Münstereifeler Zeitung. erscheint wöchentlich weimal und zwar: Mittwochs und Samstags. Ausgababends vorher..... Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mark, einschließlich Bestellgeld. Amtlicher für die Stadt- und L#andMit der Gratisbeilage Anzeiger Bürgermeisterei Münstereisel. Redaktion, Druck u. Verlag von Friedrich Schulte in Münstereisel.— Expedition Markt.— Fernsprecher 26. Insertions=Preis die sechsgespaltene Petitzeile oder deron Raum 10 Pfg., bei größeren Anftrügen Rabatt.. Anzeigen werden bis Dienstags und Freitags morgens 10 Uhr erbeten Nr. 79. Mittwoch, 1. Oktober 1913. 20. Jahrg. Politische Rundschau. — Der Konprinz trägt sich schon seit längerer Zeit mit dem Gedanken, eine Reise nach den afrikanischen Kolonien zu unternehmen. Schon auf der Indienreise war dieser Plau erwogen worden, mußte aber damals unterbleiben. Die Reise soll nun im nächsten Frühjahr bestimmt stattfinden. Der Kronprinz wird wahrscheinlich über Aegypten zunächst Ostafrika besuchen und dann über die Kapkolonie und Südwestafrika auf der Rückreise einen kurzen Abstecher nach Kamerun machen. — Erkrankung der Königin von Portug al. Die Königin Auguste Vikteria, die mit ihrem Gemahl, dem König Manuel von Portugal, ihre Flitterwochen in München zu verleben gedachte, und vorübergehend an Influenza erkrankt ist, wurde, totzdem keine besondere Gefahr verhanden ist, auf Anraten der Aerzte ins Krankenhaus gebracht. Die Erkrankung änderte die Reisebestimmungen des jungen Paares. Die geplante Reise nach Richmond, dem Schloß des Königs Manuel, wird bis auf weiteres unterbrochen. Die Königin begibt sich, sobald ihr Zustand es erlaubt, mit ihrem Gatten nach Sigmaringen, um dort ihre Genesung abzuwarten. Die Königin ist fieberfrei. — Vom neuen Strafgesetz buch. Die mit der Aufstellung des Entwurfs eines neuen Strafgesetzbuches betraute Kommission hat ihre Arbeiten beendet. Die Kommission, die sich seit April 1911 fortdauernd ihrer bedeutungsvollen Aufgabe widmete, ist zu ihrer letzten Sitzung zusammengetreten. Der Staatssekretär des Reichsjustizamts nahm hierbei Gelegenheit, der Kommission für ihre unerermüdliche und aufopferungsvolle Tätigkeit den Dank und die Anerkennung des Reichskanzlers auszusprechen. Es wird jetzt die Aufstellung eines Entwurfe für ein Einführungsgesetz zum neven Strafgesetzbuch in Angriff genommen, die geraume Zeil in Anspruch nehmen wird. — Die Stärken des deutschen und französischen Heeres vom 1. Oktover ab. Ueber die Heeresstärken Deutschlands und Frankreichs, wie sie sich auf Grund der neuen Verstärkungen vom 1. Oktober ab darstellen werden, wird von militärischer Seite geschrieben: In das deutsche Heer werden am 1. Oktober 38 467 Mann mehr eingestellt als bisher. Die gesamte Etatsstärke des deutschen Heeres wird demnach vom 1. Oktober ab 793288 Mann betragen. Die Verstärkungen verteilen sich auf die einzelnen Waffen lfolgendermaßen: Die Infanterie wird um 21 835 Mann verstärkt, die Kavallerie um 4487 Mann, die Feldartillerie um 4533 Mann, die Fußartillerie um 3303 Mann, die Pioniere um 1576 Mann, die Verkehrstruppen um 1544 Mann und der Train um 1184 Mann. Das Pferdematerial wird im ganzen um 14695 Pferde vermehrt. Davon sind 8625 Sein erster Erfolg. Kriminal=Roman von Walter Kabel. 41)(Nachdruck verboten). 27. Kapitel. Als Werres am folgenden Tage gegen 12 Uhr nach Hause kam, fand er den Sanitätsrat Friedrichs, der ihn erwartet hatte. „Ich komme soeben vom Polizeipräsidium, Herr Sanitätsrat," erzählte er, nachdem er sich gesetzt hatte.— „Der Kommissar Richter hat das umfassende Geständnis Willerts mitangehört. Dieses Geständnis brachte mir nicht viel Neues. Ihnen aber wöchte ich das, was Sie noch nicht völlig überschauen; konaten, jetzt ergänzen.— Als der erste Kassierer Meisel Ihrem Bruder die Summe in das Privatkontor gebracht hatte, kehrte er in die Kasse zurück. Willert, der von Meisel über das telephonische Gespräch unterrichtet war, wußte, daß der Baron erst in einer Stunde wiederkommen wollte, faßte nun den abenteuerlichen Plan, als Baron von Berg in das Privatkontor einzudringen und sich mit Gewalt in den Besitz der 150 000 zu setzen. Hierbei trafen verschiedene Umstände zusammen, die ihm die Ausführung seines Vorhabens überhaupt erst ermöglichten. Seine Figur gleicht der des Barons vollkommen, ebenso hat er einen starken, blonden Schnurrbart; er kannte auch Herrn v. Berg von Ansehen sehr genau, da er öfter in das Geschäft kam. Er wußte, daß dieser an dem Vormittag einen Zylinder trug, da der Baron, bevor ei Ihren Beuder besuchte, in der Kasse war. Weil eben viel zu tun wor, ging Herr von Berg gleich wieder weg. Ferner hatte Willert in seiner Wohnung seit einigen Tagen jene Perücke und den blonden Bart liegen, da er vor der Traumulus=Aufführung