Erscheint wöchentlich zweimal und zwar: ttwochs und Samstags. Ausgabe abends vorher. Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark, einschließlich Bestellgeld. Amtlicher für die Stadt- und LandAnzeiger Bürgermeisterei Münstereifel. Mit der Gratisbeilage„Sonntags-Blatt". Redaktion, Druck und Verlag von Friedrich Schulte in Münstereifel.— Expedition Markt 75.— Fernsprecher 26. Insertions-Preis die sechsgespaltene Petitzeile oder deren Raum 10 Pfg., bei größeren Aufträgen Rabatt. Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags morgens 10 Uhr erbeten. Mittwoch, 28. Januar 1914. 21. Jahrg. Politische Rundschau. Deutscher Reichstag. 7 Zum zweiten Male standen im Reichstag am Freitag die Vorgänge in Zabern zur Debatte. Die sozialdemokratische Fraktion hatte eine Interpellation eingebracht. In Verbindung damit stand die fortschrittliche Interpellation über die Besugnisse der Militärbefehlshaber zur Ausübung der öffentlichen Gewalt. Der sozialdemokratische Abgeordnete Dr. Frank=Mannheim ssprach zuerst. Er wandte sich gegen die Straßburger Urteile und polemisierte schaif gegen den Reichskanzler. Mehrmals griff der Präsident ein, um den Redner zu ermahnen, sich einer gemäßigteren Tonart zu befleißigen. Seine Kritik an der Person des Kronprinzen des Deutschen Reiches veranlaßte den Reichskanzler zu einer sosortigen kurzen, aber entschiede en Erklärung, in der er den Vorwurf einer intimen Freundschaft des Kronprinzen mit Gegnern der Reichsverfossung auf das entschiedenste zurückwies. Der Abg. Professor De. v. Liszt, der bekannte Strafrechtslehrer, sprach ruhig und sachlich vom rein juristischen Gesichtspunkt aus über die Zaberner Urteile, die er als nicht gerecht bezeichnete. Zum zweitenmale ergeiff dann der Reichskanzler das Wort zur Hervorhedung und Bestätigung des verfassungsmäßigen Grundsotzes, daß das Militär erst auf Requisition der Zivilbehörde eingreifen dürfe, und indem er entschieden in Abrede stellte, daß ein Gegensatz zwischen Norden u d Süden bestünde. Der Zentrumsavgeoronete Fehrenbach beharrte in einer längeren, vom Hause mit großem Interesse ausgenommenen Rede auf den Standpunkt seiner Rede bei der ersten Zabern=Deva##, Dr. Bassermann, der natlib. Führer, stimmte im Namen seiner Parteisreunde den Ausführungen der Ri skanziers zu. Für die Konservativen sprach Graf von Westaip, der in den Vorgängen der letzten Wochen eine glänzende Rechtferugung der Armee erdl ckte. Den Stundpunkt der fortschrittlichen Volkspartei ver##at rochmals unter gespannter Aufmerksamkeit des ganzen Hauses der bekaunte Polliker Fiedrich Naumann. Genosse Lebedour kum mu einem dick a Manustript auf die Tribune. Ee wa svon fast 8 Uh, als er in dieser späe Siu de das Haus mit ene la gen Rede beulückte. Staatssetieta Dr. Vele ua eng gusse iom und legte geuen ei g. Mraßrtung u Led bols Verwährung ein.— Der Sams aa bradie die Be alung der beiden Anttage der Z## Umlr und der Ritionanidern.n. Das Zentium ersocht in eirem Arttag Dr. Spahl den Reichskanzlei, bei den verbündeten Rgern gen oaben zu wirken, daß die Vorau=setzungen für oa Einsch eiten ds Militäcs in polizeilichen Angelegenheitn übereinstimmend in einer die Seibnändigkeit der Zolde waltung si vernden Weise geregelt werden. Die Abstimmung ergab die Annahme der Anträge des Zentrums und der Nationalliberalen mit großer Mehrheit. Der Gesetzentwurf der Fortschrittlichen Volkspart#i, die Anträge der Sozialdemokraten und der Elsässer wurden einer Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Damit vertagte sich das Haus auf Mittwoch. — Ein Anschlag auf den Kronprinzen. Als der Kronprinz am Freitag nachmittag um 3 Uhr 10 Minuten im Auto in sein Palais Unter den Linden zurückkehrte, stürzte ein Mann die Rampe hinauf und gelangte bis an den Wagenschlag. Der sofort hinzuspringende Posten packte den Mann und drängte ihn gewaltsam ins Schilderhaus. Der Kronprinz, der inzwischen mit seinem Adjutanten dem Wagen entstiegen war, beobachtete noch die durch die herbeigeilten Schutzleuten vorgenommene Festnahme. Der Mann wurde in die dem Palais gegenüberliegende Hauptwache abgeliefert. Das Wolffsche Telegraphen=Büro verbreitet darüber folgende M iteilungen: Der am 7. Juli 1887 zu Kolmar geborene Syhneider Leopold Salomon, Grenadierstraße 34, bei Rocke wohnhaft, lief heute nachmittag gegen 3 Uhr, als der der Kronprinz nach seinem Palais zurückkehrte, hinter dem Automobil her. Ein Schutzmann nahm Salomon an der Rampe fest und führte ihn der Wache des 2. Polizeireviers zu, wo er, da er den Eindruck eines Geisteskranken macht, von dem zuständigen Kreisarzt untersucht werden wird. In seinen konfusen Reden behauptet der Sistierte, ein Bruder des Kronprinzen zu sein, den er um eine Unterstützung für seinen Lebensunterhalt hätte bitten wollen. Entgegen den Mitteilungen einiger Blätter wird von zuständiger Seite erklärt, daß von einem verbrecherischen Anschlog auf den Kronprinzen nicht die Rede sein könne. Es handle sich lediglich um die Tat eines Irrsinnigen, der bereits in eine Irrenastalt übergeführt worden ist. — Unerwartete Ergebnisse der Wehrbeitrausveranlaaung? Aus finanzamtlichen Kreisen Bay=rns erfährt man, daß die bieherigen Feststellungen und Erklarungsabgaben bei den Finanzbehörden über den W hibe trag recht ersreuliche Resultate gezeigt haben, die über den Rahmen der ersten Schätzungen hinausgehen. Es sei hi rnich