Erscheint täglich morgens. Bezugspreis durch die Bore:: 50 Pfg. per Monat, durch die Post: Ml. 2,10 per Quartal. Haupt=Geschäftsstelle: Grabenkr. 28. Zweig=Geschaftestellen: Rordskr. 34 und Bruß. Nirderstr. 48. Fernsprech=Anschlüsse: 2327 2328 2329 2330 mit„Düsseldorfer Handelsblatt" und„Sonntagsblatt". Schluß der Anzeigen=Annahme: Gröhere Anzeigen, Wohnungs= und Immobilienmarkt 1 Uhr mittags, alle anderen Anzeigen 5 Uhr nachm. Samstags 4 Uhr nachm. Einrückungsgebühr für die einspaltige Zeile: 15 Pfg. für lokale, 30 Pfg. für ausw. Anzeigen, 10 Pfg. für Stellengesuche. Letzte Seite und nach Sonn= u. Feiertagen erhöhte Preise. Nr. 272. Düsseldorf, Dienstaa. 2. Oktober 1906. 31. Jahrg. Diese Nummer umsaßt 48 Seiten. Neueste Nachrichten. Kengresse. # Berlin, 1. Okt. Die„Nordd. Allg. Ztg.“ meldet: Am 3. Oktober tritt in Berlin die Konferenz für Funkentelegraphie zusammen. Folgende taaten haben die Einladung der kaiserlichen Regierung zu der Konferenz angenommen: Argentinien, Belgien, Brasilien, Bulgarien, Chile, Dänemark, Agypten, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Italien, Japan, Mexilo, Monaco, Montenegro, die Niederlande, Norwegen, Österreich=Ungarn, Persien, Portugal, Rumänien, Rußland, Schweden, Siam, Spanien, Uruguay und die Vereinigten Staaten. Abgelehnt haben China und Peru. Die Antwort der Türkei steht noch aus. Die„Nordd. Allg. Zta“ führt sodann die Namen der Delegierten der genannten Staaten auf und fügt hinzu:„Wir heißen die fremden Delegierten in Berlin herzlich willkommen und hoffen, daß sie in gemeinsamer Arbeit mit den deutschen Delegierten zu der aus allgemeinen Verkehrsrücksichten so überaus wünschenswerten internationalen Verständigung über die Regelung der Funtentelegraphie gelangen werden.“ Verl u. 1. Okt. Heute trat der Kongreßfür Kinderforschung und Jugendfürsorge in der Aula der Universität zusammen. Den Vorsitz führt Geheimrat Professor Dr. Münch=Berlin. Vertreter entsandten Hamburg, Stuttgart, Antwerpen, Kiel, Dortmund, Gelsenkirchen und Rixdorf, der Landesdirektor der Provinz Brandenburg, der Bund deutscher Frauenvereine, die Zentralstelle für Arbeiterwohlfahrtseinrich=tungen, der Verein für ländliche Wohlfahrtspflege und andere. Zur Thronfolgefrage in Brannschweig. Braunschweig, 1. Okt. Die Nachricht, bei dem Ministerium sei ein Schreiben des Herzogs von Cumber= land eingetroffen mit bebeutsamen Außerungen des Herzogs zur politischen Lage, trifft, der„Landeszeitung“ zufolge, nicht zu. Es handelte sich lediglich um die Anzeige des Empfangs der Resolution des Landtags durch den Beauftragten des Herzogs. Ebenso unbegründet sei die Meinung, daß der Landtag alsbald wieder zusammentreten werde.(Siehe unter: Politische Tagesübersicht, Inland. Die Red.) Ausstände. &a Pamiere, 1. Okt. Die ausständigen Metallurbeiter veranstalteten gestern Abend eine Kundgebung und beschädigten das Gebäude des Unterpräfekten und das Wohnhaus des Direktors des Werkes. # London, 1. Okt. 10 000 Bergleute der Kohlenbergwerke in Rhonddavalley in Südwales erklärten, daß sie am 81. Oktober die Arbeit niederlegen würden, wenn nicht die ungefähr 1000 Mitglieder zählenden nichtorganisierten Bergleute dem Bergarbeiterverbande beiträten. Pforte, die Gendarmerie vorschriftsmäßig zu bewaffnen und das Gendarmeriekontingent nach den Vorschlägen von de Georgis zu formieren und aus der Armee zu ergänzen. 5. Die Dauer der Erhöhung beträgt 7 Jahre, beginnend zwei Monate nach der Ratifikation. Eine Kollektivnote der Botschafter, betreffend die 3prozentige Zollerhöhung ist heute der Pforte überreicht worden. Der Aufstand auf Kuba. a Havanna, 1. Okt. Präsident Palma verabschiedere sich gestern im Präsidentschaftspalais vom diplomatischen Korps. 350 Seesoldaten wurden mit der Bahn nach Cienfuegos und anderen Punkten abgesandt, weniger um den augenblicklichen Unruhen entgegenzutreren, als um einen beruhigenden Einfluß auszuüben, da an einigen Orten die Stimmung zwischen den Regierungsfretwilligen und den Aufständischen eine gereizte ist. Die erste Entwaffnungskommission brach gestern nach den Rebellenlagern in der Nachbarschaft von Puerto Principe auf. Andere fuhren heute im Sonderzug nach der Provinz Santa Clara. Man zweifelt nicht daran, daß die Rebellenstreitkräfte sich unverzüglich zerstreuen werden. Die Entwaffnung der Regierungsfreiwilligen hat bereits begonnen. a Washingion, 1. Okt. Staatssekretär Root und Präsident Roosevelt sind hierher zurückgekeyrt. Das Kabinett wird morgen zusammentreten, um die kubanischen Angelegenheiten zu beraten. Es ist zu erwarten, daß das ganze Expeditionskorps von 6000 Mann an einem Tage eingeschifft wird. Der Kreuzer„Des Moines“ ist von Cienfnegos nach Santiago, der Kreuzer„Tacoma“ von Havanna nach Cienfuegos, der Kreuzer„Pragrie“ von Boston und das Linienschiff„Texas“ von Norfolk nach Havanna abgegangen. Die letzteren beiden Schiffe sollen am 4. Oktober i Havanna eintreffen. Der Kreuzer„Brooklin“ geht morgen von Philadelphia nach Havanna ab. Alle Schiffe haben Marineinfanteriet ruppen an Bord. Die Lage in Rutz#land a Warschau, 1. Okt. Mehrere Bewaffnete überfielen in der Senatorenstraße einen von der Reichsbank zurückkommenden Magistratskasslerer, der von einem Gehilfen und zwei Unterbeamten begleitet war, und raubten ihm 4610 Rubel. Einem Unterbeamten gelang es, 2000 Rubel in Sicherheit zu bringen. Die Räuber entflohen. Reval, 1. Okt. Unter dem Vorsitz des Gouverneurs soll eine Kommission zusammentreten, um die Einführung der Semstwo=Verfassung in Esthland, Maßnahmen zur Hebung des Bauernstandes und die Reform des Gemeinwesens zu beraten. Die 3prozentige türkische Zollerhöhung. Konstautinerel, 1. Okt. Die Botschaften sind in einer beim Freiherrn Marschall von Bieberstein abgehaltenen Konferenz über folgende Bedingungen zur Annahme der Zollerhöhung einig geworden: 1. Offizielle Zustellung an die Botschafter und strikte Ausführung der Gesetze über das Minen= und Zallwesen usw., Bereitstellung durch die Pforte von 100 000 Pfund für die Vergrößerung der Zollämter und Rezelung der Lastenträgerfrage. 2. Garantie, daß die der türkischen Regierung zukommenden 75 Prozent Mehreinnahme ausschließlich für Mazedonien verwandt werden; die Verpflichtung der Dette Publique, zum mazedonischen Defizit 250 000 Pfund zuzuschießen; die Verpflichtung der türkischen Regierung, die von der mazedonischen Finanzkommission vorgenommene Budgetrektifikation zu genehmigen, falls von der Kommission die für die Zivilverwaltung bestimmten Beträge nicht den Bedürfnissen des Landes für entsprechend gefunden werden. 3. Formelle Veroflichtung der Pforte, die Zollformalitäten mit keinerlei Stempel= usw. Abgaben zu belasten. 4. Anerkennung des Interventionsrechts für Gendarmerieoffiziere in Straffachen, Verpflichtung der a Berlin, 1. Okt.[Ernennungen.] Der „Staatsanz.“ veröffentlicht die Ernennung des Oberlandesgerichtspräsidenten Wirklichen Geheimen Oberjustizrats Dr. Hagens in Fiankfurt a. M. zum Wirtlichen Geheimen Rat mit dem Prädikat Exzellenz, sowie die Ernennung des Vortragenden Rats im Fmanzministerium, Geheimen Oberfinanzrat Förster, zum Ministerialdirektor. 2 Berlin, 1. Okt.[Keine neue Militärvorlage.] Die„Tägliche Rundschau“ schreibt: Eine neue Militärvorlage mit„nicht unbedeutenden Mehrforderungen“ glaubt die„Germania nächsten Monate ankündigen zu dürfen. Es dabei um eine ziemlich erhebliche Vermehrung der Genietruppen, sowie um eine ausgedehnte Verwendung des Automobils im Heerwesen handeln. Auch eine wesentliche Verstärkung der schweren Artillerie sei zu erwarten.— Wir können auf Grund von Erkundigungen an unterrichteter Stelle mitteilen, daß diese Nachricht in jeder Beziehung unzutreffend ist. Durch das Gesetz über die Friedenspräsenzstärte des deutschen Heeres vom Jahre 1905 ist die Präsenzstärke des Heeres bis zum 31. März 1910 festgelegt, und niemand denkt daran, innerhalb dieser Zeit Neuformationen zu beantragen, die mit der gesetzlichen Festlegung im Widerspruch ständen. Wohl aber dürften, wie in jedem Jahre, auch im nächsten Etat Neusorderungen für Material, z. B. für Automobile, Maschinengewehre 2c. erscheinen. Berlin, 1. Okt.[Der Tarifausschuß der deutschen Buchdrucker] beendete heute Abend nach 8tägigen Verhandlungen seine Arbeiten und setzte den deutschen Buchdruckertarif für eine weitere 5jährige Periode fest. Im wesentlichen wurde in Anbetracht der in der letzten Tarifperiode eingetretenen allgemeinen Verteuerung der Lebenshaltung eine 10prozentige Lohnerhöhung zugestanden, während die bisherige 9stündige Arbeitszeit bestehen bleibt; nur die Samstage, bezw. die Zahltage, werden um ½ Stunde verkürzt. Die beiden großen Organisationen im Buchdruckergewerbe, der Deutsche Buchdruckerverein und der Verein der deutschen Buchdruckergehilfen, schlossen über dieses einen Vertrag ab, der die Durchführung des Tarifs gewährleistet. Der Hinzutritt der anderen größeren Organisationen ist ausdrücklich vorbehalten worden. C M=Gadbach, 1. Okt.[Einsprüche gegen die Stadtrats=Wählerliste.] Gegen die für die Stadtverordnetenwahlen behördlicherseits aufgestellte Wählerliste, welche die Namen von 6222 Wahlberech= tigten enthält, wurde von der Zentrumspartei ein Massen=Einspruch erhoben, der dahin geht, daß in der Liste 1626 Wahlberechtigte nicht enthalten sein sollen. Auch die Liberalen haben Einspruch erhoben, die sich aber nur auf etwa 20 Wähler beziehen. X M. Gladrach 1. Olt.[Mißlungener Fluchtversuch.] Ein wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle hier verhafteter Tagelöhner bat den Polizeibeamten, der ihn nach dem Gefängnis bringen wollte, er möge doch mit ihm nicht den Fliescherberg, sondern K den weniger belebten Spatzenberg heraufgehen, da er sich vor den vielen Leuten schäme. Der Beamte gab dieser Bitte nach. Mitten auf dem Spatzenberg wurde der Verhaftete plötzlich remitent und griff den Schutzmann mit den Worten an:„Nun wollen wir mal Hennig spielen." Der Schutzmann war aber flinker als der„kleine Hennig". Es entspann sich eine Rauferei, bei welcher der Tagelöhner wenig glücklich fortkam. Er erlitt mehrere Verletzungen und wurde dann dem Gefängnis übergeben. t. Rhendt. 1. Okt.[Bürgerliste.] Die Bürgerliste für 1906 liegt von heute bis einschließlich 15. Oktober im Rathause im Steuerbureau zur Einsichtnahme aus. Sie enthält die Namen von insgesamt 4630 wahlberechtigten Bürgern gegen 4365 im Jahre 1905. In der ersten Abteilung sind 54, in der zweiten Abteilung 423 und in der dritten Abteilung 4152 Wähler. Der Gesamtsteuerbetrag erreichte in diesem Jahre eine Höhe von 1 109 239,69 Mk. Hiervon entfallen auf die erste Abteilung 419640,14 Mk., auf die zweite Abteilung 416 856,52 Mk. und auf die dritte Abteilung 272 473,03 Mark. Die erste Abteilung schließt bei einem Steuerbetrage von 3475,17 Mk., die zweite beginnt mit 3419,05 Mark und endigt mit 366,33 Mk., die dritte Abteilung beginnt mit 364,80 Mk. Die Zahl der Steuerzahler, die über 10000 Mk. Staats= und Gemeindesteuer abführen, beträgt 11, die Zahl derjenigen, die mehr als 20000 Mt. bezahlen, 3. Der Höchstbesteuerte zahlt gesamt 38 155,39 Mk., dann folgt ein Steuerzahler mit 30 630,20 Mk. und ein dritter mit 23912,51 Mk. v. Viersen, 1. Okt.[Verschiedenes.] Das goldene Priesterjubiläum des Dechanten und Oberpfarrers Strour wird am 13. und 14. Oktober festlich begangen. Samstags findet ein Fackelzug, Sonntags Festgottesdienst, Morgenkonzert und Festversammlung statt.— Wie verlautet, wird Herr Kardinal=Erzbischof Dr. Fischer am 9. Oktober hier eintressen und dem Waisenhause einen Besuch abstatten. Weiterhin wird er die im St. Remigiushause stattfindenden Exerzitien beschließen. Im St. Remigiushause werden sich die Geistlichen des Dekanates versammeln, was wohl mit der Jubelfeier des Dechauten Stroux in Verbindung zu bringen ist.— Der Viersener Gesangverein wird in diesem Winter wei größere Konzerte veranstalten. Beim ersteren werden u. a. das Chorwerk„Erlkönigs Tochter“, sowie drei Kompositionen des verstorbenen Herrn Joseph Heckmann von hier aufgeführt werden; für das zweite Konzert ist gewählt:„Paradies und Peri“. s Oberhausen, 1. Okt.[Erschossen aufgefunden.] Vergangene Nacht gegen 1 Uhr wurde auf der Mülheimerstraße in der Nähe der Häuser der Baufür die genossenschaft der Bergmann Johann Voll aus Mülsoll sich heim=Styrum erschossen aufgefunden. Boll hat am gestrigen Tage seine hier wohnenden Eltern besucht und befand sich auf dem Nachhausewege. Kurz vorher war er noch in der auf der Mülheimerstraße gelegenen Wirtschaft van den Berg gewesen. Der Verdacht, Boll erchossen zu haben, lentt sich auf einen jungen Mann, der in seiner Begleitung eine weinende Frauensperson hatte. Von verschiedenen Anwohnern soll gehört worden sein, wie das Mädchen zu ihrem Begleiter sagte: „Was hast Du getan,“ worauf jener ihr entgegnete, er habe nicht anders gekonnt, der Mann habe ihn ja nicht zu verfolgen brauchen. Auf den Getöteten waren drei Schüsse abgegeben worden, wovon einer das Herz durchbohrte. Gleich darauf wurde ein junger Mann in Haft genommen, mußte aber heute früh wieder entlassen werden, da er sein Alibi nachweisen konnte. Die Tat muß zwischen 11 und 12 Uhr geschehen sein. Von dem eigentlichen Mörder hat man bis jetzt noch keine Spur. Die Frauensperson, die sich in der Begleitung des jungen Mannes befand, trug eine helle Bluse und war ohne Kopfbedeckung, auch sie ist bisher unbekannt. i. Elberseld, 1. Okt.[Deutscher Abstinententag Barmen=Elberfeld.— Ein umfangreicher Meineidsprozeß.] Der vierte deutsche Abstinententag wird vom 4. bis 7. Oktober im Wuppertale abgehalten. Von den Vorträgen, die gehalten werden, dürften diejenigen von Pastor Liz. RolffsOsnabrück über Alkoholismus und Erziehung und über Alkoholismus und Armenlasten, sowie des Schriftstellers G. Asmussen=Hamburg über Künstlerrausch das meiste Interesse erwecken. Für Samstag, den 6. ds. Mts., ist in der hiesigen Stadthalle seitens der abstinenten Vertreter der vier akademischen Fakultäten eine Protestkundgebung gegen die akademischen rinksitten angesetzt. Infolge einer Anregung des deutschen Vereins abstinenter Lehrerinnen hat der Oberpräsident der Rheinprovinz die Regierungen angewiesen, den von Lehrern und Lehrerinnen zwecks Teilnahme an dem Abstinententag gestellten Anträgen auf Beurlaubung, soweit dies im dienstlichen Interesse angängig ist, Folge zu geben.— Ein umfangreicher Meineidsprozeß beschäftigte an den letzten vier Tagen der vergangenen Woche das hiesige Schwurgericht. Angeklagt waren der Schlossergeselle Wilhelm Hommel von Remscheid und der Scherenarbeiter Rud. Mainzer von Solingen wegen Meineids, der Zangenschmied Herm. Schmidt von Remscheid wegen Verleitung dazu. Schmidt ist bereits wegen Verleitung zum Meineid und wegen Vergehens gegen den§ 175 des Str.=G.=B. mit 4¼ Jahren Zuchthaus, sowie wegen Mißhandiung mit einem Monat Gefängnis vorbestraft. Das jetzige Strafverfahren ist aus einer weiteren Gerichtsverhandlung entstanden, in der Schmidt sich wegen wissentlich falscher Anschuldigung und tätlicher Beleidigung zu verantworten hatte und das mit seiner Verurteilung zu 9 Monaten Gefängnis geendet hatte. Diese Strafe war angeblich zu Unrecht über ihm verhängt worden. Er hatte damals behauptet, daß der Former Hugo Loos ihm nach einer Kneiperei ein Portemonnaie mit 250 Mk. entrissen habe. Später hatte sich aber herausgestellt, daß Schmidt diesen Diebstahl nur ersonnen hatte, um sich einem Verfahren wegen Vergehens gegen den§ 175 des Str.=G.=B. zu entziehen, das er an Loos versucht hatte. Nach der Verurteilung strebte Schmidt ein Wiederaufnahmeverfahren an und erreichte auch die Wiederaufnahme, nachdem Hommel und Mainzer günstige Aussagen für ihn gemacht hatten. Trotz dieser günstigen Bekundungen, die beide Zeugen auch in der erneuten Gerichtsverhandlung machten, kam das Gericht aber wieder zur Verurteilung, weil es den Zeugen keinen Glauben schenkte. In ähnlicher Weise hatte Schmidt nämlich bereits operiert, als das erste Verfahren wegen Vergehens gegen den§ 175 des St.=G.=B. gegen ihn anhängig gemacht worden war, das dann später mit seiner Verurteilung zu 4¼ Jahren Zuchthaus geendet hatte. Die Geschworenen kamen nach der unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführten Verhandlung zu der Überzeugung, daß Schmidt den Hommel und Mainzer zum Meineide verführt habe, nahmen aber bei Mainzer nur fahrlässigen Falscheid an. Das Schwurgericht verurteilte Schmidt zu 6 Jahren Zuchthaus und den üblichen Nebenstrafen, Hommel zu 2 Jahren Zuchthaus und Mainzer zu 9 Monaten Gefängnis. * Barmen, 1. Okt.[StadtverordnetenSitzung mit Oberbürgermeisterwahl.] Unter dem Vorsitze des=beiten Beigeordneten Eberhard findet morgen Abend um 6 Uhr eine Stadtverordnetensitzung statt, auf deren Tagesordnung als einziger Punkt die Wahl eines neuen Oberbürgermeisters steht. Für die Stelle haben sich insgesamt 38 Bewerber gemeldet, von welchen zunächst sechs ausgewählt wurden, um ihre Qualifikationen zu prüfen. Das Ergebnis dieser mit mannigfachen Reisen der Ausschußmitglieder verbundenen Prüfung war eine abermalige Sichtung der sechs Bewerber, nach welcher nach dem Ausscheiden des Beigeordneten BertramKrefeld nur noch Bürgermeister Voigt=Rixdorf und Beigeordneter Dr. Hartmann=Barmen übrig blieben, über deren Wahl morgen die Entscheidung fallen wird. Die konservativen Mitglieder der Stadtverordneten=Versammlung werden ohne Zweifel den bewährten und hier allbeliebten Beigeordneten Dr. Hartmann wählen, während der liberale Teil derselben dem sehr gut empfohlenen Bürgermeister Voigt ihre Stimmen zuzuwenden gedenken. * Barmen, 1. Okt.[Reiche Stiftungen.] Die Firma C. A. Ursprung hier hat aus Anlaß ihres heutigen 50jährigen Geschäftsjubiläums, zu dem ihr die Glückwünsche der städtischen Verwaltung, der Handelskammer, der Reichsbank und zahlreicher anderer Korporationen dargebracht wurden, ihren Arbeitern die Summe von 61 000 Mk. in der Weise zugewendet, daß sie 130 derselben je ein Sparkassenbuch mit einem ihrem Arbeitsalter entsprechenden Betrag zuteil werden ließ. Der Inhaber der Firma ist der durch die Gründung und Förderung des„Volkschores" bekannte Großindustrielle Albert Ursprung. = Bochum, 1. Okt.[Lohnbewegung der Ruhrbergleute.] Der alte Verband hielt gestern in 43 Orten des Ruhrgebiets öffentliche Bergarbeiterversammlungen und Zahlstellenversammlungen ab, in denen zur Lohnfrage Stellung genommen wurde. Die Versammlungen verliefen durchweg ruhig. Es wurde eine gleichlautende Resolution angenommen, in welcher die Haltung des alten Verbandes in der Lohnfrage, bezm. der Essener Beschluß der Siebener=Kommission gutgeheißen wird. Augsburg, 1. Okt.[Eisenbahnunfall.] Der Orientexpreßzug Paris=Wien stieß heute Vormittag 9¼ Uhr bei der Einfahrt hier seitlich an einen Rangierzug, wobei die Maschine beschädigt und der Bahndienstwagen aus dem Geleise gehoben wurde. Verletzungen von Personen und sonstiger Materialschaden sind nicht eingetreten. Les Plaus(Kanton Waadt), 1. Okt.[Auffindung verunglückter Touristen.] Zwei junge Leute aus Les Plans entdeckten auf dem Gletscher Planneve am Fuße der Pachenspitze die Leichname von vier verunglückten Touristen, deren Namen und Herkunft noch unbekannt sind. Eine Bergungsmannschaft ist sofort abgegangen. # Kopenhagen. 1. Okt.[Eröffnung des Reichstags in Dänemark.] Die Tagung des Reichstags wurde heute Mittag vom König mit einer Thronrede eröffnet, in der zunächst der Dank des Königs für die an den traurigen und freudigen Ereignissen, von denen der König und die königliche Familie im verlaufenen Jahre betroffen wurde, bewiesene Teilnahme ausgesprochen und die Hoffnung ausgedrückt wird, daß die vollzogenen Wahlen den Willen, die Kraft und den Mut zu einem fruchtbaren und guten Zusammenarbeiten der Kammern des Parlaments in den Aufgaben vermehrt haben mögen, deren Lösung das Volk erwarte. In der Thronrede werden dann verschiedene Gesetzentwürfe angeküdigt, darunter solche, betr. die Kommunalwahlen, die Zollabgaben, die Verantwortlichkeit der Minister, die Reform der Rechtspflege, die Abänderung des Paragraphen 32 des Grundgesetzes, die Versicherung gegen Arbeitslosigleit, Ausdehnung der Unfallversicherung auf die Landarbeiter usw., das Fischereigesetz, die Erweiterung des Eisenbahnnetzes und so weiter. In der Thronrede heißt es weiter: Es ist mir eine Freude, feststellen zu können, daß die Beziehungen zu den fremden Mächten freundschaftlich uno gut sind, und ich hoffe, daß es auch künftig so bleiben möge, ebenso wie ich dessen gewiß bin, daß der Reichstag stets mitwirken wird, daß die Selbständigkeit des Landes und des Volkes bewahrt werden kann. Um die guten Freundschaftsbeziehungen nach außen weiter hin zu starten, beabsichtige ich, bei den Souveränen verschiedener Länder Besuche abzustatten, und ich bin überzeugt, daß der Reichstag die Gefühle teilt, aus welchen heraus ich es als natürlich ansah, daß ich dem Drange meines Herzens folgte und meinen Besuch Schweden und seinem Könige machte. Ferner muß ich noch mit Freude und Zufriedenheit an die im Sommer erfolgte vielversprechende Zusammenkunft zwischen König, Reichstag und Althing erinnern und aussprechen, daß es meine Absicht ist, Schritte zu tun, um den Wünschen der Isländer nach Reformen in der Gesetzgebung und über Islands verfassungsmäßige Stellung im Reiche entgegenzukommen. Indem ich die ordentliche Session des Reichstages für eröffnet erkläre, gebe ich Ihnen schließlich die Versicherung, daß Sie beim Könige stets ein offenes Ohr finden werden für alles, was zum Nutzen für Volk und Vaterland dient. a London, 1. Okt.[China und Japan.] Den„Times“ wird unterm 28. September aus Peking gemeldet: Die russische Regierung hat durch ihren Vertreter in Peking zu erkennen gegeben, daß sie in die zeitige Einrichtung chinesischer Zollhäuser an den Grenzen der russischen Mandschurei einwilligen werde. Zwischen den Regierungen von China und Japan sind Verhandlungen im Gange über die Wiedergabe von Niutschwang; China besteht auf der unbedingten Wiedergabe des Hafens, während die Japaner gewisse Ansprüche geltend machen. Die erste Strecke der Eisenbahn Peking=Kalgan wurde gestern feierlich eröffnet.— Wie die „Morning=Post“ aus Schanghai meldet, begann der japanische Gesandte in Peking Unterhandlungen mit dem chinesischen Ministerium des Auswärtigen über die Verwaltung von Niutschwang. China nimmt die Bedingungen der Japaner über die Wiederabtretung der Verwaltung der Eisenbahnen an. Prinz Su wird als Militärgouverneur von Mulden genannt. Teherau, 1. Okt.[Abgeordnetenwahlen in Persien.] Die Abgeordnetenwahlen begannen mit der Wahl von vier Abgeordneten durch die Prinzen des regierenden Geschlechts Kadscharen. Der Schah hat die Wahlen bestätigt. In der nächsten Woche wählen die Geistlichkeit, die Kaufleute und die Handwerker. Die Geistlichkeit von Täbris und Rescht hat sich beruhigt. Die in die englischen Konsulate geflüchteten Perser verlassen diese wieder. des„General=Anzeiger“. Das Trennungsgesetz. 2 Paris, 1. Okt. Der Erzbischof von Viterbo, Msa. Graselli, ist aus Lourdes, wohin er italienische Priester begleitet hatte, in Paris eingetroffen und hatte mit dem Erzbischof Kardinal Richard eine Unterredung. Mehrere Blätter behaupten im Anschluß daran, Kardinal Graselli, welcher ein Vertrauter des Papstes Pius X. sei, sei mit einer Mission betraut, betr. das französische Protektorat über die Katholiken im Orient. Der sozialistisch=radikale Deputierte Paul Meunier wird bei der Wiedereröffnung der Kammersession einen Gesetzantrag einbringen, wonach die im Trennungsgesetz vorgeschlagenen Ruhegehälter und einstweiligen Unterstützungen nur denjenigen Geistlichen zukommen sollen, welche von einer entsprechend dem Gesetz gebildeten Kultusvereinigung angestellt und bezahlt sind. Rom, 1. Okt.(Von unserem bh.=Berichterstatter.) Dem„Secolo“ zufolge bereitet der Vatikan für den 8. Dezember(das Fest der unbefleckten Empfängnis) den Erlaß eines Interdikts über Frankreich vor. &a Bremen, 1. Okt. Der zweite Freihafen, der zunächst in einer Länge von sechshundert Meter ausgebaut worden ist, wurde heute dem Verkehr übergeben. S. Baden=Baden, 1. Okt. Der Großherzog und die Großherzogin hielten heute Nachmittag 4 Uhr von einer zahlreichen Menschenmenge begeistert begrüßt ihren Einzug in die festlich geschmückte Stadt. Die königlichen Hoheiten nahmen im Schlosse Aufenthalt. Innsbruck, 1. Okt. Nach mehrtägigen Verhandlungen vor dem hiesigen Schwurgericht ist heute die Landgerichtsrätin Luise Butthofer, die wegen Mordes, begangen an ihrem Ehegatten, angeklagt war, wegen Totschlags zu sieben Jahren schweren Kerkers verurteilt worden. &am Budapest, 1. Okt. Hier traf eine Gruppe von zwanzig Vertretern der englischen Handelskammern ein und wurde von dem Präsidenten der Budapester Handelskammer, Leo Lanczy, mit einer Ansprache begrüßt. Der Präsident der Londoner Handelskammer, Charles Charleton, dankte für den herzlichen Empfang. S Paris, 1. Okt. Bei der gestrigen Ersatzwahl zur Deputiertenkammer im Departement Basses=Alpes wurde Graf Boni de Castellane, dessen Mandat von der Kammer für ungültig erklärt worden war, mit 2550 Stimmen wiedergewählt. Die sozialistischen und radikalen Gegenkandidaten erhielten zusammen 2154 Stimmen. ezin, 1. Okt. Präsident Fallieres ist heute Vormittag hier eingetroffen. Die Bevöllerung bereitete ihm einen enthusiastischen Empfang. Nach der Begrüßung durch die Behörden besichtigte der Präsident das Krankenhaus, die höheren und die Volksschulen und nahm sodann am Festmahl teil. Noubeix, 1. Okt. In der Spinnerei von Etienne Motte wurden heme Morgen durch die Explosion eines Dampflessels zwei Personen getötet und sieben verletzt. # Konstantinopel, 1. Okt. Der Khedive ist vom Sultan in einer Abschiedsaudienz empfangen worden und darauf abgereist. Sport. Fußball. Btr. Der letzte Sonntag hatte mit seinem sonnigen Wetter ein überaus zahlreiches und vornehmes Publikum zum Spielplatz des Düsseldorfer Sportvereins in Oberkassel hinausgezogen, das dem in der Zeit von 4½ bis 6 Uhr ausgetragenen Meisterschaftsspiel erster Klasse der beiden ersten Mannschaften des Düsseldorfer Fußballklubs 99 und des Düsseldorfer Sportvereins mit Spannung folgte. Sieger in dem Wettkampf blieb der Düsseldorfer Sportverein mit 3:1 Toren. Den gleichen Ersolg(3:1) konnte die zweite Mannschaft des Sportvereins, die um dieselbe Zeit mit der hiesigen BritanniaI an der Grafenberger Allee im Meisterschaftsspiel der zweiten Klasse stand, an ihre Fahne heften. Die Oberkasseler Klubs buchen mit Freuden die enorme Anteilnahme des Düsseldorfer Publikums an der Bewegung des Fußballsports, der— hier sei es einmal ausgesprochen— die Herzen insonderheit der Jugend im Sturme erobert hat. Der sportliche Erfolg der Veranstaltung des letzten Sonntags bringt uns hoffentlich ein Stück unserm nächsten Ziele näher: dem Besitz eigener geschlossener Plätze. Erst wenn diese Bedingung gegeben ist, können dem hiesigen Publikum größere Ereignisse in Gestalt von Spielen mit renommierten auswärtigen und ausländischen Mannschaften geboten werden. Am letzten Sonntag trat der Fußballklub Britannia mit vier Mannschaften ins Feld. Die I. Mannschaft spielte gegen den hiesigen Sporverein. Das Spiel endete mit 3:1 zuungunsten Bruannias. Die II. Mannschaft spielte gegen die erste des Ballspiel=Vereins in Derendorf. Resultat 6:1 für Britannia. Die III. Mannschaft socht ein Spiel gegen die II. Mannschaft des Ballspiel=Vereins aus, welches mit 3.2 für Britannia endete. Die IV. Mannschaft kämpfte gegen die zweite Mannschaft der hiesigen Borussia mit einer Überlegenheit von 4:2. Bezüglich des Retourspiels von Viktoria gegen Teutonia am letzten Sonntag wird uns berichtigend mitgeteilt, daß die 1I. Mannschaft der Teutonia nicht siegte, sondern die kombinierte Mannschaft 1 und II. Auch gewann die I. Mannschaft der Teutonia nicht mit 4:2, sondern mit 4:3 Toren. =(Die Begegnung von Preußen und Hertha) auf dem Preußen=Sportplatze in Berlin=Tempelhof nahm am Sonntag einen äußerst spannenden Verlauf. Hertha hat Anstoß und erzielt schon nach drei Minuten das innere Tor. Erst in der 33. Minute gelingt es Preußen, gleich zu ziehen, doch sichert sich fünf Minuten vor Halbzeit Herta mit 2:1 wieder die Führung. Die erste Minute nach Wiederbeginn des Spieles bringt dem Meisterschaftsklub das 8. Tor. Preußen geht jetzt scharf vor, in der 25. Minute fällt das zweite Tor und drei Minuten vor Schluß das ausgleichende für die Schwarz= weißen, so daß der Kampf mit 3:3 unentschieden endet. Ferner sieate in den Verbandsspielen der 1. Klasse mit 8:0 Helgoland, während in der 2. Klasse Minerva über Favorit 4:2 siegte. * Radreunen. (:)[Auf der Steglitzer Radrennbahn] gewann Robl am Sonntag den Großen Preis von Europa leicht gegen Demke und Nat Butler. * * F. Schwimmsport.] Bei dem am Sonntag im Stadtbad zu Duisburg stattgehabten Wettschwimmen errang der Allgemeine Schwimmverein Düsseldorf mehrere bedeutende Siege. Seine Stafette schlug in schönem Kampfe ihre sieggewohnten Gegner aus Köln und M.=Gladbach und brachte damit den eisten Kranz an sich. Zeit= 250 m: 190 3/8 Sekunden, zweiter Köln, 19228, dritter Gladbach. Es war ein spannender Kampf, Im Vereinsvierkampf(100 m=Schwimmen, Kopfweitsprung 15 ma, Hechttauchen 45 m, Sprünge vom 1 und 3 m=Brett) kam der Allgemeine Schwimmverein mit 36½ Punkten an 6. Stelle. Im Kopfweitsprung mit 12¾ m zurückgeblieben. Zwei seiner Mitglieder nahmen sodann noch an dem Hauptschwimmen über 150 m teil. Beide errangen einen hohen Kranz und zwar Lemm den 3. Kranz in 2:16, Schiefferdecker den 5. Kranz in 2:19 3/8. An den Wettkämpfen nahmen die besten Schwimmer Rheinlands und Westsalens teil; umso anerkennenswerter sind, daher die Erfolge unserer Düsseldorfer. * * Von der Gordon=Bennett=Konkurrenz.] Paris, 1. Oktober. Eine Anzahl Luftballons, welche gestern hier in der vom Aero=Klub von Frankreich veranstalteten Wettfahrt um den Gordon=Bennett=Becher gestartet hatten, sahen sich avends durch den Armelkanal aufgehalten und mußten landen. Unter ihnen befinden sich die zwei der drei an der Wettfahrt teilnehmenden deutschen Ballons Düsseldorf und Pommern. Der französische Ballon„Ville de Chäteauroux“ wurde heute Morgen auf der Insel Wight gelandet in dem Augenblick, als ein Windstoß ihn in das Meer zu stürzen drohte.