12 1. Blatt— 54. Jahrgang Organ für amtliche Bekanntmachungen. Donnerstag, den 11. September 1930. Erscheint werktäglich vormittags #ezugspreis der Leitung mit den 7 Gratis=Beilagen für den Ponat durch Poten zugestellt 2,20 RM., für Holländer 1,30 GulXu. Fernsor Nr. 6.— Druck und Verlag: P. W. Joyven. . K ü r d i e R e d a k t i o n: H. W a g n e r. VolksAnzeigenvreis: das einsvaltige mm Höhe 7 Pfennig. Anzeigen mit kompliziertem Satz entsprechend vöher Reklamen pro mm Höhe 20 Psennig Auskunft und Offertengebühr werden besonders berechnet.— Storungen infolge höherer Gewalt recht. fertigen keine Ersatzansprüche— Postscheckkonto Köln Nr 43133 Gratisbeilagen: Sonntagsglocken Lesefrüchte Frauenwelt Welt und Wissen Die Heimat Scholle, Seitung olle, Hof und Garten Heinsberger Bauernblatt. Die Dölkerbundstagung in Genf Titulescu Präsident der Bölkerbundversammlung Genf, 10. Sept. Die Vollversammlung des Völbundes hat heute in geheimer namentlicher Abstim mung mit 46 von 50 abgegebenen Stimmen den rumänischen Gesandten in London, Tikulesen, zum Präsi denten der diesjährigen Vollversammlung gewählt. Titulescu hielt die übliche Eröffnungsrede des PräRdenten entgegen dem sonstigen Brau frei, ohne die Unterlagen des Völkerbundsekretariats. Er dankte Er die seinem Land erwiesene Ehrung. Der Völkerbund habe dieser Jahr schwere politische und wirtschaftspolitische Aufgaben zu lösen. Die Weltwirtschaftskri se drohe zu einem Rück gang der enropäischen Kultur zu führen. Es ei jetzt Zeit, zur Tat zu kommen. Er hoffe, daß die diesjährige Entschließung der Völkervundversammlung Taten sein würden. Immer neue Schwierigkeiten Geuf, 10. Sept. Das einzige bedeutsame politische Ereignis des Tages war die große Aussprache über den Saarbadnschutz, die heute nachmittag im Bäro des Generalsekretärs des Bölkerbundes, Sir Eric Drummond, stattgefunden hat. Deutscherseits waren anwesend: Außenminister Dr. Curtins, inisterialdirektor Dr Gaus und Geheimrat von Friedberg. Briand hatte ebenfalls zwei Berater mitgebracht. Die Besprechungen wurden von Senator Scialoja geleitet, der nach der Abreise Grandis die Berichterstattung über die Saarfrage übernommen hat. Zu einer Einigung ist es— um das Ergebnis vorwegzunehmen— in dieser Sitzung nicht gekommen. Nachdem man noch einmal über die verschiedenen Seiten der Streitfrage diskutiert hatte, regte der Berichterstatter an, die Regierungskommission des Saargevietes darüber zu hören, welche Maßnahmen sie für den Fall der Zurückziehung der Bahnschutuppen zur Sicherung des Eisenbahnverkehrs orgrisieren Wnne. Man sette sich mit dem Brödenten der Regierungskommission, dem Engländer ilton, in Verbindung und legte ihm gewisse Fragen vor. Dieser beriet daraufhin mit den übrigen itgliedern der Regierungskomission, die sämtlich in Geuf anwesend sind, und erteilte alsdann die gewünschten Antworten Wie man hört, soll er die Zurückziehung der Bahnschutztruppen an drei Bedingungen geknüpft haben, über die man sich je doch vorläufig innerhalb der deutschen Delegation gueschweigt. Man gewinnt aber den Eindruck, daß die Schwierigkeiten, die bisher einer einvernehmlichen und für uns annehmbaren Lösung entgegenkanden, nicht ausgeräumt werden konnten. Scialoja will auf Grund der Antworten, die der Präsident der Regierungskommission erteilt hat, dem Völkerbundsrat einen endgültigen Vorschlag unterbreiten, und zwar soll das in einer Sitzung geschehen, die für Freitag nachmittag anberaumt ist. Am morgigen Donnerstag kann der Rat nicht zusammentreten, da dieser Tag vollständig von der Geveraldebatte in der Bundesversammlung ausgefüllt sein wird. Politische Nachrichten. Verdächtigung von Reichswehroffizieren Eine Abwehr des Ri#swehrministermums. W2B. Berlin, 9. Sept. Nach den Berichten der schiedener Blätter hat Herr Franz Künstler in einer Wahlversammlung der Sozialdemokratischen Partei behauptet, Ossiziere der Reichswehr feien mit dem russischen Militärattacher und deutschen Kommu nisten zusammengekommen und hätttn mit die en die Grundlagen für den Aufruf der KPD. vereinbart. Diese Angaben sind so phantastisch und ungeheuerlich, daß Herr Künstler vom Reichswehrministerium öffentlich aufgesordert wird, auf die Fragen zu antworten:„Wann und wo ist diese Zusammenkunft gewesen? Welche Offiziere haben da ran teilgenommen? Welche Beweise kann Herr Künstler hierfür vorlegen?“ Sollte Herr Künstler den Beweis für seine An gaben schuldig bleiben, so werde er sich selbst als erleumder kennzeichnen, gegen den sich das Reichswehrministerium gnichtliche Schritte vorbehält. Ferner hat Herr Künstler die Namen einiger früherer Offiziere genannt, die angeblich in Rußland tö tig sein sollen. Aus den Feststellungen, die das Reichswehrministerium darüber gemacht hat, ergibt sich, daß Generalmajor a. D. Thomsen= von er Lieth der Reichswehr niemals angehört hat. General der Artillerie a. D. Ludwig 1929 und Ma nuar 1922 aus der Reichswehr ausgeschieden sind und ferner der in diesem Zusammenhang in zor a. D. Ritter von Niedermayer am 31. Ja einer Zeitung genannte Major a. D. Justrow im Jahre 1929 den Abschied erhalten hat. Hindenburg wählt in Berlin, die Genser Deleoation wählt in Lörrach Berlin, 9. Sept. Reichspräsident v. Hindenburg wird am Donnerstag seinen Urlaub in Dietramszell beenden. Er wird am Sonntag wieder in Berlin sein, um in der Reichshauptstadt seiner Wahlpflicht zu genügen. Die deutsche Abordnung in Genf wird am Sonntag auf deutschen Boden nach Lörrach(Baden) fahren, um hier ihre Stimmen für die Reichstagswahl abzugeben. Brüning zur Reform der Krankenkassen Oppeln, 10. Sept. Reichskanzler Dr. Brüning eröffnete heute seine Wahlreise in Schlesien mit einer Rede in einer stark besuchten Zentrumsversammlung in Oppeln. Er beschäftigte sich insbesondere mit der Reform der Krankenkassenversicherung und führte u. a. aus: Wenn jetzt von sozialistischer und kommunistischer Seite das Märchen erzählt werde, als ob Kinder zu Tode geommen würrn, weill wegen des Krankenkasser eins kein Arzt herangeholt werden konnte, so sei das nichts andres als eine Lüge. Entweder hätten die von Sozialisten und Kommunisten geleiteten Wohlfahrtämter versagt, oder aber die Ausführungsbestimmungen zur Krankenkassenversicherungsnovelle seien den eignen Parteiangehörigen nicht genügend zur Kenntnis gebracht worden. iemand, der in schwerer Not sei oder krank und kein Geld habe, entbehre auch in Zukunft der ärztlichen Hilfe. Man wolle mit solchen Manövern zu vertuschen versuchen, daß der Leiter des sozialistischen Krankenkassenverbandes, Lehmann, bereits vor zwei Jahren selbst die stärksten Ersparnisse bei der Krankenversicherung forderte, weil er eingesehen habe, daß diese Ausgaben nicht noch weiter steigen dürften. Der Reichskanzler betonte in diesem Zusamm hang auch; es sei nicht Aufgabe der Krankenkassen, sich überall Verwaltungspalaste zu errichten. Man könne auch sparsam bauen, und eine der Maßnahmen des Krankenversicherungsgesetzes sei, die Verwendung der Versicherungsbeiträge der Versicherten zur Errichtung von Gebäuden zu verhindern, die in der Notzeit des deutschen Volks nicht gebaut werden könnten. Eine Versammlung von 15000 Wählern. Berlin, 9. Sept. Die Versammlung, die das Berliner Zentrum heute im Sportpalast abhielt, hat Reichskanzler Brüning eine Spitzenleistung der Organisationskraft genannt. Dieses Lob wahr wohl verdient. Manchen mochte es ein Wagnis erscheinen, daß das Berliner Zentrum seine Anhänger in den großten Saal Berlins zusammenrief. Aber die zunehmende Stärke des Berliner Zentrums und die Propagandakraft des Ramens Brüning hatten ein vollbesetztes Haus zustande gebracht. Einen solchen Massenausmarsch von Zentrumswählern hat Berlin noch nicht gesehen. Rund 15000 Menschen waren herbeigeeilt, um den letzten Appell des Kanzlers zu hören. Dr. Brüning, der bei seinem Erscheinen mit stürmischem Beifall begrüßt wurde, benutzte die Gelegenheit zu einer umfassenden Darlegung seines Strebens und seines Wollens. Die Worte des Reichskanzlers rissen die Riesenversammlung immer wieder zu stürmischen Kund gedungen hin. Das gemeinsam gesungene Deutschlandlied schloß diese Veranstaltung, mit der das Beriner Zentrum den Wahlkampf auf den Höhepunkt geführt hat. Der Sohn des Oberbürgermeisters Zum Kapitel sozialdemokratischer Personalpolitik. Amerika widerruft Washington, 9. Sept. Die Meldung, Deutschland habe bei der amerikanischen Regierung einen Schritt unternommen, damit die alliierten Kriegsschulden ermäßigt und infolgedessen automatisch auch die deutschen Reparationsleistungen herabgesetzt werden, wird von amerikanischer Seite offiziell als unzutrefsend bezeichnet. Der stellvertretende Schatzsekretär Ogden Mills erklärte, es sei keine derartige Anregung an ihn gelangt. Zur gestrigen Erklärung des Senators Barkley, der amerikanische Zolltarif und die alltierten Schulden seien revisionsbedürftig, betonte Mills, die amerikanischen Kapitalanlagen in Europa, die Ausgaben von Amerikanern für Reisen nach Europa, die Ozeanfrachten und die Geldsendungen der Einwanderer in ihre Heimat machten zum mindesten zusammen einen ebenso hohen Betrag aus, wie die Beträge für die Kriegsschäden, vermehrt um Amerikas aktive Handelsbilanz. Nach einer Washingtoner Zuschrift an das Journal of Commerce wird die Meldung von einem angeblichen Schritt Deutschlands hier als ein von interessierter dritter Seite lancierter Versuchsballon betrachtet, der in Washington einen sehr ungünstigen Eindruck gemacht habe. Deutschland kenne Amerikas Stellungnahme zur Frage der Kriegsschulden und sei daher an dieser törichten Nachricht nicht beteiligt. Angesichts der gegenwärtigen wirtschaftlichen Depression in den Vereinigten Staaten sei Hoover weniger denn je geneigt, die amerikanischen Steuerzahler zugunsten des Auslandes mehr als notwendig zu belasten. Abgeordnetenverhaftungen in Polen WTB. Warschan, 10. Sept. In der vergangenen Nacht wurde hier und in der Provinz eine Anzahl ehemaliger Seimabgeordneter verhaftet, die in der Mehrzahl zu den Organisatoren des Kongresses der Zentrolinksparteien in Krakau am 29. Juli dieses Jahres gehörten. Auf diesem Kongreß sind scharfe Angriffe gegen den Staatspräsidenten gerichtet worden. In Warschau wurden neun frühere Seimabgeordnete, unter anderm Dr. Liebermann und Barlicki(Polnische Sozialistenpartei) und Kiernik(Bauernpartei Piast) verhaftet; in der Provinz unter anderm der frühere Ministerpräsident Witos. WTB. Warschan, 10. Sept. Zu den Verhaftungen einer Reihe von Führern der Oppositionsparteien wird weiter gemeldet, daß die Verhaftungen noch fortgesetzt werden. Auch Redakteure der Oppositionspresse sollen von ihnen betroffen werden. Massenverhaftungen sind weiter in einer Reihe von Orten in Ostgalizien unter den Mitgliedern der ukrainischen Minderheit vorgenommen worden. Landung des„Graf Zeppelin“ in Moskau In Braunschweig ist beim städtischen Fürsorgeamt der Sohn des Oberbürgerm. Beims aus Magdeburg angestellt worden. Dazu schreibt ein Braunschweiger Bürger in der Braunschweigischen Landeszeitung(Nr. 192) folgende beachtenswerten Ausführungen: Ich bin infolge Abnahme der Arbeiten von einer Behörde abgebaut und nun als Familienvater gezwungen, auf die Suche nach einer neuen Stellung zu gehen. Dabei ist es mir mehr als einmal passiert, daß mir von dem Chef, bei dem ich mich beward, ae sagt wurde:„Weshalb werden Sie denn von der Behörde abgebaut, während man auf der anderen Seite bei der Behörde Herren aus einer anderen Stadt einstellt! Werden denn bei der Besetzung behördlicher Stellen die Herren Stadtväter nicht mehr gefragt oder haben diese Herren heutigentags nichts mehr zu sagen? Ich gehöre keiner Partei an, bin aber infolge meiner Stellenlosigkeit arg verbittert, und ich will offen bekennen, daß ich in dieser Verbitterung bisweilen daran gedacht habe, mich der Sozialdemokratischen Partei anzuschließen, weil ich der Meinung war, daß dort Ehrlichkeit und Gerechtigkeit und Verständnis für die Not der Erwerbslosen vorhanden sei. Wenn man aber solche Dinge erleben muß, daß die Freundschaft des sozialdemokratischen Braunschweiger Oberbürgermeisters mit dem sozialdemokratischen Mag deburger Oberbürgermeister dessen Sohn einen Posten in Braunschweig verschafst, dann steigt einem der Ekel über den Zwiespalt zwischen sozialdemokratischer Theorie und Praxis auf. Uns, ohne Ausnahme der Partei, soll man Arbeit schaffen, aber nicht dem Sohne des Herrn Oberbürgermeisters Beims aus Magdeburg, der ein Gehalt von 36000 Mark bezieht. WTB. Moskan, 10. Sept. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" erschien, von zwei Sowjetflugzeugstaffeln geleitet, um 10 Uhr osteuropäischer Zeit über Moskan und kreiste zwei Stunden über der Stadt, von Hunderttausenden von Zuschauern jubelnd begrüßt. Die äußerst schwierige Landung am Landungsmast wurde mit Hilfe von Mannschaften der Sowjetlustfahrt musterhaft ausgeführt. Auf dem Landungsplatz befanden sich u. a. Vertreter der Zivil= und Militärluftfahrt sowie zahlreicher öffentl. und wissenschaftlicher Organisationen, Mitglieder des diplomatischen Korps, der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie und Pressevertreter. Der Chef der Luftstreitkräfte der UdSSR., Baranow, begrüßte Dr. Eckener namens der Sowjetregierung. Auf dem Flugplatz wurde den Gästen ein Frühstück geboten. Der „Graf Zeppelin" verläßt Moskau um 17 Uhr ofMrhpscher Zeit. Die Begrüßung WTB. Moskau, 10. Sept. In einer Ansprache, mit der er bei der Ankunft des„Graf Zeppelin“ Dr. Eckener begrüßte, führte der Chef der Luftstreitkräfte der Sowjetunion. Baranow, u. a. aus: Ich bin davon überzeugt, daß der Besuch des deutschen Luftschiffes unter Ihrer Führung erneut die Gewähr nicht nur für den Ausbau und die Festigung der freundschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern, sondern auch eine enge Verbindung zwischen der sowjetistischen und deutschen Luftflotte schafft. Der deutsche Geschäftsträger, Botschaftsrat von Twardowfki, der die Gäste namens der deutschen Botschaft und der deutschen Kolonie begrüßte, erklärte, der Besuch des„Graf Zeppelin“ sei eine Bestätigung der freundschaftlichen Beziehungen zwi schen Deutschland und der Sowjetunion, und wies auf die Leistungen des sowjetistischen Flugwesens hin. Er erwähnte besonders den Flug MoskauNeuyork und den Orientflug, der zurzeit von einem Sowjet flugzeuggeschwader unternommen wird. Namens der Mannschaft und der Fahrgiste des Graf Zeppelin“ dankte Dr. Eckener für den herz lichen Empfang und gab seinem Bedauern Aus druck, daß die Wetterverhältnisse es ihm im vergangenen Jahre nicht erlaubten, Moskau zu besuchen. Allen Flugteilnehmern wurden Geschenke über reicht. Dr. Eckener erhielt einen silbernen Pokal. Das Luftschiff nimmt auf seiner Rückfahrt 60 Kilo Postsendungen mit. Zwei Sowjetingenieure machen die Heimfahrt des„Graf Zeppelin" als Fluggäste mit. Der WTB. Moskau, 10. Sept. Das Luftschiff„Graf Zeppelin“ ist heute um 16.40 Uhr hier zu seinem Rückflug nach Friedrichshafen ausgestiegen. Ueber Kottbus WTB. Kottbus, 11. Sept. Das Luftschiff„Graf Zeppelin" überflog auf der Heimfahrt von Mos kau nach Friedrichshafen heute früh um 6,15 Uhr Kottbus und entfernte sich in züdlicher Richlung Das deutschechinesische Luftfahrtabkommen Paris, 10. Sept. Der Agentur Indopacifique wird aus Schanghai über das deutsch chinesische Luftfahrt abkommen gemeldet: Der Vertrag mit der Lufthansa sehe die Schaffung einer deutsch=chinesischen Gesellschaft ge mäß dem chinesischen Gesetz vor. Das Kapital betrage drei Millionen merikanische Doslar, gestückelt in 3000 Aktien zu je 1000 von sechs Chinesen und drei Deutsche. Drei Flugzeuglinien zwischen Schanghal und Berlin seien vorgesehen, und zwar erstens Schanghai—Berlin über Nanking, Tientsin, Peking, Mandschuli und Sibirien, zweitens Schanghai—Verlin über Ranking, Tientsin, Peking, Kulun, Mongolei und Sibirien, drittens Schanghai—Berlin über Nanking, Sinkiang, Kansu und Sibirien. Die Verwirklichung dieses Planes soll jedoch vorläufig noch auf den Widerstand der Räte stoßen. Wie noch berichtet wird, kann die bevorstehende Gründung einer chinesisch=deutschen Luftverkehregesellschaft keineswegs Verhandlungen vorgreifen, die noch mit Rußland gepflogen werden müssen, soll der Flugbetrieb der neuen Gesellschaft nicht rein innerchinesisch bleiben, sondern tatsächlich Flugbeziehungen zwischen Deutschland und China herbeiführen. Stärkt die Kreisparteikasse! Spendet für den Wahlkampf! Postscheckkonto Köln 83629, Es gingen ein: Aus Hillensberg 45 RM. 30 RM Lehrer Melchers, Unterbruch. aus Ophoven Gerichtliches. a. Wer hat das Inserat aufgegeben? Anfang April ds. Irs. war in der„Heinsberger Volkszeitung", dem„Heinsberger Tageblatt" und noch einer Zeitung ein Inserat zu lesen, in dem ein gewisser v. Cl. aus Heinsberg mitteilte, daß er am 15. April Unterricht in Musik Tbio zur Conservatoriumsreise“ erteile; Anmeldungen sollten in Schafhausen erfolgen. Der Aufgeber der Annonce nannte sich„einzig geprüfter Musiklehrer des Kreises Heinsberg“. v. Cl., der Musikschüler ist, hat die Inscrate nicht aufgegeben. Offensichtlich sollte die Zeitungsanzeige ihn lächerlich machen, ihn an seinem Fortkommen hindern und ihm auch materiellen Schaden zufügen, da er die Inserate bezahlen mußte. Der Musiklehrer V. aus Grebben war jetzt am erweiterten Schöffengericht 2 in Aachen wegen Beleidigung durch die Presse und Urkundenfälschung,„um jemandem Schaden zuzufügen“, angeklagt; er soll die Inserate aufgegeben haben, bestreitet es aber sehr entschieden. v. Cl. war s. Zt. Schüler des V.; sein Vater hat mal in einer Zeitungsnotiz mitgeteilt, daß der Sohn in Aachen beim Conservatorium P. die„Musiklehrerprüfung bestanden" habe. v. Cl. spricht von einem„Mißverständnis“ des Vaters, dem er lediglich gesagt habe, er habe den„Unterrichtserlaubnisschein" erhalten, mußte aber zugeben daß er sich mal in einem Brief als„Musiklehrer" bezeichnet hat. Der Annonce steht er indessen ganz fern; er habe sie nicht veranlaßt und sei durch sie vielmehr überrascht worden. Hat V. das Inseratmanuskript unterschrieben? Der Schreibsachverständige Rektor Seulen-Aachen hat von„geringen Aehnlichkeiten“ gesprochen und erklärt, er glaube, daß die Unterschrift von V. herrühre. Vor Gericht wurde als Sachverständiger Polizeihauptmann a. D. Groß=Ncuß vernommen: er machte eingehende Darlegungen vor einer Projektionswand, die die inkrimierte Unterschrift und Schriftproben des V. vielfach vergrößert zeigte. S. erklärte, er könne mit aller Bestimmtheit behaupten, daß die Unterschrift vom Angeklagten herrühre. Graphologisch betrachtet, sei es die Schrift eines Mannes, der sich mit Kunst befasse; das zeigten die rythmischen Bewegungen bei Führung der Buchstaben. Der Staatsanwalt beautingte 6 Wochen Gesängnis. Das Gericht verneinte das Vorliegen einer Beleidigung; es bleibe nur einfache Urkundenfälschung übDollar. Davon übernimmt die chinesische Regierung rig, aber das Gericht habe nicht die genugende Ueber2000, die Lufthansa 1000 Anteile. An die Spitze der zeugung von der Täterschaft des Angeklagten: er Gesellschaft werden neun Administratoren treten, da wurde freigesprochen. und jue ¾4. Der Wasserturm bei Hülhoven n. Die Arbeiten an dem neuen Wasserturm im Hülhovener Feld, ausgeführt von der Bauunternehmung Firma Gebr. Hermanns aus Eschweiler gehen ehr schnell vonstatten. Bisher hat man in einer verhältnismäßig kurzen Zeit schon eine Höhe von über 25 Meter erreicht. Die Arbeiten werden so rasch weiter gefördert werden, daß der Turm nach Fertigstellung der Hausanschlüsse für die Ortschaften Hälhoven, Grebben und Eschweiler ebenfalls fertiggestellt ist und die Wasserleitung somit ungehindert seiner Bestimmung übergeben werden kann. Kanalisierungsarbeiten :: Oberbruch. Die langersehnten Kanalisationsarbeiten am Birnbaum, die der Firma Gebrüder * Hermanns aus Eschweiler schon vor einigen Monaten laut Beschluß der Gemeindevertreter zur Ausführung übertragen wurden, werden zur Zeit ausgeUhrt. Die Kosten belaufen sich auf ca. 