gar wahrsch=inlich, daß die dritte Teilzahlung des W henen ags vielleicht gar nicht zur Erhebung kommen werde. — Die begehrte deutsche Kriegsschule. Das Kiegsamt in Washington hat ein Rundschreiben an die Infanterie=Reumentskommandeure des stehenden Heeres erlassen, wonach vier Hauptleute zur Dienstleistung bei deutschen Truppente len befehligt werden sollen. Die Ab sicht einer solchen Zuteilung amerikanischer Bundesarmee. offiziere an deutsche Regimenter wird von der Botschaft der Vereinigten Staaten in Berlin bestätigt. Bis zum Preußischen Kriegsministerium ist ein solcher Antrag zurzeit zwar noch nicht gelangt, doch ist unsere Heeresverwaltung gern bereit, ihm später zu entsprechen. — Der Abt von Maria Laach beim Kaiser. Der Kaiser empfing am Montag den Abt Ildefons Herwegen mit seinem Sekretär P. Albert. Der Abt überreichte dem Kaiser, das auf dessen Wunsch reproduzierte Labarum, eine herrliche Arbeit der christlichen Kunst. Der Kaiser war freudig überrascht von dem prächtigen Kunstwerk und von der Schnelligkeit, mit der es in kaum einem Jahr fertiggestellt werden konnte. Immer wieder drückte der Kaiser dem Abte seine Bewunderung und Befriedigung darüber aus. Im Sternsaale war die Standarte aufgestellt und hier empfing der Kaiser auch die beiden Herren in sichtlich bester Stimmung. Es war erstaunlich, mit welcher Sachkenntnis und welch scharfem Kunstblick der Kaiser die Schönheiten und technischen Schwierigkeiten des einzigartigen Kunstwerkes erkannte und hervorhob. Mit wiederholtem Ausdruck der Freude entließ der Kaiser den Abt, der darauf in gleich huldvoller Weise mit seinem Sekretär P. Albert von der Kaiserin empfangen wurde. Frankreich. — Die Kosten für das Heer und die Marine. Die Minister des Krieges, der Marine und der Finanzen brachten den bereits angekündigten Gesetzentwurf beir. die Eröffnung von Krediten für die nationale Verteidigung ein. Diese Kredite betragen für das Heer 75 4½ Millionen und für die Kriegsflotte 135½ Millionen Franken und sind zum großen Teile für die Verbesserung des Kriegsmaterials und namentlich der Festungsartillerie, für Uebungszwecke, Eisenbahnen, das Flugwesen, die Intendantut und den Sanitätsdienst bestimmt. Eine besondere Bestimmung des Gesetzentwurfes gestattet die Kiellegung von drei Aufklärungsschiffen im Jahre 1914, sowie eine Ausgabe von 30 Millionen Franken für das Marineflugwesen. Die Gesamtausgaben von 890 Millionen, von denen bereits unter dem vorhergegangenen Ministerium 250 Millionen ihrem Zwecke zugeführt wurden, werden nicht in das ordentliche Budgel, sondern in besonderer Rechnung eingestellt werden. Asien. — Japans auswärtige Politik. Der Minister des Aeußeren, Baron Makino, erklärte bei der Einbringung des Staatshaushaltes im Reichstage, ein fundamentaler Grundsatz der chinesischen Politik Japans, sowie ein Grundprinzip seines Bünbnisses mit England sei die Sicherung der Unabhängigkeit der Intearität Chinas. Roman von H. von Schieiei.shosen 52(Nach bruck vervole. „Niederträchtiger Hund, infamer Mörder!“ schrie der alte Pietro, doch ehe sich seine Hand gegen den Grafen erheben konnte, hatte des andern Dolch di Boyn fest und sicher getroffen. Schwer sank er nieder, bat wimmernd um Gnade und versprach alles, was er besaß, für sein Leben... Laut ausheulend trieb der Wind die schäumenden Wogen hoch auf den Strand, eine Möwe kreischte, sonst blieb es ganz still, nur in der Ferne verhallte das Rollen der Räder. Spät in der Nacht pochte es an die Hütte der alten Fortunata, die murrend und scheltend nur unwillig öffnete. Villano lag von Schmerzen und Fieberträumen geplagt in unruhigem Schlummer auf dem armseligen Bette. Pietro und ein Fremder, der sogleich wieder verschwand, trugen einen Mann herein und legten ihn neben den Kranken. Er erwachte.„Was wollt Ihr? Laßt mich in Ruhe!" stöhnte er.„Pietro, Elender, wer ist das?“„Herr und Diener gehören zusammen.“ Pietro schlug den Mantelkragen zurück, ver das Gesicht des Hereingetragenen verdeckte.„Dieses eine Mal habe ich gern gehorcht. Morgen könnt Ihr Euch zusammen freuen. Lippone wird mirs danken.“ Er verließ die Hütte. Die Alte wollte ihn halten, es ward ihr bange allein, doch er schob sie von sich.„Mein Tagewerk ist noch nicht zu Ende. Den einen hierher, wo ihn der Teufel holen mag, den andern in die Kirche zu den Heiligen. Jeoem das Seine!" „Der Teufel, ja der Teufel!" wiederholte die Alte und kroch an der Außenwand der Hütte hin. Mit einem heisern Schrei fuhr sie empor.„Er kommt, die Hand geht schon hinein, nun holt der Teufel sie beide. Graut der Morgen, se rette ich mich.