Nr. 12. 1890. M. Gladbach,(Saustag), den 8. Februar. 2. Jal Gladbacher Rlerkur. den 8. Februar. 2. Jahrgang. Abonnement: Erscheint wöchentlich drei Mal(Dienstags Donnerstags und Samstags) und kostet pro Quartal in der Expedition, bei den Boten und durch die Post bezogen 1 Mark. Organ für den christlichen Handwerker= und Arbeiterstand. Eingetragen im Post=Zeitungskatalog unter Nr. 2379 a. Redaktion, Druck und Verlag von Jos. Schlesiger in M.Gladbach.— Expedition und Redaktion Crefelderstraße 171. Annoncen=Annahmen: Karl Peters, Kapuzinerstr. 49; Jakob Flachsenberg, Blumenberger= und Luisenstr.=Ecke; Peter Phlipsen, Speick 37; Hubert Worms, Waldhausenerstr. 91: Alb. Thönneßen, Helenabrunn: Ant. Hermanns, Rheindahlen; Hermann Neues, Engelbleck(Neuwerk); Joseph Braun, Geistenbeck 667. Anzeigen: Die 6spaltige Petitzeile(11 Silben) oder deren Raum kosten 10 Pfg. Für stellensuchende Gesellen, Lehrlinge, Dienstboten, Arbeiter 2c. 5 Pfg. Bei Wiederholung entsprechenden Rabatt. bonnements auf den „Gladbacher Merkur“. für die Monate Februar und März zum Preise von 70 Pig. werden stets angenommen in der Expedition, von den Boten und bei den Postanstalten. Kaiser Wilhelm der Arbeiterfreund. Unter dieser Ueberschrift bringt die„Germ.“ vom 6. ds. folgenden gewiß ebenso beherzigenswerten, als erfreulichen Artikel: Unser junger, energischer Monarch scheint sich diesen hohen Ghrentitel durch Thaten verdienen zu wollen. Während der Artikel der„Nordd. Allg. Ztg.“ von heute Morgen mit eisiger Kälte auf die Herzen aller Arbeiterfreunde sich legen mußte, zumal gerade wieder die, doch schon durch Gottesgebot geregelte Sonntagsheiligung und Sonntagsruhe zum Gegenstande unchrichstlichen und manchesterlichen Widerspruches gemacht wurde, ging im Abgeordnetenhause eine freudige Bewegung durch die Parteien christlicher positiver Socialreform infolge der Berichte, welche von des Kaisers hohem Eifer und gründlichem Verständnis bezüglich der Arbeiterfragen erzählten, wie sie gestern Abend bei dem Diner des Fürsten Bismarck sich offenbart hatten. Und während nun dieser Gegensatz noch die Geister beschäftigte, da bringt heute Abend der „Reichs= und Staatsanzeiger“ an seiner Spitze zwei— von keinem Minister gegengezeichnete— Kundgebungen des Kaisers, die wir mit steigender Freude gelesen und mit den Worten aus der Hand gelest, haben: Gott sei Dank, nun endlich ist die ter=Frage voll und ganz am richtigen Ende in Angriff genommen! Kaiser Wilhelm schreibt: Ich bin entschlossen, zur Verbesserung der Lage der deutschen Arbeiter die Hand zu bieten, soweit die Grenzen es gestatten, welche Meiner Fürsorge durch die Notwendigkeit gezogen werden, die deutsche Industrie auf dem Weltmarkte konkurrenzfähig zu erhalten und dadurch ihre und der Arbeiter Existenz zu sichern. Der Rückgang der heimischen Betriebe durch Verlust ihres Absatzes im Auslande würde nicht nur die Unternehmer, sondern auch ihre Arbeiter brotlos machen. Die in der internationalen Konkurrenz begründeten Schwierigkeiten der Verbesserung der Lage unserer Arbeiter lassen sich nur durch internationale Verständigung der an der Beherrschung des Weltmarktes beteiligten Länder, wenn nicht überwinden, doch abschwächen. In der Ueberzeugung, daß auch andere Regierungen von dem Wunsche beseelt sind, die Bestrebungen einer gemeinsamen Prüfung zu unterziehen, über welche die Arbeiter dieser Länder unter sich schon internationale Verhandlungen führen, will Ich, daß zunächst in Frankreich, England, Belzien und der Schweiz durch Meine dortigen Vertreter amtlich angefragt werde, ob die Regierungen geneigt sind, mit uns in Unterhandlung zu treten behufs einer internationalen Verständigung über die Möglichkeit, denjenigen Bedürfnissen und Wünschen der Arbeiter entgegenzukommen, welche in den Ausständen der letzten Jahre und anderweit zu Tage getreten sind. Sobald die Zustimmung zu Meiner Anregung im Prinzip gewonnen sein wird, beauftrage Ich Sie, die Kabinette aller Regierungen, welche an der Arbeiterfrage den gleichen Anteil nehmen, zu einer Konferenz behufs Beratung über die einschlägigen Fragen einzuladen. Berlin, den 4. Februar 1890. Wilhelm J. R. An den Reichskanzler. Bei Meinem Regierungsantritt habe Ich Meinen Entschkuß kundgegeben, die fernere Entwickelung unserer Gesetzgebung in der gleichen Richtung zu fördern, in welcher Mein in Gott ruhender Großvater Sich der Fürsorge für den wirtschaftlich schwächeren Teil des Volkes im Geiste christlicher Sittenlehre angenommen hat. So wertvoll und erfolgreich die durch die Gesetzgebung und Verwaltung zur Verbesserung der Lage des Arbeiterstandes bisher getroffenen Maßnahmen sind, so erfüllen dieselben doch nicht die ganze Mir gestellte Aufgabe. Neben dem weiteren Ausbau der Arbeiter=Versicherungsgesetzgebung sind die bestehenden Vorschriften der Gewerbeordnung über die Verhältnisse der Fabrikarbeiter einer Prüfung zu unterziehen, um den auf diesem Gebiet laut gewordenen Klagen und Wünschen, soweit sie begründet sind, gerecht zu werden. Diese Prüfung hat davon auszugehen, daß es eine der Aufgaben der Staatsgewalt ist, die Zeit, die Dauer und die Art der Arbeit so zu regeln, daß die Erhaltung der Gesundheit, die Gebote der Sittlichkeit, die wirtschaftlichen Bedürfnisse der Arbeiter und ihr Anspruch auf gesetzliche Gleichberechtigung gewahrt bleiben. Für die Pflege des Friedens zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern sind gesetzliche Bestimmungen über die Formen in Aussicht zu nehmen, in denen die Arbeiter durch Vertreter, welche ihr Vertrauen besitzen, an der Regelung gemeinsamer Angelegenheiten beteiligt und zur Wahrnehmung ihrer Interessen bei Verhandlung mit den Arbeitgebern und mit den Organen Meiner Regierung befähigt werden. Durch eine solche Einrich tung ist den Arbeitern der freie und friedliche Ausdruck ihrer Wünsche und Beschwerden zu ermöglichen und den Staatsbehörden Gelegenheit zu geben, sich über die Verhältnisse der Arbeiter fortlaufend zu unterrichten und mit den letzteren Fühlung zu behalten. Die staatlichen Bergwerke wünsche Ich bezüglich der Fürsorge für die Arbeiter zu Musteranstalten entwickelt zu sehen, und für den Privatbergbau erstrebe Ich die Herstellung eines organischen Verhältnisses Meiner Berg beamten zu den Betrieben, behufs einer der Stellung der Fabrikinspektionen entsprechenden Aufsicht, wie sie bis zum Jahre 1865 bestanden hat. Zur Vorberatung dieser Fragen will Ich, daß der Staatsrat unter Meinem Vorsitz und unter Zuziehung derjenigen sachkundigen Personen zusammentrete, welche Ich dazu berufen werde. Die Auswahl der letzteren behalte Ich Meiner Bestimmung vor. Unter den Schwierigkeiten, welche der Ordnung der Arbeiterverhältnisse in dem von Mir beabsichtigten Sinne entgegenstehen, nehmen diejenigen, welche aus der Notwendigkeit der Schonung der heimischen Industrie in ihrem Wettbewerb mit dem Auslande sich ergeben, eine hervorragende Stelle ein. Ich habe daher den Reichskanzler angewiesen, bei den Regierungen der Staaten, deren Industrie mit der unsrigen den Weltmarkt beherrscht, den Zusammentritt einer Konferenz anzuregen, um die Herbeiführung gleichmäßiger internationaler Regelungen der Grenzen für die Anforderungen anzustreben, welche an die Thätigkeit der Arbeiter gestellt werden dürfen. Der Reichskanzler wird Ihnen Abschrift Meines an ihn gerichteten Erlasses mitteilen. Berlin, den 4. Februar 1890. Wilhelm R. An die Minister der öffentlichen Arbeiten und für Handel und Gewerbe. Hierzu schreibt die„Köln. Volksztg“: Besonders die Centrumspartei und ihre Presse hat allen Grund, dieses Ereignis mit Genugthuung zu begrüßen. Allen Parteien voraus hat sie in den Galen'schen Anträgen von 1879 ein Programm der SocialReform entwickelt, in welchem der Arbeiterschutz die ihm gebührende Rolle spielt. Anfangs verhöhnt, hat dieses Programm immer mehr Zustimmung gefunden, bis schließlich die Anträge Hitze=Lieber, wenn auch in sehr abgeschwächter und ungenügender Form, eine große Mehrheit im Reichstage fanden. Der Bundesrat hat bisher selbst diesen bescheidenen Anträgen seine Zustimmung versagt, und der von der Schweiz ausgegangenen Einladung zu einer internationalen Arbeiter=Konferenz ist von der Reichsregierung nicht entsprochen worden. Diese Stellungnahme ist jetzt mit einem Schlage aufgegeben. Selbstverständlich stehen wir jetzt erst am Anfange. Von der kaiserlichen Anregung bis zur Annahme konkreter Bestimmungen, und vollends bis zur internationalen Regelung dessen, was international geregelt werden kann und muß, ist ein weiter Weg, auf dem es an Schwierigkeiten und Enttäuschungen nicht fehlen wird. Aber der Anstoß ist gegeben, die Hoffnung belebt, daß mit dem entscheidenden Teil der Socialreform jetzt endlich Ernst gemacht wird. Wie die neue socialpolitische Aera zur Frage der Beibehaltung, Beseitigung oder Aenderung des Socialistengesetzes sich verhält, ist in diesem Augenblick noch in keiner Weise erkennbar. Das Centrum wird jedenfalls nichts versäumen, was die neue Bewegung, in welcher wir zugleich ein starkes Mittel zur Bekämpfung der Socialdemokratie erblicken, in Fluß zu erhalten geeignet ist. Die kaiserliche Autorität ist also nunmehr nach der Seite derjenigen in die Wagschale geworfen, welche einen energischen, umfassenden Arbeiterschutz, zielbewußte, umfassende Fürsorge für die gesunden Arbeiter neben der Sicherstellung der Kranken und Schwachen gefordert und bisher, des starken Gegengewichts wegen, vergeblich gefordert haben. Der Kaiser entwickelt in den Erlassen an den Reichskanzler und den Handelsminister gewissermaßen sein Programm. Wir können demselben um so freudiger zustimmen, als das Centrum seit vielen Jahren für die Gedanken eingetreten ist, welche der Kaiser jetzt zur Verwirklichung empfiehlt; das Centrum braucht gegenüber den kaiserlichen Kundgebungen kein Jota an seiner bisherigen Haltung zu ändern. Die erste, an den Reichskanzler gerichtete Anweisung behandelt die Frage des internationalen Arbeiterschutzes. Der Kaiser teilt die Befürchtung nicht, welcher Herr v. Bötticher namens der verbündeten Regierungen lebhaften Ausdruck verlieh, daß nämlich die Durchführung internationaler Schutzbestimmungen unmöglich sei. Er stellt sich aber auch weiter in Gegensatz zu denjenigen, welche es den Arbeitern zum schweren Vorwurf gemacht haben, daß sie ihrerseits durch internationale Verhandlungen ihre Lage zu bessern suchten, und er desavouiert endlich diejenigen, welche bisher bestritten haben, daß den Arbeiter=Ausständen der letzten Jahre auch berechtigte Wünsche und Forderungen der Arbeiter zu Grunde gelegen haben. Ob es nicht besser gewesen märe, die Vorschläge der Schweiz betreffs des internationalen Arbeiterschutzes früher schon zu berücksichtigen, ist im Augenblick nicht zu erörtern. Bei Frankreich, England, Belgien und der Schweiz soll zunächst amtlich angefragt werden, ob die Regierungen geneigt sind, behufs einer internationalen Verständigung in Unterhandlung zu treten. Warum Oesterreich fortgelassen ist, ist nicht ersichtlich. Vielleicht ist man seiner Zustimmung schon gewiß. Sicherlich wird es zu den Regierungen gehören, welche zu der Conferenz demnächst eingeladen werden sollen. Es wird sicherlich an Versuchen nicht fehlen, Wasser in den kaiserlichen Wein zu schütten. Offenbar sind solche Bemühungen vorher schon zu Tage getreten, wie man in dem Passus der Thronrede zur Landtags=Eröffnung, welcher von der Arbeiterbewegung handelt, unschwer erkennen kann. Die Veröffentlichung der Kaiser=Erlasse beweist, daß jene Einflüsse nicht mächtig genug gewesen sind, den kaiserlichen Willen zu bestimmen, und so kann man sich der Hoffnung hingeben, daß das, was den großen Gegnern des kaiserlichen Programms nicht gelungen ist, den jetzt noch zur Geltung kommenden kleinen Gegnern noch weniger gelingen wird. Die offene Stellungnahme des Kaisers verdient um so mehr Anerkennung, als damit die Stellung, welche die Regierungsv#rtreter bisher eingenommen haben, in vielen Punkten direkt desavouiert wird. Freuen wir uns, daß endlich Zug in die Sache kommt! Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 10. Sitzung vom 5. Febr. In der heutigen Fortsetzung der zweiten Etatsberatung forderte Abg. Lohren(freik.) im Interesse der kleineren Schiffer eine gründliche Reform des Schleusentarifs. Minister v. Scholz antwortete, der ganze Kanalabgabentarif befinde sich noch in einer Revision, welche Eine dunkle Eine elsässische Geschichte aus dem Jahre 1870. Von Karl Wohlfahrt. (Nachdruck verboten.) 18)— Fragte zum Beispiel Herr de Ruliere, ob der Herr Unterpräfekt von dem Ernste der Situation überzeugt sei, oder ob er am Ende den Krieg gar für unvermeidlich halte, so schlürfte der Unterpräfekt zuerst mit einem langen Zuge einen Schluck Wein ein, wischte sich dann den Mund mit seiner Serviette und sagte dann, während seine Züge einen ernsten, fast feierlichen Charakter annahmen: „Es sind Symptome vorhanden, die darauf schließen lassen, daß die Entscheidung schon in den nächsten Stunden fallen wird, wenn sie nicht in diesem Augenblicke schon gefallen ist.“ „Ganz meine Ansicht, Herr Unterpräfekt,“ stimmte der Maire bei. „Der Herr Unterpräfekt," bemerkte der junge Beamte, vielleicht um anzudeuten, daß er sich des Vertrauens seines Vorgesetzten erfreute,„hat Briefe von dem Herrn Senator aus Paris erhalten, die einen genaueren Einblick in die Situation gewähren dürfte, als alle Zeitungsartikel.“ „Mein Onkel,“ sagte der Unterpräfekt,„ist allerdings über die herrschende Stimmung der maßgebenden Kreise genau unterrichtet.“ „Es ist kaum ein Zweifel möglich,“ meinte Herr de Ruliere,„daß diese Kreise für einen Krieg günstig disponiert sind.“ „Alles, was ich sagen kann,“ erklärte der Unterpräfekt,„ist, daß man in diesen Kreisen entschlossen ist, die Ehre Frankreichs und die Würde des Kaiserreichs zu wahren.“ „es käme also darauf an.“ bemerkte der Maire, „bo man in den maßgevenden Kreisen in dem Verhalten des Könias von Preußen dem Gesandten Frankreichs gegenüber nicht bereits ein— wie soll i9h zleich sagen— ein Vorgehen erblickt, das sich mit der Ehre Frankreichs und der Würde des Kaiserreiches nicht vereinigen läßt.“ „Darauf kann es meiner Ansicht nach wohl gar nicht mehr ankommen,“ fiel Herr de Ruliere lebhaft ein. „Es kommt darauf an, ob man die Atroganz der Preußen noch länger dulden will; es kommt darauf an, ob man der beleidigten Ehre Frankreichs die Genugthuung gewähren wird, die es fordern darf.“ „In der That,“ bemerkte der Unterpräfekt mit der Ruhe, die dem Staatsmanne, auch wenn er sich erst im Beginne seiner Karriere befindet, stets wohl ansteht,„in der That sind Anzeichen vorhanden, die darauf schließen lassen, daß man diese Genugthuung verlangen wird, wenn man sie nicht in diesem Augenblicke schon verlangt hat.“ „Und wenn sie nicht gewährt wird?“— fragte der Maire. „Dann haben wir den Krieg!“ rief Herr de Ruliere aus.„Dann haben wir den Krieg!“ Der Maire sah den Herrn Unterpräfekten fragend an. Der Herr Unterpräfekt begnügte sich damit, die Achseln zu zucken und bemerkte dann nach einer Pause, als halte er es für geboten, von den Intentionen der maßgebenden Kreise, über die er durch seinen Onkel, den Senator, genau unterrichtet war, nicht mehr zu verraten, als das Interesse des Staates gestattete: „Ich kann nur so viel sagen, daß Frankreich auf alle Eventualitäten vorbereitet ist.“ „Die Armee wird ihre Schuldigkeit thun,“ rief Herr de Ruliere aus. „Jeder Franzose wird seine Schuldigkeit thun,“ bemerkte der Unterpräfekt. „Ganz meine Ansicht, Herr Unterpräfekt,“ sagte der Maire, der sich gleich darauf erhob, um auf das Wohl seiner Gäste einen Toast auszubringen, den Herr de Ruliere mit einem Hoch auf den gastfreundlichen Wirt erwiderte. Der Maire erwartete, daß der Unterpräfekt das Wort zu einem patriotischen Toaste ergreifen würde, aber der Beamte des Kaiserreiches hüllte sich von jetzt an in ein mysteriöses Schweigen, so oft das Gespräch das politische Gebiet berührte. Nach Tisch trank man den Kaffee auf der Veranda und nun wandte sich die Unterhaltung wieder den Lokalereignissen des Tages zu. Der Unterpräfekt erklärte, daß er den jungen Oberdank einst in Niederbronn kennen gelernt und bei dieser allerdings nur flüchtigen Begegnung einen Eindruck empfangen habe, mit dem er die Urheberschaft an einem so gewaltthätigen und blutigen Verbrechen schlechterdings nicht vereinigen könne. „Ich erlaube mir, zu bemerken, Herr Unterpräfekt,“ äußerte der Maire,„daß dieser junge Oberdank, wie ich aus dem Munde glaubwürdiger Leute gehört habe, überhaupt zu Gewaltthätigkeiten geneigt ist. Er soll, wie man sagt, auch seinen Leuten gegenüber von einer Brutalität sein, von einer Brutalität—“ „Und doch kann ich mir nicht vorstellen," fuhr der Unterpräfekt fort,„daß dieser junge Mann von keinem anderem Motive geleitet, als von gemeiner Rachsucht, Demjenigen, der ihm die Hand der Geliebten verweigert, im Walde auflauert, um ihn meuchlings niederzuschießen.“ „Aber die Handschrift des Toten,“ fiel der Untersuchungsrichter ein. „Die Handschrift des Toten!“ „Sie bedeutet allerdings eine fürchterliche Antlage: „Wir brauchen auch nicht einmal an einen gemeinen Ueberfall zu denken,“ meinte weiter Herr de Ruliere.