Erscheint Eäglich mit Ausnahme der Sonn= und Festtage. Bezugspreis vierteljährlich einschließlich der täglichen Beilage „Bunte Blätter" in Neuß 1,50 Mk., durch die Post bezogen 1,65 Mk. mit illustriertem Unterhaltungsblatt 1.80 Mk., durch die Post bezogen 1.95 MI. Verantwortlich für den Anzeigenteil: Josef Wyrich, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Anzeigen 15 Pfg. die 7 gespaltene Petitzeile, kleinere lokale Anzeigen 12 Pfg., auswärtige 20 Pfg. Reklamen 60 Pfg. die 3 gespaltene Petitzeile. Bei zwangsweiser Eintreibung durch Klage oder in Konkursfällen wird der bewilligte Rabatt hinfällig. Verantwortlich für die Schriftleitung: Th. Jossen, Neuß. Eigene Plakatsäulen. Nr. 186. Kaiser Franz Josef I. (Zu seinem 80. Geburtstage am 18. August.) Kaiser Franz Josef I., der edle Herrscher des uns befreundeten und verbündeten Nachbarreiches Oesterreich= Ungarn und treue Freund unseres Kaisers, begeht am 18. August seinen 80. Geburtstag. Die Wiener sagen, man sehe dem Kaiser seine Jahre nicht an. Das ist in der Tat der Fall. Wenige Männer desselben Alters besitzen dessen jugendliche Erscheinung und Frische. Zwar ist die hohe, starke Stirn kahl, das ganz kurz gehaltene Haupthaar und der üppige Vollbart weiß, aber von weitem macht der Kaiser den Eindruck, als habe man es mit einem vorzeitig grau gewordenen Manne zu tun. Das bewirkte die körperliche Uebung von Jugend auf. Vorerst die militärische Laufbahn, denn man kann von Kaiser Franz Josef sagen, daß er sie vom Leutnant an bis empor zum höchsten Range durchgemacht hat; sodann der Aufenthalt in freier Luft. im Sommer in Schönbrunn und Ischl und im Frühjahr und Herbst die Jagd auf den Alpen Niederösterreichs, Oberösterreichs und Steiermarks, wo der Kaiser, ein eifriger Jäger, dem Weidwerke stets oblag und noch obliegt. Viel Trübes hat der greise Herrscher erfahren und erdulden müssen in seiner Familie und in der politischen Entwicklung seiner Länder.„Mir bleibt aber auch gar nichts erspart,“ so rief der Kaiser Franz Josef schmerzbewegt aus, als die Kunde kam, daß die Kaiserin Elisabeth am 10. September 1898 in Genf dem Dolch eines anarchistischen Meuchelmörders zum Opfer gefallen war. Schwere Schicksalsschläge waren schon vorangegangen. Sein ältester Bruder, der unglückliche Kaiser Maximilian von Mexiko, war in Queretaro am 19. Juni 1867 von den Revolutionären standrechtlich erschossen worden. Dann sam das furchtbare Dram von Meyerling, das am 30. Januar 1889 den Kronprinzen Rudolf im 31. Lebensjahre dahinraffte. Kaiser Franz Josef ertrug diese persönlichen Schicksalsschläge wie ein ganzer Mann, er suchte und fand Trost in angestrengtester Arbeit, die ihm lindernden Balsam ins Herz träufelte. Er widmete sich mit hingebendem Eifer den Staatsgeschäften, er beweist auch jetzt noch, trotz seines hohen Alters. eine bewun“ dernswerte Energie und eine nimmerrastende Arbeitslust und Kraft, die alle, die mit ihm persönlich in Berührung kommen, zu höchster Anerkennung zwingt. Der greise Monarch versäumt, wenn nicht dringende Rücksichten auf seine Gesundheit ihn zwingen, keine seiner zahlreichen Herrscherpflichten, als militärisches und politisches Oberhaupt der Monarchie ist er stets auf dem Posten. Auch politisch hat Kaiser Franz Josef manchen Leidensweg wandeln müssen, bis sich an seinem Lebensabend die innere und äußere Lage der Monarchie freundlicher gestaltete. Was uns Deutsche besonders innigen Anteil an dem Geburtstagsfeste des Kaisers Franz Josef nehmen läßt, liegt, abgesehen von den Sympathien für die Persönlichkeit des greisen Herrschers, vorwiegend auf dem Gebiete der auswärtigen Politik. Wir begrüßen in Oesterreichs Kaiser und Volk treue Freunde und Verbündete des Deutschen Reiches. Am 7. Oktober 1879 wurde bekanntlich das deutsch= österreichische Bündnis abgeschlossen, das sich 1883 durch den Hinzutritt Italiens zum Dreibund erweiterte. Dieser Dreibund hat mancherlei Fähenisse durchgemacht, immer aber hat Oesterreich=Ungarn sich dem Bündnis treu erwiesen. Kaiser Franz Josef darf als überzeugter Anhänger des Dreibundes gelten, ihm entging nicht, welche Vorteile für Oesterreich= Ungarn eine enge Vereinigung mit Deutschland bringt. Oesterreich= Ungarn ist tatsächlich, wir Donnerstag, den 18. August 1910.(Helena.) können das ohne Ueberhebung für uns sagen, durch das Bündnis mit Deutschland gewachsen an Macht und Anerkennung dieser Macht im Auslande, und für uns in Deutschland ist das Bündnis auch darum zu wertvoll, weil der Nachbarstaat über eine starke deutsche Bevölkerung verfügt, die doch trotz ihrer Parteizerrissenheit noch immer ein starkes Gewicht an überlegener Kultur in die Wagschale des österreichischen Völkergemisches zu werfen hat. Wenn die Oesterreicher und Ungarn heute ihrem Kaiser und König zujubeln, so naht sich auch das deutsche Volk in tiefer Verehrung dem Herrscher des befreundeten Reiches, der sich nach seinem eigenen Worte stets als„deutscher Fürst“ gefühlt hat, und der die Gewissenhaftigkeit und Pflichttreue. die er als Herrscher seinen eigenen Völkern gegenüber bewies, nicht zum wenigsten auch bewährt als treuer, zuverlässiger Bundesgenosse des Deutschen Kaisers und Reiches. Auch wir wünschen, daß dem vielgeprüften edlen Herrscher nach so schweren Stürmen noch ein lichter Lebensabend beschieden sein möge zum Segen für beide Reiche! Sicherheitsmaßnahmen. Der große Brand in der Brüsseler Weltausstellung und das schwere Eisenbahnunglück an der Westküste Frankreichs haben wieder einmal gezeigt, daß in vieler Hinsicht die öffentliche Sicherheit noch in den Kinderschuhen steckt. Gerade die französischen Behörden lassen es, wie sich in der letzten Zeit mehrfach gezeigt hat, auf den Eisenbahnen an den nötigen Vorsichtsmaßregeln fehlen. Zwei furchtbare Katastrophen in einer Periode, wo unter den Eisenbahnern ein ungeheure Gährung besteht, strecken drohend die Hand zum Himmel. eine schwere Anklage nicht allein gegen die Leiter der Eisenbahnen, sondern auch gegen eine Beamtenschar schleudernd, die angesichts der gefährlichen Verhältnisse auf den Bahnen sich aus dem alten Schlendrian nicht zu reißen vermag. Ein frevles Spiel mit Menschenleben wird von den Verwaltungen getrieben. die bei dem steigenden Verkehr die Bahnanlagen in ihrem vorsündflutlichen Zustande belassen. Besonders lebhaft sind die Klagen gegen die Staatsbahnen und gegen die vor zwei Jahren verstaatlichte Westbahn. Wie berechtigt diese Klagen sind, zeigen die letzten Katastrophen von Villepreux und Saujon. Eisenbahnunfälle werden sich immer wieder ereignen, aber vor allen Dingen muß ein Staat dafür sorgen, daß unter den Beamten die richtige Disziplin herrscht und das ferner für tadelloses Eisenbahnmaterial gesorgt wird. Auch sollten auf verkehrsreichen Strecken möglichst alle Verbindungslinien zweigleisig ausgebaut werden. Auch Pünktlichkeit spielt im Eisenbahnwesen eine große Rolle, denn