Aufträge von Fremden vor(gegen 402 000 Tonnen im Vorjahre). Dazu kommen im Oktober wegen des Balkankrieges nur 28 700 Tomnen(gegen 323000 Tonnen im Vorjahre). Düsseldorf, 9. Nov. Wie beim Stahlwerksverband, ist auch im Walzdrahtverband der Oktoberversand gestiegen. Der Bergfiskus erweitert die Kotsanlagen auf der Zeche Rheinbaben, um Nebenerzeugnisse zu gewinnen. Düsseldorf, 9. Nov. Die Aktiengesellschaft Oberbilker Stahlwerke vorm. Karl Poeusgen, Giesbers u. Ko., an der Thyssen zur Hälfte beteiligt ist, wird ihren gesamten Grundbesitz an den preußischen Eisenbahnfiskus verkaufen, da der Fiskus die Anlagen zur Erweiterung des Hauptbahnhofs braucht. Die Anlagen sollen dann an don Rhein verlegt werden. Auch die benachbarten Anlagen der Höfel=Brauerei will, wie es heißt, der Fiskus kaufen. Düsseldorf, 9. Nov. Der Bezirksausschuß hat den Einspruch der Stadt Düsseldorf und der Herzoglich Arenberg= schen Verwaltung gegen den Plan einer Vereinigung von rheinischen Geldleuten, eine Papier= und Zellstoffabrik in Sturzelberg bei Neuß zu errichten, abgewiesen und die Erlaubnis erteilt, da ein ganz neues amerikanisches Verfahren. die Verunreinigung des Rheines durch Abwässer ausschließt. Düsseldorf, 9. Nov. Die Düsseldorfer Baubank hat an Stelle des verstorbenen Direktors Scheurenberg Direktor Schwab von der Rheinischen Baugesellschaft als Vorstandsmitglied bestellt. Grevenbroich, 9. Nov. Die chemische Fabrik Callenberg und Hofmann ist in Konkurs geraten. Ryeydt, 9. Nov. In der Gläubigerversammlung der Färberei Verweyen wurde mitgeteilt, daß die Hypothekarschulden 850 000 M. und die anderen Verpflichtungen 390 000 Mark, die Masse dagegen nur 20000 M. betragen. Barop, 9. Nov. Die Hauptversammlung der Baroper Maschinensabrik.=G. hat beschlossen, 3 v. H. auf die umgewandelten Stammaktien, 9 v. H. auf die Vorzugsaktien und Vorzugsaktien A(3 v. H. i. V. für die Vorzugsaktien und 6 v. H. auf die Vorzugsaktien A) zu verteilen. Berlin, 9. Nov.(Telegr.) Von zuständiger Seite wird mitgeteilt, daß der Direktor Völker und der Buchhalter Eifler die Privatbank in Gotha durch vorgestern festgestellte Ordnungswidrigkeiten geschädigt haben. Der Schaden für die Bank beläuft sich auf rund 56000 M. eigene und fremde Wertbestände. Das bedauerliche Vorkommnis hat auf die allgemeinen Verhältnisse der Bank keinen Einfluß, zumal die Semestralbilanz einen Mehrgewinn aufweist. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres unvergesslichen guten Vaters u. Grossvatere, Herrn Ludwig Friedrich Tropé sagen herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Bonn, den 9. November 1912. Rälienisch (Lehrer aus Italien) Berlitz-Schule Privat-Unterricht in allen Handelswissenschaften und Vermögens-Verwaltung erteilt die Hansa-Schule, Kaiserstr. 