Gscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und FeierBezugspreisz vierteljährlich 1.50 M., monat. sich 50 pfennig; mit den Beilagen:„Katholische: Sonntagsblatt" und„Illustrierte Unterhaltungs=Beigo## vierteljährlich 1.80 Mark, monatlich 60 Pfennig Verantwortlich: J. J. Aeller. Diersen „ Druck und Verlag: Gesellschaft für Druck und Verlaa. G. m. b. h., Diersen Knzeigen werden die 48 mm breite Detitzeile mit 10 Pfennig berechnet, auswärtige mit 15 Pfennig. Reklamezeilen, 96 mm breit, 50 Pfennig. Auskunftsund Offertengebühren 25 Ofo Enzeigen=Annahme bis 9 Uhr Dormittags, größere Anzeigen tags zuvor. Geschäftsstelle: Diersen Hauptstr. 20. Fernsprecher Ur. 1906 Nr. 174 Samstag, den 4. August 32. Jahrgang Erstes Die Asfäre v. Cippelskirch=Fischer. Von der Firma v. Tippelskirch u. Co. Berlin W., Potsdamerstraße 12 7/120, geht der Köln. Vztg. unterm 2. August d. I. das Folgende zu: Die verehrliche Redaktion bitte ich um Aufnahme nachstehender Erklärung: Aus Anlaß der Verhaftung des Majors Fischer sind ehrverletzende Gerüchte gegen die Firma v. Tippelskirch u. Co. in Umlauf gesetzt worden, die auch ihren Eingang in die Presse gefunden haben. Diese Gerüchte gipfeln in folgenden beiden Behauptungen: 1. Die Firma Tippelskirch habe dem Vorstande des Bekleidungsamtes bei der Kolonialverwaltung Major Fischer jah relang Darlehne geliehen und ihn dadurch in eine finanzielle Abhängigkeit von sich gebracht; die derzeitige unbeglichene Höhe dieser Darlehne betrage erwa 100 000 M. 2. Infolge dieser finanzielten Abhängigkeit habe Major Fischer der Firma v. Tippelskirch das Lieferungsmonopol für die Tropenausrüstung der Schutztruppen zugewendet und die diesbezüglichen Lieferungsverträge und das Lieferungs= und Abnahmewesen so gestaltet, daß der Firma daraus ungebührlich hohe Gewinne und dem Reiche schwere Schädigungen erwuchsen. Beide Behauptungen sind unwahr, wahr ist vielmehr: Zu 1. Die Firma v. Tippelskirch hat dem Major Fischer niemals ein Darlehen gegeben, auch niemals Geldzuwendungen in irgend einer Form gemacht. Vor etwa sieben Jahren war der damalige Hauptmann Fischer unverschuldet in eins schwierige wirtschaftliche Lage geraten, weil seine kranke, später entmündigte Frau hinter seinem Rücken Schulden in hohen Beträgen kontrahiert hatte. Der unterzeichnete Mitinhaber der Firma v. Tippelskirch, der mit Fischer als Afrikaner seit Jahren befreundet war, trat damals mit Freunden des Fischer zusammen, um zu erwägen, was zu geschehen habe, um eine Katastrophe abzuwenden. Das Ergebnis der Beratung war, daß ein alter, angesehener Afrikaner, der mit Fischer in der Wißmanntruppe gestanden hatte, 3000 M. und der Unterzeichnete 2000 M. zur Verfügung stellte, dabei aber vorgab, das Geld habe ein anderer hergegeben. Fischer nahm das Geld erst dann an, nachdem ihm die letztere Behauptung glaubhaft gemacht worden war, löste die Verbindlichkeiten ab und leitete das Entmündigungsverfahren gegen seine Frau ein. Das Hülfswerk war ein Akt rein menschlicher Teilnahme mit einem Freunde, der trotz seiner anspruchslosen und einfachen Lebensweise durch traurige Familienverhältnisse unverschuldet in eine prekäre Lage geraten war. Jeder Hintergedanke, irgend eine unlautere Absicht war dabei ausgeschlossen. Dieselben Motive waren auch maßgebend für ein zweites Darlehen von 2000 Mk., das einige Jahre später gegeben wurde. Zu 2. Die Zieferungsverträge zu Tropenausrüstungen für die Schutztruppe sind mit de. Leitung der Kolonialverwaltung geschlossen worden. Die Lieferungsbedingungen und Preisfestsetzungen waren jedesmal das Ergebnis sehr genauer Prüfungen und Kalkulationen, wobei unpartetische Korporationen mitgewirkt haben. Der Vorwurf, als habe die Firma bei diesem Lieserungsgeschäft durch Ueberteuerung oder unreelle Lieferung die Reichskasse geschädigt, muß als gänzlich unzutreffend zurück gewiesen verden. Hochachtungsvoll v. Tippelskirch. Die hier gegebene Darstellung unterscheidet sich sehr wesentlich von den Angaben, welche bisher über die Beziehungen des Majors Fischer zur Firma v. Tippelskirch in die Oeffentlichkeit gedrungen sind. Verhielte sich die Sache so, wie die obige Zuschrift sie darstellt, so wäre nicht recht verständlich, warum zur Verhaftung des Majors Fischer geschritten worden K. Die keingeleitete Untersuchung muß das Weitere ergeben. Inzwischen veröffentlicht unter der Ueberschrift„Tippelskirchiana" die Zeitschrift„Häute und Leder“ einen Artikel, der offenbar von einem Fachmann herrührt. In dem Artikel, der in die Geschäftsgebarung der Firma Tippelskirch und des Majors Fischer gut eingeweiht zu sein scheint, heißt es u. a.: „In der Kolonialverwaltung ist es ein offenes Geheimnis, daß man an den obersten Stellen allerseits mit klaren Augen darüber hinwegsah, wenn Tippel, der brave Tippel statt seiner eigenen Produkte, wie es die Satzungen vorschreiben, die Waten ganz anderer Leute auf dem kolonialen Verwaltungsamt zur Ablieferung brachte. Der kleine Fischer stand in solchen Zeiten auf dem Kasernenhof und schnauzte die Mannschaften an. In den Stuben fertigten die Subalternen,„die von nischt verstehen", die Lieferungsverträge mit der Klausel„eigene Fa brikate", und im Hofe— luden die Kammerjäger, von dem Maulwerk des Herrn Majors wohl behütet, von— Lohschen Fabrikwagen Tippelskirchsche Geschirre ab. Das ist nicht ein mal geschehen, das ist zur Regel geworden. Und inzwischen er ließ Kanzler Bülow ahnungslos seine Submissionsvorschriften, die über die Vergebung staatlicher Orders genau das Gegenteilige von dem vorschrieben, was Tippelskirch und Fischer mit einander kontrahierten. Aber die Gesetze werden ja sehr oft nur für den Plebs gemacht. Und so kamen die alten Heereslieferanten nach und nach in die Padulie. Fischer ordinierte u. Tippel nahm die Aufträge auf und gab sie weiter. Die Firma war jahrelang nichts als ein Maklerhaus. Bis dann das Projekt der„eigenen Herstellung", der Fabrikbau in der Lohrterstraße, auftauchte. In der Usedomstraße hat man ja doch bloß pro sorma etwas Waren selbst hergestellt. Daß Tippelskirch ihre Geschäfte verstanden, wird kein Zweiter bestreiten. Sie haben an den Massen von Kolonialstiefeln 5 Mark und 20 Pfennig pro Paar verdient. Zehnspänner=Pferdegeschirre, die sie selbstverständlich kauften, brachten ihnen statt des Einlausspreises von enva 900 Mark, 2000 Mark und darüber. Da braucht es nicht zu wundern, wenn der Jahresverdienst derer v. Tippelskirch in die Millionen ging. Was brauchte man da mit lumpigen 100 000 #., die Fischer gerade brauchen konnte, zu knausern. Die Verträge mit dem sonst so schnauzigen Major rentierten sich und i abes det Biickelelten bunchchen un üer inen trieb einen Auftrag zu erhalten, da hielt bei Tippelskirch das einsache Aushalten eines preußischen Masors, die„Tüchtigkeit“ der Firma bei gesunden Formen! Es ist ein Spaß, wie leicht mitunter die Geschäfte sind. Man soll sie nur mit den richtigen Persönlichkeiten anfassen.“ Der vorstehende Artikel rührt augenscheinlich von einem Konkurrenten her, der gegen die Firma v. Tippelskirch nicht aufkommen konnte. Insoweit ist auch hier Vorsicht am Platze. Anderseits treten aber die Mitteilungen in der Zeitschrift Häute und Leder mit solcher Bestimmtheit aus, enthalten sie so viele konkrete Einzelheiten, daß man sie nicht unbeachtet lassen kann. Mit der oben wiedergebenen Zuschrift der Firma v. Tippelskirch stehen sie in schärfstem Widerspruch, insbesondere was die Höhe der Zuwendungen der Firma an den Major Fischer und die angebliche Ueberteuerung der Lieferungen an die Kolonial= verwaltung betrifft. Es kann unmöglich schwer sein, so bestimmte Angaben auf ihre tatsächliche Richtigkeit zu prüfen. Das muß geschehen, muß mit größter Rücksichtslosigkeit und mit möglichster Beschleunigung geschehen. Die Bevölkerung verlangt zu wissen, ob die ungeheuren Ausgaben für Südwestafrika, welche unsere ganze Reichsfinanzwirtschaft in ernstliche Schwierigkeiten gebracht haben, noch dadurch vermehrt worden sind, daß ein begünstigtet Lieferant maßlos hohe Gewinne einstreichen konnte. Deutsches Reich. * Bayerische Eisenbahnfragen. Bei der Beratung des Eisenbahnetats in der bayerischen Kammer der Abgeordneten erklärte det Verkehrsminister.v. Frauendorfer unter anderm, daß bereits ein Plan für den Uebergang der bayerischen Bahnen zum elektrischen Betriebe fertiggestellt sei. Ueber die Ausnutzung aller Wasserkräfte Bayerns müsse ein einheitlicher großzügiger Plan durch einen Fachmann allerersten Ranges aufgestellt werden. Die Eisenbahnverwaltung könne hierin nicht allein vorgehen. Die Behauptung, daß zwischen Bayern und Württemberg in Eisenbahnfragen unfreundliche Beziehungen herrschten, sei zurückzuweisen. Bayern sei bereit, Eisenbahngemeinschaften abzuschließen, wenn sie Vorteile brächten, aber nicht auf Kosten der Selbständigkeit Bayerns. Die gestern von einem sozialdemokratischen Redner gemachte Bemerkung, Preußen sei ein sozialpolitisches Kamerun, bedauere er aufs tiefste. Bayern habe in Berlin das größte Entgegenkommen gefunden, besonders bei der Frage der Main=Kanalisation. Zu einer Eisenbahngemeinschaft mit Bayern habe Preußen kaum ein Bedürfnis. Bayern würde daraus nicht gleiche Vorteile erzielen wie Hessen. Auch könne die bayerische Regierung sich nicht zu einer solchen Entäußerung ihrer Selbständigkeit entschließen. Rutzland. * Die„weiße“ und„rote Garde“ im Kampfe. Aus Helsingfors wird berichtet: Einige hundert junge Leute boten der Polizei ihre Dienste zur Herstellung der Ordnung an. Unter Führung der Polizei bemüht sich diese Bür= gerwehr, welche die„weiße Garde“ genannt wird, den Ausstand zu verhindern. Ungeachtet der Forderung der„roten Garde“, den Straßenbahnverkehr einzustellen, dauert dieser