9½—10 tauend Mark. Erfreulicher Weise wurden auch zu die sen Arbeiten Erwerbslose unserer Gemeinde herangezogen die wiederum für einige Zeit eine lohnende Beschäftigung fanden. Zeutrumsversammlung in Dremmen M: Dremmen. Im großen Saale des Marienklosters in Dremmen fand eine Zentrumsversamm##ng statt. Der Versammlungsleiter Herr Straußseld eröffnete gegen ½8 Uhr die Versammlung und begrüßte die erschienenen Parteifreunde, den Vorsitzenden der Kreiszentrumspartei, Herrn Pfarrer Mararef aus Unterbruch, sowie die beiden Redner des Abends Herrn Parteisekretär Dr. Maas aus Aachen und den Provinziallandtagsabgeordneten Herrn Pilates, Oberbruch auf's herzlichste. Alle Redner des Abends sprachen in längern Vorträgen und gaben genaue und übersichtliche Ausführungen über die so wichtige Reichstagswahl am kommenden 14. September, von der die Rettung unseres Reiches vor dem innerlichen Zusammenbruch abhängig ist, #erner über die augenblickl. schlechte Wirtschaftslage im Deutschen Staate und die dadurch entstehende Arbeitslosigkeit und Finanznot, schilderten die Leiden des deutschen Volkes in der Nachkriegszeit und zeigten das Ringen der Regierung mit dem Reichstag um die Ordnung der Finanzen, die Erhaltung unserer Wirtschaft und die Sicherung der sozialen Verpflichtungen. Alle Ausführungen geschahen in rein sachlicher Weise, wie es zum Wesen der Zentrumspartei paßt. Zum Schlusse ermahnte Herr Straußfeld die Besucher eindringlich, das Gehorte auch den Richterschienenen zu übermitteln und am Wahltage ihre Pflicht zu erfüllen. Die Versammlung war ein begeistertes Bekenntnis für Brüniug und die Zentrumspartei. Zentrumsversammlung in Porselen * Zeutrum— der Name hat noch immer den gleichen, guten Klang wie in den 70er Jahren und der unmittelbaren Nachkriegszeit, wo es darum ging, christl. Glaubens= und Grundsätze, ihren Lebensraum auch in unserem neugeschaffenen Staatswesen zu si chern. Heute, wo wir wieder vor einer Wahl stehen und der Kampf Aller gegen Alle auszubrechen droht, kommt uns die klare Orientierung nach dem Sittengesetz der Vergpredigt. Unsere Politik kommt aus dem Glauben, jenem Glauben an eine göttliche Weltlenkung, an eine Wiedergenesung unseres Volkes, seiner wirtschaft, seines Geistes und seines Staates. Daß diese Idee ihre alte Anziehungskraft eher verstärkt als verloren hat, das bewies die gestern abend in Porselen im Saale Lieck abgehaltene Zentrumsversammlung, in der Herr Prov=Landtagsabgeordneter Pilates und Herr Debiel aus Heinsberg sprachen. Herr Fabrikant Baltes begrüßte die Anwesenden, vornehmlich den Herrn Kreisparteivorsitzenden Margref, die Herren Redner und nicht zuletzt den Herrn Pfarrer Schuwerack von Porselen. Letzterer wurde zunächst von der Versammlung einstimmig zum Ortsvorsitzenden der Zentrumspartei Porselen gewählt und nahm auch diese Wahl mit einem recht humorvollen Einschlag an. Der neue Vorsitzende erteilte sodann das Wort dem Herrn Debiel=Heinsberg, zu dem Thema: Wirrwar oder Ordnung? In schlichter, ruhiger Sachlichkeit, dem Ernst der Verantwortungstreue, von der die Ausführungen getra gen waren und folglich immer bei den Nachdenkenden des Volkes einen nachhaltigeren Eindruck hinterlassen, als manche Phrasendrescher die nur stets mit Schlag wörter jonglieren. Erfüllungspolitik, Verständigungspolitik und der Geist der Volksgemeinschaft nebst christlicher Grundsätze helfen uns allein heraus aus diesem Wirrwar. Keine Katastrophen=Politik kann uns retten. Kein Hakenkreuz, kein Sowjetstern, sondern nur das Christenkreuz. In christl. Liebe und Treue wollen wir für letzteres auch am 14. September einstehen.„Wer nicht mit mir ist) der ist wider mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut. Zum Schlusse der sehr sachlichen Ausführungen fordert Redner noch alle auf, am Sonntag nicht nur zu wählen, sondern auch mitzuarbeiten am Wiederausstieg Deutschlands. Herr Abg. Pilates=Oberbruch, sprach sodann über: Die Bedeutung der heutigen Reichstagswahlen. Ausgehend von der Wirtschaftskrise des Reichs, dem Notopfer und der sich daraus ergebenden Mehrheit von nur 15 Stimmen ist der Reichstag aufgelöst worden. Die ungeheuere Zahl der 11 Millionen Erwerbslose, das große Verantwortungsbewußtsein der Zentrumspartei und der Regierung Brüning über entschlossene Reformen und Deckungsmaßnahmen sind nur geeignet den Haushaltetat wieder in Ordnung zu bringen. Erfüllungspolitik und Ausbalanzierung des Etats muß des neuen Reichstags größte Sorge sein. Die Abrechnung mit den übrigen zur Wahl aufmarschierten Parteien war kurz und bündig. In der nun folgenden Aussprache nahm noch das Wort Heckmann(Ratheim) und Pfarrer Margref. Letzterer forderte zur Kleinarbeit innerhalb der Partei auf. Die große Zahl der Nichtwähler müsse schwinden. Die Augen auf! Gefahr droht dem Volke und dem Vaterland. Am nächsten Sonntag gilt unsere Stimme der Liste 3, dem Zentrum. Gemeindeumlagen :: P o r s e l e n. D i e d i e s j ä h r i g e n G e m e i n d e u m l a g e n zur Deckung des Steuerbedarfes für das Rechnungs- 1020 mn cAns 55e hie(Aomeinhe Rorfal- Su. jahr 1930 wurden für die Gemeinde Porselen, Bürgermeisterei Hilfarth, laut Beschluß der Gemeindevertreter und nach vorgenommener Prüfung und Genehmigung der Kreisverwaltung wie folgt festge setzt: Die stoatlichen Grundvermögenssteuern auf 400 Prozent, die Gewerbesteuer vom Ertrage auf 500 Prozent und die Gewerbesteuer nach der Lohnsumme ebenfalls auf 500 Brozent. In einem Hause in der Neuselder Straße zu Köln=Dellbrück bestanden feit einiger Zeit Familtenstreitigkeiten zwischen zwei Ehepaaren. Die eine Partei wollte der anderen den Zutritt zum hinter dem Hause befindlichen Garten verweigern. Es kamen immer mehr Spannungen vor, die sich vor einigen Tagen in einem glatten Mordversuch entluden. In der Nacht von zwei bis fünf Uhr morgens logte man von der Sichtlettung aus eine regelrechte Leitung zur Tür, die in den Garten führt und die von der angefeindeten jungen Frau berührt werden mußte, wenn sie den Garten betreten wollte. Zufällig belauschte das junge Ehepaar aber seine Feinde bei der nächtlichen Mordarbeit, so daß es von deren Plänen unterrichtet war und sich vor großem Unheil schützen konnte. Die polizeilichen Feststellungen sind im Gange. Gelsenkirchen.(Mit Beil und Bierflasche.) In der Nacht drangen die Brüder Jakubzik aus der Beckerathstraße im Stadtteil Buer in angetrunkenem ZuKand in die Wohnung ihres Vaters in der Koloniebe ein, überfielen den Vater im Schlafzimmer und bearbeiteten ihn mit einem Beil und einer Bierflasche. Der alte Mann mußte in schwer verletztem Zustand dem Krankenhaus zugeführt werden. Nach Ansicht des Arztes besteht Lebensgefahr. Die beiden Burschen konnten von der Polizei festgenommen werden. Solingen. Zu erregten Kundgebungen der KPD. kam es am Schnitzlerplatz, wo die Kommunisten an einem der Stadt gehörenden alten Schieferhause ein Transparent mit einem Wahlaufruf hatten anbringen lassen, dessen Beseitigung die Stadtverwaltung forderte. Die Bewohner des Hauses, mit deren Zustimmung die Wahlreklame angebracht worden war, lehnten die Beseitigung ab, die Partei aber hatte für den angekündigten Zeitpunkt der gewaltsamen Entfernung eine große Menschenmenge aufgeboten, die das Abnehmen des Transparentes dadurch zu verhindern suchte, daß sie das Haus umstellte. Beauftragte der Stadt rückten schließlich mit der großen Feuerwehrleiter an und unter dem Schutze eines starken Polizeiaufgebotes gelang es schließlich, das Transparent zu beseitigen und vorläufig sicherzustellen; die Herausgabe an die Menge, die damit einen Demonstrationszug unternehmen wollte, wurde abgelehnt. Bottrop.(Vom Kartoffelroder getötet.) In einem landwirtschaftlichen Betriebe in Welheim ereignete sich ein schwerer Unfall mit tödlichem Ausgang. Der 67jährige Wilhelm Eckrodt, Nordring, geriet mit dem rechten Bein in einen in Betrieb befindlichen Kartoffelroder. E. erlitt hietbei einen komplizierten Unterschenkelbruch und schwere Verletzungen am ganzen Körper. Auf schnellstem Wege erfolgte sodann die Ueberführung ins Marienhospital Bottrop. Leider waren die Verletzungen so schwerer Natur, daß der Tod den Bedauernswerten gegen 14 Uhr von seinem Leiden erlöste. 6 Homburg. Der preußische Staat hat nach längeren Verhandlungen mit der Kur=A.=G.Bad Homburg, die zum Teil im Besitz der Stadt Frankfurt a. M. ist, beschlossen, dem Bade ein Darlehen von ½ Million RM. zu geben. Damit sind endlich die bis zum Jahre 1866 zurückliegenden einstweiligen Abmachungen zwischen Preußen und Homburg zum Abschluß gebracht. Homburg war beim Uebergang aus hessischem Besitz in preußische Hand ein gutgehendes Spielbad gewesen, in dem die Brüder Blanc, deren einer später Monte Carlo gründete, herrschten. Die Spielbank mußte 1871 schließen, für die Offenhaltung von 1866 bis 1871 zahlten die Brüder Blanc drei Millionen Mark. Die Zinsen dieser Summe standen dem Bad Homburg zur Verfügung; sie schmolzen natürlich in der Inflation zu nichts zusammen und niemand war zunächst da„der sie 1924 wieder herstellte oder doch aufwertete. Das ist nun nach langen Jahren des Hoffens in der Form eines Darlehens geschehen. Bielefeld. Als im Cafe Kölker keine Gäste mehr anwesend waren, läutete plötzlich die Türklingel. Als sich Frau Kölker in das Lokal begab, um den verspäteten Gast zu bedienen, krachte ein Schuß, und die Frau brach, von einer Kugel im Unterleib getroffen, zusammen. Der Täter, der es offenbar auf die Ladenkasse abgesehen hatte, flüchtete, sein Fahrrad am Tatort zurücklassend. Die Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus geschafft, wo sofort eine Operation vorgenommen wurde, die aber ohne Erfolg war, denn kurz nach Beendigung starb die Frau. Auf Grund der genauen Personenbeschreibung gelang es der Kriminalpolizei einige Stunden später, den Täter auf dem Hauptbahnhof festzunehmen. Ein zweiter junger Mann wurde als der Mittäterschaft verdächtig aus dem Zuge nach Herford herausgeholt. Es handelt sich um den 18jährigen Malerlehrling Paul Korneck und den gleichaltrigen Arbeiter Fischer, die erst am Samstag aus der Erziehungsanstalt Klausheide entlassen waren. Sie sind gestän. dig. Das Fahrrad war am Tage vorher gestohlen worden. mein Mann und ich bewersen uns täglich mit Die große Schnauze „Sie heißen?“, fragt der Richter und nimmt einen neuen Band Akten zur Hand. „Eugen Preller.“ „Wie alt sind Sie?“ „Ich bin 24 gewäsen.“ „Ich habe Sie nicht gefragt, wie alt Sie gewesen sind, sondern wie alt Sie jetzt sind.“ „Ich wärde 26!“ „Ich habe Sie auch nicht gefragt, wie alt Sie werden. Sie sind also 25 Jahre alt. Verheiratet?“ „Mit wem?“ „Ob Sie verheiratet sind?", brüllt der Richter. „Noch nicht. Aber wenn die Ida ihre Aussteuer zusammen hat...“ „Gehört nicht hierher. Sie sollen Frau Wenzeslaus beleidigt haben. Stimmt das?“ „Ich weiß nicht. Vielleicht fühlt sie sich beleidigt.“ „Natürlich fühlt sie sich. Sie hat ja geklagt. Kommen Sie mal vor, Frau Wenzeslaus. Was hat der Beklagte zu Ihnen gesagt?“ „Zu mir hat er gar nichts gesagt. Aber zu anderen. Zum Beispiel zu Frau Ziegler. Zu der hat er gesagt„ich wäre ein siebenmal um den Kirchturm gewickeltes Riesenrindvieh.“ „Fünfmal“, sagt Eugen Preller. „Das ist ja am Ende egal“, sogt der Richter. „Fünfmal oder siebenmal um den Kirchturm gewickelt. Das wird Frau Wenzeslaus am Ende gleichgültig sein. Aber das Riesenrindvieh ist eine Beleidigung. Sehen Sie das ein?“ „Jawohl.“ „Sie habe ich ja gar nicht gefragt, Frau Wenzeslaus, sondern den Beklagten.“ „Frau Wenzeslaus hat zu Herrn Püttner gesagt, ich hätte eine viel zu große Schnauze. Na und da wollt“ ich ihr mal beweisen, daß ich die haben Konn! Er hat noch mehr gesagt", ereifert sich Frau Wenzeslaus.„Zu weiner Freundin Tilde hat er „Na, das ist doch keine Beleidigung, das ist doch eder eine Schmeichelei.“ „Ja, aber er hat gesagt, es hängen noch die Töpfe dran!“ Ste scheinen ja wirklich ein recht großes Mundwerk zu haben, Herr Preller“, zieht der Richter die Stirn in Falten. „Hat Frau Wenzeslaus behauptet. Ich kann das nicht beurteilen.“ Das Gericht konnte es beurteilen und brummte Eugen dem redseligen, eine Geldstrafe von 75 Mark „Und ich habe doch nur gesagt: Fünfmal um den Kirchturm gewickelt", brabbelt er vor sich hin und verläßt geknickt den Saal. Verbindlichkeitserklärung des Ruhrschiedsspruchs WTB. Berlin, 10. Sept. Der Schiedsspruch vom 4. September 1930 für den Ruhrkohlenbergbau ist für verbindlich erklärt worden. Piccards Vallon=Höhenflug abermals verschoben Berlin, 10. September. Professor Piccard hat seinen geplanten Aufstieg in die Stratosphäre avermals verschieben müssen, da die Wetterlage dem Unternehmen noch immer nicht günstig ist. Der neue Bischof von Kattowitz. Berlin, 10. Sept. Der Osservator Romano hat mitgeteilt, daß der Papst den Prälaten Stanislaw Adamsti aus Posen zum Bischof der Diözese Kattowitz ernannt hat Neuer Absturz im Gebirge München, 19. Sept. Der„Wilde Kaiser“, dem innerhalb eines Jahres bereits 15 Alpinisten zum Opfer gefallen sind, hat wieder zwei Menschenleben gefordert. Zwei junge Münchener, die am Freitag in das Kaisergebirge aufbrachen und nicht zurückkehrten, wurden von der Münchener Bergwacht jetzt tot in den Bergen aufgefunden. Konteradmiral a. D. Sayer gestorben. Hamburg, 10. Sept. Konteradmiral a. D. Albert Gayer, der frühere Leiter der Dienststelle der Marineleitung Hamburg, ist am Dienstag piotzlich gestorben. Er litt seit seinem Austritt aus dem Dienst an einem tückischen Herzleiden Gayer war im Krieg Führer einer U-Bott=Flotille und hat sich als Sachverständiger in allen U=Bootfragen große Verdienste um die praktische Verwendung des U=Boots im Krieg erworben. Ein 18jähriger Raubmörder. Bielefeld. 10. Sept. In ein hiesiges Kaffeehaus verlangte abends spät nach Feierabend ein junger Mann Einlaß. Als sich die Besitzerin in das Lokal begab, um den späten Gast zu bedienen, krachte ein Schuß, und die Frau brach, von einer Kugel in den Leib getroffen, zusammen. Der Täter, der es offenbar auf die Ladenkasse abgesehen hatte, flüchtete und ließ sein Fahrrad am Tatort zurück. Die Schwerverletzte wurde ins Krankenhaus gebracht, wo die Frau starb. Es gelang der Kriminalpolizei einige Stunden später, den jugendlichen Raubmörder auf dem Hauptbahnhof fest zunehmen. Ein zweiter junger Maun wurde unter dem Verdacht der Mittäterschaft aus dem Zuge nach Herford herausgeholt. Es handelt sich bei den jugendlichen Verbrechern um den Malerlehrling Paul Korneck und den gleichaltrigen Arbeiter Fischer, die erst am Samstag aus der Erziehungsanstalt Klausheide entlassen worden waren. Sie sind beide geständig. Das bei der Tat benutzte Fahrrad hatten sie am Tage vorher gestohlen. 29 chinesische Kommunisten hingerichtet WTB. London, 11. Sept. Nach einem Bericht der Daily Mail aus Schanghal sind in den letzten drei Tagen in Honkau 29 Kommunisten hingerichtet worden. auch nicht verhindern, daß die über diesen unn lichen Vorfall erregte Menge den Täter schwei Ein mexikanisches Heeresflugzeug abgestürzt 8 Tote. Neuvork. 10. Sept. In der Nähe von Merida in Mexiko ist ein Heeresflugzeug abgestürzt. Von seinen Insassen wurden sechs gerotet und zwei schwer verletzt. Den Kanal durchschwommen South Foreland, 10. Sept. Eine neue Durchquerung des Kanals ist der neunzehnjährigen südafrikanischen Schwimmerin Bessie Duncan gelungen. Sie stieg hier um 12.45 Uhr an Land, nachdem sie die Strecke von der französischen Küste in 16 Stunden 25 Minuten bewältigt hatte. Explosion in einer Aluminiumfabrik Sämtliche Maschinen vernichtet. Schwarzenfeld,(Reg.=Bez. Oberpfalz), 10. Sept. In der Aluminiumpulverfabrik Lauerbacher& Co. explodierte gestern nachmittag der Mahlraum für Aluminium. Sämtliche Maschinen wurden durch die Gewalt der Explosion vernichtet und in die Nab geschleudert. Auch eine Seite der Fabrik ist in die Nab gestürzt. Die Gewalt der Explosion war so stark, daß im Umkreis von 300—500 m alle Fenster und Fensterstöcke, zum Teil auch Türen, in Trümmer gingen. Die Bevölkerung stürzte in panischem Schrecken auf die Straße. Zwei Arbeiter erlitten Verletzungen. Die Belegschaft ist durch die Explosion arbeitslos geworden. Drei Menschen an Speisenvergiftung gestorben Hamburg, 10. Sept. Ein in Altona wohnendes Ehepaar und seine Hausangestellte starden nach dem Genuß frisch eingekochter Bohnen. Bei allen drei Vergifteten traten zunächst schwere Lähmungserscheinungen ein. Es ist anzunehmen, daß in das nicht genügend fest verschlossene Einkochglas irgendwelche Bakterien eingedrungen sind. Ein Rohling wirft seine Frau aus dem Fenster Berlin, 10. Sept. In der Nacht zum Mittwoch verübte der 45jährige Schlachtermeister Brochnow im Norden Berlins eine unglaubliche Roheit. Er hatte eine 35jährige Frau auf der Straße kennengelernt. In seiner Wohnung entstand zwischen den beiden Streit, worauf der Schlachtermeister in Wut geriet und die Frau aus dem Fenster warf. Bei dem Sturz aus dem ersten Stockwerk des Hauses trug die Unglückliche schwere Brüche und innere Berietzungen davon. Das von Nachbarn herbeigerufene Ueberallkommando mußte erst die vom Schlachtermeister verbarrikadierte Tür gewaltsam öffnen, um des Roh lings habhaft zu werden. Die Polizeibeamten konnten Jurchtbares Straßenbahnunglück in Züri 2 Lote, 3 Schwerverletzte Zärich, 10. Sept. Bei der Meteorologischen tralanstalt wo schon zweimal ähnliche Ung flle sich ereigneten, stieß ein infolge Nach keit der Straßenbahner aus einer Wagenhalle rollender Zug von drei Beiwagen in rasend Lauf von hiuten auf einen mit Fahrgästen# besetzten Motorwagen. Der ganze Zug entgleiste und wurde zertrümmert. Zwei Tote wurden festgestellt, deren Leichen mitten entzweigeschnitten waren, sowie drei Schwevverletzte, von denen B. Fwischen a ein 16jähriges Mädchen durch Blutübertragung rettet werden konnte. Sieben Fahrgäste erlitten leichtere Verletzungen. Der verantwortliche Leiter der Straßenbahnhalle suchte sich durch Elektrigität zu töten, konnte jedoch daran verhindert werden. erlitt indessen lebensgefährliche Verbreununge7. Die Verhaftungen in Polen WTB. Warschan, 11. Sept. Zu den Verhaftungen von Seimabgeordneten veröffentlicht die polnische Tolegraphenagentur eine amtliche Mitteilung, nach der die Verhaftungen erfolgten auf Grund teils krimineller Vergehen(Diebstahl, Betrug, Unterschlagung usw.), teils politischer Delikte(Schüsse auf die Polizei, Aufforderung zur Gewalt, Widerstand gegenüber Behörden, staatsfeindliches Auftreten). Der Todesmarsch durch das Polareis Das Tagebuch Strindberge WTB. Stockholm, 10. Sept. Die Zeitung Dagens Nyheter veröffentlicht heute einen Auszug aus dem Tagebuch Strindbergs, aus dem u. a. hervorgeht, daß die Andree=Expedition am 14. Juli, drei Tage nach ihrem Ballonaufstieg, auf einer Eisscholle landere. Strindberg hat auf einer handgezeichneten Karte die Ortsbestimmungen genau angegeben, so daß man die langsame Irrfahrt der Expedition in südlicher Richtung verfolgen kann. Der Marsch nach Süden dauerte nach den Aufzeichnungen fast drei Monate. Die Expedition blieb bis zum 22. Juli auf dem Ankerplatz und mußte am 27. eine MeugGepäck zurücklassen, von da an betrug das Gewicht der Ladung nur noch 140 Kilogramm. Am 11. August wurde der 82. und am 7. September der 81. Breitengrad passiert. Am 12. September mußte der Proviant rationiert werden, und am 16. September gaben die Forscher den Versuch, den Marsch fortzusetzen, auf. ü folgenden Tage wurden die Lichter von Bitö bemerkt. Die Eisscholle, auf der die Expedition eine Schneehütte gebaut hatte, zerbrach am 2. Oktober, und am 5. Oktober wurden die Forscher Gefangene der Insel. Am 6. Oktober brach ein Schneesturm aus. Nach dieser Aufzeichnung ist nur noch ein Wort vermerkt:„Resignation". Nach dem 17. Oktober hatten Strindbeig die Kräfte verlassen, er war nicht mehr imstande, weiter zu schreiben. „Sanatorium“ Grundemann Seinen Bruder 25 Jahre gesangengehalten Frankfurt a. d. Oder, 9. Sept. Das Schöffengericht Frankfurt a. d. Oder wird sich dimnäch mit einem Fall zu beschäftigen haben, der seinerzeit