„Die gravierendsten Momente legen die Annahme nahe, daß dieser Oberdank den Mord verübt hat: wie er ihn verübt hat, aus welchen Motiven, auf welche Veranlassung hin, ob im Affekt oder mit kalter Ueberlegung, das ist eine Sache, welche die Untersuchung aufzuklären hat. Die Möglichkeit ist ja auch nicht ausgeschlossen, daß hier ein Duell vorliegt.“ „Ein Duell? Ohne Zeugen? Ohne Sekundanten?“ „Sie werden sich vielleicht noch melden.“ „Nachdem sie den Baron sterbend zurückgelassen?“ „Nun also,“ sagte Herr de Ruliere,„ohne Zeugen und Sekundanten. Auch das ist schon dagewesen. Lassen Sie mich einen Fall aus meiner Praxis erzählen. Als ich noch Unterprokurator in Thionville war, ereignete sich in der Nähe der Stadt Folgendes: Ein alter Forstmeister, der als Wittwer mit seinem einzigen Töchterchen ein einsames Forsthaus bewohnte, erwischte eines Tages bei dem Mädchen ihren Liebhaber, einen jungen Gutsherrn der Nachbarschaft, dem es nicht schwer geworden war, das unerfahrene Ding zu verführen. Er sucht eine Unterredung mit dem Verführer und fordert ihn auf, seine Tochter zu heiraten; der junge Baron lacht ihm ins Gesicht. Nun beschließt der Alte eine fürchterliche Rache. Er läßt das Mädchen einen Brief an den Geliebten schreiben, in welchem sie ihn an ein einsames Plätzchen im Walde bestellt. Der junge Mann geht auf den Leim und erscheint zur angegebenen Stunde an dem Orte des Rendezvous.“ „Und findet den Alten dort?“ fiel der Maire fragend ein. „Erraten!“ fuhr der Baron de Ruliere fort. „Der Baron findet in der That den alten Förster vor, an den Stamm einer Eiche gelehnt, beide Arme auf seiner Büchse gestützt. Er macht Miene, sich aus dem Staube zu machen.„Dableiben oder ich schieße Dich nieder!“ ruft ihm der Alte zu. Was bleibt dem kleinen Baron übrig, als gute Miene zum bösen Spiele zu machen?“ „Eine verfluchte Situation!“ meinte der Maire, indem er sich lächelnd seinen grauen Backenbart strich.„Nun und weiter?“ „Der Alte deutet auf einen Baum, der ungefähr fünfzig Schritte von ihm entfernt und an den eine Büchse gelehnt ist.„Gehen Sie dorthin, mein Herr, sagte er,„treten Sie hinter den Baum und nehmen Sie die Büchse in die Hand. Es sind zwei Schüsse darin, wie in der meinigen. Ich werde mit einem Pfiff das Signal geben, daß unser Duell beginnt. Wir nähern uns, indem wir hinter den Bäumen Deckung suchen. Wenn ich Sie nur verwunden sollte, so sag' ich Ihnen im Voraus, daß ich Ihnen den Garaus machen werde, denn Einer von uns ist zu viel auf der Welt."(Fortsetzung folgt.) den von dem Abg. Lohren vorgebrachten Wünschen Rechnung tragen werde. Bei dem Titel„Wirtschaftsabgaben in den Hohenzollernschen Landen" brachte Abgeordneter SchmidHohenzollern(Centr.) den Uebelstand zur Sprache, daß in Hohenzollern einerseits durch ein altes, noch bestehendes Gesetz von 1856, anderseits durch das Reichs=Branntweinsteuergesetz der Branntwein einer doppelten Besteuerung unterliegt, und bat um schleunige Abhilfe. Minister v. Scholz erwiderte, daß der Regelung der Sache zur Zeit noch Schwierigkeiten im Wege ständen; er stehe derselben jedoch wohlwollend gegenüber. Abg. Graf=Hohenzollern(Centr.) bat hierauf auch seinerseits den Minister, die Angelegenheit nicht zu lange hinauszuschieben, und wies dabei auf das Vorgehen Württembergs und Badens hin, wo ähnliche Verhältnisse bestanden hätten. Der Rest der Einnahmen wurde ohne weitere Debatte genehmigt. Bei Titel 1 der Ausgaben(„Provinzialsteuerverwaltung") brachte Abg. v. Schalscha(Centr.) einen bei der Kontingentierung ländlicher Brennereien vorkommenden Mißstand zur Sprache und bat um eine bezügliche Anweisung an die Provinzialsteuerdirektoren. Minister v. Scholz sprach sich ablehnend hiergegen aus. Der Rest des Etats der indirekten Steuern wurde ohne Debatte erledigt. Es folgte der Etat des Ministeriums für Handel und Gewerbe. Die Einnahmen veranlassen keine Diskussion. Bei Kapitel„Gewerbliches Unterrichtswesen“ der Ausgaben befürwortete Abg. Dr. Dürre(natl.) die Errichtung gewerblicher Mittelschulen als einer Zwischenstufe zwischen gewerblichen Fachschulen und technischen Hochschulen, um zur Heranbildung tüchtiger Fabrikdirigenten zu dienen. Abg. Sack(konservativ) beklagte die Inanspruchnahme des Sonntags durch die gewerblichen Fortbildungsschulen. Abgeordneter Eberty(deutschfreisinnig) widersprach dem jedoch. Abg. Ludowieg(natlib.) aber war der Ansicht, daß die Meister gezwungen werden müßten, ihren Lehrlingen an gewissen Wochentagen morgens oder nachmittags den Besuch der Fortbildungsschulen zu gestatten. Unterstaatssekretär Magdeburg erklärte, daß die Verwaltung sich gegenüber mehrfachen die Zulässigkeit dieses Zwanges verneinenden Gerichtserkenntnissen in einer Notlage befinde; doch werde sie bemüht sein, diesen allerseits gewünschten Zwang auf irgend welchem Wege zu verwirklichen. Abg. Pleß(Centr.) führte aus, daß mit Fortbildungsschulen überhaupt nicht viel geryan sei; was dem Handwerk helfen könne, sei allein der Schutz vor der Konkurrenz des Großkapitals und der Strafanstalten. Bildung des Charakters sei die Hauptsache, und diese erfolge nicht durch das Wissen, sondern lediglich durch die Religion. Zu der Forderung von Zuschüssen für die Fortbildungsschulen in Westpreußen und Posen erklärte der Abg. Dr. von Jazdzewski(Pole), daß seine Partei dagegen stimme. Der Titel wird gegen die Stimmen der Polen angenommen. Nach Erledigung des Etats vertagte sich das Haus auf morgen. Antrag Broemel betr. die Personen= und Gütertarife; Eisenbahnetat. 11. Sitzung vom 6. Febr. Das Haus hatte heute zunächst die Resolution Broemel(dfr.) auf eine grundliche Reform der Eisenbahntarife zu beraten. Der Antragsteller ging in seiner zweistündigen Rede von der Feststellung aus, daß die heutigen Tarife, die seit bereits zwölf Jahren stabil geblieben seien, einer durchgreifenden und allgemeinen Herabsetzung bedürfen. Abg. Schieding(natl.) bekämpfte den Antrag, weil er eine Spitze gegen die Montanindustrie enthalte, eine Spitze, welche noch deutlicher in dem im Reichstage verhandelten freisinnigen Kohlentarifantrage zum Ausdruck gekommen sei. Abg. v. Tiedemann=Bomst(freik.) bestritt, daß der Tarif seit 12 Jahren stabil geblieben sei; es seien fortwährend und allmählich eine Reihe von Ermäßigungen eingetreten, und auf diesem Wege müsse man weiter vorgehen. Mit der Kommissionsberatung ist Redner einverstanden. Regierungskommissar Fleck erklärte, daß die Regierung einer Tarifreform durchaus nicht ablehnend gegenüber stehe. Alle Vorschläge fänden die eingehendste Prüfung. Abg. Seer(natl.) bemerkte, daß eine Herabsetzung der Tarife, namentlich der Frachten, gerade im Interesse der Landwirtschaft des Ostens liege. Abg. Pleß(Centrum) bekannte sich als ein Freund des Zonentarifs, dessen günstige Wirkungen er an Beispielen nachzuweisen suchte. Abg. v. Wedell= Malchow(kons.) erklärte, daß seine Partei nicht prinzipiell eine Tarifermäßigung ablehne; doch sei jede Ueberstürzung zu vermeiden. Die Kommission moge diese Angelegenheit mit der größten Sorgfalt behandeln. Abg. Graf Limburg=Stirum(kons.) war der Ansicht, daß„es nicht viel besser gemacht werden kann, als es jetzt gemacht wird"; doch möge man sich in einer Kommission von 28 Mitgliedern nach Herzenslust über die Sache aussprechen. Nachdem Aba. Broemel(dfr.) in seinem Schlußworte noch die erhobenen Bedenken zu zerstreuen versucht hatte, wurde der Antrag an eine Kommission von 28 Mitgliedern verwiesen. Das Haus vertagte sich auf morgen(Tagesordnung: Eisenbahnetat). Herrenhaus. 3. Sitzung vom 6. Febr. Neu berufen und bereits in das Haus eingetreten ist Landrat von der Reck(Grafschaft Mansfeld und Saalkreis). Auf der Tagesordnung steht die einmalige Schlußberatung einer Reihe kleinerer Vorlagen. Der Entwurf einer Haubergordnung für den Kreis Altenkirchen, die Kirchengemeindeordnung für die evangelisch=lutherischen Kirchengemeinden Bornheim, Oberrad, Niederrad, Bonames, Niederursel und Hausen werden ohne Debatte unverändert angenommen, desgl. der Entwurf betr. die Abänderung des§ 11 des Gesetzes über die Pensionierung der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen und der Entwurf betreffend die Abänderung des§ 19, Absatz 1, des Pensionsgesetzes vom 27. März 1872, letzterer nach Ablehnung eines Amendements des Herrn v. Jerin=Geseß. Der Rechenschaftsbericht über die weitere Ausführung des Gesetzes von 1869 betreffend die Konsolidation Preußischer Staatsanleihen wird für erledigt erklärt und der Vertrag vom 20. November 1889 wegen Fortdauer des Thüringischen Zoll= und Handelsvereins ohne Debatte unverändert angenommen. Nächste Sitzung Freitag 1 Uhr.(Kleinere Vorlagen; Gesetzentwurf betreffend die Unterhaltung der nicht schiffbaren Flüsse in der Provinz Schlesien.) Übersicht. Berlin, 6. Febr. Der Fürstbischof Dr. Kopp ist gestern Abend zur Teilnahme an den Verhandlungen des Herrenhauses hier angekommen— Der Kaiser lud den Major Liebert, welcher sich mit dreimonatlichem Urlaube nach Ostafrika begiebt, heute zur Frühstückstafel ein. — Das socialdemokratische„Volksbl.“ bespricht die Kaiser=Erlasse und feiert dieselben als moralischen Sieg der Socialdemokratie, weil die Weisungen des Kaisers den alten socialdemokratischen Forderungen entsprächen. — Der Aufruf des polnischen Provinzialwahlkomitees der Provinz Posen zur Reichstagswahl wird soeben veröffentlicht. Er fordert auf, möglichst viel Polen in den Reichstag zu schicken behufs Wahrung der geistigen und wirtschaftlichen Interessen des Polentums aller Gesellschaftsklassen. Die Polen wollten stets Polen und Katholiken sein und bleiben. Neisse, 6. Febr. Die„Neisser Zeitung" veröffentlicht ein Hirtenschreiben des Herrn Fürstbischofs Kopp, welches zur Bildung von ArbeiterVereinen auffordert. Bochum, 6. Febr. Das Wahlkomitee der Centrumspartei proklamierte soeben Frhrn. von Schorlemer=Alst als Kandidaten für die Reichstags=Wahl. Brüssel, 6. Febr. Die erste Kommission des Antisklaverei=Kongresses hat die Maßregeln betr. den Schutz der Karawanenstraßen und die Verhinderung des Sklaventransportes zu Lande durchberaten. Ueber die Mehrzahl der notwendigen Rom, 6. Febr. Im Vatikan werden die gestrigen Erlasse des deutschen Kaisers in der Arbeiterfrage freudig begrüßt. Namentlich sprach Päpst Leo über die internationale Regelung der Angelegenheit sich lobend aus. Rom. 6. Febr. Ein allgemeines Dekret ermächtigt die Bischöfe, vom Fasten= und Abstinenzgebot zu dispensieren, bis weitere Bestimmung getroffen wird.— Kardinal Giuseppe Pecci, der Bruder des Papstes, ist an Bronchitis schwer erkrankt. Der Kranke ist bereits mit den heiligen Sterbesakramenten versehen worden; drei Aerzte haben ihn in Behandlung. England. London, 6. Febr. Der Streik der Gasheizer ist durch einen Vergleich beendet, nach welchem die South=Metropolitan=Gas=Kompagnie die achtstündige Arbeitszeit wieder eingeführt hat und die alten Arbeiter engagiert, wenn Vakanzen eintreten. jätt gesatt, dä kann er Gott weet wie völl anstäeke. Pocke stäeken ävvel net aan duer Breese, Papier, udder et möß am Eng bei Lompe senn. Et schlemms eß Wäesch on Bettdöck van Pockekranke, dat steek et mesch aan. Alle Lüht, Döcktesch, Beamte, die mött die Kranke ömm modde gonn, die donn sech düchtig mött Karbol bespröete, domött dat se nicks van dänne Gefft en Kleer mötnäehme. Ja, wie nömb mer sech dann för de Pocke enneiht? Me lett sech de Pocke sätte on hällt sech reen. Alle Daag gehörig, wenn et äves jeet, vom Kopp bös de Föet enn fresch Waater wäesche, on tweimol de Wäek e reen Hemb andonn. Wann mer se dann wirklich kritt, dann eß et der Kall net wäeht: dann kritt mer een janze leihte Zourt(Wenkpocke). Me mott sech uht Versammlunge, on überhaupt wo völl Lüht tesaame komme, fothalde; wä weet, wie völl dat er dobei send, die Gefft an de Kleer hant hange. Oemm nuh och dat Gefft net ennteohme, nömb me der Daga ühver en twäntig Wachelterkuohre(Wachholderbeeren, d. R.) mött 2 udder 3 enn der Monk on terkeut die. Me dörf se och eravschlecke, et eße ausgezeichnet Magemeddel. Me deht also, als wenn mner am prüehme wüehr, speut ävvel nicks uht. Enn die Hühser, wo de Pocke send, do mot streng drob gehalde wäehde, dat ohne Erlaubnis vom Dockter keene bei anger Lüht kömb, net noh de Schöll, net nomm Geschäff, net noh de Fabrik. Ja, wätt ehr saage, dä het jot kalle, do dä bt ävvel der Schoresteen net van: dat stemb, ävvel lot die Fabrikshäere udder die Krankekasse öch halve Luehn gäeve, on wenn ehr dat vernönftig anpackt, dann donnt die dat och. Me kann doch net verlange, dat die Lüht, die onglöcklicher Wies ene Pockekranke em Huhs hannt, sech nu op emol eso deep enn de Schold solle sätte, bloß uht däm Grongk, dat se net bei anger gonnt, domet dat se anger Lüht net anstäeke, also och nicks verdeene könne. Hei mot also Roht geschaff wäede; hei hätt sech jo glick en Komitee modde bilde för die Lüht, ömm dänne met Roht on Droot an de Hangk te gonn, domöt dat die Geschichte nei ärger wött, wie se eß. Wenn do van der Börgerschaff net jätt geschüch, dann eß dat Denge noch net am Eng, dat solle wer ens kieke. Die Behörde alleen die deht jo örr bähs, die kann ävvel net ühverall senn, on wenn do vernönftige Lüht sech möt de Behörde ennige, dann könne se dänne Pocke bald an de Schwaat komme, on dann näehme se och net alle Daag tou, ne, dann hüere se bald op. Wenn sech Feber on Mögde enn de Knöek on Schlöprigkeet ennfenk, dann stemmt et net, dann mar nomm Dockter gegange. E kleen Füer kann mer leiht löesche, avvel e gruet net. Ohse Herrgott mag gäeve, dat et bald ophüet. Gläbbecker Pluddereie. Wenn mech eß Ovens ceene oppaaßt, dä mech jät donn welld, udder wenn mech eene noh kömb on welld mech et Mätz an de Käehl sätte, dann eß et emmer got, wenn ech weet, möt wat för ene Hans dat ech te donn hann, on mer sall jo fine Feind net gereng achte. Wenn ech weet, möt wat för ene Hans ech te donn hann, dann paaß ech op, dann näehm ech mech enneiht, on gonn net möt läeg Häng bei ömm. Grat eso geht et och möt de schwatte Pocke! Et ihsch do es getüftelt wuode, of se et wuohre udder of se et net wuohre, on jez eß et sonneklor, dat et de ächte Pocke send, udder wie die Alde seite, die spanische Pocke. Send die Pocke ooch werklich eso gefiehrlich? Ja, et liege jez em Pockehuhs 25 Kranke; et send veer gruete dran gestorve on twei Kenger. Alle Daag komme neu Kranke derbei. Gefiehrlich send de Pocke för dämjenige, dä net reiht gesonk eß, onn dä gewännt es, völl Schnaps te drenke. Stäeke de Pocke ärg aan? Ja, dat kömb drob aan. Dä Pockestoof, dat Gefft, dat wött en de Kleer fotgedrage, on domöt wäehde anger Lüht angestäeke. Mer kann also von eenem angestäeke wäede, dä selv de Pocke gar net het, wenn hä mar bloß bei eene Pockekranke gewähs eß, on het sech do jätt vertällt on Aus Rheinland und Westfalen. m(Gladbach. 7. Febr. Am Sonntag, den 9. Febr., Nachmittags 5 Uhr, findet im Saale des Herrn Mannheim eine allgemeine Versammlung der Wähler der Centrumspartei statt, zu welcher wir unsere Leser hierdurch dringend einladen. In derselben werden u. a. anwesend sein Herr Reichstagsabgeordneter Legationsrat a. D. v. Kehler und unser Landtagsabgeordneter Herr Generalsekretär Hitze. M. Gladbach, 7. Febr. Am Mittwoch Abend mußte ein frivoler Dachdeckergeselle, welcher auf dem Königsplatze groben Unfug verübte, eingesperrt werden.— Am selben Tage abends meldete sich ein obdachloser Holländer auf der Polizei=Wachtstube, derselbe fand umständehalber ein Nachtquartier im Polizei=Arrest.— Am Donnerstag Morgen früh wurde ein bei der Eisenbahn beschäftigter, und hier in der Sittardstraße wohnender Familienvater so unglücklich durch eine Lokomotive überfahren, daß er während des Transportes nach dem Krankenhause seinen Geist aufgab. Zur Feierstunde. Wochen=Plauderei von C. S. (Nachdruck verboten.) Wovon sollen wir heute wieder plaudern, wenn nicht von den Wahlen, die ja alles Interesse jetzt bis zum 20. Februar, dem Wahltage, in Anspruch nehmen? Die Wahlen lassen sich, Gott sei Dank, bis jetzt für uns und unsere gute Sache, das ist für die Centrumspartei, gut an. Vor Allem freut es uns, daß die Wahlagitation trotz der hochwichtigen Fragen, um die es sich handelt, diesmal im Ganzen ruhig und anständig verläuft. Das liegt hauptsächlich daran, daß die Oberofficiösen und Unterofficiösen diesmal keine irgendwie zugkräftige Wahlparole ausgegeben haben. Die einzelnen Parteien agitieren selbständig, jede nach ihren eigenen Gesichtspunkten, nach iyren eigenen Wahlparolen. Für uns Centrumswähler hat der Abg. Windthorst auf dem Parteitage des rheinischen Centrums in Köln am letzten Sonntage eigentlich drei Wahlparolen ausgegeben. Sie sind in den drei Sätzen enthalten: 1) Das Centrum muß bestehen bleiben und das Kartell gebrochen werden! 2) Die christliche Schule muß wiedererobert werden! 