unter Bewachung durch die„weiße Garde“ an. Letztere wurde von der„roten Garde“ aus dem Hinterhalte-beschossen und erwiderte das Feuer. Beim Eingreifen von Militär wich die rote Garde“ zurück. Ein zweiter Zusammenstoß erfolgte in der Nähe des Bahnhofes: Gegenwärtig ist die Ruhe in den Straßen wieder hergestellt, doch ist die Lage ernst. Die von der „roten Garde“ genährte Erregung unter den Arbeitern hält an. Sweaborg ist in den Händen des Kommandanten. Auf den Forts herrscht wieder Ordnung. Die Zahl der Opfer wird auf 100 angegeben. Auf der Reede liegen die Kriegsschiffe Zessarewitsch, Bojatyr und Slawa und ein Minenkreuzer. Rheinland und Westfalen. * M.Gladbach, 3. Aug. Der vermißte Knabe Johan nes Beckers von der Hardterbroicherstraße ist endlich gestern in Aachen erwischt worden. Die dortige Polizei hatte. Kenntnis von den Zeitungsmitteilungen über das lügenhafte Bürschchen und hielt es fest, bis der benachrichtigte Vater kam und den Jungen mit nach Hause nahm. Jedenfalls muß der wander lustige Knabe in eine besondere Erziehungskur genommen werden. * Odenkirchen, 3. Aug. Eine im Luisental in Geistenbeck wohnhafte Frau wollte in einen eben ausgelöschten Spiri tuskocher frischen Spiritus zugießen. Letzterer entzündete sich, die Flasche explodierte und der brennende Spiritus ergoß sich auf zwei in der Nähe sitzende Kinder. Letztere erlitten so erhebliche Brandwunden, daß ärztliche Hilfe in Anspruch genommen werden mußte. Die Frau selbst blieb gänzlich unversehrt. * Wickrath, 3. Aug. Ein Arbeiter aus Kückhofen, der bei der Anlage der elektrischen Straßenbahn beschäftigt war, wurde Mittwoch nachmittag von einem Hitzschlage getroffen. Da ärztlicher Beistand in kurzer Zeit zur Stelle war, gelang es den vollständig Bewußtlosen wieder ins Leben zurückzurufen sodaß er abends noch nach seinem Wohnorte gebracht werden konnte. * Wegberg, 3. Aug. Aus Mutwillen hat bei Oerath ein 17jähriger Bursche einen Knaben von 10 Jahren mit ei nem Krückstock an den Füßen gepackt, so daß dieser fiel und unter, ein Fuhrwerk geriet. Eine Hand und die Beine wurden dem Jungen stark gequetscht; der arme Junge steht in Gefahr, die Hand zu verlieren. * Krefeld, 3. Aug. In der geheimen Sitzung der Stadt verordneten machte der Oberbürgermeister zunächst die Mittei lung, daß er im Einverständnis mit der Finanzkommission mehr als ein Viertel des 2½ Mill. Mark betragenden Aktienkapitals der Krefelder Straßenbahn unter der Hand angekauft habe, um den unbedingt nötigen größeren Einfluß auf die Verwaltung der Bahn für die Stadt zu gewinnen und ersuchte um nach trägliche Zustimmung zu diesem Ankauf. Das Kollegium erteilte ohne weiteres diese Zustimmung unter lebhafter freudiger Betonung, daß dieser erste Schritt endlich geschehen sei. So dann wurde dem Vertrage mit der Straßenbahngesellschaft we gen Durchführung der Linie zum Hasen zugestimmt. Es soll zunächst ein halbstündiger Verkehr ausgenommen werden und der Betrieb längstens fünf Monate nach der Ueberweisung der erforderlichen Straßen und Bahnkörper ausgenommen werden * Kempen, 3. Aug. Gestern abend geriet auf dem hie sigen Bahnhofe ein junger Mann von hier beim Rangieren mit dem Arme zwischen die Pusser. Der Arm wurde bis zum Ellenbogen zerquetscht und mußte noch gestern abend im Hospitale amputiert werden. * Giesenkirchen, 3. Aug. Wie wir mehrfach berichteten, waren über die Errichtung einer neuen Kirche in hiesiger Ge meinde Meinungsverschiedenheiten entstanden, ein Teil der Gemeindemitglieder wollte die neue Kirche im Dorfe, ein anderer Teil in dem Orte Meerkamp haben. Bei einer Verhandlung, die in Gegenwart mehrerer Regierungsvertreter stattfand, war eine Einigung dahingehend erzielt worden, daß die Opponenten 3000 M. als Grundstock für eine Kirche in der Ortschaft Meerkamp erhielten. Gegen diesen Vorschlag wurde Einspruch beim Kultusminister erhoben. Dieser Einspruch ist nun zurückgewiesen worden. Dadurch gehen den Leuten die 3000 M. nun auch verloren. Die Kirche wird jetzt mitten in der Gemeinde, an Stelle der alten, errichtet werden, was für unser emporblühendes Städichen ein nicht zu unterschäpender Vorteil ist. * Neuß, 3. Aug. Der hiesige städtische Schlachthof hat bis auf weiteres die Erlaubnis erhalten, lebendes Hornvieh aus den Seequarantäneanstalten einzuführen. * Düsseldorf, 3. Aug. Auf dem Blechwalzwerke in Oberbilk wurde einem Maschinisten durch einen Eisenblock der Schädel zerschmettert. Er war sofort tot. Der verunglückte hinterläßt eine Witwe und vier unmündige Kinder. * Düsseldorf, 3. Aug. Der Ausstand der Hafenarbeiter bei der Holzhandlung Junker sowie bei der Firma Düsseldor= fer Holzkontor ist durch den Abschluß eines neuen Lohntarifs beendet worden. * Essen, 3. Aug. Zum Besuche des Kaisers auf Villa Hügel meldet das„Berl. Tagebl.“ von hier, daß bereits umfassende Maßregeln zum Schutze des Monarchen getroffen werden. Auf der Hütte werde kein ausländischer Arbeiter mehr angenommen, und aus den Hauptstätten des Rheinlands soll eine große Anzahl von Kriminalisten nach Essen abkommandiert werden. * Essen, 3. Aug. In Rotthausen brannte in der vergangenen Nacht die große Schulzsche Dampfbauschreinerei vollständig nieder. Die Maschinen und große Holzvorräte sind zerstört. * Barmen, 3. Aug. Aus dem Polizeigefängnis ist der auf Anordnung der Breslauer Staatsanwaltschaft wegen mehrerer Einbruchsdiebstähle verhaftete 24jährige Mar Philipp aus Breslau entsprungen. * Köln, 3. Aug. Gestern vormittag stürzte in einem Neubau am Bonner Wall ein Maurer beim Schienenlegen aus der vierten Etage und erlitt einen komplizierten Oberarmbruch und schwere innere VVerletzungen, denen er gestern nachmittag im Bürgerhospital erlegen ist. * Köln, 3. Aug. Gestern mittag 1 Uhr 22 Min. erfolgte auf dem Hohenzollernring an der Straßenkreuzung der Friesenstraße ein Zusammenstoß zwischen zwei Straßenbahnwagen, bei welchem leider vier Fahrgäfte und ein Schaffner zum Teil leicht und teils ernster verletzt worden sind. Unter den ernster Verletzten befindet sich eine Person mit einer Verletzung der Nase und eine mit einer Augenverletzung. Der Hergang des Zusammenstoßes war folgender: Ein Wagen der Linie Bickendorf hatte eben die Zwangshaltestelle vor dem Ring verlassen und fuhr in der Richtung nach Ehrenfeld über den Hohenzollernring. Als der Wagenführer freie Aussicht über den Ring hatte, bemerkte er in etwa 30 Meter Entfernung einen Ringbahnwagen vom Rudolfplatz herankommen. Nach seiner Be= rechnung glaubte er die Kreuzung passieren zu können, einmal, weil die Entfernung noch 30 Meter von der Haltestelle betrug, und dann, weil dieser Wagen an der Haltestelle vor der Zwangshaltestelle hätte halten müssen. Auf bisher nicht wöllig aufgeklärte Weise gelang es dem Fahrer des Ringbahnwagens nicht, den Wagen an der Haltestelle zum Halten zu bringen. Der Fahrer gibt an, daß die Schienen stark mit Laub bestreut gewesen wären und daß es auch kurz vorher geregnet habe, dadurch müsse der Wagen in das Gleiten gekommen sein, so daß trotz aller angewandten Bremsmittel der Wagen nicht rechtzeitig zum Halten kam. Der Fahrer des Bickendorfer Wagens erkannte die Gefahr und versuchte durch Parallelschaltung mit der größtmöglichen Geschwindigkeit vor dem herannahenden Ringbahnwagen vorbei zu kommen. Der Wagen kam jedoch nur so weit, daß der Ringbahnwagen den Bickendorfer Wagen noch seitlich ungefähr in der Mitte anrannte. Der Zusammenstoß war so hestig, daß ein großer Materialschaden entstanden ist. Die Wagen wurden sofort ausgewechselt und von Sachverständigen auf ihre Bremsführung untersucht, wobei festgestellt werden konnte, daß die Einrichtungen einwandfrei funktionierten. Beigeordneter Regierungsrat Zschirnt hat den Tatbestand sofort an Ort und Stelle festgestellt. * Bonn, 3. Aug. Ein Student, der gestern früh erst vom Frühschoppen des vorhergehenden Tages sich auf den Heimweg gemacht hatte, wurde in der Nähe des Bahnhofes von mehreren jungen Burschen angerempelt und bei der darauf folgenden Rauferei seiner goldenen Uhr im Werte von 200 Mark beraubt. * Königswinter, 3. Aug. In origineller Art hat der Besitzer der Lokal=Dampfschiffahrt Königswinter=Bonn, Ph. Weller, Fürsorge getroffen, um die Reichs=Fahrkartensteuer„auszuschalten"; er hat nämlich den Fahrpreis Königswinter=Bonn um einen ganzen Pfennig ermäßigt. Früher fuhr das Publitum für 60 Pfg. von hier nach Bonn, jetzt braucht es nur 59 Pfg. zu bezahlen. * Linz a. Rh., 3. Aug. Die hiesige katholische Gemeinde feiert am Sonntag, dem 19. August, das 700jährige Jubiläum der Einweihung der Pfarrkirche durch Festgottesdienst, Festversammlung und Veranstaltung eines Fackelzuges. Die im spätgotischen Stile erbaute Kirche besitzt alte Glas= und Freskomalereien, welch letztere vor einer Reihe von Jahren ausgedeckt und renoviert wurden, sowie ein wertvolles Altar=Flügelbild der Kölner Schule und Erinnerungen an das Geschlecht der Ritter von Rennenberg, das zu dem gegen Ende des zwölften Jahrhunderts errichteten Gotteshause in enger Beziehung stand. * Dülmen, 3. Aug. In Buldern äscherte ein Großfeuer heute mittag ein Wirtshaus und drei Wohngebäude ein. Die Wirtschaft Deipenbruck wurde teilweise zerstört. Die Wirtschaft Huesmann brannte vollständig nieder. Die Entstehungsursache ist noch ubekannt. Der Schaden ist beträchtlich 99 * Von der Mosel, 3. Aug. Auf das heiße Wetter der Vortage ist m den Weinbergen die Peronospora endlich zur Rühe gekommen. Die von ihr verschont gebliebenen Trauben, deren Zahl auf den einzelnen Gemarkungen verschieden und an der Obermosel am schwächsten ist, dürften nunmehr gerettet sein, zumal diese fast ausgewachsen sind. * Saarbrücken, 3. Aug. Ein gemeiner Verleumder stand heute in der Person des Dudweiler Bürgermeistersekretärs Stein vor dem hiesigen Schöffengericht. Er hatte dem Bürgermeister Petermann, seinem Wohltäter, wie aus der Verhandlung hervorging, in mebreren Wirtschaften allerhand unlautere Machen den das Schöffengericht, weit über das vom Amtsanwalt beantragte Strafmaß hinausgehend, zu 45 Tagen Gefängnis verurteilte.