nicht nur in Deutschland, sondern nuch im Ausland allgemetnes Aufsehen und Empörung hervorgerufen hatte. Es handelt sich um die schändlichste Mißhandkung eines Kranken durch seinen eigenen reichbegüterten Bruder. Die Aufdeckung dieser Untat, die 25 Jahre hindurch in gleich unmenschlicher Weise fortgesetzt wurde. erfolgte nur durch einen Zufall. Eine in Frankfurt weilende Mordkommission hatte im Februar dieses Jahres ein Schreiben ohne Unterschrift erhalten, in dem mitgeteilt wurde, daß der Bauerngutsbesitzer Grundemann in Breesen seit 25 Jahren einen Menschen in einer vergitterten, wohlversperrten Stube eingeschlossen halte. Auf Anordnung des Oberstaatsanwalts in Frankfurt führten die Beamten der Mordkommission eine Haussuchung bei Grundemann durch und entdeckte in einem ganz winzigen Dachstübchen, dessen einziges Fenster vergittert war, einen etwa 50jährigen bis zum Skelett abgemagerten Mann. Der Zustand der Stube spottete jeder Beschreibung. Das Fenster konnte niemals geöffnet werden, da die Fugen mit Gips verschmiert waren. Beim Oeffnen der Tür schon entströmte der Kammer ein pestilenzartiger Geruch. Die Kammer war anscheinend niemals geheizt worden, und ihr Mobilar bestand aus einer zertretenen Strohdecke, auf welcher ein vollkommen verschmutztes und zerrissenes Hemd, das einzige Kleidungsstück der Gefangenen, lag. Haar, Baart und Fingernigel hatten eine unheimliche Länge erreicht. Als der Kranke die Fremden eintreten sah, verkroch er sich in einen Winkel und fing furchtbar zu heulen an. Der„Menschenasse" wie er von nun an ins Volksmund hieß, wurde zunächst in das Krankenhaus in Zielenzig und von dort in die Irrenanstalt Landsberg gebracht. Der menschenfreundliche Bruder Gundemann wurde festgenommen, aber sehr bald wieder freigelassen. In der Zwischenzeit wurde folgendes festgestellt: Es war in Breesen offenen Geheimnis, daß der Gutsbesitzer Gundemann einen geisteskranken Bruder habe, den er seit 25 Jahren in diesem menschenunwürdigen Zustand gefangen halte. Als bemerkenswert ist besonders hervorzuheben, daß selbst die Behörden, Vormundschaftsgericht und Wohlfahrtsamt, Akten über den„Fall Gundemann“ seit 25 Jahren führten, daß der Kreisarzt und die Wohlfahrtsschwester von Zeit zu Zeit nachscanten. niemand sich aber traute, den Kranken in eine Anstalt überführen zu lassen. Grundemann gilt nämlich als jähzornig und aggresiv und diesem seinem Ruf verdankt er es, daß er 25 Jahre gewissermaßen, unter Duldung der Behörden, seine Schandtit fortgesetzt betreiben durfte. Wählt Liste 3 er Sche nzig, 8 polnische am Het en Zusammenhar durch ihren Senat der F in der es he polnischer B gewisser Dar der Note wir Vertretung ü Polizei eing aßnahmen ergreifen we gültig ein Ei Zu der N Regierung n 7 antwortlich V welchen Elen abt werden. ser Danziger Kote heißt, Beschädigung * bar um die kann von Dan lich vor jeden beamten aufste Zusammenhang nicht von der H Arbeit von ders da die gung ereignet auch zwei D eilige Note ve sicht, Danzig und gegen die des deut Veriggere 2 Mill. Die Vorschä Deutschen Land zeigt, daß im der überreichli den zu rechnen voraussichtlich 1 Ha zu erwar Winterwe Sommern Winterrog Sommerr Binterger Sommerg Hafer Kartoffeln Diese Schätzu durchschnitt zeigt demnach über der amt! mit 16,1 Dz. berücksichtigt des Monats dern in der auf eine eini immer mehr te nach dieser als im Vorjah ser erheblich Einrechnung Bestände ohne reichen sein. Bei Weizen Dz. gegenüber August mit Di. je 1 Ha. fläche im verga wie sie das S flächenerhebung Ausfall nicht rung der Wei Mill. Tonnen berichtsstelle ihren Berichte tigt die Lan eine weitere rund 10 Prozen Bei der Ger richtsstelle mit 1 Ha.(Somme Reiches mit 22 gen einen erhe T., was bei Verringerung anbaues, auf den ist. Die Haserer etwa 2 Mill. als im Vorjah getreideversorgu Mill. Tonnen Einmal können T. Hafer im aus dem Vorja neue Wirtschaft daß nur noch Möglichkeit hier den Mengen aussicht nach Auf die Preisg der Haserernte weitern Verlauf Einfluß bleiben Bezüglich der * Preisberichte Ha., was dürfte. Bei der gering in Aussicht toffelflockenverfüt kigter Gerstee Ein 45 5 toff Mählt Liste 3 Zentru. 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In der Note wird gesordert, der polnischen diplomatischen Vertretung über die Ergebnisse der von der Danziger Polizei eingeleiteten Untersuchung sowie über die aßnahmen Mitteilung zu machen, die der Senat ergreifen werde, um derartigen Zwischenfällen endgältig ein Ende zu bereiten. Zu der Note ist zu bemerken, daß die Danziger Regierung natürlich nicht für Ausschreitungen verantwortlich gemacht werden kann, die von irgendwelchen Elementen an polnischen Briefkästen verübt werden. Von einer„systematischen Aktion gewisser Danziger Faktoren“, wie es in der polnischen Note heißt, kann keine Rede sein. Bei der ersten Beschädigung eines Briefkastens handelt es sich offenbar um die Tat eines Angetrunkenen. Unmöglich kann von Danzig verlangt werden, daß es schließlich vor jeden polnischen Briefkasten einen Schupobeamten aufstellt. Andererseits ist aber auch im Zusammenhang mit anderen Anzeichen die Annahme nicht von der Hand zu weisen, daß es sich um bestellte Arbeit von polnischer Seite handelt, besonders da die Vorfälle sich gerade vor der Genser Ta gung ereigneten, auf deren Tagesordnung bekanntlich auch zwei Danziger Fragen stehen. Die überaus eilige Note verrät nämlich so recht die polnische Ab sicht, Danzig wieder einmal in Genf anzuschwärzen und gegen die Freie Stadt Stimmung zu machen. Erntevorschätzung des deutschen Landwirtschaftsrats Geringere Roggen=, größere Weizenernte— 2 Mill. Tonnen Haser weniger Die Vorschätzung der Preisberichtstelle Deutschen Landwirtschaftsrat vom 15. August d. J. zeigt, daß im lausenden Wirtschaftsjahr nicht mit der überreichlichen Versorgung wie im vorhergehenden zu rechnen sein dürfte. Nach dieser Erhebung sind voraussichtlich im Durchschnitt in Doppelzentner je 1 Ha zu erwarten: in Preußen: im Reich: Diese Schätzung ergibt bei Winterroggen im Reichs durchschnitt einen Hektarertrag von 15,4 Dz. Sie zeigt demnach einen um 0,7 geringern Ertrag gegenüber der amtlichen Vorschätzung vom 1. Aug. d. J. mit 16.1 Dz. Beim Hergleich, dieser Zahlen muß berücksichtigt werden, daß das schlechte Erntewetter des Monats Juli sich nicht nur nicht besserte, sondern in der Zeit vom 1.—15. August die Hoffnung auf eine einigermaßen gute Einbringung der Ernte immer mehr zunichte machte. Die Gesamternte dürfte nach dieser Schätzung rund 600000 T. weniger als im Vorjahr betragen. Die Unterbringung dieser erheblich geringern Ernte aber dürfte selbst unter Einrechnung der aus der alten Ernte übernommenen Bestände ohne allzu große Schwierigkeiten zu erreichen sein. Bei Weizen ergibt sich ein Hektarertrag von 19.5 Dz. gegenüber der amtlichen Vorschätzung vom 1. August mit 20 Dz., also ein Unterschied von 0.5 Dz. je 1 Ha. Die Vermehrung der Weizenanbausche im gergzaggig Wirtschaftsiahr um 11.3 8 um 11,3 Proz., samt in seiner Anbaufläche im.„ wie sie das Statistische Re flächenerhebung im Mai auswies, hat aber diesen Ausfall nicht nur wettgemacht, sondern eine Steigerung der Weizenernte gegenüber dem Vorjahr(fast 3,4 Mill. Tonnen) bewirkt. Wie die Erhebung der Preisberichtsstelle beim Deutschen Landwirtschaftsrat bei ihren Berichterstattern vom 15. Juli ergab, beabsichtigt die Landwirtschaft im neuen Wirtschaftsjahr eine weitere Vergrößerung der Weizenandaufläche um rund 10 Prozent. Bei der Gerste zeigt die Erhebung der Preisbe richtsstelle mit 21,5(Wintergerste) mit 15,6 Dz. je ! Ha.(Sommergerste) gegenüber der Schätzung des Reiches mit 22 bezw. 16,7 Dz. je Ha. wie beim Roggen einen erheblichen Rückgang von etwa 600 000 T., was bei der Sommergerste, abgesehen von der Verringerung der Anbaufläche zugunsten des Weizenanbaues, auf die ungünstige Witterung zurückzufühden ist. Die Haserernte mit nur 14,9 Dz. je 1 Ha. dürfte etwa 2 Mill. Tonnen gexinger zu veranschlagen sein als im Vorjahre. Schwierigkeiten für die Futter getreideversorgung wird dieser Minderertrag von 2 Mill. Tonnen Hafer aber nicht zur Folge haben Einmal können die im Vorjahr ausgeführten 600 000 T. Hafer im Inland verbraucht werden, sodann sind aus dem Vorjahre noch rund 1 Mill. Tonnen ins neue Wirtschaftsjahr mit übernommen worden, so daß nur noch 400000 T. zu ersetzen wären. Die Möglichkeit hierfür bieten die zur Verfügung stehenden Mengen von Futterroggen und der aller Voraussicht nach günstige Ausfall der Hackfruchternte. Auf die Preisgestaltung aber wird die Verringerung der Haserernte trotz der schlechtern Beschaffenheit im weitern Verlauf des Wirtschaftsjahrs kaum ohne Einfluß bleiben können. Bezüglich der Kartosfelernte zeigt die Vorschätzung * Preisberichtsstelle ein Ergebnis von 124,3 Dz. je 1 Ha., was einer durchschnittlichen Ernte entsprechen dürfte. Bei der Unterbringung dieser Menge wird der geringere Ausfall der Haferernte sowie die in Aussicht genommene Verbindung der Karteffelflockenverfütterung mit dem Bezug zollbegünLigter Gerste eine große Rolle spielen. Beweisaufnahme im Bombenlegerp#ozeß Hamburg, 9. Sept. Die Beweisaufnahme im Altonaer Bombenlegexprozeß schreitet außerordentlich langsam voran. Es müssen verschiedene Zeugen ver nommen werden, die sachlich lediglich die schon aus frühern Vernehmungen bekannten Vorgänge bestä tigen können. In der gestrigen Vernehmung kam es zweimal zu Zusammenstößen mit der Verteidigung, die sich außerordentlich sorgfältig mit proessualen Einzelheiten beschäftigt. Von dem Rechtseistand eines Angeklagten wurden sowohl gegen den Staatsanwalt wie gegen den Untersuchungsrichter sehr schwere Vorwürfe wegen der Voruntersuchung erhoben. Bei Gegenüberstellung mußte er jedoch in einem Fall seine Behauptung ganz zurücknehmen, im anden Fall schwächte er sie außerordentlich stark ab. peute wurde der Nebenkläger Rechtsanwalt Dr. Strauß in Lüneburg als Zeuge vernommen, in dessen Abwesenheit vor seinem Haus eine Höllenmaschine explodiert ist. Der Zeuge sagte aus, daß seine Frau sofort Verdacht gegen den Vater des Angeklagten Volck seäußert habe, der wegen seiner antisemitischen Hetze ekannt sei. Der Schade sei von dem Angeklagten Luhmann bis auf einen geringfügigen Restbetrag ersetzt worden, allerdings erst, nachdem alle prozessualen Mittel, wie Pfändungen, Zwangsversteigerungen usw., durchgeführt oder angedroht worden waren. Der Zeuge habe die Angeklagten nicht gekannt. Wenn sie als Grund für den Anschlag erklärten, daß er sich wegen seines besondern Einflusses bei der Regierung mißliebig gemacht habe, so sei das eine Fabel, da er diesen Einfluß gar nicht besitze. Er sei als überzeugter Republikaner Mitglied des Reichsbanners, in dem er jedoch nie eine irgendwie führende Rolle gespielt habe. Die Versuche der Verteidigung, den Zeugen auf eine politisch wichtige Rolle festzulegen, blieben erfolglos. Regierungspräsident Dr. Herbst sagte aus, daß die Angeklagten wegen des Lüneburger Anschlags ihm im Gefängnis erklärt hätten, daß ihre Führer ausdrücklich die Möglicheit einer Gefährdung von Menschenleben verneint hä en: mit den Höllenmaschinen könne gar nichts passieren. Nach Ansicht des Zeugen sei jedoch die Gefährdung von Menschenleben bei Verwendung derartiger Bomben ohne weiteres gegeben. Der Geschäftsführer des Kleinbauernbundes in Winsen sagte aus, daß die Kleinbauern mit der Landvolkbewegung nichts zu tun haben wollten. Man habe es den Lüneburger Angeklagten sehr verdacht, daß sie sich in öffentlichen Versammlungen der Anschläge gerühmt hätten. Die wirtschaftliche Lage der wegen des Lüneburger Anschlags angeklagten Landwirte sei nicht so, daß sie als Grund für irgendwelche Verzweiflungstaten angesehen werden könne. Von einer Notlage sei bei diesen Angeklagten, die zum Teil noch Höfe verpachtet und ihre Pacht regelmäßig bekommen hätten, keine Rede. Das Gericht beschloß hierauf, die nötigen Un erlagen zur Prüsung der materiellen Lage der An geklagten einzufordern. Ueber die Lage des Arbeitsmarktes berichtet das Landesarbeitsamt Rhein land: Die Grundrichtung der Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist in der zweiten Augusthälfte die gleiche geblieben wie in den Vorwochen. Entgegen der in früheren Jahren beobachteten Abnahme der Arbeiteslosigkeit hat eine Zunahme stattgesunden. Die Ar beitsuchenden sind um 6942 auf insgesamt 382 500 gestiegen. Diese Zahl liegt um 86.8 Prozent über der Zahl des Vorjahres. An der Zunahme sind alle Be rufsgruppen in mehr oder minder starkem Maße be teiligt. Entlassungen kamen besonders in den Grundstoffindustrien und der metallverarbeitenden Industrie vor. Allein auf diese Berufsgruppe entfällt ein Viertel der Zunahme. Die Veränderungen des Arbeitsmarktes, die im Laufe des letzten Jahres einge treten sind, treten deutlich zutage, wenn man den Stand vor Jahresfrist gleich 100 setzt und dann die gegenwärtige Zahl Arbeitsuchender in wichtigen Be rufsgruppen mißt. Für den Bergbau und das Hüttenwesen beträgt diese Meßziffer 633, für die Industrie der Steine und Erden 297, für das Bauge werbe 282, für die chemische Industrie 243, für die metallveratbeitende Industrie 237. Dieses Bild vervollständigt sich, wenn man feststellt, wie hoch der Anteil dieser Berufsgruppen an der seit dem 1. September 1929 eingetretenen Verschlechterung ist Von dieser Zunahme um 177000 Personen entfallen auf die Metallverarbeitung und den Maschinenbau diesen für die Rheinprovinz besonders wichtigen In dustriezweig, 24 Prozent, auf Bergbau und Hüttenwesen 10 Prozent, fast der gleiche Anteil auf das Baugewerbe, auf das Spinnstoffgewerbe 7,5 Prozent, auf die Berufsgruppe Lohnarbeit wechselnder Art 14,2 Prozent; die kaufmännischen, technischen und Büroangestellten sind mit 6,8 Prozent beteiligt. Unabhängig von der Entwicklung der industriellen Konjunktur haben sich auch die Verhältnisse auf dem landwirtschaftlichen Arbeitsmarkt verschlechtert. Gegenüber dem Vorjahre ist ein Mehr von 53 Prozent festzustellen. Für die weilere Entwicklung der Arbeitslosigkeit ist die Durchführung des Arbeitsbeschaffungsprogramms von großer Be deutung, denn die saisonmäßig entlastenden Kräfte lassen nach. Nach den bisher vorlitgenden Berichten der Arbeitsämter war eine größere Auswirkung noch nicht zu beobachten. Es ist insbesondere zu hoffen daß die Verhandlungen über die Bezebung der zu sätzlichen Wohnungsbaumittel bald zum Abschluß kommen. Die genehmigten Stillegungsanzeigen erstrecken sich auf 80 Arbeiter; über ein Drittel entfällt auf die metallverarbeitende Industrie und den Maschinenbau, ein Fünftel auf Bergbau und Hüttenwesen, fast die gleiche Zahl auf die Textilindustrie. Wenn auch ein Teil der Anzeigen nur vorsorglich erstattet worden ist, so kann man sie doch als Symptome für die Entwicklung werten. Die Zahl der Hauptunterstützungsempfänger im Bereich des Landesarbeitsamtes Rheinland hat um 5900 zugenommen. Die stellt sich gegenwärtig auf 254.800, davon entfallen auf die Arbeitslosenunterstützung 196 900 und auf die Krisenunterstützung 57900. Ein Regierungserlaß gegen Lohn erhöhungen Der Erlaß hat folgenden Wortlaut:„Die Lohnbewegung unter der Arbeiterschaft hat in letzter Zeit nach Art und Umfang eine Entwickung anzenommen, die die schwersten Bedenken erwecken und weite Gebiete der Gütererzeugung zum Erliegen bringen muß. Die beklagenswerte, aber unvermeidliche Folge davon kann nur Arbeitslosigkeit, Hunger und Elend sein. Die Betriebe des Staates unterliegen in der Beziehung den gleichen wirtschaftlichen Bedingungen wie die privaten. Weder Bergbau noch senbahn noch alle übrigen Staatsbetriebe können es längere Zeit ertragen, daß ihre Ausgaben die Einnahmen übersteigen. Diese Gefahr ist aber bereits in bedrohlichem Maße eingetreten. Es wird beshalb zur gebieterischen Pflicht der Staatsregierung, dem Anwachsen der Lohnausgaben über das Maß des Erträglichen hinaus mit Festigkeit entgegenzutreten. Die Herren Fachminister werden daher ersucht, an sie herantretende Lohnforderungen zwar in voller Würdigung der jetzigen Bedürfnisse der Arbeiterschaft, aber auch sorgfältig daraufhin zu prüfen, ob nicht durch die Bewilligung den in Frage kommenden Betrieben Lasten au,erlegt werden, die sie nicht ertragen können ohne zu erliegen, und die somit die ganze Finanzgeharung des Staates gefährden. In diesem Falle sind die Forderungen zurück zuweisen.“ * rhort! Wie kann die Regierung Brüning mit dem christlichen Gewerkschoftler Stegerwald nur einen derartiz reaktionären Erlaß herausbringen? Jetzt ist der Bew is tatsächlich da, daß es sich hier um die reaktionärste Rezierung seit der Revolution handelt.“ Bitte! Nur nicht so hitzig. Der vorstehende Erlaß stammt nicht vom gegenwärtigen Kabinett, sondern er wurde den Arbeitern 1919 als Neujahrsgeschenk von der Sozialistenregierung, vertreten durch die Genossen Hiesch, Ströbel, Braun Crnst, Adolf Hoffmann und Rosenfeld, präsentiert. Notzeit! Bitte schön! Es waren keine 3 Millionen Arbeitslose vorhanden. Und nun stelle sich mal einer den Lärm vor, wenn das Kabinett Brüning mit einem derartigen Er laß kommen wurde! Aus aller Welt. Der patriotische Geldfälscher Zu der bekannten Festnahme eines Falschmünzers in Kreuznach teilt die Landeskriminalpolizei in Köln mit: unläßlich der Befreiungsfeiern des Rheinlandes hatte ein gewisser Baader in Kirn a. d. Nahe Medaillen herstellen wollen, um diese zu verkaufen Zum Zwecke der Herstellung hatte er sich bei einem Graveur Matrizen anfertigen lassen. Auf der Vorderseite sollte sich die Inschrift befinden:„Frei vom fremden Joch“, auf der anderen der Adler eines silbernen Zweimarkstückes. Dann ging Baader zu einem zweiten Graveur, bestellte bei ihm dieselbe Sache, nur umgekehrt, so daß bei diesem Prägestock der Adler auf die Vorderseite und die Inschrift auf die Rückseite kam. Auf diese Weise erhielt er einen verwendbaren Prägestock. Alle Versuche, falsches Geld herzustellen, sind aber, da Baader kein Fachmann ist, sehlgeschlagen. Der Prägestempel wurde bei Baader ge,unden, ebenso halbfertige Zweimarkstücke. Auch hatte sich der Falschmünzer Feinsilber beschafft.— Es sei in die lem Zusammenhang darauf hingewiesen, daß aus dem Jahre 1910 noch eine Verordnung eristiert, die es Graveuren verbietet. Druckstöcke herzu stellen, bei denen die Prägung von noch geltenden Gelestücken Verwendung findet. 14 Polizei=Funksender im Rheinland Aus Anlaß der Verhaftung des Amerikaners Jack Diamond in Aachen wurde in der Presse berichtet, daß das Polizeipräsidium Aachen über keinen Funk sender verfüge. Demgegenüber ist festzustellen: für die Rheinprovinz befindet sich die Funkleituna bei dem Regierungspräsidenten in Kölln. Die Leitfunkstelle für die Rheinprovinz in Köln=Riehl ist dem Polizeipräsidium in Köln angegliedert, das außerdem noch über einen zweiten Sender verfügt. Ferner befinden sich Funksender in elf rheinischen Städten. In naher Zukunft wird ein weiterer Polizeisender in Trier eingerichtet werden, so daß die Rheinprovinz dann insgesamt über 14 Polizeifunksender verfügt. Einen zur Uebermittlung von Fingerabdrücken, um die es sich im Falle Diamond handelte erforden lichen Bildtelegraphiesender besitzt Aachen nicht. Versuche in dieser Richtung sind noch nicht abgeschlossen, doch sind bereito fünf deutsche Polizeisender mit Bildtelegraphie ausgerüstet. Sobald die Entwicklung für Polizeizwecke brauchbare Ergebnisse gezeitigt haben wird, werden sämtliche Leitfunkstellensender mit Bildtelegraphie ausgerüstet. Ein dreisacher Raubmörder Halle(Saale), 9. Sept. Anfang August war in der Lebusaer Heide die stark verweste Leiche des Friseurs Kunzke aufgefunden worden. Bald darauf wurden in Waldenburg zwei Handwerksburschen bei einem Diebstahl verhaftet, bei denen man mehrere Nasiermesser fand, die sie einem anderen Wanderburschen gestohlen haben wollten. Diese zunächst unwahrscheinliche Angabe hat sich als richtig erwiesen, und auf Grund ihrer Beschreibung wurde in einem Walde bei Staffede bei Stendal der 28jährige Arbeiter Lüdke festgenommen. Lüdke hat gestanden, feinem Wandergenossen Kunzke, als dieser schlief, mit einem Knüppel den Schädel eingeschlagen zu haben. Die dann dem Toten geraubten Rasiermesser wurden dem Mörder bereits eine Stunde später von den Waldenburger Handwerksburschen gestohlen. der Untersuchungshaft hat Lüdke jetzt einen weiteren in genau derselben Weise ausgeführten Raubmord eingestanden, den er am 11. Mai 1926 auf der Wanderschaft nach Hamburg im Walde kurz vor Hohenzethen an dem Arbeiter Hermann Nagel begangen hat.