— Der belgische Ballon Ojguki landete zu Bretigny. Spezial-Arzt für Haut= und Geschlechtsleiden, nervöse und vorzeitige Schwächezustände. Dr. med. Weisbrod, Düsselderf, Charlottenstraße 32. rsch12 Von 10—1 u.4—8 abs., Sonn= u. Feie rtags 9—1 Uhr Handelsblatt. des„General-Anzeiger“. Nr. 232. Düsseldorf, den 2. Oktober 1906. 12. Jahrg. Industrie, Handel und Verkehr. * Eisenhausse. Gestern berichteten wir über Preiserböhungen des Roheiseneyndikats und der Sebweisseisenwerke. Haste liegen uns folgende Meldungen vor: Die Düsseldorfer Eisenhändler haben heute die Notierungen für Stabeisen, Bandeisen, Bleche usw. um weitere 10 Mk. per 1000 Kilo erböht. Die Steigerung der letsten 5 Woeben beträgt demnach 15 Dik. für 1000 Kilo. So enorm dies aber auch scheinen mag, so hat die Erhöhung dennoch nicht gleichen Sehritt gehalten mit den Mehrforderungen der Werke. Es dürfte daber binnen kurzem eine weitere Aufbesserung erforderlich sein, umsomehr als kürslich die Roheisenpreise um 10 Mk. pro 1000 Kilo gestiegen sind(eine Erhöbung wie sie in diesem Umfange im letsten Jahre noch nicht vorgekommen ist) und hierdurch die Walswerke zweifellos zu weiteren Preissteigerungen gezwungen werden. Der Stahiräderverband erböhte in seiner gestrigen Hauptversammlung die Preise um 2 Mk. für 100 Kile. Zwei-Schachtsystem im Kalibergbau. Die Kali-Syndikatswerke haben in einem an das Oberbergamt Halle gericbteten Schreiben zu der beabsichtigten Einführung des Zwei-Sehachtsystems auf den Kalibergwerken nunmehr Stellung genommen und vien gegen eine solehe Massnahme ausgesprochen. Es sei bieher nicht ein einziger Unfall vorgekommen, der auf das Ein-Schachtsystem zurückgeführt werden könne. Die vielfachen Grubengefabren, die das Zwei-Sebachtsystem für den Kohlenbergbau notwendig machten, sei bei dem Kalibergbau nicht zu befürchten. Aus Gründen der Sicherheit erweise sich aleo die Einführung des Zwei-Schachtsystems nicht als notwendig. Gegen dieses System sprächen aber erbebliche technische und wirtschaftliche Bedenken, technische insofern, als bei der doppelten Anzahl von Sebächten die Möglichkeit von Wasserzuflüssen, Gasexplosionen und Unfällen bei den Abteufarbeiten viel grösser eei ale jetst, und wirtschaftliche insofern, ale die Errichtung eines zweiten Schachtes mit erbeblichen Aufwendungen verbunden sei, für die sich die meisten Unternehmen bei ihrer Gründung nicht eingerichtet hätten. Zudem kämen die erst entstehenden Werke in einen ungerechtfertigten Vorteil gegenüber den alten Werken, da die nachträgliche Einrichtung des Betriebes nach dem Zwei-Scbachtsystem einen viel grösseren Aufwand notwendig mache, als wenn die Anlagen von vornherein nach diesem System eingerichtet werden können. Die geplante Masspahme könne ferner nur im Einvernehmen mit den Bergbebörden der übrigen Bundesstaaten durchgeführt werden, in denen Kalibergbau betrieben werde, denn andernfalle bringe das Vorgehen der preussischen Bergbebörde eine Benachteiligung der preussisehen Werke mit sieb gegenüber den nichtpreussischen Werken, die zur Errichtung eines zweiten Sehachtes nicht verpflichtet seien. * Schleipen& Erkens A.-G. Jülich und Ratingen. Das abgeschlossene dritte Geschäftsjahr 1905/06 gibt in seinem Endresultat den Vorjahren gegenüber ein weniger befriedigendes Ergebnis. Nach dem Gesehäftsbericht hat die bereite im Vorjahre bestandene Verteuerung der Materialien pro 1905/06 niebt nur voll angehalten, sondern sieh sogar noch weiter verschärft. Das Rohmaterial— Hadern— ist gegen früher um volle 50 Prozent verteuert und zeitweise so knapp gewesen, dass im Frühjahr 1906 seitens verschiedener Hadern verarbeitenden Papierfabriken Eingaben wegen Einführung eines deutschen Lumpen-Ausfuhrzolls erfolgten, die jedoch kein Gehör gefunden haben. Zugleich mit der zunehmenden Verteuerung und Knappheit des Rohmaterials erfolgte eine wesentliche Verschlechterung der Sortierung bei fast allen betreffenden Händlern, so dass sich die Ware für das Unternehmen nach Bearbeitung, abgesehen von dem Preisaufschlag, weiter teuerer einkalkulierte. Trotz dieser Tatsachen war es unmöglich, die Verkaufspreise aueb nur um das Geringste aufzubessern, im Gegenteil erlitten die Preise anhaltend weitere Einbusse, dabei wuchsen die Anforderungen an Qualität des Fabrikats in das Unglaubliche, und musste besseres, natürlich noch teueres Rohmaterial mit zur Verarbeitung herangezogen werden. Die Fabrikation konnte im abgelaufenen Geschäftsjahr weiter gesteigert werden und wurde voll abgesetzt; während aber das erste Semester durchweg volle Beschäftigung brachte und im Resultate befriedigte, trat mit Ende 1905 im Export-Absatz des Spezialartikels eine absolute Stockung ein, die indessen nicht durch Zollverhältnisse veranlasst ist; diese Absatzstockung, die in ähnlicher Weise mit kürzerer Dauer auch in früheren Jahren verschiedentlich beobschtet wurde, hat bis gegen Schluse des Geschäftsjahres angedauert, so dass im zweiten Halbjahr oin bedeutender Fabrikationsausfall resultiert. Der Ausbau der Fabrik Coelar bei Jülieh wurde im vorflossenen Jahr weiter fortgesetzt; sur Entlastung der 450 PS. Haupt-Betriebsmaschine wurde für einen abgezweigten Teil eine neue 250 PS. Dampfmaschine aufgestellt, die mit Beginn des neuen Geschäftsjahres in Betrieb genommen ist. Sämtliche Kosten der Erweiterungsanlagen sind wiederum aus den Betriebsmitteln bestritten. Aus dem Gewinn des Gesehäftsjahres von 116 032 Mk. sind zu verwenden: 50 458 Mark Absebreibungen(im Vorjahre 81 749 Mark), 2427 Mark Rücklage zum gesetzliehen Reservefonds, 17020 Mark Hypothekenzinsen und 20 300 Mark Gewinnanteile und Tantiemen. Es wird weiter die Verteilung von 8 Prozent Dividende auf 770000 Mk. Aktien vorgeseblagen (gegen 6 Proz. i. Vorj.). Die Verwaltung schlägt ferner vor, die auf Ausserordentliche Reserve per Ende 1905 angesammelten 24 147 Mk, voll als ausserordentliche Abschreibung auf Immobilien Ratingen zu verwenden. Mit Inbetriebnahme der Erweiterungen des Betriebes hofft der Vorstand, die volle Leistungsfähigkeit entfalten zu können und glaubt, für die Folge wieder günstigere Resultate erzielen zu können, zumal die Verkaufspreise den verteuerten Fabrikations-Preisen sich werden anpassen müssen. Mit Beginn des neuen Geschäftejahres sei die Nachfrage eine Ausserst starke geworden und die Gesellschaft sei übervoll beschäftigt.— Nach der Bilanz belaufen sieh die schwebenden Verbindlichkeiten bei 770000 Mk. Aktienkapital und 316 160 Mk. Hypothekensebulden auf 196 963 Mk. Diesen stehen neben 874389 Mk. Anlagewerten 201 781 Mk. Vorräte und 260 304 Mk. ausstehende Forderungen, darunter 46 960 Mark Bankguthaben, gegenüber. — Geschäftsabschlüsse. Das Alexanderwerk A. van der Nahmer. A.-G. in Remscneid sehlägt der auf den 27. Oktober einzuberufenden Hauptversammlung 7 Prozent(wie im Vorjahr) Dividende vor.— Hasper Eisenund Stahlwerke in Haspe in Westf. Nach dem Geschäftsbericht betrug im Geschäftsjahr 1905,06 der Gesamtumsats cs. 18.7 Mill. Mk. gegen 12,8 Mill. Mk. im Vorjahre. Bei 330540 Mk. Generalunkosten(239 351 Mk.) einer Zinsaufwendung von 144 824 Mk. auf die neue Obligationsschuld von 4,8 Mill. Mk.(0) und 514 246 Mk. Absehreibungen (gegen 384 261 Mk.) verbleibt ein Reingewinn von 800 434 Mk.(gegen 750133 Mk.), aus dem 10 Proz. Dividende(gegen 9 Pros.) verteilt, und 76 398 Mark(gegen 97942 Mk.) auf neue Rechnung vorgetragen werden sollen. Norddeutsche Hütte. Bremen, 1. Okt.(Drahtb.) Zu Geschäftsführern der Norddeutschen Hütte, Gesellschaft mit besehränkter Haftung. wurden Dr. A. Sondheimer-Frankfurt a. M. und Regierungsrat PetzetBremen bestellt. am Hamburg- Bremen- Afrika-Linie. Hamburg. 1. Okt.(Drahtber.) Die Sehiffsmaklerfirma F. W. Dahlström teilt mit, das die ehinesische KüstenfahrtGesellschaft in einer neuen Gesellschaft unter der Firma Hamburg-Bremer-Afrika-Linie aufgehen soll, und zwar dergestalt, dass zwischen ihr und der Dampfschiffahrts-Gesellschaft Triton-Bremen eine Fusion berbeigeführt wird. Die Fusion ist von den Aufsichtsräten bereits genehmigt und wird den demnächst zu berufenden Genesalversammlungen beider Gesellschaften vorgeschlagen werden. Das Aktienkapital soll 6 Millionen betragen, von denen zunächst 5 ausgegeben werden. 4½ Millionen sind bereite dureh die Fusion und durch Zeiebnungen der Afrikafirmen aufgebracht worden. Entspreehend der von der Kolonialverwaltung ergangenen Aufforderung wird sich die neue Firma um die Regierungstransporte bewerben. Die Gesellschaft wird sowohl in Hamburg wie in Bremen Niederlassungen haben und einen regelmässigen Fracht- und Passageverkehr swischen Hamburg und Bremen, gegebenenfalls unter Anlaufen Rotterdame und Antwerpens, 1. in einer Nordlinie nach den Senegal, der Goldküste, Togo und Lagos, 2. in einer Südlinie nach Lagos, den Oolflüssen und Kamerun und 3. in einer Linie nach Swakopmund und der Lüderitzbucht betreiben. Auf jeder Linie eind vorläufig vierwöchentliche Abfahrtzeiten in Aussicht genommen. Das Projekt habe bei der Reieheregierung das weiteste Entgegenkommen gefunden. Mit Beginn des Jahres 1907 soll bereits der Betrieb der neuen Afrikalinie aufgenommen werden. * Gladbacher Wollindustrie Alt.-Ges. vorm. L. Josten. M.-Gladbach, 29. Sept. Die ordentliche Hauptversammlung genehmigte den Jahresabschluss, setzte die Dividende auf 14 Prozent fest und wählte für das verstorbene Aufsichtsratsmitglied Fr. Buseh Herrn Arthur Lamberts neu in den Aufsichtsrat. Die Verwaltung teilte mit. dass die Gesellschaft reichlich mit Aufträgen versehen ist. Der Umsatz sei in den ersten 3 Monaten des laufenden Geschäftsjahres um etwa 90000 Mk. höher als im gleiehen Zeitraum des Vorjahres. Es sei daher auch für das laufende Jahr auf ein günstiges Ergennis zu hoffen. Deutsche Reichsbank. Der Ansturm bei der Reichsbank war in Berlin heute gewaltig. In den übrigen grossen Handels- und Industrie-Plätzen soll ein ähnliehes Gedränge geherrecht haben. Die Abrechnungen aus dem Reiche treffen, da der 30. September auf den Sonntag fiel, erst sutzeseive im Laufe des Tages ein. Wie hoch die Summen sich belaufen, welche der Reichsbank entnommen wurden, ässt sich daher zahlenmäseig bisher nicht angeben. Nur soviel steht fest, dass es sich um gans enorme Beträge handelt. * Aus der Schokoladenindustrie. Nach dem Bericht des Verbandes deutscher Schokoladefabrikanten über das 80. Verbardsjahr 1905/06 war der Geschäftsgang der deutschen Schokoladenindustrie im abgelaufenen Berichtsjahre zufriedenstellend, wozu die geringen Schwankungen der Rohkakaopreise, die günstigen Preisverhältnisse auf dem Zuckermarkt, namentlich aber die Ermäseigung des Einfuhrzolles für Rohkakao wesentlich beitrugen. Es sei aber bereits an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass sich diese günstige Lage durch das unerwartete Steigen der Rohkakaopreise während der letzten Wochen derart verändert hat, dass die Konsumenten für die nächste Zeit mit erhöhten Kakao- und Schokoladepreisen rechnen müssen. Gegenüber dem gesteigerten Umsatz in feineren Schokoladen und in den besseren Kakaopulversorten war leider kein Rückgang der Einfuhr schweizerischer Schokoladen und holländischen Kakaopulvers festzustellen, was im Interesse unserer Volkswirtschaft zu bedauern ist, weil die deutschen Erzeugnisse, was Güte und Reinheit anbelangt, mit den ausländischen jederzeit in Wettbewerb treten können. Die Ausfuhr deutscher Schokolade- und Kakaowaren nahm wiederum bedeutend zu. Als Ausfuhrländer kamen neben Deutsch-Südwestafrika hauptsächlich in Betracht England und die Vereinigten Staaten von Nordamerika. An Rohkakao wurden im Berichtsjahre eingeführt 826081 dz(in der gleichen Zeit des Vorjahres 286 894 da), für die 9 107 256 Mk. als Eingangszoll entrichtet wurden. Mit der Zollermässigung auf Rohkakao ging leider neben Herabsetzungen des Eingangzolles für Kakaopulver, Kakaomasse, Kakaobutter und Zuckerwerk ausläudischen Ursprungs Hand in Hand eine Herabsetzung des Einfuhrzolles für ausländische Schokolade von 80 Mk. auf 50 Mk., die besonders der Schweiz zugute kommt. Diese hat allerdings bisher, solange sie der Brüsseler Zuckerkonvention nicht angehörte, einen um 10 Mk, erhöhten Zollsatz, also 60 Mk., entrichten müssen. Dieser Zollzuschlag fällt aber vom 1. September ds. Js. weg, weil zu diesem Zeitpunkt der Beitritt der Schweiz zur Zuckerkonvention erfolgt. Der Verband zählte am Ende des Geschäftsjahres 89 Schokoladenfabrikbetriebe zu seinen Mitgliedern, die sowohl ihrer Zahl als vielmehr noch ihrer Bedeutung nach die überwiegende Mehrheit der deutschen Schokoladenindustrie darstellen. □ Kohlenversorgung Deutschlands im August. Die Koblenversorgung Deutschlands hat im August eine Steigerung erfahren; eie war um 18,85 Kilogramm pro Kopf der Bevölkerung grösser als im August 1905. Insgesamt betrug nämlich die Kohlenversorgung Deutschlands, berechnet aus der Förderung und Einfuhr absüglieh der Ausfuhr 16 596 339 t gegen 15 221 277t im Vorjahr. Das macht auf den Kopf der Bevölkerung eine Versorgung von 271,21 Kilo gegen 252,36 Kilo im vorjährigen August. Den Hauptanteil an der stärkeren Versorgung hat die Fördernng, die im August ganz bedeutend über die vorjäbrige hinausging. Obgleich angesichts des Arbeitermangels und anderer Schwierigkeiten eine Fördersteigerung bei Steinkohle nicht erwartet wurde, zeigten eich die Zeehen im August doch wieder leistungefäbhiger, so dass die Fördermengen aller verflossenen Monate mit Ausnahme des März übertroffen wurden. Hinter der Fördermenge des Märs blieb die Augustziffer um rand 300 000t zurück. Im August der letzten Jahre betrug nämlieh die Steinkoblengewinnung Deutschlands in Tonnen: 1903 10070 371. 1904 10 871 608, 1905 11 024 649, 1906 12 151 955. So stark wie im laufenden Jahre ist demnach die Steinkohlenförderung noch in keinem der Vorjahre gestiegen. Auch bei Braunkohle ist die Zunahme bedeutender als in früheren Jahren: Sie war um es. 11 Pros. höher als 1905, während sie in der vorjährigen Vergleichszeit nur um 8 Pros. zugenommen hatte. Als eine Folge der Fördersteigerung, die wieder eine glattere Befriedigung des Bedarfs ermöglichte, ist die Abnahme der Einfuhr anzusehen. Sowohl bei Steinkohle als bei Braunkohle trat ein erheblieher Importrückgang ein. Dabei war im August die Einfuhr nicht etwa besonders hoch gewesen, sondern sie blieb noch hinter der Februarund Maimenge zurück. Die Einfuhr von Stein- und Braunkohle stellte sich im August der letzten Jahre: 1903 644330 t Steinkohle, 695623 6 Braunkohle 1904 720 685 t„ 545 663 t 1905 863829 t„ 650 884 t 1906 824 805*„ 631 2984 Die Bewegung der Ausfuhr hat im August wieder eine steigende Riehtung angenommen; die Annahme, dase die Ausfuhreinschränkung, welche im Juli eintrat, anhalten würde, hat sieh nicht bestätigt. Von Januar und Februar, den letzten Monaten vor dem neuen Zolltarif, abgesehen, war vielmehr in keinem anderen Monat der Export so umfangreieb. Auch über die vorjährige Menge ging er ganz bedeutend hinaus. In Tonnen betrug nämlich die Steinkoblenausfuhr während des August 1903 1 581 145, 1904 1 542 278, 1905 1575346, 1906 1743 071. Im August 1904 war sogar eine Ab Perlirer Berse vom I. Oktoher. Geld und Wechsel. Ital. Iente 4 „ neue 4 Oesterr. Goldrente 4 Kuss. Eb.-Anl. 80 4 " Goldrente1 5 00000 90000 9930 b 71 50.94 00 60 Westd. Bod.-Cr.-Pf. In- u. ausl. Eisenbahn-Akt. Eisengie### Velbert 7 ert. Farbenfirr. 1 Eiberf. Papierihr. 20 Eschweiler Bergw. 14 „ E i s e n w. 7 Fasson Manstaedt 8 Vorzug. 8 Friedrichshütte 110 Gasmotor Deutz 6 Geisweider Eisenw. 14 Gelsenkirch. Bgw. 11 " Gussst. 5 Georg Marien-Bgw. 5 Vorz.-Akt. 0 Gerresheim. Glash. 10 Ges. f.elektr. Untru. 7 Gladb. Spinn.u. Wb. 12 " Wollind.Josten 14 Grevenbr. Masch. Hlagener Gussstahl Hannov. Masch. Harkort Masch. St.-Pr. Berg. V.-A. Harpener Bergbau Hasper Eisen Hein, Lehm.& Co. Herbrand Waggon Hengstenb. Masch. Hochdahl V.-Akt. Hlosch Eis. u. Stahl Hörder P.-A. Lit. A Höxter Godlh. Zem. Höchster Farben Hotel Disch Hlumbold Masch. Kali Aschersleben Kattowitzer Bgw. Klauser Spinnerei Kölner Bergw. Gas- u. Elektr. Köln-Müsener Bgw. König Wilh. conv. „ St.-Pr. Königsborn Bergb. Kronprinz Metall Küppersbusch Lahmeyer& Co. Laurahütte Leopoldshall Louise Tlefb. St.-Pr. Malmedie& Co. Märk. Maschinen Märk.-Westf. Berg. Magdeb. Berg G. Masch. Breuer Mechernich Megg. Walzwerk Menden Schwerte Massener Bergbau Mülheimer Bergw. Neue Bodenges. Neusser Eisenw. Etoeo. 130 51 741001 147221 2192.50 209 5010 160005 10690 5 12825 227 101 116501 8911 56 1065052 227255 142501 159300 1772.54 85.506 0 1245050 25 370 10 3½ 102406 12725 b 174 00 2157556 2152510 15975# 198.50 153 001 115001 235 4LI 210751 94256 42450 5 9980 5 1272255 55 2: 50 19700 88.3050 442001 121755 16860 290255 368306 1317950 3910al6 213 10 b 141 001 2490056 755016 0. 009 123 50 b 8405 248001 521000 141 00 67306 186 301 1:72916 147 7556 168 0011 134 Jubs 43500 12 11 10 6 10 9 0 15 15 0 53 7 10 10 6 25 ∆ 8 12 17 7 25 13 5 12 nahme su verseichnen gewesen; auch im Jahre 1905 war der Export lange nicht so stark gestiegen wie in diesem Jabre. In den verflossenen acht Monaten war die Ausfuhr sehon um rund 14 Pros. höner als in der gleichen Zeit 1905, während sie 1905 in der Vergleichsseit zurückgegangen war. * W a g e n g e s t e l l u n g e n a m 2 9./ 9. G e s t e l l t: R u h r esirk 19 526, gefehlt 2456. Kohlenbezirk bei Auchen 000, gefehlt 00. Rheinischer Braunkoblenbesirk 0000, gefehlt 90. Saarbezirk 3063, gefehlt 79. Konkurseröffnungen: Charlettenburg: Kaufmann Eugen Czwiklinski: Nerns: Kaufmann Friedrich Nordmann; Metz: Kaufmann Winand Ubach, Sablon: Quedlinburg: Tischlermeister Wilh. Bredow, Thale a. H.: Blankenburg(Harz): Ehefrau Otto Garsuch; Brames: Fabrikant Emil Robert Laudel: Detmein: Maler Adolf Bröker; Hamburg: Wirtschaftsautomatenhändler Otto Schulze; Carl Fritz Gross, Feuerungshändler Joh. Jochim Hinrich Bahde. ** * ∆. Berliner Börse vom I. Oktober. (Eigener Drahtbericht.) Die Preiserhöhungen, die für verschiedene Eisenceorten vorgenemmen wurden, haben im Verein mit cer Mitteilung, dass das Siegerländer Roheiseneyndikat Aufträge von Amerika erhalten habe, die aber infolge der Ausseret starken Inanspruchnahme des Inlandsmarktes abgelehnt werden mussten, sowie mit grösseren Provinzkäufen, die zum ersten Kurse zur Ausführurg kamen, die Börse in relativ fester Haltung einsetzen lassen. Trotadem verhielt sich die Spekulation sbwartend. Es trat auch im weiteren Verlaufe eine Abschwächung ein, da man befürchtete, daes infolge der starkon Auspannung die Reichsbank wohl kaum mit dem jetzigen Zinsfuse wird auskommen können, Gerüchte besagten sogar, dase die Reichsbank schon in den nächsten Tagen sich zu einer weiteren ½/ prozentigen Diekonterhöhung werde entschliessen müssen. Am Bankenmarkte war das Geschäft recht still. Nach den ersten Kureen trat auf diesem Markte eine allgemeine Abechnächung ein. Die anfangs erwähnte Preiserhöhung des Robeiseneyndikats und der Walzeisenwerke hat zu Käufen in Eisenaktien angeregt. Auch Kohlenaktien, benondere Gelrenkirchener, wurden von einer grossen Bankfirme gekauft. Unter mehrfachen Sehwankungen konnte die feste Tendenz am Montanmarkte später weitere Fortschritte machen. Von Transportwerten setsten Amerikauer fest ein; nur Canads konnten ihre feste Tendenz später nicht voll behaupten, weil ein grosses süddeutsches Blatt Zweifel über die Verteilung eines Bonus ausdrüekte. Umfangreiche Gewionrealisationen führten weiterhin zu einer Abschwächung von etwa 1 Prosent für die Aktien der Prinee Henri-Bahn. Am Rentenmarkte entwiekelte #en sehr lebhuftes Geschäft in russischen Anleihen. Im weiteren Verlaufe der Börse machte die feste Tendenz am Montanmarkte noch mehr Fortschrite.— Privatdiskont 4 5/8 Prozent.— Nachbörse: fest. Essener Börse vom I. Oktober. Essen, 1. Okt.(Eigenbericht des„Gen.-Anz.“) Auf dem Kohlenkuxenmarkte bewegte sich das Geschäft an der beutigen Börse in engeten Grenzen bei durchweg fester Grundtendenz. Als besondere feet sind Langenbrahm zu bezeichnen, die mit 10 000 Mark gesucht blieben. Von schweren Werten eind néch Ewald, Friedrich der Grosse und Unser Fritz zu erwähnen, die mehrfael reger Nachfrage begegneten, ohne dase jedoch Geschüfte getätigt werden konnten. Von kleinen Werten Victoria Kupferdren gefragt und in Posten gehandelt. Freie Vogel niedriger. Kalikuxenmarkt unverändert. Schwere Werte umsatzios. Gehendelt wurden nur Beienrode und Einigkeit. Mittelwarte ohne besondere Veränderungen. Fest Hohenzollern. Erzkuxe unverändert. Braunkohlenwerte mit Ausuchme von Schallmauer und Humbeld umsatzlos. Amtliche Tendenz: Starke Nachfrage in allen Sorten anbaltend. Obligationen und Grundsebuldbriefe wurden nicht notiert. Kohlen-Kuxe. Alte Haase Altendor: Auguste Victoria Blenkenburg Berussl Caroline Careiue Magnas ver. Constantin d. Gr. Doratfeld Eintracht Tiefban Ewald Friedrich der Grosse Fröhl. Morgensonne Gottessegen Graf Bismarek Graf Schwerin Heinrich Helene und Amalie Johann Deimelsberg Kaiser Friedrich Königin Elieabeth König Ludwig Langenbrahm Lothringen Mont Cenie Rudolph Neuessen Bergbaugesellechaft 670 Br., Essener AktienBierbrauerei 218 G., 222 Br., Glas- u. Spiegel-Mannfaktur 216 G., Styrumer Eisen- Industrie 210 G., 220 Br., Westdeutsche Vers.-Akt.-Bank 975 Br.= Nächste Börse: Montag, den 8. Oktober. Produkten-Märkte. Amerikanischer Warenbericht. (Eigener Kabelbericht des„General-Anzeiger“.) Schlusspreise: 8 6/16 650 0.00 54 50½ 37½ 3.45 828 6.45 6.50 New-Tork, 29./9./1./10 Pracht NewYork Liverp. 1½ 1½ Tendenz: für Weisen fest, für Mais stetig. Chicago. Weizen: per Dez. " Mai 76% 70¼ 43½ 34½ New-Tork. 29./9./1./10. Weisen: Spring 87¼ 87⅞ per Dez. 82¾ 83 7 " Mai 00 186⅜ Mais: per Dez. 52% " Mai 00 Hafer: 2mxd.fob. 36½ Mohl:(Minneap. Spring Bak.) 3.40 Kaffee: Fair Rio Nr. 7 per Okt. " Nov. Petroleum: (Ref. in eases) 10.00/10,00 in New-York 7.50 7,50 in Philadelph. 7.45 7.45 Schmalz: Wilcor 9,50 9.45 Roue Bros. 9,50 9,45 o.w. Kaffeemarkt. New-Fork, 28. Sept. Wochenberieht per Kabel.) Unser Kaffeemarkt eröffnete dieses Dial in sohr schwacher Haltung, und zwar unter dem Einfines dor grossen Eingänge in den brasilianischen Häfen, dee weiteren Fallene des Sterlingkurses in Rio, sowie starken Angebotes und grösserer Realisierungen. Schon am zweiten T’ag trat jedoch eine Befestigung ein, da für auslündisehe Reehnung bedeutonde Käufe, und echliesslich auch solche eetens eines angeblichen Syndikates bewirkt wurden, das, wie es hiees, im Auttrag der braeilianiechen Regierung handelt. Der Markt hat sich seitdem seur eisrig mit diesem besehäftigt, und die seltsamsten Gerüchte wurden in Umlauf geeetzt. Das Syndikat soll aus Imperteuren und tankeu hier, in Hambulg, London und Havre bestehen, und sich 75 C0 Mais: per Dez. 43½ „" Mai 00 Hufer: p. Dez. 00 New-Tork. Baumwolle: per Nov. 9,39 „ Des. 9,51 " Jan. 9,56 " Febr. 0,00 898 9.00 9.95 9.12 verpfliehtet haben, den bekanuten Plan Brasiliene zur Aufrechterhaltung eines Bindestpreises für Kaffer zu fioansieren, bezw. jahrlich nicht mehr als 2 000000 Sack zu kaufen. Bis zum Augenblick mass man in biesigen Marktkreisen dem Erscheinen des Syndikats auf dem Sebaupists keine besondere Bedeutung bei, denn man sagte sich, daes 2000000 S. bei dem ungeheuren Umfang der Weltvorräte kaum den geringsten Einfluss ausüben könnten, wenn sie seitweilig vom Markt verschwänden. Namentlich im gegenwärtigen Jahr würde es gans und ger nichts auf sieb haben, de die Ernte 15000000 S. gegen nur 10 250 000 S. im vorigen Jahr verspricht. Die Kaffee-Eingänge seit dem 1. Juli erreichten bereite b 187 000 S. gegen 8 804000 S. in 1905/06, so dass die Käufe des Syndikats gar nicht verspürt werden würden. Dass man ihnen in dieser Woche einen Einfluss auf die Tendens gestattete, kann nur deher kommen, dass man die Bedentung des Unterachmene hier und da überschätste. Etwas ganz anderes wäre es jedoch, wenn sich die Kunde bestätigte, nach der die Regierung des Staates Sso Paulo am 1. Der. den bereits mehr erwähnten Zuschlagszoll auf ausgeführten Kaffee in Kraft treten lassen will. Die Einkäufe für die Vereinigten Staaten beliefen siell in Rio während der letsten acht Tage auf 50000 S. und für Europa auf 42100 S., und die Verschiffungen betrugen 36 000 S. bezw. 37000 S. In Santos kaufte man 79000 S. bezw. 185 000 S. und versehiffte 71 C00 Sack besw. 168000 S. Die hiesigen sichtbaren Vorräte stiegen von 2672000 S. auf 2 758000 S., und diejenigen in der gesamten Union von 3 46°000 S. auf 3472000 S. Von letsterer Menge bestanden 2 894 000 S. aus brasilianischem Kuffee gegen 2 776 000 Sack acht Tage zuvor. Die Ablieferungen aus den Warenhäusern betrugen 96 000 S. gegen 83000 S. in der Vorwoche. In Rio gingen während der gegenwärtigen Saison bisher 1 117000 S. gegen 1 048000 Sack, und in Santos 4020000 S. gegen 2 756 000 S. im vergangenen Jahr ein. An ersterem Plats lagern nun 529000 S. gegen 81•000 S., und an letsteren 1783000 S. gegen 1 437000 S. vor swölf Monsten. Die Terminpreise stiegen per Saldo gegen die Vorwoche wie folgt: September um 15, Oktober um 10, November, Jannar, März, April, Mei, Juni, Juli und Augost um je 20, Dezember und Februar um je 25 Punkte. # Berlin, 1. Okt. Die Getreidebestünde in Berlin umfassten am 30. September: Weizen 2096 t(gegen den Vorrat am 31. August mebr 1120 t), Roggen 4839 t(mehr 528 t), Hafer 5295 t(mehr 659 t), Gerete 2252 t(mebr 478:), Mais 2161:(mehr 1567 t). Drahtberichte des„General-Anzelger“. Neuse. 1. Okt. Fruchtmarkt. Weizen la. 18,00, IIn. 17,00 Mk. Roggen Ia. 16,30, Ila. 15.30 Mk. Hafer, alter 1a. 17,50, IIa. 15,30, neuer Ia. 15,90. IIa. 15.40 Mk. für 100 kg. Neue Kartoffeln 3,00—4,00 Mk. IIcu 2,30-3,00 Mk., Luzernerheu 3.40 Mk. für 50kg. Maschinenstroh 18.00 Mk., Flegeldrusch 20.00 Mk. für 500 kg. Butter 2.50 Mk. per Kilo. Eier(100 Sfück) ps la. 30.50, lla. 29,00 Mk. Avel la. 29.50, kg. Rüböl 67,00, fassweise 38,00, gereinig10.00 Mk. Oele. Rat IIa. 28.00 Mk. für 100 h. tes 70,00 Mk. für 100 kg. Rübkuchen 119,00 Mk. für 1000 kg. in kieineren Partien 122,00 Mk. Kleien 5.40 Mk. für 50kg. Dulsburg, 1 Okt. Fruchtmarkt. Weizen. in änd. 18.40 bis 18.60 Mx., Donau 18,50- 20,00, Schwarzmeer 19,-20,50. Azow 19.00 20,50, Auerikaner 19,00 20,50; Roggen, inländ. 16,80 bis 17.00, Donau 17.25 18,50, Schwarzmeer 17,25 18,50, Azow 17.25 bis 18.50, Amerikaner 00.00-00.00; Hafer, inländ. 16.00 10.30, Donau 17,00 18,50, russiachen 17,00 18,50, Amerikaner 00,00—00,00: Futtergerate, russische 12.25 12,50, rumä##ische 12,40-12,60, amerkanische 00,00- C0m; Maie. amerikanischer 18 00 13.50, Denau 00,00 bis 00.00, Cinquant 15,00 15,75. russischer 00.00 00,00; Buchwezen 17 00 18,50; Weizenmenl Nr. 000 24,25—25,00, Nr. 00 23.25 bis 24,00; Rogzenmenl Nr. 0 22,50—23.25, Nr. 0/I 2150 22.00; Bollmchl 12.50—13.00; Grand 9.50 10,00; Kleie 9.50—10,00 Mk. per 100 Kilo frei Naggon Duieburg-Haien. Nicht nur die erhöhten Forderungen des Auslandes, sondern auch die stark gestiegenen Rheinfrachten haben das Einfuhrgeschäft sehr beeinträchtigt, so dass nur wenige Abschlüsse zustande kamen. Die Frage nach greitbarer Ware blieb aber die ganze Worbe recht rege und auch am heutigen Markt kam es zu reichlichen Umsätzen, wonei durchweg höhere Preise erreicht werden konnten. 2. Beilage. General=Anzeiger für D Dienstag, den 2 üsseldorf und Umgegend Oktober 1906. * Nr. 272. Lokales. (Der Nachdras unferer Lokal=Berichte ist nur mit vollständiger Quellenangabe gestattet.) Düsseldorf, I. Oktober 1906. * Amtseinführung. In der Sitzung der Krankenhaus=Kommission am 1. ds. Mts. wurden die Herren Professoren Dr. Witzel aus Bonn. Schloßmann aus Dresden, Schmidt aus Straßburg und Wendelstadt aus Bonn von dem Dezernenten der Krankenanstalten, Herrn Beigeordneten Dr. Greve, vereidigt und in ihr Amt bei den neuen Krankenanstalten eingeführt; Professor Witzel als ärztlicher Direktor und dirigierender Arzt der chirurgischen Abteilung, Professor Schloßzmann als dirigierender Arzt für Kinderheilkunde, Professor Schmidt als Leiter der pathologisch=anatomischen Abteilung, und Professor Wendelstadt als dirigierender Arzt für Infektionskrankheiten, Bakteriologie und experimentelle Hygiene. Herr Beigeordneter Dr. Greve begrüßte namens der Stadtverwaltung und=Vertretung die genannten Herren und führte in seiner Ansprache u. a aus, die Herren seien mit dem heutigen Tage als! mmunalbeamte in die Dienste der Stadt Düsseld= getreten und dazu berufen, ihr ärztliches Können und ihre wissenschaftlichen Fähigkeiten in den Dienst der demnächst zu eröffnenden städtischen Krankenanstalten zu stellen. Ferner seien sie berufen, bei der demnächstigen Einrichtung der mit den hiesigen Krankenanstalten verbundenen Akademie für praktische Medizin lehrend und wissenschaftlich befruchtend zu wirken und neben den anderen Zielen die große Aufgabe der Akademie zu erfüllen, namentlich die praktische Medizin nach der wissenschaftlichen Seite hin zu fördern. Herr Dr. Greve wies dann darauf hin, daß die Stadt Düsseldorf in voller Erkennung der wichtigen Aufgabe nicht gezögert habe, schwere geldliche Lasten für die neuen städtischen Krankenanstalten und die Akademie auf sich zu nehmen. Aufgabe der Herren würde es daher auch sein, dafür Sorge zu tragen, daß die Hoffnungen, die sich an das neue Unternehmen knüpfen, in Erfüllung gehen, so daß die großen Aufwendungen an Kraft, Arbeit und geldlichen Mitteln, sowohl nach der materiellen, wie nach der rein ideellen Seite hin reiche Früchte bringen werden, nicht bloß zum Segen und Gedeihen der Anstalten selbst, sondern zum Segen des gesamten Gemeinwesens und seiner Bürgerschaft, damit sich das ganze Unternehmen fortentwickele über die Grenzen des Stadtbereiches hinaus in weitere ferne Kreise. Herr Professor Witzel dankte im Namen der eingeführten Herren. □[Anwaltskammer des Oberlandesgerichtsbezirks Düsseldors.] Im Schwurgerichtssaale des hiesigen Landgerichts versammelten sich am Samstag Nachmittag die Rechtsanwälte der sechs dem Oberlandesgericht Düsseldorf unterstellten Landgerichte, um unter dem Vorsitze des Oberlandesgerichtspräsidenten Herrn Geh. Justizrats Hartmann die Anwaltskammer für den Bereich des neuen Oberlandesgerichts zu konstituieren. Es hatten sich hierzu insgesamt etwa 120 Rechtsanwälte von den sechs Landgerichten eingesunden. In den Vorstand wurden gewählt die Herren Geheimrat Dr. am Zehnhoff vom hiesigen Oberlandesgericht, Justizrat Dr. Becker und Justizrat Dr. Varenkamp vom hiesigen Landgericht, Justizrat Kranz und Rechtsanwalt Krüll aus Elverfeld, Justizrat Dr. Fleischhauer aus Kleve, Justizrat Dr. Michels aus Duisburg, Justizrat Dr. Willms aus Krefeld und Rechtsanwalt Vöge aus M.