viele Unfälle entstehen infolge von Verspätungen, durch die häufig der ganze Fahrplan über den Haufen geworfen wird. Gerade in dieser Beziehung wird im Auslande, speziell in Italien noch sehr viel gesündigt. In Belgien ist das Eisenbahnwesen zwar ziemlich gut organisiert, dagegen läßt die Sicherheit auf anderen Gebieten sehr viel zu wünschen übrig. Nach den vorliegenden Berichten hätte der Ausstellungsbrand aller Wahrscheinlichkeit nicht eine solche Ausdehnung genommen, wenn die Feuerwehren sofort zur Stelle gewesen wären. Eigentlich hätte das Ausstellungskomitee durch den Brand des Metropolrestaurants gewitzigt sein und für bessere Feuersicherheit sorgen sollen. Es wird denn auch jetzt, wo es zu spät ist, über das Fehlen einer einheitlichen Organisation geklagt. Es war erst nur eine Dampfspritze zur Stelle und der Wasserdruck der Hydranten genügte nicht. Wahrscheinlich hätte der Brand auch noch andere Abteilungen ver85. Jahrg. nichtet, wenn nicht private Hilfe die weitere Ausdehnung verhindert hätte. Der Kommissar der englischen Regierung will die belgische Ausstellungsverwaltung auf Schadenersatz verklagen, weil er gleichfalls der Ansicht ist, daß nicht ausreichend für die Sicherheit der eingeladenen Teilnehmer gesorgt worden ist. Der deutsche Vertreter in Brüssel Geheimrat Albert hat aus gleichem Grunde ein Terrain ausgesucht, welches zwar ungünstiger liegt, weil es nicht so gut zu erreichen ist wie die übrigen Abteilungen, aber dafür bietet es auf der anderen Seite mehr Gewähr für die Sicherheit, Ursprünglich sollte Deutschland in der Abteilung untergebracht werden, die später für England reserviert wurde und jetzt vollständig vom Feuer vernichtet worden ist. Trotzdem der Sicherheitsdienst in der deutschen Sektion sich bisher trefflich bewährte, werden jetzt noch weitere Verschärfungen und Erweiterungen der Feuerlöschvorschriften ausgeführt werden. Wie leichtsinnig die Belgier vorgehen, beweist auch die Tatsache, daß ihre Aussteller nur zum kleinsten Teil versichert sind, während in der deutschen Ausstellung dafür gesorgt worden ist, daß alles ohne Ausnahme versichert worden ist. Bei internationalen Ausstellungen sollten unbedingt alle Faktoren die weitaehendsten Vorkehrungen für volle Sicherheit effen. Hoffentlich hat die Brüsseler Katastrophe zu solchen Maßnahmen den ersten Anstoß gegeben. Allerdings ist es auch leicht möglich, daß die in weiten Kreisen herrschende Abneigung gegen die Errichtung von Weltausstellungen durch den Brüsseler Brand und die daraus entstandenen großen Verluste noch weitere Nahrung erhält. Schon heißt es, daß die für 1920 geplante Pariser Weltausstellung möglicherweise scheitern wird. Sollte sie zustande kommen, dann müssen auf alle Fälle Vorkehrungen getroffen werden, daß ein größeres Feuer ausgeschlossen ist. Gerichtssaal. Z. Neuß, 17. Aug. Vom Schöffengericht wurde die Ehefrau Peter L. aus Wevelinghoven in eine Geldstrafe von 10 Mark genommen, weil sie sich 20 Mark rechtswidrig angeeignet hat.— Der Fabrikarbeiter Anton G. von hier, war angeklagt, am 20. Juni eine Hebamme mit einem Eßkessel vorsätzlich mißhandelt und mit Totschlag bedroht zu haben. Er wurde mit einem Monat Gefängnis bestraft.— Der Friseurgehülfe Ernst M. aus Königsberg hat am 28. Juli in Neuß gebettelt und einem Polizeisergeant mit Gewalt Widerstand geleistet. Er hat dafür zwei Wochen Haft und einen Monat Gefängnis zu verbüßen.— Zwei Angeklagte aus Kaarst wurden der Verfälschung von Wurst bezichtigt. Das Gericht sprach sie frei.— Ein Fuhrknecht wurde beschuldigt, hier eine Pferdequaste im Wert von 2 Mark entwendet zu haben. Das Gericht erkannte auf Freisprechung.— 20 A Geldstrafe muß der Kutscher Heinrich Hengefeld aus Düsseldorf zahlen, weil er schuldig befunden wurde, am 2. Juni bei Neuß durch Fahrlässigkeit die Körperverletzung eines Tagelöhners verursacht zu haben.— Widerstandsleistung, Bedrohung und ein Angriff auf einen Polizeibeamten legte die Anklage, der Vorfälle vom 20. Juni zugrunde lagen, dem Lagerarbeiter Johann S. von hier zur Last. Er erhielt insgesamt 26 Tage Gefängnis.— Der Landwirt Heinrich Dieck aus Neuß=Weißenberg forderte Bestrafung des Milchhändler Mathias K. zu Düsseldorf=Lörick wegen Beleidigung. K. muß 20 M Geldstrafe zahlen.— Die Ehefrau Winand K. zu Allerheiligen bei Norf, klagt gegen die Sybilla W. und die Ehefrau Aloys W., beide zu Allerheiligen, wegen Beleidigung. Es wurde Widerklage erhoben. Die Parteien müssen je 30 A Geldstrafe zahlen und je ein Drittel der Kosten tragen. 9 Der Kampf um eine Million. Roman aus dem New=Yorker Leben. Frei nach dem Amerikanischen. s.i Von Erich Friesen. * 9 6 " T a g e v e r g e h e n. Irene sieht und hört nichts von Frau Forster. Sie hält dies für ein gutes Zeichen; der üble Eindruck, den das plötzliche Auftauchen der Frau hervorgerufen, verwischt sich nach und nach. Irene hat ihrem Gatten gleich nach jenem Besuch mitgeteilt, daß sie ihrer früheren Freundin, die sich in Not befände, ihre kleinen Ersparnisse übergeben habe. Er hat sie dafür geküßt und zärtlich gesagt: „Wenn ich nicht irre, dankst Du ihr das Leben, mein Lieb. Für diese Heldentat wollen wir uns jetzt revangieren. Sobald sie wiederkommt, sage ihr, sie solle ein paar tausend Dollars haben, um ein kleines Geschäft anzufangen. Sie steht dann unabhängig da.“ O, mit welcher Innigkeit hat damals Irene den großmütigen Gatten umfangen, mit welcher Dankbarkeit seine stets hilfsbereite Hand an ihre Lippen gedrückt!... Anglücklicher Weise ahnt Frau Forster nichts von dieser beabsichtigten günstigen Wendung ihres Schicksals. Sie hätte sonst vielleicht den Plan, den ihr rastlos arbeitendes Herz geschmiedet, aufgegeben. Trotzdem Irene ihr eigenes Wohngemach besitzt, ist doch ihr liebster Aufenthalt das Sprechzimmer ihres Gatten. Hier fühlt sie sich ihm nahe, auch während seiner Abwesenheit; hier glaubt sie einen Hauch von seinem Geiste, seinem innersten Wesen zu spüren. Stundenlang sitzt sie hier und kramt in den Büchern, sortiert die wissenschaftlichen Werke, blickt mit geheimem Grauen auf die medizinischen Apparate und Instrumente und atmet mit hellem Vergnügen den feinen Zigarrenduft ein, der den Gegenständen im Zimmer anhaftet.... Alles dies liebt sie, weil es ein Teil von ihm ist— von ihm, ihrem Gatten, ihrem Leben! Auch heute sitzt sie wieder in Gedanken versunken, zurückgelehnt in seinen Armsessel, als der Diener unvermutet eintritt. „Verzeihung, Frau Doktor! Zwei Männer sind draußen. Sie wollen absolut den Herrn Doktor sprechen. Fragen, wann er zurückkehrt.“ Irene blickt nach der Uhr auf dem Kaminsims. „Um fünf Uhr, Jack. Also in einer halben Stunde.... Was für Leute sind es?“ „Patienten, glaub' ich. Der Eine sieht vornehm aus, aber krank und elend, beinahe unheimlich; der Andere wie ein Krankenwärter oder sowas. Ich half ihm, den Herrn die paar Stufen heraufführen.