seine Maske daheim ausprobieren wollte. Er sagte also dem anderen Kassierer, daß er zu seinem Schneider Anprobe bestellt; worden sei, er Reitpferde und 6070 Zugpferde. Die gesamte Zusammensetzung des deutschen Heeres gestaltet sich vom 1. Oktober ab in folgender Weise: Es werden vorhanden sein: 31459 Offiziere, 2480 Sanitätsoffiziere, 865 Beterinäre, 1593 Zahlmeister, 1294 militärische Beamte, 107 794 Unterofsiziere und 64 7793 Mann. Demgegenüber wird das französische Heer vom 1. Oktober ab mit Einführung der dreijährigen Dienstzeit eine Gesamtstärke von 860000 Mann habev. Es werden vorhanden sein zum Dienst mit der Waffe 712000 M ann, Mannschaften vom Hülfsdienst 54000 Mann, bei den Stäben und Schulen an Unteroffizieren 4000 Mann, an Offizieren 30000 Mann, bei den Fremden=Regimentern abzüglich der in Tongking stehenden drei Bataillone 10 000 Mann, Araber= und Berbertruppen 50000 Mann. Die letzteren Zahlen sind abgerundet. Deutschland hat also vom 1. Oktober ab mit einer Ueberlegenheit des französischen Heeres um rund 70000 Mann zu rechnen. Dadurch werden die Behauptungen gewisser französischer Stellen, das französische Heer stehe auch nach der Einführung der dreijährigen Dienstzeit dem deutschen noch nach, hinreichend widerlegt. Ein beträchtlicher Teil der französischen Armee, der ungefähr dem Unterschied zwischen den Heereszahlen Deutschlands und Frankreichs entspricht, entfällt auf die Kolonialtruppen. — Wie reich ist Deutschland? Dr. Karl Helfferich, der Direktor der Deutschen Bank, hat eine Untersuchung über den Besitzstand des deutschen Volkes während der Regierungszeit Kaiser Wilhelms II. gemacht. Das Schlußergebnis ist folgendes: Das deutsche Volkseinkommen beträgt heute rund 40 Milliarden Mark jährlich, gegen 22 bis 25 Milliarden Mark um das Jahr 1895. Von den 40 Milliarden werden jährlich etwa 7 Milliarden Mark, also nahezu ein Sechstel, für öffentliche Zwecke aufgewendet, etwa 25 Milliarden Mark dienen dem privaten Verbrauch, und etwa 8 bis 8½ Milliarden, die sich durch den automatischen Wertzuwachs des vorhandenen Vermögens auf 9½ bis 10 Milliarden Mark erhöhten, wachsen als Mehrung dem Volksvermögen zu, gegen etwa 4½ bis 5 Milliarden vor 15 Jahren. Das deutsche Volksvermögen beträgt heute mehr als 300 Milliarden Mark gegen rund 200 Milliarden Mark um die Mitte der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts. — Einchristlich=nation aler Arbeitertag soll gegen Ende Oktober in Berlin tagen. Man muß diesen Beschluß mit Genugtuung begrüßen, denn einmal liegt in einer solchen Tagung eine nerbende Kraft gegenüber der sich zersplitternden Sozialdemokratie, andererseits werden aber auch in der Politik der nächsten Zeit eine große Zahl von schwerwiegenden Fragen auftauchen, zu denen die christtiche Arbeiterschaft Stellung zu nehmen hat. Es ist in der letzten Zeit verschiedentlich versucht worden, unter diesem und jenem Deckmantel Scharfmacher=Ideen in wolle aber bald wiederkommen, und verließ dann die Bank. Und dieses Alibi, das er sich durch den Besuch bei seinem Schneider zu verschaffen suchte, hat mir alle meine Vermutungen und Kombinationen zu zerstören gedroht. Ich hatte nämlich durch vorsichtige Nachfragen von dem Prokuristen Westfal erfahren, daß Willert bei Demboski,— nebenbei eines der Schneiderateliers hier,— arbeiten läßt. Ich ging also zu Demboski in der Junkerstraße und bestellte mir einen Anzug.“ Werres fuhr fort:„Während der Geschäftsinhaber beim Maßnehmen mit mir plauberte, holte ich ihn auf Umwegen aus— und wirklich, Willert war an jenem vormittag dagewesen. Wie lange, konnte ich nicht herausbringen, nur das es zwischen zehn und elf Uhr war. Diese Feststellung war geeignet, alles bisher Vermutete über den Haufen zu werfen. Aber schließlich waren die gegen Willert sprechenden Verdachtsgründe doch zu schwerwiegende, als daß ich diese Fährte nun aufgegeben hätte. Ich überlegte mir auch, daß, wenn Willert nur wenige Minuten bei Den boski geweilt hatte, ihm immer noch soviel Zeit übrig blieb, um nach Hause zu eilen und diese Maskerade vorzunehmen. Und sein Geständnis beweist mir jetzt, daß ich mir das Richtige gedacht hatte. Willert ist in einer Droschke nach dem Schneideratelier gefahren, hat dort ungefähr drei Minuten geweilt, nur um dem Schneider mitzuteilen, daß er erst später zur Anprobe kommen werde. Dieselbe Droschke brachte ihn zunächst nach dem Geschäft eines Optikers, wo er sich eine Brille mit goldener Einfassung kaufte. Dann fuhr er nach seiner Wohnung. Und derken Sie, Herr Sanitätsrat, in dem Hause, in welchem Willert zwei möbilierte Zimmer bewohnte, waren Maurer mit der Renovierung beschäftigt, wobei sich auf der Stufe zur Haustüre ziemlich viel von dem roten Ziegelmehl festgesetzt hatte. Das habe ich