“ Sie setzte sich auf die Bank im Freien und sah unverwandt nach dem Meere, bis das erste lichtgraue Dämmerlicht heraufstieg. Dann erhob sie sich vorsichtig, warf noch einen ick in den Raum, wo sich Herr und Diener zum letzten Mal zusammen gefunden hatten und bückte sich noch einmal nieder ## dem Riß zwischen Fels und Mauer, der weit auseinander te. Dann ging sie hinweg. Kapitel 18. Ein wundervoller, sonniger, heiterklarer Morgen stieg herauf. Die Frühnebel waren gewichen, der Tau glänzte noch auf den Blättern und Gräsern, die Eidechsen schlüpften auf die von der Sonne beschienenen grauen Felsen, um sich zu wärmen und zahllose Käfer und Insekten schwirrten und summten in den Sonnenstrahlen, die das Kloster vergoldeten, daß es sich fast glänzend von dem dunklen Berge dahinter abhob. Der alte Neptun sah leichtsinnig in den heute ganz hellen und sonnigen Klosterhof, wo Monika=Isotta mit ganz sorgenvollem Gesichte stand und umher blickte. Ihre umwölkte Stirn paßte ganz und garnicht zu dem heitern Sonnentage, diesem zweiundzwanzigsten Dezember, der so garnichts Winterliches mit sich brachte und an sich hatte. Monika wollte Steinmann sprechen und hatte sich dazu den Hof ausgesucht; sie bildete sich ein, ihm hier schneller entfliehen zu können, wenn er sie mit seinen Bemerkungen und Fragen allzu sehr quälte. Denn eine unsägliche Qual waren seine Fragen, die sie in schwere Zweifel und peinvolle Unruhe stürzten. Und doch konnte sie nicht anders, als sich nach ihm sehnen, rief auch sein Anblick Herzpochen hervor und verwirrte sie sein heller, klarer und doch so inniger, warmer Blick. Sein Lächeln hatte eine unwiderstehliche Gewalt über sie, sagte sie sich auch immer vor, sie müsse als Nonne fühlen. Sie war keine, ste hatte keine Gelübde, an die sie sich hätte halten können, sie war frei... Da erklang Steinmanns Schritt, ihre Wangen tauchten sich in dunkle Glut, doch gleich darauf ward sie so bleich, daß er erschreckt nach ihrem Befinden fragte. Sie schob die Frage mit einer ihrer reizenden Handbewegungen beiseite, sie hatte ihm etwas mitzuteilen. Schon seit gestern, aber sie war unschlüssig gewesen, ob es besser sei, der Sache ihren Lauf zu lassen oder nicht. Sie schwieg und errötete verlegen unter dem Blick, den er auf sie heftete; es zitterte wie eine große heimliche Freude durch ihr Herz dabei. Er wartete ruhig auf ihr Weitersprechen, ja er schien über ihren Anblick ganz zu vergessen, was sie gewollt. Endlich fuyr sie fort, sie habe gehört, von wem, sagte sie nicht, aber es war Gismonda, Graf di Boyn n rde hier erwartet und sie fürchte, Lippone werde seine Drohung am Ende wahr machen und sich an ihm rächen. Steinmanns Augen nahmen sofort einen andern Ausdruck an.„Mich geht ja die Gestnichte im Crunde garnichts au, doch ist im Notsalle jeder berechtigt, ja verpflichtet, einen offenbaren Schurken festzuhalten. Lippone könnte dem Herrn Grafen aber doch sehr übel mitspielen. Wir wollen versuchen, ihn dem ordentlichen Gerichte zu übergeben. Wäre nur Laveggi zurück!“ „Herr Girolamo ist hier,“ sagte Monika, voller Freude, ihm eine gute Nachricht fragenden Blick setzte sie „#— ich sah seine Fen „Desto besser, das i seben zu können. Auf Steinmanns tockend und etwas verlegen hinzu: ter gestern Abend erleuchtet.“ st sehr gut sogar. Was ich tun kann, um Freund Lippone von einem allzu schnellen Justizakte abzuhalten, soll geschehen. Aber Doktor Laveggis Einfluß ist eine große Hilfe.“ Steinmann nickte befriedigt. Doch Monika hatte nicht die Wahrheit gesagt. Nicht Girolamos erleuchtete Fenster, Pietro hatte es ihr verraten. Der Alte hatte ihr aber auch zur Pflicht gemacht, es Steinmann erst heute zu sagen, mit einem Nachdrucke, daß sie keine weitere Fragen zu stellen wagte, ihn nur mit Angst und Bangen ansah. Und da hatte er ihr noch zugeflüstert, sie möge dafür sorgen, daß Steinmann überhaupt das Kloster nicht vor dem andern Morgen verlasse. Sie könne im Notfalle ja auch krank werden. Mit einer beklemmenden Angst hatte Monika über Steinmann gewacht, aber er war nicht aus seinem Zimmer gegangen, hatte das Haus nicht verlassen und nun durfte sie reden. Sie gingen zusammen bis vor das Tor, wo Monika mit einem Ruf das Erstaunens nach der kleinen Kapelle hinauf deutete. Die Türe stand offen, Kerzen brannten darin und eine leichte Weihrauchwolke zog heraus. Neugierig sprang Monika leichtfüßig die Stufen hinauf und blickte in die Kapelle, taumelte aber mit einem Aufschrei zurück. Im Nu war Steinmann neben ihr und in der Kapelle. Vor dem kleinen Altare, auf dem die Kerzen brannten, stand eine Bahre, ein Toter lag darauf. Zitternd sank Monika auf ihre Knie, versuchte mit bebender Stimme zu beten, doch Tränen erstickten ihre Worte. Mit einer grenzenlosen Erschütterung und namenlosem Schmerze erkannte Steinmann in dem Toten Girolamo Laveggi. Noch waren seine Brauen finster und drohend zusammengezogen, so wie er wohl seinen Mörder angeblickt, denn dort sah man die kleine Wunde, und ein jetzt längst eingetrockneter Blutstrom hatte die Kleider über dem Herzen rot gefärbt. Im nächsten Satze aber erschüttert Baron Makino bereits dieses„fundamentale Prinzip“ durch den Hinweis auf die Gebiete Chinus, wo japanische und russische Interessen sich berühren und die Feststellung, daß die Beziehungen zwischen den beiden Regierungen stets inniger werden. „In der Südmandschurei und der östlichen Innenwongolei vimmt Japan dank den Verträgen und aus anderen Günden eine besondere(3) Stellung ein. Da diese Provinzen an Japan stoßen und besondere Beziehungen zu Japan haben, stehen wir ihnen anders gegenüber als den übrigen chinesischen Provinzen. Die Anzabl der in China lebenden Japaner wächst.(!) Da außerdem die Grundlagen der Stellung Japans in China immer stärker werden, sind die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Ländern inniger denn je." Der Redner wendet sich sodann den Unruden Chinas zu.