Erscheint Aglich mit Ausnahme der Sonn- und Festtage. Bezugspreis vierkeljährlich einschließlich der täglichen Beilage „Bunke Blätter" n Neuß 1,50 Mk., durch die Post bezogen 1,65 Mk. mit illustriertem Unter haltungsblatt 1.80 Mk., durch die Post bezogen 1.95 mr. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Josef Wyrkch, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Anzeigen 15 Pfg. die 7 gespaltene Petitzeile, kleinere lokale Anzeigen 12 Pfg., auswärtige 20 pfg. Reklamen 60 Pfg. die 3 gespaltene Petitzeile. Bei zwangsweiser Eintreibung durch Klage oder in Konkursfällen wird der bewilligte Rabakt hinfällig. Verantwortlich für die Schriftleitung: Th. Jossen, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Nr. 207. Dienstag, den 13. September 1910.(Amatus.) 85. Jahrg. Politische Hlachrichten. Deutschland. = Der bedingte Strafausschub. Ueber die Erfolge des bedingten Strafaufschubs bis zum Ende des Jahres 1905 ist dem Reichstage eine amtliche Zusammenstellung zugegangen. Danoch beträgt die Gesamtzahl der Fälle, in denen seit Einführung bis zum Ende des Jahres 1905 die Aussetzung der Strafvollstreckung mit Aussicht auf Begnadigung gewährt worden ist, im gesamten Deutschen Reiche 97219. Für die Zeit bis zum Ende des Jahres 1898 hatten sich durchschnittlich im Jahre 6041 Fälle ergeben. Seitdem hat die Zahl der Fälle mit jedem Jahre zugenommen, im Jahre 1905 ist sie auf 16389 gestiegen. Besonders groß war diesmal die Zunahme in Preußen. An der Zunahme waren im Jahre 1905 außerdem noch elf andere Bundessttaten beteiligt, darunter namentlich diesmal wieden Bayern, ferner Sachsen, Hessen, Baden, Oldenburg und Hamburg, während zehn Bundesstaaten, insbesondere MecklenburgSchwerin und Schwarzburg= Rudolstadt einen Rückgang gegenüber dem Vorjahr aufweisen. Seit der ersten Einführung des bedingten Strafaufschubs sind fast in allen Staaten die Zahlen erheblich gestiegen, nur in Württemberg und Elsaß=Lothringen ist die Häufigkeit nahezu dieselbe geblieben. Außerden zeigt auch Hamburg gegenüber den Zahlen der Anfangsjahre eine erhebliche Abnahme um 710 Fälle, die sich im wesentlichen als eine Folge der seit 1903 getroffenen Vereinbarung über die vorzugsweise Berücksichtigung nur jugendlicher Personen erklären dürfte. Dem Grundsatz, die bedingte Begnadigung in erster Reihe jugendlichen Personen zu gewähren, entspricht es, daß vier Fünftel aller Fälle Jugendliche betreffen. Der Prozentsatz der Erwachsenen ist im Durchschnitt der Jahre 1903 bis 1905 noch um 1 v. H. kleiner. Im allgemeinen ist die Maßregel auf Personen beschränkt geblieben, die noch keine Freiheitsstrafe verbüßt hatten. Nur 2 v. H. aller Fälle betrafen solche Personen, die schon früher zu Freiheitsstrafe verurteilt waren. Die strafbare Handlung, auf die sich die bedingte Begnadigung bezog, war in mehr als der Hälfte aller Fälle ein Vergehen; die übrigen Fälle verteilen sich mit 19 v. H. auf Verbrechen und mit 14 v. H. auf Uebertretungen. Namentlich im Jahre 1905 ist die Zahl der bedingt begnadigten Verbrechen gestiegen. Die Freiheitsstrafen, die in Frage kamen, waren zu mehr als vier ünftel Gefängnisstrafen, seltener Haftstrafen, nur ganz vereinzelt Festungshaft oder Zuchthaus. Eine Bewährungsfrist von zwei bis weniger als drei Jahren bildete mit 55 v. H. die Regel. Von den 97219 Fällen des bedingten Strafaufschubs waren am 1. Januar 1906 35 905 Fälle noch nicht erlebigt; endgültig erledigt waren dagegen 61 314 Fälle. Die Zahl der sich jährlich erledigenden Fälle ist, wie die der Bewilligungen, bis in die letzte Zeit hinein andauernd gestiegen. Im Durchschnitt der letzten sechs Jahre haben vier Fünftel der Fälle einen günstigen Ausgang gehabt. Daß die bedingte Begnadigung zur Verminderung der Rückfälle beitrage, ist durch die Erfahrungen in Deutschland nicht nachgewiesen, aber ebenso wenig kann aus den vorliegenden Zahlen ein Beweis dafür entnommen werden, daß die bedingte Begnadigung die allgemeine Kriminalität ungünstig beeinflußt habe. Die Zunahme der Kriminalität in Deutschland ist im allgemeinen zwar auf die gesteigerte Kriminalität Vorbestrafter zurückzuführen; gerade bei Jugendlichen aber, denen ganz überwiegend die bedingte Begnadigung zuteil wird, beruht in den letzten Jahren die Steigerung auf der Zunahme der Erstbestraften. Scholle. Eine Erzählung von der Ruhr. Von Erich Feldhaus. Schluß. Ja, ich will mehr tun! Ich will versuchen, auch mir selbst noch, solange mir noch zu leben beschieden ist, das Gefühl zu verschaffen, auf eigener Erde zu wohnen. Mutter wünscht es ja schon lange, wenn auch aus anderen Gründen. Ich befriedige nun die Gute auch. Aber den größten Vorteil selbst, wenn Du willst, sollst Du selber haben. Ich will irgend ein großes Gut kaufen, es schön wohnlich einrichten und damit Dir Gelegenheit geben, später das Haus des Vaters mit Deiner Arbeit zu erfüllen. Es gibt ja auch in unserer Nähe schon schöne, ja landschaftlich bedeutende Plätzchen. die mit Wagen und Bahn schnell von meiner„Werkstatt“ aus zu erreichen sind und die dennoch Raum genug für Deine Arbeit gewähren. Was sagst Du nun zu Deinem Vater? Ich glaube, Du bist zufrieden mit mir und kommst gerne zu uns, wenn ich Dich bitte, Ostern im„Vaterhause“ in der Kurfürstenstraße zu verbringen, damit wir alles Weitere besprechen können. Schreibe bald, ich barre sehnsüchtig darauf. Es grüßt und küßt Dich in treuer Liebe Dein Vater— Auch die andern senden Grüße und Küsse. Ich werde mir nachträglich ihre Genehmigung dazu geben lassen!— Direktor Ewerling überflog das Geschriebene mit Wohlbehagen. Er schloß den Brief, schrieb die Adresse und fand dann, daß der Zug in wenig Minuten einlaufen müsse. Es war so! Von Ferne kündigte sich schon das monotone Bim. bim. bim an. Fritz Ewerling nahm seinen Brief, schob ihn in den einlaufenden Postwagen und drückte sich mit dem Gefühl„Heimwärte“ in die Kissen des Abteils, dabei von dem angenehmen Gedanken umspielt, daß sein Brief die gleiche Reise unternehme, bald aber, an der nächsten Hauptstation, im Fluge von West nach Ost ziehen werde. Spät kam der Direktor heute zu seiner Behausung zurück, Aber Licht brannte noch in mehreren Zimmern. Luise war mithin noch auf und erwartete ihn. Das war wieder solch ein gutes Zeichen. Der Tag schien so schön enden zu wollen, wie er begonnen hatte. Den Dessauer Marsch pfeifend, der ihn nur Im übrigen ist die Einrichtung der bedingten Begnadigung insofern erfolgreich gewesen, als immerhin in über vier Fünftel aller Fälle die Betroffenen vor der Freiheitsstrafe und den damit verbundenen schädlichen Folgen bewahrt geblieben, auch nicht unerhebliche Kosten erspart worden sind. Daß man auch in juristischen Kreisen mit den Erfolgen der bedingten Begnadigung durchaus zufrieden gewesen ist, geht sicherlich aus der Tatsache hervor, daß diese Vergünstigung im Laufe der Jahre auf eine stetig wachsende Zahl von Bestraften ausgedehnt worden ist. X Der Deutsche Kolonialkongreß 1910 findet vom 6. bis 8. Oktober 1910 im Reichstagsgebäude zu Berlin statt, unter dem Präsidium Seiner Hoheit des Herzogs Johann Albrecht zu Mecklenburg. Mitglied des Kongresses können Herren und Damen gegen Zahlung von mindestens 12 Mark werden. Anmeldungen nimmt das Bureau des Kolonialkongresses entgegen. Dasselbe befindet sich bis zum 4. Oktober in Berlin W. 9, Schellingstraße 4, I, vom 5. Oktober ab im Reichstagsgebäude. Mitgliedskarten(Preis 12 4) sind durch