3) Die Socialdemokratie muß bekämpft werden, aber auf dem Boden der Religion, auf dem Wege der Gesetzgebung. Diese drei Sätze wollen denn auch wir auf unser Banner setzen und sie uns im Wahlkampfe voranleuchten lassen. Ja, das Centrum muß bestehen bleiben! Und warum denn? Vor Allem, sagte Winothorst, um die Rechte und die Stellung des hl. Stuhles zu verteidigen. Wir haben eben kein anderes Mittel gegen die Vergewaltigung desselben durch Italien als dieses eine, daß wir alle unsere Stimmen zum Protest dagegen erheben und zwar fortwährend, bis die anderen Mächte, die gerade so wie Deutschland an der Erhaltung des hl. Stuhles und seines Einflusses interessiert sind, einsehen, daß diese Lage ein Ende nehmen müsse. Darauf müssen wir gerade die mit Italien verbündeten Mächte aufmerksam machen. Das kann aber auch unsere Vertretung im Reichstag thun. Zweitens aber müssen wir das Centrum noch länger und immer wieder haben zur Erreichung der Selbständigkeit unserer Kirche. Wir danken zwar, sagte Windthorst, der Regierung dafür, daß hier eine Besserung eingetreten ist nach schwerem Kampfe, doch wir müssen uns darüber klar werden, daß wir von einem guten Zustand noch weit entfernt sind. Und wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist dieser leise Kulturkampf, der weniger Geräusch macht, stärker und nachhaltiger und schädlicher als der, den wir früher hatten. Man sagt uns zwar jetzt: es ist ja alles gut, beruhigt euch doch, seid zufrieden! Aber es ware sehr bedauerlich, wenn in dieser Richtung schon ein gewisser Stillstand einträte, wenn nicht die Lebendigkeit des Bewußtseins fortdauerte, daß das, was noch fehlt, noch erreicht werden muß. Es liegt darin eine ungeheure Gefahr. Wir wollen nicht Gnaden, die von jedem Minister uns gegeben und wieder genommen werden können, wir wollen bestimmte Gesetze und wollen nicht der Willkür Dieses oder Jenes unterstellt sein. Wir wollen mit einem Worte das, was vor dem Kulturkampfe bestand, jene Zustände, die Kaiser Wilhelm I. einst als„wohlgeordnete“ erklärt hatte. Dies zu erreichen haben wir eben das Centrum absolut notwendig. Dagegen muß das Kartell gebrochen werden! Es ist ja entstanden aus einer Lüge: daß die Oppositionsparteien mit Verweigerung des Septennats das zur Verteidigung des Vaterlandes Nötige nicht bewilligt hätten. Das Centrum hat aber Alles bewilligt, was die Regierung verlangt hat, nur wollte es dieses auf kürzere Zeit, nicht auf volle sieben Jahre, bewilligen, um nach Ablauf dieser Zeit wieder prüfen zu können, ob solch ein militärischer Aufwand dann noch nötig sei. Auf diese Lüge gestützt, haben sich die drei Parteien, die Konservativen, Freikonservativen und Nationalliberalen zusammengethan, um uns zu bekämpfen. Diese Vereinigung hat auch gegen uns gekämpft; also können auch wir sie nur bekämpfen. Einen Kartellbruder können wir nimmermehr wählen. Unsere zweite Wahlparole, die eigentliche Windthorst'sche, ist: Die christliche Schule muß wiedererobert werden! Und warum? Erstens, weil wir sie bis zum Jahre 1872 hatten und man sie uns einfachhin genommen hat. Bis dahin war es Grundsatz, daß Staat und Kirche die Schule gemeinsam haben müßten; jetzt will sie der Staat allein haben, und selbst auf dem Gebiete des religiösen Unterrichts will der Staat die letzte, d. i. die entscheidende Stimme ab zugeben haben. Das ist doch unmöglich. Darum sagte Windthorst:„Wenn ich eine Wahlparole auszugeben hätte, so wäre es diese:„Die christliche Schule muß wiedererobert werden! Da sollten alle Väter mitgehen und die Mütter sollten auch mitgehen, denn die sind immer besser als die Männer.“ Zweitens kann die Arbeitergefahr nur durch die christliche Schule wieder beschworen werden, denn nur in der christlichen Schule lernen die Arbeiter und Arbeitgeber religiös sein. Die Gefahr der Arbeiterfrage ist aber gerade die, daß dem Volke die wahre Religiösität entschwindet. Mit Recht sagte darum auch der Rechtsanwalt Carl Trimborn auf dem Kölner Tage:„Wer uns die gute, alte, konfessionelle Volksschule wiedergiebt, ist der größte Wohlthäter des Vaterlandes!“ Unsere dritte Wahlparole ist Bekämpfung der Socialdemokratie, aber nicht auf dem Wege der Ausnahmegesetze, die wir als eine Beeinträchtigung der Bürgerrechte und Bürgerfreiheiten verdammen, sondern auf dem Boden des Christentums durch eine gute Arbeitergesetzgebung. Dieser Parole zu folgen wird uns leicht; scheint doch unser Kaiser selbst uns hierin voranzugehen. Nicht umsonst hat er in seiner letzten Thronrede das Wohl der Arbeiter als eine seiner ersten Sorgen bezeichnet und gesagt, daß da noch Vieles zu thun sei. Den Worten hat er ja schon die That folgen lassen, indem er einen eigenen Minister für den Handel und das Gewerbe in der Person des bisherigen Oberpräsidenten unserer Rheinprovinz, des Freiherrn von Berlepsch, ernannte und diesem auch die Verwaltung der Bergwerke übergeben will. (Ferner durch die beiden Erlasse in dieser Nr. D. Red.) Dadurch hat er die Wichtigkeit der Arbeiterfrage in den Vordergrund gestellt und die Lösung derselben Händen anvertraut, die den Arbeiterschutz— so hoffen wir— rascher fördern werden, als dies der Reichskanzler aus einer unüberwindlichen Abneigung gegen denselben bis jetzt gethan hat. Aber unser Centrumsführer erließ auch sehr zeitgemäße Warnungen an die Arbeiter. Er mahnte sie zur Geduld, da sich nicht Alles auf einmal erreichen läßt. Er warnte sie vor Ungesetzlichkeiten und riet ihnen, zuerst den Weg gütlicher Vereinbarung mit den Arbeitgebern bis aufs Aeußerste zu versuchen. Nur in gemeinsamer Arbeit der Arbeitgeber und der Arbeiter liegt ja deren gemeinsames Heil. Windthorst warnte die Arbeiter vor den Hetzen der Socialdemokratie, welche stark im Niederreißen, gar schwach aber im Aufbaurn sei und den Boden des Cristentums verlassen habe. Das Eentrum werde sich ihrer und besonders der Handwerker, wie schon bisher, annehmen, aber es werde auch frei wie nach oben, so auch nach unten die Wahrheit sagen, welch' letzteres heutzutage wohl schon gefährlicher sei. Liebe Freunde! Christliche Arbeiter! Gefällt Euch diese dreifache Wahlparole? Ich denke, sie muß Euch gefallen. Wohlan denn, folgen wir ihr und wählen wir am 20. Februar auf diese Parole hin unsern Centrumskandidaten! Alle Mann an Bord! Wir wollen uns nicht der Wahl enthalten; denn wir wollen nicht eine Politik befolgen, die Windthorst mit Recht so treffend kurz und gut die Schlafmützenpolitik genannt hat! Nein, Schlafmützen wollen wir katholische Arbeiter nicht sein! Aber wir lassen uns auch die Schlafmütze nicht von Anderen über die Ohren ziehen, nicht von den Kartellbrüdern und nicht von den Socialdemokraten; darum wählen wir Alle gegen sie für's Centrum! So, nun habe ich wieder meine Pflicht und Schuldigkeit gethan; denn ich möchte mir nicht den Vorwurf machen lassen, daß ich es in dieser Zeit der Wahlvorbereitung an etwas hierin habe fehlen lassen; denn der Rechtsanwalt Trimborn hat es in Köln gesagt— und ich beziehe das auch auf mich—:„Gott wird uns auch einmal fragen: Hast Du Dein politisches Talent gebraucht? Hast Du es verdoppelt, indem Du zu deinem Nächsten gingst und ihn daran Teil nehmen ließest?“ Wohlan denn; ich habe für die Wahlen, Euch, liebe Freunde, hinlänglich ermuntert. Nun thut auch Ihr das Eurige! Wollt Ihr nun noch Neuigkeiten aus der letzten Woche? Ich gestehe Euch aufrichtig: ich weiß diese Woche keine von irgend welcher Bedeutung zu nennen, es seien denn solche, die sich wieder auf die Wahlen beziehen und das sind die folgenden: In Essen haben die Bergleute beschlossen, an ihrer übertriebenen Forderung: 50 prozentige Lohnhöhung, festzuhalten: Wer den Bogen zu straff spannt, läuft Gefahr, daß er ihm in der Hand platzt. Die Bochumer haben sich nun auf den christlichen Arbeiterkandidaten, den Bergmann Bringenwald geeinigt, für den nun auch das Centrum eintreten kann. Im Wahlkreis Ottweiler= St. Wendel=Meisenheim ist der Kandidat des Centrums, und wohl auch der katholischen Arbeiter, Kaplan Dasbach aus Trier; im Saarbrücker Wahlkreis Kandidat ein katholischer Arbeiter u. s. w. Im Saarrevier ist aber die Sozialdemokratie stark hinter den Arbeitern, indem sie denselben einzureden sucht, für ArbeiterWortführer zu stimmen, die thatsächlich im Banne der Sozialdemokratie stehen. Ueberall ist ersichtlich, daß gerade in der Arbeiterwelt jetzt die Partei der christlichen, ordnungsliebenden Arbeiter mit den socialdemokratischen, auf Störung des Friedens ausgehenden Elementen im Kampfe ist. Dieser Kampf wird ausgefochten werden müssen. Mögen unsere katholischen Arbeiter nur auf der Stelle sein! Mit diesem Wunsche empfehle ich mich von Euch für dieses Mal und lade Euch recht zahlreich zur nächsten Feierstunde, der letzten vor den Wahlen, ein. Es wird da Manches und zwar Wichtiges zu besprechen sein. Ich entlasse Euch für hente mit der frohen Versicherung, daß ich glaube, das Centrum werde aus dem Wahlkampfe in alter Stärke hervorgehen und das Kartell werde nicht mehr in seiner alten Mehrheit wiederkehren. Wir können mit Mut in den Kampf ziehen und morgen trotz aller Wahlkämpfe in Frieden unseren Sonntag als Ruhe= und Gottestag feiern. — Die Ziehungen der 182. Kgl. Preußischen Klassenlotterie finden wie folgt statt: Die Ziehung der 1. Klasse am 8. April, der 2. am 6. Mai, der 3. am 16. Juni und der 4. am 22. Juli l. I. Die Erneuerung der Lose muß bei Verlust des Anrechts planmäßig zu den nachbenannten Tagen und zwar zur ersten bis 17. Februar, zur 2. bis 2. Mai, zur 3. bis 12. Juni und zur 4. bis 18. Juli, jedesmal bis abends 6 Uhr erfolgen. Nicht rechtzeitig eingelöste Lose können von den Königl. Lotterieeinnehmern auf grund des Lotterieplanes nach freier Verfügung anderweitig verkauft werden. Wickrath, 5. Febr. Die Ziehung der Wickrather= Krankenhaus=Bau=Lotterie ist auf den 1. April d. I. verschoben worden. Marmen. 6. Febr. Bei den Ausschachtungsarbeiten für eine neue Straße vom Exerzierplatz zum Ostersbaum fanden, wie die„Wupp. Vbl.“ mitteilen, gestern Nachmittag Arbeiter das Skelett eines vollständig verwesten Menschen nur etwa ½ Meter tief unter der Erdoberfläche vergraben. Der Knochenbau fiel beim Lösen in sich zusammen und mußte in einem Sack fortgetragen werden. Man glaubt, das hier ein Verbrechen vorliegt, und daß die Knochenüberreste die eines vor etwa 14 Jahren plötzlich verschwundenen Webers sind, der eines Sonntags einen Freund am Ostersbaum besucht hatte und, seinen Rückweg über den Exerzierplatz nehmend, nicht wieder in seine am Höchsten gelegene Wohnung urückkehrte. Damals angestellte Ermittelungen hatten einen Erfolg. Cleve, 6. Febr. Vor einiger Zeit wurden hier und in der Umgegend Zettel abergläubischen Inhalts, sogen. Himmelsbriefe, verbreitet. Ein Teil dieser Zettel giebt zu unserm nicht geringen Erstaunen als Drucker an: W. Startz in Cleve. Dieser Herr ist Herausgeber des Kreisblattes. Der„Volksfreund“ sowie die hiesige Geistlichkeit haben gleich beim Auftauchen der Traktätchen davor gewarnt. Andere scheinen die Volksverdummung als Nebengeschäft zu betreiben. Köln, 6. Febr. Der Rheinisch=Westfälische Roheisenverband hat einstimmig beschlossen, an den bisherigen Preisen festzuhalten, angesichts der hohen Kokespreise und des die Produktion übersteigenden Absatzes sowie der geringen Vorräte der Hochofenwerke. Köln, 6. Febr. In der Versammlung der westdeutschen Papierfabrikanten, welche gestern im„Römer“. hierselbst stattfand, wurde beschlossen, angesichts der Steigerung, welche die Preise der Kohlen, der Rohstoffe, Materialien und Chemikalien erfahren haben, eine entsprechende Erhöhung der Papierpreise sofort eintreten zu lassen. Zur Warung der gemeinsamen Interessen wurde eine Vereinigung gebildet, welcher die Mehrzahl der Anwesenden beitrat. Bonn, 4. Febr. Drei Corpsstudenten der hiesigen Universität wurden wegen Herausforderung zum Zweikampf zu je einer Woche Haft verurteilt. Wittlich, 6. Febr. Im hiesigen Kreise sind neben der Unfallversicherung noch eigene landwirtschaftliche Krankenkassen eingerichtet worden, welche sich gut zu bewähren scheinen. Während bei landwirtschaftlichen Unfällen die Unfallversicherung erst nach 13 Wochen beginnt, gewähren die Krankenkassen sofort eine Entschädigung. Außer freier ärztlicher Behandlung und Arznei werden täglich für jeden Kranken noch aus den betreffenden Kassen 60 Pfg. gewährt. (Einen boshaften Scherz) hat sich eine socialdemokratische Wähler=Versammlung für den fünften Berliner Wahlkreis geleistet, indem sie einstimmig beschloß, eine Petition sämtlicher Arbeitslosen an den Minister Herrfurth zu veranlassen, mit der Aufforderung, ihnen Arbeit zu verschaffen. Sie wären Socialdemokraten und wollten gern arbeiten, wenn sie nur Arbeit fänden. Dieser Beschluß bezieht sich auf die bekannte Aeußerung des Ministers, daß die Socialdemokraten diejenigen Arbeiter vertreten, welche nicht arbeiten wollen. (Der Kirchenvorstand von Itzehoe) hat der „Kieler Ztg.“ zufolge folgenden Beschluß gefaßt:„In Anlaß eines in kurzer Zeit bereits zweimal vorgekommenen Vorfalles, daß die Ausgrabung einer erst vor kurzem beerdigten Leiche von den Angehörigen beantragt ist, weil versehentlich die Leiche mit Wäschestücken, in denen noch Namenszüge oder Buchstaben sich befunden haben, bekleidet gewesen, beschließt der Kirchenvorstand, daß ähnlichen Anträgen mit der nämlichen Begründung nicht mehr stattgegeben werden soll.“ Im Volke lebt dort nämlich noch der Aberglaube, daß der Tote keine Ruhe im Grabe habe, wenn nicht vorher die Namenszüge aus der Wäsche herausgeschnitten worden sind. London, 6. Febr. Heute Morgen fand eine Explosion von schlagendem Wetter in der Kohlengrube Abersychan in der Nähe von Newport in Süd=Wales statt. Alle Verbindung mit der Grube ist abgeschnitten, in welcher sich ungefähr 300 Arbeiter befinden. London. 6. Febr. Bis 2 Uhr heute Nachmittag wurden 40 Leichen in der Grube Abersychan aufgefunden. Sichere Kur. Patient:„Herr Doktor! Ich bin gestern auf einem Ort gewesen und weiß nimmer wo, und da ist mir auf einmal worden, ich weiß nicht wie, und jetzt thut's mir so weh, ich weiß nicht wo.“— Doktor:„Lieber Freund! So schicken Sie in die Apotheke, und kaufen Sie, ich weiß nicht was, und nehmen es ein, ich weiß nicht wie, so werden Sie gesund, ich weiß nicht wann.“ „A Radi war mia liaba!“ ist eine Redensart, die man oft im Munde der Münchener findet; aber nicht alle kennen ihren Ursprung. Als König Otto den griechischen Thron bestiegen hatte, verfehlte König Ludwig I. von Bayern nicht, seinem Sohne in dem Lande, das er so oft als Dichter besungen, einen Besuch abzustatten. Während seines Aufenthaltes in Athen pflegte der bayerische König ohne jegliche Begleitung jeden Morgen einen Spaziergang um die Stadt zu machen. Auf einem dieser Spaziergänge sah er einst einen Soldaten der bayerischen Okkupationstruppen(welche nach Errichtung des neuen Königreiches noch einige Jahre in Griechenland stationiert waren) mit einer Orange in der Hand. Der König, welcher an jenem Tage in besonders heiterer Laune war, trat auf den Soldaten zu:„Welch' eine schöne Orange hast Du da, mein Sohn. Hier zu Lande sind sie billiger wie in München. Habe ich nicht recht gethan, euch nach Griechenland zu schicken?"—„Majestät," erwiderte der Soldat, gedankenvoll den Kopf schüttelnd,„a Radia war mia liaba.“ Ein Rettig wäre mir lieber. Student der Chemie. Ich, als bemostes Haupt, Ad oculos behaupt“: Es ist fürwahr nicht wahr, Daß Elemente nicht wandelbar: „Was Silber in der Tasche, Ward Gold in der Flasche; Was Gold war im Glase, Ward Kupfer an der Nase!“ (Eingesandt.) M. Gladbach=Land. 7. Febr. Der vor kurzem in's Leben getretene Gesangverein „Gungerbund“ zu Dahl(Dirigent Derr Johann Hansen) veranstaltete am verflossenen Sonntage im Saale der Witwe Jos. Giesen daselbst ein Konzert, welches eines regeren Besuches bedurfte. Aus dem ziemlich gutgewählten Programm konnte man ersehen, daß der Verein sich alle Mühe gegeben, dem anwesenden Publikum, besonders den Gesanges=Liebhabern, gerecht zu werden. Möge der Verein fortwährend bestrebt sein, der edlen Gesangeskunst ein warmes Interesse zu widmen, dann wird unter der tüchtigen Leitung seines Dirigenten für spätere öffentliche Feste ein volleres Haus zu erwarten sein. Ein späteres gut besuchtes Ballkränzchen hielt die Anwesenden noch einige Stunden in fröhlicher Stimmung beisammen.-8. Cirkus In dieser Woche bildete der Glanzpunkt in der Abendvorstellung die Aufführung des großen romantischen Ausstattungsstückes:„Alyatar, oder: Der Stern von Granada." Was hierbei an Kostümpracht geboten wird, übersteigt alles bisher Dagewesene. Daß dieses Ausstattungsstück dem Publikum sehr gefällt, beweist der gute Besuch des Cirkus auch an Wochentagen. Wir müssen gestehen, daß die Direktion mit der Inscenierung dieses Stückes einen„guten Griff“ gethan hat, denn zur Inaugenscheinnahme desselben können wir jederzeit empfehlen, da das Gefühl des Einzelnen wie dasjenige einer Religionsgesellschaft nicht in Frage gestellt wird, wie es bei der Aufführung der„Bauernhochzeit auf der Pusta“ der Fall war. Kirchliches. Gottesdienstordnung. Sonntag, den 9. Februar. (Nach uns gemachter Mitteilung.) M. Gladbach. Pfarrkirche. Morgens ½6 Uhr: hl. Lesemesse. 6 Uhr: Hochamt mit Predigt. 7 und 8 Uhr: hh. Lesemessen. 9 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2 Uhr: Herz=Jesu=Andacht mit Christenlehre. Morgen geht die zweite Abteilung der älteren Mädchen zur gemeinschaftlichen hl. Kommunion. Münsterkirche. Morgens ½7 Uhr: hl. Lesemesse. ½8 Uhr: h. Lesemesse mit Predigt. 9 Uhr: h. Lesemesse mit christlichem Unterricht. ½11 Uhr: h. Lesemesse mit Predigt. Nachmittags 4 Uhr: Komplet. Marienkirche im Eicken. Morgens ½7 Uhr: Frühmesse. 8 Uhr: hl. Lesemesse mit gemeinschaftlicher h. Kommunion der älteren Knaben und Mädchen. ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags ½3 Uhr: KommunionAndacht mit Christenlehre. 