(Kr. Ztg.) * Saarlouis, 3. Aug. Um dem hier sich sehr breitmachenden Animierkneipen=Unwesen zu steuern, ist mit dem gestrigen Tage eing Polizeiverfügung in Kraft getreten, welche alle Wirtschaften mir Kellnerinnenbedienung aufhebt. Zivil= und Militärbehörden sahen sich zur Herbeiführung dieser scharfen Mäß regel genötigt. * Euskirchen, 3. Aug. Gestern abend veranstaltete der hiesige Zentrumsverein eine gut besuchte Versammlung im Poheschen Saale. Abg. Busch aus Cuchenheim hielt einen mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag über die Politik des Zentrums. Er sprach über das Zentrum als Verfassungspartei, seine Fürsorge für die verschiedenen Stände und forderte eifrige Kleinarbeit zur Aufklärung der Wähler. Vor allem sei dafür zu sorgen, daß die Einigkeit und Geschlossenheit im Zentrumslager hochgehalten werde. An dem Vortrag schloß sich eine eingehende Besprechung der örtlichen Verhältnisse an, insbesondere über die Presse. Einmütig war die Versammlung in dem Entschluß, an dem langjährigen Organ der Zentrumspartei festzuhalten und sich hierin durch nichts beirren, zu lassen, da nur so die Einigkeit in der Partei auf die Dauer aufrechtzuerhalten sei. * Bochum, 3. Aug. Die Reichstagsersatzwahl in HagenSchwelm wird ein gerichtliches Nachspiel erhalten. Die hiesige Staatsanwaltschaft hat gegen den Redakteur des sozialdemokratischen Volksblattes Linxweiler das Strafverfahren wegen Aufreizung zu Gewalttätigkeiten eingeleitet. Das Delikt wird in einem zur Hagener Stichwahl veröffentlichten Gedichte Zum Sturm gefunden. Vermischtes. * Verviers, 3. Aug. Der Weberverband hat, wie sein Vorstand, abgelehnt, das Zweistuhlsystem grundsätzlich zu billigen; infolgedessen beginnt morgen die allgemeine Weberaussperrung. * Mailand, 3. Aug. Heute früh kurz vor 4 Uhr brach in der Ausstellung im Pavillon für italienische dekorative Kunst Feuer aus. Polizei und Feuerwehr trafen sofort auf der Brandstätte ein und nahmen energisch die Löscharbeiten auf. Ein weiteres Telegramm besagt: Es scheint, daß das Feuer in der ungarischen Sektion der Abteilung für dekorative Kunst im Park entstanden ist und schnell auf die andern im Park gelegenen Sektionen dieser Abteilung übergegriffen hat. Einiges aus der ungarischen Sektion für dekorative Kunst konnte gerettet werden. Eine Gefahr für weitere Teilo der Ausstellung besteht nicht. Die englische, die schweizerische, die japanische und die niederländische Sektion sind unversehrt geblieben, ebenso die deutschen Abteilungen, das Postmuseum und die Fischerei=Ausstellung. Die Anstrengungen der Feuerwehr richteten sich darauf, zu verhindern, daß das Feuer auf die Abteilung für Goldschmiedekunst und auf die Ausstellung für die schönen Künste übergriff, welch letztere schwer bedroht war. Der Brand konnte lokalisiert werden. Karabinierie und Polizisten hatten in der Befürchtung, die Feuersbrunst könnte auf die Ausstellung für die schönen Künste überspringen, die darin ausgestellten Gemälde in die Alleen geschleppt. * Fürchterliche Hötze in Kalifornien. Der „Daily Erpreß“ veröffentlicht eine Depesche aus Los Angelos, welche die Leiden der Bevölkerung bei der gegenwärtigen Hitze in Kalifornien schildert. Viele sind an den Folgen der Hitze gestorben, viele sind wahnsinnig geworden. Piele Minenbesitzer, welche mit ihren Schätzen nach Los Angelos fahren wollten, starben unterwegs. Die Leichen liegen auf der Straße und werden von terwegs. Die Leichen liegen n V ö g e l n a u s g e f r e s s e n.“ t is vorm Erschten!“ „Et is vorm Erschten!“ Eine heitere Episode zwischen dem Kronprinzen und der Potsdamer Schuljugend hat sich am Samstag in der Nähe des Stadtschlosses in Potsdam zugetragen. Jung=Potsdam erwartete dort den Kronprinzen, in der Hoffnung, wie dies in der letzten Zeit öfter geschehen ist, von ihm Schokolade dediziert zu erhalten. Allein der Kronprinz rührte diesmal keine Hand, sondern sagte vielmehr:„Heute gibts keine Schokolade.“ Ein mit glücklichem Mutterwitz ausgestatteter Potsdamer Junge konnte es sich nun nicht verkneisen, zu rufen:„Et is vorm Erschten!" Diese Bemerkung versetzte den Kronprinzenin eine derartige heitere Laune, daß er schleunigst dafür Sorge traf, daß jeder Junge seine Düte erhielt. + Wer reist mit? Wohin? zu einem Fixstern; natürlich zunächst in Gedanken. Wir möchten gern einmal wissen, wie weit die Reise ist? wann wir ankommen? wie viel wir bezahlen müssen? Wir wählen unter den Millionen funkelnder Punkte und Pünkichen am Himmelszelt einstweilen denjenigen, der uns Erdenbewohnern am allernächsten ist, den glänzenden Stern Alpha im Sternbild Centaurus, am südlichen Himmel, und sehen dann, ob wir noch Zeit und Geld haben, eine weitere Station zu erreichen. Wir erkundigen uns am Schalter nach dem Einheitspreis für jeden Kilometer und hören von dem freundlichen Beamten, daß man zur Erleichterung des Verkehrs den Kilometerpreis auf ½ Pig. festgesetzt hat.„Und was kostet dann eine einfache Fahrkarte nach Alpha Centauri?“—„22000 Millionen Mark!"—„Und wie groß ist die Fahrgeschwindigkeit Ihrer Sternenbahn?"— „100 Kilometer in der Stunde, allen Aufenthalt mit eingerechnet.“—„Wann würde der Zug denn ankommen?"—„Nach 46 Millionen und 716 000 Jahren!"— Das ist die Reise zum nächsten Firstern. Du kannst dir, lieber Leser, nun leicht selbst ausrechnen, wie viel tausend Millionen Kilometer unser Alpha Centauri von uns entfernt ist, und wenn du dann fest hältst, daß dieser Firstern der alle nächste ist hinter unserer Ton ne, die ja auch ein Firstern ist und nur deshalb soviel größer als die Sterne von uns gesehen wird, weil sie blos 20½ Mil lionen Meilen weit von uns enwernt ist, und wenn du dann weiter bedenkst, daß Millionen solcher leuchtenden Riesensonnen 10 und 100 und 1000 mal weiter von uns entfernt sind, als Alpha Centauri, dann bekommst du einen Begriff von der Größe des Weltenraumes, daß deine Phantasic sich davon keine Vorstellung mehr machen kann. Dann beugst du in Demut dein Haupt vor dem allmächtigen, allweisen Schöpfer, der altes ins Dasein rief und durch Gesetze ordnete; und du lächelst mit Recht über die Einfalt derer, die aus dem Wunderwerk des Weltenbaues den Meister nicht erkennen. Viersen und Umgegend. Viersen, den 4. August. + Neue Abonnenten. Es wird unsere Leser in schaften im Dienste nachgesagt. Das Zeugenverhör ergab die#teressieren, zu erfahren, daß allein im Monat August bis jetzt vollige Haltlosigkeit der Behauptungen des Angeklagten, den## neue Abonnenten auf unsere Voltszeitung sich gemeldet „ G s r## E h a b e n.— D i e s e e r f r e u l i c h e T a t s a c h e i s t a u c h e i n e A n t w o r t a u f die Entziehung der städt. Anzeigen gegen Bezahlung seitens des Bürgermeisters. — An unsere Abonnenten. Infolge Rohrbruchs der städtischen Wasserleitung trat gestern nachmittag in unserer Druckerei eine längere Betriebsstörung ein. Ein Teil der Stadtauflage unserer Zeitung konnte daher nicht rechtzeitig zugestellt werden. Wir bitten unsere Abonnenten, dies zu entschuldigen. — Steuer=Hebetermine in den Seektionen. Die Steuer=Hebetermine in den Sektionen für das zweite Vierteljahr werden abgehalten: 1. Montag, den 6. Aug., morgens von 8½ bis 12 Uhr bei dem Wirte Schlömer in Hoser; 2. Dienstag, den 7. Aug., morgens 8½ bis 12 Uhr bei der Wirtin Wwe. Glaeser zu Unterbeberich; 3. Mittwoch, den 8. Aug., morgens von 8 bis 11½ Uhr bei der Wirtin Witwe Hilgers, am Bahnhof Helenabrunn; 4. Donnerstag, den 9. Aug., morgens von 8½ bis 12 Uhr bei dem Wirte Büssem(vormals Kohlen) Sittarderstraße. Sittlichkeitsverbrechen. Ein 60jähriger Witwer aus dem Hamm, der schon längere Zeit im Verdacht stand, sich an Kindern vergangen zu haben, wurde gestern abend ertappt und heute morgen auf Anzeige wegen Vergehen gegen§ 176,3 des Strafgesetzbuches verhaftet. — Revision der Personenwagen. Der neue preußische Eisenbahnminister Breitenbach hat einen dankenswerten Erlaß an die ihm untergebenen Behörden gerichtet, die auf größere Sauberkeit der Eisenbahnwagen achten sollen. Es heißt darin:„Insbesondere ist das Augenmerk darauf zu richten daß die Reinigung der Wagen mit der erforderlichen Sorgfalt vorgenommen wird, die Aborte sich in sauberem Zustande befinden, das vorgehaltene Trink= und Waschwasser von guter Beschaffenheit ist und der Jahreszeit entsprechend genügend erneuert wird. Die vorgefundenen Mängel sind aufzuzeichnen u. diese Zusammenstellungen mit den Bemerkungen der Eisenbahndirektionen über das zur Abhilfe Veranlaßte bis zum 1. Oktober d. J. dem Minister einzureichen.“ F. Das Retter der verflossenen Woche war schwül, das Wärmeglas schwankte mittags zwischen 25. und 27 Grad Celsius. Am 31. Juli, 1. und 3. August waren leichte Gewitter. Regen fiel in geringen Mengen am Dienstag. Am Freitag abend ging ein Gewitter mit starkem Regen(22 lpro Om.) nieder. e= Kath. Lehrerverband. Anläßlich der 53. Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, die bekanntlich vom 19. bis 23. August ds. Is. in Essen tagen wird, veranstaltet auch der Kath. Lehrerverband(Prov. Rheinland) am Dienstag den 21. Aug., abends 8 Uhr im großen Saale des Restaurants„Kriegerheim" in Essen(Bahnhofstr.) eine Festversammlung, die sich aller Voraussicht nach äußerst glanzvoll gestalten wird. Zu derselben sind alle Verbandsmitglieder mit ihren Angehörigen eingeladen. Hoffentlich ist auch der Viersener Verein dort würdig vertreten. — Ausflug. Wie uns mitgeteilt wird, macht der allgem. Kaufmännische Verein zu Krefeld, der über 1000 Mitglieder zählt, morgen seinen diesjährigen Ausflug zum hohen Busch. Später wird er, wie auch im Vorjahre, im Krefelder Hofe(G. Kuhlen) Einkehr halten. General=Probe. Wie aus dem Anzeigenteil ersichtlich, hält der Männergesangverein„Sängerbund", ViersenHoser unter Leitung des Musikdirigenten Herrn Mart. Seepe am morgigen Sonntag im Viersener Hof seine General=Probe ab für den am 12. August in Oberhausen stattfindenden GesangWettstreit, an welchem sich der Verein mit 34 Sängern und zwar in der 3. Klasse beteiligt. Es wäre dem gesangliebenden Publikum wohl zu empfehlen, dieser Probe einen Besuch abzustatten. Süchteln, den 4. August. —— Ueber die bereits gestern kurz gemeldeten Einbrüche in den Bahnhöfen Süchteln und Süchtelnvorst erhalten wir aus Süchteln folgenden Bericht: Diebe brachen in der gestrigen Nacht im Bahnhof der Krefelder Eisenbahn ein, indem sie die Tür zum Wartesaal mittels Dietrichs öffneten. Dann erbrachen sie mit Gewalt die Tür zum Billetraume und zertrümmerten dort ein Fenster. Eine Schublade mit 18,40 M.; fiel ihnen in die Hände. Den Geldschrank fand man morgens mitten in dem Bureauraume am Boden liegen; er war mit Meißeln verarbeitet worden, konnte aber nicht erbrochen werden. Nun erbrachen die Diebe die Tür zum Gepäckraume, stahlen 2 Schachteln mit Samt, adressiert: An Firma Ling u. Duhr, Süchteln. Noch andere Gepäckstücke öffneten die Diebe, deren Inhalt sie aber als nicht konvenierend zurückließen.— In Süchtelnvorst statteten die Diebe dem dortigen Bahnhofe der Krefelder Eisenbahn darauf einen Besuch ab, wo ihnen eine Kasette mit 160 Mk. zur Beute wurde. Nachdein sie nun die Tür zum Billetraume erbrochen hatten, kamen sie in die Bahnhofsrestauration von Bierbooms und nahmen 2 Kisten Zigarren mit. Die geleerte Kasette fand man 50 Meter vom Bahnhof entfernt am Wege auf Oedt zu. Der Nachtwächter Caspers hat die Männer gegen 3 Uhr nachts, jedenfalls nach vollbrachter Tat auf die Sektion Sittard zu gehen sehen. Bei der Wirtschaft von Witwe A. Wolff versuchten sie hier einen Einbruch Durch das Bellen der Wachthunde aber eilten die bewaffneten Hausbewohner ans Fenster, infolgedessen die Diebe sich flüchteten. Die Polizei ist den Tätern auf der Spur. Offentlicher Wetterdienst. Dienststelle Meteoro#lagisches Observatorium Aachen.— Voraussichtliche Witterung für die Zeit vom Abend des 4. Bugust bis zum nächsten Abend. westliche Winde, teilweise heiter; meist trocken, etwas wärmer. Witterungs=Beobachtung. Tagestemperatut am 2. Aug.: 28° C. über Null im Schatten 3 Tiefste Nachttemperatur in der Nacht vom Barometerstand am 3. Aug Aug um 3. Aug. 4. Aug. Morgens 759 2 mm 765.2„ 15° C über Nul 13° C.„„ Messe. Gottesdienst=Ordnung. Sonntag, den 5. August. 1.0 Hauptpfarrkirche St. Remigins. Hl. Messen: 6, 7, 8 Uhr, 9¼ Uhr Hochamt, 11 Uhr letzte hl. Nachmittag s ½3 Uhr: Christenlehre und Betstunde um gedeihliche Witterung. 5 Uhr Mutter=Gottes=Andacht. Maria=Hilf=Kapelle. 8 Uhr hl. Messe. 4 Uhr Andacht. Pfarrtirche St. Helena. 1 Morgens 7 Uhr Frühmesse. ½10 Uhr Hochamt. Nachmittags 3 Uhr: Rosenkranz=Andacht Christenlehre und Gebei zur Erflehung einer gedeihlichen Witterung. Pfarrkirche St. Josef. Hl. Messen: ½/26, 7, 8 Uhr ½10 Uhr Hochamt. 11 Uhr lepzte bl. Messe. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre, 5 Uhr Andacht. Pfarrkirche St. Petrus. Hl. Messen: 6 Uhr, 7¾ Uhr, 9½ Uhr Hochamt. Nachmittags 3 Uhr: Christenlehre und Andacht. Kirchliche Mitteilungen. Für alle Pfarren: Heute abend um 7 Uhr ist im Verandasaale der Erholung Versammlung der Brudermeister und der Vorstände der Vereine und Bruderschaften von St. Remigius, St. Josef und St. Petrus zur Besprechung der Prozession nach Kevelaer. Die übliche Kollekte für die Prozession wird in den nächsten Tagen durch je 2 Mitglieber der Brudermeister und der kath. Vereine abgehalten und allen Pfarrangehörigen recht warm empfohlen. Für diese Woche wird eine Hauskollekte zum Bau einer zweiten deutschen katholischen Kirche in London gehalten Für St. Remigius: Am nächsten Sonntaa ist in der ½7 Uhrmesse für die Jungfrauenkongregation gemeinschaftliche hl. Kommunion. Während der Schulferten fällt an den Wochentagen die Schulmesse in der Pfarrkirche aus und wird die Messe in der Kapelle um 7¼ Uhr gehalten. An den Sonntagen, vom nächsten Sonntag an, ist die erste hl. Messe um ½7 Uhr in der Pfarrkirche, die zweite in der Kapelle um ¼ nach 7 Uhr, die drei folgenden wie gewöhnlich um 8, 9¼ und 11 Uhr. Am nächsten Sonntag wird eine Kollekte gehalten für den Bau einer Kirche in Derichsweiler, im Kreise Düren. 1 Für St. Helena: Am nächsten Sonntag im Hochamt Kollekte für Derichsweiler Am nächsten Sonntag Abends ½8 Uhr Versammlung des katb. Arbeiter=Vereins bei Herrn Josef Schoenen im Ummer. Für St. Josef: Gemeinschaftliche hl. Kommunion für den jüngeren Jahrgang. Nächsten Sonntag ist eine Kollekte für Derichsweiler. Für St. Petrus: Nächsten Sonntag nach dem Hochamte ist Kollekte für Derichsweiler. Pfarrkirche zu Süchteln. Sonntag, den 5. August. Hl. Messen: 6 Uhr, 7½ Uhr, 9 Uhr Hochamt, 11 Uhr. Nachmittags 3 Uhr Andacht und Christenlehre. 6 Uhr Andacht. Gatt dem Allmächtigen hat es gefallen, heute Morgen 2 Uhr nach kurzem, schwerem Leiden, wohlvorbereitet durch den Emplang der hl. Sterbesakramente, meinen lieben Gatten, unsern guten Vater und Bruder, den wohlachtbaren Herrn Gerhard Gillissen im Alter von 62 Jahren zu sich in die Rwigkeit zu nehmen. Um ein andächtiges Gebet für den lieben Verstorbenen bitten die trauernden Hinterbliebenen. Viersen, Lüneburg, den 4. August 1906. Die Beerdigung findet am Dienstagmorgen 8¼ Uhr vom Sterbehause Bahnhofstrasse 6 aus statt, wozu Alle, denen aus Versehen keine besondère Einladung zugegangen, ibc durch freundlichst eingeladen werden. 2677 Sie finden Käufer oder Teilhaber für jede Art hiesiger oder auswärliger Geschäfte, Fabriken, Grundstücke, Güter n. Gewerbebetriebe rasch und verschwiegen ohne Provision, da kein Agent, durch E. Kommen Nachl. Kreuzg ise 8. 1. Verlangen Sie kostenfreien Besuch zwecks Besichtigung und Rücksprache. 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Schoenen General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorstandes. 2. Aufnahme neuer Mitglieder. 2662 Der prov. Vorstand. Verein kombattanter Krieger Viersen. Sonntag, den 5. August, morgens 11 Uhr im Viersener Hof Zahltag und General-Versammlung. wozu alle Kameraden dringend eingeladen werden. 2660 Der Vorstand. Kavallerie=Verein Viersen. ∆ Sonntag, den 5. August, morgens 11 Uhr, im Vereinslokale beim Kameraden Schleuter, Hauptstraße General-Versammlung. Tagesordnung wird im Vereinslokale bekannt gemacht. Um pünktliches Erscheinen wird gebeten. 2668 Der Vorstand. Kameradsch. Garde=Verein. „Trinke mer noch en Dröpche“ S. I. Belgers Magenbitter überall zu haben. Alle feineren Liköre. Echten Boonekamp. auch Essia literund faßzweise. Destillerie u. Fassbinderei, Kaldersteeg 1. 997 Daselbst schöne Waschkübel vorrätig maf Restaurant[3084 G. m. b. 5. C2 M. 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Gesellen-Verein Viersen. Am Sonntag, den 5. August 1906, Feier des S1. Stiftungsfestes Morgens ½9 Uhr Antreten der Teilnehmer im Vereinshause, Zug zur Kirche mit Musikbegleitung, 9¼ Uhr Hochamt, für die lebenden und verstorbenen Mitglieder und Ehrenmitglieder. Von 11—1 Uhr: Oellentlich. Konzert auf dem Rathausplatz woselbst gegen ½12 Uhr die Ueberreichung des der Stadt zum Geschenk gemachten Wetterhäuschens stattfindet Abends 7½ Uhr im Vereinshause Festversammlung und Familienleier, für die Mitglieder und Ehrenmitglieder; auch die Angehörigen werden gebeten, sich zahlreich zu beteiligen. Kinder unter 16 Jahren haben keinen Zutritt. 2648 Der Vorstand. Restaurant„Zum Lustgarten“ Rahser, Gerberstraße. Sonntag, den 5. August— von nachmittags 4 Uhr an gasses Garten-Konzert der Poetenschen Kapelle. Entree frei! 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Magenleidenden s teile ich aus Dankbarkeit gern und unentgeitlich mit, was mir von jahrelangen, qualvollen Magen= u. Verdauungsbesawerden geholfen hat. A. Hees, Lehrerin, Sachsenhausen, Frankfurt a. M. (esche mit wäschlam besten, Städt. Gasanstalt Viersen Breunkalender pro August 1906 e Verantwertlich: J. J. Aeller. Diersen Deutsche Volks-Blätter Anzeigen werden die 48 mm breite Petitzeile mit 10 Pfennig berechnet, auswärtige mit 15 Pfennig. Rehlamezeilen, 9o mm bren, 50 Pfennig. Auskunftsund Offertengebühren 25 Pfg. Anzeigen=Aunahme bis 9 Uhr Vormittags, größere Anzeigen tags zuvor. Druck und Verlag: Gesellschaft für Druck und Verlaa. G. m. d. H., Diersen Geschäftsstelle: Diersen Hauptstr. 