Nr. 69. M.Gladbach(Dienstag), den 17. Juni 1890. Gladbacher Rlerkur. 2. Abonnement: Erscheint wöchentlich drei Mal(Dienstags, Donnerstags und Samstags) und kostet pro Quartal in der Expedition, bei den Boten und durch die Post bezogen 1 Mark. Organ für den chriftlichen Handwerker= und Arbeiterstand. Eingetragen im Post=Zeitungskatalog unter Nr. 2379a. Annoncen=Annahmen: Karl Peters, Kapuzinerstr. 49; Jakob Flachsenberg, Blumenberger= und Luisenstr.=Ecke; Peter Phlipsen, Speick 37; Hub. Worms, Waldhausenerstr. 91; Ant. Hermanns, Rheindahlen; Herm. Schmitz, Corschenbroich: In Viersen: Expedition der Viersener Volkszeitung, W. A. Hamm, Hauptstraße 43. Expedition Crefelderstraße 171. Gescheitert! Das Sperrgeldergesetz nämlich, und kaum ist das geschehen, da enthüllen die alten Kulturkämpfer ihre wahren Absichten mit demselben. Wochenlang seit der ersten Lesung hat es in deren Presse immer geheißen: O, das Centrum ziert sich nur; es wird die schöne Rente von 560,000 Mark jährlich zuletzt schon annehmen, wenn es sieht, daß es sie ohne Zustimmung nicht erhalten kann! Es möchte nur gerne, daß die anderen Parteien die Rente gegen das Centrum durchsetzen, damit es später noch weiter agitieren kann, um noch mehr zu erhalten. Und jetzt, wo das Centrum abgelehnt hat, da geht durch die ganze Kulturkämpfer=Presse der Ausdruck der Enttäuschung, der Ausdruck der Entrüstung! Warum denn aber? Man hatte doch seit der ersten Lesung immer gesagt: Gut, Ihr Herren vom Centrum, wenn Ihr die 560,000 Mark nicht wollt, uns kann's einerlei sein, ja, uns kann's sogar nur lieb sein, denn dann behält der Staat das Geld und die katholische Kirche erhält gar nichts! So sagte man, und jetzt doch— diese Entrüstung? Man hat im letzten Augenblick sogar die verzweifeltsten Anstrengungen gemacht, um aus der eigenen Sackgasse heraus zu kommen durch die Hilfe des Centrums! Man hatte erklärt, wenn das Centrum nicht Ja sage zu dem Gesetze, dann würden auch die Kartellparteien nicht Ja sagen. Als das Centrum fest blieb, schlug man im letzten Augenblick ihm vor, es solle blos nicht Nein sagen, sondern sich der Abstimmung enthalten. Dann würden die Kartellparteien das Gesetz schon machen. Man wollte also die jährliche Rente von 560,000 Mk. absolut los werden, und nachdem man gesehen, daß das Centrum doch nicht so begierig darnach war, als man geglaubt hatte, da wollte man sie selbst im Gesetze durchsetzen, wenn auch das Centrum nicht mitthäte. Allerdings, noch unter einer Bedingung: das Centrum sollte auch künftig nicht mehr auf die Sache zurückkommen, die Sperrgelderfrage vielmehr als vollständig erledigt betrachten, wegen derselben keine Anträge mehr stellen und auch nicht mehr agitieren. In dieser Bedingung zeigt sich der Gegner Schwäche und unsere— Stärke. Wir haben Sittlichkeit und Recht auf unserer Seite, und die Gegner wissen, was das bei dem katholischen Volke bedeutet! Der Kultusminister bezeichnete es direkt als einen„Pfahl im Fleische", so lange die Sperrgelderfrage nicht gelöst sei. Und da sollte sie denn „gelöst“ werden, damit die katholische Bevölkerung — zur Ruhe komme,— aber wirklich ernstlich etwas geben wollte man nicht. Das Sperrgelderkapital wollte der Staat jetzt konfiszieren, was man nicht einmal 1875 gewagt hatte. Nur eine Rente von 3½ pCt. vom Kapital sollte jährlich gezahlt werden, auch diese— blieb unter der Hand des Kultusministers. Sie sollte aber nur von den Bischöfen so verwendet werden dürfen, wie der Minister es erlaubte. Und kam darüber eine Vereinbarung zwischen dem Minister und jedem einzelnen Bischofe nicht zu Stande, dann blieb— das Geld in der Hand des Ministers. Es wurde ausdrücklich als„Staatszuschuß“ behandelt, während es doch ein bedürftiger Ersatz für das unseren Priestern und Kirchen vorenthaltende Geld. Es sollte also ein feines Geschäftchen mit uns gemacht werden: unter vielen Beteuerungen von Friedensliebe und Großmut bot man uns ein „Geschenk“ von 560,000 Mark Rente unter Vormundschaft des Kultusministers, und als Gegenleistung verlangte man Nichts mehr und Nichts weniger, als die Auslieferung eines Kapitals von 16 Millionen, den allgemeinen und bedingungslosen Verzicht auf alle öffentlich= und privatrechtlichen Ansprüche an diesen Fonds und seine Zinsen, die thatsächliche Anerkennung der Eigentumsvergewaltigung durch das Sperrgesetz, die Unterwerfung und eine diskretionäre Vollmacht des Kultusministers. Dem Centrum wurde es nicht schwer, diese „günstige Offerte“ der Firma„Kulturkampf selige Erben“ zurückzuweisen. Für das Linsenmus einer Rente, deren Wert durch verschiedene Klauseln zweifelhaft gemacht war, nicht blos 16 Millionen, sondern auch noch Grundsätze, Würde und Freiheit zu verkaufen, konnte den Vertretern des katholischen Volkes nicht in den Sinn kommen. Darum hat die Centrumsfraktion einmütig die Ablehnung der in den Beschlüssen der zweiten Lesung angebotenen „Wohlthat“ beschlossen, und damit ist das Gesetz gefallen, da nun auch die Kartellparteien, aus deren Mitte Herr Hofprediger Stöcker sehr heftige Kulturkampf=Reden hielt, das Gesetz abzulehnen beschlossen. So wurde der erste Paragraph in der dritten Lesung nur von den Deutschfreisinnigen und einem einzigen Wildkonservativen(Meyer=Arnswalde) angenommen. Damit war er abgelehnt, und da dieser Paragraph die Grundlage des Gesetzes war, so wurde alles Uebrige einstimmig abgelehnt. So ist das Gesetz gefallen. Recht und Gerechtigkeit aber und der„Pfahl im Fleische" bleiben, und das Gesetz kommt also wieder. Und dann wird es— besser sein, als was man uns jetzt zu bieten wagte! Katholischer Lehrerverband und achter deutscher Lehrertag. Unter dieser Ueberschrift finden sich in der„Germ.“ folgende treffende Ausführungen: Der junge katholische Lehrerverband wird am 6. Juli in Bochum seinen ersten Delegiertentag abhalten, an welchem auch jedes Verbandsmitglied teilnehmen kann. Es sollen hauptsächlich solche Beratungen gepflogen werden, welche geeignet sind, über Fragen von grundlegender Bedeutung allseits die gewünschte Klarheit zu verschaffen. In dem Vereinsberichte des zeitigen Vororts Bochum wird hervorgehoben, daß„der Verband in den verschiedensten Gegenden unseres Vaterlandes in der katholischen Lehrerwelt anregend gewirkt habe“, daß besonders viele neue Vereinigungen auf katholischer Grundlage sich gebildet hätten oder doch im Entstehen seien.„Die heutige Lage giebt uns Gewähr, daß der Verband einer an Arbeit und Erfolgen reichen Zukunft entgegen sehen kann; das können wir unseren Freunden und, wenn man will, auch unseren— Gegnern bestimmt versichern.“ Zur Klärung der erwähnten gegenwärtigen Lage hat inbesondere in jüngster Zeit der 8. deutsche Lehrertag erheblich beigetragen. Von gegnerischer Seite wurde bald nach Gründung des Verbandes so oft betont, daß in den„paritätischen“ Provizialvereinen alles konfessionell Verletzende fern gehalten werden solle. Da kamen die Frühjahrsversammlungen mit ihren Diesterweg=Verhimmelungen, und die Thaten warfen die schönsten Worte über den Haufen, da gingen die Ersten in den Provinzialvereinen als Delegierte zum deutschen Lehrertag und überschütteten den Schulrat Dr. Dittes mit brausendem Beifall, als er den Papst in schmählicher Weise angriff und die konfessionslose Schule auf den Thron hob. Was nützen dawider die männlichen Kundgebungen von katholischen Lehrern und Schulzeitungen oder die höflichen Zugeständnisse von seinen glühendsten Verehrern? Diese können nur sagen, daß Dittes sehr zur Unzeit aus der Rolle gefallen ist; aber er ist dabei gegen sich selbst ehrlich geblieben, und die Thatsache bleibt bestehen, daß man für eine große„paritätische“. Lehrerversammlung einen Mann als erster Festredner berief, der als ruheloser und rücksichtsloser Kämpfer für den konfessionslosen Religionsunterricht und die vollständige Trennung von Kirche und Schule allgemein bekannt ist, einen Mann, dessen Namen insbesondere die Katholiken des freundnachbarlichen Oesterreich nicht ohne schweres Herzeleid nennen hören. Diese Thatsache von grundsätzlicher Bedeutung ist ungleich wichtiger, als gelegentliche Ausschreitungen des Festredners, und muß deshalb zur rechten Beurteilung des Lehrertages und seiner lauten und stummen Anhänger ebenso herangezogen werden, wie die Diesterwegfeier selbst.„Dittes' Rede“, sagt die„Preußische Lehrerztg.“,„hat dem 8. deutschen Lehrertage die Signatur aufgedrückt", und die„Päd. Ztg.“, wohlgemerkt das Hauptorgan des Deutschen Lehrervereins, schreibt sogar:„Die beiden Namen Diesterweg und Dittes waren es, welche dem 8. deutschen Lehrertage Stempel und Gepräge gaben, und wenn, wie wir voraussehen, dieser Lehrertag eine bleibende, bahnbrechende und zielbestimmende Bedeutung für die pädagogische Bewegung hat, so ist es den Namen Diesterweg und Dittes zu danken.