das Büro des Kolonialkongresses zu erhalten. Diese berechtigen zur Teilnahme an den Verhandlungen des Kongresses und den anderen Veranstaltungen und sind als Legitimation stets bereit zu halten. Für das gemeinsame Essen der Kongreßmitglieder am 6. Oktober ist eine Tischkarte(Preis 5 M) zu lösen. Anmeldungen unter Beifügung des Betrages nimmt das Büro bis 4. Oktober entgegen. Serichtssaal. * Elberfeld, 10. Sept. Der häufig vorbestrafte Schneider Eustav Heß von hier torkelte mit mehreren Freunden in der Nacht zum 18. Juli auf dem Marktplatze zu Langenberg umher und hantierte mit einem scharfgeladenen Revolver. Als er gar noch auf einen in seiner Haustüre stehenden Bäckermeister anlegte und diesen so zwang, sich schleunigst zurückzuziehen, versuchten die Begleiter des H., diesem das gefährliche Ding abzunehmen. Man balgte sich hin und her, als plötzlich zwei Schüsse krachten. In demselben Augenblick sank der Bandwirker Emil Heiderhoff, der mit H. rang, mit gellendem Schrei zu Boden. Als man ihn aufhob, war er eine Leiche. Eine Kugel hatte sein Herz durchbohrt und den sofortigen Tod verursacht. Die Strafkammer belegte den gefährlichen Schützen wegen Bedrohung und fahrlässiger Tötung mit 18 Monaten Gefängnis. * Elberfeld, 10. Sept. Durch Dolchstiche wurde der in Barmen wohnende Schmied Koschmieder getötet. Der Meuchelmörder war der noch nicht 18 Jahre alte, zuletzt in Barmen wohnende Erdarbeiter Ivaso Martinowie, ein Montenegriner. In der Nacht zum 10. Juli war es zwischen den beiden aus geringfügiger Ursache zu einer Rauferei in einer Wirtschaft gekommen, wobei Koschmieder von seinem Gegner gebissen wurde. Die Streitenden wurden getrennt und der Ausländer verließ das Lokal. Als sein Gegner nach einiger Zeit dieses auch verließ und sich auf der Rittershauser Brücke, hinter seinen Begleitern zurückbleibend, eine Zigarre anzündete, stürzte sich der Ausländer plötzlich auf ihn und rannte ihm im Nu zweimal einen 30 Zentimeter langen zweischneidigen Dolch in die linke Seite, worauf er flüchtete. Die Verletzungen waren furchtbar, der Gestochene brach zusammen und wurde ins Krankenhaus gebracht, wo er bald starb. Der eine Stich hatte K. fast durchbohrt. Die Strafkammer verurteilte den Täter wegen Körperverletzung mit Todeserfolg zu 18 Monaten Gefängnis. in ganz heiteren Stunden über die sonst streng geschlossenen Lippen kam, stürmte Fritz die läuferbelegten Stufen empor. Luise empfing ihn schon an der Türe mit einem Kuß. Fritz war überglücklich und wollte eben seinen Bericht beginnen, als sein Weib einen Brief strahlend hervorzog und ihm vorhielt. „Denke Dir, Wolf hat geschrieben!“ „Aber wieso? Das tut er doch alle 14 Tage!“ „Ja, aber lies nur, du wirst zufrieden sein.“ Fritz war über alle Maßen erstaunt. Schnell zog er sich an seinen Schreibtische zurück, die Lampe blitzte auf und die Lektüre begann. Immer erstaunter, immer ernster wurden die Augen des Lesenden, als er die Zeilen überflog, die diesen Wortlaut hatten: „Bester Vater! Ich erzählte Dir von Lehrer Förster, als einen Mann, mit dem ich in Thornow Umgang habe und den ich für sehr klug halte. Ich habe Dir aber nicht alles von ihm mitgeteilt. Denn das konnte ich zu Weihnachten noch nicht — und brieflich nun schon gar nicht! Du mußt nämlich wissen. Förster ist auch ein Bodenreformer wie Professor Hillringhaus bei Euch zu Hause. Aber ein ganz anderer Mensch! Kein Träumer wie H.(denn ich halte ihn heute dafür!), sondern ein Mann, der in der Gegenwart steht und in praktischen Ideen nur so wühlt. Also, ich hatte viel Verkehr mit ihm und habe dabei viel gewonnen. Er lehrte mich erst, was es heißt, zu leben uno zu arbeiten. Er führte mich in die Wunder(jawohl, ich sage„Wunder!“) unserer Technik ein; lehrte mich. Chemie und Physik, die ich vordem gehaßt hatte, lieben und hat mir eine wahre Freude an Maschinen und solchen Dingen beigebracht. Das war schon zu der Zeit, als ich zu Besuch dort weilte, recht schlimm mit mir, schlimmer insofern, als ich mir noch nicht ganz klar war und die Herren Hillringhaus und Förster in mir beide rumorten. Und so wollte zwischen uns zu Weihnachten gar keine rechte Stimmung aufkommen. Als ich Dich dann am Sylvesterabend so traurig sah, da dachte ich in mir. Schaden bringen kann es Dir ja nicht, wenn Du Dir einmal das Werk zeigen läßt, und den Vater erfreut es. Also ging ich mit Dir! Und da hats mich zum ersten Male so recht gepackt. Ich sah die Theorien und Erzählungen meines Freundes Förster ler ist jetzt mein Freund, wenn aug 12 Jahre älter!) in die Wirklichkeit treten und staunte. Weißt Du, lieber Vater, ich muß doch ein recht dummes Gesicht gemacht haben, ich muß Für die Landwirtschaft. &am Der Verband rheinischer landwirtschaftlicher Genossenschaften hat in Bonn seinen 22. ordentlichen Verbandstag abgehalten, zu dem sich neben verschiedenen Ehrengästen etwa 90 Vertreter der angeschlossenen Genossenschaften einfanden. Der Vorsitzende, Geheimrat Havennein=Bonn, begrüßte den Verbandstag. Für die Begrüßung dankte der in Vertretung des verhinderten Vorsitzenden der Rheinischen Landwirtschaftskammer erschienene stellvertretende Generalsekretär. Professor Wygoozinsri=Bonn. Er führte kurz aus, daß die bisherige sprunghafte Entwicklung des Genossenschaftswesens glücklicherweise zu einem gewissen Stillstande gekommen sei, so daß nunmehr dem innern Ausbau die erforderliche Aufmerksamkeit geschenkt werden könne. Der weitere Ausbau sei notwendig, wenn die Genossenschaften ihren Aufgabenkreis weiter ziehen wollen. z. B. ihre Mitwirkung bei der Entschuldung des landwirtschaftlichen Grundbesitzes usw. Von diesem Gesichtspunkte aus begrüße er namentlich auch die heutige Besprechung der Buchführungsfrage für die landwirtschaftlichen Genossenschaften. Nach einem allgemeinen Ueberblick über die Entwicklung und den Stand der Genossenschaften im Deutschen Reiche betonte der Verbandsdirektor in seinem Jahresbericht, daß neben den Lichtseiten sich im Laufe der Zeit auch dunkle Strahlen im genossenschaftlichen Leben bemerkbar machten, die auf eine vielfache Verflachung der genossenschaftlichen Ideen hinausliefen. So suchten manche Landwirte durch Anlage ihrer Spargelder anstatt bei den Darlehnskassen bei zweifelhaften Banken mehr Zinsen zu erlangen; beim Bezuge landwirtschaftlicher Bedarfsartikel würde häufig die öffentliche Ausschreibung gewählt, wodurch die Preise künstlich in die Höhe getrieben und vom Händler recht oft geringwertigere Waren als von den Zentralgenossenschaften geliefert würden; endlich stellten Genossen oft rlötzlich die Lieferung der Milch an die Molkereigenossenschaften ein, um durch direkten Milchverkauf vorübergehend eine etwas bessere Verwertung zu erzielen. Die Ursachen dieser ungenossenschaftlichen Erscheinungen seien darin zu erblicken, daß die heutige jüngere Generation in das hochentwickelte Genossenschaftswesen bereits hineingeboren werde, während die ältern in dieses hineinwuchs und deshalb die segensvollen Wirkungen der genossenschaftlichen Tätigkeit mehr zu würdigen gelernt haben. Ende 1909 zählte der rheinpreußische Verband 451 Genossenschaften, darunter 113 Kredit=, 146 Bezugs= und Absatz=, 122 Molkerei=, 16 Winzer= und 54 sonstige Genossenschaften. Ausgeschieden sind 13, neu hinzugetreten 12 Genossenschaften, so daß 1909 ein Zuwachs nicht zu verzeichnen ist. Auch die vor einigen, Jahren dem Verbande beigetretenen 43 Konsumvereine sind