=Gladbach. X lVerabschiedung des Brandinspektors Baum und Amtseinführung des Branddirektors Schlunk.] Heute Mittag 12 Uhr traten die sämtlichen Mannschaften und Führer der Berufsfeuerwehr auf dem Hofe der Hauptfeuerwache Hüttenstraße zu einem allgemeinen Appell an. Es waren auch die Führer der freiwilligen(Reserve=) Feuerwehr hinzugezogen. Es galt, den mit dem heutigen Tage aus seinem Amte scheidenden Brandinspektor Baum öffentlich zu verabschieden und den neuen Branddirektor Schlunk in sein Amt einzuführen. Der Dezernent der Feuerwehr, Herr Beigeordneter Dr. Greve, sowie einige Herren von der Feuerwehrkommission und der Stadtverwaltung hatten sich zu dem festlichen Akte ebenfalls eingefunden. Nach der üblichen Meldung seitens des Brandinspektors trat der Dezernent vor die Front der Mannschaften und hielt an sie in kurzen, kernigen Worten eine Ansprache, in der er der Verdienste des in den wohlverdienten Ruhestand eintretenden Brandinspektors Baum um die Feuerwehr, welche durch dessen umsichtige Leitung aus kleinen Anfängen zu der jetzigen Größe und Bedeutung sich entwickelt hat, lobend gedachte. Am Schlusse seiner Ansprache überreichte der Dezernent Herrn Baum den ihm vom König verliehenen Roten Adlerorden 4. Klasse. Den persönlichen Glückwünschen des Herrn Beigeordneten Dr. Greve schlossen sich die Herren der Feuerwehr=Kommission und der Stadtverwaltung an. Der neue Branddirektor, Herr Schlunk aus Braunschweig, wurde darauf in sein Amt eingeführt. Die Persönlichkeit dieses Herrn, der im besten Mannesalter steht, eine längere selbständige Tätigkeit als Branddirektor hinter sich hat und bereits einen guten Ruf als Feuerwehrleiter erworben, nimmt sehr ein. Hoffen wir, daß er das Vertrauen, welches seine Behörde durch die übertragung des Amtes ihm entgegenbringt, rechtfertigt durch die Gewinnung einer gleichen Beliebtheit, deren sich der ausscheidende Brandinspektor sowohl bei seinen Vorgesetzten und Untergebenen, als auch bei der Bürgerschaft erfreut. □[Hochherzige Stiftung.] Herr Geheimrat Ernst Schieß überwies anläßlich der Umwandlung seiner Werkzeugmaschinenfabrik in eine Aktiengesellschaft dem von ihm früher begründeten Unterstützungsfonds für Beemte und Arbeiter des Werkes den Betraa von 50000 Mk □(Ernennung.] Wie der„Reichsanzeiger“ meldet st der Charakter als Geheimer Regierungsrat dem Regierungsrat Oberländer zu Düsseldorf verliehen worden. *(Jubiläumsfeier.] Der Tag der Eröffnungsvorstellung im Stadttheater war auch für den verdienstvollen Bibliothetar des Instituts, Herrn Hans Breu, ein Festtag: er durfte für eine 25jährige Tätigkeit im Dienste des Stadttheaters Düsseldorf eine Ehrung entgegen nehmen, die in ihrer spontanen Herzlichkeit bewies, daß seiner langjährigen, pflichterfüllten Wirksamkeit in Anerkennung und Dankbarkeit gedacht wird. Die schöne Feier eröffnete ein solenner Festchor, dem sich eine ebenso gehalt= wie humorvolle Rede des Herrn Direktors Zimmermann anschloß. Der Redner überreichte dem Jubilar eine goldene Uhr, deren noch unbekannte Pünktlichteit wohl die bekannte des Jubilars symbolisieren sollte. An die humoristische Schlußwendung dieser Rede knüpfte nun Herr Franz de Paula, der Jubilarkollege Breus eine launige Fortsetzung, in der er nach einer verständnisvollen Würdigung der vielen, aus Bayern(der Jubilar ist Bayer) kommenden„Bräus" dem besten bayerischen Bräu, das schon so viel geleistet hat, dem„Leist"=Bräu, dem verehrten Hans Breu. die Krone zuerkannte. Ein gemeinsames Geschenk sämtlicher Mitglieder des Stadttheaters konnte dem Gefeierten beweisen, daß de Paula mit seiner Ansicht nicht allein stand. Die einmütige Sympathie aller wird Herrn Breu eine erhebende Erinnerung sein, deren er sich gewiß noch lange freuen wird, denn er hat sich bisher frisch und gut gehalten wie keines, und so möge er noch lange bei uns— lagern. §§ löffentliche Beamtenversammlung.] Im Kaisersaale der Tonhalle fand heute Abend eine öffentliche Beamtenversammlung statt, die sich eines guten Besuches erfreute. Namens des Ausschusses eröffnete Herr Postsckretär Wüst die Versammlung mit einem Hoch auf den Kaiser, das begeisterte Aufnahme fand. Herr Postsekretär Völkers berichtete hierauf über die Tätigkeit des Ausschusses in der Wohnungsgeldzuschußfrage. Er gedachte zunächst des verunglückten Stationsvorstebers Wagner. der bis zu seinem Tode ein eifriges Mitglied der Kommission gewesen ist. Die Versammlung ehrte das Andenken des Verstorbenen durch Erheben von den Sitzen. Herr Völkers schilderte sodann die in der Hauptsache wohl allgemein bekannten Schicksale der verschiedenen Anträge, deren Erfolg leider so ziemlich gleich Null gewesen ist. Er schloß mit dem Hinweise, daß die Bestrebungen der biesigen Beamtenschaft, Düsseldorf in die Servisklasse A zu bekommen, hoffentlich bald von Erfolg sein werden. Nach einigen kurzen Bemerkungen erklärte Herr Landtagsabgeordneter Regierungsrat Fervers, daß er und Herr Reichs= und Landtagsabgeordneter Kirsch einig waren, daß die Wünsche und Forderungen der Beamten durchaus berechtigt und billig seien. Er wisse, daß Herr Kirsch sich im Reichstage mit großem Nachdruck der Petition angenommen habe. Versichern könne er, daß Herr Abgeordneter Kirsch auch für eine neue Petition mit dem gleichen Interesse eintreten würde. (Lebhafter Beifall.)— Herr Gerichtssekretär Hecker wies darauf hin, daß es sehr zweckmäßig sein würde, den zur Bearbeitung der vorerwähnten Fragen seinerzeit eingesetzten Ausschuß dauernd bestehen zu lassen, da in letzter Zeit verschiedene Fragen aufgetaucht seien, die eine ständige Vertretung der Interessen der Beamtenschaft erheischten. Der Vorschlag fand allseitige Zustimmung. Durch Zuwahlen wurde der Ausschuß auf 42 Mitglieder erhöht. Es wurde hierbei der Antrag gestellt, einige höhere Beamte, insbesondere die Herren Abgeordneten Fervers und Kirsch, vielleicht als Ehrenmitglieder, in den Ausschuß zu wählen. Herr Regierungsrat Fervers äußerte hierzu einige Bebenken. Er führte aus, daß er von einer Partei gewählt sei und deren Interessen zu vertreten habe. Es könne nun doch— was ja vorläufig nicht anzunehmen sei— ein Widerspruch in den Interessen der beiden Gruppen eintreten, wodurch er in eine unangenehme Lage kommen könnte. Aus diesem Grunde stellte er die Entscheidung der Versammlung anheim. Der Antrag wurde hierauf zurückgezogen.— Der folgende Punkt der Tagesordnung: Stellungnahme zu den Stadtverordneten= Wahlen, führte zu einer angeregten Aussprache. Herr Lehrer Albrecht, der zu diesem Punkte referierte, berichtete, wie sich die Beamtenschaft bei den beiden politischen Parteien bemüht habe, um von ihnen bei Aufstellung der Kandidaten berücksichtigt zu werden. Die Zentrumspartei habe sich auf Verlangen bereit erklärt. einen BeamtenKandidaten in der dritten Wählerklasse aufzustellen. Die liberale Partei habe den Antrag, einen BeamtenKandidaten in der zweiten Klasse anzunehmen, abgelehnt, sich aber bereit erklärt, in der dritten Klasse einen Kandidaten der Beamten aufzustellen. Er empfahl der Zentrumspartei, Herrn Oberpostassistenten Völkers als Kandidaten vorzuschlagen. Herr Oberpostsekretär. Stadtverordneter Schmidt aus Elberfeld empfahl, taktisch vorzugehen und sich nur an die Partei zu halten, wo wirklich ein Erfolg sicher sei. Die Versammlung beschloß hierauf mit großer Majorität, der Zentrumspartei Herrn Völkers als Stadtverordnetenkandidaten vorzuschlagen, womit die Versammlung ihren Abschluß fand. *[Kreis=Krieger=Verband.] Die dritte diesjährige Verbandsversammlung fand am vergangenen Sonntag im Zweibrücker Hof statt, sie war die am stärksten besuchte seit Bestehen des Verbandes. Der Vorsitzende, Herr Rentner Karl Stahl, begrüßte die Vertreter der Verbandsvereine und eröffnete die Verhandlungen mit einem begeistert ausgenommenen Hoch auf den Kaiser. Der Redner machte sodann die Mitteilung, daß die erstmalig für das Jahr 190“ angestellte gemeinsame Erhebung ein Gesamtvermögen der Vereine des Deutschen Kriegerbundes an Kapitalien und Grundbesitz, sowie Inventar in Höhe von 41 Millionen Mark ergeben habe. Aus eigenen Mitteln brachten die einzelnen Vereine im Jahre 1905 an Unterstützungen für hilfsbedürftige Kamcraden allein 4 Millionen Mark auf. Die Tagesordnung und die Vorlagen des Vorstandes wurden bei lebhafter Besprechung glatt erledigt, ein Punkt wurde für die nächste Verbandsversammlung zurückgestellt. Einstimmig wurde beschlossen, daß die Gedächtnisfeier für die Gefallenen auch in diesem Jahre in besonders ehrender Weise am Sonntag, 4. November, stattfinden solle. Der Vorsitzende empfahl sodann den Vereinen ganz besonders die Teilnahme an der 100jährigen Gedenkfeier der Schlachten von Jena und Auerstädt am 15. Oktober im Kaisersaale der städtischen Tonhalle, sowie der Veranstaltung des Flottenvereins am 19. Oktober. Mit dem Wunsche, daß die Verbandsvereine sich auch weiter kräftig entwickeln möchten, schloß Herr Stahl die Versammlung, welche von einem frischen kameradschaftlichen und patriotischen Geiste durchweht war, seine Worte in ein Hoch auf den Verband ausklingen lassend. [Das Ausklopfen von Teppichen.] Der Strafsenat des Kammergerichts hat eine Polizeiverordnung für rechtsgültig erklärt, die nur für bestimmte Stunden am Tage das Ausklopfen von Teppichen in einem bevorzugten Bade= und Kurort gestattet, den zu jeder Jahreszeit zahlreiche kranke und erholungsbedürftige Personen zur Wiederherstellung und Kräftigung ihrer Gesundheit zu längerem Aufenthalte aufzusuchen pflegen. In dem besonderen Interesse einer solchen Stadt und ihrer Angehörigen liegt es nach den Entscheidungsgründen des Senats, diese Personen nach Möglichkeit gegen Belästigungen, die auf ihren Gesundheitszustand schädlich einwirken können, zu sichern und durch diesen Schutz der Kurgäste zugleich den für die Einwohner wichtigen Fremdenverkehr zu erhalten und zu heben. Das durch das Ausklopfen der Teppiche verursachte Geräusch und der dadurch entwickelte Staub sind geeignet, auf die Nerven und Atmungsorgane kranker und erholungsbedürftiger Personen eine nachteilige Wirkung auszuüben. Die Vorschrift, daß das Ausklopfen der Teppiche nur während bestimmter Tagesstunden stattfinden darf, gibt den sich in der Stadt zur Kur aufhaltenden Fremden die Möglichkeit, ihr Leben so einzurichten, daß sie gegen die schädlichen Einwirkungen, die für sie mit dem Ausklopfen der Teppiche und ähnlicher Gegenstände verbunden sein können, möglichst geschützt sind. Hingegen hat der Strassenat eine für eine andere Stadt, und zwar für eine Großstadt erlassene Polizeiverordnung, die das Ausklopfen von Teppichen nur an drei Wochentagen und dazu nur während bestimmter Stunden zuläßt, für rechtsunwirksam erklärt.(In Frage stand Königsberg.) Er sprach aus, daß diese Polizeiverordnung erkennen lasse, daß sie nur einen „akustischen Wert“ haben, daß das menschliche Ohr nicht zu oft durch das Ausklopfen der Teppiche getroffen werden solle. Die Polizeiverordnung wolle nicht Leben und Gesundheit schützen. Man müsse sich auch in einer Stadt, die nicht ein Kirort sei, zumal in einer Großstadt, mehr an Geräuschen gefallen lassen.(Dieses Erkenntnis des Kammergerichts hat auch für unsere Stadt, in der seit einigen Monaten eine Polizeiverordnung über das Ausklopfen von Teppichen besteht, Bedeutung. Nach dem für Königsberg ergangenen Urteile ware die Düsseldorfer Verordnung ebenfalls ungültig. Die Red.) II. Ungültige Polizeiverordnung.] Der§ 7 Ziff. 2 des Reichsgesetzes, betreffend die Abwehr und Unterdrückung der Viehseuchen, vom 27.Juni 1880, bezw. 1. Mai 1894 bestimmt: Wenn in dem Auslande ein übertragbare Seuche der Haustiere in einem für den inländischen Viehbestand bedrohlichen Umfange herrscht oder ausbricht, so kann der Verkehr mit Tieren im Grenzbezirk solchen Bestimmungen unterworfen werden, die geeignet sind, im Falle der Einschleppung einer Weiterverbreitung der Seuche vorzubeugen. Auf Grund dieser Bestimmung und des§ 8 des Reichsgesetzes in Verbindung mit den§§ 1 und 3 des preußischen Ausführungsgesetzes vom 12. März 1881, hat der Regierungspräsident zu Düsseldorf mit Genehmigung des Landwirtschaftsministers unterm 19. März 1901 eine landespolizeiliche Anordnung erlassen. Nach ihrem § 1 hat jeder Besitzer von Rindvieh ein Kontrollbuch nach einem bestimmten Muster und der ihm beigefügten Anweisung zu führen, aus der sein wirklicher Viehbestand jederzeit ersichtlich ist. Und nach§ 7 muß derjenige, der Rindvieh treibt oder sonst befördert, einen Ausweis bei sich führen. Gegen beide Bestimmungen sollte ein Viehhändler verstoßen haben, weshalb er zur strafrechtlichen Verantwortung gezogen wurde. In zweiter Instanz erkannte das Landgericht auf Freisprechung. Die gegen dieses Urteil von der Staatsanwaltschaft eingelegte Revision hat der Strafsenat des Kammergerichts zurückgewiesen. Er sprach der landespolizeilichen Anordnung des Regierungspräsidenten die Rechtsgültigkeit ab, indem er im Hinblick auf§ 18 des Reichs=Viehseuchengesetzes die Auffassung zur Geltung brachte, daß in dem Texte solcher Anordnungen, was hier unterblieben, festgestellt werden müsse, daß die Gefahr einer bestimmten Seuche bestehe. Die Interessenten müßten in die Lage gebracht werden, die Führung des Beweises zu versuchen, daß es eine solche Seuche nicht oder nicht mehr gebe. Erhöhung der Abgaben für die Terrassenwirtschaften.] Wir erhalten folgende Zuschrift: Die Stadtverwaltung beabsichtigt, die Gebühren für die Zulassung der Terrassenwirtschaften zu verdoppeln. Diese für die Beteiligten empfindliche Steigerung hat zu einer Gesamteingabe geführt, in welcher gebeten wird, von einer Erhöhung der Pacht Abstand zu nehmen. Begründet wird der Widerspruch gegen die beabsichtigte Maßregel damit, daß die Terrassenwirtschaften keineswegs zum Zwecke einer Steigerung des Geschäftsbetriebes eingerichtet seien, sondern lediglich im Interesse des Publitums. Die Mehrkosten des Betriebes(Anschaffungskosten, Unterhaltungskosten, besondere Bedienung, städtische Gebühren) seien ohne Gegenleistung ausschließlich vom Restaurateur zu tragen, da während des Betriebes der Terrassenwirtschaft derjenige im Hauptlokale entsprechend geringer sei, dagegen die Kosten der Beleuchtung und Bedienung dieselben blieben. Die Restaurateure machen ferner geltend, daß die Wirtschaftseinrichtungen auf den Bürgersteigen vermöge der Ausgestaltung sehr zur Hebung des äußeren Städtebildes beitrügen, daher schon aus diesem Grunde eine Unterbindung des Geschäftes nicht angezeigt erscheine. Welche Gründe die Stadtverwaltung bei der in Aussicht genommenen Pachterhöhung leiten, ist dem Verfasser dieses nicht bekannt; ob das Bestreben nach Steigerung der Einnahmen, also ein rein finanzieller Grund, oder ob die Absicht in Frage kommt, durch Erhöhung der Abgabe einem dem Verkehre nicht dienlichen überhandnehmen der Terrassenwirtschaften vorzubeugen, mag dahingestellt bleiben. Ohne Rücksicht auf die von den Inhabern der Terrassenwirtschaften geltend gemachten Gründe glaubt Verfasser, daß man auf das Publikum auch Rücksicht nehmen müsse. In einer Stadt, deren Restaurants fast ausnahmslos ohne Garten sind, ist es ein Bedürfnis, dem Publikum durch Zulassung der Terrassenwirtschaften Gelegenheit zu bieten, während der heißen Jahreszeit im Freien zu sitzen. Daß das Publitum den Wert der Wirtschaften auf den Bürgersteigen sehr schätzt, beweist die Tatsache des starken Besuches. Gewiß wird auch nicht bestritten werden, daß die Terrassenwirtschaften wesentlich zur Belebung des Straßenbildes beitragen; es sei da nur auf die Königsallee verwiesen. Vom Standpunkte des Verkehrs aus mögen die Tercassenwirtschaften nicht wünschenswert sein, indessen dürfte der Wert ihres Bestehens die stellenweise nicht zu leugnenden Beschränkungen überwiegen. In das Bild einer großen Stadt gehören unbedingt derartige Betriebe. &m(Meteorologiescher Bericht der Regenstation Düsseldorf über den Monat September.] Der Sepiember war ein schöner Herbstmonat, obgleich die Nächte oft schon recht kalt waren. Morgens war häufig starker Nevel, besonders in den letzten Tagen, gegen Mittag klärte es sich gewöhnlich auf. Der Landmann konnte bei dem schönen Wetter das letzte Grummet nach Hause holen, die Kartoffelernte anfangen und den Acker für die Wintersaat vorbereiten. Nach der Bauernregel: „Am Septemberregen ist dem Bauern viel gelegen“ soll er aber in diesem Monat lieber mehr Regen haben. Der September brachte nur 30.1 Millimeter Niederschlag(Regen, einmal, am 15., etwas Hagel), im vorigen Jahre 62,4. Der Durchschnitt in hiesiger Gegend beträgt nach 14jähriger Berechnung 60,8 Millimeter. Die Zahl der Tage mit mindestens 0,1 Millimeter Niederschlag betrug 9, mit mehr als 0,2 Millimeter evenfalls 9, mit mindestens 1,0 Millimeter 5. Die größte Höhe des Niederschlages in 24 Stunden mit 14,3 Millimeter wurde am 16. gemessen. Gewitter sind nicht zu verzeichnen, das soll für das Korn im nächsten Jahre nicht gut sein, denn„Donnerts im September, so gibt's ein gutes Kornjahr". Aber sonst war's doch gut; denn„Nach September=Gewittern wird man im Februar zittern". Der Michaelistag(29.) steht nicht nur wegen Zahlung von Pächten, Micten und Zinsen bei vielen nicht in gutem Ansehen, sondern er spielt auch hinsichtlich des Wetters eine große Rolle.„Wenn die Kartoffeln um Michaelis völlig reif sind(ist nicht überall der Fall), kommt ein früher Winter.“„Wenn dic Zugvögel vor Michaelis nicht ziehen(die Schwalben sind noch da), bleibt es bis Weihnachten gelinde.“ „Ist Michaelisnacht hell(es war Nebel), kommt ein strenger Winter schnell.“„Michaelis viel Eicheln(nicht viele), viel Schnee Weihnachten."„Regnets am St. Michelstag, kommt ein milder Winter nach“(es hat nicht geregnet):„Zu Michaelis Nord und Ost bedeuten starken Winterfrost.“ Am Michaelistag blies der Wind aus Nordwesten, sonst aber fast den ganzen Monat hindurch aus Norden.„So viel Fröste vor Michaelis, so viel nach Maitag.“ Vor Michaelis hat es nicht gefroren.— Auch Matthäus(21.) hat allerlei zum Wetter zu sagen:„Wie's Matthäus treibt, so es vier Wochen bleibt.“(Matthäus war artig.)„Matthäi Wetter hell und klar, schafft guten Wein im nächsten Jahr." Das mag den Winzern zum Trost gereichen, den sie sehr nötig haben.„Matrhäus mit viel Wasser, ist guten Weines Hasser.“ Wieder ein Trost für die armen Weinbauern, die in diesem Jahre eine schlechte Ernte haben.„Wenn Matthäus weint statt lacht, er aus dem Weine Essig macht.“ Da mögen die Winzer lachen, denn Matthäus hat auch gelacht.— Wir haben noch auf einen weiteren schönen Herbst zu hoffen; denn„Blüh'n die Disteln reich und voll(das war der Fall), ein schöner Herbst dir blühen soll“. Und„Wie sich das Wetter um Mariä Geburt(8.) tut verhalten(es war schön), so soll sich's weiter vier Wochen gestalten". Dazu noch:„Ist Agidi(1.) ein heller Tag(er war hell), ich dir schönen Herbst ansag".— die Temperatur schwankte zwischen 3 und 16 Grad, morgens um 7 Uhr, der Luftdruck zwischen 754 und 773. *[Norwegisches Vizekousulat.] Dem norwegischen Vizekonsul Per Aalton, Stockkampstraße 20, ist das Exequatur des Deutschen Reiches erteilt worden. *[Literarische Gesellschaft.] Nochmals sei darauf hingewiesen, daß morgen, Dienstag Abend, der erste Heine=Vortrag stattfindet. Das Programm ist ein sehr reichhaltiges und dürfte wohl bei allen Heine=Verehrern Anklang finden. *(Zentralverband katbolischer Mannervereinigungen. Der Zentralverband der katholischen Männervereinigungen von Düsseldorf und Umgegend veranstaltet in dieser Wintersaison eine Reihe von sechs Vorträgen, für die hervorragende Redner(auch eine Dame) gewonnen sind. Näheres besagt die bezügliche Anzeige in vorliegender Nummer. □[Edentheater.] Im Edentheater hat der Schwank das Variété=Programm verdrängt. Dem erfolgreichen Wilhelm Hartstein folgt jetzt ein Gastspiel des Berliner Vaudeville=Ensembles, das mit dem Schwank „Einquartierung“ am Samstag viel Beifall erzielte. Diese Aufnahme verdankt das Stückchen in erster Linie der bühnentechnischen Gewandtheit des Autors, Antony Mars, und den verhältnismäßig famosen Leistungen der Darsteller. Der Inhalt ist eine Verlobungsgeschichte, die sich durch einen ganz außergewöhnlichen Konflikt auszeichnet. Herr Seedorf war als Oberst schneidig und charmant, der asketische Major des werrn Brandes hatte mit Recht nichts von diesen Eigenschaften seines Obersten; auch die übrigen„Chausseurs" blieben ihren Rollen wenig schuldig. Unter den Damen bewies namentlich Fräulein Sandeck große Bühnensicherheit. Die Vorstellung war gut besucht. —(Aufhebung einer Straßensperrung.] Die wegen Pflasterarbeiten erfolgte Sperrung der Bilker Allee von der Friedrichstraße bis zur Corneliusstraße ist aufgehoben. +(Blumenpflege.) Das Kinderfest und die Ausstellung der von Schulkindern gepflegten Blumen ist um 3 Tage verschoben werden, die Veranstaltung findet nicht am 2. Oktober, sondern am Dienstag, 9. Oktober, im Zoologischen Garten statt. s(Schlägerei.] Gestern Abend fand an der Ecke der Kommunikations= und Hunsrückenstraße eine Schlägerei statt, bei der einer der Beteiligten durch Messerstiche erheblich verletzt wurde. Der Täter kam in Haft. s(Verhaftung mit Hindernissen.] In der Kölnerstraße wurden am Samstag zwei schon längere Zeit gesuchte Mansardendiebe abgefaßt. Die Beiden bedrohten bei ihrer Festnahme die Beamten mit Revolvern, trotzdem gelang es, die Übeltäter zu überwältigen und hinter Schloß und Riegel zu bringen. s(Diebstähle.] Gestohlen wurden aus einer Baubude ein Geldbetrag von 120 Mk., aus einem Hause an der Verbindungsstraße ein Geldbetrag von 30 Mk., aus einem Hause an der Immermannstraße ein Geldbetrag von 26 Mk. und aus einem Hause an der Bismarckstraße eine Damenuhr und ein goldener Ring. s(Aus dem Polizeibericht.] Festgenommen wurden ein Marmorschleifer wegen Diebstahls und ein Fabrikarbeiter wegen Körperverlehung.— Strafverfahren wurden eingeleitet gegen zwei Personen wegen Unterschlagung und gegen zwei Personen wegen Meineides. Sitzung der Strafkammer III vom 1. Okt. Diebstahl zum Nachteile eines Logiskollegen. Der jugendliche Schlosser Philipp Ro. aus Wiesdorf öffnete am 27. August gewaltsam den Koffer eines Logiskollegen und entwendete daraus einen Geldbetrag von etwa 80 Mk. Der Angeklagte war in vollem Umfange geständig. Im Hinblick darauf, daß er bisher noch nicht vorbestraft ist, ließ es das Gericht bei einer Gefängnisstrafe von 3 Monaten— der Mindeststrafe für schweren Diebstahl— bewenden. Automatendiebstähle. Der Knecht Franz Un. aus Opladen brach in einer dortigen Wirtschaft mittels Schraubenziehers einen Automaten auf, aus dem er dann einen kleinen Geldbetrag entwendete. Als der Angeklagte in einer zweiten Wirtschaft das gleiche Manöver versuchte, wurde er abgefaßt. Dem hinzugerufenen Polizeisergeanten leistete er heftigen Widerstand, erst mit Hilfe von sechs Zivilpersonen war es möglich, ihn zu überwältigen. Den aus der Untersuchungshaft vorgeführten Angeklagten traf eine Gefängnisstrafe von 9 Monaten. s Schwurgerichts=Sitzung vom 1. Oktober. Betrügerischer Bankrott, Betrug, Beihilfe hierzu und Meineid waren die Anklagepunkte, mit denen sich die Geschworenen in der heutigen, äußerst umfangreichen Verhandlung beschäftigen mußten. Angeklagt waren zunächst der Kaufmann Sebastian Schmidt aus Krefeld, der sich des einfachen und betrügerischen Bankrotts, des Betruges in vier Fällen, sowie des Betrugsversuchs in zwei Fällen schuldig gemacht haben sollte. Der zweite Angeklagte, Agent Nikolaus Rademacher, der bei Schmidt als Buchhalter tätig gewesen ist, war der Beihilfe hierzu, sowie des Meineids beschuldigt. Der dritte Angeklagte, Wäschereibesitzer Franz Müller aus Köln, war der Beihilfe zum Betrug, bezw. Konkursverbrechen bezichtigt. Schmidt und Rademacher sitzen seit längerer Zeit in Untersuchungshaft, Müller befindet sich auf freiem Fuße. Alle drei Angeklagte sind mehrfach vorbestraft. Was die heutige Anklage angeht, so liegt ihr folgendes zugrunde: Der Angeklagte Schmidt besaß früher in Krefeld ein größeres Kartoffel= und Gemüsegeschäft, das einen recht ansehnlichen Umfang annahm. So kamen Bestellungen vor in Höhe von 2000 Mk., 13000 Mk. usw. Trotzdem die Ehefrau des Angeklagten recht erhebliche Einnahmen aus ihren öffentlichen Häusern in das Geschäft einschoß, ging dieses infolge seiner mangelhaften Führung immer mehr zurück. Der Gerichtsvollzieher war infogedessen ein ziemlich ständiger Gast bei Schmidt, doch war bei ihm meist nichts zu holen. Das Inventar gehörte laut Vertrag der Frau, wenn die Möbel usw. gepfändet wurden, strengte der Angeklagte Müller fast durchweg Klage auf Herausgabe an, da die Sachen angeblich auf Grund eines Vertrages sein Eigentum waren. Dieser Vertrag lautete dahin, daß Müller dem Schmidt die Möbel für 2500 Mk. abgekauft, daß er sie aber dem Verkäufer Müller gegen eine Entschädigung von 25 Mk. monatlich geliehen habe. Die fünfte Zivilkammer des hiesigen Landgerichts erblickte in diesem Abkommen einen Scheinvertrag, der lediglich aufgestellt worden sei, um die Gläubiger zu betrügen. In diesem Prozeß war der mitangeklagte Agent Rademacher, der früher beim hiesigen Amtsgericht beschäftigt war, später ein Ho. lrestaurant besaß und zuletzt als Buchhalter bei Schmidt arbeitete, als Zeuge vernommen worden. Rademacher beschwor dabei, daß der Vertrag kein Scheinvertrag gewesen sei; er wollte dabei gewesen sein, wie Müller dem Schmidt die 2500 Mk. eingehändigt hatte, außerdem sollte auch die erste Mietsrate von 25 Mk. an Müller bezahlt worden sein. Die fünfte Zivilkammer blieb trotz der eidlichen Bekundung des Rademacher bei ihrer Ansicht, daß es sich nur um einen Scheinvertrag handle. Die Folge davon war, daß gegen Rademacher das heute zur Aburteilung anstehende Meineidsverfahren eingeleitct wurde. Im übrigen sollte sich Rademacher der Beihilfe zum Konkursverbrechen schuldig gemacht haben, indem er das Scheinabkommen zwischen Schmidt ur Müller vermittelte. vor Ausbruch des Konkurses, als die Zahlungsunfähigkeit des Schmidt klar sein mußte, in Gemeinschaft mit diesem noch Waren bestellte und verschleuderte. Die mangelhafte Buchführung und die Nichtaufstellung der Bilanzen wurde Schmidt allein zur Last gelegt. Die Angeklagten, die früher die besten Freund waren, suchten sich heute gegenseitig zu belasten. Schmidt und Rademacher blieben dabei, daß der Vertrag gemäß seinem Wortlaut ausgeführt worden sei, und daß Rademacher demnach die Wahrheit beschworen habe. Müller behauptete das direkte Gegenteil. Er versicherte, daß der Vertrag nur zum Schein aufgestellt worden sei, daß er dem Schmidt nie 2500 Mk. eingehändigt, auch nie die Miete von 25 Mk. erhalten habe. Rademacher suchte diese ihn aufs schwerste belastende Aussage durch den Nachweis zu entkräften, daß Müller bei dem Offenbarungseid, den er etwa zwei Monate nach dem erwähnten Zivilprozeß geleistet, seine Forderung von 2500 Mk. verschwiegen habe. Um sich vor einer Strafverfolgung wegen Meineids(begangen bei Leistung des Offenbarungseides) zu schützen, lasse Müller lieber seine Forderung von 2500 Mark schwimmen und stelle die Sache als Scheinvertrag hin. Zur Aufklärung der verwickelten und dunklen Geschäftsverhältnisse, sowie der krassen Widersprüche war ein großer Beweisapparat— über 50 Zeugen und mehrere Sachverständige aufgeboten. Was die Beweisaufnahme angeht, so wurden zunächst einige Zeugen vernommen, die über die geschäftlichen Beziehungen des Angeklagten Schmidt Auskunft gaben. Hierbei wurde über verschiedene, ziemlich eigentümliche Manipulationen berichtet. Die meiste Zeit nahm die Vernehmung der Leumundsze###n in Anspruch, durch die festgestellt werden soll elche Partei wohl die glaubwürdigste sei. Viel günst, war über keinen der Angeklagten zu berichten, Schmidt und Müller hatten Beziehungen, die sie sehr oft mit dem § 180 des Str.=G.=B. in Konflikt bringen konnten. (Schmidt ist wegen dieses Vergehens einmal, Müller sechsmal vorbestraft.) Das„Hotel=Restaurant", das Rademacher früher führte, war, wie durch mehrere Beamte dargetan wurde, ein ziemlich bedenkliches Lokal. Nach der Mehrzahl der Zeugenaussagen hatte es den Anschein, als ob die Angaben des Angeklagten Müller zutreffend seien und der Vertrag bloß ein Scheinvertrag gewesen ist. Die Geschworenen fanden Schmidt des Betrugs in vier Fällen, des Betrugsversuchs in zwei Fällen, sowie des Verbrechens und Vergehens gegen die Konkursordnung(Aufstellung ganz oder teilweise erdichteter Rechtsgeschäfte, unordentliche Führung von Handelsbüchern und Nichtanfertigung von Bilanzen) schuldig. Rademacher wurde schuldig befunden, dem Schmidt zu den vorerwähnten strafbaren Handlungen Beihilfe geleistet zu haben, ebenso wurde er des Meineids überführt erachtet. Die Geschworenen sprachen sich jedoch auch dahin aus, daß er den Meineid geleistet habe, um sich vor einer strafbaren Handlung zu schützen. Der Angeklagte Müller wurde der Beihilfe zum Betrug, bezw. Konkursvergehen schuldig befunden. Mildernde Umstände wurden den Angeklagten nicht zugebilligt. Alle drei Angeklagte beteuerten ihre Unschuld. Das Urteil lautete danach für den Angeklagten Schmidt auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 2 Jahren, für Rademacher auf eine Gesamtzuchthausstrafe von 2 Jahren 9 Monaten und für den Angeklagten Müller auf 9 Monate Gefängnis. Den Angeklagten Schmidt und Rademacher wurden außerdem die bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von 5 Jahren abgesprochen. Je 4 Monate der erlittenen Untersuchungshaft wurden den Angeklagten auf die erkannten Strafen in Anrechnung gebracht. dem Vereinsleben. * Der Stenographen=Kluo„Stolze=Schrey“ feiert im Verein mit seinem Damenklub am Samstag, 6. Oktober, abends 9 Uhr, in den Festsälen des Hotels Merkur sein diesjähriges Stiftungsfest, bestehend aus Konzert, Theater und Ball, unter Mitwirkung des„Singverein"=Düsseldorf, E. V., und des Zitherklubs„Zillertal“. I Der Männer=Gesangverein„diederkranz“ (Dirigent Herr August Henning) feiert am Samstag, 6. Oktober, abends ½9 Uhr, im Lokale des Herrn Heinrich Kemper, Neubrückstraße, sein 54. Stiftungsfest, bestehend in Konzert, Theater; fführungen, humoristischen Vorträgen und Ball. Ihr. witwirkung haben zugesagt der Männer=Gesangverein„Harmonie“, die Theatergesellschaft„Gute Hoffnung“ und mehrere Solisten. * Im Rittersaale der städtischen Tonhalle hatten sich am Sonntag die Mitglieder des Quartett= Vereins mit ihren Damen zu einem Gesellschaftsabend eingefunden. Das abwechslungsreiche Programm eröffnete der Männerchor„Mein Schifflein" von Beschnitt. An Stelle des verhinderten Herrn Steffen sang Herr Jul. Acenvach in vorzüglicher Weise einige Lieder; dem folgte das mehrfach preisgekrönte Quartett, die Mitglieder Breitenbach 1. und 2. Tenor. Schulten 1. Baß und Hüsgen 2. Baß, mit denVorträgen, Die Vesper“ von Beethoven und, Muttersegen“ von Opladen. Unter ihrem Chormeister Herrn W. La Porte brachten die Aktiven nunmehr„Ade" von Erk, dann Herr P. Breitenbach, Tenor,„Mein Lieblingsplätzchen", von Mendelssohn,„Der Goldschmied“ von Weidt zu Gehör. Ein komischer Tanz, genannt„Alt und Jung“, ausgeführt in hierzu reizend gewählter Kostümierung, brachten die beiden Damen Frl. Maria Damian und Frl. Gerta Jansenwirth bei allseitiger Anerkennung zur Ausführung. Auf allgemeines Verlangen folgte dann unter der früheren Besetzung die Wiederholung des dankbaren Singspiels:„Das Resel vom Schwarzwald"; gespielt wurde es von Frl. Elsa Jansen, den Herren Jul. Achenbach, Willy Dahmen, Karl Schulten, W. Griebel, J. Grasser und A. Tellmann. Die Zitherbegleitung hatte Herr Franzen übernommen. Alle Vorträge, die Soli sowohl, wie die Chöre, fanden lebhaften Beifall. Bei dem Tanzkränzchen boten 16 Damen und Herren des Vereins unter der Leitung des Herrn A. Tellmann den zahlreichen Zuschauern einen wirklichen Genuß mit der Aufführung des sehr schneidig getanzten„Lancier" und „Quadrille a la Cour“. der Umgegend. ( Ludenberg, 30. Sept.