5 Uhr: Andacht in allgemeinen Nöten und Anliegen um Bewahrung von ansteckender Krankheit(nach Gebetbuch für die Erzdiözese Köln S. 396). Freitag, abends ½7 Uhr: Gestiftete Kreuzweg=Andacht. Samstag, abends ½7 Uhr: SalveAndacht. Nächsten Sonntag gehen die jüngeren Knaben und Mädchen zur hl. Kommunion. Neuwerk. Sonntag. den 9. Februar.(Sexag.) Morgens ½7 Uhr: erste h. Messe mit Predigt und gemeinschaftl. hl. Kommunion der Mädchen. 8¼ Uhr: zweite h. Messe. 10 Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags ½2 Uhr: Christenlehre für die kleineren Kinder. ½3 Uhr: Christenlehrpredigt und sakram. Andacht. Nach der Andacht Versammlung der marianischen Kongregation. Am nächsten Sonntag gemeinschaftliche h. Kommunion der Knaben. Rheindahlen. Sonntag, den 9. Februar: Morgens 6½ Uhr: h. Messe mit Predigt. 8 Uhr: h. Messe. 10 Uhr: Hochamt. Nachmittags 2 Uhr: Bruderschafts=Andacht von der immerwährenden Hülfe. 5 Uhr: Stations=Andacht. Freitag, den 14. Februar: Nachmittags 4½ Uhr: Gestiftete Andacht für die armen Seelen im Fegfeuer. Kleinenbroich. Morgens 7 Uhr: Frühmesse. 9½ Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags 2 Uhr: christlicher Unterricht und Andacht. Corschenbroich. Sonntaa, den 9. Februar: Morgens 6½2 Uhr: erste hl. Messe. 7½ Uhr: zweite hl. Messe mit Predigt. 10 Uhr: Hochamt. Nachmittags 2½ Uhr: RosenkranzAndacht mit Predigt, in Verbindung damit die Andacht zum h. Herzen Jesu. Büttgen. Sonntaa, den 9. Februar: Erste h. Messe mit Predigt 7 Uhr. Das Hochamt mit Predigt um ½10 Uhr. Nachmittags 2 Uhr: Christenlehre und Andacht der St. Michaels=Bruderschaft. Dülken. Sonntaa, den 9. Februar: 6 Uhr hl. Messe. 7 Uhr hl. Messe. 8 Uhr hl. Messe. 9 Uhr hl. Messe. ½11 Uhr Hochamt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre. Vereins=Nachrichten. Für den Gesellenverein findet Sonntag Morgen 10½ Uhr Gesanavrobe und abends 8 Uhr Versammlung mit Vortraa des Dekorationsmalers Herrn Groß statt. Verein junger Arbeiter. 10½ Uhr: Unterricht. Nachmittags 5 Uhr Versammlung und gemütliche Unterhaltung, wozu die Ehrenmitglieder, Eltern und Meister rc. der Mitglieder eingeladen sind. Fruchtpreise zu Neuß am 7. Februar M. Pf. Weizen, neuer, à 100 Kilo.: Qualitar Landroggen, neuer, à 100 Kilo g: Qualitht 1S 30 Gerste à 100 Kilo Pinter. Sommer=—— Buchweizen à 100 Kilo 15— Haser, alter, à 100 Kilo—— „ neuer, à 100 Kilo 15 50 Rübsen(Aveel) a 100 Kilo—— Raps à 100 Kilo—— Kartoffeln 6— Heu à 500 Kilo 30— Stroh à 500 Kilo 21— Rüböl à 100 Kilo in Partieen von 100 Ctr.: 69 50 Rüböl à 100 Kilo faßweise 71— Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Mark höher als Rüböl. Preßkuchen à 1000 Kilo 120— Weizen=Vorschuß 00 à 100 Kilo—— Kleien à 50 Kilo 5— Linnich, 6. Febr. Der nachste Viehmarkt findet hierselbst am Dienstag, den 11. d. Mts., statt. Bremen, 6. Februar. Petroleum.(Schlußbericht.) Standard white loco 6,80 bez. Antwerpen, 6. Februar. Petroleum.(Schlußbericht.) Raffiniertes, Type weiß loco 16 7/8 bez., 17 Br., per Februar— bez., 16 7/8 Br., per März 17 Br., per September=Dezember 18 Br. Bekanntmachung. Gemäß§ 8 des zur Ausführung des Wahlgesetzes für den Reichstag vom 31. Mai 1869 erlassenen Reglements vom 28. Mai 1870 werden nachstehend die Abgrenzungen der Wahlbezirke, die Namen der Wahlvorsteher, der Stellvertreter und die Wahllokale für die ländlichen Bürgermeistereien des Kreises zur öffentlichen Kenntnis gebrach. Durch Allerhöchste Verordnung vom 8. d. M. ist der Termin zur Vornahme der Reichstagswahlen auf Donnerstag, den 20. Febr. c., festgesetzt worden. Die Wahlverhandlung beginnt um 10 Uhr vormittags und wird 6 Uhr nachmittags geschlossen. 1. Wahlbezirk: Die ganze Spezialgemeinde Corschenbroich mit 3161 Seelen. Wahlvorsteher: Bürgermeister Teitscheid; Stellvertreter: Beigeordneter Karl Bolten. Wahllokal: GemeindeBureau zu Corschenbroich. 2. Wahlbezirk: von der Spezial=Gemeinde Giesenkirchen die Ortschaften: Giesenkirchen Dorf, Ahren, Junker, Trimpelshütte und Stähn mit 1763 Seelen. Wahlvorsteher: Stellvertretender Gemeindevorsteher Joseph Biermanns zu Giesenkirchen; Stellvertreter: Kommunalempfänger Lorenz Speckmann zu Giesenkirchen. Wahllokal: Schule, Zimmer Nr. 1, zu Giesenkirchen. 3. Wahlbezirr: von der Spezial=Gemeinde Giesenkirchen die Ortschaften: Zoppenbroich, Bahner, Blaffert, Biesel, Schroedt, Tackhütte, Hütz, Eiger, Högden, Ruckes, Puttschen, Meerkamp, Baueshütte und Puffkohlen mit 1758 Seelen. Wahlvorsteher: Gemeindeverordneter Heinrich Greven zu Zoppenbroich; Stellvertreter: Lehrer Joh. Heffels zu Meerkamp. Wahllokal: Schule, Zimmer Nr. 1, zu Meerkamp. 4. Wahlbezirk: von der Bürgermeisterei Gladbach=Land die Ortschaften: Dahl, Dahl=Landwehr, Ohler, Bohmerkamp, Bahnhof Speick, BahnFraße, Fringskirchweg, Dahlenerstraße, Holt bis inkl. Haus Nr. 60 mit 2141 Seelen. Wahlvorsteher: Gemeindeverordneter Mathias Ohler zu Ohler. Stellvertreter: Ackerer Peter Gingter zu Ohler. Wahllokal: Wirtschaft von Adolf Vexbrüggen zu Bahnstraße. „Wahlbezirr: von der Bürgermeisterei Gladbach= Land die OrtHol von Haus Nr. 61, Hehn, Rönneter, Poeth, Beltinghoven, und Hamern mit 2650 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter und Ackerer Ad. Mooßen zu Rönneter; Stellvertreter: Ackerer Heinrich Commes zu Rönneter. Wahllokal: Wirtschaft von Ludwig Schleuter zu Pocth. 6. Wahlbezirt: von der Bürgermeisterei Gladbach= Land die Ortschaften: Waldhausen, Windberg, Großheide, Viersenerstraße, Waldhausenerhöhe, Hehnerkirchweg, Lindenstraße und Maarweg mit 2456 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter und Gutsbesitzer Ad. Ebels zu Windberg; Stellvertreter: Gemeindeverordneter und Ackerer Konrad Schippers zu Windberg. Wahllokal: Wirtschaft von Witwe Gerh. Lennartz zu Waldhausen. 7. Wahlbezirk: die ganze Bürgermeisterei Hardt mit 2515 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter und Ackerer Franz Joseph Hillers; Stellvertreter: Beigeordneter und Ackerer Peter Auf der Heiden. Wahllokal: Wirtschaft von Johann Heinr. Bolten. 8. Wahlbezirk: die ganze Gemeinde Kleinenbroich mit 1870 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter Joh. Birkmann; Stellvertreter: Beigeordneter Theodor Ruckes. Wahllokal: Gemeindebureau Kleinenbroich. 9. Wahlbezirk: die ganze Gemeinde Liedberg mit 1386 Seelen. Wahlvorsteher: Erster Beigeordneter Herm. Jos. Lenders; Stellvertreter: Gemeindevorsteher Heinrich Bongartz. Wahllokal: Gemeindebureau zu Liedberg. 10. Wahlbezirk: die ganze Gemeinde Neersen mit 2640 Seelen. Wahlvorsteher: Bürgermeister Eugen Nicodem; Stellvertreter: Beigeordneter Stephan Schelges. Wahllokal: Mädchenschule in Neersen. 11. Wahlbezirk: von der Bürgermeisterei Neuwerk die Ortschaften: Donk, Neersbroich, Damm, Neuwerk, Engelbleck, Uedding, Lürrip und Jakobshöhe mit 2849 Seelen. Wahlvorsteher: Bürgermeister Werner Breuer zu Damm=Neuwerk; Stellvertreter: Beigeordneter und Ackerer Adam Hauser zu Neersbroich. Wahllokal: Saal bei Witwe Heinrich Hansen zu Neuwerk am Markte. 12. Wahlbezirk: von der Bürgermeisterei Neuwerk die Ortschaften: Bettrath mit Lockhütte, Hoven, Eicken und Dünn mit 2899 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter und Ackerer Wilhelm Krins zu Dünn; Stellvertreter: Gemeindeverordneter und Gutsbesitzer Konrad Hommels zu Bettrath. Wahllokal: Saal von Hermann Neuenhofer zu Bettrath. 13. Wahlbezirk: die ganze Spezial=Gemeinde Pesch mit 772 Seelen. Wahlvorsteher: Gemeindevorsteher Heinrich Gens; Stellvertreter: Gemeinderatsmitglied Michael Esser. Wahllokal: Wirtschaft von Witwe Joseph Metz zu Pesch. 14. Wahlbezirk: die ganze Gemeinde Schelsen mit 1443 Seelen. Wahlvorsteher: Beigeordneter Peter Roehlen zu Looshof; Stellvertreter: Gemeindevorsteher Gottfried Kremer zu Schelsen. Wahllokal: katholische Schule, Zimmer Nr. 1, zu Schelsen. 15. Wahlbezirk: die ganze Bürgermeisterei Schiefbahn mit 2851 Seelen. Wahlvorsteher: Erster Beigeordneter Johann Ditges; Stellvertreter: Zweiter Beigeordneter August Leven. Wahllokal: Wirtschaft von Mathias Menzen. Die Herren Bürgermeister der Stadt= und Landgemeinden ersuche ich ergebenst, jedem Wahlvorsteher noch ausdrücklich mitzuteilen, daß der Herr Oberbürgermeister Kaifer hierselbst zum Wahlkommissar für die Reichstagswahl ernannt worden ist. M.Gladbach, den 29. Jan. 1890. Königliche Landrat, Schmitz. Bekanntmachung. Die Aufnahme der Militär=Reklamationen für die diesjährige ErsatzAushebung findet für die Ortschaften Dahl, Dahl=Landwehr, Ohler, Bahnstraße, Fringskirchweg, Dahlenerstraße, Waldhausenerhöhe, Holt und Hehn am Mittwoch, den 26. d. Mts., vormittags, und für die übrigen Ortschaften der Bürgermeisterei am 27. d. Mts., vormittags, auf dem hiesigen Bürgermeisteramte statt. Die Eltern der zu Reklamierenden haben sich in diesem Termin in Begleitung dreier Familienväter, deren Söhne sich im aktiven Dienste befinden oder bei der diesjährigen Aushebung konkurrieren, sowie mit ihren Staatssteuerzetteln und etwaigen Schulddokumenten versehen, hier einzufinden. M.Gladbach=Land, 5. Febr. 1890. Bürgermeister, Pabst. Bekanntmachung. Die Aufnahme der Militär=Reklamationen für die diesjährige ErsatzAushebung findet am Dienstag, den 25. d. Mts., nachmittags 2 Uhr, auf dem hiesigen Bürgermeisteramte statt. Die Eltern der zu Reklamierenden haben sich in diesem Termin in Begleitung dreier Familienväter, deren Söhne sich im aktiven Dienst befinden oder bei der diesjährigen Aushebung konkurrieren, sowie mit ihren Staatssteuerzetteln und etwaigen Schulddokumenten versehen, hier einzufinden. Hardt, den 5. Februar 1890. Der Bürgermeister, Pabst. Zwei erfahrene Schuhmachergesellen gesucht von 306 Heinrich Ohlig, Heiden bei Rheydt. Ein angehender(11 SchmiedeGeselle auf dauernde Beschäftigung für sofort gesucht von Anton Bouus, Schmiedemeister, Dülken. Ein Dienstmädchen per sofort gesucht(294 Crefelderstraße 240. Ein älteres erfahrenes Mädchen sucht 301 Kunden im Waschen und Bügeln außer dem Hause, sowie zur Aushülfe im Kochen. Näheres Waldhausenerstraße 129. Vollständiges ganz neu, abzugeben bei 312 Wwe. Peter Schrörs, Viersen, Hauptstraße. Ein Garten, in Dülken gelegen, Grabenstraße, 110 Fuß Front, zu Baustellen geeignet, unter günstigen Bedingungen zu kaufen. Näheres bei Wilh. Bollen, Dülken. Billigste Bezugsquelle für solide Schuhwaren. Peter Hintzen, Mühlenstraße 60. 134 Ein schwarz=brauner zugelaufen.— Gegen Erstattung der Einrückungsgebühren und Futterkosten abzuholen(320 Poeth Nr. 1. Für Zahnleidende! C. Thiele, Zahnartistisches Institut, M. Gladbach, Albertusstraße 5. 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Februar) Vormittag punkt 11 des Kölner Gürzenich betrat, fand denselben in Warte, bs au den lesten Blaz, besetzt., Kof sende dicht nebeneinander, auch Angehörige and indeß keinerlei Ruhestörung veranlaßten. Staatsr horst war mit gewohnter Pünktlichkeit an der Centrumsführer erschienen, von der Versammlung „Thrsfozsel georhneter Ed. Fuchs eröffn kurz nach 11 Uhr im Namen des Local=Comit sinnungsgenossen und Freunde herzlich willkomn Gesinnungsgenossen, die er nach rheinischer Sitte ##langs nicht das Gegentheil bewiesen Die letzte Reichstagswahl stand unter dem Zei wahlen, der rothen Hosen, Baracken, des Melinit furcht, und der damals gewählte Reichstag war in product:. Nachdem solche Mittel damals so gut Aehnliches auch heute erwarten können. Indeß dem geschehen, noch keine Parole ist eingetroffen, nun auf ihre. eigenen Witz angewiesen, eine Wahlparole wieder ausgraben: gegen Windtho berger.(Heiterkeit.) Was uns angeht, so ist de horst, wenn er angeschlagen wird, stets siegreich (Bravo!), und auch heute wollen wir unsere Geg dgrüber im Zweifel lassen, daß hinter Windthorf 16 Millionen Katholiken Deutschlands stehen.(S Wir haben zwar keine Ursache, uns mit Rick klären, aber wir schätzen an ihm den Brustton de Parole„gegen Grillenberger“ ist zunächst nicht se cial=Demokratie eine weitere Entwickelung und Verwandte des falschen Liberalismus ist, aber audie Social=Demokratie mit dem National=Libe wollen, heißt den Teufel durch Belzebub austreibe die Social=Demokratie in gegenwärtiger Zeit diee ist zum Theil auch eine Frucht des 20 Jahre 1 und deshalb muß man auch für das Anwachse kratie die Partei des Culturkampfes zunächst (Sehr richtig!) Unsere Aufgabe ist nicht, nach wir wollen im Gegentheil hoffen, daß das Soc begraben sein werde. Der h. Vater hat in sein uns ein wesentliches Mittel angegeben, welches Social=Demokratie von durchgreifender Wirkun Christenthum, Umgestaltung der Gesellschaft nach selben. Damit hat er auch das Programm unserer Niemals gab es eine Zeit, wo höhere Anfor trumspartei gestellt worden als im gegenwärti wenn sie noch nicht bestände, müßte sie erfunden denn sie ist die einzige wirksame Partei gege fahr, welche über Staat und Kirche heraufzieht hafter Beifall.) Halten wir daher fest zusammen fernerhin mannhaft ein für unsere ewigen, unab für Wahrheit, Freiheit und Recht.(Anhaltende tritt in die Verhandlungen schlage ich der Versam vor die HH. Justizrath Biesenbach und Graf K fall.) Ich bitte die Herren, den Vorsitz zu übern Rechtsanwalt Biesenbach. Groß ist die Ehr wird, aber auch groß das Gefühl der Verantwort ist. Wer wollte die hervorragende Bedeutung unse lung verkennen? In ihr äußert sich der Pulssch vinz und die Herzensmeinung eines Drittels des hier beschlossen wird, dringt hinaus in das ganz fentlich am 20. Februar umgesetzt in die That,: entschlossen sind, von dem Thurm des Centrum bröckeln zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Es ist schon gesagt worden, daß kein Stichwort kennzeichnet, keine Verleumdungen, keine Schrecka Lage; dennoch fühlt ein Jeder, daß die deutsche einer großen Entscheidung steht. In frühern I nur einzelne Fragen allmälig ausgekämpft, und di gab einem ganzen Jahrhundert die Signatur. Ir sind alle Fragen auf religiösem, politischem und Entscheidung entgegengereift, und die Einsichtige daß unser Jayrhundert vielleicht nicht vorüber a artige Katastrophen.(Sehr richtig!) Vor dem Eintreten in die Verhandlungen wollen aussprechen gegen die Vertreter der staatlichen un gegen welche der Kampf gerichtet ist und zu der Centrum mit seiner ganzen Kraft eintritt.(Bravo Siegreiche und Friedrich der Dulder sind dahinge ruht in der Hand des jugendlichen Kaisers Wilhel segnen und uns lange erhalten als Friedensfü eigentlicher Bedeutung.(Lebhaftes Bravo.) Auf! uti ein schwacher Greis, aber ein Hohepriester u Wortes. Seine Worte sind voll tiefer Wahrheit ihm wollen wir unsere unerschütterliche Ergebenhe as Bsiem gcis, mi et heinischer, treuer Gesinn und Kaiser Wilheim II. sollen leben hoch.(Die sich und stimmt begeistert in den Ruf ein.) Hr. Dr Roeckeraty. Wir Angehörige der 6 dies Mal die Cartell=Mehrheit beseitige sisen van V.:" I= Hauptsache nach zusammen Würtemberg, Baden und den vanzer, Pheiglan=, Westfalen und Schlesien. Wi aber leider Sa%srs autise lichunferm Programm angeschlosse gendes Intereste1 kut intellgenten Vrt Frag der Penzeise das Reich sta liete dem Scheu manhe eichsfeinde“ stehen wir wahklich nicht nach, und in der ronemem.gu se.r cuen(Bravol) Unserer ihre Rechte, und wollen jede6 unser“ Gean an spricht so. viel von unserer Auf nicht al e treiene.. gewähren, was wir erst la leugs s: agere Orden zurück haben, auch d geben un we ersamkeit unserer Kirche nicht v Acbeiter(Prapa) Pair gug— sorgen weich.. Diar müssen auch für dieseni, den Wiechsel der Mieazosstand ernau; gerade beiem Sagt f der Khutpau poltik, die gröbten versorbener Michirenn ans gemacht worden; u Wie michte Pumzgg Eduard Schmitz bat de niedhermn Stäns ener den Menschen als Mensch Um die Ausaah diges Dasein sie beseitigen, Sie eneseuu en müssen wird wahrheit: die Hungr durch eme Täuschung des won ds dosbhen de iun wote das Reicg wehele Priesters jenseite de amontanen; als vaterl. Rebellen gegen den Faueg verdächtigte, nann ale Ersazensme Pe und haue eine Men seshgeslegen. aher wahelch nicht gnne ur go hat de eitgsanot der Mäitanrsgug g ari Wehr des Baterl Wettkampf der Mi Grenze finden? Wohin Weg zum Park,iurmächte führen? Das ist Saschese els e esesteche a gewaltige Oote dn Missionaren Schwierigkeitel ## den, Celonteen. Das können wir nicht dulden wie sse dum Bergar Schmach inr. Praararier— seand im vorigen Ja Schmach für Deutschland.(Sehr richtig). Eine züchten. Die Roh— hoshe Zasimmune deu Peshraden Kntzel Enschedung sasse der bieberigen Mehrheit ist d wir die Arbeit u. scuuruch in den zweifelhaften einen Nationalo:.7. Früher sggten wir: Un Smmnen ve g deu;: Reimn Mitglied dem Sag“ten zum Gaudium ihrer Gegner ange könnten wir niche a. S.“ ergen Engel, der zum konnten wir nicht brauchen. Kommen mehr Fr Schaden. und den Social=Demokraten h „oas dritte Dutzend“ gegönnt. Fort mit Das müssen wir am 20. Februar erreichen.(Le Rechtsanwalt Karl Trimborn. Kurz vor! den Blick entschlossen auf den Feind! Den Hauptgegi gekennzeichnet. In einer Zeit des Cäsarismus u müssen wir doppelt eifersüchtig wachen über die deshald gegen die Mehrheit, die uns Septennat Legislaturperiode bescheerte! Aber deshalb dürfe fahr nicht übersehen,##e vor allem den moralisch Beilage zum„Gladbacher Merkur“. Rede Windthorst's und Bericht über den Partei-Tag der Rheinischen Centrumspartei im großen Gürzenich=Saale zu Köln am 2. Februar 1890. Wer gestern(2. Februar) Vormittag punkt 11 Uhr den großen Saal des Kölner Gürzenich betrat, fand denselben im wahren Sinne des Wortes bis auf den letzten Platz besetzt. Kopf an Kopf standen Tausende.. nebeneinander, auch Angehörige anderer Parteien, welche mdeß keinerlei Ruhestörung veranlaßten. Staatsminister a. D. Windthorft war mit gewohnter Pünktlichkeit an der Spitze der rheinischen Centrumsführer erschienen, von der Versammlung stürmisch begrüßt. Hr. Landtags=Abgeordneter Ed. Fuchs eröffnete die Versammlung kurz nach 11 Uhr im Namen des Local=Comité's und hieß alle Gesinnungsgenossen und Freunde herzlich willkommen; auch die NichtGesinnungsgenossen, die er nach rheinischer Sitte als anständige Gäste betrachte, so lange nicht das Gegentheil bewiesen werde.