ausgeschieden, um sich dem neugegründeten Verbande westdeutscher Konsumvereine anzugliedern. Indessen hat im laufenden Jahr der Verband wieder einen Zuwachs von 9 Genossenschaften erfahren. Die Statistik der Kreditgenossenschaften zeigt auf allen Gebieten eine lebhafte Entwicklung und kann insofern befriedigen. Auch die Bezugs= und Absatzgenossenschaften haben einen merklichen Fortschritt zu verzeichnen, dagegen weisen die Molkereigenossenschaften einen kleinen Rückgang auf. Die Butterqualität hat abgenommen, was im Hinblick auf die ausländische Konkurrenz als eine nicht unbedenkliche Erscheinung angesehen werden muß. Den Genossenschaften wurde deshalb dringend empfohlen, sich möglichst zahlreich und regelmäßig an den alljährlich stattfindenden Butterprüfungen der Landwirtschaftskammer für die Rheinprovinz zu beteiligen. Die Lage der Winzergenossenschaften ist noch immer— von einigen Ausnahmen abgesehen—, wenig günstig. doch immer mit weitoffenen Augen dagestanden haben, so erstaunt war ich.. Und als ich dann die Tausende der Arbeiter sah und mir vergegenwärtigte, was Förster über sie sagte, über ihren Drang nach der freien Natur und über ihre jetzigen mordsjämmerlichen Wohnungen— zu Zehnen oft in 2—3 Zimmern— und deren Häßtlichkeit in engen Straßen obendrein, da kam es über mich, was jetzt in mir unverrückbar fest sitzt. Ich bin damals durch die Arbeiterviertel gegangen mit ihrem Schmutz und Dunkel. Und ich habe auch Förster gefragt. Der meinte, was er immer gesagt hatte: werde Techniker, tritt in des Vaters Laufbahn und sorge jetzt und später einmal dafür, daß die Leute vom Werk billiges Land und billige, saubere. kleine Wohnungen bekommen. Irgend wo draußen im Felde, wo der Boden billig ist, laß eine Kolonie errichten— 500 oder 100 Häuschen mit 4 bis 5 Zimmern und Garten zunächst. Laß ihnen eine Bahn hinauslegen, daß sie bequemen Weg haben und siehe dann, wie aus rußigen Schmieden und schmalbrüstigen Gießern kräftige gesunde„Feierabend"=Landwirte werden. An dich selbst aber denke zuletzt, denn du kannst dir immer das Gleiche im großen noch errichten.“ Förster hat Recht! Ich werde handeln, wie er vorschlug, Also lieber Vater, hast Du irgend einen Platz in einer Werkstatt für einen jungen, dummen Eleven, der seine praktischen Jahr abdienen will? Ja? Dann denke an mich. Mit Inspektor Koch habe ich auch schon gesprochen, d. h. meinen Vertrag auf ein Jahr, der nun bald endet, nicht erneuert. Ich komme Dir also auf alle Fälle über den Hals. Aber eine Bedingung stelle ich, die muß Du mir schon gewähren. Ich will später daran helfen dürfen, daß den Arbeitern das gewährt wird, was Förster will. Und noch ein Wunsch (aber den erfüll ich mir schon selber): ich will später doch ein Haus haben, was mir in Mußestunden in seinem Garten an Pflanzen und Tier Beschäftigung gibt. Schließen wir also einen Pakt in diesem Sinne! Euch alle aber umfangen meine Grüße und Küsse! Euer Sohn und Bruder Wolf.“ Fritz Ewerling war seltsam bewegt, als er den Brief nun auf den Tisch zurücklegte und in die Augen seiner Gattin schaute, die sich erwartungsvoll über ihn gebeugt hatte. Sie glaubte ihn in überquellendem Glück zu finden und staunte nun ob seines Schweigens. Da begann er zu erzählen. von dem Wege, von dem alten Ohm Johannes, von seinen Gedanken, von seinem Brief an Was die Zentralgenossenschaften des Verbandes betrifft, so hatte die Genossenschaftsbank bei einer Mitgliederzahl von 295 einen Umsatz von 5 879 345 cn gegenüber 47 557 809 M im Jahre 1908. Interesse erregte die Mitteilung, daß die vier Zentralgenossenschaften der Rheinprovinz eine lose Einkaufs vereinigung für Superphosphat und Ammoniak= Düngemittel gebildet haben, die sich voraussichtlich zu einer Gesellschaft m. b. H. auswachsen werde. Im übrigen wurde geklagt, daß die Bezugskommission nicht in noch stärkerem Maße für die Waren bezugsvermittlung in Anspruch genommen werde. Sodann sprach der Direktor der Genossenschaftsbank für Rheinpreußen, Feldmann, über Buchführung der Genossenschaften. Auf die Aufgabe und Ziele einer guten Buchführung hinweisend, betonte er besonders, daß allein die doppelte Buchführung unter Benutzung des amerikanischen Journals. die beim Verbande eingeführt sei, allen Anforderungen entsprechen könne In der anschließenden Besprechung wurde auf die großen Schwierigkeiten der Führung der amerikanischen Buchführung hingewiesen und die Meinungen über dies System waren ebenso zahlreich dafür wie dagegen. Die geteilten Ansichten der Versammlung decken sich auch mit der bisherigen Entwicklung des landwirtschaftlichen Buchführungswesens in der Rheinprovinz, da das bisher empfohlene System— amerikanisches Kolonnensystem— wenig Ausbreitung finden konnte. Es ist deshalb dankbar zu begrüßen, daß die neuerlichen Bestrebungen zur Einführung eines einfachern, für landwirtschaftliche Betriebe vollständig ausreichenden Buchführungssystems von erfreulichen Erfolgen begleitet zu sein scheinen Sport-Nachrichten. London, 12. Sept. Mr. James van Alen. der Schwiegersohn des Multimillionärs William Astor, einer der reichsten Einwohner von Newport, der im 64. Lebensjahr steht, hat gestern auf Grund einer Wette zwei englische Meilen im Meer gegen die Strömuna in 70 Minuten ge schwommen, womit er einen Rekord aufgestellt hat. Es handelt sich um eine Wette um ein Dejeuner. Von Hah und Fern. „.= M.=Gladbach, 12. Sept. Internationale Ringkämpfe finden seit 14 Tagen im Saale des Hotels Mannheim statt, und zwar auf Veranlassung eines Unternehmers, der sich Schrapitzky nennt. In Wirklichkeit ist dieser Mann aber der aus Süddeutschland stammende Metzger Christian Karl Gerber den die Polizei gestern Abend nach Schluß der Ringkämpfe festnahm, weil sie in ihm eine seit mehreren Jahren von der Staatsanwaltschaft Düsseldorf steckbrieblich verfolgte Person ermittelte, die noch mehrere Monate wegen Zuhälterei zu verbüßen hat. Sep.. Gestern Nachmittag fand in Erpel die feierliche Enthüllung des auf einem Remagen gegenüberliegenden Bergen der Erpeler Ley errichteten Zeppelin Here ksteines statt. Der Stein ist zur Erinnerung an die stürmische Rheinfahrt errichtet, bei der Graf Zeppelin vor Erpel nach Frankfurt umkehren mußte. An der Feier nahmen viele Vereine teil, dem Grafen wurde ein Huldigungstelegramm gesano..— Der Restaurateur des Dampfers Albertus Magnus meldete der Kriminalpolizei, daß ihm, während er auf dem Schiff in seiner Kabine weilte, ein Portefeuille mit 3000 Mark gestohlen wurde. Von den Dieben fehlt jede Spur — Gestern versuchte ein Liebespaar, dem die Einwilligung zur Heirat versagt wurde, sich gemeinsam durch einen Sprung in den Rhein das Leben zu nehmen. Vorübergehende retteten die Lebensmüden. Eine 33jährige Frau sprang in den Rhein und ertrank. Eine Ehemann brachte sich infolge ehelichen Zwistes einen tödlichen Schuß in den Kopf * Bonn, 11. Sept. Das Automobil eines hiesigen Zigarren= Großhändlers fuhr gestern Nachmittag zwischen Vonn und Röttgen gegen einen mit Ton beladenen Wagen. Das#movit wurde schwer beschädigt, der Führer, ein Sohn des Besitzers, und eine Dame erlitten Verletzungen. ... Nes enahr, 10. Sept. Der Landeshauptmann der Rheinprovinz, die Regierungspräsidenten von Koblenz und koln und die Mitglieder de Landesausschusses haben heute stwagen das Ueberschwemmungsgebiet der Ahr bereist. s##. 