“ Man muß sich vergegenwärtigen, welche Grundsätze diese beiden modernen Pädagogen über positives Christentum und Schule, über Kirche und Schule u. s. w. verbreitet haben bezw. noch heute persönlich vertreten, um ein Vereinsleben auf konfessioneller Grundlage besser würdigen zu können und gleichzeitig zu erkennen, daß ein katholischer Lehrer ohne Verleugnung seines Berufes und Glaubens diese„bleibende, bahnbrechende und elbestimmende Bedeutung für die pädagogische Bewegung" durch Mitgliedschaft nicht unterstützen kann. „Mehr Licht“ hat demnach der jüngste Lehrertag auch nach dieser Seite hin gebracht, indem er gleichzeitig auch der Gründung des katholischen Lehrerverbandes eine neue Beleuchtung gab, das Schreiben des Bischofs von Ermland gegen die freien Lehrervereine noch näher begründete und nach der anderen Seite hin die Anregung gab, daß die behördlichen leisen Winke gegen den katholischen Lehrerverband zum wenigsten nicht wiederholt werden. 16. Sitzung vom 13. Juni. Der Reichstag verwies die Strafgesetz=Novelle, wonach Telegraphen=, Fernsprech= und Rohrpost=Leitungen sowie Postwertzeichen einem größeren Schutze gegen fahrlässige Störungen bezw. Nachbildungen unterworfen werden, nach kurzer Beratung an eine Kommission. Sodann beginnt die Beratung des schweizerischen Niederlassungs=Vertrages. Abg. Baumbach begrüßt den Vertrag, welcher die früheren Unklarheiten beseitige und regt die Frage an, ob zur Kündigung solcher Verträge die Zustimmung des Reichstages nicht eben so erforderlich sei, wie zum Abschlusse der Verträge. Abg. Hahn erklärt die Zustimmung der Konservativen zu der Vorlage. Abg. Singer(Socialdem.) betrachtet den Vertrag als eine Sühne für die Schweiz, welche Fürst Bismarck vergewaltigen wollte, weil die Schweiz sich nicht als Scherge der deutschen Polizei gegen die Socialdemokratie benutzen lassen wollte. Redner erinnert daran, daß die deutschen Offiziösen damals die Schweiz als ein„wildes Land“ und ein„Nest von Verschwörern" bezeichnet hätten, während thatsächlich die Hauptverschwörer von Berlin aus bezahlt worden seien. Singer schließt seine Rede unter Angriffen auf den anwesenden Abgeordneten früheren Minister v. Puttkamer, den damaligen Vertreter dieses Systems. Staatssekretär v. Marschall bestreitet den Versuch einer Vergewaltigung der Schweiz, welche, wie die Verhandlungen ergeben hätten, fest entschlossen sei, den socialdemokratischen Umtrieben entgegenzutreten. Abg. v. Puttkamer hält es für unkonstitutionell, den Angriffen Singer's auf seine frühere Amtsthätigkeit entgegenzutreten und bestreitet die Niederlage der deutschen Regierung, lehnt auch die Verantwortung für den Fall Wohlgemuth ab, welcher erst nach seinem Rücktritt sich ereignet habe. Nachdem noch Abg. Lieber kurz die Zustimmung des Centrums erklärt hat, wird die erste Lesung geschlossen und der Vertrag in zweiter Lesung ohne Debatte einstimmig angenommen. Der Reichstag erledigte schließlich Wahlprüfungen. Morgen Gewerbegerichte. 17. Sitzung vom 14. Juni. Der Reichstag begann heute die zweite Beratung der Vorlage betreffend die Gewerbegerichte. Zu§ 1 beantragen die Socialisten obligatorische Einführung der Die Perle des Schwarzwaldes. Roman von Ed. Wagener. (Nachdruck verboten.) 87) „Aengstigen Sie sich nicht,“ sagte sie.„Ich glaube Ihnen beide. Wenn ein Mann, Jarvis oder wie er sich nennt, hierher kommt, soll er auch wieder gehen und wir wollen ihm den Weg schon zeigen. Merke Dir das, William! Hanna Mac Dougal nimmt diese armen Frauen in ihren eigenen Schutz und sie sollen sicher in diesem Hause sein und unbehelligt fortgehen, wenn sie ausgeruht haben. Merke Dir das, William!“ Ihre Augen funkelten und ihr stark markiertes Gesicht zeigte den Ausdruck hoher Entrüstung. Sie erschien den beiden Flüchtlingen wie ein Engel. „Wir wollen sehen,“ sagte der Herr des Hauses, etwas milder gestimmt.„Binde Dich nicht durch Dein Versprechen. Wir wollen die andere Partei—“ „Die andere Partei,“ wiederholte die Frau zornig.„Was kümmert mich die andere Partei? Ich will meinem eigenen Geschlecht beistehen, William. Es sind Frauen und ich bin eine Frau, und ich will nicht, daß sie von Männern belästigt werden. Dies Haus ist eine Zuflucht. Sie sollen bleiben oder gehen, wie sie wollen!“ Ein Mädchen trat ein und flüsterte ihrer Herrin etwas in's Ohr. Diese stand auf. „Die Kammer ist in Ordnung,“ sagte sie,„ich will Sie selbst hinaufbringen.“ Gretchen stand auf, zögerte aber zu gehen. „Ich kann nicht schlafen, wenn ich mit Furcht an jenen elenden Jarvis denken muß,“ sagte sie, „Mr. Dougal, kann ich denn Nichts sagen, um Sie zu überzeugen, daß ich die Wahrheit gesprochen habe? Wenn Sie uns doch glauben und versprechen wollten, uns zu beschützen, wir würden Sie segnen für Ihre Güte; aber wenn Sie Jarvis Gehör schenken, sind wir verloren!“ „Wenn Sie die Wahrheit sprechen,“ entgegnete Bauer,„können Sie es beweisen. Ist es licht so! Und wenn Sie Beweise bringen, werde ich Ihr Freund sein.“ „Aber wie kann ich Beweise bringen?“ fragte Gretchen verzweifelnd.„Sie wollen unser Wort nicht als glaubwürdig annehmen.“ „Sie sagen, daß dieser Jarvis nur ein lahmes Ponny hat; so wird ein Tag oder mehrere vergehen, ehe er kommt. Die junge Lady aber kann so schnell nicht wieder fort. Wahrscheinlich haben Sie irgendwo Verwandte, Freunde oder Bekannte. Schreiben Sie denselben und warten Sie auf eine Antwort. Wenn diese Ihre Worte sich bestätigen, ist es gut; wenn nicht, so soll Jarvis geglaubt werden.“ Alice wurde unruhig und ihr Gesicht zeigte ihre Verzweiflung. Sie dachte an ihre frühere Wirtin; aber wenn diese auch den Brief beantworten würde, war doch nicht anzunehmen, daß sie selbst kommen werde. Ja sie fürchtete sogar, daß sie von Mrs. Thomas gar keine Antwort erhalten möchte, da es ihr nach ihrer monatelangen Abwesenheit von London in einem Briefe kaum gelingen würde, ihr langes Stillschweigen zu entschuldigen. Sie dachte an Lady Trevor; aber diese, glaubte sie, war gewiß schon längst die Gattin Lord Glenhams, und sie schreckte vor dem Gedanken zurück, die Gattin des Mannes, den sie noch von ganzer Seele liebte, um Hilfe anzurufen. An wen sollte sie schreiben? Gretchen verfolgte dieselben Gedanken wie ihre Herrin, auch sie zog dieselben Personen in Betracht und erwog, was sie von ihnen zu erwarten hatte; aber außer Mrs. Thomas und Lady Trevor dachte sie auch noch an Mr Pulford, und bei dem Gedanken an ihn überlief sie ein eiskalter Schauer. Dann aber, und es fiel ihr wie ein Stein vom Herzen, dachte sie an Mr. Craston. Er liebte ihre junge Herrin und sie wußte, daß er eilen würde, sie zu beschützen, und daß er mit Freuden die Gelegenheit erfassen würde, ihrer Herrin einen Dienst zu erweisen. „Da fällt mir ein Freund ein, welcher nicht nur unsere Aussagen bestätigen, sondern auch hierherkommen und uns abholen wird,“ rief sie freudig. „Geben Sie mir Feder und Papier, ich will sogleich schreiben.“ „Der Brief kann dann morgen früh abgeschickt werden,“ sagte Mac Dougal.„Die Wochenpost geht morgen hier durch., Mrs. Dougal brachte Papier, Feder und Tinte und Gretchen, so müde und abgespannt sie auch war, setzte sich nieder zum Schreiben. „Willst Du an Lord Glenham schreiben, Gretchen?“ fragte Alice in deutscher Sprache.„Ich vermag es nicht!“ „Nein.“ Ich werde nicht an den falschen Mann schreiben, sondern an den treuen," erwiderte Gretchen entrüstet.„Ich schreibe an den, welcher uns beistand in Sorgen und Kummer und Ihnen einen ehrenhaften Namen und hübsche Heimstätte anbot, als Sie allein und verlassen waren,— ich schreibe an Mr. Craston!“ Alice machte keine Einwendung und Gretchen begann ihre schwierige Aufgabe. Sie schilderte kurz ihre Erlebnisse seit ihrer Entfernung von London, und bat Mr. Craston, zu ihnen zu eilen zu ihrer Befreiung, da sonst Mr. Mac Dougal sie an ihren Feind ausliefern würde. Sie siegelte, adressierte den Brief und gab ihn an ihren Wirt. „Und nun,“ sagte Mrs. Mac Dougal,„sind Sie ganz sicher, bis Sie von Ihrem Freunde Antwort erhalten. Wenn Jarvis kommt, muß er so lange warten. Sie haben Williams Wort und können ruhig sein. Das Bett ist fertig und die jung Lady sehr schwach und krank!