[Amtseinführung.] Zur Feier der definitiven Ernennung des früheren Kreissekretärs de Jong zum Bürgermeister der Bürgermeisterei Ludenberg fand gestern Nachmittag um 5 Uhr im festlich dekorierten Saale des Herrn E. Wahl ein Festessen statt, woran etwa 150 Herren teilnahmen. Auch waren einige Freunde und Bekannte des neuen Bürgermeisters zu der Feier erschienen. Der Herr Landrat von Beckerath führte den Bürgermeister in sein neues Amt ein und 3. Beilage. General=Anzeiger für Düsseldorf und Umgegend. Dienstag, den 2. Oktober 1906. Nr. 272. Aus Rheinland und Westfalen. □ Dülken, 1. Okt.[Heizerkursus.] Oberingenieur Spitznas=Berlin hat hier einen vierzehntägigen staatlichen Heizerkursus veranstaltet, der morgen beendigt ist. Die Zahl der Teilnehmer betrug nur 9. Die geringe Wertschätzung, die man anscheinend einem solchen Kursus bekundet, suchte Herr Spitznas in einem langen Vertrage, der im Hotel zur Post stattfand, und bei welchem eine Reihe Fabrikherren zugegen war, zu beseitigen. Der Redner verbreitete sich namentlich über die wirtschaftliche Ausnützung der Brennmaterialien und zeigte, wie der ausgebildete Heizer seinem Herrn ganz bedeutende Summen ersparen kann. Eine Reihe vorzüglicher Experimente veranschaulichte den Vortrag. Die Anwesenden folgten mit großem Interesse und spendeten wohlverdienten reichen Beifall. à Wald, 30. Sept.[Landwirtschaftliche Ausstellung.] Auf dem 4 3/ Morgen großen Ausstellungsplatz an der Schützenstraße, bezw. in der Stadthalle, fand heute Mittag durch Herrn Landrai Dr. Lucas die Eröffnung der diesjährigen landwirtschaftlichen Ausstellung, Lokalabteilung Solingen, statt, die überaus großartig genannt werden kann und die früheren Ausstellungen an Reichhaltigkeit bei weitem übertrifft. Für die Ausstellung, die am Dienstag Abend schließt, sind außer nennenswerten Geldpreisen auch zahlreiche Ehrenpreise gestiftet. Der Besuch der Veranstaltung und des Festplatzes war heute ein außerordentlich großer, was schon als ein gutes Zeichen des finanziellen Erfolges der Ausstellung angenommen werden kann.— Eine ganz besondere Anziehungskraft dürfte die am Dienstag stattfindende Sonder=Ausstellung von durch Schulklinder selbstgezogenen Blumen(etwa 2000 Stück) ausüben. ck. Elberfeld, 30. Sept.[Von der kommenden Konzertsaison.] Die hiesigen Konzertsäle öffnen jetzt allmählich ihre Pforten. Nach den Ankündigungen der verschiedenen Konzertinstitute und=Vereine stehen den Wuppertaler Musikfreunden wieder eine ganze Reihe musikalischer Genüsse in Aussicht. Die rührige Konzertdirektion M. Th. de Sauset, hat bekanntlich hier ein eigenartiges und in Deutschland fast einzig dastehendes musikalisches Unternehmen ins Leben gerufen, und leitet es schon seit sieben Jahren. Sie bietet alljährlich zu äußerst billigen Preisen sechs Abonnementskonzerte—„Künstler=Abende" werden sie genannt—, in denen sich je drei bis vier „Stars“, sowohl Vokal= wie Instrumentalsolisten, Rezitatoren, Dirigenten usw., hören lassen. Diese Abende darf man wohl an die Spitze der musikalischen Veranstaltungen des Tals stellen. In deren Besuchsziffer nimmt die Zahl der von auswärts kommenden Zuhörer einen ansehnlichen Teil in Anspruch. Das Programm der am 10. Oktober beginnenden Konzertserie verzeichnet u. a. folgende bedeutende Solisten: Susanna Dessoir=Berlin(Gesang), den kleinen ungarischen Violinvirtuosen Mischa Elman, den Dresdener Kammersänger Scheidemantel, die Violinistin Steffy Geyer=Wien, den Sänger Hermann Bosetti=München, die Pianistin Ella Jonas=Berlin, den Violinisten Miroslaw Weber, Charlotte Wiehé mit ihrer Truppe aus Paris, Edyth Walker=New=York, den Cellisten Pablo Casals=Madrid, Cl. de Cock=Brüssel(Klavier), Irene Triesch=Berlin(Deklamation), Klara RahnMünchen und den Violinisten Franz von Becsey. übrigens hat die Leiterin des Unternehmens, die Konzertsängerin Frau Marie Therese de Sauset, den Entschluß gefaßt, sich der Bühnenlaufbahn zu widmen. Sie nimmt bei Frau Belze dramatischer Unterricht und beabsichtigt zur Saison 1907/08 in Engagement zu gehen. Mit den Gastspielen will die Dame im kommenden Frühjahr beginnen. Kürzlich hat sie in der Queenshall in London in einem Konzerte vor 3000 Personen mit bemerkenswertem Erfolge gesungen. Der „Standard“, sowie andere maßgebende Blätter beurteilen ihre Leistungen außerordentlich günstig.— Die Elberfelder Konzertgesellschaft läßt im kommenden Winter u. a. die Faustszenen und das spanische Liederspiel von Schumann, Bachkantaten. Szenen aus den Meistersingern und aus der Walküre, das Heldenleben und andere Kompositionen von Richard Strauß, sowie Mozarts C-moll=Messe zur Aufführung gelangen. Aus der Reihe der für die kommende Saison verpflichteten Solisten nennen wir: Therese Behr, Anna Kappel, Frau Grumbacher de Jong, Agnes Leydecker, Frau Noordevier=Reddingius, Maria Philippi, Cäcilie Rüsche, Hofkapellmeister Richard Strauß, Thomas Denys, Feruccio Busoni. Fritz Feinhals, Hugo Reimers, Artur von Eweyk, Dr. Felix von Kraus und Willy Schmidt.— Der Elberfelder LehrerGesangverein kündigt für die kommende Saison neben seinem Winterfest, das mehr auf einen geselligen Unterhaltungston gestimmt ist, zwei besonders interessante Konzerte an. Das erste— am 17. November — bringt als Solisten den bekannten Klaviervirtuosen Raoul Pugno aus Brüssel, während die Attraktion des auf den 2. März angesetzten zweiten Konzertes Marzella Pregi aus Paris ist. Wegen eines Instrumentalsolisten für dieses Konzert schweben die Verhandlungen noch. Die Düsseldorfer Altistin Elisabeth Diergardt wird mit der Sopranistin Beines=Köln im ersten Konzert Duette singer. Der Verein wird mit größeren Männerchören von Hegar, Brahms=Hegar, Othegraven, Urspruch, Kremer usw aufwarten. ok. Elberfeld, 30. Sept.[Der Elberfelder Museumsverein] veröffentlicht soeben seinen Bericht über die beiden letzten Vereinsjahre. Als das einschneidendste Ereignis im Vereinsleben ist die Verschmelzung des KunstausstellungsAusschusses mit dem Vorstande des Museumsvereins zu bezeichnen, die sich aus den völlig veränderten Verhältnissen als eine dringende Notwendigkeit ergab. Da die Kunstausstellung die einzige von den anderen Unterabteilungen des Museumsvereins war, die ihm angegliedert blieb, so war die statutenmäßige Vereinigung beider zu einem einzigen Vereinskörper nur die äußere Vollziehung einer längst bestehenden Tatsache. Damit diese Verschmelzung erleichtert werde, legte Julius Schmits gelegentlich der am 11. Mai 1905 stattgehabten Hauptversammlung den Vorsitz des Museumsvereins nieder, der alsdann an Freiherrn von der Heydt: den Vorsitzenden des Kunstausstellungs=Ausschusses, überging. Um diese Neuorganisation durchzuführen, wurde am 15. Februar 1906 eine außerordentliche Hauptversammlung abgehalten, in der eine neue Statutenordnung angenommen wurde. Es wurden in den beiden abgelaufenen Jahren eine große Reihe von Sonder=Ausstellungen veranstaltet und zwar an Schwarzweiß=Ausstellungen: Vereinigung GraphikMünchen, Handzeichnungen und Holzschnitte von Veldheer=Haag, Radierungen und Lithographien von Storm van Gravesande=Wiesbaden und Fritz BöhleFrankfurt, Handzeichnungen und Holzschnitte von M. Braumüller=Havemann=Berlin, Schabkunstblätter und Kupferstiche von Peter Schenck, Albrecht Dürer und den Kupferstechern des 15. Jahrhunderts(aus dem Besitze des Museums). Ferner wurden noch an Sonder=Ausstellungen veranstaltet: Alte und neue japanische Kunst (Gemälde, Holzschnitte, Elfenbein= und Holzschnitzereien, Satsuma=Steingut, Porzellan, Bronzen, Zellenschmelzarbeiten, Stickereien, Lack= und Korbflecht=Arbeiten, im ganzen 398 Nummern), Medaillen und Plaketten(400 französische, italienische und deutsche, sowohl ältere als moderne Arbeiten, die einen überblick über die Entwickelung der Medaille gaben), moderne religiöse Malerei(Fr. von Uhde, Ed. von Gebhardt, W. Steinhausen, Hans Thoma, Willy Spatz, Ernst Zimmermann, Karl Marr mit 23 Gemälden und acht Lithographien), Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen(60 Künstler mit 39 Gemälden und drei Bronzen), holländische Kunst und Kunstgewerbe(58 Gemälde, etwa 100 Keramiken), indische Kunst, javanische Batiks und Seidenwebereien(212 Stück), Bronzen=Ausstellung(11 Künstler mit 18 Bronzen). Die Jahrhundert=Ausstellung in Berlin gab Veranlassung zu einer Lokal=Ausstellung, die mit 41 Gemälden aus Privatbesitz beschickt war. Es wurden damals 15 Gemälde nach Berlin ausgewählt, außerdem 9 Gemälde aus der städtischen Galerie. Weiterhin stellten folgende Künstlergruppen aus: Schleswig=Holsteinische Kunstgenossenschaft(16 Künstler mit 20 Gemälden), Künstlervereinigung Apelles=Weimar(12 Künstler, 32 Gemälde), Märkischer Künstlerbund, Berlin(6 Künstler, 21 Gemälde), Verband der Kunstfreunde in den Ländern am Rhein(5 Künstler, 112 Gemälde und Zeichnungen), Luitpoldgruppe=München (28 Künstler, 53 Gemälde), Kunstgenossenschaft Barmen=Elberfeld(19 Künstler mit 142 Arbeiten). Es besteht die Absicht, diese Ausstellung jährlich zu wiederholen. Außerdem wurden sehr zahlreiche KollektivAusstellungen veranstaltet. Aus Düsseldorf waren nachstehend verzeichnete Künstler vertreten: Prof. Oswald Achenbach, G. Wendling, Mar Clarenbach. Eugen Kampf, W. Schmurr, Rich. Falkenberg, F. Westendorp, H. Petersen=Angeln, Wilhelm Schreuer, Fritz von Wille, August Schlüter, Heinrich Hermanns, E. M. Liebert. Mit einzelnen Werken: Prof. Andreas Achenbach, R. Burnier, Ed. von Gebhardt, C. F. Lessing, Prof. Ludwig Munthe, C. Scheuren, Prof. I. W. Schirmer. 134 Düsseldorfer Künstler mit 496 Bildern bildeten nach Städten geordnet die höchste Frequenzziffer des Berichts. Vorträge wurden gehalten: von Professor Breysig=Berlin über der„Kampf des Germanentums mit dem Geist der Antike vom Mittelalter bis auf unsere Tage", von Ernst Osthaus=Hagen über „Museen im Dienste der Kunst", von Professor ThodeHeidelberg über„Wollen wir eine deutsche Kunst haben“, Schriftsteller Rainer Maria Rilke=Pacis über „Auguste Rodin", vier Vorträge vom Museumsdirektor Dr. Fries über„Albrecht Dürer und die ältere deutsche Kunst". Durch die Ausstellungen veranstaltete Dr. Fries in den zwei Jahren acht Führungen, die sich eines lebhaften Besuches zu erfreuen hatten. Die Zahl der Besucher betrug im vorletzten Jahre 22 525 Personen, im letzten Jahre nahezu 20000 Personen, wobei die Schulen nicht eingerechnet sind. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1265. ** Laugenfeld(Rheinland), 29. Sept.[Der vermißte Walter Prosch] von hier ist in Haan ermittelt und seinen Eltern zugeführt worden. erm= Köln, 30. Sept.[Ausstellung des Bundes deutscher Architekten.] Der Bund deutscher Architekten hält seine diesjährige Bundestagung, die dritte seit dem Bestehen des Bundes, in Köln ab und verbindet sie mit einer Ausstellung von Modellen. bezw. Entwürfen seiner Mitglieder im großen Gürzenichsaal. Diese Ausstellung hat zum Teil ihren Ursprung in einer kleinen Differenz der Kölner Architekten mit der Leitung der Kölner Kunstausstellung. Als die Kunst=Ausstellung der Künstler in den Ländern am Rhein projektiert wurde, vergaßen die leitenden Stellen völlig, daß auch die Architektur eine Kunst sei, und es bedurfte erst des Hinweises der Kölner Architekten, um der Erkenntnis Raum zu schaffen, daß in der Ausstellung in der Flora auch die Architekturkunst der Länder am Rhein ihren Platz haben müßte. Dieses kleine Vorspiel ist vielleicht der Grund, warum die Mitglieder des Bundes deutscher Architekten besondere Anstrengungen gemacht haben, um ihr Können bei Gelegenheit der diesjährigen Bundestagung in einer Sonderausstellung zur Geltung zu bringen. Die Stadtverwaltung Kölns stellte den Bundesmitgliedern den großen Gürzenichsaal zur Verfügung und machte damit wett, was die Leitung der Kunstausstellung gesündigt. Wenn sie dadurch auch nicht vergessen machen kann, daß eigentlich die Sonderausstellung in die Flora gehört. Die Ausstellungskommission der Architekten hat es mit großem Geschick vermocht, den etwas starren Raum des Gürzenichsaales zu gliedern, so daß der Beschauer sich mit Befriedigung dem Genuß der einzelnen Entwürfe hingibt. Von selbst gliedert sich die Ausstellung, in die man gestern Vertretern der Presse einen Einblick gewährte, in zwei große Gruppen, die der Phantasie und Wettbewerbsentwürfe und diejenigen der Entwürfe, die zur Ausführung gelangt sind. Das Bundesgebiet ist nicht gleichmäßig vertreten, und es fällt insbesondere auf, daß die recht starke Ortsgruppe Düsseldorf nur durch Kurt Gabriel vertreten ist. Gabriel stellt u. a. den Entwurf einer Bahnhofsanlage aus, der dadurch ins Auge fällt, daß seine monumentale Wirtung nicht einen gewissen intimen Reiz ausschließt. Im übrigen sind vertreten die Ortsgruppen in Köln, Hau nover, Berlin, Aachen, Karlsruhe, Darmstadt und auch Essen. Die Jury hat eine außerordentlich strenge Auswahl getroffen, die allerdings schon geboten war durch die Raumverhaltnisse, und der es zu danken ist, daß die Mittelmäßigkeit in der Ausstellung keinen Raum hat. Von wesentlichem Einfluß auf das Interesse des Laienpublikums für die Ausstellung dürfte der Umstand sein, daß nicht Entwürfe von Monumentalbauten das Feld beherrschen. Freilich ist dieser Zweig der Architekturkunst durch hervorragende Arbeiten vertreten, aber vor allen Dingen steht die Ausstellung doch unter dem Zeichen des Patrizierhauses und des bürgerlichen Wohnhauses. Dabei ist es augenfällig, daß unsere Architekten sich immer mehr leiten lassen von dem Gesichtspunkte, die Außenarchitektur müsse sich in innigster übereinstimmung befinden mit der Innenwirkung der Räume, und es dürfe von glücklichster Einwirkung auf den Geschmack des Laienpublikums sein, daß die Mehrzahl der Künstler sich nicht beschränkt hat auf eine Darstellung der Fassaden, Gesamtwirkung und der Grundrisse, sondern auch die Wirkung der Innenräume zur Darstellung gebracht hat. Heute Nachmittag 2½ Uhr fand die offizielle Eröffnung der Ausstellung statt mit einer Ansprache des Architekten Schreiterer. Ein Begrüßungsabend vereinigte gestern die eingetroffenen Bundesmitglieder für einige gesellige Stunden. Als Ehrengäste waren erschienen Professor Frentzen von der Technischen Hochschule in Aachen und in Vertretung des Kölner Oberbürgermeisters Beigeordneter Adenauer. Der Protektor der Kölner Kunstausstellung, der Großherzog von Hessen und bei Rhein, hatte in einem außerordentlich liebenswürdigen Schreiben für die Einladung zur Bundestagung gedankt, sich aber entschuldigen lassen. a Aachen, 1. Okt.[Der Streik auf dem Hüttenwerk Rote Erde.] Der Geh. Kommerzienrat Kirdorf hat auf das Vermittelungsangebot der Reichstagsabgeordneten Nacken und Sittart in der Angelegenheit des Streikes der Arbeiter des Hüttenwerks Rote Erde in einem Schreiben an die Abgeordneten den Dank des Vorstandes des Aachener Hüttenvereins für ihr Anerbieten ausgesprochen, aber bedauert, von demselben einen Gebrauch nicht machen zu können, da der Vorstand es grundsätzlich ablehnen müsse, der Vermittelung dritter in seinen Verhandlungen mit seinen Arbeitern sich zu bedienen. Der Vorstand erkläre sich dagegen bereit, mit den beiden Abgeordneten am heutigen Montag Morgen eine Besprechung abzuhalten. Darauf haben die beiden Abgeordneten unter dem gestrigen Datum in einem Schreiben an den Geh. Kommerzienrat Kirdorf geantwortet: Auf Ihr Schreiben vom 29. September erwidern wir Ihnen ergebenst, daß wir im Interesse des sozialen Friedens und der Beseitigung der außerordentlich schweren Schädigung des ganzen wirtschaftlichen Lebens Ihren Entschluß, unsere Vermittelung in dem Kampfe abzulehnen, auf das lebhafteste bedauern, dies umsomehr, als die andere Partei, die Lohnkommission der Arbeiter, unser Vermittelungsanerbieten gerne angenommen hat. Sollte der weitere Verlauf der Argelegenheit Ihnen eine sinderung Ihrer heutigen Stellungnahme angezeigt erscheinen lassen, so stehen auch dann Ihnen und Ihrer Arbeiterschaft jederzeit unsere Dienste zur Verfügung. Ihrer Einladung zu einer Besprechung am Montag, den 1. Oktober, vormittags 10 Uhr, glauben wir nicht stattgeben zu sollen, da wir uns von einer einseitigen Besprechung irgend einen Erfolg oder Nutzen für das von uns erstrebte Ziel nicht versprechen können. W. Bonn, 29. Sept.[Mit dem Kaiser werden, wie die Blätter melden, der Herzog von Ksburg und Prinz Eitel Friedrich der Denkmalseinweihung am 16. Oktober hier beiwohnen. Der Kronprinz wird nicht daran teilnehmen. Weitere Zusagen von Fürstlichkeiten stehen noch aus. = Bochum, 1. Okt.[„Dreißig Tage widerrechtlich im Irrenhause.“] Vor der hiesigen Strafkammer kommt heute eine Angelegenheit zur Verhandlung, die, soweit es sich ohne Kenntnis der Akten überblicken läßt, weniger wegen ihrer strafrechtlichen Bedeutung. als wegen eines gewissen psychologischen Interesses allgemeinere Beachtung verdient Den Gegenstand der Anklage bildet eine auf Anordnung der königlichen Staatsanwaltschaft beschlagnahmte Sensationsbroschüre:„30 Tage widerrechtlich im Irrenhause oder: Wie entledigt man sich eines unbequemen Ehegatten? Ehedrama in jüdischen Kreisen." Der Verfasser des Buches ist nach Angabe auf dem Titelblatt der Kaufmann Michael Veit in Bochum, der in der heutigen Verhandlung als Angeklagter erscheint. Mit ihm stehen unter Anklage der Inhaber der Krügerschen Buchhandlung als Verleger und F. W. Fretlöh als Drucker des Buches. Die Veröffentlichung Veits, die sich durch eine stellenweise mehr als gewandte Stilistik auszeichnet(man schließt daraus, daß er literarische Hilfe gehabt hat), ist außer gegen die Familienangehörigen des Verfassers auch gegen eine Reihe anderer Personen gerichtet. Ganz besonders schwere Angriffe schleudert Veit gegen den praktischen Arzt Dr. Herz in Bochum, dem er vorwirft, daß er unter Mißbrauch seiner ärztlichen Gewalt die Hand dazu geboten habe, ihn, den Verfasser, ins Irrenhaus zu dringen. Diesen Vorwurf hatte Veit übrigens schon vor Erscheinen der Broschüre in zwei Zeitungsartikeln erhoben, die aber von Dr. Herz auf Anraten seiner Kollegen unbeachtet gelassen wurden. Die Wiederholung der die Berufsehre des Arztes schwer angreifenden Vorwürfe in der in Rede stehenden Sensationsbroschüre ließ es aber ratsam erscheinen, auf eine gerichtliche Klarstellung der Angelegenheit in aller Öffentlichkeit zu dringe# W. Tortmund, 30. Sept.[Eine segenannte Alkohol=Sprechstunde] richtete im Frühjahr dieses Jahres Stadtrat Rath ein. Die Einrichtung gat ich sehr gut bewährt. In einem Berichte an den Oberbürgermeister sagt nach der„Dortm. Itg.“ Stadtra: Rath:„Sowohl von Trinkern selbst wie von deren Angehörigen wurde sie in Ansprach genommen. Es hatte einen besonders bemerkbaren günstigen Einfluß auf die Trinker, daß sie nicht mit Vorwürfen empfangen, sondern alskrank behandelt wurden. Sie faßten sofort Vertrauen und hielten nicht selten das mir gegebene Wort, sich zu bessern. Eine gute Einwirkung wurde nebenher von Mitgliedern der hiesigen Abstinenzvereine ausgeübt, die die Trinker immer wieder aufsuchten und in ihren guten Vorsätzen bestärkten. In letzter Zeit wurden auch Trinker aus sogenannten besseren Familien in Behandlung genommen. Es wurde ihre Entmündigung, bezw. Unterbringung in Trinkerheilanstalten erwirkt, und dadurch den Familien die Ruhe und die Möglichkeit wirtschaftlicher Gesundung wiedergegeben.“ Kunst und Wissenschaft. [Was ein Zugstück einbringt.] Die Zahl der Aufführungen und die Höhe des Gewinnes, die von englischen Stücken erreicht werden, übersteigen bei der großen Möglichkeit der Verbreitung, die allein schon durch die englische Sprache gewährleistet wird, bei weitem die Erfolge von Zugstücken anderer Länder. So hat jüngst eine komische Farce„Der Privat= sekretär“ am Brixton=Theatre in London ihre 13000. Aufführung erreicht. Seit 1884, dem Jahre, in dem das Stück geschrieben wurde, hat es sich in unverminderter Frische bis heute auf dem Repertoire erhalten. Der wöchentliche Gewinnst, den diese Posse bei den ersten Aufführungen in London brachte, betrug 24000 Mark. In New=York ist„Der Privat= sekretär“ 300mal über die Bühne gegangen. In Australien und in andern englisch sprechenden Weltgegenden wurde er mit Begeisterung begrüßt, und man hat berechnet, daß der gesamte Reingewinn, der durch dieses Stück erworben wurde, die Summe von 6 Millionen Mark weit übersteigt. Noch viel größere Einnahmen brachte das vielgespielte Stück„Ripvan Winkle“ von Joseph Jefferson, in dem der Verfasser die Titelrolle selbst 5000mal spielte und damit die Riesensumme von 20 Millionen Mark verdiente. Drei Winter hindurch wurde das Stück am Boston=Theatre gespielt und brachte einen wöchentlichen Ertrag von 92 000 Mark. Ein anderes amerikanisches Lieblingsstück, „Das alte Heim“, brachte in 12 Jahren einen Nettogewinn von 19 Millionen Mark. Der große Erfolg des Vaudeville=Theaters,„Unsere Jungens", hielt sich fast fünf Jahre auf der Bühne und brachte einen durchschnittlichen Ertrag von 8000 Mark die Woche. Keine andere englische Operette hat wohl mehr Geld eingebracht als die„Chinesischen Flitterwochen". Zwei Jahre und acht Monate wurde es ununterbrochen in London gespielt, und der Gesamtgewinn, der mit diesem Stück in England, Amerika und Südafrita erzielt wurde, betrug fast 11 Millionen Mark. Der Autor eines„Zugstückes" kann heute, besonders in England, wirklich reich werden. Pinero erwirbt durch ein einziges erfolgreiches Stück 800 000 Mark. Mit einem seiner populären Melodramen verdient G. R. Sims bis zu 300000 Mart im Jahre. Die Tantièmen, die W. S. Gilbert von sechs seiner Werke erhalten hat, betrugen 180000 Mark. Nun sind freilich die Ausgaben, die die Inszenesetzung solcher Zugstücke bisweilen erfordert, sehr bedeutend. Eine Pantomime im Drury=Laue=Theater kann unter 100000 Mark nicht herausgebracht werden. Der verstorbene Direktor Harris pflegte zu sagen, er sei heilfroh, wenn er nicht mehr als eine halbe Million ausgegehen habe, sobald sich der Vorhang bei einer Premiere emporhebt. Die Vorführung der großen Ausstattungsstücke im Londone= H#rdor#me schlingt die ungeheuré Summe von 140= bis 1600000 Mark. Die Kosten, die für die Ausstattung musikalischer Feerien verwandt werden, sind auch ganz immens. So lestete George Edwardes„Herzogin von Danzig" bei seiner Aufführung am Lyric=Theater 200 000 Mark, und die Kosten waren erst, nachdem das Stück 10 Monate hindurch mit Erfolg gespielt worden war. gedeckt. Besonders reiche Erträge liefern die volkstümlichen Melodramen, deren Inszenierung nicht so viel kostet und die, wenn sie erst einmal beliebt ge worden sind, unermüdlich gespielt werden können. „Der Silberkönig“ z. B. hat in seiner nun ein Vierteljahrhundert währenden Laufbahn mehr als 20 Millionen eingebracht, während der Gewinn auch der erfolgreichsten Ausstattungsstücke 4 Rillionen kaum überschreitet. (Archäologische Triumphe.] Man schreibt uns aus Rom, 25. September: Der unlengbare und sichere, wenn auch langsame Fortschritt Italiens auf allen Kulturgebieten zeigt sich auch besonders erfreulich auf dem Gebiete der archäologischen Forschung. Seit Guido Baccelli durch die Freilegung des Pantheons eine von den Gelehrten aller Welt begrüßte neue Ara angebahnt, haben die italienischen Archäologen, zumal der Erforscher des Forum Romanum, Professor Boni, Erfolg auf Erfolg erzielt. Wer das Forum vor fünfzehn Jahren sah und es jetzt wieder betritt, wird diese klassische Stätte des Römertums kaum wiedererkennen: wieviel Tempel, Heiligtümer, Fontänen usw. sind inzwischen durch den unermüdlichen und genialen Boni freigelegt! Da ist der Lapis niger, das ehrwürdige Romulusgrob,— die verschiedenen Rostra, ein überaus malerisches und historisch interessantes Chaos von Spuren der großen Vergangenheit. Auch in Pompesi wird gebuddelt— freilich nur mit bescheidenen Mitteln, denn der Staat hat leider für archäologisch=historische Zwecke niemals Geld übrig— wenigstens nicht so viel, als logischerweise für solche Zwecke ausgeworfen werden müßte. Pompeji, das jährlich an Eintrittsgeldern 130—150000 Franken einnimmt, unterhält sich selbst und es versteht sich, daß mit jener Summe nicht viel geleistet werden kann, ist doch allein ein Personal von 45 Kustoden— viel zu wenig für die Totenstadt— und einem Dutzend Inspektoren u. dergl. zu bezahlen. Nun hat der neu ernannte Generaldirektor für die schönen Künste und Ausgrabungen, Professor C. Ricci,— ein ebenso energischer, als kluger Kopf— von der Regierung eine Million Zuschlag zu seinem Budget verlangt und erhalten, und man darf also auch auf dem Gebiet von Archäo= logie und Kunst einen neuen Ausschwung erwarten,— vorausgesetzt, daß diese Million nicht, wie hier vielfach üblich, vorwiegend in..:„Verwaltungszwecken“ aufgeht. Ricci ist aber der Mann, den Herren Burcaukraten auf die Finger zu sehen und nötigenfalls zu klopfen. Ein ganz besonderes Interesse beansprucht auch das von dem englisch=deutschen Professor Waldstein aus. gearbeitete und der italienischen Regierung vorgelegte Projekt, Herculanum auszugraben. Bekanntlich wurde Herculauum— die Lieblingsvilleggiatur der reichen Neapolttaner— gleichzeitig mit Pompeji von der Asche bedeckt, und zwar so rasch und gründlich, daß die Einwohner— im Gegensatz zu den Pompejanern— fast gar nichts von ihren Habseligkeiten zu reiten vermochten. Es müssen sich also unter der die Stadt überziehenden Aschen- und Schlamm=Schicht Schätze von unerhörtem Werte— sowohl was die Edelmetalle usw., als was den Kunstwert betrifft— befinden. Denn Herculanum war wie gesagt, eine Villenstadt, wo nur die reichsten und gebildetsten Familien der griechischen Neapolis ihrem Otium cum dignitate zu leben pflegten. So sehr nun die Aussicht, Herculanum freizulegen, lockt, so verübeln die Italiener es doch, daß ausländische Gelehrte mit ausländischem Gelde(es sind 100 Millionen nötig!) der Kulturwelt Riesenwerk in Augriff nehmen wollen. Indetten hat es den Anschein, daß die öffeatlich. Menng mumer mehr zugunsten des Waldsteinschen Projettes zu schwanken beginnt, so daß wir also in absehbaren Zeit wohl das alte Hereulamm buchstäblich uns der Asche ersteyen sehen werden.— C. K. Das neue New=Yorker Prunktheater.] Aus New=York wird berichtet: New=Yori, die„theaterreichste" Stadt, wird binnen kurzem die Vellendung eines neuen großen Theaters erleben. Belanntlich ist das Projekt schon vor mehr als einem Jahre gefaßt worden, und die notwendigen Summen sind durch Subskriptionen in den Millionärskreisen ausgebracht worden. Der Baustil des gewaltigen Palastes, der in höchstens zwei Jahren fertiggestellt sein wird, näher: sich dem Stil der italienischen Renaissance. Die Fassade mit ihrer mächtigen Säulenhalle wird einen feierlichen Eindruck machen und der weiße Marmor an einen griechischen Tempel erinnern. Eine Kuppel bekrönt das ganze Gebäude, dessen Foyer von den besten Künstlern Europas ausgemalt werden soll. Die Bühne ist bundert Fuß breit und achtzig Fuß lang. Im Hintergrund befinden sich vierzig Garderabenräume, von denen vier große Säle und zum Ankleiden der Choristen bestimmt sind, dann noch zwei Speisesäle, in denen die Schauspieler essen können. Außerdem befinden sich hinter der Bühne ein Saal zum Proben von Balletts. drei Säle für Generalproben, ein Empfangssalon für die Künstler usw. Neben Werkstätten für Malcrei und Zimmermannsarbeiten wird hier auch ein Bibliotheksaal eingerichtet, der eine reichhaltige Sammlung von Musik= und Theaterwerken enthalten soll. Der Theaterraum faßt 2000 Plätze und 60 Logen. Wetterbericht des„General-Anzeiger““ (aufgenommen 6 Uhr abends). Dienststelle: Meteorologisches Odservatorium Aachen. Allgemeine Uebersicht der Witterung über Enropa au 1. Oktober 1906. Über Deutschland hält der hohe Druck noch immer an, was die Fortdauer der vorwiegend heitern und ruhigen Witterung bedingt. Nur Dresden und Reitum melden ganz geringen Niederschlag. Auch in Herford, im Norden des Tienstbezirks, siel 1 mw. Die Tempera. turen liegen hier bedeutend höher(Kleve 11 Grad) als im Süden, wo Trier nur 4 Grad aufweist. Im Nordwesten des Erdteils wurde dus Hoch von einem herannahenden Tief zurückgedrängt. Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 1. Oktober bis zum nächsten Abend: Vorerst ruhig und heiter bei südlicher Luftbewegung, später mehr bewölkt bei etwas auffrischenden Süd= bis Westwinden. Aachener Anzeiger. Politisches Tageblatt. Reichhaltigste Tageszeitung. Wirksamstes Insertionsorgan. Stellen=Angebote und Gesuche von bestem Erfolge. Gratis=Aufnahme aller Anzeigen im Aachener Auzeiger, Annoncen=Organ. Zeilen=Preis für beide Zeitungen zusammen 15 Pfg. 