„Hierbei wurde Wert darauf gelegt, daß die kaiserliche Regierung den Gesandten und die in Betracht kommenden General konsuln bei mehr als einer Gelegenheit anwies, die beiderseitigen Führer in freundschaftlicher Offenheit darauf aufmerksam zu machen, daß sie durch den Apell an die Gewalt die Grundlagen des neuen Systems(?), vielleicht sogar den Frieden in ganz Ostasien gefährdeten, daß ihnen daher ein vorsichtiges und umsichtiges Handeln obläge. Vom Balkan. In dem politischen Wetterwinkel Europas hat seit einigen Tagen die Spannung etwas nachgelassen. Die kampfesmutigen Herren scheinen doch mäßigere Gedanken bekommen zu haben, sie sind wenigstens etwas ruhiger geworden. Hoffentlich gelingt es den Diplomaten, die einzelnen Angelegenheiten der Erledigung entgegenzuführen, ohne neue Reibungsflächen zu bringen. Auch in Albanien ist ein wichtiger Schritt für die Ordnung getan. Da der internationalen Kontrolikommission vor einigen Tagen von Ismail Kemal, dem Haupt der provisorischen Regierung, erklärt worden war, daß er zum Besten des Landes zurücktreten werde, forderte die Kommission ihn nunmehr auf. seine Demission auch wirklich zu vollziehen. Ismail Kemal übergab darauf seine Machtbefugnisie in die Hände der internationalen Kontrollkommission, um zu erreichen, daß Albanien von den Unruhen befreit würde und eine einzige Regierung erhalte. Es wurde ein Protokoll darüber aufgenommen, das von den Ministern und von der internationalen Kontrollkommission unterzeichnet wurde. — Die laue Haltung Enalands. Wie das Reutersche Büro erfährt, herrscht in diplomatischen Kreisen der Eindruck, daß gegenwärtig das Datum der Räumung Südalbaniens durch Griechenland an Bedeutung verloren hat, da fast allgemein der Meinung Ausdruck verliehen wird, daß Griechenland keine anderen Absichten habe, als eine friedliche und gemäßigte Politik zu verfolgen. Die Nachrichten aus Albanien lauten beunruhigend, e werden aber vicht für gefährlich gehalten. Die Frage der Entsendung von Kriegsschiffen durch die Mächte an die albanische Küste ist wohl aufgeworfen worden, doch besteht keine Begeisterung dafür, ein Verfahren einzuschlagen, das die Lage verschärfen könnte. Man hofft und glaubt, daß ein solcher Schritt nicht notwendig werde. — Kussische Anmaßungen.„Das albanische Spiel des Dreibundes kann nicht länger gestattet werden", ruft die Nowoje Wremja aus. Es sei jetzt ganz klar, daß der Dreibund sich in dem„unabhängigen“ Albanien einrichten wollen. Prinz Wilhelm zu Wied werde mit einer Eskorte österreichischer und italienischer Soldaten nach Albanien kommen, österreichische Bankiers würden die Anleihgeben, welche das arme Lavd in„dauernde Knechtschaft“ stürze. Das brauche sich das Dreiabkommen nicht gefallen zu lassen, das viel mächtiger sei als der Dreibund!„Man vergleiche die Stärken der Heere und der Flotten, man berücksichtige, daß ein Drittel(!) der deutschen Bevölkerung in den Reiben der Sozialdemokratie steht, daß das DonauKaiserreich von nationalem und sozialem Hader zerrissen wird, daß Italien zur äußersten Anstrengung gezwungen ist, um sich seine afrikanischen Eroberungen zu erhalten. Die politische Bilanz dieser Zusammenstellung wird zeigen, daß das Recht, in Europa zu verfügen, soweit es von der materiellen Macht abhängt, dem Dreiverband gehört.“ — Bessere Beziehungen zwischen Bulgarien und Griechenland. Die hellenische Regierung gestand die Amnestierung sämtlicher in griechischen Gefängnissen befindlichen Gefangenen zu. Nach Durchführung dieses Versprechens werden die beiden Regierungen zur Wiederherstellung der diplomatischen Beziehungen schreiten, indem die beiderseitigen diplomatischen Vertreter ernannt werden. Lokales und Provinzielles. Münstereifel, 25. Jan. Im Samstag nachmittag durchfuhr ein Gefährt mit zwei Hirschen, einem Sechszehnund einem Zehnender, unsere Stadt. Die Tiere, die wahre Prachtexemplare darstellten, wurden bei Buir erlegt. Münstereifel, 26. Jan. Ein Stenographen=Verein (System Stolze=Schrey) wurde hierselbst am Sonntag ins Leben gerufen, dessen Zweck es ist, einerseits durch periodisch abzuhaltende Uebungsabende seine Mitglieder weiter auszubilden, anderseits den Interessenten Gelegenheit zu geben, sich mit der Stenographie soweit vertraut zu machen, um ihre Vorteile praktisch verwerten zu können. Münstereifel, 26. Jan. Auf Antrag des Versehrsausschusses des Eiselvereins, an zwölf Sonntagen im Sommer Sonderzüge nach der Eisel einzulegen, hat die Eisenbahnverwaltung geantwortet, daß dies vorläufig nicht möglich sei. Die Lage der plonmäßigen und der Sonntagszüge lassen eine beschleunigte Durchführung der Sonderzüge nicht zu, namentlich nicht für die Ruckfahrt. Die Ausführung stoße auch auf dem noch im Umbau befindlichen Kölner Hauptbahnhof auf erhebliche Schwierigkeiten, die Störungen im Laufe der planmäßigen Züge zur Folge hätten. Die Angelegenheit solle aber im Auge behalten und es werde nach beendigtem Umbau des Bahnhofs nochmals geprüft werden, ob dem Wunsche, wenn auch vielleicht in anderer Weise, entsprochen werden könne. Münstereifel, 27. Jan. Im„Sprechsaal“ der „Trier. Landeszeitung“ ist ein Artikel abgedruckt, der sich mit der Bahnbaufrage von Münstereifel nach Mühlheim (Eifel) als Verbindungslinie zu der Strecke Abrdorf=Blan= kenheim befaßt. Das Eingesandt, dem als Spitzmarke „Dringender Eisenbahnwunsch aus der Eisel" vorangestellt ist, lautet: In der Gegend von Blankeuheim und Münstereifel fragt man mit Spannung: Wird diesmal bei der Nebenbahnvorlage die Eisenbahnbehörde in Einsehen haben und die so sehnlichst erwartete Verbindungsbahn zwischen Münstereifel und Mühlheim(Eifel) im Etat bringen? Nach