20. Fernsprecher L#r. 1906 Nr. 174 0 4 Die hitze. (Unpolitische Zeitläuse.) (Nachdruck verboten.) Oh die Hitze! Ringsum seufzen und stöhnen die Leute als ob sie in der Hölle oder wenigstens im Fegfeuer stäken. Am meisten klagen die, welche am wenigsten zu tun haben Fleißigen haben keine Zeit zum Jammern; sie putzen sich zeitweilig die Schweißtropfen vom Gesicht und arbeiten weiter. ach macht man in der Stadt viel mehr Aufhebens von dem Lande, ovschon die sengende Sonne doch auch die ländlichen Fluren recht gut bedenkt. Das hat zum Teil nur zum Teil, seinen Grund darin, daß in der Stadt die Luft nicht bloß heiß ist, sondern zugleich unrein; wegen all' der Beimischungen von Straßenstaub, Pferdekot, Hausgerüche 2c. wirkt sie bei gleichom Thermometerstand viel schwüler und drückender als die reine Landluft. Doch ist dieser Unterschied nicht so groß, um alles zu erklären; die Einbildung und Stimmung der Städter tut das übrige. Die guten Leute, die während der Hundstage in der Stadt bleiben müssen, haben nämlich meist das Gefühl, daß sie eine Art Martyrer seien. Sie glauben, es sei„draußen" viel kühler als in der Stadt, und es gehöre zu einem menschenwürdigen Dasein, daß man während des Hochsommers aufs Land gehe. Infolge dieser Anschauung laufen z. B. zahllose Berliner ins Gebirge und kraxeln dort mit Todesverachtung die steilsten Bergwände herauf,— wobei sie mit Vergnügen doppelt und dreimal so viel Schweißtropsen vergießen, als sie jemals am allerheißesten Tage in Berlin vergossen haben. Die Stimmung macht viel. Wenn einen die Hitze drückt, so muß man sich nicht einbilden, daß es anderswo besser sei, sondern muß vielmehr an die Gegenden denken, wo es noch schlimmer ist. So mache ich an einem schwülen Hundstage eine Gedankenreise nach der Sahara und den umliegenden Dörfern, wo die Leute in inem Howosen leben, während wir nur eine Kachelosenwärme haben. Umgekehrt lasse ich im grimmen Winter meine Gedanken eine Nordpolexpedition machen und freue mis, daß ich nicht mit meinem Körper Ransen's steifgefrorenen Pelzsack aufzutauen brauche. Der Wille ist's, der lebendig macht und frisch erhält, auch der großten Hitze. Wir lesen hin und wieder in der Zei%####ag zusammengebrochen M, der über man mit der„Anstrengung“ dieses städtischen Spaziergängers mal die Arbeit, welche unsere Landleute bei der Ernte im glühenden Sonnenbrande leisten müssen. Diese schweißtriefenden Knechte und Mägde pflegen keinen Sonnenstich und keinen Hitzschlag zu bekommen; sie dennicht dara., sondern nur an ihre Arbeit. Auch viele Industriearbeiter und besonders die Bergleute müssen schwere in großer Hitze leisten, ohne sich den Luxus einer HitzOhnmacht gestatten zu können. Körperlich schlapp wird, am leichtesten derjenige, der geistig schlapp ist. Vies kommt auf die vernünftige Lebensweise an; die größte Torheit ist das Biertrinken an heißen Tagen. Man hat Durst, und der Durst soll durchaus gelöscht werden. Das Bier hat aber, wie schon die üblichen Trinklieder bezeugen, die hinterlistige Eigenschaft, stets neuen Durst zu wecken. Also wird nach§ 11 immer weiter getrunken. Die gewünschte Abkühlung innern Menschen wird nicht erreicht, weil der Alkohol das erhitzt und das Herz zur Bewältigung der Masse Flüssigkeit verstärkt arbeiten muß. Obendrein macht das Bier schläfmüde und schlapp. Ja, was soll man denn trinken, um den Brand zu löschen?„Trinkt Wasser, wie das liebe Vieh“; as liebe Vieb ist nämlich in seinen natürlichen Trieben vielsach klüger, als der Kulturmensch. Trinkt Wasser, aber recht mäßig, denn das starke Trinken bei der Hitze führt nur zu Herzanstrengung und Schweißvermehrung. Statt ganze Gkäser herunterzuftürzen, nehme man lieber zahlreiche Schlückchen, um immer aufs Neue wieder den Gaumen und den Schlund zu er51) Roman von Georg Okonkowski. —(Nachdr. verb.) 5 sonst Draußen aber im Vorzimmer hielt Dora den Vertrauten des Hauses auf und erzählte ihm, daß am gestrigen Tage der Gatte ihrer Herrin, Edgar von Schrenk=Stadion hier gewesen sel, daß er eine sehr lange und ernste Unterredung mit Ada gehabt habe und daß Ada, nachdem er das Haus verlassen habe, in sehr trauriger, trostloser Stimmung zurückgeblieben sei. Was zwischen den Eheleuten verhandelt worden sei, wisse sie nicht, sie müsse aber annehmen, daß es etwas sehr Unangenehfür Ada gewesen sein müsse; sie Dora, habe beim Weggehen Edgar's nur gehört, daß er ihr eine Frist von zwei Tagen stellte und angab, daß er im Hamburger Hof zu spresei. Ada sei darauf sehr schweigsam gewesen, während sie ihr— der treuen Dora— alles mitzuteilen pflegte; es ### daher für Ada's Glück anscheinend am besten, wenn man sahinter kommen könne, was Edgar mit ihr verhandelt habe, um sie vielleicht vor irgend welchen Fallstricken zu bewahren. Franz nahm diese Neuigkeit mit großem Interesse entgeauch ihm war an Ada's Wesen eine merkwürdige Gebrücktheit aufgefallen, und daß sie ihn gar nicht von der Ankunft ihres Mannes erzählt hatte, ließ auch ihn darauf schliesen, daß Ada eine unangenehme Verhandlung mit ihrem Manne gehabt haben müsse, die sie verschweigen wolle. . Geunz konnte indessen momentan nichts dabei tun. Seine „in zu fragen, was sie mit ihrem Gatten gesprochen habe, dazu hatte er kein Recht. Er nahm sich darum vor, bei Gelegenheit Ada auf Umwegen zum Sprechen zu bringen, inzwischen wollte er sich erkundigen, ob Edgar wirklich im„Hamburger Hof“ logiere. Als er so in Gedanken vertieft ins Geschäft zurückging und den Dammtorbahnhof passierte, stellte sich ihm plötzlich ein Herr in den Weg, der in einem langen, dunklen Regenrock gekleidet war und einen runden, steifen Filzhut aufhatte. „Verzeihung,“ redete der Herr Franz Kossak mit unverkannSamstag, den 4. August frischen. Wer das einsache Wasser zu fade findet, kann ja leicht unschädliche Zusätze machen. Z. B. etwas Obstsaft, ich schätze Zitronensaft als das allerbeste Erfrischungsmittel. Vielsach hat man einen Zusatz von Essig empfohlen; aber Essig ist ein Gift, das nur in ganz kleinen Mengen und in größeren Zwischenräumen genommen werden darf. Ein recht dünner kalter Kaffee ist auch nicht zu verachten; je schwächer, desto besser. Statt der warmen Suppe Mittags eine Kalteschaale ist den Kindern und au,, den gesunden Großen sehr erwünscht. Eine gute Hausfrau muß überhaupt den Speisezettel nach der Temperatur einrichten, in der Hitze muß es weniger Fleisch und Fett geben, dagegen mehr Gemüse und recht viel frisches Obst.„Und Eis!“ flötet da vielleicht ein verschleckertes Fräulein. Ach was, diesen bedenklichen Luxus können wir ganz gut entbehren. Ueber soll man sich in der Zeit des Heißdurstes(wenn ich das Settenstück zum Heißhunger so nennen dars) vor Magenerkältungen sorgfältig hüten. Je durstiger du bist, desto langsamer sollst du trinken. Vorsichtig in kleinen Schlucken, und jeden Schluck erst im Mumde umdrehen, wie der Geizhals den Groschen eeinen Fingern. Ist das Getränk recht kalt, so mache die Schlückchen noch kleiner und drehe sie noch länger im Munde herum. Die Nordamerikaner sind ganz verpicht auf Eiswasser; wir sollten uns davon nicht anstecken lassen, sondern uns mit der natürlichen Kühle eines guten Brunnens oder einer ordentlichen Wasserleitung begnügen. In unseren Konditoreien und Cafes werden freilich die Limonaden auch schon häufig mit Eis serviert. Wer sich darauf einläßt, der sollte sich wenigstens der Strohhalme bedienen, die man zum Aufsaugen' dazu bekommt. Braucht man diese Saugröhrchen richtig, so ist die Gefahr, den Magen durch große Schlucke von dem kalten Zeug zu erkälten, bedeutend gemildert. Man kann sich übrigens diese Saughalme auch für den Hausgebrauch anschaffen. Wenn man zum Beispiel eine Zitrone auspreßt und den Saft in ein großes Glas kühlen Wassers gießt, einen Saugheber hineinsteckt und während der Arbeit von Zeit zu Zeit sich ein Schlückchen heraussaugt, so kann man es auch bei der größten Hitze ganz gut stundenlang aushalten. Und die Kleidung? Manche glauben, bei der Hitze müsse durchaus alles weiß und dünn sein. Die Hauptsache ist, daß die Kleider durchlässig sind. Ein poröses, unverfilztes Wollenzeug ist leichter zu ertragen, als ein gestärktes Hemd, das einen luftdichten Abschluß herbeiführt. Das unzweckmäßigste und lästigste im Sommer ist die steifgeplättete Hemdbrust der Männer mit ihrem Zubehör von hohen Stehkragen und brettartigen Manschetten. Wer in der Oeffentlichkeit diese Plättbretter tragen muß, der sollte wenigstens in seiner Häuslichkeit sie bei Seite werfen, so lange die Hitze herrscht. Was uns erfrischt, ist der Luftwechsel; das gilt nicht nur von der Atemluft, sondern auch von der Luft, die unser Herz berührt. Wir wissen ja allt, daß die Hitze dann am drückendsten ist,„wenn sich kein Lüftchen regt". Jeden Luftzug begrüßen wir mit Freuden; auch wenn die bewegte Luft ebenso warm ist, kommt sie uns doch als Kühlung vor. Das liegt daran, daß sie die schlechten Stoffe, die wir ausgeatmet und ausgedünstet haben, fortführt und durch die Zusuhr von neuer Luft uns Gelegenheit gegeben wird, wieder frischer zu atmen mit der Lunge und mit der Haut. Darum ist auch der Fächer, den wir als Spielzeug der Koketterie zu betrachten pflegen, durchaus kein dummes Ding, und die Chinesen haben in ihrer Sonnenglut ganz recht, wenn sie mit dem Fächer den Luftwechsel befördern. Ebenso ist es ganz vernünftig, wenn wir in der Hitze das Taschentuch oder eine Zeitung oder was sonst zur Hand ist, zum Fächeln benutzen. Wer bei der Arbeit sich bewegt, der kommt von selbst zu einem Luftwechsel; aber wer stundenlang sitzend arbeitet, der sollte von Zeit zu Zeit mit den Händen oder Füßen oder mit seiner Kleidung einige Bewegung machen, um den Dunstkreis, der sich um ihn gebildet hat, zu vertreiben. Die Hauptsache ist aber, daß immer neue Luft an den Körper herandringen kann, und deshalb muß die Kleidung porös, locker, luftdurchlässig sein. Modische Herrchen ziehen gern im Sommer die Weste aus und legen statt deren einen breiten Gürtel über den Magen; das steife Faltenhemd aber behalten sie an und tem englischen Dialekt an,„ich habe doch die Ehre, Sie kennen?" Franz sah in das etwas gerötete Gesicht mit dem blonden Schnurrbart und eine ferne Ahnung tauchte in ihm auf, dieses Gesicht schon einmal unter ganz besonderen Umständen gesehen zu haben. „Nicht wahr, Ste sind Herr Franz Kossak?“ fuhr der Fremde fort.„Ich fürchte, daß Ihre Erinnerung an mich nicht mit besonders freundlichen Begleiterscheinungen verknüpft ist; ich würde mich deshalb freuen, wenn Sie mir Gelegenheit geben würden, Ihnen manches zu erklären. Und damit Sie nicht länger im Zweifel über meine Person sind: Ich heiße Robertson und habe in London Ihre Bekanntschaft gemacht!" Franz hatte ihn schon vorher mit Bestimmtheit erkannt. „Sie haben recht," erwiderte er,„meine Erinnerung an Sie ist keine sehr freundliche.