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General=Anzeiger für Düsseldorf und Umgegend. Nr. 272. Dienstaa, den 2. Oktober 1906 Balzar von Flammersfeld. Roman vom Westerwalde von C. Spielmann=Wiesbaden. (Schluß.) Der General, der einige Sätze, die ihm unverständlich waren, sich übertragen ließ, fragte Balzar, ob er die Aussagen der Zeugin als Tatsache anerkenne. Ich leugne nicht, erwiderte Balzar fest, nur das ist nicht richtig, daß mich der Korporal zurückgehalten habe. Die Zeugin mag sich das eingebildet haben in der Angst des Augenblicks, fügte er hinzu. Ungeheuer! schrie die Müllerstochter, es ist doch so. Du allein hast ihn gemordet. Die Kaiserlichen hätten ihn verschont. Aber mein Fluch hat sich erfüllt; sein Blut ist über Dich gekommen. Gebt ihm keine Gnade, wandte sie sich an den Gerichtshof, er hat sie nicht verdient. Denkt an die vielen von Euch, die er getötet hat. O Du— Du—! Ein verächtliches Lächeln zuckte um des Gefangenen Lippen. Ruhe! rief der General. Führt die Bürgerin zu ihrem Sitz! Also Ihr erkennt an. den Mord begangen zu haben? wandte er sich an Balzar. Keinen Mord; ich habe ihn im Kampfe getötet. Als Brigant, als Franktireur, als Bauer, der keine Waffen tragen, nicht kämpfen darf, versetzte der General, und die andern nickten lebhaft. Der nächste Zeuge! Der nächste Zeuge war Wiedmann. Andreas blickte fest zu seinem ehemaligen Todfeinde hinüber. Also sahen sie sich doch noch einmal. Doch sogleich bemerkte der scharf Beobachtende, daß der Förster nur gezwungen erschienen war. Das gab ihm seine Seelenruhe wieder, und als Wiedmann ihn nun scheu anblickte, nickte er ihm freundlich zu. Sprich nur die Wahrheit, ich zürne Dir nicht, wollte dies Nicken sagen. Und Wiedmann berichtete, was er von dem überfall des Arztes mußte. Bekennt Ihr Euch zu dem, was der Zeuge sagt? fragte der General. Ja, es ist alles richtig. übrigens hättet Ihr Euch das Fragen sparen können. Der Zettel an der Leiche sagte Euch doch genug. Wir wollten Euch nur selbst zu dem Geständnisse bringen, daß Ihr der Schwarze Häuptling seid und dies todeswürdigste Verbrechen begangen habt, versetzte Collaud mit wutzitternder Stimme. Oder nennt Ihr auch diese Hinschlachtung eines Wehrlosen keinen Mord? Nein! rief Balzar, es war kein Mord, es war ein Akt der Vergeltung. Und im reinsten Französisch erzählte er mit bebender Stimme, welche Beleidigung ihm Brisson angetan und wie der Rachezorn ihn zu der Tat getrieben hätte. Die Richter rückten unruhig auf ihren Stühlen hin und her; der General zerbrach nervös einen Bleistift und biß darauf. Die Muttersprache hatte die Wirkung auf die Herzen nicht verfehlt. Gewaltsam kämpfte indes Collaud seine Gefühle nieder. Es war hinterlistig und niederträchtig, grollte er. Die eine Tat schon kostet Euch das Leben. Die folgenden Zeugen! Alle anderen wurden vernommen; aber keiner mochte oder konnte erschwerende Aussagen machen. Die Richter mahnten, drohten, es half nichts. Die allermeisten Zeugen hatten in der Tat nichts gesehen; andere wußten, daß man ihnen keine„Assistenz" oder „Präsenz" nachweisen konnte, und daher leugneten oder schwiegen sie. Balzar, der die einfachen Leute fast alle kannte, dankte ihnen durch verstohlene freundlich: Blicke. Das Gericht beriet leise. Nachweisen konnte man dem Gefangenen die Tötung des Leutnants in der Wahlroder Mühle, des Offiziers bei Dreifelden, des Arztes und der beiden Offiziere bei seiner Gefangennahme, mehr nicht. Er wurde gefragt, ob er auch die beiden letztern selbst erschossen habe. Ich habe es getan, sprach er, und da es dem Gericht wichtig scheint, zu erfahren, wie viele es überhaupt gewesen sind, so erkläre ich hiermit: Ich, Andreas Balzar von Flammersfeld, Führer der aufständischen Westerwälder, habe einundzwanzig französische Offiziere mit eigener Hand getötet. Die Wirkung dieser Worte war furchtbar. Die Richter, ihre Würde vergessend, sprangen auf, ballten gegen den Gefangenen die Hände und füllten den Saal mit Verwünschungen. Ruhig ließ Balzar sie austoben, dann sagte er: Meine Hände sind gefesselt; aber ich hebe sie— seht— gefesselt empor und schwöre: Es ist Wahrheit!— Und dann nannte er Ort und Zeit, wo und wann die einzelnen gefallen waren, so gut er's im Gedächtnisse hatte. Und er besaß ein gutes Gedächtnis. Eine halbe Stunde später wurde Andreas Balzar, Sohn des Pfarrers von Flammersfeld, vom Kriegsgerichte zum Tode durch Pulver und Blei verurteilt.— In das dumpfe, halb unterirdische Gelaß, das dem Gefangenen als Aufenthaltsort diente, fielen durch ein kleines Gitterfenster die letzten Strahlen der Nachmittagssonne. Der Verurteilte hatte sich so gesetzt, daß sie ihn ein wenig erwärmten. Da trat der Schließer herein und meldete ihm, seine Familie sei da und wolle ihn sprechen. Andreas sprang mit einem lauten Jubelschrei empor, daß die Ketten an seinen Händen und Füßen klirrten. Im nächsten Augenblick hielt er seine treue Mutter umschlungen und weinte an ihrer Brust sich aus. Marie und ihr Gatte standen mit Sophie etwas zurück; ganz im dunkeln Hintergrunde hielt sich der Pastor; er wollte den ersten Sturm vorübergehen lassen. C. Ihr Guten, rief Andreas, Ihr habt meiner also nicht vergessen, Ihr habt mich nicht verstoßen? Tausend Lank, Dir, Mutter, der ich so schweren Kummer bereitete; auch Euch, Ochlgartens! Wie seid Ihr so glücklich! Wie verdient Ihr's! Und Du, liebe Muhme, meine nachsichtige Schützerin! Wie gehr es dem Großvater? Ahnt er, was mir bevorsteht? Er weiß es, daß Du verloren bist—. aber ich soll Dir sagen, es sei sein Trost, wenn Du wenigstens nicht unehrenhaft von hinnei schiedest. Nicht unehrenhaft? Nein, sag' ihm, selbst die Franzosen hätten mir trotz ihres Hasses die Achtung nicht versagt. Sie haben mich nicht zum Strang verurteilt. Ich sterbe als deutscher Freiheitskämpfer, nicht als Mörder. Sagt es allen, sagt es auch dem, der mich verstieß, damit er mir verzeihe, wie selbst meine Feinde mir stillschweigend verziehen. Er hat Dir verziehen, rief Pastor Balzar, in tiefer Bewegung vortretend, und er kommt, um Dir seinen Segen zum Wege in die Ewigkeit zu geben. Wir arme sündhafte Menschen wissen, obwohl wir des Rechtes Pfade zu wandeln glauben, dennoch nie, ob es die richtigen Pfade sind. Mein Sohn, ich wünschte, ich wäre früher zu Dir gekommen, nachdem Du den Weg zu mir nicht mehr gefunden hast. Schweigend ergriff Andreas des Vaters dargebotene Hände und drückte sie an seine Brust. Die Kehle war ihm wie zugeschnürt. Mein lieber Sohn, begann die Pastorin, ich komme noch für eine andere Seele, die treu an Dir hängt. Gretchen Sanner geht zum Sterben; aber sie kann nicht sterben, bevor sie nicht von Dir weiß, daß Du zum Frieden in einem besseren Lande gekommen bist. Was sollen wir tun, um ihr den Tod willkommen zu machen? Andreas lächelte. Gehe ich denn nicht bald in das Land des Friedens ein? sagte er. Ich habe noch eine Gnade zu erbitten: einen Brief an mein ewig geliebtes Mädchen schreiben zu dürfen. Darin will ich ihr berichten, daß ich im Begriffe stehe, in jenes Friedensland einzugehen, und daß ich von dort sie dereinst heimholen werde. Nein, nicht dereinst, bald. Glaubst Du — schloß er stockend— Vater, daß wir uns droben wiedersehen werden? Ich hoffe es, mein Sohn, sprach der Pastor tiefbewegt. Und sei getrost, wir werden den Brief in Gretchens Hände legen. Der Schließer rasselte mit den Schlüsseln, um anzudeuten, daß die Besuchszeit verstrichen sei. Lebt alle wohl, rief der Verurteilte, und mit seinen eisenbeschwerten Armen umschlang er einen nach dem anderen. Bleibt fest, vor allem Du, meine Mutter; denkt, der Tod ist meine Erlösung, und ewig wird er uns nicht scheiden. Der Herr segne und behüte Dich, mein Sohn, und schenke Dir den Frieden, Amen! Pastor Balzars Hände berührten des Erstgeborenen Haupt, dann schied er als letzter aus dem Kerker.—— XVI. Noch einmal, zum letzten Male für Andreas Balzar ging die Herbstsonne auf; mild und freundlich strahlte sie am Morgen des dritten Oktobertages 1797 in den kleinen, düsteren Schloßhof zu Westerburg hinein. An der Basaltmauer der Nordseite war ein frischer Sandhügel aufgeschüttet. Zwei Sansculottensoldaten hielten bei ihm Wache. Kurz vor acht Uhr wirbelten die Trommeln; durchs Schloßtor zog eine Abteilung Grenadiere, ein Leutnant mit blankem Säbel vorauf. Lustig flatterte die Trikolore im Morgenwinde; die Abteilung rückte weiter und ordnete sich zu einem Karree, das an einer Seite offen blieb. Es war die Mauerseite, wo der Sandhaufen lag. Acht Uhr— mit dem Glockenschlage— öffnete sich die kleine Tür aus dem Schlosse, und General Collaud trat heraus mit seinem Gefolge, alle die Federhüte auf dem Haupte. Die Tamboure schlugen dreimal Wirbel; die Soldaten präsentierten und riefen: Vive la République! Dann nahmen sie die Gewehre bei Fuß; ihre Reihe an der Nordwand teilte sich. Von zwei Mann eskortiert, entstieg Andreas Balzar im roten Hemde und grauer Hose, die Hände auf dem Rücken gefesselt, dem Kerkergewölbe. Bis in die Mitte des Karrees schritt er, frei das Haupt tragend, sicheren Ganges. Der Schreiber des Kriegsgerichts trat vor und verlas das Todesur l, wonach Andreas Balzar von Flammersfeld auf sein eigenes Geständnis hin, einundzwanzig französische Offiziere eigenhändig getötet zu haben, und in Anbetracht, daß durch ihn mittelbar noch viele andere Soldaten der Republik ums Leben ekommen seien, öffentlich gerichtet werden solle. Bei en letzten Worten zerbrach er das Stäbchen, das er in der Hand hielt. Ohne mit der Wimper zu zucken, hörte der Verurteilte zu. Er ist ein unerschrockener Mensch, sagte General Collaud, der kein Auge von ihm verwandte, zu seiner Umgebung. Der Sergeant des Exekutionspeletons trat vor und faltete auf dem Knie die Binde. Das Ding da laßt fort, sagte Andreas ruhig; ich habe dem Tod hundertmal ins Auge gesehen, ich will's auch heute. Damit schritt er auf den Sandhaufen zu. Comme vous voulez, citoyen, brummte der alte Krieger und steckte das Tuch ein. Dann stellte er sich auf den rechten Flügel der Rotte. Geladen! ertönte die Stimme des kommandierenden Leutnants. Legt an! Fertig! Balzar stand hoch und frei auf dem Sandhaufen; es war, als ob er von Sekunde zu Sekunde wüchse. Seine breite Brust, die er dem Feinde darbot, schien sich noch zu dehnen. Seine dunkeln Augen funkelten seine Feinde an. Feuer!— Ein Geknatter der Gewehre. Als der frische Morgenwind den Rauch verweht hatte, sah man, daß der Verurteilte von dem Haufen herabgerutscht war. Er lehnte, mit furchtbarer Willensstärke sich aufrechthaltend. an der Mauer, den rechten Fuß vorgestemmt. O, ihr Schurken, stöhnte er. Auf zehn Schritt Entfernung nicht zu Tode treffen! Ich holte auf hundert mit einem Kernschusse meinen Mann aus Euch heraus! Avancez! schrie der Leutnant.— Drei Soldaten, darunter der alte Sergeant, sprangen vor, luden rasch und legten aus nächster Nähe an. Feuer!— Krach— krach— krach! Andreas Balzar schnellte einen Moment hoch: Fluch Euch Feinden des Vaterlandes! Dann fiel er tot vornüber aufs Antlitz nieder.— Am Nachmittage schied das tiefgebeugte Elternpaar von dem miedern Grabhügel des Sohnes an der Mauer des Westerburger Kirchhofs drunten im Tale. Ohne Sang und Spruch war Andreas Balzar eingescharrt worden, und sein Grab durfte nicht geschmückt werden. Aber der geistliche Segen hatte ihm dennoch nicht gefehlt.— Und heute? Wer gedenkt noch des Freiheitskämpfers auf dem Westerwalde! Sein Name ist verschollen, sein Grab samt dem alten Kirchhofe verlassen; einzig die Kirchenbücher zu Höchstenbach und Westerburg bewahren das Andenken an ihn. In dem erstern steht: 1769 d. 6ten Febr. wurde getauft mein I. E. W. Baltzars(so!) zeitl. refor. Predigers und Henrietten Elisabethen gebohrener Feckeln ehl. Söhnlein hier zu Höchstenbach, welches gebohren d. 28. Jan. des Nachts um 12 Uhr. Gevattern: Andreas Jeckeln, Herr Rath und Amtmann zu Beilstein im Nassauischen, mein Schwiegervatter; Christian Ludwig Baltzar, Hr. Schultheiß zu Birnbach in der Leingen, mein Vatter; Anna Eva Schultheiß Baltzars zu Flammersfeld Ehefrau, meine Frau Schwägerin. Nahmen: Andreas Ludwig. In dem letztern: Im Jahre 1797 Oktober 3 (dritten) ward N. N. Balzar von Flammersfeld nach dem Ausspruch des französischen Kriegsgerichts im Schloßhof erschossen und eodem auf hiesigem Kirchhof begraben. Und noch einer hat des Freischarenführers gedacht. In seinen Memoiren(„Mein Anteil an der Politik“, Bd. I. S. 67) schreibt der damalige nassau=weilburgische Regierungspräsident Hans von Gagern an der Stelle, wo er eine Erhebung der Westerwälder gegen die französische Okkupation im Jahre 1797 als nicht zu den Unmöglichkeiten gehörend bespricht: Die Gegenden an der Sieg waren voll Banditen und verwegener Waghälse. Balzer(sic), der Sohn des Pfarrers zu Flammersfeld in der Grafschaft Sayn, gestand in articulo mortis, daß er 21 Offiziere mit eigener Hand getötet habe und verbat sich nur die Binde vor den Augen. Also doch eine ehrenvolle Erwähnung in der Geschichte! Um die Gestalt des ehemaligen Wildschützen hat der Kampf, den er auf eigene Faust gegen den Landesfeind unternahm, einen flüchtigen Ruhmesschein verbreitet. Daß Andreas Balzar seinem Vaterlande nicht größere und bessere Dienste leisten konnte, daran war die Kleinstaatenelenderei schuld.— Rauscht sanft über dem Haupte dessen, der in den heimischen Boden des Westerwaldes gebettet ist, ihr alten Bäume des Hochgebirges. Er hat gefehlt, aber auch gesühnt und den Frieden errungen. Miete. J. B. Die Kündigung braucht nicht bis mittags 12 Uhr erfolgt zu sein, sie kann noch bis zum Abend geschehen.— H. F. Für die Tage, die Sie im Krankenhause zugebracht haben, müssen Sie Miete bezahlen. Arbeits= und Dienstverhältnisse. Lehrling.— W. B. Der Lehrling kann nur bei rechtmäßiger Beendigung des Lehrverhältnisses ein Zeugnis verlangen, nicht aber bei eigenmächtigem Verlassen der Lehre. Versicherungsangelegenheiten. Krankenkasse.— A. St. 100. und Lehrerin K. R. Die hiesige Ortskrankenkasse für Fabrik= und Metallarbeiter nimmt freiwillige Mtiglieder an. Gesuche sind an den Kassenvorstand zu richten, der über die Aufnahme entscheidet. Erbrecht. Nach M.=Gladbach. Wenn Ihre Frau die Erbschaft nicht in der gesetzlichen Form ausgeschlagen hat, muß sie für die Schulden mit aufkommen. Verschiedene Rechtssachen. Vertrag.— E. O. 100. Der„Vertrag“ kann angefochten werden. Schadensersatz.— E. I., M.=Gladbach. Sie müssen sich an den Hauseigentümer halten; mit der Haftpflichtgesellschaft haben Sie nichts zu schaffen. Kosten.— A. 100. Es entstehen wieder Kosten. Verschiedenes. Frachtstempel.— W. H. 51. Unseres Erachtens haben Sie den Frachtstempel zu tragen. Zimmerbenutzung.— O. B., Lindenstraße. über die Frage, ob derartige Zimmer zu Wohnzwecken vermietet werden dürfen, entscheidet die Baupolizeibehörde von Fall zu Fall. Schornsteinreinigung.— Eller. Für jeden Ort bestehen besondere Vorschriften hinsichtlich der Schornsteinreinigung. Zwei Wettende, Gerresheim. Zu 1. Dazu ist die Polizei nicht berechtigt. Zu 2. Mitbringen kann die Frau die Leute schon. Zu 3. Durch Klage.— Abonnent, Bastionsstraße. Die unentgeltliche ärztliche Untersuchung an der genannten Stelle findet mit Ausnahme der Ferien jeden Vormittag von 11—1 Uhr statt. Damenstoffe und Herrenstoffe laufen Sie wie allbekannt am besten und billigsten im c1812 Greiz=Geraer Hüttenstraße 11, 1. Etage, nahe Königsallee. Abgabe jeden Maßes. 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Dienstag, den 2. Oktober 1906. Politische Tagesübersicht. Inland. Düsseldorf, 1. Oktober 1906. Der General=Inspekteur der Marine. it Als nach dem Rücktritt des kommandierenden Admirals v. Knorr: im März 1899, der Zaiser selbst den Oberbefehs über die Marine übernahm und ihm eine Reihe von Befehlshabern unmittelbar unterstellt wurde, fiel die bisher in dem„Oberkommando der Marine" bestehende zentrale Kommandobehörde fort. Aus der Admiralstabsabteilung des Oberkommandos wurde der„Admiralstab der Marine" und zur Ausführung von Inspizierungen im Bereiche der gesamten Marine wurde die Stellung eines„General=Inspekteurs der Marine geschaffen. General=Inspekteur wurde der damalige Chef der Marinestation der Ostsee. Admiral Koester. Der inzwischen geadelte und zum Großadmiral beförderte verdiente Seeoffizier blieb während seiner ganzen Kommandoführung als Chef der Schlachtflotte General=Inspekteur und wird diese Funktionen auch in Zukunft ausüben. Da durch die Ernennung weder eine besondere Behörde, noch eine neue Instanz gebildet wurde, auch die Befugnisse der in Immediatstellungen befindlichen Befehlshaber nicht beschränkt wurden, hat der General=Inspekteur als direkter Vertreter des Kaisers zu gelten. Seine Aufgabe besteht darin, nach jedesmaliger besonderer Anweisung des Kaisers durch die Inspizierungen eine Kontrolle über den Dienstbetrieb, die Kriegstüchtigkeit und Kriegsbereitschaft der Schiffsverbände und Schiffe, sowie der Marineteile und=Behörden am Lande auszuüben. über das Ergebnis der Inspizierungen hat der General=Inspekteur dem Kaiser zu berichten. Lange Zeit hat v. Koester eine dreifache Bürde getragen. Er war Chef der Flotte, Chef des ersten Geschwaders und General=Inspekteur zugleich. Zuerst gab er das Geschwaderkommando ab. Nun ist er auch vom Flottenkommando entbunden worden, so daß er gewissermaßen im Hauptamt General=Inspekteur ist. Je mehr die Marine sich auswächst in allen ihren Dienstzweigen zu Wasser und zu Lande, umso umfangreicher und verantwortungsvoller wird das Amt eines GeneralInspekteurs werden. Die Großherzogin von Mecklenburg und die hannoverschen Welfen. K Der Geburtstag der Großherzogin von Mecklenburg veranlaßt das hannoversche Welfenblatt zu der Behauptung, daß die Großherzogin„nie aufgehört hat, sich als hannoversche Prinzessin zu fühlen, und die auch deshalb das hannoversche Volk immerdar zum angestammten Welfenhause rechnen wird".— Hoffentlich hört man demnächst von zuverlässigerer Seite, ob die am Berliner Hofe bekanntlich mit besonderer Aufmerksamkeit behandelte Großherzogin wirklich so fühlt, wie das Welfenblati angiebt. Zur braunschweigischen Throufolgefrage. X Berlin. 30. Sept. Der braunschweigische Staatsminister Dr. v. Otto ist von Homburg v. d. H. wieder in Braunschweig eingetroffen und hat dem Regentschaftsrat über seine Unterredung mit dem Reichskanzler Bericht erstattet. Gleichzeitig lag dem Regentschaftsrat ein Schreiben des Herzogs vom Cumberland vor, über den Inhalt desselben wird nur berichtet, daß es bedeutsame Außerungen zur Thronfolgefrage enthalte. Einen Anhalt zur Beurteilung des Inhalts gibt vielleicht eine Mitteilung der„Braunschw. N. Nachrichten". Die welfische Partei in Braunschweig hatte eine Deputation unter Führung des Reichstagsabgeordneten v. Damm zum Herzog von Cumberland entsandt, um diesem die Bitte zu unterbreiten, nunmehr die Thronfolgefrage in einem für Braunschweig günstigen Sinne zu regeln. Dem genannten Blatte zufolge soll der Herzoa erwidert haben: Er sei bereit, den Wünschen der braunschweigischen Bevölkerung soweit als möglich entgegenzukommen, befürchte aber, daß Kaiser Wilhelm keine Verständigung wünsche. In gleichem Sinne soll sich der Herzog in Gmunden auch einem höherene braunschweigischen Staatsbeamten gegenüber geäußert haben. Will der Herzog wirklich seinen Frieden mit Preußen machen, so wird ihm wohl nichts übrig bleiben, als selbst den ersten Schritt dazu zu tun. Er kann nicht erwarten, daß ihm Preußen nachlaufe und sich einem Refus aussetze. Es ist die Rede von dem Versuche, eine Verständigung zwischen Preußen und dem Herzog von Cumberland auf ungefähr folgender Grundlage anzubahnen: Der Herzog verzichtet zugunsten seines ältesten Sohnes auf die Sukzession in Braunschweig; beide Söhne enrsagen mit väterlicher Ermächtigung allen Ansprüchen auf Hannover und verkünden dies in einer Proklamation an die hannoversche Bevölkerung; die Notabeln der hannoverschen Welfenpartei erklären in öffentlicher Kundgebung, daß sie den durch die Ereignisse von 1866 geschaffenen de facto=Zustand nunmehr als de jure=Zustand anerkennen und fordern ihre Gesinnungsgenossen zur Treue gegen die Hohenzollerndynastie auf; Preußen erklärt im Bundesrat, daß gegen die Sukzession des Hauses BraunschweigLüneburg Hindernisse nicht mehr bestehen.— Bemerkt sei noch, daß nach der heutigen Regentschaftsratssitzung Staatsminister Dr. v. Otto eine Unterredung mit dem in Braunschweig akkreditierten preußischen Gesandten v. Bülow hatte. Die deutsche Bank in Persien und die französischen Chauvinisten. 7 Die Nachricht, daß in Persien eine deutsche Bank zur Verfolgung rein wirtschaftlicher Ziele begründet werden wird, hat den Variser„Heguro ganz aus dem Häuschen gebracht. Das genannte Pariser Blatt tut so, als wäre es unglaublich, daß bei der Gründung jener Bank lediglich wirtschaftliche Zwecke ins Auge gefaßt wären, und führt bittere Klagen über die Expansionslust der deutschen Politik. Zu welchem Zwecke dieses Feuerwerk abgebrannt wird, erkennt man aus der Nutzanwendung, womit der„Figaro“ seine Klagen begleitet. Dem Schreckensruf nämlich, daß es in Persien fortan eine englische, eine russische und eine deutsche Bank geben werde, läßt der„Figaro" die Frage folgen: wo bleibe die französische Bank? Die Aufmunterung, die französischen Patrioten möchten das ihrige zur Errichtung einer französischen Bank in Persien tun, gestaltet der„Figaro“ schließlich besonders wirksam durch den Hinweis auf den hohen Gewinn, den die bereits bestehenden europäischen Banken in Persien erzielten. Wenn der„Figaro“ seinen Landsleuten einen Anteil an diesem Profit gesichert sehen will, so ist das begreiflich und berechtigt. Aber nicht recht ist es, daß der„Figaro" durch die Vorführung des deutschen Gespenstes seine Landsleute mit Eifer für die Errichtung einer französischen Bank in Persien zu erfüllen sucht. Die Tendenz einer derartigen Mache ist allerdings so durchsichtig, daß sie selbst den hitzigsten Deutschenfressern in Frankreich nicht verborgen bleiben dürfte. Der Einzelverkauf der Zigaretten. (2 Die in letzter Zeit verbreitete Nachricht, daß vom 1. Januar 1907 an der Einzelverkauf von Zigaretten verboten werde, wird von dem Syndikus des Verbandes der deutschen Zigaretten=Industrie nach Erkundigung an maßgebender Stelle als vollkommen erfunden bezeichnet. Wenn sich bei den Kontrollen der Kleinverkaufsstellen zeigen würde, daß Umgehungen des Zigarettensteuergesetzes in größerem Umfange vorkämen, so würden in erster Linie die durch das Gesetz festgelegten Strafen unnachsichtlich in Anwendung kommen. Erst wenn Erfahrung lehren sollte, daß diese die Steuerhinterziehungen nicht verhindern könnten, würde man die Maßnahme treffen, daß jede einzelne Zigarette den Aufdruck der Firma des Herstellers tragen müsse. Berlin, 1. Okt.[Verschiedenes.] Die im Reichspostamt schwebenden Erwägungen über eine Beschränkung, bezw. Aufhebung der Geldbestellung an Sonntagen, sind, wie mitgeteilt wird, abgeschlossen. Die Entscheidung steht bevor. Der Vorstand der„Deutschen Mittelstands=Vereinigung" hatte vor kurzem an den Reichskanzler, sowie an den bisherigen Leiter des Kolonialamtes eine Petition des Inhaltes gerichtet, Lieferungen für die Kolonialtruppen Handwerkerverbänden zu übertragen. Auf diese Petition hat die Vereinigung jetzt folgende Absags, unterzeichnet vom neuen Kolonialdirektor, erhalten:„Von den Ausführungen des oben bezeichneten Schreibens habe auch ich mit großem Interesse Kenntnis genommen, vermag aber zu einem Bedauern keinen anderen Entscheid zu treffen, wie er der Mittelstandsvereinigung in der Angelegenheit bereits durch das Oberkommando der Schutztruppen unter dem 3. September 1906 zuteil geworden ist.“ Ein„Schild"bürgerstreich wird dem„B. T.“ aus Koburg gemeldet: Dort besitzt am Marktplatz eine Witwe einen kleinen Schirmladen. Sie hat über diesem ihre Firma auf einem roten Schilde angebracht. Als vor wenigen Tagen der Kaiser in Koburg erwartet wurde, erschien bei der Schirmhändlerin ein Abgesandter der Behörde und verlangte, daß das Schild während des Besuchs des Kaisers entfernt werde, da der Kaiser und die Kaiserin, falls sie den Marktplatz passieren sollten, an der roten Farbe Anstoß nehmen könnten. Man sicherte der Schirmhändlerin zu, daß das Schild nach erfolgter Abreise des Kaisers wieder angebracht werden dürfe. Die Frau, der vermutlich bei Anbringung ihrer Firma jeder umstürzlerische Gedanke vollkommen ferngelegen hal, entsprach dem Wunsche einer hohen Behörde, und Koburgs Reputation wurde durch diesen Schildbürgerstreich gerettet. S. K. zeeimar, 30. Sept.[Zur Fleischnot.] Um der Fleischteuerung abzuhelfen, hat eine Anzahl deutscher Städte sich zu einer erneuten Petition an die Reichsregierung wegen Offnung der Grenzen entschlossen. Als im Gemeinderate angefragt wurde, ob sich die Stadt dieser Petition anschließen würde, erklärte der Oberbürgermeister, daß die Fleischteuerung der Regierung gerade so gut bekannt sei, wie den Städten und die Petition deshalb keinen großen Erfolg haben werde. Er, als Gemeindevorstand, werde daher sich der Sache nicht annehmen. Daß man übrigens sich nicht überall einen Erfolg von der Öffnung der Grenzen verspricht, geht daraus hervor, daß die Fleischer im Herzogtum Koburg=Gotha von der ihnen erteilten Erlaubnis, Vieh aus Österreich ins Herzogtum einzuführen, so gut wie keinen Gebrauch machen. Das Vieh soll auch dort so hoch im Preise stehen, daß es unter Anrechnung der Transportkosten gerade so teuer wie inländisches zu stehen kommt. München, 30. Sept.[Landesverrat.] Laut „Münchener Post“ ist ein bei der Trainkompagnie in Ingolstadt stehender Unteroffizier, der früher Einjähriger war, in letzter Zelt aber als Kanzleischreiber verwendet wurde, unter Mitnahme von Mobilmachungsplänen verschwunden. Um besser fortzukommen, nahm er einen dreitägigen Urlaub. Ausland. Die Lage in Rußland. Die Wiedereröffnung der Universitäten. Die Regierung will, so schreibt man uns, den Versuch machen, nächstens die Pforten der Hochschulen wieder zu öffnen, die zwei Jahre hindurch geschlossen gewesen sind. Zwei Jahre hindurch haben die Herren Studenten gebummelt und sind Handlanger der Revolution in allen ihren Formen gewesen. Jetzt zeigen sie anscheinend selbst eine gewisse Neigung, sich die Hörsäle wieder einmal von Innen anzusehen. Aber diese Neigung hat einen höchst unangenehmen Beigeschmack. Die studentisch=sozialdemokratische Organisation in Petersburg hat folgende(von uns schon kurz erwähnte. D. R.) bezeichnete Resolution gefaßt:„Die Arbeit ist wieder aufzunehmen, da der Lernstreik die Entwickelung der Revolution genügend gefördert hat, daß die Studenten durch die akademische Arbeit nicht von ihren Zielen abgelenkt werden können! Jetzt haben die Universitäten der Konzentration und Mobilisierung der studierenden Jugend für den gleichen Zweck zu dienen!" Der Rummel wird demnach alsbald in den Hörsälen und den Garderobezimmern beginnen. Erst wird man auf die Erfüllung akademischer Forderungen dringen, wie Abschaffung der Inspektoren, Aufhebung der Kollegiengelder, unbeschränkte Zulassung der Juden u. s. w.— und wenn die Regierung hierauf nicht eingeht, wird die„Mobilisierung" beginnen und die alten Studentenkrawalle werden an der Tagesordnung sein. Die Regierung sollte unter solchen Verhältnissen gar nicht auf die Eröffnung der Vorlesungen dringen. Das ganze Land steht in Flammen, und da erwartet man nüchterne, ernste, wissenschaftliche Tätigkeit in den Räumen, aus denen die Revolution hervorgegangen ist! Es wird sich bald zeigen, daß die Bombe, mit der man jetzt in Rußland umspringt, wie anderswo mit Knallbonbons auf dem Fasching, in den Hörsälen erkrachen wird; den Professoren sind schon Drohbriefe in Menge zugegangen. Der russische Student steht bei seinem Eintritt in die Universität etwa auf der wissenschaftlichen Bildungshöhe eines preußischen Sekundaners. Nun ist er zwei Jahre lang für die„Freiheit" tätig gewesen, als Agitator unter den Bauern, als Zeitungsreporter, als Parteiredner, Bombenfabrikant und Gott weiß was; oder er hat sich aus Mangel an Mitteln als Schaffner, Kellner, Schreiber, Zigarettenwickler und in sonstigen dürftigen Stellungen durchgeschlagen— was sollen die Professoren mit einem solchen Material anfangen? Der wissenschaftliche Bildungsstand ist in den letzten fünfzehn Jahren, in denen kein einziges Semester auf irgendeiner Universität ohne Störung verlaufen ist, unendlich tief gesunken. Die jetzigen Zeitverhältnisse sind am wenigsten geeignet, ihn zu heben. Aburteilung. 2 Kronstadt, 30. Sept. Das Kriegsgericht fällte heute über die wegen der Matrosen=Meuterei Angeklagten das Urteil. Das ehemalige Reichsdumamit glied Onipko wurde zum Verluste aller Rechte und zur Deportation verurteilt. Von den Matrosen wurden 19 zum Tode durch Erschießen, 12 zu Zwangsarbeit auf unbestimmte Dauer, 12 zu Zwangsarbeit von vier bis zwanzig Jahren, 459 zur Einreihung in die Arrestanten=Abteilung und zu Gefängnis verurteilt. Alle Verurteilten wurden aus dem Militärstande ausgeschlossen. 