“ Sie nahm ein Licht und schritt langsam der Thüre zu. Alice wollte sich erheben, sank aber sogleich wieder halb bewußtlos auf das Sofa zurück. Der Bauer, welcher ihre Schwäche sah, nahm sie in seine Arme folgte seiner Frau und Gretchen. Sie gingen eine breite Treppe hinauf und kamen in ein großes Zimmer mit zwei Fenstern und niedriger Decke. In der Mitte stand ein hohes und breites Bett, mit frischem Leinen überzogen und im Kamin brannte ein helles Holzfeuer. Der Bauer legte Alice in das weiche Bett und entfernte sich, während seine Frau ihr die Kleider auszog, die sie seit mehreren Tagen nicht vom Körper gethan hatte Gretchen kleidete sich ebenfalls aus und legte sich neben ihrer Herrin in's Bett, wie diese ihr geheißen. Dann brachte die Wirtin zwei Gläser heißen Weines und nötigte ihre Gäste zu trinken; nachdem diese die Gläser geleert hatten, entfernte sie sich leise und überließ beide dem Schlafe. „Eins weiß ich gewiß,“ war Gretchens letzter Gedanke mit dem sie einschlief,„und das ist, daß Mr. Craston zu uns kommen und Alice heiraten wird. Nach allen diesen Drangsalen wird sie ihn aus Dankbarkeit heiraten und auch deshalb, um sich vor ihrem Feinde zu schützen!“ 36. Kapitel. Lady Trevor kehrte von ihrer Fahrt im Park in der schlechtesten Laune zurück. Sie stieg die Stufen ihres Hauses hinauf, Pulford's Beistand abweisend, und er folgte ihr lächelnd, mit der Miene als Herr des Hauses. „Sie werden mich entschuldigen müssen," sagte sie, in der Halle stehen bleibend und sich zu ihm umwendend.„Ich muß mich zum Essen ankleiden.“ „Es bedars zwischen Dir und mir keiner Entschuldigung, meine liebe Edith,“ erwiderte Pulford in herablassendem Tone.„Aber da Du mich daran erinnerst, will ich gehen und mich ebenfalls zum Diner ankleiden. Ich werde zur rechten Zeit wieder hier sein.“ Er zog den Hut und eilte die Stufen wieder hinab auf die Straße. Lady Trevor sah ihm mit einem Blick unaussprechlichen Hasses nach. Dann griff ihre Hand nach der Stelle, wo sie ein Fläschchen verborgen hielt, und eilte auf ihr Zimmer. „Er wird heute bei mir speisen," dachte sie. „O, wenn ich dieses Gift in seinen Wein schütten könnte! Wenn sich die Gelegenheit bietet, will ich es thun. Ich will mich sobald wie möglich von ihm befreien. Ich werde den rechten Moment 9 Gewerbegerichte, während die Vorlage nur die fakultative vorsieht. Abg. Dreesbach(Soc.) begründet den Antrag, welchen Singer und Harmening befürworteten, während Eberty, Kurtz und andere das Bedürfnis dazu bestritten. Der Antrag wird gegen Harmening und die Socialisten abgelehnt. Abg. Harmening beantragt einen Zusatz, welcher die Willkür der Behörden bei Genehmigung des Ortsstatuts ausschließen soll. Die Regierung solle die Genehmigung des Ortsstatuts nur versagen dürfen, wenn die Bestimmungen desselben gegen die Gesetze verstoßen. Minister v. Bötticher sprach sich gegen den Antrag aus und bat, man solle der Regierung die Entscheidung über die Zweckmäßigkeit der Errichtung von Gewerbegerichten überlassen. Manche Gemeinden übersähen vielleicht die Tragweite ihrer Beschlüsse nicht. Die Regierung werde aus politischen Gründen keine Schwierigkeiten mehr machen.(Na! Na! links.) Das sei seine Auffassung.(Heiterkeit.) Auch Windthorst, Eberty und Meyer(Berlin) sind im Interesse der Autonomie der Gemeinden für den Antrag Harmening. Berichterstatter Abg. Bachem(Crefeld) empfiehlt den Kommissions=Vorschlag. An der Einwirkung der Regierung sei festgehalten worden, weil es um Erreichung königlicher Gerichte sich handele. Die Auszählung ergiebt, daß 76 für und 69 gegen den Antrag stimmen. Das Haus ist also nicht beschlußfähig. Fortsetzung Montag. Preußischer Landtag. Vereinigte Schlußsitzung der beiden Häuser des Landtags. Präsident des Herrenhauses Herzog von Ratibor eröffnet die Sitzung um 3 Uhr 5 Minuten und erteilt dem Vicepräsidenten des Staatsministeriums das Wort zur Verlesung folgender allerhöchster Botschaft: „Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen, haben auf Grund des Artikels 77 der Verfassungsurkunde vom 31. Januar 1850 den Vicepräsidenten Unseres Hauses beauftragt, die gegenwärtigen Sitzungen der beiden Häuser des Landtags Unserer Monarchie am 13. Juni in Unserem Namen zu schließen. Gegeben Berlin, den 11. Juni 1890.“ Auf Grund der ihm erteilten allerhöchsten Ermächtigung erklärt Staatsminister v. Boetticher die Sitzungen des Landtags für geschlossen, worauf Herzog von Ratibor ein dreimaliges Hoch auf S. Majestät, unseren allergnädigsten König und Herrn ausbringt, in welches die Versammlung lebhaft einstimmt. (Das Herrenhaus nahm vor Schluß des Landtags noch die Rentengüter=Vorlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses an.) Politische Uebersicht. Deutsches Reich. Berlin, 16. Juni. Die Kaiserin Friedrich und ihre Töchter legten gestern am Totestage des Kaisers Friedrich, Kränze am Sarge des Verstorbenen nieder. Nach der Gedächtnisfeier in Bornstädt besuchten die Herrschaften die Grabkapelle, wo der Kaiser einen Lorbeerkranz mit weißer Schleife mit seinem Namenszug und der Krone niederlegte. Desgleichen thaten die übrigen Mitglieder der königlichen Familie. Von vielen Fürstkeiten und den ehemaligen Leibregimentern kamen prachtvolle Kränze an. Die Grabkapelle war bis sechs Uhr dem Publikum geöffnet. — Die Vertagung des Reichstages ist, wenn nicht unvorhergesehene Ereignisse eintreten, in 14 Tagen in Aussicht genommen. Man rechnet, daß bis dahin der Nachtragsetat für Kolonialzwecke, die Militärvorlage, das Gewerbegerichtsgesetz und verschiedene kleinere Gesetzentwürfe erledigt werden können. Die Arbeiterschutzvorlage würde vertagt. — Die„Nordd. Allg. Ztg.“ meldet: Die von verschiedenen Blättern bereits als Vermutung geäußerte Nachricht, daß der Reichskanzler v. Caprivi den Kaiser nach Rußland begleiten werde, ist seit wenigen Tagen zur Wahrheit geworden. — Der„Kreuzztg.“ zufolge ist Armeebischof Aßmann zum Erzbischor von Posen ausersehen. Oesterreich-Ungarn. Kriegsminister Bauer konstatierte, eine Herabminderung des Militäretats sei unmöglich, die Erhöhung des Präsenzzustandes müsse unbedingt abwarten, und wenn er sich heute darbietet, werde ich nicht zögern.“ Aus einem Nebenzimmer kam ihre Zose, ihr beim Auskleiden zu helfen. Lady Trevor nahm Hut und Mantel ab, entließ ihr Mädchen und warf sich auf den Divan „Ich habe stets meinen Willen durchgesetzt, ohne Rücksicht auf Andere," dachte sie,„und ich werde ihn auch diesmal durchsetzen. Ich herratete Sir Albert Trevor gegen den Willen meines Vaters und Großvaters; mit Sir Albert's Hilfe gewann ich das große Vermögen meiner Stiefmutter. Ich habe diese Alice Romberg aus meinem Wege geschafft und es wird mir ein Leichtes werden, auch Pulford zu beseitigen.“ Ihre Gedanken weilten nun bei Alice Romberg. „Wenn das Mädchen tot wäre, würde ich sicher sein,“ murmelte sie.„Pulford sagt, sie kann in diesem Gespensterhause in vollster Sicherheit bleiben. bis sie stirbt. So lange sie lebt, ist mir Pulford vielleicht noch notwendig. Ich werde ihn drängen, das Mädchen zu vernichten, und, wenn er dies Werk vollführt hat, kommt die Reihe an ihn. Ich muß vorsichtig sein. Wenn ich ihm heute Gift gebe, könnte ich morgen seiner Dienste noch bedürfen. Ich darf mich nicht übereilen. Mit diesen unfehlb aren Waffen in meiner Hand kann ich ihn zu jeder Zeit aus der Welt schaffen.“ Nach diesen Betrachtungen beschloß sie, alle Unannehmlichkeiten, die ihre Verlobung mit Pulford zur Folge hatten, noch so lange zu tragen, bis sie seine schätzenswerten Dienste nicht mehr nötig haben würde. Ihre Wangen glühten, als sie an Lord Glenham dachte, aber sie hatte noch nicht alle Hoffnung aufgegeben, sein Weib zu werden. „Ich werde doch noch den Sieg davon tragen,“ murmelte sie halblaut.„Ich gestehe, daß die Aussichten etwas trübe sind, aber wenn Miß Rombera und Mr. Pulford tot sind, wird Lord Glenham, dem Drängen seiner Mutter nachgebend, und sich meines Geständnisses erinnernd, sich doch zu mir neigen und mich zu seiner Gattin machen. Ich ins Auge gefaßt werden. Der gegenwärtige ungesunde Zustand müsse zu einem Ende kommen entweder durch eine Katastrophe oder durch eine entschiedene Gesundung des Friedens. Schweiz. Der Stände= und der Nationalrat haben sich fast einstimmig für Einführung der staatlichen Unfallund Krankenversicherung entschieden, und das Volk wird nun darüber abzustimmen haben. Der Zar hat ein Gesetz erlassen, durch welches den arbeitenden Frauen und Minderjähriaen erweiterter Schutz gewährt wird. Aus Rheinland und Westfalen. M.Gladbach, 16. Juni. Am Freitag Abend kurz nach 11 Uhr brach in der Fabrik von R. Everling& Co. in der Pescherstraße Feuer aus. Die 3. Kompanie der hiesigen freiwilligen Feuerwehr wurde allarmiert und war alsbald zur Stelle. Durch das schnelle Eingreisen derselben wurde das Feuer bald auf seinen Herd beschränkt, so daß nur ein Teil des Lagerraumes und des Maschinenhauses durch das verheerende Element vernichtet wurde. Eine größere Betriebsstörung findet nicht statt. Eine der Brandstiftung verdächtiges Person wurde durch die Polizei verhaftet, soll am Samstag jedoch wieder entlassen worden sein.