— Lüdte kommt wahrscheinlich auch noch für einen dritten Raubmord, der im Mai 1926 in der Nähe von Uelzen begangen worden ist, als Täter in Frage. Der Brand im Piräus eingedämmt 30 Tote bisher. Athen, 10. Sept. Erst nach langen Kämpfen konnte der Brandherd im Hafen von Piräus eingedämmt werden. Dem Feuer sind mehr als 30 Menschen zum Opfer gefallen. Der Sachschaden wird auf zehn Millionen Mark geschätzt. Der Hafen bildet ein trauriges Bild. Die Wracks von Seglern und Dampfern schwimmen mit verkohlten Planken auf dem Wasser. Bergungsdampfer haben viele Menschen ret ten können und fischen jetzt noch nach Leichen. Ab und zu werden verkohlte Leichen aus dem Wasser geborgen. Auf einem Schiff ist die Familie des Kapitäns, Frau und zwei Kinder„lebendig verbrannt. Der Kapitän, der gerettet wurde, verfiel dem Wahnsinn. Die meisten Mitglieder der Schiffsbesatzung sind von den brennenden Schiffen ins Wasser gesprungen. Es haben sich Verzweiflungsszenen abgespielt. Sie mußten den Sprung in eine brennende Hölle wagen, denn die ganze Oberfläche des Wafsers stand in Flammen. Unterschlagen und geflohen. Ein junger Mann von einem Kölner Warenhaus mußte auf der Bank einen Betrag von 22 400 Mark einzahlen. Er hatte einen Begleiter bei sich und verstand es, diesen, nach dem er neunzehntausend Mark bereits eingezahlt hatte, zu veranlassen, sich zu entfernen. Diese Gelegenheit benutzte er um sich mit dem Rest des Geldes eine Autodroschke zu mieten und mit zwei Freunden nach Wiesbaden zu fahren. Dort sucht man ihn noch. Was alles geschmuggelt wird! Ein bezeichnendes Bild vom Umfang der Schmuggelei. selbst hundert Kilometer von der französischen und belgischen Grenze entfernt, gibt eine Zusammenstellung der von der Kölner Kriminalpolizei vom 1. Mai bis 1. September beschlagnahmten Konterbande. Obschon die Arbeit vorwiegend von anderen Behörden, wie der Zollfahndungsstelle, dem Hauptzollamt, den Grenzzolldeamten, dem Eisenbahnüber= wachungsdienst und der Strompolizei geleistet wird, beschlag. nahmte die Kölner Kriminalpolizei in dieser Zeit in mühe 25530 Zigaretten, 121 Pfundpakete Tabak 110 Pfund Kaffee, 418 Büchelchen Zigarettenpapier u. a. Anschlag auf italienischen Gesandtschaftsangestellten W2B. Paris, 9. Sept. Wie Havas aus Lu, burg berichtet, hat ein Unbekannter auf einen An gestellten der italienischen Gesandtschaft in Luxem burg mit Namen Frattini mehrere Revolverschüsse als dieser sich mit seiner Familie in einem Caffee besand. Frattini und einer seiner Verwandt wurden verletzt. Man nimmt an, daß der Tät Luxemburg verlassen hat. Ein Doppelmord aufgeklärt gemeldet wird, wurde h igmittag in Bochurt der 19jährige Knecht Alois Lausen unter dem Verdachte se. genommen den Doppelmord an dem Ehepaar Vor b. a hoden. Lausen dat involles Gestandnis abgelegt. wird ausfuhrlich noch gemeldet: In der ####u vergangenen Samstag wurde in Schwinde bei Winsen an der Luhe das Hofbesitzerpaa: Zer. Verdacht der Kriminalpolizei richtete sich von Anfang an gegen einen früheren Arbeiter des Hofbesitzers, den 19jährigen Alois Lausen, der am September seine Arbeit niedergelegt hatte. Wie ngab wollte er nicht mehr weiterarbeiten, weil sein Arbeitgeber ihm den Lohn kürzen wollte. Dienstag nachmittag wurde Lausem zu Bochum unter dem dringenden Verdacht der Täterschaft festgenommen. Lausen hat inzwischen ein Geständnis abgelegt Als er am 1. September arbeitslos wurde, hat g#er. zugn men mit einem ihm bekannten Ereinem Nachbarhof beschäftigt wur und ebenfalls die Arbeit niedergelegt hatte, versucht. anderswo Arbeit zu erhalten. Das ist beiden jedoch nicht gelungen, so daß sie gezwungen waren, meisene in Scheunen zu schlafen. Um ihrer Armut ein Ende zu machen, beschlossen sie, das Ehepaar Boß zu berauben. Lausen hatte sogar zuerst den Vorschlag gemacht, einen Raubüberfall auf die Stame Dies le. in#n#####edt m men. Dieser Plan scheiterte jedoch daran daß bei der daß den beiden Bedenken aufstiegen. In der Nacht zum Samstag drangen Lausen und sein Komplice namens Karl Schulz dann in das beiden wohlbekannte Gehöft der Eheleute Voß ein. Hoself dachden Per eine mehr passive Rolle g spielt haben, Nach seinen Angaben hat Karl Schulz die Tat selbst ausgeführt. Iuerst wurde der alte Von ermordet. Als die Frau durch den Lichtschein aufmachte, Kurzten sich die beigen zugendlichen Burschen Während Laufen ihr den Mund zuhielt. schlug sein Komplice die alte Frau mit enem Beil nieder. Erbeutet haben die beiden Burschen bei dem gemeinsamen Raubüberfall insgesamt 190 Mark, die sie shmderlich“ teilten. Nach der Tat haben sie sich nach Münster gewandt wo sie sich bis Montag vormittag aufhielten und Zerstreuung in verschiedenen Vergnugungsstätten, Kinos usw. suchten. Am Dienstaa kam Lausen nach Bochum„wo er von der Polizei dingfest gemacht wurde. Sein Mittäter, der 20 Jahre alte Karl Schulz, soll sich nach Dortmund gewandt und dort seine Schwester aufgesucht haben. größte Goldstück der Welt „##### am 1. September und folgende Tage bei Harry Seligmann in Hannover stattsindenden Münzauktion gelangte unter anderem ein 100 Dukatenstück aus Siebenburgen, von Michael Apafi, aus dem Jahre Abgesehen von der Seltenheit die übrigens vorzüglich im Stempel und ## r h a l t u n g i n— h a n d e l t e s s i c h d a b e i u m das größte Goldstuck der Welt. Es wien 25 Gramm. Von nah und gie 2e Der Wasserturm bei n. Die Arbeiten an dem mr euerhmusitdireh Gülhovener Feld, ausgeser veranstalteten Tee wurden mung Firma Gebr. Hergungen für einen eigenartigen sehr schnell vonstattengegeben. Es handelt sich darum, hältnismäs einem französischen Kunstfreund gestis25 Meterereis von je 50000 Franken für das beste #sund die beste Singstimme zu verteilen. Dazu wird zunächst, nach Ländern gegliedert, an alle Komdonisten die Aufforderung gerichtet, bis zum 1. Okkober dieses Jahres ein Lied einzusenden, gleichviel welcher Art, das geeignet sein könnte, den erwähnten Preis davonzutragen. Die drei besten Lieder werden wieder jeweils in jedem Land ohne Bekanntgabe des Autornamens in Druck gegeben und Sängern oder Sängerinnen zur Verfügung gestellt, die sich an diesem Wettbewerb um die schönste Stimme beteiligen wollen. Dieser soll in einem öffentlichen Konzert am 16. November, vormittags 10 Uhr, im Großen Schauspielhaus durchgeführt und durch Rund#uink über alle deutschen Sender verbreitet werden. Die Gründe für den Muttermord Berlin, 9. Sept. Durch ärztliche Gutachten und eigene Schilderungen sind die Gründe des Muttermörders Neuhaus=Thielecke, der seine Mutder vor einigen Wochen im Badezimmer in ihrer Sohnung am Kurfürstendamm erstach, geklärt worden. Dieser rätselhafte Fall eines Muttermordes hatte seinerzeit in der Oeffentlichkeit großes Aufsehen erregt, vor allen Dingen, da man sich über Die Gründe dieses Mordes keine Klarheit verschaffen mgnnte. Zunächst hatte man angenommen, daß es so##h um einen Mord aus Geldgier oder um einen Iffekttotschlag im Streit gehandelt hat. Jetzt scheint ss aber wahrscheinlich, daß ein furchtbares Se„Kalverbrechen vorliegt. Neue Einwanderungs=Hindernisse in USA. Neuyork, 10. Sept. Wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten hat Präsident Hoover neue Bestimmungen erlassen, um eine weitere Einschränkung der Einwanderung zu erreichen. Die Quotenzahl bleibt zwar unverändert, aber die Konsulate haben Anweisung erhalten, nur noch solchen Ausländern die Einreiseerlaubnis zu erteilen, die Verwandte in Amerika haben oder genügende Sicherheiten stellen können. Man rechnet damit, daß auf diese Weise mindestens zwei Drittel der für die nächsten Monate vorgesehenen Einwanderer ausgeschlossen Landwirtschaftliches. Ermäßigung des Zolles für Juttergerste Berlin, 9. Sept. Durch Verordnung des Reichsministers der Finanzen und des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft vom 8. Sept. 1930, die am 11. Sept. 1930 in Kraft tritt, ist der Zoll für Gerste zur Viehfütterung unter Zollsicherung bis auf weiteres auf 6 Reichsmark für einen Doppelgentner ermäßigt worden. Die Ermäßigung hat zur Voraussetzung, daß nach Inkrafttreten dieser Verordnung eine der einzuführenden Menge Gerste entPsee Nur ermschen Hosen und burlocken von einer vom Reichsminister für Erng und Landwirtschaft bestimmten Stelle in einem von diesem festzusetzenden Verhältnis bezogen wird. oder Der unglückliche Tauberlehrling. „Denn die ich rief, die Geister..“ Der unglückliche Zauberlehrling, der diesmal eine rote Ballonmütze trägt, ist wirklich nicht zu beneiden, wenn er sich jetzt verzweifelt jener Ungeister erwehren muß, die seine skrupellose Agikationsmacherei hervorgerusen hat.„Sozibonze" und„Sozialfaschist“ muß er sich in diesem Wahlkampf fortwährend nennen lassen, was ihn nicht hindert, nun seinerseits mit dem noch herrlicheren Fachausdruck die— wie schön—„Nazi=Kozi"=Versammlungen lächerlich zu machen.(Vorwärts 6.9.) Es ist schon so, wie Otto Strasser im„Nationalen Sozialist“ schreibt:„Die Muskete geht nach hintenlos“. Und was im Laufe der Zeit die Sozialdemokratie an hemmungsloser Agitation herangezüchtet hat, das trifft sich jetzt auf der radikalen Rechten und der radikalen Linken und zieht gemeinsam gegen sie zu Felde. Es ist ja auch ergötzlich, die Schimpfkanonaden zu lesen, mit denen sich die sozialistische und die kommunistische Presse in den letzten Tagen ihre Kandidaten gegenseitig zu verunglimpfen sucht. Und während der sozialdemokratische„Abend“ vom 4. September noch mit einer gewissen Freude davon berichtet, daß ein großer Teil der kommunistischen Kandidaten wegen Betruges, Diebstahls, Urkundenfälschung und schweren Raubes zu hohen Zuchthausstrafen verurteilt worden sind, antwortet prompt die „Rote Fahne“ vom 5. September mit einer Gegenliste, die neben den bekannten Sklarek und KutiskerAffairen eine ganze Galerie von Unterschlagungen und Veruntreuungen von SPD=Genossen aufzählt. Interessant bei der ganzen Geschichte ist eine nette Zusammenstellung des„Nationalen Sozialist“, der in seiner Nummer vom 6. September die ganze Angelegenheit aufgreift und der Sozialdemokratie sein säuberlich vorrechnet, was aus ihren Früchten alles geworden ist. Da hört man denn, daß nicht nur die heute so prominenten Kommunisten Thälmann, Pieck, Heckert und Münzenberg„und noch viele andere prominente Kommunisten" zu den oben zitierten Geistern gehören, sonder auch Herr Strasser, Mossokowsky, Ernst Winnig und Niekisch demselben Topf entstammen. Und heute muß sich die Sozialdemokratie von einem Max Hölz schon, wie er im Sportpalast sagte, eine deutsche G. P. U. an den Hals wünschen lassen, die die„Severing, Zörgiebel und Konsorten“ möglichst rasch um die Ecke bringen soll. Das sind nun freilich etwas bittere Pillen für sozialdemokratische Chronisten und es wäre an der Zeit, daß auch die Sozialdemokratie gerade im Hinblick auf zukünftige parlamentarische Arbeit einmal etwas Gewissenserforschung üben würde. Oder kann sie ein Interesse daran haben, daß diese ungebetenen Geister durch ihr wildes Reaktionsgeschrei noch vermehrt würden? Merkwürdigerweise enthält der„Letzte Appell“ des sozialdemokratischen Parteivorstandes unter der Aufzählung all des vielen, für das die Sozialdemokratie zu kämpfen vorgibt, nichts von der Sauberkeit, die unserm öffentlichen Leben doch so not tut. Dagegen finden sich auf den TransEßt deutsches Obst! Dem Amtlichen Preußischen Pressedienst wird vom Landesausschuß für hygienische Volksbelehrung geschrieben: Der gesundheitliche Wert des Obstes, das uns die jetzige Jahreszeit in reicher Menge zur Verfügung ellt, ist allgemein bekannt. Im Süden und Westen des Reiches erfreuen sich mit Recht auch die sogenannten„Traubenkuren" allgemeiner Beliebtheit. Der Heilwert einer Traubenkur beruht einmal auf der Anregung der Darmtätigkeit, dann aber auch ist man durch planmäßigen Traubengenuß nach ärztlicher Vorschrift auch imstande, verschiedene Krankheiten, wie Fettsucht, Gicht und andere Stoffwechselkrankheiten, günstig zu beeinflussen. Leider ist eine solche Traubenkur verhältnismäßig teuer und war bisher nur in den Herbstmonaten durchführbar. In neuerer Zeit ist es der vorgeschrittenen Technik gelungen, frischgepreßten Traubensaft, sogenannten Traubensüßmost, herzustellen, der in Geschmack und Heilwert der frischen Traube nicht nachsteht und um wohlfeilen Preis eine Traubenkur jedermann und das ganze Jahr hindurch ermöglicht. Das sollte uns allen eine wertvolle Hilfe sein, besonders für die obstarme Winterszeit. Nach Mitteilungen des statistischen Reichsamts hat das deutsche Volk im Jahre 1929 für die Einfuhr ausländischen Obstes, speziell für ausländische Weintrauben, Nüsse, Bananen, Rosinen, Zitronen, Apfelsinen usw. nicht weniger als rund 200 Millionen Mk. und für die Einfuhr von Südfrüchten überhaupt 436 Millionen Mark dem Auslande geopfert! Gewiß kann und soll das ausländische Obst nicht ganz entbehrt werden, aber mindestens ein Teil des dafür verausgabten Geldes könnte im Lande bleiben, wenn die deutsche Hausfrau und der deutsche Verbraucher überhaupt deutsches Obst, deutsche Trauben, und im Winter deutschen Süßmost, bevorzugen wollden. 16. Kann sich die sozialdemokratische Parteileitung wundern, daß man sie an ihren Früchten erkennt? und Sport. Deutsche Turnerschaft. Vom Bezirksturnfest in Grauterath Verspätet eingegangen. Bei einer überaus großen Beteiligung und wundervollem Sommerwetter nahm das 8. Bezirksturnfest des 3. Bezirks einen sehr schönen Verlauf und war wieder eine bedeutende Kundgebung der hiesigen Turner. Eingelettet mit einem schön verlaufenen Festbankett begann der Haupttag mit den üblichen Wettkämpfen, die alle eine große Beteiligung aufwiesen und durchweg sehr gute Leistungen erzielt wurden. Vom Heinsberger Bezirk waren viele Wetturner gemeldet, und konnte ein großer Teil den schlichten Eichenkranz als Sieg seiner Leistungen und zum Stolze seines Vereins der Heimat zuführen. Auszug aus der Siegerliste: 12=Kampf 1. Abteilung: 2. Peter Nobis, Oberbruch 198 Punkte; 3. Heinz Blauckartz, Heinsberg 181 Punkte. 12=Kampf 2. Abteilung: 2. Josef Janssen, Heinsberg, 184 Punkte; 3. Franz Weiß, Heinsberg, 181 Punkte; 7. Philipp Gesell, Birgden, 169 Punkte; 11. Karl Wode, Hilfarth, 160 Punkte; 11. Gereon Windelen, Hilfarth 160 Punkte; 12. Karl Klomp, Oberbruch 157 Punkte; 15. Peter Kremers, Oberbruch 154 Punkte; 18. Karl Vlönes, Hilfarth 151 Punkte; 21. Heinrich Wolff. Hilfarth 147 Punkte; Münstermann, Oberbruch 147 Punkte; 2. Kirchner, Heinsberg 145 Punkte; 25. Leo bruch, Oberbruch 142 Punkte. 5=Kampf: 6. Clemens Steegmann Heinsbe Punkte. Jugend 7=Kampf, Jahrgang 12/13: 3. Janssen, Heinsberg, 116 Punkte; 6. Walter berbruch, 109 Punkte; 10. Martin Windel farth 102 Punkte; 13. Leo Mergelsberg, 96 Punkte; 17. Fritz Windelen, Hilfarth 90“ Jugend 3=Kampf, Jahrgang 14/15: 3. L men, Heinsberg, 63 P.; 5. Hans Nobis, 60 P.; 6. Hubert Kox, Karken, 58 P.; 11. Hek Brünker, Heinsberg 52 P.; 11. Heinrich Reiners, Ka ken 52 P.; 13. Johann Daufenbach, Oberbruch P.; 14. Hubert Frauenrath. Hilfarth 46 P.; Karl Nobis, Oberbruch, 43 P.; 16. Heinrich Fiegen, Hilfarth 43 P.; 16. Gerhard Hensen, Hilfarth 43 P.; 18. Wilhelm Feldgens, Hilfarth 40 P.; 19. Fritz Dickmann, Dremmen 39 P.; 21. Anton Müllem, Oberbruch 37 P.; 21. Wilhelm Küppers, Karken 37 P.; 22. Willi Röhlen, Hilfarth 36 P.; 24. Alfred Hensen, Hilfarth 34 P.; 24. Toni Aufsfeld, Oberbruch 34 P. Altersklasse. Die Bestleistungen sind: Weitsprung 4.75 m Wilhelm Schmids, Oberbruch; Kugelstoßen 10,85 m Karl Wallraven, Oberbruch. Dieser erzielte auch im 75 m=Lauf die Bestleistung mit 10 Sek. 1. Klasse: 35—40 Jahre alt. 1. Karl Wallraven. Oberbruch 59 P.; 2. Willi Schmids, Oberbruch 57 P.; 4. Wilhelm Pennels, Oberbruch 46 P.; 7. Philipp Gerhards, Oberbruch 39 P. Einzelkämpfe, 109 m=Lauf: 3. Peter Bruckmann, Oberbruch 11,3 Sek. Hochsprung: 1. Clemens Steeg= mann, Heinsberg 1,55 m. 2. Peter Bruckmann, Oberbruch 1,50 m. Schleuderball: 3. Clemens Steenmann, Heinsberg 49,90 m. 4mal 100 m Jugendstaffel: 2. Turnverein Hilfarth. Der Nachmittag war mit dem überaus großen Festzug eine Werbearbeit ersten Ranges. Auf dem Festplatz, vor einer sehr großen Zuschauermenge zeig ten die einzelnen Vereine ihre Sondervorführungen. Insbesondere gefielen die Volkstänze der Oberbrucher Turnerinnen und die Keulenübungen der Hilfarther Turnerinnen. F. B. Ingerieren in der„Heinsberger Volkszeitung“ hat durchschlagenden Erlolg. Tanz- u. Anslandslehrkursus Eröffnung Freitag, den 12. Gept. abends 8 Uhr mit folgendem Lehrplan: 1. Anstandslehre, L. Saisontänze 1930/31, 3. Rundund Gesellschaftstänze. Kursusdauer 5 Monate bei mäßigem abschlägigem Honorar. Erstklassiger ballfertiger Unterricht. Erteile auch auf Wunsch Privatunterricht. Erbitte Anfragen oder Anmeldungen schriftlich oder mündlich nur an nachstehende Adresse oder am Eröffnungsabend ab ½8 Uhr in„Alt Holland“. Tanzschule Hub. Marx Würm Seilenkirchen. Tel. Amt Randerath 25 Mitglied d. Allg. D. Tanzlehrverd. Sitz Berkin Statt jeder besonderen Anzeige. Nach Gottes unerforschlichem Ratschlusse entschlief heute nacht ½1 Uhr nach langem, mit großer Geduld ertragenem Leiden, mein innigstgeliebter Gatte, unser herzensguter Vat. r. Schwiegervater, Großvater, Bruder, Schwager und Onkel, der wohlachtbare Herr am Freitag, den 12. September 1930 Adam Risters 1 Oberbruch Schreinermeister. Oefters versehen mit den Stärkungen unserer hl. kath. Kirche, gad er sanft und gottergeben seine Seele in die Hand seines Schöpfers zurück. Er stard im Alter von 63 Jahren. In tiefer Trauer Frau Adam Risters Agnes geb. Händelkens und Kinder Myhl, 10. September 1930. Sonntag, den 7.u Sonntag, den 14. Septemper nach Kevelaer. Jolei Funken, aldenrath. Tel. 342 Anmeldungen zeitig erbeten. Erfahrenes Mädchen das gute Zeugnisse aufweisen kann, für Küche und Hausarbeit nach Heinsberg gesucht. Auskunft Geschäftsstelle. Die feierlichen Exequien werden gehalten am Samstag, den 13. September, morgens 8½ Uhr und danach die Beerdigung; wozu hiermit freundlichst eingeladen wird. Für die uns anläßlich des Hinscheidens meiner lieben Schwester, unserer guten Tante und Großtante, Fräulein Helene Gulenberg erwiesene Anteilnahme danken wir unsern Freunden und Bekannten herzlich. Namens der brauerne# J. Coblenzer. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme beim Tode und Begrädnisse unseres lieben Schwagers und Onkels Hubert Seiser sagen wir allen unseren aufrichtigen Dank. Jamilie Arnold Wildenrath, den 9. Sept. 1930. abends 8 Uhr im Saale Nießen. Redner: Sekretär Schäfer, Aachen, Herr Obersteuersekretär Fritz, Wassenberg. Kirchhoven abends 7½ Uhr im Saale Tillmanns. Redner: Herr Dechant Otten und Herr Pilates. Braunsrath 8 Uhr im Saale Ritterbecks. Herr Debiel. Redner: Achtung! Raucht jetzt den riehtigen holländlschen Knegtel's Tabak. JI. wllms, Markt, Roermond ZwangsVersteigerung. Am Freitan, den 12. Sept. 1930, vorm. 10 Uhr sollen in Schausenberg bei Ratheim Wirtschaft Bürger I. 1 Rüchenschrank, 1 Nähmaschine, K 1 Rüchenschrank, durch den Unterzeichneten bffentlich gegen gleich dare Zahlung versteigert Ober=Gerichtsvollzieher. Beiniahurrenter Eicer Statte Braves kath. Mädchen von 17—19 Jahren, für alle Hausarbeiten nach Krefeld gesucht. Zu erfahren in der Geschäftost. Mädchen von 18—25 Jahren gesucht für Landwirtschaft. Auskunft Geschäftsstelle Eine fast neue, lange Ochsenkarre wegen Aufgabe der Landwirtschaft zu verkaufen. Gerderhahn Nr. 75 bei Erkelenz. Hannomag zu verkaufen. Zu besichtigen Heinsberg, Bahnhofstraße 24. Möbl. Zimmer eventl. mit Pension zu vermieten. Auskunft in der Geschäftsstelle. Schöne junge Schweine hat abzugeben Sd. Linden. Forst. Der von Passanten erhannte Radfahrer der Samstag abend die beiden Mädchen aus Birgelen anfuhr und das Ungluc verschuldete, wird hiermit aufgefordert, sich innerhald drei Tagen Birgelen Nr. 43 zwecks Einigung zu melden, andernfalls gerichtl. vorgegangen wird. enn Sie wieder Waschtag haben. Sie werden hochertreut sein, denn Oe lhompson': Sellenpulver, Morke Schren, in sstzöchlich vorzüglich iu: elle Wäsche, für alle Abseilerbeilen i Köche und Hem. Der hohe Sellenge hol verleiht ihm eine ganz besondere Wesch- und Reinigungskreß D’ThompsonsSeifenpulver ARKE SCHWAN wiklich get, in eusgiebig und spersem im(pebrauch— des ist des Urteil soll lüntzig Jahren. Zus Bleiches und Klenpülen der Wäsce Seilis Pehes 15 Pio Wir bringen Ihnen Geld Erlösen Sie von den hohen Zinszahlungen und linanzieren Neu- und Umbaulen durch Hergabe zinsfreier unkündbarer Tilgungsdarlehen unter den denkbar günstigsten Bedingungen. Bevor Sie Ihren Beitritt anderswo erklären, verlangen Sie unverbindliche Auskunft und Beratung durch die Rheinisch-Westiäl. Spar-& Baugenossenschan Geschäftsstelle Hoinaberg Hochstr. 