mir selbst sofort am Tage nach dem Morde angesehen. Bekanntlich hatte es am 19. ziemlich stark geregnet, das Ziegelmehl auf der Stufe war breiig geworden, und als Willert das Haus hastig betrat, blieb an der Spitze des weitere Kreise einzuschmuggeln, die sich davon bisher rein gehalten hatten. Nichts wäre verfehlter als das, nichts würde auch die jetzt in sich gespaltene Sozialdemokratie schneller und fester wieder einigen, als solche Dinge. Nach dieser Seite kann, so verführerisch sich die Sache auch manchmal anlassen mag, nicht genug gewarnt werden. — Ein Boykott österreichischer Erzeugnisse. Der Beschluß der Mailänder wirtschaftlichen Vereinigungen, österreichische Erzeugnisse zu boykottieren, wird vom Corriere della Sera gutgeheißen, während die Lombardia die Verwirklichung für schwierig hält und als eindrucksvolle Gegenmaßregel gegen die Ausweisung italienischer Staatsbürger aus Oesterreich die Ausweisung der in Italien lebenden Oesterreicher vorschlägt. Frankreich. — Fiasko der französischen Manöver. Der„Matin“ veröffentlicht einen anonymen, anscheinend von einem hohen Offizier herrührenden Artikel, in dem erklärt wird, daß der Generalstabschef und sein Vertreter von den letzten Manövern keinen guten Eindruck mitgenommen hätten, und daß dieser Pessimismus von fast allen Generalstabsoffizieren geteilt werde. In eingehender Weise werden sodann die von verschiedenen Brigadegeneralen und Regimentskommandeuren begangenen Fehler kritisiert und angedeutet, daß der Kriegsminister Elienne im Gegensatz zu seinen Vorgängern Messimy und Millerand allzu große Milde zu walten lassen scheine. Großbritannien. — Von der Homerule. In England gehen zur Zeit sonderbare Dinge vor. Man war gerade dort gewohnt, eine klare Parlamentspolitik befolgt zu sehen, deren Konsequenzen auch die Gegenseite ruhig anerkannte und sich anstandslos beugte. Das scheint sich jetzt unter dem Zeichen der irischen Homerule ändern zu wollen. Odwohl das Gesetz mit erheblichen Majoritäten angenommen worden ist, scheinen die Hinterströmungen soviel Gewalt zu haben, daß die Ausführung nicht zustande kommen wird. Die Hetze hat die Regierung ins Wanken gebracht, sodaß sie sich zunächst mit der Gegenseite ans Verhandeln gibt. Nächstens soll dann eventuell das ganze Volk in der Sache abstimmen oder man will Neuwahlen über diese Frage ausschreiben. Es ist das jedenfalls ein in England nie dagewesener Vorgang und das Traurige dabei ist, daß die konfessionelle Hetze und die zur Gewalt neigende Opposition der Sieger geblieben ist. Portugal. — Eine Verschwörung in Portugal? Die der Regierung sehr nahestehende Zeitung„O Mundo“ veröffentlicht aus dem„Geständnis“ eines Verhafteten follinken Stiefels etwas von dem rötlichen Brei haften und setzte sich auch in dem Rande zwischen Oberleder und Sohle fest. Ich erwähnte schon, daß[Willert sich bereits einige Tage vor dem Morde Perücke und Bart nach seiner Wohnung kommen ließ. Dieses muß unabsichtlich geschehen sein, da der Plan zu dem Verbrechen den ganzen Umständen nach erst am Tage der Ausführung selbst von ihm gefaßt wurde. Nach seiner Aussage ist ihm nun am Donnerstag morgen, also am Tage vor dem Morde, als er Perücke und Bart zur Probe angelegt hatte und sich im Spiegel beschaute, seine geradezu frapante Aehnlichkeit mit dem Baron von Berg unwillkürlich aufgefallen. Hieran erinnerte er sich, als der erste Kassierer Meiset ihm gesprächsweise mitteilte, daß der Baron von Berg etwa in einer Stunde 150000 Mark bei dem Chef abholen werde. Da reifte schnell der Plan in seinem Hirn. Er wollte als Baron von Berg sich Zutritt bei Ihrem Bruder verschaffen und sich die Summe aneignen. Wie Willert angibt, hat er blitzschnell und ohne Ueberlegung alle Möglichkeiten ins Auge gefaßt. Die Aksicht, Ihren Bruder zu ermorden, will er nicht gehabt haben und hierfür spricht auch die Ausführung des Verbechens. Willert hat sich dann in seiner Wohnung vor dem Spiegel Perücke und Bart befestigt und auch die eben gekaufte Grille aufgesetzt. Als er nun noch den Zylinder— den er täglich trägt— aufsetzte, mußte ihn jeder oberflächliche Beobachter notwendig für den Baron halten. Inwischen hatte es aufgehört zu regnen. Trotzdem spannte Willert, wie er selbst angibt, um sein Gesich zu verbergen, auf dem ganzen Wege seinen Schirm auf und schloß ihn erst in der Türe zur Bank. Der Portier hat sich also geirrt, wenn er behauptete, daß der Herr, den er für den Baron hielt, bei seinem zweiten Besuch keinen Schirm gehabt hat. Man sieht, wie wenig auf solche Aussagen zu geben ist, Herr Sanitätsrat. Fortsetzung folgt. gende Einzelheiton: Fünf Gewerkvereinler waren dazu aus ersehen, bei Nacht in den Park des Ministerpräsidenten Alsonso Costa in Cintra einzudringen uur ein Sprenggeschoß gegen sein