12. Jul,„In der Reinickendorfer Straße 32 hat sic heute Nacht ein blutiges Drama abgespielt. Die Näherin Rosenkreter wurde von ihrem Ehemann, von dem zwei Jahren getrennt lebt, durch mehrere Revolverschüsse schwer verwundet, so daß sie ins Krankenhaus geschafft nerden mußte. Die durch die Schüsse alarmierten Hausbewohper schlugen den Täter nieder. Hierbei erlitt er nicht unerSebräche merduugen und mußte gleichfalls ins Krankenhaus a. Smmm 1#. Sept. Der angebliche Sternickel ist gestern früh im Potsdamer Krankenhause seinen Verletzungen erlegen. Der Tod trat infolge einer Gehirnblutung ein. Die Ermittelungen über die Persönlichkeit des Landstreichers sind noch nicht abgeschlossen. * Lichtenberg, 11. Sept. Heute Mittag fiel ein hiesiger Mann, als er in einem Ruderboot auf deu Teiche des RestauRöderst,aße 11/13, ans Ufer steigen wollte, zus Teasser und ertrank. Durch seine Braut wurde er als r Dr#ier Franz Garbe. geboren am 16. September 1885 zu Meißen, Pettenkoferstraße 26 wohnhaft, erkannt. Unmittelbar vor der Beendigung der erbstübungen der Hochseeflotte ereigneten sich zwei Unfälle. Das Hochseetorbedoboot V 156 stieß mit dem Esbjerger Fischkutter Paul Breinhold bei Horns Riff zusammen und zertrümWolf und dem künftigen Landsitz. und nun war Luise es. die „Was nun?“, Fritz Ewerling hatte bereits seine Pläne gefaßt ##as Wolf will, ist das Ben. er geht jetzt den rechten Aber andsig vint ging er zu wei., nun bin ich abgewichen. ###er endlich werden wir wieder zusammenkommen. Aber das Landgut kaufe ich nun doch. Und wenn es nur sein soll, um Tradition der Everings fortzusetzen. Vielleicht beich es selbst noch ein wenig in alten Tagen und Wolf hat, wohl nog seige Freude daran. Er kann es ja dann verOleraussicht führen, wenn er von der Arbeit di: Jou##rholung sucht. Fein sou es werden— das sage ich Beglückt gingen die Gatten zur Ruhe halten— anas apt Ver mußte,Wolf den Brief des Vaters erh. en Was der Junge wohl für ein überraschtes Gesicht machen würde, wenn er die Zeilen zu Gesicht bekam!— Früh un.r mi gie sich diese Ueherraschung wiederholen. Da kam nämlich eine Depesche an. Die lautete:„Mit all Deinen VorVater und Mutenen Wir kind glücklich. Wann kommst Du? olf hatte sich aus dem ersten Staunen noch nicht herausa.s e. das Telegramm erhielt. Und da er des Vaters oing eigentlich noch gar nicht verdaut hatte, fand er die Dipesche viel natürlicher! Er gab daher dem wartenden Boten die erbetene Rückantwort kurz entschlossen sogleich mit„Abgemacht. Komme Freitag vor Ostern. Gruß Wolf.“ merte ihm den Vordersteven. V 156 schleppte den leck gewordenen Segler nach Esbjerg ein. Das Schwesterboot A 162 lief im Großen Belt, da die Leuchttonne des Halskover Riffs erloschen war, mit 15 Seemeilen Geschwindigkeit auf SprogöOstriff auf und blieb sitzen. Mehrere Torpedoboote. die dem Fuhrerboot folgten, versuchten vergebens die Abschleppung. Von Kiel gingen der Kreuzer Pfeil und der Werftdampfer Aeolus nach der Strandungsstelle ab, um die Geschütze und die Kohlen überzunehmen. Dadurch erleichterte sich die Flottmachung. Ein dänischer Kreuzer fand sich bei dem gestrandeten Boote ein, doch brauchte seine Hilfe nicht in Anspruch genommen zu werden. V 162 ist unbeschädigt geblieben. „###phe, 11. Sept. In dem Landorte Niederhörlen im Biedenkopfschen machte sich der Landwirt Adam Blöcher an der in seinem Hofe aufgestellten Dampsdreschmaschine zu schaffen bei dieser Gelegenheit wurde er von dem Treibriemen erfaßt und mehreremale mit herumgeschleudert. Dem Manne wurde der Kopf und der Brustkasten vollständig eingedrückt, enene wurde iym ver rechte Arm ausgerissen. Der Tod trat * Beuthen, 12. Sept. Eine bewaffnete Zigennerbande, die aus etwa 50 Mann bestand, überfiel unweit der russischen Grenze zwei Güter und zwei Gasthäuser. Im Kampfe zwischen den Ueberfallenen und den Räubern fielen sechs Personen. #„ollwi ten, 11. Seb..(umtlich). Gestern Abend um „itgleisten durch vorzeitige Weichenstellung bei langsamer Einfahrt des Militärzuges 6 in den Bahnhof Pollwitten 4 Wagen. Diese und der anschließende Wagen wurden beschädigt, 4 Soldaten erlitten leichte Quetschungen. ach Einstellen von 4 neuen Wegen wurde der Zug weiter befördert. Der Eisenbahnverkehr in Pollwitten ist nicht weiter gestört. Straßburg i. E., 10. Sept. Zu den Meldungen mehrerer Blätter wird von zuständiger Stelle erklärt, daß eine Typhusevibemie in Straßburg nicht besteht. Die Veranlassung zu den Gerüchten hat die Aufnahme von 69 erkrankten Zöglingen der Kindererziehungs= Anstalt St. Charles aus der Nachbargemeinde Schiltigheim gegeben. Vor etwa zehn Tagen wurden zehn Kinder dieser Anstalt eingeliefert, bei denen der Verdacht des Typhus bestand. Diese Krankheit wurde inzwischen auch von den Aerzten festgestellt, während die antersuchung noch zu keinem klaren Ergebnis geführt hat. Alle übrigen in das Kinderkrankenhaus aus Schiltigheim eingelieferten Kinder sind mehr aus Gründen der Vorbeugung aufgenommen worden. * München, 12. Sept. Die Polizeibehörden fahnden seit gestern auf zwei internationale Juwelendiebe. einen angeblichen spanischen Gutsbesitzer und einen Amerikaner die einer Münchener Aristokratin, ein Perlenhalsband im Werte von—0000 M gestohlen haben. Die Polizeibehörden des ganzen Kontinents sind von dem Diebstahl benachrichtigt. Krakau, 12. Sept. Als ein Bauernwagen, auf dem sich mehrere Frauen befanden, an der schlesisch=galizischen Grenze unweit Sucha das Gleis passierte, brauste der von Krakau kommende Schnellzug heran. Der Wagen wurde von der Lokoorire erfaßt. Die Frauen wurden teils lebensgefährlich verletzt, teils von der Maschine zermalmt. Die Pferde wurden in Stücke gerissen. * Montrea., 12. Sept. Der Eucharistische Kongreß fand gestern seinen Abschluß durch eine Prozession von der Notre Dame= Kirche nach Fletchers Field, an der Kardinal Vannutelli, mehrere Erzbischöfe, 150 Bischöfe, mehrere tausend Priester und Ordensmitglieder sowie 25000 Laien als Vertreter kirchlicher Vereine Kanadas und der Vereinigten Staaten teilnahmen. Der Zug, in dem sich auch der Premierminister. Si.##io Laurier befand, bewegte sich unter Glocken geläute durch die reichgeschmückte Stadt, in deren Straßen zahlFahnen in den päpstlichen, den britischen und den französischen Farben wehten. Auf Fletchers Field wurde ein Gottesdienst abgehalten, bei dem der Erzbischof von St. Louis die Predigt hielt. * Paris, 12. Sept. Der Ausstand der Dachdecker und Gas= und Wasserleitungs=Monteure. der seit sechs Wochen gedauert und unaufhörlich arge Ausschreitungen gegen die Arbeitswilligen gezeitigt hat, ist heute beendigt worden. Die Ausstandsleitung erklärte, daß alle H imittel erschöpft seien, worauf die Ausständischen beschlossen, die Arbeit zu den frühern Bedingungen wieder aufzunehmen.— * Poltawa, 11. Sept. Auf einem im Bezirk Pirgjatin gelegenen Gute wurden durch Explosion einer Lo,komoPrandwunder ger oter und 4 verstümmelt, 6 erlitten New York, 12. Sept. Durch teilweisen Einsturz eines Tunnels der Erie=Eisenbahn in Jersey=City wurden neun Arbeiter gerotet und 10 verletzt. 5 weitere werden vermißt. Kokale Hachrichten. Neuß, 13. September. ..