“ „Und doch bin ich an dem, was Ihnen widerfahren ist, unschuldiger, als Sie glauben,“ lautete die Entgegnung.„Ich werde Ihnen das alles erklären, kommen Sie. Begleiten Sie mich in ein Restaurant. Ich habe Ihnen sehr wichtiges zu erklären, auch etwas, was Sie besonders interessieren wird.“ Franz Kossak war naturgemäß begierig, zu erfahren, was der englische Detektiv ihm zu erzählen habe und folgte seiner Einladung deshalb ohne Besinnen. Bald saßen die beiden in einem gemütlichen Winkel eines fashionablen Weinrestaurants in der Nähe des Stadttheaters einander gegenüber. Der Detektiv klärte Franz Kossak zunächst über die seltsamen Londoner Begebenheiten auf und erzählte ihm dann, daß er ihn verfolgt habe, weil er glaubte, daß Franz in die Geldasfäre seines Vaters eingeweiht sei. Er erzählte ihm ferner, wie er Franz verwundet von der Straße aufgelesen, wie er später auch die verloren gegangene Brusttasche gefunden habe und durch den Inhalt derselben von der Unschuld des jungen Mannes überzeugt worden sei. Dann sei Franz, der infolge der Verletzungen am Wundsieber bewußtlos daniederlag, eines Tages in seinem Fieberwahn aus der Pfiege des Detektivs entslohen und verschwunden gewesen. Franz erzählte hierauf weiter, wie er in einem der armseligsten Krankenhäuser im äußersten Osten von London wieder zu lassen diese abschließende Plättmauer erst recht im Sonnenlicht glanzen. Das ist keine Erleichterung; es wäre viel praktischer, die Weste aus durchlässigem Stoff anzubehalten und das steife Hemd durch ein weiches, poröses zu ersetzen. Mit dem geplätteten Zeug hängt auch die Scheu vor dem Schwitzen zusammen. Die Stadtleute betrachten den Schweiß als die schrecklichste Ausgeburt der Hitze; d. h. im Sommer, während sie im Winter auf ihren Bällen das Schwitzen als den Höhepunkt des Vergnügens betrachten. Der Schweiß ist ein Hilfs= und Heilmittel gegen die Hitze. Das wirksamste und gesündeste von allen Bädern. Der Schweiß reinigt und öffnet die Poren der Haut, und wenn der vernünftige Mensch die Natur vernünftig unterstützt, so führt der Schweiß eine angenehme Abkühlung herbei, gemäß dem Lehrsatz, daß Verdunstung Kälte erzeugt. Dazu gehört aber wieder eine zweckmäßige Kleidung; in ie alzu luftig, so erfolgt die Verdünstung und Abkühlung zu schnell und das Ende vom Schwitzen ist die Erkältung. Was nun schließlich die Wohnungsfrage angeht, so gibt es ein einfaches Mittel, um die Wände etwas kühler zu halten, als die Außenluft. Man muß in den kühlen Stunden, also namentlich während der Nacht, nach Möglichkeit lüften; dagegen in den heißen Stunden die Fenster verschlossen und an der Sonnenseite verhängt halten. Natürlich darf die Luft in den Räunicht stockig oder staubig oder sonst unrein werden; in dem Falle muß man sofort für eine Erneuerung durch einen flotten Luftzug mittels gegenüberstehender Fenster und Türen sorgen, weil die warme Luft immer noch besser ist, als die schlechte Luft. Wenn man aber eine nächtliche Abkühlung der Wände herbeiführen kann, so erreicht man den großen Vorteil, daß es in den heißen Tagesstunden dtinnen viel kühler ist, als draußen. Schließlich können wir von den südlichen Völkern, die gegenüber der Hitze eine gewisse Erbweisheit besitzen, noch einige gute Lehren annehmen. In den heißesten Stunden, also besonders in den ersten Mittagsstunden, bleibt man nach Möglichkeit zu Hause und verlegt die Geschäfts= oder Spaziergänge auf den frühen Morgen oder den späten Nachmittag. Man braucht seine gewohnte Arbeit nicht aufzugeben, aber man soll bei beträchtlicher Hitze mit einer gewissen Gelassenheit und Bedächtigkeit arbeiten, ohne Hast und Ueberanstrengung. Es schadet auch nicht, wenn man sich während der Gluthitze nach dem Mittagessen eine größere Ruhepause nach dem Muster der südlichen Siesta gestattet. 7 Im übrigen wollen wir uns freuen, daß die Landwirt schaft ein vorzügliches Erntewetter hat. Denn von dem Schweiß der Erntearbeiter profitieren wir allzumal. Deutsches Reich X Der Wahlkampf in Hagen=Schweim hat für das Zentrum eine sehr unangenehme Folge gehabt: Es ist durch die Kämpfe, die sich um die Stellungnahme zur Stichwahl entwickelte, gespalten worden. Das Wahlkreiskomitee unter Führung des Pfarrers Mertensmeyer in Schwelm hatte in Anwesenheit des Vorsitzenden der westfälischen Zentrumspartei, Abg. Herold, beschlossen, daß kein Wähler für den Sozialdemokraten stimmen dürfe, daß im übrigen aber jedem Wähler die Beteiligung an der Wahl freigestellt werden solle. Gegen diese Parole verstieß darauf der Abg. Fusangel, indem er in seiner Zeitung dafür eintrat, daß die Wähler weiße Zettel abgeben sollten. Das sei das äußerste, was man für Cuno tun dürfe. Dabei war Fusangel selbst in jener Sitzung des Wahlkreiskomitees gewesen, in der diese Wahlparole ausgegeben wurde. Der Zentrumswähler bemächtigte sich darauf natürlich eine große Unklarheit, die schließlich den Herrn Mertensmeyer zwang, entschieden gegen diese Quertreibereien Fusangels Stellung zu nehmen. Er hatte um so mehr Grund dazu, als Fusangel zuerst, als der Bürgermeister Cuno als freisinniger Kandidat aufgestellt werden sollte und von Zentrumsseite schwere Bedenken erhoben wurden, sich entschieden auf Cunos Seite gestellt hatte. Später entwickelte er sich zum ärgsten Gegner Cunos und nach der Wahl freute er sich, daß Cuno gewählt worden sei und„die Treibereien einiger Eigenbrödler" fehlgeschlazu sich gekommen sei und erst nach längerer Zeit und verschiedenen Schicksalsfügungen den Rückweg nach Hamburg gefunden habe. Nachdem zwischen den beiden Männern die gemeinschaftlichen Erinnerungen ausgetauscht waren, vertraute Robertson dem jungen Kaufmann die Angelegenheit an, die ihn aufs neue nach Hamburg geführt habe. Er verfolgte einen berüchtigten Hoteldieb, der schon vor Jahren in London von sich reden gemacht hatte. Einen, dessen Spezies es war, als sogenannte Hotelratte, die Glieder in dunkle Trikots gehüllt, des Nachts in den Korridoren der Hotels umherzuschleichen, um die Gelegenheit zu Diebstählen zu erspähen. Vor zwei Jahren habe er in einem bekannten Londoner Hotel Proben seiner Kunst gegeben und unter anderem einem vornehmen Herrn aus Hamburg eine gelbe Ledertasche mit sehr wertvollem Inhalt gestohlen. Damals habe Robertson den Auftrag erhalten, diesem Hoteldieb nachzuforschen. Der aber sei damals verschwunden gewesen und erst kürzlich wieder aufgetaucht. Da Robertson keine Gelegenheit hatte, ihn en London festzunehmen, sei er ihm gefolgt und deshalb vor einer Stunde in Hamburg angekommen. Auch jener Hoteldieb sei mit demselben Zuge angekommen und habe sich in den„Hamburger Hof" begeben. Robertson wollte ihn dort nun erst ein wenig sicher werden lassen, um ihn dann womöglich in Flagranti zu erwischen. Gleichzeitig wollte Robertson sich erkundigen, ob jener Herr, der seinerzeit ein Opfer der Hoteldiebe gewesen war, noch in Hamburg weile. Und jetzt nannte Robertson den Namen dieses Herrn: Edgar von Schrenk=Stadion. Franz fuhr auf.— „Edgar von Schrenk=Stadion?“ wiederholte er.„Da kann ich Ihnen die beste Auskunft geben!" „Das trifft sich ja herrlich,“ erwiderte der Detektiv,„denn ehrlich gesagt, aus diesem Grunde nur habe ich Sie angesprochen!" „Edgar von Schrenk=Stadion befindet sich seit gestern früh in Hamburg und wohnt ebenfalls im„Hamburger Hof“! berichtete mn Franz Kossak. „O, wie merkwürdig!“ entfuhr es dem Detektiv. gen seien. Dabei hatte natürlich alles nach dem Beschlusse des Wahlkreiskomitees gehandelt, nur er selbst nicht. Das Zentrum in Hagen=Schwelm aber ist durch diese Vorkommnisse auf lange Zeit hindurch in Aufregung gebracht und eine ersprießliche Entwickelung der Zentrumsbewegung dort ebenso unmöglich wie sie es im Sauerlande ist, wo Fusangel die Leute durch tolle Versprechungen auf seine Seite gebracht hat, ohne sich nachher um seine Versprechungen zu kümmern. Der ewige Stimmungswechsel, unter dem Abg. Fusangel leidet, läßt ihn unmöglich als eine geeignete Vertretung eines Zentrumswahlkreises erscheinen, und das Zentrum wird, wenn solche Dinge vermieden werden sollen, gut tun, endlich einmal gründlich durchzugreisen. Ewig darf diese fortgesetzte Beunruhigung doch nicht andauern. Wenn Herr Fusangel das Bedürfnis fühlt, alle drei Wochen eine andere Anschauung zu verfechten, dann mag das ihm als Privatmann gestattet sein. Einem Politiker kann man so etwas unmöglich nachsehen. Arbeiterbewegung. * Der Terrorismus sozialdemokratischer Arbeiter äußert sich bekanntlich in zahlreichen Fällen in der Weigerung, mit christlichorganisierten oder nicht organisierten Arbeitern zusammen zu arbeiten, sofern letztere sich nicht der sozialdemokratischen Organisation anschließen wollen. Auf diese Fälle ist nach einer neuen Entscheidung des preußischen Kammergerichts der§ 153 der Gewerbeordnung anwendbar, welcher besagt: „Wer andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverletzung oder durch Verrufserklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht, an solchen Verabredungen (zum Behufe der Erlangung günstiger Lohn= und Arbeitsbedingungen§ 152) teilzunehmen oder ihnen Folge zu leisten oder andere durch gleiche Mittel hindert oder zu hindern versucht, von solchen Verabredungen zurückzutreten, wird mit Gefängnis bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetze nicht eine härtere Strafe eintritt.