— Um dieselbe Zeit wurde ein anderer Mensch wegen Verübung groben Unfugs und Widerstandsleistung eingesperrt.— Am Samstag Nachmittag gegen 3 Uhr wurde ein Tagelöhner von hier wegen Diebstahls verhaftet. — Am Sonntag, abends 6 Uhr, wurden zwei Anstreicherlehrlinge aus Rheydt wegen Verdachts, eine goldene Damenuhr nebst Kette gestohlen zu haben, durch die hiesige Polizei verhaftet und in Polizei=Gewahrsam gebracht.— An demselben Abend gegen 12 Uhr wurde ein Metzgerselle aus Rheydt, welcher in Waldhausen groben Unfug verübte und dem dortigen Polizeibeamten Widerstand leistete, ebenfalls in Nummer Sicher gebracht. — Ein Postgehülfe fand am Sonntag Abend beim Reinigen des Postwagens, welcher zwischen Waldniel und hier fährt, in den Polstern ein Portomonnaie mit 43 Mark Inhalt. Der ehrliche Finder gab dasselbe sofort an seinen Vorgesetzten ab, dieser ermittelte den Verlierer und der Finder erhielt so eine Belohnung. M.Gladbach, 16. Juni. Die gestrige St. Vitusprozession nahm bei günstiger Witterung einen schönen Verlauf. Nach programmmäßiger Anordnung im Zuge bewegte sich die großartige Beterschaar, begleitet von den verschiedenen Trupps weißgekleideter Kinder und unter den verschiedensten Bannern den gewohnten Weg und gelangte gegen ½11 Uhr wieder an ihren Ausgangspunkt und in die Pfarrkirche zurück. Die ganze Feier gestaltete sich zu einer erhebenden Kundgebung wahrer Religiösität und Frömmigkeit und giebt glänzend Zeugnis für den guten kath. Geist, der hier herrscht. — Für aule Lehrverträge, welche gar kein Lehrgeld oder ein solches unter 150 Mark vorsehen, ist ein Stempelbetrag von 50 Pfg. zu entrichten. Gegen diese Steuerbestimmung wird aus Unwissenheit oft gefehlt. — Daß der denaturierte Spiritus gefährlicher Natur ist, weist die neueste Nummer der „Deutschen medizinischen Wochenschrift" nach. Es sind wiederholt Hautaffektionen, Erkrankungen der Augen, Verdauungs= und Atmungsorgane konftatiert worden, die in der Verdunstung der zur Denaturierung verwandeten Stoffe, insbesondere des Pyridin, ihren Entstehungsgrund finden. — Das Reichsgericht bat entschieden, daß der Arbeitgeber, der es unterläßt, besonders jugendlichen Arbeitern die Aufstellung an der gefährlichen Seite der Maschinen zu verbieten, sich strafbar und für jeden Unfall schadenersatzpflizcht: macht. Essen, 14. Juni. Eine gemeine Rache wurde von einem hiesigen Bergmann verübt. Ein mit kann warten. Es wird noch Alles gut werden!“ Von diesen Hoffnungen in bessere Stimmung versetzt, stand sie auf und begab sich in ihr Garderobezimmer. Sie hatte sich vorgenommen, sich scheinbar in das Unvermeidliche zu sügen, sich wie früher in Geschellschaften zu zeigen und, wenn nötig, ihre Verlobung anzuerkennen. „Ich geye diesen Abend in's Theater, Anna,“ sagte sie zu ihrem Kammermädchen,„Ich will in meiner schönsten Toilette erscheinen.“ Anna, den Geschmack ihrer Herrin genau kennend, kleidete diese mit größter Sorgfältigkeit und unverkennbarer Geschicklichkeit an. Als sie fertig war und Lady Trevor sich in dem großen Spiegel betrachtete, glitt ein zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht. Mit Grazie schwebte sie endlich die Treppe hinab und trat in's Gesellschaftszimmer, wo sie Pulford ihrer wartend fand. Er stand auf und ging ihr, sie begrüßend, entgegen. Sie war ungewöhnlich schön und Pulfords Augen ruhten mit Wohlgefallen auf ihr. Er kannte ihre harte, gewissenlose Natur, ihre Anlage zur Schlechtigkeit und es machte ihm Vergnügen, ihren Stolz zu brechen, ihr in jeder nur denkbaren Weise Demütigungen zuzufügen in Erwiderung der Behandlung, die sie ihm angedeihen ließ; aber dennoch liebte er sie mit einer Innigkeit, deren man ihn kaum für fähig hielt. Als er sie jetzt mit offener Bewunderung betrachtete, bemerkte er zugleich, daß ihre Stimme sich verändert hatte, daß sie nun ebenso freundlich lächelte und so anziehend war, wie vorhin bitter und kalt. Er legte diesen Stimmungswechsel dahin aus, daß er annahm, es sei ihr etwas Angenehmes zugestoßen. „Die Fahrt hat Dir gut gethan, Edith,“ sagte er heiter, aber mit leisem Spott.„Hast Du an meine Einladung für diesen Abend gedacht? Ich habe Billets für das Theater.“ „Ich habe daran gedacht,— ich werde gehen!“ lautete die Antwort. Sie war völlig mit ihrem Plane fertig und harrte wie unter Blumen auf den günstigen Modiesem zusammenwohnender Bergarbeiter, welcher Ersterm seit längerer Zeit feindlich gesinnt war, hatte zwanzig Dynamitpatronen mit aus der Grube nach Hause gebracht. Dem Stubengenossen übergab er dieselben mit der Bitte, sie auf kurze Zeit in seinem Koffer aufzubewahren. Dann beschuldigte er in einem anonymen Brief an die Polizeibehörde seinen Kameraden der widerrechtlichen Aneignung und Aufbewahrung von Dynamit. Die Denunziation hatte den Erfolg, daß Beide, der Beschuldigte und der Denunziant, heute verhaftet wurden. Für Letztern dürfte die Strafe recht empfindlich ausfallen. Wesel, 14. Juni. Dem Kupferschmied Aug. Hortmann ist, der„W. Ztg.“ zufolge, durch einen Banquier in Köln für seine patentierte Erfindung eines Apparates zur Anwendung der Luftverdünnung bei Entleerung von Abtrittsgruben die Summe von 60,000 Mark geboten worden. Durch diesen Apparat wird eine Arbeitskraft und nur geringe Auslagen erforderlich sein. Köln, 15. Juni. Die jüngste Nummer des Kirchlichen Anzeigers für die Erzdiözese Köln enthält folgende Ernennungen: Definitor und Pfarrer I. Wimmer zu Eckenhagen zum Dechanten des Dekanates Uckerath; P. I. Böcker. Dr. theol., Pfarrer zu Fischeln, zum Rektor an der„Salvatorkirche, Pfarre zum h. Kreuz in Aachen; F. P. E. Rolfes. Dr. theol., Vikar zu Heinsberg, zum Rektor in Bergerhof, Pfarre Denklingen, Dekanat Uckerath; P. J. F. Necom, Pfarrer zu Kreuzberg, zum Pfarrer in Keldenich, Dekanat Hersel; A. Höhne, Rektor der Marienkirche zu Aachen, zum Rektor an der Kirche zu Süd=Pempelfort, Pfarre Derendorf, Dekanat Düsseldorf; M. I. Vanderheyden, zum Vikar in Grimlinghausen, Dekanat Neuß. Geilenkirchen, 11. Juni. Heute ist hierselbst, wie dem„Echo der Gegenw.“ gemeldet wird, um 10 Uhr ein Großfeuer ausgebrochen, das Rekollektinerkloster steht in Flammen. Die Akten des Amtsgerichts, welche sich in dem Gebäude befanden, wurden gerettet. Die Druckerei der „Geilenkirchener Zeitung“ is anscheinend verloren, da der Hauptteil des Gebäudes brennt. Die Kinder der in dem Gebäude befindlichen Schule wurden rechtzeitig in Sicherheit gebracht. Hülfe aus Nachbargemeinden ist zur Stelle. Von allen Seiten strömten die Bewohner des Ortes zur Brandstätte hin, viele Eltern in höchster Angst um ihre Töchter, welche bei den Schwestern in der Schule waren Das brennende Gebäude bot einen schauerlich schönen Anblick. Der mittlere höchste und zugleich neue Teil des Klostergebäudes war von den Flammen, die aus den Fenstern und zum Dache hinausschlugen, ganz umhüllt. Haushoch loderten die Feuerzungen zum Himmel empor. Dabei blies der Wind so stark in das prasselnde Feuer hinein, daß Jeder sagte:„Das ganze Kloster geht verloren!“ Das Feuer hat seinen Ausgang in dem von der freiherrlichen Familie von Eynatten bewohnten Teile des kolossalen Gebäudekomplexes genommen. Die zahlreichen Akten des Amtsgerichts, welches in dem vom Brande zerstörten Teile Geschäftsräume hatte, sind noch mit größter Kraftanstrengung gerettet worden, während die Schränke, Pulte, Tische u. s. w. größtenteils ein Raub der Flammen wurden. Eine gerade in dem Gebäude tagende Sitzung mußte alsbald aufgehoben werden. Die Redaktion und Druckerei der genannten Zeitung hat keinen nennenswerten Schaden erlitten, und haben es nur der günstigen Windrichtung zu ververdanken, daß sie nicht auch ein Raub der Flammen geworden sind. Ein von den Klosterfrauen bewohner älterer Teil ist, abgesehen davon, daß das Dach und die Türmchen der Kirche von dem Feuer etwas mitgenommen wurden, im Ganzen verschont geblieben. In großer Verlegenheit befindet sich das Amtsgericht, da sich für dasselbe auskömmliche Räume schwer finden werden. Heute Abend 6 Uhr war man noch eifrig mit Löschen beschäftigt, da der innere Teil, aus welchem die Rauchwolken hervorquollen, noch ziemlich stark brennt. Wie verlautet, sind das Gebäude und die verbrannten Gegenstände gut versichert. Von den Rettungsment, ihr Opfer zu töten. Erst Alice— dann Pulford. Der Diener meldete, daß das Essen serviert sei, Mr. Pulford gab Lady Trevor seinen Arm und führte sie in's Speisezimmer. Nach dem Essen kehrten sie in den Salon zurück. „Der Wagen steht vor der Thür,“ sagte Pulford.