* Rekruten= Abenr. An diejenigen Rekruten, welche infolge Wohnungswechsel oder Verzug keine persönliche Einladung erhielten, ergeht hiermit, so wird uns geschrieben, die bende 81 ur## duangende Aufforderung, morgen Mittwoch, Berghaus, Krefelderstraße, zum 4. Rekruten=Abend sich einfinden zu wollen. Außer den militärischen pra:###n Instruktionen hat der frühere Divisionspfarrer und Apostol. Präfekt von Deutsch=Südwestafrika, Pater Nachtweg einen hochinteressanten Vortrag in Aussicht gestellt über das Thema: Kaserne und Religion. )*( D i e K e v e l a e r p i l g e r a u s u n s e r e r S t a d t h a b e n d e n ersten Tag ihrer Wallfahrt hinter sich. Sie marschierten gestern bis Aldekerk, wo nachmittags vor 6 Uhr der Einzug gehalten werden konnte. Der geistliche Begleiter der Prozession ist Herr Kavlan Geller. Wie man uns soeben von Aldekerk berichtet, ist die Beteiligung der Pilger außerordentlich groß. Ueber 350 Teilnehmer ergab die einem alten Brauche gemäß ## 9. Lennbrücke zwischen Hüls und Aldekerk stattgefundene Fahrpreisermäßigung für Handwerker zum Besuche der Brüsseler Ausstellung soll vom 12. d. M. ab gewährt werden, und zwar allen selbständigen Handwerkern, die in ihrem Gewerbebetriebe nicht mehr als acht Gesellen beschäftigen. Sei Reisen, die die kleinen Handwerker im Interesse ihrer Fortbildung nach der Weltausstellung unternehmen, sollen sie auf den Strecken der preußisch=hessischen und den Reichseisenbahnen in dritter Wagenklasse für den halben Fahrpreis befördert werden. Die Fahrkarten zum halben Preise werden vol. e. Fayrkarten= Ausgabestellen auf Grund von Ausweisen verabfolgt, die von den Handwerkskammern oder den Ortspolizeibehörden nach vorgeschriebenem Muster ausgestellt werden, Die Preisermäßigung kann aber nur dann gewährt werden wenn der Reisende sowohl für die Hinfahrt wie für die Rückfahrt direkte Fahrkarten zwischen der Abgangs= und der deutschbelgischen Uebergangsstation löst. Für die Hinreise ist die Preisermäßigung bei der Fahrkarten= Ausgabe der Abgangsstation spätestens vierundzwanzig Skunden vor Abgang des Zuges unter Vorlegung des Ausweises zu beantragen, für die Rückreise wird die Ermäßigung von der Fahrkarten= Ausgabe der deutsch=belgischen Uebergangsstation alsbald gewährt. co Mitteilungen an die Reisenden bei Störungen des Eisenbahnbetriebes. Auf Anordnung des Ministers der öffentlichen Arbeiten hat das Zugbegleitpersonal, wenn ein Zug #### freier Strecke zum Halren kommt, zur Beruhigung der Reisenden die Ursache des Aufenthaltes, soweit sie dem in angemessener Weise mitzuteilen. Ist das Personal über die Ursache des Haltens selbst nicht unteri. der Zua vor einem Hauptsignal zum Halten gekommen, so soll auch dies in geeigneter Weise bekannt gegeben werden. Gleichzeitig bringt der Minister die Bestimmung in Erinnerung, wonach die Stationen etwaige Betriebsstörungen sofort öffentlich bekannt zu machen haben und alle Beamten es sich angelegen sein lassen sollen, die Reisenden auf Befragen nach Maßgabe der Bekanntmachungen zu belehren und wegen weitere Auskunft an den Vorsteher der Station verweisen, sowie bei Verspätungen der Züge, insbesondere bei . o s s t ö r u n g e n, v e n R e i s e n d e n b e r e i t w i l l i g s t A u s k u n f t z u (2 Eine Städtebau=Woche findet vom 19. bis 24. September in Düsseldorf statt. Die internationale StädtebauAusstellung Düsseldorf 1910 hat im Herzen des größten deutIndustriebezirkes zum ersten Male in allgemein verständlicher Weise das städtebauliche Problem in seiner ungeheuren Bedeutung aufgerollt. Das gesundheitliche, wirtschaftliche und kulturelle Gedeihen des heute bereits über 7 Millionen Einwohner zählenden rheinisch=westfälischen Städtegebietes hängt davon ar, mit welchem Verständnis und Erfolg in Zukunft die städtebaulichen Fragen behandelt werden. An der Entwicklung dieser städtebaulichen Einsicht hat die Düsseldorfer Ausstellung an ihrem Teile mitgearbeitet. der letzten Woche der Ausstellung sollen nun die Erdieser Veranstaltung in abschließender Weise zusammengefaßt und festgelegt werden in einer Städtebau=Woche, in der eine größere Zahl von Fachmännern aus dem Gebiete des Städtebaues, der Verkehrstechnik und der Volkswirtschaft zu Worte kommen und eine Reihe von städtebaulich interessanten Besichtigungen unternommen werden sollen. Gleichzeitig wird die Ausstellung mit ihren reichen Schätzen städtebaulichen Anschauungs=Materials Gelegenheit geben, das Gesehene und Gehörte zu vergleichen und zu besprechen. .## Prog aum sieht vor: Montag, den 19. September abends 8 Uhr, in den oberen Räumen der Städtischen Tonhalle: Zwanglose Zusammenkunft. Der Präsident der Ausstellung, Obervurgermeister Marx, Düsseldorf, und der Ehrenvorsitzende der Städtebau=Woche, Geh. Baurat Dr. Ing. Otto March. Berlin, werden sprechen. "#eustag, den 20. ds. Mts., morgens 9½ Uhr:„Parks und Waldgürtel“, Professor Lichtwark, Hamburg, und GartenDüsseldorf.„Grünanlagen im amerikanischen Städtebau", Dr. Hegemann, Berlin. Gemeinsames Mittagessen in der Tonhalle.— Nachmittags Ausflug .tugen der Straßenbahn in den Wald, Spaziergang n ba. oder Besichtigung der Parkanlagen in Düsseldorf. Mittwoch, den 21. ds. Mts., morgens 9½ Uhr:„Die Stadterweiterung der Neuzeit“, Architekt Jansen. Berlin(Sieger im Groß=Berlin Wettbewerb).„Das Problem des Personenverkehrs in den modernen Weltstädten“. Oberingenieur Petersen, Berlin(Sieger im Groß=Berliner Wettbewerb). „Die Bedeutung der Eisenbahnen für die Entwicklung der Großstädte nach der fördernden und hindernden Seite". ProIng. Blum, Hannover(Sieger im Groß=Berliner Wettbewerb). Donnerstag, den 22. ds. Mts., morgens: Dampferfahrt der Hafenanlagen;„Beziehungen des städtischen Tiefbaues zur städtebaulichen Planung", Professor Brix. Berlin, Mitleiter des Seminars für Städtebau(Sieger im Groß=Berliner Wettbewerb). Nachmittags 3½ Uhr:„Moderne Entwicklund städtischer Bodenpolitik in Deutschland“. Geheimer Ober=Regierungs=Rat Dr. Freund, Berlin„Vom Bauerndorf zur Großstadt“(eine Betrachtung der menschlichen Siedlungen in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft), Reg.=Baumeister Langen, Berlin. Freitag, den 23. ds. Mts., uorgens 9½ Uhr: Besichtigung öffentlicher Anlagen Düsseldorfs in Gruppen(Krankenhäuser, Schulen, Schlachthaus, Gas=, Wasser= und Elektrizitätswerke), „Zwang und Freiheit bei Lösung der Wohnfrage, Prog, Wevr., Cöln.„Fragen des Kleinwohnungswesens", Dr. Lindecke, Geschäftsführer des Rheinischen Vervins für Kleinwohnungswesen, Düsseldorf.„Bedeutung der Bodenbesteuerung für die Wohnungsreform", Damaschke, Vorsitzender des Bundes deutscher Bodenreformer, Berlin. Samstag, den 24. ds. Mts., morgens 10 Uhr:„Recht und Sitte im Wohnwesen“, Reichstagsabgeordneter Dr. Südekum Berlin.„Gartenstadt und städtische Gartenanlagen“. Landesbaurat Prof. Goecke, Berlin. Nachmittags 4 Uhr:„Zwei Grundbedinungen des künstlerischen Städtebaues". Privatdozent Dr. Brinckmann, Aachen.„Die deutsche Stadt und ihre Verwaltung". Direktor des Statistischen Amts Düsseldorf, Dr. Most. Privatdozent an der Universität Bonn. Zeit an den einzelnen Tagen wird zur Besichtigung der Städtebau=Ausstellung benutzt Teilnehmerkarten, berechtigend zur Teilnahme an allen Veranstaltungen einschließlich der Besichtigungsfahrten der 5 Tage. 10 Mark. Karten für einen einzelnen Tag 3 Mark * F u ß b a l l s p i e l. V o r e i n e r z a h l r e i c h e r s c h i e n e n e n Z u s c h a u e r menge fand am vergangenen Sonntage vom schönsten Wetter begünstigt, das erste Meisterschaftsspiel des„N. F.