20 private Handelsschule und Töchterhandelsschule. Köl, Roooosaal, Hotel Pisch. Donnerstag, den 14. November 1912, abends 8 Uhr Klavier-Abend (Brahms-Abend) Max Fan de Sündl Programm: Variationen, Rhapsodien, Capricci, Romanze usw. Karten zu 4 und 2 Mk. bei Weber, Köln, Höhle 4 und an der Abendkasse. Bosthovenhalle. Montag den 18. November, abends 8 Uhr: Entziger Wiavier-Abend Emi Guder Billette zu Mk..40,.30,.20,.10(einschl. Steuer) in der Mueikalienhandlung Joh. Franz Weber, 8 m. b.., Fürstenstrasse 1(Telephon 620) und an der Abendkasse. unter dem Vorsitz von Prof. Berthold Litzmann. Vortragsapklus imn Winter 191aus in der Buchhandlung Friedr. Cohen, Am Hof 30, 1 Neuerschienene Dichtungen eingeleitet und vorgetragen von Prof. B. Litzmann. Montag den 18. November, abends 8 Uhr: Belinde ein Liebesstück in 5 Aufzügen von Herbert Eulenberg. Montag den 9. Dezember, abends 8 Uhr: Der verlorene Sohn, Drama von Wilhelm Schmidtbonn. Montag den 13. Januar, abends 8 Uhr: Der Bettler, eine dramatische Sendung von Reinhard Sorge. Montag den 10. Februar, abends 8 Uhr: Das Haus am Meer, ein Schauspiel in zwei Teilen von Stefan Zweig. Samstag den 22. Februar, abends 8 Uhr: Vortrag von Julius Bab, Berlin: Die Stiltendenzen im jüngsten deutschen Drama. Zu diesen Vorträgen haben nur die Mitglieder der Literarhistorischen Gesellschaft Zutritt, diese aber unentgeltlich(gegen Vorzeigung der Einladungskarte, die an alle Mitglieder versandt worden ist.) Neuanmeldungen von Mitgliedern (Jahresbeitrag fünf Mark) nehmen entgegen die Buchhandlung Friedr. Cohen, Am Hof 30 und das Sekretariat der Literarhistorischen Gesellschaft, Hohenzollernstr. 29, wo auch bei Entrichtung des Jahresbeitrags Mitglied- und Einladungskarte verabfolgt werden. Die bereits erschienenen Hefte der„Mitteilungen“ des laufenden Jahrgangs werden sofort nach erfolgter Anmeldung nachgeliefert. Verein zur Schämplung der Slichnr. Chsitilahhert. Dienstag den 12. November, abends 8½ Uhr Kuug im Hotel du Nord(Eingang Quantiusstraße). Vortrag Sr. Exzellenz des Wirkl. Geheimen Rats Herrn Dr. Hamm, über die „Aufgaben für die gesetzgeherische Behandlung der Kiuematographen“: Gäste willkommen! Der Sohriftführer. Zwangsversteigerung. Am Dienstag den 12. November, 1912, vormittags 11 Uhr sollen im Verkaufslokale zu Bonn, Biktoriastraße 22 b 1 Büfett, Bücherschränke, Spiegel, Gasbadeöfen, Gasspeisekronen, Lampen, Bilder, Stühle, 1 Badewage, Ofen, Sofas, Gartenmöbel, 1 Küchenschrank u. a. m. durch den Unterzeichneten öffentlich meistbietend gegen gleich bare Zahlung versteigert werden. Raspe, Gerichtsvollzieher in Bonn. ssen Möbel gebrauchter Jos. Betli, 28. Kostümarbeiterin sucht noch einige Kunden. Voungasse 24/26. 19 ntbliche Au im Hotel Zum Stern, Zimmer Nr. 15. Geöffnet den 16., 17. 18. November. Samstag und Montag von 10—1 und—5 Uhr. Sonntag von 11—1 Uhr. Eintritt frei.= Bod. alt Weiße Oberhemden mit festen Manschetten und feinst. Piqué-Einsätzen zu M..—,.50,.— Farbige Oberhemden mit festen und ErsatzMansch. in den modernst. Mustern zu M..50,.50 Bei 3 Stück das Stück 25 Pfg. ermäßigt. Anfertigung nach Maß. Eriederk Wilhelm Pannhorst Bonner Talweg 16. Pernsprecher 1823. Landwirtel Obstzüchter! 