(Zustimmung.) Die letzte Reichstagswahl stand unter dem Zeichen der Septennatswahlen, der rothen Hosen, Baracken, des Melinits, der großen Kriegsfurcht, und der damals gewählte Reichstag war in der That ein„Angst„r#.... Nachdem solche Mittel damals so gut geholfen, hätte man Aehnliches auch heute erwarten können. Indeß bisher ist nichts von dem geschehen, noch keine Parole ist eingetroffen, so daß die Gegner, nun auf ihren eigenen Witz angewiesen, eine alte, herzlich schwache Wahlparole wieder ausgraben: gegen Windthorst. Richter, Grillenberger.(Heiterkeit.) Was uns angeht, so ist der Ruf gegen Windthorst, wenn er angeschlagen wird, stets siegreich für uns ausgeklungen (Bravo!), und auch heute wollen wir unsere Gegner keinen Augenblick darüber im Zweifel lassen, daß hinter Windthorst Schulter an Schulter 16 Millionen Katholiken Deutschlands stehen.(Stürmisches Bravo.) Wir haben zwar keine Ursache, uns mit Richter solidarisch zu erklären, aber wir schätzen an ihm den Brustton der Ueberzeugung. Die Parole„gegen Grillenberger“ ist zunächst nicht schön, da doch die Social=Demokratie eine weitere Entwickelung und in so fern eine nahe Verwandte des falschen Liberalismus ist, aber auch nicht praktisch, denn die Social=Demokratie mit dem National=Liberalismus besiegen zu wollen, heißt den Teufel durch Belzebub austreiben. Allerdings verdient die Social=Demokratie in gegenwärtiger Zeit die ernsteste Beachtung; sie ist zum Theil auch eine Frucht des 20 Jahre langen Culturkampfes, und deshalb muß man auch für das Anwachsen der Social=Demokratie die Partei des Culturkampfes zunächst verantwortlich machen. (Sehr richtig!) Unsere Aufgabe ist nicht, nach der Polizei zu rufen, wir wollen im Gegentheil hoffen, daß das Socialistengesetz endgültig begraben sein werde. Der h. Vater hat in seiner jüngsten Encyklica uns ein wesentliches Mittel angegeben, welches im Kampfe gegen die Social=Demokratie von durchgreifender Wirkung ist: Rückkehr zum Christenthum, Umgestaltung der Gesellschaft nach den Vorschriften desselben. Damit hat er auch das Programm unserer Partei ausgesprochen. Niemals gab es eine Zeit, wo höhere Anforderungen an die Centrumspartei gestellt worden als im gegenwärtigen Augenblicke, und wenn sie noch nicht bestände, müßte sie erfunden werden gerade jetzt, denn sie ist die einzige wirksame Partei gegen die drohende Gefahr, welche über Staat und Kirche heraufzieht.(Sehr richtig! Lebhafter Beifall.) Halten wir daher fest zusammen, und treten wir auch fernerhin mannhaft ein für unsere ewigen, unabänderlichen Grundsätze für Wahrheit, Freiheit und Recht.(Anhaltender Beifall.) Vor Eintritt in die Verhandlungen schlage ich der Versammlung als Vorsitzende vor die HH. Justizrath Biesenbach und Graf Hompesch=Rurich.(Beifall.) Ich bitte die Herren, den Vorsitz zu übernehmen. Rechtsanwalt Biesenbach. Groß ist die Ehre, welche mir erwiesen wird, aber auch groß das Gefühl der Verantwortung, die mir auferlegt ist. Wer wollte die hervorragende Bedeutung unserer heutigen Versammlung verkennen? In ihr äußert sich der Pulsschlag einer ganzen Provinz und die Herzensmeinung eines Drittels des ganzen Volkes. Was hier beschlossen wird, dringt hinaus in das ganze Reich und wird hoffentlich am 20. Februar umgesetzt in die That, zum Beweis, daß wir entschlossen sind, von dem Thurm des Centrums kein Steinchen abbröckeln zu lassen.(Lebhafter Beifall.) Es ist schon gesagt worden, daß kein Stichwort die heutige Situation kennzeichnet, keine Verleumdungen, keine Schreckgespenste bezeichnen die Lage; dennoch fühlt ein Jeder, daß die deutsche Nation am 20. d. vor einer großen Entscheidung steht. In frühern Jahrhunderten wurden nur einzelne Fragen allmälig ausgekämpft, und die Lösung einer solchen gab einem ganzen Jahrhundert die Signatur. In unserm Jahrhundert sind alle Fragen auf religiösem, politischem und socialem Gebiet der Entscheidung entgegengereift, und die Einsichtigen verhehlen sich nicht, daß unser Jahrhundert vielleicht nicht vorüber gehen werde ohne großartige Katastrophen.(Sehr richtig!) Vor dem Eintreten in die Verhandlungen wollen wir unsere Ergebenheit aussprechen gegen die Vertreter der staatlichen und kirchlichen Autorität, gegen welche der Kampf gerichtet ist und zu deren Vertheidigung das Centrum mit seiner ganzen Kraft eintritt.(Bravo!) Kaiser Wilhelm der Siegreiche und Friedrich der Dulder sind dahingeschieden, das Scepter ruht in der Hand des jugendlichen Kaisers Wilhelm II. Voll Vertrauen sehen die Katholiken zu dem neuen Herrscher empor. Möge Gott ihn segnen und uns lange erhalten als Friedensfürsten in des Wortes eigentlicher Bedeutung.(Lebhaftes Bravo.) Auf dem päpstlichen Stuhl sitzt ein schwacher Greis, aber ein Hohepriester im edelsten Sinne des Wortes. Seine Worte sind voll tiefer Wahrheit und Weisheit. Auch ihm wollen wir unsere unerschütterliche Ergebenheit aussprechen. Rufen „ m i t e c h t r h e i n i s c h e r, t r e u e r G e s i n n u n g: P a p s t L e o X I I I. und Kaiser Wilheim II. sollen leben hoch.(Die Versammlung erhebt sich und stimmt begeistert in den Ruf ein.) ... DDr. Noeckeraty. Wir Angehörige der Centrumspartei wollen dies Mal die Cartell=Mehrheit beseitigen. Die Centrumspartei setzt sich der Hauptsache nach zusammen aus den treuen Katholiken von Baiern, Würtemberg, Baden und den drei preußischen Provinzen Rheinland, Westfalen und Schlesien. Wir sind weit entfernt von confessioneller Abgeschlossenheit; aber leider haben nur wenige Andersgläubige sich unserm Programm angeschlossen. Die Partei recrutirt sich aus echt deutschen, rührigen, intelligenten Provinzen, die ein dringendes Interesse daran haben, daß das Reich stark und mächtig bleibt. Trotz der Bezeichnung„Reichsfeinde" stehen wir in echter Vaterlandsliebe dem Osten wahrlich nicht nach, und in der Stunde der Gefahr kann man auf uns rechnen.(Bravo!) Unserer Kirche sind wir treu ergeben, wahren ihre Rechte, und wollen jede Schmälerung derselben heieitigen. Man spricht so viel von unserer Auflösung. Mögen dech „eere„„Iner zuerst das gewähren, was wir erstreben. So lange wir nicht alle unsere Orden zurück haben, auch die Jesuiten(Beifall), Wirksamkeit unserer Kirche nicht vollständig freigezeben ist, werden wir weiter arbeiten, Adel und Bürger, Bauern und ##cavo!) Wir müssen auch für diejenige Wirthschaftspolitik r9 pesche unsern Wohlstand erhält; gerade das Centrum hat für Wirthschaftspolitik die größten Verdienste. Hier in aale der Anfang gemacht worden; und unser leider so früh I#tnorbener Mitbürger Eduard Schmitz hat den Gedanken angeregt. wiche gen ernr den Menschen als Menschen achten, auch den zern Stagben ein menschenwürdiges Dasein sichern.(Bravo!) hbeseitigen S####n zu erfüllen, müssen wir die bisherige Mehrheit wohrso: Sie entstand durch eine Täuschung des Volkes, durch die Unman bis da#: Oppesition wolle das Reich wehrlos machen. Während Priesters#####:„Ultramontanen“ als vaterlandslose Knechte des fenseits der Berge" verdächtigte, nannte man uns plötzlich al. g, begen den Papst und hatte eine Menge Muster=Katholiken fehlasf2=sman., in Gereitschaft. Vei uns sind diese Versuche kläglich wahrlich nicht.. hat die Kriegsangst geholfen. Ich spreche gegen die starke Wehr des Vaterlandes; aber wo wird Grenze finden? Wohin soll der fortwährende Wea zum m—tairmächte führen? Das ist auf die Dauer der Graßbürg.„.. Die Cartellmehrheit vereinigt vorwiegend beiden gaecthum und Großgrundbesitz, sie fördert die Interessen dieser kommen d Reichsregierung ist ihnen weit entgegen geweise aben1 zehört auch unsere Colonialpolitik mit ihrem theilgewoltig S. en Charakter, die namentlich großhändlerischen Kreisen Semenge Opfer bringt. Solange die Cartellmehrheit besteht, wird insbesondach tes#n#enpolitischen Forderungen nie genügt werden. Macht man och sogar katholischen Missionaren Schwierigkeiten bei der Cultivirung Colonieen. Das können wir nicht dulden.(Zustimmung). Wir entschiedenes Vorgehen auf social=politischem Gebiet. Zustände, wie sie zum Bergarbeiter=Ausstand im vorigen Jahre führten, sind eine Schmach für Deutschland.(Sehr richtig). Eine Mehrheit, die lediglich des Großcapitals berücksichtigte, würde solche Dinge weiter (Leohafte Zusimmung. den gedührenden Antben am Ertag erhalten. der bisherigen Mehrheit ist dies Mal möglick,; die #eivn., sallt natürlich in den zweifelhaften Kreisen, dort müssen #rbeit machen. Früher sagten wir: Unter keinen Umständen ti gal=Liveralen, heute: scein Mitglied des Cartells, dessen Gruppen sich zum Gaudium ihrer Gegner angesichts der Wahlen in den Haaren liegen. Selbst einen Engel, der zum Cartell gehen wollte, ronnten wir nicht brauchen. Kommen mehr Freisinnige durch, so ist das kein Schaden. und den Social=Demokraten hat ja der Reichskanzler selbst„das dritte Dutzend“ gegönnt. Fort mit der Cartellmehrheit! Das müssen wir am 20. Februar erreichen.(Lebhafter Beifall) Rechtsanwalt Karl Trimborn. Kurz vor dem Kampfe heißt es: den Blick entschlossen auf den Feind! Den Hauptgegner hat der Vorredner gekennzeichnet. In einer Zeit des Cäsarismus und des Streberthums müssen wir doppelt eifersüchtig wachen über die Rechte des Volkes deshald gegen die Mehrheit, die uns Septennat und Verlängerung der Legislaturperiode bescheerte! Aber deshalb dürfen wir die andere Gefahr nicht übersehen,#e vor allem den moralischen Gütern des Volkes droht. Darum entschlossene Abwehr der Social=Demokratie (Bravo!), die auch in den katholischen Landestheilen gewachsen ist. Sie ist im Rheinland ein importirtes Gewächs, der Ostwind hat uns diese Influenza gebracht.(Große Heiterkeit.) Wir sitzen nicht hinter einer chinesischen Mauer, geistige Bewegungen kennen keine Rheingrenze, und durch die Vorgänge beim Bergarbeiter=Ausstand ist die Gefahr gewachsen. Daher die doppelte Nothwendigkeit der socialen Arbeit, vor allem den Kampf gegen den socialen Pessimismus, gegen die Stimmung, welche auf socialem Gebiet sich bankerott erktärt, eine Stimmung, die unten und oben herrscht. Man fürchtet sich, oder man steckt den Kopf in den Sand. Damit rettet man kein Volk! Dieser Pessimismus ist gefördert worden durch das Socialistengesetz und die angstmachenden Uebertreibungen der officiösen Presse. Gott hat uns eine große Aufgabe gegeben, aber auch die Mittel zur Lösung. In erster Linie hat unser Centrum eine social=politische Mission; schon Bischof Ketteler hat sie verstanden, einer der Ersten, bereits 1848 hat er auf die sociale Frage als die große Hauptfrage der Zukunft prophetisch hingewiesen. Andere sind ihm gefolgt, wir haben gar keine Veranlassung, in diesem Punkte bescheiden zu sein. Vom Centrum ist die erste Anregung zur socialen Gesetzgebung ausgegangen durch das Galen'sche Programm von 1877(Bravo!), das man mit Hohngelächter begrüßte, und später kam die mit Recht so hochgepriesene kaiserliche Botschaft! Wer nach jenem Programm, welches die ganze Fraction vertrat und vertritt, die social=politische Mission des Centrums leugnet, der ist nicht guten Willens. Die praktische Unfruchtbarkeit der Social=Demokratie ergibt sich daraus, daß sie nirgendwo an die bestehenden Zustände anknüpft, daß ihre Kritik stets maßlos und ungerecht ist, daß sie nur eine Klasse vertritt, einer schmeichelt, die andern schonungslos angreift, während wir sagen: Alle Klassen bedürfen der Reform. Eine sociale Reformpartei muß für die Religion im öffentlichen Leben den gebührenden Platz und die gebührende Hochachtung beanspruchen. Die Social=Demokratie verlangt gerechtere Vertheilung der Güter, das geht nicht ohne Wahrung der Autorität und des Geistes der ausgleichenden Gerechtigkeit, ohne Erziehung der Jugend zu Gerechtigkeit und Autorität.(Sehr wahr!) Deshalb hat auch der Windthorst'sche Schul=Antrag eine so große socialpolitische Aufgabe, und wer uns die gute alte confessionelle Volksschule widergibt, ist der größte Wohlthäter des Vaterlandes.(Lang anhaltender Beifall.)„Religion ist Privatsache!“ sagt die Social=Demokratie. Wer das sagt, der kennt die Seele des Volkes nicht, und die Seele des rheinischen am wenigsten.(Sehr gut!) Es ist aber den Herren auch nicht so gemeint. Gehen Sie in die Conventikel zu Ehrenfeld und Nippes, und hören Sie, wie dort die Religion Privatsache ist.(Sehr richtig!) Die social=demokratische Partei vertritt eine neue Weltanschauung, und der mächtigste Schutzwall ist diejenige Partei, welche die entgegengesetzte Weltanschauung stählern in langjährigen Kämpfen vertrat. Mit dem Liberalismus des dritten Standes sind wir im Culturkampf fertig geworden, auch mit dem falschen Liberalismus des vierten Standes werden wir fertig werden. Für die christliche Kirche ist keine Aufgabe zu groß, als ihre Kinder werden wir siegen. Wenn wir bei den Wahlen unsere Pflicht thun, wenn wir keinen Wahlkreis verlieren, thun wir ein patriotisches Werk. Auf die gläubigen Protestanten macht nichts einen bessern Eindruck als die socialen Thaten der katholischen Kirche, und diese versöhnende Wirkung wird dem Vaterland zu gute kommen und der Hetzerei des Evangelischen Bundes den Boden entziehen.(Bravo!) Wenn auch die katholische Bevölkerung dem Socialismus verfallen sollte, dann wären wir verloren. Wir hoffen, daß unsere protestantischen Mitbürger im Osten sich wieder ermannen, aber vorläufig sind wir der stärkste Damm. Oder sollen wir die National=Liberalen für einen solchen Damm halten, die so manchem Social=Demokraten in den Reichstag halfen, die den Culturkampf machten und die confessionslose Schule machen wollten, die unser social=politisches Programm verlachten? Was hätte vor 100 Jahren das französische Königthum für eine solche Schutzwehr gegeben! Damals gab es im öffentlichen Leben keine wirksamere Vertretung der kathol. Kirche; wir haben sie, und das ist unsere Ehre und unser Stolz.(Bravo!) Die Mittel kann ich hier nicht alle nennen, nur Weniges. Machen wir Gebrauch von unserm allgemeinen Wahlrecht, das Gott vielleicht gerade als Heilmittel für unsere socialen Zustände zugelassen hat. Gott wird uns auch ein Mal fragen: hast du dein politisches Talent gebraucht? Hast du es verdoppelt, indem du zu deinem Nächsten gingst und ihn daran Theil nehmen ließest? Und auch im häuslichen und bürgerlichen Leben haben wir die sociale Pflichten zu erfüllen, indem wir in unserm Kreise sorgen für Zucht, Ordnung und religiöses Leben. Im kirchlichen Leben, im christlichen Hause liegen die Wurzeln unserer Kraft! Daran, ihr katholischen, patriotischen Rheinländer, daran haltet fest! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Staatsminister a. D. Abg. Dr. Windthorst(von donnerndem, wiederholtem Beifall begrüßt). Meine Herren! Ich danke Ihnen für den freundlichen Empfang, den Sie mir bereitet haben. Es ist mir das ein Beweis, daß die alten freundschaftlichen Beziehungen, die zwischen uns seit Jahren bestehen, fortdauern. Es ist dies für mich ein großer Trost gerade in diesem Augenblicke; denn ich komme vom Sterbebette des besten Freundes, des Frhru. zu Franckenstein, der so plötzlich und unerwartet aus unsern Reihen geschieden ist und in den Reihen der Centrumsfraction eine so empfindliche Lücke gelassen hat. Ich fühle mich verpflichtet, am Eingange meiner Worte dieses edelen Mannes zu gedenken, dem wir für alle Zeit eine dankbare Erinnerung bewahren werden und bewahren müssen. Sein Beispiel soll uns eine Leuchte sein, und die Anerkennung, welche er an allen Stellen gefunden hat, ist ein alleroings theilweise verspäteler Beweis von der Achtung, die er immer genossen hat. Ich glaube, es ist meine Pflicht, besonders hier den Dank auszusprechen für die große und warme Theilnahme, welche unser allergnädigster Herr, Se. Majestät der Kaiser, dem Verstorbenen und damit uns Allen erwiesen hat. Meine Herren, was daraus folgt, will ich hier nicht erörtern; ich will nur sagen, wir danken unserm gnädigsten Herrn und wollen es ihm durch Treue lohnen, zumal dann, wenn es Zeiten geben sollte, in denen es darauf ankommt, die wahre Treue zu zeigen. M. H.! Für die heutige Verhandlung hätte ich kaum etwas Neues zu sagen. Die Herren, welche vor mir gesprochen, haben eigentlich alles erschöpft. Sie haben darauf hingewiesen, wie es mit den Wahlen steht, welche Bedeutung dieselben in diesem Augenblick haben, und wohin in diesem Augenblick unsere Blicke sich zu wenden haben. Sie haben das mit einer Klarheit und Begeisterung gethan, die uns Alle hingerissen hat, und ich hätte es unserm versterbenen Freunde, dem Justizrath Trimborn, gewünscht, daß er heute seinen Sohn hier gehört hätte. M. H.! Eine Partei, welche solche Männer hat, die es verstehen, zu ihren Mitbürgern in der Art zu sprechen, wie es hier geschehen ist, die hat ohne Zweifel eine Zukunft; und wenn wir alle manchmal besorgt um uns sind, so können wir uns trösten, wenn wir solche Reden hören. M. H.! Wir sind den Wahlen sehr nahe, und von heute bis zum 20. ist keine lange Zeit mehr. Somit ist es erforderlich, daß wir überall unsere ganze Kraft einsetzen, um in den weitesten Kreisen die hohe Bedeutung der diesmaligen Wahlen klar zu legen. Es ist schon erwähnt worden, daß dieses Mal die Wahlen für ein Parlament gelten, welches fünf Jahre dauern wird, wenn nicht irgend besondere Ereignisse die Auflösung desselben herbeiführen. Diese Veränderung ist leider eingetreten, und nach meiner Meinung dadurch ein wesentliches Recht des Volkes verkümmert worden. Ob eine Abkürzung demnächst wieder zu erreichen sein wird, ist sehr fraglich; aber darüber bin ich nicht zweifelhaft, daß wir, so weit es geht, im Gesetzwege auf unsere frühern drei Jahre zurückzukommen trachten werden. Diese Beeinträchtigung des ursprünglich gegebenen Rechtes verdanken wir der Mehrheit des jetzigen Reichstages. Ich glaube, daß es dem Reichstage nicht zur Ehre gereicht, in solcher Weise das Recht des Volkes zu verkümmern. Das Parlament ist berufen, um die Anschauungen, die Wünsche des Volkes an den Thron zu bringen; es ist berufen, über die Gegenstände, welche seiner Berathung unterstellt werden, die Anschauungen des Volkes zum Ausdruck zu bringen; es ist berufen, die Mittel zu bewilligen, welche zur Führung des Staatswesens erforderlich sind. Es ist auch berufen, die Klagen des Volkes mit Klarheit und Entschiedenheit auszusprechen. Wer aber die gabe des Parlaments darin findet, zu jeder Zeit zu allem, weihm vorgelegt wird, möglichst„Ja“ zu sagen, der bleibt besser Hause.