“ „So—! Weisen Sie die beiden Männer ins Wartezimmer!“ „Sind schon drinnen, Frau Doktor!“ „Gut.“ Irene lehnt sich wieder in den Sessel zurück, und Jack verläßt mit einer Verbeugung das Zimmer. Im Wartesaal, dicht an der Tür nach dem Sprechzimmer, stehen die beiden Herren. Der„Krankenwärter oder sowas“ hat sein Ohr bedenklich dem Schlüsselloch genähert. Bei dem Gespräch da drinnen nickt er befriedigt mit dem Kopf. Fester umspannen seine Finger den Arm des bleichen, jungen Mannes. Als Jack wieder die Tür zum Sprechzimmer öffnet, um kurz zu melden, daß der Herr Doktor in einer halben Stunde zurück sein werde, sitzen Beide, gleichgiltig vor sich hinblickend, am Fenster. Doch nicht lange., Schon nach wenig Sekunden faßt der „Krankenwärter“ den Andern am Arm, während er ihm hastig in's Ohr flüstert: „Also los! Sie haben nur eine halbe Stunde Zeit, um sich vom Teufel zu befreien.“ Wie elektrisiert springt der bleiche, junge Mann empor. „Der Teufel, der mir meine Seele gestohlen hat und nach dem ich seit Jahren fahnde?“ murmelt er mit irrem Blick. „Ja, der. Heute ist er in Gestalt einer schönen Frau dort im Nebenzimmer.“ Heftig nickt der junge Mann mit dem Kopf, während seine Zähne wie im Fieber aneinanderschlagen. „Aber es hat Eile!“ drängt der Andere.„Wenn Sie den Teufel nicht überwinden, steckt er Sie für immer in die Zwangsjacke.“ Mit wütender Hast greift der junge Mann in seine Tasche. Heftig schüttelt er den Arm des Andern ab, der ihn nochmals zur Vorsicht mahnen will. „Weg von mir! Ich will den Sieg allein erringen!“ murmelt er heiser. Doch der Andere drückt leise auf die Türklinke. Lautlos öffnet sich die Tür zum Sprechzimmer. Irene sitzt am Kamin, den Rücken der Tür zugekehrt. In dem über dem Kamin hängenden Spiegel sehen beide Männer das liebliche, im Gedenken an Ralph sanft lächelnde Antlitz. Schnell wie der Blitz duckt sich der junge Mann nieder, den Andern mit sich ziehend. „Bist Du so weit?“ fragen die Mienen des Letzteren. „Ja,“ erwidern die des Andern. Lautlos zieht sich jener zurück, während der junge Mann durch die halboffene Tür schleicht. Irene vernimmt ein schwaches Geräusch. Doch da sie die beiden Männer im Nebenzimmer weiß, findet sie nichts Auffälliges darin. Erst, als kräftige Schritte hinter ihr hörbar werden, wendet sie den Kopf. „Was ist los, Jack?“ „Verzeihung, Frau Doktor! Aber haben Sie etwas von den zwei Leuten nebenan gesehen?“ „Nein. Warum?“ „Ich meinte nur. Die Tür stand nämlich halb offen.“ „Und die Leute sind nicht mehr im Wartezimmer?“ „Nein. Wie weggeblasen sind sie. Ich wollt' eben noch mal nach ihnen sehen, weil sie mir so verdächtig vorkamen. Da ist das Nest leer und auch Niemand auf der Straße zu erblicken. Jedenfalls Diebe! Werden irgend etwas mitgenommen haben. Will gleich mal nachsehen. Man voriger Herr schloß immer das Sprechzimmer von innen ab, bevor er ausging.“ Damit zieht Jack sich ins Wartezimmer zurück. Irene schließt die Tür hinter ihm und dreht den Schlüssel herum. Dann blickt sie auf die Uhr.... Noch eine Viertelstunde— dann kommt Ralvy:.... Gerade noch Zeit genug, um ein wenig Ordnung zu machen! Sie nimmt die Bücher, in denen sie gelesen, fort, ordnet sie auf dem Paneelbrett über Ralphs türkischen Pfeifen, schiebt seinen Lieblingssessel zurecht und wirft noch einen forschenden Blick über das ganze Zimmer. Plötzlich bemerkt sie, daß neben dem Schreibtisch ein großer Lederkasten offen steht.... Sie tritt näher. Das längste Operationsmesser fehlt... Von Hah und Fern. Veteranenfeier am Niederwalddenkmal. * Bingen, 16. Aug. Zu einer ergreifenden, eindrucksvollen Kundgebung gestaltete sich heute eine Feier am Nationaldenkmal, die von dem Verbande der Kriegsfreiwilligen von 1870 vorbereitet worden war, dem sich die Vereinigung der einjährig= freiwilligen Kampfgenossen von 1964, 1866 und 1870/71 und viele andere Kriegervereine angeschlossen hatten. Viele Hunderte von ergrauten Männern, deren Brust mit langen Reihen von Orden und Ehrenzeichen geschmückt war, füllten teils in freudiger, teils in wehmutvoller Stimmung die umfangreichen Terrassen und Treppenanlagen am Fuße des Denkmals. Nach der Nieder= legung eines Riesen=Lorbeerkranzes durch den Vorsitzenden des Verbandes, Geh. Sanitätsrat Dr Riedel=Berlin hielt Professor Adolf Müller=Hannover mit weithin schallender Stimme eine Ansprache, in der er der Männer gedachte, die ihr Leben auf dem Altare des Vaterlandes geopfert haben, der Männer, denen es nicht vergönnt gewesen ist, die Frucht ihres Opfermutes, des neu erstandenen Deutschen Reiches Herrlichkeit, zu schauen. Auch das hehre Denkmal, zu dem die Versammelten in dieser weihevollen Stunde mit Andacht emporblickten, solle kommenden Geschlechtern erzählen von Mannesmut und Heldengröße, es solle namentlich der deutschen Jugend die Erinnerung an die großen Jahre 1870/71 wach und lebendig erhalten, in denen so viele Tausende und Abertausende ihr junges heißes Blut freudig dahingegeben hätten, um das Vaterland gegen den Angriff des übermütigen Erbfeindes zu verteidigen, es soll vor allem das Palladium sein, zu dem hinblickend die deutschen Volksstämme sich ihrer nationalen Zusammengehörigkeit am innigsten bewußt bleiben möchten. Aber dieses Nieder= walddenkmal sei auch die Verkörperung des Gedankens der Schneckenburger in seinem unsterblichen Liede niedergelegt habe, in dem Liede, bei dessen Erklingen in jener großen Zeit, die tätig mitzuerleben den versammelten Veteranen vergönnt gewesen sei, die flammende Begeisterung in ihrer jugendlichen Brust zu heller Glut emporgelodert sei, in dem Liede, dessen kraftstrotzende Strophen auch heute noch das Herz jedes guten Deutschen höher schlagen ließen. Germania, das stolze Weib, halte selbst die Wacht. In hoch erhobener Rechten halte sie die deutsche Kaiserkrone, die aller Welt zeige, daß die unselige Zeit der Zerrissenheit, der Zersplitterung, der kleinlichen Eifersucht der deutschen Volksstämme untereinander ihr Ende gefunden habe, daß das gesamte deutsche Volk sich eins wisse in dem großen Gedanken: Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern. In jugendlicher Begeisterung folgte die vielhundertroptige Festversammlung der Aufforderung, in den Gesang:„Es braust ein Ruf wie Donnerhall“ einzustimmen. In Bingen schloß sich ein Festmahl der Mitglieder des Verbandes an. wobei der Vorsitzende in begeisterten Worten das Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Professor Dr. Büchel=Hamburg feierte den Verband und Pfarrer Schmitthenner=Hugsweier bei Winglingen sprach zum Gedächtnis der Gefallenen, denen in weihevoller Stimmung ein stilles Glas gewidmet wurde Morgen früh reisen die Festteilnehmer zum Besuche der Schlachtfelder bei Duisburg, 16. Aug. Der hiesige Haus= und Grundbesitzerverein hat dem Landtag den Wunsch unterbreitet, ein Gesetz zu schaffen, das die Straßenreinigungskosten den Gemeinden auferlegt. Heute ist dem Verein auf