7 Am 11., 12. und 18. November werden auf den Besitzungen des Hierrn I. B. Guépratte, Johanneshof bei Roisdorf bei Bonn größere Arbeiten mit dem Romperit- C- Sprengkultur- Verfahren öffentlich ausgeführt, wozu alle Interessenten der Forst-, Obstbau- u. Landwirtschaft eingeladen werden. Es findet hierbei kostenlose Unterweisung in der einfachen Handhabung des Verfahrens statt. Dresdner Dynamitfabrik, Dresden. Getzung für ous Einsamiltenhaus „„„ S c h w a r s h a u p t, S p i e c k e r& a m p; C o. N a c h t. G. m. b. I I., F r a n k f a r t a. M. 8. 2 Geauer=Kladithraut. Dienstag, 12. November. Anfang 6 1/8 Ende nach 9 Uhr. 6. Abonn.=Vorst. Serie A. Don Montag an werden alle während dieser Saison angesammelten Reste, Abschnitte, Restbestände woltener und Seidener Rieidere- P Leinen- und Baumwoll- Waren Fertiger Zeib- und Bett- Wasche zu enorm billigen Preisen verkauft. Schwank von Kraatz und Hoffmann. Preise.40 usw. Gruppe 1 Restpeeis d Meter regul. Wert bis.50 Blusenflanelle in Wolle Waschfianelte Kosse Gruppe 2 Restpreis à Meter Gruppe 3 Restpreis à Meter Gruppe 4 Restpreis d Meter Gruppe 5 Restpreis d Meter regul. Wert bis.75 Blusenstoffe, Kostümstoffe Cheviots, schottische Blusenseide. RUU Noc 20r 3 3 3 3 Conntag, 10. Nachm Anf 3½, Ende 6¼ Uhr, ermäßigte Preise. Zur Feier von Schillers Geburtstag Maria Stnart. Trauersp###l von Fr. v. Schiller. Preise Mk..—, usw. Abends%, Ende nach 10 Uhr. * 1. Gastspiel Anton Frank So'n Windhund. Schwank v. Kraatz u. Hoffmann. 1 Preise Mk..40 usw. Vorverkauf in der Musikalienhandlung von Weber, Fürstenstr 1. Stadthalle(eronau) Heute Sonntag, nachm. ½4 Uhr, 18. Städtisches Abonnements-Konzert Eintritt 20 Pig. Abon.-Vorverkauf in den Zig.-Geschäften von P. Linden. Mittwoch den 13. November III. Tanz-Reunion. Mahlerteier. 9. Im Anschluss an die Aufführung am 11. ds. 8 #Mts. fiodet ein zwangloses Zusammenpein der# regul. Wert bis.80 engl. Kostümstoffe, feine Blusenstoffe, Karmgarne, Nattés, Blusen- u. KleiderZeiche. regul. Wert bis.50 Jackenkleiderstoffe, beste Kammgarne schwarze Wollstoffe, Blusenseide. regul. Wert bis.— Jackenkleiderstoffe in marine u. schwarz, engl. Neuheiten, Blusenseide. „o, Under Ein Zwanglöses Zusamimensein der Mitwirkenden und der Konzertbesucher in den oberen Räumen der Lese statt; der Oekonom der Lese hält in einem der Räume für diejenigen Herrschaften welche 5 speisen wollen je nach Bestellung eine entsprechende Zahl von Saupers zum Preise von Mk. 2,25 bereit. Aumeldungen werden erbeten bis Montag, 12 Uhr mittags, beim Oekonom der Lese, Herrn Klemann, Telephon 473 Auch liegen Listen zum Einzeichnen auf bei der 9 Firma J. F. Weber, Fürstenstr. 1 und während s der Generalprobe am Sonntag den 10. Nov.,# von ½6 Uhr an an der Kasse in der Beethovenhalle. 