60. Inserieren bringt Gewinn! Nr. 212— 2. Blatt Donnerstag, den 11. Se. nman-Beilade der Heinsberger Volkszeitung und Heinsberger Zeitung In Rausch und Sold. Ein Roman aus der Welt des Füms von Heinrich Ciaden. 19. Fortsetzung.— Nachdruck verboten. Bert Brandt mußte seinen Blick abwenden. „Es tut mir leid, wenn Sie durch mich Schmergen haben—“ sagte er beklommen. Sie mißverstand ihn. Ihr Wesen veränderte sich mit einem Schlage. „O, ich will gerne alles durch Sie leiden!“ rief sie brünstig.„Jeden Kummer und alle zen, die ein Weib durch einen Mann erleiden kan Aber stoßen Sie mich nicht von sich! Verwersen Sie mich nicht! Hören Sie auf meine Bitten!“ Ehe er es verhindern konnte, lag sie vor ihm auf den Kuten und umsaßte ihn. „Ich weiß, ich bin keine gute Frau, war es nle. Ich kann nicht dafür. Mir sehlte der Antrieb zum Guten, das gute Beispiel. Ich bin ein Mensch, der Führung braucht. Mir hat von jeher gefechlt, was den Menschen in die Höhe hebt. Nehmen Sie sich meiner an! Wenn Sie nur wollen, könnten Sie mich zu einer Heiligen machen.“ Bert Brandt löste sich aus der Umschlingung. Nicht hart, aber entschieden. Jeder Mensch muß seine moralischen Werte selbst aufbauen. Wer sich auf die Einwirkung anderer verläßt, tänscht sich über sich selbst. Sie sagen— vielleicht glauben Sie es auch— eine Verbindung zwischen uns würde Sie moralisch festigen. Sie täuschen sich. Sie kennen nicht einmal meine eigenen moralischen Kräfte. Ihre Gefühle aber für mich können Ihnen nimmermehr höhere sittliche Werte geben. Wenn Sie das ernste Bedürfnis empfänden, ein guter Mensch zu sein, dann hätten Die diesem Ziel allen inneren Hemmungen zum Trotz wenigstens zuzustreben versucht. Sie haben aber dieses Bedürfnis anscheinend nie sehr stark empfunden—“ „Wer jagt Ihnen das?“ „Sie selbst klagen sich an, keine gute Zrau zu sein. Sie müssen sich kennen. Ich fühle mich nicht imstande, aus Ihnen eine Heilige zu machen" Ein bitterer Spott lag in den letzten Worten. Sie fählte ihn wohl, doch sie war trotz der durchaus entmutigenden Situation von der sieghaften Macht ihrer Persönlichkeit so durchdrungen, daß sie noch einen letzten Versuch unternahm. Mit aufgehobenen Händen trat sie so dicht vor ihn hin, daß ihr Atem ihm heiß ins Gesicht schlug. „Haben Sie Mitleid mit mir! Ich will alles tun, was Sie wollen. Ich will mich ganz in Ihre Hand geben. Nehmen Sie mich mit sich, weit fort von hier. sch bin reich, sehr reich. Alles will ich Ihnen geben, meinen ganzen Besitz, mehr als eine Million. Alles soll Ihr Eigentum sein. Ich besitze eine kleine Villa auf Malta, ganz unter Rosen und Johannisbrotbäumen verborgen. Niemand weiß etwas davon als meine alte Dienerin. Dorthin lassen Sie uns gehen. Dort kennt uns niemand. O. ich will Sie glücklich machen, wenn ich Sie lieben darf. Doch wenn Sie mich nicht wollen, Ihre Dienerin will ich dann sein, Ihre Magd, Ihre Sklavin. Nur fort von hier will ich! Nicht allein! Mit Ihnen!“ Bert Brandt blickte ihr ungerührt in das glühende Gesicht. „Schlagen Sie sich diese Gedanken aus dem Kopf, denn das geht nicht. Sie sagen. Sie wollten tun, was ich will. Nun denn, ich will, daß diese Kette von Verbrechen ein Ende hat. Sie wünschen Ihr Leben zu ändern— Sie haben es in der Hand. Berenen Sie Ihr bisheriges Leben und bekennen Sie an der geeigneten Stelle, was Sie getan haben, ebenso das, was mit Ihrem Wissen andere verbrochen haben. Sie werden durch ein offenes und reumütiges Geständnis Ihre Richter zur Milde stimmen. Und wenn Sie die Zeit der Buße hinter sich haben, dann werden Sie, vor sich selbst geläutert und reiner als zuvor, den Mut zu einem neuen Leben haben—“ Minnie Smiles brach in ein schallendes Gelächter aus. „Eine Bußpredigt? Ein Polizeispitzel sind Sie! Sie sollen Ihren Weg zu mir nicht umsonst gemacht haben. Sie sollen nicht enttäuscht sein. Bekenntnisse sollen Sie hören.— Ich bin des Meisters rechte Hand. Mir ist es zum größten Teil zu verdanken, daß das füße Gift des Vergessens hier eine Bemeinde bekommen hat. Vielen habe ich den Weg gezeigt und die Mittel verschafft, den Alltag mit seinen Plagen zu vergessen. Alle sind mir dankbar. Ich habe ans dem, was Sie und die anderen Narren ein Verbrechen neunen, einen Kult gemacht. Viele haben hier in meinem Hause das erste Opfer gebracht. Ich könnte Ihnen Dinge erzählen, die Sie staunen machen würden. Ich will Ihnen aber keine Rechenschaft geben! Ich hasse Sie! Ich verabscheue Sie! Ich fluche Ihnen! Sie werden an meinen Bekenntnissen keine Freude haben! Sie werden mein Geständnis keinem Menschen weiter sagen! Und Sie werden dieses Haus nicht lebendig wieder verlassen, Bert Brandt, Mann von Eis, Sie Verräter, der Sie mich den Gesetzen ausliefern wollen! Ich bin mächtiger, als Sie ahnen— hören Sie wohl! Weit mächtiger als Sie! Lachen Sie nicht so spöttisch über meine Worte, Sie Narr! Lachen Sie nicht, wenn ich Sie laut verfluche im Namen Shiwas—“ Immer schreiender und schriller war ihre Stimme geworden. Bert Brandt graute es vor dieser, vordem durch Berechnung gezügelt gewesen, jetzt von allen Fesseln befreiten wilden Weibnatur. Be. ihren letzten Worten sprang sie auf ihn zu und krallte ihre beiden Hände in seine Schultern— und er, mehr erstaunt und angewidert als erschrocken von diesem plötzlichen Ausbruch, dessen krankhafte Ursachen er deutlich erkannte, versuchte, ihren Blick festzuhilten und sie zur Ruhe und Besonnenheit zu zwingen. bei bemerkte er, daß ihre Augen gar nicht auf ihn gerichtet waren, sondern mit einem wild=ekstatischen Ausdruck an ihm vorüber auf einen gewissen Punkt blickten. War es die Vorsehung, die ihm plötzlich den Gedanken an den verkrüppelten Neger Black Father ins Gedächtnis warf— die ihn bewog, sich blitzschnell zu bücken und dabei einen Blick hinter sich zu wersen? Als er später Zeit fand, in Ruhe über diese Szene nachzudenken, festigte sich in ihm die Ueberzeugung. daß des Menschen Wege in der Tat geleitet werden und daß unsichtbare Mächte ihm in krittschen Lagen sein Handeln vorschreiben—— Er sah, daß eine dunkelgrüns Seidenportiere, die den Eingang zu einem nebenan liegenden Raum verdeckte, leise zitterte— daß sich durch den Spalt ein dünnes Glasrohr schob. Und in der gleichen Sekunde, da er sich instinktiv bückte, entflog dem Glasrohr mit leisem Schwirren ein dünner Federpfeil, der sich ihm unfehlbar ins Genick gebohrt hätte, infolge der plötzlichen Bewegung aber sein Ziel nicht mehr erreichte. Und doch erreichte er ein Ziel. tolle Weib, das sich in seine Schultern festgekrallt hatte, wurde durch sein plötzliches Bücken vorwärts gerissen, der Flugbahn des Pfeils entgegen. Der Pfeil traf sie in die Oberlippe, schlug mit der Spitze gegen ihre Zähne, zitterte ein paar Sekunden lang im weichen Fleische und siel dann auf den Teppich nieder— Minnie Smiles machte mit der rechten Hand eine schwache, unsichere Bewegung, als wolle sie etwas Störendes aus ihrem Gesichte fortwischen. Ganz unvermittelt sah sie aus wie eine Schwertrunkene Mit der Hand vor der Stirn, stand sie zwei Sekunden wie in tiefem Nachdenken, stöhnte dann wie unter einer entsetzlichen Erkenntnis laut auf. Mit automaten haften Bewegungen schleppte sie sich zu einem Ruhebette, erreichte es aber nicht mehr. Sie stürzte nach vorn„schlug hart mit der Stirn auf die Kaute des Möbels auf, rollte auf den Teppich und blieb auf dem Rücken liegen, das Gesicht krampfhaft verzogen. die Augen starr gegen die Decke gerichtet. Bert Brandt riß den Browning aus der Tasche und stürzte, an Gefahr nicht denkend, in den Nevenraum. Er war leer. Bo wenig möbliert, daß ein Blick genügte, um festzustellen, daß sich hier kein Mensch verbarg. Ebensowenig hatte dieser Raum einen Ausgang. Grausend vor den döstern Geheimnissen dieses von Flüchen beladenen Hauses kehrte Brandt in den Salon zurück, warf nur einen Blick auf die Tote und stürzte wie gehetzt hinaus. Irgenowo im Hause hörte er Geräusche, huschende Schritte, gedämpfte Schreie, das Klirren von Metall. Er rannte die Treppe hinab, der Haustüre zu, je drei Stufen überspringend, erreichte die Türe,— sie war verschlossen. Das machte ihn rasend. Seine Körperkräfte verdoppelten sich. Ein Ruck— und ein zweiter— und Schloß samt einem Teil der Türfüllung blieb in seinen Händen. Ein Sprung und er war draußen——— 20. Kapitel. Inspektor Benson ließ seine Alarmpfeise ertönen. Es war das erstemal, daß die Ruhe der Nächte auf diese ungewöhnliche Weise unterbrochen wurde. Im Nu waren die Beamten zur Stelle, doch zurleich auch eine Anzahl Angehöriger der Filmgesellschaft. Die Beamten hatten sehr schnell begrifsen, um was es sich handelte. Nicht so schnell die Leute vom Film. Aber auf sie kam es weniger an. Tex Braddon schlief so fest, daß er geweckt werden mußte. Benson verlangte von ihm ein Kleidungsstück elmmans. Schlaftrunken und verständnislos deute er auf ein Paar Sandalen des Dieners. Die hielt man den beiden Polizeihunden vor und führte sie zu der Stelle, wo Amman vor dem Zelt Braddons die Nachtwache gehalten hatte. Sofort nahmen die gutgeschulten Tiere die Spur auf. Sie führte nördlich in den Wald. „Brauchen Sie noch mehr Leute?" fragte Mac Murphy, der auch jetzt seiner Stellung als Besehlshaber des Lagers nichts schuldig blieb.„Es werden sich genug Freiwillige melden.“ „Danke, Mac, nicht nötig. Lassen Sie aber durch zuverlässige Leute eine provisorische Wache bilden. Man kann nicht wissen, was noch alles in der Luft liegt. Und morgen in der Frühe lassen sie die nächste Umgebung des Lagers sorgfältig durchsuchen. Vielleicht finden Sie etwas Wichtiges. Vorwärts!“ Wie ein Nachtspuk verschwand die Gesellschaft in der Dunkelheit des Waldes. Ein paar Sekunden lang sah man noch hier und da einen Lichtblitz der Fackeln durch die Büsche flirren— dann war alles erstorben und siefe Stille herrschte—— Mac Murphy streifte am nächsten Tage ruchelos in der Umgebung des Lagers umher. An Arbeit war nicht zu denken. Tex Braddon war durch die neuen Ereignisse so mitgenommen, daß er in seinem Zelte untätig auf seinem Lager verharrte und vor sich hinbrütete. Mac hatte ihm mit harten Worten zugesetzt und den Kollegen so weit gebracht, daß dieser ihm in die Hand hinein versprach, hinfort dem verderblichen Laster zu entsagen. Doch Tex gab dieses Versprechen mit einer so hoffnungslosen, niedergedruckten Miene, daß sein Freund und Kollege deutlich geuug erkannte, daß dieses Menschen sitttiche Kraft für einen so mannhaften Entschluß und seine Ausführungen nicht mehr ausreichte. Da ging er seufzend und zugleich fluchend hinaus. Auch mit James Franklin war nichts anzufangen. Er lag ebenfalls auf seinem Lager, den Kopf mit Kompressen umwickelt, wie ein Mensch, der einen schweren alkpholischen Exzeß zu büsen hat. Was in der Nacht mit ihm geschehen war, wußte er kaum. Sicher war er eingeschlasen— erwacht— hatte einen Menschen gesehen, der sich über ihn beugte. Als er zugreisen wollte, flog ihm ein fad süßer Duft ins Gesicht, der ihn augenblicks betäubte. Ueber den Attentäter, sein Aeußeres, seine Gestalt, sein Gesicht — über alles dieses wußte er nicht die geringsten Aussagen zu machen. Dagegen hatte Mac Murphy bei ihm einen anderen Erfolg. James Franklin gestand ihm zitternd und mit flüsternder Stimme, warum er die Nacht vor seinem Zelt Wache gehalten. Der Händedruck, den der gefürchtete und verehrte Regisseur darauf mit ihm tauschte, entschüdigte iyn für alle Angst und Sorge. Mac Murphy war ein Mann der Tat. Richt umsonst nannte man ihn bei der„Protos“ den„eisernen Mac“. In seiner Tatkraft konnte er rücksichtslos ja brutal sein. Diese Eigenschaften machten ihn zwar nicht immer zu einem sehr angenehmen Mitmenschen. doch sie verschafften ihm seine Erfolge. Die Tatsache aber, daß er in dieser Angelegenheit zur Machtlosigkeit verdammt war, daß er in Luft und Wasser griff, wohin auch seine Faust faßte, machte ihn rasend vor Zorn. Der Tag verging in Nichtstun und trüber Dumpfheit. Ein Alp lastete auf dem ganzen Lager. Niemand hatte zu irgend etwas Lust. Man versuchte dieses und jenes und ließ es wieder, weil alles lustlos geschah. Wer konnte, der schlief. Für die Nacht wurde abermals eine Lagerwache aus Freiwilligen gebildet. Alle meldeten sich und es konnten drei Gruppen gebildet werden, die ihr Amt mit solchem Nachdruck ausübten, daß in dieser Nacht im Lager kein Auge geschlossen wurde. Die Männer, die nicht gerade auf Wache waren, fluchten und sämtliche Damen sammerten. Doch es ereignete sich nichts Tragischeres. Und das wir auch ein Trost und eine Genugtnung. In der Frühe des zweiten Tages kehrte Inspektor Benson und seine Leute ins Lager zurück. Mac Murphy stand gerade auf dem freien Platz zwischen den beiden Zeltreihen und war im Begriffe, sich seine Pfeife zu stopfen. Seine Finger hielten in dieser zweckvollen Beschäftigung automatisch ein— seine Augen kniffen sich zusammen. Er sah Bensoas finsteres, entschlossenes Gesicht, sah, daß er und seine Leute einen abgehetzten, müden Eindruck machten und daß sie schmutzig und abgerissen aussahen— alles das sah er und sah es doch nicht. Das, was ihn hypnotisierte, das war der Mann, den die Leute zwischen sich führten, so gefesselt, daß er sich nur im Schritt vorwärtszubewegen vermochte. Mac kannte diesen Mann sehr gut, das verschlagene, gelbe, geinsende Gesicht. Shi=tang. Benson kam geradenweges auf Mac Murphy zu und gab ihm die Hand. „Tag, Mac. Wie geht's.“ „All right, Benson. Ihr habt einen Gefangenen. Also Erfolg gehabt?“ „Erfolg— ja— vielleicht so was Aehnliches," stieß der Inspektor knurrend hervor.„Als Siegestrophäe bringen wir Euch diesen schlitzängigen Kerl mit. Werdet ihn kennen, kalkuliere ich. Er hat — abgesehen von allem voraufgegangenen— für den Strang genug nachweisbare Schandtaten auf dem Verbhole!“ „Und Amman?“ „Wir begruben ihn auf anständige Weise, nachdem die Verbrecher ihn höchst barbarisch umgebracht und dann aufgehängt hatten. Ein treuer Terl. Schade um ihn.“ Mac schwieg ein paar Sekunden. Dann fragte er mit belegter Stimme: „Und sonst?“ „Tja— noch ein paar andere sind bei der Sache geblieben. Wir überraschten die Gesellschaft während ihrer Henkerarbeit, Shi=tang, noch zwei Chinesen und den ausgezeichneten Tom Cross. Dieser und die beiden Chinesen flohen, während wir Shi=tang saßten. An ihm lag uns am meisten. Ihn wollten wir lebendig haben. Es war nicht leicht, aber es ist gelungen. Wir banden ihn an demselben Baum fest an dem sie Amman aufgehängt hatten, zwei Mann Wache. Ich mit den anderen hinter den Flüchtigen her. Es war ein verteufeltes Gelände. Steile Felsen und tiefe Schluchten. Mit wenigen Worten gesagt: die drei verstiegen sich, konnten nicht vor und zurück. Die Gelben, als sie uns kommen sahen, wollten sich ergeben, doch der Neger— verteufelter Kerl!— warf einen nach dem anderen in den Ab grund, an die dreihundert Meter tief, und sprang dann nach. Wir haben uns nicht weiter darum gekümmert, die menschliche Gerechtigkeit hat kein Interesse an ihren Leichen.“ Mac hatte immer noch die Pfeise und den Lederbeutel mit Tabak in den Händen. Nun schob er beides in die Hosentasche. Er hatte auf einmal keine Lust mehr, zu rauchen. „Also Amman— ist hinüber,“ murmelte er zwischen den Zähnen hindurch.„Schade! Ein treuer Bursch. Und zu allerlei Dingen zu gebrauchen. Tex wird ihm nachtrauern. Wollen Sie es ihm sagen, Benson!“ Der Inspektor blickte ihm in die Augen. „Sie stehen ihm näher als ic. Können es ihm mit besseren Worten sagen. Ich wäre Ihnen dankbar.“ „Meinetwegen,“ brummte Mac. Er schob die Hände in die Taschen und ging langsam zu der Gruppe der Beamten hinüber, die, Shi=tang in ihrer Mitte, weitere Besehle erwarteten. Benson hielt sich ganz dicht neben Mac. Er hatte in dessen Augen ein wildes Funkeln gesehen, das ihm verdächtig erschien. Er hatte sich aber in den Kopf gesetzt, daß dieser Schurke, dessen Habhaftwerden er sich solche Mühe hatte kosten lassen, kraft rechtens und in aller Form büßen sollte, was er auf dem Gewissen hatte. Benson kannte aber augenscheinlich Mac Nurphy nicht. Der Regisseur blieb zwei Schtitte vor dem Chinesen stehen und bohrte ihm seinen metallischen Blick in die Schlitzaugen. Merwürdig— Shi=tang hielt den Blick ruhig und anscheinend ohne die geringste Furcht aus. Ja, nach ein paar Sekunden begann er sogar zu lächeln— das gleiche höfliche, zuvorkommende merksame Lächeln, das er stets in seinem trug, wenn Mac Murphy das Haus de Damen besucht hatte. Dieses Lächeln aber ko. Regisseur nun doch nicht ertragen. Er w mit einer schnellen Bewegung um und spun. 8#= „Ich brauche ja wohl nicht besonders z„2r daß diesem Manne alle nur denkbare Aufmei zuteil wird, damit wir ihn lebend nach Los; zum bringen.“ Benson lächelte nur, doch in einer Weise, da vollkommen beruhigt war. Langsam ging er auf daZelt seines Freundes zu, um diesem die Nachrichvom Tode seines Dieners zu bringen. „Geben Sie zu, Doktor Ho=feng, daß Sie in die idyllischen Ruhe alle Gedanken an Ihren baldig Tod haben fahren lassen!" lachte Joe Daniels. Sie aßen auf der Veranda eines hübschen Hauses, das ganz von blühendem Gesträuch umrankt war. Ein Fensterausschnitt im Grünen erlaubte einen Ausblick auf die wildromantische Umgebung. In welter Ferne konnte man sogar einen Teil der gewaltigen Sperrmauer des Wasserwerkes von New Hall sehen. Unterhalb der Veranda fiel das Gelände terassenförmig wohl hundert Meter tief bis auf den Boden der breiten Talschlucht hinab. Joe Daniels hatte sich binnen wenigen Tagen sehr verändert. Diese Tage absoluter Ruhe hatten seiner kernigen Gesundheit die nötigen Reserven uis der zugeführt, die ihn instandsetzten, sein Leben miall seinen eisernen Verpflichtungen wieder wie eine energisch funktionierende Maschine in die Hand zu nehmen. Ho=feng lächelte still in sich hinein. „Ich komme innner wieder zu der Erkenntnis", hob er zu einer nicht ganz sachlichen Entgegnung an „daß doch außerordentlich große Unterschiede in der Mentalität Ihres Volkes und des meinigen bestehen. Wenn ich das sage, so spreche ich bei Ihnen von der Allgemeinheit, bei den Chinesen von einer Son derklasse, der der Gebildeten. Sie führen mehr ein äußerliches Leben, wir mehr ein innerliches. Sie haben das Bestreben, alles was das Leben bietet, mit beiden Armen an sich heranzuziehen. Wir tun eigent. lich das Gegenteil. Wir wehren das Aeußerliche mög lichst von uns ab, weil wir wissen, daß es unser In nerliches stört und in seinen Auswirkungen (Fortsetzung folgt.) E RADIO 1 Freitag, 12. Gept. 6.45—7.00 Leibesübungen 7.00 Wettervorbersage 7.05—7.30 Morgenkonzert 7.30—830 Brunnenkonzert aus Bad 10.15—11.55 Schallplattenkonzert 12.10 Schallplattenkonzert 13.05—14.30 Mittagskonzert 14.30 Funkwerbung 15.00—15.30 Kinderstunde 16.00—16 25 Frauenstunde 16.25—16.45 Neues aus dem Schulfunk 16.45—17.30 Jugendfunk 17.30—18.00 Besperkonzert 18.00—18 45 Uebertragung an denkfeier 19.15—19.40 Das Verfahren bei den Reichstagswahlen 19.40- 20.00 Bauten der Arbeit und Bauten der— schaft 20.00 Leichte Musik Anschließend: Letzte Meldungen. Bericht#ber das stige Leben, Sportbericht Anschließend bis 24.00: Nachtmuftk und Tam Samstag, 13. Gept. 6.45—7.00 Leibesübungen 7.00 Wettervorbersage 7.05—7.30 Morgenkonzert 7.30—830 Brunnenkonzert aus Bad Oeynhausen 10.15—11.15 Schallplattenkonzert 11.20—12.00 Schulfunk für die Oberstufe höherer stalten 12.10 Schallvlattenkonzert 13.05—14.30 Mittagskonzert 14.30 Funkwerbung 15.00—15 30 Kinderstunde 15.45—16.05 Grundlagen der Funktechul 16.05—1625 Das heilige Delphi 16.2.