Aelteste Zeitung des Dreistädtegebietes, verbunden mit„Die Wacht“ in Dülken und Süchteln Die„Viersaner Zeitung“ erscheint täglich mit Ausnahme der Sean- und Peiertage.— Besugspreie: 1.— Mark für einen halben Monat.— Bei Sibrungen durch höbere Oewalt oder Streik können Ersatzansprüche aicht berücksichtigt werden.— Verlexer und Herausgeber: Röhre ap; Ce. In Krefeld.— Preßgesetzlich verantwortlich für den redaktionellen Teil: Hans Helnz Meile: für den Anzeigen- und Reklame teil: Hermann Drocks. Viersen.— Verlage-Photograph in eigenen Diensten: Karf Stender: Krefeld.— Rotationsdruck: C. Busch-du Pallole Bochne, Krefeld Postscheck-Konte:„Viersener Zeitung“ Köln Nr. 2878. mit dem täglichen Sportblatt Gegründet 1848 von J. H. Meyer, Viersen Anreigen kosten:: Milllmeter(33 Millimeter breit) 8 Plennig, behördliche, flaanzielle und tabellarische Anneigen 16 Pfennig.— Oertliche private Pamilien. anzeigen sowle Stellen- und Wohnungsanzeigen genleßen Vorangepreie bei Barzahlung. Reklame-Anzeigen: 1 Millimeter(23 Millimeter breit) 2° Plennig.— Bei Wieder. holungen Nachlaß nach Tarli.— Rabatte gelten als Kassa-Rabatte und kommer bei gerichtlicher Elntreibung in Wegfall.— Pür Platzvorschritten sewie für telephonische Auftrüge und Abbestellunges keine Verbindlichkeit.— Beilager werden nicht angenommen Geschäflsstellen: Viersen, Große Bruchstraße 10, Fernrul 3535; Dülken, Lange Straße 4. Fernruf 5028 Ami Viersen; Süchlein. Lindennlatz 5, Fernrul 3038 Ami Viersen 12. Jahrgang— Nr. 244 Dienstag, 17. Oktober 1933.. Einzelpreis 10 Pfg. Deutschlands Schritt war Gebot der Selbsterhaltung Reichsaußenminister von Neurath gibt der Auslandspresse Aufklärung „Kein Krieg kann Dauerzustand der Menschheit werden, kein Frieden kann die Verewigung des Krieges sein. Die bewußte Deklassierung Deutschlands, die darin liegt, daß man jedem Volk der Welt ein selbstverständliches Recht zubilligt, das nur dem deutschen Volke allein vorenthalten wird, empfinden wir als die Verewigung einer Diskriminierung, die für uns unerträglich ist.“ Wtb. Berlin, 17. Oktober 1933. Reichsaußenminister Freiherr von Neurath unterrichtete gestern die ausländische Presse über die Gründe und Ziele der am Samstag getroffenen Entscheidungen der Reichsregierung. Er knüpfte dabei an die bedeutsamen Sätze der letzten Rundfunkrede des Reichskanzlers an, in denen es u. a. hieß:„Kein Krieg kann Dauerzustand der Menschheit werden, kein Frieden kann die Verewigung des Krieges sein. Die bewußte Deklassierung Deutschlands, die darin liegt, daß man jedem Volk der Welt ein selbstverständliches Recht zubilligt, das nur dem deutschen Volke allein vorenthalten wird, empfinden wir als die Verewigung einer Diskriminierung, die für uns unerträglich ist.“ Damit ist, so führte der Reichsaußenminister aus. die Kernfrage klar gekennzeichnet: Will man die Teilung der Bölker in Sieger und Besiegte verewigen oder endlich den Grundsatz anerkennen, daß alle Staaten gleichbenentigte Mitglieder der Bölkergemeinschaft sind? Dies ist entscheidend für jede internationale Zusammenarbeit. Am letzten Samstag ist in Genf klar zutage getreten, daß man dem deutschen Polk in seiner höchsten Existenzfrage, in der Frage seiner nationalen Sicherheit die Gleichberechtigung versagt. Damit haben die Mächte das Fundament zerstört, auf dem allein sich ein ehrliches und fruchtbares Zusammenwirken der Völker denken läßt. Mit dem offenbaren Willen zur grundsätzlichen Diskriminierung Deutschlands haben sie den Grundgedanken des Völkerbundes verletzt, haben sie selbst bekundet, daß sie auf eine aufrichtige und reale Zusammenarbeit mit Deutschland keinen Wert legen. Das deutsche Volk würde sich selbst dissamieren und würde nicht ehrlich handeln, wenn es tratz dieser Sachlage seinerseits noch den Schein einer solchen Zusammenarbeit aufrechterhalten wollte. Deutschland hat die Forderung der Gleichberechtigung seit dem Tage erhoben, an dem sein Eintritt in den Völkerbund zum ersten Male zur Diskussion gestellt wurde. Sie stand schon , i m M i t t e l p u n k t d e r d i p l o m a t i s c h e n A u s e i n a n d e r s e t z u n g e n z w i s c h e n Deutschland und den dankaligen Ratsmächten, die Ende 1924 dem Eintritt Deutschlands in den Völkerbund vorausgingen. In der ersten amtlichen Kundgebung des Völkerbundsrates an die deutsche Regierung vom Dezember 1924 stehen die folgende Worte, die ohne jeden Kommentar für sich selbst sprechen: „Der Rat nimmt Kenntnis davon, daß die deutsche Regierung in Ansehung der Voraussetzungen, unter denen Deutschland in den Völkerbund einzutreten wünscht, auf jede Absicht verzichtet, für Deutschland besondere Vergünstigungen zu verlangen, daß sie aber erwartet, daß dieser Eintritt sich aus dem Fuße der Gleichberechtigung vollzieht. Der Rat stellt fest, daß die zehn befragten Regierungen, d. h. die Ratsmächte, über diese Voraussetzung völlig einig sind.“ Diese Feststellung allein konnte die Grundlage für die Haltung Deutschlands in der Abrüstungsfrage sein. Auch in dem Schlußprotokoll der Konfer-; von Locarno, die ja den Weg für den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund endgültig freimachen sollte, wurde die Lösung des Abrüstungsproblems als wichtigste Aufgabe des Völkerbundes gekennzeichnet. Denn es war klar, daß ohne gerechte Lösung dieses Problems von einer wirklichen Gleichberechtigung des einseitig entwaffneten Deutschlands nicht die Rede sein konnte. Der Minister erinnerte dann an das unaufrichtige diplomatische Spiel um die Vermehrung der Ratssitze Anfang 1926, das im März 1926 zu dem beschämenden Scheitern des deutschen Eintritts führte und sagte weiter: Aber die einstimmige Aufnahme Deutschlands, die dann im Herbst desselben Jahres erfolgte. konnte angesichts der vorausgegangenen amtlichen Verlautbarung des Rates über die deutsche Gleichberechtigung politisch nicht anders gewertet werden als die ierliche Zusage aller im Völkerbund vertretenen Regierungen zu Kr Aufsassung, daß sie von jetzt an in der Abrüstungsfrage auf der Grundlage der deutschen Gleichberechtigung ausbauen würden. Der Minister wies dann auf die in den folgenden Jahren von deutschen Vertretern in Genf gehaltenen Reden hin, in denen Deutschland stets auf die Einlösung jener Zusage gedrungen hat, und auf die deutschen Warnungen, daß das Schicksal des Völkerbundes besiegelt sei, wenn er an der Abgabe der Durchführung der allgemeinen Abrüstung und damit der Herstellung der Gleichberechtigung Deutschlands scheitern würde. Niemand konnte an dem Ernst Deutschlands mehr zweiseln, als es sich im Sommer vorigen Jahres wegen der damals schon offenbar werdenden Verweigerung der Gleichberechtigung von der Abrüstungskonferenz zurückzog. Der Reichsaußenminister schilderte dann die Bemühungen um das Zustandekommen der Fünfmächte=Erklärung mit der ausdrücklichen Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung. Er ging dann aut den Macdonald=Plan ein, der wenigstens einen brauchbaren Rahmen für die Durchführung der allgemeinen Abrüstung und damit für eine Verwirklichung der deutschen Gleichberechtigung darstellte und der am 9. Oktober in zweiter Lesung durchberaten werden sollte. Als man so aber endlich an den entscheidenden Punkt der Verhandlungen kam und die hochgerüsteten Staaten über ihren Abrüstungswillen Farbe bekennen sollten, so fuhr Freiherr von Neurath fort, setzte bezeichnenderweise diejenige Wendunß ein, die in der Erklärung des englischen Außenministers von Samstag ausmündete. Die Grundlage für diese Wendung ist in den Pariser Verhandlungen zwischen der französischen, englischen und amerikanischen Regierung geschaffen worden. Als wir nach diesen Verhandlungen wieder an den diplomatischen Besprechungen beteiligt wurden, mußten wir mit Enttäuschung und Besremden feststellen, daß die bisherige Grundlage der Konferenzverhandlungen gar nicht mehr bestand. Es stellte sich heraus, daß der englische Plan von seinen Urhehern selbst nicht mehr auerkannt wurde und daß man ihn grundlegend ändern wollte. Gegenüher diesem Entschluß, die mit soviel Mühe aufgebaute Grundlage für ein befriedigendes Abrüstungsabkommen einseitig zum Nachteil Deutschlands wieder zu beseitigen und sich damit über die Dezemhervereinbarung hiuwegzusetzen, gab es für uns nur eine Antwort, den Austeitt aus der Konferenz. Die Staatsmänner und Diplomaten aber, die an den Verhandlungen beteiligt waren, sind durch unseren Schritt in keiner Weise überrascht worden. Wir haben während der letzten Genfer Besprechungen mit aller Deutlichkeit auf die Konsequenzen hingewiesen, die wir ziehen müßten, wenn man uns in der jetzt geplanten Weise die Gleichberechtigung verlagen würde. Mit Befriedigung stelle ich fest, daß es während dieser letzten Verhandlungen von seiten der Vertreter der Vereinigten Staaten und Italiens mia an ernsten Bemühungen gefehlt hat, zu vermitteln. Alle diese Bemühungen-scheiterten aber an dem Bestreben anderer Mächte, eine Einheitsfront gegen Deutschland zustande zu bringen. Ebenso wie unser. Anspruch auf Gleichberechtigung schon früher zum Vorwand genommen wurde, um uns als Störenfried der Abrüstungsverhandlungen zu diskreditieren, wird dies auch jetzt wieder versucht. Demgegenüber muß ich Wtb. Berlin, 17. Oktober 1933 Der Präsident der Abrüstungskonserenz. Henderson, hat an den Reichsminister des Aeußern, Freiherrn von Neurath, das folgende Antworttelegramm gerichtet: „Ich habe dem Hauptausschuß das Telegramm Euerer Exzellenz vom 14., Oktober mitgeteilt, daß den Beschluß der deutschen Regierung ankündigt, jegliche Beteiligung an den Arbeiten der Konferenz für die Herabsetzung und Begrenzung der Rüstungen einzustellen, und die Gründe für diese Entscheidung angibt.“ Die deutsche Regierung hat diese Maßnahme gerade in dem Augenblick getrossen, in dem das Büro soeben beschlossen hatte, den Hauptausschuß mit einem genau umrissenen Brogramm zu befassen. Dieses Programm, das innerhalb eines bestimmten Zeitraumes durchgeführt werden sollte, sicherte entsprechend den von der Konserenz unter Beteiligung Deutschlands angenommenen Entschließungen stusenweise die Verwirklichung der Herabsetzung der Rüstungen. in einer Weise, die sich mit derjenigen des Konventionsentwurfes vergleichen läßt. mit dem der Hauptausschuß befaßt ist Dieses Pregramm stellt auch mit entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen die Verwirklichung der Rechtsgleichheit sicher, die die deutsche Regierung stets an die Spitze ihrer Forderungen getellt hat. mit aller Entschiedenheit auf den Zweck der Abrüstungskonferenz und den Sinn der Abrüstung überhaupt hinweisen: Das Ziel ist erstens, eine möglichst weitgehende Herabsetzung des Rüstungsniveaus der Welt und eine klare vertragliche Festlegung dieses Niveaus. Das Ziel ist zweitens, der Rüstungsausgleich zwischen den bereits abgerüsteten und den hochgerüsteten Staaten. Nach Hinweis auf die gewaltigen Rüstungsunterschiede fragte der Minister: Kann es der Sinn eines Abkommens über allgemeine Abrüstung sein, einen derartigen, den elementarsten Rechtsund Lebensansprüchen eines großen Volkes widerspeechenden Zustand zu verewigen oder auch nur auf Jahre hinaus zu verlängern? Während der Verhandlungen der letzten Woche sind wir bemüht gewesen, auf der Gegenseite hierfür Verständnis zu erwecken. Das ist uns nicht gelungen. Jetzt behauptet man, wir hätten durch neue, ganz ungebührliche und über die früheren weit hinausgehende Fordorungen eine Verständigung unmöglich gemacht. Diese Behauptung schlägk den Tatsachen ius Gesicht. Freiherr von Neurath nahm Bezug auf die Instruktion an die deutsche Botschaft in London die den deutschen Standpunkt noch einmal endgüktig feststellt, und erklärte: Ich habe in der Instruktion betont, die Grundlage unserer Stellungnahme zum Abrüstungsproblem sei unser Anspruch auf Gleichberechtigung, der durch die Fünfmächte=Erklärung vom 11 Dezember anerkannt worden sei. Wir hielten an dem englischen Plan und an einer Konventionsdauer von fünf Jahren fest, lehnten den Gedanken einer Bewährungsfrist ab und bestanden darauf, daß die Verwirklichung unserer Gleichberechtigung nicht erst nach Jahren, sondern alsbald beginnen müsse. Wir seien bereit, die Umwandlung der Reichswehr in ein kurzdienendes Heer sofort in Angriff zu nehmen. Welche Bewaffnung dieses Heer haben müsse, würde jedoch erst klargestellt werden können, wenn bekannt sei, welche konkreten Abrüstungsmaßnahmen hinsichtlich des Kriegsmaterials von den hochgerüsteten Staaten übernommen werden würden. Wir lehnten unsererseits kein Waffenverbot als zu einschneidend ab, wenn es auf alle Staaten in gleicher Weise Anwendung fände Wir seien sogar bereit, auf die Juteilung der Waffen Verzicht zu leisten, zu deren Vernichtung innerhalb einer bestimmten Frist Unter diesen Umständen bedauere ich, daß Ihre Regierung diese schwerwiegende Entscheidung aus Gründen getrossen hat, die ich nicht als stichhaltig ansehen kann. Im Anschluß an die von Henderson vorgetragene Resolution in der Sitzung der Generalkommission erklärten die Vertreter Polens, der Türkei und Rußlands, sie hätten den Resolutionstext eben erst erhalten und seien zu den vorhergegangenen Verhandlungen nicht hinzugezogen worden. Unter diesen Umständen seien sie nicht ohne weiteres in der Lage, der Resolution zuzustimmen und behielten sich ihre Stellungnahme vor. Der Vertreter von Ungarn erklärte, daß sein Land sich wegen seines entwaffneten Zustandes ebenfalls in besonderer Lage sähe. Die Erklärungen der vier gleichen Vertreter wurden von der Generalkommission als Stimmenthaltung ausgesaßt. Henderson entwortete auf die Erklärungen ziemlich erregt. Es wurde beschlossen, die Note abzusenden und festgestellt, daß sie mit den genannten Reserven angenommen worden sei. Es wurde serner beschlossen, das Büro bis zum 25. Oktober und die Generalkommistion bis zum 26. Oktober zu vertagen. Henderson sprach die Hoffnung aus, daß die Regierungen in der Zwischenzeit ihre Vertreter mit Instruktionen versehen möchten, die den baldigen Abschluß einer Konvention ermöglichten. Der Gesamteindruck ist der einer allgemeinen Unsicherheit und des Gefühls, daß die Aktion durch die abgegebenen Erklärungen an Schlagkraft eingebüßt hat. Die Antwort Hendersons Er erkennt die Gründe Deutschlands nicht als stichhaltig an die hochgerüsteten Staaten sich verpflichteten, und deren weitere Verwendung international verboten werde. Wir legten hiernach Wert darauf, baldigst zu erfähren, welche Waffenarten nach der Auffassung der maßgebenden Länder verboten und vernichtet werden sollten. Hinsichtlich derjenigen die im englischen Plan eine Limitierung nach Art und Zahl vorgesehen sei, hielten wir eine baldige Aufklärung für nötig, welche Begriffsbestimmungen für diese Waffenarten festgelegt und welche Waffenmengen für die hochgerüsteten Staaten in der Konvention vorgesehen werden sollten. Aus dem Prinzip der erlaubt 1•0 Gleichberechtigung folge, daß die Waffen. ubt blieben, aber für sie zahlenmäßig limiti die allen Ländern mitiert würden, auch Ur Deutschland schon von Beginn der Konvention an zugeassen werden müßten, wobei wir indes durchaus bereit seien, Über die Mengen dieser Waffen mit uns reden zu lassen. Hinsichtlich derjenigen Waffen, die in der Konvention weder verpoten, noch zahlenmäßig beschränkt würden, dürfe es natürlich auch für Deutschland keine zahlenmäßige Beschränkung geben. Wir seien unsererseits aber damit einverstanden, daß auch solche Waffenarten zahlenmäßig limitiert würden, für die dies der englische Plan noch nicht vorsehe, sofern dies nur für alle Staaten in gleicher Weise gelte. Der Reichsaußenminister wies dann die Behauptung Sir John Simons zurück, daß Deutschland in dieser Instruktion über seine früheren Forderungen hinausgegangen sei und der Reichsaußenminister in Genf ein größeres Entgegenkommen gezeigt habe und betonte, daß er auch in Genf nichts anderes habe sagen können als das, was in der Instruktion=stand. Er wies energisch jeden Versuch, diesen Tatbestand anders darzustellen zurück, und zeigte dann, wie man gegen Deutschland mit Verdächtigungen arbeite, an dem Beispiel der mißverständlichen Weitergabe der deutschen Instruktion nach Washington, so daß dort der Eindruck erweckt wurde, als ob Deutschland neue, die Konserenz gefährdende Forderungen erhoben habe, was zu einem offiztösen Schritt der Vereinigten Staaten führte. Der Minister fuhr dann fort: Ich muß hiernach mit aller Bestimmtheit feststellen, daß nicht unsere Forderungen, sondern die Haltung der Gegenseite es gewesen ist, die eine Fortführung der Verhandlungen unmöglich gemacht haben. Der Herr englische Außenminister hat in seiner Erklärung vom Samstag unter Zustimmung Frankreichs und der Vereinigten Staaten an die Stelle des MacdonaldPlanes einen neuen Plan Genf ist ratlos gesetzt. Die Abrüstung der hochgerüsteten Staaten soll danach umvier Jahrehinausgeschoben, soll aber auch für die spätere Periode jetztkeineswegs bindend vereinbart werden, die sie von dem Erfolg des Kontrolisystems abhängig gemacht wird. Praktisch beschränkt sich die Kontrolle aver auf Deutschland, weil dieses allein in den nächsten Jahren einschneidenden Rüstungsbeschränkungen unterworfen wöre. Die anderen Mächte hätten es also jederzeit in der and, sich auf das Richtfunktionieren der Kontrolle oder angebliche deutsche Vertragsverletzungen zu berufen, um ihrer materiellen Abrüstungsverpflichtung auszuweichen. Es kommt hinzu, daß für die Zeit nach vier Jahren auch das Maß der dann enventuell beabsichtigten materiellen Abrüstung trotz unserer fortgesetzten Rüstungsbeschränkung völlig im Dunkein gelassen worden ist. Die auch nach dem neuen Plan sofort vorzunehmende Umwandlung der Reichswehr in eine kurzdienende Miliz ist nicht eine Konzession an Deutschland, sondern eine Konzession Deutschland an die anderen Mächte. Die Ersetzung der lang dienenden 100 000 Mann der Reichswehr durch die doppelte Zahl kurz dienender Mannschaften ist offensichtlich noch eine weitere Schwächung unserer jetzigen minimalen Wehrkraft, zumal da selbst die uns jetzt gestatteten Ver sailler Waffen nur für die jeweils im Dienste stehen den 200 000 Mann, nicht aber für die zur Entlassung kommenden Mannschaften bewilligt werden sollen. Deutschland hätte also 200 000 Gewehre in den Händen kurs ausgebildeter Teute gegenuver etwa acht Millionen Gewehren der Franzosen. Es ist geradezu ein Hohn, wenn diese zweite Entwaffnung Deutschlands mit dem Schlagwort der Nichtaufrüstung Deutschlands begründet wird. Hat man es wirklich für möglich gehalten, daß sich die deutsche Regierung mit dem Gedanken einer Bewährungsfrist abfinden könnte, der schon an sich eine Dissamierung darstellt und dessen Begründung ich nur als eine beleidigende Verleumdung der deutschen Regierung und als eine völlig grundlose Verdächtigung ihrer politischen Absichten kennzeichnen kann? ###. Denn was führt man zur Begründung dieses unmöglichen Planes an? Es ist die angebliche Geführdung des europäischen Friedens durch das neue Deutschland. Mit Entschiedenheit wies der Reichsaußenminister am Schluß seiner Rede alle.