129 Matrosen und drei Bauern wurden freigesprochen. Das Urteil bedarf noch der Bestätigung durch den Kommandanten der Stadt und Festung Kronstadt. General Adlerberg. Jüdische Auswanderung. a Odessa, 30. Sept. In den letzten drei Monaten sind gegen 2½ tausend Juden nach den Vereinigten Staaten, Kanada und Argentinien ausgewandert. Verschiedenes. Petersburg, 30. Sept. Am Bezirksgericht wurde gestern der Prozeß gegen den früheren Beamten des Ministers des Innern, Wirklichen Staatsrat Lawrow, wegen Verbreitung gegen die Juden aufhetzender Aufrufe verhandelt. Eine dieser Proklamationen bezeichnet als Feinde Rußlands die Juden, sodann Deutschland und England, welche ein gemeinsames Bündnis geschlossen hätten, Rußland total zu ruinieren und sodann in kleine Reiche zu teilen und diese den Feinden des russischen Volkes zu übergeben. Gedruckt wurden diese Aufrufe in der Druckerei des Stadthauptmanns von Petersburg, sie waren von der Zensur genehmigt. Das Gericht verurteilte Lawrow zu 100 Rubel Geldstrafe, im Unvermögensfalle zu 10 Tagen Haft. # Mitau, 30. Sept. Die Adelsversammlungen verschiedener Kreise der Provinz Kurland warfen 120 000 Rubel aus zur Organisation des Schutzes wer Bevölkerung gegen die Gewalttaten der bewaffneten Banditen. Das Ende des freien Kuba. n. London, 30. Sept. Mit der vorläufigen übernahme der kubanischen Regierung durch den Kriegssekretär Taft ist das Ende der Unabhängigkeit Kubas besiegelt. Daß in der von Taft erlassenen Proklamation gesagt wird, die Einsetzung der provisorischen Regierung sei nur wegen des dringenden Erfordernisses der Lage und zur Wiederherstellung der Ruhe, sowie des öffentlichen Vertrauens erfolgt, hat dagegen nichts zu bedeuten. Jedenfalls rechnet man in Londoner Handelskreisen heute mit einer Anncktierung Kubas durch die Vereinigten Staaten als einer gegebenen Tatsache und erblickt darin den Todesstoß für den europäischen Handel mit Kuba. Eigentlich hat dadurch nur eine Aufgabe ihre Lösung gefunden, die bei Beendigung des spanischamerikanischen Krieges auf eine günstigere Zeit verschoben wurde. Ein Aufstand auf Kuba war es ja, der diesen veranlaßte. Die Amerikaner stationierten während der Rebellion von 1895 bis 1898 das Kriegsschiff „Maine“ im Hafen von Havanna zum Schutze amerikanischer Interessen, und, als es eines Tages in die Luft flog, sollten die Spanier daran schuld sein. Die amerikanische Presse rief zum Kriege auf, ohne sich zu überlegen, daß sehr wohl auch eine zufällig entstandene Explosion geschehen sein konnte; und wenn dies aus geschlossen gewesen sein sollte, war eher anzunehmen, daß die Insurgenten auf Kuba die Sprengung hervorgerufen hätten, um einen Konflikt zwischen Spanien und Amerika herbeizuführen. Den Verdacht, daß damals hinter den Aufständischen amerikanische Interessenten steckten, durfte man nicht nähren, und wohl mit deshalb unterblieb beim Friedensschluß noch die erwartete Annexion, während sich Onkel Sam keinen Augenblick genierte, die Philippinen einzustecken, obgleich der selige Monroe sich darüber im Grabe umdrehen mochte. Kuba wurde eine unabhängige Republik, von der sich freilich jeder Vernünftige sagen wußte, daß ihre Freiheit nicht lange dauern könne. Es fehlten alle Voraussetzungen für die kubanische Bevölkerung, um sich als selbständische politische Gemeinschaft zu behaupten. Das freie Kuba begann sein jämmerliches Dasein mit einer schweren Schuldenlast, ohne über die Grundlage für eine gedeihliche wirtschaftliche Entwickelung zu verfügen, sowie mit einem übermaßpolitischer und Rassenprobleme, die in irgend einer Weise ihre Lösung finden mußten. Sein Hauptunglück aber bestand in seiner wirtschaftlichen Lage. Geographisch und klimatisch ist es ein Teil der Südstaaten Nordamerikas. Es ist genötigt, mit diesen um die Märkte des Nordens zu konkurrieren, befindet sich dabei aber in jeder Hinsicht im Nachteil. Keine Gegenseitigkeitsmaßnahme, die die Schutzzollpolitik Amerikas ihm zu bieten gestattet, kann diesen übelstand aufheben. Zudem wurden der kubanischen Regierung durch die klugen Männer im Weißen Hause in Washington die Hände für den politischen und finanziellen Verkehr mit europäischen Mächten gebunden. Der Verarmung des Landes nach so vielen Jahren innerer Kriege und nach der völligen Zurückziehung des spanischen Elements konnte nur duich Einführung amerikanischen Kavitals gesteuert werden. Zwei Umstände erschwerten dies, und beide waren innig verknüpft mit den Bedingungen der Unabhängigkeit Kubas als Republik. Zunächst die politische Unsicherheit. Präsidend Palma verdankte seine Stellung der Regierung in Washington, und, da General José Gomez, der gegen ihn unterlag, nebst einigen anderen hervorragenden Bewohnern der Insel den Amerikanern feindlich gesinnt war, konnte es nur noch eine Frage der Zeit sein, wann die Unzufriedenen sich gegen die neue Regierung erheben würden. Von den zahlreichen Parteien Kubas gruppieren sich die einen um die Rassen=. die andern um die Unabhängigkeitsfrage. Viele Anhänger der letzteren verwarfen die von den Vereinigten Staaten gesetzten Bedingungen, vor allem die Abtretung zweier Häfen, wodurch Kuba zwar der Notwendigkeit, eine Marine zu unterhalten, enthoben, seine Selbständigkeit jedoch unterminiert wurde. Die zweite Schwierigkeit besteht im Mangel an Arbeitern. Die fortwährenden Erhebungen während des spanischen Regimentes entwickelten ein ausgedehntes Räuberunwesen, das sich, so lange die Truppen der Vereinigten Staaten die Insel besetzt hielten, nicht betätigen konnte, nach dem Abzuge derselben aber bald wieder in Aktion trat. Unter einer starken Regierung würde beschäftigungslosen Elementen nichts übrig bleiben, als sich für die Unternehmungen amerikanischer Kapitalisten zur Verfügung zu stellen, so versuchen sie durch Plündern und Rauben ihr Dasein zu fristen, wozu in einer so fruchtbaren tropischen Gegend wie Kuba nicht viel gehört. Es ist auch bezeichnend, daß die eigentliche kubanische Bevölkerung wohl gute Rechtsanwälte, Doktoren, Gelehrte, Musiker, Poeten, Redner liefert, aber keine Erfinder, Ingenieure, Hoteliers, wenige Geschäftsleute oder gelernte Arbeiter und keine Verwaltungsbeamten. Der Handel ist in den Händen von Spaniern, Amerikanern, Deutschen oder Engländern. Unter diesen Umständen kann Kuba, nachdem es für die Europäerherrschaft verloren ist, nur noch unter dem Sternenbanner auf eine gedeihliche Entwickelung rechnen. Nur die Sorge um ihr Prestige bei den eifersüchtig über ihre Selbständigkeit wachenden übrigen amerikanischen Republiken veranlaßt die Yankees, den Termin für eine definitive Besitznahme noch zu verschieben. Der Aufstand auf Kuba. C. K. Kudas Präsident. Sennor Tomas Estrada Valma, der bisherige Präsident der kubanischen Republik, hat krank wie er ist, auf sein Amt verzichtet und sich auf sein Landgut zurückgezogen. Ein Charakterbild dieses Mannes, von dem so viel in letzter Zeit die Rede gewesen ist, wird manches zum Verständnis der gegenwärtigen Wirren und Konflikte beitragen. Palma ist das beste Beispiel eines Gelehrten, der noch spät im Leben von seinen Studien fortgerissen und auf die wilden Wogen des politischen Meeres hinausgeschleudert wird, so charakterisiert ihn ein englisches Blatt. Und der alte Mann, der nun seit vier Jahren als Oberhaupt die Geschicke der Republik leitet, konnte nirgendwo anders unruhigere politische Zustände und eine schwierigere Stellung finden als in Kuba. Der Grundton in dem Wesen des Präsidenten ist eine liebenswürdige Freundlichkeit und eine Neigung zu Kompromissen, ein Vermeiden aller bestimmten und gewaltsamen Handlungen. Jahrelang war er das Haupt der kubanischen Revolutionspartei, aber nicht etwa weil er von besonderem Blutdurst und besonderer Wildheit ergriffen war, sondern man hatte den lieben alten Herrn an die Spitze der kubanischen Patrioten gestellt, weil er eigentlich zu keiner Partei gehörte und keine Feinde hatte. Die wütendsten Umstürzler wurden von seiner naiv=gütigen Art und seiner philosophischen Ruhe bezwungen, und sie ehrten in ihm den alten Mann, der bereits ein Führer in den Kämpfen Kubas gewesen war, bevor d. meisten seiner späteren Mitstreiter noch geboren waren, und die auflodernden Zwiste und Streitigkeiten, die das Blut der andern in Wallung versetzten, legte er mit seiner abgeklärten Milde bei. Palma war ursprünglich nicht zum Politiker geboren, und ein großer Teil seines Lebens verfloß in der ruhigen Stille eines kleinen idyllischen Dorfes im Staate New=York, wo er in stiller Behaglichkeit als Schulmeister lebte und mit seinen Arbeiten und seinen Büchern vergnügt sich eine Welt des Gedankens und der Phantasie aufbaute, weit entfernt von! dem rauhen Lärm der Wirklichbeit. Aus dieser Zurückgezogenheit berief man ihn dann in das revolutionäre Komitee, das von New=York aus die kubanische Revolution ins Werk setzte. Als ein wahrer Patriot, der nur das Beste seines Volkes wollte, gab Palma seine bescheidene Stellung auf und nahm auch schließlich die ihm übertragene Leitung des ganzen Unternehmens an. Mau hatte ihn erwählt, weil seine lautere und bescheidene Persönlichkeit allein keinen Widerspruch erregte und keine furchtbaren inneren Kämpfe entfesselte. In New=York wirkte nun Palma an seinem Teil eifrig für die Interessen der Partei, hielt Reden und schrieb Aufsätze, aber die entscheidenden Schritte wurden von anderen getan. Als dann Kuba im Jahre 1902 seine Unabhängigkeit erhielt, wurde Palma zum Präsidenten gewählt; aus demselben Grunde, aus dem man ihn zum Leiter des Komitees gemacht hatte, weil er der einzige Mann war, dessen Wahl keine neue Revolution hervorrief. Aber als Herrscher war der Gelehrte völlig hilflos, und seine Milde war nicht geeignet, die unruhigen Brauseköpfe in Zucht und Ordnung zu halten. Statt der Taten ließ er nur mahnende Worte hören, statt der Strenge wirkte er mit freundlicher Güte, und so wuchsen dem Schulmeister, der seine Kinder mit weisen Lehren und gütiger Nachsicht einst gelenkt hatte, die Wirrnis der politischen Verhältnisse und die erregte Leidenschaft der Volksmassen über den Kopf. Wohl hatte er die besten Absichten, denn er liebt sein Vaterland innig, aber als er die Zügel der Regierung ergriff, war er 67 Jahre, und heute ist er 71. So hat denn der weisheitsvolle Menschenfreund nur Bitternis und Undank geerntet, und wieder einmal ist die Idealität einer reinen Gesinnung an der harten Wirklichkeit gescheitert. E Washington, 30. Sept. Der kubanische Gesandte Gonzalo Quesada hat seine Entlassungerbeten. Er erklärte der provisorischen Regierung, er tue dies nicht aus Groll, sondern er habe es für seine Pflicht gehalten, so zu handeln, um die Politik des Präsidenten Roosevelt gegenüber Kuba zu erleichtern. Staatssekretär Root der seine Reise nach Südamerika beendet hat, ist in Norfolk in Virginia angekommen und kehrt von dort nach Washington zurück. u. Geuf, 30. Sept.[Kongreßfür gesetzlichen Arbeiterschutz.] In der gestrigen dritten Vollversammlung des Kongresses für gesetzlichen Arbeiterschutz wurden die Anträge der Kommission, betr. den Marimalarbeitstaa, beraten. Sombart=Berlin und Jay=Paris befürworteten die Festsetzung eines allgemeinen gesetzlichen Maximalarbeitstages. Die Versammlung faßte in diesem Sinne Beschluß. Ferner wurde beschlossen, daß zum Zwecke der Feststellung der Nützlichkeit internationaler Arbeitsverträge das internationale Arbeitsamt über die Dauer der täglichen Arbeitszeit der erwachsenen Arbeiter und über die Wirkungen der bereits durch Gesetze, Verwaltungsmaßnahmen oder durch private Initiative erzielten Einschränkung des Maximal= arbeitstages Bericht erstatten soll. Die Anträge der Kommission für Heimarbeit, nach denen die internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz die Landessektionen ersuchen soll, von ihren Regierungen gesetzliche Maßnahmen zu verlangen, durch die für die Arbeitgeber näher bezeichnete Verpflichtungen ausgesprochen werden, fanden Annahme, ebenso die Ausdehnung der Gewerbeinspektion, sowie der sozialen Versicherungen auf die Heimarbeiter, sowie die strengste Anwendung der gesundheitlichen Vorschriften und Gesetze auf ungesunde Heimarbeitsräume anstrebenden Anträge derselben Kommission. Ferner wurde ein Antrag angenommen, demzufolge die Bildung von Berufsverbänden und Käuferligen angeregt und gefördert werden soll. Angenommen wurde schließlich auch folgender Antrag der Kommission für Arbeiterversicherung: Die Internationale Vereinigung für gesetzlichen Arbeiterschutz erachtet eine Verständigung der Staaten über die Gleichberechtigung der Ausländer und Inländer bezüglich der Versicherungsleistungen für durchführbar. Sie ladet die Sektionen dazu ein, einen internationalen Vertrag zunächst für die Unfallversicherung unter Durchführung dieses Grundsatzes vorzulegen und ferner durch nationale Gesetze oder internationale Verträge für die Anerkennung dieser Gleichberechtigung zu wirken. Darauf wurde der Kongreß geschlossen. Paris, 1 Okt.(Japanischer Flottenbesuch in Frankreich.! Der„Figaro“ erfährt, daß das japanische Geschwader, das im nächsten Jahre den Weg der Roschdjestwenskischen Flotte in umgekehrter Richtung nehmen und nach England segeln soll, bei dieser Gelegenheit auch einen französischen Kriegshafen besuchen wird. &ame Paris, 30. Sept.[Der wöchentliche Ruhetag.] Auch heute wurden hier von den Angestellten Kundgebungen zugunsten der vollständigen Durchführung des Gesetzes, betr. den wöchentlichen Ruhetag, veranstaltet, die überall ruhig verliefen. D L o u h a u s, 3 0. S e p t.[ K u l t u r k a m p f i n Frankreich.] Ministerpräsident Sarrien hielt bei einem landwirtschaftlichen Bankett eine Rede, in der er auf die Vorteile hinwies, welche das Trennungsgesetz der Kirche biete, Vorteile, die jedoch von dem Klerus verkannt würden, der einem Einfluß gehorche, auf den er nicht näher eingehen wolle. Die Regierung werde aber das Gesetz ohne Bedrückung, aber auch ohne Schwäche anwenden, da sie nicht wolle, daß der Staat sich den gebieterischen Forderungen der Kirche unterwerfe. bh. nom, 1. Okt.[Die Beziehungen des Vatikans zu Deutschland.] Das Organ des Vatikans, die„Vocc della verità“, sucht die französischen Katholiken über die Beziehungen des Vatikans zu Deutschland zu beruhigen. Es bestehe kein Komplott des Vatikans mit Berlin, im Gegenteil habe Papst Pius für den deutschen Kaiser, der trotz der schönen Toleranzerklärungen noch immer die polnischen und elsaß=lothringischen Katholiken verfolge, nur wenig Sympathie. Der heilige Stuhl billige also durchaus den Widerstand der Elsaß=Lothringer gegen die Umtriebe des von germanischem Chauvinismus erfüllten deutschen Zentrums. &am London, 30. Sept.[Der Kriegsminister über die militärische Abrüstung und die Reorganisierung der Armee.]Der Kriegsminister Haldane hielt gestern Abend in Haddington eine Rede, in der er darauf hinwies, daß die militärische Abrüstung nicht weiter fortgesetzt werden dürfe. England könne seine Mittel zur Selbstverteidigung nicht noch mehr beschränken, so lange nicht die übrigen Staaten seinem Beispiele folgten. Wenn England in der Abrüstung fortfahre, würde eine Schwächung seiner diplomatischen Stellung die unausbleibliche Folge sein. Das Volk würde darüber aufgebracht sein, sich erheben und unter Beiseitesetzung jeder Rücksichtnahme größeren Aufwand für die Flotte verlangen. Dieser letztere Zustand wäre schlimmer als der frühere. Das einzige, was man noch tun könne, sei ein vorsichtiges und haushälterisches Vorgehen. Das Volk frage sich auch, wie die liberale Regierung die Reorganisierung der Armee in Angriff nehmen könne, ohne das Volk mit militärischem Geiste zu erfüllen. Eine Begleiterscheinung des Militärismus sei auch die, daß durch die nähere Berührung mit der Armee und die Kriegsvorbereitungen das Volk zur Besonnenheit und Pflichttreue erzogen werde. Unter einem Volk in Waffen verstehe er ein Volk, welches wisse, was ein Krieg bedeutet. Die Armee sei jetzt weit besser, als vor dem südafrikanischen Kriege und unvergleichlich besser als in den trüben Tagen des Krimkrieges. Aber die Aufgabe sei erst angeschnitten, und wenn es ihm vergönnt sein würde, sechs Jahre an ihr zu arbeiten, würde er noch nicht in ihr Herz dringen; das erfordere eine Generation. Deutschland habe fast ein halbes Jahrhundert gebraucht, um seine Armee zu reorganisieren. Als es ihm jüngst durch die Güte des deutschen Kaisers verstattet gewesen sei, Einzelheiten der deutschen Heeresverwaltung kennen zu lernen, welche in der Lage sei, eine ungeheuer viel größere Armee aufzustellen, als England vermöge, und zwar für wenig mehr Geld, als dieses ausgebe, da habe er den deutschen Kriegsminister gefragt: Wie bekommen Sie so viel für so wenig Geld? Die Antwort sei gewesen: Indem wir sorgfältig erwägen, was wir für jeden Pfennig bekommen, den wir ausgeben.— Dies sei ein Grundsatz, den er, Haldane, einführen möchte. Er tue sein bestes in diesem Sinne. So habe er 51 000 Pfd. Sterl. an Fleischkontrakten erspart und die Entscheidung getroffen, die Garnison von St. Helena zurückzuziehen. S London, 30. Sept.[Die Erbschafissteuer in England.] Der englische Finanzminister Mr. Asquith hat ein ungemein fruchtbares Jahr zu verzeichnen, soweit die Erbschaftssteuer in Betracht kommt. Seit dem 1. Januar des Jahres hat er mehr als 20 Millionen Mark durch das Sterben von Millionären eingenommen. Es starben im Jahre 1906 28 Leute, die mehr besaßen als 500000 Pfd. Sterling. Das Durchschnittsvermögen betrug bei diesen 28 reichen Leuten 1097326 Pfd. Sterling. Daß der Reichtum nicht gerade das Leben abkürzt, ist daraus zu ersehen, daß die reichen Leute ein Durchschnittsalter von 72 Jahren erreichten. Mr. Alfred Beit, der zu diesen unfreiwilligen Wohltätern der Staatskasse gehört, war freilich erst 53 Jahre alt, als er starb und Sir James Miller starb bereits mit 40 Jahren. London, 29. Sept.[England und Rußland in Tibet.] Dem„Daily Telegraph“ wird aus Petersburg geschrieben: Der Zar und Könia Eduard werden nächster Tage einen Vertrag über Tibet unterzeichnen, wonach Rußland allen Schutz Tibets aufzugeben hätte. Der Entwurf eines solchen Abkommens ist dem Zaren bereits vorgelegt worden. Der wichtigste Punkt daraus ist der beiderseitige Verzicht auf eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten Tibets. England gibt (angeblich) die Vorteile auf, die es sich durch seinen militärischen Zug nach Lhassa gesichert hatte, während Rußland dem Dalai=Lama keinen Schutz mehr gewährt. Nach Unterzeichnung dieses Vertrages wird die persische Frage erörtert werden. S Helsingborg, 29. Sept.[Antimilitaristische Kundgebung in Schweden.] Als heute Nachmittag eine Abteilung Soldaten hierher zurückkehrte, fanden sich einige Anhänger der jungsozialistischen Partei mit Fahnen auf dem Bahnhof ein. Eine Fahne trug die Inschrift: Weg mit dem Militarismus, Krieg ist Brudermord. Beim Abmarsch vom Bahnhofe entfalteten die Demonstranten die Fahne. Die Polizei schritt ein und bemächtigte sich der Fahne. Es entstand ein Handgemenge, wobei die Polizei von der blanken Waffe Gebrauch machte. Drei Personen wurden verwundet, darunter zwei schwer, eine Person wurde verhaftet. E Schanghei, 30. Sept.[Unzufriedenheit der indischen Polizei.] Seit kurzem herrscht unter der städtischen Polizei, die aus indischen Sikhs besteht, große Unzufriedenheit. Am 29. September um Mitternacht weigerten sich infolgedessen etwa 80 Silhs, in den Straßen Dienst zu tun und drebten damit, Unruhen hervorzurufen. Man nahm seine Zuflucht zu den europäischen Freiwilligen. Die Sikhs ließen sich, ohne Widerstand zu leisten, entwaffnen und wurden in einer Kaserne konsigniert. Die Unzufriedenheit der indischen Polizei hat um so ernstere Bedeutung, als kürzlich vom Gemeinderat beschlossen worden ist, die Zahl der Sicherheitspolizisten im Hinblick auf die Möglichkeit chinesischer Revolten zu vermehren. 2 AEE SAN-ETEETE aleeee HHH Zu verkaufen. Haus Turmstraße 6, wegen seiner schönen Lage zum Umbau eines Privathauses geeignet, zu verk. Näh. Elisabethst. 29. Nähe Wehrhahn schönes modernes dreistöck. rentabl. Haus mit Gärtchen sofort zu verkaufen. Käufer bewohnt 4 Zimmer 1. Er. frei I. Wilh. 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Nunmehr hieß der Herr erste Beigeordnete Grillo den neuen Bürgermeister im Namen der Gemeinde herzlichst willkommen. Hierauf nahm der Gefeierte das Wort. Redner dankte an erster Stelle dem Herrn Landrat für das ihm geschenkte Wohlwollen. Bei der Bewerbung um seine jetzige Stelle sei ihm seitens des Herrn Landrates eine wohlwollende Unterstützung zuteil geworden. Diesen Dank glaube er am besten dadurch betätigen zu können, daß er sich bemühen werde, seine Zufriedenheit und die Zufriedenheit der Staatsregierung, die ihn auch an diesen Platz gestellt habe, durch treue Pflichterfüllung zu erwerben und dauernd zu erhalten. Dann dankte er aber auch den Herren Beigeordneten, Gemeinderatsmitgliedern und Bürgern für das große Vertrauen, das sie ihm s. Zt. durch den wiederholten einstimmigen Vorschlag seiner Person für die hiesige Bürgermeisterstelle entgegengebracht haben. Er würde sich bemühen, sich dieses Vertrauens auch würdig zu zeigen. Als Richtschnur seiner Amtsführung würden das Wohl der Gemeinde und die Interessen der Staatsregierung gelten. Weiter erwähnte er mit Hochachtung den verstorbenen Herrn Bürgermeister Bender und sprach auch den Herren Beigeordneten Grillo und Alsing, dem früheren Gemeindevorsteher Herrn Wencker und den Herren Regierungsreferendaren Dr. von Weiler und von Helldorff für die rührige Tätigkeit seinen Tank aus. Er betonte besonders, daß er bei seinem Dienstantritte gesunde und geordnete Verhältnisse vorgefunden hätte. Es würde aber auch sein Bestreben sein, diese dauernd zu erhalten. Zum Schluß brachte er ein Hoch auf die Gemeinde aus. Herr Sanitätsrat Dr. Peretti fcierte in humorvoller Weise die Familie, sowie die zukünftige Frau des neuen Bürgermeisters. Der frühere Gemeindevorsteher Herr Wencker dankte dem Herrn Landrat für das der Gemeinde Ludenberg zu jeder Zeit entgegengebrachte Vertrauen. Jetzt nahm Herr Landrat von Beckerath nochmals das Wort und erwähnte, daß ihm besonders die Gemeinde Ludenberg am Herzen liege. Den Gemeinderatssitzungen von Ludenberg habe er gerne beigewohnt und mit Freuden gesehen, welch' vorwärtsstrebender Geist die Gemeinde vertretung bescelt. Er ließ hierauf die Herren Beige ordneten, den Herrn Wencher und die Gemeindevertretung hoch leben. Nach Beendigung des vorzüglich zubereiteten Mahles stieg noch manches Lied und noch manche Flasche wurde auf das Wohl des neuen Bürgermeisters geleert. Erst in den frühen Morgenstunden kehrten die Festgäste nach Hause. □ Wersten, 1. Okt.[Stiftungsfest des Krieger= und Landwehrvereins.] Gestern feierte der hiesige Krieger= und Landwehrverein sein 11. Stiftungsfest. Nachdem am Vorabende Böllerdonner und Zapfenstreich das nahe Fest verkündet hatten, begann der Festtag mit großem„Wecken". Gegen 9 Uhr versammelten sich die Kameraden und zogen unter Vorantritt des Tambourkorps des Vereins und einer Musikkapelle zum Festgottesdienst, worauf ein Parademarsch vor dem Gotteshause stattfand. Die eigentliche Feier begann mit dem Festzuge, welcher, durch zahlreich herbeigeeilte kameradschaftliche Vereine verstärkt, einen imposanten Eindruck machte. Anschließend hieran nahm Herr Oberstleutnant BeckhausDüsseldorf Paradeaufstellung und Parademarsch ab. Das weitere Festprogramm wies in schöner Abwechselung Musikstücke, Sologesangvorträge, Gedichte und Lieder des Männer=Gesangvereins„Liederkranz"= Wersten auf, welche alle ungeteilten Beifall fanden. Nachdem Kamerad Lehrer Küster die Anwesenden, besonders die Ehrengäste, unter denen man neben dem Herrn Oberstleutnant den Herrn Landrat von Beckerath, Herrn Regierungsreferendar von Monbart, die Geistlichkeit, Herrn Th. Groll sen. erblickte, begrüßt hatte, hielt Herr Oberstleutnant Beckhaus die Festrede, in kernigen Worten das Wesen der Kriegervereine und das Intcresse, welches Se. Majestät an denselben nimmt, schildernd. Er schloß mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den obersten Kriegsherrn. Von den weiteren Reden erwähnen wir die des Ehrenvorsitzenden des Vereins Herrn Th. Groll sen.=Düsseldorf, welcher den Damen in humorvoller Weise auf„urdüsseldorfer Platt“ ein selten schönes Lobling sang, und die Rede aufs Vaterland, gehalten von Herrn Professor Klein. Im Namen der erschienenen Ehrengäste dankte Herr Landrat von Beckerath für den schönen Empfang und die ihnen bereiteten gemütlichen Stunden. Ein flotter Festball hielt nach Beendigung des Konzertes Gäste und Mitglieder des Vereins noch recht lange zusammen. :: Benrath, 1. Okt.[Bürgermeisterei versammlung.] Eine Bürgermeisterei=Versammlung ist auf Dienstag, den 9. Oktober, nachmittags 6 Uhr, im Rathause zu Benrath anberaumt. Die Tagesordnung sieht folgende Punkte vor: Geschäftliche Mitteilungen; Verkauf des alten Rathauses, bezw. Auflösung des Kaufvertrages mit dem Konkursverwalter über das Vermögen des Karl Pritschau; Beitritt zum Hilfsverein für Geisteskranke in der Rheinprovinz; ferner kommen verschiedene Gesuche von Beamten und einige Wahlen zur Erledigung. G Ratingen, 1. Okt.[Verschiedenes.] Die hiesige Gendarmerie nahm einen von Trier kommenden stellenlosen Kaufmann fest, der, während er um Almosen vorsprach, gleichzeitig alles das, was ihm begehrlich und geeignet schien, zu entwenden suchte. So eignete er sich in einer hiesigen Wirtschaft eine Kiste Zigarren an. Mehrere derartige Diebstähle sind dem sauberen Herrn bereits nachgewiesen.— Der Zitberverein„Almrausch" veranstaltet am 16. Oktober er. im Lokale von Hagmann einen Solo=Konzert=Abend. Als Solist wird u. a. der Zithervirtuose und Komponist Drechsel aus Nürnberg mitwirken. = Kettwig, 1. Okt.[Jubiläum.] Heute feierte Herr Lehrer Scharrenberg von hier sein 25jähriges Jubiläum als Lehrer in hiesiger Stadt. Vormittags fanden sich die Kollegen, sowie der Schulvorstand und Herr Bürgermeister Bleymüller in der Wohnung des Jubilars ein, um ihm für seine treue Pflichterfüllung zu danken und ihm ihre Geschenke zu überreichen. Am vergangenen Samstag hatte der hiesige Turnverein die Verdienste seines langjährigen ersten Vorsitzenden und Dirigenten der Gesangabteilung durch einen Fackelzug und ein Ständchen geehrt und ihm in sinniger Weise ein Bild überreicht, welche Feier in einem zahlreich besuchten Festkommers in der Stadthalle am Luftigen ihren würdigen und schönen Abschluß fand. Kettwig v. d. Brücke, 1. Okt.[RekrutenAbschiedsfest.] Der hiesige Turnverein feierte vorgestern Abend im Lokale des Wirtes Gustav ten Eicken sein diesjähriges Rekruten=Abschiedsfest. Eine Reihe hübscher Musikstücke, turnerische Aufführungen, ein passender Schwank und der nachfolgende Ball hielten die Mitglieder und deren Angehörige bis zur vorgerückten Stunde in gemütlicher Stimmung zusammen.— Gestern Abend feierte der Männer=Gesangverein„Sangeslust“ zu Ehren seiner zum Militär eintretenden Mitglieder in demselben Lokale durch Tanz, Gesang und andere Vorträge ein Rekruten=Abschiedsfest. Auch hier verlief die Feier in schönster Weise. J. Kettwig, 1. Okt.[Abgestürzt.] Heute Nachmittag stürzte von dem neuerbauten Schornstein der Klein=Schlatterschen Fabrik ein Arbeiter, der schwer verletzt in ein hiesiges Krankenhaus gebracht wurde. m Neuß, 1. Okt.[Kaiserliche Auszeichnung.] Dem Vorsteher der hiesigen Alexianerbrüder Peter Kaiser wurde vom Kaiser wegen seiner hervorragenden Verdienste um die Kranken= und Irrenpflege ein silbernes Kruzifix geschenkt. Es wurde ihm gestern von dem Landrat von der Leyen in Anwesenheit des Bürgermeisters Gielen überreicht. &am Neuß, 1. Okt.[Franz Hofstadt f.] Morgen verschied im Karmelitessen=Kloster zu Düssel dorf, wo er sich einer Operation unterzogen hatte, Herr Franz Hofstadt im Alter von 69 Jahren. Der Verstorbene hat u. a. den Neußer Reiterverein mit gegründet und war seit dessen Bestehen sein erster Vorsitzender; dann ist er längere Jahre als Präsident der Handelskammer, als Stadtverordneter und als Vorsitzender und Mitglied der meisten hiesigen gemein nützigen Vereine tätig gewesen. Er war Ritter des Eisernen Kreuzes 2. Klasse und des Roten Adlerordens 4. Klasse. &m Neuß, 1. Okt.[Verschiedenes.] Der unter Leitung des Musikdirektors M. Müller(M.-Gladbach) stehende Männergesangverein„Cäcilia" feierte gestern sein 35. Stiftungsfest. Aus diesem Anlasse fand vormittags im Hotel Pelzer ein Festakt statt, an dem mehrere andere hiesige Männergesangvereine und Deputationen auswärtiger Vereine teilnahmen. Der erste Vorsitzende, Herr Chr. E. Harst, gab einen überblick über die Entwickelung des Jubelvereins und brachte auf dessen weiteres Gedeihen ein Hoch aus. Es folgten dann Lieder der hiesigen Vereine und Glückwünsche der auswärtigen Abordnungen. Abends hatte die„Cäcilia" ebenfalls im Pelzerschen Saale ein großes Festkonzert veranstaltet, welches sich eines sehr starken Besuches zu erfreuen hatte. Außer dem festgebenden Verein beteiligten sich an den Vorträgen die Männergesangvereine „Lätitia"=Elberfeld,„Liedertafel"=M.=Gladbach und „Sängervereinigung"=Krefeld. Das Orchester stellte die ürdinger städtische Kapelle. Das Konzert nahm einen in jeder Beziehung vorzüglichen Verlauf. Später fand Festball statt.— In der gestrigen Monatsversammlung des Geflügelzuchtvereins„Fauna" wurde beschlossen, die nächste Ausstellung vom 31. Januar bis 2. Februar nächsten Jahres im Hotel Berghaus abzuhalten. Für Hühner soll die Ausstellung zwei Abteilungen aufweisen, eine für größere Stämme und eine für einzelne Tiere; es wird auch eine Eiersammlung ausgestellt werden. Die Prämiierung soll nach Klassen geschehen. Als Preisrichter sind gewonnen Triloff=Duisburg, Ledowsquet=Boppard und Ruthmann=Rheydt. Mit der Ausstellung wird eine Verlosung verbunden sein.— Der mit der kommissarischen Verwaltung des Kreises Neuß beauftragte Regierungs=Assessor Dr. von Brandt hat mit dem heutigen Tage die Amtsgeschäfte übernommen. Landrat a. D. Freiherr von der Leyen verabschiedet sich in den hiesigen Blättern von den Kreiseingesessenen. = Osterath, 30. Sept.[Stiftungsfest.] Der Osterather Turnverein feierte am heutigen Sonntage sein 14. Stiftungsfest, verbunden mit Rekrutenabschied und Vereinswettturnen. Der vollbesetzte Saal war der beste Beweis, daß sich dieser Verein großer Beliebtheit erfreut. Die Leistungen der Turner waren vortrefflich und fanden großen Beifall. Zehn Herren wurden prämiiert. Stadttheater. Eröffnungs=Vorstellung der Opernsaison: „Die Meistersinger.