Veranlassung des Ministeriums ein Schreiben des Regierungspräsidenten zu Düsseldorf zugegangen, in welchem ersucht wird, das dem Abgeordnetenhaus übersandte Material baldmöglichst der Regierung in Düsseldorf vorzulegen, da sie beauftragt sei, die Vorlage zu begutachtenn. * B a r m e n, 1 5. A u g. D i e U n s i t t e d e r K i n d e r, s i c h auf den Treppengeländern hinabgleiten zu lassen, hat hier wieder ein Menschenleben gefordert. Die siebenjährige Tochter eines Schaffners rutschte im Flur der elterlichen Wohnung auf dem Treppengeländer entlang, stürzte dabei aus dem dritten Stockwerk in den Flur und wuroe so schwer verletzt, daß sie nach kurzer Zeit starb. * Kaldenkirchen, 16. Aug. In dem Trappistenkloster Eulingsheide bei Venlo wurde der Schneidergeselle Hasserscheid aus Siegburg festgenommen, nachdem er in mehreren anderen holländischen Klöstern, u. a. auch im Missionshause zu Steyl, Schwindeleien verübt hatte. Es handelt sich um einen gemeingefährlichen Geisteskranken, der vor mehreren Jahren schon von den deutschen Behörden auf Lebenszeit einer Landesirrenanstalt überwiesen wurde, der aber dort ausgebrochen war und seitdem als angeblicher evangelischer Lehrer oder katholischer Geistlicher in der Welt umhergetrieben hat. * H a l v e r, 1 5. A u g. Z w e i j u n g e B u r s c h e n, v o n d e n e n d e r eine über 800 M bei sich trug, hatten mehrere Wirtschaften besucht. Der Besitzer des Geldes wurde abends auf dem Heimwege in der Nähe des Ortes von seinem Begleiter überfallen und beraubt, wobei er erhebliche Verletzungen an einer Hand durch ein Messer davontrug. Auf sein Hilfegeschrei eilten Leute herbei, die den Räuber, nachdem sie ihm das Geld wieder abgenommen hatten, der Polizei übergaben * Lüdenscheid, 15. Aug. Ueber den Mord an der Listertalsverre in Albringhausen wird weiter gemeldet: Der durch den Plettenberger Polizeihund Hellmuth als mutmaßlacher Mörder der kleinen Anna Strantz bezeichnete Oheim der Ermordeten, Schreiner Bernhard Strantz, hat das Kind in der alterlichen Wohnung vergewaltigt, sein Opfer dann mit dem Gewehr des Vaters des Kindes erschossen und ist dann sofort geflohen. Ein Bruder der Anna Strantz hörte den Schuß und eilte sofort in das Haus, fand aber nur noch seine durch den Schuß im Gesicht schrecklich zugerichtete Schwester tot vor. Erwiesen ist, daß Strantz kurz vor der Zeit des Mordes in Albringhausen gewesen ist, der Polizeihund verfolgte durch Garten. Feld und Wald die Spur bis zum Hause des Strantz in Grotewiese, wobei der Hund noch ein sogen. hygienisches Schutzmittel aufstöberte, dann führte der Hund auf anderm Wege zurück zur Mordstelle, wo inzwischen der Onkel Strantz erschienen war. Da der Hund ihn mit Sicherheit„verbellte“ wurde Strantz verhaftet und nach Attendorn gebracht. Benrath, 16. Aug. Auf dem hiesigen Bahnhofe wurden dem Rangiermeister Joseph Wasserfuhr beide Beine und ein Arm avgefahren. Der Verunglückte starb alsbald im Krankenhause; er hinterläßt eine Witwe und sechs unmündige Kinder. * H ü s t e n, 1 6. A u g. Z u d e m M o r d e e i n e s P o l i z e i kommissars in Hüsten wird noch gemeldet: Der Polizeikommissar Schlag bemerkte, daß ein Italiener in den Straßen angeblich gestohlene Uhren feilhielt. Er stellte den betreffenden Mann im Gasthof Sewerin am Bahnhof darüber zur Rede Als der Kommissar im Begriff war, ihn zu verhaften, zog der Italiener einen Revolver schwersten Kalibers und feuerte drei Schüsse auf den Beamten ab. Der erste Schuß ging fehl, der zweite zerschmetterte dem Kommissiar eine Hand. der dritte ihn in den Unterleib und tötete ihn auf der Stelle. Der Täter machte hierauf den Versuch, sich zu entleiben, er wurde aber von in das Lokal eindringenden Personen gefesselt und dem Amtsgericht zugeführt. * Trier, 17. Aug. Prinz Oskar von Preußen weilte gestern mit dem Minister Frhrn. v. Schorlemer als Jaadgast beim Reichsgrafen v. Kesselstatt auf Schloß Dodenburg. * Hanau, 17. Aug. In Meerholz ist der Stationsvorsteher Paul der Freigerichter Kleinbahn durch einen Blitzstrahl getotet worden. * Höchst a. M., 16. Aug. Der hier wohnende Postassistent Sigismund hat in der verflossenen Nacht sich und seine Frau durch Leuchtgas zu vergiften versucht. Er selbst wurde als Leiche vorgefunden; seine Frau dürfte jedenfalls wieder genesen. Unglückliche Familienverhältnisse und ein schweres Augenleiden des Mannes werden als Beweggrund für die Tat angesehen. * Leichlingen, 15. Aug. Zur Untersuchung der Entstehungsursachen der Explosion in der Sauer= und Wasserstoffgasfabrik zu Balken waren der Gewerbe=Inspektor von Solingen, ein Regierungs= und Gewerberat von Düsseldorf, der Regierungsassessor Graf Rantzau als Vertreter des Landrats von Solingen an der Unfallstelle. Die Kommission nahm eine eingehende Besichtigung der Unfallstelle vor, gelangte jedoch zu der Erkenntnis, daß aus den äußern Merkmalen die Entstehung der Explosion nicht festzustellen sei. Von den explodierten Kesseln wurden verschiedene Teile beschlagnahmt, auch soll eine chemische Untersuchung der in der Fabrik erzeugten Sauerstoff= und Wasserstoffgase vorgenommen werden. + Geisenheim, 18. Aug. Die Besitzung Monrepos des im Jahre 1904 verstorbenen Freiherrn Eduard von Lade zu Geisenheim ist zufolge letztwilliger Verfügung des Erblassers an den Staat gefallen. Auf Veranlassung der zuständigen Minister ist dieses Vermächtnis in eine Stiftung umgewandelt worden, der unter anderem auch satzungsmäßig obliegt, die vorhandenen umfangreichen Obst= und Gartenanlagen in vorbildlicher Weise im Sinne des Verstorbenen weiter zu unterhalten. Durch Angliederung der Stiftungsverwaltung an die Kgl. Lehranstalt für Wein=, Obst= und Gartenbau in Geisenheim wird eine Verwertung der Stiftungsanlagen zu Lehr= und Demonstrationszwecken angestrebt. Ferner werden mit staatlicher Unterstützung in dem zur Besitzung Monrepos gehörigen herrschaftlichen Wohnhause Schausammlungen aus dem Gesamtgebiete des Wein=, Obst= und Gartenbaues eingerichtet, die späterhin dem Publikum geöfnnet werden sollen. In den Sammlungen sollen nicht nur die wissenschaftlichen und technischen Hilfsmittel der Produktion in ihrer Entwickelung und gegenwärtigen Gestaltung, sowie die zahlreichen Hilfsmittel zur Verwertung der Erzeugnisse durch Handel und Industrie usw. vorgeführt werden, sondern sie sollen auch dazu dienen, um durch bildliche und graphische Darstellungen, sowie durch Modelle besonders bemerkenswerter Einrichtungen von allgemeinem Interesse und dergleichen Belehrungen für die Besucher zu geben. Das Museum soll zugleich eine Stätte sein, an der Gegenstände, die für diese Zwecke von Wert sind, und sonst aus Mangel an geeigneten und ständig überwachten Aufbewahrungsräumen nicht selten verloren gehen, eine sichere Unterkunft und Erhaltung finden können. Landwirte, Obstzüchter, Gärtner und Winzer können von der Möglichkeit der Erhaltung bemerkenswerter Gegenstände in diesem Museum in geeigneten Fällen Gebrauch machen. )*( Kiel, 17. Aug. Vom 20.