„Versuche, den mangelnden eigenen Abrüstungswillen mit Worwürfen gegen Deutschland zr verschleiern, zurück, hob noch einmal die Bemühungen Deutschlands; an der wirtlichen Abrüstung milzuwirken, hervor und betonte, daß Deutschland erst nach der onttäuchenden Erllätung Sit John Simons seinen nun Ist die Ueberraschung echt? Die Rolle des Vierer=Pakts (Bon unserer Berliner Scheiftleitung) ( Berlin, 17. Oktober 1933. Oowohl zwei Tage seit der Rede Adolf Hitlers verflossen sind, läßt sich doch nicht mit einigen Sätzen deren Wirkung nach außen etwa unter Berücksichtigung ausgewählter Pressestimmen umschreiben. Zu bedenken ist, daß, obwohl der Rundfunk seit zehn Jahren ungeheure Möglichkeiten für die Verbreitung von Kundgebungen bietet, doch noch niemals die Rede eines Sterblichen eine solche Publizität hatte wie die des Führers vom 14. Oktober. Die Zahl der angeschlossenen ausländischen und überseeischen Sender war ungefähr doppelr so groß wie am 17. Mai, als der Volkskanzler vom Reichstag aus den bekannten Macdonaldschen Plan für eine annehmbare Grundlage zu einer Abrüstungskonvention erklärte. Inzwischen hat Macdonalds eigener Außenminister diesen Plan zerrissen, und auf die deutschen Entschlüsse vom 17. Mai folgten die Entschlüsse vom 14. Oktober daher mit Naturnotwendigkeit. Das Zwingende in der Logik des deutschen Kanzlers wird auch überall dort, wo sich ausländische Tageszeitungen gegenüber den Ereignissen eine unbeeinflußte Meinung ohne Rücksicht auf marxistische und liberalistische Gruppen zu bilden vermogen, einhellig anerkannt. Es ist aver unmöglich, die Wirtung dieser Rede am Widerhall in Tageszeitungen zu messen. Sie ist von zahlreichen europäischen Sendergruppen, von sämtlichen Sendergruppen der Vereinigten Staaten und außerdem in Südamerika von den Sendern mit der größten Teilnehmerzahl verbreitet worden. Die Zahl der Millionen von Menschen, die schon bei dieser einmaligen Durchgabe erfaßt wurden, läßt sich nicht einmal schätzen. Am späten Abend folgten die Sendungen des deutschen Kurzwellensenders in allen Weltsprachen. Hinzu kam, daß viele große Nachrichtenbüros des Auslandes die Rede im Wortlaut den Zeitungen zuleiteten, die sie entweder wortlich oder in Auszügen weiterverbreiteten. Schon in technischer Hinsicht lag eine bewundernswerte Leistung vor, und wie sehr die Welt von der Kundgebung bewegt war, mag man auch daraus ersehen, daß schon wenige Stunden später auf der anderen Seite der Erde in Tokio die großen Zeitungen abdruckten, was sie nur an Kabel= und Funktelegrammen aus Berlin, London, Neuyork und Paris erhalten konnten. Noch niemals seit dem Bestehen des Weltnachrichtenverkehrs sind alle technischen Mittel vom Fernschreiber bis zum Kurzwellenstrahler und vom Telephon bis zum Großsender in einem derartig gewaltigen Umsang in den Dienst der Uebermittlung einer Rede gestellt worden. Bedenkt man die ungeheuer große Bedeutung der psychologischen Seite des Abrüstungsstreits, so ergibt sich ohne weiteres, welchen Dienst der Führer mit dieser gigantischen Aufklärungsaktion der deutschen Sache und dem deutschen Voli leistete. Ueberall in der Welt sind Menschen zu Hunderttausehden von den Worten Hitlers, von seinen edlen Gedanken über das Zusammenleben der Völker und von seinen ernsten Mahnungen ergrifsen. Noch viel deutlicher wie nach den programmatischen Kanzlererklärungen vom 23. März und vom 17. Mai, in denen sich Adolf Hitler ebenfalls an daß Ausland wandte, war nach den ersten Presseäußerungen in den politischen Hauptschauplätzen eine Scheidung der Geister zu erkennen. Wo bestimmte Politiker unsteundlicher Richtung eine Gruppe von Blättern beeinflussen, stehen spitzfindige Erwagungen, die im allgemeinen vollkommen am Kern der Sache vorbeigehen, im Vordergrund. Das gilt beispielsweise von der von dem englischen Außenminister Sir John Simon inspirierten Presse. Simons Zeitungen stellen sich vor ihren Lesern überrascht. Ist aber diese Ueberraschung echt? Heuchlerisch wirkt in gewissen, vom Foreign Office abhängigen Blättern der Versuch, die Leser glauben zu machen, in Genf sei alles in bester Ordnung gewesen, und die deutschen Entschlüsse hätten gewissermaßen die Bemühungen um eine gütliche Aussöhnung in dem Genfer Streit durchkreuzt. Wie es um derartige Versuche bestellt ist, ergibt sich einwandfrei aus zuverlässigen direkten Meldungen aus Genf. Danach hat Botschafter Nadolny wiederholt in den Besprechungen der letzten Zeit die Gelegenheit wahrgenommen, Simon fliegt nach London um die Gesahren neuer demütigender Schritte der Abrüstungsgegner herauszustellen. Er hat in seiner letzten Konserenz mit John Simon— und zwar in Anwesenheit des amerikanischen Sonderbotschafters Norman Davis— noch einmal diesen Gesichtspunkt unterstrichen und von hier aus die unbedingte Rotwendigkeit einer Gesinnungsünderunn der Vertreter der hochgerüsteten Staaten betont. Von Ueberraschungen kann daher, soweit die Delegationen in Geus in Frage kommen, keinessalls die Rede sein. Ebeuso entschieden müssen die Vorwürfe der Durchkreuzung jrgendwelcher Bemühungen zurück. gewiesen werden. Geradezu froteks wirken derartige Unterstellungen in der Presse John Simons, der es doch fertig gebracht hat, den Abrüstungsplan seines eigenen Ministerpräsidenten zu zerpflücken, nachdem ihn die Reichsregierung für brauchbar erklürt hatte. An dem entscheidenden Samstag— am 14. Oktober— hat im Gegenteil die Reichsreaierung. weil sie vom Bevorstehen einer verbindlichen Aeußerung Simons Kenntnis hatte, diese Rede des englischen Außenministers adge: wartet, bevor sie ihre Entschließungen saßte. Bis zur letzten Minute ist auf jede Möglichkeit für irgendeine Wendung geachtet worden. Als Simon aber jede Abrüstung der Hochgerüsteten um weitere vier Jahre hinausschieben wollte ohne jede bindende Verpflichtung für die Zukunft, war für die Reichsregierung klar, daß die Stunde zur befreien den Tat für sie gekommen war. Die entscheidende Rolle, die Simons letzte Aeußerungen in der Vorgeschichte der Ereignisse spielten, verdient festgehalten zu werden, wenn selbstverständlich auch niemals die Reichsregierung den Versuch unternehmen würde, die Verantwortung für ihre Entschlüsse von sich zu weisen. Entscheidend war, daß Deutschland keine Mitverantwortung mehr tragen konnte für einen lystematischen Betrug. der von Genf aus mit dem Rüstungsproblem seit zehn Jahren geübt wurde. Der neue Betrug sollte darin bestehen, daß man Deutschland einer Kontrolle unterwetsen wollte, lediglich um einen neuen Vorwand zu finden, um eine##tatsächliche Verminderung der Rüstungen der anderen umgehen zu können. Nach Ablauf der Kontrollperiode würde es für jeden Unterzeichner einer derartigen Konvention ein Leichtes gewesen sein, zu behaupten, die Kontrolle habe nicht funktioniert oder Deutschland habe die ihm auferlegten Verpflichtungen verletzt. Hinzu kam noch, daß selbst das Maß einer unter so problematischen Vorbedingungen zugestandenen Abrüstung in keiner Weise festgelegt werden sollte nach den letzten Simonschen Erklärungen Der englische Außenminister hatte sich auf diese Weise zum Anwalt der Rüstungsindustrie gemacht, deren Interessen bei ihm in den besten Händen waren. Dort, wo diese Industrie ihre Märkte hatte, sollte hemmungslos weitergerüstet werden. Ofsen verletzend war für das ganze deutsche Volk die Simonsche Behauptung, daß die Gleichberechtigung dem früheren, nicht dem neuen Deutschland zugestanden worden sei. Auf diese Herausforderung wird das ganze deutsche Volk am 12. November antworten, indem es zeigt, daß niemals in der deutschen Geschichte das Volk so geschlossen hinter einer Regierung stand wie heute.— Außenminister von Neurath und Botschafter Nadolny haben Gens verlassen und dort eine Berammlung ratloser Divlomaten und Politiker zurückgelassen. Simon bestieg am Montag das Flugzeug, um sich nach London zurückzubegeben, wo die gleiche Ratlosigkeit herrscht. Verständnis für die deutschen Entschlüsse zeigen im allgemeinen nur die Völker, nicht die Regierungen— mit Ausnahme der italienischen. Ministerpräsident Mussolini berät augenblicklich über die Aussichten, die sein Vier=Mächte=Pakt bietet, mit seinen Mitarbeitern. Der Pakt von Rom ist in seiner gegenwärtigen Fassung stark mit Bölkerbunds bestimmungen durchsetzt, er erwähnt den„Rahmen des Völkerbundes“ in der Präambel und in den Artikeln 1 und 4, beruft sich aber auch auf die Artikel 10(Garantie gegen äußere Angrisse), 16(Sanktionen gegen den Angreiser) und 19(Revision) der Völkerbundssatzung. Schon aus dieser innigen Verquickung von Bölkerbundssatzung und Viererpakt geht hervor, daß eine Initiative in der Richtung dieses Paktes für die Reichoregierung heute alles andere als ratsam ist. Das Wort haben die hochgerüsteten Staaten. Fortschritte in der Bildung der Rechtsfront Wie das Vdz.=Büro meldet, hat der Aufbau der deutschen Rechtsfront unter Führung des Reichsjustizkommissars Dr. Frank weitere Fortschritte gemacht. Nachdem als erste der bestehenden Organisationen der Reichsbund deutscher Referendare seine Auflösung und sein Aufgehen als Fachschaft in den NS=Juristenbund beichlossen hatte, ist jetzt die Vereinigung der pceußischen Staatsanwälte nach Beendigung der notwendigen Vorarbeiten gleichfalls zu diesem Ziel gelangt. Der Gesamtvorstand der Vereinigung hat soeben die Auflösung beschlossen. Dieser Beschluß hat nach der Deutschen Juristenzeilung folgenden Wortleut:„Die Vereinegung der preußischen Staatsinwälte wird, da ein großer Teil ihrer Bestrebungen bereits verwirklicht, ein weiterer Teil auf Grund höhrer Anordnungen ihrer Bearbeitung entzogen, für den Rest ihrer Aufgaben und Ziele aber die Gewähr einer ihren Wünschen entsprechenden Behandlung im Rahmen des BRSDI gegeben ist, mit Schluß des lausenden Geschäfts= und Kalenderjahres aufgelöst.“ Gleichzeitig wird bekannt, daß vom 1. Januar 1934 an sämtliche Richterbünde aufgelöst werden. Die Deutsche Richterzeitung bleibt bestehen. Die endgültigen Beschlüsse, die namentlich auch über die Liquidation der bisherigen Organisationen bestimmen müssen, sind jedoch, wie das Vdz.=Büro weiter erfährt, vom Deutschen Richterbund und seinen Untergliederungen in den einzelnen Ländern noch nicht gefaßt. Der grundsätzliche Auflösungsbeschluß ist auf der Leipziger Richtertagung am 4. Oktober bereits gesaßt worden. Vom 1. Januar an werden also Richter und Staatsanwälte eine gemeinsame Fachgruppe im BNSDI bilden können. Als eine andere wichtige Säule der deutschen Rechtsfront werden demnächst auch noch die bestehenden Organisationen der Rechtsanwälte, der Notare und der Rechtspfleger ihre Auflösung und ihr Aufgehen im BNSDI beschließen müssen. Denn auf einet gemeinsamen Führersitzung ist als spätester Termin für sämtliche Verbände der 31. März 1934 zur Eingliederung vorgesehen worden. nicht mehr aufschiebbaren Entschluß zum Ausdruck gebracht habe. Zum Schluß erklärte der Reichsaußenminister, die Konserenz möge beweisen, ob sie etwas leisten könne. Deutschland sei abgerüstet und niemand könne den gewaltigen Rüstungsabstand zwischen uns und den anderen leugnen. Deutschland wird, so schloß Freiherr von Neurath, selbstverständlich ernste Abrüstungsvorschläge jederzeit prufen und auch weiterhin bereit bleiben, sich auf der Grundlage der Gleichberechtigung über sein künftiges Rüstungsregime zu verständigen. Italien über die Verantwortlichkeit Frankreichs und des Völkerbundes Wib Rom, 17. Okt. In ihren Kommentaren zu den Beschlüssen der Reichsregierung weist die römische Mittagspresse auf den Viererpalt als auf den einzigen Weg hin, der aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten herausführen könne. Die Blätter betonen die ruhige und objektive Einstellung Italiens, warnen vor übertriebenen Pessimismus und jeder politischen Spekulation und heben die maßvollen und aufrichtigen Erklärungen des Reichslanzlers hervor. Dem gequälten und mißtrauischen Europa, so schreibt„Tevere“, bleibe noch der Viererpakt übrig. Die italienische Politik wolle die internationale Politik auf dieses Werk der Verständigung und des Aufbaues hinlenten, außerhalb jedes unfruchtbaren Alarms und eigennützigen Egoismus. lerh au un es unfruchtharen Alarms und eigennützigen Egoismus. Die maßvolle und ehrliche Erklärung des deutschen Reichskanzs, abgegeben in dem seierlichen Augenblick, als er sein Volt frief, sich über die Politik des Dritten Reiches auszusprechen, terstützt— so muß hervorgehoben werden— dieses umsichtige Werk. Mussolini habe den doppelten Genfer Bankerott vorausgesehen. Der Völkerbund werde nicht schließen, aber, wie er aus dem Einteitt Deutschlands neue Lebenskraft und Aktionsmöglichkeit erhalten habe, nehme ihm der Austritt Deutschlands jede politische Leistungsmöglichkeit. Europa büße jetzt die Fehler von zehn Jahren unsicherer heuchlerischer Politik. Trotz aller Sabotage=Versuche habe man Deutschlands Wiedererstehen nicht verhindern können. Nun sei der normale nationale Wiederaufbau gewissenlos zu einer Explossion des Unwillens getrieben worden. Frankreichs Politiker seien dafür verantwortlich zu machen. Die Haltung Italiens. so schreibt„Piccolo“, sei von dem Willen diktiert, bis zur äußersten Grenze des Möglichen das zu retten, was in Europa für die internationale Zusammenarbeit und den Frieden noch vorhanden sei. Deshalb erschienen im gegenwärtigen Augenblick lange Kommentare und polemische Phantasien unangebracht. Der Viererpakt sei jetzt das einzige Mittel, um aus den Schwierigkeiten herauszukommen. Die Beschlüsse der deutschen Regierung seien zwar ernst, aber Italien vertraue auf das im Aufruf an das deutsche Volk betonte Verantwortungsgefühl der Reichsregierung, wie auch auf das Verantwortungsgefühl der anderen Länder. SA.=Mann tödlich verunglückt Gladbach, 17. Okt. Ein 22jähriger SA=Mann fuhr mit seinem Motorrad von Helenabrunn nach Neuwerk, um im dortigen Krankenhaus einen Kranken zu besuchen. Er traf unterwegs noch seine Mutter, mit der er sich kurf unterhielt. Als er dann sein Fahrzerg wieder bestieg, stürzte er schon nach kurzer Strecke, wobei er auf der Stelle tot war. Die Mutter war Zeugin diesen gräßlichen Vorsalles. Sind die Hishikari=Briefe echt? Fraktion gefundenen Blankoausweise für den Eintritt Reichstagsgebäude. Die Ausweise ∆ (Von unserer Berliner Schriftleitung, br weise trugen die Unterschrift eines waren aber sonst bezüglich den s nicht ausgefüllt. Der Zeuge Europa ist wieder von dem Echo politischer Ereignisse des geformt sind haben die dafür verantwortlichen politischen Kreise stets das Bestreben, die Aufmerksamkeit der Völker von Naheliegendem ahzulenken und durch künstlichen Lärm zu zerstreuen. Nirgends wurde in diesen Tagen so viel und so laut über den„Konflikt Tokio=Moskau“ geschrieben und gesprochen, wie zum Beispiel in Paris. Aber gerade aus diesen Gründen hat die Frage nach der wahren Lage ihre Berechtigung. Die Betrachtung wird dabei erheblich erleichtert, wenn ma von vornherein scheidet zwischen äußeren Vorgängen und inneren Zusammenhängen. Rein äußerlich betrachtet, ist der zwischen Tokio und Moskau wegen der östlichen Ausläujer der transsibirischen Bahn entstandene Streit durch eine Dokumentenveröfsentlichung der Sowjetregierung entstanden. Das Moskauer Außenkommissariat veröffentlichte durch die Russische Telegraphenagentur und durch die Presse eine Reihe von Briefen die— so behauptet die russische Regierung— der japanische Botschafter in Mandschukuo, Hishikari, vin Sachen der russischen Rechte an der Ostbahn an die Tokioter Regierung gesandt habe. Der Inhalt dieser Geheimdokumente sollte den Beweis erbringen, daß die Japaner auf eine völlige Beschlagnahme der Bahn hinarbeiten. Die japanische Regierung beschäftigte sich in den letzten Tagen in mehreren Kabinettssitzungen mit diesen Veröffentlichungen, bestritt aufs entschiedenste die Echtheit der Briefe, erreichte dagegen bisher nichts in Moskau, Moskau hält an der Echtheit der Briefe Hishikaris fest. Hishikari selbst protestiert von der mandschurischen Hauptstodt Charbin aus heftig gegen die russischen Veröffentlichungen, und in Westeuropa erhebt sich der Lärm vom„russisch=japanischen Konflikt". Selbstverständlich ist die Frage nach der Echtheit der Hishikari=Briefe nicht von Europa aug zu entscheiden. Wer genauer zusieht, erkennt auch, daß der unter Auswendung großer diplomatischer Apparate und Mittel entfachte Streit sich in Wirk. lichkeit um etwas ganz anderes dreht als um einige Aufzeichnungen des japanischen Botschafters in Charbin. Moskau hätte ebenso gut vor zwei, drei oder vier Monaten diesen Streit entfachen können. Denn der Kampf um die Rechte an der rund fünfzehnhundert Kilometer langen Endstrecke der transsibirischen Bahn, die durch die japanische Einflußzone Mandschukuo und nur in ihrem fernsten Teil durch den sowjetrussischen Bezirk um den Hafen Wladiwostok führt, mußte mit Notwendigkeit lofort nach der Unabhängigkeitserklärung des Mandschurei=Staates einsetzen. Wenn die russische Regierung die seit Monaten zu ihren Uugunsten verlaufene Entwicklung dennoch bisher über sich ergehen ließ, so brauchte sich darüber niemand zu wundern Nirgends in der Welt bestehen Zweifel, daß sich die Sowjets im Hinblick auf die Zuspitzung der innerrussischen Verhältnisse, der Stockung im Wirtschaftsleben und in der Ernährung eine gewaltsame Auseinandersetzung mit einer fremden Macht keinesfalls leisten können. Sie sind zufrieden, wenn sie mit ihren innerpolitischen Schwierigkeiten fertig werden, und sie haben durch das Dekret, das ausländischen Pressevertretern das Verlassen der Moskauer Bannmeile verbot, auch erreicht, daß die Geschehnisse im Innern des