„Wir werden beim Beginn des zweiten Aktes ankommen; früh genug, denke ich, denn es ist nicht vornehm, der Vorstellung von Anfang bis zu Ende beizuwohnen; aber wir wollen jetzt gehen!“ Die Witwe ließ sich ihren Opernmantel bringen, — denselben, den Alice gestickt hatte,— und folgte ihrem Verlobten zu dem Wagen. Als sie die Portalstufen hinabgestiegen, begegnete ihnen eine Frau, die sich an sie herandrängte. Bei dem durch dai offene Thor strömenden Licht erkannte Lady Trevor, daß die Frau kränklich aussah, wie Jemand, die gekommen war, um zu betteln. Sie zog ihr seidenes Kleid an sich, um einer Berührung mit der Bettlerin vorzubeugen und eilte vorüber. Die Frau, in welcher wir Mrs. Peters erkennen, folgte der Lady an den Wagen. „Lady Trevor,“ begann sie zögernd und in bittendem Ton,„Mylady—“ Mr. Pulford stieß die Frau bei Seite. „Fort mit Euch!“ rief er,„oder ich lasse Euch arretieren.“ „Lady Trevor,“ wiederholte Mrs. Peters,„ich muß Sie notwendig sprechen.“ Mr. Pulford schlug mit Heftigkeit die Wagenthür zu und der Wagen rollte rasch hinweg. „Ich hätte warten sollen bis Morgen,“ murmelte die Frau, dem Wagen nachsehend,„aber ich brannte vor Ungeduld. Nun, ich komme morgen wieder und ich bin sicher, daß ich dann nicht wieder bei Seite gestoßen werde. Nun ich aber einmal hier bin, will ich doch sehen, was ich erfahren kann.“ Sie eilte die Stusen hinauf, als der Portier die Thür zuzumachen im Begriff war. (Fortsetzung folgt.) mannschaften haben mehrere bei den Löscharbeiten Schaden genommen. Einer der Feuerwehrleute hat eine Verletzung an der Kniescheibe, ein anderer eine arge Quetschung des Brustkorbes davongetragen. Aachen, 14. Juni. Der Vorstand des Rheinischen Provinzial=Bundesamtes erläßt an alle Innungen und Handwerkervereine, sowie an alle selbständigen Handwerker Rheinlands und der angrenzenden Bezirke einen Aufruf zur Teilnahme an dem 5. rheinischen Handwerkerund Delegiertentage, welcher am 22. und 23. Juni dieses Jahres hierselbst stattfinden wird. In dem Aufrufe heißt es u. a., es sei notwendig, daß sich die Handwerker eng einander anschlössen; denn wenn die Verhältnisse für den Handwerkerstand so blieben, wie sie jetzt seien, dann würden täglich Existenzen ruiniert und der Socialdemokratie in die Arme getrieben. Trier, 12. Juni. Dieser Tage stard hier ein etwa 4jähriges Kind, von welchem man mit ziemlicher Bestimmtheit annimmt, daß ein Kirschkern die Ursache seines Todes war. Der Kern war dem Kinde in die Luftröhre geraten und schädigte die Athmungsorgane des Kleinen derart, daß er nach längerem Leiden verschied. Möge dieser traurige Vorfall eine Mahnung für die leichtsinnigen Kinder sein, welche oft ein Rühmens daraus machen, Kirchenkerne verschlucken zu können! Aus Wien und anderen Orten werden auch noch ähnliche Unglücksfälle gemeldet; nicht dringend genug kann also vor diesem gefährlichen Leichtsinn gewarnt werden. Wetter a. d. Ruhr, 13. Juni. Am Mon tag stürzte ein junger Arbeiter, der blau gemacht und sich mit mehreren Kameraden nach dem„alten Stamm" begeben hatte, als er sich's an einem Felsen=Abhange bequem machte, von einer senkrecht abfallenden Felswand in die Tiefe hinab und blieb sofort tot. Die Leiche konnte nur unter besonderen Schwierigkeiten mit Hülfe zusammengebundener Leitern heraufgeholt werden. Dortmund, 15. Juni. Eine heute hier tagende Bergarbeiter=Versammlung mit 500 Teilnehmern, worunter die Hauptführer der Arbeiterbewegung als Redner auftraten, erstrebt eine festere Organisation der Bergarbeiter nach englischem Muster, weiterhin eine internationale Vereinigung nach den Beschlüssen des Kongresses von Jolimont und beschließt eine Petition an den Bundesrat, die Vereinigung der Knappschaftskassen von Bochum, Essen und Mülheim zu verhindern. Arnsberg, 10. Juni. Folgende Polizeiverordnung hat die königliche Regierung hierselbst für den Umfang des ganzen Bezirks erlassen. § 1. Jugendliche Personen, und zwar männliche bis zum vollendeten siebenzehnten, weibliche bis zum vollendeten sechszehnten Lebensjahre, dürfen zu öffentlichen Tanzlustbarkeiten und zu den zum Aufenthalte für die Teilnehmer an denselben bestimmten Räumen nicht zugelassen werden.§ 2. Wenn der Vorschrift des§ 1 zuwider jugendliche Personen der darin bezeichneten Art bei öffentlichen Tanzlustbarkeiten oder in den gedachten Räumen betroffen werden, so hat sowohl der Veranstalter der Tanzlustbarkeit, als auch der Wirt eine Geld strafe bis zu 60 Mark, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine entsprechende Haftstrafe tritt, verwirkt.§ 3. Diese Polizeiverordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Hochstämmige Obstbäume werden in den besseren Baumschulen wie folgt gezogen: Die starken Seitentriebe der einjährigen Veredelungen werden auf drei Augen eingestutzt, die schwächeren und der Gipfeltrieb bleiben unberührt. Im nächsten Jahre werden alle vorjährigen Seitentriebe auf drei bis vier Augen, die starken bis auf die Nebenaugen zurückgeschnitten.— Im dritten Jahre nimmt man die zweijährigen Seitentriebe ganz weg, die einjährigen behandelt man wie vorstehend angegeben. Schützt den deutschen Wald! Ein Baum ist rasch niedergeschlagen, Generationen vergehen, ehe er wieder in alter Pracht dasteht! Wälder bringen Regen! Wo der Wald fehlt, da ist, wie in einem schlechten Haushalt das Geschenk des Himmels„wie gewonnen * Die neue St. zu Viersen. II. Frohgemutet begab ich mich nach beendetem Gottesdienste zum Rintgen. Ja freilich waren die kirchlichen Neubauten eine Notwendigkeit für Viersen. Manchem Besucher der Orgelbühnen, die der Gebühren halber nicht so besetzt sind, oder denen, die gewohnheitsmäßig während der h. Messe auf dem Kirchhof promenieren, mag das ja nicht einleuchtend zu machen sein; dem gläubigen Volke, welches kein so weites Gewissen hat und in seinem Gotteshause eine h. Messe mit Andacht hören will, aber bei den Raumverhältnissen wie die Häringe in der Tonne zusammengepfercht sein oder in dichten Haufen die Thüren umlagern muß, braucht man kein Wort darüber zu verlieren. In kirchlicher Beziehung hat sich Viersen von allen Nachbarorten längst überflügeln lassen. Gladbach z. B. zählt bei kleinerm Flächeninhält nur die doppelte Seelenzahl wie Viersen. Trotzdem hat es unter seinem jetzigen Pfarrer den zwei bestehenden Kirchen(Münsterund Pfarrkirche) bereits drei Pfarreien(Hehn, Venn und Lürrip) abgegliedert, die vierte(Eicken) ist in der Bildung begriffen, für drei weitere (Hardterbroich, Buscher und Holt) eine Anleihe aufgenommen. Gladbach wird es also bald zu acht Pforreien und zu elf größeren Kirchen gebracht haben. Und da soll Viersen sich mit einer Pfarrkirche begnügen: Das ist einfach lächerlich! „Man hätte kleiner, bescheidener bauen können“ so hört man sagen. Das wäre eine Thorheit gewesen. In Gladbach hat man den Fehler begangen, aber nach wenigen Jahren erwiesen sich die Kirchen Hehn, Venn und Eicken als zu klein, und in n hat man schon erweitern müssen. Die Kirchennot war in Viersen vorhanden, und Gottdank haben wir in Viersen einen Pastor, der die ihm erwachsene Aufgabe mit fester Hand angegriffen hat, und der, wenn er einmal A. gesagt hat, auch B. bis Z. sagt. Am 19. März 1889 gerronnen.“ Der Baum saugt mit seinen Wurzeln as Wasser zusammen und giebt es chemisch rein wieder zurch seine Blätter dem Himmel zurück. Für seine Orheit behält er nur die Mineralsalze. Der Baum Sheitet wie ein Gradierwerk. Wäre der Wasserdunst icht durchsichtig, wir würden jeden Baum in eine Dampfwolke eingehüllt sehen. Ein Hektar Buchenwald verdampft in einem Sommer 3 Millionen Kilo Wasser. um eine solche Menge Wasser in Dampf zu verwandeln hätten ½ Million Kilo Steinkohlen oder 1¼ Million eisg Holz verbrannt werden müssen. Ein Hektar Buchen100jährigen Betrieb höchstens 600 ld erzeugt im 100jährigen Betrieb höchstens 600 im Gewicht von 300000 Kilo, also noch nicht den vierten Teil der Holzmasse, welche zum Verdampfen nötig wäre. Brütende Henne von Ungeziefer zu befreien. ahe man die Henne ansetzt, streue man einen Löffel „ll Schwefelpulver in das Rest. Die Wärme des von.n#### die Dünste des Schwefels zu allen gieres bewirkt, daß die Dünste des Schwefels zu allen Teisen des Körpers dringen und alle Insekten samt deren Brut binnen einigen Tagen töten. Gemeinnütziges. Ein Mittel, alten Kartoffeln wenn auch nicht den früheren Wohlgeschmack zu geben, so doch den üblen Reigeschmack zu benehmen, ist— wie eine kluge Haus#m erprobt hat— das folgende. Man wäscht die „schälten Kartoffeln rein, übergießt sie aber nicht mit kistem, sondern mit kochendem Wasser, setzt