Erscheint Eglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Bezugspreis Verteljährlich einschließlich der täglichen Beilage „Bunke Blätter“ n Neuß 1,50 Mk., durch die Post bezogen 1,65 m! mit illustriertem Und: haltungsblatt 1.80 Rath Surch die Post bezogen 1.95 m. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Josef Wyrich, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Neußer Zeitung Druck und Verlag von Rob. Roack, Neus. Amtliches Kreisblatt Geschäftsstelle: Reuß, Neustraße 1. Fernsprecher M7. —. 2.* Angeigen 15 Pfg. die 7 gespaltene Petitzeile, kleinere lokale Anzeigen 12 Pfg., auswärtige 20 Pfg. Reklamen 60 Pfg. die 3 gespaltene Petitzeile. Bei zwangsweiser Eintreibung durch Klage oder in Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Verantwortlich für die Schriftleitung: Th. Jossen, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Nr. 211. Erstes Blatt. Samstag, den 17. September 1910.(Hildegard k.) * Der Verlag der Neußer Zeitung hat sich entschlossen, im Interesse seiner Abonnenten eine kostenlose Unfall=Unterstützung in Höhe von 200 Mark einzurichten. Diese Einrichtung ist dazu bestimmt, wenn plötzliche Unglücksfälle Abonnenten der Neußer Zeitung treffen, den ihres Ernährers beraubten Hinterbliebenen durch Gewährung obiger Summe die hilfreiche Hand zu bieten und sie über die schwere Zeit hereinbrechender Not hinwegzuführen. Die Unterstützung erstreckt sich auf Unfälle aller Art nach Maßgabe der gleichzeitig veröffentlichten Bestimmungen und soll den Angehötigen aller Berufe zugute kommen. Fabrikarbeiter, Landarbeiter, Betriebs= wie Bureaubeamte, Handwerker und Kaufleute, Selbständige wie Angestellte, Männer wie Frauen, ssie alle können Teil haben an der von uns eingerichteten = Unfall=Unterstützung sobald sie Abonnenten der Neußer Zeitung sind. Der Verlag der Neußer Zeitung ist sich bewußt, daß er mit der Einrichtung dieser Unfall=Unterstützung eine für ihn kostspielige Einrichtung getroffen hat, er weiß aber, daß er mit derselben im Interesse seiner Abonnenten handelt. Nähere Bedingungen umstehend! Verlag der Neußer Zeitung Robert Noack. Man schneide den Bestellzettel aus und gebe ihn ausgefüllt entweder unseren Zeitungsboten oder sende ihn in offenem Briefumschlag mit 3 Pfg.=Marke frankiert An die Neußer Zeitung in Neuß. Bestellzettel. Unterzeichneter bestellt hiermit vom 1. Oktober ab die zum Abonnementspreise von 50 Pfg. monatlich mit dem Illustrierten Sonntagsblatt 60 Pfg. und ersucht um Gratiszusendung der bis zum 1. Oktober erscheinenden Nummern. Name und Wohnort: (Genau und deutlich schreiben). Man schneide den Bestellzettel aus und gebe ihn ausgefüllt entweder unseren Zeitungsboten oder sende ihn in offenem Briefumschlag mit 3 Pfg.=Marke frankiert An die Neußer Zeitung in Neuß. kostenlose Der Verlag der„Neußer Zeitung“ hat eine freiwillige, Unfall=Unterstützung eingerichtet, um aus derselben— nach seinem Ermessen— Hinterbliebenen zu Tode verunglückter Abonnenten eine Unterstützung zu gewähren. Diese beträgt im Einzelfall 200 Mark bei Unglücksfällen, die gleichzeitig oder an einem Tage mehr als drei Personen betreffen, höchstens 600 Mark. Da für die Unterstützung von den Abonnenten keinerlei Entschädigung oder Zahlung zu leisten ist, so steht die Entscheidung über die Zuerkennung auch allein dem Verlage zu. Ein Rechtsmittel hiergegen gibt es nicht. Der Verlag wird die Beurteilung an ihn gerichteter Unterstützungs=Anträge unter Beobachtung nachfolgender Bedingungen vornehmen: Was sind Unfälle? Als Unfälle im Sinne der Versicherung gelten solche körperliche Beschädigungen, von welchen der Versicherte durch plötzliche äußere, gewaltsame Einwirkung unfreiwillig betroffen wird Herzu gehören u. a.: Eisenbahnkatastrophen, Haus= und Gerüsteinstürze, Brände, zufällige Abstürze von Bauten usw., Verschüttungen, Unfälle in Fabriken jeder Art. Verunglückungen durch landwirtschaftliche Maschinen, Tötung durch Wagen aller Art(auch Automobile), Unfälle durch Würfe, Stöße oder herabfallende Gegenstände 2c. Unfälle, welche bei rechtmäßiger Verteidigung oder bei Bemühung zur Rettung von Personen in Notfällen eintreten, sind in die Versicherung ebenfalls eingeschlossen. Blutvergiftungen, welche durch einen in die Versicherung eingeschlossenen Unfall entstanden sind, sowie unfreiwilliges Ersticken durch ausströmende Gase oder Dämpfe, ferner Unfälle bei Wasserfahrten, welche in Begleitung einer zweiten Person stattfinden, sind in die Versicherung gleichfalls eingezogen. Welche Unfälle scheiden aus? Als Unfälle werden nicht betrachtet: Krankheiten. Schlag=, Krampf=, Schwindel=, Ohnmachts= und epileptische Anfälle jeder Art und deren Folgen, Witterungs= oder Temperatureinflüsse Sonnenstich, auf welche Art sie auch herbeigeführt sein mogen. Folgen von Ueberanstrengungen durch freiwillige oder unfreiwillige Aufnahme von Speise und Trank, medizinischen oder schädlichen Stoffen, Brüche aller Art und deren Folgen, endlich Operationen aller Art, welche der Versicherte an sich selbst vornimmt, sowie Operationen, welche an dem Versicherten vorgenommen werden, ohne daß sie nachweislich durch einen in die Versicherung eingeschlossenen Unfall bedingt werden. Keinen Anspruch auf die Versicherung begründen ferner Unfälle durch kriegerische Ereignisse, durch Erdbeben, durch Teilnahme an bürgerlichen Unruhen und gesetzwidrigen Handlungen. durch Nichtbeachtung der für den Schutz von Leben und Gesundheit erlassenen Gesetze und polizeilichen Vorschriften, sowie öffentlichen und privaten Sicherheitsvorschriften oder Warnungen, Unfälle in der Trunkenheit, durch Selbstverstümmelung, durch Teilnahme an weiteren alle Unfälle, welche durch grobe Fahrlässigkeit des Versicherten herbeigeführt wurden, sowie Unfalle, welche ein reten während einer Untersuchungshaft oder Verbüßung von Zuchthaus=, Gefängnis= oder Haftstrafen, die durch richterliches Urteil erkannt worden sind. An Epilepsie Leidende, mit schweren Krankheiten Behaftete und Personen, welche bereits von einem Schlagflusse oder Delirium tremens betroffen worden sind, haben ebenso, wenig für ihre Hinterbliebenen Anspruch auf die Vergütung, und es erlischt die Versicherung sofort mit dem Eintritt eines dieser ZuDie Vergütung wird nur gegeben bei Unfällen, welche sich als solche charakterisieren und sich innerhalb der Grenzen des Deutschen Reiches ereignen. Die Auszahlung einer zuerkannten Unterstützung erfolgt in erster Linie an den Ehegatten, für den Fall aber, daß der Ehegatte nicht mehr am Leben ist, an die Kinder und für den Fall, daß weder ein Ehegatte noch Kinder vorhanden sind, an die Eltern des Abonnenten, vorausgesetzt, daß der Verunglückte z. Zt. des Unfalles Ernährer seiner Eltern war. antragt wirk Jeder Unfall, für den eine Unterstützung beantragt wird, ist sofort nach seinem Eintritt, späte stens aber inne halb drei Tagen in der Geschäftsstelle der„Neußer Ztg. zu melden. Ueber den Unfall und seine Folgen sind ärztliche bezw. behördliche Zeugnisse, welche vom Verlage für norig erachtet werden, vom Antragsteller auf seine Kosten und zwar innerhalb 14 Tagen beizubringen.I 9eit in War die Anzeige nicht innerhalb der angegebenen Zeit in der Geschäftsstelle eingegangen, so kann ein Antrag auf Unterstützung auch nicht gestellt werden. Für ein und denselben Unfall wird immer nur eine Unterstützung bewilligt, gleichviel ob der Verunglückte im eines oder mehrerer Abonnements auf die„Neußer Itg.“ ist. Bei Unfällen, die gleichzeitg oder an einem Tage mehr als drei Personen betreffen, werden 600 Mark als Höchstbetrag ausgezahlt und unter die Unterstützung Beantragenden zu gleichen Teilen verteilt. Die Entscheidung, ob ein Unfall im Sinne der Bedingungen vorliegt, wird allemal und endgültig nur vom Verlage een ve.lag der„Neußer Ztg.“ behält sich eine Aenderung der Unfall= Unterstützung jederzeit vor, und zwar gilt eine solche mit Beginn desjenigen Tages, der auf den Tag folgt, an dem die Aenderung in der„Neußer Ztg.“ veröffentlicht wurde. Falls die Hinterbliebenen eines verunglückten Abonnenten auf die Auszahlung der Unterstützung verzi##en, so wird die Summe einem wohltätigen oder gemeinnützigen Unternehmen dügewendet. Alg Abonneut der„Neußer Ztg.“ gilt stets der Haushaltungs=Vorstand(auch wenn die Bestellung von einem anderen gemacht wurde), wenn nicht ausdrücklich die Eintragung eines anderen Famlienmitgliedes mit genauer näherer Angabe des Vornamens Gez. gsel. chon juniar“, senior“) verlangt wird. Wo also beispielsweise statt des Vaters resp. der Mutter der Sohn als Abonnent eingetragen werden soll, muß dies bei der Geschäftsstelle veranlaßt werden. Da die Abonnements= Quittungen mit men ausgestellt werden, kann jeder Abonnent die der Eintragung selbst kontrollieren und bei falscher oder ungenauer Eintragung die Ausstellung einer richtigen Quittung verlangen. Aenderungen müssen stets bei der Geschäftsstelle selbst beantragt werden, da diese für Versäumnisse ihrer Boten nicht er e9:. Postabonnenten haben dem Verlag der„Neußer Zeitung' die Postquittung mit genauer Angabe der Adresse und der des Standes des Bezi hers einzusenden. Ihre Angehörigen genießen— aber nur.wenn das geschehen ist— die Unterstützung, wenn von den Angehörigen der Nachweis erbracht wird, daß der Verunglückte zur Zeit des Unfalls Abonnent der„Neußer Ztg.“ war. Neuß, im September 1910. Verlag der„Neußer Zeitung“. Rob. Noack. Die Postabonnenten werden gebeten, unverzüglich die Zeitunn“ beim Postamt oder beim Briefträger für das nächste Vierteljahr zu bestellen! Versäumen Eie en nicht, damit keine Verzögerung in der Zustellung der Zeitung eintritt! Politische Hachrichten. Deutschland. = Die Reichstagsersatzwahl Frankfurt=Lebus. Nach den vorläufigen amtlichen Feststellungen erhielt bei der ReichstagsErsatzwahl im Wahlkreis Frankfurt(Oder)=Lebus Schuhmachermeister Faber(Frankfurt)(Sozialist) 14216. Geheimer Archivrat Winter(Magdeburg)(natl.) 7717 und Arbeitersekretär Dunkel(Berlin)(konservativ) 6595 D r Reichstags= Ersatzwahl in Frankfurt(Oder)=Lebus sah der Politiker mit besonders starkem Interesse entgegen. Sollte hier doch zum letzten Mal vor den allgemeinen Neuwahlen die Probe auf die Stimmung im Lande gemacht werden. Die Neuwahl war bekanntlich nötig geworden durch den Tod des bisherigen nationalliberalen Abgeordneten Professor Detto. Auch während des größten Teils des vorigen Reichstags war der Wahlkreis nationalliberal vertreten gewesen, da die Wahl des 1903 siegreichen Sozialdemokraten Dr. Braun im folgenden Jahre für ungiltig erklärt wurde und nach der Nachwahl der nationalliberale Führer Bassermann, der 1903 in Karlsruhe= Bruchsal dem Sozialdemokraten unterlegen war, als Vertreter von Frankfurt= Lebus wieder in den Reichstag einziehen konnte. 6 Gleichwohl ist der Wahlkreis keineswegs als sicherer Besitz der Nationalliberalen zu betrachten. Insgesamt am stärksten ist vielmehr die sozialdemokratische Partei vertreten, und auch auf bürgerlicher Seite haben die Liberalen keine unbedingte Mehrheit gegenüber den Konservativen, wobei noch zu beachten ist, daß unter den Liberalen wieder die Freisinnigen die Mehrheit haben, wie die Wahl von 1898 zeigte, wo der von ihnen selbständig aufgestellte Kandidat es auf 5479 Stimmen brachte; sie haben aber seitdem auf einen eigenen Kandidaten verzichtet. Bei der Hauptwahl von 1903 erhielten: der Sozialdemokrat 12 817 Stimmen, der Konservative 8 268 Stimmen, der Nationalliberale 7025 Stimmen. Die Hauptwahl von 1907 zeigte folgendes Ergebnis: der Sozialdemokrat 12388 Stimmen, der Nationalliberale 10070 Stimmen, der Reichsparteiler 7722 Stimmen. Wie aus diesen Ziffern hervorgeht, mußte die jetzige Ersatzwahl nicht nur über die Stärke der in den früheren Nachwahlen zu Tage getretenen neuen roten Flutwelle, sondern auch über das gegenseitige Kräfte verhältnis zwischen Liberalen und Konservativen bemerkenswerte Aufschlüsse geben. Erfreulicherweise ist nun die Befürchtung, daß die Sozialdemokraten gleich im ersten Ansturm des Mandat erobern würde, nicht eingetroffen. Die Nationalliberalen haben gegen die letzte Wahl über 2300 Stimmen verloren, die Konservativen nur halb so viel; nämlich reichlich 1100, während der Stimmenzuwachs der Sozialdemokraten nur reichlich 1800 beträgt, also geringer ist, als der Verlust der Nationalliberalen. Dies für die Konservativen günstige Ergebnis ist um so auffallender, als sie im Wahlkreis über keine einzige nennenswerte Zeitung verfügen. Jedenfalls muß man daraus wohl entnehmen, daß es den nationalliberalen nicht gelungen ist, durch ihre Taktik bei der Reichsfinanzreform und Wahlrechtsreform konservative Wähler zu sich hinzuziehen. Das Ergebnis wäre für die Konservativen noch günstiger gewesen, wenn nicht auffallender Weise ter evangelische Arbeiterverein in Frankfurt a. O. sich in letzter Stunde gegen den konservativen Arbeiterkandidaten erklärt hätte. Nun muß die Stichwahl zeigen, ob es den Bürgerlichen gelingen wird, den sozialdemokratischen Kandidaten endgiltig zurückzuweisen. Die Konservativen haben erfreulicherweise von Anfang an erklärt, daß sie in der Stichwahl für den Liberalen eintreten würden. Da außerdem augenscheinlich eine ganze Menge bürgerlicher Wähler bei der gestrigen Wahl der Urne fern geblieben ist, die man hoffentlich bis zur Stichwahl noch aufrütteln wird, so darf man dieser mit einigem Vertrauen auf das Pflichtgefühl des Bürgertums entgegenseden. — Eine interessante Auslassung über die deutschen KaiserManöver findet sich in der englischen„Morningpost: Die Berichte der Manöver= Korrespondenten beschäftigen sic zumeist mit dem, was augenfällig ist. Aber die interessanten Eigenschaften der deutschen Armee von heute können nicht ohne weiteres mit dem Auge gesehen perden. Was wir meinen, ist, daß die Männer an der Spitze der deutschen Armee seit langer Zeit eifrig an der Frage studieren, wie kann die Armee im nächsten Kriege mit dem größten Vorteil verwendet werden. Es werden vom Kriegsministerium in Berlin oder von ihm nahestehenden anerkannten Autoritäten verfaßte„militärische Schriften angeführt, um zu demonstrieren, wie alle Studien der deutschen Offiziere ihre Anwendung auf den zukünftigen Krieg finden. Das Resultat all dieser Studien und Autersachzunggg ist, daß die beste Heeresführung von heute Napoleons Methode entschieden übertrifft, und, was noch wichtiger ist, ein moderner Feldherr vor allem darauf bedacht sein muß, seine der besonderen Ausrüstung, Bewaffnung, Geübtheit, intellektuellen Disziplin und anderen gegebenen Umständen anzupassen. Was die Resultate der deutschen Forschungen nach dieser Richtung betrifft, geht uns weniger an als die Tatsache, daß die deutschen Behörden diese Forschungen unermüdlich fortsetzen. Sollten sie morgen einen Krieg zu führen haben, so brauchen sie nicht erst zu überlegen, wie das am besten geschieht. Sie haben alles vorgedacht und brauchen nur den Gedanken in die Tat umzusetzen.„ Ausland. Köln= Meerheim statt. Aus verschiedenen Gründen mußte der bereits mitgeteilte Versteigerungstermin vom 28. auf den 29. kanntmachung der Regierung in Transvaal sind jeder zur Einfuhr in dieses Land bestimmten Kartoffelsendung in Zutunft Bescheinigungen nach bestimmten in deutscher und englischer Snrache vorgeschriebenen Mustern darüber beizugeben, daß die Kartoffel= sie zur Saat bestimmt sind, auf einem Grundstück gewachsen sind, welches von jeglicher Rebpflanzung entfernt und soweit bekannt, nie von Reblaus oder Chrysophlyctis engendungen, die nicht von diesen Bescheinigungen begleitel sind, unterliegen der Beschlagnahme und Vernichtung durch das Die Landofrtschaftskangern, sind ermächtigt, diesbeziglihe Bescheinigungen für ihren Bezirk auszusteller. Für das Handwerk. + Die Vernehmung des Leutnants Helm vom Nassauischen Pionier=Bataillon Nr. 21 vor dem Polizeigericht in Fareham wegen angeblicher Spionage in den Werken von Portsmouth hat ein bedeutend klareres Bild der Lage entrollt. Die Staatsbehörde nimmt in der Anklage nunmehr den Standpunkt ein, Herr Helm habe auf eigene Faust in unerlaubter Weise in den Besitz von Geheiminformationen über die Portsmouther Werke zu gelangen versucht, um sich später dienstlich hervorzutun und sich Vorteile zuzuwenden. Das veigebrachte Beweismaterial indessen scheint einstweilen viel ehe: den Gedanken an übergroße Harmlosigkeit des jungen beurlaubten Offiziers nahezulegen. Bemerkenswert ist, daß der Verteidiger des Angeklagten derselbe Herr Humphreys ist, der im Prozeß Crippen die Staatsbehörde vertritt. ein Zusammentreffen, das in England in Ermangelung einer ständigen Staatsanwaltschaft nicht ganz selten ist. Die Hauptperson für das Verständnis der ganzen Angelegenheit war die Zeugin der Anklage, Fräulein Wodehouse, eine englische Gouvernante, die ein Kamerad des Leutnanrs Helm in Berlin kennen gelernt hatte. Helm, der sich in einer Londoner Pension unter hochbetagten Tanten langweilte, schrieb an die Londoner Adresse dieser jungen Dame, um abends angenehmern Verkehr zu finden. Die Antwort ram aus der nächsten Nachbarschaft von Portsmouth, wo Fräulein Wodehouse mittler weile eine Stelle bei einem Arzt gefunden hatte, und enthielt die Aufforderung, am Ende der Woche auf einige Luck dor hin, nach Bratton, hinauszukommen. Die junge Dame mietete dort auch für den Leutnant Helm ein Zimmer, und dieser machte am Tage lange Ausflüge in und um Portsmouth und zeigte auf Befragen Fräulein Wodehouse ganz arglos die Notizen und Skizzen, die er als wißbegieriger junger sich im Laufe des langen Tages gemacht hatte. Fräulein Wodehouse kannte aber auch englische Offiziere vom Heere wie von der Flotte, und ob sie nun von der Spionitis befallen war oder Hintergedanken an die beiden in Borkum verhafteten Engländer hatte. von denen nach hier umlaufenden Gerüchten einer ein englischer Marine= Offizier sein soll, jedenfalls ging sie zu einem ihr nicht bekannten Marineartillerie=Offizier und zeigte den Leutnant Helm an, dem dann anscheinend eine Falle gelegt wurde, in die ahnungslos hineinfiel; er wurde beim Skizzieren eines ehrwürdigen, längst veralteten Wertes heobe achtet und abgefaßt. Bei kritischer Bleuchtung aller bisher bekannten Einzelheiten gewinnt der unbefangene Beobachter den sehr bestimmten Eindruck, daß man es hier mit einem jungen, strebsamen Offizier zu tun hat, der während seines Urlaubs lange unbeschäftigte Stunden benutzt hat, um Material für einen Wintervortrag zu sammeln und nun wegen übergroßer Arglosigkeit leicht das Opfer der Verhältnisse werden könnte. Meister= und Gesellenprüfungen. Im Laufe des Monats Oktober finden bei der Handwerkskammer zu Düsseldorf wieder Meister= und Gesellenprüfungen statt. Anmeldungen sind baldigst bei der Handwerkskammer Düsseldorf zu bewirken. Auskunft wird schriftlich und mündlich erteilt. — Barbier= und Friseurgewerbe. Die Angehörigen des Barbier= und Friseurgewerbes wird es interessieren, daß oi Handwerkskammer zu Düsseldorf beschlossen hat, vom 1. Oktober 1911 ab bei der Meisterprüfung auch die Fertigkeit im Anfer tigen von Perücken und Haarersatzteilen zu verlangen. Die Gehülfen, die sich demnächst Her Meisterprüfung unterziehen wollen, tun deshalb gut, sich rechtzeitig auch in diesem Zweige ihres Gewerbes gründlich auszubilden. Für die Landwirtschaft. X Stutenversteigerung durch die Landwirtschaftskammer. Die Versteigerung von 28 belgischen Originalzuchtstuten sowie einiger rheinisch; gezogener Stuten findet am Dognerstag, den 20 Sentember. um 10 Uhr vormittags auf dem Rennplatz zu Kokale Hlachrichten. Neuß, 17. September. Zu den Ausführungen des Herrn Dr. Hüttemann