“ Die frühere Ansicht des Kammergerichts ging dahin, daß zu den Verabredungen im Sinne dieses Paragraphen die„Vereinigungen“ nicht zu rechnen seien. Nunmehr hat es sich aber durch Urteile vom 5. März und neuerdings vom 3. Mai d. I. der entgegengesetzten vom Reichsgericht in dem Urteil vom 25. April 1902 ausgesprochenen Auffassung angeschlossen. In der Erklärung, mit einem anderen Arbeiter nicht mehr zusammen arbeiten zu wollen, erblickt ferner das Kammergericht nach der Begründung des Urteils vom 3. Mai d. J. eine Verrufs erklärung im Sinne des§ 153 d.. G.=O., da hierin gleichzei tig eine Kundgebung des Inhalts enthalten sei, daß verjenige Arbeiter, gegen den sich die Erklärung richtet, als unwürdig angesehen werde, mit den anderen zusammenzuarbeiten. Auf diese Entscheidung weist der Minister des Innern, der bereits in einem früheren Erlaß vom 31. Dezember 1901 in Ueber einstimmung mit dem preußischen Justizminister die hier zur Geltung kommende Rechtsauffassung vertreten hat, in einem neuen Erlaß vom 24. Juni d. J. hin und fügt hinzu: „Hinsichtlich des in diesem Strasprozesse vorliegenden Tatbestandes bemerke ich, daß es sich dabei um einen der typischen Fälle gehandelt hat, in denen Mitglieder sozialdemokratischer Gewerkschaften einen nicht organisierten Berufsgenossen dadurch aus der Arbeit bringen, daß sie sich dem Arbeitgeber gegenüber weigern, mit jenem zusammenzuarbeiten. Wie gewöhnlich, hat der Arbeitgeber darauf auch in diesem Falle sich genötigt gesehen, den nichtorganisierten Arbeiter zu entlassen. Wenngleich ich annehme, daß derartige Fälle ddes Koalitionszwan ges, sofern sich nachweisen ließ, daß mit dem Vorgehen der die Arbeit verweigernden Arbeiter bezweckt war, einen Mitarbeiter der Organisation zuzuführen, auch bisher schon zur strafgerichtlichen Verfolgung gebracht worden sind, so ist die veränderte Stellungnahme des Kammergerichts zu dem§ 153 der Ge werbeordnung doch geeignet, die Sicherheit zu verstärken, mit der die Polizeibehörden der gerichtlichen Austragung der auf Grund der zitierten Gesetzesvorschrift von ihr in Angriff genommenen Fälle entgegensehen können.“ Es kann gewiß nicht schaden, wenn in krassen Fällen ein Exempel statuiert und so dem Uebermut sozialdemokratischer Ar beiter, die einen Mitarbeiter lediglich deshalb aus der Arbeit verdrängen, weil er einer anderen oder keiner Organisation angehört, ein Dämpfer aufgesetzt wird. Der wirksamste Schutz gegen sozialdemokratischen Terrorismus bleibt freilich— das muß immer wieder betont werden— eine solche Stärtung der christlichen Gewerkschaften, daß die„freien“ Organisationen im mer und überall mit ihnen zu rechnen gezwungen sind. desselben Tages an den erlittenen schweren Verletzungen gestorben. * Neuß, 3. Aug. Der Vorstand der Rheinischen Zone des Deutschen Gastwirteverbandes, der heute hier„Im Römer" tagte, hat beschlossen, am 14. August in Essen=Ruhr im Stadtgarten eine große allgemeine Versammlung abzuhalten, auf der Stellung genommen werden soll zur Bierpreiserhöhung durch die Brauereien und zur Gründung von Einkaufsgenossenschaften oder der etwaigen Gründung einer Genossenschaftsbrauerei. Der Vorsitzende der Westfälischen Zone nahm an der Sitzung teil und sagte die Teilnahme der Mitglieder der Westsälischen Zone zu. Aus dem Tage in Essen werden etwa 10 000 Wirte vertreten sein. * Reuß, 3. Aug. Von der Güterabfertigungsstelle Neuß verschwanden seit einiger Zeit Güter. Zunächst gerieten die Arbeiter in Verdacht. Da sie sich aber unschuldig fühlten und sich durch den schweren Verdacht in ihrem Fortkommen behindert sahen, so überraschten sie den Lademeister Boog von der Eilgutabfertigung. Es gelang ihnen, diesen zu überführen, wie er sich einen Teil des Inhaltes eines Gepäckstückes aneignete. Boog wurde vom Amte entfernt. Kr. Ztg. * Neuß, 3. Aug. Bei dem Gewitter in vergangener Nacht wurde das Haus des Stuckateurs Cr. auf der Neußer Wiese gegen 3 Uhr von einem Blitzstrahl getroffen. Der Blitz fuhr durch den Kamin, zerstörte einen Teil des Daches, setzte im Speicherzimmer die Kleider an der Wand in Flammen, ließ aber die in demselben Zimmer schlafenden Kinder unversehrt, durchschlug die Zimmerdecke und nahm dann seinen Weg am Wasserleitungsrohr zum Hause wieder hinaus, ohne weiteren Schaden anzurichten. * Neuß, 3. Aug. Bei dem Gewitter am Mittwoch Morgen schlug der Blitz auf der Morgensternsheide in einen neben einem Haus stehenden Nußbaum, riß ein Loch in die Mauer, richtete in der Küche und einem anschießenden Zimmer kleine Zerstörungen an und fuhr dann durch die Mauer draußen in die Erde. Von den Hausbewohnern befand sich glücklicherweise gerade Niemand in den unteren Räumen. * Mülheim(Ruhr), 3. Aug. Ueber ein Stücklein Bureaukratismus wird dem„D. G.=A.“ geschrieben: Dieser Tage wollte ein hiesiger städtischer Beamter mit seiner Familie nach Bad Soden fahren, konnte aber am hiesigen Bahnhof Eppinghofen keine direkte Fahrkarte nach genanntem Badeorte erhalten. Da nun solche Karten in Essen ausgegeben werden, fuhr er dorthin und löste sich dort die Karten. Als er nun aber die Fahrt hier antreten wollte, bedeutete ihm der Bahnsteigschaffner mit der ennstesten Miene von der Welt, daß er in Esen einsteigen müsse. Der betrefsende Herr sollte also mit seiner Familie zunächst nach Essen und dann von dort über Mülheim weiter nach Bad Soden fahren. Jedenfalls hat der Bahnsteigschaffner gedacht, der Eisenbahnfiskus will nichts geschenkt haben. * Trier, 3. Aug. Der wegen des Anschlages auf den von Fränkfurt kommenden Schnellzug verhaftete Streckenwärter Heinz aus Schweich beteuert immer noch seine Unschuld; doch liegen gegen ihn schwerwiegende Schuldbeweise vor und seine bei der Voruntersuchung gemachten, sich widersprechenden Angaben kommen einem Geständnis gleich. * Werden, 3. Aug. Das Stadtverordnetenkollegium ge nehmigte den mit dem Rheinisch=Westfälischen Elektrizitätswerke abzuschließenden Vertrag auf Lieferung von Elektrizität. Das Kabelnetz muß so angelegt werden, daß es die Stadt später bei Errichtung einer eigenen Zentrale verwenden kann. Der Der trag tritt am 1. Oktober d. J. in Kraft und ist für 25 Jahre abgeschlossen. Nach Ablauf dieser Zeit hat die Stadt das Recht, eine Verlängerung des Vertrages um 25 Jahre zu verlangen. Falls der Vertrag erlischt, so kann die Stadt die Anlagen des Werkes innerhalb des Stadtbezirkes zum Taxpreis übernehmen. Der Preis für elektrische Energie beträgt für Beleuch tungszwecke die Kilowattstunde 32 Pfg. ohne Rabatt, für Kraftzwecke die Kilowattstunde 12½ Pfg. mit entsprechenden bestimmt festgesetzten Vergütungen am Jahresschluß. * Münster, 3. Aug. Bürgermeister Farwick hat sich, wie der„Westf. Merk.“ aus sicherer Quelle hört, um die vor einiger Zeit ausgeschriebene Stelle des Ersten Beigeordneten der Stadt Köln beworben. Die Wahl wird dem Vernehmen nach nicht vor September stattfinden(Die meiste Aussicht soll nach der Kr. Ztg. der Bürgermeister von Neuß haben. Die Wahl ist deshalb wichtig, weil es sich aller Wahrscheinlichkeit nach um den demnächstigen Oberbürgermeister von Köln handelt.) Rheinland und Westfalen. * M. Gladbach, 3. Aug. In ihrer vorgestrigen geheimen Sitzung haben die Stadtverordneten den Direktor Th. Langner aus Nordhausen zum städtischen Straßenbahndirektor gewählt, da bei der Ausdehnung des Straßenbahnnetzes der Direktor Acker, der dem Elektrizitätswerk, Gaswerk und Wasserwerk vor steht, eine Entlastung haben mußte. Das Anfangsgehalt für den neuen Straßenbahndirektor beträgt 6000 Mark. * Kaldenkirchen, 3. Aug. Die Frau des Kaufmanns E. ist gestern morgen von ihrer auf der Bahnhofstraße gelegenen Villa in den Hofraum herabgestürzt und am Nachmittag Vermischtes. * Hamburg, 2. Aug. Ein sonderbarer Fall erregt hier berechtigtes Aufsehen: Am 28. Mai mußte der hiesige Kaufmann Kurt Michaelis plötzlich geschäftlich nach Hannover fahren. Er meldete sich pflichtgemäß bei der Ponzei ab. Als Herr M. kürzlich von Hannover nach Hamburg zurückkehrte und auf der Straße einem Bekannten begegnete, wich dieser erschreckt wie vor einem Gespenst zurück und rief:„Was, Sie leben? Sie sind doch als Leiche aus dem Fleet gezogen und beerdigt worden!" Dann erzählte der Bekannte, daß eine am 28. Mai aus dem Fleet gezogene Leiche als die des Kaufmanns Kurt Michaelis amtlich rekognosziert worden sei. Herr M. ging nun zur Polizei und erfuhr dort, daß seine Logis wirtin auf der Polizei die betr. Leiche bestimmt als die ihres Einlogierers rekognosziert hatte; auf Grund dieser Bekundung wurde„Kurt Michaelis" beerdigt und im Meldeamt erhielt die Karte des„Toten“ unter den Worten:„Am 28. Maj 1906 gbgemeldet nach Hannover“, den Zusätz:„Am 28. Mai ausgefischt als Leiche.“ Herr Michaelis ermitteite dann weiter, daß er einstweilen auf. Kosten der Armenanstalt beerdigt worden war, daß die Armenanstalt sich aber an seine Mutter, Frau Dr. Michaelis in Großenhain(Sachsen) gewandt und von ihr die Kosten zurückerstattet erhalten. Außerdem hat Frau Dr. Michaelis einen Leichenstein auf das angebliche Grab ihres Sohnes setzen lassen und für Bepflanzung des Grabes 37 Mark bezahlt. Es wird sich jetzt kaum noch feststellen lassen, wer der Tote gewesen sein mag, der nun schon zwei Monate unter falschem Namen im Grabe ruht. * Die Klingel im Sarge. Mr. Russel Sage, der Senior- der amerikanischen Millionäre, scheint troß des hohen Alters, das er erreichte, eine wahre Angst vor dem Lebendigbegrabenwerden gehabt zu haben. Er, der im Leben derart knauserte, daß er sein Frühstück an dem Buffet einnahm, das seinem Kommis unentgeltlich zur Verfügung stand, ist auf Grund seiner letzten Bestimmungen in einem Sarge zur ewigen Ruhe bestattet worden, der das hübsche Sümmchen von 40000 Mk. gekostet hat. Der Sarg besteht aus schwerem Gußstahl, dessen Wände vier Zoll dick sind. Und dieser Sarg ist nicht nur mit Patentschlössern versehen, die sich von innen öffnen lassen, sondern auch mit einem ganzen elektrischen Klingelsystem, durch das der Begrabene sich im Falle des Scheintodes der Außenwelt bemerkbar machen könnte.