—16.45 Marie von Edner=Eschenbach zum 100. Godur tag 16.45—.7.05 Wandern und Reisen 17.05—17.30 Die Stunde des Arbeiters 17.30—18.30 Vesperkonzert 18.30—18.50 Der deutsche Reichspatentschut 18 50—19.00 Mitteilungen der Bezirksfunkhilfe deim Westdeutschen Rundsunk 19.15—19.40 Der rheinische Lebensraum 19.40—20.00 Bauten der Arbeit und Bauten der Gemeinschaft 20.00 Lustiger Abend Anschließend: Lezte Meldungen. Bericht lber das gelstige Leben, Sportbericht Anschließend bis 24.00: Nachtmusik und Tanz 24.00—100 Reister des Geschäftliches. 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Seine Stimme klang rauh und gedämpft; bekleidet war er mit einer abgenützten Joppe, nach Art jener, wie sie Forstleute und Waldhauer tragen Das fremde Paar, das sich hier eingefunden hatte, war nicht mehr ganz jung: sowohl der Mann wie auch die Frau schienen die Vierzig schon erreicht oder überschritten zu haben. Ihre schweren Autopelze verrieten reiche Touristen, die infolge einer Panne in der Nähe dieses Waldhäuschens stehen geblieben waren. Durch die im Rauhreif glitzernden Bäume hatten sie es bemerkt und „ gen eingetreten, um sich zu wärmen, bis ihr Chauffeur vendige Reparatur beendet hätte. ers die Frau mußte an dem alten Einsiedler inz Merkwürdiges gefunden haben, denn sie beihn unausgesetzt. Sie richtete aber nicht das ihn, sondern überließ es ihrem Manne, mit Bespräch zu führen. n Sie schon lange hier?" fragte der Angekomt höflichem Interesse zehn Jahre, mein Herr.... Genau fünfzehn Heute ist gerade der Jahrestag.“ Jahrestag, daß Sie hier eingezogen sind?“ „Das nicht..“. wohl aber der Jahrestag des Ereignisses, das mich bestimmt hat, die Menschen zu meiden eind mit den Tieren zu hausen. Es ist das Datum einer Wende in meinem Leben, denn an diesem Tage hat mich ine Frau verlassen, um einem anderen Manne zu gen.“ Diese schlichten Worte, mit eintöniger, aber deutlicher eimme gesprochen, schienen auf die Fremden Eindruck macht zu haben. Der Herr war etwas verlegen, die Frau aber, die neben dem Ofen saß, rückte mit ihrem Oberkörper in den Schatten „Sie werden sich wohl fragen, welches Alter meine Frau hatte, daß sie eine derartige Dummheit beging,“ nahm der Einsiedler wieder das Wort.„Sicher werden Sie glauben, daß sie ungefähr in meinen Jahren stand. " Doch nein..., sie war noch ganz jung. Und ich selbst sede jetzt älter aus, als ich in Wirklichkeit es din. Denn is zu erleben, was ich erlebt habe, macht einen Menschen alt... Und dann auch die Existenz. die ich bier führe... „Sicher... ganz sicher...„“ murmelte der Fremde. „Es muß nicht gerade unterhaltend gewesen sein...“ Diese Erzählung von einem im Grunde ganz alltäglichen Mißgeschick langweilte ihn sichtlich und er hörte nur noch aus Höflichkeit zu. Am liebsten wäre er der Fortsetzung ausgewichen, denn auf die Einzelheiten der Geschichte war er durchaus nicht neugierig Doch der Mann fuhr in seinen Mitteilungen fort, obwohl ihn niemand darum ersuchte. „O nein, nicht unterhaltsam,“ wiederholte er mit einem kurzen Lachen, das eher wie ein Seufzer klang. „Mein Herr. wenn Ihnen Ihre Frau lieb ist, dann werden Sie begreifen, was ich mitgemacht habe, als man mir die meine nahm. Wissen Sie auch, warum ich mich hier versteckt habe? Nicht aus Scham oder Angst vor dem Gespött der Leute. Es war um meine Nache vorzubereiten" So ruhig auch diese Worte gesprochen waren, so ließen sle dennoch die schweigsame Frau erzittern „Sie haben sich gerächt?“ fragte einfach der Fremde. „Noch nicht.“ erwiderte seufzend der Greis„denn die Schuldigen waren vorsichtig und entschwanden meinen Augen. Ich hoffte aber dennoch, sie einmal in meine Gewalt zu bekommen. Schon lange Jahre lebe ich nur in Erwartung dieses Augenblicks.“ „Und was hätten Sie ihnen getan?“ Die Frage wurde ganz plötzlich gestellt, scheinbar sogar gegen den Willen des Sprechers. War es denn auch nötig, den Mann zum Weiterreden aufzumuntern? Die Gefährtin des Bremden wurde nervös und machte eine ärgerliche Bewegung Der Greis hatte sich aber erhoben und stand nun vor einem Gaste sich einer nach dem anderen von ihren zitzernden Opfern und legten sich in die Nähe des Feuers In diesem Augenblick öffnete sich die Tür, der Vorloster wat en und gemahrte das detrenterte Schau„Warum habt Ihr Angst?“ fragte er gelassen.„Seht Ihr denn nicht, daß meine Wölse alt geworden sind— alt gleich mir in Erwartung des rächenden Augenblicks? Er kommt zu spät. Sowohl ich wie sie haben das Beißen inzwischen verlernt...“ (Uebertragung aus dem Französischen.) Reklame für die Kartoffel. Ein Kartoffellied Die uns heute unentbehrliche Kartossel war noch im 18. Jahrhundert als Nahrungomittel wenig geschätzt. Es bedurfte geradezu eines Druckes von seiten der Regierung, um ihren Anbau durchzusetzen. So hat zum Beispiel Friedrich der Große viel für den Kartoffelanbau getan, woil er richtig erkannte, dak der magere und sandige Bodon Norddeutschlands in ihr die ihm gemäße Frucht gefunden hatte,— während bekanntlich der lehmhaltigere Boden Süddeutschlands sich für den Kartoffelandau weniger eignet, so daß dort auch heute noch die Kartoffel seltener ist. Dabei galt die Kartoffel als ein bäurisches Nahrungomittel, das auf dem Tisch der Vornehmen und Reichen nicht erscheinen durfte. Mit allerlei Mitteln wurde damals für sie Propaganda gemacht; man veranstaltete Probeessen, Friedrich der Große verschenkte ganze Wagenladungen, manche Gutobesitzer erhielten den Besehl, soundsoviel Aecker damit zu bestellen, und die Bürd munder Sche muition Wontich Katchet m verzehren. Aus diesen Verhältnissen ist auch ein cht zu erklären, das einen der volkstümlichsten Dichter ener Zeit Matthias Claudius, zum Verfasser hat und das folgendermaßen lautet: Posteten hin, Pasteten her, is kümmern uns Pasteten? Die Schüssel hier ist auch nicht leer Und schmeckt so gut wie aus dem Meer Die Austern und Bapreten, Und viel Paste“' und Leckerbrot Verderben Blut und Magen. Die Köche kochen lauter Not, Sie kochen uns wohl gar zu Tod' Ihr Herren, laßt euch sagen: Schön rötlich die Kartoffeln sind Und weiß wie Alabaster, Verdaun sich lieblich und geschwind Und sind für Mann und Frau und Kind Ein rechtes Magenpflaster. Damals übigens führte man auch, um das Ansehen der Kartoffel zu heben, anstatt des„gemeinen“ Namens „Erdapsel“, die italienische Bezeichnung„Tartufolo" — Trüffelchen) ein, aus der dann das Wort„Kartoffol“ entstand. Die gleichfalls aus der italienischen Küche eingeführton feineren Zubereitungsarten machten die Karkofsel dann bald auch auf dem Tisch der Vornehmen detmisch. Ein seltsamer klame. Ein Amerikaner hatte auf seiner Europatour in Standinavien einen Diener angestellt. Unmittelbar nach der Ankunft im Hotel beauftragte er den jungen Mann, die Eintragung in das Fremdenbuch zu besorgen.„Wie haben Sie denn meinen Namen geschrieben?" fragte er den Diener. „Ich muß bekennen, gnödiger Herr, dak ich Ihren Namen nicht aussprechen kann,“ erwiderte der Diener, „aber ich habe ihn genau nach der Ausschrift auf dem Koffer kopiert".„Ja, da steht doch mein Name garnicht,“ rief der Amerikaner ärgerlich.„Bringen Sie mir sofort das Fremdenbuch.“ Und nun las der Amerikaner mit Entsetzen:„Herr Garuntiert Vollrindleder.“ Lachende Der große Augenarzt Silex erzählte in Kolleg:„Es war lange vor dem Kriege, da suchte mich ein Rittmeister der zweiten Dragoner gerade vor Beginn meiner Sprechstunde auf. Der Herr war sehr erregt, und Die Heimfahrt des toten Andrée Die Kisten mit den Gebeinen und den Requisiten der Andree-Expedition, die, mit der Landesflagge bed. von der„Bratvaag“ an Land gebracht werden. „Was ich getan hätte? Mein Herr. hier nennt man mich den„Herrn der Wölse“, was eine Bezeichnung für die Macht ist, die ich über die Tiere habe. Nun hören Sie: Ich hätte beide von den Wölfen zerreißen lassen, die Frau und den Mann. Meine Wölfe folgen und geborchen mir wie Hunde. Auch jetzt gehe ich nie aus, ohne ihrer ein halbes Dutzend auf den Fersen zu haben" Hatte er den Schauer bemerkt, der die eingehüllte Frau bei diesen Worten schüttelte? Er schien ihn einer ganz anderen Ursache zuzuschreiben „Da rede ich und täte doch besser, ein paar Scheite Holz zu bringen,“ sagte er.„Es muß Ihnen beiden wohl nicht sehr warm sein.“ Er ging hinaus. Ein Druck der Frau auf den Arm des Mannes hatte dessen höflichen Einspruch zurückgehalten. Als sich die Tür geschlossen hatte, erhob sich die Frau und die Heroflamme erleuchtete ihr von fürchterlicher Angst entstelltes Gesicht „Gehn wir!... Retten wir uns!“ stammelte sie leise „Bist du von Sinnen?... Ja warum denn?.. „Weil ich Angst habe... Weil uns der Zufall zu ihm geführt hat.. Verstehst du?“ „Aber, Susanne,“ rief er voll Mitleid.„Das hat dich o aufgeregt? Ja warum denn mein Kind.. Dieser alte Mann hat doch nichts gemeinsam mit dem. von dem du dich einst getrennt hast.“ „Den ich verlassen habe, um dir zu folgen!" verbesserte ihn die Frau.„Er ist es! Ich habe ihn sofort bei unserem Eintreten erkannt, und ich wäre auch gleich davongegangen, wenn mir die Füße nicht den Dienst versagt hätten. Er ist es, so wie ich ihn in meinen schweren Träumen seit fünfzehn Jahren sehe...: rachsüchtig, unversöhnlich, wild.. Hast du ihn gehört? Du weißt, welches Schicksal uns erwartet. Wir müssen gehen, müssen uns unter den Schutz unseres Chauffeurs stellen." „Aber, Susanne, ich bitte dich!.. Er hat dich ja nicht erkannt. Deine Angst wird dich noch verraten Trachte ruhig zu bleiben.“ „Nein, nein, du hast keine Wafse. Wir sind ihm ausgeliefert... Führe mich weg. ich flehe dich an!... Führe mich weg!“ Sie beschwor ihn so heftig, daß er sich überreden und zur Türe ziehen ließ. In dem Augenblick aber, als er sie öffnen wollte, wich er zurück. „Ich bleibe aber nicht... Ich würde vor Angst sterden... Fliehen wir!...“ Sie lief gegen eine andere Tür und öffnete sie. Graue Gestalten sprangen ihr entgegen in den Raum. Sie stießen die Frau zu Boden. Ein Aufschrei des Entsetzens gurgelte in ihrer Kehle: „Die Wölse!... Zu Hilfe!“ Ihr Gefährte stand wie festgewurzelt und konnte nichts als nur lallen. Er sah glühende Augen, offene Rachen, gefletschte Zähne, hörte ein dumpfes Knurren. Bleich und einer Ohnmacht nahe, stotterte er immer nur dasselbe: „Zu Hilse!“ Und er wich zurück um den Augenblick, wo er den ieren zum Opfer fallen würde, möglichst hinauezusieben Doch der Angriff erfolgte nicht Die Wölfe wendeten Das norwegische Expeditionsschiff„Bratvaag“ hat die Reste der Andree-Expedition nach Tromsö zebracht wo sich Journalisten aus aller Welt versammelt haben, um über die Prüfungsergebnisse der sensationellen Pande zu berichten. Die Ueberreste der Leichen Andrees und seiner Gefährten wurden nach ihrer Identi. fizierung in feierlichem Zuge, von Matrosen eskortiert, durch die Stadt zur Domkirche gebracht. Die Domkirche in Tromsé, in der die Gebeine Andrees und Strindbergs aufgebahrt sind, und in der der Oottesdienst für die Polartorscher abgehalten wird. dat erst kausendmal um Entschuldigung, ehe er se liegen vorbrachte. Er besitze ein kostbares Pferd#### hannoveraner Schlages, das seit einigen Tagen irge#### eine Augenerkrankung habe. Der Regimentstierarzt absei nicht imstande festzustellen, was es eigentlich sei un so däte er mich inständigst, doch einmal meine Kunft##### einem vierbeinigen Patienten zu versuchen. Ich sah keinen Grund, dem höflichen Herrn seine Bin abzuschlagen, untersuchte das Tier und entdeckte soc daß es einen Fadenwurm im Auge hatte. Nun. men Herren, welche Methode glauben Sie haben wir anwendet?" Die Studenten, schon alles höhere Semester, er= gingen sich in den verschiedensten Vermutungen. Aber“. immer schüttelte Silex den Kopf. Schließlich meinte er: „Ich sehe, meine Herren, Sie finden die Methode doch nicht. Ich will es Ihnen verraten: Wir haben den Gau ofort vorkauft!“ * Zu Geheimrat Israel, der seinerzeit der berühmteste Nierengoperateur der Welt war, kam eines Tages ein Herr in die Sprechstunde, der, von unten heraufgekommen, unerhört viel Geld verdient hatte. Der Mann erklärte, an der Niere zu leiden, wünschte sich aber nicht in Berlin, sondern in Paris operieren zu lassen, weil er das anscheinend für vornehmer hielt. Von Israle verlangte er eine Auskunft, wer der beste Chirurg in der französischen Hauptstadt sei Israel erklärte, das sei Professor Doven.„Darf ich Sie bitten, mir einen Empfehlungsbrief an Doyen mitzugeben?" dat der reiche Herr.„Nicht nötig.“ erwiderte Israel,„wenn Sie zu ihm kommen und er über Ihr Leiden im Klaren ist, wird er Sie fragen, wo Sie zuhause sind. Wenn Sie ihm dann erzählen, daß Sie aus Berlin kommen, wird er, wie ich ihn kenne, fragen: Ja, Sie Idiot, warum lassen Sie sich dann nicht von Israel operieren?“ * Der bekannte Psychiater Mendel bekam in seine Privatklinik einen älteren Herrn eingeliefert, der an Größenwahn litt und sich für Ludwig XIV. hielt. Die Verwandten des Patienten zeigten sich außerordentlich besorgt und läuteten schon am nächsten Morgen den Geheimrat an, ob sich der Zustand des Leidenden gebessert habe.„Ich kann Ihnen die besten Nachrichten geben!“ sagte Mendel,„seit heut morgen hält sich unser Patient nur noch für Ludwig XIII. In vierzehn Tagen ist er wohl gesund!“ hier wird deutsch gefrucken. In einem großen Hotel in Knocke an der belgischen Küste kann man beim Portier lesen: „Alles Gebeten um in der Fruy zu wecken ist angezeigen bei dem Bureau.“ Eine große Pariser Pension läht ihren Gästen auf einem Prospekt mitteilen: „Die Herren und Damen Fremden sollen vor der Mittag die Gepäck wegnehm sonst muß sie Preise von die andere Tag bezahlen.“ Das Schönste am Radto. Sächsische Betrachtung Wie alle Welt, so hab ooch ich Nadierlich Radio! Ich schdell mrsch ein, grad wie mrsch baßd. Mal so und ooch mal so Hör mir Gesang, Musik, Dschingbumm, Ooch Radebäben an, Lern schbanisch, wenn es grade glabbd, Und danz ooch dann und wann. Doch'3 Beste an der Kiste is. Daß, wenn's mr nich gefälld, Ich— rubb!— den Schdäbsl ziehen kann! Und dumms, is abgeschdelld!— So mißt es ooch im Läbn sein! Wenn een da was nich grien, Daß man da ooch so— rubbdiwubd!— Könnt an een Schdäbfl ziehn! Dann wäre dieses Jammerda! Das reenste Baradies! Daß dechnisch das nich meeglich is. Das find ich furchdbar mieß! Ludwig Walden. Amerikanisches. Schlechter Weg Im Westen der Vereinigten Staaten haben die Farmer rauhe Sitten. Da war auch der Bauer Smith. der holte in seinem wackeligen Auto einen Sommergast, eine ältere Dame, von der Bahn ab.„Verzeihung“, sagte er „haden Sie vielleicht falsche Zähner—„Aber mein Herr!“ rief entsetzt der Sommergast.—„Ach es ist nur“, sagte der Bauer,„ich bin nämlich garnicht neugierig, aber der Weg ist etwas holprig, und wenn Ihre Zähne nicht sehr gut sind, stecken Sie sie am besten in die Tasche.“ Der Bericht Kürze ist die Seele des modernen Journalismus. Ein junger Schriftsteller wurde deshalb angehalten, in seinen Aufsätzen kein Wort zu viel zu schreiben. Er befolgte diesen Nat und schrieb folgenden Bericht über einen verhängnisvollen Unfall:„John Jones zündete ein Streichholz an, um nachzusehen, ob in seinem Tank noch Benzin sei. Es war noch. Alter 65 Jahre. Der Standpunkt. Sepp geht zum Rechtsanwalt, erzählt lang und breit einen Streitfall über zwei braune Kühe Der Anwalt versichert, daß er den Prozeß nur so aus dem Handgelenk, also totsicher gewinnen würde. „Na, sagt der Bauer, dann werd ich halt nicht klagen.“ —„Wieso nicht?—„Weil ich Ihnen den Streitfall vom Standpunkt meines Gegners aus erzählt habe.“ Verheiratet Rini ist zu Besuch auf dem Gut des Onkels, der eine große Geflügelzucht hat. Natürlich ist Nini von den vielen Hühnern begeistert. Plötzlich ruft sie, als sie einen Ring am Fuß einer Henne entdeckt, ganz aufgeregt: „Onkel, Onkel, sieh doch nur! Das Huhn ist je heiratet!“ Seekrank. „Mein Mann ist sehr kränklich, Herr Kapitän. Ich fürchte, er könnte seekrank werden“, sagte die junge Frau. Der Seemann nickt mit dem Kopf:„So etwas soll vorkommen, meine Dame“.—„Wollen Sie ihm nicht sagen“. bat die besorgte Gattin, was er tun soll, wenn ihm schlecht wird?“—„Nicht nötig“, drummte der Kapitän. Ddas wird er ohne jede Anleitung können“. Berliner Brief. rledigte Vergnügungspaläste. Unsoziale Modeberichte. Berufsmäßige Hetzapostel. Kommunistische Theater. wirtschaftliche Stillstand macht sich in Berlin von Woche fühlbarer. Der Einheimische merkt es weil er die täglich fortschreitende Verarmung nur in kleinsten Etappen sieht. Weit bessere Beovter sind Fremde, die zwei oder drei Jahre lang die schshauptstadt nicht gesehen haben. Sie kommen aus Staunen nicht heraus. Besondere Beobachtung finden stets die ungezählten Geschäftsräume, die zu vermieden sind. Wenn auch die schwere Not der Berliner Beobtkerung an drastischeren Beispielen bewiesen werden Gunte, so wirken die leeren Läden und Büros doch am stärksten, weil sie zunächst in das Blickfeld fallen. Hat man die Verpflichtung, einen Besuch in der Stadt herumzuführen, so merkt man selbst, wie schlimm es um die 5konomische Lage der Bevölkerung bestellt ist Bei einigen Gelegenheiten muß man allerdings von m Gewinn reden, wenn man nämlich daran erinnert , daß zahllose Vergnügungsstätten, Tanzpaläste, Bars und ähnliche Nepplokale ihre Pforten nach längerer oder meist kürzerer Lebensdauer schließen mußten. Diese mit zaffinsertem Luxus ausgestatteten Etablissements waren nicht nur die Ursache, daß mancher Jüngling einen falschen Griff in die Kasse seines Chefs tat, sondern sie batten noch weit schlimmere, über die Grenzen des Reic# hinausgehende Bedeutung. In ausländischen Zeitungen, besonders in den Londoner und Pariser Blättern, konnte man fast täglich Schilderungen über das Schladaffenleden in Berlin lesen, und regelmäßig bildeten die in Berlin neu entstandenen Vergnügungspaläste den Ausgangspunkt für derartige Betrachtungen. Das Ver#chwinden zahlreicher Tanz= und anderer Paläste könnte lomtt wenigstens den Nutzen haben, dem Auslande die Augen zu öffnen und ihm zu zeigen, daß die Berliner und mit ihnen das ganze deutsche Volk wahrhaftig nicht im Ueberfluß leben. Wohlgemeint:„Könnte“,— wenn das Ausland gutgläubig wäre, und wenn eben nicht von anderer Seite wieder Wasser auf die Mühlen geleitet würde, die stetdas Lied vom Wohlleben in Deutschland herunterklappern. Man braucht nur einmal die Modeberichte gewisser Berliner Blätter zu lesen. Wüßte man nicht aus eigener Erfahrung, wie schmal die Geldbörse ist, so müßte nan unsehlbar annehmen, die Berliner Männer hätten lioseneinnahmen, die dazu ausreichten, um ihre Frauen n den kostbarsten Pelzen einherstolzieren zu lassen. Durch eiche Modeberichte wird man nämlich darüber belehrt, at in diesem Jahre Pelz im Vordergrund steht.„Reich, Eön und lururiös soll die Frau im Pelz erscheinen. Pelz. wehin man blickt, recht viel, sehr reich, sehr kostbar.