Haus zu werfen. Sobald der Minister dann am Feuster erschiene, sollten sie ihn mit Revolverschüssen töten. Sein Tod sollte das Zeichen des Aufstandes sein. Nach den Aussagen eines anderen Verhafteten sollte der Kriegsminister Percaira Bastos auf gleiche Weise er mordet werden. Radikale Republikaner und Monarchisten sollen zusammen in der Verschwörung sein. Asien. — Schwere Drohung Japans an China. Die Londoner„Times“ meldet aus Pecking:[Der japanische Gesandte erklärte, daß Japan, wenn seine Forderungen nicht binnen drei Tagen befriedigt würden, sich ermächtigt halten würde, alle notwendigen Maßnahmen zu t.essen Zeha mit Marinesoldaten voll besetzte japanische Kriegs schiffe warteten bei Nanking das Ergebnis ab. Vom Balkan. — Die Verschlimmerung der Lage. Der politische Himmel über dem Balkan deginnt sich wieder zu verdüstern. Ueberall tauchen neue Schwiergkeiten auf. Die Friedensverhandlungen mit Bulgarien gehen nicht so rasch vom Fleck, als man gehofft hatte, und die mit Glechenland sind beinahe ganz ins Stocken geraten. Da wie dort ist es die Frage der Güter der toten Hand und der Nationalität, über die man sich nicht verstäntgen kann. Auf beiden Seit i werden aber sauch übert: ebere Forderungen erhoben. Die Türken verlangen, daß die Bewohner der an Bulgarien fallenden Gebiete vier Jahre Zeit haben sollten, sich für die Türkei oder Bu'garien zu enscheiden, während welcher Zeit sie nicht zum Militärdienst her angezogen werden können. Den Griechen gegenüber hatten die Türken anfangs gefordert, daß alle Mohamedaner Neu=Griechenlands imme; ottomanische Untertoten bleiben müßten. Aehnliches hatten zuvor die Hellenen gefordert, daß nämlich alle an Bulgarien fallenden Griechen für immer helle nische Untertanen bleiben sollten, wie sie auch ihre Bulgaren als bulgarische Untertanen behandeln würden. Jetzt verlangen die Hellenen, daß die in der Türkei zerstreut lebenden Griechen, die nach Mazedonien zuständig sind, hlenische Untertanen sein sollen. — Serbisch=albanische Grenzkämpfe. Die Südslawische Korrespondenz meldet aus Belgrad: Albanische Streitkräfte in Kolonnen von 300 bis 400 Mann sind seit Freitagnacht längs der ganzen Grenze in Kämpfe mit serbischen Grenztruppen verwickelt. Bei Dibra und Djakowa waren die Angriffe besonders heftig. Die Gr zkommandos haben dringend Verstärkungen verlangt, welche bereits abgegangen sind. — Geheime Rüstungen. Aus Belgrad wird der Londoner Dail Mail telegraphiert: Dort eingetroffenen Berichten aus Privatquellen zufolge solle Bulgarien im Geheimen wieder rüsten, Serbien tue dasselbe und treffe die nötigen Vorsichtsmaßregeln an der Grenze. Das Badewesen in alter u. neuer Zeit. IV. Nicht viel nach der Zeit, wo das Dampfbad in Deutschland Aufnahme fand, etwa um die Wende des 15. Jahrhunderts, beginnt auch hier, wenn auch nur allmählich, das Badewesen in Verruf zu kommen. In erster Linie waren daran Schuld die Tatsache, daß das gemeinsame Baden der beiden Geschlechter, das bis dahin aufs strengste untersagt war, auch in Deutschland eingeführt wurde. Weiterhin schlich sich die Unsitte ein, das man das Bad zeitlich zu weit ausdehnte, und daß häufig Leute täglich nicht weniger denn 6 Stunden im Wasser zubrachten. Ja, es kam vor, das man den ganzen Tag u. die ganze Nacht im Wasser blieb, darin aß, trank und schlief. Dazu kamen endlich die Seuchen, welcke im 16. Jahrhundert das Abendland heimsuchten und die Schließung der öffentlichen Badeanstalten nötig machten. Was aber trotzdem erhalten blieb, fand seinen Untergang in den Schrecknissen des dreißigjährigen Krieges. So gründlich wurde in diesem Kriege das Badebedürfnis des deutschen Volkes erstickt und ertötet, daß es auch heute noch nicht wieder erwacht ist, ja das sogar die Erinnerung an die Zeiten, wo jeder wöchentlich mindestens einmal badet, verloren zu sein schien. Die Begriffsverwirrung ging allmählich so weit, daß man später das Fußbad„als der guten Sitte und dem Anstand zuwider als ein fleischlisches, sündliches und deshalb nicht zu gestattendes Vergnügen erachtet.“ Es war auch nicht wunderbar, das in mancher Schulordnung das Baden den Schülern untersagt wurde und mancher gestrenge Schulmonarch gegen die teufliche Wollust des Badens eiferte. Kurz, das Baden galt nachgerade als Ueppigkeit, Luxus und Zeitverschwendung. Ehe wir die Bestrebungen der neuesten Zeit zur Wiederbelebung des Badewesens besonders für Deutschland kennzeichnen, möge es gestattet sein, auf die eigentümlichen und in mehr als einer Hinsicht lehrreichen Badeeinrichtungen der Japaner, jenes kraftvollen asiatischen Volkes, hinzuweisen, daß vor einigen Jahren durch seine Erfolge im Kriege mit Rußland das Staunen und die Bewunderung der Welt erregt hat. Darüber berichtet ein moderner Badeschriftsteller, Richard