sie auf's Teuer und läßt sie nur aufwallen. Danach gießt man das Wasser wieder ab, kochendes wieder zu und läßt die Kartoffel nun wie gewöhnlich kochen. Personen, die an Verdauungsstörungen leiden oder solche Nahrung nicht gewöhnt sind, mögen beim Genusse von Obst vorsichtig sein und kalte Getränke Milch, Wasser, Bier— nach dem Genusse von Obst ganz vermeiden. Der praktische Landwirt empfiehlt, da es manchmal vorkommt, daß die Gurken, welche man gleich in's Freie gelegt hat, bei naßkalter Witterung nicht aufgehen wollen, die Kerne in etwas Sägespäne oder Sägemehl zu legen. Vermischtes. Frankfurt, 9. Juni. Kürzlich wurde in der St. Paulskirche eine jüdische Familie getauft. Dieselbe bestand aus fünf Köpfen, Vater, Mutter und drei Töchtern. — Daß Berlin seine Armen sich etwas kosten läßt, ersieht man aus dem siebenjährigen Verwaltungsbericht des Magistrats. Danach hatte Berlin 1882/83 bei einer Bevölkerung von 1,162,857 Einwohnern eine Armenlast von 7,324,672 Mark, dagegen 1888/89 bei 1,453,693 Einwohnern eine solche von 9,176,619 Mark. Wien, 10. Juni. Bei einem Baue im neunten Bezirke, wo sich jetzt ein neues Häuserviertel erhebt, ereignete sich mittags ein schwerer Unfall. Als eben die Mittagsstunde abgelaufen war, stürzte das Gerüst mit donnerähnlichem Getöse ein. Sofort erschien die Polizei und Feuerwehr und zog die zahlreichen(ungefähr 30) vom Schutt Begrabenen aus Tageslicht. 11 Arbeiter sind zumeist schwer verletzt, einer im Mörtel erstickt, die übrigen kamen mit leichten Verwundungen davon. Eine behördliche Abordnung erschien nachmittags an der Unglücksstätte, nahm den Thatbestand auf und verfügte ofortige Einstellung der Bauarbeiten. Als Ursache des Einsturzes wird einerseits Erweichung des Erdreiches durch die letzten Regengüsse, andererseits übergroße Belastung durch Mörtel angegeben. Paris, 7. Juni. Die Heldenthat einer Mutter ist hier vor einigen Tagen durch den Verein zur Ermutigung des Guten würdig belohnt worden; dieser Verein verlieh seine große goldene Medaille einer Frau Schill. Der Sohn dieser Dame hatte bei einem Unfalle einen Schädelbruch erlitten; die chirurgische Behandlung der Wunde erheischte zwei Operationen, bei welchen frisches Menschenfleisch in die offenen Wunden des Patienten genäht werden mußte. Frau Schill ließ nun beide Male aus ihrem Arme das zur Operation ihres Kindes erforderliche Fleisch herausschneiden; eine Heldenthat aufopfernder Mutterliebe, für welche ihr nun die verdiente Anerkennung zu teil geworden ist. Marseille, 10. Juni. An Bord des Packetbootes „Taunes“, welches heute Abend nach dem Senegal abgehen sollte, ist morgens ein Brand ausgebrochen. Derselbe wurde glücklicherweise rasch gelöscht und dadurch schweres Unglück verhütet. Gestern waren auf dem „Taunus“ 53,000 Kilo Pulver und eine große Quantität gefüllter Geschosse eingelagert worden. Valencia. 16. Juni. Nach amtlichen Berichten sind in Puebla de Rugut am Sonntag neun weitere choleraverdächtige Erkrankungen vorgekommen, wovon vier tötlich verlaufen sind. Die Behörden von Puebla de Rugat und Monticheloo verlangten telegraphisch ärztliche Hülfe und Arzneimittel. Von Albaida wird der gleichartige Tod einer von Puebla de Rugat eingetroffenen Person gemeldet. Der Civilgouverneur von Valencia erkrankte gestern in beunruhigender Weise, erholte sich aber später wieder. Moskau, 11. Juni. Die Zeitungen berichten über große Brandschäden mit sehr zahlreichen Verlusten an Menschenleben im Ural'schen Montan=Industrie=Gebiete. Die Hüttenwerke Ufaleisk und Newjansk und damit etwa 1000 Wohnhäuser, 4 Schulgebäude, 3 Kirchen, 3 Hospitäler, Vorratshäuser u. s. w. sind niedergebrannt. 40 Personen sind in den Flammen umgekommen, etwa 18,000 obdachlos. Aus Konstantinopel wird geschrieben: In Haßköi am Goldenen Horn) haben ziemlich ernste Schlägereien zwischen Juden und Türken stattgefunden. Ein jüdisches Mädchen hatte sich zum Islam bekehrt und einen Türken geheiratet. Nach einigen Tagen bereute das Mädchen diesen Schritt, verließ das Haus ihres Gatten und kehrte zu ihrem Vater zurück. Als der Türke seine entflohene Frau zurückforderte, wurde sie ihm verweigert. Er rief die Polizei und Gendarmerie herbei, die zahlreichen Juden Haßköi's versammelten sich um ihren Glaubensgenossen, um demselben beizustehen, und in dem folgenden Handgemenge gab es Verwundete auf beiden Seiten.— Die Zahl der Polizeispione in Konstantinopel ist vermindert worden. Dieselben erfanden oft falsche Nachrichten, um den Sultan zu beunruhigen und die höheren Beamten einzuschüchtern, und auf diese Weise ihre Einkünfte zu vermehren. — Dem Pariser„XIX. Siecle" wird aus Petersburg geschrieben, daß der Gouverneur für Kurland folgenden Befehl veröffentlicht habe:„Da die Juden nicht Christen sind, leben sie in der Finsternis, kennen sie nicht das Licht der christlichen Religion. Es ist daher gerecht, daß die Juden alle Kosten der Erleuchtung und die Kosten für Gas in den Städten Mitrau, Libau, Windau u. s. w. tragen, damit sie ihrer seits die Christen erleuchten. Es werden daher fortan alle Beleuchtungskosten in den oben erwähnten Städten von den in denselben wohnenden Juden getragen werden.“ Der St. Petersburger Korrespondent des französischen Blattes behauptet, daß die Juden bisher nichts für die Beleuchtung bezahlt hätten, was wohl nicht richtig ist. — Einschlauer Versuch einer Zolldefraude wurde in Hamburg vereitelt. Ein Bot mit zwei In sassen passierte die Zollstätte. Beim Vorüberfahren ent deckten die scharfen Augen der Zollbeamten an dem Bot einen Draht, welcher unter das kleine Fahrzeug ging. Dasselbe wurde angehalten und wurde vom Kiel des Botes im Wasser eine Blechkanne mit 37½ Liter Sprit hervorgeholt. Dieser versuchte Schmuggel ist den beiden Defraudanten teuer zu stehen gekommen. Der Zoll be trug 60 Mk., mit dem 4 fachen Zollbetrag mußten die selben 300 Mk. bezahlen und der Sprit wurde konfis ziert und wird die Sache noch ein Nachspiel vor Gericht haben. „Herr Doktor,“ sagte ein Heir zu seinem Arzte, „ich schulde Ihnen mein Leben; ich will das nie vergessen.“„Sie übertreiben," erwiderte der Angeredete. Sie schulden mir 20 Mark; denken Sie daran!“ (Ein rücksichtsvoller Junge.) Tante:„Nun, Fritz, hast Du heute wieder Prügel in der Schule bekommen?" Fritz:„Ja, aber ich hab' sie gar nicht gespürt!“ Tante:„Aber Du weintest doch vorhin!“ Fritz „Ich wollte dem alten Lehrer nur einen Gefallen thun Sprechsaal. M. Gladbach, 13. Juni. Einsender dieses hatte am Mittwoch Gelegenheit, die Mühsale der hiesigen Steuerzahler kennen zu lernen. Nachdem er selbst am Samstag und Montag wegen des übergroßen Andranges, da ihm die Zeit fehlte, stundenlang auszuharren, ohne sein Geld los geworden zu sein, die Steuerkasse wieder verließ, hatte er dann endlich am Mittwoch einen günstigen Zeitpunkt angetroffen, um sein Scherflein auf den Altar des Vaterlandes und der Gemeinde niederlegen zu können. Einem anderen Manne war das Glück nicht so hold, derselbe hatte ca. 8 Steuerzettel und unten links war mit Bleistift, wie dies stets bei mehreren Zetteln geschieht, die zu zahlende Summe angegeben. Der Empfänger verlangte nun von diesem Manne, er möge nochmals genau alles aufschreiben. Diesem Ansuchen kam der Mann denn auch nach, indem er die Summen auf einem Stücke Papier addierte. Jetzt genügte dem Empfänger das auch noch nicht und er verlangte, die zu zahlende Summe von 62 M. 20 Pfg. solle auf jedem einzelnen Steuerzettel verteilt abgezählt präsentiert werden, resp. jeder aufgeführten Zahlung solle die Journal= und Konto=Nummer beigefügt sein. Diesem Ansinnen wurde aber, wie ganz recht, nicht Folge gegeben, und strich der Betreffende, der wirklich so gehänselt werden sollte, das Geld wieder ein und entfernte sich aus dem Lokale. Ichtraf den Mann draußen und überzeugte mich, daß thatsächlich ganz korrekt auf jedem Zettel, wie oben angegeben, die zu zahlende Summe vermerkt war. Nach dem Angeführten wird es dem steuerzahlenden Publikum überlassen, sich hierüber ein Urteil zu bilden, resp. Mittel und Wege zu suchen, um derartigen Vorkommnissen die nötigen Schranken zu setzen. Die Steuerzahler sind doch nicht wegen des Empfängers da, sondern der Empfänger ist wegen der Steuerzahler da. T. M. Gladbach, 14. Juni 1890. An die Redaktion des Gladbacher Merkur, M.Gladbach. Nachstehendem Berichte bitte ich in den Spalten Ihres werten Blattes Aufnahme zu gewähren: In der Samstags=Ausgabe des„General=Anzeiger“ vom 14. d. M. bemüht sich ein anscheinend der hiesigen Steuerhebestelle näher stehender Optimist die Mißstände, welche in den letzten Tagen auf der hiesigen Steuerkasse wieder so grell