“ Es sei zugegeben, daß es sich um geistloses Geschwätz einer hypermodernen, schreibenden Frau handelt, aber ein findiger Auslands=Redakteur braucht nur das in n Berliner Blatt enthaltene Loblied auf die Pelzden Lesern seiner Zeitung mitzuteilen und die nicht auszutreibende Meinung. Deutschland schwimme im Geld, Nahrung. Doch man hat e es garnicht Wie wirkt denn die findet wieder neue nötig, auf das Ausland zu schauen. Anpreisung der teuren Pelzmode auf unsere sast drei Millionen Arbeitslosen, die zum größten Teit froh wären, wenn sie im Winter ihren ausgehungerten Körper mit einem gewöhnlichen Tuchmantel vor der Kälte schützen könnten. Da hat man dauernd das Wort„sozial“ im Munde und denkt dabei an die paar Mark, die den Arbeitslosen zur Fristung ihres Lebens gegeben werden. Zu der Ueberlegung kommen die Modegötzen und ihre Anbeter jedoch nicht, daß es auch eine soziale Tat ist, der mittellosen Bevölkerungsschicht nicht fortgesetzt den Unterschied zwischen Reichtum und Armut mit krasfester Schärfe vor Augen zu führen. Es soll durchaus keiner kommunistischen Gleichmacherei oas Wort geredet werden. Aber in Zeiten schwerster Wirtschaftsdepression muß davor gewarnt werden. Oel ins Feuer der Volksleidenschaften zu gießen, die ohnehin zur Genüge von den berufsmäßigen Hetzaposteln aufgepeitscht werden. An den Wahlkampf mit seinen häßlichen Auswüchsen braucht man dabei garnicht zu denken. Viel schlimmer ist das systematische Schüren und Wühlen, mit dem die Kommunisten auf kulturellem Boden ihre von Moskau gesteckten Ziele zu erreichen versuchen. Vor zwei Jahren hatte man noch ein mitleidiges Lächeln für den Theaterregisseur Piscator übrig. Man nahm seine Ideen nicht ernst und glaubte, er werde, abgesehen von einem kleineren Kreise seiner Gesinnungsgenossen vom Kurfürstendamm, weiter keinen großen Schaden anrichten. Inzwischen hat es sich jedoch gezeigt, daß die szenische Arbeit Piscators Früchte getragen hat, die vom christlichen Standpunkt aus, die aufmerksamste Beachtung verdienen. Die Kommunisten haben begriffen, daß sich aus den Ideen Piscators bolschewistisches Kapital schlagen läßt. Es hat sich nämlich eine kommunistische Theaterbewegung entwickelt, die ihre ungefähr 40 Trupps zum Auftreten auf der Bühne schult. Man werse nicht das Schlagwort„Dilettantismus“ ein. Das Anfangsstadium ist überwunden. Viele erwerbslose Schauspieler, die zu Hunderten ihr Können gern verwerten möchten, haben sich den einzelnen Trupps angeschlossen und entwickeln nun das bisher Stümperhafte zu künstlerischer Höhe. Mit dieser Entwicklung muß man wohl oder übel rechnen, denn eines Tages stehen wir einem theaterpolitischen Machtsaktor gegenüber, dem aus dem nicht kommunistischen Lager nichts Gleichwertiges entgegenzustellen ist Die Kommunisten gehen bei der Ausbreitung ihrer Theaterpolitik ganz zweckmäßig vor. Ueber Berlin ist das Netz bereits ausgespannt, bald werden Gastspiele in der Provinz an die Reihe kommen. Das Sonderbare bei dieser kommunistischen Theaterspielerei ist, daß es nie an Publikum fehlt. Jeder Theaterdirektor weiß, wie schwer Die Weinernte beginnt. Der Wein wird, kaum von den Rebstöcken abgenommen, im Weinberg selbst gekeltert Die deutschen Ozeanflieger. Von links: Monteur Hack, Pilot Zimmer, Flugleiter von Gronau und Telegraphist Albre Die Mannschaft des deutschen Dornier=Wal=Flugbootes, das im Etappen=Flug als erstes Wasserflugzen Ost=West=Flug von Europa nach Amerika über den Ozean vollbrachte, ist in Amerika begeistert empfangen u Uebereinstimmend wird die Bedeutung der Leistung hervorgehoben, die darin erkannt wird, daß der Flug zum erstenmal praktisch die Möglichkeit eines regelmäßigen Etappen=Flugverkehrs Europa—Amerika erwiesen hat. es ist, die Arbeiterschaft selbst bei billigen Preisen für den Besuch des normalen Theaters zu gewinnen. In der Hauptsache ist es der Mittelstand, der sich die Stücke ansieht. An den politischen Spielen der kommunistischen Theatertrupps nehmen jedoch die Arbeiter regen Anteil. In zwei oder drei großen Sälen Berlins wird sast regelmäßig an jedem Abend gespielt und jedesmal gibt es ein ausverkauftes Haus. Wären gute Stücke zu sehen, so müßte man sich über den Bildungsdrang des aus der Arbeiterschaft stammenden Publikums freuen. Den kommunistischen Hintermännern ist es jedoch nicht um wahre Bildung zu tun, sondern lediglich um politische und kulturelle Hetzerei und dementprechend sind dann auch die Stücke ausgewählt. Mit geringst möglichem Auswand an Kapital wird gearbeitet; auf prunkvolle Ausstattung wird kein Wert gelegt, die Eintrittspreise sind niedrig gehalten. Dem Publikum, das sich nicht nur aus Kommunisten zusammensetzt, wird die Leidenschaft echter oder künstlicher Ueberzeugung löffelweise eingeflößt. Wie aber steter Tropsen den Stein höhlt, so wirkt auch das durch bolschewistische Tendenzstücke einzeimpfte Gift allmählich in der breiten Masse und über die Bretter, die die Welt bedeuten, erobern die Kommunisten Schritt für Schritt von dem Terrain, das ie mit rein politischen Mitteln nie in Besitz nehmen könnten. Dieser ganzen Entwicklung wird noch viel zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt. Wenn nun einmal das Zeittheater da ist, so sollte man die Auswirkungsmöglichkeiten doch nicht allein den kommunistischen Umsturzelementen überlassen. Abwehrartikel und schöne Reden helsen nichts. Man muß zum Angriff übergehen, ehe es zu spät ist. Buntes Allerlei. Land ohne Millionenstädte. Aus der neuesten italienischen Statistik geht hervor, daß Italien keine einzige Millionenstadt besitzt. Allerdings sehlt nicht mehr viel daran, daß Neapel und Mailand dieses Ziel erreichen. Es findet offenbar zurzeit ein heftiger Wettlauf statt, welche der beiden Städte sich zu erst dieser Menschenzahl rühmen kann. Am 1. Juli 1930 wohnten in Neapel 982000 Einwohner und in Mailand 974 000. Nom hat erst 935 000 Einwohner, in weitem Abstand folgt Genua mit 626.000. Wenn man die Vorstädte von Neapel und Mailand hinzurechnet, ist die Millionenzahl freilich schon längst erreicht. Die größten Fortschritte macht Rom. das im letzten Monat 37.000 neue Bürger registrierte, während der Zuwachs in Mailand nur 950 und in Neapel 840 Einwohner beträgt. * Ein neuer Abstieg von der Jungfrau. Ein Abstreg von der Jungfrau auf einem neuen, sehr gejährlichen Wege ist jetzt von dem Führer Christian Rubi aus Wengen und Herrn Glättli aus Schönenwerd glücklich vollendet worden Vom Gipfel aus stieg man an der Nordseite bis zu der Guggli=Hütte herunter. Von dort wählten die beiden Bergsteiger den Weg zwischen dem Schneehorn und dem Kleinen Silberhorn, überquerten aber dann den Gießen=Gletscher bis zum Trümleten=Tal. Ueber diesen Gletscher war bisher noch nie ein Abstieg gewagt worden Auf dem unteren steileren Teil waren große Schwierigkeiten zu überwinden. Der Weg vom Jungfraujoch bis zum Gipfel und dann herunter bis zur Wengern=Alp dauerte 10 Stunden Immer wieder Kanalschwimmerinnen. Der Ruhm der unglücklichen Gertrud Ederle läßt die tüchtigen Schwimmerinnen nicht ruhen. Immer wieder finden sich Bewerberinnen, die den Rekord brechen und eine noch bessere Leistung vollbringen möchten. Ein Mann, der zweiundzwanzigmal den Versuch gemacht hat. den Kanal zu durchschwimmen, warnt die allzu Undesorgten und Wagemutigen. Wer sich nicht zu selsenharter Ausdauer und Unempfindlichkeit trainiert, für den is# das Wagnis nichts, der soll seinen Ehrgeiz auf andere Ziele richten. Sicher ist wohl, daß Gertrud Ederle bei ihrem Unternehmen von besonderen Umständen begünstigt war, auf die aber nicht jede rechnen kann, die en zudem sehr kostspieligen Versuch unternimmt Dennoch haben sich in diesem Sommer nicht weniger als fünf Schwimmerinnen trainiert * Das Land ohne Eisenbahnen. Die Eisenbahnen Afrikas sind nicht länger als die Deutschlands, nämlich 58000 Kilometer, trotzdem Afrika mit seinen 30 Millionen Quadratkilometern etwa vierundsechzigmal so groß ist wie Deutschland Neue Bücker. Militärattaché von Schwartzkoppen. Die Wahrheit über Drenfus. Aus dem Nachlaß herausgegeben von Bern hard Schwertseger Berlin 1930 Verlag für Kulturpolitik Sechsunddreißig Jahre ist es her, als in Paris der Hochverratsprozeß gegen den jüdischen Hauptmann Dreysus spielte, jener Prozeß, der ein ungeheures Aufsehen in der ganzen Welt hervorrief, der Frankreich fast in den Bürgerkrieg brachte. Das Fehlurteil, das damals gefällt wurde, das Dreyfus alle Ehre nahm, das seine Degradation und seine Deportation nach der Teufelsinsel zur Folge hatte, ist längst korrigiert worden. obwohl dieser Kampf ums Recht volle 12 Jahre gedauert hat. Man weiß auch, daß es statt des fälschlich verurteilten Dreyfus der nach England geflüchtete und dort gestordene Major Esterhazy war, der militärische Geheimnisse an Deutschland verkaufte. Obwohl man aber auf deutscher Seite keinen Zweisel daran ließ, daß der deutsche Militärattaché von Schwartzkoppen niemals etwas mit Dreyfus zu tun gehabt habe, erklärten auf Grund einer Fälschung die Drahtzieher des französischen Generalstabes Dreyfus für den Schuldigen, und das Gericht folgte ihrer Anklage. Schwartzkoppen konnte im übrigen seinen Spion nicht preisgeben, er mußte aus dienstlichen Gründen schweigen, auch als ein Unschuldiger in die Hölle der französischen Deportationsinseln geschickt wurde. Warum er schweigen mußte, und alles, was bisher in dieser Affäre noch unklar war, insbesondere die Beziehungen zu Esterhazy, das legt jetzt Oberst a D. Dr. h. c. Schwertfeger in dem vorliegenden Buche dar, bei dem ihm der Nachlaß Schwartzkoppens als wichtigste und einwandfreie Quelle zur Verfügung stand. Ein außerordentlich interessantes Werk, insbesondere für jeden, der sich noch an die Aufregungen des DreyfusProzesses und die von ihm ausgehenden politischen Spanz nungen erinnert. Emil Zola schrieb damals:„Herr von Schwartzkoppen allein kann volles Licht über die Affäre verbreiten.“ Er hatte recht. Die letzten Ungewißheiten sind nunmehr durch die Publikation Schwertsegers beseitigt, sie gibt zugleich auch eine Rechtfertigung des Verhaltens des damaligen deutschen Militärattachés in Paris, der als General der Infanterie 1907 gestorben ist. Kers am Steuer. Ein Autocoman. MNRRMRRRMMMMMM Von Curt J. Beam 9. Fortsetzung. Man hatte ihn auf ihren Wunsch auf ihr Zimmer hinaufgeführt. Als Nina eintrat, sah sie vor sich einen sungen, blassen Menschen, der kaum mehr Aehnlichkeit mit dem gedemütigten Geiger Fjedor Sarkin hatte, den sie kannte. Aber die Erregung in ihr war zu stark, als daß sie es sofort bemerkt hätte, er war ein Bekannter, ein Freund, ein Mensch— nein, der einzige Mensch— mit dem man über alles sprechen konnte. Sie rief:„Fjedor— wie kommen Sie hierher?“ Seine Stimme war tonlos vor Anstrengung. „Ich bin Ihnen nachgereist. Rina!“ Sie besann sich allmählich: „Aber— wie kamen Sie darauf? Sie— können doch nicht so einfach wegfahren? Sie sind doch im Engagement?“ „Ich bin entlassen, Nina.“ „Entlassen?— Mein Gott— warum—?“ „Wegen der Affäre. Es gab einflußreiche Gäste bei uns. Sie haben gegen mich protestiert. Sie wünschten mich nicht mehr zu sehen...“ aber— um's Himmels willen— das ist doch kein Grund—?“ „Doch, Frau Nina. Exzellenz Gagarin verkehrt bei uns und General Wronsky, mein Cellist war Prinz Demidoff, und mein Nachfolger ist Major Kiniky, der jeden Abend ganz links an der Bar saß. Als ich gestern abend lns Lokal kam, stand er schon auf meinem Platz Er pielt nicht sehr gut, aber man hat ihn gern!“ und das alles— weil Sie an diesem Abend n — diesem Kiriloff——“ Fjedor Sarkin bekam sehr dünne und verächtlich. Mundwinkel. „O nein. Frau Nina, nicht nur deswegen. Das war nur der Anstoß. Ich paßte nicht recht in die Tary=Bary Ich hatte die Unverschämtheit, zu glauben, daß wir Emigranten alle gleich wären. Das ist ein Irrtum, Frau Rina. Wir sind alle noch Generale, Fürsten oder dreckige Zigeuner... wenn wir unter uns sind. Und wir werden es noch hundert und zweihundert und dreihundert Jahre bleiben. Und... Sie sind leider keine Zigennerin, Frau Rina, das hat man mir sehr übel genommen. was meinen Sie damtt—?“ „Nichts!“ Fiedor lachte plötzlich sehr hell.„Es ist wirklich lächerlich. Man fand, daß ich Sie kompromit(Duncker=Verlag. Berlin W 62) tiert hätte, und man jand, daß ich dafür eine Hundepeitsche verdiene, Frau Nina— und darum hat man mich hinausgeworfen. Glauben Sie mir, Frau Nina, es gibt nichts Schlimmeres als Landsleute.. besonders wenn der Stolz ihr einziges Vermögen darstellt!“ Nina sah ihm in die Augen. „Sie— wollen damit sagen, daß Sie— meinetwegen in diese Lage gekommen sind. Fiedor?“ Er hob die Schultern hoch „Nicht Ihretwegen. Nina— meinetwegen. Weil ich nichts bin. Nicht einmal ein Genie. Und weil Sie etwas sind. Und weil man Sie schätzt. Und mich nicht. Deshalb hat man mich zum Teufel gejagt.“ Nina sah sich nach ihrer Handtasche um. Ihre erste Hoffnung war erloschen. Dieser Mann kam nicht, um ihr zu helfen. Der kam, um zu betteln. Aber ehe sie den Gedanken zu Ende denken konnte, fuhr sie herum, denn der Geiger Fjedor Sarkin schrie plötzlich: „Und außerdem ist die Polizei hinter mir her! Deshalb bin ich hierher gekommen! Ich bin ausgerissen! Weil sie mich in München verhaftet hätten!“ Nina wurde unsicher. — was haben Sie denn getan—?“ Fjedor Sarkin hatte sich an die Tischkante geklammert, hatte sich vorgebeugt und rang stockend nach Worten. Er ir gar nicht mehr ruhig, gar nicht mehr demütig und seischend. Er schrie stoßweise: „In der Redaktion bin ich gewesen!— den Kerl hab erschlagen, der gegen Sie geschrieben hat!— das Lintenjaß hab ich ihm ins Gesicht geschlagen!— sie haben mich sestnehmen wollen!— ausgerissen din ich. durchs Fenster, über den Hof, meinen Mantel haben sie dabehalten— ein Hund ist das gewesen, ein verfluchter, versumpfter, erpresserischer Hund!— Die„Große Glock“ heißt das Blatt— die„Große Glocke“ hätte man ihm über den Kopf stülpen müssen. Rina lehnte an der Wand. blaß und regungslos. Sie versuchte vergeblich, sich vorzustellen, daß der Mann das eigentlich alles für sie getan hatte. Da war ein Riß Es war nicht nötig, so etwas für sie zu tun. Sie hätte ihm vielleicht dankbar sein müssen, aber sie war es nicht. Dieser Mensch am hellen Vormittag, dieser schmalbrüstige, schwarzhaarige Junge, dieses gehetzte Stück Unglück das um lein bißchen Existenz zitterte war ihr grauenhaft. Sie konnte sich nicht vorstellen, daß sie einmal seine Musik geliebt hatte. Man muß ihm helfen, dachte sie. Nur nicht den Kopf verlieren. Es ist verständlich, was er getan hat, er hat es auch sicher sehr gut gemeint, man wird ihm irgendwie heraushelfen, aber er ist eigentlich selbst schuld an allem. Sie griff nach ihrer Handtasche, während Fjedor Sarkin in einem Sessel zusammengesunken war. den Kopf in die Hände gestützt hielt und stöhnte: „Brauchen Sie Geld, Fiedor—?“ Der schmale Kopf flog hoch. „ Geld?“ Sie müssen doch fort!" redete Rina„Sie müssen doch existieren! Ich will Ihnen helfen!“ Fjedor Sarkin stand langsam auf und starrte sie an. als sehe er sie zum erstenmal. Sein Mund dog sich in lautlosem Gelächter. „Meinen Sie das im Ernst, Nina—?“ Sie nickte unsicher. „— ja— natütlich——“ Der Mann stand dicht vor ihr. Sie spürte seinen Atem, wenn er sprach, und wich unwillkürlich zurück. „Frau Rina,“ sagte Fjedor Sarkin sehr langsam und sehr leise,„ich brauche kein Geld Es gibt Dinge, die Sie mir nicht bezahlen können. Ich liede Sie. Nina!“ „Sie sind verrückt, Fjedor!“ Nina wandte sich heftig ab. Er ist wirklich ein Zigenner, dachte sie, Exzellenz Gagarin und General Wronsky haben recht gehabt. Fiedor Sarkin sah ihr aus halbgeschlossenen Augen nach. „Ihr Mann weiß alles. Rina—?“ Sie fuhr herum. „Er weiß nichts—! Er darf nichts wissen, verstehen Sie das nicht—? Er fährt um sein Leden!“ „Und wenn er es erfährt. Rina— wird er Ihnen glauben— odet den anderen—!“ „Ich weiß nicht! Fragen Sie mich doch nicht! Wie soll ich das wissen—?“ Ein Mann, der Ihnen nicht glaubt, In ein Verer!“ schweigen fiel über den Raum. Nina hörte ihr Herz. das bis in die Kehle hinausschlug. Sie versuchte sich zusammenzunehmen— so ging es jedenfalls nicht weiter. Sie wollte sich Mut machen, lächeln und die ganze Sachlage leichter betrachten. „Und außerdem,“ sagte sie.„sind Sie jetzt da... und wenn mir niemand glaubt, werden Sie bestättgen, daß alles nur ein dummer Zufall war Der Mann sah langsam herum und betrochtete Rina Sie bemerkte zum erstenmal, daß er kein gutes Gesicht hatte. Er sah im Tageslicht verlebt und unruhig aus Um seine Mundwinkel bildeten sich kleine Fältchen, die in dauernder Bewegung waren. Er soh aus wie eine abgeschminkte Operettenschauspielerin, die eben auf der Bühne noch eine Prinzessin war. „Und wenn ich.. das Gegenteil behaupte—?“ sprach dieser Fjedor Sarkin langsam und vorsichtig. Nina begriff nicht sofort. das Gegenteil—— was— meinen Sie damit —— Und das war der Augenblick, in dem Fiedor Sarkin — dreckiger Zigeunerjunge. Geiger, gehetzter, armer Rart — die letzten Hemmungen abstreifte wie ein altes Kostüm — der Augenblick, in dem der Machtrausch über sein kleines Gehirn hinwegraste. „Das Gegenteil, Nina? Das wissen Sie ganz genau — ganz genau wissen Sie das! Sie sind heute in meiner Hand, die Herrin vom weißen Pferde. und dieses Mal werden Sie nicht mit der Reitpeitsche nach mir schlagen! Und wenn Sie wollen, werde ich zurückschlagen, denn jetzt din ich der Herr!" Nina zweifelte ernsthaft am Bestehen dieser Welt. Das alles war bestimmt nur ein irrsinniger Traum. Trotzdem mußte sie fragen: „— was wollen Sie denn—?“ „Ich will Sie.“ sprach das Subjekt, das offenbar irre sinnig war.„Ich habe genug für Sie getan, und ich habe nichts mehr zu verlieren! Ich kann nur noch gewinnen, und ich will meine letzten Tage ausnutzen!“ Nina ging zur Tür, öffnete sie und sagte:„Hinaus!“ Der Mann lachte plötzlich. „Gut gemacht, aber das wirkt nicht auf mich. Ich werde heute abend einen Skandal machen. Ich werde Sie zur Rede stellen, unten im Restaurant. wenn alle anwesend sind! Wenn Ihr Mann dabei ist; wenn seine Freunde dabei sind, vor hundert Menschen werde ich einen Skandal machen. Ich habe nichts mehr dabei zu riskieren!“ „Hinaus!“ sagte Rina. Er verbeugte sich und kam zur Tür. „Natürlich, ich gehe schon. Und... wenn Sie er sich doch noch überlegen sollten... ich bin heute den ganzen Tag hier im Hotel.“ Er beugte sich dicht zu ihr. „Mir ist alles egal, Nina, was später kommt!“ „Sie sind irrsinnig.“ sagte Rina „Sie sind ein Erpresser!“"—„Ja.“ „Christian wird Sie erschießen!" „Dafür wird er ins Gefängnie kommen! Halten Sie das für besonders schön—?“ Rina schloß plötzlich die Tür und schrie auf. „Ich werde Sie der Polizei anzeigen!“ „Dann werde ich dort den Skandal machen!" „Sie— Sie— sind——“ Ein Amokläufer, ja. Nina. Ich sagte Ihnen schon— ich habe nichts zu verlieren!