Klimpert, etwa folgendes:„Jeder Japaner, ob hoch oder niedrig, nimmt wo möglich täglich ein warmes Bad. Die dabei beliebte Temperatur wechselt zwischen 38 und 45 Grad C., ist also für unser Gefühl eine unerträglich hohe. In kaliem oder lauwarmem badet für gewöhnlich niemand, weder der Landmann, welcher doch durch seine Arbeit im schlammigen Reisfelde gewöhnt ist, stundenlang barfuß in solchem zu stehen, noch der Kuli, obgleich er halbnackt die Winterkälte aushält. Man unterscheidet private und öffentliche Bäder. Im ersten Falle ist die Badewanne eine Holzbütte mit stumpf eiförmigen Querschnitte ihrem spitzeren Ende führt ein kleiner Schornstein aus Eisenblech empor, der unten mit einer Kohlenfeuerung in Verbindung steht und das umgebende Wasser zu erwärmen hat. Gegen 5 oder 6 Uhr nachmittags wird das Wasser erwärmt und dann vom Hausherrn bis zum niedrigsten Dienstboten benutzt. Das Abstoßende, welches die Sache für uns hat, wird etwas verringert wenn man bedenkt, daß sich die Sache täglich wiederholt, Seife und andere das Wasser verunreinigende Stoffe nicht gebräuchlich sind und das Ganze mehr in einem raschen Abwaschen des Könpers besteht, während eine Vor richtung zur Seite der Badewanne jedem Gelegenheit bietet, Kopf und Hände mit frischem Wasser zu waschen, das kein anderer mit benutzt. In den feineren Häusern steht die Badevorrichtung mit dem Besuchszimmer in Verbindung. Ein kleines Vorzimmer dien zum Entklei den und zur Anlegung des Baderockes. Die Badewanne ruht auf einem, mit Lattengittern versehenen Boden Neben ihr steht auf einem niedrigen Tischchen die glanzpolierte Schüssel mit frischem Wasser, daneben ein Glas mit Trinkwasser und eine Porzellanschale mit Kochsalz zum Zäheputzen. Also ganz derselbe Komfort wie in unseren Privatbädern. Oeffentliche Badehäuser für das Volk gibt es in jeder Stadt. Sie dienen nicht blos der Reinigung. sondern auch der Unterhaltung und der Erholung. Hier finden sich Bekannte täglich wieder, um vor der Abwaschung ihr Pfeifchen zu rauchen und mit einander zu plaudern. Früher badeten beide Geschlechter ungeniert untereinander, neuerdings aber findet eine scharfe Trennung statt. Ohne Zweifel trägt die regelmäßige Benutzung warmer Bäder bei den Japanern viel zur Erhaltung und Förderung der Gesundheit bei. Rheumatische Leiden, zu welchen die Arbeiten in den Reisfeldern, der Fischfang und andere Beschäftigungen, sowie unzweckmäßige Haus einrichtungen für die kalte Jahreszeit reichlich beitragen könnten, werden meist im Keime erstickt und sind deshalb viel seltener als bei uns. Hören wir noch, was ein japanisierter Deutscher, Pro fessor Baelz aus Tokio, in einem die heißen japanischen Bäder behandelnden Vortrag berichtet:„Baelz selbst nimmt, wie alle Japaner, alltäglich seit 16 Jahren ein heißes Bad von 42 bis 44 Grad C., wie wenig ihm dieses Verfahren geschadet, beweist das blühende Aus sen des Vortragenden. Die millionenfachen Erfahrungen der Japaner, die täglich mitunter 2 bis 3 mal baden, sprechen für den Nutzen; die offenen Badeanstalten in Tokio, der Hauptstadt Japans, werden täglich von —400000 Menschen besucht; jedes Bad kostet 2—3 Pfg. Das Bad beginnt mit heißen Waschungen der schwitzenden Stellen. Der Baderaum ist eng, indessen fließt beständig Wasser ab und zu. Die Zei des Aufenthalts' im Bade beträgt 3 bis 10 Minuten. Nach dem Verlassen des Bades waschen sich die Japaner mit heißem Wasser ab und gehen dann nochmals für 1 bis 2 Minuten hin ein. Alsdann kleiden sie sich leicht an, gehen barfuß elbst durch den Schnee und erkälten sich niemals. Nur bei geringerer Badetemperatur als 42 Grad erkältet man ich. Die in Deutschland herrschenden Vorurteile, daß heiße Bäder schwächen und daß sie zu schweren Erkältungen führten, wiederlegte Vortragender durch eigene Erfahrungen und die Zeugnisse aller in Japan lebendenEuropäer; alle diese hätte„das heiße Baden angenommen und führten es auch in Europa fort. Die japanischen Läufer und Wagenzieher, die einen erwachsenen Menschen an einem Tage bis zu 100 Kilometer weit zögen, würden nicht olches leisten, wenn die heißen Bäder schwächten; nach anstrengenden Märschen fühle man sich durch ein heißes Bad wie neu belebt.