“ 65 Düsseldorf, den 30. Sept. 1906. Nachdem der umfassende, einer vollständigen Erneuerung gleichkommende Umbau des Bühnenhauses. sowie die gleichzeitige Tieferlegung des Orchesterraumes glücklich zum festgelegten Termine beendigt wurden, begann heute die dieswinterliche Spielzeit der städtischen Oper mit einer sehr beifällig ausgenommenen Vorstellung der„Meistersinger" von Richard Wagner vor ausverkauftem Hause. Gerade dieses Werk bot erwünschte Gelegenheit genug, um die neu geschaffenen, allen modernen Anforderungen der Technik(vielleicht mit einziger Ausnahme der nicht angebrachten, übrigens auch noch entbehrlichen Drehbarkeit der Bühne) entsprechenden Bühneneinrichtungen zu erproben und die neuerworbenen Kräfte dem Publikum in bedeutenden Rollen vorzustellen. Gerade diese Oper aber eignete sich andererseits wiederum wenig zur Eröffnung der Saison an einer Bühne wie der unsrigen. zumal nach sechsmonatlichen Ferien, weil sie ein enges Sichanpassen der verschiedenen Darsteller an einander, ein geschlossenes Zusammenspiel erfordert und nach dieser Seite hin ungewöhnlich hohe Anforderungen an die Ausführenden stellt. Es blieb also unter allen Umständen ein gewagtes Unternehmen, die geniale Beckmesser=Komödie zur Einführung eines neuen Ensembles zu wählen. Und dies bewies auch die heutige Vorstellung trotz ihres im großen und ganzen interessanten Verlaufes. Sowohl die grandiose Prügelszene, wie vor allem das letzte große Finale wurden hier schon geschlossener, großzügiger, schwungvoller geboten. Im Finale versagte obendrein das Orchester stellenweise recht auffällig, verlor die Instrumentalpartie jeden Glanz, jede Farbe, ein Umstand, der wohl— wie wir hoffen— nur auf die den Künstlern noch ungewohnten örtlichen Verhältnisse des etwas engen Orchesterraumes und eine damit bedingte vorzeitige Ermüdung der Kräfte zurückzuführen ist. Die Chorleistungen verrieten im übrigen ein sehr eingehendes, erfolgreiches Studium. Günstig fiel das Debüt des neuen Opernregisseurs werrn Jacques Goldberg aus, dessen ordnende Hand nach verschiedenen Richtungen hin verbessernd auf das Bühnenbild und die szenische Darstellung gewirkt hatte. So war die Kirchenszene zu Anfang der Oper entschieden vorteilhafter arrangiert worden wie früher und nahm sich die Szenerie des zweiten Aufzuges mit dem lichteren, weiteren Fernblick besonders gut aus. Leider zeigte sich die Beleuchtung noch nicht immer auf der Höhe moderner Technik, und bildete der blühende Flieder über Hans Sachsens Tür einen etwas zu kühnen Kontrast zu der herbstlichen Natur, die am Johannistage in Alt=Nürnberg eingebrochen war— und vom Hintergrunde der Bühne aus„ihre goldigen Reflexe“ in die Szene warf. Die Besetzung der Oper hatte mancherlei Veränderung erfahren. Derr Hans Neuvauer brachte für die Partie des freigeistigen„Walter Stolzing" zunächst nur eine stattliche Erscheinung und bildungsfähige Stimmittel mit. Das Spiel war jedoch geradezu dilettantisch unbeholfen, ohne jede Frische und Wärme, wobei obendrein das Mienenspiel nicht die geringste Anteilnahme verriet, während die Gesangsweise ebenfalls noch einer Verfeinerung bedurfte. Weit besser fand sich Herr Alfons Schützendorf mit der Prachtfigur des„Hans Sachs“ ab. In der Behaudlung der Gesangsweise noch etwas unsicher, charakterisierte der strebsame Künstler im Spiele bereits sehr anschaulich, fand für den Humor des jovialen Volkspoeten einen entsprechenden Ausdruck und bewegte sich dabei nicht ohne bürgerliches Selbstbewußtsein unter den Meistern der Singschule. Der„Pogner“ des Herrn Heinrich Gärtner war wieder die bekannte, sympathische Erscheinung, eine hier längst voll und ganz anerkannte Leistung. Neu war Herr Rich. Höttges als„Kothner". Der stimmbegabte Sänger verstand es, durch sein(nur etwas sehr lebhaftes) Spiel und seine ansprechende Vortragsweise das Publikum rasch für sich zu interessieren; jedenfalls darf man weitere schöne Darbietungen von diesem neuen Mitgliede des diesjährigen Ensembles erwarten. Gut gab wieder„unser David“. Herr Anton PassyCornet, den Lehrbuben Sachsens, während Herr Ernst Winter den„Sixtus Beckmesser“ schon einheitlicher, konsequenter charakterisiert darstellte, wie heute. Als„Eva“ trat erstmals Fräulein Hedwig Weingarten vor das Publikum. Erscheinung und Stimme nahmen bedingungslos für die Künstlerin ein; auch ihr musikalischer Vortrag gefiel ungemein— nur war das, was sie bot, keine Meistersingerstochter. Dazu fehlten Naivetät des Auftretens, frisches ungezwungenes Spiel und eine auch im Gebärdenspiel ausgedrückte innigere Anteilnahme am Verlauf der Handlung. Möglich, daß Fräulein Weingarten beispielsweise eine ausgezeichnete Elisabeth kreieren wird, aber eine gute „Eva“ dürfte sie kaum jemals werden. Frau Anna Kettner hatte mit bekanntem Geschick wieder die Partie der„Magdalena" übernommen. Herr Kapellmeister Fröhlich dirigierte mit der an ihm gewohnten Energie, nur ging er stellenweise (schon im Vorspiele) etwas sehr eifrig ans Werk. Das Orchester klang unter seiner Führung aus der Vertiefung heraus im allgemeinen recht gut. Dennoch konnten die Streicher im Piano mehr Schmelz, im Forte mehr Kraft entfalten, während das Blech noch zu offen, zu unfein wirkte, auch mitunter die Holzbläser und Geiger zu sehr deckte; Mängel, die zweifellos durch eine geänderte Sitzordnung noch mühelos gehoben werden können. Daß die Vorstellung eine begeisterte Aufnahme vor ausverkauftem Hause fand, haben wir schon berichtet. Nun möchten wir noch mit der Bitte an die Theater leitung gelangen, den Schlußder Vorstellung. im Interesse der die Besucher der Vorstellung Ab holenden, zukünftig auf dem Theaterprogramm genauer anzugeben, wie früher und auch heute. Der Kapellmeister kann genau die Dauer eines jeden Aktes bestimmen, und es wußte Herr Fröhlich auch heute im voraus, daß die Vorstellung nicht vor 12 Uhr(anstatt wie notiert 11½ Uhr) beendet sein konnte. Bei ihm wären also jedenfalls mühelos genaue Informationen behufs Mitteilung an das Publikum zu holen gewesen. Viel Mißstimmung kann auf diese Weise beseitigt werden. Das neue Theaterprogramm selbst fand in seiner Handlichkeit und hübschen Ausstattung ungeteilten Beifall. haben Sie schon ein Metzer Domban=Los? sonst bitte beeilen Sie sich! Die Lose dieser äußerst günstigen Geld=Lotterie sind für 2 Ziehungen gültig, von denen die erste bereits am 9. und 10. Oktober und die Hauptziehung am 30. und 31 Oktober stattfindet. Jedes in der ersten Ziebung nicht gezogene Los nimmt ohne Nachzahlung an der zweiten Ziebung teil. An Haupttreffern bietet diese Lotterie 100000 M., 30000 M., 20000 M., 10000 M. 2c., im ganzen 10705 Geldgewinne im Betrage von 337800 Mk. Ganze Metzer Lose à 5 Mk., halbe Lose à 2.50 Mk.(Porto und Liste für 2 Ziehungen bei Versandt 50 Pfg. extra) empfiehlt und versendet F. G. Menne, Kommunikationstraße 5, Lotterie=Haupt=Kollekte, bekannt durch bedeutende Gewinn=Erfolge. b2215r Farailien-Nackrichtes. Staats Sisenbahner Die glückliche Geburt eines gosunden Knaben neigen an seht!7 Reg.-Rat Pohle und Frau, geb. v. Loewe. Düsseldorf, 27 Sept. 06. 5 5 Gesangverein amp; ∆ Unserem allverehrten und tüchtigen Dirigenten, Herrn Wilhelm Pallast, sowie seiner lieben Braut zur heatigen Vermäblung die herzl. Gläckwünsche! * Die Mitglieder des Vereins. Stait besord. Anzeige. # Dieglückliche Geburt eines kräftigen„ Mädchens zeigen hocherfreut an H. Arens u. Frau, 2 Caecilie, geb. Müller. Düsseldorf, 30 Sept.06. Todes-Anzeige. Die glückliche Geburt eines prüchtigen 276 Mädchens zeigen hocherfreut an Paul Keinjung und Frau, Berta, geb. Bechler. Düsseldorf, Elieabethstr. 89. Hagen, den 29. Sept. 1906. Samstag Abend 8 Uhr wurde uns unser innigstgeliebtes, einziges Töch#terchen, unser teures 2 Schwesterchen Lotti, im zarten Alter von 2¼ Jahren, durch den Tod entrissen. Die tiefbetrübten Eltern und Geschwister. Pamilie K. Cronenberg. Die Beerdigung findet Dienstag, 2.Sept., nachm. 1 Uhr, vom Trauerhause Mülheimerst 33aus,statt Freitag nachmittag verschied nach langem schwerem Leiden unser lieber 1. Vorsitzender, Herr Heinr. Classen. Sein grosses Interesse für unseren Verein und sein biederer Charakter erwarben ihm bei uns grosse Anhänglichkeit. Wir werdon dem teuern Verstorbenen ein treues Andenken bewahren. Düsseldorf, den 30. September 1906. Die Mitglieder der Lotterle-Gesellschaft „Gute Hoffnung“. Die Beerdigung findet Dienstag Nachmittag 3 Uhr vom Trauerhause Kölnerstrasse 219 aus, statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet * der Vorstand. Gott dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Sonntag den 30. September, nachmittags 3 Uhr, unsern innigstgeliebten Sohn, Bruder, Neffen und Vetter im Alter von 15¼ Jahren, nach langem, mit grösster Geduld ertragenem Leiden zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten die trauernden Hinterbliebenen: Louis Pass und Frau, Johanna, geb. Stinnes, Louis Pass Jr. Olge Pass, Alma Pass. Düsseldorf, den 30. September 1906. Die Beerdigung findet am Dienstag den 2. Oktober er., nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause Kurfüreienstrasse 62 aus statt, wozu Freunde und Bekannte, denen aus Verschen keine besondere Einladung zugegangen sein sollte, hierdurch freundlichst eingeladen werden. 9 1 B ! Gott dem. Allmächtigen bat es gefallen, unser einziges, inniggeliebtes Töchterchen ohauna, nach kurzem schweren Leiden, im Alter von 8 Jahren 2 Monaten, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Die tiefbetrübten Eltern: Oswald Pietsch u. Frau. Die Beerdigung findet Mittwoch den 3.Oktober, vom Sterbehause Ankerstraße 97 aus, statt. TIE Danksagung. Allen Freunden und Bekannten meines verstorbenen Gatten, besonders dem M.-G.-V. „Pempelforter Sängerkreis“, sowie den Beamten des Zoologischen Gartens sage ich für die rege Teilnahme und für die vielen Kransspenden meinen tiefgefühlten Dank. a9953 Familie Witwe Eduard Deussen. h ca. 100 Stück, gut. Künstler, in nochf. Goldrahm., umstb.spottbillig von 6 Mk. an zu verk. Bismarckstraße 43, II., Tor. ###### MäntolI Wwe. 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RO99(in Posten von 5000 kg) 68.00 B., Okt. 68.50 B., 68,00 G. Frechtmarkt. Ileu 5,60-6.50, Maschinenstroh (Roggen) 4.40, Richtstroh(Flegeldrusch) 5.50, Krummstroh 3,50 Mk. Berlin. 1. Okt. Frechtmarkt. Weizen: Okt. 177.25, Dez. 179,00, Mai 184 25 Mk. Roggen: Okt. 160.75, Dez. 162.75. Mai 166.50 Mk. llafer: Okt. 154,50, Dez. 156.50, Mai 161.00 Mk. Mais: Ok. 126,00, Dez. 128.00 Mk. Rüböl: Okt. 63,00, Dez. 64,10, Mai 61.80 Mark. Wenngleich keine sonderliche Anresuug vom Auslande vorlag, und Russland weitere verstärkte Ausfuhren, namentlich von Roggen, meldet, hat sich im Gegensatz zu vorgestern hier eine recht feste Stimmung für Weizen und Roggen bekundet. Die Preise hoben sich merklich. Hafer hat an Beachtung kaum zugenommen. Greifbares Getreide wurde nicht reichlicher angeboten, aber auch die Nachfrage blieb ziemlich zurückhaltend. Rüböl ist durch Realisierungen bei nicht unbedeutender Andienung im Preise etwas gedrückt worden. Bremen, 1. Okt. Schmalz stetig, Tubs und Firkins 46 ¾ Doppeleimer 47½.— Baumwolle steigend, Upland middl. 54½. Hamburg, 1. Okt Kaffee stetig, Okt. 37½, Dez. 37½, März 38, Mai 38¼ G. Rohzucker ruhig, Okt. 19,10, Nov. 18,85, Dez. 18,90, März 19,25, Mai 19.45. Aug. 19.70 G Hamburg, 1. Okt. Gold in Barren: pro Kilogramm 2790 Br., 2784 G. Silber in Barren: pro Kilogramm 93.75 Br., 93,25 G. Magdeburg, 1. Okt. Kornzucker 88 Proz. 9,15-9,22½, 75 Proz. 7,60-7,80, ruhiger. Rohzucker zur Durchfahrt bordfrei Hamburg: Okt. 19,25 Br., 19,15 G., 19,25 bez., Nov. 19,00 Br., 18,90 G., 00,00 bes., Dez. 19.10 Br., 19,00 G., 00.00 bez., Jan.März 19,25 Br., 19.90 G., 00.00 bez., Mai 19,50 Br., 19,45 G., 19.50 bez., Aug. 19,80 Br., 19.70 G., 200,00 bez., schwach. Brotraffinaden Ia. 16.75, Kristallzucker la. 00,00, gemahlene Raffin. 19,25, gemahl. Melis 18,75, bei Posten aus erster Hand, ruhig. Amsterdam. 1. Okt. Leinöl behauptet, loco 24¼¼, Nov. O6. Nov.-Dez. 20½, Jan.-Mai 20%, Juni-Ang. 20%.— Kaffee 35. Bankazinn 118½. Antwerpen, 1. Okt. Petroleum behauptet, 19½. Okt.Dez. 20, Jan. April 20¼. Weizen, Roggen, Hafer, Gerste und Mais behauptet. Deutscher La Plata-Kammsug behauptet,(Vertrag B.) Okt. 5,62½. Dez. 5.42½. Paris, 1. Ont. Rohzucker 88 Prozent. 24¼-24½. ruhig. Weisser Zucker, Nr. s. pro 100 kg: Okt. 29½, Nov. 29¼, Dez.Jan. 29%, Jan.-April 30%, behauptet. Rüböl: Okt. 70¼, Nov. 70%, Nov.-Dez. 70%, Jan.-April 71, bebauptet. Spiritus: Okt. 43¼, Nov. 43, Jan.-April 44, Mai-Aug. 45. ruhig. Havre. Ok. Sept. Kaffee kaum stetig, Okt. 46½. Des. 46½, März 46 ¾. Mai 47. London, 1. Okt. Kupfer g. H. 93 Lstr. 5 ch 0 d.— 7inn Straite 195 Lstr. 5 sh o d.— Blei span. 18 Lstr. 15 ch 0 fl.— Zink gewöhnl. Marken 27 Lstr. 15 ch o d. Glasgaw, 1. Okt. Roheisen fest. Niddlesbrough verrants per Kassa: 54 sh 6 d. Liverpool, 1. Okt. Anfang. Weizen, Dez. 6 ch 5% d. März 6 ah 6% d. fest. Mais, Dez. 4 ch 6½ d. Jan. 4 an 1½ d. ruhig.— Schlass. Weizen, Dez. 6 ch 6½ d., März 6 ch 6¾ d stetig. Mais. Dez. 4 ch 6% d. Jan. 4 an 1% d. ruhig. Liverpool, 1. Okt. Baumwolle. Mittel. Cmsatz 5000 Pallen, davon für Spekulationen und Export 600 Ballen. Tendeuz fest. Middl. loco 5,77. Okt. 5,31. Okt.-Nov. 5.24, Nov.-Dez. 5.22, Dez.-Jan. 5.28, Jan.-Febr. 5,24, Febr.-März 5.26, März-April 5.e9, April-Mai 5.20, Mai-Juni 5,31. Juni-Juli 5.32 d. 5.#et. Umeatz 7000 Ballen. Tendenz für Amerikaner fest. Okt. 9.39, Okt.-Nov. 5,38, Nov.-Deg. 5,80, Dez.-Jan. 5,31. Jan.-Febr. 5.32. Febr.-März 5.34, März-April 5,36, April-Mai 5,38, MaiJuni 5.40, Juni-Juli 5,41 d. New-Tork, 1. Okt. Aufang. Kaffee kaum stetig. Schwankungen 5—15 Punkte niedriger. Umsatz 5000 Sack.— Weizen: Dez. 83¼. fest. Baumwolle: Dez. 9,71, Jan. 9,80, März 10,02. Mai 1c,15, fest.— Mittel. Weizen, Dez. 83%, fest. Baumwolle: Dez. 9.74, Jan. 9,84, stramm. Chleage, 1. Okt. Anfang. Weizen, Dez. 75%. Mais. Dez. 43½. Hafer, Dez. 34½. Schmalz, Jan. 7.87 Pork, Jan. 13.40. — Mittel. Weizen, Dez. 76¼. Mais, Dez. 43%. Hafer, Dez. 34%. Schmalz, Jan. 7,85. Pork, Jan. 13.40 Viehmärkte. Neuse, 1. Okt.(Viehmarkt.) Auf dem heutigen Fettriehmarkte waren 90 Kühe aufgetrieben. Die Preise stellten sich für erste Qualität auf 76—79, zweite auf 73—76, dritte auf 71—73 Mark. Alles für 50 Kilo Schlachtgewicht. Es blieb etwas Ueberstand. Köln, 1. Okt. ISchlachtviehmarkt.] Auftrieb: 639 Ochsen, darunter 373 Weideochsen, 502 Kalben(Färsen), Kühe und Jungrinder, darnnter 70 Weidcküle, 47 Bullen, 186 Kälbe., 49 Schaft, 2947 Schweine. Bezahlt für 50 kg Schlachtgewicht: Ochsen: a) 92—94, b) 88—90, c 80—84, d) 72—74 Mk.: Kalben (Färsen) und Kühe: a) 00. b) 80—84, c) 74—76. o) 68-72 Mk. Bullen:a) 00- 83, b) 79—81, c) 70—75, d) 00—00 Mk.; Weidercbsen 74—84 Mk., Weidesühe 72—80 Mk.; Kälbar: a) 102(Doppellender bis 114 Mk), k) 90—55. c) 70—80 Mx. Sehafa: a1 00 88, c) 81 bis 86, 00 un Bik(ostfries. Ware 00 00 Mk.); Selweine: a) 75 (vorgezeichnete teilweise 1 Mk. mehr), u) 73—74. c) 68-71 M.. Grossvieh, bestes Stallrich knaup und sehr gesucht; geringeres, sowie Weidetiere lanrs m. kaum geräumt. Kälber und Schafe ruhig und geräumt. Schweine lebhaft, geräumt. Elberfeld, 1. Okt.[Vienmarkt.) Bericht der amtlichen Notierunge-Kommisoion am Schlachtviehmarkte. Zugetrieben waren: 568 Stück Grossvich, einschl. co Dänen, 00 Oesterreicher, 1227 Schweine. 206 Kälber, 2 lebende und 166 geschlacht:e Schaio: Es kosteten: Ochsen: a) 77—78, silddeutsche bis 0 Mk. höher, b) 73—75 c) 69—71 Mk.; Bullen: a) 00—00. b) 72—75, c) 67—70 Mk; Rinde- und Kühe: a) 75—76. b) 72—75. c) 64 bis 60 Mk, d) Weidevieh aller Gattungen bis 0 Mk. niedriger; Ausländisches Grossvieh der vorigen Woche: a) dünischer Herkunft. Ochsen 00 00, Bullen 00—.09, Kühe 00 00 Mk., b) öder reichis her Herkunft Ochsen 00—00, Bullen 00—00, Kühe 00—00 Mark. Schweine: a) 75 76. b) 73—74. c) 70—72, d) 65—70, 00—00 Mk; Külber:(pro 50 kg Schlachtgewicht, a) Doppellender 00, b) 102—105, c) 95—98, d) 00—00 Mk.(pro 50 kg Lebendgewicht) a) 00—.00, b) 64—65. c) 61—63. d) 00—00 M.; Schafe: pro 50 kg a) 00—75, b) 68—70 Mk. Tendonz des Marktes: sehr ruhig. Schilfahrts-Nachrichten. Düsseldorfer Hafon. Angekommen am 1. Okt.: Schlk.„Walchem“, Schiffer van Maasen, von Rotterdam. Schlk. „Adriana“, Schiffer Akkermanns, von Rotterdam. Schlk.„Sitskelina“, Schiffer de Vries, von Rotterdam. Schik.„Elisabeth“, Schiffer Kühnle, von Mannheim. Schlk.„Niederrhein 5, Schiffer Kierdorf, von Rotterdam. Schik.„Les Trois freres“, Schiffer de Haas, von Rotterdam. Schlk. Mathilde“, Schiffer Ferschüren, von Rotterdam. Seedampfer„Venus“, Kpt. Stumm, v. Buhrort. Dampfer„Concordia“. Kpt. Ducoffre, von Köln. Dampfer„Helvetin 4-, Kpt. Arwarder, von Rotterdam. Schlk.„Die Oder“, Schiffer Stange, von Rotterdam. Dampfer„Egan 22“, Kpt. Schellenberg, von Rotterdam. Dampfer„Egan 3“, Kpt. Hegemanns, von Mannheim. Schlk.-Gertrudis“, Schiffer Langerwerf, von Rotterdam. Schlk.„Maria Cäcilia“, Schiffer Gerling, von Frankfurt. Schlk.„Maria Rosa“, Schiffer Fay, von Karlsruhe. Schlk.„Hendrika“. Schiffer Baumann, von Rotterdam. Dampfer „Ristelhuber 7“, Kpt. de Klein, von Köln. Schlk.„Herma Parentes“, Schiffer Luck, von Amsterdam. Abgegangen am 1. Okt.: Schlk.„Angelina“, Sch. Mertens, nach Verdingen. Schlk.„Agnes“, Schiffer Hellwigs, nach Rotterdam. Schlk.-Rival“. Schiffer Reynmackers, n. Ruhrort. Schlk.„Tvevallighoid“, Schiffer Roclofs, nach Ruhrort. Schlk. „Senior“, Schiffer Dodewaard, nach Rotterdam. Schik.„Mark u. Dintel“, Schiffer Neikens. nach Neuss. Dampfer„Ristelhuber 7“, Kpt. de Klein, nach Autwerpen. Dampfer„Concordia“, Kpt. Ducoffre, nach Rotterdam. Dampfer„Helvetia 4“, Kpt. Arwarder, nach Köln. Schlk.„Die Oder“, Schiffer Stange, nach Köln. Dampfer„Egan 22“, Kpt. Schellenberg, nach Mannheim. Dampfer„Egan 3“, Kpt. Hegemanns, nach Rotterdam. Ruhrorter Schifferbörse, I. Okt.(Drahtb.) T’alfrachten für Kohlenladungen: Utrecht kleine Sehiffe 2,90; Leiden mittlere 3,30; Langstrast kleine 2.90; Zeeland kleine 3,30; Brüssel mittl. 4,50 Mark. Wasserstand des Rheines am 1. Oktober, Abends 7 Uhr(Drahtberichte). Hüningen Kohl Mannheim Mains Bingen 1,11(—0,08)m 1.65(—0,08)„ 2.10(—0,14)„ 0.20(—0,10)„ 1,04(—0,12)„ Rheingan-F. 1,50(—0,09)Kaub 1.20(—0,10) Koblens 1.85(—0,09)„ Köln 1.00(—0,18)„ Düsseldorf 0,73(—0.00)„ Schluss des reilakt. Teils. Handelsregister-Eintragungen. In das Handelsregister B Nr. 45 wurde heute die Firma Deutsche Carborundum-Werke, Gesellschaft mit beschränkter Haftung, in Düsseldorf-Reisholz eingetragen. Der Gesellschaftsvertrag ist am 24. September 1906 festgestellt. Gegenstand des Unternehmens ist: a) Die Herstellung von und der Handel mit SilikonKarbid(genannt„Carborundum“), ein künstliches Schleifmittel, und anderen Sillkonvorbindungen und den Nebenprodukten derselben. b) Die Herstollung von und der Handel mit Carborundum-Waren aus aller Art Silikonverbindungen und aus den Nebenprodukten derselben. 9) Die Uebernahme und der Erwerb von allen Patont- und sonstgen Schutzrechten, betreffond „Carborundum“ und„Carborundum-Waren“. Silikon-Karbid und sonstige Silikon-Verbindungen und Nebenprodukte. d) Der Import und Export von„Carbornndum“, „Sillkon-Karbid“ und sonstigen Silikon-Verbindungen, sowie von den Nobenprodukten derselben und von allerlei Waren aus„Carborundum“, Selikon-Karbid, anderer Sellkon-Verbindungen und Nebenprodukten derselben. e) Die T’ebernahme und der Erwerb des für diese Gesellschaft von dem Gesellschafter William Alton Derrick erworbenen Grundstücks in Reieholz-Düsseldorf, wie dasselbe näher beschrieben wird in dem Kaufvertrage vom 1. Juni 1906, abgeschlossen zwischen der Industrieterrain- Düsseldorf-Reisholz Aktiengesellschaft als Vorküuferin unde dem Kaufmann William Alton Derrick als Käufer laut notariellen Kaufvertrags vom 1. Juni 1906. Nummer 583 des Notariatsregistors der Notars Justizrat Burghartz 1 zu Düsseldorf. 1) Der Erwerb und die Ausübung aller sonstigen mit diem obenbezeichneten Unternehmen verbundenen beziehungsweise dasselbe fördernde Rechte. Das Stammkapital beträgt 75000 Mark. Geschäftsführer ist Charles Greenwood, Ingenleur in Düsseldorf. Die Zeichnung der Gesellschaft erfolgt a) wenn nur ein Geschäftsführer bestellt ist: 1. durch den Geschäftsführer; 2. durch den stellvertretenden Geschäftsführer; 3. durch zwei Prokuristen gemeinsam; b) wenn zwei Geschäftsführer bestellt sind: 1. durch jeden Geschäftsführer allein: 2, durch den stellvertretenden Gesehäftsführer; 3. durch zwei Probaristen gemeinsam. Gerresheim, den 27. September 1906. 481 Könlgliches Amtegericht. Konkurs-Nachrichten. In dem Konkursverfahren über das Verwögen der Bauführers Heinrich Klausing zu Ratb, Inhaber eines Kurz- und Wellwaren geschäfts, ist infolge eines von dem Gomeinschuldner gemachten Vorschlags zu einem Zwangsvergleiche Vergleichstermin auf den 20. Oktober 1906, vormittags 10 Uhr, ver dem König. liehen Amtsgericht in Ratingen, Markt, Zimmer Nr. 1, anberaumt. Der Vergleichsvorschlag und die Erklärung des Konkursvorwalters sind auf der Gerichtssehreiberei des Konkursgerichts sur Eineicht der Beteiligten niedergelegt. Ratingen, den 28. September 1906. 4108 Königliehes Amtsgericht. Kuxenverkohr, Düsselderf. den 1./10. 08, mitgeteilt von der Bankfirma Siegfried Falk: „Das Geschäft auf dem Kohlenkuxen-Markte war heute äusserat gering; immerhin waren die Kurse unter Berücksichtigung der Ausbeuteabschläge behauptet. Vereinzelt umgesetzt wurden Auguste Victoria bei ca. 12300, Gottessegen bei ca. 5200, Langenbrahm anziehend bis ca. 10000, Tremonia bei ca. 3650, Trier bei ca. 4975 und Victoria Kupferdreh anziehend bis ca 1750. Für Dorstfeld bestand Nachfrage bei ca. 16 000, ehenso für Friedrich der Grosse bei ca. 26 500, für Graf Schwerin bei ca. 11 800 und Lothringen bei ca. 34000. Auch auf dem Braunkohlenkuxen-Markte hielt sich das Geschäft in engen Grensen. Humboldt gingen zu leicht abgeschwächten Preisen, ebenso Schallmauer zu unveränderten Kursen um. Die Stimmung auf dem Kalikuxen-Markte war fest, die Umsätze jedoch gering. Im Verkehr waren Alexandershall bei ca. 8150. Burbach bei ea. 12 900, Hohenzollern bei ca. 7200; für Kaiseroda wurde 7550, für Hohenfels 9925. für Güntershall 4850, für Deutschland Justenberg 5125 geboten und vereinzelt bezahlt. Die Stimmung für Erswerte ist behauptet. Apfelbaumer Zug notieren ca. 1700. Bautenberg ca 2150. Victoria Erz ca. 1100. Schwächer lagen Wildberg, bei ca. 1550 angeboten, während Concordia Erz bei ca. 1725 höher notierten. In Versteigerung wurden Deutsehe TiefbohrAktien mit 339 Pros., 25prosent. Hallesche KaliAktien mit 86 Proz., kleine Krügershall-Aktien 74 Prosent, Grosse Burg mit ca. 50, Esperke mit 150, Adolfsglück mit ca. 82 Proz. bezahlt.“ S 3-400 Mark sofort auf kurze Zeit gegen hohe Zinsen von ein, königl. Staatsbeamten gesucht. Off. unter 7763 an die Exped. Die Städtische Sparkasse zu Oberhausen(Rhld.) verzinst Einlagen in jeder Höhe mit 3¾% und nimmt solche auch durch die Post oder durch Reichsbank=Girokonto entgegen. d257 Städtische Sparkasse. Städtische Sparkasse Mettmann. Die Kasse nimmt Einlagen in jeder Höhe an und verzinst dieselben mit. 2257 3 ¾% Der Zinsenlauf beginnt am I. und 16. jeden Monats. Einzahlungen können auch per Post gemacht werden. Die Kasse in an jedem Werkvon 9—12 und von 3—5 Uhr geöffnet, mit Ausnahme des Samstag nachm. Barmer Bank-Verein, Hinsberg, Fischer& Comp., Düsseldorf. Hauptgeschäft: Steinstrasse 20. Depositenkasse A: Schadowstr. 68. Depositenkasse B: Hansahaus. 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Beiträge wolle man an „Die Redaktion“, nicht an die einzelnen Redakteure, senden. Verlag und Druck von 9. Sirardet≈ Cie. in Düßelders. 6. Beilage Wir machen wiederholt merksam, daß wir Offerten ven Vermit Offerten, welche nic die Annoucen Bezug nicht weiter, „Genrral-Anze für Dülleldorf und 1 Ce Mänaliel Junger tüchtige Zeichn für unsere Ab Waagenbau Düsselde Maschinen Aktiengesel vorm. I. Für Architek Bautechni bietet sich ein reich verdienst ohne jegl Off. u. 768 störung. Of General=Vert in Geee, Fluß= ul Versichern Eine große alte fähige Versicherun schaft in Deutschle einen in den Han Industriekreisen g führten zuverlässig möglich branchekun treter für Düssel! Umgegend zu vor Bedingungen. Off.: befördert Daube Berlin SV. 19. Wir suchen für un lichen Versich.=Brau treter bei hoh. Prov Fachkenntu. u. erfor Bezieh. u. Bekani Off. unt. 7791 an Zigarrenfabrik. Si Vertreter, der be und Händlern gut: ist, —. geg. hohe Proi ausbezahlt wird. ausbezahlt wiro. W. 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Morgen Nachmittag 4 Uhr wird bei der hiesigen EilgutAbfertigung ein Waggon Pflaumen öffentl. meistbietend verkauft. Eilgut=Abfertigung. Handkarren, S. in all. Größ., sowie Schiebk. stets vorrätig Kaiserstraße 8 Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung sollen: I. die in Düsseldorf belegenen, im Grundbuche von Düsseldorf=Flingern, Band 37, Blatt 1439, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Eheleute Johann Josef Formes, Wirt, und Maria geb. Jansen, in Ohligs, in übergeleiteter Fahrnisgemeinschaft, eingetragenen Grundstücke: 1. Flur 9, Parzelle 5715/34 p. p., Bruchstraße 37, Hofraum p. p., groß 3 a 25 qm, a) Wohnhaus mit Hofraum, Nutzungswert 1500 Mk., b) Werkstattgebäude, Nutzungswert 91 Mk., Gebäudesteuerrolle 14 365, 2. Flur 9, Parzelle 5716/34 p. p., Bruchstraße 39, Hofraum, groß 9 gm, Grundsteuermutterrolle=Artikel 1797; II. die in Düsseldorf belegenen, im Grundbuche von Düsseldorf=Derendorf, Band 17, Artikel 799, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Schreinermeisters und Bauunternehmers Heinrich Jansen, in Düsseldorf, eingetragenen Grundstücke: 1. Flur 6, Parzelle 4235/174, Roßstraße 38, Hofraum, groß 6 a 55 gm, a) Werkstätte, Nutzungswert 420 Mk., b) Wohnhaus mit Seitenflügel und Hofraum, Nutzungswert 2300 Mk., Gebäudesteuerrolle 12072, 2. Flur 6, Parzelle 4298/174, Roßstraße 38, Hofraum, groß 1 a 83 qm, Grundsteuermutterrolle=Artikel 1156; III. das in Düsseldorf belegene, im Grundbuche von Düsseldorf=Pempelfort, Band 38, Artikel 1824, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen des Kaufmanns Otto Clemens Clauß, zu Düsseldorf eingetragene Grundstück: Flur 7, Parzelle 2520/373, Wielandstraße 22, Hofraum, groß 4 a 2 qm, a) Wohnhaus mit Seitenflügel und Hofraum, b) Hintergebäude, Nutzungswert zu a 2700 Mk., zu b 420 Mk., Gebäudesteuerrolle 8567, Grundsteuermutterrolle=Artikel 2461; IV. das in Düsseldorf belegene, im Grundbuche von Düsseldorf=Derendorf, Band 30, Blatt 1225, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Eheleute Viktualienhändler Heinrich Bock und Katharina, geb. Annen, zu Düsseldorf, als Miteigentümer je zur Hälfte, eingetragene Grundstück: Flur 5, Parzelle 1333/181, Frankenstr. 27, Hofraum 2c, groß 4 a 15 gm, a) Wohnhaus mit Hofraum, Nutzungswert 2800 Mk., Gebäudesteuerrolle 12968, Grundsteuermutterrolle=Artikel 1585; V. die in Düsseldorf belegenen, im Grundbuche von Düsseldorf=Flingern, Band 14, Artikel 692, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Handelsgesellschaft unter der Firma Gebrüder Stomm in Düsseldorf eingetragenen Grundstücke: 1. Flur 9, Parzelle 4941/50, Flurstraße 36, Hofraum p. p, groß 2 a 98 qm, a) Wohnhaus mit Hofraum, Nutzungswert 2050 Mk, Gebäudesteuerrolle 14008, 2. Flur 9, Parzelle 5135/50 p. p., Hoffeldstraße 49, Hofraum p. p., groß 2 a 98 qm, a) Wohnhaus mit Seitenflügel und Hofraum, Nutzungswert 1800 Mk., Gebäudesteuerrolle 14174, GrundsteuermutterrolleArtikel 1038, am 15. Oktober 1906, vormittags 9 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht, an der Gerichtstelle, Saal 64 des Justizgebäudes am Königplatz, Zugang durch das Gittertor am Königplatz, ver steigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist bezl. der Grundstücke zu I. am 7. August, zu II. am 27. Juli, zu III. am 30. Juli, zu IV. am 1. August, zu V. 1. am 2. August und zu V. 2. am 6. August 1906 in das Grundbuch eingetragen. Düsseldorf, den 10. Auaust 1906. d29 Königliches Amtsgericht, Abt. 14. Oeffentliche Versteigerung von Hypotheken. Am Donnerstag den 11. Oktober 1906, nachmittags 4 Uhr, auf meiner Amtsstube Bismarckstr. 14, werde ich auf Anstehen des Gläubigers, zwei im Grundbuche von Düsseldorf=Flingern, Band 1, Artikel 43, zu Lasten der Eheleute Mathias Mertens zu Düsseldorf, in dritter Abteilung, auf Grundstück Grafenbergerallee 305, Flur 9, Nummer 1458/4, 3 Ar 63 Meter, im Range nach 15000 Mark, eingetragene Darlehnshypotheken von 15000 Mark und 900 Mark gegen gleich bare Zahlung versteigern. Düsseldorf, den 1. Oktober 1906. Bismarckstraße 14. Der Königliche Notar: *9954 Pütz, Justizrat. Mobilar=Versteigerung. Am Dienstag den 2. Oktober, nachmittags 2½ werde ich im Saale der Restauration Ederer, Friedrichstraße 18/20, zu Düsseldorf, wegen Wegzugs das nachbenannte herrschaftliche Inventar, als: 1 kompl. eich. Eßzimmer, bestehend aus großem Buffei, Zweizug=Ausziehtisch. Pancelsofa, 6 Lederstühlen, 1 Serviertisch, 1 Bauerntisch, 1 Gas=Zuglampe, 1 Majolika=Blumenständer mit Vase, großem Teppich, 1 Wohnzimmer, dunkel nußb.=poliert, bestehend aus besserem Bertikow, Wachstuch=Ausziehtisch, 1 Taschensosa, Paneelbrett, 1 Pfeilerspiegel mit Schrankuntersatz, 1 Chaiselongne mit Decke, 1 Regulatenruhr, 1 Korbsessel, vierböd. Bücheretagere, 4 Stühle, 1 dreiflammigen Krouleuchter, 1 Dauerbrandofen mit Rohr, 1 Pendule unter Glaskuppel, 1 Teppich, Säulen mit Büsten, Ziaarrenschrank u. deral. 1 eichenes Herrenzimmer, bestebend aus prachtvollem Bücherschrank, einem Diplomatentisch zum Freistellen, vosa mit Umbau, Tisch, 1 Schreibsessel, 4 Lederstühlen, Teppich usw. 1 komplette moderne nußb.=polierte Schlafzimmer=Einrichtung, bestehend aus 2 Betten mit Einlagen, Garderobeschrank, aroßer Waschkommode mit Marmorplatte und Auschraubspiegel, 2 Nachttischen, Stühlen, Handtuchständer, 1 komplettes englisches Satin=lackiert. FremdenSchlafzimmer, bestehend aud zwei Betten mit Einlagen, großem Garderobeschrank, groter Waschkommode mit Marmor und Anschraubspiegel, 2 Nachttischen, Handtuchständer, 1 komplette eichen=lacierte prachtvolle KüchenEinrichtuna, bestehend aus Bujietschrank, Aurichte mit Etagerenaussatz, Tisch, 2 Stühlen, 1 prachtvollen Etagere mit Menage, Spulbock, 1 prachtvollen, fast neuen modernen, schräg gebauten Emaille=Herd mit reichem Dekor, Wandetagere u. dergl. Ferner: Eine aroße Meuge einzelner Möbel und Gegenstände, als 2 bessere zerlegbare Garderobeschränke, 1 schöner Wäscheschrank mit Spiegeltur, 3 bessere nußb.=lack. Betten, div. Tische, Regulier= und Dauerbrandösen, 1 pracktvolle Nähmaschine, 1 prachtv. 3flüg. Salon=Paravent, 1 Klappfessel, 1 großer Konjektionsspiegel, 1 grüne Verandabank mit Sessel u. Tisch, 1 Eisschrank, 16 Bände Meyers Lexikon(letzte Ausgabe), 1 besseres Plüschsofa, 1 Stoffsofa, 6 eich. Stühle, 1 Partie bessere Federbetten, Kissen, Wandspiegel, Waschservicen, 1 eich. Bauerntisch, Wand= und Bücheretageren, 1 Edeltanne, mehrere Feuster Gardinen, Stores. Lambregnins, Galerien, 1 Fliegenschrank, 2 Eisenbetten, 1 Waschständer mit Service, 2 Wäscheschränke, Garderobeleisten und=Bretter, 1 Kinder=Badewanne, 1 Bidet, 1 lack. Waschkommode mit Marmorplatte, prachtvolle Blumentische u.=Ständer, wertvolle Vasen, Nickelgeräte, Nippsachen, Buketts, 1 Gasofen, 1 Damen=Teilettetisch, 1 dreiflüg. Toilettespiegel, 1 fast neue Plüsch=Tisch= decke, Tisch= und Sofadecken, Portieren, Läufer, Matten, Vorlegefelle, Handruchständer, Nachttische, 1 große Menge Küchen= und Kochgeräte, Glas, Porzellan, Haushaltgeräte, Oelgemälde, Stiche u. Bilder aller Art u. viele andere Sachen. Das gesamte Inventar ist gebraucht, aber in tadellosem Zustande. Die Besichtigung findet am Dienstag von 11 Uhr ab statt. Fritz Hermanns, Tarator und Auktionator, Telephon 4052. Graf Adolfstr. 68. Das Mobilar gelangt punkt 4 Uhr zur Versteigerung. Auswärtige Käufer können gekaufte Gegenstände auch bis zum nächsten Tage stehen lassen. s2 Für Bauunternehmer, Betonierer u. Stuckateure! Am Mittwoch, 3. Okt., punkt 3 Uhr anfangend findet auf dem Lager Bachstraße, Eing. Weberstr.