—23. August tagt in Kiel die erste Hauptversammlung des Bundes Deutscher JustizSekretäre, Sitz Köln. Die Tagung wird Vertreter des mehr als 15000 Standesangehörige umfassenden Bundes aus allen Gauen Deutschlands zusammenführen. Dem Bunde widmet sich aus diesem Anlaß eine soeben erschienene Broschüre: „Das Deutsche Justizsekretariat, Allgemeine Anleitung für Staatsdienstaspiranten im Deutschen Justizsekretariatsdiensta“ (ein aufklärender Führer und Berater vor und bei der diesbezüglichen Berufswahl, ein unterweisender Führer und Lehrer auf dem Berufswege) von Hans Raith. K. AmtsgerichtsSekretär in Buchloe. Außer der üblichen Tagesordnung wird eine Reihe von aktuellen Standesfragen zur Beratung anstehen. * Innsbruck, 17. Aug. Es stellt sich heraus, daß viele Gäste des Karerseehotels nur Kleinigkeiten eingebüßt haben, die meisten haben die Hauptsachen gerettet. Die Einrichtungsstücke, die aus dem brennenden Gebäude gerettet und auf dem Platze vor dem Hotel aufgestapelt wurden, sind heute Nacht vom Regen völlig ruiniert worden: sie wegzuschaffen war infolge Wagenmangels unmöglich. Die obdachlosen Gäste sind größtenteils in Bozen und in Meran untergebracht worden. * Paris, 17. Aug. In der Gegend von Nimes sind neun Personen unter Vergiftungserscheinungen nach dem Genuß von Erbsenkonserven erkrankt. Ihr Zustand ist bedenklich. * Lyon, 17. Aug. In der Nähe von Craponne fuhr ein Zug auf einen auf der Strecke haltenden andern Zug von hinten auf. Zehn Personen wurden verletzt. Luftschiffahrt. * Paris, 17. Aug. Die letzte Strecke des Ostflugs, Amiens= Paris, 120 Kilom., kam heute morgen zum Austrag. Als Erster landete unter dem ungeheuern Jubel der Bevölkerung Leblanc auf seinem Eindecker Bleriotscher Bauart gegen 6¾ Uhr früh. Er war um 5 Uhr 3 Min. in Amiens aufgestiegen. Leblanc hat somit den 100 000 Fr.=Preis des Matin gewonnen. Sport-Nachrichten. X Der Rennstall Gestüt Brandwerder ist, da Hr. E. v. Kracker sich in seiner diplomatischen Stellung— er ist zur Zeit Geschäftsträger bei der Gesandtschaft in Brüssel— noch längere Jahre im Auslande aufhalten wird, in den Besitz einer Renngesellschaft übergegangen, die unter den Pseudonym„Hr. H. Westen" laufen lassen wird. Teilhaber dieser Gesellschaft sind Hr. H. Wittenberg zu zwei Drittel und Lt. Braune zu einem Drittel. Irgend welche Aenderung in dem Rannstall als solchem tritt nicht ein, und es bleiben insbesondere Trainer, Jockey und Rennfarben unverändert. Das Gestüt Brandwerder hat übrigens mit dem Siege von Doppelgänger im KronprinzenPreis zu Magdeburg einen Abschied vom Turf genommen, wie er glänzender nicht gedacht werden kann. Lokale Hachrichten. Neuß, 18. August. ( Das Ende des Meisterschaftsspiels des Niederrheinischen Schachverbandes zeigt folgendes Ergebnis: 1. Preis:(Meister des Niederrh. Sch.=Verb.) Stud. phil. Wiarda. Elberfeld(5½ Punkte). 2. Preis: Thomas, Düsseldorf(4 Punkte). 3. und 4. Preis: Zu teilen zwischen Professor Dr. Deiamann. Köln und Referendar Ophoven. Dortmund(je 3½ Punkte). Die übrigen Spieler erzielten: Weiß. Bonn. 2½ Punkte, Josefovic, Bochum, 2 Punkte, Dr. Ullrich. Neuß, 1 P. Der letzte Tag des Turniers brackte einen Sieg Ophovens über Weiß. Thomas schlug Josefovic. Damit waren die Preise in sicheren Händen. Bis weit in den Nachmittag hinein dauerte die schöne Partie zwischen Wiarda und Dr. Ullrich. Dr. Ullrich geriet kurz vor der Mittagspause in„Zeitnot“— wie es der Schachspieler nennt— und mußte in wenigen Minuten eine Reihe schwieriger Züge erledigen, um nicht durch Zeitüberschreitung die Partie zu verlieren. Dabei büßte er einen Bauer ein, und bald war er darauf angewiesen, vom Angriff in Verteidigungsstellung zu gehen. Ein wiederholter Angriff am Nachmittag blieb erfolglos und schließlich kam Wiarda in Gewinnstellung, sodaß seinem Matt nicht zu entgehen war. Wiarda hat somit seine Meisterwürde zweifellos berechtigt und sicher gewonnen. Er gewann von sechs erreichbaren Punkten fünf. Die sechste Partie, das Spiel gegen den Träger des 2. Preises, wurde remis. Verluste hat er also überhaupt nicht gehabt. Guter zweiter ist Thomas geworden. Eine Besprechung des Turniers und einzelner Partien vom Standpunkte des Schachkundigen werden wir demnächst in der Schachspalte veröffentlichen. Gestern Abend fand im Stadtgarten= Restaurant zu Ehren des neuen Meisters ein Kommers statt. Der Vorsitzende des Neußer Schachvereins und Leiter des Meisterschaftsturniers, Herr Leonh. Schillings verkündete dabei das Ergebnis des Turniers, wies aus die Summe geistiger Arbeit hin, die von den Spielern geleistet wurde und vertcilte die Preise. Herr Landgerichtsrat Schwan(im Turnier unter dem Namen Weiß) dankte als ältester der Teilnehmer am Turnier für die freundliche Aufnahme, welche die Schachfreunde in Neuß gefunden. Ganz besonders galt sein Dank dem Neußer Schachverein, dessen geschickter Leitung es zu verdanken sei, daß das Turnier ohne jeden Mißklang, so schön und freundschaftlich verlaufen sei. Er verglich den Neußer Schachverein mit den Anlagen, in denen man dieses Abschiedsfest feiere. Vor etwa 10 Jahren seien beide gegründet worden, damals habe auch der Neußer Schachverein im Stadtgarten ein Fest gefeiert. Beim ersten Mal habe man gesehen, daß es etwas werden sollte. Aber er habe auch später den Park oft durchwandert und sich daran erfreut, wie alles grünt und blüht. So ergehe es auch dem Schachverrein. Und wie man im Stadtpark in den Wiesenflächen auch mal eine Blume sehe, so habe auch der Schachverein seine erste Blume durch Aufnahme einer Dame in die Reihen der Kämpen erhalten. Daß auch diese „Damenabteilung“ blühe und gedeihe, war der Wunsch des Redners. Herr Höing. der Verbandsvorsitzende, Düsseldorf, feierte den Meister des Niederrheinischen Schachverbandes. Er wies darauf hin, wie zum ersten Verbandsturnier Herr Wiarda als Gymnasiast die Erlaubnis seines Schuldirektors erhalten habe, um freie Tage für die Teilnahme zu haben, wie er damals schon den zweiten Preis errang und mit welchem Erfolg er später im Berliner Meisterschaftsturnier den dritten Preis behauptete. Herzliche Glückwünsche. dem jungen Meister dargebracht, fanden lebhaften Wiederhall. Herr Schillings sang in einem durchschlagenden Lied den Damen Lob, Herr Höing feierte noch die Kämpen des Meisterturniers, Herr Theodor Jossen sagte den auswärtigen Gästen, namentlich den zahlreich erschienenen Düsseldorfer Nachbarinnen und Nachbarn Liebenswürdigkeiten; der Vorsitzende des Barmer Schachvereins lobte namens der Gäste das gastfreundliche Neuß, und Herr Landgerichtsrat Schwan feierte den Vorstand des Neußer Schachvereins. Herr Wiarda dankte für die ihm dargebrachten Ehrungen und gedachte dabei seines Schachlehrmeisters, des in Schachkreisen unvergeßlichen Herrn Maltan. Fröhliche