der Benachrichtigung, die im vergangenen Jahre der Eisenbahnminister den Stadtvätern von Euskirchen zugehen tieß, scheint die Hoffnung wenig aussichtsvoll. Und doch wäre dieser Bahnbau so notwendig auch für den Staat. Denn die Strecke Ahrdorf=Blankenheim kann ohne den Ausbau nach Münstereisel niemals krentabel werden. Dabei wären die Kosten verhältniemäßig sehr gering. Denn es ist ja nur ein Stück Bahn— sage und schreibe— 15 Kilometer Länge zu bauen. Und mindestens ein Dutzend Gemeinden würden dabei angeschlossen. Will denn die Behörde nochmals die Leute ein halbes Dutzend Jahre zwei bis drei Stunden zur nächsten Bahnstation zu Fuß traben lassen? Will man erst Jahre lange bei dem Bahnverkehr Ahrdorf=Blankenheim Tausende zusetzen, ehe man auf den schlauen Gedonken kommt, durch Ausbau der 15 Kilometer die ganze Strecke rentabel zu machen. Soll es dem preußischen Staate viel ausmachen, wenn er den Millionen von Kilometern seines Essenbahnnetzes noch 15 weitere hinzujügt? Der Staat hat A gesagt, als er für die Linie Ahrdorf=Blankenheim 8 Milionen opferte, er muß nun auch B sagen und die 15 Kilometer weiter bauen, je eher um so besser, auch für ihn selbst. Münstereifel, 26. Jan. Vorteile des Pfundpakets. Die neuen Vorschriften der Postordnung über Warenproben haben insbesondere zwei Industriezweigen besondere Vorteile gebracht und alte und lebhafte Wünsche erfüllt. Die Post hat bekanntlich auf die Forderung verzichtet, daß zu dem ermäßigten Satz nur wirkliche Proben ohne Handelswert verschickt werden dürfen. Es können jetzt Waren beliebiger Art als Warenproden verschickt werden, wenn die Sendung nur in Verpackung und Umfang den Bedingungen entspricht, die nicht allzu engherzig gefaßt sind. So kann jetzt auch das Druckgewerbe Klischees und Holzstöcke zu dem ermäßigten Satze verschicken. Ferner durften bieher entwickelte Films und photographische Platten nur im Brief oder als Postpaket verschickt werden. Die photographische Industrie hat jetzt die Möglichken, derartige Sendungen bis zum Gewicht von 250 Gramm für 10 Pfg. und solche bis zum Gewicht von 500 Gramm für 20 Pfg. zu verschicken. Es ist aber darauf aufmerksam zu machen, daß die neuen erleichterten Vorschriften über die Warenproben nur für den innern deutschen Verkehr gelten. Im Verkehr mit Oesterreich, Ungarn und dem Welipostverein ist an der bisherigen Bestimmung nichts geändert worden. Die Gewichtsgrenze beträgt hier nach wie vor 350 Gramm. Auch darf der Inhalt einen Handelswert nicht besitzen. Blankenheim, 26. Jan. Ein seltenes Waidmannsheil hatte der Kal. Förster Most in seinem Revier Silberberg. In dem daselbst vor 11 Jahren seitens des Forftfiskus mit einem Kostenauswand von 600 Mark errichteten Saufang hatten sich vier Borstentiere gefangen und konnten leicht zur Strecke gebract weiden. Der Saufang ist eine 25 Meter im Quadrat große Fläche in hohem Fichtenbestand, die ringsum von 2 Meter hohen Pallisaden umgeben und mit einer 2½ Zeniner schweren Folltür verschlossen werden kann. In der Mitte der Saufalle ist eine Stellvorrichtung, welche mittels eines Drahtseils die Falltür hochhätt. Sucht das Schwarzwild nach Eintritt in den Fang, die um das Stellwerk vergrabenen Kartoffeln auszawühlen und berührt die Vorrichtung, so fällt die Schiebetür herunter und das Schwarzwild ist eingefangen. Vor zwei Monaten gelang es demselben Förster, in dem Sausang zwei Bachen zu erlegen. Köln, 26. Jan. Mit 150000 Mk. durchgegangen. Ein Kassenbote der Firma Mierlo u. Sohn in Brede ist mit einer Summe von 150000 Mk. flüchtig geworden, die er einem Benkhause überbringen sollte. Köln, 25. Jan. Eine Einbrecherbande, die seit einigen Wochen die Stadt in Unruhe versetzte, wurde in einem Hause an der Weberstraße von der Polizei aufgestöbert. Die drei Burschen traten den Beamten mit geladenem Revolvern entgegen. Es kam zum Kampf. wobei die Beamten von ihrer Schußwaffe Gebrauch machten und dem Haupttäter, einem mit Zuchthaus vorbestraften 24jährigen Arbeiter namens Joh. Dietz, einen Schuß in die Schulter beibrachten. Der Verbrecher entfloh, konnte aber in der Heinrichstraße verhaftet werden. Die beiden anderen Einbrecher, Ghr. Behrens aus Wiesbaden, wurden ebenfalls abgeführt. Jeder trug zwei geladene Revolver bei sich; zehn weitere geladene Waffen wurden beschlagnahmt. Ein ganzes Waren= und Munitionslager fand man in der Wohnung: Revolver, Kleidungs. stücke, Pelze, Lebensmittel usw. Den Burschen wurden etwa 50 bis 60 Schaufenster= und Ladendiebstähle in den letzten Wochen zur Last gelegt; davon haben sie bereits 30 eingestanden. Köln, 25. Jan. In der Fabrik Klein=Schlotter im Orte Keitwig überfielen in der verflossenen Nacht drei im Gesicht geschwätzte Männer den auf dem Kontrollgang befindlichen Nachtwächter, knebelten ihn mit vorgehaltenem Revolver und brachten ahn in ein sicheres Verließ, worauf sie in den Kassenraum eindrangen und mittels eines Sauerstoffapparates den Geldschrank sprengten. Die Spitzbuben erbeuteten etwa 15 000 Mk. und entflohen, ohne sich um den geknebelten Nachtwächter zu kümmern. Dieser, dem die Fesseln ins Fleisch eingedrungen waren, wurde morgens vom Kesselwärter befreit. Von den Dieben hat man bisher keine Spur. Aachen, 25. Jan. In der Elisabethkirche an der Jülicherstraße ereignete sich heute morgen gegen 9.30 Uhr eine heftige Gasexplosion. Vermutlich durch den starken Frost der letzten Tage