=Ecke, Versteigerung von Fahrdielen, Rahmhölzern, 1 großen Partie Schalhol;, 1 Partie 500 Paar Krebsen mit Keilen, Schiebkarren, Stampfern, Gießkannen, Eimern, 1 Partie Gerüstbretter öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung statt. Sämtliche Sachen sind gebraucht. Besichtigung vorher. Karl Töller, Taxator und Anktionator, Bureau Hobestraße 19, I., Telephon 1548.* Versteigerung. Am 4. Oktober ds. Is., 10 Uhr vormittags, werden auf dem Hofe des Neben=Artilleriedepots an der Ursulinengasse nachstehende, aus Umbauten herrühtende alte Materialien gegen sofortige Barzahlung öffentlich versteigert: Fenster, Zinkblech, Gas= und Wasserleitungsrohre, Gußeisen aus einer Abborttrommel, 1 Pumpe, 1 Winde, 1 Fahrstuhl. Am 2. Oktober können die Materialien im NebenArtilleriedepot besichtigt und Verkaufsbedingungen eingesehen werden. Neben=Artilleriedepot, Düsseldorf. Nachlaß=Versteigerung. Am Mittwoch den 3. Oktober cr., nachmittags 3 Uhr, werde ich auf Anstehen der Erben im Hause Pempelforterstraße 46, 1. Etage, zu Düsseldorf, das nachbenannte zur Nachlaßzmasse gehörige Inventar, als: 1 autike Standuhr von 1783, 1 prachvolles dunkel mahag.-poliertes Doppelbett mit seiner Roßhaarmatrate 1 einfaches Eichenbett, 1 Nachttisch Marrahe, mit Marmorplatte, 1 Waschkommode mit Spiegel, 1 Krankensessel mit hoher Voisterrücklehne, 1 ovaler Mahagoui=Ausziebtisch, 9 staste“ 1 prachtvolles VordeauxPlüschsosa mit reichgeschnitztem Gestoll 1 Mahagoni=Gerviertisch, 1 Kirschbaumece, Gekretärschrank, 1 Kirschbaum=Nähtisch, 3 Traillenstühle, 1 prachtvoller reich geschnitzter Rotenständer zum Freistellen, 18 Bände Meyers Lexikon, 1 geschnitzte Zeitungsmappe, 1 schöner eichen=lackierter Kuchenschrank, 1 Aurichte, 1 Tisch, 2 Stühle, 1 Spültisch, 1 Reisekosser, 1 große Betikiste, 1 Eichen=Komodenkisie, 1 Mantelosen, 1 Tischlampe, 1 Messing=Tec= u. 1 Messing=Kasseemaschine, 1 Messing=Wasserkessel, 1 Messing=Balkenwage und audere Gegenstände aller Art, öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung versteigern. Das Inventar ist gebraucht und befindet sich in tadellosem Zustande. Die Besichtigung findet von 1 Uhr ab statt. Fritz Hermanns, gerichtlich vereideter Taxator und Auktionator, [1 Telephon 4052.— Graf Adolfstraße 68. Im Hause Lorettostraße 9, II., findet heute Dienstag, 2. Okt., nachm. punkt 3 Uhr aufangend, Mobilar= u. GewäldeVersteigerung statt. Es gelangen wegen Wegzugs folgende dem Auftraggeber gehörige-#obilien sowie eine große Anzahl Gemälde öffentlich meistbietend gegen bare Zahlung zur Versteigerung, wie: 1 Altmahagoni=Schreibtisch, 1 Bücherschrank mit Tisch, Zeichenbrett, Petroleumofen, Säulenofen, 2 kleine Wandspiegel, Wanduhr, Nähmaschine, 2 Fenstervorsteller, 1 Tülldecke, 1 großer Puppenladen mit Inhalt, 1 Wäschetrockner(Friedensstifter), Bücher, 2 Bände Mevers Lexikon, 4 historische Geschichtsbücher, ein Band„Die Gartenlaube", 4 Säbel, 1 Patronentasche, 8 indische Pfeile mit Bogen, Musikinstrumente: 1 Gitarre, 1 Baßzither, 1 Konzertzither, Oelgemälde: 2 Arbeitspferde, 1 Stute mit Delgemalde: Füllen, 1 große Winterlandschaft mit Jäger, 4 Stilleben, 1 Fuchs ohne Sattel, 1 Pferdekopf mit komplettem Geschirr, 1 Schimmel, 1 Löwe, 1 Eber, 1 Aquarell, 1 Pony, Landschaften, 6 Pferde mit Geschirr, 1 Sattelpferd, Rehe, 1 Hund mit Vogel, 1 Volkers Vierzug, ferner eine große Partie Kupferstiche und noch sonstige Gemälde aller Art, sowie eine Farbmühle. Sämtliche Sachen sind gebraucht und können von 2 Uhr ab besichtigt werden. Carl Töller, Tarator und Auktionator. Telephon 1548. Bureau Hohestraße 19. Eisenwaren-Versteigerung. Heute Dienstag den 2. Oktober, vormittags 9½ Uhr u. nachmitt. 3 Uhr anfangend, Fortsetzung und Schluß der Versteigerung im Hause Marktstr. 7 weg. Aufgabe Es gelangen heute noch Haus= und Küchengeräte aller Art. Wring= u. Reibmaschinen, Werkzeuge aller Art, Bau= und Möbelbeschläge, Hämmer, Laubsägen, eine große Partie Schlüssel zur Versteigerung. Emil Lentzen, Taxator u. Anktionator, Martinstraße 75. NB. Der Zuschlag erfolgt zu jedem annehmbaren Gebote. Greoße Kolonialwaren-Versteigerung heute Dienstaa. 2. Okt., nachmittags 2½ Uhr anfangend, im Hause Liefergasse 16. Sstgelegenbeit: Siehe Annonce der Sonntags=Ausgabe. 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D., Frankfurt a. d. O— Graf Finck v. Finckenstein, Major u. Kommandeur des Westfäl. Jäger=Bataillons Nr. 7. Bückeburg.— Christian Graßen, Schneidermeister, Krefeld.— Graßmann, Feldwebel der 3. Kompagnie Westfäl. JägerBataillons Nr. 7, Bückeburg.— Grothe, Revierförster a. D., Alpen, Bez. Düsseldorf.— Prothe, Feldwebel der 1. Kompagnie Westf. Jäger=Bataillons Nr. 7, Bückeburg. — Haemmerling, Förster, Westendorf bei Deckbergen, Kreis Rinteln.— Helbig, Feldwebel der 4. Kompagnie Westf. Jäger=Bataillons Nr. 7, Bückeburg.— Hurholl, Hauptmann der Landwehrjäger, Lemgo(Lippe).— Klein, Werkmeister, Krefeld.— Mann, Hegemeister, Elre b. Bennemühlen(Haunover).— Metger, Major und Bataillons=Kommandeur im Metzer Infauterie=Reument Nr. 98. Metz,— Meyer, Polizei=Inspektor, Hagen(Westf.). — Frhr. v. Oer, Oberstleutnant a. D., Münster(Westf.). — v. Verthes, General der Infanterie z. D., Berlin.— Dr. Ridder, Geh. Medizinalrat u. Oberstabsarzt a. D., Bückeburg.— Frhr. v. Rolshausen, Oberst a. D., Bonn a. Rh.— Frhr. v. Rolshausen(Wilhelm), Leutnaut im Westf. Jäger=Bataillon Nr. 7, Bückehurg.— Rüdiger, Hegemeister, Grüneberg, Post Eichhorst b. Hubertusstock. — Ruland, Hegemeister, Buschhofen bei Bonn a. Rh.— Schenermann, Feldwebel der 2. Kompagnie Westf. JägerBataillons Nr. 7, Bückeburg.— Schmidt, Oberst z. D., Freiburg(Baden).— Verbülsdonk, Hauptmann der Landwehrjäger a. D., Krefeld.— Wallwitz, Hegemeister, Siegburg bei Köln a. Rh. Tuchlager Du euuste At. Anerkannt beste und billigste Bezugsquelle für moderne Herrenstoffe und Damentuche in allen Preislagen. Lieferauten verschiedener Beamten=Vereine. Weske’s chterei, und* Wursfabrik mit elektr. nur Burgplatz 12. Telephon 531—. Telephon 5312. Billig! Billig! * Hammelfleisch! #s Von heute an größte Auswahl in Hammelfleisch. 2 Bollen in Scheiben von 2 Pfd. an, per Pfd. 75 Pfg. s Extra feine Rouladen.... per Pfd. 75 S Kotelettes, extr. fein, wie Schweinekotelettes....... per Pfd. 75 Pfg. Alle anderen Stücke.... per Pfd. 65 Pfg. 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Der„große alte Mann des Kaiserreichs“. So nennt ein englisches Blatt Lord Strath= cona, den Kurator der Universität Aberdeen. der bei der Vierjahrhundertfeier des Bestehens der alten Hochschule eine so große Rolle spielt. Ein an Abenteuern und Wechselfällen reiches Leben liegt hinter diesem 66jährigen Manne, der heute in England eine außerordentlich einflußreiche Stellung einnimmt und die allgemeine Achtung und Verehrung genießt. Er ist nicht als Lord geboren worden, sondern stammte aus den Kreisen des einfachen Bürgertums und hieß ursprünglich Donald Smith. Er studierte zunächst Jura, trat aber bald ins geschäftliche Leben über und wurde mit achtzehn Jahren bei der HudsonBay=Gesellschaft angestellt. Er ging als einfacher Sekretär nach Labrador und begann in dieser öden Gegend seine glänzende Laufbahn. Jahrelang hat er den Unbilden des Wetters, der Eiseskälte und der Regennässe, dem glühenden Sonnenbrand der kurzen Sommermonate standgehalten, und noch heute pflegt er zu sagen:„Ein Mann, der jedes Jahr nacheinander vor Kälte fast erfroren und vor Hitze fast zerschmolzen ist, muß um so zäher und abgehärteter dagegen werden, wenn er es überhaupt aushält.“ Smith wurde bald einer der besten Pelzhändler in der ganzen Gesellschaft und verschaffte sich in Labrador und Kanada eine einflußreiche und bedeutende Stellung. Er wurde schließlich der oberste Leiter aller Geschäfte der großen Handelsgesellschaft. Dabei erwarb er sich auch selbst ein sehr großes Vermögen. Mit seiner eisernen Konstitution ertrug er alle Anstrengungen und Unbilden, doch endlich ergriff ihn ein schweres Augenleiden, das zur Blindheit zu führen drohte. Nur eine rasche Reise nach Montreal, bei der 500 Meilen durch hohen Schnee mit Hundeschlitten zurückgelegt werden mußten, konnte noch Rettung bringen. Schon halb erblindet, wagte Smith die Fahrt, nur von zwei eingeborenen Führern begleitet. In Montreal wurde eine Operation vorgenommen, die ihm sein Augenlicht wiederschenkte. Aber kaum war er gerettet, so machte er trotz dringendem Abraten des Arztes und seiner Freunde die Schlittenfahrt durch den strengen Winter hindurch zurück, weil er seine Pflicht erfüllen und seinen verantwortungsreichen Posten behaupten wollte. Auf dieser Rückreise, die von den furchtbarsten Fährnissen begleitet war, verirrte er sich und litt unsäglich, denn es war damals der strengste Winter, den er während dreißig Jahren in Labrador verbracht hatte. Die Unternehmungen des Lords dehnten sich unterdessen immer weiter aus; er wurde der eigentliche Begründer der Kanadischen Pazific=Eisenbahn und war auch stark bei der Errichtung der„Großen Nord=Eisenbahnen" beteiligt. Während der Empörung am Red River leistete er Wolseley die tätigste Hilfe, denn seine Macht war groß und „sein Wort galt in diesen weiten Gegenden als Geser.„ Der Lord, der auch heute noch unermüdlich tätig ist und fortwährende Arbeit für das beste Heilmittel gegen das Alter ansieht, hat sich besonders durch philanthropische Stiftungen hervorgetan. So hat er der Mac Gill=Universität 2 Millionen, dem Viltoria Hospital in Montreal im ganzen 8 Millionen Mark überwiesen und auch sonst zahllose Stiftungen gemacht. Der Universität Aberdeen überwies er neben vielen anderen Wohltaten 500000 Mk. # Berlin, 1. Okt.[Der Erste ArmeeMusik=Inspizient Professor Gustav Roßberg] feiert am 4. Oktober sein 50jähriges ienstjubiläum. Am 1. April 1838 zu Berlin geboren, wurde er am 4. Oktober 1856 als DreijährigFreiwilliger bei der 10. Kompagnie 2. Garde=Regiments zu Fuß eingestellt. Frühzeitig zum Gefreiten befördert, wurde er bei der Mobilmachung 1859 dem Garde=Landwehr=Vataillon Kottbus als Vataillons= Tambour überwiesen und trat 1860 mit diesem nunmehr Füsilier=Vataillon benannten Bataillon zum 4. Garde=Regiment zu Fuß über: Während der Mobilmachung war es ihm gelungen, aus den eingczogenen Landwehr=Spielleuten in wenigen Tagen eine recht brauchbare Bataillons=Musik zusammenzustellen. Dies gab dem Regiment Veranlassung, den damals erst Zweiundzwanzigjährigen mit der Leitung der zu bildenden Regimentsmusik zu beauftragen. In den 30 Jahren, die er als Stabshornist, bezw. Stabshoboist an der Spitze eines Musikkorps stand, gelang es ihm, seine Tüchtigkeit in musikalischer und militärischer Hinsicht zu beweisen und sich die Berufung in seine jetzige Stellung zu sichern. Im Jahre 1890 zum Armee=Musik=Inspizienten ernannt, erhielt er 1896 den Titel als Professor. Er wirkt als solcher an der königlichen akademischen Hochschule für Musik. An den Feldzügen 1864, 1866 und 1870/71 nahm er an der Spitze des Musikkorps 4. Garde=Regiments zu Fuß mit Auszeichnung teil. 1864 erhielt er das MilitärEhrenzeichen 2. Klasse, 1870 das Eiserne Kreuz 2. Klasse. # Berlin, 29. Sept.[Im Marstallgebäude des Palais des Prinzen Albrecht] in der Königsgrätzerstraße kam heute Abend 9½ Uhr in der Bodenkammer ein Limmerbrand aus. Feuerwehren aller Reviere, der Branddirektor und der Polizeipräsident waren alsbald zur Stelle. Infolge große: Futtervorräte im gleichen Gebäude war die Gefahr erheblich, doch konnte der Brand in kurzer Zeit gelöscht werden, ohne daß größerer Schaden entstand. Es verbrannten nur Matratzen und Möbelstücke. () Berlin, 1. Okt.[Verschärfte Vorschriften über den Automobilbetrieb) enthält eine neue Polizeiverordnung über den Verkehr mit Kraftfahrzeugen, die der Oberpräsident mittels Sonderausgabe des Amtsblattes publizieren läßt, und die mit dem 1. Okt. für die Provinz Brandenburg bereits in Kraft tritt. Hamburg, 30. Sept.[Die Stadt Hamburg und die deutschen Journalisten und Schriftsteller.] Der Senat beantragte die Genehmigung der Bürgerschaft dazu, daß der Pensionsanstalt deutscher Journalisten und Schriftsteller zur Errichtung einer Witwen= und Waisenlasse eine einmalige Beihilfe im Betrage von 5000 Mk. bewilligt wird. Der genannte Betrag soll nachträglich in das diesjährige Budget eingestellt werden. () Hamburg, 1. Okt.[Schülerselbstmord.] Ein 16jähriger Schüter der Eimsbütteler Realschule erschoß sich vor den Augen von Schulkameraden, weil er nicht versetzt wurde. W. Frankfurt a. M., 29. Sept.[Vom Frankfurter Hauptbahnhof.] Vom 1. Oktober ab verkehren im Frankfurter Hauptbahnhofe täglich 546 Züge oder durchschnittlich alle 2,7 Minuten ein Zug, kommend oder abgehend. Das ist seit Bestehen des Hauptbahnhofes, also seit 18 Jahren, die größte Zugzahl in einer Winterfahrplanperiode. G Leipzig. 1. Okt.[Der Mörder des Schutzmanns Tag vor dem Schwurgericht.] Ein Verbrechen, das weit über Leipzig hinaus Aufsehen erregt hat, die Erschießung des Leipziger Schutzmanns Tag, wird heute vor dem hiesigen Schwurgericht seine Sühne finden. Wegen Einbruchs und Totschlags wird sich der 24jährige Tischler Franz Köhler aus Pötschkehmen, ein vielfach vorbestrafter Einbrecher zu verantworten haben. Am 10. Juli, morgens gegen 4 Uhr, brach er mit einem Komplizen, dem Schlosser Reetz, in den Laden eines hiesigen Fleischermeisters ein, wurde jedoch ertappt und von einer Anzahl Personen, darunter zwei Polizeibeamten, verfolgt. Auf der Flucht gab Köhler fünf Revolverschüsse ab und brachte dem Schutzmann Tag eine schwere Verwundung im Unterleib bei, der der pflichtgetreue Beamte erlag. Während sein Gefährte verhaftet wurde, glückte es Köhler, zu entkommen und sich für eine Zeitlang vervorgen zu halten. Bald jedoch kam man ihm und seiner Geliebten, der Schauspielerin Lange in Hannover, auf die Spur. Am 21. Juli wurde er von einem Kriminalbeamten erkannt, verfolgt und trotz seines Drohens mit einem Revolver festgenommen. Einige Stunden vorher war auch seine Geliebte der Polizei in die Hände gefallen. Unter roßen Vorsichtsmaßregeln wurde der verwegene Verbrecher nach Leipzig transportiert und hier in seiner Haftzelle stark gefesselt gehalten, um jeden Ausbruchsversuch zu verhindern. Jena, 29. Sept.[Der alte Fuchsturm bei Jena] ist jetzt wieder zu neuer Herrlichkeit erstanden. Wie man sich erinnern wird, ist der Fuchsturm, das uralte Wahrzeichen Jenas, vor Jahresfrist, am 27. September 1905, von einem Blitzschlag getroffen und dadurch zerstört worden. Die Erncuerungsarbeiten sind nun beendet. Der alte Recke, das letzte überbleibsel der ehemaligen drei Hausbergburgen Kirchberg, Windberg und Greifberg, hat wieder seine „Haube“ aufgesetzt und grüßt in alter lieber Gestalt von seiner stolzen Höhe ins Saaletal hinunter. Die Fuchsturm=Gesellschaft veranstaltete zur Einweihung des Fuchsturmaufbaues einen„gehegten Avend“, bei dem das„edle Ziegenhainer“ in Strömen floß. Der Bürgermeister von Ziegenhain war mit dem Ge meinderat erschienen. Brausend stieg die Fuchsturm hymne:„Tiratonlala“! (:) Wien, 1. Okt.[Todesfall.] Der Professor der Chirurgie Joseph Weinlechner ist gestern auf der Jagd in der Nähe Wiens an einem Schlaganfall im Alter von 77 Jahren plötzlich verstorben. c Budapest, 30. Sept. Denkmalsenthüllung.] In Gegenwart des Unterrichtsministers Apponyi, zahl reicher Vertreter wissenschaftlicher Institute und einer Anzahl ausländischer Gelehrter wurde heute hier das Denkmal des Gynäkologen I. P. Semmelweis, des Entdeckers der Ursache des Kindbettfiebers, enthüllt. (:) Ischl, 30. Sept.[Hotelbrand.] Das Hotel auf dem Schafberg ist heute Abend gänzlich niedergebrannt. Die Ursache des Brandes war elektrischer Kurzschluß. (9) Bukarest, 1. Okt.[200 000 Frankengestohlen.] Der Postbeamte Tschobarow ist nach Entwendung von 200 000 Franken in bulgarischen Banknoten aus der Eisenbahnpost der Strecke Sofia=Warna flüchtig. — Bukarest, 29. Sept.[Die Blinden kolonie der Königin von Rumänien.] Die Königin von Rumänien hat unter ihrem bekannten Dichternamen„Carmen Sylva“ einen interessanten Plan entwickelt, der wert wäre, nicht nur in ihrem eigenen Lande verwirklicht zu werden. Es gibt 20000 Blinde in Rumänien, die kein genügendes Unterkommen und eine armselige Existenz haben. Die Königin hat nun beschlossen, eine Blindenkolonie zu errichten. Die des Augenlichtes Beraubten sollen eine Arbeit erlernen, die sie zu Hause ausüben können, und sie sollen mit ihren Familien beieinander leben. Die Tätigkeit der Blinden soll nicht nur auf die Arbeit ihrer Hände beschränkt sein, sondern sie werden auch geistige Werte schaffen können mit einer neuen Art von Schreib= und Druckmaschinen, die ein blinder Sekretär der Königin Theodorescu erfunden hat, und die alle anderen derartigen Systeme übertreffen soll. (9 Rom, 1. Okt.[Einbruchsdiebstahl beim Kardinal Vanutelli.] Beim Kardinal Vanutelli wurde ein großer Einbruch veruvt; Meßgewänder von großem künstlerischen Werte, silberne Pokale und kostbare Kirchengeräte wurden gestohlen. Von den Tätern hat man keine Spur. = London, 28. Sept.[Einbrecher und Knabe.] In Burnley wurde ein Haus ausgeplündert, in dem sich nur ein vierjähriger Knabe befand. Das Kind erzählte, daß der Einbrecher es von Stube zu Stube mit sich nahm und ihm dabei drohte, falls es schreien sollte. Nachdem der Einbrecher alles Wertvolle an sich genommen hatte, schenkte er dem Kleinen einen Penny, brachte ihn zu Bett und sagte, er solle jetzt artig schlafen. London. 30. Sept.[Aufregung im Zoo.] Im Londoner Zoologischen Garten herrschte gestern große Aufregung, denn dort waren zwei große Polarbären aus ihrem Käfig entsprungen. Als die Wärter des Morgens um 6 Uhr an den Käfig herantraten, fanden sie ihn leer, und unter der offenen Tür lag das zerbrochene Vorlegeschloß. Es war zur Zeit sehr neblig und daher nicht leicht, die Tiere wier. zufinden. Nach einigem Suchen entdeckte man sie auf einer Wiese, wo sie von den sogleich herbeizerufenen Wärtern und Aufsehern eingekreist wurden. Min wollte sie so wieder in ihren Käfig hineintreiten, aber die Tieke ließen sich das nicht so ohne weitere- gefallen und machten verschiedentlich Angriffe auf ihre Treiber. Einer der Bären hatte es offenbar auf einen der Oberaufseher abgesehen, den er lange verfolgte. DerMann lief, so schnell er konnte, davon, aber der Bär kam ihm immer näher, so daß die Jagd eine Zeitlang ein recht gefährliches Aussehen bekam. Schließlich gelang es aber einem anderen Aufseher, die Aufmerksamkeit des Tieres abzulenken, so daß der Verfolgte sich in Sicherheit bringen konnte. Man zog sich dann für eine Zeitlang zurück und hielt einen Kriegsrat ab, in welchem eine List beschlossen wurde. Man legte Fleisch und Jettstücke nach dem Käfig zu und einen besonders großen Haufen Fleisch in den Käfig hinein. Die List gelang, und bald wanderten beide Bären ruhig wieder in ihre Behausung. Wie es ihnen gelungen ist, die Tür aufzubrechen, bleibt vorläufig noch ein Rätsel. 0 New York, 29. Sept.[Ein sensationeller Zwischenfall] spielte sich bei der am Donnerstag Nachmittag in New=York erfolgten Landung des Tamp fers„König Albert“ der Hamburg=Amerika Linic ab Eine russische Dame und ein Herr, beide von aristokratischer Erscheinung, die als Salonpassagiere ansamen und reichlich mit Geld versehen waren, der Herr etwa 30 Jahre alt, groß und von militärischer Haltung und seine Begleiterin etwas älter, aber sehr schön und reich gekleidet, trafen Vorbereitungen, zu landen, als sic von dem Einwanderungskommissar und dem russischen Kor sul angehalten wurden. Ohne viel Umstände wurden sie auf eine Dampfpinasse geschafft und über den Fluß an Bord des französischen Postdampfers„La Savoic“ gebracht, der bereits die Anker gelichtet hatte und zur Ausfahrt bereit lag. Ihr Gepäck folgte nach, und binnen einer Stunde nach ihrer Landung in Amerika, waren sie schon wieder auf dem Rückwege nach Europa, wo sich der nächste Akt eines romantischen Dramas abspielen dürfte. Bezüglich der Indentität des Paarcs wird das größte Geheimnis bewahrt; es ist aber bekannt, daß die Dame die Frau eines hochstehenden russischen Generals ist, und daß sie vor etwa vier Monaten aus St. Petersburg mit einem hochadeligen, jungen Offizier, der zum Stabe ihres Getten gehörte, entfloh. Der erzürnte Gatte machte jich sofort an die Verfolgung des flüchtigen Paares und erklärte, es erschießen zu wollen, sobald er es zu Gesicht bekäme. Vier Monate lang währte die Verfolgung durch ganz Europa. Der General erhielt durch die russischen Botschaften und Konsulate stets Informationen, die es ihm ermöglichten, den Flüchtlingen zu folgen. Diese aber enttamen immer glücklich, ehe er eintraf. Vor zehn Tagen sam er ihnen in Genua auf die Spur, kam aber dort in dem Augenblicke an, als der Dampfer, auf dem sie sich nach New=York eingeschifft hatten, aus dem Gesichtskreise entschwand. Er setzte sich sofort mit dem Konsulat in New=York ins Einvernehmen und ersuchte dieses, das flüchtige Paar zurückzuhalten. Er selbst werde von Cherbourg aus mit dem nächsten Dampfer nachfolgen. Dieser war am Freitag fällig. Die Einwanderungsbehörd verweigerte jedoch, das Paar zurückzuhalten und erklärte, die einfachste Lösung bestände darin, die Angekommenen sofort wieder zu deportieren. Der Dampfer mit den Flüchtigen und der Dampfer mit dem verfolgenden Gatten werden sich daher kreuzen, und wenn der General sofort wieder am Samstag die Rückreise antritt, so werden doch die Flüchtlinge wieder zwei Tage Vorsprung gewonnen haben. Spätherbst hat noch Sonnentage, allein die sind gefährlich, namentlich für empfindliche Leute; sie verführen dazu, daß man sich zu leicht kleidet und nur zu oft wird ein Spaziergang mit einer starken Erkältung bezahlt. Gerade in diesen Tagen sollte man darum nie ohne Fays ächte Sodener Mineral=Pastillen sein, die sich als Vorbeugungsmittel ebenso gläuzend bewährt haben, wie sie gegen alle Reizungen der Schleimhäute, der Luftwege 2c. bewährt sind. Fays ächte Sodener kosten nur 85 Pfg. die Schachtel und sind überall zu haben. Ein ausgezeichnetes Nahrungsmittel für Säuglinge, welche keine Mutterbrust erhalten oder von derselben entwöhnt werden sollen, bildet Kuseke's Kindermehl mit Zusatz von Kuhmilch. Kufeke's Kindermehl erhöht durch seinen Gehalt an Eiweiß= und Mineralstoffen nicht nur die Nährkraft der verdünnten Kuhmilch, sondern es macht dieselbe durch die im Magen des Kindes erzeugte feinflockige Gerinnung leichter verdaulich; es ist sehr wohlschmeckend, so daß es vor. allen Kindern gern genommen wird, sehr ausgiebig und daher billig, gut haltbar, immer gleichmäßig zusammengesetzt und kann, da es keine unveränderte Stärke enthält, den Kindern schon vom ersten Monate an gegeben werden. 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Opernpreise. Ende nach 10 Uhr Mittwoch, Serie D 4:„Samson und Dalila.“— Donnerstag, Serie A 5: Zum ersten Male!„Der Schwur der Treue". Lustspiel in 8 Akten von Oskar Blumenthal. Heute Dienstag den 2. Okt. er. und folgende Tage, täglich abends 8 Uhr: Gastspiel des Berliner Dienstag den 2. Oktober: Der Ungebetene(L'intruse) von Maurice Maeterlinck. Hierauf zum ersten Male: Candida von Beruard Shaw. s1 Der Vorstellung geht eine Einführung von Dr. Herbert Eulenberg voran. Anfang 7½ Uhr. Kassenöffnung 6½ Uhr. Ende nach 10 Uhr. Mittwoch: Ueber die Kraft.— Donnerstag: Die Weber. Städtischer Musikverein Düsseldorf. Leitung: Herr Professor Jul. Buths, Städtischer Musikdirektor. Die 8 Abonnements-Konserte des Städtischen Musikvereins im Winter 1906/07 finden an folgenden Donnerstagen statt: 815 18. Oktober, 8. November, 6. Dezember, 20. Dezember, 10. Januar, 21. Februar, 7. März, 21. März. 3 Kammermusik-Abende: 31. Oktober, 25. Pebruar und 25. März. Zur Aufführung gelangen an Orstorien und Vokalwerken: Das Paradies und die Peri von Rob. Schumann. Saul von G. Fr. Händel, Matthaeus-Passion von Seb. Bach, Rhapsodie von J. Brahms, Wanderers Sturmlied von R. Strauss und Hackelberends Begräbnis von Th. Müller-Reuter; an Orchesterwerken: die Symphonien C-moll Beethoven, B-moll Brahms, A-dur Mozart, A-dur Mendelssohn, ferner Suite D-dur Seb. Bach, Imprevisatienen Emmanuel Moor,„Liebesfeier“, Tondichtung von V. Mosbacher, Serenade von Max Reger, Manfred-Symphonie von Tschaikowsky. Als Instrumentalsolisten sind gewonnen: Willy Burmester(Violine), Heari Marteau(Violine), Willy Backhaus(Klavier), Carl Friedberg(Klavier), Pablo Casals(Violonsello), Professor F. W. Frenke(Orgel). Als Gesangssolisten: En.ma Rückbeil-Hiller, Maria Philippi, Marcella Pregi, Elfriede Goette. Hildegard Börner, A. Lammen, Marg. Altmann-Kunts, Tilly Koenen, Agnes Landeaberger, Paul Beimers. Felix Senius, Kammersänger Franz Litzinger, B. von Warlich, Arthur von Eweyk, Gerard Zalsmann. In den Kammermusik-Abenden werden in der bevorstehendes Konzertseit auch Gesangssollsten mitwirken: I. Kammermusik-Abend: die Soeiété de Concert des instrumente aneiens aus Paris und Marie Buiseon (Sopran). II. Kammermusik-Abend(Reger-Abend): Max Reger, Henriette Sehelle und Anna Sehnaudt(Alt) u. a., III. Kammermusik-Abend: Die Düsseldorfer Kammermusik-Vereinigung. Der Preis der Abennemente für die 8 Konserte für einen nummerierten Plats im Saal oder auf der Galerie beträgt 22.— Mk., für nichtnummerierte 14.85 Mk. Das Abonnement der 3 Kammermusik-Abende ist für die Abonnenten der Konserte(bei gleichzeitiger Abnahme mit den Konzert-Karten) 4.40 Mk., bezw. 2,75 Mk. Alle Preise einsehl. Billettstener. Des bieherigen Abonnenten bleiben Ihre Plätse des vergangenen Jahres bis zum 4. Oktober reserviert; über alle bis dahin nicht abgenommenen Plätze wird anderweitig verfügt. Die Ausgabe der alten, sowie die Vormerkung neuer nummerierter Abonnements erfolgt in der Musikalien-Handlung Arthar Medes. Alleestrasse 43. Ueber die Neuanmeldungen wird gegen Zahlung des Betrages eine mit laufender Nummer verschene Quistung ausgestellt. Diese Nummer bestimmt die Reihenfolge, gemäse welcher am Freitag Jen 5. Okteber, morgens 10 Uhr, In der Städtischen Tonhalle die Auswahl der Platse erfolgt. Für Abwesende wählt der Verwaltungsrat. Zillertal. Vaudeville-Ensembles (Dir.: Herm. Haller). Sensationellste Novität! Stürmischer Lacherfolg! Einquartierung (Le billet de logement) Schwank in drei Akten von Antony Mars, in deutseher Bearbeitung von Benno Jacobson. (In Szene geseizt von Direktor Hermann Haller.) 1. Bild: Das Kussregiment. 2. Bild: Die Witwe Martin. 3. Bild: Was in der Nacht in der Apotheke passierte. NB. Obiger Schwank war das Zug- und Kassenstück d. Berliner Residenz-Theaters und des Theatre de Polles dramatiques in Paris und ist ausserdem vom Berliner Vaudeville-Ensemble in allen grösseren Städten über 1000 Mal mit den grössten Erfoigen aufgeführt worden. Preise der Plätze wie bekannt. - Verein. Mittwoch den 3. Oktober, abends 8¾ Uhr, im„Gasthaus zur Heimat“, Oststr. 69(Toreingang), Vortrag des Herrn Dr. C. Jausberg über: „Beobachtungen und Erlebnisse während des letzten Versun=Ausbruches“. Zutritt frei für jedermann. Die Vereinsbibliothek in der Lesehalle(Jägerhofstr. 1) ist täglich von morgens 10 bis abends 10 Uhr geöffnet. Sonntags findet jedoch der Bücherumtausch nur von 11 bis 1 Uhr statt. 2s1 Mitgliedssarten können jederzeit in der Lesehalle (Jägerhofstraße 1) und an jedem Vereinsabend im Vereinslotal, Oststraße 69, gelöst werden. Wasser-Sport-Verein Düsseldorf Rudergesellschaft von 1333(E. V.). Freitag den 5. Oktbr., abends 9 Uhr, auf dem Bootshause„Friede“(am Gelände des Kaiser Wilhelm-Parks): Ballotage. Der Vorstand. 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Der Zentralverband der katholischen Männervereinigungen von Düsseldorf und Umgegend veranstaltet im Kaisersaale der Städt. Tonhalle Vorträge. 1. Montag, 8. Oktober: Napoleen I. Professor Dr. Spahn, Strassburg. 2. Dienstag, 6. November: Monte Cassino, Aquine, Assiei, ein Morgen. Mittag und Abend in Italien. Professor Dr. Englert, Bonn. 3. Dienstag. 18. Dezember: Glauben und Wissen in der Erklärung des biblischen Sehöpfungsberichts. Prof. Dr. Peters, Paderborn. 4. Freitag, 11. Januar 1907: Sage und Legende. Johanna Balts, Arnsberg. 5. Dienstag, 19. Pebruar 1907: Das Frauen-Ideal in Kunst und Mode. Dr. Pfeiffer, Bamberg. 6. Dienstag. 19. März 1907: Die Bagdad-Bahn und die deutsche Kultur in Klein-Asien. Dr. Hugo Grothe, München. Süsser 048P Traubenmost naturrein, täglich frisch. Binger Weinstube, HIunsrückenstr. 44. Bler- und Weinstabe Neusserstrasse 37. Damenbedienung. Die Vorträge beginnen jedesmal punktiien um ½9 Uhr abende. des Vortrags werden die Saaltüren geschlossen. Bei Beginn Preise der Plätze: Stammkarte für numerierten Sitz für alle 6 Vorträge 10 Mk., Zusatzkarte hierzu für jedes Familienmitglied 2 Mk. Diese Abonnements sind nur bei der Düsseldorfer Spargesellschaft. Elberfelderstrasse 7, täglich von 9—9 Uhr zu lösen. Der Saalplan liegt daselbst offen. Karte für nichtnumerierten Platz für alle 6 Vorträge 5 Mk., für Mitglieder der dem C.-V. angeschlossenen Vereine je 2 Mk., sind vorher zu lösen an folgenden Stellen: Elberfelderstrasse 7: Düsseldorfer Spargesellschaft Nordstrasse 35: Joh. Minkenberg. Kirchfeldstrasse 56, am Kirchplatz: Ang. Barber. Kölnerstrasse 2, am Wehrhahn, August Schuster. Alleestrasse 15: Alfred Pontzen. Königsallee 54: Alfred Pontzen. Oststrasse 55: Em l Bierbaum. Bismarekstrasse 84: Wilh. Guthmann. Ickerstrasse 209: Theod. Labs. Schlosstrasse 17: Carl Prinz. Luisenstrasse 33: Paulushaus. Bilkerstr. 36/40: Kathol. Gesellenhaus. Birkenstrasse 14. Kathol. Gesellenhaus. Hohestrasse 20: Jos. Blömer. Lorettostrasse 33: Casp. 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Unterzeichneter Verein spricht hiermit der Bürgerschaft von Derendorf und Mörsenbroich, sowie dem M.-G.-V.„Arion“ und dem Doppelquartett„Rheinklänge“, Derendorf, dem Radfahrer-Verein„Schwan“, der„Freischütz-Komp.“, der„Stefanien-Komp.“ und dem Krieger-Verein von Mörsenbroich seinen besten Dank aus für den grossartigen Empfang unseres Vereins bei der Rückkehr von dem nationalen Gesang-Wettstreit in Viersen, wo der Verein so grosse Erfolge hatte. Es zeichnet mit deutschem Sängergruss P:729 der Vorstand des M.-G.-V.„Eintracht“ Düsseldorf-Mörsenbroich, 30. September 1906. Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz. Der Obstmarkt in Düsseldorf findet am 3., 4. und 5. Oktober 1906, von morgens 10 Uhr bis abends 5 Uhr in der städtischen Schadowstraße, statt. m633 Zum Verkauf kommen Obst, Obstprodukte und Honig Korkstopfen-Fabrik Kerke aller Art, Zierkorkholz, Korkpapier, Holzspunde, Stanniolkapseln, Kellerei-waschinen und-Artikel. E. H. Westhoff& Cie., Blei Düsseldorf, Am Wehrhahn 40. 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