3 * Gelegenheitskauf! Fertige Leibwäsche Jag- und Rachthemden, Beinkleider .65,.25,.90,.50. Der Fest-Ausschuss. Gelegenheitskauf! Bettwäsche Kissen, Plümeaux, Bettlaken, eigener Anfertigung .10,.25,.65 bis.75. Gelegenheits- Wir verbinden mit desen Veivgenkeits- Angebot den Verkauf eines weit unter regulär. Preis erworbenen Postens kauf! Jaillenkleider mod. kleidsame Formen in ganz schwarz, hell- u. mittelfarb. sowie kariert. Rock mit Sammettaille ENIO . W Averkraher! Stadfr Gesung Verein Sonntag, 11 Uhr pünktlich: Gesamt-Probe zum Mahler-Fest. Der Besuch dieser Probe ist für die Zulassung zur Mitwirkung unerlässlich. Sämtliche Mitwirkende müssen punkt 11 Uhr ihre Plätze auf dem Podium eingenommen haben. Nichtmitwirkenden ist der Besuch dieser Probe nicht gestattet. „ für das Tichrenkacht des Bonner Frauen-Vereins Maargasse 1. Eröffnung: Nontag, den II. November. Es wird täglich von ½12 bis ½1 Uhr an Altersschwache, Kranke und Wöchnerinnen kräftige Fleischsuppe unentgeltlich verabreicht. Außerdem verkauft der Verein für 10 Pfg. 1 Liter nahrhafter Suppe von Hülsenfrüchten und für 10 Pfg. Wurst und Speck. Kinder können dort auf das Mittagessen(dicke Suppe mit Fleisch oder Wurst) für monatlich 4,50 Mark abonniert werden. Die Suppenmarken à 10 Pfg. sind in den Mittagstunden in der Suppenküche zu haben, sowie bei Herrn Wallasch, Münsterplatz 8 und bei Fräulein Biederbeck, Am Hof 12a. — F. W. z. e. K. Mittwoch, 13. Nov., 6 Uhr. Rez. i. I. T. Hand ensernitenl Ganseleber in Terrnen, Gänseleberwurst Trüffelleberwurst SardellenLeberwurst Delikatessenhaus Gangoltstrasse 1. Felefon 522. Galmerte-Schussenr (Fleisch, Fisch, Geflügel, Geleeränder) Spezialität: Schwegssche Schüssein empfiehlt bei geschmackvoller Ausführung zu billigen Preisen Preisliste zu Diensten. Häungrversteigert..3. Kandidat der Philobogie. der sich auf eine akad. Lehrtätigkeit vorberettet, witnscht in Bonn oder Umgegend die Stelle eines Hauslehrers zu übernehmen. Gefl. Off. unter A C 115 a. d. Gesch. d. Blattes. Am 6. Dezember, nachmittags 4 Uhr, sollen durch das unterzichnete Gericht, an der Gerichtsstelle, Wilhelmstraße 23, Zimmer 38, folgende Grundstücke bezw. Anteile versteigert werden: I. Bonn: a) Markt Nr. 8, Hofraum, groß 12 ar. 11 am, b) daselbst, Gasthaus mit Hofraum, Nutzungswert 28800 Mark, groß 3 ar 46 gm. Eigentümer:„Bonner Hotelgesellschaft“ G. m. b.., 13 K. 151/12. II. Bonn, Weberstraße 38, Wohnhaus mit Hofraum, groß 2 ar 65 gm, Nutzungswert 1200 Mark. Eigentümer: Witwe Josef Lemmertz in Bochum und Kinder, 13 K. 149/12. III. Bonn, Heerstraße Nr. 3, a) Wohnhaus mit Hofruum, Nutzungswert 1500 Mark, b) Seitenbau rechts, Nutzungswert 660 Mark, c) Maschinenhaus, Nutzungswert 60 Mark, d) Lagerhaus, Rutzungswert 480 Mark, e) Pferdestall, Nutzungswert 240 Mark, k) Hinterhaus rechts, Nutzungswert 600 Mark, groß 12 ar 86 gm. Eigentümer: Jakob David, Handelsmann zu Bonn, 13 K. 178/12. IV. Bonn, 1. Gartenparzelle, gelegen im Krausfeld, groß 39 am, 2. Adolfstraße 86, bebauter Hofraum, groß 2 ar 56 gm, Nutzungswert 2100 Mark, Daselbst Nr. 84, bebauter Hofraum, groß 2 ar 53 am, Rutzungspert 2100 Mark, 3. 