im Hansa“ Bunde erhalten wir aus unserm Leserkreise unterm 16. September eine Zuschrift, die wir, da auch wir dem in der Hansa=Bund=Versammlung vom Vorstzenden betonten Grundlatz:„audegug e, engeg pars= nachkommen möchten, gern zur Kenntnis unserer Leser bringen. Das Schreiben lautet: gestigen Versammlung des Hanshundez, von dem Hauptrednen P elche K hr. haben ein hohes Verdienst des Reichskanzlers Bülow ist, hat zu einer so enormen Blüte von Industrie und Handel im deutschen Vaterlande geführt, daß dieser Erfolg für das gesamte Eistes einseitigen Konsumentenstandpunihes den verschiadenen ländlichen Bestzklasenz, Hondern i der Hochhaltung der Interessensolidarität der pr##d#ktiven Stände liegt das wirtschaftliche Heil des Vaterlandes. Dies ist nicht nur bekanntermaßen der Standpunkt der Regierung, sondern auch zweifellos der einer großen Mehrheit der Bevölkerung im Lande und in hiesiger Gegend. * Seoo veeu H. In Zeilen Aufnahme in Ihrem geschätzten Blatte zu gewähren, damit auch diese Auffassung in der Neußer Zeitung die ihr gebührende Vertretung findet. ( Die Probefahrt des Luftballons„Neuß“ der Neußer Sektion des Niederrhein. Vereins für Luftschiffahrt findet am Sonntag Morgen gegen 10 Uhr vom Platz vor der Rheintor aus, statt. Der Ballon„Neuß“ ist aus Aluminiumstoff gefertigt. Er wird vom Fahrwart des Neußer Vereins, ss ett goführt. Die Weihe des Ballons finde nach einigen Wochen in Verbindung mit Festlichkeiten statt. vo9h Der Eifelverein hat den für morgen vorgesehenen e)( Ein schwerer Junge fiel vorgestern der Polizek in die Hände. Spitzbuben hatten sich gewaltsam Eingang in das Schützenhaus des Scheibenstandes der A####, verschafft. den Vereins= Büchsenschrank geöffnet (Militär= Modell), und Patronen gestohlen. Die Polizei begab sich mit Erfolg auf die Suche nach dem Täter. Sie nahn einen Mann fest, der zunächst, mehrere sche Namen anaab. Auf der Polizeiwache stellte sich nun heraus, daß man in ihm auch den Schwindler erwischt hatte, der vor einigen Tagen im Hause eines hiesigen Kaufmannes angeblich verdächtiges Geld„beschlagnahmte“. Außerden hatte er versucht, an der Post einem Kaufmannslehrling 200 Mark abzuknöpfen. Ein Genosse des Verhafteten ist entkommen Die Gewehre sollten nach Angabe des„Spitzbuhen am Rhein verborgen sein, wo er abends den Mittäter treffen wollte. Das stellte sich als erfunden heraus, dagegen fand die Polizei Absuchen des Geländes zwischen dem Scheibenstand und dem Rhein in einem hohlen Baum gegenüber dem Scheibenstand eins der gestohlenen Gewehre und Patronen. Die andre Büchse ist noch nicht gefunden worden. Die Nachforschungen werden ½ Konzert unter Mitwirkung der Theater= und Humuristen- Gesellschaft„Burlesko“ findet morgen im Restaurant „Zum Amtsgericht" statt. Es sei auf die Anzeige verwiesen. Die Einhorn=Apotheke, Büchel, ist an morgigen Sonntag den ganzen Tag geoffnet, während alle, übrigen Apotheken von mittags 2 Uhr ab geschlossen bleiben. Wettervorhersage. Es ist zu erwarten am: 18. September: Erst bedeckt, dann heiter, warmer, windig. 19. September: Vielfach heiter, normal mäßig warm. 20. September: Wolkig mit Sonnenschein, warmer, angenehm. 21. September: Bewölkt, ziemlich warm, schwül, regendrohend. letzte Ilachrichten und Telegramme der„Hleußer Zeitung“. Zur Fleischnot. Berlin, 17. Sept. Der preußische Landwirtschaftsminister Freiherr von Schorler=Lieser bereitet zur Ergänzung seiner Antwort an die Abordnung des deutschen Verbandes und die Mitteilungen in der„Nordd. Allg. Ztg. eine umfangreiche Darstellung über den Stand der Fleischfrage mit einem großen Zahlenmaterial vor. Jahrhundertseier in Mexiko. Berlin, 1. Sept. Die„Nordd. Allgem. Ztg.“ meldet: Der Kaiser richtete an den Präsidenten von Mexiko ein Telegramm, in dem er ihm und der mexikanischen Nation zur Jahrhundertfeier der Unabhängigkeit des Freistaates seine und des deutschen Volkes warmste Glückwünsche ausspricht. Das im Namen des Kaisers aufgestellte Denkmal Alexander von Humboldts möge stets ein Wahrzeichen der Freundschaft und gegenseitigen Hochachtung zwischen Deutschland und Mexiko sein Zum Zeichen seiner persönlichen Wertschätzung für Porfirio Diaz verlieh der Kaiser dem Präsidenten die Kette zum Grokkreuz des Roten Adlerordens.— Auch zum 80. Geburtstag des Präsidenten am 15. September hat der Kaiser Porfirio Diaz telegraphisch beglückwünscht.— Der Präsident richtete an den Kaiser ein Telegramm, in welchem er ihm im Namen des mexikanischen Volkes und der Regierung, zugleich aber auch in seinem eigenen Namen für die Ueberweisung der HumboldtStatue den lebhaftesten Dank abstattet und hervorhebt, daß die Statue mit großer Feierlichkeit auf einem der schönsten Plätze der Haupstadt aufgestellt worden sei. Kaiser Wilhelm in Ungarn. Kisköszeg, 16. Sept. Der deutsche Kaiser ist im Hofzuge um 1¾ Uhr heute nachmittag hier eingetroffen und am Bahnhof von Erzherzog Friedrich und der Erzherzogin Isabella empfangen worden. Die Fürstlichkeiten fuhren alsbald mit einem Schiff an das jenseitige Ufer, auf dem sie sich gleich auf die Pürsche begaben. h. Budapest, 17. Sept. Nach der Pürsch fand beim Erzherzog Diner statt. Heute beginnen die großen Jagden in Bellie. . Fernfahrt des P. 6. München, 16. Sept. Das Luftschiff.„P. Nachmittag unter Führung des Oberleutnants Stelling eine Fernfahrt nach dem Chiem=See. Nach einer Schleifenfahrt über Prien und nach einem Besuch von Herrenchimsee nebst der Fraueninsel überquerte das Luftschiff die ganze Breite des großen Sees, fuhr bis Traunstein und kehrte dann über Wasserburg nach München zurück. Die ganze 200 Kilometer weite Fahrt dauerte 4½ Stunden und verlief durchaus glatt, obwohl streckenweise starke vertikale Luftbewegungen Rebelbden und Wirbelwinde herrschten. Handels-Zeitung. Bustich Veneh vralfe I Neue Kartofeln 50 Klo 4. 320-370 .*" an JnIK.., K0 AN. 2 77.—3 Heu 50 Kilo.„ 2,70—3,20 Luzernerheu 50 Kilo„ 3,70—420 Krummstroh 500 Kilo. K 17,— Breitdruschstroh 500 Kilo„ 19.— Butter Kilo„„„ 2,60 Eier 100 Stück„ 10,— 50 Bürsten- und Pinselfabrik von Joseph Zimmermann. Michaelstr. 35, in eigener Werkstätte angefertigt. — Bürsten für den Haushalt.= Neuanfertigung und Reparaturen für sämtliche technische Bedarfsartikel. Neuer Weizen 100 Ko. 1. Qu. 20 * Neuer Roggen 100 Ko. 1. Neuer Hafer 100 Ko. 1. Alter Hafer 100 Ko. 1.„ 15 60 2.„ 14 60 Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämtlicher Fruchtgattungen v erond er. Preisnotierungen der Neußer Müller. Neuß, 17. September. 5 Rüböl 100 Kilo in Partien von 100 Ztr.(ohne Faß)„ 60— Rüböl 100 Kilo faßweise(ohne Faß) 62 Gereinigtes Rüböl 3 Mk. mehr Rübkuchen 1000 Kilo große waggonweise. 2 kleine„ 3 Raps wurde je nach Beschaffenheit mit 20.— bis 22.— Mk. bezahlt. Rüböl und Kuchen unverändert. Köln, 16. Sept. Rüböl in Posten von 5000 Kg. 61,00 B., Okt. Luzernerhen 8.00—8.50, Wiesenhen 5,80—6,50, Richtstroh(Flegeldrusch) 4,00—4,50, Krumm= und Preßstroh 2,80—3.20 die 100 Kil. Köln, 16. Sept. Nachmittags=Getreide= und Mehlhörse. Weizen, hiesiger 20,00—20,25, fremder 22,25—23,00. Roggen, hiesiger 14,60— —15,10, fremder 16,90—17,80, Hafer, hiesiger 14,75—15,75, fremder 16.00 bis 17,50, Futtergerste 11,80—12.25. Mais, grober 14,40—14.9“, mittel 14,75—15,10, Cinquantino 17,25—17,90, Weizenmehl 000 28,25—00.00 Roggenmehl 0 mit Sack 21,50—22,25, Kleie m. S. 8,00—11,00, Grand m. S. 8,00—8,60, Bollmehl m. S. 11,00—13,00, Palmkuchen m. S. 12.60— 00,00, Leinmehl m. S. 17,60—18,00, Baumwollsaatmehl m. S. 16,10, Biertreber m. S. 12,00—12,50, Trockenschnitzel 00,00, Zuckerschnitzel m. Dortmup“, 1° Sept. Getreidebörse. Westf. Weizen 19.15—19,85, westf. Roggen 14,20—14,70, fremder Weizen 22,30—23,60, fremder Roggen 17,00—18,30, fremder Hafer 16,70-18,50, guttergerste 12,00—12,40, Mais, mired 15,30, runder 14,70—14,90, Cinquantino 18,50 die 100 Kilo frei Eisenbahnwagen Dortmund; Weizenmehl 000 28,10 30,00, Roggenmehl 0 21,60—22,60, Speisebohnen 29,00—36,00, Viktoria=Erbsen 28,00— 33,00, Linsen 20,00—32,00 die 100 Kilo einschl. Sack frachtsrei Dortmund, alles bei Abnahme von 10 Tonnen. 66 W— 80 00 Magdeburg, 16. Sept. Kornzucker 88% 00,00—00,00, 75% 00,00 00,00, flau. Rohzucker zur Durchf. bordfrei Hamburg Sept. 12,25 12,15 G., 00.00 bz., Okt. 11,05 B., 11,02 G., 00,00 bz., Okt.=Dez. 11,02 B., 10,97 G, 11,00 bz., Jan.=März 11,10 B., 11,05 G., 11,07 bz., Mai 11,22 B., 11.17 G., 11.25 bz., Aug. 11,37 B., ½½32 G., 11.30 bez, flau. Brodrafsin. la 25,00 00,00, Kristallzucker la 00,00, gem. Raffin. 24,75— 00,00, gem. Melis 24,25—00,00, bei Posten aus erster Hand, geschäftslos. Berlin, 16. Sevt. Fruchtmarkt. Weizen Sept. 199,50(199,75), Okt. 197,50(198,25), Dez. 198,50(199,25). Roggen Sept. 149,25(149,75), Okt. 151,00(150,50), Dez. 153,50(153,00). Hafer Sept. 147, 5(147,00), Dez. 152,50(153,00). Mais Sept. 000,00(0 0,00), Dez. 000,00(000,00). Weizenmehl 24,50—28,00. Roggenmehl 21,00—00,00. Rüböl Sept. 00,00 (00,00), Okt. 59,30(59,40), Dez. 59,20(59,30). Hamburg 16. Sept. Weizen flau, Mecklenburger und Ostholsteiner Seit. Okt. 200. Roggen flau, Mecklenb. und Altmärk. 140—152, russ. eif 9 Pud 10/15 Pfd. Sept.=Okt. 104. Gerste flau, südruss. cif Sept. 92,50. Hafer ruhig, Holsteiner und Mecklenb. 163—175 Mais matt, amerikan. mixed Sept 111.5, La Plata cif Sept.=Okt. 100.3). Rüböl stetig, 61,00. Spiritus fest, Sept. 22,00 G., Sept.=Okt. 21,50 G., Okt.=Nov. 21,50 G. Petroleum(amerikan.) spez. Gewicht 0,800 schwach, 6.00. Salpeter ruhig, 8.87½, Nov.=Dez. 9.05, Febr.=März 9, 32½.— 161 Hamburg, 16. Sept. Kaffee stetig, Sept. 47¼, Dez. 46 ¾, März 46¼, Mai 46¼/ G. Kaffee in greifbarer Ware ruhig.„ Bremen, 16. Sept. Schmalz, vorr., Tups und Firkins 64¼, DoppelAutwerpen, 16. Sept. Kaffee fest, Sept. 60½, Dez. 60¾, März 60, Chieago, 16. Sept. Getreidemarkt. Weizen Sept. 95¾(94¾). Dez. 99⅝(98⅝), Mai 105⅝(114¾), Juli—(—). Mais Sept. 55½ (56¼), Dez. 53½(54⅛), Mai 56⅜(57¼), Juli—(—). Hafer (35¼), Mai 38¼(38¼). Roggen vorr. 73¾(73), Sept.—(—). Leinsaat Sept. 2,76(2,78), Okt. 2,64½(2,68). New=York, 16. Sept. Getreidemarkt. Weizen Sept. 103¼(101 3/8), Dez. 106⅞8(105⅛), Mai 111¼(109 3/8), Juli—(—). (64¾). Dez. 61¾(63), Mai 64¼(—), Juli—(—). Mehl spring wheat 4,20(4,.20). Getreidefracht nach Liverpool 1½(1½). Roggen vorr. „New=Hort, 16. Sept. Baumwolle. Baumwolle vorr. 1390(1380), Sept. 13.72(13,61), Okt. 13,23(13,14), Nov. 13,16(13,67), Dez. 13,15 (13,06), Jan. 13,11(13,11), Febr. 13,14(13,04), März 13,18(13,09), April —.—(—.—), Mai 13,23(13,12), Juni 13,21(13,10), Juli 13,19(13,09). Viehmärkte. Düsseldorf. 16. Sept. Wochenauftrieb zum Schlachtviehmarkte: 52 Ochsen, 417 Kühe und Rinder, 64 Bullen, 453 Kälber, 2057 Schweine. Eingeführtes holl. Fleisch: 320 Viertel Großvieh, 64 Kälber, 00 Schweine. Am 12. Sept.: Preise per 50 kg Schlachtgewicht. Auftrieb: 52 Ochsen, 332 Kühe und Rinder, 40 Bullen, 0 Kälber, 1162 Schweine, eingeführtes holländ. Fleisch: 132 Viertel Großvieh, 0 Kälber, 00 Schweine. Ochsen: a. 92—00, b. 85—88, c. 77—82. Kühe und Rinder a. 80—83, b. 76—78, c. 72—74, d. 64—68. Bullen a. 78—80, b. 72—74, c. 68—70. Kälber, Doppellender 00—00. o. 00—00, b. 00—00, c. 00—00. Schweine nach Lebendgewicht mit 20 Proz. Tara: a. 69—00, b. 67—68, c. 62—64 M. Ausgesuchte und vorgezeichnete Tiere sämtlicher Gattungen höher. Tendenz: Ochsen, Kühe, Bullen und Schweine mittelmäßig. Am 14. Sept. Auftrieb: 0 Ochsen, 85 Kühe, 24 Bullen, 174 Kälber, 895 Schweine, eingeführtes holl. Fleisch: 188 Viertel Größvieh, 46 Kälber, 00 Schweine. Preise: Ochsen a. 00—00, b. 00—00, c. 00—00. Kühe und Rinder a. 80—00. b. 75—77, c. 70—72, d. 64—68. Bullen u. 00—00, b. 72—75, c. 68—70. Kälber, Doppellender 115—00. a. 100—105, b. 95— 97. c. 85—90. Schweine a. 70—00, b. 68—69. c. 63—65 M. Ausgesuchte und vorgezeichnete Tiere sämtlicher Gattungen höher. Tendenz: Kühe, Bullen und Schweine mittelmäßig, Kälber lebhaft.„„„ Am 16. Sept. Auftrieb: 279 Kälber. Preise: Kälber, Doppellender 115—900, u. 100—105, b. 95—97, c. 85—90 M. Ausgesuchte und vorgezeichnete Tiere höher. Tendenz: Kälber lebhaft. Mörs, 16. Sept. Dem gestrigen Schweinemarkt waren zugeführt 780 junge Schweine bis 6 Wochen alt und 70 Faselschweine bis 5 Monate alt. Saugschweine kosteten durchschnittlich per Alterswoche 2.00—2,50, Faselschweine 33—51 M. das Stück je nach Alter und Qualität. Ueberstand. Nächster Schweinemarkt am 6. Okt. 676. 290 Geldern. 15. Sept. Schweinemarkt. Zugeführt 380 Stück junge Schweine. Der Preis für die Alterswoche stellte sich durchschnittlich auf 2,00—2,50, Schöttlinge das Stück 25,00—.36,00 M. Handel lebhaft. Kohlen. Wagengestellung am 15. Sept. Im Ruhrbezirk gestellt 24689, gefehlt 00.— Aachener Kohlenbezirk(Wurmrevier) gestellt 730, gefehlt 00.— Saarbezirk gestellt 2869, gefehlt 00.— Rheinischer Braunkoylenvezirk, gestellt 1244, gefehlt 00.— Im oberschlesischen Revier gestellt 8691, gefehlt 00 Wagen. Amtliche Wechselzinssätze der Notenbanken vom 16. September. Amsterdam 5. Belg. Plätze 3 1/8., Deutsche Plätze 4. Kopenhagen 5. Lissabon 6. London 3. Italien. Plätze 5. Madrid 4½. Paris 3. Petersburg 4½. Schweiz. Plätze 3½. Wien 4. Börsen=Wochenbericht. Neuß, den 16. September 1910. Da die Zinsscheine der Hypothekenband=Pfandbriefe bereits vom 15. cr. eingelöst werden, hatten die Hypotheken= nach Mitteilung der Bergisch= Markischen Bank N bereits am 14. cr. große Beträge auf den nachsten Tag kündigt, was den Zinsfuß für tägliches Geld, das letzthin auf 2½ zurückgegangen war, wieder auf 3½ Prozent anziehen ließ Auch der Privatsatz zog weiter auf 3 7/8 Prozent an, sodaß zwischen diesem und dem Reichsbanksatz, nug gg. eae ½ Prozent besteht. Die internationale Geldflüssigkeit besteht aber nach wie vor, da die großen Geldinstitute sich zeitig mit reichlichen Mitteln vorgesehen hatten, die Ansprüche sich aber in mäßigen Grenzen hielten. Man rechnet auch damit, daß der Herbsttermin ohne Schwierigkeit überstanden wird. Günstig lautende Gerüchte über den Abschluß der A hatten in der abgelaufenen Berichtswoche wieder eine Befestigung für elektrische Werte hervorgerufen. Das vorigwöchige lebhafte Geschäft in Bergmann und Siemens Aktien ist wieder Der Abchlaß des Phönix und die Ausführungen in seinem Geschäftsbericht fanden gute Aufnahme. Man rechnet damit, daß die großen Montagegesellschaften an den Verbänden festhalten werden. Während für Phönix, Gelsenkirchen, Deutsch, Lux. und Rombach viel Interesse. bestand, traten ganz in den Hintergrund. Infolge nochmaliger Zinkpreise konnten Hohenlohe wieder anziehen. Bemerkenswe war wieder das wilde Spiel in Oberschlef. Sggswegegitzer, n##e dabei bis 5 Prozent im Kurse schwankten. Das Gerücht, daß bei der Auer: Gesellschaft ein neues Loeschaft Hergfrgg bei großen Umsätzen den Kurs vorübergehend bis 24 Prozeut anziehen, zum Schluß schwächten sich diese Aktien jedoch wieder um 14 Prozent ab. Die Nachricht über einen guten Geschäftsgang war auch Grund zu größeren Käufen in Aluminiug=Akt. die infolgedessen 2½ Prozent, im Kurse gewannen. Ferner kannten Donnersmarchütte 3¼ Prozent,„Friedrichesegen. Prozent und Hugo Schneider 14 Prozent profitieren. büßten durch den Dividendenrückgang Düsseldorfer Eisenhütte Die zuversichtls. Stimmung auf dem Markt für, Kaliwerte sen Kuxe KK 1400.— und Wilhelmshall Kuxe KK 1600.—. Später trat eine kleine Abschwächung ern.. 4146 demensierte: Falsogesgerichte, iher Kursteigernung vor g Lhäödhen müßten Gref, Schwerin von der vorigährigen Steigerung 500.— nachgeben. Auswahl in Flechten, UnterZur Haarmanufaktur!II lagen, Chingon-Locken u. s. w. Mache besonders auf meine Muster- Anfertigung aufmir garantert narurlichem Aussehen, der Frisur und Kopfform anpassend, der Mode entsprechend. 10jähr. Erfolg. Separater Damen-Salon zum Champonieren, Frisieren, Ondulieren, Färben und Bleichen. Perrückenmacher, Dawen- II. Engelharar. der Bahn. Freitag Vormittag 11½ Uhr entschlief nach längerem, schwerm, mit grosser Geduld ertragenem Leiden, nach bereits 26jähriger glücklicher Ehe, mein herzensguter, treuer Gatte, Bruder, Schwager, Onkel und Schwiegersohn Herr Daniel Passek, Kgl. Zugführer, im 52. Lebensjahre. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Neuss, Berlin, Breslau, Liebau i. Schl., Stettin, Tannendort b. Königgrätz, den 16. September 1910. Danksagung. Für die Beweise herzlicher Teilnahme und die vielen Kranzspenden bei dem Verluste meines lieben Gatten, unseres unvergesslichen Vateis, sagen wir Allen unserentiefgefühlten Dank Wwe.Heinr. Tieves nebst Kinder. Zum 1. Oktober wird ein gewandtes Zweitmädchen gesucht Erststraße 48. Sehülls und Sehrwäihen für Krawatten sofort gesucht. Die Expedition sagt wo. Die Beerdigung findet am Sonntag Nachmittag 2½ Uhr, vom Sterbehause, Stationsgebäude, aus statt. Zum 1. Oktober junges Mädchen gesucht, welches zu Hause schlafen kann Neustraße 14. Braves, fleißiges Mädchen für kleinen Haushalt per sofort oder 1. Oktober gesucht. Frau Werner Schmidt, Nordkanalallee 44, I. Sauberes, fleißiges Zweitmädchen (gesucht. ic###(6583 Bekanntmachung. Die Firma Dr. Terwelp& Comp., ). zu Neuß, beabsichtigt, auf ihrem Fabrikgrundstücke Verein, einget## Leme Titze in Rasellen, f la ndes ein In das hiesige Genossenschaftsregister ist heute bei Nr. 6 Rosellener Spar, nad„Derlekgekaffen traße der Gemeinde Neuß eine Dampfstampfe aufzustellen. Einwendungen gegen dieses Vorhaben sind binnen einer am 19. d. Mts. beginnenden Frist von vierzehn Tagen schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll bei dem Unterzeichneten anzubringen; nach Ablauf dieser Frist können Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden. Beschreibung, Zeichnungen und Plan der beabsichtigten Anlage liegen während der Dauer der Einpruchsfrist auf dem Verwaltungsbüro des Rathauses — Hauptgebäude Zimmer No. 1— offen. Zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig ersobenen Einwendungen wird vor dem Unterzeichneten Termin auf Dienstag, den 4. Oktober dss. Is. vormittags 11 Uhr, im Rathause zu Neuß— kleiner anberaumt. Die Unternehmerin und die etwa Widersprechenden werden zu diesem Termine hiermit unter der Verwarnung geladen, daß im Falle des Ausbleibens des einen oder anderen Teiles gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Neuß, den 16. September 1910. Namens des Kollegiums von Bürgermeister I H.inschnslen und Beideorbucten Der Vorsitzende: Gielen, Bürgermeister. getragen worden: An Stelle der aus dem Vorstande Lld Ghedenden Mdgieder Brnoh Schonen ur. 8. und Johann Peter Anton Küchenberg, Kuckhof und Adolf Müll, Reeeller jeide in den Vorstand gewählt worden. Neuß, den 10. September 1910. Königliches ucht Kanfmann für die Abend tunden. Gefl. Offerten unter A4 6 an die Expedition. Selbständiger, besserer Müller sucht baldigst Stellung. Näheres durch Bern. Knöbel, Langendreer i. W.(6549 Verbeirateter Müller, 28 Jahre alt, in seinem Fache Mühlenstraße 147. Müller gesucht. Guter Lohn bei freier Station. V. Hencken, Walzenmühle, Odenkirchen Ein tüchtiges Mädchen für Küche und Hausarbeit per 1. Oktober gesucht. Fran Karl Steins, Neuß, Drususstraße 37. ach, Mehrere Sachmaschinen-Näherinnen gesucht. Rich. Kemperdick G. m. v. H. Krefelderstraße 2.. Für sofort gegen guten Lohn Müller für Kundengemahl, der Häckselschneiderei mit helfen bedienen muß, gesucht. Durchaus brave, nüchterne u. zuverlässige Leute ges. Alters wollen sich unter N W 68 an die Geschäftsstelle wenden. Eotl. freie Wobnung ohne Kost. Ein Htüges Mäüter für Küche und Hausarbeit gegen hohen Lohn per Oktober gesucht Wo, sagt die Expedition. Herren= und Anaben=Garderobe Verlaaunt zzun selhr Hölligem Preisem Herren-Anzüge Horron,Anzüge aus modernen Fatasie-Stoffen. 