war in der Kirche anscheinend unter dem Fußboden ein Gasrohr undicht geworden. Beim Ableuchten des Gasleitung explodierte plötzlich das angesammelte Gas und richtete arge Verwüstungen an. Der Fußboden des linken Schiffes wurde zum größten Teile aufgerissen, die dort stehenden Bänke fortgeschleudert und zum Teil stork beschädigt. Es entstand ein kleiner Brand. Mehrere Personen wurden zu Boden geschleudert, kamen aber nicht zu Schaden. Düsseldorf, 26. Jan. Durch eine unter falschem Namen bei der 14. Division gemachte briefliche Mitteilung war auf angebliche große Bestechungen in der 5. Batierie des hiesigen Artillerieregiments hingewiesen worden; es sollten die Einjährigen die Unteroffiziere der Batterie reichlich beschenkt haben. Die eingeleitete Untersuchung führte zur Anklageerhebung gegen den Feldwebel, den Vizefeldwebel, drei Sergeanten und vier Unteroffiziere, die beschultigt wurden, seit dem 13. Oktober vorigen Jahres von Untergebenen ohne Vorwissen der Vorgesetzten Geschenke angenommen zu haben. Die Verhandlung vor dem Kriegsgericht der 14. Division ergab, daß die beiden Wachtmeister je eine Kiste Zigarren mit 100 Mark und dann noch einmal einen Brief mit 100 Mark Inhalt erhalten hatten. Die übrigen Angeklagten haben Beträge von 15 bis 60 Mark erhalten, davon 10 bis 20 Mark ebenfalls in einer Weihnachtskiste mit Zigarren. Dem Futtermeister wurde vorgeworfen, gegen einen Dienstbefehl dadurch ungehorsam gewesen zu sein, daß er den Pferden der Einjährigen für 80 Mark Hafer nebenbei verfütterte. Während den beiden Wachtmeistern die Weihnachtskiste mit den Zigarren durch Boten in die Wohnung gebracht wurde, waren die Weihnachtskisten für die Sergeanten und Unteroffiziere bei einem Zigarrenhändler deponiert, der die Bedenken einiger der Beschenkten damit beschwichtigte, daß dies einmal Asus sei. Die Beschenkten haben für die erhältenen Beträge den Einjährigen teils Geschoßzünder, teils ausgeblasene Geschosse gegeben, oder deren Pferde nebenbei mit Kommißbrot gefüttert. Die Zeugenvernehmung gestaltet sich für die Angeklagten ziemlich günstig der Batteriechef stellte allen ein sehr gutes Zeugnis Soldaten aus. Das Kriegsgesicht erkannte gegen den Wachtmeister wegen Geschenkannahme auf 6 Wochen gelinden Arrest, gegen den Vizewachtmeister auf 4 Wochen gelinden Arrest, gegen den Futtermeister wegen Ungehorsams auf einen Tag gelinden Arrest, gegen einen Sergeanten wegen Geschenkannahme und Aufforderung zur Begünstigung 2 Wochen Mittelarrest, gegen drei Unteroffiziere auf 5, 3 und 2 Wochen Mittelarrest, die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen. Bous, 25. Jan. Vermißt wird das etwa 13 Jahre alte Mädchen Maria Kiefer von Peterhof bei Bous. Es besuchte mit mehreren Kindern die Volksschule von Bous. Seit ungefähr 8 Tagen gingen nun sämtliche Kinder nicht mehr in die Schule, sondern hielten sich während der betreffenden Zeit in einem Schuppen außerhalb des Ortes auf. Als die Schulbehörde nach dem Verbleib der Kinder nachforschte, wurden sie in dem Schuppen gefunden, jedoch fehlte die M. K. Bis jetzt hat man noch keinen Anhaltspunkt über den Verbleib des Mädchens.“ Niersbach, 26. Jan. Eine sonderbare Pflegemutter. Ein hiesiger Wirt hatte unter den neun jungen Ferkeln ein selten kleines Tierchen. Sorgsam legte er es in einen Kasten auf ein weiches Grummetbettchen. Sein Spitz, der auch gerade eine kleine Kinderschar hatte, sprang in den Kasten, der in seiner Nähe stand, und nahm sich sich des kleinen Schweinchens in liebevoller Weise an. Er vertritt nunmehr Mutterstelle und will sich den kleinen Borstenträger nicht mehr holen lassen. Das ist seiner mütterlichen Liebe nicht genug. Er nährt den kheinen Pflegling wie seine eigenen Kinder und wendet ihm sogar noch mehr Sorgsalt zu. Hoffentlich gelingt es der kleinen Pflegemutter, bald einen großen Pflegliag vor sich zu sehen und somit seinem Herrn einen großen Dienst zu erweisen. Saarlonis, 25. Jan. In Besseringen verunglückte die Frau eines Fabrikarbeiters im Ziegenstall Licht. Sie erlitt derartige Brandwunden, daß sie ihnen erlag, die Ziegen verbrannten. Der Mann der Frau hatte sich vor sechs Monalen bei einer Gasexplosion ebenfalls tödliche Brandwunden zugezogen. Vermischtes. Darmstadt, 25. Jan. Wie der Darmstädter Täglicher Anzeiger, ein in protestantischen kirchlichen Dingen gut orientiertes Blatt, mitteilt, hat infolge längerer Streitigkeiten mit dem Oberkonsistorium über kirchliche Bauten der weitaus überwiegende Teil der evangelischen Kirchengemeinde Klein=Umstadt im Kreise Dieburg seinen Austritt aus der evangelischen Landeskirche erklärt. Genanntes Blatt bezeichnet diesen Schritt als um so auffälliger, als die Gemeinde bisher in dem Ruse eines sehr kirchlich gesinnten Ortes stand. Lichtenberg, 25. Jan. Einen jähen Abschluß fand eine Automobiltour, die der Kaufmann Fritsche mit seinen Angehörigen und einem Geschäftsfreunde unternahm. Auf der Hauptstraße brach die Vorderachse und der Wagen überschlug sich. Die Insassea, sieben Personen kamen unter die Trümmer des Automobils, fünf Personen wurden so schwer verletzt, daß sie ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Breslau, 25. Jan. In der vergangenen Nacht hal der Dachdeckermeister Merz sich selbst und seine zwei Söhne, seine Tochter, seine Schwester, die ihm die Wirtschaft führte, und deren Nichte mit Leuchtgas vergiftet. Merz war Witwer. Er öffnete abends den Gasautomaten im Vorraum der Wohnung und die Verbindungstüren der drei Wohnzimmer und legte sich dann schlafen. Am Sonn tagvormittag entdeckte man die Leichen. Der Tod war schon vor fünf oder sichs Stunden eingelreten. Der Be weggrund ist unbekannt. — Der„Gasthof der Hunde, Katzen und anderer Haustiere". Daß in Charlottenburg ein dreistöck iges Gebäude steht, das weiter nichts als ein(in des Wortes verwegenster Bedeutung)„Hotel für Pferde“ ist, dürfte bekannt sein. Vor kurzem wurde berichtet, daß in London ein ähnliches Gebäude, ein„Gasthof für Hunde Katzen und andere Haustiere" errichtet wurde. Man war vielleicht geneigt, dies für einen Scherz zu halten allein, wie der Londoner H. W.