=Kl. v 1905“ gegen den Düsseldorfer Fußball=Klub„Concordia v. 1905“ statt Obwohl man allgemein auf einen glänzenden Erfolg Concordia's gerechnet hatte, zumal sie verstärkt durch verschiedene englische Spieler antrat, während der Neußer Verein durch 3 Ersatzspieler geschwächt war, so sah man sich doch sehr in den Erwartungen getäuscht. Durch das schnelle und überraschend exakte Zusammenspiel der hiesigen Mannschaft wurden bis Halbzeit schon drei Tore erzielt. Auch in der zweiten Halbzeit mußte der Torhüter der„Concordia“ noch 3 mal den Ball holen, sodaß der Neußer Verein mit einem einwandfreien Siege von 6:0 Toren des Spielfeld verließ. „. Vom zo## Höchste Temperatur am gestrigen Tage 16 Grad über Null, niedriaste in vergangener Nacht 9 Grod über Null, heute Morgen 10 Grad über Null. Barometer 3 mm gefallen. Wind nordwestlich. Es ist zu erwarten am: 14. September: Veränderlich, teils heiter, windig. 15. September: Vielfach Regen, ziemlich kühl, trübe. 16. September: Feucht, windig, ziemlich kühl, Regenfälle. 17. September: Bedeckt, trübe, Regenfälle, kühl, windig. Aus dem Kreise. § Büttgen, 12. Sept. Der Turnverein veranstaltete gestern Nachmittag auf dem Kraemerschen Grundstück am Bahnhof unter Beteiligung von Mitgliedern des allgemeinen Turnvereins, Neuß, eine öffentliche Turnstunde. Eine große Zuschauermenge hatte sich eingefunden. Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr hielten die Ordnung aufrecht. Die Uebungen wurden durch einen Aufmarsch eingeleitet, dem Freiübungen folgten. Dem Geräteturnen schlossen sich verschiedene Turnspiele an. Zum Schluß wurden noch drei hübsche PferdPyramiden aufgestellt. Ein Fahnenreigen von Schulkindern fand großen Beifall. Die Leistungen, des erst ein halbes Jahr bestehenden Vereins waren recht gut.. Vermischtes. * Auf die Gefahren der Ausbeutung des Reisepublikums in Italien durch betrügerische Kunsthändler macht der Kaiserliche Konsul in Florenz in folgenden Ausführungen aufmerksam: Nachdem dem Export antiker Kunstwerke von seiten der Regierung immer mehr Schwierigkeiten in den Weg gelegt werden und der Bestand derselben auch immer mehr abnimmt, sind in Florenz selbst in großer Anzahl Kunstwerkstätten entstanden, in welchen meisterhaft imitierte alte Gegenstände angefertigt werden. Besonders in der Herstellung alter Möbel und Rahmen haben es die hiesigen Handwerker zu einer ungewöhnlichen Meisterschaft gebracht. Altes wurmstichiges Holz ist ein gesuchter, gut bezahlter Handelsartikel geworden. Leider werden derartige Fabrikate immer mehr als wirklich alt angeboten und stark überzahlt; und erst später stellt sich der Betrug heraus. Reklamationen, auch wenn mit Intervention des Konsulats eingebracht, haben im besten Falle den Erfolg einer geringfügigen, in keinem Verhältnis zu der Ueberforderung stehenden Rückvergütung auf den meistens schon im voraus bezahlten Kaufpreis. Der Verkäufer beruft sich in allen vorgekommenen Fällen darauf, daß auf der Rechnung nichts von „garantiert alt“ oder„antik“ bemerkt worden sei, daß der Preis den Liebhaberpreis eines Kunstgegenstandes vorstelle usw. Mündlich ist jedoch die Echtheit mit allen Beteuerungen versichert worden. Ein von Antiquaren viel angewendeter Trik, um Kaufliebhaber irre zu führen, ist der, sie in irgend einen alten Palazzo zu führen und dort Kunstgegenstände vorzuzeigen, welche eine altadelige Familie diskret zu verkaufen suche. Es ist nicht genug zu warnen vor den Betrügereien, welche in diesem Handel stattfinden. *„Oberhemden mit Romanfortsetzung". Ueber eine wunderliche„Erfindung“ wird der Straßburger Post geschrieben: „Oberhemden mit Romanfortsetzungen“ sind das Neueste für die männliche Garderobe. Die Erfindung wurde natürlich in Amerika gemacht. Dort hat ein unternehmender Kopf Hemden erfunden, die einen Papiereinsatz mit sieben lose übereinander liegenden Blättern haben. Die Rückseite dieser Blätter ist mit den Fortsetzungen eines Romans bedruckt, die Vorderseite dient als Hemdgebrust. Die Hemden selbst sind numeriert, so daß jeder Leser weiß, bei welcher Fortsetzung er sich gerade befindet. Ferner ist die Erfindung so getroffen, daß man nach dem Einkauf von zwei Hemden sich im Besitz des ganzen Romans befindet. Die Vorteile sind einleuchtend, Erstens braucht man nicht täglich das Hemd zu wechseln, sondern man reißt ganz einfach eines der Blätter ab und erweckt damit. den Anschein, als trage man täglich ein neues Hemd. Zweitens ist man zugleich im Besitz eines zweifellos spannenden Romans in Fortsetzungen, wobei man drittens nicht, wie bei den Zeitungsromanen, immer 24 Stunden warten muß, bis die nächste Fortsetzung erscheint; denn man kann sich ganz nach Belieben den Genuß verschaffen, die interessante Lektüre fortzusetzen oder nicht. Zweifellos werden viele, hingerissen durch die an Handlung reichen Romane— der Erfinder zahlt außerordentlich hohe Preise für die Erzählungen— das Bedürfnis empfinden, möglichst rasch die Geschichte zu Ende zu lesen, sie werden also Einsatz um Einsatz aus dem Hemde reißen, Hemd um Hemd kaufen und so auf dem Umweg über einen Roman zur Reinlichkeit und zu häufigem Hemdenwechsel erzogen werden“. Letzte flachrichten und Telegramme der„Hleußer Zeitung“. Kaisermanöver. h. Berlin, 12. Sept. Wenn auch den allgemeinen Manövern, welche die deutschen Armeekorps alljährlich im Spätsommer abhalten, für die militärische Ausbildung der Mannschaften die größte Bedeutung innewohnt, so wird doch stets mit besonderem Interesse die Eitwicklung der Kaisermanöver verfolgt, nicht nur, weil der oberste Kriegsherr ihnen beiwohnt, sondern weil bei dieser Gelegenheit ganz speziell bemerkenswerte Neuerungen auf dem Gebiete der Landesverteidigung erprobt werden, da die ganze Anlage mit dem Aufgebot mehrerer Armeekorps in erhöhtem Maße den Charakter des kriegerischen Ernstes wahrt. Von den schönen Manöverbildern, wie man sie in früheren Jahren sah, bekommt man nichts mehr zu schauen, im Gegenteil wirken die heutigen Einrichtungen auf den„Manöverbummler“ oft recht langweilig, schließlich sind aber die Manöver nicht der Zuschauer wegen da, sondern es handelt sich um die Wehrkraft der Nation, und da kann es nur erfreulich sein, daß man in den letzten Jahren von dem früheren äußeren Tand Abstand genommen hat. Heutzutage werden alle Mittel der Technik zu Hilfe genommen, wie sie im modernen Kriege erforderlich sind, unbekümmert darum, daß manche Tradition verschwindet. Nicht mehr hält der Oberkommandierende hoch zu Roß auf einem weithin sichtbaren Hügel, die meisten Meldungen bringen nicht mehr OrdonnanzOffiziere und Patrouillenreiter, sondern der Telegraph und das Telefon und nicht mehr sieht man auf Hügeln die abgeprotzte Artillerie— ein bequemes Ziel für den Feind— sie sucht heute hübsch Deckung und feuert gegen verdeckte Ziele. Auch die Zeiten sind vorbei, wo man die Bataillone wie auf dem Paradefelde hübsch geschlossen heranrücken sah, jetzt geht es in losen, weitauseinandergezogenen Linien vor, jede kleinste Möglichkeit wird zur Deckung benutzt und um möglichst wenig Zielfläche zu bieten, werden bei fast jeder länger zu haltenden Position Gräben ausgeworfen. Eine wichtige Neuerung bildet auch die in diesem Jahre ganz besonders erprobte Verwendung der Kavallerie als fechtende Fußwaffe, eine Verwendung, die für den Kriegsfall von großer Bedeutung ist, denn dergestalt kann der Gegner leicht getäuscht werden, in dem er glaubt, es mit größeren Infanteriemassen zu tun zu haben. Die diesjährigen Manöver zeichnen sich ganz besonders durch kriegsmäßige Einrichtungen aus, so weit dies selbstverständlich in dem beschränkten Raume sowie durch die Friedensverhältnisse