hervorgetreten sind, durch einige Bemerkungen als sarmlos hinzustellen; sie sind anscheinend für den Herrn ein noli me tangere. Zunächst bemerke ich demgegenüber, daß das Steuerjahr mit dem 1. April beginnt und daß naturgemäß mit diesem Zeitpunkte auch die Steuerzettel in die Hände der Steuerzahler gelangen müßten und nicht erst am 6. Juni, wie solches heuer bei Vielen der Fall gewesen ist. Nun schreibt der werte Interessent weiter, um einem unnötigen Warten und Kassenandrange zu begegnen, empfehle es sich, einige Tage vor dem äußersten Zahltermine die Steuern zu entrichten; dies war aber bei der so späten Zustellung der Zettel nicht möglich, da man ja nicht wußte, worauf und wie viel zu zahlen war. In der auf der Kehrseite dem Steuerzettel beigedruckten Bestimmung Nr. 1 wird mit Fettdruck besonders darauf hingewiesen, daß bis zum 8. Juni die fällige Steuer zu entrichten ist, und unter Nr. 3 wird dem säumigen Zahler klar gemacht, welche Strafen und Zwangsmaßregeln er zu gewärtigen hat. Der Kassenandrang, welcher sich am 6., 7. und 9. d. M. in dem Empfangslokale abspielte, ist wenigstens teilweise in der verspäteten Ausfertigung bezw. Zustellung der Steuerzettel begründet. Bei dieser Gelegenheit konnte man recht drastische Bemerkungen hören, klassische Naturstudien machen und mit dem Dichter rufen: „Was rennt das Volk, was wälzt sich dort Zur Steuerkasse keuchend fort?“ Obgleich das Empfangslokal erst in neuerer Zeit entstanden ist,— der Platz dazu soll, nebenbei bemerkt, 29,000 Mark gekostet haben und der ganze Bau mit dem darin enthaltenen Kassenwesen wird einstens zu M.Gladbachs Kulturgeschichte und Memoiren einen besonderen Beitrag liefern— so ist dasselbe in den Tagen der Schlußzahltermine ganz ungenügend. Ein Steuerzahler z. B. traf am 7. dss., vormittags um 11 Uhr, an der Kasse ein und wurde kurz vor 1 Uhr abgefertigt, zahlreiche andere Personen mußten unverrichteter Sache, zum Teil bei weiter Entfernung, nach Hause gehen, ein Anderer, welcher am 9. dss., nachmittags 3 Uhr, an der Kasse erschien, wartete bis zum Schlusse um 6½ Uhr und wurde doch nicht abgefertigt. Dies sind nur zwei Fälle, an die sich tausend andere mit zahlreichen unangenehmen Konsequenzen reihen. Das Lokal ist viel zu klein und die Zahler müssen in großer Anzahl auf offener Straße auf Abfertigung harren trotz Sonnenstrahlen oder Regen. Unter solchen Humanitäten soll das Publikum bei der Entrichtung des unliebsamen Tributes noch ein vergnügtes Gesicht machen und ja fein still sein und kein Wörtlein mitsprechen, sonst heißt dies gleich, „das Kind mit dem Bade ausschütten“! Manchem Bür ger wird unter den gegenwärtigen Erwerbs= und Lebensverhältnissen die Aufbringung der Steuern recht sauer Er hat einen Anspruch darauf, daß die Abnahme der Steuer rasch und annehmlich ersolgt und daß ein solches Gedränge vermieden wird. Ich will von den Balgereien, wie solche in den letzten Tagen sich leider abspielten, ganz schweigen. Frauen, welche sich nach der Abfertigung durch die Menge zum Ausgange drängen mußten, erreichten mit aufgelöstem Haare und unter manchen unästhetischen Eindrücken das Freie. Wer die Arme herabhängen halle, brauchte nicht zu versuchen, dieselben nach oben zu bringen und umgekehrt. Viele erklärten, daß für sie der Besuch des Kaiserbades nicht notwendig sei, da man hier noch ein Schwitz= und Knetbad als Gratisgabe erhielte. Ein anderes Moment kommt hierbei noch besonders in Betracht und zwar, daß die Offenlage der Steuerrolle gewöhnlich gegen Ende März abläuft; zwei Monate später hört die Befugnis, gegen die Höhe der Klassensteuer zu reklamieren, auf; bei denjenigen, die erst am 6. bis 9. d. M. die Steuerzettel erhalten haben, wäre die Reklamationsfrist verstrichen; ob die verspätete Zustellung der Steuerzettel deshalb geschieht, um den Reklamationsgewillten die Reklamationsfrist möglichst abzukürzen oder illusorisch zu machen, muß den Urteilen anderer genialer beanlagter Mitbürger überlassen werden. Es kann aber der Einwand erhoben werden, daß Jedem die Einsichtnahme der Steuerrolle bei Offenlegung freistehe; die Publikation derselben wird von vielen übersehen, viele unterlassen auch der Entfernung und Umstände wegen die Durchsicht derselben. Wenn jedoch für die Ausfertigung per 15. April eine Prämie von 500 Mark ausgesetzt würde, so dürften dieselben wohl zur Stelle sein. Zum Zwecke einer raschen Mobilisierung der Armee liegen die Einberufungsscheine stets komplet da, warum sollen nicht Steuerzettel vorgearbeitet werden können? Dann wird ferner die Veranlassung zu den Klagen darauf zurückgeführt, daß hin und wieder die Trennung der Kassen gewünscht werde; ein Körnchen Wahrheit liegt unstreitig mit zu Grunde, und es ist sehr bedauerlich, daß bei der häufigen Stigmatisierung der Kalamitäten und der einseitigen Begünstigung eine Aenderung nicht eingetreten ist, wodurch die Angelegenheit sich zu einer hartnäckigen und widerlichen Parteiprotektion zuspitzt. Ferner wird in dem betreffenden Referate bemerkt, daß bei einer Trennung der Kassen dem aufgebauschten „Uebel“ nicht abgeholfen sei, und die unvermeidliche Drängelei an beiden Kassen stattfinden würde. Mit letzterem wird doch wohl direkt zugestanden, daß die jetzige„Drängelei“ eine hochgradige ist und daß von einem unberechtigten Aufbauschen nicht die Rede sein kann. Jeder Steuerzahler würde unzweifelhaft das kleinere Uebel dem großen vorziehen. Da bei dem früheren Kassenlokale sich der unerquick liche Andrang in gleicher Weise fühlbar machte, so hätte bei dem kostspieligen Neubaue des jetzigen Lokales um so mehr den Anforderungen Rechnung getragen und zum mindesten ein separater Ausgang für die abgefertigten Zahler eingerichtet werden müssen, wodurch letzteren die notwendigen Kraftprozeduren zur Retirade erspart und das Gedränge erheblich vermindert worden wäre. Dem Publikum, welchem so vieles auf die Schultern gebürdet wird, wird alles mögliche zugemutet und es mag sich den Refrain vergegenwärtigt halten: Zum Tingelingeling Auguste, Wenn du nicht willst, dann mußte!!! X. Briefkasten der Redaktion. Abonnent+. Sie können dafür verantwortlich gemacht werden." Das Beste ist, Sie zahlen. Nach Dudeldorf. Die Zeitungen gehen hier regelmäßig ab. Dieselben kommen noch des Abends dort an. Beschweren Sie sich bei der dortigen PostAnstalt. Handelsnachrichten. Fruchtpreise zu Neuß am 16. Juni. M. Pf. Weizen, neuer, a 100 Kilo g: Quatuat. 2.— Landroggen, neuer, à 100 Kilo g— Gerste à 100 Kilo Sommer.—— Buchweizen à 100 Kilo 15— Hafer, à 100 Kilo 18— Kartoffeln 5— Heu à 500 Kilo 24— Stroh a 500 Kilo 18— Rüböl a 100 Kilo in Partieen von 100 Ctr. 70 50 Rüböl à 100 Kilo faßweise 72— Weizen=Vorschuß 00 à 100 Kilo—— Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Mark höher als Rüböl. Preßkuchen a 1000 Kilo 108— Kleien à 50 Kilo 4 80 Zwolle, 13. Juni. Wochen=Viehmarkt. Das Geschäft war heute in kalbenden Kühen flotter und in Fettvieh ein wenig träger. Zugeführt: 1246 Stück Rindvieh und Kälber, worunter etwa 400 Stück in den Ställen. Preise: kalbende Kühe Mark 266 bis 425, über acht Wochen kalbende Kühe 275—350, frisch= milchende Kühe 316—400, Rindvieh mit 2—4 Zähnen 225—316, Rindvieh mit Kalbzähnen 166—266, Kälber 133—183, einundeinhalbjährige Springstiere 183—250, fette Kälber 58—63 die 50 Kil. Schlachtgewicht, Fettvieh(Kühe und Ochsen) 60—65 die 50 Kil. Schlachtgewicht, fette Schweine 35—38 die 50 Kil: Schlachtgewicht. ist der erste Spatenstich zur neuen St. Josephskirche erfolgt, am 16. Mai hat unter großen Festlichkeiten durch den hochwürdigsten Herrn Weihbischof Dr. Fischer die feierliche Grundsteinlegung stattgefunden, und im Oktober 1891 wird voraussichtlich die fertige Kirche dem Gottesdienst übergeben werden können. Unter diesen Gedanken und Erinnerungen war ich auf dem Bauplatz angelangt, und zu meiner Freude fand ich dort in Begleitung des Bauführers Herrn G. Braun den Architekten Herrn J. Kleesattel aus Düsseldorf anwesend, den genialen Urheber des herrlichen Bauplanes und Oberleiter seiner Ausführung, der mir bei der Erläuterung hülfreich zur Hand gehen kann. Bewundernd standen wir vor: dem Haupt=Turmportale, dem westlichen Hauptelngange zur Kirche. In gewaltigen und schönen Ve'hältnissen gehalten, weist dasselbe in Säulen, Friesen und Spitzbögen einen reichen Schmuck in Bildhauerarbeit auf. Als Material ist der wetterfeste, dem Bildhauermeißel fast widerstehende Fließener Sandstein(aus den Steinbrüchen von W. Schulte in Kyllburg) ver wandt. Vor dem Tympanon des Portals soll auf reich verzierten Kragsteinen das überlebensgroße Bild des h. Joseph, des Patrons der Kirche sich erheben. Aus