1475 Herren-Anzuge gut gearbeitet, starke Zutaten 17 Mk. Herren-Anzüge aus guten Kammgarn-Stoffen 0100 Horvon-Allzuge in modernstem Schnitt... 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Der Vorstand. Sonntag, den 18. September 1910, bei günstiger Witterung Ausflug mit Damen nach dem Siebengebirge(Margarethenhof). Treffpunkt 8 Uhr morgens am Bahnhof. Die Leilnehmer v, gebeit= ein Sonntagskarte 1 Jarmi9, Liasekr ssechter nach Königswinter zu lösen./2 Gas= u. diverse elektrische Der Vorstand. 1.—. Lampen s Vorstans.— billigst zu verkaufen. Neuß, Ecke Crefelder und Capitelstraße. 10 eiserne, Winkelträger mit Stützen und Bolzen, 1 Sprengschlauch, Waschmaschine, handkarre, 1 Kasse, Stehpult, Jarmig. Gas=Kronleuchter, XK KKIRKKATTTTTT Neußer Garde=Verein Am Sonntag, den 18. September, von nachmittags 3 Uhr ab Preis-Schiessen auf der Scheibenbahn der Scheiben-Schützen- Gesellschaft. Schluss der Schiessliste punkt 6 Uhr. Abends 8 Uhr im Saale des Hôtels Berghaus stätt. Preisverteilung mit anschliessendem Tanzkränzchen. Vereinsabzeichen sind anzulegen. Einführungen durch Mitglieder gestattet. DelhovenerKirmes. Sonntag, den 18. und Dienstag, den 20. September, findet in meinem neu dekorierten Saale: Tanzmusik Montag, den 19. September Ball Es ladet ergebenst ein Caspar Krieger. Neusser Arbeiterwohnungs-Genossenschaft e G. m. b. H. in Neuss. Die erdentliche Generalversammlung findet statt Senntag, den 25. September 1910, vormittags 11½ Uhr, in dem kleinen Saale der Bürgergesellschaft, Niederstrasse, hierselbst. Tages-Ordnung: I. Geschäftsbericht. " Verlage der Bilanz nebst Gewinn- u. Verlustrechnung. Entlastung des Vorstandes und Aufsichtsrates 4. Festsetzung des auf die Mitglieder entfallenden Gewinnes. S. Ersatzwabl der ausscheidenden Aufsichtsratsmitglieder a Aufnahme einer Anleihe auf zu erbauende Iäuser. „z, Gewynn, und Verlustrechnung liegen bei unWngicht vien..... Herrn Carl Wingenar., zur Neuss, den 17. September 1910. Der Aufsichtsrat: Rechtsanwalt Geller, Vorsitzender. Sommer getränk wohlschmeckend und gesund, bereitet man sich durch Zuguß von Prestinze ärztlicher Magenbitter zu Zuckerwasser oder kohlensaurem Wasser. Cafelklavier wegen Mangel an Raum für Mk. 40.00 zu verkaufen. Wo, sagt die Expedition. Gebraucier Lutert. Gashoher billig zu verkaufen Breitestr. 70. ute, Khöne, indiche Ladenter zu verkaufen Oberstr. 119. Morgen Sonntag, den 18. er. Konzert Matinéo v. 11—1 Uhr Nachmittags v. 5 Uhr an Entree 30 Pfg. Restaurant„Zum Amtsgericht, Breitestraße 40. Sonntag, den 18. September: Großes humoristisches Konzert unt. Mitwirkung d. Theater=u. Humoristen=Gesellschaft Burlesko. Entree frei. Mobilarverkauf zu Neuß. Montag, 19. Sept. er., morgens 10 Uhr, werde ich im freiwilligen Auftrage im Restaurationslokale von Prsteiggen. zu Reug, Oberstraße, öfentlich gegen bar 1 Plateauwagen, fest neu, ca. 60 Itr. Cragkraft, 1 kompl. Reitgeschirr, 1 vollst. Schlafzimmer=Einrichtung in Nußbaum, mit Kleiderschrank. Waschkommode mit seinem Spiegelaufsatz, Nachtskonsol, 1 Sofatisch, 6 Nutzhaumstühle, schöne Pendule-Uhr mit Schränchen, Wanduhr, mehrere Oelgemälde, 1 Bild(Jagdstück), Dauerbrandosen 2c. 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Deutschland. = Von der Zigaretten= Industrie. Nach den Mitteilungen der Steuerbehörden war das Geschäft in der Zigarettenindustrie zu Beginn des Jahres 1909 sehr still. Sobald jedoch entschieden war, daß von den zurzeit des Inkrafttretens des neuen Steuergesetzes im freien Verkehr befindlichen Zigaretten eine Nachsteuer nicht erhoben würde, belebte sich das Geschäft ganz außerordentlich. Die Folge der umfassenden Bestellungen war, daß in den ersten Monaten der Geltung des neuen Steuergesetzes der Absatz ziemlich stockte. Daß aber die Zeit der Stille nur verhältnismäßig kurz war, ist darauf zurückzuführen, daß der Verbrauch an inländischen Zigaretten trotz der Steuererhöhung weitere Fortschritte gemacht hat. Die Erhöhung von Zoll und Steuer bewirkte auch einen nicht unerheblichen Rückgang der Einfuhr. Insgesamt sind im Jahre 1909 im deutschen Zollgebiete 6,9 Millionen Tausend Zigaretten, oder gegen das Vorjahr 0.8 Millionen Tausend= 14 v. H. mehr hergestellt worden. Die Steigerung der Erzeugung wie auch des Absatzes entfiel ausschließlich auf die Großbetriebe. Durch weitgehende Ersetzung der Hand= durch Maschinenarbeit konnten sie die Herstellungskosten bedeutend verringern; infolgedessen waren sie imstande, auch nach der Steuererhöhung zu den alten Preisen weiter zu liefern. Die schon bisher nicht günstige Stellung der Kleinbetriebe wurde auf diese Weise noch weiter erschwert, Unter diesen Umständen ist es auffällig, daß sich im Jahre 1909 die Zahl der neuen Zigarettenfabriken von 956 auf 1035, also nicht unerheblich vermehrt hat. In der Hauptsache handelt es sich hierbei um Geschäfte kleinster Art. in denen ohne Hilfskräfte die Herstellung von Zigaretten vielfach nur als Nebenerwerb betrieben wird. Inhaber der Betriebe sind vielfach Arbeiter, die infolge der Einführung der Maschinenarbeit entlassen wurden, dann aber auch, namentlich in den großen Städten, Musiker, Stadtreisende u. dergl., Personen, welche die angefertigten Zigaretten in den Gasthäusern unterzubringen suchen. Luftschiffahrt. Wissenschaftliche Fahrten des Niederrhein. Vereins für Luftschiffahrt. Gelegentlich der großen wissenschaftlichen Wochen, welche die Internationale Kommission für wissenschaftliche Luftschifffahrt im Dezember vorigen Jahres und im August d. Is. anstaltet hat, sind von seiten des N. V. f. L. auch zahlreiche Ballons zur Erforschung der Temperatur= Verhältnisse der oberen Luftschichten über der Rheinprovinz hochgelassen worden. Die Ergebnisse dieser Forschungen sind nunmehr bearbeitet und gestatten einen interessanten Vergleich über die Temperaturverhältnisse der Luft dieser Gegend während der Sommers und Winter= Monate bis zu den den Höhen von 4000 Meter. Man weiß ja im allgemeinen, daß die Temperatur nach der Höhe zu fast regelmäßig abnimmt, und daß das Abnehmen ungefähr im gleichen Verhältnis steht mit der unten gemessenen Temperatur. Wenn man also, wie das an einigen Tagen des Dezembers der Fall war, unten an der Erde+ 5° mißt, so ist man berechtigt, in 3000 Meter Höhe etwa die Temperatur von— 10 zu erwarten. Zeigt dagegen unten das Thermometer— 2°, so wird man in derselben Höhe oben— 17°, erwarten. Die im Dezember gemachten Beobachtungen zeigen, daß an fast keinem Tage diese mittleren Werte, die man erwarten mußte, zu finden waren. An den 3 ersten Tagen, wo unten auf der Erde ungefähr 5° abgelesen wurde, wurde in 3000 Meter Höhe festgestellt am Montag— 14°, am Dienstag — 16° und am Mittwoch sogar— 22½°, hingegen wurde an den beiden letzten Tagen der Woche, am Freitag und Samstag, als unten etwa— 2° Temperatur herrschten in derselben Höhe, wo also 17° erwartet wurden, an beiden Tagen nur—.5° angetroffen. Man sieht aus diesen hohen Differenzen, daß die Temperaturverhältnisse der Luft sehr viel verwickelter sind, als man es wohl in der Regel annimmt, und daß die Temperaturen auch in großen Höhen sich sehr schnell ändern, so daß schon im Laufe von 24 Stunden auch in 4000 Meter Höhe Aenderungen von 10° zu verzeichnen sind. Der interessanteste Tag für die wissenschaftlichen Messungen der Winterwoche war entschieden der Mittwoch, denn während dieses Tages stieg das Barometer sehr stark und es machte sich während der Fahrt ein Witterungsumschwung bemerkbar, der sich auch in den Temperaturen ausdrückt. Das Wetter als solches war für die Aufstiege durchaus nicht günstig, die Regenwolken reichten schon bis 150 Meter herunter. Die in dieser Höhe erreichte Nebelschicht ging bis zu 800 Meter Höhe, dann begann eine 1300 Met. dicke Wolkenschicht, die erst in 2100 Meter Höhe durchstoßen war. Darüber war die Sonne sichtbar, doch war sie stark durch Eisnadeln verschleiert, die dauernd herunterfielen. Während der ganzen Fahrt war die Luft fast bis 3400 Meter Höhe mit Feuchtigkeit gesättigt. Der zweite Ballon, der 2½ Stunden später fuhr, kam schon 120 Meter über dem Erdboden in die erste Wolkenschicht und durchstieß dieselbe in 750 Meter Höhe. Die Wolken bildeten eine geschlossene Decke, die Sonne schien ungetrübt, und auch die vorher erwähnten Eisnadeln waren verschwunden, nur einige Kumuluswolken befanden sich noch über der Wolkendecke. Dieser Ballon hatte stark mit absteigenden Luftströmungen zu kämpfen und fand in niederen Höhen sehr viel niedrigere Temperaturen wie der erste Ballon. Während der erste die Temperatur von— 9° in 2300 Meter fand, fand der zweite schon in 1600 Meter— 9°;— 12° erreichte der erste Ballon in 2700 Meter, der zweite bereits in 1900 Meter usw. Die ganzen kalten Luftmassen waren also im Laufe der 2½ Stunden ungefähr um 800 Meter nach unten gesunken. Ueber die ebenso interessanten Sommerbeobachtungen wird demnächst berichtet werden. Dr. Bamler. () Die Verwendung von Aeroplanen bei den französischen Manövern hat im großen und ganzen befriedigende Ergebnisse geliefert. Namentlich ist der Höchstkommandierende der einen Armee. General Meunier, durch Meldungen, die mittels Beobachtung von einem Doppeldecker Farmanschen Systems, wie die Berichte sagen, in wertvoller und ausgiebiger Weise unterstützt worden. Eine gute Beobachtung war in diesem Falle möglich, weil der Beobachtungs= Offizier den Flugapparat nicht selbst zu bedienen hatte, sondern die dazu nötigen Verrichtungen seinem Begleiter, einem im Luftschiffdienst ausgebildeten Unteroffizier, überlassen konnte. Das Luftschiff der Gegenpartei, ein Eindecker des Systems Bleriot, hat zwar auch einen Teil des ihm zur Erkundung überwiesenen Gebiets durchflogen; die Beobachtungen waren aber, weil der Flieger Pilot und Spion in einer Person sein mußte, recht unbestimmt und lückenhaft. Aber auch wenn man die günstigen Urteile, die infolgedessen über den in der französischen Armee hauptsächlich ausgebildeten Fliegertyp gefällt worden sind, in der Hauptsache gelten läßt, so bleibt doch ein Mangel, der namentlich im Ernstfalle recht bedenklicher Natur ist. Um nämlich vor feindlichem Gewehrfeuer in Sicherheit zu sein, muß sich der Flieger in eine Höhe von mindestens 1500 Fuß erheben. Die Beobachtungen aus so beträchtlicher Höhe sind außerordentlich erschwert und ihre Ergebnisse fragwürdiger Natur. Bei dem Auftrage, den General Meunier erteilte, wußte der Offizier des Farmanschen Doppeldeckers, daß es feindliche Stellungen waren, die er überfliegen und erkunden sollte. Im Ernstfalle würde sich die Schwierigkeit ergeben, zunächst darüber ins Klare zu kommen, ob man bei den Beobachtungen die eigenen Truppen oder die des Gegners unter sich hat. Das zweifelsfrei zu entscheiden, wird nicht immer leicht sein, wenn der Ballon Höhenlagen aufsuchen muß, die ihm vor dem Gewehrfeuer Sicherheit gewähren. Im übrigen haben die bei den französischen Manövern verwendeten Aeroplane durch ihr Erscheinen eine förmliche Revolution hervorgerufen. Ein Berichterstatter sagt: Sobald das Luftfahrzeug am Horizont sichtbar wuror, schien im ganzen Gelände die Bewegung aufzuhören. Gleichsam einer plötzlichen Eingebung folgend, hielten die Soldaten mit ihren Hantierungen inne, die Kanoniere verließen ihre Geschütze, Infanteristen unterbrachen ihren Marsch, die Kavalleristen brachten ihre Pferde zum Stillstand, Offiziere aller Rangstellungen und selbst Generale ließen ab von der Beschäftigung, die sie im Augenblick vorhatten, um den Flugapparat zu beobachten. In der Armee, die General Michel befehligte, hat auch der bekannte Flieger Latham, der den Rang eines Unteroffiziers bekleidete, an den Manövern teilgenommen. Ueber den Verlauf und das Ergebnis der beiden Fahrten, die er unternommen hat, ist jedoch bisher nichts bekannt geworden. Von Hlah und Fern. d Essen, 15. Sept. Hier tägte im Viktoriasaal unter dem Vorsitz des Gauvorstandes Ernst Schröder. Köln am Sonntag. 11. September ein außerordentlicher Gautag des Gaues Niederrhein= Westfalen im Deutschnationalen Hands= Gehilfen=Verband, Hamburg, der von ca. 600 Personen besucht war. Der Vorsitzende gub einen Rückblick über die im Jahre 1910 geleistete Arbeit. Besonders betonte Quitt. Skizze aus dem Leben von Paul Schnee. (Nachdruck verboten.) „Tochte der Herr das Zimmer wohl mieten.“ Fragend mit dem Ausdrucke, als ob es ihr sehr leid tun würde, wenn sie auf den respektablen Mieter verzichten müßte, ruhte das brillenbewaffnete Augenpaar der bejahrten Witwe auf der stattlichen Erscheinung des jungen Fremden Dieser stand in der Nähe des Fensters und nagte mit den tadellosen weißen Zähnen an der Unterlippe, wie einer, der mit sich selbst nicht recht ins Reine kommen kann. Die Alte wartete eine kleine Weile auf Antwort und als diese ausblieb, fing sie an, sich zu räuspern. ## Lenfelden Augenblicke bemerkte der junge Mann, wie drüben über der Straße, in gleicher Höhe an einem Mansardenfenster ein feines, blasses Frauenantlitz sichtbar wurde, sekundenlang dort verweilte, um dann wieder in dem sie umfließenden Dunkel unterzutauchen. Auffallend schnell war er darauf vom Fenster hinweg in Mitte des Zimmers getreten und hatte sich mit raschem ungestümen Wesen an die Wirtin gewendet. „Gewiß will ich das Zimmer behalten, auf vier bis acht Wochen oder länger. Wir sprechen noch darüber" Seitdem waren vierzehn Tage vergangen.— Heller goldener Sonnenschein flutete herein durch das hochgewölbte breite Fenster. Im flüchtigen Vorüber küßte er die wenigen dürftigen, verstaubten Fuchsien, die verkümmerten Primel, welche auf dem steinernen Fenstersockel in Reih und Glied standen und flammte auf in leuchtendem Feuer an dem blanken Reißzeuge des jungen Mannes, der über den Tisch geemsig an einem halbfertigen Entwurfe zirkelte. Da Postbote steckte den Kopf durch die Türspalte: „S' ist ein Eilbrief, Herr Meiling.“ Hastig erbrach dieser das Schreiben und überflog den Inhalt. Hemdenärmlich, beide Hände in die Hosentaschen versenkt sah er dann nach oben in das tiefe, milde Himmelsblau. Von herauf drang das Getöse der Großstadt in die stille Heimlichkeit des traulichen Junggesellenstübchens. Ueber die rauchgeschwärzten Giebel, an windschiefen Schornsteinen vorpei und hohen Firsten, über altersschwache eingesunkene Dachrücken strich erfrischend der würzige, belebende Brodem der erwachenden Erde, denn draußen webte der Lenz in alter Weise zart und geheimnisvoll, an seinem herrlichen Kleide. Leise zitterte es nach in der Seele Meilings, jenes Klingen und Singen des werdenden Frühlings. Mit einer gewissen Heftigkeit schleuderte er die Zeichenutensilien zur Seite, um sich aufs Neue der Lektüre des Briefes zuzuwenden.„Ich halte den Kontrakt für Sie offen und kann Ihnen ehrlich raten, nach der Südküste Kameruns zu gehen. Sie finden dort Beschäftigung nach Ihrer Neigung. Die Gesellschaft, welche die Bahn von Kribi über Lolodorf, Bertua, Ngaundere bis nach Garna durchzuführen beabsichtigt, untersteht deutscher Leitung und ihre Auswanderung nach unseren aufblühenden Kolonien ist ein doppelter Gewinn für das Vaterland. Einmal kommt Ihre Arbeitskraft keiner fremden Nation zugute, sondern bleibt dem Deutschtum voll und ganz eehalten und so können Sie sich an dem Kulturwerk betätigen, ein neues überseeisches Deutfchland aufzubauen, zu entwickeln. Gewiß ein hohes Ziel, das Jeden mit gerechtem Stolze erfüllen muß.— Ihren Bescheid darf ich am Besten wohl telegraphisch erwarten?— Ihr Direktor Haberland.“ Hinaus in die Welt.— Nach Afrika, dem Lande seiner Jugendträume, wie das lockte.— War er nicht frei? Warum zögerte er also, seinem väterlichen Freunde den gewünschten telegraphischen Bescheid zu geben? Wie mit unsichtbaren Banden umzog es seine Glieder, wenn er jetzt nur daran dachte, von hier fortzugehen. Unruhig sprang er vom Stuhle auf und durchmaß das Zimmer mit langen Schritten.“ Wenn doch der Direktor vor drei Wochen geschrieben hätte.— Aus dem hohen altertümlichen Pfeilerspiegel, vor dem er stehen geblieben, trat ihm mit einem Male ein völlig Fremder entgegen, auftauchend wie ein Phantom und im Besitze der geheimnisvollen Macht, in seiner Seele zu lesen. An sein inneres Ohr drangen Worte die ihm die Schamröte ins Antlitz trieben;„Versunken in erbärmlicher Schwäche kannst Du Dich nicht herausfinden aus dem Labyrinth egoistischer Motive, die Dich zur Untätigkeit verdammen. Solange Deine Augen das Feuer der Leidenschaft blendet, Deine Kraft sich verzehrt in Faulheit, kann aus Dir niemals etwas Gesundes reifen. Raffe Dich auf— mache Frieden mit deiner Seele.“ Wenn er das gekonnt hätte. Er mußte laut auflachen. Das Bild im Spiegel quittierte mit einer häßlichen Grimasse. So wurde er verstimmt und nahm die Wanderung durch das Zimmer wieder auf; zuerst schneller soweit das der beschränkte Raum zuließ, nachher langsamer. bis er ganz innehielt und sich auf dem verblichenen Polster des niedergesessenen steillehnigen Sophas niederließ. Dann war es ihm Befriedigung, wenn er immer wieder von neuem das Weh aufwühlen konnte, das sein Inneres zerfleischte. In stillem Grübeln ließ er vor seinem geistigen Auge erstehen, was ihn quälte und die Erinnerung kehrte zurück an jene Zeit, wo Berneck und er noch als unzertrennliche Freunde galten. Berneck der Aeltere, welcher sich für das Baufach entschied. während er Ingenieur werden wollte, nachdem sie nahezu ein Jahrzehnt dieselbe Schulbank gedrückt hatten. Damals trugen sie die Beinamen Kastor und Pollux. Aber dann kam ihre ernste heiße Jugendliebe, die sich wiederum— in merkwürdiger Uebereinstimmung— in ein und demselben Ideal verkörperte. Als Hanni Dreßler, das auffallend schöne Bürgermädchen, in ihren Gesichtskreis trat, verblich die Leuchte ihrer Freundschaft von der aufgehenden Sonne, der Liebe. Ein gegenseitiges Versteckspielen begann zwischen den beiden Freunden. bis eines Tages den von einer=Auslandreise heimkehrenden Meiling die Kunde traf, Berneck habe sich inzwischen mit Hanni Dreßler verlobt. Daß Berneck nicht mit offenem Visier gekämpft, trieb ihm das Blut in die Augen, den Schaum vor die Zähne; ja es brachte ihn soweit, sich zu vergessen, die Hand gegen den ehemaligen Freund zu erheben. Und Berneck, behaftet mit dem Brandmal erlittener Schmach, wagte dennoch nichts gegen ihn zu unternehmen. Hannis Eingriff war hierin deutlich zu erkennen. Aber gerade dieser Umstand erweckte in Meiling tiefe Scham über sein Handeln und jagte ihn förmlich wieder hinaus in die Welt.— Wie schwere Schuld lastete es seitdem auf seiner kranken Seele. Da führte ihn nach einigen Jahren der Weg zurück nach Dresden. Sein alter Onkel, in dessen Hause er erzogen, war gestorben. Es galt die Ordnung des Nachlasses abzuwarten und das nicht unbedeutende Erbe anzutreten. Hier in Dresden ließen alte Erinnerungen die kaum vernarbten Wunden in seinem Herzen wieder aufbrechen. Bald hatte er erfahren, das Hanni inzwischen Berneck's Frau geworden war. Es blieb ihm auch nicht unbekannt, daß dieser selbst viel Unglück erlitten. Infolge einer anhaltenden Krisis im Baufache, hatte er sein gesamtes Hab und Gut verloren. Die erworbene Selbständigkeit, sein guter Name waren Opfer des über sein Vermögen hereingebrochenen Konkurses geworden, in welchem auch Hannis Eingebrachtes fast völlig unterging. Zur Zeit war Bernech in einem größeren Baugeschäft als Angestellter tätig. Meiling fand keine Ruhe, bevor er nicht das bescheidene Heim des jungen Ehepaares ausgekundschaftet hatte.— War Hanni glücklich?