Riesenrei### im allgemeinen verborgen bleiben. Inzwischen ist der Herbst gekommen. Die japanischen Soldaten haben schon während der mehrjährigen Unternehmungen in Nordchina und in der Mandschurei ihre Empfindlichkeit gegenüber der Kälte des asiatischen Kontinents bewiesen. Man weiß in Moskau genau, daß schon in wenigen Wochen die aus Sibirien vordringenden Kältewellen jedes kriegerische Unternehmen der Japaner so gut wie unmöglich machen würden. In diesem Zeitpunkt empfhielt sich eine starke Geste, die nach innen den besten Eindruck macht, ein wenig an das Weltgewissen appelliert und gegenüber dem mächtigen japanischen Nachbar zu weiter nichts verpflichtet. In den Sommermonaten würde eine derartige Notenveröffentlichung möglicherweise zu ernsteren Zwischenfällen geführt haben. Neben einem Kreis von japanischen Politikern des älteren Jahrgangs— und gerade auf diese Männer verläßt sich der über Krieg und Frieden allein entscheidende Kaiser gern— einem Kreis, der die großen Linien im Auge hat, die Gefahren jeder Gleichgewichtsstörung an den vazifischen Küsten und das Abenteuerliche einer Auseinandersetzung mit Amerika oder England bedenkt, sind in Tokio die Militärs auf dem Plan. Hinter ihnen stehen die Wirtschaftspolitiker, die für das rapide anwachsende Inselvolk Siedlungsraum verlangen und Absatzmärkte für die sapanische Produktion. Sie sind ermutigt durch die erfolgreiche Expedition nach Nordchina, die zwar zum Bruch mit dem Völkerbund geführt, aber den fruchtbaren und an Bodenschätzen reichen Mandschureistaat zu einer rein säpanischen Einflußzone gemacht hat. Die Militärs wissen, daß die halb friedliche, halb kriegerische Methode, die gegenüber dem schwachen, in sich zerfallenen und wehrlosen China angewandt werden und ohne Kriegserklärung zur Eroberung aller wichtigen Stützpunkte führen konnte, gegenüber Wladiwostok nicht ohn weiteres anwendbar sein würde. In Moskau hatte der Vorsitzende der Volkskommissare in seiner letzten außenpolitischen Erklärung im Frühjahr gesagt, die Rote urmee habe die Aufgabe, darauf scharf zu achten, daß die Grenzen im Osten und Westen nicht angetastet würden. Und wenn es in der Vergangenheit durchgegahgen sei, die Kräfte der Union durch einen bewaffneten Ueberfall zu erproben, so müßten die Interventionslustigen gewarnt werden, da ein Angriff auf die Sowjetunion„nicht so einfach ausgehen“ könnte. Auch die Militärs überzeugten sich, daß die Eroberung der russischen Endstrecke der großen Bahn zwischen der mandschurisch=russischen Grenze und dem russischen Hafen Wladiwostok nur in einem offenen russisch=sapanischen Krieg zu erreichen sein würde. In der warmen Jahreszeit würde ein solches Experiment ohne weiteres zugunsten Japans ausgegangen sein. Die russische Operationsbasis ist ungefähr zwanzigmal so weit von jenem Schauvlatz entternt wie die japanische. Dies alles zeigt die Schwäche der russischen Stellung. Auch die Moskauer Regierung verhehlt sich diese Lage nicht. Als der Mandschukuo=Staat durch Japan errichtet und das ainesische Anrecht an dem mandschurischen Stück der transsibirischen Bahn annulliert war, drohte die mandschurische Regierung auch die russischen Besitz= und Verwaltungsrechte für hinfällig zu erklären. Daraufhin bot das Außenkommissariat in Moskau einen freiwilligen Verkauf an, und auf dieses Angebot folgte ein monatelanges Feilschen um den Preis. Schon dieses Angebot war das Eingeständnis der Schwäche. Denn ohne die russischen Rechte auf die lange mandschurische Teilstrecke der Ostbahn ist der weite sibirische Raum ohne Ausgang. der einzige brauchbare Hafen der Union im Fernen Osten abgeschnitten und die Grundlage jedes russischen Einflusses auf die weitere. Gestaltung der Dinge in Ostaften zerstört. Soweit die Vorgeschichte des Streits um die Hishikari=Briese. Aus ihr ergibt sich, daß der Notenwechsel nur ein belangloses Zwischenspkel darstellt in dem großen Machtkampf des Fernen Ostens. Möglich, daß sich in der Zukunft noch zeigen wird, ob Hishikari die Briefe über die allmähliche Beseitigung aller russischen Vorposten und über die Aufhebung aller russischen Rechte im Gebiet der Großen Bahn wirklich geschrieben hat. Wichtiger als die Entscheidung über Echtheit oder Unechtheit dieser Dokumente ist das Sinken der Quecklilbersäule. Weder Japan noch Rußland können beim Nahen des Winters große militärische Operationen in Aussicht nehmen. Auf der nördlichen Hälfte der Insel Sachalin und in dem Japanischen Meer stehen die Soldaten des sowjetrussischen Generals Blücher, um die Oelquellen der Insel und den Hasen Wladiwostok zu schützen. Für den ersten Ansturm der Japaner würden diese Vorposten wahrscheinlich ausreichen. Dann ergäben sich für Moskau enorme strategische Schwierigkeiten. Warum aber — so wird der Kreis der Besonneneren in Tokio argumentieren — soll man sich jetzt in das Abenteuer eines beschwerlichen Winterfeldzugs stürzen, wenn Aussicht besteht, daß die russischen Anrechte auf die mandschurische Bahn den Regierungen in Charbin und Tokio wie eine reife Frucht zufallen? Der Reichstagsbrand=Prozeß Gegen die ausländischen Tügenmeldungen— Weitere Zeugenvernehmung Zur Montagsverhandlung wird mit den übrigen Angeklagten ekla klagte Dimitroff wieder vorgeführt. dlung mit einiger auch der Ang Der Vorsitzende eröffnet die Verhandlung mit Verspätung gegen 10 Uhr und läßt durch einen der beisitzenden Richter zunächst das Protokoll der Verhandlungstage verlesen, die in Abwesenheit des Angeklagten vDimitroff stattgefunden haben. Dimitroff erhebt sich von seinem Platz und beugt sich vor. um genau der Verlesung folgen zu können. Der zur Verlesung gelangte Verhandlungsbericht des Gerichtes enthält über das Ergebnis der Inaugenscheinnahme genauere Angaben, als sie bisher in der Hauptverhandlung gemacht worden sind. Es wird darin festgestellt, daß der Zeuge Thaler die Möglichkeit zugegeben habe, daß er sich täuschte, wenn er glaubte, daß zwei Mann durch das Restaurantsenster eingestiegen seien. Auch der Schein durch die Milchglasscheiben habe die Täuschung hervorrufen können, als, wenn zwei Leute mit Feuerbränden hintereinander liefen. S ist die Angabe des Zeugen Bogun, daß er den Angeklagten Popoff aus dem Portal II habe flüchten sehen, sehr genau nachgeprüft worden. Popoff sei veranlaßt worden, in der von dem Zeugen geschilderten Weise aus dem Portal II hinauszulaufen. die Tür zuzuschlagen und zu verschließen. Das Gericht habe bei dieser Probe festgestellt, daß man das Zuschlagen und Verschließen des Portals aus dem Gehsteig deutlich hören kann. Vor Eintritt in die Verhandlung gibt Oberreichsanwalt Dr. Werner eine Erklärung ab, in der es heine:„Ich bekam ein Schreiben des Mitgliedes des Londoner Untersuchungsausschusses. Hahes. Er schreibt darin, er habe es mir übel genommen, 2a5 ich bei verschiedenen Gelegenheiten die Feststellung getrossen habe, daß die Zeugen vor dem Londoner Untersuchungsausschuß unverläßlich sind oder lügen. Er hat dabei Bezug genommen auf meine Bemerkung in der Samstagsitzung, daß ein Jeuge vor der Londoner Kammission aussagte, daß er um 11 Uhr E### in der Brandnacht gesehen habe, daß erhebliche Meugen Brandmaterial aus dem Sitzungssaal entsernt worden sind. Herr Hayes macht darauf aufmerksam, daß im amtlichen Bericht ebenfalls davon die Rede gewesen sei, daß Brandmaterial Verwendung gesunden habe, und er glaubt sich deshalb berechtigt, zuzunehmen, daß meine Worte, daß der Zeuge die UnwahrLit gesatzt habe, nicht richtig seien. Meines Erachtens ist bleser Vorhalt unlogisch. Ich habe nichts darüber gesagt, ob Srandmatetzial Verwendung gesunden hat oder nicht. Ich habe lediglich gesagt, daß der Zeuge die Feststellungen nicht machen lo#nte, die er gemacht hat. Ich habe davon nichts zurückzunehmen.“ Als erster Zeuge wird dann der Botenmeister beim Reichslag. Prodöhl, vernommen. Der Zeuge schildert die Ankunft der Feuerwehr und die Durchsuchung der einzelnen Geschosse. An der Treyne zum Restaurant habe er ein Häuschen hellbraunes Pulver gefunden, welches glimmte. Gleichzeitig habe er bemerkt, daß das Fenster eingedrückt war. Blut und Tuchsetzen habe er aber an den Glassplittern nicht gesehen. Bei der Durchsuchung der unteren Räume jusammen mit Leutnant Lateit hätten sie eine Mütze, ein Stück Seise und einen Binder gefunden. Leutnant Lateit, fuhr der Zeuge fort, war durch Portal II gekommen, das ich vorher geöffnet hatte. An dem Portal hatte ich einen Wachtmeister postiert, der aber nachher plötzlich verschwunden war. Auf die Frage des Vorsitzenden, welcher Wachtmeister das gewesen sei, erwiderte der Zeuge, das könne er nicht mehr sagen Der Zeuge teilt weiter mit, daß der Schlüssel zum Portal plötzlich, nicht mehr da war. Offenbar habe die Feuerwehr wegen des starken Luftzuges das Portal wieder geschlossen. Nach einiger Zeit habe auch ein Feuerwehrmann den Schlüssel wieder zurückgebracht. Vorsitzender: Wie stellen Sie sich zu der Aussage des Zeugen Bogun, daß an jenem Abend ein Mann aus dem Portal II gelaufen ist, nachdem dieses Vortal vorher schon verschlossen war? Zeuge Prodöhl: Ich habe davon gehört, aber ich kann mir nicht denken, daß der Pförtner, ein langjähriger Beamter, das Portal offengelassen haben soll. Ich würde es für unmoglich halten, daß jemand das verschlossene: Portal geöffnet haben könnte. Vorsitzender: Konnte bei den Führungen des Publikums durch den Reichstag sich nicht jemand„verkrümeln“ und im Reichstag bleiben? Zeuge: Die Möglichkeit ist nicht ausgeschlossen, wenn eine besonders große Personenzahl an einer Führung teilnimmt Die Kontrolle beschränkt sich auf die Zahl der Teilnehmer. An sitzungsfreien Tagen wurden die Namen der Besucher nicht eingetragen, wenn es sich um eine solche Führung handelte. Der Oberreichs anwalt weist darauf hin, daß der Zeuge eine ziemlich große Anzahl von Beamten unter sich habe. Er fragt, ob der Zeuge Prodöhl am 27. Februar eine größere oder kleinere Anzahl kleinerer Beamten über das übliche Maß hinaus beurlaubt habe. Der Zeuge erklärt mit Nachdruck, daß er nicht einen ein zigen Beamten beurlauht habe. Wenn jemand das behaupten wolle, so sei das eine ganz insame Lüge. Auf die Frage des Reichsanwaltes Parrisius, ob er bei der Durchsuchung SA.= oder SS.=Mannschaften angetrossen habe, antwortet der Zeuge entschieden mit Nein. Auf Fragen des Rechtsanwaltes Dr. Sack gibt der Zeuge an daß jeder Besucher, der zu einem Abgeordneten will. einen Zettel ausfüllen muß, der auch eine genaue Zeitangabe enthält. Der Besucher wird dann von Reichstagsbeamten nach oben gebracht. In diesem Zusammenhang entspinnt sich eine lAngere Erörterung über die in den Räumen der kommunistischen kommunistischen Abgeordneten, waren aber sonst bezüg Besuchstages und des Besuches nicht ausgefüllt. Der Zeuge zeichnet dies als ein durchaus übliches und zulässiges Verfahren. Auf weitere Fragen bestätigt der Zeuge, daß Abgeordnete jeden beliebigen Besucher ohne wettere Kontrolle in den Reichstag hineinbringen konnten. Für den Besucher war dann der Abgeordnete perantwortlich. Hierauf tritt eine Pause ein. Nach der Pause wird der Tapezierer Borchart als vernommen über die Frage, ob ein Stückchen Vorhang, das bei dem brennenden Mantel van der Lubbes in der Wändelhallfunden wurde, identisch ist mit dem Vorhang, der hinter dem Stenographentisch angebracht war. Der Zeuge bestätigt das und erklärt, daß es sich um einen leichten Vorhang, ein rotes Tuch. gehandelt habe, das sehr leicht brannte, zumal es auch schon alt und etwas mürbe war. Es wird dann festgestellt, daß auf jeder Seite des Stenographentisches zwei Vorhänge waren, je zwei Meter lang und einen Meter breit. Aus der Aussage van der Lubbes wird zitiert, daß er einen der Vorhänge abgerissen hat, in Brand steckte und dann damit durch den Saal lief. Der folgende Zeuge, Amtsgehilfe Hermann Schmal, sagt aus, er habe am Brandtage gegen 2 Uhr nachmittags am Reichstage in der Nähe des Portals IV einen jungen Mann beobachtet, der ihm wegen seines verwahrlosten Aeußeren verdächtig erschien. Er habe sich diesen Mann genau angesehen, und als dann die Zeitungen das Bild van der Lubbes veröffentlichten, habe er sofort erkannt, daß dieser Mensch der Verdächtige am Reichstage gewesen war. Der Vorsitzende fordert van der Lubbe auf, sich zu erheben. Nach anfänglichem Zögern steht van der Lubbe auf. Der Zeuge Schmal erklärt: Das ist der Mann. Vorsitzender: Van der Lubbe, sind Sie am Brandtage gegen 2 Uhr am Reichstag gewesen? Ban der Lubbe schweigt hartnäckig. Vorsitzender: Er bewahrt dasselbe Verhalten, das er die ganze letzte Zeit über gezeigt hat. Ich kann also nur daran erinnern, daß er bei der Vernehmung in Leipzig ausdrücklich gesagt hat, er sei damals schon um 2 Uhr vor dem Reichstage gewesen. Das hat er auch in der Voruntersuchung gesagt: Oberreichsanwalt: Der Zeuge Schmal hat in der Voruntersuchung auch gesagt, er habe den Abgeordneten Torgler um diese Zeit an der Straßenbahnhaltestelle gesehen. Zeuge Schmal bejaht das, errlart aver. er könne nicht bestimmt sagen, ob das Samstags oder Montags war. Vorsitzender: Ist Ihnen gleich unklar gewesen, ob er Samstags oder Montags war? Zeuge: Zuerst habe ich den Montag für wahrscheinlicher gehalten. Ich kann jetzt aber mit Bestimmtheit darüber nichts sagen. Reichsanwalt Parrisius: Van der Lubbe hat zunächst behauptet, erst gegen 5 Uhr erstmalig am Reichstag gewesen zu sein. Erst nachdem der Zeuge Schmal festgestellt hatte, daß er ihn schon um 2 Uhr gesehen hat, hat van der Lubbe das zugegeben. Aus dieser Tatsache könnte man die Schlußfolgerung ziehen, daß der Angeklagte zunächst das Bestreben gehabt hat, seine Anwesenheit zwischen 2 und 5 Uhr nachmittags am Reichstagsgebäude zu verheimlichen. Rechtsanwalt Dr. Sack: In dem Protokoll vor dem Untersuchungsrichter ist von einem Zusammentreffen des Angeschuldigten van der Lubbe und Torgler die Rede. Haben Sie so ausgesagt? Zeuge: Das habe ich nicht ausgesagt, denn ich bin ja damals in die Straßenbahn eingestiegen und habe weiter gar nichts gesehen. Dr. Sack: Sie hatten ja nicht einmal gesehen, wohin van der Lubbe gegangen war. Das steht auf der einen Seite des Protokolls. Auf der anderen Seite wird dann von dem Zusammentrefsen gesprochen. Darüber können Sie doch gar nichts sagen? Zeuge: Nein. Der Oberreichsanwalt stellt fest, daß das Protokoll dutchaus nicht dahin zu verstehen ist, daß eine Begegnung Torglers und van der Lubbes stattgefunden hat, sondern es handelt sich nur um die Begegnung des Zeugen einmal mit van der Lubbe und dann mit Torgler. Der nächste Zeuge, Amtsgehilfe Wenig, sagt aus, er habe bei einer Reichstagsführung 8—14 Tage vor dem Brande den Angeklagten van der Lubbe gesehen. Der nächste Zeuge Hilfsamtsgehilfe Holdack erklärt ebenfalls, daß er van der Lubbe vor dem Brande bei einer Führung im Reichstag gesehen habe. Mit Bestimmtheit könne er es allerdings nicht behaupten. Die Zeugen Schmal, Wenig und Holdack bekunden dann übereinstimmend, daß sie ihren Dienst wie immer versehen hätten, daß ihnen nichts von Beurlaubungen außer den paar Krankheitsfällen bekannt sei und daß sie auch nichts davon gehört hätten. Der nächste Zeuge ist der Verwaltungsassistens Gericke der seit zwei Jahren mit den Führungen durch den Reichstag beschäftigt ist. Er erklärt auf Befragen, daß der Aufenthalt im Plenarsaal 20 bis 25 Minuten betrug. Auf eine weitere Frage erklärte der Zeuge, bei den Führungen hätten die Besucher immerhin die Möglichkeit gehabt, sich auch in den Umgängen umzusehen. Hierauf wird als Zeuge der Werkführer Rudolf Scholz vernommen, der seit vielen Jahren im Reichstag als Beleuchter tätig ist. Er gibt an, er habe am Brandtage wie an allen übrigen Tagen um 8.10 Uhr seinen Kontrollgang durch den Reichstag angetreten: Am Portal II sei ihm gegen 8 Uhr gesagt worden, daß soeben die Garderobe des Abgeordneten Torgler nach oben gebracht worden sei. Der Zeuge schildert dann genau seinen Rundgang. Um 8.25 Uhr habe er in den Plenarsaal hineingeschaut. Irgendetwas Auffälliges sei dort nicht bemerkbar gewesen. Der Reichstag sei um diese Zeit so still, daß auch das kleinste Geräusch deutlich vernehmbar sei. Um 8.30 Uhr sei er an den Fraktionszimmern der Kommunisten vorbeigekommen und er könne mit aller Bestimmtheit sagen, daß um diese Zeit die Oberlichtscheibe zum Dachgeschoß noch ganz gewesen sei. Die zerbrochene Scheibe habe er erst am Tage nach dem Brande gesehen. Die Scherben seien da aber schon weggeschafft worden. Der Zeuge ist, nachdem er seinen Rundgang am 27. abends beendet hatte, in den Neller zurückgekehrt, um seine Sachen zu holen und das Haus zu verlassen. Etwa 8.38 Uhr abends will er dem Psöortner am Portal V die Schlüffel abgegeben haben. Als er noch einen Augenblick mit dem Pförtner Wendt sprach, kamen Torgler, Koenen und die ekretärin. Der Zeuge nahm Toraler die Schlüssel ab, Torgler und Koenen sagten beide„Guten Abend“ und verließen das Haus. Der Zeuge erinnert sich genau an die Zeit. Vorsitzender: Sind die beiden schnell hinausgegangen? Zeuge: Nein, im gewöhnlichen Schritt. Dr. Sack: Sie haben Ihre Diensträume im Keller. Dann müssen Sie wissen, ob in der Zeit vor dem Brande in diesem Keller Veränderungen vorgenommen sind. Das könnte Ihnen doch nicht entgangen sein, wenn man dort Kisten mit Brandmaterial hingestellt hätte? Zeuge: Das müßte in der Zeit geschehen sein, wo ich auf meinem Rundgang war. Dr. Sack: Ist es möglich, daß bis zum 27. Februar dort Kisten oder andere geheimnisvolle Pakete untergestellt worden sind? Zeuge: Das ist unmöglich. Der Vorsitzende vertagt darauf die weitere Verhandlung auf Dienstag. B Aus der Glanzzeit der Kaiserlichen Oper Von. Kammersängerin Gerardine Farrar. Die einstmals vielgeselerte erste Sängerin der Königlichen Oper, Berlin, erzählt hier aus ihren Erinnerungen von vergangenen Glanztagen-deutscher Opernkunst. Die Schriftitg Dem Königlichen Opernhaus von Berlin, dem ich sogar laut Vertrag heute noch mehrere Vorstellungen schulde, gehörte ich 14 Jahre lang— von 1900 bis 1914— als Mitglied an. Dieser Zeitabschnitt stellt zugleich das wohl bedeutsamste Kapitel der Operngeschichte Deutschlands dar. einem Lande, in dem die Oper wie nirgends sonst An der Welt gepflegt wurde und auch heute unter nationalsozialistischer Führung begeistert herausgestellt wird. Für die laufstellung des Spielplans war schon zu meiner Zeit alleln das Gesetz der