“ Fortsetzung folgt. Lokales und Provinzielles. Münstereifel, 29. Sept. Der neue zweijährige Lehrgang an der Kön zlichen Gärtnerlehranstalt in Dohlem bei Steglitz beginnt am 6. Oktober ds. Jahres. Münstereifel, 29. Sept. Neue Bestimmungen über Dienstland und Dienstaufwandsentschädigung der Revierförster und Förster. Ueber die Ausstattung der Revierförster und Försterstellen mit Dienstland sowie über die in Zukunft zu gewährenden Dienstaufwandsentschädigungen sind vom Landwirtschaftsministerium neue Grundsätze aufgestellt worden. Danach soll die Neuregelung nach und nach für alle Dienststellen durchgeführt werden. Was die künftige Ausstattung mit Dienstland anbetrifft, so soll solche in Zukunft nur gewährt werden, wo und insoweit es im Interesse des Dienstes oder für den Haushalt und Familie des Stelleninhabers unentbehrlich ist. Dienstlich unentbehrlich ist das Land, dessen der Stelleninhaber bedarf, um nicht in eine dem Interesse des Dienstes zuwiderlaufende Abhängigkeit von der Bevölkerung zu geraten. Für Haushalt und Familie des Stelleninhabers unentbehrlich ist das Land, dessen er bedarf, um sich ohne erhebliche Schwierigkeiten oder übermäßige Kosten die erforderlichen Lebensmittel zu beschaffen oder um ein Gespann zu unterhalten, das ihm den notwendigen Verkehr mit Stadt, Dorf, Kirche, Schule, Arzt und Apotheke ermöglicht. Münstereifel, 29. Sept. Der Aufruf des Alexander=Regiments sei hier im Wortlaut wiedergegeben: Hundertjahrfeier des Regiments Alexander. Im Jahre 1914 blickt das Kaiser Alexander Garde=Grenadierregimen! Nr. 1 stolz auf ein Jahrhundert seines Bestehens zurück. Drei kampferprobte Grenadier=Batcillone der preußischen Armee wurden damals zu einer kernigen Truppe u löslich vereinigt. Hatten sich schon diese Stammtruppen in Krieg und Frieden reichen Ruhm und Anerkennung erworben, die sich für immer mit Namen wie Turin, Cassano, Kolbeg und Möckern verbinden, so stand das neu isammengeschweißte Regiment seinen Altvorderen an Tüchtigkeit nicht nach. Königgrätz, St. Privat, Le Borrget bilden Ruhmesblätter seiner Geschichte. Jeder einzelne, der dem Regiment An je angehört, sei es, daß er in schwerer Zeit diesen unvergänglichen Ruhm mit hat begründen helfen, sei es, daß er im Frieden seinem Könige treu gedient hat, kann stolz auf diese Angehörigkeit zum Regiment sein. Im August 1914 soll die Feier des 100jährigen Bestehens begangen werden, dann sollen alle— ob einst Füsilier, Grenadier, Unteroffizier oder Offizier— zur gemeinsamen Feier sich vereinigen, um auss neue zu beweisen, daß die„Alexandriner" wie stets fest zusammenhalten. Unter den Fahnen des Regiments soll die Erinnerung an die Dienstzeit neu gestärkt werden.— Wer von den Ehemaligen des Alexanderregiments an der Jahrhundertfeier im August 1914 teilzunehmen beabsichtigt— und das sind hoffentlich alle— wolle seine jetzige genaue Adresse(Vorname, Beruf, Ort, Kreis, Straße, Nr.) unter Angabe seiner einstigen Dienstzeit, Dienststellung und Kompagnienummer dem Jubiläumsausschun des Regiments Alexander, Berlin N. 24, Prinz Friedrich Karlstraße Nr. 1 umgehend mitteilen. Gerolstein, 29. Sept. Zum Kaiserbesuch. Wie nunmehr feststeht, wird der Kaiser am Mittwoch, den 15. Oktober, von Schloß Lieser aus per Kraftwagen über Daun nach hier kommen. In Daun ist eine Besichtigung des zum Regierungsjubiläum des Kaisers gestifteten Naturschutzparkes geplant und dunn wird die Weiterfahrt nach hier erfolgen. Um 11 Uhr vormittags wird der Kaiser mit seinem Gefolge hier eintreffen, worauf die feierliche Einweihung der protestantischen Erlöserkirche stattfinden wird. An der Feier nehmen außer den geladenen Gästen hohe Regierungsbeamte, die Spitzen der Behörden des Kreises Daun, sowie das Gefolge des Kaisers teil. Etwa 70 Mitglieder der Kreislehrergesangvereine von Daun und Prüm werden passende Lieder darbringen. Der Koiser wird nach Beendigung der Einweihungsfeier bei dem zur Zeit hier wohnhaften Exzellenz Freiherrn von Mirbach frühstücken und gegen 2 Uhr nachmittags die Weiterreise nach Bonn antreten. Außerdem wird der Kaiser mit seinem Gefolge die Schönheiten des Naturschutzparkes Gerolstein und die„Kaiser=Wilhelm=Felsen“ in Augenschein nehmen.— Unter der Bürgerschaft herrscht zu dem bevorstehenden Besuche die größte Begeisterung. Fleißige Hände regen sich allüberall zu einer prachtvollen Ausstattung unseres Städtchens und freudigen Herzens harren zum zweiten Male die Gerolsteiner der Ankunft ihres Landesherrn. Ueber den Besuch wird noch aus Bonn gemeldet: Die Fahrt des Kaisers von Lieser nach Bonn am 15 Okt. geht durch die Eisel. Zunächst wird der Kaiser in Gerolstein der Einwejhung der evangelischen Kirche beiwohnen un d dann über Dockweiler, Dreis, Kelberg, Adenau, Altenahr und Meckenheim nach Boan fahren. Duisburg, 29. Sept. Vor dem Schwurgericht hatte sich der Dienstmann Nowack aus Merl wegen Ermordung seiner Ehefrau zu verantworten, die er am 8. Mai d. I in einem Busch bei Oberhausen erdrosselt hatte. Die Geschworenen erklärten ihn des Mordes schuldig. Das Urteil lautete auf Todes strafe. Beckingen, 29. Sept. Mädchenhändler. Auf bisher unauf geklärte Weise ist die 19jährige Tochter des Bahn wärters R. aus Fickingen verschwunden. Diese war in einem Hotel in Algringen(Lothr.) bedienstet und wurde vor zirka 6 Wochen zum Einkaufen geschickt. Bis heute ist sie noch nicht zurückgekehrt. Auffallend ist, daß fragl. Mädchen seine ganzen Kleidersachen in seinem Diensthaus zurückgelassen hat und daß erst vor wenigen Tagen den Eltern die Abwesenheit ihrer Tochter mitgeteilt worden ist. Saarbrücken, 29. Sept. An einem Walde nördlich der Großstadt wurde die Leiche eines Mädcheus, die dort verscharrt war, aufgefunden. Arbeiter, welche morgens Kies aus einer Grube in der Nähe abfahren wollten, bemerkten zu ihrem Entsetzen, daß aus einem frisch angeFABRIK· ANSICHT Salem Aleikum Salem OOIermundstäch Gdaretten Elwa PreisN2 31 4 5 6 8 10 31456 8 10 Pfd. Stck OrientIabaku. Cigaretten-fabrik Senidze. Dresde..