4 Daselbst Flur 42 Nr. 1230/51, 1231/51, 1232/51, 3 Gartenparzellen, Daselbst Flur 42 Nr. 1233/51, Hofraum, groß 2 ar 65 am, Daselbst Flur 42 Nr. 1234/51, Hofraum, bebaut, groß 2 ar 59 qm, Nutzungswert 90 Mark, Daselbst Flur 42 Nr. 1235/51, Hofraum, groß 2 ar 25 gm, Adolfstraße 70, Wohnhaus mit Hofraum und garten, groß 2 ar 90 gm, Nutzungswert 675 Mark, im Krausfeld Nr. 18, bebauter Hofraum, groß 6 ar 2 gm, Nutzungswert 2340 Mark, Elgentümer: Eheleute Johann Wilhelm Quast und Elisabeth geborene Giesinger zu Bonn, je zur Hälfte, und zwar der HälfteLusis des Schuldners Johann Wilhelm Quast, 13 8, Bonn, den 6. November 1912. Wnteliches Autegericht. Bitlelung 16. 3 s benennennensennenenenannenane KarnevalsGesellschaft Montag den II. Nov 1912, abends 9 Uhr, findet in weissen Saale der Beethovenhalle die Teierdes Elsten im Elsten statt, bestehend in humor. Konzert, Liedern und Vorträgen, wozu unsere verehrten Ehrenmitglieder, Senatoren, Mitglieder und alle Anhänger unseres Bonner Karnevals freundlichst eingeladen sind. Eintritt frei. Eintritt frei. Der kleine Rat. Mahler-Fest in der Beethovenhalle am Sonntag den 10. November, 6½ Uhr abends. Eintrittspreise: Saal 3,30 Mk., Galerie 2,20 Mark. Vorverkauf bei J. F. Weber, FürstenIstrasse 1 6. 7. 8 9 Vemögenvervgiangen. vollstreckungen usw. übernimmt höherer Beamter a. D. Anfr. u. A M 111 a. d. Gesäst. erbet. Suche noch einige Kunden im in und außer dem Hause. Nehme auch Wäsche zum Waschen ins Haus. V. Wagner, Maxstraße 4. Chrysanthemum Topfpflanzen und Schnittblumen in jeder Preislage. Blühende Pflanzen der Saison. Ferner: Palmen, Edeltannen, Blattgewächse. Moderne Binderei. = Tafeldekorationen= Arrangements für jeden Zweck zu billigsten Preisen. Quirin Vohs Kunst- und Handelsgärtner. Venusbergweg 9.— Fernrut 2268.— DieHeilsarmee, Rheinwerft 13. Heute Sonntag abend 8½ Uhr Interessanter Vortrag, Geleitet von Kapftänin Meyer. Thema:„Der der Entscheidung.“ Jedermann ist herzlich eingeladen. Gros. Saald. Less-u. Erh-Geselschaft Dienstag den 19. November 1912, abends. 6½ Uhr: Balladen, Lieder, Duette Kammersängerin Annie Gura-Hummel Kammersänger Hermann Curer Karten Mk..30,.20 und.10 bei Joh. Eranz We ber, Fürstenstraße 1(Telefon 620) und an der Abendlasse. Bonner Mäner-Gesan, Verein Dirigent: Königl. Musikdirektor Felix Krakamp. Beethovenhalle. Freitag den 22. November 1912, abends 7 Uhr: KORZERT Sois; Hammersänger Bürger aus Berin(ienon) Programap: Lieder v. Wolf, Sinding, Tschaikowsky und Weingartner, Chüre von Schubert, Zöllner, v. Othegraven und-Volkslieder. Begleitung: A. v. Othegraven, Köln. Karten 2u Mk..20, 1,65, 1,10 u. 50 Pfg. bei Joh. Franz Weber, Fürstenstrasse 1(Telefon 620) und an der Abendkasse. heinhotel Dreesen Godesberg-Rüngsdorf. nachm. 4 Uhr Gr. Militär-Streich-Konzert Eintritt 50 Pfg., Dutsendkart, 4., ½ Dutsendk. 2., Studentenkarten 25 Pfg. Abends von 7½—11 Uhr: Militär-Frei-Konzert. Ouneechte Soumen tt 2.—Teichat=soeibentarte. 1 1