— Diese Frage beschäftigte ihn ausgesetzt. Das Sinnen hierüber brachte ihn auf die absonderliche Idee, sich in einem Hause einzumieten, welches der Wohnung des Berneckschen Ehepaares gegenüberlag. Hier, nur durch die wenig breite Töpferstraße von dem Gegenstande seines Denkens und Fühlens getrennt, glaubte er, selbst unbeobachtet, am ersten zu einem Resultate zu gelangen. Er hatte Recht behalten. Gleich am ersten Tage nach seinem Einzuge, gewahrte er in den frühen Morgenstunden, wie drüben vor dem Fenster über dem grün= und weiß lackierten Blumenbrette, zuerst ein schlanker weißer Arm mit der Gießkanne sichtbar wurde, dem bald das frauenhaft verklärte Gesicht Hannis, voll und weich umrahmt von der Fülle blonder Flechten, folgte. Da wünschte er, daß das Sonnenlicht ihr üppiges Haar er, daß der außerordentliche Gautag dazu beitrage, solle, eue Richtlinien für die Herbst= und Winterarbeit des Verbandes zu geben!!Den ersten Vortrag hielt das Mitglied der Verwaltung Herr Chr. Winter, Hamburg, über das Thema:„Finanzreform in unseren Ortsgruppen“. Dem Vortrage schloß sich eine ausgedehnte Aussprache an. Als zweiter Redner sprach Derr Paul Elberding, Hamburg(Mitglied der Verwaltung) über„Werbearbeit und Kaufmannsgerichtswahlen 1910“: Der Redner wies auf die Erfolge in der Werbearbeit und bei den Kaufmannsgerichtswahlen hin und zog Vergleiche zwischen der sozialpolitischen Arbeit des D. H. V. und den übrigen kaufmännischen Vereinen. Er forderte die anwesenden Vertreter zu Einmütigkeit und ernster Arbeit für die Kaufmannsgerichtswahlen auf. * Essen, 15. Sept. Auf eine dreiste Weise erschwindelte sich gestern Abend der bei der Firma Steffens u. Nölle angestellte Telephonbeamte Beyer einen Geldbrief mit 12 529 u Inhalk., Mit diesem Wertbrief war von der Firma ein Bote zum Pistamt geschickt worden. Auf dem Postamt trat Beyer an den ihm bekannten Boten heran und sagte ihm, der Bote müsse sofort wieder zum Geschäft zurückkehren. Den Geldbrief sollte er ihm, Beyer, übergeben, er wolle ihn inzwischen der Post überliefern. Mit dem Geldbrief ist Beyer flüchtig geworden. Bisher fehlt von ihm jede Spur. * Saarbrücken, 14. Sept. Zu einem Konflikt ist es hier zwischen dem Bürgermeister und der Presse gekommen. Der Bürgermeister hatte dem Chefredakteur einer hiesigen Zeitung durch einen städtischen Beamten telephonisch sagen lassen, daß er ihn auf dem Rathause zu sprechen wünsche. Als auf die Anfrage des Redakteurs nach dem Gegenstand der Besprechung der Bescheid erteilt wurde, daß es sich um eine Information in einer in der Oeffentlichkeit besprochenen Anlegenheit handle, wurde dem Stadtoberhaupt erwidert, daß diese Sache besser in der Redaktion erörtert würde. Auf die durch den Beamten übermittelte Entgegnung des Bürgermeisters, daß er keine Zeit habe, antwortete der Redakteur, daß seine Zeit leider ebenfalls beschränkt sei, vielleicht könne aber der Bürgermeister einen Beamten mit dem betreffenden Material schicken. Der Bürgermeister gab nun in der nächsten Sitzung in entschiedenem Tone eine Erklärung in der Hauptsache des Sinnes ab, daß man ihm nicht zumuten könne, persönlich sich zu einer Redaktion zu begeben. Der Vorstand der Saarpresse hat darauf zu der Angelegenheit Stellung genommen, und und vertritt in einer von der hiesigen Presse gemeinschaftlich veröffentlichten Erklärung grundsätzlich den Standpunkt, daß, wenn die Presse eine Information wünscht, sie ihre Vertreter auf das Rathaus zu entsenden hat, daß aber anderseits, wenn die Stadtverwaltung sich der Presse zu bedienen wünscht, es nicht gegen die Amtswürde eines Bürgermeisters verstößt, wennz er selbst oder durch einen Beauftragten den Redaktionen die Information direkt übermittelt. Es vergebe sich wirklich keiner der Herren etwas, wenn er in den Fällen sich selbst in die Redaktionen bemühe. Die Presse stehe der städtischen Verwaltung durchaus selbständig gegenüber und lege Wert darauf, diese ihre selbständige Stellung auch im Verkehr mit der städtischen Verwaltung gewahrt zu wissen. * Saarbrücken, 14. Sept. Die Stadt Saarbrücken hat an alle hier wohnenden Kriegsveteranen mit einem steuerpflichtigen Einkommen bis zu 1200 A eine Ehrengabe von 20 Mark bewilligt.— Für die Herstellung einer Feuermeldeund Weckerlinie bewilligten die Stadtverordneten die Kosten in Höhe von 88 520 M. * Paris, 15. Sept. Ein tragischer Selbstmord im Eisenbahnabteil rief begreifliche Erregung unter den Reisenden des Eilzuges voll Hazebrouck nach Paris hervor. Als dieser nämlich gegen 19 Uhr abends am Dienstag im Bahnhofe von Lille einfuhr, zoggein Herr, nachdem er mit zwei mitreisenden Freunden sehr ruhig gesprochen und ihnen zwei Briefe zur Bestellung bei der Post übergeben hatte, plötzlich einen Revolver aus der Tasche, stellte sich an die Tür des Durchgangswagens und feuerte mit den Worten:„So endet man mit dem Leben!" gegen seine Schläfe, um in Blut gebtdet, niederzusinken. Als man ihn in den Wartesaal brachte, war er bereits eine Leiche. Für die Landwirtschaft. 6 Schriftlicher Verkehr mit der Landwirtschaftskammer. Zur Vereinfachung und Beschleunigung des Geschäftsganges wird diinand gebeten, sämtliche Zuschriften, welche von der Kammer amtlich erledigt werden müssen, nicht an die persönliche Adresse des Varsitzenden der Kammer oder eines einzelnen Kammerbeamten, sondern„an die Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, Bonn, Bismarckstraße 4“ zzu richten. Zuschriften, die für die von der Landwirtschaftskammer engerichteten Institute bestimmt sind, sind direkt an diese zu richten. X Sechste Wanderversammlung des Verbandes der L östund Gartenbauvereine. Am Sonntag, den 9. Oktober di ses Jahres findet in der Kaiser Friedrich=Halle zu M.=Gladloch, nachmittags 2 Uhr, die sechste Wanderversammlung des P#bandes der Obst= und Gartenbauvereine im Bezirke der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz, mit folgender Tagesordnung statt: 1. Eröffnung durch den Verbandsvorsitzenden. 2. Welche Maßnahmen sind gegen die Einfuhr von ausländischem Gemüse zu ergreifen, um den rheinischen Gemüsebau konkurrenzfähig zu erhalten. Referent: Obstbauinspektor Wagner=Bonn. 3. Welchen Zweck erfüllen die sogenannten Schrebergärten? Referent: Städtischer Gartendirektor Hartrath= M.=Gladbach. 4. Welche Erfahrungen sind in den letzten Jahren mit den rheinischen Obstmärkten gemacht worden? Referent: Kreisgärtner Schnaare= Berg.=Neukirchen. 5. Welche Obstsorten sind für den Anbau im Kreise M.=Gladbach und Neuß zu empfehlen? Referent: Baumschulbesitzer Hönings=Neuß. 6. Der feldmäßige Gemüsebau in der Umgebung von Bonn und dessen Erfolge. Referent: Obergärtner Stübler= Bonn. Nach den Vorträgen: Praktische Vorführung einer Eselruckenspritze„System Hönings“ und einer Pferderückenspritze für den Obst= und Gartenbau durch Baumschulbesitzer Julius Hönings, Neuß. Die Wanderversammlung ist öffentlich und jedermann willkommen. X Generalversammlung des kandwirtschaftlichen Vereins für Rheinpreußen. Die Ausstellung, für welche die Lokalabteilung Neuwied außerordentliche Aufwendungen gemacht hat, wird nach den vorliegenden Anmeldungen sehr stark beschickt werden. Besonders die Viehabteilung wird ein interessantes Plakat=Institut der Neußer Zeitung (Amtliches Kreisblatt) Tel. 57. Neuß, Neustr. 1. Tel. 57. : Alleiniges Anschlagerecht: für die hiesigen Plakatsäulen. Bild vom Stande der Pferdezucht des Regierungsbezirks Koblenz sowie von den Fortschritten in der Rindviehzucht in den dem Zuchtverbande 18 zegeteilten Kreisen Neuwied und Altenkirchen bieten. Besonderes Interesse wird auch den Vorführungen des Fürstlich Wied'schen Marstalls entgegengebracht. Die Viehausstellung findet am Dienstag, den 20. September statt; die Vorführungen der prämiierten Tiere ist für mittags 12 Uhr in Aussicht genommen. sokale Hachrichten. Neuß, 17. September. G Eine Unfall= Unterstützung hat der Verlag der Neußer Zeitung für die Abonnenten der Neußer Zeitung vorgesehen! Bei der fortschreitenden Entwicklung der Stadt auf industriellem Gebiete und auf dem Gebiete des Verkehrs, bei der Steigerung des Gebrauchs maschineller Hilfsmittel im Betriebe des Handwerkers und des Landmannes wachsen die Gefahren, die das Leben bedrohen! In Fällen, wo unvorhergesehen der Familienvater durch ein Unglück den Seinigen entrissen wird, soll nun die Zeitung, die tagtäglich der gern gesehene Gast ist, auch der erste sein, der wenigstens über die materiellen Sorgen, die in solchen Stunden auf die Hinterbliebenen besonders einstürmen, hinweghilft. Und wo diese Hülfe nicht nötig ist, da werden gewiß von denjenigen, die ihrer teilhaftig werden, Wege gefunden, mit dem Gelde anderer Leid zu lindern. Aehnliche Einrichtungen haben schon an vielen Orten durch ihre oft segensreiche Wirkung Beifall gefunden. Wir verweisen auf die Mitteilungen des Verlags an anderer Stelle. = Fahrpreisermäßigung für Handwerker beim Besuch der Brüsseler Weltausstellung. Die Bestimmungen über die schon früher erwähnte Fahrpreisermäßigung, die der Herr Minister der öffentlichen Arbeiten selbständigen Handwerkern zum Besuche der Brüsseler Weltausstellung mit Gültigkeit vom 12. September ds. Is. gewährt hat, lauten:. 1. Selbständige Handwerker, die in ihrem Gewerbebetriebe nicht mehr als 8 Gesellen beschäftigen, werden bei Reisen, die sie im Interesse ihrer Fortbildung nach der Weltausstellung in Brüssel unternehmen, auf den Strecken der preußisch= hessischen und der Reichseisenbahnen unter den folgenden Bedingungen in 3. Wagenklasse zum halben Fahrpreis, in Schnellzügen außerdem gegen den vollen tarifmäßigen Zuschlag, befördert. 2. Die Fahrkarten zum halben Preise werden von den Fahrkartenausgaben auf Grund von Ausweisen folgenden Inhalts, die von der Handwerkskammer oder von der Ortspolizeibehörde auszustellen sind, verabfolgt: Muster für den Ausweis. Es wird hiermit bescheinigt, daß der selbständige Handwerker Herr..... in..... in seinem Gewerbebetrieb nicht mehr als 8 Gesellen beschäftigt und infolgedessen berechtigt ist, die tarifmäßige Fahrpreisermäßigung zum Besuch der Weltausstellung in Brüssel im Interesse seiner Fortbildung in Anspruch zu nehmen. Stempel der Handwerkskammer..... den.... 1910. oder der Ortspolizeibehörde Der Vorstand der Handwerkskammer. Die Ortspolizeibehörde. 3. Die Fahrpreisermäßigung wird nur unter der Bedingung gewährt, daß der Reisende sowohl auf der Hin= wie auf der Rückreise direkte Fahrkarten zwischen Abgangsstation und der deutsch= belgischen Uebergangsstation löst.„ 4. Die Fahrpreisermäßigung für die Hinreise ist bei der Fahrkartenausgabe der Abgangsstation möglichst frühzeitig— spätestens 24 Stunden vor Abgang des Zuges— unter Vorlage des Ausweises zu beantragen. Für die Rückreise wird die Ermäßigung von der Fahrkartenausgabe der deutsch= belgischen Uebergangsstation(Herbesthal usw.) gegen Vorlage des Ausweises alsbald gewährt. Die Ausweise werden von den Fahrkartenausgaben abgestempelt und den Antragstellern zurückgegeben. 5. Die Ausweise sind während der Fahrt auf Verlangen vergolden möchte, wie einst und konnte darüber betrübt werden, däß das Fenster nach Norden lag. Wenn dann jene Telepathie zwischen verwandten Seelen ihren Blick herüberlenkte zu seinem Fenster, so sah sie ihn die Arme verschränkt, um die feinen Lippen den bitteren Zug der Entsagung, in den Augen den wilden Schmerz, die Begierde nach dem Glücke. Und das Beben ihres schlanken Körpers bedeutete ihm, daß sie nicht im Zweifel sein konnte, wer er war. — Doch wonach es ihm so heiß verlangte, ahnte sie es?— Berneck blieb für ihn länger unsichtbar. bis einmal frühmorgens sein dunkles bärtiges Haupt vor dem Fenster auftauchte, um Ausschau nach dem Wetter zu halten. Meiling frohlockte im Stillen. Er wußte nun, daß Hanni etwas vor ihrem Mann verbarg und das verleitete ihn zu den kühnsten Hoffnungen. Wenn er sie darauf am Fenster fah, dann legte er in ihren Ausdruck ein unendliches Weh. alle die träumende Sehnsucht nach Erlösung aus schwer auf ihr lastenden Fesseln. Bald wieder peinigten ihr bittere Zweifel. Erschien neben der anmutigen Gestalt Hannis das flachsblonde Köpfchen ihres dreijährigen Knaben, so krampfte sich sein Herz wie untern eisernem Drucke zusammen. Aus den dunklen, von seidenweichen Wimpern beschatteten Augen des Kindes leuchtete ihm Verneck lebenwahr entgegen, den Haß in ihm zu neuer Glut entfachend, bis ihn dann wieder die unverkennbare Aehnlichkeit mit Hannis sanften reinen Zügen zur andächtigen Bewunderung hinriß. So konnte er sich von dem lieblichen Bilde gewöhnlich erst trennen. wenn das Dunkel des Zimmers die Gestalten verschlungen hatte. Planlos jagten sich nach solchen Augenblicken reinen Glückempfindens seine Gedanken, unlustig verließ er die angefangene Arbeit und fand nur Befriedigung in dumpfem Brüten— wie jetzt, wo er noch immer in der Sophaecke lehnte, traumverloren auf das regellose Spiel der Flimmerstäubchen starrend, die in den schräg abfallenden Sonnenstrahlen im bunten Wirbel auf und niedertanzten. Da weckt ihn helles fröhliches Kinderlachen aus seiner Apathie und da ist er wieder, der Knabe der Beiden, drüben am geöffneten Fenster. Jauchzend drängt sich der Krauskopf durch das natürliche Gitter gutgepflegter Blumenstöckchen und die Händchen haschen mit kühnem Griffe nach dem gelben Citronenfalter, der von dem jungen Grün, den duftenden Blüten ierführt, als erster Frühlingsbote Einkehr hält in der rußigen Töpferstraße. Nun ist er wieder fort, der leichte Geselle. Wie der Knabe=verlangend nach ihm ausschaut, bis er wiederkehrt, munter im Kreise schwirrt und das kosende Spiel erneuert. Meilings Augen suchen nach der Mutter des Kindes. Ein in ihmspontan aufsteigendes Gefühl, ist es die Angst? Er leidet förmlich unter dem Drucke, der ihn zwingt, hinüberzurufen, zu warnen. Dabei beugt sich der kleine Bursche in wilder Gier immer weiter heraus aus der Oeffnung, nach dem schillernden Schmetterlinge. Er hat das Fensterbrett erklettert und schon macht er energische Versuche auf die Blumentöpfe zu treten, um so seiner fehlenden Größe nachzuhelfen. Da haschen die Händchen nach dem flinken Insekt und greifen dabei— ins Leere.. Meiling steht wie gelähmt mit hämmernden Pulsen. Das Knirschen bröckelnden Mauerwerks, das Bersten von Holzlatten, klirrendes Aufschlagen in Scherben gegangener Blumentöpfe; über alledem Staub, Ruß und Erde, hochstiebend in dichten Wolken, alles zwingt ihm die fürchterliche Gewißheit auf: ein Unglück ist geschehen! Mit Entsetzen irren seine Blicke von der Höhe des hohläugig hinübergrinsenden Mansardenfensters hinab in die grausige Tiefe des Straßenflasters. Ein Schauer erfaßt ihn bei dem Gedanken an den zerschmetternten Leib des Kindes. Aber geschehen noch Wunder?— Von drüben her dringt es wie klägliches Wimmern an sein Ohr. Kaum, daß er seinen Sinnen zu trauen vermag. Festgehakt an dem dünnen Wollkleidchen sieht er den Knaben an einer der die Dachrinne umspannenden, eisernen Klammern freischwebend hängen zwischen Himmel und Erde. Wie die Menschen da unten auf der Straße durcheinanderrennen und er steht hier untätig vor dem Bilde des Jammers, wie wenn er es in seiner Größe nicht zu fassen vermöchte. Heiß steigt es in ihm auf und preßt ihm das Wasser in die Augen.... Bernecks Glück an einem Faden!... Blitzartig durchfliegt ihn ein häßliches Gedenken an Bernecks Verrat. Kalt wie ein giftiges Reptil kriecht es ihm zu Herzen und legt sich schwer wie ein Alp auf seine Brust. Doch nur sekundenlang währt der Kampf. Mannhafter Wille ertötet den bösen Trieb, sein wahres Selbst trägt den Sieg davon und eine nie gekannte vorwärtsdrängende tatenlechzende Kühnheit überkommt ihn. Wie ein gehetztes Wild ist er zum Zimmer hinaus, die vier Treppen hinunter. Wie ein Keil durchschneidet er die sich stauende Menge, welche damit beschäftigt ist, aus den Nachbarhäusern Betten und Decken herbeizuschleppen, auszubreiten und aufzutürmen.— Rasch ist er in dem von Berneck bewohnten Hause verschwunden.... Wie viele Treppen sind es wohl noch— Stufen— Gänge und kein Ende? Da hat er den Flur des obersten Stockwerkes erreian..... Zwei Türen— welche von den beiden, Gerechter Himmel— versperrt! Wie fest das Schloß ist... es wankt und weicht nicht.— In ohnmächtigem Grimme donnern die nervigen Fäuste gegen die Türe. Nun legt sich sein sehniger Körper mit Wucht gegen das Holz... hei, wie das splittert. Krachend fällt die Füllung auseinander. Er achtet nicht auf die wundgestoßenen Schultern, über die herabsickerndes Blut das Hemd rot färbt. Hinein... Durch die Lücke... in einem Sprunge zum Fenster... Gottlob, da ist er noch, der Bengel und schreit aus Leibeskräften... Wie sie die Hälse recken... ein Mann auf dem Dache... emdenärmlich und barfuß natürlich, nur so und mit größter sorsicht ist es möglich, sich in schwindelnder Höhe auf dem latten Dache zu bewegen, die äußerste Kante zu erreichen. da kniet er... jetzt liegt er fast... und hält den Knaen. Gott gebe, daß es gelingt.... So schwirren die Stimmen unten durcheinander Jene aber, welche in atemloser Spannung von der andern segenüberliegenden Seite der Straße aus dem Fenster das Retungswerk verfolgen, sehen, wie oben am leeren Mansardenenster die Mutter des Knaben erscheint und mit angstverzerrten Zügen ihre zarten Finger in die blonden Flechten bohrt. Da reicht ihr der Retter das Kind und nun gleitet er selbst jewandt durch das Fenster.... ...„Walter... Herr Meiling... Gott lohne Ihnen diese edle Tat!"„ Donnerndes Beifallsgeschrei braust herauf aus der vieljundertköpfigen Menge. „Hanni—“ „Wissen Sie, daß, als ich mein Kind in der fürchterlichen Todesnot erblickte, in mir zuerst der Wunsch aufstieg... daß Sie da sein möchten...“ „Hanni— Hanni, an mich konnten Sie denken... an einen Menschen, der...“ Er war vor ihr in die Knie gesunken... wie im Fieber schlugen ihm die Zähne aufeinander. Seine großen breiten Hände halten die ihrigen fest umklammert wie wenn er sie niemals lassen könnte. Es drängt ihn, ihn alles zu sagen, was sein Innerstes bewegt und er hat doch nicht die Macht, seine Gedanken in Worte zu kleiden. die Zunge bleibt ihm wie gelähmt. Da kommt Berneck über die Treppe herauf. Ueberrascht steht er auf der Schwelle— und schaut in stummen Staunen auf Hanni, auf sein Kind und den Fremden. Erst als Meiling sich zum Gehen wendet, erkennen sich die ehemaligen Freunde. Instinktives Erfassen sagt ihnen, daß zwischen ihnen noch derselbe tödliche Haß lebt und ewig leben wird. Das Wechseln ihrer Blicke ist wie ein kurzes heftiges Kreuzen stählerner Klingen, doch der feierliche Glanz in Meilings Leuchten zwingt das Funkeln des gegnerischen Augenpaares in den Staub. Kein Wort kommt über seine Lippen, aber aus seinem Herzen bricht es hervor in stolzem Jubel: quitt... quitt! Kurze Zeit später ist die zusagende Antwort an den Direktor Haberland unterwegs... Wie von lindem Frühlingshauch bewegt, löst sich schwerer Bann von der gefesselten Seele jederzeit vorzuzeigen und nach Beendigung der Rückfahrt mit der Fahrkarte abzugeben. 6. Auf der Hin= und Rückreise ist je eine Fahrtunterbrechung, wie im gewöhnlichen Verkehr, gestattet. * D a s„ B i o t o p h o n= T h e a t e r", K r e f e l d e r s t r. 1 3, m a c h t b e kannt, daß es von jetzt ab des Samstaas=Abends von 6 Uhr ab Vorstellungen gibt mit vollständig großem Programm wie an Sonntagen. Das Biotophon= Theater läßt nichts fehlen, stets mit den allerbesten Neuheiten aufzuwarten. Es hat fortwährend steigenden Besuch. —* Warnung vor leichtsinnigem Zuzug nach Berlin. Für alle diejenigen, die für den Winter wieder nach Berlin reisen wollen, sind folgende Zahlen von besonderem Interesse. Von 244060 Personen, die im vergangenen Jahre laut amtlicher Statistir in Berlin zugezogen, fanden nur 24 327 einen Lebensunterhalt, denn 219 733 zogen wieder von Berlin fort. Also nur der zehnte Teil der Zugezogenen konnte in Berlin beschäftigt werden. Wie groß die Not dort ist, geht ferner aus der amtlichen Statistik hervor. Darnach im Juli 1909 in den beiden Obdachlosen= Asylen 77 753 Obdachlose verpflegt um sie vor dem Hungertode zu bewahren. Es wird darum vor leichtfinnigem Zuzug dringend gewarnt. Jugendliche, die nach Berlin reisen müssen und mit den Verhältnissen nicht vertraut sind, tun gut, sich an den Verein Wohlfahrt für die weibl. Jugend, Tieckstr. 