„Inh. Hiugo Zietz Hoflieferanf Olld KönigsvSachsen Trustfreii# schütteten Erdhaufen in der Nähe der Chaussee zwei Arme herausragten. Die Polizei wurde benachrichtigt, und nach Beseitigung der Erde kam die Leiche eines jungen Mädcheus zutage. Dem Augenschein nach mochte die Tote etwa 20 Jahre alt sein. Ein Schuh fehlte. Aus der Nase war reichlich Blut geflossen. Ein Arzt machte eingehende Feststellung. Wie die weiteren Nachforschungen der Kriminalpolizei ergaben, ist die gefundene Leiche identisch mit der etwa 20jährigen Bäbchen Schneider aus Riegelsberg. Es liegt zweifellos ein schweres Verbrechen vor. Wie die Nachforschungen weiter ergaben, soll ein Liebhaber des Mädchens geäußert hahen, er werde das Mädchen erschießen. Ein Revolver, den er damals bei sich führte, wurde ihm vom Gendarmen abgenommen. Wie die Gerichtskommission feststellte, ist das Mädchen erdrosselt worden. Die sofort unternommene Nachforschung mit einem Polizeihund führte heute abend zur Ermittelung des Täters. Es ist ein Straßenbahnarbeiter aus Riegelsberg. Saarlonis, 29. Sept. Die historischen Gobelins und Sessel im hiesigen Rathause sind, wie durch Quellenforschung in Paris einwandfrei festgestellt worden ist, tatsächlich ein Geschenk des Königs Ludwig XIV. an die Stadt, das ihr anläßlich ihrer Gründung überreicht wurde. Für die Gobelins wurden der Stadt bereits verschiedentlich von Altertumsfreunden und Händlern hohe Summen angeboten, gestern auch für die zwölf Sessel, wie der Bürgermeister Dr. Kohlen in der heutigen Stadtverordnetensitzung mitteilte, 30000 Franken. Der Zuschlag wurde für diese Summe nicht erteilt. Aachen, 29. Sept. Uebung macht den— Kirchenmeister. In einem Oertchen bei Aachen war ein neuer Kirchenmeister ernannt. Wie männiglich bekannt, fällt unter die Amtstätigkeit eines solchen auch das Herumgehen mit dem Klingelbeutel während des Gottesdienstes, und— wie vieleicht nicht männiglich bekannt sein wird — ist das gar nicht so einfach, mit einer langen Stange, an der sich oben ein immer schwerer werdendes Anhängsel befindet, zwischen die dichten Reihen der Kirchenbesucher hindurch zu hantieren und keinen— Anstoß zu erregen. Gar nicht so einfach ist das! Man hat es durchaus nicht sofort und ohne weiteres heraus! Aber unser Kirchenmeister wußte sich zu helfen; nach seiner Amtsernennung ging er eine Zeitlang in den frühen Morgenstunden mit dem Klingelbeutel in seinen stillen Garten, wo er ein großes Beet mit Stangenbohnen bepflanzt hat, und— übte sich, zwischen den hohen Stangen hindurch lavierend, wie er die lange Stange zu handhaben hätte, ohne Anstoß zu erregen. Und siehe da! Das Verfahren war kein unrichtiges; gleich am ersten Sonntag, an dem der Beflissene sein Amt ausübte, zeigte sich das in angenehmer Weise; es erregte bei keinem der Kirchenbesucher Anstoß, alle waren des Lobes voll ob seiner Geschicklichkeit.— Das Stückchen ist voll verbürgt und noch gar nicht alt. Vermischtes. Erfurt, 29. Sept. In dem Aufruhrprozeß gegen die vom Oberkriegsgericht Erfurt am 4. September verurteilten fünf Reservisten und Landwehrleute aus dem Regierungsbezirk Erfurt hat der oberste Gerichtsherr des 11. Armeekorps, Kommandierender General Frhr. v. SchefferBoyadel, gegen das Urteil des Oberkriegsgerichts Revision beim Reichsmilitärgericht eingelegt. Berlin, 29. Sept. Wegen Landesverrats verurteilt. Das Oberkriegsgericht des dritten Armeekorps erklärte sich nach zweitägiger Verhandlung gegen den Sergeanten Wölkeling des Gouvernements Thorn wegen versuchten Landesverrats an Oesterreich in öffentlicher Sitzung für unzuständig und verurtelte ihn unter teilweiser Aufhebung des früheren Urteils wegen Landesverrats an Rußland zu 15 Jahren Zuchthaus, Entsernung aus dem Heere, zehnjähr. Ehrverlust, Zulässigkeit unter Polizeiaufsicht, 14 000 Mark Gelkstrafe oder noch 8 Monaten Zuchthaus, Beschlagnahme aller bei dem Ehepaar Wölkerling gefundenen Gelder, Sparkassenbücher und Hypotheken und Beschlagnahme der beim Angeklagten gefundenen photographischen Apparate und Zeichnungen. Bei der Begründung des Urteils, wie bei der Verhandlung war wegen Gefährdung