(Lebhaftes Bravo!) Darum kurze Legislatur= Perioden in steter stimmung erhalten werden. Ich will die Opposition an und für daß ein Parkament in hat—. im kann, soll es in aller Weise die Regierung unterstützen und jede Gelegenheit, die sich bietet, um eine solche Stütze zu gewähren, soll es bereitwillig und gern ergreifen. Aber die es sich zum Geschäft machen, immer nur„Ja“ zu sagen, ich wiederhole es, daß diese die Aufgabe des Parlaments durchaus verkennen. Eine Regierung, die weiß, was sie soll, die auch weiß, was sie will und zur Durchführung ihres Willens die Kraft in sich fühlt, muß sogar wünschen, daß ihr die Bemerkungen unverhohlen gemacht werden, zu welchen ihr Thun Anlaß gibe; denn nur bei einem solchen Austausch der Meinungen kann das Gute gedeihen. Ich führe dieses an, weil der letzte Reichstag, der eigentlich jetzt noch lebt, aber sehr bald beendigt sein wird, nach meinem Dafürhalten in dieser Beziehung nicht immer das Nöthige gethan hat. Deshalb haben die Wähler alle Ursache, genau um sich zu sehen, ob sie Männer wählen können, die in dieser Hinsicht zu wünschen übrig gelassen haben. Der jetzige Reichstag ist wesentlich aus Anlaß der bekannten Septennatsfragen zu Stande gekommen, und nach meiner Ansicht sind damals weite Wählerklassen von unrichtigen Voraussetzungen ausgegangen.(Sehr wahr!) Es wurde behauptet, daß die Parteien, insbesondere auch die Centrums=Fraction, welche das Septennat nicht bewilligt hätten, die Mittel zur Vertheidigung des Vaterlandes verweigert hätten. M. H., das war eine Behauptung, die mit den Thatsachen im Widerspruch stand; denn es hatten die Parteien, und insbesondere die Centrums=Fraction, Alles und Jedes bewilligt, was seitens der Regierung verlangt wurde, nur wich die Ansicht der CentrumsFraction dahin ab, daß sie glaubte, es wäre richtig, nur auf eine kürzere Zeit die Bewilligung auszusprechen, um nach Ablauf dieser kürzern Zeit eine Revision eintreten lassen zu können in Beziehung auf die Frage, ob dann noch die damals geforderten Summen nöthig seien. Die Beschuldigung, daß wir das zur Vertheidigung des Vaterlandes Nöthige nicht bewilligt hätten, ist eine völlig unberechtigte, völlig unbegründete.(Sehr wahr!) Es ist eben die Wählerschaft damals in einen Irrthum versetzt worden, und die Wählerschaft muß die Folgen des Irrthums mehr oder minder tragen. Ob sie von neuem einen ähnlichen Irrthum begehen will, ist ja jetzt Gegenstand der Erwägung. Von den Centrumswählern fürchte ich das nicht; denn sie sind trotz aller Versuche, die von der Gegenseite gemacht worden sind, der Fahne treu geblieben. Die von ihr Gewählten haben nach Kräften gethan, was nöthig war, um die Grundsätze durchzuführen, zu denen sie immer sich bekannten. Neben diesem Hauptthema, zu dessen Durchführung die Auflösung stattfand und die Neuwahlen ausgeschrieben waren, war aber noch das besondere Mittel ersonnen, daß die drei Hauptparteien des frühern Reichstages und ihre Ausläufer im Lande sich vereinigten, und zwar unter theilweisem Aufgeben bzw. Zurücksetzen der bisher verfolgten und behaupteten Grundsätze, um gemeinsam namentlich uns zu bekämpfen. Diese so zum Kampfe gegen uns zusammengetretenen Parteien haben auch im Reichstage jederzeit sich bemüht, eine Mehrheit gegen uns zu schaffen, und so ist in vielen Fällen unser Bemühen durch diese Vereinigung zerstört worden. Ich bin der Meinung, daß diese Bildung nothwendig zu einer vollständigen Zerstörung des parlamentarischen Lebens und jeder gesunden Volksentwickelung führen muß. Ich bin deshalb mit den Vorrednern ganz darin einverstanden, daß wir alles thun müssen, um dieser Vereinigung entgegen zu arbeiten, und daß wir darum, so leid es mir thut, nicht im Stande sind, Männer wählen zu helfen, welche einer der Parteien angehören wollen, welche diese Vereinigung gegen uns gemacht haben. Erst wenn die natürlichen Verhältnisse wieder hergestellt sind, wird ein mehr befriedigender Zustand sich gestalten lassen. Nun ist vorhin angedeutet worden, daß möglicherweise dann die Centrums=Fraction in derselben Weise nicht fortbestehen könne. Wandelbar bleiben alle Verhältnisse, auch auf politischem Gebiete, und daß die Centrums=Fraction in derselben Art immer fortbestehen solle und müsse, will ich nicht behaupten. Aber meines Erachtens wird sie, so lange die Verhältnisse in Deutschland so sind wie heute, aufrecht erhalten werden müssen(Beifall), und zwar im Interesse der höchsten Güter der Menschheit und insbesondere der Aufrechterhaltung der Rechte der Katholiken, sowohl auf kirchlichem, wie auf staatlichem und bürgerlichem Gebiete.(Bravo!) Es ist eben lange so gewesen, daß die Katholiken in den Parlamenten sich nicht fest in einer Partei zusammengeschaart haben, daß sie unter verschiedenen Parteien sich verzettelten und so der gemeinsamen Kraft entbehrten. Die gemeinsame Kraft aber muß unter allen Umständen aufrecht erhalten werden, namentlich auch, um die Rechte und die Stellung des h. Stuhles zu vertheidigen. M. H. Sie sehen, wie von allen Seiten gegen den h. Stuhl angestürmt wird. Sie sehen, wie man in Italien bemüht ist, alles zu beseitigen, was die Kirche stützt, ein Gesetz nach dem andern störend eingreift, zuletzt noch das Gesetz betr. die milden Stiftungen. Wir haben da kein anderes Mittel, als daß wir alle unsere Stimmen gegen ein derartiges Vorgehen der italienischen Regierung erheben, kein anderes Mittel, als gegen solche Gewaltthaten zu protestiren. Ich meine, wenn wir dies consequent durchführen, so wird endlich den übrigen Mächten, die gerade so wie Deutschland an der Erhaltung des h. Stuhles und seines Einflusses interessirt sind, klar werden, daß es nöthig wird, einzuschreiten, nicht mit Waffen, sondern durch den natürlichen Einfluß, den dieselben haben müssen, insbesondere diejenigen Mächte, welche jetzt mit Italien in einem besondern Bündniß stehen. Ich denke, daß der gewaltige Schutz, welchen Italien durch ein solches Bündniß erhält, Italien darauf besonders aufmerksam machen müßte, wenn befreundete Mächte die Frage stellten, ob sein Vorgehen den Versprechungen entspräche, die seiner Zeit, als es Rom weggenommen, gemacht worden sind, und ob es der Stellung entspricht, welche in Europa der römische Papst behalten muß. Ich halte dafür, um auch diese Seite hervorzuheben, daß es nothwendig ist, daß zu dem Zweck eine CentrumsFraction besteht, eine Verbindung katholischer Männer, die Pflicht, Beruf und Legitimation haben, sowie auch einen Platz, von dem aus sie ihre Wünsche zur Kenntniß der Regierung bringen können. Dazu wird jetzt, wo der weltliche Besitz des h. Vaters vernichtet, seine Selbständigkeit und Unabhängigkeit so sehr gefährdet ist, eine Vertretung jeder Zeit erforderlich sein. Ich denke, daß diese um so wirksamer sein wird, wenn auch in den andern Ländern ein solcher Zusammenschluß von katholischen Männern eben so fest erfolgt wie hier. Es ist dies ein Gegenstand, der zu den in den Parlamenten zu behandelnden Sachen gehört; denn die äußere Politik ist unserer Aufmerksamkeit nicht entzogen, und wir haben das Recht und die Pflicht, darauf aufmerksam zu machen, wo in dieser Richtung etwas versäumt, und auf die Behandlung des Papstes und der römischen Kirche nicht die nöthige Aufmerksamkeit verwandt wird. Dann, m. H., ist die Centrumspartei nöthig für unsere innern Angelegenheiten. Wir führen seit Jahren einen schweren Kampf um die Selbständigkeit unserer heiligen Kirche, um die wichtigsten Interessen des religiösen Lebens. Wenn wir der Regierung danken, daß eine Besserung eingetreten ist nach schwerem Kampfe, so müssen wir uns doch darüber klar werden, daß wir von einem guten Zustand noch weit entfernt sind. wahr!) Und wenn nicht alle Zeichen trügen, so ist dieser Culturkampf, der weniger Geräusch macht, stärker haltiger und schädlicher als der, den wir früher hatten. Zustimmung.) Man sagt uns jetzt: es ist ja alles euch doch, seid zufrieden! Ich meine aber, daß es wäre, wenn in dieser Richtung schon ein einträte, wenn nicht die Lebendigkeit des dauerte, daß das, was liegt darin eine u uns alles gegeben ist.(Stürmisches Bravo.) So bin ich noch in diesen Tagen an einer maßgebenden Stelle gefragt worden: Aber was wollen Sie denn noch? Sie haben ja das und das bekommen. Da antworte ich: Das sind nur theilweise Abschlagszahlungen (Sehr wahr!) und auch arbitraire Gaben, die von jeder Regierung und jedem Minister nach Belieben angewandt werden können. Wir wollen bestimmte Gesetze und wollen nicht der Willkür Dieses oder Jenes unterstellt sein! Und wenn wir nun gefragt werden, was wir wollen, so antworte ich ganz kurz und einfach: Wir wollen das, was vor dem Culturkampf bestand.(Stürmischer Beifall.) Was vor dem Culturkampf bestand, hat seinen Ausgangspunkt und seine Autorität von Friedrich Wilhelm IV., von seinen damaligen Ministern und den damialigen Kammern, und Kaiser Wilhelm I. hat bei der Krönung in Königsberg ausdrücklich erklärt, daß das wohlgeordnete Zustände gewesen seien. Also diese, von Sr. Majestät dem Kaiser Wilhelm I. für wohlgeordnet erklärten Zustände wollen wir wieder, nicht mehr und nicht weniger! (Bravo!) Damit ist der Umfang unserer Forderungen klargestellt. Das wollen wir auf dem kirchlichen Gebiete und auf dem SchulGebiete. Auf diesem letztern ist allerdings noch recht viel zu wünschen, und ich habe mich gefreut, daß von dem Vorredner schon hierauf hingewiesen ist; das kann nicht oft und nicht stark genug geschehen; denn es ist merkwürdig, wie wenig, seitdem der Kampf aufgenommen worden ist, noch seine Bedeutung unter dem Volke begriffen wird. Wir verlangen ja auf diesem Gebiete nichts anderes als das, was vor dem Jahre 1872 bestanden hat, und der Antrag, welchen die Centrums=Fraction in dieser Hinsicht eingebracht hat, enthält kein Wort, welches nicht in der Abmachung zwischen dem Oberpräsidenten von Westfalen und den Bischösen von Paderborn und Münster ausdrücklich bestätigt und genehmigt worden ist. Ist denn das etwas so Ungeheuerliches? Dort war das Princip, daß Staat und Kirche die Schule gemeinsam haben müßten; jetzt will sie der Staat allein haben, und selbst auf dem Gebiet des religiösen Unterrichts will der Staat die letzte Stimme abzugeben haben. M. H. das ist doch unmöglich!(Lebhafter Beifall.) Wir müssen auf das vor dem Culturkampf bestandene Recht zurückkommen und alle Väter, die Kinder haben, sind verpflichtet, mit aller Kraft einzutreten, daß die Schule wieder auf diesen Boden gestellt wird, soll sie nicht entchristlicht werden.(Bravo!) Wenn ich eine Wahlparole auszugeben hätte, so wäre es diese: Die christliche Schule muß wieder erobert werden! (Stürmischer Beifall.) Da sollten alle Väter mitgehen, und die Mütter sollten auch mitgehen, denn die sind immer besser als die Männer.(Große Heiterkeit.) Das ist, was der Wahlaufruf der Centrums=Fraction an die Spitze gestellt hat: die Religion und die Schule, ohne welche die Religion nicht gedeihen kann. Dann hat dieser Aufruf sich mit der Arbeiter=Frage beschäftigt. M. H., die nächsten fünf Jahre und wohl noch länger hinaus werden wir vollauf mit dieser Arbeiter=Frage zu thun haben. Sie ist so ernst und so tief eingreifend in das ganze Volksleben, daß ich nicht Anstand nehme, zu sagen: in diesem Jahrhundert ist eine schwerere Aufgabe an uns noch nicht herangetreten, und es ist zu bedauern, daß es zunächst solcher Kundgebungen von Seiten der Arbeiter bedurft hat, wie wir sie leider gesehen haben, um Alle, die zu helfen berufen sind, aufmerksam zu machen und an ihre Pflichten zu mahnen. Aber es ist dies im Laufe der Geschichte aller Jahrhunderte so gewesen, daß man sich aus seiner Bequemlichkeit nicht gern herausreißen lassen will und gern vor Gefahren die Augen verschließt. Die Gefahr der Arbeiter=Frage liegt zumeist darin, daß wahre Religiosität, daß das christliche Leben, christliches Denken und Fühlen mehr und mehr aus dem Volke verschwinden.(Sehr richtig!) Wenn wir vollständig und Alle von den Lehren des Christenthums durchdrungen und entschlossen wären, sie im Leben zu bethätigen, dann würden wir eine Arbeiterfrage nicht haben.(Sehr wahr!) Aber weder alle Arbeitgeber noch alle Arbeitnehmer haben diesen erforderlichen religiösen Sinn. Der Vorredner hat das bereits hervorgehoben, und in dem Aufruf der Centrums=Fraction ist dieser Gesichtspunkt klar und mit rechter Absicht betont worden. Wollen wir diese Verhältnisse wieder auf den rechten Boden zurückführen, dann ist es vor allen Dingen nöthig, daß wir das ganze Schulwesen reformiren und zwar in dem altbewährten Sinne; daß wir ferner selbst wieder ordentlich beten lernen.(Sehr wahr!) Das ist das Eine. Das Andere aber, was zu thun, ist ohne Zweifel, daß die Gesetzgebung in Bezug auf die Verhältnisse der Arbeitgeber zu den Arbeitnehmern revidirt und auf eine gesundere Grundlage gestellt werde. Hier liegt die ungeheuere Schwierigkeit, weil inzwischen eine solche Entwickelung der Industrie und des menschlichen Schaffens überhaupt entstanden ist, daß die alten Formen nicht mehr genügen. Die Centrums=Fraction hat sich vor allen zuerst mit dieser Frage beschäftigt, und sie kann sich rühmen, zu dem, was geschehen ist, den ersten Anstoß gegeben zu haben. Sie wird gewiß fortfahren, in demselben Sinne zu wirken, aber sie muß nothwendig Hülfe haben, und diese Hülfe fordert sie jetzt von den Wählern, indem diese durch ihre Stimmenabgabe feststellen sollen, daß die Centrums=Fraction in ihrem Sinne gehandelt hat. Wenn sie aus diesen Wahlen im Wesentlichen so hervorgeht, wie sie war, so wird sie darin die Bestätigung ihres bisherigen Verfahrens finden können, und die Arbeit fortsetzen, wie sie es bisher gethan hat. Ich will hier besonders hervorheben, daß ihre nicht allein auf Besserung der Lage der Bergarbeiter oder arbeiter, sondern überhaupt aller Arbeiter gerichtet sind. D Arbeiterwelt ist in Bewegung. Es würde heute zu w ren, alles zu erwähnen, ich könnte höchstens Einiges heraus Ich glaube, daß unser Kaiser auch empfunden hat, zu thun ist und daß er deshalb in diesem Auger zum Handelsminister berufen hat, der Aufgabe stellen und berufen sein wird, alle zu nehmen. Und ich glaube, daß er dies dies bisher bei der Versplitterung Wir Alle sind verpflichtet, nicht ein Mal dahin kommt, erschallt. Beide die Existenz. Sollte in Bezug auf den Lohn, auf die Arbeitszeit, eine Schwierigkeit entstehen, so muß vor allem der Weg der Güte bis auf das äußerste verfolgt werden, und wenn es in dieser Güte nicht erreicht werden sollte, dann haben uns ja die Gesetze die nöthigen Mittel an die Hand gegeben, um das Gewünschte zu erreichen. Aber ich wiederhole: ohne eine gütliche Vereinigung geht es dauernd niemals. Nun weiß ich sehr wohl, daß die social=demokratischen Führer ein ganz anderes Recept haben; sie wollen die ganze Gesellchaftsordnung, die ganze Productionsordnung, alles radical umändern. Eine positive Grundlage der von ihnen gewollten Ordnung geben sie nicht. Im Zerstoren sind sie stark, aber im Aufbauen leider nicht. Und was sehr wichtig ist, den Boden, auf dem wir Alle stehen müssen, den religiösen Boden, lassen sie bei Seite oder sie kennen ihn nicht oder verachten ihn. Ich kann die Arbeiter aller Klassen nicht genng mahnen, vor dieser Partei sich zu hüten. Sie werden sicher nichts Gutes ernten, wenn sie darauf eingehen. Wenn, wie vorher gesagt, die Parole lautet, daß ich, Richter und Grillenberger zu bekämpfen seien, so sollte ich denken, daß nach dem, was ich gesagt habe, eine Gemeinschaftlichkeit zwischen mir und Grillenberger kaum möglich wäre. Denn der Letztere ist ein ausgesprochener Social=Demskrat. Nach den öffentlichen Blättern wird er am nächsten Dinstag hier sprechen; und ich zweifele nicht, daß er dann mich, seinen angeblichen Cumpan, ganz gehörig angreifen wird. Ich werde oft angegriffen, und es ist mir das auch von dieser Seite sehr angenehm. Ich glaube, daß es Hr. Grillenbeiger gut meint, aber sein Recept tangt nichts! Es wird Jedem schlecht bekommen.