Leistung maßgebend. Jedes deutsche Meisterwerk fand hier selbstverständlich willige Aufnahme. Aber auch das ausländische durfte verständnisvoller Förderung gewiß seln. Man zeigte Aktivität und Spürsinn, man stöberte junge und unbekannte Talente auf. und man war mutig genug, ihnen alle Möglichkeiten einer Entfaltung ihres Könnens zu geben. Ich brauche nur an Richard Strauß zu erinnern, der sicherlich seinen Weltruhm zu einem Telle der Mustergültigkeit verdankt, mit der die Reichshauptstadt seine Werke aufführte, immer wieder aufführte, trotzdem diese Werke von Presse und Publikum vielfach abgelehnt wurden. Galt damals der Wert der„Salome“ schon als problematisch, so sand erst recht„Elektra“, eine schlechte Krittt. Bei der Aufführung der Salome mußten Rücksichten auf den Hof genommen werden. Sowohl der abgeschlagene Kopf auf dem Silberteller wie die etwas drastische Art, in der die römischen Soldaten Salome schließlich zu töten haben, erregte Anstoß. Zum Schluß der Oper erschien, was im Textbuch nicht vorgesehen ist, der Stern von Bethlehem, die Geburt des Heilands ankündend. Auch der„Rosenkavalser“, der sich Uhrigene am raschesten von allen Meisterwerken Richard Strauß' durchsetzte, mußte textlich etwas geändert werden— Es ist bezeichnend, daß die Intendanz wegen der Aufführung Strauß'scher Werke vom Publikum Schmähbriefe erhielt. Allmählich aber siegte die lebendige Kraft der Meisterwerke über Verständntslosigkeit und Gewohnheitsllebe Die zuerst heiß umstrittenen Opern wurden nun zu den sichersten Stützen des Spielplans. Berlin besaß damalo ein wunderbar ausgeglichenes Ensemble von ersten Sängern, mit denen dennoch kein Starkult getrieben wurde. Bedingungolos fügte sich jeder dem Willen des Dirsgenten, der wiederum bemüht war. eitelkeitolos und mit dem ganzen Einsatz seiner Persönlichkeit allein dem Werk zu dienen. Richard Strauß, Dr. Karl Muck. Leo Blech— das waren damals die gentalen Dirigenten der Oper. Dr. Kaxl Muck, der treue Förderer der Wagnerkunst, war wegen seiner Strenge nicht umsonst gefürchtet. Daß Muck es verstand, die sängertsche Leistung der Darsteller im Rahmen einer korrekten Erfüllung der Kunstabsicht des Komponisten zu halten, war nicht nur den Interessen des Werkes dienlich; es wirkte auch im erztehertschen Sinne überaus segensreich. Freilich erreichte Mucks Strenge zuweilen auch einmal das Gegenteil des Angestrebten. So z. B. trank sich eine junge Sängerin; als sie die Königin der Nacht in Mozarts„Zauberslöte" darzustellen hatte. gerade aus Angst vor Muck einen Rausch an Uns Kollegen kam es wie ein Wunder vor. daß sie ihren Einsatz nicht verpaßte und ihre Rolle noch mit leidlichem Anstand bewältigte, denn nichts ist für den Sänger gefährlicher als der Versuch, sich mittelo alkoholischer Genüsse in Stimmung zu bringen. Ich erinnere mich einer anderen Episode, bei der es weniger glimpflich abging. Da hatte ein berühmter Tenor, der gerade den Tristan gab, vor seinem Auftreten dem Alkohol allzu elfrig zugesprochen. Das Verhängnis nahte in der Liebesszene des zweiten Aktes, wo er anstatt auf Isolde aus einen— Baum zustürzte, um ihn mit aller für sie bestimmten Inbrunst zu umarmen. Ein Ereignis bedeutete die deutsche Uraufführung der heute vielleicht populärsten Oper der Welt„Madame Buttersly“ von Puccini. Ich hatte die kleine Frau Schmetterling, über deren tragisches Schicksal seitdem Ozeane von Tränen vergossen wurden. bereits in Neuyork in italienischer Sprache gesungen. Jetzt sollte ich diese rührende Partie zum ersten Male in deutscher Sprache verkörpern. Ich hatte die Rolle mit einer Japanerin durchgenommen und mir alle für die sapanische Frau typischen Bewegungen peinlichst einstudtert. Auch auf meine echt sapanische Maske, die nicht leicht herzustellen war, bildete ich mir nicht wenig ein. Um so größer war meine Enttäuschung, ats der Regisseur gegen die sapanische Ethnographie# protestierte, so daß alle von mir verwandte Liebe und Arbeit umsonst war. Die Aufführung der Butterfly erschten damals überhaupt als eim ziemlich gewagtes Experiment— war man doch auf der Overnbühne an mittelalterliche Ritterkostüme und dergleichen gewöhnt. Straßenanzüge auf einer Opernbühne konnten, so dechte man, das Puhlikum befremden. Dennoch wurde„Butterfly“ ein großer Erfolg. — Als ich nach vielen Jahren nach Berlin zurückkehrte, empfing ich den Besuch meines ersten Buttersly=Kindes— es hatte sich inzwischen in eine verstable junge Dame verwandelt, die sogar bereits eine ebenso verltable Opernsängerin war!— Eln anderes Ereignis der Saison waren die regelmäßig sich wiederholenden Gastspiele Enrico Carusos, zu denen die Preise für die damaligen Begriffe eine phantastische Höhe erreichten— es gab Plätze bie 50 und 100 Mark. Als ich das erste Mal mit Caruso sang und die ersten Klänge dieser einzigartigen Stimme vernahm, schossen mir undillkürlich die Tränen in die Augen. Sowohl der Kaiser alo auch das Kronprinzenpaar waren eifrige Opernbesucher. Zu den Lieblingsopern des Kronprinzen gehörte damals Verdis„Traviata“. Diese Oper war bis dahin einigermaßen verpönt gewesen. Schon des Titels wegen, der in deutscher Uebersetzung„Die Entgleiste“ heißt, und der deshalb selbstverständlich umgewandelt werden mußte. Statt„Traviata“ sagte man also„Violetta". Der Kaiser war gewissermaßen die etzte Instanz in allen Opernfragen. Als die Intendanz mir einen Urlaub zwecks Gastsptelen in Monte Carlo nicht bewilligen wollte entschloß ich mich, an den Kaiser zu appellieren. Der allerhöchste Herr fragte mich freundlich, was ich denn in Monte Carlo zu suchen hätte. Ich erwiderte:„Masestät, es wird einmal die Zeit kommen, wo ich keine Stimme mehr habe; wer wird da an mich denken? In Monte Carlo würde ich so gut verdlenen, daß ich mir für meine alten Tage etwas Geld zurücklegen könnte.“ Der Kaiser lachte und ließ sich von diesem Argument überzeugen National-Theater Viersen Nur drei Tage unserc atemraubende Sensation Tiger- Hal! (Der Flscher von San Dlego!) Nervenaufpeltschende Kämpfe zwischen Henschen und Halen!- Sensationelle Bilder eus dem Leben der Thunfischfünger!- Ein hohes Lied von Hul und Kameradschaft! Edw. G. Robinson der bekannte Sensationsdarsteller in der Hauptrolle! Ein Pilm von der Weite des Meeros, vom Kampf mit den Elemonten und den Feindon der Tiefol Aus unserem reichhaltigen Belprogramm: II.„Hutzl-Putzi auf Jana-— die drolligo Tongroteske III.„Hartinell““— der weltberühmte Sänger singt Zigeunerweisen! IV.„Mindergymnastik“— der roizende KinderTontilm! V.„uneurs— ein kurzes Kapitol Naturgeschichtel VI. Fox-Tonwochenschaul— der aktuelle Bildbericht! Mittwoch, 18. Okt., nachmittags ½3 Uhr Kinder- u. Jugendvorstellung Thalusia=Lichtbild=Vorträge unentgeltlich für Jrauen und erwachsene Mädchen Blüte, Reise und vorzeitiges Aitern des weiblichen Körpers! Am Scheidewege von Glück u. Leid Durchinteressante Naturaufnahmen und Demonstrationen am Rörper wird gezeigt, wie der Verfall der Jugendlichkeit aufzuhalten oder zu verhindern ist. Jür alle Damen äußerst wichtin und lebrreich, selbst für jene, deren BRörper nochtgut erhalten ist; für ältere Damen geradezu eine Jrage der Lebenoverlängerung. Beginn: Nachm. ½14 und abendo ½8 Uhr.— Kintritt frei! Veranstalter: Thalysia Daul Garme G. m. b. H., Leipzig. Düllen: Mittwoch, den 18. Oktober 1933 Café Rheingold Sprechzeit der Vortragsdame am darauffolgenden Tage von 9—17 Uhr. Unverbingliche Anprobe, fachliche Beratung für Auswahl, individuelle Anpassung und sonstige persönliche Wänsche im Bortragslotal! Deutsche Bühne, Ortsgruppe Viersen. Nur noch an 3 Tagen werden Abonnements ausgegeben, und zwar morgen Mittwoch, kommenden Freitag und Montag. von 17—19 Uhr Im Vereinsheim des V. F. V., Schlagetcrallee 29; in Dülken heute, 17. Oktober, von 17—18 Uhr bei Buseh. Adolf-Hitler-Str. Es versäume doch niemand, sieh rechtzeitig noch oinen guten Platz zu sichernEs kommen zur Aufführung: 2 große Opern. 1 Operette, 3 Schauspiele, 1 großes Konzert. Diese 7 Aufführungen kosten einschließlich Garderobe und Programm nur: Sperraitz: 1. Platz: 2. Platz: 3. PlatRM 14.— RM 10.30 RM 7.— RM 4.50 zu zahlen in 3 Raten, ½ sofort, ¼ vor der 3. und ¼ vor der 5. Aufführung. Das Abonnement ist übertragbar. Eröffnungsvorstellung: Donnerstag. 26. Oktbr., Prinz von Homburg von Kleist. Olg. Sottthiners Gelinde abführend u. wassertreib, entfernen sie die Harnsäure aus dem Körper. Ganz überrasch. Erfolge werden berichtet. 1 Schachtel(ausreichend f. 1=2 Monate) M. 1.50. Nur in Apoth. Herst. u. Vers.: Schützenapoth., München, Schützenstr. 2. Ferdern Sie Hostenlos KATALOG u über alle Art Höbel auf Kredit Wir haben große Auswahl in den einfachsten bis modernsten Einrichtungen. Vertreterbeistung unverbindlich Strengste Diskretion. Neutrale Lieferautos. Hübel-König u. R. J.A. (Christliches Haus) Krefeld Dreikönigenstraße 35, Nähe Hochstraße — Beltecke— auf Teilzahl., Monatsrate von 3 Mark an. Ang. unter K 3490 erb. Für Mädchenzimmer Kleiderschr., Waschkom., Tisch und Stühle(wß.) zu kaufen gesucht. Ang. unter K 3480 erb. Versandgeschäft richtes allerorts ein: Ratra“, Halle'S 7 Der Rundsunk Dienstag, den 17. Oktober Sendergruppe Im Saale des Stadthotels Schlunken Viersen Dienstag u. Mitlwoch 3½ und 7½ Uhr Bunte Unterhaltungsstunden Donnerslag u. Freitag 7½ Uhr Prohe Haustrauen Tage mit praktischen Vorführungen. Eintritt 80 Pf. für den eine Tasse Kallee mit Gebäck oder ein Gläs Bier verabreicht wird. 250 wertvolle Gewinne stehen zur Mitnahme bereit. Bekanntmachung Die gemäß Beschluß des Beschluß-Ausschusses vom 26.-September 1926 neu erlassene Ordnung betreffend die Erhebung von Baupolizeigehühren vom 12. Oktober 1938 wird durch Anschlag an den Bekanntmachungsbrettern im Rathaus, Stadthaus I und Stadthaus II, bekannt gemacht. Die Ordnung tritt mit dem heutigen Tage in Kraft; mit dem gleichen Zeitpunkt tritt betreffend die Erhebung von bühren vom 12. Oktober 1927 die Ordnun Baupoltzei-G außer Kraft. inen Vier den 16. Oktober 1933. Der k. Oberbürgermeister. (Stuttgart, Frankfurt. Langenberg) 06.00: Morgenrus.— Spruch des Tages. 06.05: Morgenkonzert(Schallplatten). 06.30: H. J. Reinarz: Letbesübungen(1). 07.00: Zeilangade, Frühmeldungen. 07.10: Wetterberichte. 07.15: Konzert. 06.15: Wasserstandsmeldungen. 08.20: Hilde Bremus: Gymnastik für Frauen. 08.40 bis 08.50: Für die Frau. Mutter Thoma aus Hans Thomas Erinnerungen„Im Winter des Lebens“. 10.00: Frühbericht, Wasserstandsmeldungen. 10.10: Schulfunk für Schüler vom 7. big 10. Lebensjahre. Käthe Martin: Kinderturnen mit Musik. 10.30: Wir und die Welt. Stunde junger Generation 11.25: Funkwerbung mit Schallplatten. 11.55: Petterberichte. 12.00: Konzert. 13.15: Zeit, Nachrichten, Wetterberichte. 13.35: Konzert. 14.30: Aus unserer Heimat. Straßen der Heimat, die sal trugen und Geschichte machten. Dr. R. Dvorak: „Der westfälische Hellweg“. 14.50 bis 15.10: Zur Unterhaltung(Schallplatten). 15.10: Das Buch im Dritten Reich. 15.30: Wirtschaftsmeldungen. 15.50: Stimme der Bewegung. 16.00: Konzert. 17.00: Westdeutsche Wochenschau. 17.45: Musik auf Schallplatten. 18.00: Italienisch(Vortrag). 18.35: Dichter des ganzen Volkes. E. Stucken: „unzen Volkes. E. Stucken:„Die Rache des Königs“. Eine Eptsode aus dem Roman„Die welßen Götter“. d 18.50: Meldungen. 19.00: Reichesendung. „Der dent son den myt Stunde der Nation. sche Wein“, von Wilhelm Fraenger. hischen Stiftern= m.I Stiftern deo Weines— Weina—— Weinlese— Erntedank. „ mythill, Weinstock— Vom Weingenuß—. Vom Weinteufel— 20.00: Pros. Dr. O. Bölcker:„Die Wehrausbildung deutschen Jugend und die Abrüstungskonserenz 20.10:„Konsunktur“. Eine Revolutsongkomödie 4t„ 1933 von D. Loder. Frühjahr 1933 von D. Loder. Funkbearbeitung Spiellettung: Curt Baumgarten.— Personen: Pankier* dem und Spiellettung, an. Willmann, Bankter(A. Oettershagen); Helga, seine Tochter(M. Gründgens); Dr. Robert Helm, sein Tellhaber(K. Ehrhardt); Gesellschafter einer BauAktiengesellschaft: Kommerzientat Kreutzer, Großindustrieller(H. A. Herten), Dr. Leo Hoeninger, ein bekannter Schiiftsteller(Th. Rocholl), Justizrat Koch, Syndikus(K. Wilhelmy), Meinhart, M. d. L., Fraktionsvorsitzender(P. Würthenberger), Bankdirektor Junker(B. Schröder), Herbert Hagen, Oberleutnant a. D.(F. Schöner), Ministertalrat Dr. Globisch(P. Apel), Oberregierungsrat Ritter(E. Lundt), Buchhalter Klemm(W. Stassat), Obersekretär Relmann (K. Vossen). 21.20: Konzert des Münchener Domchors(Leitung: Praj. Berbersch). Lemacher: Hehre Stätte, die der Herr sich erschuf, vier bis achtstimmig. Wolf: Geistliche Gesänge: Weil jetzo Alles stille ist; Dein Wille, Herr, geschehe. R. Strauß: Deutsche Motette op. 62 für vier Golostimmen und 16stimmigen Chor. 22.00: Zeitangabe, Nachrichten. 22.20: Du mußt wissen... 22.30: Nachrichten, Wetterberichte, Sport. 22.45: Konzert; Zur gefälligen Auswahl. 00.00 bis 01.00: Von deutscher Seele. Frühsunk von morgen 06.00: Morgenruf. 00.05: Morgenkonzer!(Schallplatten). 06 40: Wiederholung des Spätberichts. 06.45: Leibesübungen(5. J. Reinarz). 07.00: Potter, Zeit. 07.03: Wiederholung des Morgenaufe. Anschließend: Morgenkonzert(Schallplatten. 08,00: Wetter, Zeit. Wasserstand. Statt Jeder besonderen Auzeige Zu seligem Anschauen enlschlief sanff im Aller von 81 Jahren unsere Tante, Großfanle und Urgroßlanfe Lydia Decker Viersen, den 16. Oktober 1933. E. u. H. Decker Die Beerdigung findet stal am Millwoch, dem 18 Oktober 1933, mitlags 16 Uhr vom Evang. Gemeindehaus zum allen Friedhof. Die Trauerfeier ist eine halbe Stunde vorher Trauersachen färbt in 1 Tag Llebermann Süchteln, Viersen, Dülken, Ecke EbertHochstr. Hauptstr. u. Viersener Str. Wilh Moderne Kragen- Besätze Gürtel-Schnallen- Knöpfe Eea---Mitglied des Robattsporvereins Eilt! Freitag Ziehung! 3I. Wohlahrts-Geld-Loterie 50 Pf. Ziehung 20./21. Oktober unwiderruflich! Hauptgewinn 5000 Mk. Lotterie der Hsohe.(2. Serie) sind wieder eingetroflen. Kaufen Sie diese Lose zeitig! Ziehung 29. und 30. Dezember. Lospreis 1.— und 2.— Mark. M.— Staatliche Lollerle-Einnahme MHIEVOT VIersen, Könlgsalloo 32 PIUTS-, und(troße Bruchstraße 10 Was bringen die anderen? Königswusterhausen. 12.00: Schallplatten.— 14.00; Moderne Orchesterwerke.— 16.00: Konzert.— 17.20: Unterhaltungsmusik.— 21.00: Tanzmusik.— 23.00: Konzert. Breslau. 12.10: Konzert.— 13.00: Konzert.— 14.10: Lieder.— 14.40: Schallplatten.— 16.00: Schallplatten.— 17.20: Moderne Meister.— 20.10: Hörsptel.— 21.10: Ständelieder.— 22.45: Tanzmusik. Dresden. 12.10: Konzert.— 13.00: Schallplatten.— 10.00: Konzert.— 17.10: Erstaufführungen.— 20.45: Konzert— 23.00: Nachtmusik. Hambueg. 11.30: Konzert.— 14.10: Schallplatten.— 10.00: Konzert.— 20.10: Gesellen= und Zunftlieder.— 22.20: Spätlonzerl. Königoberg. 11.30: Konzert.— 13.05: Schallplatten.— 16.00: Unterhaltungsmusik.— 20.15:„Das Fest der Handwerker“.— 21.20: Abendunterhaltung. Stuitgart. 12.00: Schallplatten.— 13.35: Konzert.— 15.10: Konzert.— 22.45; Musik.— 23.00: Konzert. Frankfurt. 12.00, 13.35, 16.00, 17.00, 22.45; Konzerte. Budapest. 12.95, 13.30, 17.30, 18.40, 22.00: Konzerte. 23.00: Jazzmusik. Daventry. 19.30, 21.15: Konzerte.— 23.30: Tanzmustk. Hilversum. 12.10, 12.40, 15.10, 16.40, 19.40, 19.40, 22.55 Konzerte.— 13.55: Tanzmusik. Paris. 13.00: Charakteristische Tänze.— 19.50: Schallplatten.— 21.00: Konzert. Rom. 12.90: Schallplatten.— 16.30, 17.15, 20.15, 20.45, 22.00: Konzerte. Wien. 12.00, 13.10, 17.25, 19.25: Konzerte.— 22.15: Barmustk. Makulafur per Kllo 15 Pf. abzugeben in den Geschäftsstellen Viersen und Dülken Sanator.Or Möller, Dresden-Loschwitz Oist-, Schroth-, Radlumkuren Gr. Molieftelga.- Broseh. 1r. u n n —. Dienstag, 12. Oktober 1933 Jahrgang— Nr. 244. Viersen Guter Griff der Zollfahndung Am morgigen Mittwoch: Tag des Junghandwerks Das gesamte Viersener Junghandwerk versammelt sich am Mittwoch, dem 18. Oktober, nachmittags 15.30 Uhr, zu einem Werbezug innerhalb der Reichshandwerkswerbewoche an der Berufsschule, Gereonstraße. Die Aufstellung geschieht in solgender Reihenfolge: Bäcker, Baugewerbe, Elektriker, Fleischer, Friseure, Klempner= und Installateure, Maler und Anstreicher, Schlosser, Schneider, Schreiner, Schuhmacher, Stukkateure. Insbesondere mögen sich auch alle Gesellen und Gehilfen, die Fachvereine der einzelnen Innangen und die Mitglieder des Gesellenvereins mit ihren Schaustücken beteiligen. Selbstverständlich ziehen alle Berufskleidung an. Auch die Wagen, die bis Mittwoch erhalten bleiben können, mögen diesen Zug mitmachen. Der Zug selbst berührt folgende Straßen: Gereonstraße, Kleine Bruchstraße, Krefelder Straße, Alte Bruchstraße. Freiheitsstraße, Adolf=Hitler=Straße, Känigsallee, Schlageterstraße, Petersstraße, Löhstraße, Hauptstraße, Gladbacher Straße, Friedrichstraße, Gereonstraße. Am Mittwochabend' findet um 8 Uhr im Gesellenhaus die gemeinsame feierliche Lossprechung der Handwerkerlehrlinge statt, die in diesem Jahre die Gesellenprüsung gemacht haben. Hierzu sind außer den Mitgliedern der Innungen die Eltern der Lehrlinge, Gesellen und alle Freunde des Viersener Handwerkes eingeladen. Die Festfolge verspricht, daß die jungen Handwerker am Abschluß ihrer Lehrjahre durch einen würdigen Akt in den Gesellenstand eintreten. Gleichzeitig soll an diesem Abend eine Ehrung des Junghandwerks gegenüber der Meisterschaft ausgesprochen werden. Die Junghandwerker brachten Samstag Wurszettel ins Haus. Hast du ihn gelesen? Ueber alle Fragen gewissenhaft nachgedacht? Auf zum Schlachthof! Von der Freien Fleischerinnung wird uns geschrieben: Im Rahmen der Reichshandwerkswerbewoche wird das Fleischergewerbe am Donnerstaa. 19. Oktober, in der Zeit von morgens 10 bis nachmittags 5 Uhr der gesamten Bevölkerung die Einrichtungen des Städt. Schlachthofes zugänglich machen. Alle Mitbürger, besonders die Hausfrauen, werden hiermit freundlichst aufgefordert, von dieser Gelegenheit, die Einrichtungen des Schlachthofes kennen zu lernen. Gebrauch zu machen. Die Mitglieder der Innung werden bei dieser Gelegenheit die verschiedenen Qualitäten des Fleisches zeigen und über alle Besonderheiten des Gewerbes Aufklärung geben. Heute Hausfrauenmesse Die Handwerker=Woche in Viersen nimmt ihren Fortgang. Gestern nachmittag zogen die festlich geschmückten Wagen durch die Außenbezirke. Heute nachmittag beginnen die Klempner und Installateure ihr Programm. Sie haben im Saale von Schlunken eine Hausfrauen=Messe, aufgebaut unp zeigen dort der Frauenwelt aller Semester die Neuigkeiten aus Küche und Haushalt. Die städt. Werke haben sich ebenfalls in den Rahmen der Messe eingespannt. Damit der Ausstellung der trockene Charakter genommen wird, ist für Musik und Unterhaltung bestens gesorgt. Der Eintrittspreis beträgt nur 30 Pfg., d. h. eigentlich kostet der Eintritt nichts, denn für diese 30 Pfg. gibt es einen Gutschein, für den es Kaffee und Kuchen gibt. Daneben findet ein Schaukochen statt, das unsere Frauenwelt bestimmt interessiert. Und wer Glück hat, kann dann noch einen hübschen Gewinn mit nach Hause nehmen. 