der Staatssicherheit die Oeffentlichkeit ausgeschlossen. Quebeck, 29. Sept. Acht Kinder verbrannt. Am Freitag brach hier in einem Mietshause Feuer aus. Acht Kinder eines Mannes mit Namen Ulric Trudel verbrannten, während die Eltern und zwei andere Kinder schwere Brandwunden erlitten. Newyork, 29. Sept. Von Räubern überfallen. Banditen hielten einen Zug in der Nähe von Biboille in Missouri an, sprengten den Postwagen und die Geldschränke mit Dynamit und erbeuteten 400 000 Mark. 23 Häuser eingeäschert. In Meinerzhagen in der Nähe von Dortmund brach am Samstag Morgen 9 Uhr im Stallgebäude der Brennerei Grugmann aus unbekannter Ursache Feuer aus. Obschon die Feuerwehr rasch zur Stelle war, vermochte sie nicht den Flammen Einhalt zu tun, die in kurzer Zeit die übrigen Stallgebäudeund Wirtschaftsräume sowie die Brennerei des großen Anwesens in Asche legten. Ein orkanertiger Sturm erhob sich plötzlich und trug eine Fülle Flugfeuer an entferntere Stellen. Das Feuer fand vielfach Eingang durch offene Dachlucken und fraß sich sofort in die auf dem Boden aufgespeicherten Futtervorräte ein. Auf diese Weise gerieten binnen einer Stunde 24 Wohnhäuser in Flammen, die in kurzer Zeit von dem Feuer zerstört wurden. Die Wehren der benachbarten Ortschaften trafen zum Teil mit Extrazügen am Brandorte ein. Unter den zerstörten Gebäuden befinden sich auch die alten Wirtschaften Zur Krone und Rittinghaus, das Geschäftshaus des Konsumvereins, die Druckerei von Linnepe, die erst kürzlich nach einem Brande wieder aufgebaut war, sowie zahlreiche Wohnhäuser. Alle Fernsprechleitungen waren zerstört, werden aber seit Mittag durch eine starke Kolonne der Telegraphenverwaltung wieder ausgebessert. Der Gemeinderat ist zu iner außerordentlichen Sitzung einberufen, da eine Hül, aktion vorberaten werden muß. Von den Häusern sind eirige nur sehr gering versichert, große Mengen Hausrat, Model usw. sind überhaupt nicht versichert gewesen. 32 Familien mit etwa 200 Personen sind obdachlos und vorläufig in den dafür freigegebenen Räumen untergebracht. Die Tremonia meldet zu der furchtbaren Feuersdrunst in Meinerzhagen, daß bis 2½ Uhr 22 Häuser abgesehen von vielen Scheunen, Schuppen und Ställen, brannten. Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch sind große Mengen Vieh umgekommen. 15 Kühe wurden durch die Feuster der Ställe hindurch erschossen, um sie vor dem Feuertode zu schützen. Die evangelische Kirche ist bis jetzt geschützt. 30 Feuerwehren, die bis auf vier Stunden Entfernung herangezogen wurden, versuchten den Rest der Häuser zu erhalten. 500(Personen sind obdachlos. Der größte Teil der Abgebrannten verlor seine ganze meist nicht versicherte Habe. Hunderte von Arbeitern sind brotlos, da die meisten Fabriken ein Raub der Flammen wurden. Nach einem Drahtbericht der„Köln. Volksztg“ wurden bis nachmittags 3 Uhr 23 Häuser durch den Brand zerstört, doch hofft man, des Feuers Herr zu werden. Ein guter Kamerad der Kinder ist der Fischer mit dem Dorsch, das Erkennungszeichen der echten Scotts Emulsion. Sie kennen ihn genau und wissen, daß er ihnen für die gutcotts Emulsion * schmeckende, so bekömmliche Marke bürgt. Scotts Emulsion ist schmackhaft und leicht verdaulich gemachter Lebertran. mit Kalk= und Natron=Salzen. Gehalt, ca.: Lebertran 150.0, Glyzerin 50,0, unterphosphorigs. Kalk 4,3, unterp hosphorigs. Natron 2,0, Tragant 3.0, crab. Gummi 2.0, Wasser 12.,0, Alkohol 11,0. Zimt=,Mandel= u. Gaultherigölje? Tropfen Bekanntmachung. Wir bringen in Gemäßheit der Bestimmungen im§ 11 Abs. 2 des Gesetzes vom 24. Februar 1870 und 19. Aug. 1897 hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß die Liste der Wahlberechtigten für die bis[1. Januar 1914 vorzunehmenden Ergänzungswahlen für den Kreis Rheinbach in der Zeit vom 6.—13. Oktober d. J. während der üblichen Geschäftsstunden auf dem Büro des Landratsamtes zu Rheinbach zur Einsichtnahme für die Wahlberechtigten offenliegt. Einwendungen gegen die Richtigkeit dieser Wahlliste sind unter Beifügung der erforderlichen Bescheinigungen spätestens bis zum 120. Oktober d. J. bei uns schriftlich anzubringen. Bonn, den 30. September 1913. Die Handelskammer zu Bonn. Geh. Kommerzienrat F. Guilleaume. Dr. Uhlitzsch. Vorsitzender. Syndicus. Junger Mann, der sseiner Militärpflicht genügt hat, unverheiratet, treu und zuverlässig ist, wird als Hausdiener gesucht. Gehalt Mk. 100,— monatlich bei freier Wohnung, Brand und Licht. Schriftliche Offerten sind zu richten an die Concordia Cölnische Lebens=Versicherungs=Gesellschaft Cöln. Maria=Ablaßplatz 15. Prima hellgebrannte zu haben auf meiner Ziegelei in Anton Bürger jr., Wohnung Roitzheim Nr. 4. Auf Wunsch liefere fr. Banstelle. Fernsprecher Nr. 17. 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