möglich war. Gute Erfahrungen hat man namentlich mit der neuen grauen Felduniform gemacht, mit der einige Regimenter versehen waren; Selbst auf wenige 100 Meter waren die Mannschaften kaum zu erblicken, während die mit den alten Uniformen ausgerüsteten Truppen immerhin noch trotz aller Sicherungsmaßregeln gute Ziele für den Gegner abgaben. Ganz ausgezeichnet geführt wurde die sogenannte Rote Armee, das erste Armeekorps unter dem Kommando des Generals von Kluch, der es vortrefflich verstand, den Gegner durch allerlei Listen zu täuschen und ihm nicht zum wesentlichen dadurch eine Niederlage beizubringen. Interessant war auch die Benutzung von militärischen Lenkballons, von denen je einer auf jeder Seite zur Verfügung stand; daß man sich freilich auf dieses neueste militärische Hilfsmittel noch immer nicht genug verlassen kann, beweist die unfreiwillige Landung eines Lenkballons auf gegnerischem Gelände, ebenso wurden durch eine Falschmeldung von einem Lenkballon aus völlig verkehrte Dispositionen getroffen. Im übrigen aber hat der Verlauf des Manövers bewiesen, daß unsere Armee noch immer auf der Höhe steht und wir uns darauf verlassen können, daß sie im Ernstfall wie die Veteranen ihre Schuldigkeit tun wird. Amtliche Rundfrage über die Fleischteuerung. Berlin, 12. Sept. Die Reichsregierung hat die Anstellung von Ermittelungen über die Fleischteuerung beschlossen. Ein Ersuchen um Vorermittlungen ist vom Reiche aus an die Bundesstaaten ergangen. Die Ermittelungen dürften in der zweiten Hälfte des Oktober beendet sein. Landwirtschafts=Minister Frhr. von Schorlemer= Lieser ist heute vom Urlaub hierher zurückgekehrt und wird morgen eine dreigliedrige Deputation des deutschen Fleischerverbandes empfangen, die ihm eine Denkschrift über die Fleischteuerung überreichen wird. Zurückgestellte preußische Gesetzesvorlagen. Berlin, 12. Sept. Zum preußischen Feuerbestattungsgesetz wird entgegen den letzten Mitteilungen von rechtsstehender parlamentarischer Seite mitgeteilt, daß die Einbringung eines diesbezüglichen Gesetzentwurfes für die nächste Landtagssession nach einer Mitteilung der betreffenden Ressorts kaum zu erwarten sei. Der neue Minister des Innern will erst mit den Parteien des Landtages über die Frage der Feuerbestattung Fühlung nehmen, da er eine Vorlage nur dann unterbreiten will, wenn sie Aussicht auf Annahme im Landtage hat. Wie verlautet, liegt die Absicht vor, das im Ministerium der öffentlichen Arbeiten vorvereitete neue Wassergesetz dem Landtage in der nächsten Session noch nicht vorzulegen. Aus diesem Grunde wird voraussichtlich auch das neue Fischereigesetz noch zurückgehalten werden. Großes Schadenfeuer in Rußland. Zarizi, 12. Sept. Einer großen Feuersbrunst, die seit 3 Uhr nachmittags in der Vorstadt Kawkas wütet, sind bis zum Abend bereits 300 Häuser zum Opfer gefallen. 4000 Einwohner sind obdachlos. Die Holzstapel am Ufer der Wolga sind bedroht. Düsseldorf, den 12. Sept. Der Rentner Friedrich Stichmann in Mintard hatte mit Bezug auf den Grafen v. Spee auf Schloß Linnep bei Hösel behauptet, daß dieser im Jahre 1905 außerhalb seines Jagdgebietes einen Rehbock geschossen und auf sein Jagdgebiet geschleppt habe. Das Schöffengericht in Ratingen hatte den Rentner wegen Beleidiaung im Sinne des§ 187 des Strafgesetzbuches zu 500 Mark Geldstrafe verurteilt. Die hiesige Strafkammer nahm an, daß Stichmann die Behauptung nicht wider besseres Wissen gemacht habe und ermäßigte die Strafe auf 100 Mark. Der von dem Verurteilten von beiden Gerichtsinstanzen angetretene Warheitsbeweis mißlang gänzlich. Düsseldorf, 12. Sept. An dem Fabrikneubau der Firma Schulz, Knaut& Cie. in Hucklingen stürzte dem Arbeiter Hubert Sturm ein Balken aus 12 m Höhe auf den Kopf. Der Arbeiter erlitt einen schweren Schädelbruch, dem er im Krankenhause alsbald erlag.— Auf den Hohnschen Eisenwerken in Großenbaum wurde der Arbeiter Konrad Krause aus Duisburg von einem Dampfkran erfaßt und so schwer verletzt, daß er kurze Zeit darauf starb. Stettin, 12. Sept. Bei einem Monöverausflug von Schulkindern ohne Lehrer ist ein Knabe von einem den Abhang herabreitenden Alanen in der Nähe Gollnows überritten worden. Das Kind ist tot, h. Rom, 13. Sept. Wolkenbrüche haben in Apulien große Verheerungen angerichtet. Mehrere Personen wurden durch Blitze getötet. Viehmärkte. Neuß, 12. Sept. Weidvieh=(Fettvieh=)Markt. Aufgetrieben waren 36 Kühe. Preise per 50 Kilo(Schlachtgewicht): Kühe 1. Qual. 80—82, 2. Qual. 78—80, 3. Qual. 75—78. Rassen: Oldenburgische, Holsteiuische und Rheinländische. Handel schleppend, Markt geräumt. Nächster Markt am Montag, den 19. Sept. Neuß, 12. Sept. Auftrieb 209 Schweine. Preis 68—70 Mk. die 50 Kg. Lebendgewicht abzüglich 20% Tara. Markt geräumt bei mittelmäßigem Geschäftsgang. Köln, 12. Sept. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 601 Ochsen, a. vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes bis zu 6 Jahren 92— 98. b. junge fleischige, nicht ausgemästete und ältere ansgemästete 88—92, c. mäßig genährte junge, gut genährte ältere 80—84, d. gering genährte jeden Alters 70— 76. Weideochsen 72—78. 616 Färsen, Kühe und Jungvieh, a. vollfleischige ausgemästete Färsen höchsten Schlachtwertes 00—00, b. vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren 82—84, c. ältere ausgemästete Kühé und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Färsen 77—80, d. mäßig genährte Kühe und Färsen 70—74, e. gering genährte Kühe und Färsen 66—68, k. gering genährtes Jungvieh(Fresser) 00—00, Weidekühe 80—84. 89 Bullen, a. vollfl. ausgew. höchsten Schlachtgewichtes bis zu 3 Jahren 00—00. b. vollfl jüngere 78—80, c. mäßig genährte jüngere und gut genährte ältere 74—77. d. gering genährte 71—73 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Handel durchweg langsam bei fraglicher Räumung in Weideochsen sowie Stallkühen. 345 Kälber, a. 75—86, b. 64—68, c. 60—63, d. 55—58, e. 48—52 die 50 Kil. Lebendgewicht. Ruhig räumend. Keine Schafe. 5040 Schweine, a. 67—70. b. 66—69, c. 67—69. d. 67—69, e. 62— 65, k. 60—66 die 50 Kil. Schlachtgewicht. Ziemlich lebhaft und geräumk. Am 12. Sept. wurden an frischem, geschlachtetem Fleisch aus Holland eingeführt 336 Viertel Großvieh, 81 Kälber. Altenessen, 10. Sept. Schweinemarkt. Auftrieb 4004 Ferkel und Faselschweine. Ferkel(Durchschnittspreis) im Alter von 6—8 Wochen 14— 18, 9—12 Wochen 18—33, für Faselschweine 33—65 M. Kohlen. Wagengestellung am 10. Sept. Im Ruhrbezirk gestellt 25307, gefehlt 00.— Aachener Kohlenbezirk(Wurmrevier) gestellt 787, gefehlt 00.— Saarbezirk gestellt 2872, gefehlt 00.— Rheinischer Braunkohlenbezirk gestellt 1288, gefehlt 00.— Im oberschlesischen Nevier gestellt 7926, gefehlt 00 Wagen. Amtliche Wechselziussätze der Notenbanken vom 12. September. Amsterdam 5. Belg. Plätze 3 ½/2.. Deutsche Plätze 4. Kopenhagen 5. Lissabon 6. London 3. Italien. Plätze 5. Madrid 4½. Paris 3. Petersburg 4½. Schweiz. Plätze 3½. Wien 4. Schiffs-Nachrichten. Hafenverkehr im Rhein-Erft=Hafen zu Neuß. Angekommen am 12. September 1910: Schiff„Cornelia“ Schiffer Verhey mit Weizen von Rotterdam. Schiff„Liebling“ Schiffer Buchloh mit Cement von Biebrich. Schiff„Aoontuur“ Schiffer Sibryus mit Roggen von Rotterdam. Schiff„Alejda“ Schiffer Timmermann mit Weizen von Rotterdam. Schiff„Lichtenstein“ Schiffer Allrich mit Holz von Würzburg. Abgegangen am 12. September 1910: Schiff„Giesbertha“ Schiffer Th. Wanders mit Kohlen nach Frankfurt. Schiff„Elise Nieten“ Schiffer Nollert mit Kohlen nach Leopoldshafen. Boot„William Egan“ Kapitän Verhagen mit Mehl nach Frankfurt. Handels-Zeitung. Amtliche Fruchtpreise zu Neuß am 13. September. Neuer Weizen 100 Ko. 1. Qu. 20 40 „„—2." 