Lieder, musikalische Darbietungen der OrchesterVereinigung, die sich in liebenswürdigster Weise dem Schachverein dienstbar gemacht hatte und Vortreffliches bot, und eine ungetrübte rheinische Feststimmung ließen die Stunden des Abschiedsfestes schnell entschwinden! — Aus Anlaß der 40. Wiederkehr der Tage der Schlachten vom 16., 17. und 18. August 1870 legte heute der Vorstand des Kriegervereins am Kreiskriegerdenkmal einen prachtvollen Kranz nieder. (9 Das Uebungsschießen des Jagdschutzvereins wird heute Nachmittag um 3½ Uhr fortgesetzt. Sonntag ist der letzte Tag. Der Verein hat das Tontaubenschießen eingerichtet, um seinen Mitgliedern und andern Freunden der Jagd Gelegenheit zur Uebung zu geben, und heißt auch Gäste willkommen. Das Schießen findet auf dem Rennplatz statt. D Reiter=Corps 1910. In der gestern Abend im HotelRestaurant Pilartz stattgehabten Versammlung wurde das Corps endgültig gegründet. Die letzte Versammlung mit Musik und Chefwahl findet Freitag Abend statt, worauf hiermit noch besonders hingewiesen wird. :!: Von der Jülicherlandstraße. Recht stiefmütterlich wird die Jülicherlandstraße behandelt, weil selbige in Bezug auf Beleuchtung und Besprengung viel zu wünschen übrig läßt. Die neben der Wirtschaft Felds befindliche Gaslaterne scheint zu Versuchszwecken zu dienen, da man es seit länger als zwei Monaten es nicht für an der Zeit hält, den traurigen Rest des Glühstrumpfes zu beseitigen und einen ordnungsmäßig neuen aufzusetzen. Die von auswärts bis Mitte Krausenbaum mit unverminderter Schnelligkeit heranrasenden Automobile wirbeln eine derartige Menge Staub bei trockener Witterung auf, daß nur schleunige Flucht den Fußgänger schützen kann. Da beide Unterführungen der Straße, unter der Linie Neuß—Düren und Köln fertiggestellt, ist den Autos' freie Fahrt gegeben, zumal das Fragment von Tafel, welches am Lövelingerweg steht, und die Aufschrift„Stadt Neuß". trägt, allem anderen eher, als seinem Zwecke dient.—(Eingesandt von mehreren Anwohnern der Straße.) — Zur Bekämpfung der Schwindsucht in Preußen ist vom Ministerium des Innern eine neue Verfügung erlassen worden des Inhalts, das Ministerium erachte es für dringend notwendig. daß die Bekämpfung der Schwindsucht nicht nur stellenweise, sondern überall im Lande energisch aufgenommen und von den Landräten planmäßig geleitet werden müsse. Die nächstliegende Aufgabe der Fürsorgestellen wird darin bestehen, daß den Leidenden nicht nur Auskunft und Rat erteilt, sondern ihnen auch nach Maßgabe der zur Verfügung stehenden Mittel geholfen wird. Die Lösung dieser Aufgabe wird erhebliche finanzielle Mitteln erfordern, doch sollen diese, wie man hofft, zum größten Teil durch Wohltätigkeits= Veranstaltungen aufgebracht werden. — Häufige Klagen über verschiedene Uebelstände sind in letzter Zeit laut geworden und geben Veranlassung, an dieser Stelle auf dieselben besonders aufmerksam zu machen und das Publikum dringend aufzufordern, selbst mit für Abhilfe zu sorgen. Gerade in der Ferienzeit müssen die zur Zerstörungssucht neigenden Kinder mit erhöhter Sorgfalt beaussichtigt und davon zurückgehalten werden, fremdes Eigentum mutwillig zu beschädigen und sich namentlich an den so sorgfältig gepflegten öffentlichen Anlagen zu vergreifen. Auch mehren sich jetzt wieder die Klagen über das Rollschuhlaufen und das Fahren mit den sogenannten Fliegern über die Bürgersteige, die für die Fußgänger und nicht zur Ausübung irgend eines Sports bestimmt sind. Ferner kommt es immer noch vor, daß auf Straßen oder Plätzen regelrechte Fußballspiele begonnen werden, wodurch Passanten, Fensterscheiben und Gartenanlagen gefährdet werden. Es kann nicht dringend genug davor gewarnt werden, Obstreste und Schalen auf die Bürgersteige und Straßen zu werfen, weil durch Ausgleiten sehr häufig schwere Unfälle entstehen. Da es sich noch um eine neue Einrichtung handelt, sind die Plakatsäulen besonders häufigen Angriffen ausgesetzt; wenn die Zettel abgerissen werden und dann die Papiersetzen herunterhängen, dienen die Plakatsäulen, anstatt einen Fortschritt zu bedeuten, nur zur Verunstaltung des Straßen. Il. Schließlich müssen sich die Lenker von Fuhrwerken jetzt, da Haupstrcheizug die Deprelglelse, Heiezschaoste Rlcs al macher; den Wagen der Rheinischen Bahngesellschaft Platz zu mache., es ist wiederholt beobachtet worden, daß Wagen längere Zeit auf den Gleisen stehen, während ein Bahnwagen vergebens Störung des ganzen Fahrplanes zur Folge haben kann. II. Vom Weiter. Höchste Temperatur am gestrigen 20 Grad über Null, niedrigste in vergangener Nacht 10 Grad über Null, heute Morgen 14 Grad über Null. Barometer 2 Millimeter gefallen. Wind westlich. Es ist zu erwarten am: 19. August: Bewölkt, teils heiter, teils Regen, Gewitter. 20. August: Meist bedeckt, trübe, normal warm. 21. August: Wolkig mit Sonnenschein, mäßigwarm, meist trocken. 22. August: Vielfach heiter und schön, mäßig warm. 25. August: Sonnenschein bei Wolkenzug, warmer. 24. August: Heiler, mäßig warm, kühler, frischer Winr. Vermischtes. * Städtebau= Ausstellung in Düsseldorf. Nach der Eröffnung der Ausstellung ist noch eine reiche Fülle neuen Materials von Seiten der Rheinisch= Westfälischen Städte eingegangen. Nicht nur die unteren Räume sind bis auf den letzten Saal gefüllt, sondern auch im oberen Stockwerk reiht sich Koje an Koje in der ganzen Länge der stattlichen Front des KunstValastes aneinander. In dem vom Lesesaal aus führenden Treppenhause haben noch weitere Verkehrspläne Aufstellung gefunden. Besonders ein hochinteressantes Projekt des Berliner Ing. Sprickerhof, welches die auch für rheinische Städte so wichtige Frage der Einführung der Vorortbahnen in den Stadtkörper eingehend behandelt. Es ist die neue Schnellbahn Bremen= Bremerhaven, welche die etwa 50 Kilometer entfernte Meeresküste der alten Hansastadt näher bringt als man wohl je zuvor dachte. Dann folgt eine Reihe verschiedener Städte. Saarbrücken bringt neben einem stattlichen Modell des Rathauses eine Fülle von Stadt= und besonders Brückenanlagen. Bielefeld wartet ebenfalls auf mit einem farbigen überaus reizvollen Modell einer am Waldrand gelegenen Kolonie und mit malerischen Ansichten von Städtebildern als alten und neuen Stadtteiten. Münster breitet in viel ausgezeichneten Lichtbildern eine Fülle von Schönheit aus, welche selbst den überraschen, der diese ehrwürdige Stadt bereits genau zu kennen glaubt. Auch Gelsenkirchen und Oberhausen sind vertreten und zwar vor allem m.parten un Parkanlagen, die man wohl schwer in dem russischen Winkel unseres Vaterlandes erwarten sollte, die aber besonders zeigen, wie gerade hier die Notwendigkeit schöner Grünanlagen noch rechtzeitig erkannt wird. Besonders aber dürfte interessieren, die im Oberstock der großen Kuppelhalle ausgestellten reichhaltigen Beiträge der Städte Bochum und Bonn. Bochum bringt neben vielen Plänen auch das ca. 