demselben Sandsteine sind auch die beiden Seitenportale mit ebenso reichem bildnerischem Schmucke hergestellt. Zwischen dem Hauptportal und diesen Seitenportalen der Westfront liegen die beiden äußeren Eingänge zur Orgelbühne, welche man von außen und von innen ersteigen kann. Wir treten durch das Hauptportal in die Kirche ein, welche 0.88 Meter über dem Straßenterrain legk, und jetzt schon können wir den gewaltigen Eindruck ahnen, welchen dereinst der Eintritt in die fertige Kirche auf den Besucher machen wird. Das Bauwerk zeigt die reich entwickelten Formen s frühgotischen Stiles. Es besteht aus einer Eischiffigen basilikalen Anlage mit Kreuzschiff und kseitigem(polygonalen) Chorabschluß. Portal abgerechnet, beträgt die innere Länge bis zur Kommunionbank, welche den untern Chor abschließt, 34,65 Meter. Die Breite des untern Kirchenraumes beträgt 20,41 Meter. Das Kreuzschiff hat eine Länge von 30,01 und eine lichte Breite von 9,01 Meter. Der Turmraum hat eine Weite von 6,30 Meter im Geviert. Daraus ergibt sich eine innere Nutzfläche von 830 Quadratmeter bis zur Kommunionbank. Die Orgelbühne hat einen solchen von 100 Quadratmeter, so daß die Kirche einschließlich der Sitzplätze 2400 Personen bequem fassen kann. Die inneren Säulen und Wanddienste, Kapitäle und Sockel derselben sind von rotem Kyllthaler Sandstein; die Gewölbe werden in Schwemmsteinen zwischen Tuffsteinrippen ausgeführt. Die Säulenkapitäle, die Konsolen der Wanddienste, die Schlußsteine der Gewölbe, die Gallerie und Ansichtsflächen der Orgelbühne erhalten reiche Bildhauer arbeiten. Die durchlaufenden Kaffgesimse des Inneren, wie auch das Maßwerk der Fenster sind von Tuffstein(aus den Riedener Tuffsteinbrüchen). Die Verglasung der Fenster soll in Kathedralglas mit farbigen Streifen, resp. Musterung ausgeführt, werden(an Oidtmann in Linnich bei Aachen vergeben), doch wäre es der Opferwilligkeit der Viersener anheimzugeben, namentlich für die 7 Chorfenster und die 2 großen Fenster des Kreuzschiffes reichere Ausstattung zu beschaffen. Ueber den Fußbodenbelag ist eine Wahl bis jetzt noch nicht getroffen; es würde eine Ausführung in schön gemusterten Mettlacher Platten allem anderen vorzuziehen sein. Für die Ausführung der äußeren Ansichtsflächen sind ausgesuchte, hartgebrannte, gelbe Feldbrandziegel genommen(Lieferant Wallraf in Oberdollendorf bei Königswintet), die Pfeilerabdeckungen, Gesimse, Fenstereinfaffungen sind aus bestem Riedener Tuffstein(Lieferant Lung in Cottenheim), für die Sockelabdeckung, Treppen und Treppenbeplattung Niedermendiger Basalt=Lava(Lieferant Bolzem aus Bonn) genommen. Sämtliche Dachkonstruktionen, auch des Turmhelmes, werden aus Holz ausgeführt und mit bestem Moselschiefer auf Schalung eingedeckt. Für den Dachreiter ist ebenfalls Holzkonstruktion mit Zinkverkleidung angenommen. Hierbei ist zu bemerken, daß der Dachreiter zwei kleine Glocken erhalten soll, welche ebenfalls nebst dem kleinen eisernen Glockenstuhl am besten durch fromme Schenkung beschafft werden müßten, da dieselben nicht mit zur Bausausführung zählen. Der hohe Chor ist 8,84 m breit und 10,60 m lang. Außer dem Hochaltar ist dort das Chorgestühl mit 12 Sitzen(vor dem Altare rechts und links) aufgestellt. Ein Notausgang führt vom Chore hinter dem Altare in den Umgang und direkt in's Freie. Das Mittelschiff ist 21,50 m hoch, die Seitenschiffe sind 11,50 m hoch über dem Fußboden der Kirche. Letztere liegt, wie oben gesagt, 0,88 m über Terrain. Die Sakristei bezw. Paramentenkammer ist je 4,00 m breit und 6,46 m lang. Diese Räume sind ebenfalls überwölbt, erhalten jedoch Holzfußboden. Eine massive Treppe führt vom Vorraume der Paramentenkammer in den Kekler, welcher unter letzterer, dem Verbindungsgang und der Sakristei angelegt ist. Der Zugang zu der Sakristei erfolgt durch eine Thür hinter dem hohen Chor in der Längsachse der Kirche. An den hohen Chor schließen zu beiden Seiten die Sakristei und Paramentenkammer an, welche durch einen 2 Meter breiten überwölbten Umgang untereinander und durch Thüren mit dem hohen Chor in unmittelbarer Verbindung stehen. In Verlängerung der Seitenschifflangachsen und der äußeren Kreuzschiffjoche sind 4 Chorkapellen angeordnet, welche zur Aufnahme der Nebenaltäre dienen. Die Anlage des hohen Chores mit seinen Chorkapellen und den sich praktisch einfügenden Sakristeien kann als eine besonders glückliche bezeichnet werden. Das Kreuzschiff liegt nur zwei Stufen(— 32 cm) höher, als der übrige Kirchen raum und soll hauptsächlich als Kinderchor dienen. Das vordere Seitenschiffjoch enthält links die Taufkapelle, rechts eine Betkapelle in polygonaler Ausbildung. An der Westseite der Kirche ist der 11 Meter breite Hauptturm frei vorgelegt. Derselbe enthält außer dem großen Hauptportale zu beiden Seiten die Treppen für die Orgelempore, Glockenstube 2c. Außer dem Turmhauptportale, welches eine lichte Weite von 2 Meter hat, führen noch 4 Haupteingänge von je 1,80 Meter lichter Weite in den inneren Kirchenraum. Zwei derselben befinden sich an der Stirnseite der vorderen Seitenschiffe, die beiden anderen an den Giebelseiten des Kreuzschiffes. Dann ist noch an den Längsseiten der Seitenschiffe, auf Verlangen der Königl. Regierung, je ein Notausgang von 1,80 m Breite angeordnet. Für die beiden Kreuzschiff=Hauptportale war ebenfalls eine würdige Ausstattung in Haustein projektiert, doch mußte hierauf, in Anbetracht der knappen Geldmittel, verzichtet werden und sind dieselben, wie auch die Notausgänge, nur als einfache Oeffnungen im Mauerwerk angelegt worden. Auch hier wäre es wünschenswert, wenigstens die beiden Portale des Kreuzschiffes in der ursprünglich projektierten Weise auszuführen. Die Orgelbühne, massiv in Haustein ausgeführt, wird ein Hauptschmuck des Inneren der Kirche werden. Dieselde legt sich in einer Breite von 5 Meter und in einer Länge von 20,15 Meter vor den eigentlichen Orgelraum des Turmes und enthält das Podium für den Sängerchor und die vermietbaren Plätze für die Kirchenbesucher. Es ist erfreulich, daß die Ausführung der HauptBauarbeiten ausschließlich von Viersener Meistern übernommen worden ist, so die Erd=, Maurer=, Steinmetz= und Zimmer=Arbeiten von I. Cuylen und C. Schnitzter, die Dachdecker= und KlempnerArbeiten von J. Pohl& Poell, die Schmiedeund Schlosserarbeiten von Gillissen, H. J. Khmnten und Joh. Klanten. 3 Der grosse Sommer-Ausverkauf von C. Theisen in Viersen umfaßt sämtliche Saison-Artikel, die nunmeyr zu bedeutend herabgesetzten Preisen abgegeben werden. Auf Damen-Jaquettes, Amhangen, Perlkragen hellfarbige Kleiderstoffen, Kattune, Konfektionsstoffen, Sommer-Buckskins, Lustre-Joppen, Waschstoffen Kr. Kr. gebe ich für die Zeit des Ausverkaufes hohen Rabatt; ebenso auf eine Partie Herren-Röcke, Hosen- und Knaben-Anzüge. 84 —RESTE. besonders in Kleiderstoffen und Buckskins, sind zu Spottpreisen ausgesetzt. Maaß-Anfertigung zu reduzierten Sätzen. Viersen. H. C. Theisen. Errichtung der Eicken betr. Pfarre Auf Anordnung der König lichen Regierung wird hiermit zur Kenntnis der betr. Pfarreingesessenen gebracht, daß Einsprüche gegen die Errichtung der Pfarre Eicken und die An meldung etwaiger Entschädi gungs=Ansprüche binnen acht Tagen bei mir anzubringen sind. M. Gladbach, 14. Juni 1890. Der Oberbürgermeister. I. V.: Der Beigeordnete, Baumann. Bekanntmachung. Die Hundesteuer=Heberolle der Stadt M.Gladbach pro 1890/91 liegt vom 16. bis Ende d. Mts. auf dem Bürgermeisteramte(Steuerbureau) zur Einsicht offen. Etwaige Einwendungen gegen dieselbe sind innerhalb dreier Monate, vom letzten Tage obiger Frist ab gerechnet, bei mir anzubringen. Die nach dieser Frist eingehenden Reklamationen werden ohne weitere Prüfung zurückgewiesen. M.Gladbach, den 14. Juni 1890. Der Oberbürgermeister, I. V.: Der Beigeordnete, Baumann. Berichtigung. 848 In vor. Nr. dieser Zeitung in der Anzeige der Sächsischen Viehversicherungsbank in Dresden muß die Unterschrift des oberen Teiles der Anzeige heißen: Lisken& Jöbges. Stehender Lokomobilkesse“, 10 bis 12 Quadratmeter Heizfläche, 5 bis 6 Athmosphären, und eine Dampfmaschine (8 bis 10 Pferdekraft), gebraucht aber gut erhalten, zu kaufen gesucht. Fr. Offerten unter C D an die Exp. des Gladbacher Merkur. Drei schöne Zimmer, 1. Etage, in der Nähe des alten Marktes, per 1. Oktober zu vermieten. Auskunft in der Expedition des Gladbacher Merkur.(836 Wohnhaus mit vielen Räumen im Mittelpunkte der Stadt M.Gladbach ist unter günstigen Bedingungen billig zu kaufen. Auskunft unter Nr. 186 in der Exp. d. Ztg.(539 Dee Friedrichstraße 20. Dienstag, den 17. 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