19 40 Neuer Roggen 100 Ko. 1.„ 14 60 2.„ 13 60 Neuer Hafer 100 Ko. 1.„ 14 80 „„ 2.„ 13 80 Alter Hafer 100 Ko. 1.„ 15 60 „„ 2.„ 14 60 Neue Kartoffeln 50 Kilo K 3,30—3,70 Heu 50 Kilo„„„ 2,70—3,20 Luzernerheu 50 Kilo„„ 3,70—4 20 Krummstroh 500 Kilo. M 17,— Breitdruschstroh 500 Kilo„ 19,— Butter Kilo„ 2,60 Eier 100 Stück„ 10,— Am heutigen Getreidemarkte unverändert.— blieben Preise sämtlicher Fruchtgattungen Preisnotierungen der Neußer Müller. Neuß, 13. September. Rüböl 100 Kilo in Partien von 100 Ztr.(ohne Faß) Rüböl 100 Kilo faßweise(ohne Faß)„ Gereinigtes Rüböl 3 Mk. mehr Rübkuchen 1000 Kilo große waggonweise „„ kleine„ Kleien 50 Kilo Raps wurde je nach Beschaffenheit mit 20.— bis 22.— Mk. bezahlt. Rüböl und Kuchen unverändert. A 59 61 92 96 5 50 Köln, 12. Sept. Rüböl in Posten von 5000 Kg. 61,00 B., Okt. 60,00 B., 59,50 G. Luzernerheu 8,00—8,50, Wiesenheu 5,80—6,50, Richtstroh(Flegeldrusch) 4,00—4,50, Krumm= und Preßstroh 2,80—3,20 die 100 Kil. Duisburg, 12. Sept. Fruchtmarkt. Weizen, inländ. 20,20—20,15, Donau 22,00—22,75, Schwarzmeer 22,00—23,00, Asow 22,00—23,00, amerik. 00,00—00,00. Roggen, inländ. 15,00—15,50, Donau 00,00—00,00, Schwarz= meer 16,75—17,50, Asow 16,75—17,50. Hafer, inländ. 15,00—15,30, Donau 15,75—17,50, russ. 15,75—17,50, amerikan. 00, 0—00,00. Futtergerste, russ. 11,60—11,80, rumän. 11,80—12,00, amerikan. 00,00—00.00. Mais, amerik. 00,00—00,00, Donau 14,75—15,50, Cinquant. 17,25—17,50, russ. 14,75—15,25. Buchweizen 19,50—20,00. Weizenmehl Nr. 000 28,25— 29,00, Nr. 00 27,50—28,00. Roggenmehl Nr. U 21,25—22,00, Nr. 0/1 20,50—21,00, Bollmehl 11,50—12,00, Grand 8,50—9,00. Kleie 9.00— 9,50 einschl. Sack. Alles die 100 Kil. Essen, 12. Sept. Getreidemarkt. Weizen, inländ. 19,75—20,75, fremder 22,50—23,:0. Roggen, inländ. 14,00—15,00, fremder 17,00—18,00. Hafer, inländ. 00,00, fremder 16,00—18,00. Buchweizen 20,00—20,50. Futtergerste 12,00—12,50. Mais 14,50—18,50. Weizenvorschuß 29,00— 31,50. Roggenvorschuß 22,25—23,00. Weizenkleie 8,50—9,50. Alles Frachtgrundlage Essen die 100 Kil. ohne Sack, bei Abnahme von Doppelladungen, mit Ausnahme von Kleie, die mit Sack gehandelt wird. Magdeburg, 10. Sept. Kartoffelspiritus. 125er Kartoffelspiritus prompt und Sept. kostete 48,60 für 100 Liter r. A. vom Speicher unter freier Vorhaltung der Gebinde. Berlin, 12. Sept. Fruchtmarkt. Weizen Sept. 202,50(203,00), Okt. 000,00(201,75), Dez. 201,75(201,75). Roggen Sept. 151,00(151,50), Okt. 000,00(152,50), Dez. 155,00(154,75). Hafer Sept. 149,25(100,00),„Dez. 000,00(161,00): Mais Sept. 000,00(000,00), Dez. 000,00(000,00). Weizenmehl 25,00—28,25. Roggenmehl 18,80—21,10. Rüböl Sept. 00,00 (00,00), Okt. 59,40(58,60), Dez. 58,80(57,80). Hamburg, 12. Sept. Weizeu ruhig, Mecklenburger und Ostholsteiner Sept.=Okt. 205. Roggen ruhig, Mecklenb. und Altmärk. 142—155, russ. cif 9 Pud 10/15 Pfd. Sept.=Okt. 105. Gerste ruhig, südruss. cif Sept. 95,00. Hafer fest, Holsteiner und Mecklenb. 163—175. Mais ruhig, amerikan. mired Sept. 113,00, La Plata cif Sept.=Okt. 102.00. Rüböl stetig, 60,00. Spiritus fest, Sept. 21,50 G., Sept.=Okt. 21,25 G., Okt.=Nov. 21,25 G. Petroleum(amerikan.) spez. Gewicht 0,800 schwach, 6.00. Salpeter stetig, 8,87½, Nov.=Dez. 9,05, Febr.=März 9,32½. Hamburg, 12. Sept. Kaffee stetig, Sept. 45¾, Dez. 45, März 44½, Mai 44½ G. Kaffee in greifbarer Ware ruhig. Bremen, 12. Sept. Schmalz, vorr., Tups und Firkins 64½, Doppeleimer 65½. Fest. Chicago, 12. Sept. Getreidemarkt. Weizen Sept. 96, Dez. 100¼, Mai 106 3/8, Juli—. Mais Sept. 57⅝, Dez. 55⅝, Mai 58¾, Juli —. Hafer Dez. 35¼, Mai 38½. Roggen vorr. 73, Sept.—. Leinsaat Sept. 2,79, Okt. 2,69. New=York, 12. Sept. Getreidemarkt. Weizen Sept. 104¼, Dez. 107¾, Mai 112 3/8, Juli—. Mais Sept. 65½, Dez. 63⅝8, Mai 66½, Juli—. vorr. 78½. New=York, 12. Sept. Baumwolle. Baumwolle vorr. 13.90, Sept. 13,60, Okt. 12.99, Nov. 12.94, Dez. 12.97, Jan. 12,95, Febr. 12,97, März 13.03, April—.—. Mai 13.05, Juni 13.05, Juli 13,04. Wasserstands-Nachrichten. Köln, 12. September. 7 Uhr vormittags, Rheinhöhe 4,14 gest. 0,07 m Wesel, 12. September. 9 Uhr vormittags, Rheinhöhe 3,40 gest. 0,32 m Trier, 12. September. 7 Uhr vormittags, Moselhöhe 1,15 gef. 0,26 m Literarisches. )*( Essen= Werdenscher Taschenkalender, wie er seit länger als 100 Jahren erscheint. Auf das Jahr 1911. Preis geh. 10 Pfg. Verlag von G. D. Baedeker in Essen. Der Taschenkalender für das Jahr 1911 bringt außer einem richtigen Verzeichnis aller Jahrmärkte in den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln, Arnsberg, Münster, Minden und der vorzüglichsten in denen von Aachen, Koblenz, Trier, Wiesbaden und die sog. Messen der wichtigsten Handelsplätze, auch die Angaben der Vieh= und besonders der Pferdemärkte, welche in Westdeutschland im Jahre 1911 abgehalten werden sollen. des redaktionellen Teils.) Beruhigt die Nerven! Chemnitz, 12. März 1910. Hierdurch teile ich Ihnen mit, daß mir„Bioson“ sehr gut bekommen ist. Schon nach wenigen Wochen konnte ich eine Gewichtszu nahme feststellen. Mein Appetit nahm ungemein zu und ich bekam ein bedeutend besseres Aussehen. Auch beruhigten sich mein erregten Nerven nach kurzer Zeit. 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Der Unterricht sowohl in der Elektrotechnik als auch im Maschinenbau wurde in den letzten Jahren erheblich erweitert und wird durch die reichhaltigen Sammlungen, Laboratorien für Elektrotechnik und Maschinenbau, Werkstätten und Maschinenanlagen 2c. sehr wirksam unterstützt. Das Wintersemester beginnt am 18. Oktober 1910, und es finden die Aufnahmen für den am 3. Oktober beginnenden, unentgeltlichen Vorkursus von Mitte September an wochentäglich statt. Ausführliches Programm mit Bericht wird kostenlos vom Sekretariat des Technikum Mittweida(Königreich Sachsen) abgegeben. In den mit der Anstalt verbundenen, ca. 3000 Quadratmeter bebaute Grundfläche umfassenden Lehr= Fabrikwerkstätten finden Volontäre zur praktischen Ausbildung Aufnahme. Auf allen bisher beschickten Ausstellungen erhielten das Technikum Mittweida bezw. seine Präzisions= Werkstätten hervorragende Auszeichnungen. Industrie= und Gewerbeausstellung Plauen: die Ausstellungsmedaille der Stadt Plauen(für hervorragende Leistungen. Industrie= und Gewerbeausstellung Leipzig: die Königl. Staatsmedaille„für hervorragende Leistungen im technischen Unterrichtswesen". Industrieausstellung Zwickau: die goldene Medaille„für hervorragende Leistungen". Internationale Weltausstellung Lüttich: den Prix d’honneur. Statt Karten. Arnold Werth Maria Werth geb. Widenmann VERMAHLTE Neuss, den 13. September 1910. Syndikat=Kohlengroßhandlung sucht für Neuß einen in den Industriekreisen besteingeführten Herrn als Vertreter Angebote erbeten unter Nr. 6407 an die Geschäftsstelle dieser Zeitung. Tüchtiger Schweißer zum Autogen schweißen und schneiden gesucht. Josef van Opbergen, Fabrikbedarfsartikel, Schweißanstalt, Installation. hausdiener gesucht Müller, Markt 1. daselbst ein Lehrmädchen von ordentlichen Leuten gegen monatliche Vergütung gesucht. Tüchtige Erdarbeiter sofort gesucht[6425 ei Kanalbau Holzheim. 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