=Mitarbeiter des„Tägl Korr.“ schreibt, ist dieser Gasthof jetzt in der Tat eröffnet worden. Seine Einrichtungen sino mustergültig. Das ist aber auch notwendig; denn es handelt sich um einen großen Betrieb und die Bewirtung zahlreicher Gäste. Freilich trägt hierzu viel die bevorzugte Lage des Gebäudes bei; es erhebt sich dicht bei der Westminsterabtei, nur we nige Schritte vom Haus der Lords und dem Unterhaus entfernt. Der Gasthof hat natürlich auch hübsch einge richtete Speisesäle, wo die Gäste auf Suppentellern ihr Mahl verzehren; es bedarf wohl keiner Versicherung, daß die Speisesäle der Hunde, von denen der Katzen getrenn sind. Jeder Gast kann sich also seines Mahles in aller Ruhe und Behoglichkeit freuen; die Reichhaltigkeit häng wie in menschlichen Herbeigen, von der Höhe des angeleg ten Preises ab.— Als besonders originell mag der Um stand erscheinen, daß auch eine sogenannte Stadtküche ein gerichtet ist; soll heißen: die Küche des Haustiergasthofes liefert auch„über die Straße". so cmarschieren ohne jed wede egleitung um die Mittags= und Abendzeit Scharen von inden und Katzen an und holen sich in einer Pap chachtel ihr Essen ab. Um den Hals trägt jedes Tier seine Abonnementsmarke, sodaß Veiwechselungen nicht gut möglich sind; die Pappschachteln sind so eingerichtet daß jedes Tier sich ohne Mühe öffnen kann. Zur Ehre dieser Stadtküchenabonnenten sei aber gesagt, daß sie eine sehr honorige Kundschaft darstellen; denn es ist noch keinem Hund und noch keiner Katze eingefallen, sein Pappschächtelchen leer zu fressen und sich dann eine neue zu holen. Man muß hier Hunden wie Katzen nachrühmen, daß sie eines Betruges nicht fähig zu sein scheinen. Stuttgart, 26. Jan. Höher gehts nimmer! Die volksparteiliche Baarzeitung in Schwenningen. Ober amtsbezirk Rottweli, sucht auf folgende Weise Abon nenten zu gewinnen: Unentgeltliche Sommereise! Um unsere Freunde in ihrer Werbearbeit anzuspornen, haben wir uns entschlossen, dewjenigen, der uns bis 1. Februar di meisten neuen Abonnente(jedoch nicht unter 35) zuführ, eine Freifahrt nach München und zurück 3. Klasse zu gewähren. Wer uns bis zum 1. Februar mindestens 30 Abonnenten zuführt, erhält Freifahrt nach Zürich und zurück. Verlag der Baarzeitung.“ In derselben Nummer steht solgender Ausruf:„Freunde der liberalen Sache werbt für die Baarzeitung!“ Darunter steht, nur durch einen Strich getrennt:„Gedenket der hungernden Vögel!“ — Eine schöne Gabe. Die Schweizerisch Kreditanstalt hot dem Kaufmännischen Verein Zürich„in Anerkennung der vorzüglichen Dienste, die er für die Aus bildung junger Kaufleute in sprachlicher und allgemein kommerzieller Richtung leistete", für den Neubau eines Schul= und Vereinshauses 25 000 Franken überwiesen. — Eine kostbare Porzellansammlung Die Eammlung alichinesischen Porzellans von Henry Sampson, die hervorragendste Privetsammlung dieser Art in Amerika, ist von dem Londoner Händler Edgar Gorer erworben worden. Der Preis ist nicht bekannt geworden. Die Sammlung enthält 948 Stücke, unter denen ein großer Becher allein 400000 Mark wert ist. Zu den seltensten Arbeiten gehören auch die zohlreichen Exemplare, die die sogenante„Ochsenblut"=Färbung aufweisen, eine Reihe von pfirsichblütenfarbenen Kästchen, mehrere Gruppen weißer und blauer Porzellane und ein seltenes Erzeugnis der Hung=Periode aus dem 10. Jahrhundert. Die Sammlung kommt nun nach Europa. — Die Schreckenstaten des Lehrers Waaner. Die Voruntersuchung gegen den Lehrer Wagner aus Degerloch ist nunmehr abgeschlossen und vor dem Schwurgericht Heilbronn der Termin zur Hauptverhandlung angesetzt. Die Anklage lautet auf fünfzehn vollendete Morde in Degerloch und Mühlhausen, zehn Mordversuche in Mühlhausen und neun Verbrechen der vorsätzlichen Brandstiftungen. Newyork, 26. Jan. Riesen=Schenkung. Ein betagter Millionär bot 15 Millionen Dollars für die Errichtung von Hospitälern in den verschiedenen Teilen der Union an, in denen Krebsleidende unentgeltlich Radiumbehandlung erfahren können. Der Millionär wünsch nicht, daß sein Name genannt werde. Ein Haus in zwölf Stunden erbaut. Die Stadt Saint=Joseph=City im Staate Missouri ist soeben der Schauplatz einer wirklichen Kraftieistung von seiten eines Bauunternehmers gewesen. Vor einigen Tagen traf nämlich am Orte ein Ehepaar Slack ein, das 48 Stunden vorher in Chicago seine Hochzeit geseiert hatte. Sie gingen sofolt auf die Wohnungssuche, konnten aber keine possende Behausung finden. Sie wünschten ein Landhaus mit vier Zimmern, einem Badezimmer, einem Empfangsraum und einer Vorhalle im hinteren Teil des Gebäudes. Nachdem sie mehrere Angebote abgelehnt hatten, meldete sich ein