— Nur den einen Fall scheint„Uncle Russel“, der sich seiner verschlossenen Hand wegen der weitgehendsten Unbeliebtheit ersreute, nicht vorbedacht zu haben,— daß nämlich seine Erben das elektrische Läutesystem abstellen könnten. * Wie ein Operateur operiert wird! Der Vorstand der ersten chirurgischen Universitäts=Klinik Hofrath Professor Freiherr Anton v. Eiselsberg, der schon viele hunderte von Blinddarm=Operationen vorgenommen hat, mußte sich dieser Tage selber einer solchen Operation unterziehen. Der hervorragende Chirurg hatte sich bereits vor langer Zeit mit dem Gedanken vertraut gemacht, daß die Blinddarmreizungen, die sich bei ihm eingestellt hatten, eines Tages eine Operation notwendig machen würden. Als vor zwei Jahren der jetzige Afsistent Eiselsbergs, Dr. v. Haberer, sich einer Blinddarm=Operation unterziehen mußte, die Eiselsberg ausführte, und dem Prosessor nach getanem schweren Werke die Hand drückte, sagte dieser:„Auf Revanche!" Diese Vorhersage ist nun eingetroffen. Hofrat v. Eiselsberg hatte vor einigen Tagen erkannt, daß er jetzt daran kommen werde". Die Sache sei„reif". Im Sanatorium Fürth war von diesem Entschlusse Eiselsbergs an dem Tage der Operation noch nichts bekannt. Der Hofrat erschien im Laufe des Vormittags im Sanatorium und nahm an zwei Patienten der Anstalt große und schwierige Operationen vor, die glücklich abliefen. Eine von diesen Operationen war eine Amputation. Nichts deutete darauf hin, daß der Chirurg, bessen Hand das Messer mit gewohnter Sicherheit führte, einen dem Laien so schwer fallenden Entschluß gesaßt habe und binnen Kurzem als„Objekt“ auf demselben Operationstische liegen werde, anstelle des Patienten, der vertrauensvoll die Entschei dung über Leben und Tod in seine Hand gelegt hatte. Nach den beiden Operationen verließ Hofrat v. Eiselsberg das Sanatorium und begab sich in seine Wohnung, wo er seine krank darniederliegende Gattin von seinem Entschlusse verständigte. Dann kündigte er durch das Telephon dem Sanatorium Fürth an, daß noch eine Operation vorgenommen werden müsse und er sagte hierbei:„Den Patienten bringe ich mit!“ Wenige Minuten später langte Hofrat von Eiselsberg wieder im Operationssaale des Sanatoriums an, wo er sich den überraschten Aerzten als der angekündigte Patient vorstellte. Rasch waren die Vorbereitungen zur Ausführung der Operation getrossen, woran sich der Patient noch als Arzt beteiligte, nachdem die Aerzte die Krankheitsgeschichte zur Kenntnis genommen und die Selbstdiagnose des Patienten bestätigt gefunden hatten. Nachdem Dr. Kraft, der ständige Narcotiseur an der Eiselsbergi schen Klinik, die Narcose an seinem Chef vollzogen hatte, schritt der Assistent an dieser Klinik, Dr. Egon Ranzi, dem hierbei von Dr. J. Fürth und Dr. v. Haberer assistiert wurde, an die Ausführung der Operation. Sie begann um 2 Uhr nachmittags und war 35 Minuten später vollendet. Dis Operation nahm einen glatten, vollständig normalen Verlauf und das Befinden des Patienten ist den Umständen angemessen vollständig zufriedenstellend. Er wird in drei bis vier Wochen vollständig hergestellt sein und das Sanatorium verlassen können. Als Hosrat v. Eiselsberg aus der Narcose erwachte, erkmdigte er sich eingehend über den Verlauf der Operation. * Zuviel gesagt.„Jetzt antworten Sie,“ sagt der Vorsitzende des Gerichts,„ja oder nein! Dis Gericht will nicht wissen, was Sie glauben. Ich glaube heute morgen#. B., daß ich meine Uhr in die Tasche gesteckt habe; in Wirklichkeit habe ich sie auf meinem Waschtisch liegen gelassen. Das Gericht will Tatsachen, keine Vermutungen.“ Nach dieser praktischen Belehrung des Zeugen nahm der Prozeß ohne Störung seinen Fortgang. Als der Richtet nach Hause kam, fragte ihn seine Frau:„Du warst wohl sehr ängstlich wegen deiner Uhr, daß du vier Boten nach ihr geschickt hast— vier Stück, einer nach dem andern?"„Was!“— rief der Richter, dem eine Vermutung aufstieg— hast du sie jemand gegeben?"—„Natürlich,“ sagte sie,„ich gab sie dem ersten; er wußte genau, wo du sie hattest liegen lassen.“ „Ich war gerade im Begriff, ihn aufzusuchen,“ fuhr Franz fort. „Das ist sehr gut!" erwiderte der Detektiv.„Wenn es Ihnen recht ist, gehen wir zusammen hin. Vielleicht" können wir bei der Gelegenheit auch, den Hoteldieb gvin wenig beobachten.“„ Franz erklärte sich einverstanden, da er aber noch im Geschäft zu tun hatte, verabredete er eine spätere Stude, um mit Robertson zusammenzutreffen, und so kam es, daß sie ungefähr fünf Minuten später das Hotel betraten, nachdem der „Ungar zu Edgar aufs Zimmer gekommen war. Robertson erklärte dem Direktor des Hauses den Grund seiner Anwesenheit. Letzterer stellte fest, daß allerdings ein Herr, der vielleicht mit dem gesuhten Ungar identisch sein kön ne, hier abgestiegen sei, allerdings unter der Angabe, ein Serbe zu sein und unter serbischem Namen. Durch Nachfrage bei dem Zimmerkellner erfuhr man, daß dieser Herr soeben den Baron Edgar von Schrenk=Stadion in seinem Zimmer besucht habe. Das machte Robertson im höchsten Grade stutzig. Der Bestohlene verkehrte mit dem Dieb. Dann hatten sich am Ende die beiden zu irgendwelchem neuen Manöver getroffen! Nachdem Robertson seine Bedenken dem Hoteldirektor mitgeteilt hatte, führte dieser selbst— heimlich und ungesehen— Robertson und Franz in ein Zimmer, das neben demjenigen lag, in welchem Edgar und der Ungar weilten. Von diesem Zimmer führte eine Tür in das Nebenzimmer. Die Tür war auf beiden Seiten durch schwere Portieren verdeckt, um zu verhindern, daß man die Gespräche aus dem Nebenzimmer erlauschen könnie. Der Direktor gab nun Roberison und Franz folgende Anweisung: „Ich werde vom Korridor aus zu den Herren hineingehen und mich über irgend eine Nebensächlichkeit mit ihnen unterhalten. Diese Gelegenheit müssen Sie benutzen, um durch die Seitentür ebenfalls in das Zimmer der Henren zu gelangen, wo Sie indessen hinter der Portiere stehen bleiben müssen. So werden Sie die Gelegenheit haben, zu belchnschen, was die Herren sprechen. Hoffentlich erhalten Sie dadurch genügend Material, um weitere Maßnahmen zu treffen.“ Und wie verabredet, wurde der Plan ausgeführt. Der Direktor llopfte vom Korridor aus an die Tür des Zimmers, trat sehr geräuschvoll ein und unterhielt sich ein paar Augenblicke mit Edgar und dem Ungarn, die etwas überrascht durch dieses plötzliche Erscheinen waren. Und als der Direktor sich entfernte, standen hinter der dichten Portiere der Seitentür Robertson und Franz; sie wagten kaum zu atmen. Ersterer hielt einen Revolver in der Hand, um für alle Fälle gerüstet zu sein. Edgar aber und der Ungar setzten ihre leise, geheimnisvolle Unterhaltung, in der sie vorhin gestört worden waren, ungeniert wieder fort. Als nach ungefähr einer Stunde der Ungar das Zimmer verließ und Edgar ihn, zur Tür hinausbegleitete, benutzten Roberison und Franz die Gelegenheit und schlüpften leise durh die Seitentür ins Nebenzimmer zurück. Dort sahen sie sich in großer Erregung an und drückten sich die Hände. Was sie gehört hatten, war nach verschiedenen Richtungen hin so überwältigend, daß sie für's erste gar keine Worte sanden. Dann aber kamen sie schnell überein, was sie zu tun hatten, und während Robertson eilig nach der Hafengegend schritt, um sich in einem der Schiffahrtsbureaux nach den Dampferabfahrten zu erkundigen, fuhr Franz in einer Droschke nach der Wohnung Alfred Kiesewetter's. Dort hatte er mit dem letzteren eine halbstündige Unterredung, dann kehrte er nach dem„Hamburger Hof“ zurück und ließ sich bei Edgar von Schrenk=Stadion melden. Edgar wartete noch immer auf eine Botschaft Ada's und als Franz, der ihm wohlbekannt war, mit den Worten eintrat, daß er im Auftrage seiner Gattin Ada käme, atmete Edgar erleichtert auf. Die Verhandlungen begannen, nun konnte er ja und würde er seine Bedingungen stellen. Und diese Verhandlungen gingen schneller und glatter von statten, als Edgar es sich geträumt hatte. Franz bot dem Baron die Summe von fünfzigtabsend Mark, wenn dieser die schriftliche Erklärung abgeben wollte, daß Ada in London seine rechtmäßige Frau geworden sei und wenn er ferner auf der Stelle Hamburg für immer verlassen wolle. Edgar versuchte angesichts des bereitwilligen Zugeständnisses zuerst eine höhere Summe herauszuschlagen, aber Franz blieb sest:— entweder das gebotene Geld oder gar nichts. Da griff Edgar zu. Er unterschrieb die verlangte Erklärung und Franz zählte ihm die bedungene Summe in denselben Banknoten auf, die er eben erst zu diesem Zwecke von Alfred Kiesewetter erhalten hatte. Dann verabschiedete Franz sich und begab sich ebenfalls nach dem Hasen, wo er an einer verabredeten Stelle Robertson traf. Dieser teilte ihm mit, daß er sich zu morgen reisefertig machen müsse. Franz brachte das Schriftstück Edgar's zu Alfred Kiese wetter, teilte seiner Prinzipalin, Frau Ada, schriftlich mit, daß er in einer dringenden Geschäftsangelegenheit morgen auf einige Wochen oder Monate verreisen müsse, und begab sich dann nach Hause, um die Vorbereitungen zu seiner Reise zu treffen. Auf die Fragen seiner Mutter, wohin er, denn schon wieder wolle, antwortete er ausweichend. Seine Seele war ganz und gar mit dem Abenteuer beschäftigt, das ihm die neue Reise bringen sollte; was ihm damit bestimmt war, wie sich alles gestalten würde, ein dichter Schleier verhüllt es noch seinem Blick. 30. Am nächsten Abend, bei strömendem Regen und in pechschwarzer Finsternis, die sich gegen die grellen Flammen des Quais noch finsterer abhob, lichtete der„Fürs Bismarck“, ner der schnellsten Ozeandampfer der Hamburg=Amerika=Lipte Kuxhaven seine Anker, um die Fahrt über„den großen Teich anzutreten.—„— 44 (Fortsetzung folgt.)