250 Gewinne stehen zum Mitnehmen bereit. Wir verweisen auf die Anzeige, wonach Dienstag und Mittwoch je eine Vorstellung um 3.30 und 7.30 Uhr beginnt.— Am Donnerstag ändert sich das Programm vollständig, so daß es zweckmäßig erscheint, sich die Vorführungen einmal am Dienstag bzw. Mittwoch und einmal am Donnerstag bzw. Freitag anzusehen * Deutsche Bühne, Viersen, trommelt Wir möchten nicht versäumen, nochmals die gesamte Bürgerschaft darauf hinzuweisen, daß nur noch an drei Tagen, am morgigen Mittwoch, kommenden Freitag und letztmalig Montag, den 23. Oktober, Theaterabonnements ausgegeben werden, und zwar von 17—19 Uhr Schlageterstraße 29. Der Zudrang ist erfreulicherweise sehr stark; trotzdem sind noch viele gute Plätze zu haben. Als Eröffnungsvorstellung kommt da sherrliche Schauspiel oon Kleist„Prinz von Homburg“ zur Aufführung Wer noch kein Abonnement hat, beeile sich.„Die Abonnements sind übertragbar, können also abwechselnd auch von anderen Personen benutzt werden.(Siehe Anzeige.) * Milchpreis wird nicht erhöht! In Essen fanden unter dem Vorsitz des Regierungspräsidenten Schmidt von Düsseldorf als Staatsaufsichtsbehörde des RheinischWestfälischen Milchwirtschaftsverbandes= und in Anwesenheit der Staatsräte Terhoven und Florian, sowie von Vertretern der Gauleitungen Nord= und Südwestfalen, und Köln=Aachen Verhandlungen über die Festsetzung des Wintermilchpreises für Nordtheinland, Westfalen und Land Lippe statt. Erschienen waren auch ein Beauftragter des Reichsmilchkommissars und der Führer des Rheinischen Bauernstandes, Freiherr von Eltz=Rübenach. Die Vertreter des Milchwirtschaftsverbandes legten dar, daß es an sich wirtschaftlich nötig sei, den Milchpreis um 2 Pfg. zu erhohen, weil die Erzeugungskosten gestiegen seien und ferner ein Ausgleich für die Werksmilchmolkereien geschaffen werden musse. Auch sei der Milchpreis im Verbandsgebiet niedtiger als der Reichsdurchschnitt. Sie verschlossen sich aber nicht dem einmütigen Standpunkte des Regierungspräsidenten und sämtlicher Gauleiter, daß eine weitere Verteuerung der Lebenshaltung angesichts der großen Not der Industriebevölkerung und des bevorstehenden Winters vermieden werden müsse. Es verbleibt also im Winter bei den bisherigen niedrigen Milchpreisen. Burch energische Fortsetzung der eingelekteten Verbesserungen und Vereinfachungen in der Milchverteilung sowie vor allem auch durch Kürzung der übersetzten Handelsspannen, die noch immer über die Höchstsätze in Berlin und anderen Gebieten hinausgehen, soll ein möglichster Ausgleich für die Erzeugung gewonnen werden. Die Aussichtsbehörde und die politischen Führer des Verbandsgebietes erkannten den damit bewiesenen hohen Gemeinschaftssinn der Landwirtschaft an und versprachen dem Milchwirtschaftsverband ihre nachdrückliche Unterstützung bei den von ihm beabsichtigten Maßnahmen. NS.=Frauenschaft Der diesmonatliche Sprech= und Leseabend der Rs.=Frauenschaft fällt aus. Die Mitgliedere der NS.=Frauenschaft beteiligen sich geschlossen an dem Vorführungsnachmittag Niederträchtige Nahrungsmittelfälschung aufgedeckt „ Viersener Polizei kam hinter die Schliche eines gemeinen Schurken Die Zollbehörde ist wieder einmal einer ganz großen Steuerhinterziehung auf die Spur gekommen, die um so verwerslicher ist, als es sich auch um eine Lebensmittelsälschung handelt. Schon seit etwa einem Jahre tauchte mal hie#, mal da Zucker aus, der als Backzucker zu einem außerordentlich billigen Preise angeboten wurde und Aehnlichkeit mit dem in Bäckereien verwandten Farinzucker hat. Von verschiedenen Bäckern in Biersen wurden Kollegen gewarnt, splchen Zucker zu verwenden, da der billige Preis auf Unregelmäßigkeiten entweder der Qualität oder der Beschaffungsart schließen lasse. Als Verkäuser trat ein Bäcker aus Süchteln=Sittaxd aus, der bei seinen Kollegen stets in gutem Aufe stand und dessen Tätigkeit verschiedene Bäcker veranlaßte, solchen Zucker zu kausen, zumal ihnen die Ware als guter Backzucker hingestellt wurde. Schließlich sickerte es aber doch durch, daß in Krefeld Süßwaren hergestellt worden waren, die von der Herstellungsfirma sofort aus dem Handel genommen wurden, als ihr bekannt wurde, um welchen Zucker es sich handelte. In Waldniel wurde ein Fall festgestellt, wo eine Familie den billigen Zucker zu Einmachzwecken benutzt hatte. In Duisburg waren— wie dieser Tage eine Pressenotiz lautete— ebenfalls Konditoreien aufgefallen, die sich die Billigkeit des Zuckerangebots zu Nutzen gemacht hatten. Vor etwa sechs Monaten kam die Viersener Polizelverwaltung hinter die Schliche. Sie stellte sest, daß es sich um guten deutschen Zucker handelte, der mit aus Viehladavern hergestell tem Fleischmehl vermischt war. Es handelt sich also um eine ins Unermeßliche gesteigerte Nahrungsmittelsälschung, die zwar keine Gesundheitsstörungen nach sich zieht — die Abdeckereien arbeiten unter strenger tierärztlicher Kontrolle—, die aber eine ganz große Niederträchtigkeit darstellt. Gesundheitsstörungen sind mit Sicherheit dort nicht zu erwarten, wo der Zucker verbacken wurde. Die Ermittlungen verschiedener Polizeiverwaltungen liefen parallel mit denen der Zollfahndungsstelle Krefeld. die sich schon des billigen Preises wegen für die Herkunft des Zucker. interessierte. Sie griff jetzt plötzlich zu und verhaftete den schon achtmal vorbestraften Franz L. aus Süchteln=Vorst, der inzwischen dem Untersuchungsgefängnis in Krefeld zugeführt wurde. — Wie wir noch erfahren, läuft das inzwischen eingeleitete Verfahren gegen die Vermittler des Geschäftes weiter. Die Scheußlichkeit des Zuckergeschäftes ist um so größer, als es sich um Eine Menge von mehr als 20 000 Kilogramm handelt, die in Westdeutschland umgesetzt wurden. der freien Klempner= und Installateur=Innung am Mittwoch, 18. Oktober, bei Schlunken, und an dem am 22. Oktober, abends 8 Uhr in der Festhalle stattfindenden kulturell=gesetztigen Abend des Handwerks. Nationaltheater, Heierstraße. Nervenerregende Sensationen bietet ihnen unser reichhaltiger Schlagerspielplan, an dessen Spitze der Großtonfilm„Tiger=Hai“ steht„Tiger=Hai“— ein Film, der zum ersten Male von dem aufreibenden Leben kalifornischer Thunfischer, von ihrem harten, Kampf mit den Elementen und den Feinden der Tiefe berichtet. Es ist ein Tonfilm stärkster Sensationen, stärkster Spannung und packenöster Realistik. Die schlicht=menschliche Handlung zwingt zu Intensivstem Miterleben. Edw. G. Robinson, der bekannte Sensationsdarsteller, stellt hier als Fischer von San=Diego eine seiner markautesten Charakterrollen dar und jeder Zuschauer wird diesen Film daher als Meisterwerk anerkennen. In unserem reichhaltigen Beiprogramm zeigen wir ihnen die Tongroteske„HutziPutzi auf der Jagd“, dann singt der bekannte Sänger„Martinelli“ seine Zigennerweisen; ferner bringen wir den interessanten Kinder=Tonfilm„Kindergymnastik“ und den fesselnden Kulturfilm „Huftiere". Selbstverständlich wieder die aktuelle Fox=Tonwochenschau! Diebische Töchter der Pußta. In einem Schuhladen in Viersen erschienen gegen Anfang August zwei Zigennerinnen und kauften eine Kleinigken, die sie mit einem Zwanzigmarkschein bezahlten. Während die Kassiererin den Käuferinnen das übrige Geld zurückgeben wollte, versuchten diese allerhand Tricks, um die Kassiererin verwirrt zu machen. Ihr Manöver gelang ihnen schließlich auch und auf der„Wechselfahrt“ konnten sie sechszehn Mark stehlen. Vierzehn Tage später erschienen die beiden Töchter der Pußta abermals in Viersen. Zuerst versuchten sie den Wechselschwindel bei einem katholischen Geistlichen und später in einer Posthilfsstelle. Der Inhaber der Posthilfsstelle tat sofort das einzig richtige, was in solchen Fällen erforderlich ist und benachrichtigte die Polizei, ehe das Spitzbubengesindel verduften konnte. Weil eine der Diebinnen ein erst wenige Wochen altes Kind zu versorgen hatte, entließ man sie aus der Untersuchungshaft. Sie erschien aber auch nicht zum Gerichtstermin. Die aus der Untersuchungshaft vorgeführte Zigennerin erhielt fünf Monate Gefängnis. Dülken Persönlichkeit ist Beispiel Viel wichtiger als alle theoretische Belehrung ist das Beispiel. Das wissen alle Erzieher, aber sie wissen auch, daß es sehr schwer ist. selbst Beispiel zu sein. Man muß eine Persönlichkeit sein. und nicht nur das. sondern muß auch Eigenschaften besitzen, die andere nicht haben, die ihnen aber begehrenswert erscheinen. Von dem schlechten Beispiel wollen wir hier nicht sprechen. denn man hat in der Vergängenheit genug davon kennengelernt. Auch das schlechte Beispiel kann seine gute Wirkung hahen. Wenn ein junger Mann zu einem Lehrherrn kommt. der sein Geschäft verlottern läßt und sich dafür um so eifriger in den Wirtshäusern herumtreibt, so kann das einen abschreckenden Einfluß auf den jungen Mann ausüben, der für sein ganzes Leben richtunggebend ist. Aber es kann auch anders wirken, nämlich den jungen Mann hestimmen, sich zu sagen: Was der Lehrherr tut, muß richtig sein; und es ist sogar schön, so sorglos seine Tage zu verbringen. Sicherer ist auf alle Fälle das andere Beispiel, das man zu geben vermag, wenn man sich selbst bezwingen gelernt hat. Ein Beispiel kann man nicht sein, wenn man nur zufällig Nutznießer günstiger Umstände und durch eine Welle des Glücks emporgehoben wurde. Beispiel kannaman nur sein, wenn man die Erfolge mühsam errungen hat, denn durch dieses Mühen ist man selbst innerlich gewachsen. reifer geworden. Und das allein entscheidet. Von dieser anderen Innerlichkeit strahlt es hinaus, daß es in den Bann zieht, wer je einen Schimmer davon empfing Das Geheimnis der Persönlichkeit ist es im Grunde. So mancher kar überlegen an Wissen und Können sein, und es geht doch von ihm keine Wirkung aus, denn er ist trotz seines Wissens nicht zu innerer Größe und Sicherheit gelangt. Dazu kommen kann man aber nur durch Opfer. Wenn einer für eine Aufgabe, die er sich gestellt hat und die er für gut und richtig hält, alles einsetzt, wenn er unermüdlich dafür wirkt und schafft, wenn er früh der Erste und abends der Letzte ist, er selbst der eifrigste und fleißigste Diener der Sache, so sind das Opfer, die ihn reifer machen. Denn er steht um sich die große Schar derer, die von des Lebens Tafel die Leckerbissen nehmen, während er nur Mühe und Arbeit hat, vielleicht sogar seinen Besitz verliert, des Zieles wegen Er sieht die Schwächlinge um sich herum, die zurückbleiben; er sieht die Streber die auch Erfolg haben wollen, aber nur den äußeren Erfolg vor Augen sehen, nicht im gexingsten jedoch daran denken, auch durch Hingabe den Erfolg zu verdienen. Er selbst erleidet Fehlschläge und die Stunden des Zweifels hämmern auf ihn ein. An ell dem aber reift er. Die Zweifel ringt er nieder; die sich an ihn herandrängen, bereiten ihm Enttäuschungen, und die Enttäuschungen lassen ihn um so klarer schauen; aus seinen eigenen Fehlern aber lernt er, und schließlich hat das Leben und hat er selbst aus sich eine Persönlichkeit geschmiedet, die feststeht im Zeitgeschehen. Dann vielleicht ist er soweit. Beispiel zu sein. Sehr häufig blickt man danach aus, was die Welt von einem sagt. Im Grunde ist es recht wenig wichtig, was die Vielzuvielen sagen, aber wichtig ist es, was der Eine sagt, der viel mehr ist als alle die andern. Der Eine. der Beispiel sein kann, weil er Persönlichkeit geworden ist, sich selbst durchgerungen und vielfach bezwungen hat. Mit seinem Maßstab gemessen, können unsere Handlungen andere Werte gewinnen, als sie empfangen können mit dem billigen Maßstab der Masse. Und das ist es, was den Begriff Führung in sich schließt, ein Begriff. der wieder Geltung erlangt hat. Ein Begriff auch, der uns wieder emporzubringen verspricht, zum Unterschied von der führungs= und verantwortungslosen Zeit, die hinter uns liegt. 50 Jahre B. Hoogen u. Cie. Am Sonntag, dem 15. Oktober, waren es 50 Jahre her, daß in Dülken die Zwirnerei B. Hoogen& Cie. ihren Betrieb aufnahm. Die Firma hat dieses Jubiläum nicht gefeiert, und aus diesem Grunde bringen wir diese Nachricht erst heute, da uns dieser Entschluß bekannt war. Im Hinblick auf die große Bedeutung, die dieses Werk aber heute erreicht hat, halten wir es doch für unsere Pflicht, dieses Jubiläums kurz Erwähnung zu tun. In den letzten Jahrzehnten hat so manche Firma der einst blühenden Dülkener Industrie ihre Pforten schließen müssen, wodurch gerade in Dülken die Arbeitslosigkeit sehr stark in Erscheinung trat. Um so mehr muß man sich freuen, daß die Firma Hoogen in dieser Zeit ständig an Bedeutung gewonnen hat und heute tonangebend in der Herstellung von Zwirnen für die Schuhfabrikation sein dürfte. In diesem Spezialartikel genießt die Fabrik weit über die Grenzen der rheinischen Heimat und sogar des ganzen Reiches hinaus im Auslande hohes Ansehen. Den Glückwünschen, die dem Unternehmen von vielen Seiten zugegangen sein werden, schließen wir uns an mit dem Wunsche, daß die Entwicklung der Fabrik auch weiterhin erfolgreich sein werde und das nächste Jubiläum in eine Zeit fallen möge, in der dank der Initiative unseres Führers die Arbeitslosigkeit nur noch als ein Uebel früherer Zeit bekannt sein wird. Erfolgreiche Dülkener Sportler Bei dem am Sonntag stattgefundenen Herbstwaldlaus des Gaues Krefeld im DFB konnte August Hendrix, Mitglied des Dülkener Fußballklubs, den Lauf der Jugendklasse 2 gewinnen. Weitere Mitglieder des Dülkener Fußballklubs endeten in den verschiedenen Läufen auf guten Plätzen. Bezirksfürsorgeverband Kempen=Krefeld Gemeinde Amern St. Anton Amern St. Geora Anrath Boisheim Bracht Breyell Brüggen Dülken Grefera! Hinsbeck Leuth Hüls Tönisberg Kaldenkirchen Kempen Schmalbronch Lank Lobberich Neersen Oedt Osterath St. Hube St. Tönis Schiefbah Süchteln Vorst Waldniel Willich Im Bezirksfürsorgeverband überhaupt: Darin enthalten: a) Fürsorgearbeiter b) Notstandsarbeiter e) Arbeitsdienstwillige fahrtserwerbslose Anerkannte Wohl17 21 40 41 20 151 41 571 76 und freiw. Arbeitslose. Sonstige Arbeitswillige, 3096 150 388 Süchteln Der erste Tag der Reichshandwerkswoche in Süchteln: Das Handwerk prüsentierte alles War schon der 1. Mai und der 1. Oktober für Süchteln ein Greignis, so warseder Auftakt zur Reichshandwerkswoche nicht weniger eindrucksvoll. Morgens fand in den Kirchen beider Konfessionen Gottesdienst statt und anschließend konzertierte der Orchesterverein Süchteln auf dem Lindenplatz, dem eine große Menschenmenge betwohnte. Am Nachmittag bot sich schon frühzeitig das gewohnte Bild. Ganz Süchteln war auf den Beinen, um den Handwerkerfestzug zu sehen. In hellen Scharen strömte die Menge zum Von=Hagen=Platz, wo bereits um 2 Uhr die Auffahrt der Wagen begann. Pünktlich, wie man es in Süchteln nicht anders kennt, setzte sich der Zug in Bewegung und nahm seinen Weg über die bekannten Straßen. Was in diesem Festzug von seiten des Handwerks geboten wurde, ist schlechthin nicht zu übertressen. Kopf an Kopf standen die Zuschauer auf den Bürgersteigen und ließen das buntbewegte Bild an ihrem Auge vorbeiziehen. Alle Fachschaften des Handwerks waren vertreten, und zwar in ihrer Berufskleidung, vom Meister bis zum Gesellen und zum jüngsten Lehrling. Die Bäcker in ihrer sauberen Tracht waren verschiedentlich vertreten und namentlich die Schuljugend war vom Wagen der„Gratisproben“ nicht wegzuschlagen und fiel mit„Heißhunger“ über die Spenden her; aber auch die Straßenpassanten bekamen ihr Teil davon mit. Hoch oben auf dem „Hochhaus“ türmten und hämmerten Schreiner und Dachdecker in trauter Gemeinschaft. Die Wagen der Schuster und Friseure waren nicht weniger geschmackvoll und zeigten die Fertigfabrikate von det Brandsohle und der Haarwurzel, bis zum fertigen Schuh und denk elegantesten Schnitt. Die„Katzosen“ standen wohl hintenan in der Reihenfolge, aber in ihrer geschmackvollen Dekoration mit allen Erzeugnissen ausgerüstet, stellten sie sich wieder von der besten Seite vor. Wer wäre nicht gerne auf dem„Feierabend=Wagen“ gewesen, wo Thelen Johann mit noch anderen bekannten Blüten Alt=Süchtelns wie toll den Skat droschen und sich wenig darum kümmerten, ob das Publikum von„Mauern“ sprach. Es würde zu weit führen, alle Wagen und Fußgruppen einzeln aufzuführen. Wir wollen aber nicht vergessen, den wunderbaren Blumenwagen mit der Büste Vater Kolpings zu erwähnen. Kurz und gut: es war ein herrlich, buntbewegtes und abwechllungsreiches Bild, das klar erkennen ließ, daß das Handwerk in Süchteln sich nicht zu verkriechen braucht. Der Festzug stellte alles bisher Gewesene in den Schatten. Die Straßen zeigten wieder den herrlichsten Festschmuck und die Wohnungen der Handworker verschwanden teilweise ganz hinter Grünschmuck. Ohne Stockung wickelte sich alles ab und gegen 4,30 Uhr hatte der Festzug sein Ende erreicht. Abends fand in der Königsburg das altbeliebte Handwerker=Familienfest statt, über das wir noch berichten. Entschädigungen an Testamentsvollstrecker als Werbungskosten X Die Frage, inwieweit die Kosten einer Vermögensverwaltung als Werbungsausgaben abzugsfähig sind, ist verschieden zu beantworten. Die Kosten einer von dem Steuerpflichtigen selbst eingesetzten Verwaltung werden nach einem Urteil des Reichsfinanzhofs dann nicht in voller Höhe als Werbung anerkannt werden können, wenn das zu verwaltende Vermögen ein Kapital ist. Hierbei wird in erster Linie die Erhaltung des Geldes Aufgabe der Verwaltung sein und nicht allein die Sorge für die Einkünfte. Ist dagegen der Besitz ein Betriebsvermögen, so wird im allgemeinen der Abzug der Kosten von den Einnahmen nicht versagt werden können. Sie gelten als Betriebsausgaben. In den Fällen, in denen die Vermögensverwaltung als Vormund oder Testamentsvollstrecker erfolgt, kommt es nach Ansicht des Hofes nicht darauf an, welcher Art das Vermögen ist. Hier müssen die Verwaltungskosten stets als Werbung gelten, soweit sie die Ausgaben übersteigen, die bei eigener Aussicht durch den Pflichtigen entstehen würden. Vergütungen, die an Vollstrecker in diesem Sinne gezahlt werden. sind abzugsfähig auch bei Kapitalvermögen.