17 und Gesellschaft zur Fürsorge für die zuziehende nannliche Jugend, Sophienstr. 19. zu wenden. □ Zweiter Nachtrag zum Verzeichnis der Kontoinhaber bei den Postscheckämtern im Reichs= Postgebiet. Vom Reichspostamt wird uns geschrieben: Zu dem amtlich herausgegebenen Verzeichnis der Kontoinhaber für 1910 erscheint in diesen Tagen der zweite Nachtrag. Er enthält die Adressen der seit dem 1. Mai dem Postscheckverkehr beigetretenen 3900 Kontoinhaber. Soweit es von den Kontoinhabern gewünscht wurde, sind nähere Angaben über Beruf, Geschäftszweig usw. mitaufgenommen worden. Der Bezugspreis des zweiten Nachtrags beträgt 40 Pfg. Bestellungen werden an den Schaltern aller Postanstalten entgegengenommen, wo auch das nach dem Stande vom 1. Januar bearbeitete Hauptverzeichnis und der erste Nachtrag bezogen werden können. Dem zweiten Nachtrag ist wieder ein Auszug der neueren Verfügungen über den Postscheckverkehr, soweit sie allgemeines Interesse bieten, vorgedruckt. So sind die näheren Bedingungen angeführt, unter denen Postschecks zu Zahlungen an Postkassen für Fernsprechgebühren, Postanweisungsbeträge, Wertzeichen usw. verwendet werden können. Ferner ist darauf hingewiesen, daß jetzt den Kontoinhabern auch über die durch Postscheck erteilten Aufträge auf Wunsch von den Postscheckämtern Einlieferungsbescheinigungen nach Art der sonst bei Geldeinzahlungen an den Postschaltern gebräuchlichen Einlieferungsbescheinigungen erteilt werden. Auch sind die Bestimmungen überin vom 1. Oktober ab zur Einführung gelangenden Nachnahmerorten und Nachnahmepaketadressen mit anhängender Zahlkarte aufgenommen. (Weitere Lokalnachrichten im 1. Blat Aug. Denecke jr. Telephon 247. Breitestrasse 65. Telephon 247. Komplette elektrische Licht- und Kräftanlagen jeder Grösse und jeden Utnfangs. Dynamos, Motoren, Telephon, Blitzableiter. ager in Stark- und Schwachstrom-Artikel. Offentlicher Wetterdienst der Dienststelle Aachen(Metereologisches Observatorium). Wetteraussichten für den heutigen Tag: Trocken, vorwiegend heiter, Nachts kühl, Nachmittags warm, Frühnebel.44 Katholische Gottesdienstordnung für Neuß. Sonntag. den 18. September 1910. In der Münsterkirche. Morgens ½6 Uhr: hl. Messe.— ½7 Uhr: hl. Messe und gemeinschaftliche hl. Kommunion der schulentlassenen Knaben, sowie der Junggesellen=Sodalität und des Jugendvereins Fortitudo. ½8 Uhr: hl. Messe.— ½9 Uhr: Schulmesse.— ½10 Uhr: Hochamt.— 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachm. ½3 Uhr: Andacht zum hl. Quirinus.— 5 Uhr: Andacht. In der St. Marienkirche. Morgens 6 Uhr: hl. Messe.— 7 Uhr: hl. Messe mit monatlicher hl. Kommunion der schulentlassenen Mädchen der Jahrgänge 1908 und 1909, sowie der jüngeren Mitglieder der JungfrauenKongregation.— 8 Uhr: Schulmesse.— ½10 Uhr: Hochamt. — 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachm. 4 Uhr: Konferenz für die Jungfrauen=Kongregation.— 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Predigt und Segen.. In der St. Sebastiannskirche. Morgens 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags 5 Uhr: Andacht für die Verstorbenen. In der Hospitalkirche. Morgens 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachm. ½5 Uhr: Segens=Andacht. Jeden Freitag, nachm. 5 Uhr: Sakramentalische Andacht. In der Alexianer=Klosterkirche. Morgens 8 Uhr: hl. Messe. Nachmittags 5 Uhr: Andacht. An den Wochentagen beginnt die hl. Messe um 7¼ Uhr. Donnerstag, morgens 7¼ Uhr: Segensmesse. In der St. Josefkirche zu Weißenberg. Morgens ½6 Uhr: hl. Messe.— 7 Uhr: hl. Messe mit Predigt und gemeinschaftliche hl. Kommunion der Jungfrauen.— ½10 Uhr: Hochamt mit Predigt.— Nachmittags ½3 Uhr: Andacht, darnach Versammlung der Mitglieder der JungfrauenKongregation mit Predigt. Im Laufe der Woche. In der Münsterkirche. Donnerstag, morgens 8 Uhr: Segenshochamt.— Nachmittags 6 Uhr: Segens=Andacht. Samstag, nachmittags 6 Uhr: Salve=Andacht mit Segen. In der St. Marienkirche. An den Wochentagen hl. Messen um 6 Uhr, 7¼ und 9 Uhr. Donnerstag, nachmittags 6 Uhr: Sakraments=Andacht. Samstag, nachmittags 6 Uhr: Salve=Andacht. In der St. Joseskirche zu Weißenberg. An den Wochentagen sind die hl. Messen um ½7 Uhr und 7¼ Uhr Evangelische Gottesdienstordnung. Sonntag, den 18. September 1910. Christuskirche. Vormittags 8 Uhr: Gottesdienst, Pastor Meyer. Statt besonderer Anzeige. * Heute Nacht 11 Uhr verschied, wohlvorbereitet durch einen christlichen Lebenswandel, plötzlich, infolge Herzschlages, unser herzensguter Onkel- und Vetter Herr Josef Bauendahl Rentner im Alter von 75 Jahren. Um stille Teilnahme bitten im Namen der Hinterbliebenen: Maria Gettschalk, geb. Röttgen, Hubert Gottschalk. Neuss, den 15. September 1910. Die Beerdigung findet am Montag, den 19. September, vormittags 10 Uhr, vom Sterbehause, Drususstrasse 15, aus statt; die feierlichen Exequien am gleichen Tage, morgens 9 Uhr, in der St. Marienkirche, wozu hierdurch freundlichst eingeladen wird. Albert Litertall Ern Liventurl geb. Schieren Vermählte. Elberfeld, 18. Sept. 1910. Städtische Tonhalle Düsseldorf. — Im Kaisersaal.— Samstag, den 17.Sept. 1910: Sinfonie-Konzert des städtischen Orchesters unter Leitung des städt. Kapellmeisters Herrn Otto Reibold. Anfang 8 Uhr. Eintritts-Preis 55 Pfg. Zehnerkarten Mark 5.— einschl. Billetsteuer. Jahreskarten an der Kasse. Toten-Zettel TrauerZirkulare KondolenzKarten liefert in kürzester Zeit in geschmackvolle Ausführung zu billigen Preisen. Buchdruckerei der Neusser Ztg. Rob. Noack Neuss. Land= u. Wiesenverpachtung. Die zu Neuß im Schandert gelegenen Grundstücke Flur C No. 1280/246.247 und No. 783/245, ca. 3 Morgen groß, bisher als Spargelfeld benutzt, und: das frühere Reistorff'sche Wiesengrundstück Flur P No. 331/142, groß 95,39 ar, am Nordkanaldumm in der Nähe des Scheibenstandes an der Kölnerstraße gelegen, sowie: das nevenan gelegene frühere Wolf'sche Wiesengrundstück Flur P No. 330/1411, groß 95,40 ar, sollen am Dienstag, den 20. September cr., vormittags 10 Uhr, im Rathause(Markt 12, 1. Etage, kleiner Sitzungssaal) öffentlich meistbietend verpachtet werden. Die Verpachtungsbedingungen werden im Termin bekannt gegeben, sie können auch vorher im hiesigen Finanzbüro eingesehen werden. Neuß, den 14. September 1910. Der Bürgermeister: Gielen. F Plan der Stadt Neuß nach den neuesten Entwürfen per Stück 1.— Mark zu haben in der Expedition der Neußer Zeitung Rob. Noack. □F herrschaftliche, abgeschlossene Etagenwohnungen (Nordkanalallee gelegen), elektrisch Licht, Zeutralheizung, nebst allen Bequemlichkeiten vorhanden, per 1. Oktober zu vermieten. Näheres Chr. P. Adolphs, Crefelderstr. 64. Todes* Anzeige. Gott dem Allmächtigen hat es in seinem unerforschlichen Ratschlusse gefallen, heute Morgen 5 Uhr, meine liebe Gattin, unsere gute Mutter, Schwägerin und Tante, Frau Anton Riesenpath, Maria Gertrud geb. Roebeler, nachlangerschwerer Krankheit, gestärkt durch den andächtigen Empfang der heil. Sterbesakramente, im Alter von 35 Jahren, zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Um stille Teilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Neuss, Norf, Neusserweyhe, Kaarst, Weckhoven, Büttgen, Ratingen u. Worringen, den 15. September 1910. Die Beerdigung findet Sonntag, den 18. September, nachmittags 3 Uhr, vom Hospital aus statt, wozu ergebenst eingeladen wird Trauerkleider (auch fur Kinder). Blusen, Röcke, Jaketts, Trauerhüte. Schleier, Handschuhe etc. Hettlage's Trauer-Magazin, Düsseldort, Schadowstrasse 34. Bessere Häuser mit Stallung und großem Garten ganz oder geteilt zu vermieten eventl. mit geringer Anzahlung preiswert zu verkaufen. E. Schaunburt. Für die uns anlässlich des Todes meiner lieben Frau, unserer guten sorgsamen Mutter, bewiesene Teilnahme sprechen hiermit unsern besten Dank Städtische Tonhalle Düsseldorf. — Im Kaisersaal.— Sonntag, den 18. Sept. 1910: Nachmitt.-Konzert des„Philharm. Orchesters“ unter Leitung des Kapellmeisters Herrn W. Nehl. Anfang 3½ Uhr. Eintritts-Preis 55 Pfg. Zehnerkarten Mark 5.— einschl. Billettsteuer. Jahreskarten an der Kasse. 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Des Meeres und der Liebe Wellen. Dienstag, den 20. September, abends 8 Uhr: Ueber die Kraft. Mittwoch, den 21. September, abends 8 Uhr: Lysistrata. Donnerstag, den 22. Sept. abends 8 Uhr: Frühlings. erwachen. Freitag, den 23. September, abends 8 Uhr: Abonuement B. 4. Vorstellung. Des Meeres und der Liebe Wellen. Samstag, den 24. September, abends 8 Uhr: Lysistrata. Sonntag, den 25. September, nachmittags 3 Uhr zu kleinen reisen: Maria Magdalene. — Abends 8 Uhr: Heimat. Für Reservisten Wir empfehlen: Große Posten Anzüge 12, 13, 15, 20, 25, 30, 35 bis 50 Mk. Große Posten Paletots 12, 15, 20, 25, 30, 35, 40 bis 50 Mk. Große Posten Joppen 5, 6, 7, 3, 9, 10, 12 bis 25 Mk. Große Posten Buxkin=Hosen 3, 4, 5, 6, 7, 8, 10 bis 15 Mk. Große Posten Manchester und Pilot=Hosen 3, 4, 5, 6, 7, 8 bis 10 Mk. Ferner empfehlen Große Auswahl Damen Jackets 10, 11, 12, 13, 14, 15 bis 30 Mk. Große Auswahl Damen=Tuch=Paletots 15, 16, 17, 20, 25, 30 bis 60 Mk. 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Neu hinzutretenden Abonnenten wird die„Neutzer Zeitung““ bis zum Schlusse des Monats September gratis ins Haus gebracht. auch die politische Erregung wieder zu, wenngleich in der Politische Wochenrundschau. e näher die Parlamentszeit heranrückt, desto mehr nimmt Zwischenzeit die Gemüter sich keineswegs beruhigt hatten, Parteitage und Nachwahlen tun das Ihrige, um die Dinge im Flusse zu halten. Die Ende voriger Woche aufgetauchte Meldung eines demokratischen süddeutschen Blattes von der Ausgabe einer Wahlparole im Sinne der Sammlungspolitik hat große Wellen geschlagen, und die Erörterung dauert noch fort, obwohl die Nachricht offiziös dementiert wurde. Der Spätsommer ist nicht nur die Zeit der Parteitage, sondern auch von Kongressen sozialer und wissenschaftlicher Vereinigungen. Große Aufmerksamkeit brachte man diesmal dem in Danzig abgehaltenen Deutschen Juristentage entgegen, der das Thema der Todesstrafe eingehend erörterte. Hierbei ist man, entgegen frühern Beschlüssen, zu einer Aufrechterhalder Todesstrafe gekommen, obwohl es auf dem Kongreß nicht an einer lebhaften Opposition gegen diese Stellungnahme gefehlt hat. Tatsache ist jedoch, daß die Gegnerschaft der Todesstrafe immer mehr zunimmt. Balkan und immer wieder Balkan! Heute so, morgen so! Die Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei haben sich wieder einmal verschlechtert, und in Athen waren bereits die wildesten Gerüchte in Umlauf, es hieß, der griechische Gesandte in Konstantinopel sei wegen Brüskierung durch den Minister des Aeußern Risaat Pascha abberufen worden. Ganz so schlimm ist es ja nun nicht gewesen, Rifaat soll auf eine Forderung des Gesandten hin zwar diesem den Rücken zugekehrt haben, griechischerseite vergißt man aber zu melden, wie sich der Gesandte bei dieser Gelegenleit benommen und damit die Haltung Nifaat Paschas herausgefordert hat. Sollte man vielleicht in Athen hoffen, durch eine Verwicklung nach außen über die innere Lage hinwegtäuschen? Die Nationalversammlung ist am Mittwoch durch den König in Gegenwart des Kronprinzen mit einer kurzen, nicht allzu viel sagenden Thronrede eröffnet worden. Für die in gewissen Kreisen herrschende Stimrlesung lag do bwesenheit glänzte. Der Grund lag darin, daß ein großer Teil der Offiziere gefordert hatte, daß der Kronprinz diesem Akte nicht beiwohnen dürfe. Eine Forderung, für deren Unterstützung sich der famose Herr Zorbas ausgesprochen hatte. Daß ein derartiges Drängen zu einer Betätigung nach außen bei schweren inneren Krisen recht verhängnisvoll werden kann, zeigt das Beispiel Frankreichs im Jahre 1870. Und schließlich ist Griechenland noch lange kein Frankreich. Daß man es gern auf einen Konflikt mit der Türkei ankommen lassen möchte, zeigt die Haltung des griechischen Elementes in der Türkei selbst, und es ist wohl nicht von ungefähr, daß am Tage der Nationalversammlung in Athen sich auch in Konstantinopel im Patriarchat eine Nationalversammlung etablierte. Es steht wohl außer Frage, daß die Drahtzieher dieser Demonstration ihren Sitz in Athen haben. Dieses Spiel mit dem Feuer kann den griechischen Machthabern aber leicht gefährlich werden, sie werden sich vielleicht nicht nur die Finger verbrennen. Eine bewegte innerpolitische Lage findet sich auch jenseits des großen Wassers, in den Vereinigten Staaten von Nordamerika. Der eigentliche Wahlkampf steht dort zwar noch in weiter Ferne, aber es handelt sich um Vorwachen, und auch bei dieser Gelegenheit schon platzen die Gemüter heftig aufeinander. Roosevelt macht seine Tournee. und wo er hinkommt, wird er bejubelt, so daß es sehr wohl möglich ist, daß er nach Ablauf der Amtsperiode Taft's wieder seinen Einzug in das Weiße Haus in Washington hält. Bemerkenswert ist, daß unter den Republikanern eine Spaltung eingetreten ist und daß gerade die Sezessionisten, die sich seltsamer Weise als„Insurgenten" bezeichnen, ganz beträchtliche Fortschritte machen. Der Grund hierfür liegt darin, daß man in weiten Kreisen der Bevölkerung nicht damit zufrieden ist, daß die jetzige Regierung den übermütigen Trust's nicht nachdrücklich entgegentritt. Die Unzufriedenheit hierüber ist im Steigen begriffen, und daraus erklären sich auch die Siege der Sezessionisten und auch der Demokraten, die der republikanischen Partei sicherlich noch viel zu schaffen machen werden. Das eine ist klar: Länger als 4 Jahre wird Herr Taft im Weißen Hnuse nicht residieren. Politische Nlachrichten. Deutschland. = Todesstrafe und Staatsinteresse. Unter dieser Ueberschrift tritt die Neue Reichskorrespondenz sehr energisch für die Todesstrafe ein. Sie schreibt:„Auf dem in Danzig tagenden deutschen Juristentage, den der„Staatssekretär des Reichsjustizamtes Dr. Lisco in seiner Ansprache die vornehmste Stelle nannte, an der die Rechtsanschauung des Volkes geläutert und geklärt werde, wurde auch das Für und Wider der Todesstrafe erörtert. Eine ganze Reibe von Rednern sprach im Sinne der Abschaffung der Todesstrafe, ein Standpunkt, der um so merkwürdiger berühren muß, als in einem unserer Nachbarländer, in der demokratischen Republik Frankreich, die kriminalistischen Verhältnisse neuerdings dahin geführt haben, daß von der Todesstrafe häufiger als früher Gebrauch gemacht werden muß. Aber die Gegner der Todesstrafe, deren Anschauungen in der Erklärung des Professors Dr. Liepmann(Kiel) gipselten, daß die Todesstrafe eines Kulturstaates unwürdig sei, blieben auf dem Juristentage keineswegs ohne sehr nachdrücklichen Widerspruch. Verschiedene Redner vertraten die Ansicht, daß die Abschaffung der Todesstrafe lediglich aus übertriebener Humanität und Sentimentalität gefordert werde, daß dagegen für diese Forderung keinerlei zwingende Gründe bisher beigebracht seien. Von besonderem Eindruck waren die Worte des OberlandesgerichtsPräsidenten v. Plehwe(Königsberg), der u. a. sagte:„Der Staat wird auf die Todesstrafe zu seiner eigenen Sicherheit niemals verzichten können. Wie könnten wir zum Beispiel einen Krieg denken, ohne daß für Verrat auch sofort eine vollstreckbare Todesstrafe angedroht ist?“ Ebenso hatte sicherlich der bekannte Kirchenrechtslehrer der Berliner Universität. Geheimrat Kabl. die Wahrheit und die Vernunft auf seiner Seite, als er ausführte:„Wo sind die Justizmorde, die rechtfertigen würden, die Irreparabilität der Todesstrafe gegen sie anzuführen? Bismarck nannte es ein Zeichen sittlicher Schwäche, wenn dieser Gesichtspunkt zu sehr hervorgehoben werden würde. Ich habe einer ganzen Inzahl Hinrichtungen beigewohnt und immer nur das Gefühl der Gerechtigkeit dabei empfunden. Das Recht geht in diesem Falle nicht weiter, als es der Schutz der Staatsordnung verlangt. Im Frieden das Leben derer. die an der Spitze des Staates stehen, und im Kriege die Staatssicherheit durch die schärfsten Mittel zu schützen, ist staatliche Pflicht.“ Die Streitfrage wurde nicht durch eine Abstimmung geklärt. Anhänger und Gegner der Todesstrafe werden also nach wie vor einander gegenüberstehen. Aber man wird doch sagen müssen, daß diejenigen Juristen und Kriminalisten. die die Todesstrafe bekämpfen, von dem Maß an Staatsgesinnung und staatlichem Pflichtbewußtsein, daß gerade von den Hütern der deutschen Rechtspflege gefordert werden muß, etwas vermissen lassen. Auch auf dem Internationalen Sozialisten= Kongreß in Kopenhagen wurde, namentlich von den deutschen Genossen, die Abschaffung der Todesstrafe gefordert; es geschah dies im Hinblick auf die Maßregeln, die die russische Regierung ur Unterdrückung der nihilistischen und anarchistischen Anschläge hat ergreifen müssen. Das legt die Vermutung nahe, daß die Sozialdemokratie die Todesstrafe hauptsächlich deshalb abgeschafft wissen will, damit Attentäter und Hochverräter nicht an Leib und Leben gestraft werden können. Dazu kommt, daß die Rote Internationale, falls ein europäischer Krieg ausbricht, alles aufbieten will, um diesen Krieg zu verhindern. Die in einem solchen Falle zu ergreifenden Maßnahmen sollen von dem Internationalen sozialistischen Bureau in Brüssel in die Wege geleitet werden. Was die revolutionäre Partei Deutschlands demgemäß unternehmen müßte, würde zweifellos unter den Begriff Hochverrat fallen.“ Die genannee Korrespondenz schließt mit den Sätzen:„Deshalb ist es völlig unverständlich, wie jemand, der das Maß und den Inhalt seiner staatsbürgerlichen Pflichten richtig versteht, die Abschaffung der Todesstrafe fordern kann. Bestünde die Todesstrafe nicht mehr, so würden in Deutschland zweifellos sehr bald ähnliche Verhältnisse eintreten, wie sie in anderen Ländern, die die Todesstrafe abgeschafft haben, vielfach eingetreten sind. Dabei wird in der übergroßen Mehrheit des deutschen Volkes das beruhigende Bewußtsein obwalten, daß die deutsche Rechtspflege gründlich und gewissenhaft genug arbeitet, um nach wie vor bei Verhängung der Todesstrafe jede Möglichkeit eines Justizmordes auszuschließen.“ = Das Privatbeamtenrecht auf dem Juristentag. Die erste Abteilung des Juristentags in Danzig befaßte sich mit der Frage des Privatbeamtenrechts. Das Gutachten des Professors Dr. Ortmann gelangt zu dem Schluß, daß für die Handlungsgehülfen geltenden sozialen Schutzgesetze auf die Privatbeamten auszudehnen seien und daß das Koalitionsrecht der Privatbeamten durch Verbot der schwarzen Listen usw. und durch Anwen dung der Strafbestimmungen des§ 153 sicherzustellen sei. Viel weiter hat Dr. Potthoff= Düsseldorf den Rahmen seines Gutachtens gezogen. Er bezeichnet als des ideale Ziel die Schaffung einer einheitlichen sozialen Schutz. gesetzgebung. Es sei nötig, ein einheitliches Recht aller Arbeitnehmer zu schaffen. Nötig sind für die allgemeine Regelung des Dienstverfahrens ergänzende Regeln für die Hauptkategorien der Angestellten, sowie für Akkord= und Tarifverträge. Als Wünsche des jetzt schon über zwei Millionen erwerbstätiger Personen umfassenden Privatbeamtenstandes führt Dr. Potthoff an: staatliche Pensions= und HinterbliebeEin seltsames Vermächtnis. Roman von Erich Friesen. (Nachdruck verboten.) Frühlingseinzug in Rom.... Warm haucht es von den blauen Sabinerbergen über die „ewige Stadt.