(Beifall.) Was dann die Herren vom Fortschritt betrifft, so wird uns ja geflissentlich und oft vorgeworfen, daß wir mit demselben in Bündniß stehen. Ich kann nur sagen, daß die Centrumspartei ohne Bündniß ist; sie steht auf sich selbst, verläßt sich auf Gott und ihr Recht, ist aber in den Parlamenten in der Minderheit, und wenn sie etwas erreichen will, muß sie sich nach der Lage der Sache eine Mehrheit zu verschaffen suchen. Wenn uns die Freisinnigen nun auf diese Weise eine Mehrheit schaffen, so sind sie uns sehr willkommen(Beifall.) Auch die Herren vom Cartell wären uns auf diese Weise sehr willkommen, wenn sie nur kommen wollten.(Große Heiterkeit.) Wenn wir nun uns in einzelnen Fällen in der Lage befinden, auch die Bestrebungen der Freisinnigen unterstützen zu können, so ist das dann ein durchaus parlamentarisches, nothwendiges und zulässiges Mittel. Damit erklären wir uns keineswegs einverstanden mit allen Recepten, welche die Herren haben. Die Herren unterstützen uns auch sehr viel in unsern Bestrebungen; sie haben wie ein Mann für die Aufhebung des Expatriirungs=Gesetzes gestimmt. Die andern Parteien haben auch zugestimmt, aber sehr langsam. Doch es kamen die Wahlen. (Heiterkeit.) Da haben Sie uns bei den Anträgen über die Missionen unterstützt. Eine Bedingung für die gedeihliche Entwickelung unseres Colonial= Gebietes liegt nach meiner Ansicht und der aller Betheiligten in der Mission, und was in dieser Hinsicht die Congregation der Propaganda in Rom geleistet hat, ist bewunderungswürdig für jeden undefangenen Menschen. Die Gegner hatten geglaubt, in unsern Colonien müßten vor allem auch die Maigesetze zur Anwendung kommen; es dürften bei Leibe keine Jesuiten dorthin kommen. Es sollte ihnen versagt bleiben, ihr Leben und ihre Gesundheit auf's Spiel zu setzen, und wäre es auch bloß zu dem Zweck, ihre Nebenmenschen zu belehren und auf die richtigen Wege zu führen. Die Regierung hat in dankenswerther Weise sich endlichentschlossen, in dieser Hinsicht freie Bahn in Aussicht zu stellen, und die Erklärungen, die gegeben sind, haben uns Alle mit großer Befriedigung erfüllt. Aber sie sind auf administrativem Wege gegeben worden, und sie können jeden Augenblick, wenn die Ausichten der Regierung sich ändern, aufgehoben und zurückgezogen werden. Das sollte verhütet werden, und die Centrums=Fraction hat beantragt, daß die Grundsätze, die von der Regierung auf administrativem Wege aufgestellt worden sind, in Gesetzesform gebracht werden. Der Reichstag nahm dies in zweiter Berathung an. Sodann sind aus den Reihen der Conservativen vom Abg. Stöcker alle möglichen Bedenken erhoben worden, und so kam Die Neuwahlen für den Deutschen Reichstag sind auf den 20. Febr. d. J. ausgeschrieben. Zum ersten Male erfolgen dieselben auf die Dauer von fünf Jahren; sie sind deshalb von erhöhter Wichtigkeit und stellen somit an die Wähler die gebieterische Forderung, Mann für Mann an der Wahlurne zu erscheinen. Noch immer sind die Bedingungen nicht erfüllt, welche wir in jeder Wahlperiode als unerläßlich bezeichnet haben, wenn dem Volke die Religion erhalten, wenn christlio gläubige Gesinnung geweckt und gefördert werden soll und zur Richtschnur erhoben in Unterricht. Erziehung. Bildung und Wissenschaft, in der Gesetzgebung und im öffentlichen Leben. Wir fordern deshalb immer von neuem, daß der Kirche, im Deutschen Reiche wie in den Schutzgebieten, volle Freiheit der Bewegung gestattet und alles beseitigt werde, was die Selbständigkeit und die Rechte der Kirche beeinträchtigt, was die segensreiche Wirksamkeit aller ihrer Genossenschaften und das in der Verfassung gewährleistete Heimathsrecht der Reichsangehörigen verletzt. Wir erkennen zugleich in der unbehinderten Thätigkeit der Kirche und ihrer Organe, sowie der dadurch zu erhoffenden Kräftigung des christlichen Geistes in den Kreisen der Arbeitgeber, und Arbeiter, das wirksamste Mittel zur Bekämpfung der gemeingefährlichen Bestrebungen der Social=Demokratie— ein Mittel, wirksamer als alle Ausnahmegesetze. Unter steter Wahrung des verfassungsmäßigen föderativen Grundcharakters des Deutschen Reiches werden wir unsere freudige Mitwirkung zur weitern Ausbildung aller jener Maßregeln nicht versagen, welche die Verbesserung der Lage der arbeitenden Bevölkerung zum Zweck haben. I Wider die Social=Demokratie! Von allen Parteien des Deutschen Reiches hat keine früher und energischer die Agitation für die bevorstehenden Reichstagswahlen betrieden wie die social=demokratische. Dieselbe knüpft an diese Wahlen große Hoffnungen. Sie rechnet darauf, die Zahl ihrer parlamentarischen Vertreter zu verdoppeln und es bei der großen Zählung am 20. Februar auf eine Million und mehr Stimmen zu bringen. Möglich, ja wahrscheinlich, daß diese Rechnung als eine richtige sich erweist. Die Berhältnisse sind der Social=Demokratie überaus gunstig. Die sociale Lage der Arbeiterbevölkerung, insbesondere der Industrie=Arbeiter, stellt sich vielfach als eine sehr schwierige dar; durch die Lohnkämpfe der letzten Jahre, namentlich die wiederholten Bergarbeiter=Ausstände ist der„vierte Stand“ in lebhafte Bewegung gerathen; die Social=Demokratie selbst ist durch das Socialistengesetz wie mit eiserner Klammer zusammengehalten worden, die tiefgehenden Meinungsverschiedenheiten unter den Anhängern derselben wurden zurückgedrängt und geheime Organisationen geschaffen, welche sicherer und wirksamer arbeiten als öffentliche Vereine und Veranstaltungen. Dazu kommt, daß— zum guten Theil in Folge des lang andauernden Culturkampfes— die religiöse Gesinnung in breiten Massen des Volkes abgeschwächt und so der unterwühlenden Thätigkeit der von fanatischem Hasse gegen alles Christliche und Kirchliche beseelten Agitatoren der Boden bereitet ist. Bei der diesmaligen Wahl glaubt die Social=Demokratie auch in einer Reihe vorwiegend katholischer Wahlkreise einen Erfolg zu erringen, während sie bis jetzt, abgesehen von München II und Mainz, in diesen nicht durchzudringen vermocht hat. Ganz besonders wird der Kampf in den Industriebezirken an der Ruhr und Saar ein heftiger werden. Die Centrumspartei und ihre Führer, geistlichen wie weltlichen Standes, haben keine wichtigere Aufgabe als diesen Kampf eben so entschlossen als umsichtig aufzunehmen, und zwar werden sie denselben selbständig auf dem Boden der Grundsätze des Centrums aufnehmen müssen, nicht in Coalitionen, welche vielleicht die Social=Demokratie vorübergehend zurückdrängen, niemals aber innerlich überwinden können. Es handelt sich in den hier in Betracht kommenden Wahlkreisen im letzten Grunde darum, eine bis jetzt in ihrer großen Mehrzahl treu katholische Arbeiterbevölkerung bei ihrem katholischen Glauben und ihrer christlichen Sitte zu erhalten. Die social=demokratische Partei vertritt auf religiösem Gebiete den Atheismus, auf politischem Gebiete den demokratischen Republicanismus, auf wirthschaftlichem Gebiete den Collec= tivismus. Von ihrem politischen und wirthschaftlichen Programm rede: die Social=Demokratie selbst möglichst wenig. Insoweit das Socialistengesetz sie daran gehindert hat, enthob es die Social=Demokratie einer großen Verlegenheit. Der Republicanismus hat in Deutschland in allen Volksklassen noch wenig überzeugte Anhänger; die Ersahrungen in den republicanischen Nachbarstaaten, insbebei der dritten Berathung der Antrag nicht zur Durchführung. Die Freisinnigen stimmten aber mit uns, und sollen wir nun Männer, die uns un dieser Weis zu Hüss geldmmen sind, zurüickstoßen? Ich meine, das wäre das Unpolitischste von der Welt. Die wechselseitige Unterstützung der Parteien bedingt nicht die Anerkennung aller ihrer Grundsätze, sondern bedingt nur ein Zusammengeben in denjenigen Fragen, in weichen sie zusammengehen können, und wo sie gemeinsame Anschauungen haben. So werden Sie sehen, daß die Centrums=Fraction bald nach rechts, bald nach links hin Verbündete gehabt hat und auch in Zukunft haben wird, wenn sie verständig handelt. Es ist uns der Vorwurf gemacht worden, daß wir die Grundsätze der andern Parteien angenommen hätten. Ich habe aber nicht gehört, daß den andern Parteien dieser Vorwurf in Bezug auf das Centrum gemacht worden ist, und doch sind diesen Herren unsere Grundsätze vielfach keineswegs immer Ich habe mich bei dieser Frage länger aufgehalten, weil sie sehr praktisch und sehr wichtig ist. Der erne Vorredner hat mit hervorgehoben, daß die Mehrheit abhängt von den Wahlen in den gemischten Bezirken, und es kommt, wenn wir in denselben die Mehrheit selbst nicht erringen, aber die Mehrheit zu schaffen in der Lage sind, darauf an, mit wem wir stimmen sollen. Und da habe ich wiederholt gesagt, und ich trage kein Bedenken, das jetzt zu wiederholen: wenn wahrhaft conservative Männer vorhanden sind, die wirklich conservativ und nicht nur ministeriell sind, so würde ich für meine Person ihnen sehr gern meine Stimme geben, wie ich ja auch versucht habe, in einigen Bezirken die Wahl solcher Männer zu fördern. Wo das aber nicht der Fall ist, wo es sich um Männer handelt, die der Vereinigung einiger Parteien, dem sogen. Cartell, entsprungen sind, gehen wir nicht mit ihnen. Da gehen wir lieber mit dem Freisinn; wenn wir das nicht thäten, wären wir Thoren.(Lebhafter Beifall.) Das ist das Gebot praktischer Politik. Es gibt Männer, die sagen, wir sollten uns in solchen Fällen der Wahl enthalten. M. H.! Das wäre eine große Thorheit; denn wenn wir uns enthalten, dann sind unsere Stimmen, welche fehlen, die ausschlaggebenden. Dann bekommen diejenigen die Mehrheit, die gegen uns sind, und die gegen uns ihre Stimmen abgegeben haben. Solches Verfahren, meine ich, ist die Politik der Schlafmützen.(Lebhafter Beifall.) Ich glaube, daß es nützlich ist, diesen Gesichtspunkt hier hervorzuheben. Das versteht sich aber von selbst: wo der geringste Schimmer von Hoffnung ist, daß wir unsere eigenen Leute durchbringen, die Centrumsmänner, da müssen wir Alle auf den Beinen sein, und Niemand darf zu Hause bleiben! Es ist das eine Pflicht für uns, zu kommen. Wenn wir die neueste Encyklica des h. Vaters mit Aufmerksamkeit lesen, werden wir daraus entnehmen können, daß der h. Vater dies ebenfalls als unsere Pflicht annimmt. Wir haben oft gesehen, welch' hohen Werth der h. Vater auf das Bestehen der Centrumspartei leat. Ich bitte also Alle, die wahlfähig sind, am 20. Februar an der Wahlurne zu erscheinen. Diejenigen, welche nicht gehen können, müssen gefahren werden; die Frauen müssen ihre Männer, die Mädchen ihre Brüder und Bräutigame antreiben, daß sie zur rechten Zeit hingehen.(Stürmisches Bravo. Heiterkeit.) Sie müssen sich alle darüber klar werden, daß, wenn wir geschwächt aus dem Kampfe hervorgehen, wir das, was man von uns verlangt, nicht leisten können. Der Aufruf der Centrums=Fraction hat dann noch besonders hingewiesen auf die Förderung des Handwerks. Jeder, der die Verhältnisse des Handwerks kennt, wird sich überzeugt haben, daß jetzt der goldene Boden demselben recht sehr fehlt; und es wird einer langen und ernsten Arbeit bedürfen, um die Fehler der Vergangenheit wieder gut zu machen und Ordnung in diese Verhältnisse zurückzuführen. Die Centrums=Fraction hat es sich immer zur Aufgabe gestellt, auf diesem Boden vorzugehen, und mit ihrer Hülfe wesentlich ist in neuerer Zeit das Gesetz wegen des Befähigungs=Nachweises zu Stande gekommen. Ob die Regierung es annehmen wird, das haben wir freilich noch zu erwarten. Ich bitte aber die Handwerker, welche sich für ihre Verhältnisse interessiren, daß sie nun bei den Wahlen auch helfen und uns die Arbeit vergelten, welche wir für sie gethau haben. Ein Abgeordneter an sich kann nichts; er hat nur Bedeutung durch die, welche hinter ihm stehen, welche ihn schicken. Und je consequenter die Wähler sind in der Wahl derer, die sie schicken, desto mehr wird die Autorität ihrer Vertreter gelten. Ich würde vielleicht nicht so viel angefochten, wenn meine guten Freunde in Meppen mich nicht immer wiederwählten.(Heiterkeit.) Man wäre mich wohl ganz gern los, und ich würde auch wohl ganz gern zurücktreten; denn ich bin alt geworden. Aber nein! Meine Freunde in Meppen sagen: „Du gehst wieder hin!“, und im Ministerium sagt man dann: wir müssen mit dem Alten wieder rechnen!(Große Heiterkeit.) Manches andere im Aufruf der Centrums=Fraction will ich übergehen, und nur noch den Schlußsatz besprechen, der wörtlich lautet: „Wir halten unbeugsam fest an den Grundlagen der Verfassung, insbesondere an den für die bürgerliche Freiheit bestehenden Garantieen.“ Das sind wenige Worte, aber sehr inhaltsreich. In dem großen Kampfe der materiellen Interessen werden die in diesen Sätzen liegenden Gesichtspunkte manchmal übersehen. In der Verfassung ist die erste und Hauptgrundlage das monarchische Princip. Wir wollen das monarchische Princip zu aller Zeit auf das kräftigste wahren und schützen(Lebhaftes Bravo.), und jeden Versuch es zu erschüttern, mit Entschiedenheit abweisen.(Wiederholter stürmischer Beifall.) Wir werden aber auch die Rechte des Parlaments, wie sie in der Verfassung stehen, eben so kräftig schützen gegen alle Angriffe, woher sie auch kommen mögen. Insbesondere werden wir das allgemeine directe und geheime Wahlrecht gegen alle Angriffe zu schützen wissen.(Bravo!) Ich weiß sehr wohl, was dagegen gesagt werden kann und gesagt wird; es werden Bände darüber geschrieben. Aber wie die Verhältnisse jetzt liegen, wäre die Aufhebung desselben der Vorläufer der Revolution.(Sehr wahr!) Wenn man das allgemeine Wahlrecht nicht für zweckmäßig hielte, dann hätte man es nicht geben sollen; ein Verbrechen wäre es, jetzt dasselbe aufzuheben.(Beifall.) Wir werden es auf alle Weise schützen. Ich betone dies besonders, nachdem ich an verschiedenen Stellen gelesen habe, wir würden die Hand bieten zu solchem Beginnen. Dann wollen wir auch alle Garantieen für die bürgerliche Freiheit aufrecht erhalten. Dieselben alle hier aufzuführen, würde zu weit führen. Aber ich rechne zu diesen Garantieen das Vereinsrecht, die Preßfreiheit, die geordnete Justizpflege und vor allem keine Ausnahmegesetze!(Bravo.) M. H.! Wir haben an den Maigesetzen und ihren Ausläufern eine solche Zahl von Ausnahmegesetzen gehabt und haben sie leider noch, daß wir endlich wohl gelernt haben, was das bedeutet. Wir sind die geborene Minorität. Die sämmtlichen Katholiken Deutschlands bilden immer die Minorität; und wenn die Andern sich zu einem Cartell zusammenthun, so können sie alle denkbaren Gesetze uns auf den Hals decretiren. Nachdem wir nun mit den Maigesetzen diese Erfahrung gemacht haben, wird man es uns nicht übel nehmen können, wenn wir sagen: wir haben nur in dem allgemeinen Rechte Schutz, in dem Rechte, das für Alle gilt. Denken Sie an diesen Satz auch dann, wenn ich nicht mehr sein werde. Wenn Sie sich auf das Gebiet der Ausnahmegesetze begeben, haben Sie alle und jede Stütze verloren! M. H. Das in auch wesentlich der Grund gewesen, weshalb die Centrums=Fraction gegen das Ausnahmegesetz gegen die Social=Demokraten war. Wir hatten ja für unsere Priester und Bischöse ein ähnliches Gesetz, schlimmer als das gegen die Social=Demokraten; wie konnte man da von uns erwarten, daß wir das gegen einen andern Theil unserer Mitbürger vorgeschlagene Gesetz gebilligt hätten! Die Centrums=Fraction hat daher immer darauf hingewiesen, daß das Socialistengesetz zurückgenommen werden müßte. Es waren allerdings, nachdem es ein Mal eingeführt war, einige von unsern Freunden im Zweifel, ob es möglich sei, das Gesetz auf ein Mal zu beseitigen, und ob nicht eine Uebergangszeit erforderlich sei. Inzwischen ist die Ansicht, daß es aufgehoben werden müsse, von der ganzen Centrums=Fraction einstimmig angenommen worden, und die Anträge, die in dieser Beziehung gestellt sind, wurden von der ganzen Centrums=Fraction unterstützt. Ich habe dies so ausführlich dargelegt, weil ich denke, daß mein Nachfolger an diesem (Sonder=Abdruck aus der Kölnischen Volkszeitung.) An die Wähler der Rheinlande! Unentwegt beharren wir in dem Bestreben, daß die im Reichstage zum Theil schon wiederholt zur Annahme gelangten Arbeiterschutzgesetze, insbesondere die Gesetze über die Ruhe und die Heiligung des Sonntags, sowie über die Beschränkung der Frauen= und Kinder=Arbeit, zur Geltung gebracht werden. In dem ernsten Interessenkampfe, welcher vielfach zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern entbrannt ist, werden wir gern alle Maßregeln unterstützen, welche einen Ausgleich der beiderseitigen berechtigten Interessen herbeizuführen und das sich gegenseitig bedingende Wohl der Arbeitgeber und der Arbeiter zu fördern geeignet sind. Die Bemühungen, den so wichtigen Handwerkerstand zu heben, seinen berechtigten Klagen Abhülfe zu schaffen, werden wir in bisheriger Weise eifrigst fortsetzen. Die wirthschaftliche Lage des Reiches hat sich in den Bahnen, welche wesentlich auf unsere Anregung und unter unserer Mitwirkung eingeschlagen worden sind, besser gestaltet. Wir werden aber darüber zu wachen haben, daß die Vortheile der neuen Wirthschafts=Politik nicht ungebührlich ausgenutzt werden, daß eine Vermehrung der Steuern und