(VI A 735/33.) Der Hausbesitz im neuen Versammlung des Haus= und Grundbesitzervereins Süchteln In der Versammlung des Haus= und Grundbesitzervereins Süchteln am Dienstag, 10. Oktober, führte Herr Bormann, vom Verband rheinischer Haus= und Grundbesitzervereine e. V., Köln, folgendes aus: Wenn auch nach dem Willen des Führers die Frage der berufsständischen Ordnung der Wirtschaft zugunsten des dringlicheren Problems der Beseitigung der Arbeitslosigkeit zurücktreten mußte und demnach der berufsständische Aufbau auf dem Gebiete der gewerblichen Produktion noch nicht durchgeführt ist, so kann doch die Frage ausgeworfen werden, welche Stellung der Hausbesitz in dem neuen Staatteinnimmt. Wirtschaftlich vertritt der Hausbesitz die Seite des Wohnungsangebots auf dem Wohnungsmarkt. Er repräsentiert zirka ein Drittel des deutschen Volksvermögens und ist einer der bedeutendsten Steuerzahler, der nach den Berechnungen des statistischen Reichsamts im Jahre 1929/30 zirka 22 Prozent des gesamten Steueraufkommens in Reich, Ländern und Gemeinden oder über 60 Prozent der Steuern von Ländern und Gemeinden aufgebracht hat, so daß der Hausbesitz in der künftigen berufsständischen Ordnung der Wirtschaft eine dieser volkswirtschaftlichen Bedeutung entsprechende Stelle begnspruchen kann. Die zunehmende Notlage auf dem Gebiete der Wohnwirtschaft ist in den letzten Jahren vor allem aus der wachsenden Zahl der Zwangsvetsteigerungen ersichtlich geworden. Im ersten Halbjahr 1932 wechselten zirka 30 Prozent aller Eigentumsübergänge ihren Besitzer im Wege der Zweigsversteigerung. Diese Notlage wird weiterhin durch die große Anzahl leerliegender Wohnungen und Geschäftsräume dokumentiert, die in einigen Städten den Vorkriegsstand bereits überschritten haben. Endlich sind die Steuerlasten des Hausbesitzes nicht in einer dem Ertragsrückgang entsprechenden Weise zurückgegangen. Vielmehr ist das Aufkommen der Gebäudesteuer im Jahre 1932 nur verhältnismäßig gering zurückgegangen und überstieg im letzten Viertelfahr 1932 sogar den Voranschlag. Wenn auch der außerordentlichen Notlage des Hausbesitzes durch steuerliche Erleichterungen Rechnung getragen wurde, so wird eine endgültige Sanierung doch nur von einem grundlegenden Lastenabbau zu erwarten sein, der von seiten des RFM. für das kommende Frühjahr in Aussicht genommen wurde. Ueberleitend zu dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung führte der Reserent aus, daß der Hausbesitz dem Wunsche des Führers, der in seiner Rede am Tage der nationalen Arbeit die Mitwirkung vor allem auch der Hausbesitzer bei der Beseitigung der Arbeitslosigkeit verlangt habe, bisher schon nach besten Kräften Rechnung getragen hat. Seit dem 5. 9. 1932 wurden bis heute schon für etwa 600 Millionen Reichsmark Instandsetzungsarbeiten ausgeführt. Den weiteren durch das 2. Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 21. September d. J. bewilligten Zuschüssen von 500 Millionen Reichsmark entspricht ein weiterer Betrag von etwa 2 Milliarden RM. Instandsetzungsarbeiten, die bis zum 31. 3. 1934 auszuführen sind. Da aber die gesamte jährliche Friedensmiete des Althausbesitzes nur zirka 5 Milliarden RM. beträgt, ist die völlige Ausschöpfung der weiteren 500 Millionen RM. nur möglich, wenn gering verzinsliche Darlehen, die in einem angemessenen Zeitraum zu tilgen sind ausgenommen werden. Zur Erleichterung der Aufbringung der Zinslasten für derartige Kredite hat die Reichsregierung durch das 2. Gesetz zur Verminderung der Arbeitslosigkeit bei der Ausführung von Instandsetzungsarbeiten einen Zinszuschuß in Höhe von jährlich 4 Prozent des von dem Eigentümer selbst aufgebrach#ten Kapitals bewilligt, die in Form von Zinsscheinen für sechs Jahle, nämkich von 1984 bis 1939 gewährt werden. Aus den inzwischen veröffentlichten Durchführungsbestimmungen über die Gewährung von Zinsvergütungsscheinen und Reichszuschüssen ergibt sich, daß zahlreiche Erleichterungen gegenüber derbisherigen Regelung erfolgt sind, so berechtigen auch ausgeführte Schönheitsreparäturen zu einem Reichszuschuß bzw. den Zinsvergütungsscheinen, sofern der aufgewandte Betrag 100 Mark erreicht. Des weiteren sind die, mit jeder Stichtagfestsetzung verbundenen Härten insofern gemildert, als Anträge, soweit sie nicht bereits bis zum 20. September 1932 auf Grund der alten Bestimmungen durch Vorbescheid erledigt worden sind, nunmehr nach den neuen Bestimmungen bearbeitet werden. Endlich ist der Zuschuß bei der Aufteklung großer Wohnungen, dem Umbau sonstiger Räume zu Wohnungengund der Vornahme von Ergänzungsarbeiten von bisher 600 Mark im Höchstfall, für jede Tellwohnung auf 1000 Mark festgesetzt worden. Diese Unterstützungsmaßflähmen der Reichsregierung für den Hausbesitz verpflichten ihn anderseits, alle möglichen Instandsetzungsarbeiten in der Zeit bis zum 31. März 1934 zur Ausführung zu bringen und so an dem Gelingen des großen Zieles der Beseitigung der Arbeitslosigkeit mitzuhelfen. Der Vorsitzende Otto Becher dankte dem Referenten für seine trefflichen Ausführungen, die allseits mit Beifall ausgenommen wurden.— Der zweite Punkt der Tagesordnung sah die Gleichschaltung des Vorstandes vor. Ein Vorschlag aus der Versammlung zielte darauf hin, den bisherigen Vorstand in seinem Amt zu belassen. Wenn auch die Verdienste des Vorstandes für den Verein unbedingt anerkannt werden sollen, so ist es doch kaum verständlich, daß die Herren des Vorstandes gegen die allgemeine Gepflogenheit, von sich aus und ohne mit der Leitung der Ortsgruppe der NSDAP. vorher Fühlung genommen zu haben, die Gleichschaltung vornehmen wollten. Die Ernennung des Vorsitzenden wurde vertagt, da sich einige Mitglieder mit der alten Methode(Wahl des Vorstandes) nicht einverstanden erklärten. Herr Otto Becher wurde daraufhin vom Referenten des Abends, Herrn Bormann, zum kom. Vorsitzenden bestimmt. Die endgültige Ernennung des Vorstandes soll in Kürze erfolgen, und zwar nach vorheriger Rücksprache mit dem Ortsgruppenleiter der RSDAP. Nachdem unter Punkt„Verschiedenes" noch einige kleinere Anfragen besprochen waren, konnte der k. Vorsitzende die Versammlung mit einem dreifachen Sieg=Heil, was wohl unserem allverehrten Führer und Reichskanzler Adolf Hitler galt, schließen. Zu erwähnen wäre noch, daß das Versammlungslokal entsprechend der Wichtigkeit der Tagesordnung„Gleichschaltung“ mit vielen Hakenkreuzfahnen ausgeschmückt war und sich Vorstand und viele Versammlungsteilnehmer, die noch unter dem Eindruck der Rede des Herrn Bormann, der immer wieder hervorhob, was unsere nationale Regierung bisher schon alles für die Haus= und Grundbesitzer getan hat, standen, mit einem kräftigen und von Herzen kommenden Heil Hitler verabschiedeten. Lobberich Oedt Der Werbeabend des deutschen Jungvolkes ein voller Ersolg en. Zu einem vollen Erfolg gestaltete sich der am Samstagabend im Lokale Zartingen abgehaltene Werbeabend des deutschen Jungvolkes, da der Saal bei Beginn der Veranstaltung bis auf den letzten Platz besetzt war. Das umfangreiche Programm, das einen tiefen Einblick in das Leben und Treiben des Jungvolks bot, wurde schnell und exakt abgewickelt. Die Eltern der Kleinen werden über die Leistungen wohl erstaunt gewesen und mit dem Gefühl nach Hause gegangen sein, daß sie ihre Jungen im Deutschen Jungvolk gut untergebracht und betreut wissen. Besonders die Spielschar mit ihren Liedern hatte sich bald die Herzen der Zuschauer erobert und verdienen„Das Gedicht eines Mädels“ und„Lausbubengedicht“ ein besonderes Lob. Sehr gut war auch der Ausschnitt und das Ende einer Wanderung„Wir auf Fahrt". wo so recht das Leben und Treiben der Jungen in der freien Natur gezeigt wurde. Fähnleinführer Arno Beckers und Stammführer Burchardt forderten die noch abseits stehenden Eltern auf, ihre Jugend dem Deutschen Jungvolk zuzuführen. Nach einem dretfachen Siegheil auf den Führer wurde das HorstWessel= und das Deutschlandlied gesungen, womit die Veranstaltung ihren Abschluß sand. Schweres Autounglück bei Mülhausen Ein Toter, ein Schwerverletzter. : m. E i n s c h w e r e s A u t o u n g l ü c k e r e i g n e t e s i c h i n d e r N a c h t z u m Montag gegen 1 Uhr auf der Landstraße von Kempen nach Mülhausen. Ein in Richtung Mülhauien fahrender Kraftwagen fuhr in der Kurve vor Mülhausen(an der Schleck) wahr. scheinlich infolge der Glätte gegen einen Baum. Der Anprall war so stark, daß der Wagen von der rechten in die linke Straßenseite geschleudert wurde, wo er zertrümmert liegen blieb. Ein Fahrgast wurde hierbei auf der Stelle getstet ein zweiter wurde schwer verletzt, während der Wagen'ührer mit leichten Verletzungen davon kam. Kurz nach dem Unglück leistete Dr. Orrhen aus Oedt dem Schwerverletzten die erste Hilfe und sorgte für die Ueberführung in das Oedter Krankenhaus. Die Untersuchungen über den Unglücksfall sind bereits eingeleitet. Breyell Arbeitsjubilar □ Herr Gerhard Klingen konnte vor einigen Tagen auf eine 25jährige ununterbrochene Tätigkeit im Betriebe der Lederfabrik Heinrich Hoffmanns, Schaag, zurückblicken. Leuth Die Reichshandwerkerwoche in Lobberich □ Lobberich allen voran! So hat es geheißen am 1. Mai, dem Tage der nationalen Arbeit, dem Tag des Arbeiters der Stirn und Faust, so hat es geheißen am 1. Oktober, dem Erntedanktag, dem Tag des deutschen Bauern, und so wird es im Kreise und Gau auch wieder vom Handwerkertag heißen. Ja, die Lobbericher sind ein impulsives Völkchen, das es versteht, Feste aufzuziehen.— Fahnenwimpel überaueren die Straßen, die Häuser sind reichlich mit Fahnen geschmückt, und immer mehr kommt die Fahne der Freiheitsbewegung zur Geltung. Besonderen Schmuck haben die Häuser der Handwerker aufzuweisen. Dieselben sind mit frischem Grün, Sinnsprüchen und Lichttransparenten geziert. Ebenso weisen die Schaufenster entsprechende Dekorationen auf. Sonntag versammelten sich die Handwerksmeister, Gesellen, Lehrlinge sowie die Handwerkerinnen auf dem Marktplatz und zogen geschlossen zum Festgottesdienst.— Um 14 Uhr formierte sich auf der Freiheitsstraße, Spitze Krankenhaus, ein Festzug. Dieser wurde angeführt vom Reiterverein. Sämtliche Organisationen der NSDAP nahmen daran teil. Wir sahen die einzelnen Fachgruppen der Handwerker in ihren Berufstrachten, unterbrochen von etwa 15 Zunftwagen. Einen Wagen hier herausstreichen zu wollen, wäre müßig, denn alle hatten versucht, sich zu übertrumpfen, und alle waren schön. Ebenfalls nahmen die Fahnenabordnungen aller Vereine daran teil. Auf dem Marktplatz eröffnete, Ortsgruppenleiter Metzgermeister Zakob Inderhees die Reichshandwerkerwoche.— Bürgermeister Marx kam in seiner Ansprache auf die Vorgeschichte des Handwerks zurück und streifte die Bildung der Zünfte und Handwerketstände. Der Vorsitzende des Innungsausschusses Lobberich. Paul Birker, forderte das gesamte deutsche Handwerk zu festem Zusammenhalten auf. Ein Sprechchor der Gewerbeschüler unter Leitung von Gewerbeoberlehrer Ewald Janssen paßte sich der Feier würdig an.— Alles in allem, der Auftakt zur Handwerkswoche war großartig. Lobberichs Handwerk hat gezeigt, daß es noch da ist, und der Ruf: Deine Hand dem Handwerk! wird sicherlich vielseitiges Echo finden. Des Alters Ehrenkrone □ Frau Witwe Therese Schmitter, ged. Thissen. Steinstraße 12, konnte in bester körperlicher und geistiger Frische ihren 81. Geburtstag begehen. Heute feiert Frau Witwe Anna Schmitz geb. Hasenkox, Dyck 29, ihren 84. Geburtstag. Sie war lange Jahre Schuldienerin an der Volksschule in Dyck. Herzlichen Glückwunsch. Verkehrskontrollen □ Am Samstag fand auf Veranlassung der Regierung eine großzügige Verkehrskontrolle statt. Sie erstreckte sich nicht nur auf Kraftfahrzeuge und Fahrräder, nein, sie erfaßte auch die Fuhrwerke und Fußgänger. Gerade an den unübersichtlichen Straßenecken wurde in puncto Verkehrsordnung ein strenger Maßstab angelegt.„Zwei Landwirte kamen zur Anzeige. weil sie ihre Karren nicht mit einem.Namensschild versehen hatten. Plötzliche und unvermittelte Konttollen werden auch in Zukunft folgen. Uebertretungen müssen bestraft werden, damit die erforderliche Verkehrssicherheit und=zuverlässigkeit unbedingt erreicht wird. Erwischter Dieb □ Samstag 12 Uhr wurde bei dem Landwirt Ploenes, Oberbocholt, ein Barbetrag von 50 RM. gestohlen. Die Landwirtssöhne nahmen sofort die Verfolgung des Diebes auf und kennten ihn im Hohlweg auf Süchtelner Gebiet stellen. Nach Herausgabe des Geldes gelang es dem Dieb, sich loszureißen und in den Wald zu entkommen. Er ließ ein marken= und nummernloses Fahrrad zurück. Der Dieb ist mittelgroß und etwa 30 bis 35 Jahre alt. Das fast lheue Fahrrad dürfte ebenfalls aus einem Diebstahl herrühren Gründung eines Stützpunktes des Reichsbundes der Kinderreichen in Leutherheide. I) Auf Veranlassung der Ortsgruppe Breyell des Reichsbundes der Kinderreichen sand am Samstag im Lokale von Angenorth, Leutherheide. eine Werbeversammlung des Bundes der Kinderreichen statt. Ortsführer Apotheker van de Weyer, Breyell, eröffnete die Versammlung und übertrug nach Begrüßung das Wort dem Kreisführer Lehrer Vogt. Dülken. In einem ausgiebigen Referat legte Herr Vogt Zweck und Ziel des Bundes dar. Er betonte, daß der Reichsbund der Kinderreichen heute die einzige Oxganisation ist, wo die Belange der Kinderreichen vertreten werden. Der Bund sei durch Adolf Hitler anerkannt und im 3. Reich halbamtlich der NS=Volkswohlfahrt angeschlossen. Er erläuterte kurz die bevorzugte Stellung der Kinderreichen, worüber unser Volkskanzler sich mit folgenden Worten geäußert hat:„Ich werde die Familie in den besonderen Schutz des Staateseinvauen.“ Das, was der Volkskanzler sagt, wird zur Tat werden. Weiter legte er die Vergünstigungen für die organisierten Kinderreichen dar, als da sind: Steuervergünstigungen, Ehestandsdarlehen, staatliche Ausgleichskassen für Kindererziehungen, die jüngste Verfügung der Fettverbilligungsscheine für sämtliche Kinderreiche, als Ausgleich für die indirekten Steuern, die die kinderreichen Familien am meisten betrifft. Erlaß der Hauszinssteuer und Bevorzugung bei Arbeitseinstellung. 20 Anmeldungen erfolgten; Leutherheide wurde als Stützpunkt der Ortsgruppe Leuth unterstellt. Führer wurde Landwirt Wilhelm Troost, der seine Mitarbeiter noch bestimmen wird. Die Versammlung fand mit dem Deutschen Gruß ihren Abschluß. Im Anschluß fand im Lokale von Holterbusch, Leuth, die Gründungsversammlüng der Ortsgruppe Leuth des Bundes der Kinderreichen statt. Der zweite Beigeordnete der Gemeinde, Holterbusch, entbot den Gruß der Gemeinde, Kreisführer Lehrer Voct hielt hier dasselbe Referat und flocht die Reichstagsauflösung ein. Er ermahnte zu treuem Zusammenhalten und forderte auf, die Regierung voll und ganz zu unterstüßen. Hier erfolgten 15 Anmeldungen. Als Ortsführer wurde Josef Klan! bestimmt. Dieser bestimmte zu seinen Mitarbeitern einen Schrift“ wart, einen Kassenwart und zwei Beisitzende. Weitere Gründungsversammlungen des Bugdes, der Kinde!“ reichen finden statt; am kommenden Mittwoch, 20 Uhr, in otes“ rath im Hotel Reiners, am Sonntag, 22. Oktober= in Kempen (Lokal noch nicht bestimmt), am Sonntag,, 2P.,Hktoder,„,, Kaldenkirchen(Lokal ebenfalls noch nicht bestimmt). Zu sämtlichen Versammlungen wird der ganze Kreisvorstand erscheinen und der Kreisführer ein Aufklärungs=Referzt halten. Weidmanns=Heil.„ 1) Der Flurhüter Heusen konnte in Leutherheide auf dem Sportplatz einen zweifährigen Rehbock durch einen sicheren Schun zur Strecke bringen. Weidmanns=Heil Kaldenkirchen Begrüßenswerte Tat. 8 Der Theaterverein Frohsinn hat auf der außerorden lichen Generalversammlung beschlossen, aus Gründen vrr.. gemeinen wirtschaftlichen Lage und weil sowieso noch daut:. Veranstaltungen anderer Vereine abgehalten werden, gurde Herbstaufführungen zu verzichten.,### fasfen beschlossen, der Winterhilfe 30 Mark Überweisen zu lassen. Was die Wetterwarte meldet: Aussichten bis Mittwoch: Unbeständig bei lebhaften um West schwankenden Winden, zeitweise Regen, meist in Schauern: Temperaturrückgang. Separatismus Schicksalsjahr 19. von Regierungsrat Dr. Wilhelm Lucke(früherer Bürgermeister von St. Tönis). Die Bürgermeisterkonserenz. Der Bürgermeister hatte die Einladung zur Bürgerseisterkonferenz erhalten. Einmal im Monat fanden diese Konferenzen statt. Der leitende Verwaltungsbeamte war mehr denn je in seinem Amtsbereiche auf sich selbst angewiesen. Aufgaben traten an ihn heran, die sofort gelöst werden mußten. Aufgaben, die zu lösen aber auch den ganzen. Mann erforderten. Die Aussprache und der Austausch der Erfahrungen im Kreise der Kollegen gab wieder neuen Mut und neue Hoffnung für die Zukunft. Schon 5 Jahre trug das Volk am Niederrhein die Lasten der Besatzung. Der Bürgermeister bestieg, den Zug der die niederrheinische Seidenstadt mit den an der Niers liegenden Städten und Dörfern verbindet. Es war ein kalter Dezembertag des Jahres 1922; der Bürgermeister nahm die Zeltung zur Hand. sie war zensiert. Die Besatzung hatte sie mit„gesehen", zum Druck freigegeben. die Nachrichten mußte man mit Vorsicht genießen. Sie erschienen alle im Lichte der Deutschland feindlich gesinnten Besatzungsmächte. Der Schaffner betrat das Abteil. „Morgen, Herr Bürgermeister, darf ich um die Fahrkarte bitten? Verreisen?“ „Ja, zur Bürgermeisterkonferenz.“ Der Schaffner trat näher an den Bürgermeister heran. „Herr Bürgermeister, ist es eigentlich wahr, daß die Besatzung noch weitere Strecken von Deutschland besetzen will? Mir sagte es ein Belgier, mit dem ich kürzlich zusammentraf.“ Der Verwaltungsbeamte horchte auf. „Mir ist nichts Näheres bekannt, ollerdings habe ich auch schon davon gehört," bemerkte der Fahrgast. „Was das noch werden soll?