“ Hohe ernste Zypresseen, dunkle Pinien mit ihren malerischen Schirmkronen, immergrüne Eichen, stolze Palmen wiegen sich im Lenzwind. Auf den Straßen duftet es von Veilchen und Tuberosen, die schwarzäugige Blumenmädchen in mächtigen Körben herumtragen. Große gelbe und rote Kelchblüten, der Schmelz aller Farbentöne, leuchten daher. Auf den breiten Treppen der Piazza di Spagna erschimmert hochaufgeschichtet wundersame Farbenpracht und manche der anmutigen Verkäuferinnen in malerischem Kostüm erblüht dazwischen wie eine herrliche Frühlingsrose :. Und darüber der leuchtendblaue Himmel, von dem die warme füdliche Sonne in vollstem Glanze herabstrahlt auf das frühlingsduftige Rom.... Hinter den düstern Gefängnismauern am Ende der„ewigen Stadt“— ein anderes Bild. Draußen lachender Frühling. Und Lebenskraft und Zukunftsträume... Hier drinnen kalter Winter. Und Lebensüberdruß und Todesgrauen... In einer der vielen kleinen Gefängniszellen sind zwei Männer in ein lebhaftes Gespräch vertieft. Beide erscheinen so grundverschieden, daß man kaum begreift, welch seltsames Geschick sie in eine Zelle zusammenführte. „Wie ich schon sagte, Kamerad—“ bekräftigt soeben der kleine, schmächtige, der lang auf seiner Pritsche ausgestreckt liegt—„allein schon von den Zinsen kannst Du wie ein Fürst leben. Und wenn Du lieber—“ ein Grinsen verzieht sein eingefallenes Gesicht—„wenn Du lieber„arbeiten“. einen kühnen „Streich“ ausführen willst, so hast Du Chance, der reichste Kerl von Rom zu werden!"s Sein Gefährte, ein auffallend hochgewachsener, kräftiger Mann von etwa dreißig Jahren, lacht. Er scheint die Sache von der humoristischen Seite zu nehmen. „Worüber lachst Du? Was kommt Dir komisch dabei vor?“ fragt der andere spöttisch. „Alles. Am komischsten Du selbst! Du bist wirklich ein Original, Rosso! Ein Humorist durch und durch.“ Der Kleine will antworten. Ein Hustenanfall hindert ihn daran. So stark ist der Husten, daß der schwache Körper wie im Krampf hin und her geschüttelt wird. Besorgt beugt Rinaldo Tosti sich über den Kranken. „Ich wollt' Dich nicht verletzen, Kamerad—“ Ernesto Rosso wehrt ab. „Recht hast Du!“ stößt er mühsam hervor.„Mein Lebtag bin ich ein Humorist gewesen. Nur das ich's nicht wußte. Sonst stürbe ich nicht im— Zuchthaus!“ Ein sinnender Ausdruck breitet sich über Rinaldo Tostis männlich schöne Züge. „Auch ich kann mir sinen angenehmeren Ort vorstellen murmelt er vor sich hin.„Und doch— ist es nicht schließlich ganz egal, wo man stirbt?“ „Meinst Du?“ Seufzend legt der Kleine sich wieder auf seine harte Pritsche zurück, von der ihn der Hustenanfall aufgescheucht. Wie tastend ruht der Blick seiner verschmitzten, stechenden Augen auf dem Zellengefährten. „Du gefällst mir, Kamerad!... Besonders Dein Lachen. Es klingt so lebensfroh. Es klingt, als könntest Du die Welt bezwingen und jedermann niederhauen, der sich Dir in den Weg stellt.“ Wieder lacht Rinaldo— diesmal etwas spöttisch. „Du scheinst mich genau zu kennen—“ „Besser als Du mich!“ „Meinst Du?“ „Du glaubst mir ja nicht!“ Schweigend zuckt Rinaldo die Achseln. „Oder glaubst Du mir—“ fährt der Kleine eifrig fort— „wenn ich Dir versichere, daß eine Million für Dich bereit liegt? Du brauchst nur danach zu bücken?“ Wieder schweigt Rinaldo. Er mag den Kranken nicht durch Widerspruch aufregen. Aber wie kann er solchen Ammenmärchen, solchen Hirngespinsten, wie er sie soeben vernommen, Glauben schenken! Ei nneuer Hustenanfall— noch stärker als der vorige— läßt den Armen dort auf der Pritsche sekundenlang nach Atem ringen. Sorgsam, wie eine Mutter ihr Kind behütet, leistet der große starke Mann dem kleinen Beistand. Als Ernestd Rosso sich wieder etlas beruhigt hat, sichkern langsam große Blutstropfen von seinen schmerzhaft verzogenen blassen Lippen. Eine Weile herrscht tiefes Schweigen in der Zelle. Durch das kleine vergitterte Fenster dort oben tanzt ein Sonnenstrahl und zittert auf der kahlen grauen Wand gegenüber. Der Kranke auf der Pritsche hat sich der Wand zugekehrt. Er mag die tanzenden Sonnenstrahlen nicht sehen. Wecken sie Erinnerungen in ihm, die er zurückdrängen möchte, Erinnerungen an seine goldene Jugendzeit, da er, noch ein unschuldiges Kind, zu Füßen der Mutter saß und andächtig den Märchen lauschte, von tanzenden Sonnenstrahlen, von verzauberten Prinzessinnen und bösen, bösen Räubern und Mördern. die stets die wohldverdiente Strafe ereicht?... Schweigend starrt er auf die leere Wand. Seine knochigen Hände bewegen sich auf der haarigen Wolldecke unruhig hin und her. Plötzlich dreht er sich mit einem Ruck um. „Tosti—!“ flüstert er matt. „Kamerad?“ „Schläft der Beppo?“ Und seine tiefliegenden Augen suchen eine Ecke der halbdunklen Zelle. „Ich werde nachsehen.“ Auf einem Schemel hockt dort, in sich zusammengesunken, ein verlodderter Mensch, der aus rotaufgedunsenem Gesicht blöde vor sich hin stiert. Rinaldo faßt ihn an der Schulter. „Beppo!“ Der Mensch rührt sich nicht. „Schläft er?“ kommt es ungeduldig von der Pritsche her. „Nein. Aber er scheint wieder einmal unzurechnungsfähig zu sein.“ „Wenn er nicht simuliert—“ „Warum sollte er simulieren? Wir sind ja unter uns... kein Gefangenwärter ist da—“ Der Mann auf der Pritsche denkt einige Augenblicke nach. Dann winkt er Tosti zu sich heran. „Setz Dich her zu mir, Kamerad!... Und hör zu:... nen=Versicherung, Einbeziehung in die Kranken= und Unfallversicherung, Mindestkündigungsfristen, Nichtigkeit aller Konkurrenzklauseln, Fortzahlung des Gehalts in Krankheitsfällen, Recht auf Erholungsurlaub, Sicherung von Nachtruhe und Sonntagsruhe, Errichtung von Beamtenausschüssen in großen Betrieben, Ausdehnung der Gewerbeaufsicht. Schaffung von Arbeitsgerichten nach dem Muster der Gewerbe= und Kaufmannsgerichte, erhöhtes Existenzminimum, Sicherung der Koalitionsfreiheit, Rechtsfähigkeit der Berufsvereine, besondere Angestelltenkammern oder Vertretung der Angestellten in den verschiedenen Berufskammern usw. Das Gutachten betont, daß im Reichstage eine große, aus Sozialdemokraten, Freisinnigen, Nationalliberalen und Zentrum bestehende Mehrheit für die Forderung der Angestellten und wohl auch für ein einheitliches Arbeitsrecht vorhanden sei. Als erster Referent spricht der frühere österreichische Justizminister Dr. Framz Klein=Wien. Dr. Klein hebt die Schwierigkeiten hervor, die einer Vereinheitlichung des Privatbeamtenrechts entgegenstehen. Die Prosperität ist nicht in allen mit fremden Arbeitskräften arbeitenden Betrieben vorhanden, Unbedingt kann der Schutz der Privatbeamten nur soweit empfohlen werden, als es sich um Zubilligung eines sogenannten sozialen Existenzminimums handelt. Neben der Erweiterung der Rechte darf nicht allzu große Beschränkung der Pflichten einhergehen. Zugleich die Angestellten sozial schützen und das Personal ständig vermehren zu müssen, das ist zu viel. Der Juristentag muß stets auf die Realisierbarkeit seiner einzelnen Forderunren achten, getreu seinem Grundsatz, dem Gesetzgeber nicht Probleme, sondern reife Lösungen aufzugeben bezw. darzubieten.:(Stürm. anhaltender Beifall.) Redner legt folgende Leitsätze vor: . für die Handlungsgehülfen bestehenden sozialen Schutzvorschriften sind als zwingendes Recht auf aus Privarangestellten auszudehnen, die höhere Dienste zu leisten haben Bezüge aus Kranken= oder Unfallversicherung sind nicht auf das Gehalt anzurechnen. Die Vorschriften über die Konkurrenzklausel im Handelsgesetzbuch sind unter gewissem Vorbehalt auf die Privatbeamten auszudehnen. Die Fragen weiterer sozialer Schutzvorschriften für die Privatangestellten sind auf die Tagesordnung des nächsten Juristentages zu setzen.“ In der Diskussion spricht zunächst Viktor B'lobel vom deutschnationalen Handlungsgehilfen=Verband in Hamburg unter erregten Zwischenrufen der Versammlung. Die Forderung der Ausdehnung der Schutzvorschriften für die Handlungsgehilfen auf alle Pivatbeamte würde das Mißtrauen der Unternehmer vermehren. Auch sei es politisch bedenklich, Privatbeamtenrecht einheitlich zusammenzuschweißen. (Große Unruhe). Habe doch die einheitliche Arbeiterschaft einen vorzüglichen Agitationsboden für eine bestimmte politische Partei geboten. Daher sei Vorsicht am Platze.(Lebhafter #fall und Unruhe).— Der Syndikus des Deutschen Techniker=Verbandes Dr. Günther wendet sich scharf gegen den Vorredner. Freiherr v. Pechmain=München bestreitet, daß die Lage der Privatbeamten so sehr ungünstig sei. Rechtsanwalt Fritz Weinberg=Berlin wendet sich gegen Blobel, aus dessen Ausührungen nur der Futterneid eines kleinen Teiles der Handlungsgehilfen gesprochen habe. Regierungsassessor Dr. Heiß=Berlin polemisiert ebenfalls gegen Bobel. Die hier verteilte Broschüre des Herrn Blobel stehe auf einem sehr tiefen Niveau. Da der Redner sich weigert diese Aeußerung zurückzunehmen, wurde ihm vom Vorsitzenden Prof. Enneccerus das Wort entzogen. Mit geringfügigen Aenderungen wurden schließlich mit großer Mehrheit die Thesen des Justizministers Dr. Kleinagenommen. Gerichtssaal. * Duisburg, 15. Sept. Ein Buchmacherprozeß. der sich schon 3½ Jahre hinzieht, beschäftigte heute die Straframmer. Wegen Beihilfe zum gewerbsmßßigen Glücksspiek hatten sich zu verantworten die Kaufleute Max Wiegand aus Duisburg, Wilhelm Adam aus Castrop, Siegfried Joseph Agent Friedrich, Dennner, Wirtschaftsvertreter Albert Hilsmann, Händler Friedrich Wortmann und Händler Fritz Josten sämtlich aus Oberhausen. Die Vorgeschichte dieses Prozesses begann mit einer Verhandlung gegen den Kaufmann Karl Königs aus Duisburg, der von der Krefelder Strafkammer wegen gewerbsmäßigen Buchmachens zu drei Wochen Gefängnis und 500 c Geldstrafe verurteilt worden war. Die Angeschuldigten hatten für das Königsche Wetbureau in Arnheim Wetten angenommen. Sie sollen gewußt haben, daß König die Wetten auf eigene Rechnung abschloß. Unter den Geschädigten befand sich u. a. der Kaufmann Max Fischer aus Duisburg, der um seine Spielverluste zu drcken, der Maschinenfabrik Jäger enorme Summer unterschlagen hatte. Dafür hatte er 2½ Jahre Gefängnis erhalten. Er gab an, daß er an Wiegand' 5000 e verlor und insgesamt 70000 en Verluste gehabt habe. Ein anderer Zeuge, Otto Koch aus Oberhausen, hat bei Joseph und Aber genau!... Linge Zeit hab ich nicht mehr zu Vertraulichkeiten. Noch ein solcher Anfall— und's ist vorbei mit mir. Vielleicht schon morgen... vielleicht erst in Wochen. Wer kann's wissen!“ Ohne ein Wort zu erwidern, zieht Rinaldo seinen Schemel an die Pritsche heran. Sich vornüber beugend, die Ellbogen auf die Knie gestützt, den Kopf dicht an dem Gesicht des Kranken, blickt er ihn durchdringend an, als wolle er hinter den Spitzbubenzügen, denen selbst der nahende Tod nichts von ihrer Verschmitztheit nehmen kann, den wahren Charakter seines Gefährten lesen. Mit einem Gemisch von Bewunderung und Neid überfliegen die trüben Augen des Kranken die kraftstrotzende Hünengestalt vor ihm und haften dann an dem eigenen fleischlosen Eine Sekunde lang ist es, als zucke etwas wie Wehmut um die schmalen Lippen. Dann verzerrt sie wieder das gewohnte fatale Grinsen. ich wahrgt wer ich eigentlich bin, weißt Du nicht, Kamerad, „So wenig, wie Du weißt, wer ich bin.“ Der Kranke lacht. „Spaßvogel... Nun— ich bin von Beruf Advokat... das heißt, ein verunglückter... Hab's nie weiter gebracht als bis zum Bureauchef eines andern Advokaten. Er hies Lamberti... Axturo Lamberti! Merkst Du was? „Ich wüsite nicht—“ vor Feben Jahrer., über den Lamberti: wrozeß gehör. „Vein. Ich lebte damals nicht in Rom.“ dr vorn anfangen... und das Sprechen fällt mir w# schwer—“ „So laß es doch, wenn es Dich angreift!“ „Nein, nein! Es ist die höchste Zeit!... Vielleicht, daß ich schon morgen—— ich fühl's——“ Kranke auf, bevor er im Flüsterton be„Ich werde mich so kurz wie möglich fassen... Du brauchst ja auch nicht alles zu wissen...“ nur das Notwendigste.... Also: Arturo Lamberti war ein guter Kerl I das muß ihm der Reid lassen.. Aber fäul, faul! Das Arbeiten haßte er.... Sein Vater ein bekannter römischer Advokat, hatte ihm nicht nur einen anAdam innerhalb weniger Monate 700 cl verloren. Der StaatsAngeklagten der Beihülfe zum gewerbsmäßigen Glücksspiel(Vergehen gegen das Totalisatorgesetz) für überführt, da nicht nachgewiesen sei, daß die Angeklagten nicht von oer Art des Königschen Bureaus unterrichtet gewesen seien, jedoch Wetten vermittelt hätten. Er beantragte Geldstrafen in Höhe von 500 bis 1000 A. Das Gericht ging über diesen Antrag erheblich hinaus und erkannte gegen Wiegand auf 1500 K, Joseph auf 1000 M. gegen Adam auf 300 M, gegen Hilsmann und De ner auf je 500 q Geldstrafe oder für je 10 A einen Tag Gefängnis. Wortmann und Josten wurden freigesprochen, da eine Gewerbsmäßigkeit nicht nachgewiesen sei. Hagen, 14. Sept. Einentmenschter Familienvater. der Arbeiter Hangemann hatte sich gestern vor de Hagener Strafkammer zu verantworten. Er hatte, wie die Beweisaufnahme ergab, nicht nur seine 25 Jahre alte Eheru in der gemeinsten Weise geprügelt, sondern auch seinen sieben Monate alten Knaben in unmenschlicher Art mißhandelt. Bei dem Kinde wurden erhebliche Verletzungen der Nase und Arm= und Beinbrüche festgestellt. Die Mißhandlungen des armen Geschöpfs und der Frau haben sich fast täglich wiederholt. Die Nachbarschaft, die das Treiben beobachtet hatte, unterließ eine Anzeige nur deshalb, weil der gefährliche Mensch gedroht hatte, jedem den Schädel zu spalten, der es wagen sollte, der Polizei irgendwelche Mitteilungen zu machen. Der Vorsitzende der Strafkammer erklärte in der Urteilsbegründung, daß dem Gericht die Worte fehlten, um die Greueltaten des Angeklagten, der während der Verhandlung unaufhörlich heulte, genügend zu charakterisieren. Das Gericht erkannte auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr 6 Monaten. Unbegründete Forderungen an die Gemeinden.: (Nachdruck verboten!) Hamm i. Westf., 15. Sept. Die Witwe des Eisenbahnbremsers V. verlangte von der Stadtgemeinde Hagen Ersatz des Schadens, den sie dadurch erlitten hat, daß sie auf dem Bürgersteige der Elberfelderstraße in Hagen durch einen starken Draht zu Fall gerommen ist. Der Draht stellte in einem fur das Straßenpflaster bestimmten Einaufschacht und ragte 1 Meter auf den Bürgersteig heraus. Sie ist mit ihrer Klage vom Landgericht in Hagen abgewiesen worden, mit der Begründung, daß der Stadt ei Verschulden an dem Unfalle nicht beizumessen sei. Hiergegen legte die Klägerin Berufung langte 1200 A und eine Rente. Zur Begründung machte sie geltend, zur Zeit des Unfalles seien um den Einfallschacht 6—8 Pflasterarbeiter mit Pflasterarbeiten beschäftigt gewesen. Von diesen Arbeitern müsse der Draht in den Schacht, dessen Rost abgeschoben gewesen, gesteckt worden sein. Der Unfall habe sich nachmittags gegen 6 Uhr bei trübem regnerischen Wetter auf einer der verkehrsreichsten Straßen der Stadt Hagen zugetragen. Durch den erlittenen Unfall sei ihre Erwerbsfähigkeit dauernd um 50 Prozent gemindert, die Stadt Hagen müsse für diesen Schaden aufkommen. Die Gemeindel führt aus, die Pflasterarbeiten hätte eine Hagener Firma als selbstandiges Unternehmen übertragen erhalten und durch eigene Arbeiter ausführen lassen. Die Tüchtigkeit dieser Firma sei erprobt gewesen. Mit der Aufsicht über die Unterhaltung der Straßen habe sie einen geeigneten und sorgsemen Beamten, nämlich einen Bauassistenten betraut. Das Oberlandesgericht in Hagen hat nach erneuter Beweisaufnahme die Berufung der Klägerin als unbegründet zurückgewiesen. Hierbei ließ sich das Oberlandesgericht von folgenden Erwägungen leiten: Durch die Beweisaufnahme sei zwar dargetan, daß die Klägerin wie sie behauptete, durch einen starken, aus einem Einlaufschacht bis auf den Bürgersteig ragenden Draht zu Fall gekommen, sie sich dadurch verletzt und infolgedessen einen Vermögensschaden erlitten habe. Daß dieser aefährliche Zustand der Straße bestanden habe, könne aber, wie mit dem Landgericht anzunehmen si, dem zuständigen Vertreter der Stadt nicht zur Schuld angerechnet werden, weil nicht erwiesen sei, daß der Mangel längere Zeit hindurch bestanden habe. Aus§ 823 des Bürgerl. Gesetzbuches sei daher eine Schadenersatzpflicht der Beklagten nicht begründet. Die Klägerin habe auch in der Berufsinstanz ihren Anspruch nur auf§ 831 des B. G. B. gestützt. Hiernach würde die Stadt neben demjenigen, welcher den Draht in den Schacht gesteckt und dadurch den Unfall verschuldet habe, zum Schadenersatz verpflichtet sein, wenn— was die Klägerin zu beweisen habe— bei Ausführung einer von der Beklagten bestellten Verrichtung von der hierzu bestellten Person der Draht in der gefährlichen Weise angebracht worden sei. Dafür aber, daß städtische Arbeiter den Unfall verschuldet hätten, fehle jeder Anhalt; möglich sei nur, daß Arbeiter der mit der Pflasterung betrauten Firma den Draht angebracht hätten; ein ausreichender Beweis sei aber auch hierfür nicht erbracht. Die Klagerin habe somit die Voraussetzungen für die Ersatzpflicht der Stadt nicht bewiesen. Es komme daher auf den von der Beklagten angetretenen Entlastungsbeweis gar nicht an, und# könne deshalb auch die Bedeutung des Umstandes, daß die Be gesehenen Namen, sondern auch ein großes Klientel hinterlassen... darunter die Verwaltung eines nach Hundertausenden zählenden Vermögens. Außerdem den sehr einträglichen Prozeß um eine mit fürstlichem Luxus eingerichtete Besitzung der Albanerberge,„Schloß Zypressenwald". Schläft der Kerl noch immer nicht?