“ Schnelligkeitsrekorde der Arbeit. Don der Schafschur bis zum Daletot in 12 Stunden.) Dom Baumstamm zum Seidenstrumpf in 8 Stunden." fords erste Schnelligkeitsrekorde. In Amerika sind mehrere„Schnelligkeitsrekorde der Arbeit" aufgestellt worden, die darum besonders lehrreich ind, weil aus ihnen hervorgeht, welche Beschleunigung die menschliche Arbeit durch Maschinen und schnelle Verkehrsmittel erlangen kann. Zu diesem Zweck sind nicht gzur die modernsten Arbeitsmethoden verwendet worden, indern auch die schnellen Flugzeuge, mit deren Hilfe ie Arbeitserzeugnisse an den Ort der Bestimmung geDracht wurden. Die Frage, ob ein Leichtathlet 100 Meter i 10 Sekunden oder in 10,4 Sekunden läuft, ist ohne esse Aen eun eeunr ur Giuns in Gun. der der körperlichen Ertüchtigung auch Bedeutung hat. as Bestreben, Schnelligkeitsrekorde der Arbeit aufzuellen, kann aber unter Umständen von großer wirthaftlicher Bedeutung werden. In Kanada wurde die interessante Frage gelöst, wie #s dauern muß, bis aus der durch Schafschur inen Wolle ein Mantel hergestellt und nach chsten größeren Stadt zu dem Besteller gebracht „ 2 kann. Auf einer Farm in Kanada wurden um ## o r f r ü h m o r g e n s m e h r e r e S c h a f e g e s c h o r e n. D i e wurde mithilfe eines Flugzeuges in die Fabrik 5t, wo sie gereinigt und gefärbt wurde. Dieser Plozeß dauerte einschließlich der Beförderung 1½ Stunden. Nun wurde die Wolle zum Spinnen und Weben gebracht. Kaum war das Tuch fertiggestellt, als es soort zu dem nächsten Schneider geschickt wurde, der allerings im Bunde mit den Rekordunternehmern war und sich sofort an die Arbeit machte. Er stellte den Mantel in drei Stunden fertig. Dann wurde der Mantel mittels Flugzeuges nach Montreal gebracht, wo er dem Besteller abgeliefert wurde. Die ganze Fertigstellung des Mantels hatte von der Schafschur bis zur Ablieferung einschließlich der zeitraubenden Spinnerei 12 Stunden gedauert, denn um vier Uhr nachmittags konnte der Besteller in dem Mantel bereits spazieren gehen. Ein ähnlicher Versuch wurde auf dem Gebiete der Herstellung kunstseidener Artikel unternommen. Wenn man von den langwierigen chemischen Prozessen absieht, denen die Rohstoffe ausgesetzt werden müssen, und nur die reine Arbeit betrachtet, dann konnte der„Strumpf binnen acht Stunden fertiggemacht werden. Die Rohstoffe, die zur Herstellung der Kunstseide verwendet wurden, brauchten allerdings nicht erst mit Transportmitteln zur Fabrik gebracht zu werden, da sie an Ort und Stelle bereits vorhanden waren. Der Meister der Schnellarbeit ist bekanntlich Henry Ford. der die Amerikaner und vielleicht sogar die ganze Welt zur rationellen Arbeit erzogen hat. Bei Penry Ford sind die Schnelligkeitsrekorde der Arbeit selbstverständlich. Das„lausende Band“ ist das Mittel und Werkzeug, mit dem er Arbeitsergebnisse erzielt, die früher für unmöglich angesehen wurden. Er war auch der Erste. der Schnelligkeitsrekorde der Arbeit durchsnorte, als er noch nicht im entferntesten daran denken konnte, einstmals der Autokönig und der reichste Mann Amerikas zu werden. Es war zu der Zeit, als er in Detroit noch als„verrückter Erfinder" bekannt war. Schon damals kam er durch eine Wette, die er abschloß, auf den Gedanken, die Arbeit dadurch zu beschleunigen, daß sie sinngemäß unter verschiedene Arbeiter aufgeteilt wird. Durch diese ersten Schnelligkeitsrekorde der Arbeit gelang es ihm, bereits kurz nach Begründung seiner ersten Fabrik, die bisherige Arbeitszeit, die für die Herstellung eines Automobils nötig war, auf ein Drittel herabzudrücken. Auf diese Weise konnte er billig arbeiten und billige Preise berechnen, sodaß er auch einen Schnelligkeitsrekord im Verdienen aufstellen konnte. Der derühmte Forschungsreisende Oven Hedin erzählt darüber aus Anlaß eines Besuches, den er bei Henry Ford machte, einige interessante Einzelheiten. Er war bei ihm eine rnappe halbe Stunde zu Besuch. Dabei rechneten sie aus, daß Ford während dieser Zeit 75000 Dollar verdient hatte. Zugleich kam eine andere seltsame Tatsache zur Kenntnis Sven Hedins, daß nämlich Ford immer Zeit hat. Sven Hedin wollte schon nach wenigen Minuten aufbrechen, um dem großen Fabrikherrn nicht die kostbare Zeit zu rauben. Aber Ford erwiderte darauf, daß sich Sven Hedin darüber keine Sorgen machen und nicht zu eilen brauche, denn, so sagte er:„Wir haben hier sehr viel Zeit“. Die Maßnahmen zur Erzielung von Schnelligkeitsrekorden durch systematische Arbeitsleistung sind also, wie man daraus erkennt, auch geeignet, den Menschen von dem Wahn zu befreien, daß er keine Zeit habe. Die Ordnung in der Einteilung der Arbeit ist viel wichtiger, als die Hetzjagd bei der Arbeit. Hollywoods Ende. Die Geschichte einer Märchenstadt. Der Tonfilm tötet das Fülmparadies.] Eine Riesenstadt sinkt ins Dunkel zurück. ork zu verlegen, da jetzt die Be*“ grundlegend Die Herren ziers des amer teilung einer Fi Hollywood nach New Vork zu verlegen, da dingungen für die Filmherstellung sich grundleger geändert haben. Erstens müssen jetzt im Film Scha spieler beschäftigt werden, die an den großen New Yorker Bühnen tätig sind und nicht in Hollywood leben können wie die bisherigen Filmstars; und zweitens braucht man jetzt nicht mehr das günstige Klima von Hollywood, das diese Märchenstadt zum Filmparadies gemacht hat. Heut können mithilfe der modernen Apparate die Filme überall in jeder Dunkelkammer hergestellt werden. Bisher war die günstige Witterung Californiens die Hauptursache dafür, daß sich in Hollywood ein ungeheurer Filmbetrieb entwickelte, ja, das günstige Klima ist sogar die Ursache dafür, daß hier in einem einstmals völlig bedeutungslosen Vorort von Los Angeles die Filmstadt begründet wurde, die mit den Stars gemeinsam einen märchenhaften Aufstieg nahm, um jetzt wieder voraussichtlich in das frühere Dunkel zurückzusinken. Es war vor fast genau 19 Jahren, nämlich am 27. Oktober 1911, als hier in Hollywood, ein Photograph namens Mr. Alfred(Al)(Christie, der gehört hatte, daß in Californien die Luft für Filmaufnahmen besonders günstig sei, sich ein kleines Häuschen mietete und zum ersten Mal in einem Gartenschuppen einen Film drehte. Dieser Gartenschuppen hat inzwischen historische Bedeutung erlangt, wenn er auch selbst nicht mehr vorhanden ist, denn an seiner Stelle steht ein ungeheures Filmatelier. Aber zur Erinnerung daran, daß einstmals an dieser Stelle der erste Film in Hollywood gedreht wurde, wurde an dem Atelier eine prunkvolle Gedenktasel angebracht, auf der dieser denkwürdige Augenblick verzeichnet steht. Neben dem Holzschuppen von Al Christie stand eine in Europa— Wolkenbrüche in U. S. f. Scheune, die für Jesse L. Lasko und Cecil B. de Mille das erste Atelier wurde, in dem diese beiden Pioniere des Films, die später zu ungeheurem Reichtum und Ruhm gelangten, ihre ersten ungelenken Versuche anstellten. Damals war Hollywood ein kleiner Vorort der Großstadt Los Angeles und hatte kaum 3000 Einwohner. Diese Zahl war im Jahre 1920 bereits auf 40 000 gestiegen, im Jahre 1925 schon auf 125000 und in der Zeit der höchsten Entwicklung des stummen Films war fast eine viertel Million Einwohner erreicht worden. So gewaltig wuchs diese Märchenstadt durch den Film empor. Man konnte mit Recht das Wort prägen, daß das Kino eine Großstadt geschaffen hatte. Aus der kleinen Scheune und dem Holzschuppen waren mehr als 50 riesige Filmateliers geworden, die in der modernsten Weise ausgestattet waren, 250 Filmgesellschaften hatten hier ihre Niederlassungen begründet. Mit diesem Anwachsen des Betriebes und der Bevölkerungszahl stiegen die Bodenpreise ins Ungemessene, und es ist durchaus nicht falsch, wenn behauptet wird, daß die Filmmillionäre von Hollywood ihre Millionen weniger durch die Filme, als vielmehr durch die Bodenspekulation erworben haben. Als die„Paramount“ ihre Filmateliers begründete. kauften sie für einen Pappenstiel auf der Vinestreet in Hollywood ein gewaltiges Gelände, auf dem sie ihre Bauten errichteten. Im Laufe der Jahre wurde aber die Vinestreet für Hollywood das, was für Newyork der Broadway und für Berlin die Friedrichstraße ist, sodaß jeder Quadratmeter Boden mit vielen tausend Dollarnoten bezahlt werden mußte. Das gewaltige Gelände der Paramount=Ateliers stellte nunmehr einen Wert von vielen Millionen Dollars dar, und es rentierte sich, die kostspieligen Gebäude und Anlagen aller Art abzubrechen, um die Ateliers auf einem billigeren Boden in Hollywood wieder aufs neue zu errichten. Der Ueberschuß, den die Paramount beim Verkauf dieses teuren Bodens an der Hauptverkehrsstraße erzielte, war noch so beträchtlich, daß die Verlegung der Ateliers ein großes Geschaft war. Die Bodenspekulanten machten hier die großten Geschäfte, denn ein Ende dieser Konjunktur schien überhaupt nicht möglich zu sein. Da kam der Tonfilm und verödete schon zum Teil die Stadt und die Ateliers. Die Bungalows, die möblierten Villen, die zu Preisen von 200—600 Dollars monatlich zu vermieten sind, stehen teilweise leer. Erst durch das Aufblühen des Tonfilms ist wieder neues Leben allerdings nach der jeben in Hollywood eingezogen, das obigen Meldung auch nicht von lannicht in Hollywood haben oder nur mit großen Schwierigkeiten und Kosten, sondern viel bequemer und billiger in New York. Auch die fremden Schauspieler, die nach Amerika verpflichtet werden, werden in New York schneller sein, als in Hollywood. Vielleicht wird eines Tages das Filmparadies wieder eine kleine unbedeutende Vorstadt sein. Nach cenlanger Hitze und Dürre in den Vereinigten Staaten von Nordamerika setzten an einigen Stellen Wolkenbrüche von verheerender Wirkung ein. Unser Photo zeigt eine Hauptstraße in der Stadt Worcester im Staate Massachusetts(USA), die dis in Kniehöhe überschwemmt wurde Wenn Schlangen Kaffee trinken wollen. Unangenehmer Besuch. Einen merkwürdigen Besuch erhielt in diesen Tagen ein großes Pariser Kaffeehous. Um die Nachmittagsstunde, als in dem Kaffee kein freier Stuhl mehr zu haben war, drang plötzlich ein Knäuel von Schlaugen in das Lokal. Die Gäste wurden von furchtdarem Schrecken ergriffen und liefen, so schnell wie sie konnten, davon. Man konnte sich zunächst diesen merkwürdigen Besuch nicht erklären. erst, nachdem sich der erste Schrecken gelegt hatte, entdeckte man, woher die Reptilien geSensationeller Ballonaufstie Oben: Außenansicht des Vallons; unten Innenansicht. Prosessor Piccard von der Universität Brüssel hat einen sensationellen Plan vor. Er will mit einem besonders konstruierten Ballon, besser einer Alumininikugel von 14000 Kudikmeter Inhalt, einen Aufstieg in bisher noch unbekannte Höhen wagen. Piccard hofft, 14—15000 Meter Höhe zu erreichen. Der Start sol Mitte September in der Nähe von Augsburg erfolgen Unter der Aluminiumkugel wird der Kord, in dem sich der Professor und seine Begleiter befinden sollen, montiert werden. Der Ballon wird mit Gas gefüllt und eine ungeheure Auftriebskraft besitzen, so daß man nach 136—2stündiger Fahrt 12.000 Meter Höhe zu erreichen hofft. kommen waren. Man fand nämlich unter einem Tisch eine große Kiste, deren Deckel umgeklappt war. Nachdem Polizeibeamte Jagd auf die Schlangen veranstaltet und diese aus dem Raum entfernt hatten, konnte man den ganzen Vorgang rekonstruieren. Ein Dienstmann, der sich auf einem Besorgungs befand, war der Besitzer der unglüchseligen Kistschon vorher einige Weinstuben aufgesucht und als einen kräftigen##4## ste. Er hatte schon vorher einige Weinstuben aufgesucht und dort mehr als einen kräftigen Schluck genommen. Schließlich hatte er noch einen Freund getroffen und mit diesem zusamseehaus betreten. Die Kiste, die er an einem men das Ka bestimmten aus abgeben sollte. neden datte er stellt. Unter der Einwirkung des Alkohols war gier in ihm erwact. Er wellte einmal sehen, denn eigentlich befördern sollte. So hatte er Die Renwas er igentlich befordern sollte. So hatte er denn die Kiste geöffnet, einen Blick hineingetan, aber dieser genügte, um ihm einen gehörigen Schrecken einzujagen. Er aß, den Deckel zu schließen. Die es in ihrem Gesängnis garnicht die gute Gelegenhoit, um sich in affeehaus einmal umzusehen. kannte davon und verga Schlangen aber, denen es in ihrem Gefängn gefallen hatte, benutzten die gute Gelegenheit, Kaffeehaus einmal umzusehen. Neue Bücker. Juliana von Stockhausen:„Vom nordischen Seiste.“ Verlag Kösel und Pustet, München Im Sommer 1929 fuhr Juliana von Stockhausen zu der großen nordischen Dichterin Siarto Undset. Von dem Zusammentreffen und dem Ergebnis dieser Begegnung erzählt dieses Buch. Wir lesen etwas von den Nordvölkern der Schweden, Dänen und Norweger und fühlen dabei die Sicherheit des historischen Einfühlene und die Weite des ethischen Betrachtens. Die Abende, die Juliana von Stockhausen dei Sigrid Undset verbrachte, im Hochgebirge der Oesterdalberge, erschlossen ihr ethnisch und kulrurell eine ganz neue Welt. Als Krönung sind dem Buche drei wunderbare Legenden aus der Feder Sigrid Undsets beigegeben. Jeder, der für nordische Wesensart und Kultur interessiert ist, wi— zu dem Buch greifen. wird gern Kers am Steuer. Ein 10. Fortsetzung. Nina mußte sich an eine Stuhllehne klammern. verlor die Kraft. „Gehen Sie— sofort!“ Fiedor Sarkin ging. Sie Um dieselbe Zeit jagte Christian Tegethoff über die langen Kehren hinter San Martino di Castrozza, raste über den Cismon und den Campo Fosse di Sopra, Käthe Bernard lag neben ihm, möglichst geduckt, um den Luftwiderstand zu verringern— sie sprachen kaum miteinander, denn ihr einziger Gedanke galt dem Lauf des Motors, der brav und gleichmäßig wie eine Nähmaschine kurrte, Christian fraß mit den Augen die Straße, riß den Wagen wie ein Jongleur um die Kurven, immer weiter, jetzt dem Rollepaß zu. Bald darauf gab es Pneumatikschaden. der Wagen kam ins Schleudern, aber Christian fing ihn noch rechtzeitig ab; sie standen millimeterdicht vor der Steinmauer, die beinahe das Ende ihrer Fahrt bedeutet hätte. Nach dem ersten Schrecken lachte Christian wieder aber es war heute nicht mehr ganz echt Oettens Unfall war ihm in die Knochen gefahren. Rechts hinten— ein Zweizöllernagel, natürlich! Wagenheber. Reserverad, natürlich rutschte der Heber auch noch einmal ab, man wurde wütend. nun dauerte es erst recht lange.— Käthe hatte die Motorhaube geöffnet und prüfte die Zündkerzen. Einmal sah ne zurück auf Christian. Er würgte an den Schrauben herum und schimpfte. „Hätte bloß im Vorderrad sitzen sollen dann hätten wir jegt unsere siebenundvierzig Knochen zusammengezählt!" Noch eine Drehung— fertig—! Er richtete sich auf.„Hai der Mensch eigentlich siebenundvierzig Knochen, Käthe?“ „Keine Ahnung.“ sagte das Mädchen„Aber wir lausen schon die ganze Zeit mit sieben Töppen!“ Sie reinigte die Zündkerze des ersten Zylinders, die andern sunkten richtig. Ein halbes Dutzend Wagen war in der Zwischenzeit an ihnen vorbeigebraust. Von überall neugierige Blicke Einige hatten auch schadenfroh gelächelt. „Wartet nur.“ sagte Christian grimmig Die offene torhaube konnte leicht zu Trugschlüssen verführen. So war es zum Glück nicht. Von Curt J. Bram. (Duncker=Verlag. Berlin W. 62). och. ein mit entBremsen kreischten, eine Staubwolke### Wagen hielt neben ihnen, und Hayn beugte setztem Gesicht heraus: „Etwas passiert—?“ Fahr weiter, Schätzchen!“ winkte Christian.„Alles in Ordnung. Halt— Moment— Kognak gefällig?“ „Hergeben!“ Sie taten einige Züge aus der Flasche. Dann schod Hayn wieder ein Stück trockenes Brot zwischen die Zähne, an dem er stets während des Fahrens herumzukauen pflegte, gab Gas und verschwand. Wenige Mi väter 95 eeche imm Wenige Minuten pater fuhren auch Christian und Käthe weiter. Sie drehten mächtig auf, um die verlorene Zeit wieder einzuholen, denn die Dolomitenstraße war gefährlich. Es konnte noch allerlei geschehen— deshalb war es besser, aus dem Wagen herauszuholen, was er hergab, und dadurch Zeit für unvorhergesehene Zwischenfälle zu gewinnen Sie hatten bisher 1200 Kilometer hinter sich,— in weieinhalb Tagen, und das Brummen des Motors tie sich schon so in ihre Hirne eingefressen, daß sie es selbst in den wenigen Ruhepausen nicht mehr los wurden. Man näherte sich dem Stadium des Rennkollers, jener überreizten, nervösen Stimmung. in der man bereit ist, sich über jede Kleinigkeit heftig aufzuregen. Die gespannte Aufmerksamkeit, die am Steuer notwendig war, riß an den Nerven. Die Arme wurden steif und schwer, wenn man Stunden um Stunden das Rad halten mußte Die Augen ermüdeten trotz der Schutzbrille von dem seinen Staub, der in der Luft hing und von der spiegelnden Sonne, die einem bisweilen gerade ins Gesicht blendete. Dagegen nützten keine Schirmmützen und getönten Gläser. Bisher war man frech gefahren— nun wurde eine Art schlafwandlerisches Rasen daraus. ein Dahinfliegen auf Biegen und Brechen. Käthe Bernard, die das alles ebenso spürte wie Christian, beobachtete den Mann von der Seite aus. Dachte er an seine Frau? Sicher nicht. Wenn man hier fuhr, hatte man das Gefühl dafür verloren, daß noch eine andere Welt existierte, deren Prodleme in wenigen Tagen wieder wichtiger sein würden, als sämtliche Steigungen und gutgeschnittenen Kurven In plötzlicher Neugier fragte sie: „Christian—“ n—* „Freust du dich nicht, daß deine Frau dir nachgefahren ist—?“ „He?“. Er sah sekundenlang herum, ohne auf die Straße zu achten. Wese?“ „Paß auf, du—!... Ich meinte nur so Freust du dich nicht—?“ „Ich dachte, wenn man sich liebt, liebt man sich immer — auch bei Gablöß—?“ „Vielleicht lieben Frauen immer—? Männer haben manchmal noch ein bißchen zu tun!“ „Und— glaubst du, daß deine Frau glücklich ist?“ „Ich nehme an— jedenfalls hat sie mir noch nie das Gegenteil gesagt... aber— sag mal was willst du eigentlich von mir?“ „Richts,“ sprach Käthe.„Es hat mich nur so interessiert. Du sprichst so selten über dich selbst— und wir kennen uns doch lange genug, nicht wahr?“ „Natürlich!— Glaubst du, daß ich an dem vorbeikomme—? Jetzt haben sie hier auch Sommerweg! Ich muß ihn in der Kurve abfangen— halt dich fest... der will wieder nicht Platz machen... Moment. Freunderl! Dicht vor ihnen die Kurve. Linke Seite Sommerweg. „Ha, er hat Angst—.“ Christian schnitt die Kurve quer über den lockeren Sand hinweg, der hinter ihnen in hoher Wolke aufstäubte. Um keinen Millimeter hatte der Wagen geschleudert. Der andere war vorsichtshalber auf dem festen Grund der Außenbahn durch die Kurve gefahren— dafür bekam er jetzt den ganzen Dreck ins Gesicht und Christian strahlte. „Das soll er mal nachmachen, der Gentleman!" Die Straße ging schnurgerade voraus. Die Luft pfiff. Und ganz unerwartet sagte einer am Steuer: „Sag mal, wie bist du darauf gekommen... ob meine Frau glücklich ist—?“ Das Mädchen zögerte.„Ich dachte gerade so daran Bist du böse—?“ „Nee, das war nur komisch gerade jetzt...“ Er sah noch eine Weile recht nachdenklich aus,— dann trat er das Gaspedal durch und ging mit hundertzwanzig weiter. Dabei konnte man nicht mehr sprechen 6 Heiß und drückend war die Sonne der frühen Nachmittagsstunden. Rina saß lange in ihrem Zimmer, nachdem der Kellner das Essen abgeräumt hatte. Sie hatte Angst, in den Speisesaal hinunterzugehen, denn dort saß vielleicht Fjedor Sarkin. Sie durfte ihn jetzt nicht sehen. Schon der Gedanke an ihn war furchtbar. Er war zweifellos nicht mehr Herr seines Hirns— anders war seine Verwandlung nicht erklärbat Aber in den nächsten Stunden wurde die Einsamkeit Zimmer noch guälender. Rina ging hinunter auf die Terrasse. Franz Bernard saß an einem Tisch, hielt eine erloschene Zigarre zwischen den Zähnen, trank unzählige Kaffees und zählte die Minuten, die ihn noch von der Ankunft seiner Fahrer trennen konnten. Er begrüßte Nina überaus freudig und war erleichtert, als sie seiner Einladung folgte und an seinem Tisch Platz nahm. Man muß manchmal sprechen können.“ entschuldigte er sich fast verlegen—„und wir haben doch dieselben Aengste, nicht wahr—?“ Nina nickte. Fiedor Sarkin war nicht zu sehen. Alle Menschen haben dieselben Aengste — Oder haben Sie Ihrem Mann eine Maskotte mitgegeben, die ihn vor jeder Unbill schützt?“ Sie mußte auch das verneinen. Nichts hatte sie ihm mitgegeben außer ihrem Herzen. Richt einmal ihre Zuversicht. Sie war klein und schwach gewesen. Hätte sie Mut gehabt... alles wäre so einfach gewesen. Es hätte keine einsamen Hotelzimmer gegeben. keine russischen Lieder, keinen Fjedor Sarkin— Franz Bernard zerriß andächtig und langsam eine hauchdünne Papierserviette in unendlich viel kleine Fetzen, bis er sich plötzlich der Lächerlichkeit dieses Spiele elber bewußt wurde und mit nervösem Lachen aufsah. „Ich muß sagen, dieser Unfall mit Oetten ist mir an die Nerven gegangen. Anstatt froh zu sein, daß es noch so gut abgelaufen ist, zitterte ich bei jedem Gedanken an die anderen, die noch unterwegs sind.“ „Haben Sie noch andere Nachrichten von dem Rennen?“ fragte Rina höflich. „Ueber die andern?— Heute sind schon neun ausgeschieden!— Sechs wegen Materialsehler, falscher Konstruktionen oder Ueberanstrengung der Wagen.— drei durch Unfall. Die Konkurrenz lichtet sich auch bedenklich. Und haben Sie keine Angst um Ihre Tochter?“ „Käthe?“. Er seufzte ein wenig.„Sie tut doch. was sie will. Da haben wir nichts zu sagen. Oder würde Ihr Mann das Rennfahren aufgeben, wenn Sie es wünschten—?“ „Ich glaube nicht—“ „Sehen Sie... trotzdem Sie in einer glücklichen Ehe leben!“ Nina fragte unvermittelt. „Glauben Sie, daß eine Ehe überhaupt glücklich ein kann?“ Franz Bernard machte ein erstauntes Gesicht. „Natürlich... das heißt, es kommt darauf an. was man von der Ehe erwartet! Jedes Glück ist relativ— und jede Zufriedenheit hängt von den Voraussetzungen ab—!“ „An eine vollendet glückliche Ede glauben Sie also auch nicht—? Auch dann nicht, wenn man sich liebt—?“ Der Mann dachte nach.(Fortsetzung folgt.)