“ meinte der Eisenbahner. Die Endstation war erreicht. Schnee fiel zur Erde, der Geruch der in der Nähe des Bahnhofes liegenden Schokoladenfabrik kam den Dahinschreitenden entgegen Das Kriegerdenkmal von 1870/71, das die Stadt den gefallenen Söhnen in Dankbarkeit errichtet hatte, ließ er rechts liegen. Er nahm seine Aktentasche fester unter den Arm der Schnee fiel dichter. Am neuen Postamte schwenkte er nach rechts ab zum Hotel Lennartz, wo die Konferenz stattfand Einen Blick warf er auf das Postamt, an dessen Stelle früher der Bahnhof der Stadt lag. Nur für einen Augenblick kam ihm wieder das Bild. vor Augen, als er am Sonntagmorgen. dem 2. August 1914, hier eintraf, um sich seinem Vater als erster Kriegsfreiwilliger eines rheinischen InfanterieRegiments vorzustellen. Vorbei. Seine Gedanken waren wieder in der Gegenwart. Im Konferenzzimmer saßen die Kollegen zusammen. Sie waren miteinander verbunden, die harten Schicksalsschläge der gegenwärtigen Zeit hatten sie aneinandergeschweißt. Ihre Sorgen. ihre Nöten waren die gleichen. Ruhig und sachlich waren ihre Beratungen. Sie schöpften neuen Mut für die Zukunft, hier kam ihnen so recht zum Bewußtsein, daß eine Schicksalsgemeinschaft bestand. Es hieß. ausharren. nicht die Fahne verlassen, die Zähne zusammenbeißen, seine Pflicht tun. Und diese Pflicht mar manchmal hart, sehr hart, denn es schwirrten bei jedem eine Verordnung und Anweisung nach der anderen der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission auf den Amtstisch. Und wenn es galt. die Verordnungen der feindlichen Mächte durchzuführen, wenn mancher-Bürger davon hart betroffen wurde, dann zeigte sich, daß das Volk am Niederrhein schwer an diesen Lasten trug, aber nicht verzweifelte. Die Punkte der Tagesordnung waren durchgesprochen. Richtlinien wurden festgelegt. Das Jahr 1922 neigte sich dem Ende zu, Erfreuliches hatte es nicht gebracht. Der Vorsitzende der Konferenz gab der Hoffnung Ausdruck, das kommende Jahr 1923 möge der niederrheinischen Bevölkerung und dem ganzen deutschen Vaterlande zum Heil und Segen gereichen. Die Versammelten reichten einander die Hände und wünschten sich gegenseitig viel Glück im kommenden Jahre. Schweres lag hinter ihnen, sie waren gewillt, weiter zu kämpfen, ein jeder an seiner Stelle. Was auch immer das Jahr 1923 bringen mochte, das Losungswort war: Deutschland! die fröhliche Stimmung.„Sollte er nicht auch für einige Stunden im Kreise sei im einer Mit2. Neujahrsnacht 1922/23. In fröhlicher Runde saßen die deutschen Turner des Turnvereins von 1861 in ihrem Vereinslokale zusammen. Nach althergebrachter Sitte sollte dem scheidenden Jahre 1922 keine Träne nachgeweint, dem kommenden aber mit frischem Mute entgegengesehen werden. In ihrer Mitte weilte der Mitbegründer und Ehrenvorsitzende des Vereins, der den Ehrenbrief sowie die Ehrennadel der Deutschen Turnerschaft besaß. Auch der Gesangverein„Liedertafel“ war vertreten, waren doch viele Mitglieder in beiden Vereinen. An den Wänden des Lokals, in dem der Turnverein von 1861 gegründet worden war, hingen Siegeskränze, die die Mitglieder in heißem Ringen und in ehrlichem Ampfe errungen hatten. Hier galt der Wahlspruch:„Frisch— Imm— fröhlich— frei!“ Der Vorsitzende des Turnvereins hätte sich erhoben, klopfte mit seinem Hausschlüssel an sein Glas und bat um Gehör.„Liebe Turnbrüder, liebe Sangesbrüder! Wir haben uns heute abend wieder zusammengefunden, um nach der Väter Sitte im Lokale unseres allverehrten Ehrenvorsitzenden dem scheidenden Jahre 1922 ein Lebewohl zuzurufen. Wenn wir zurückblicken, so müssen wir sagen, daß wir zwar gelebt haben, aber kein Leben führen, wie es dem freiheitsliebenden Rheinländer zukommt. Ich darf nicht alles sagen, was ich auf dem Herzen habe. Aber eines rufe ich Euch zu: Was auch das Jahr 1923 uns bringen mag, wir werden es tragen, wir werden eingedenk sein der Worte: Ans Vaterland, ans teure, schließ Dich an, das halte fest mit Deinem ganzen Herzen. In diesem Sinne wollen wir unentwegt unsere Pflicht tun, ganz gleichgültig, an welchen Platz uns das Schicksal gestellt hat. Mit dem heißen Wunsch in unserem Herzen, unser schwergeprüftes Vaterland möge bald von den Fesseln der Besatzung befreit werwir: Unser geliebtes Vaterland, es lebe hoch— hoch heller Begeisterung hattelsich während der Worte des Vorsitzenden die Versammlung von den Plätzen erhoben. Als er geendet hatte, erklang das Lied durch den Raum:„Deutschland. Deutschland über alles, über alles in der Welt“. Und als die Worte erklangen:„Und im Anglück nun erst recht“, da schlugen auf der nahen Pfarrkirche die Glocken zwölfmal an. Prosit Neujahr! . Nun trat der Gesangverein hervor, hell und klar erklang durch die Neujahrsnacht der Choral:„Das ist der Tag des Herrn". Auf dem Markte hatten sich die Bürger eingefunden— Prosit Neujahr, klang es herüber und hinüber, niederrheinische Fröhlichkeit kam zu ihrem Recht. Der Bürgermeister hatte die Polizeistunde für die Neujahrsnacht aufgehoben. Als er nach Mitternacht auf dem Markte erschien, wurde er von den Mitgliedern des Aurn und Belangvereins umringt, und hinein ging es in die Sorgen vergessen und fröhlich sein bürger? Ein Fest ohne Rheinlied ist für den Rheinländer undenkbar Schon erscholl das Lied in der Runde:„Warum ist es am Rhein so schön? Weil die Mädchen so lustig und die Burschen so durstig — darum ist es am Rhein so schön.“ Als dann die Parodie erklang:„Warum ist es am Rhein nicht schön? Weil die Belgier die Ape. an dä Rhin stond'on jape— darum ist es am Rhein nicht schön—“ nahm der Bürgermeister einen kräftigen Schluck und schmunzelte vor sich hin. Als der Sana verklungen war, erhob sich der Turnwart „Liebe Freunde! Für uns Turner ist das soeben angefangene Jahr 1923 von besonderer Bedeutung. Das Deutsche Turnfest. das alle 5 Jahre stattfindet, wird diesmal in München abgehalten. Wir Niederrheiner wollen dabei sein. Viele Schwierigkeiten haben wir bis dahin noch zu überwinden. Sollten die Vermutungen, daß die Besatzung uns den Weg nach München versperren will. eintreffen, dann wird sich zeigen müssen, daß deuticher Wille unbeugsam ist. Mehr darf ich nicht sagen.“ Ein lebhaftes Bravo erscholl dem Redner entgegen. Noch manches Rheinlied erklang im frohen Zecherkreise, mancher Scherz in niederrheinischer Mundart ließ die Runde in helles Lachen ausbrechen— indessen sich am politischen Horizont die Wolken zu einem schweren Gewitter zusammenballten. 3. Aus der Sprechstunde des Bürgermeisters. Im Amtszimmer des Bürgermeisters klingelte das Telephon. „Hallo, hier Bürgermeister.“ „Hier Delegierter der Besatzungsbehörde.“ „Herr Bürgermeister, ich bitte Sie. sich heute nachmittag um 4 Uhr in meinem Büro einzufinden.“„Jawohl.“ Schluß des Gespräches. Zur festgesetzten Stunde stand der Bürgermeister im Vorzimmer des Delegierten. Mehr wie einmal schon hatte er beobachtet, daß sich in und vor diesem Zimmer Deutsche aufhielten, auch solche aus seiner Gemeinde, die ihre Augen niederschlugen, wenn sein Blick sie traf. Verräter! Lumpen! Die Klingel des Delegierten ertönte. „Bitte. Herr Bürgermeister. treten Sie ein“ wandte sich der Sekretär an den Wartenden. „Herr Bürgermeister" begann der Belgier. nachdem er sich eine Zigarette angesteckt hatte,„in Ihrer Gemeinde ist in der Neujahrsnacht das Deutschlandlied gesungen worden. Auch hat ein Turner angedeutet, daß sie zum Turnfest nach München gehen würden, selbst wenn die Besatzung es verbieten sollte. Sie sehen, Herr Bürgermeister, daß ich über alle Einzelheiten unterrichtet bin.“ Der Angeredete sah dem Vertreter der Besatzungsarmee in die Augen.„Herr Delegierter, Ihre Angaben sind richtig.“ „Herr Bürgermeister, ich verwarne Sie hiermit ausdrücklich. Ich verlange von Ihnen. daß Sie unter allen Umständen die Befehle der Besatzung beachten und daß Sie nochmals die Bevölkerung auf das Verbot des Singens des Deutschlandliedes hinweisen. Sollte sich ein ähnlicher Vorfall nochmals wiederholen, so werden Sie persönlich und auch die Gemeinde als solche dafür büßen müssen.“ Der Bürgermeister hatte verstanden. Die Worte des Delegierten waren allzu,deutlich. Daheim diktierte er in die Schreibmaschine: Bekanntmachung. Auf Anordnung der Besatzungsbehörde weise ich nochmals darauf hin, daß das Singen des Deutschlandliedes verboten ist. Zuwiderhandlüngen werden streng geahndet. Der Bürgermeisser. „Deutschland, Deutschland über alles“, sangen die Kriegsfreiwilligen 1914 bei Langemarck, als sie im Kampfe um Deutschlands Sein oder Nichtsein ihr junges Leben für das Vaterland hingaben. So ging es dem Bürgermeister durch den Sinn, als er obige Bekanntmachung unterschrieb. Auch er hatte dieses Lied gesungen, als er am 4. Oktober 1914 ins Feld zog— 9 Jahre später mußte, er am deutschen Rhein als deutscher Bürgermeister das Singen des deutschen Liedes verhieten! Das Partezimmer des Bürgermeisters war voll von Besuchern. Einer nach dem anderen vertraute dem Lenker der Gemeinde sein Leid an. Aber nicht in allen Fällen war es möglich. helfend einzugreifen, doch was tats. Das ist das edelste Ziel, das ein Bürgermeister sich setzen muß: Er muß Geduld üben. er muß die Bittsteller anhören. er muß dem Mitbürger, der da vor ihm sitzt, zu helfen versuchen. Ob in seinem Herzen auch Stürme toben, er muß ruhig bleiben, sein eigenes Weh' und Leid darf er nicht aufwecken. Er muß die Sonne seines Herzens scheinen lassen. er muß Sonne den Menschen geben, die um ihn sind. Er muß die Verzweifelten wieder aufrichten, er muß ihnen den unerschütterlichen Glauben an des Vaterlandes Wiedergeburt zurückgeben, ihr Wille muß sein, wenn sie das Amtszimmer verlassen: Hinweg mit den Wehrufen, hinweg mit den Klagen, wir müssen leben, wir müssen schaffen, wir müssen opfern, damit Deutschland leben kann——— Der nächste Besücher trat ein„Guten Tag. Herr Bürgermeister.“ „Guten Tag. Herr Fehr.“ Der Bürgermeister bat. Platz zu nehmen. „Ich komme zu Ihnen“. begann der Besucher,„um Ihren Rat zu erbitten. Ich beabsichtige, die Regierung zu bitten, mich im öffentlichen Dienst zu beschäftigen.“ „Ja, mein Lieber, glauben Sie denn, daß dies möglich ist?“ „Herr Bürgermeister, ich bin mir bewußt, daß die Regierung viele Sorgen hat, aber ich will den Versuch machen, ich will hoffen, daß irgendwo ein Platz für mich ist, ich scheue keine Arbeit. Wenn ich nicht eingestellt werde, dann bitte ich, mir Unterstützung zu gewähren. Herr Bürgermeister, befürworten Sie bitte das Gesuch.“ Der Bürgermeister kannte das Schicksal dieses fleißigen, treuen und biederen deutschen Mannes. Ohne Bedenken konnte er seine Bitte erfüllen. Der ehemalige Farmbesitzer schrieb dann an die Regierung: Gesuch des ehemaligen Farmbesitzers in Deutsch=Südwest=Afrika zwecks Einstellung in den öffentlichen Dienst.— Hierdurch erlaube ich mir, nachstehendes Gesuch zu unterbreiten: „Ich wurde gehoren al 2. September 1874. Von meinem 6 bis 14. Jahre besuchte ich die Elementarschule und bis zum 15. Jahre die Rektoratsschule. Vom 15, bis zum vollendeten 19. Lebensjahre erlernte ich den kaufmännischen-Beruf. Alsdann trat ich freiwillig bei der 1. Eskadron des Kür.=Reg. in Münster ein. Wolelost im im 3.-Jahre Gefreiter wurde. Im Mai 1896 kapitulierte ich zur Schutztruppe für Deutsch=Südwest=Afrika und trat am 27. Mai 1896 die Ausreise nuch dort an. 1897 und Anfang 1898 machte ich den Feldzug gegen die Vereinigten Nordwestherrero und Hottentotten mit. Am 1. Oktober 1899 wurde ich. weih meine Kapitulation beendet war, auf eigenen Wunsch entlassen. 8 Jahre erlernte ich die Farmwirtschaft, um mich später als Farmer=dort ansässig zu machen. Ende 1906 wurde ich erneut zum großen Herreroaufstand eingezogen. Diesen machte ich als Unteroffizier bis Anfang 1906 mit, mußte aber, da 70 Prozent dienstbeschädigt, entlassen werden. Durch Sparsamkeit und Entbehrung konnte ich mir ein eigenes Ochsengespann und einen Wagen kaufen, um mit diesem jetzt unserer Truppe den notwendigen Proviant und die notwendige Kleidung anzufahren; dieses tat ich bis Ende 1907. als mir von ärztlicher Seite eine Erholungsreise nach Deutschland verordnet wurde. Gleichzeitig mit meiner Entlassung 1906 kaufte ich mir meine erste Farm Tsumamas, im Bezirke Ontio, in Deutsch=Südwest=Afrika. Diese hatteich bis zu meiner Erholungsreise 1907 mit 120 Rindern, 300 Schafen und Ziegen bestockt. Nach meiner Rückkehr aus Deutschland mit meiner jetzigen Frau verkaufte ich die erste farm, um mit dem Gewinn eine zweite Farm zu erschließen; diese hieß Orungune, im Bezirk Ontio. Dieser Farm gab ich aber den Namen Münsterland. Ende zuwachs gezwungen, von unser Dieser Farm 13 wurde ich durch Viehierüng eine Farm hinzuzupachten, zwecks späteren Ausaufs. Diese Farm hieß Westfalen. ebenfalls im Bezirk Ontio. Die Größe der beiden Farmen war 5000 und 3000 Hektar. Als am 2. August 1914 der Krieg ausbrach, meldete ich mich freiwillig, um gegen die Buren, die in unser Schutzgebiet eingefallen waren, zu kämpfen, bekam aber im Antersuchungslazarett„Typhus. Neun Monate lag ich krank, in dieser Zeit war der Krieg für uns zu Ende. Mit Eintritt des Waffenstillstandes wurden wir nach und näch ausgewiesen. Ich selbst wurde mit meiner Frau und meinen 7 Kindern am 28. Juli 1919 vertrieben und kam am 1. November 1919 wieder in die Heimat. Neunzehntel meines in harter, schwerer Arbeit und entbehrungsreichen Jahren erworbenen Vermögens mußte ich zurücklassen, nur etwas Bargeld, sowie unsere Kleidung durften wir mitnehmen. In meiner Heimat war ich wegen Wohnungsmangels gezwungen. 9 Monate im Gasthof zu wohnen. getrennt von 4 meiner Kinder wovon sich 2 im Krankenhause und 2 bei meinen Verwandten befanden. Diese mir hierdurch verursachten Unkosten mußte ich, da ich noch etwas Barvermögen gerettet hatte, selbst bezahlen. Um aber wieder ein Obdach zu bekommen und meine Familie wieder zusammenzuführen, kaufte ich für den Rest meines Geldes eine Sommerwirtschaft. Durch die stete Geldentwertung und durch das Nichtauszahlen unserer Entschädigungsansprüche vom Deutschen Reiche war ich gezwungen, um Leben zu können. auch diese Besitzung im Januar d. J. wieder zu veräußern. Die von mir oft gemachten Versuche, irgend eine Anstellung zu bekommen, waren erfolglos, meistens unter dem Hinweis, jüngere Kräfte einstellen zu müssen. Durch diese unverschuldeten Verhältnisse und durch die Nichtzahlung unserer Regierung der mir zustehenden Entschädigungsansprüche habe ich kein Brot mehr für meine Familie. Mit vorzüglicher Hochachtung Wilhelm= Fehr.“ Der Bürgermeister hielt das Schreiben in seiner Hand. Er las es langsam durch. Ein jedes Wort, eine jede Zeile redeten eine deutliche Sprache von dem zähen Willen und der Vaterlandsliebe dieses deutschen Farmers. Das war kein Einzelschicksal mehr, viele deutsche Volksgenossen, die in den deutschen Kolonien glücklich und zufrieden gelebt hatten, die durch zähen Fleiß und durch unbeugsamen Willen eine zweite Heimat gefunden hatten, waren von den Engländern vertrieben worden. Hohnlachend erklärte England. Deutschland besitze nicht die Fähigkeit.“ Kolonien zu bearbeiten. Damit hatte sich Deutschland in seiner Ohnmacht abzufinden. Was scherts es England, wenn unsagbares Leid die tapferen deutschen Kolonisten traf, da sie mit Schimpf und Schande von Haus und Hof vertrieben wurden. Aktenstück: Revolution 1918. Der Bürgermeister ließ sich das Aktenstück Revolution 1918 geben. Es trug den Untertitel:„Arbeiter=, Soldaten= und Bauernräte“. Er blätterte in der Akte und las: Der Major und Bataillonskommandeur sah es für notwendig an, die Grenzschutzkompanien bestehen zu lassen, und schrieb deshalb am 14. Nopember 1918 an die Gemeinden: Da aber die an der Grenze lségenden Gemeinden infolge des starken Rückflutens von Deserteuren und anderen Gesindels aus Holland zweifellos in der nächsten Zeit Plünderungen und Unruhen ausgesetzt sein werden und daher die Gemeinden an dem Fortbestehen des Grenzschutze das größte Interesse haben dürften, wird um schleunige Auskunft geheten, ob auch die dortige Gemeinde sich zur Zahlung einer Vergütung von täglich 8.— M. bei freier Verpflegung für die mit dem Ghenzschutz betreuten Soldaten verpflichtet. 1— Der Bürgermeister blätterte weiter. Auf einem Aktenbogen fand er einen Zettel mit folgendem Inhalt aufgeklebt: Robert Spor, Kurt Scholten, haben die Befugnisse, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Im Auftrage des Arbeiter= und Soldatenrates " i. V.: H. F l i e t e t. Grenzlandkundgebung der Beamten der Westmark in Köln Cnb. Köln, 16. Okt. Die Beamten der Westmark veranstalteten gestern eine Grenzlandkundgebung. Der Leiter der Beamtenabteilung der Reichsleitung der NSDAP., Neef, hielt eine Rede, in der er u. a. ausführte, es könne im Dritten Reich keinen unpolitischen Berufsbeamten mehr geben. Im nationalsozialistischen Deutschland müsse der Beamte in erster Linie Nationalsoizalist sein. Nicht das Parteiabzeichen sei bei der Auswahl entscheidend, sondern die Betätigung als Nationalsozialist. In den nächsten Monaten werde man im Beamtentum Gelegenheit haben, die Spreu vom Weizen zu sondern. Bei der Erledigung des Beamtengesetzes müsse zuerst die innere Gesinnung maßgebeyd sein, die Gesinnung von 20000 Beamten, die vor dem 30. Ignuar in den Reihen der RSOAP. standen, denn diese hatten etwas zu verlieren gehabt. Mit dem heutigen Tage höre praktisch der Deutsche Beamtenbund auf zu existieren. Es werde eine Organisation gegründet, der alle Beamten angehören, ob sie nun der Beamtenabteilung angehört hätten oder nicht. Aus der Beamtenabteilung werde das Amt für Beamte in der NSDAP. werden mit einem Reichsleiter an der Spitze. Das Amt habe die Verantwortung für alles, was in diesem Reichsbund geschieht. Es gebe keine Stelle mehr, die nicht besetzt werde durch das Amt für Beamtenschaft in der NSDAP. Nur Nationalsozialisten könnten irgendwo noch als Führer der Beamtenschaft auftreten. Es wurde dann eine Anzahl von Fahnen der Beamtenabteilung des Saargebiets geweiht B 5 Das. Echo im Ausland Bemerkenswerte französische Stimme Die um Sonntag abgehaltenen Besprechungen der Haugtmachte standen im Zeichen einer beträchtlichen Verlegenheit und Unentschossenheit, aus der auch in den Mitteilungen gegenüber der Presse kein Geheimnis gemacht wurde. Einige Mächte. die sich von dem deutschen Vorwurf der Abrüstungssabotage getrofsen fühlten, verlangten eine energische Antwort auf das Telegramm des Reichsaußenministers; besonders Sir John Simon befürwortete eine„feste und entschlossene“ Tonart gegenüber Deutschland. Schlicßlich ein man sich jedoch, wie hier erklärt wurde, aus eine ziemich gemäßigte Form der Beantwortung dessen, was man in französischen Kreisen seit vorgestern die„Deutsche Anklage" nennt. Noch größer waren die Meinungsverschiedenheiten über die weitere Gestaltung der Abrüstungskonferenz. Das Projekt einer eigenen Konvention ohne Deutschland ist stillschweigend fallen gelassen worden, weil viel dringendere Sorgen zu erörtern waren. Schon die Inszenierung der heutigen Sitzung de. Hauptausschusses machte die größten Schwierigkeiten. Der schlossene Die eschlagen # man nicht und noch viel weniger gegen Deutschland arbeiten könne, hat sich allem Anschein nach schon am gestrigen Sonntag in starkem Maße geltend machen können. Es wurde nach endlosen Beratungen allgemein für das Richtige gehalten, die Sitzung des Hauptausschusses, die aus formellen Gründen nicht mehr abgesagt werden kann, so kurz und gerauschlos wie möglich zu gestalten. Der Hauptausschuß soll von den Vorgängen im Büro lediglich Kenntnis nehmen und sich sodann ohne grundsätzliche Aussprache möglichst bald auf eine Woche vertagen. Die Großmächte sind freilich nicht sicher, ob die Sitzung so glatt, wie sie es selber jetzt wünschen, über die Bühne gehen wird. Schon im Dezember hat es bei Vorlegung der Fünf=MächteErklärung eine ausgesprochene„Revolte der Kleinen“ gegeben, und niemand weiß, ob diese Staaten sich diesmal dem Stichwort ohne weiteres fügen und aus Erklärungen zur materiellen Seite des Abrüstungsproblems verzichten werden: Die Vertagung um eine Woche soll den Delegationen Gelegenheit geben, sich mit ihren Regierungen in Verbin dung zu setzen und untereinander Besprechungen aufzunehmen. So bietet sich das seit bald zwei Jahren gewohnte Bild der Ratlosigkeit bei jedem neuen Zusammentritt der Konserenz, diesmal in, fast mitleiderregender Form dar. Jede der maßgebenden Delegationen hat eine andere Auffassung über das, was jetzt geschehen soll. Am undurchsichti-sten ist merkwürdigerweise die Haltung Frankreichs, über die nur feststeht, daß Frankreich unter allen Umständen den offiziellen Uehergang der Abrüstungsverhandlungen auf den Kreis der Großmächte verhindern will, weil es von solchen Verhandlungen zu vieren oder fünsen eine hoffnungslose Isolierung befürchtet. 