“ unterbricht er sich plötzlich, mit einem mißtrauischen Blick nach der Ecke hin, in der sich etwas zu regen scheint. Doch nein— es muß ein Irrtum gewesen sein. Gleichmäßiges Schnarchen von jener Ecke her überzeugt die beiden, daß Beppo jetzt wirklich schläft. „Also—“ beginnt der Kranke aufs neue, während ein sardonisches Lachen seine ausgemergelten Züge zu einer Grimasse verzerrt—„Arturo Lamberti hatte zwei Fehler. Erstens: er war faul. Zweitens: er schenkte mir volles Vertrauen. Den letzte Fehler war der größere; er wurde ihm verhängnisvoll.... Auch ich hasse die Arbeit— wenigstens die Arbeit im ländlichen Sinn. Aber wenn er was zu tun gibt, wo man Geld verdienen kann, besonders auf krummem Wege, nicht auf der breiten Heerstraße— dann scheut der Ernesto Rosso keine Mühe. Doch nicht wie ein Wurm am Boden krauchen und auf Beute lungern wollt ich. Nein, durch eine große Tat in den Besitz von viel Geld kommen... Aber wie das anfangen? Wie Ich, grübelte und grübelte.... Da begünstiget mich das Schicksal. Lamberti verlobte sich und überließ mir von nun ab alle Geldgeschäfte. Riesensummen rollten durch meine Hände Ueber Ländereien und Besitzungen verfügte ich fast uneingeschränkt im Namen meiner— oder vielmehr Arturo Hambertis — Klienten. Selbstgefällig lächelt er vor sich hin, bevor er, diesmal in geschäftsmäßigem Tone fortfährt: Streich, der mir glückte, war der, daß ich „Schloß Zypressenwald“ an mich brachte. Der vorige Besitzer .. die beiden Kinder verstanden nichts von Geschäften— ich hatte leichtes Spiel... Als dieser„Trick“ gelungen war, wuchs mein Mut. Andere folgten... und wieder andere. Freilich— nicht einen Augenblick vergaß ich die Gefahr, in der ich schwebte. Aber ich kalkulierte folgendermaßen: „Vielleicht gelingt es mir, dem Gesetz ein Schnippchen zu schlagen und durchzuschlüpfen... Und wenn nicht— wieviel Jahre würde ich ins Loch müssen? Sagen wir: schlimmstenklagte einen geeigneten und zuverlässigen Beamten mit der Aufsicht über die Unterhaltung der Straße betraut labe, unerörtert bleiben. Der Berufung der Klägerin sei somit der Erfolg zu versagen. Vermischtes. * Die Pfahlbauten im Attersee. Kaum 6 Dezennien ist es her, als infolge eines ungewöhnlich niederen Wasserstandes, wie es seit Jahrhunderten nicht der Fall war. die Schweizer Seen ein Geheimnis der Menschheit enthüllten, welches seit Jahrtausenden in ihrer bergenden Tiefe geschlummert. Dem Lehrer Aeppli zu Obermeilen am Zürichersee war es vergönnt, im Winter 1853/4 in der Nähe seines Wohnhauses Ueberreste alter, menschlicher Siedelungen zu entdecken, auf welche er die antiquarische Gesellschaft in Zürich aufmerksam machte. Ein Mitglied derselben, Dr. Ferdinand Keller, widmete sich von nun ab dem Studium dieser Ueberreste und hat die Ergebnisse seiner Forschungen in 7 Pfahlbauberichten der„Mitteilungen der antiquarischen Gesellschaft in Zürich“ niedergelegt.) Ein 8. Bericht erschien von seinem Schüler Viktor Groß und ein 9. von Jakob Heierli, welche neben dem zuerst Genannten sich einen berühmten Namen in der Pfahlbauforschung erworben haben. Als eigentümliche Erscheinung konnte festgestellt werden, daß die Pfahlbauten der Westschweiz die jüngere Steinzeit, in welcher die Siedelungsart, auf schimmernden Seeflächen, umgeben von dichtem, schattigem Urwald und sumpfigen Niederungen, seine Behausung aufzuschlagen, zuerst auftritt, überdauern und noch bis in die späte Eisenzeit hinein besiedelt sind, sodaß selbst die jüngere Eisenzeit noch nach einer ausgedehnten Pfahlbaute den Namen La Tene=Periode erhielt. Anders dagegen ist es in der Ostschweiz und in den österreichischen Seen, wo man aus dem Mangel an Bronzefunden schließen muß, daß diese Besiedelungsart mit dem Ende der Steinzeit verschwindetWenn auch vereinzelte Bronzefunde gemacht wurden. so z. B. hat der Schiffmeister Theodor Wang aus Seewalchen am Attersee an der Stelle der daselbst einstmeils gegen die Ager zu gelegenen Pfahlbauten vor einigen Jahren 2 bronzene Gewandnadeln gefunden, welche ihr Besitzer Herr Ferdinando von Peratoner dem Museum des Vereins„Deutsche Heimar“ in Kammer geschenkt hat, so sind diese als aus dem Süden importiert anzusehen. In Oesterreich hat Graf Gundakar Wurmbrandt zuerst 1864 mit seinem Freunde Grafen Hans Wilczek gemeinsame Nachforschungen in den Alpenseen, hauptsächlich im Attersee, vorgenommen. Er wies zu Seewalchen beim Agerausflusse, zu Attersee, Aufham, sowie zu Weyregg und Puschacher Pfahlbauten nach. Eine große Menge von Steinartefakten, durchbohrter Hämmer, Aexte und Beile, Geräte aus Hirschhorn und zahlreiche Gefäßreste waren das Ergebnis seiner mit Baggerschaufeln vorgenommenen Untersuchungen. 1872 hat Regierungsrat Dr. M. Much zu See am Mondsee eine ausgedehnte Pfahlbausiedlung nachgewiesen und noch heute sieht man am Seegrunde Gruben dicht aneinandergereiht, die Spuren der Forschungsarbeit des verdienstvollen, im Vorjahre verschiedenen Forschers. Wir finden die Pfahlbauten in ganz Europa, mit Ausnahme des hohen Nordens und Ostens verbreitet; auf der Balkanhalbinsel findet sich diese Siedlungsweise noch zu Lebzeiten Herodots im 5. Jahrhundert vor Christi Geburt vor, welcher uns in anschaulicher Weise von dem Pfahlbau der Päonier am See Prasias in Thrakien berichtet. Die Pfahlbaubewohner waren Jäger, Hirten und Fischer und betrieben neben der Viehzucht in bescheidenem Maße Ackerbau. Ihre wichtigsten Haustiere sind Rind, Schaf, Ziege, das Schwein und der Hund; der Ackerbau lieferte Weizen, Gerste und Flachs. Nach ethnographischen Analogien zu schließen ist es wahrscheinlich, daß die Frauen sich mit dem Ackerbau beschäftigten, während die Männer wohl vorwiegend der Viehzucht, Jagd und Fischerei huldigten. In der Nahrung waren sie nicht sehr wählerisch; neben dem Fische aßen sie alle Arten von Baumfrüchten und Beeren, deren sie habhaft werden konnten. Den Pfahlbauten der Steinzeit hat man ein Alter von 5000—7000 Jahren zugesprochen, soviel ist sicher, daß sie lange Zeit bewohnt waren und ein wichtiges Glied in der Kette der Entwicklung menschlicher Kultur in unseren Alpenländern bilden. Aus diesem Grunde hat sich der Verein„Deutsche Heimat“ über Anregung seines rührigen Obmannes Herrn Dr. E. Stepan entschlossen, aus volkserzieherischen Gründen als auch um den Fremdenverkehr zu heben, ein steinzeitliches Pfahlbaudorf zu rekonstruieren, dessen Eröffnung am 14. August zu Kammer am Attersee stattfand. Die Rekonstruktion wurde im sogenannten Sturmwinkel in Kammerl unweit der Bahnstation und Dampferlandungsstelle errichtet. Sie besteht aus 5 Hütten, welche auf 190 Piloten aus Lärchenholz ruhen, darüber ist der Rost aus Querbalken gelegt. Besonderes Gewicht wurde darauf gelegt, daß nur ungeschältes Holz zur Verwendung gelangt. Die Hütten zeigen genau die Form der beiden wissenschaftlich festgestellten Typen, des Blockbaues und Flechtbaues. Der Grundriß der Hütten ist rechteckig, die Dimensionen der größten 5.8:5.1 Meter. die der kleinsten 4.7:3.75 Meter, der Flächenraum des Rostes beträgt 357.1 Meter:. Die Innenwände der Hütten wurden mit Lehm falls drei, vier, fünf Jahre!... Und darnach war ich ein gemachter Mann.... Du verstehst mich, Kamerad?“ „Ich verstehe vor allen Dingen, daß Du ein Erzschurke bist“, lautet die kalte Entgegnung. Höhnisch lacht der Kranke auf. „Vielleicht!... Schurken sind wir ja alle, die wir die Ehre haben, hier in diesem Palazzo zu sitzen. Der eine mehr, der andere weniger Du selbst— wenn ich nicht irre, bist wegen Mord—“ Rinaldo Tosti anwortet nicht. Ein seltsamer Ausdruck, halb Spott, halb Trotz, malt sich in seinen Zügen. „Was ich sonst noch nebenher trieb, kann Dir vorläufig gleichgültig sein—“ fährt Rosso nach einer Weile, fast keuchend vor Anstregung, aufs neue fort:„Die Hauptsache: eines Tages wurden wir— verhaftet!“ „Wir?“ wiederholt Rinaldo verwundert. „Der Lamberti und ich—“ „Auch der Advokat Lamberti?... Er war also Dein Komplize?“ „Bewahre. Aber— Amtsvernachlässigung, mein Bester!.. Er hätte nicht alles mir überlassen dürfen... Er kam mit ein paar Jahren davon, während ich—“ Der Kranke macht eine kleine Pause und ringt nach Atem Das Sprechen greift ihn mächtig an. „Nun—? Und Du—“ fragt Rinaldo. indem er teilnehmend den harten Pfühl zurechtrückt, auf dem sich der Kopf des Bedauernswerten unruhig hin und her bewegt. „Ich?“ stößt Rosso hastig hervor.„Ich?... Ich bekam — sieben Jahre—— ein ekliger Fetzen Zeit, was?... Besonders, wenn mittlerweile die Gesundheit, flöten gegangen war—— denn leicht ist es nicht immer gewesen, das Beschummeln und Betrügen... Und dann— noch etwas—— „Noch etwas?“ drängt Rinaldo. „Die Bande, die mir ihren Schwindel anvertraut hatte, quälte mich... Ah ah!“ unterbricht er sich plötzlich—„laß sie laufen——'s lohnt nicht, sich darüber aufzuregen... Also— beinahe sechs Jahre hab' ich abgebrummt—— bevor das letzte anfängt, lieg' ich unter der Erde. Die Zuchthausluft ist der Schwindsucht nicht zuträglich— weißt Du... Na, macht nichts! Man wollte mir übrigens das siebente Jahr schenken, damit ich—“ bitter lacht er auf—„in der Freiheit sterben könnte— wie man mir gnädigst sagte-Hahahaha! Ich danke dafür! Ich pfeif' auf solche Freiheit!“ verputzt, nachdem die Zwischenräume der Balken und des Flechtwerkes mit Moos ausgestopft waren. Zwischen den Hütten befindet sich, ein kleines Idyll inmitten der traulichen, Moos verkleideten und Schilf gedeckten Hütten, umrahmt von dem bläulich wogenden See mit lachenden Uferlandschaften, ein kleiner Hofraum mit einem Vorrat an Holz, das sich die Bewohner hierhergeschleppt, und einem Steinbohrapparat nach einer Rekonstruktion des Grafen Wurmbrandt 187 gearbeitet, womit die Pfahlbaubewohner ihre Beile und Aexte zu durchbohren pflegten. In ein Stück gespaltenen Baumstammes sind vertikal 2 Balken eingelassen, verbunden durch ein Querstüg, welches in der Mitte durchbohrt ist. Durch diese Oeffnung ist ein an seinem Ende gespaltener Stab gesteckt und in diesen Spalt ein zylindrisch ausgehöhlter Endsproß von Hirschgeweih eingelassen, welcher die Durchbohrung erzeugt, wobei befeuchteter Quarzsand als Agens verwendet wird. Das Pfahldorf ist durch einen 40 Meter langen Steg aus Knüppelholz mit dem Festlande verbunden. In Verbindung mit dieser Rekonstruktion hat der Verein „Deutsche Heimat“ ein Museum im Schlosse Kammer errichtet, worin prähistorische Funde hauptsächlich aus der Pfahlbauäral der jüngeren Steinzeit zu sehen sind. Flachteile in verschiedensten Größen und aus verschiedenartigem Material. durchbohrte Steinäxte und Hämmer in schöner und feiner Ausführung bieten sich dem erstaunten Beschauer dar, als Beweis großer, manueller Geschicklichkeit vergangener Zeiten. Zahlreiche Ueberreste der Keramik aus Ton, welcher durch Beimischung von Quarzkörnern gefestigt ist, sowie namentlich eine Reihe von Gefäßbruchstücken mit Ornamenten, die in das Gefäß einge graben und durch weiße Kalkfüllmasse hervorgehoben wurden, machen den Besuch des Museums zu einem lohnenden. Durch das Entgegenkommen der k. u. k. Intendanz des k. k. naturhistorischen Hofmuseums ist der Verein in der Lage, dem Besuchen des Museums auch eine Reihe von Gypsabgüssen von Werkzeugformen der Bronzezeit und Eisenzeit vorzuführen. Sehenswert sind ferner Nachbildungen von Flechtwerken der steinzeitlichen Pfahlbaute Robenhausen am Pfäffikersee, welche Herr Direktor Gustav Funke der k. k. Lehr= und Versuchsanstalt für Korbflechterei und verwandte Techniken dem Museum geschenkt hat. Endlich sind noch Funde der La Tene= Periode zu nennen welche aus einem vom Museumsleiter F. Schenda aufgedeckten Tumulus zu Ober= Egg bei Pichlwang herrühren. 2 Gefäße mit Graphit geschwärzt, welche Leichenbrand enthielten, 2 Armspangen aus lapis lazuli, sowie eine Gewandfiebel und ein eisernes Gürtelblech. In rastloser Tätigkeit strebt der Verein darnach, das Museum zu einer Sehenswürdigkeit ersten Ranges auszugestalten und hat bereits die Genugtuung, darauf hinweisen zu können, daß sich das Ausland, selbst England und Amerika für seine Unternehmungen am Attersee interessiert und telegraphisch Abbildungen der gelungenen Rekonstruktion und eingehende Berichte verlangen. Er gibt sich der frohen Hoffnung hin, daß sowohl das Pfahlbaudorf als auch das Museum, welche den ganzen Tag über gegen geringes Entgelt der Besichtigung offen stehen, sich reichen Zuspruches erfreuen werden. * Napoleon I. in einer deutschen Dorfschule. Man schreibt der Deutschen Tageszeitung: In den hinterlassenen Aufzeichnungen eines vor 20. Jahren verstorbenen höheren Justizbeamten fand ich eine Reihe von Jugenderinnerungen, aus denen hier die Schilderung eines Besuches wiedergegeben sei, den Napoleon I. im Jahre 1810, als er den Rhein bereiste, der Schule des damals noch recht kleinen Städtchens Andernach abstattete.„Es war an einem sonnigen Morgen“, so lesen wir in den Erinnerungen,„als der Besuch des Kaisers erwartet wurde. Begreiflicherweise waren wir Kinder sehr aufgeregt, seitdem man uns gesagt hatte, daß der Kaiser einer Schulprüfung beiwohnen werde, tagelang konnten wir kaum mehr schlafen, und als der große Tag endlich angebrochen war. und wir ihn mit einer Messe in der uralten Kirche begannen, verweilten unsere Gedanken weit mehr bei dem Herrn der Erde als dem Civilstand der Stadt Neuß. Bei Anmeldungen auf dem Standesamte sind Familienbücher eventuell sonstige Personalpapiere vorzulegen, die ärztlichen TotenScheine möglichst gleichzeitig bei Erstattung der Sterbeanzeige. Anträge auf Erlaß des Aufgebots werden an jedem Werktage während der Dienststunden von 9—12 Uhr vormittags und von 3—5 Uhr nachmittags entgegengenommen. Geburten Am 6. September: Heinrich Jakob Hubert, Sohn des Schlossermeisters Jakob Bienefeld.— Am 8.: Katharina Barbara, Tochter des Schlossers Gustav Erlenkamp.— Irmgard, T. des Schlossers Heinrich Rabbels.— Maria Elisabeth, T. des Milchhändlers Hubert Ackers.— Anton Hubert, S. des Pliesterers Gottfried Hellingrath. — Agnes Kunigunde Sophie, T. des Schlossers Johann Adam — Am 9.: mvery Christine, T. des Kutschers Johann Pau..— Wilhelmine, T. des Fabrikarbeiters August Lenné.— Anna Katharina, T. des Lademeisters Wilbelm Tappen.— Am 10.: Maria Magdalena, T. des Lokomotivheizers Wilhelm Fritzsche.— Am 11.: Georg Alfred, S. des Fabrikarbeiters Alfred Andrzeyczak. Maria Elisabeth, T. des Hilfsschaffners Hermann Schiffer.— Johann, S. des Lohgerbers Wilhelm Stübben.— Julius Peter Heinrich, S. des Bahndiätars Hermann Ponzelar.— Am 12.: Barbara, T. des Fabrikarbeiters Wilhelm Schmitz.— Bernhardine Klara Katharina, T. des Anstreichers Karl Küppers.— Am 14.: Maria Katharina, T. des Fabrikarbeiters Adolf Schulpin.— Luise Sibylla, T. des Lokomotivheizers Heinrich Bender.— Peter Joseph, S. des Stuckateurmeisters Christian Brüggen. Sterbefälle. 25„Am 8. Septemper: Ehefrau Franziska Schmidt, geb. Faßbender, #. 2o. S# Elisabeth Lappe, ohne Stand, 28 Jahre alt.— : Therese Crefeld, 8 Tconate alt.— Johann Heinrich Hubert Spicker, Invalide, 66 Jahre alt.— Anna Maria Conrads, 1 Jahr alt.— Jakob Hubert Bier, 5 Jahre alt.— Am 10.: Witwe Therese Esch, geb. Schäfer, 77 Jahre alt.— Bernard Malmendier, abrikuntermeister, 58 Jahre alt.— Ehefrau Elisabeth Hall, geb. 64 Jahre an.— Friedrich Wilhelm Heinrich Hubert Tieves, Kommis, 57 Jahre alt.— Am 11.: Peter Jakob Michael „Am 12.: Joseph Lauth, I Jahr alt.— Christian Eisenburger, ohne Stand, 35 Jahre alt.— Emil Johann van Fondern, 9 Tage alt.— Ehefrau Auguste Kornemgng#r. Palbe., 49 Jahre alt.— Am 14.: Quirinus edrich Oun, 9 Monate alt.— Margarere Basen, ohne Stand, Jahre alt.— Am 15.: Ehefrau Maria Gertrud Riesenpath, geb. Röbeler, 35 Jahre alt. Heiratsverkündigungen. Jansen, Bäcker, und Emma Dörken, beide zu Neuß. — Mathigs Floer, Friseur, und Cäcilia Müller, beide zu Neuß.— Heinrich Köhnen, Heizer, und Sibylla Piel, beide zu Neuß.— Heinrich Wiel ch, Landwirt, und Katharina Boes, beide zu Neuß. #.=Datoh zalz orn, Faorzkarventr., zu Stürzelberg, und Elisabeth Kremer, zu Neuß.— Karl Wenge, Kommis, und Maria Hennesen, Summersbach, beide zn curi. Vinger. Schloser. und Kavarna des Himmels. Wir Kinder wurden dann vor der Schule aufgestellt, um, wenn der Kaiser komme, ein Lied zu singen. Wir hatten noch nicht lange dort gestanden, als wir eine Gruppe von Generälen auf der Schule zuschreiten sahen, in deren Mitte wir sofort den Kaiser erkannten.“ Sein gelbes Gesicht und sein finsterer Blick setzten uns in Schrecken, und das Lied, welches wir zu seiner Begrüßung sangen, mochte nicht auzu frisch und freudig gerlungen haben. Eilends liefen wir dann in das mit der französischen Fahne und dem Bilde des Kaisers geschmückte Schulzimmer, und mit klopfendem Herzen sahen wir der Prüfung entgegen. Niemals vergesse ich den Eindruck, als der Kaiser durch die kaum mannshohe Tür in das niedere Zimmer eintrat. Die Kinder hatten sölche Furcht, daß sie kaum zu antworten wagten, und selbst die leichtesten Fragen in der Religion, im Rechnen und in der Geographie wurden nur zitternd und stockend erwidert. Dann aber kam das Schwierigste. Napoleon wollte sich von den Kenntnissen seiner jungen Untertanen in der französischen Sprache persönlich unterrichten und begann selbst zu fragen. Da war es kein Wunder, daß wir armen Dorfschüler vollständig versagten, und daß der Ausdruck des Kaisers, der in dieser Hinsicht vielleicht den Einfluß unserer Eltern erblickte, stets finsterer wurde. Nicht nur die Aufregung ließ uns verstummen, sondern auch die ungewohnte Art des Fragens. Der Kaiser überstürzte sich, er sprudelte die oft unverständlich bleibenden Worte heraus, und wenn die Antwort ausblieb, so warf er eine ärgerliche Bemerkung dazwischen. Noch sehe ich das Bild vor mir, als der Kaiser plötzlich aufsprang, seinen Hut ergriff, den er der Wärme wegen abgelegt hatte, und dem Lehrer(der es uns später übersetzte) in französischer Sprache zupolterte:„Man sollte den Nürnberger Trichter kommen lassen, um den dummen Bauernköpfen die französische Sprache einzutrichtern.“ Angstvoll und erschrocken blieben wir zurück, als er davonstürmte.“ * Der geistesgegenwärtige Clemenceau. Wie die Frankf. Ztg. mitteilt, erzählt Georges Cain über die Geistesgegenwart Clemenceaus eine hübsche Anekdote. Der ehemalige Ministerpräsident befand sich zu seiner Erholung in einem klimatischen Kurorte. Als er eines Tages in sein Hotel zurückkehrte, brachte ihm der Direktor die Karte eines Herrn, der seit zwei Stunden auf Clemenceau warte. „Ich kenne ihn nicht. Was will er von mir?“ fragte Clemenceau, „Er besteht darauf, Sie, Herr Ministerpräsident, zu sehen.“ „Also lassen Sie ihn eintreten, damit ich ihn los werde.“ Der Unbekannte erscheint, und es war sofort zu bemerken, daß er ein Verrückter war. „Sind Sie Herr Clemenceau?“ „Gewiß, das bin ich.“ „Nun wohl, innere Stimmen sagen mir", erklärte der Verrückte,„daß ich Sie umbringen soll, und ich frage mich...“ „Pardon!“ unterbrach ihn der Ministerpräsident mit einem bewunderswürdigen Phlegma,„vorerst noch ein Wort. Machen Sie hier die Kur?“ „Allerdings—“ „Dann mein lieber Herr, will ich Ihnen einen guten Rat geben. Vermeiden Sie während Ihrer Kur eine so große Aufregung. Das würde für ihre Gesundheit sehr schädlich sein. Spechen Sie erst mit Ihrem Arzt und dann kommen Sie wieder.“ Hierauf geleitete Clemenceau, den gefährlichen Besucher zur Tür, der ganz verzutzt war und zwischen den Zähnen murmelte: „Glauben Sie wirklich? Glauben Sie wirklich?“ *„Treu bis auf die Knochen.“ Vier Jahre war ein Arbeiter als Hausknecht in einer Lumpen= und Knochenhandlung beschäftigt zur vollen Zufriedenheit seines Prinzipals. Dann aber ließ sich der Arbeiter durch mißliche häusliche Verhältnisse verleiten, aus dem Geschäft zwei Säcke Knochen zu entwenden und sie in einem andern Geschäft zu versilbern. Der Arbeitgeber erfuhr hiervon, entließ den Arbeiter sofort und schickte ihm Lohn, Invalidenkarte und Zeugnis ins Haus. Das Zeugnis lautete: N. N. war vier Jahre in meinem Geschäft als Hausknecht tätig und zwar bis zur letzten Zeit zu meiner Zufriedenheit, dann aber mußte ich ihn wegen Diebstahls entlassen. Der Arbeiter verlangte ein anderes Zeugnis, das ihn nicht in seinem Fortkommen hindere. Der Arbeitgeber war gern bereit, sich mit dem Arbeiter zu einigen, ohne das Gewerbegericht in Anspruch zu nehmen, betonte aber, daß er die gesetzlichen Bestimmungen innehalten werde und nichts Unwahres in das Zeugnis hineinschreiben wolle.„Ich war doch immer ehrlich!“ meinte der Arbeiter.:„Daß ich die Knochen entwendete, ist auf bbittere Not zurückzuführen.“ Auf Vorschlag des Arbeiters kam, wie der„Köln. Lokalanz.“ erzählt, eine Einigung zustande, wonach das Zeugnis folgenden Schlußsatz enthielt:„.. beschäftigt und war treu bis auf die Knochen". 