Unternehmer, der sich erbot, ihnen in zwölf Stunden das gewünschte Haus zu bauen. Zuerst stutzten die jungen Leute, studierten dann die Pläne und nahmen das Angebot an. Am nächsten Morgen um sechs Uhr drängte sich eine zahlreiche Menge vor dem Bauland, Unternehmer und Arbeiter aus der Stadt wollten dem Schauspiel beiwohnen, und sparten nicht mit mehr oder weniger guten Scherzen, die an den kühnen Bauunterneh. mer und seine Leute gerichtet waren. Diese ließen sich aber nicht im geringsten stören. Einige Minuten vor 6 Uhr hielt der Unternehmer eine Ansprache an die Arbeiter indem er ihnen klar machte, daß die Ehre der Vereinigten Staaten in ihren Händen ruhe. Punkt sechs Uhr ertönte ein Pfiff, und die Leute stürzten an die Arbeit. Sobald an einer Stelle der Boden aufgegraben war, sprangen die Maurer in die Grube, um die[Fundamentierungsarbeiten vorzunehmen. Gleichzeitig bearbeiteten die Tischler die Bohlen, die Klempner die Rohre für Gas= und Wasserleitung und alles ging mit solcher Fixigkeit, daß, ehe noch die vier Mauern standen, Gas und Wasser bereits auf ihre Verwendung warteten. Inzwischen gingen die Zimmerleute an ihre Arbeit und mit sieberhaftem Fleiß wurde das Dach konstruiert. Dann ging es an die Kamine, während die Monteure die Drähte für die elektrische Leitung zogen. Alles satmete eine sieverhafte Tätigkeit. Eine halbe Stunde wurde pausiert, um zu frühstücken. Dann traten die Putzer und Maler in Tätigkeit, das Badezimmer wurde in Ordnung gemacht, die Tischler setzten die Fenster und Türen ein. Dann konnte man sehen, wie der Unternehmer seine Uhr heraus. zog und punkt sechs Uhr mit seinen sämtlichen Leuten einen förmlichen Freudentanz aufführte. Wenige Minuten darauf nahmen Herr und Frau Slack von ihrem Landhaus Besitz, in das sofort die Möbel gestellt wurden, die inzwischen schon auf dem Güterbahnhof gewartet hatten. Wahrhaftig ein Rekord amerikanischer Fixigkeit. Kirchliches. — Die Gesundheit des Papstes. Die Tribuna“ schreibt: In votikanischen Kreisen tritt unverhüllt die Besorgnis um die Gesundheit des Papstes hervor. Es sind verschiedene Gerüchte verbreitet, unter anderen das, daß der Papst manchmal Einspritzungen braucht, um Empfänge abhalten zu können. Darum wünscht man, daß das Kensistorium, welches die neuen Kardinäle ernennen soll, nicht zu sehr hinausgeschoben wird.„Giornale d'Italia“ erklärt, daß das Befinden des Papstes sich nicht verschlimmert habe. Der Papst sei während des Winters sichtlich abgemagert. Die Augen erscheinen größer und leuchtender. Das führte zu dem Glauben, daß er Fieber habe, aber die Chronik der privaten und allgemeinen Audienzen, die der Papst stets gewährt, sei die beste Bekräftigung der beruhigenden Nachrichten über sein Befinden. Für jedes Alter ist Scotts Emulsion zuträglich, sie ist keineswegs nur ein Kinderkräftigungsmittel. Auch Erwachsene nehmen sie mit demselben Nutzen zur allgemeinen Stärkung cotts Emulsion und Wiederauffrischung. Scotts Emulsion ist ohne Schwierigkeit zu nehmen und so leicht verdaulich, daß sie auch von Personen mit schwachem Magen gut vertragen wird. Gehalt, ca.: Lebertran 150.0, 50,0, unterphosphorigs. Kalk 4,3, unterp#oephorigs. Natron 2.0, Tragant 3.0, grad. Gummi 2,0, Wasser 129,0, Alkohol 11.0 Zimt=, Mandel= u. Gauttherigöl je 2 Tropfen Bekanntmachung. Zum Zweck der weiteren Ausbildung der Utffz. des Beurlaubtenstandes der Reserve, Landwehr I. und II. Aufgebots aller Waffengattungen(ausschließlich Offizier=Aspiranten) findet auch im Monat Januar eine Unterrichtstunde statt. Die Teilnahme ist eine freiwillige, der Lehrtoff wird allgemein militärischen Gegenständen entnommen. Thema für Januar: Felddienst. Der Unterricht findet unter Leitung eines Offiziers des Bezirkskommandos statt Dauer etwa 1—1½ Stunden Um den außerhalb des Standortes des Bezirkskommandog wohnenden Uiffz. die Teilnahme an den Kursen möglich zu erleichtern, werden ihnen für die zu diesem Zweck auszuführenden Reisen von den Fahrkarten=Ausgabestellen Militärfahrkarten verabfolgt werden. Als Ausweis zur Erlangung der Militärfahrkarten werden vom Bezirkskommando Bescheinigungen ausgefertigt und den auswärtigen Teilnehmern rechtzeitig übersandt. Die Kosten der Militärfahrkarten müssen von den Teilnehmern selbst bestritten werden, da der Militärverwaltung Mittel hierfür nicht zur Verfügung stehen. Die nächste Unterrichtsstunde findet am Sonnabend, den 31. ds. Monats, 8 Uhr abends, im Hauptmeldeamt des Bezirkskommandos Bonn, Johanneskreuz 6(vom Hauptbahnhof Bonn ¼ Stunde entfernt) statt. Sammelpunkt der Teilnehmer 7,55 abends im Hofe des Bezirkskommandos. Die Utffz., die an demselben teilzunehmen beabsichtigen, werden ersucht, ihre Teilnahme bis spätestens 28. 1. vorm. dem Bezirksfeldwebel in Bonn unter Angabe ihrer genauen Adresse, sowie der Jahresklasse und Waffengattung mitzuteilen. Der Militärpaßz ist beim Erscheinen zum Unterricht mitzubringen. Bonn, den 22. Jaa. 1914. Königliches Bezirkskommando. Matratzen=Sofas, sowie alle Polstersachen kauft man da am besten, wo gutes Material und gediegene Arbeit geliefert wird. Lieferung von Bettstellen mit kompletten Polstereinlagen, sowie ganze Wohnungseinrichtungen. Fertige Sofas stets auf Lager. Hlbert Müller, Mänstereisel. Schönau Buntglas=Papier für Türen und Küchenschränke empfiehlt Friedr. Schulte, Münstereifel. 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