6 Meter lange imposante Modell seines Knappschaftsgebäudes; Bonn wartet mit 3 Modellen auf, die durch entsprechenden, dazu gehörigen ganz besonders gut ergänzt werden und besser als sonst auf dieser Ausstellung die Wichtigkeit solcher M##### genur den entsprechenden Zeichnungen dartun. Auch Stadtbilder und wirtschaftlich wie künstlerisch bedeutende Durchbrüche zeichnen das so mutig an seiner Innenstadt arbeitende Gemeinwesen Zwischen diesen beiden Städten zeigen im Balkonsaale und dem zugehörigen Nebenraum die künstlerisch bedeutenden Entwürfe für das Rathauis Wilmersdorf, das Rathaus Duisburg und die Schloßteichbrücke in Königsberg. Die Darstellungen in Federzeichnung Aquarell und Kohle bieten hier auch abgesehen von der städtebaulichen Bedeutung einen reinen künstlerischen Genuß. Weiter reihen sich an. die Ausstellung der Stadt Maadeburg und die alte Gartenstadt St. Johannis bei Nürnberg, die erste deutsche Gartenstadt aus dem 16. Jahrhundert. Ueber städtebauliches Unterrichtswesen, für welches wesentlich in der letzten Zeit immer neue Schulen aus dem Boden schießen, gibt das Seminar für Städtebau an der Technischen Hochschule zu Berlin, geleitet von den Professoren Brix und Genzmer vielseitige Auskunft. Weiter schließen sich Bilder aus den Berliner Vorstädten an, unter anderem interessante Pläne des bekannten Städtebauers Hermann Jansen, eine reichhaltige Ausstellung der Stadt Brünn und endlich eine Koje mit wertvollem statistischen und verkehrstechnischem Material aus Kopenhagen. In den letzten Tagen ist auch noch eines der schönsten Stücke der Ausstellung eingetroffen. Der berühmte Plan der großen Berliner Straßenbahn über die tägliche Verkehrsschwankungen. Es gibt wohl keinen Plan der ganzen Ausstellung, auf welchem so lebendig das Volksleben sich wiederspiegelt, als diesen und so dürfte ein Besuch der Ausstellung in den kommenden Tagen auch dem, der bereits einmal dort war, reiche weitere Anregungen bringen. Da das in der Städtebau= Ausstellung zusammengeströmte Material so reichhaltig geworden ist, daß im Laufe einer Führung auch selbst die interessantesten Spezialfragen nicht ganz zu ihren Rechten kommen könne, so hat die Ausstellungsleitung beschlossen. Spezial= Führungen für Groß=Berlin. Groß=Düsseldorf. Amerika und andere allgemein interessante Themen einzurichten. Diese Führungen, welche gerade deshalb ein besonderes Interesse beanspruchen dürften, weil sie tiefer in die ganze Materie einführen, werden in den Tageszeitungen und an den Plakatsäulen von Fall zu Fall näher bekannt gegeben wecben. Wasserstands-Nachrichten. Letzte Nlachrichten und Telegramme der„Hleußer Zeitung“. Der Ueberlandflug Frankfurt—Mannheim. Frankfurt a. M., 17. Aug. Um 6 Uhr 4 Minuten stieg Wiencziers mit einem Antoinette= Flieger zur Fahrt nach Mainz auf, wo er um 6 Uhr 27 Min. in einer Höhe von 300 Meter gesichtet und von einer nach Tausenden zählenden Menschenmenge begrüßt wurde. Die Landung erfolgte um 6 Uhr 40 Min. auf dem Großen Sand. Um 6 Uhr 34 Minuten startete Jeannin auf einem Farman=Apparat zum Ueberlandflug nach Mainz und landete dort glatt um 7 Uhr 8 Min. Frankfurt a. M., 17. Aug. Wiencziers kam wegen Beschädigung des Laufrades nicht mehr von Mainz fort; er will dort morgen früh um 4 Uhr starten. Mannheim, 17. Aug. Jeannin(Farman= Apparat) ist in Sandhofen, anderthalb Stunde von Mannheim entfernt, um 8½ Uhr gelandet; er hatte die Richtung verfehlt. Der Apparat ist nicht beschädigt. Thelen ist in Gernsheim bei Woims gelandet. Kaiser Franz Josefs achtzigster Geburtstag. Berlin, 17. Aug. Der Reichsanzeiger schreibt im nichtamtlichen Teil:„Kaiser Franz Josef vollendet morgen sein achtzigstes Lebensjahr. Wie ihm an diesem Tage seine Völker in dankbarer Liebe entgegenjubeln, so wenden sich auch in Deutschland die Herzen dem erlauchten Monarchen zu, in dem wir den väterlichen Freund unseres Kaisers. den treuen Bundesgenossen des Deutschen Reiches, den starken Schirmherrn des europäischen Friedens und ein leuchtendes Vorbild fürstlicher Pflichterfüllung verehren. Mit den ungezählten Millionen, die morgen Kaiser Franz Josef ihre Huldigung darbringen, vereinigen wir uns in dem Wunsche, daß seine Weisheit noch lange über den Geschicken der befreundeten und verbündeten habsburgischen Monarchie walten möge.“ Bad Ischl, 17. Aug. Ischl ist reich beflaggt und prachtvoll dekoriert. Heute Vormittag ist auf der Elferkogel das von dem lokalen Komitee errichtete Kaiser= Franz=JosefKreuz feierlich eingeweiht worden. In allen Straßen herrscht eine lebhafte Bewegung. Jeder Zug bringt neue Festgäste. Im Laufe des Tages sind zahlreiche Mitglieder der kaiserlichen Familie angelangt. Budapest, 17. Aug. Der König hat aus Anlaß seines achtzigsten Geburtstages zwanzig wegen Majestätsbeleidigung und Aufreizung verurteilte Personen begnadigt. Karlsbad, 17. Aug. Im reichgeschmückten Sale des Karlsbader Kurhauses fand heute vormittag die feierliche Ueberreichung der Widmungsurkunde der Stadtgemeinde von Karlsbar für den im Beethoven=Park gelegenen Platz des Franz=Josefs=Denkmals durch den Vizebürgermeister Baier an das reichsdeutsche Komitee statt. An Kaiser Franz Josef und Kaiser Wilhelm wurden Huldigungstelegramme abgesandt. Krefeld, 17. Aug. Eine Witwe aus der Ispelsstraße lebte in Furcht, es werde nachts bei ihr ein Einbruch verübt, weshalb sie eine geladene Flobertbüchse neben ihr Bett stellte. Am Morgen vergaß sie, die Waffe zu entfernen. Als ihr 8jähriger Töchterchen in ihr Schlafzimmer kam, machte es sich an der Waffe zu schaffen, worauf ein Schuß losging. Die Schrotladung drang dem Kinde in die Schläfe und tötete es. h. Homburg, 18. Aug Bei einem Besuch des Kaisers auf der Saalburg hatte sich ein sehr großes Publikum, besonders zahlreich die Kurgäste eingefunden. Die polizeilichen Absperrungen wurden vollständig aufgehoben. Das Publikum drängte sich bis ans Automobil des Kaisers und überschüttete den Kaiser völlig mit Blumen. In Ermangelung von Rosen begnügte man sich mit Sträußen von Feldblumen. Den Kaiser erfreute sichtlich diese Huldigung. Zum Besuch des Kaisers Franz Josef begibt sich Kaiser Wilhelm Ende nächster Woche nach Wien, von dort reist er nach Donaueschingen. Kiel, 17. Aug. Heute Nacht ist in der Kieler Bucht das Torpedoboot S 32 von dem Torpedoboot S 76 gerammt worden. Beide Boote sind während der Bergungsarbeiten gesunken. Die Besatzungen konnten gerettet werden. Dessau, 17 Aug. Bahnarbeiter, die auf der Mosigkauer Heide in der Nähe Dessaus beschäftigt waren, wollen beobachtet haben, wie heute Mittag ein über der Heide schwebender Lenkballon brennend abstürzte. Sie benachrichtigten sofort den Oberförster, der das große Gelände der Heide noch jetzt mit Waldarbeitern absucht. Auch von Bitterfeld sind Mannschaften zum Aufsuchen des Ballons abgegangen. Bisher ist nichts gefunden worden. Dennoch ist es möglich, daß Reste eines Ballons in der großen Heide liegen. Gibraltar, 17. Aug. Der deutsche Dampfer Elsa ist mit Beschlag belegt worden, da die Inhaberin des untergegangenen Dampfers Martos einen Schadenersatzanspruch in Höhe von 16 500 Pfund Sterling geltend gemacht hat. Handels-Zeitung. Amtliche Fruchtpreise zu Neuß am 18. August. M. Neuer Weizen 100 Ko. 1. Qu. 20 2." 