158 7 No. 66. Beiträge, Anfragen und Lösungen der Aufgaben sind an Herrn Dr. Ullrich. Neuß, zu richten. Die Spielabende des Neußer Schachvereins finden Montags und Donnerstags, 8½ Uhr abends, im Hotel Neckenig statt. Gäste sind stets willkommen. Unentgeltliche Anleitung im Schachspiel. Die Generalversammlung des Neußer Schachvereins fand vergangenen Montag statt. Der Bericht über den Verlauf des Stiftungsfestes wurde vom Vorsitzenden erstattet. Die Kassenbücher wurden geprüst und dem Kassierer Entlastung erteilt, die Kasse schloß mit einem recht erfreulichen Ueberschusse ab. Der Verstand wurde in der bisherigen Zusammensetzung wiedergewählt. Der Beginn des Winterturniers wurde auf den 1. Oktober festgesetzt. Es sollen diesmal Gruppen von gleich starken Spielern gebildet werden und diese je nach der Anzahl der sich an der Gruppe beteiligenden 2, 3, 4 oder noch mehr Partien jeder mit jedem spielen. Die Preise sollen gleich hoch sein und aus der Kasse für jeden Mitspieler ein Zuschuß von 4.00 Mk. geleistet werden. Unter den Preisen sollen die Spieler jeder Gruppe ihrem Erfolge entsprechend der Reihe nach wählen. Ein Unterrichtskursus soll auch in diesem Winter wieder abgehalten werden. Endspiel von A. Troitzti. b* 4 k g 1 Schwarz am Zuge macht remis. (Schluß des redaktionellen Teils.) Die Fleischteuerung ist leichter zu ertragen, wenn die Hausfrau die zur Bereitung von Suppen, Saucen, Gemüse, Ragouts usw. benötigte Fleischbrühe aus Maggi's Bouillon=Würfeln hergestellt. Diese sind bekanntlich mit allerbestem Fleischextrakt herstellt und enthalten alls Zutaten einer natürlichen, kräftigen Fleischbrühe. 30 Neuß. Heiraten. Arnold Werth, Kaufmann, und Maria Widenmann, beide zu Rindviehmarkt zu Cleve am Mittwoch, den 21. September 1910. Kannorke liefert schnellstens und preiswert die Aouberis druckerei der Neußer Zeitung.—— Maschinenbau-Anstalt Jean Koerver Fernsprecher 1035. Krefeld. Fernsprecher 1035. Am 1. September errichtete ich hierselbst in meinem neuerbauten Etablissement hinter dem Städt. Gaswerk St. Tönisserstr. unter obiger Firma eine Dampfkessel, Reservoire- u Apparate-Bau-Anstalt Durch meine langjährige Erfahrung im gesamten Kesselschmiedewesen, unterstützt durch ein geschultes Personal, sowie durch eine ganz vorzügliche, moderne, allen Anforderungen der heutigen Technik entsprechende Werkstatt-Einrichtung, bin ich in der Lage, nicht nur ein wirklich erstklassiges Fabrikat zu mässigen Preisen liefern, sondern auch grosse Aufträge in kürzester Zeit erledigen zu können. Spezialitäten: Grosswasserraumkessel, stehende Kessel, Ueberhitzer, Vorwärmer, Wasserreinigungsanlagen, Oelabscheider, Apparate für Färbereien, Bleichereien, Appretur-Anstalten, Apparate für chemische, Zucker- und Gasfabriken, Bassins in jeder Form und Grösse, Transportkessel für Bahn- und Landtransport, Hochbehälter, Tanks, Gasbehälter, Eisenkonstruktionen, Zylinder- und Kugelkocher für Papierfabriken, Ausführung aller Kesselschmiede-Arbeiten. 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Wie sehr gewisse Organe der in= und ausländischen Tagespresse in der gegenwärtigen sommerlichen Stille den Eintritt politischer Sensationen vermissen und den Mangel an diesem für ihre Zwecke unschätzbaren Material unangenehm empfinden, kann man daran erkennen, daß die unglaublichsten Nachrichten erfunden und in die Welt gesetzt werden, um nur um jeden Preis Aufsehen zu erregen. Der Abwechslung halber haben sich diesmal diese coute que coute= Sensationsmacher die militärische Rüstung unseres Vaterlandes als Objekt ihrer Beunruhigungspropaganda ausgesucht. Zuerst hieß es, daß die lenkbaren Luftschiffe, die das deutsche Heer besitzt und von denen einige gegenwärtig bei den großen Herbstmanövern Verwendung gefunden und sch bestens bewährt haben, absolut wertlos seien, weil sie von den in größere Höhen aufsteigenden Aeroplanen, besonders solchen französischen Typs, unter Feuer genommen und leicht außer Gefecht gesetzt werden könnten. Dann kam der sozialdemokratische„Vorwärts“ mit seiner Sensationsnachricht von einem neuen Schlachtschifftyp, der, obwohl von wesentlich geringeren Abmessungen als die Dreadnought= Panzerschiffe, angeblich imstande sein sollte, Geschosse von einigen 50 Zentnern, also das Achtbis Zehnfache des gegenwärtigen Geschoßgewichtes, auf große Entfernungen zu schleudern und die größten Kampfschiffe der Gegenwart sozusagen im Handumdrehen kampfunfähig zu machen. Auch diese Geschichte hat das Aufsehen nicht erregt, das sie erregen sollte; hat also ihren Zweck verfehlt. In diesem Wettbewerb an Sensationsmacherei hat nun den Vogel abgeschossen der ehemalige französische Deputierte Paul Doumer, der in einer im„Matin“ veröffentlichten Studie über das Lebel= Infanteriegewehr den Nachweis zu erbringen sucht, daß das deutsche Infandteriegewehr unterwertig sei und der französischen Infanteriewaffe in verschiedenen Beziehungen, insbesondere in der Leistungsfähigkeit und Ausdauer des Laufes, in der Treffsicherheit erheblich nachstehe. Daß auch diese neueste Sensationsnachricht völlig haltlos ist und keinesfalls in Deutschland zu Beunruhigungen Anlaß geben darf, wird in der„Vossischen Zeitung“ in folgenden, von fachmännischer Seite herrührenden Ausführungen nachgewiesen: „Das französische Lebelgewehr ist als kriegsbrauchbare Waffe wohl noch anzusehen, es ist aber von dem deutschen Infanteriegewehr überholt, da dieses eine rasantere Flugbahn besitzt, d. h. der Flug des Geschosses erhebt sich zwischen Mündung und Treffpunkt weniger über den Erdboden, als dies beim Lebelgewehr der Fall ist. Die Folge davon ist, daß bei sonst gleichen Bedingungen das deutsche Gewehr mit der rasanteren Flugbahn mehr Treffer bewirkt als das französische. Das Alter einer Waffe ist heutzutage bei den enormen Fortschritten der Waffentechnik und der Metallfabrikation ein schwerwiegender Faktor bei Beurteilung der Frage ihrer Kriegsbrauchbarkeit. Die größere Durchschlagskraft des deutschen Dour schutzschilde den oder ni Geschosses wird von Doumer zugegeben. Ob die Stahlder Geschütze von Gewehrkugeln durchschlagen wernicht, spielt keine wesentliche Rolle, da der Kampf von Infanterie gegen Feldartillerie wegen des unvermeidlichen außerordentlich großen Munitionseinsatzes immer eine Ausnahme bleiben wird. Wichtig ist dagegen, daß das deutsche Geschoß eine größere Wirkung gegen feldmäßige Deckungen der Infanterie haben wird. Einem Lächeln muß die Behauptung begegnen, daß der Lauf des deutschen Gewehrs in seinen Zügen durch etwa 100 Schuß leiden könnte oder gar übel zugerichtet würde. Jeder gediente Infanterist weiß, daß bei den alljährlichen großen gefechtsmäßigen Scharfschießen der Infanterie häufig täglich bis zu 50, an zwei aufeinanderfolgenden Tagen über 100 Schuß abgegeben werden. Daß der Lauf darunter litte, ist noch nie bemerkt worden, es wäre dies auch ein trauriges Zeichen für unsere Waffenfabrikation und die mit Prüfung und Abnahme der Gewehre betrauten Organe. Wenn Doumer alles in allem versichert, daß die Bewaffnung der französischen Armee, Lebelgewehr nebst Munition und Feldartilleriegeschütz, auf der Höhe und der deutschen mindestens gleichwertig sei, so rann man— vom französischen Standpunkt aus— ihn zu diesem beruhigenden Bewußtsein nur beglückwünschen. Vom deutschen Standpunkt ist dabei nur aufrichtig zzu bedauern, daß der ehemalige Abgeordnete nicht auch die volle, schwere Verantwortung für seine Behauptung der französischen Armee gegenüber tragen muß.“ Damit dürfte auch diese Sensation endgültig abgetan sein. Es verdient jedoch bemerkt zu werden, daß die Nachrichten über die Mangelhaftigkeit und beschränkte Brauchbarkeit der deutschen lenkbaren Luftschiffe sowie die Nachrichten über die angebliche Wertlosigkeit der deutschen Hochseeflotte von solchen Parteiblättern herrühren, die sonst die militärische Rüstung des Deutschen Reiches mit allen Mitteln zu bekämpfen und zu schwächen suchen. Hoffentlich erinnern sich diese Preßorgane ihres Interesses für die deutsche Wehrmacht nicht bloß, wenn es sich darum handelt, Sensationsmeldungen zu fabrizieren, sondern auch dann, wenn es im Reichstage darauf ankommt. die nötigen Geldmittel für die Verbesserung und Ver ung zu bewilligen! erstärkung unserer RüstLuftschiffahrt. *!: Zur Orientierung für Luftschiffer. Wie die Direktion des Städtischen Gaswerkes Recklinghausen den Luftschiffer=Vereinen mitteilt, hat sie die Decke des großen Gasbehälters in Recklinghausen=Süd weiß anstreichen und mit der Aufschrift „Recklinghausen" versehen lassen. Zu gleicher Zeit teilt die Direktion mit, daß sie die Absicht hat, diesen Anstrich auch dauerno zu unterhalten, wenn die Erfahrung zeigt, daß die Sache wirklich ihren Zweck erfüllt. Dieses Vorgehen ist naturgemäß von den Luftschiffer=Vereinen mit großer Freude begrüßt worden und verdient die weiteste Nachahmung besonders in unserem Industriebezirk. Gerade dieser Bezirk ist für die Luftschifffahrt äußerst schwierig, denn abgesehen davon, daß infolge der dichten Bebauung und der stets vorhandenen Rauchtrübung der Luft die einzelnen Orte schwer von einander zu unterscheiden sind, ist es auch für den landenden Ballon sehr schwierig, ein geeignetes Landungsgebiet zu finden, in dem er ohne Gefahr für sich und die Umgebung die Landung ausführen kann.— Es wäre deshalb, so wird uns geschrieben, mit großer Freude zu begrüßen, wenn die Städte des Industriebezirkes diesem Beispiel Recklinghausens folgen würden. Ganz besonders würde sich diese Einrichtung in der Zukunft bewähren, wo wir auch Flüge von Flugmaschinen über unser Gebiet in allernächster Zeit zu erwarten haben. Vermischtes. * Eine drollige Geschichte von dem Schrecken eines Kürassiers erzählt Stabsarzt Dr. Jaerisch= Graudenz in der „Deutschen Jägerzeitung“. Es heißt da: Gelegentlich der Besichtigung einer Kavallerie=Division, die aus ostelbischen Regimentern zusammengesetzt war, sind die direkten Vorgesetzten auf dem Truppenübungsplatz anwesend. Der Kommandierende General eines Korps hält auf einem Hügel und beschaut das Gelände, da kommt des Weges ein Reiter getrabt, der zu dem Korps des hohen Herrn gehörte. Der ruft ihn an und richtet an ihn eine kurze Frage, die der Reiter mit„Jawoll, Herr Hauptmann!“ beantwortete. Darauf Exzellenz:„Hören Sie mal, Hauptmann bin ich aber schon lange nicht mehr!" Der andere stutzt, kommt etwas näher und sagt betreten:„Jawoll, Herr Major!“. Darauf die joviale Exzellenz:„Sag mal, mein Sohn, kennst Du denn nicht Deinen Kommandierenden General?" Da fährt der Kürassier, dessen Garnison das Korpsstabsquartier ist, auf; ein Blick. er erkennt und mit dem Rufe„Jessus Maria, der Kommandierende!" wirft er sein Pferd herum und jagt davon, als ob ihm der Teufel im Nacken säße. * Schwarz=weiß=rot. Wir lesen in der Deutschen Ztg.: Ein netter Manöverscherz ereignete sich bei dem letzten preußischen Kaisermanöver. Die Offiziere waren bei einer polnischen Aristokratin im Schlosse untergebracht. Die Polin hatte zwar alles für die Bequemlichkeit der Offiziere getan, konnte es aber nicht über sich gewinnen, ganz auf eine kleine polnische Demonstration zu verzichten. So war nicht nur der Speisesaal, der aus weißem Marmor bestand, durch Aufhängen roter Fahnen mit den polnischen Farben dekoriert worden, sondern auch der Tisch war mit weiß=roten Blumen zum Zeichen der polnischen Nationalität der Gastgeberin geschmückt. Die Offiziere sahen dies, ohne daß ein Wort darüber gesprochen worden wäre. Ein Topf mit weißen Blumen wechselte immer anscheinend unabsichtlich mit roten Blumen ab. Plötzlich sprang der Oberleutnant M. auf, holte 15 ganz schwarze Porterflaschen und stellte sie fein säuberlich in den Abständen zwischen den weißen und roten Blumen auf. Der Oberst, der an der Spitze der Tafel saß, war über den Einfall entzückt, und in den Trinkspruch, den er darauf hielt, stimmten alle anderen Offiziere begeistert ein. * Eine wahre Geschichte. Die„Usambara=Post“ erzählt: Einem verheirateten deutscher Ansiedler in Usegua. woselbst in der Nähe auch viel Masai ansässig sind, passierte unlängst folgendes heitere Stückchen: Einige Dutzend Masai. an der Spitze ihr Häuptling, trafen eines schönen Tages mit einer großen Menge Vieh auf der Farm des betreffenden Ansiedlers ein und baten in aller Form gegen Hergabe von 20 Ochsen um die Ablassung des kleinen, etwa dreijährigen Sprößlings des Ansiedlerpaares, eines prächtigen pausbäckigen Jungen. Der Ansiedler, der ob dieser Forderung sehr erstaunt war, fragte dann scherzhaft, warum sie denn den Jungen haben wollten, und was sie mit ihm anzufangen gedächten. Darauf die bestimmte Antwort:„Ja, Bwanna, wir brauchen dringend einen Mann, der schreiben kann, und wenn der Junge groß ist, dann kann er ja gleich schreiben, wie alle Europäer.“ 8 7 Auf der höhe. Novelle von Anna Grack.(Schluß.) Die Summe warf den Alten nicht um, aber er ärgerte sich über seine liederlichen Söhne, es gab eine große Verstimmung, und die Familie trennte sich in schlechtester Laune. müde von den Genüssen und ärgerlich über die Störung derselben. Als Grube am nächsten Morgen erwachte und sich eben langsam auf seinen Kommerzienrat besann, hörte er seine Frau nebenan ängstlich stöhnen, lief zu ihr hin und fand sie starr und kalt, mit verglasten Augen,mühsam nach Luft ringend. Der schnell herbeigerufene Arzt konstatierte einen Schlaganfall und brachte nach stundenlangen Bemühungen das Blut wieder in Wallung. Es war jedoch nur eine momentane Hülfe, die Sprache kam nicht wieder, die Lähmung wich nicht mehr, und das Herz ging schwach und unregelmäßig, oft kaum hörbar. Es wurde ein langsames Sterben. Tag und Nacht kam eine Krankenpflegerin den Verordnungen des Arztes nach und versuchte aus dem Lallen der Kranken deren Wünsche zu erraten, aber es war ein schwerer Posten und jeder war froh, wenn er abgelöst wurde. Dann und wann kamen die Töchter herüber, blieben einen halben Tag und fuhren wieder achselzuckend davon, die Mutter kannte sie ja nicht, es hatte keinen Zweck, zu ihr zu kommen. Anfangs weinten und klagten sie, allmählich faßten sie sich und suchten sich in das Unvermeidliche zu schicken. Die Söhne sahen nur selten zur Türe hinein, sie konnten den Anblick der blöden Züge und das tierische Wimmern nicht ertragen. Am längsten hielt es Grube bei der armen Kranken aus. Stundenlang hielt er ihre Hand still in der seinen und sah ihr in die flackernden Augen, ob nicht einmal noch ein Blick des Verständnisses darin aufleuchtete— umsonst, die Augen fanden den Weg zu ihm nicht mehr, die Hand erwiderte nicht mehr den Druck der seinen. Nach vier Wochen qualvollen Leidens wurde die Aermste erlöst. ! In großem Gepränge brachte man sie zu Grabe, ganze Ladungen von Kränzen wurden ihr gespendet, es war ein geradezu fürstliches Leichenbegängnis. 1.„Sie starb auf der Höhe“, sagte der Geistliche in seiner Grabrede,„auf der Höhe ihres Glücks, auf der Höhe ihres Lebens.“——— Das Wort hallte lange in Grubes Seele nach, er dachte noch daran, als er abends in dem kleinen Stübchen neben den Kontoren saß, wohin er sich geflüchet, um allein zu sein. Ja, allein wollte er sein und zurückdenken und das in diesem einzigen kleinen Raum, der schlicht und unmodern geblieben war, aus Zufall, eine Art Rumpelkammer, ehemals sein kleines Privatkontor, in dem er zu rechnen und zu schreiben pflegte. Und heute, am Begräbnistage seiner Frau, zog er sich wieder dahin zurück, setzte sich in den alten, abgeschabten Ledersessel und schaute müden Auges umher. Dicht nehen ihm hing ein altes Bücherbrett, wie man sie früher hatte— einstmals hatte es in seinen paar Bänden die Bibliothek des Hauses vorgestellt. Mechanisch griff der einsame Mann nach der Bibel, die vorne stand— mein Gott, wieviel Jahre hatte er solch Buch nicht in den Händen gehabt, er blätterte da und dort. Da fiel sein Blick auf die stelle Lucas 12, Vers 20: Aber Gott sprach zu ihm: Du Narr, diese Nacht wird man Deine Seele von Dir fordern und weß wird es sein, das du bereitet hast? Das Wort hätte auf seine arme Frau gepaßt, das Wort paßte auf ihn. Sinnend schaute er vor sich nieder. Was hatten sie erreicht? Eigentlich viel vor der Welt. viel Geld, viel Besitztum, viel Ehre, Ansehn und Ruhm, o ja. mancher hatte ihre Wohltätigkeit, ihr Interesse am sozialen Leben, ihren Kunstsinn gerühmt, sie hatten sich in der Tat viel Ansehn erworben und hoch hinaufgearbeitet vor der Welt. Und doch— und dennoch— der alte Grube war heute nicht zufrieden mit dem Facit, das er unter sein und seines Weibes Leben schrieb. Es war ein Faktor darin. der nicht stimmte. Was hatten sie eigentlich, bei Licht besehen, von einander gehabt?! In den letzten langen Jahren sehr, sehr wenig. Da war soviel anderes vorgegangen— die Geselligkeit, die Verpflichtungen gegen die Welt, und ihre vielfachen Ansprüche, das ängstliche Jagen nach Gewinn, der sich mehren mußte mit den sich mehrenden Ausgaben, das Streben nach dem großen Titel, der scheinbar das letzte Glück seiner Frau ausgemacht hatte. Scheinbar, sie hatte es sich auch wohl so eingeredet— in Wirklichkeit hatte es nicht gestimmt, sie war nicht auf der Höhe ihres Glücks gewesen, wie der Pfarrer sagte, nein, das hatte nicht gestimmt. Das Glück der letzten zwanzig Jahre war wohl mehr imaginär gewesen— was hatten sie denn auch so groß von ihrem Reichtum gehabt? Das Wohlleben übersättigt so bald, man wird nie hungrig, nie müde, das beste Surrogat des Lebens fehlt— das heiße Hoffen und Wünfchen, das nicht erfüllt werden kann— man ist reich, man kann sich alles leisten, man hat lauter Feiertage, und die Feiertage werden schal, wenn kein Werktag dazwischen liegt. Und das Geld— mein Gott! Der alte Mann fuhr sich über das graue Haar— auch Per war nahe an den Siebzigern, da kommt schon die Grenze, auch er würde in dem letzten Kleid keine Taschen haben—— Und die Kinder— was nützte denen denn der Reichtum soviel— sie wären vielleicht glücklicher geworden, wenn sie mehr streben, mehr arbeiten, mehr auf die eigene Kraft hätten vertrauen müssen— für die Jugend ist es gar kein Glück, wenn ihr die goldenen Früchte in den Schoß fallen und ihr Können nie erprobt wird.———— Das Geschäft würde unter den Händen Erichs verfallen, Rudolf würde sich zu Grunde richten, wenn er mit seiner Gesundheit so weiter wirtschaftete. Na, und die Töchter— sie wären vielleicht in bescheidenen Verhältnissen ebenso glücklich geworden, vielleicht noch glücklicher, vielleicht so glücklich wie Vater und Mutter es waren, als sie in dem kleinen Laden anfingen und sich ganz allein gehörten und das Leben so weit und reich vor sich und das Herz so voller Wünsche und Hoffnungen hatten. Ja damals, o Gott, wie glücklich waren sie damals gewesen!——— Ein goldener Sommerabend tauchte vor dem Träumenden auf. Es war Sonnabend gewesen, sie hatten einen schweren Tag hinter sich gehabt, hier in dem kleinen Zimmer hatten sie todmüde gesessen, er auf dem alten Stuhl, sie auf der Lehne desselben, den Kopf an ihres Mannes Schulter gelehnt. Im Nebenzimmer schliefen die Kinder, sie waren schon alle vier dagewesen, das jüngste ein ganz winziges Knäblein. Und draußen flutete das letzte Tageslicht in tausend Farben. Sie hatten sich beide auf den kommenden Ruhetag gefreut, Pläne gemacht, wie sie ihn verbringen wollten. Vormittag zur Kirche, nachmittag in den Wald mit den Kindern— ich nehme einen Wagen, der Kleine kann auch mit— hatte er stolz gesagt. Sie hatte vor Freuden in die Hände geklatscht, sich eng an ihn geschmiegt und ihn geküßt. Ihm war's, als fühle er noch jetzt die Berührung ihres weichen Gesichtchens, die innige Liebkosung——„„„ Ja damals, o Gott damals——— Tränen rannen ihm in den Bart. „Damals waren wir auf der Höhe“, sagte er sinnend. Erscheint wöchentlich. Adress-Tafel empfohlener Geschäfte in Neuss. Den Lesern bei Einkäufen zur Beachtung empfohlen. Alb. Hilgers, Srase 48. Einrahmungsgeschäft und Kunsthandlung. Th. Pauli, Promenadenstrasse. u. schnellste Bedienung bei tadell. Sitz. Peter Fehmer, Schneiderm., Furtherstr. 193. Heinr. Knopl arasse 243Musterausw ahl eleg. Stoffe auf Lager. Garantie f gute Arbeit. Wer Wert auf eleg. Herrenbekleidung legt, wende sich an das Herrenmassgeschäft v. Wilh. Schrebe, Schneidermeister. Breitestrasse 40. Massgeschäft für feinere HerrenSchneiderei. 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