6 Die Idee einer Konferenz der Großmächte, also unter Beteiligung Deutschlands, die bekanntlich, der italienischen Politik entspricht ist heute noch nich offiziell zur Sprache gebracht worden, hat aber unausgesproch u bereits eine erhebliche Rolle gespielt. Der amerikanische Vertreter hat sich in Privatgesprächen entschieden gegen die Beteiligung an einer Fünferkonferenz gewandt, wie Amerika überhaupt seit-vorgestern die Tendenz zeigt, die Abrüstung als eine„im höchsten Maße europaische Angelegenheit“ zu betrachten. Andererseits ist hier bekannt, daß der englische Premierminister=Macdonald im Gegensatz zu seinem hier weilenden Außenminister sich von einer Konferenz der Großmächte sehr viel verspricht, obwohl dieser Gedanke in England gegenwärtig außerordentlich unpopulär ist. In Genfer Kreisen hat der Gedanke einer Großmächtekonferenz insofern gewisse Aussichten. weil seine Annahme zunächst einmal den auf allen Seiten bestehenden Wunsch nach einer langfristigen Unterbrechung der Abrüstungskon= ferenz in einwandfreier Weise erfüllen würde. Auch eine Vertagung der Konferenz auf unbestimmte Zeit wurde am Sonntag ausgiebig erörtert soll aber, wie es gestern abend hieß, fast ausgeschlossen sein. eines Riobe=Ehrenmals auf Fehmarn Die Ansicht des offiziellen Frankreich? „PKreisior“ will trotz der großen Zurückhaltung, die am Luni d'Orsay herrscht, erfahren haben, daß die französischen Regierungskreise keinen Grund dafür sehen, daß die Abrüstungsarbeiten vertagt oder gar abgebrochen werden sollten. Frankreich vertrete mit Recht die Auffassung, daß die alle Mächte angehenden Verhandlungen nux im Rahmen einer Konferenz fortgesetzt werden könnten und dürften, bei der auch die Vereinigten Staaten und Sowjetrußland vertreten seien. „Paris Soir“ glaubt das Gerücht dementieren zu können, dak Daladier auf Grund des Austritts Deutschlands aus dem Völkerbund und der Abrüstungskonferenz von der Tribüne der * französischen Kammer herab(das Parlawent tritt am Dienstag wieder zusammen) eine Erklärung über die französische Politik abgeben, würde. Dieses Gerücht sei vollkommen falsch, denn Frankreich brauche seine bekannte Linie nicht zu ändern. Italienische Kritik an den bisherigen Rethoden Nach der ersten Verwirrung, die dürch die Beschlüsse der Reichsregierung im Auslande und besonders auch in Paris entstanden sei, was, wie der Pariser Korrespondent des großen Turiner Blatter„Seumpa“ feststellt, die Rechtskreise und die fabrikanten mit Genugtuung aufatmen lasse, werde man hington bald einsehen, daß die Basis sowohl in London als in 2# Wiederaufnahme der Verhandlungen auf neuer Basis und unter = äberen Gesichtspunkten notwendig sei. Wer, so schreibt der Korrespondent der„Jtumpa“ weiter, den Dingen auf den Grund geht, kann nicht leugnen, daß das Abrüstungsproblem von Anfang an auf Gründlagen gestellt wurde, die falsch waren und in keiner Weise der Wirklichkeit Rechnung trugen. Das, eigentliche Abrüstungsproblem ist nicht technischer, sondern politischer Art. Für seine Lösung kann nur ein politisches System, in= dem die Großmächte vereinigt sind, in Betracht kommen, d. h. jener Mächte, die am meisten den Gefahren eines Kreieges ausgesetzt waren und die die stärksten Hebel gegen einen Krieg einsetzen könnten. Ein solches System bestehe glücklichezweise im Pakt von Rom. Wenn man sage, der Viererpakt sei unanwendbar. weil die Vereinigten Stagtey von Amerika nicht dazu gehörten, so müsse man fragen, wann je ihre freiwillige Isolierung die Vereinigten Staaten darau gehindert habe, mit den anderen Staaten am gleichen Tisch zu sitzen und ihr Gewicht bei den Beratungen püren zu lassen. Gegen die Verlegung der Abrüstungsverhandlungen auf anderen Boden seien zwar glroße Schwierigkeiten vorauszusetzen, man müsse aber endlich sagen, ob man den Frieden retten oder ob man sich in ein neues Kriegsabenteuer stürzen wolle. Der Genfer Korrespondent des„Popolo d'Italka“ wirft die Frage der Verantwortung für die jetzige Lage auf und schreibt, es könne kaum einem Zweisel unterliegen, daß ein großer Teil der Verantwortung auf den Völkerbund selbst falle. Mit einer umsichtigen diplomatischen Aktion hätte vielleicht der Bruch noch einmal vermieden werden können. Mit der Tagung des Präsidialbüros vom Samstag, die im jetzigen Moment den Charakter eines Tribunals angenommen habe, vor dem Deutschland nur zur Verantwortung gezogen wurde, hätten sich die Dinge nur überstürzt. Dabei seien in dieser Sitzung ganz wesentliche Fragestellungen gezogen und Grenzen gesteckt worden, die schließlich den Tod der Verhandlungen herbeiführen mußten. In diesem Zusammenhang bedauern auch die anderen Korrespondenten, daß nicht durch eine rechtzeitige Vertagung der Bruch vorerst vermieden wurde und verzeichnen sowohl aus Genf als aus Paris und London zustimmend die bereits vielfach anzutreffende Meinung, daß Mussolini ällein einen Ausweg werde finden können. Wtb. Burg(Fehmarn), 17. Okt.(Funkd.) Am Strande bei Gummendorf wurde gestern das Ehrenmal für die bei dem NiobeUnglück unweit Fehmarns ertrunkenen Matrosen eingemeiht. Die Reichsmarine hatte unter dem Kommando des Kapitäns zur See Mewes vom neuep Segelschulschiff„Gorch Foch“ eine Abordnung von 40 Mann entsandt. Unter den Ehrengästen befanden sich u. a. Admixal von Hippel sowie die Seeleute, die bei der Katastrophe mit dem Rettungsboot einen Teil der Besatzung der„Niobe" gerettet hatten. Reichspräsident Schirmherr— Reichsstatthalter Ritter von Epn Ehrenführer des Kyfshäuserbundes. Cnb. Berlin, 17. Okt. Der Reichspräsident hat die Schirmherrschaft des Kyffhäuserbundes übernommen. Dem Reichsstatthalter von Bayern, General Rittex von Epp, wurden zu seinem 65. Geburtstage die Glückwünsche des deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser übermittelt. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm die Ehrenführerschaft des Kysshäuserbundes angetragen, die er mit gkoßer Freude annahm. Gleichzeitig wurde den Mitgliedern des Kyffhäuserbundes das Tragen der Hakenkrenzbinde erlaubt. Diplomatisches Revirement Der Herr Reichspräsident hat ernannt: den Gesandten in Stockholm, von Rosenverg, zum Botschafter in Ankara, den Botschaftsrat bei der Botschaft in Madrid, von Mackensen: zum Gesandten in Budapest, den Generalkonsul in Danzig. Freiherrn von Thermann, zum Gesandten in Buenos=Aires, den Gesandtschaftsrat i. e. B., wirklichen Legationsrat Prinzen zu Wied, zum Gesandten in Stockholm, den Botschaftsrat i. e R von Radowin zum Generalkonsul in Danzig Der Reichsbauerntag verschoben Im Hinblick auf den bevorstehenden Volksentscheid und die Wahlen, die den gesamten Einsatz des Reichsnährstandes erfordern, hat der Reichsbauernführer R. Walter Darré angeordnet# daß der vom 20. bis 23. vorgesehene Reichebauerntag in Weimar bis nach den Wahlen verschoben wird. Die auf Sonntag, den 22 Oktober in Weimar angesetzte Bauernkundgebung findet jedoch als erste große Wahlkundgebung der thüringischen Bauern statt. auf der der Reichsbauernführer und andere Bauernführer sprechen werden. Der Termin des nach den Wahlen stattfindenden Reichsbauerntages wird später bekannt gegeben. Die Fortführung der vorstädtischen Kleinsiedlung Auf Grund des Gesetzes zur Verminderung der Arbeitslosigkeit vom 1. Juni 1933 hat die Reichsregierung zur Fortführung des 4. Bauabschnittes der vorstädtischen Kleinsiedlung einen weiteren Betrag von 20 Millionen Reichsmark bereitgestellt. Damit stehen dem Reichsarbeitsministerium nunmehr für den 4. Bauabschnitt insgesamt 70 Millionen Reichsmark zur Verfügung, mit denen rund 30000 neue Kleinsiedlerstellen errichtet werden können. Untet Hinzurechnung der rund 20000 Kleinedlerstellen, die auf den im Februar eingeleiteten 3. Bauabschnitt entfallen, werden also allein in diesem Jahr rund 50.000 Kleinsiedlerstellen gefördert Der untreue Kirchenrechner 63000 Mark unterschlagen WP Koblenz, 16. Okt. Vor der Großen Strafkammer, in Koblenz wurde gegen den Kaufmann Gast verhandett. Der Angeklagte war Kirchenrechner der Kirchengemeinde Andernach, der er 63000 Mark unterschlagen hat. Das Gericht verurteilte den Angeklagten. der nur Unterschlagungen bis zur Höhe von 20.000 Mark zugab, zu 2½ Jahren Zuchthaus, 5 Jahren Ehrverlust und Tragung der Kosten. Der Staatsanwalt hätte 5 Jahre Zuchthaus beantragt. Das Gericht kam zu dem Entschluß, daß die Tätigkeit des Kirchenrechners als Beamteneigenschaft zu betrachten sei und daß daher nur Zuchthausstrafe in Frage kommen könne. Die Verhandlung ergab ein Bild von einem unglaublichen Wirrwarr in der Buch= und Kassenführung. Die Kasse war seit achs Jahren nicht revidiert worden. Gast hatte einfach, wie er selbst zugab, die Beträge, die er brauchte, aus der Kasse herausgenommen. So hatte er allein von der Stadtkasse Andernach 30000 Mark Kirchensteuerbeträge abgeholt und unterschlagen. DasGericht stellte fest, daß der Kirchenvorstand moralisch mitverantwortlich sei, weil er dem Angeklagten, dessen Treiben geradezu schamlos gewesen sei so weitgehend Vertrauen geschenkt habe. Krefelder Stadttheater Die Tragödie Kleist Ein Schauspiel in sechs Bildern von Karl Faahler. Zur bevorstehenden Uraufführung im Stadttheater. In, die letzten Lebenstags des Dichters Heinrich von Kleist führt uns der Verfasser und erspart uns im Gegensatz zu vielen anderen Bearbeitungen dieses Dichterschicksals die Vorgeschichte, welche nicht dem Rufe des deutschen Schrifttums diente. Aber nicht nur die letzten Lebenstage Kleist's sind es, die in vorüberzlehen, es sin! den sechs Bildern der Tragödie an uns vorüberzlehen, es sind auch die letzten Lebenstage eines sterbenden Zeitalters, in denen sich der nationalen Revolution das deutsche Spießertum intgegenstellte. Schon das erste Bild wirft symbolhaft diese Frage auf. In einem Salon der Tischgesellschaft rezitiert Kleist seinen Aufruf an die: Nation:„Schlägt sie tot, das Weltgericht fragt Euch nach den Gründen nicht!“ Während ihm die Studenten zujuheln, läuft der deutsche Spießer, bedenklich den Kopf schüttelnd, unter den Fenstern vorbei. Zwei Weltanschauungen an der Schwelle des neuen Jahrhunderts stehen sich gegenüber, diese beiden Weltanschauungen sind es, die in Kleist's Seele sich befehdeten, sie schaffen auch äußerlich sein Schicksal und damit seine Tragödie. Der Kampf mit dem Dämon des Genius ist sonst einseitig dargestellt worden, hiet vereint er sich mit einem anderen, der direkt im Kampf der Zeit seinen Ursprung hat. Zum ersten Male ist so von einem Dichter die Verbindung des)persönlichen mit dem überpersönlichen Schicksal geschaffen worven! Der Uebergang von der Ich=Zeit zur Wir=Zeit, damit ein nationalsozialistisches Prabtem. Mit seltenem Feingefühl hat Faehler in die Handlung die Tragödie der Henriette Vogel verwoben, hier ist„kein Wort zu viel, aber auch keines zu wenig gesagt. Hier steht ein Schicksal über zwei Menschen, welches nicht im Triebleben seinen Ursprung sondern auf höherem Plane wandelt. Der Höhepunkt des Werkes: Die Guiskard=Vision! Was haben unsere Regisseure und Dramaturgen versücht, um dies harr. liche dramatische Fragment auf die Bühne zu bringen! Noch nie mals hat einer von ihnen sein Ziel erreicht. Aber Faehler hat Sinn und Ziel vereinigt: Aus der letzten Depression des Dichters Kleist heraus wächst in gewaltige überzeitliche Gedankengänge hinein die Vision des pestverseuchten Herzogs— eine großartige Parallele zu des totgeweihten Kleist eigenem Schicksal— mehr als eine Vision, künftiges Sein steht hinter dieser Szene, welche die dramatische Krönung" des Werkes bildet. Selten ist ein solcher dritter Akt geschrieben worden. Was nun folgt, ist die letzte Konsequenz eines, der nicht weiterleben kann, weil er nicht weiterleben durfte. In Faehlers„Tragödie Kleist“ hat der unglücklichste und stärkste unserer Dichter ein ewiges Denkmal gefunden„ Friedrich Billerbeck, Gentz. ** Zwei Briese Heinrich von Kleists. Der Dichter der„Tragödié Kleist“, die am Mittwoch im Krefelder Stadttheater zur Uraufführung, kommt, verlegt das Ringen Kleists um die Gestaltung des Guiskard=Stoffes und die Vision des Fragments in die letzte Lebenszeit des unglücklichen Dramatikers. In Wirklichkeit siel es acht Jahre früher. Aus Genf, vom 5. Oktober 1803, datiert der folgende Brief schmerzvollen Verzichts an seine Schwester Ulrike;, *„Der Himmel weiß, meine teuerste Ulrike.(und ich will umkommen, wenn es nicht wörtlich wahr ist), wie gern, ich einen Blutstropfen aus meinem Herzen für jeden Buchstaben eines Briefes gäbe, der so anfangen könnte:„mein Gedicht ist fertig.“ Aber, Du weißt, wer, nach dem Sprichwort, mehr tut, als er kann. Ich habe nun ein Halbtausend hintereinander folgender Tage, die Nächte der meisten mit eingérechnet, an den Versuch gesetzt, zu so vielen Kränzen noch einen auf unsere Familie herabzuringen: jetzt ruft mir unsere heilige Schutzgötttin zu, daß es genuge sei Sie küßt mir gerührt den Schweiß von der Stirne, und tröstet mich, „wenn jeder ihrer lieben Söhne nur eben so viel täte. so würde unserem Namen ein Platz in den Sternen nicht fehlen". Und so lei es denn genug Das Schicksal, das den Völkern jeden Juschuß zu ihrer Bildung zumißt, will, denke ich, die Kunst in diesem nördlichen Himmelsstrich noch nicht reisen lassen. Töricht wäre wenigstens, wenn ich meine Kräfte länger an ein Werk setzen wollte, das, wie ich mich endlich überzeugen muß, für mich zu schwer ist Ich trete vor einem zurück, der noch nicht da ist, und beuge mich, ein Jahrtausend im voraus, vor seinem Geiste. Denn in der Reihe-der menschlichen Erfindungen ist diejenige, die ich gedacht habe, unfehlbar ein Glied, und es wächst irgendwo ein Stein schon für den. der sie einst ausspricht.“ Der nächste Brief an Ulrike(aus St. Omer oatiert vom 26. Oktober 1803) berichtet ihr die — Verbrennung des„Gutskard“=Manustripts und gibt Kunde von dem völligen Zusammenbruch des Dichters in Paris, der eine tödliche Wunde in sein körperliches und seetisches Leben riß: „Meine teuere Ulrike! Was ich Dir schreiben werde, kann Dir vielleicht das Leben kosten; aber ich muß, ich muß, ich mußes vollbringen: Ich habe in Paris mein Werk, so weit es fertig. war, durchlesen, verworfen und verbrannt: und nun ist es cku### Der Himmel versagt mir den Ruhm, das größte der Güter Erde; ich werfe ihm, wie ein eigensinniges Kind, alle übrigen hin Ich kann mich Deiner Freundschaft nicht würdig zeigen; ich kannohne diese Freundschaft doch nicht leben: ich stürze mich in de## Tod. Sei kuhig, Du Erhabene, ich werde den schönen Tod der Schlachten sterben. Ich habe die Hauptstadt dieses Landes verlassen, ich bin an seine Nordküste gewandert, sich werde franzssische Kriegsdienste nehmen, das Heer wird bald nach England hinüberrudern, unser aller Verderben lauert über den Meeren, ich frohlocke bei der Aussicht auf das unendlich— prächtige Grab O Du Geliebte. Du wirst mein letzter Gedanke sein!“ „Zar ünd Zimmermann". Albert Lortzings Meisterwerk, die immer gern gesehene deutsche Spieloper. kommt heute. Dienstag. 20 Uhr, für die Stammiete D 1(3. Vorstellung) zur Aufführung. In den bisherigen Aufführungen bekundete das Publikum seine herzliche Freude an, den alten lieben und so volkstümlichen Melodien durch kräftigsten Beifall. Die Besetzung unter Söllners musikalischer und Bachems szenischer Leitung ist die gleiche wie in der Premiere. Es singen und spielen die Damen Kyra und Walter, die Herren Bachem. Baust, Brockhaus. Cramer, Redebeck und Wessely.— Im Tagesverkauf stehen noch gute Plätze zur Verfügung. und zu Preisen von 60 Pfennig an kann jeder in den Genuß der Vorstellung kommen.— Morgen steht das Ereignis einer Uraufführung bevor, Für die Serie B(es ist, da die Vorstellung in der vorigen Woche ausfiel, erst die vierte Vorstellung) geht in alleiniger Uraufführung, für Westdeutschland und zugleich mit der Kleiststadt Frankfurt=Oder. dem Landestheater Braunschweig und einigen anderen ersten deutschen Bühnen das Schauspiel„Die Tragödi Klelst“ in sechs Bildern von Karl Faehl### Szene. Im Mittelpunkt des Stückes steht die Wiedergab grandiosen Robert=Guiskard=Fragments von Kleist. Wik verweisen auf die Einführung an anderer Stelle.— Die Inszenierung liegt in den Händen des Intendanten Hans Tannext. Die Bühnenbilder gestaltet, Fritz Huhnen. Außer dem gesamten Schauspielpersonal wirkt der neugegründete Sprechchor des Kampfbandes für deutsche Kultur mit.— Keine erhöhten Preise! *