19 Neuer Roggen 100 Ko. 1.„ 15 „„„ 2.„ 14 Alter Hafer 100 Ko. 1.„ 15 Preisnotierungen der Neußer Müller. Neuß, 18. August. Rüböl 100 Kilo in Partien von 100 Ztr.(ohne Faß) Rüböl 100 Kilo faßweise(ohne Faß) Gereinigtes Rüböl 3 Mk. mehr Rübkuchen 1000 Kilo große waggonweise. „„ kleine„ Kleien 50 Kilo Raps wurde je nach Beschaffenheit mit 20.— bis 22.— Mk. bezahlt. Rüböl und Kuchen unverändert. 58 60 92 96 5 50 ## Neue Kartoffeln 50 Kilo M4 2,80—3,00 40 Heu 50 Kilo.„„ 2,70—3,20 40 Luzernerheu 50 Kilo„„ — Krummstroh 500 Kilo — Breitdruschstroh 500 Kilo 60 Butter Kilo 60 Eier 100 Stück II. Neuß, 17. Aug. Produktenmarkt. Weizen und Roggen in naher Ware waren gut gefragt und wurden höher bezahlt. Ware auf Lieferung war schwächer. Futtermittel und Leinöl wurden höher gehalten. Preis=Notierungen(frachtfrei Neuß): Weizen, Landware 1. Qual. 20,90, 2. Qual. 19,90, ausländ. I. Qual. 24,—, 2. 23.—, Roggen, Landware 1. Qual. 15,—, 2. Qual. 14,—, ausläyd. 1. Qual. 18,—, 2. Qual. 17,—, Hafer, Landware 1. Qual. 15,60, 2. Qual.—.—, ausländ. 1. Qual. 18,—, 2. Qual. 16,50, Futtergerste 1. Qual. 12,50, 2. Qual.—.—, Mais, runder 15,—, Cinquant 18,—, Weizenmehl 000 ohne Sack 28,50, Roggenmehl ohne Sack 22,25, Weizenkleie ohne Sack 10,50 bis 8,50, Weizen=Grand ohne Sack 10,50 bis 8,50, Bollmehl ohne Sack 11,75 bis—.—, alles per 100 Kg., Leinmehl mit Sack 170,—, Baumwollsaatmehl mit Sack 158,—, Palmkuchen 131,—, Rübkuchen, große 92,—, kleine 96,—, Erdnußkuchen, Coromande 141,—, Rufisque 155,—, alles per 1000 Kg., Rüböl ohne Faß 57,50, Leinöl 80,—, alles per 100 Kg. Krefeld, 16. Aug. Marktvreise. Kartoffeln 7,50—0,00, Stroh 3,20— 3.60, Heu 4,60—5,20 per 100 Kilo. Rindfleisch 1,36—1,54, Schweinefleisch 1,50—1,70, Kalbfleisch 1,50—1,70, Hammelfleisch 1,40—1,80, Speck, geräuch. und mager 1,50—1,70, gewöhnl. Eßbutter 2,50—2,60 per 1 Kilo. Eier 60 Stück 4,20—4,80, 25 Stück 1,75—2,00 M. Köln, 17. Aug. Rüböl in Posten von 5000 Kg. 60,50 B., Okt. 60,00 B., 59,50 G. Luzernerheu, altes 9,80—10,00, neues 7,80—8,40, Wiesenheu, altes 8,00—8,25, neues 6,50—0,00, Richtstroh(Flegeldrusch) 4,00—4,50, Krummund Preßstroh 2,80—3,20 die 100 Kil. Magdeburg, 17. Aug. Kornzucker 88% 00,00—00,00, 75% 00,00— 00,00, runig. Rohzucker zur Durchf. bordfrei Hamburg Aug. 15,00 B., 14.90 G, 00,00 bz., Sept. 13,97 B., 13,90 G., 00,00 bz., Okt. 11,92 B., 11,87 G., 11,90 bz., Okt.=Dez. 11,82 B., 11,77 G., 00,00 bz., Jan.=März 11,90 B., 11,85 G., 00,00 bz., Mai 12,02 B., 12.00 G., 12,00 bz., ruhig. Brodrafsin. la 25,12—25,37, Kristallzucker la 00,00, gem. Raffin. 25,00— 25,25, gem. Melis 24,50—24,75, bei Posten aus erster Hand, stetig. Berlin, 17. Aug. Fruchtmarkt. Weizen Sept. 201,50(201,25), Okt. 202,50(2 2,75), Dez. 203,25(203,25). Roggen Sept. 153,50(152,00), Okt. 156,00(154,50), Dez. 158,00(157,00). Hafer Sept. 000,00(000,00), Dez. 000,00(157,00). Mais Sept. 000,00(000,00), Dez. 000,00(000,00). Weizenmehl 25,25—28,75. Roggenmehl 18,50—20,70. Rüböl Aug. 00,00 (60,00), Okt. 58,80(58,90), Dez 56,00(56.20). Hamburg 17. Aug. Weizeu ruhig, Mecklenburger und Ostholsteiner Aug.=Sept. 206. Roggen fest, Mecklenb. und Altmärk. 146—155, russ. cif 9 Pud 10/15 Pfd. Aug.=Sept. 110. Gerste ruhig, südruss. cif Aug. 98,00. Hafer stetig, Holsteiner und Mecklenb. 160—175. Mais ruhig. amerikan. mired Aug. 000,00, La Plata cif Aug.=Sept. 103.00. Rüböl fest, 58,50. Sviritus fest, Aug. 19,50 G., Aug.=Sept. 19,50 G., Sept.=Okt. 19,50 G. Petroleum(amerikan.) spez. Gewicht 0,800 schwach, 6.00. Salveter fest, 8.85, Nov.=Dez. 9,00, Febr.=März 9,27½. Hamburg, 17. Aug. Kaffee stetig, Sept. 39¼, Dez. 39¾, März 40, Mai 40 G. Kaffee in greifbarer Ware ruhig.... 96„ Bremen, 17. Aug. Schmalz, vorr., Tups und Firkins 62½, Doppeleimer 63½. Fest.„„—(5-2 Autwerpen, 17. Aug. Petroleum, raffin., Type weiß, vorr. Frs. 19½ bB., Aug. 19½ B., Sept. 19¾ B., Okt.=Dez. 20 B. Ruhig. Autwerpen, 17. Aug. Schmalz. amerik. Marke Wilcox vorr. Frs. 150, Aug. 149, Okt. 148¼, Dez. 142. Hull, 17. Aug. Baumwollol o. F. rohes 32 S. 0 D., raff. 28 S. 6 D., raff. Nov.=April 27 S. 9 D. Leinöl o. F. 37 S. 3 D., Sept.= Dez. 37 S. 1½ D., Jan.=April 35 S. 4½ D. Soya=Bohnen=Oel 28 S. 9 D., Sept.=Dez. 28 S. 10 D. London, 17. Aug. Metallmarkt. Kupfer stetig, Chili=Bars, good ordin. brands L. 56.7.6, 3 Monate 57.2.6. Best Selected 60. 0.—. Elektrolit 58.10.—. Zinn matt, Straits 154.10.—, 3 Monate 153.17.6. Blei ruhig, span. 12.10.—, engl. 12.17.6. Zink Brief, gewöhnl. Marke 23.—.—, bessere Marke 23.17.6. Antimon, Regulus 29.—.—. Akuminium 74.—.—. Tagesumsatz in Kupfer 1700 T., in Zinn 500 T. New=York, 17. Aug. Getreidemarkt. Weizen Sept. 108¼, Dez. 111⅝, Mai—, Juli—. Mais Sept. 70⅞, Dez.—, Mai—. Juli—. Mehl spring wheat 4,2°. Getreidefracht nach Liverpool 1½. Roggen New=York, 17. Aug. Baumwolle. Baumwolle vorr. 15,90, Aug. 15,90, Sept. 14,37, Okt. 13,70, Nov. 13,62, Dez. 13,62, Jan. 13,61, Febr. 13,62, März 13,68, Mai 13,72, Juni 13,72, Juli 13,72. Viehmärkte. Altenessen, 16. Aug. Schweinemarkt. Auftrieb 3821 Ferkel und Faselschweine. Ferkel(Durchschnittspreis) im Alter von 6—8 Wochen 22— 37, 9—12 Wochen 37—40, für Faselschweine 40—60 M. Dortmund. 15. Aug. Viehmarkt. Aufgetrieben 977 Stück Hornvieh, 2214 Schweine, 279 Kälber und 46 Hämmel. Preise die 100 Pfd. Schlachtgew.: Ochsen 73—90, Stiere 66—85, Kühe 1. Qual. 81—88. 2. 73— 80. 3. 56—70 M. Schweine 62 70, Kälber das Pfd. Lebendgew. 1. Qual. 52—77, 2. 43—50, Hammel 65—80 Pfg. Wolle. Antwerven, 17. Aug. Wolle stetig. Deutscher La Plata=Kammzug(Vertrag B) Aug. 6,12½, Sept. 6,07½, Okt. 6,02½, Nov. 5,95, Dez. 5,90, Jan. 5,82½, Febr. 5,75, März 5,70, April 5,65, Mai 5,62½, Juni 5,60, Juli 5,55. Umsatz 205,000 kg. Kohlen. Wagengestellung am 16. Aug. Im Ruhrbezirk gestellt 25835, gefehlt 00— Aachener Kohlenbezirk(Wurmrevier) gestellt 718, gefehlt 00.— Saarbezirk gestellt 2739, gefehlt 00.— Rheinischer Braunkohlenbezirk gestellt 1268, gefehlt 60.— Im oberschlesischen Revier gestellt 9102, gefehlt 00 Wagen. Amtliche Wechselziussätze der Notenbanken vom 17. August. Amsterdam 5. Belg. Plätze 3 ½/2 Deutsche Plätze 4. Kopenhagen 5. Lissabon 6. London 3. Italien. Plätze 5. Madrid 4½. Parls 3 Petersburg 4½. Schweiz. Plätze 3½. Wien 4. Offentlicher Wetterdienst der Dienststelle Aachen(Metereologisches Observatorium) Wetteraussichten für den heutigen Tag: Veränderliche Bewölkung, strichweise Gewitterbildung. Für dauernd sofort gesucht zwei tüchtige, selbständige Schlosser sowie angehender Gehülse Maschinen= u. 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