Lasten verhindert und Härten in der Besteuerung möglichst beseitigt werden. Wir werden auf allen Gebieten nachdrücklichst auf die größte Sparsamkeit dringen, wenn wir selbstverständlich auch gewillt sind, heute wie immer, für die Ehre, die Würde und die volle Wehrhaftigkeit des Deutschen Reiches einzutreten. An den Grundlagen der Verfassung, insbesondere an den für die bürgerliche Freiheit bestehenden Garantieen, werden wir unbeugsam festhalten. Nach diesen Grundsätzen haben wir bisher gehandelt und gedenken wir auch ferner zu handeln. Wir hoffen, daß die Wähler diese Grundsätze auch für die Zukunft billigen, so wie sie uns auf Grund derselben bisher ihr Vertrauen geschenkt haben. Wohlan denn! Möge am entscheidenden Tage Keiner von der Wahlurne zurückbleiben; möge Jeder furchtlos hinzutreten. Bleiben die Wähler uns treu, wie wir ihnen treu bleiben und treu unserm alten ruhmreichen Panier Mit Gott, für Wahrheit, Freiheit und Recht! Im Januar 1890. Der Vorstand der Centrums=Fraction des Deutschen Reichstages. Freiherr von und zu Franckenstein. Graf v. Ballestrem. Graf v. Bernstorff. Dr. Franz. Gröber(Würtemberg). Dr. Freiherr Heereman v. Zuydwyk. Dr. Lieber. Dr. Reichensperger. Reindl. Dr. Windthorst. Wähler der Centrumspartei! Indem wir zu dem vorstehend mitgetheilten Aufruf der Centrums=Fraction des Reichstages unsere rückhaltlose Zustimmung aussprechen, fordern wir euch auf, zur Verwirklichung dieses Programmes mit der alten Entschiedenheit und Festigkeit in den Wahlkampf einzutreten. Auf die abgelaufene Legislaturperiode des Reichstages können wir nicht mit Befriedigung zurückblicken. Die Militairlasten sind in kaum geahnter Weise gestiegen; die Social=Reform ist in eine Bahn gelenkt, welche unsern Beifall nicht haben kann; die vom Centrum sondere in Frankreich, sind auch wahrlich nicht geeignet, für die republicanische Idee Propaganda zu machen. Was aber das wirthschaftliche Programm der Social=Demokratie anlangt, so wäre die Nothwendigkeit, dasselbe positiv entwickeln und vertreten zu müssen, für die Social=Demokratie geradezu eine Calamität. Die wissenschaftlichen Führer der Partei sind bezüglich dieses Programms, welches vornehmlich die genossenschaftliche Regelung der Gesammtarbeit verlangt, nichts weniger als einig, und noch Keinem ist es gelungen, die Durchführbarkeit desselben auch nur irgendwie zu begründen. Die deutsche Social=Demokratie hat denn auch nirgendwo praktische Versuche etwa mit der Gründung von Productiv=Genossenschaften der Arbeiter gemacht, obwohl es ihr an Mitteln dazu nicht gefehlt hätte. Ihre Thätigkeit ist eine wesentlich negative, auf die Kritik des Bestehenden gerichtete, und zwar wird diese Kritik, für welche ja leider unter den heutigen Wirthschaftsverhältnissen überreicher Stoff vorhanden ist, in einer meist gehässigen und übertreibenden, oft durchaus unehrlichen Weise ausgeübt, so daß als Wirkung desselben durchweg nur Unzufriedenheit und Verhetzung, selten die Anregung zu thatsächlichen Besserungen sich ergibt. In dieser Beziehung sagen die oben bezogenen Aufsätze treffend: „Die Social=Demokratie liebt es, die sittlichen Zustände der heutigen Gesellschaft möglichst schwarz zu malen. Die ganze besitzende Klasse ist eine schmarotzende Bande. Ehre, Ehe und Familienleben, Religion und Sittlichkeit: alles beruht auf Lug und Trug. Staat und Kirche sind nur da, um dieses Truggebäude künstlich zu stützen. Der Priester ist nur der Polizeidiener der Besitzenden. Wer als Wohlthäter der Arbeiter auftritt, ist erst recht ihr Feind, bezweckt nur, den Arbeitern Sand in die Augen zu streuen. Kurz, die ganze besitzende Klasse ist eine große Verschwörungspartei, die, innerlich faul und zerfallen, nur noch zusammenhält, um den Arbeiter zum Object ihrer Ausbeutung zu machen. Alles wird in diesem Sinne ausgelegt. Nie ein Wort der Anerkennung für Wohlfahrts=Einrichtungen der Fabricanten, für gesetzliche Maßnahmen zum Besten der Arbeiter! Nie ein Wort des Dankes für die Barmherzige Schwester, für den Priester, die mit Gefahr des Lebens an das Krankenbett des Arbeiters eilen! Alle Scandalgeschichten werden mit Behagen erzählt und verallgemeinert; alle Thatsachen, welche doch wenigstens einen gewissen guten Willen der=Besitzendene bekunden, werden verschwiegen, mißdeutet. Anderseits: den Leidenschaften der Arbeiter wird stets geschmeichelt, ihre Fehler werden entschuldigt, einfach als Product der Gesellschafts=Ordnung hingestellt; aber nie wird ein Wort des Tadels oder der Mahnung an die Arbeiter gerichtet. Wird denn auf Seiten der Arbeiter nicht gesündigt? Ist dort bloß Licht, kein Schatten? Will die SocialDemokratie denn leugnen, daß ein großer Theil des Elends, der Armuth, der körperlichen und Seelen=Leiden selbst verschuldet ist? Hat die Social=Demokratie denn kein Herz für so viele Eltern, die von ihren Kindern schweren Undank ernten, für so viele Frauen, die von ihren Männern schlecht behandelt werden? Kein Wort der Mahnung und Warnung gegenüber den Verheerungen, die zum Beispiel der übermäßige Schnapsgenuß in unsern ArbeiterFamilien anrichtet? Har die Social=Demokratie jemals einen Vorschlag zur Hebung des Arbeiterstandes gemacht, der nicht eine ausgesprochene politische Tendenz hatte? Hat sie jemals einen Vorschlag gemacht, der den Leidenschaften der Arbeiter entgegentrat?“ Dieses nur zu getreue Bild muß noch durch einige Züge vervollständigt werden. Keine Partei ist unduldsamer in der Behandlung abweichender Anschauungen als die social=demokratische, keine der Belehrung unzugänglicher, keine rücksichtsloser in der Vergewaltigung des Gegners. Nur selten dringt etwas über die gereizten Auseinandersetzungen innerhalb der social=demokratischen Partei an die Oeffentlichkeit: das Socialistengesetz läßt dieselbe nach außen hin geschlossen erscheinen. Wo aber die verschiedenen Richtungen aufeinanderstoßen, da geht es mit einer Leidenschaftlichkeit und einer Verbissenheit sonder Gleichen her. So bei den Erörterungen im Schooße der Berliner Social=Demokratie über die Frage, ob die Partei an den Stadtverordnetenwahlen sich betheiligen solle ober nicht. Hier machte der Gegensatz zwischen der schärfern und der gemäßigtern Tonart in den erregtesten Preßkundgebungen sich geltend, wie derselbe auch auf dem im vorigen Jahre in Elberfeld abgehaltenen rheinischwestfälischen Parteitage hervorbrach. Nach dem ein Mal ausgegebenen Stichwort wird von den social=demokratischen Massen blindlings verfahren. Wir erinnern uns, daß vor Jahren zu Köln im Fränkischen Hof eine Versammlung zur Förderung der Sonntagsruhe stattfand, an welcher außer den Mitgliedern der Centrumspartei auch Social=Demokraten sich betheiligten. Von Seiten der Social=Demokraten war eine Resolution vorbereitet, welche lediglich die wirthschaftliche Seite der Sonntagsruhe, ihren Einfluß auf Regelung der Production betraf. Von Mitgliedern der Centrumspartei wurde darauf hingewiesen, daß die Frage doch auch andere beachtenswerthe Seiten habe. Der anwesende Führer der Social=Demokratie, Abg. Grillenberger aus Nürnberg, stimmte dieser Ausführung und der Formulirung einer weitergehenden Resolution zu. Trotzdem wurde bei der Abstimmung die ursprüngliche Resolution in ihrer ganzen Einseitigkeit und Beschränktheit angenommen, weil die ausgegebene Parole nun ein Mal dahin lautete. Zahllos sind die Versammlungen anderer Parteien, welche durch die social=demokratischen Massen gesprengt wurden. Noch in den letzten Tagen haben in Berlin die Social=Demokraten fortschrittliche Wähler=Versammlungen unmöglich gemacht. Im Wahlkreise Mainz=Oppenheim hat bei der vorletzten Wahl zum Reichstag nur eine einzige anti=socialdemokratische Versammlung ungestört abgehalten werden können und zwar tagte diese Versammlung in Anwesenheit von einigen Dutzend Polizisten und Gendarmen mit aufgepflanztem Bayonnett, welche hier als Hüter eines verfassungsmäßigen Rechts fungirten, über dessen Verkümmerung anderswo die Social=Demokraten bitterlich sich beklagen. Orte, Hr. Abg. Grillenberger, in diesem Punkte uns stark angreisen wird. Ich betone ausdrücklich: wenn wir das Socialistenge aufheben wollen, so thun wir es bei Leibe nicht, weil wir glauben daß die socialistischen Lehren nicht verderblich sind: ich halt, dieselben heute und immer für verderblich. Aber ich bin de Ansicht, daß sie mit andern Mitteln bekämpft werden müssen ale durch ein solches Gesetz, welches die Social=Demokratie erst regt begründet und befestigt, und diejenigen Zustände herbeigeführt he die heute bestehen.(Sehr wahr!) Das sind so im Wesentlichen die Grundsätze, welche die En trums=Fraction in ihrem Aufrufe entwickelt hat. Andere haben geßm. den, der Aufruf wäre sehr mager; ich kann das nicht sagen. a# habe nur Einiges herausgegriffen, glaube aber, daß man ein Buch darüber schreiben kann. Sie werden eingesehen haben, das wenn wir das, was in dem Aufrufe enthalten ist, zu bringen wollen, die Centrumspartei fortbestehen muß möchte hierfür noch ein weiteres Argument anführen, nämlich, daß in frühern Zeiten in Deutschland der Grundsatz galt, daß in Religions. sachen die Mehrheit die Minderheit niemals binden könne, daß dieser Grundsatz aber jetzt aufgehoben worden ist, und die heit so weit gegangen ist, geradezu in die Religions=Ueberzeugung einzugreifen. Da ist es nöthig, daß stets ein kräftiger Wächter da in der Lärm macht, wo solche Versuche gemacht werden, und entgegentritt. Und wenn zu keinem andern Zwecke, so müßte mar zu diesem Zwecke allein die Centrums=Fraction haben. Wollen e also ihre Religion aufrecht erhalten und schützen, so sorgen Sieß immer für eine rechte und zielbewußte Centrums=Fraction n## sorgen Sie dafür, daß Sie aus den nächsten Wahlen unversein hervorgeht. Wo immer sich Gelegenheit findet, noch einen Sitz# erobern, da unterlassen Sie es nicht! Die Zeiten sind ungeheuer ernst. Der nächste Reichstag hat, wie schon angedeutet, Aufgaben zu lösen, wie kaum einer zuvor sie gehabt hat, und e kommt darauf an, daß klar denkende, unabhängige, nach oben wie nach unten sich nicht scheuende Männer da sind. Ich habe mit Absicht gesagt: unabhängig nach oben wie nach unten! Daß sie die Unabhängigkeit nach oben wahren müssen, ist schon allgemein verständlich; aber sie müssen auch nach unten unabhängig sein, dem es wird sehr bald die Zeit kommen, wo es viel gefährlicher ist, nach unten die Wahrheit zu sagen, als nach oben.(Seyr richtig!) Ich meine, die Zeit ist vielleicht schon da. Ich habe mich niemals gescheut, die Wahrheit nach oben zu sagen, ich werde sie aber auch nach unten sagen, und das werden auch alle meine Freunde thun. Schon von dem Vorredner wurde darauf hingewiesen, daß nichtz gefährlicher sei, als die Massen des Volkes durch Schmeichelei au Irrwege zu führen. Wo sie irre gehen, muß man ihnen entgegentreten. sie belehren, und dies soll der Ruhm der Centrumspartei sein, (Bravo!) Meine Herren, ich fühle, daß ich Ihre Geduld schon ein weng lange in Anspruch genommen habe und komme zum Schluß. I muß Ihnen danken für alle die Freundlichkeit und freundliche Gesinnung, die zu jeder Zeit mir hier in Köln und in der ganzen Rheinprovinz zu Theil geworden ist. Ich weiß nicht, ob es mi beschieden sein wird, wieder hierher zu kommen. Wenn man in neunundsiebenzigsten Jahre steht, bleibt kein großer Rest mehr übrig Sollte Gott über mich verfügen— denn wir stehen ja in seiner Hand — dann bitte ich, mir ein freundliches Andenken zu bewahren. I# habe gewiß manchmal geirrt, aber ich habe es immer gut gemeint. Und nun lassen Sie mich schließen mit dem, womit wir unsen Versammlung begonnen haben, mit einem Hoch auf Se. Heiligkeit den Papst und auf Se. Majestät den Kaiser. Sie leben hoch! (Stürmisches dreimaliges Hoch und wiederholter lebhaftester Beifall.) Dr. Windthorst verläßt unter erneuten Hochrufen das Redner=Puli, während Abg. Graf Hompesch=Rurich mit kurzen kernigen Worten ein Hoch ausbrachte auf die Armee der Centrums=Fraction und deren Generalfeldmarschall Dr. Windthorst, das jubelnd aufgenommen wurde. Mit voller Befriedigung werden alle Theilnehmer auf den schönen Verlauf des Parteitages zurückblicken. Hoffentlich gibt derselbe den Anstoß zu energischer Wahlarbeit in den einzelnen Kreisen, damit das Centrum in der Rheinprovinz am 20. Februar in alter und wenn möglich noch vermehrter Stärke aus den Wahlen hervorgehe. eingebrachten Anträge zum Schutz der industriellen Arbeiter und zur Hebung des Handwerkerstandes sind nicht Gesetz geworden; das gehässige Priester=Ausweisungsgesetz besteht nach wie vor. Tragt zu euerm Theile dazu bei, daß aus der Neuwahl ein Reichstag hervorgehe, der mit mehr Erfolg auf die Beobachtung der Sparsamkeit hinzuwirken vermag, der unsern Wünschen au dem Gebiete der Arbeiter= und Handwerker=Frage mehr Nachdruck verschafft, der die Wahrung unserer religiös=kirchlichen Interessen besser verbürgt und insbesondere auch der Missionsthätigkeit unseret sämmtlichen Orden sowohl im Inlande wie in den sämmtlichen africanischen Schutzgebieten freie Bahn schafft. Vergeßt auch nicht, daß die wichtigen Aufgaben, welche den Preußischen Landtag gestellt sind, in ihrer Lösung stark beeinflußt werden durch die Zusammensetzung des Deutschen Reichstages. Wähler der Centrumspartei! Sieben Mal bereits haben die rheinischen Wahlkreise in ihrer großen Mehrzahl Männer des Centrums in den Reichstag geschickt. Unsern Erwählten können wu die Anerkennung nicht versagen, daß dieselben mit Ueberzeugungstreue, Opferwilligkeit und Geschick für ihre und unsere Grundsätz und Interessen eingetreten sind. Wir haben das Vertrauen, das die Wähler auch dieses Mal mit demselben Eifer für die Candidata des Centrums eintreten werden, wie bisher. Wir schließen uns darum freudig und zuversichtlich dem Rutt unserer bewährten Vertreter an: Mit Gott für Wahrheit, Freiheit und Recht! Nr. 6. Sonntag, Dienst tag, 13 Sever., 31 Städten zu Sämann g an den We es. Ein an es, weil es und die De gute Erde gesagt hat, Ihn aber ihnen:„Eu stehen; den doch nicht dieses: De welche es ihrem Herze steinigten G wenn sie er lang glaube Dornen fiel in Sorgen, Frucht brin Wort hören bringen in Was könnte einen besonnenen katholischen Arbeiter zu einer solcht Partei hinziehen? Sorgfältig wissen allerdings die meist aus den östlichen Gegerden unseres Landes zugezogenen social=demokratischen Agitalorel ihren Haß gegen alles positive Christenihum anfangs zu verbergen, indem sie auf den angeblichen Programmsatz:„Die Religion“ Privatsache“ hinweisen. Aber der antireligiöse und antikirchlicht Pferdefuß tritt doch sehr bald zu Tage, wenn es gelungen ist, 9n Arbeiter die Meinung beizubringen, daß seine materiellen Iu tereisen am besten durch Beitritt zur Social=Demokratie wahrt würden. Die Thatsachen beweisen das Gegentheil. Von Führern Centrumspartei ist die Nothwendigkeit einer einschneidenden Socht reform schon zu einer Zeit vertreten worden, als die Social=Dem“ kratie in unserm öffentlichen Leben kaum noch eine Rolle spielt; aber auch seit der Reichstag eine social=demokratische Fraction 30h, kann dieselbe in keiner Weise als die Hauptträgerin der soctht reformatorischen Bestrebungen gelten. Die Arbeiterschußge##? gedung insbesondere ist von keiner Partei eifriger vertreten wur 1 den, als vom Centrum; wenn die Social=Demokratie hier. überbieten immer bereit war, so wird jeder umsichtig:###en sich sagen, daß ihre über das Ziel hinausschießenden, den bestehe“ den industriellen Verhältnissen oft gar keine Rechnung den Anträge eher ein Hemmniß als eine Förderung für strebte Ziel darstellen, indem sie den einer Beseitigung der zweise“ los vorhandenen Mißstände abgeneigten Großindustriellen eene bequeme Handhabe bieten, die Bestrebungen der Arbeiter=Bevone“ rung der Maßlosigkeit und Undurchführbarkeit zu zeigenAlle diese Gesichtspunkte werden der social=demokratischen Agtn: tion gegenüber geltend zu machen sein, und sie werden überall da mit: Erfolg geltend gemacht werden, wo die Bevölkerung an ihrem lischen Glauben noch nicht irre geworden ist. Bei der Auswa der Candidaten für die hier in Betracht kommenden Wahl“ kreise wird man auf solche Persönlichkeiten das Augenmert“ richten haben, deren Verständniß für die Interessen der Arbeiter“ Bevölkerung und deren Wohlwollen für diese Interessen in Zweifel nicht gezogen werden kann, entweder Arbeiter, welche sich des Vertrauens ihrer Genossen in besonderm Maße erfreuen oder Arbeitgeber, welche um ihre Arbeiter in besonderer Weise sich verdient gemacht haben. Die katholische Arbeiterbevölkerung wird in jenen Kreisen jetzt eine ernste Probe zu bestehen haben. In der Zeit leidenschaftlichen kirchen=politischen Kampfes hat sie hartem Drucke von oden kühmlich widerstanden; jetzt wird sie zu zeigen haben, ob sie in erregtem social=politischem Kampfe auch dem demagogischen Druck von unten zu widerstehen vermag. Die Führer des katholischen Volkes aber, wir wiederholen es, mögen ihrer großen Verantwortlichkeit unter den obwaltenden Verhältnissen sich bewußt bleiben! Wer die Zeichen der Zeit versteht, wird die ernste, opferwillige social=reformatorische Arbeit, zugleich aber die nachdrückliche, an der Wurzel ansetzende Bekämpfung der Social=Demokratie als die Hauptaufgabe der Gegenwart erkennen. irdisch, und ): der W sich ab nur ihren eiten un rer Schall Druck und Commissions=Verlag von J. P. Bachem in Köln. 80050.