mit Ausnahme der Sonn. und Festtage. Preis vierteljährlich in Neuß #0 Uk., durch die Dost bezogen 1.65 Ulk., mit Unterhaltungsblatt in Neuß 1.80 Uk., durch die Oost bezogen 1.95 Mk. Druck und Verlag: R. Noack, Neuß. Celephon No. 57. Amtliches Kreisblatt im lokalen Verkehr 12 Ofg., sonst 15 Pfg., die?gespaltene Detitzeile oder deren Aaum. Reklamen 50 Ofg. diez gespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Für die Redaktion verantwortl. R. Noack Expedition: Neuß, Nenstraße 1 Nr. 247. 1. Blatt. sie heutige Nummer umfaßt 20 Seiten. Samstag, 23. Oktober.(Sim. u. Jud.) 1905. 80. Jahrg. Politische Nachrichten. Deutschland. — Ueber die Umstände, unter denen die Rückkeise des Prinzen Friedrich Leopold von Warschau nach Berlin sich vollzog, wird der Poss. Ztg. noch geschrieben: Die Abreise des Prinzen Friedrich Leopold von Preußen aus Warschau ging unter den denkbar größten Vorsichtsaßregeln von statten. Aus Berlin war ein Sonderzug mit Speise= und Schlafwagen zur Abholung des Prinzen entsandt worden. Die Abfahrt war auf ½9 Uhr abends festgesetzt und im Zuge sollte um 9 Uhr ein Abendessen von 12 Gedecken serviert werden. Alle Vorbereitungen waren gesroffen, am Bahnhof war eine Ehrenkompagnie mit Musik und Fahne aufgestellt, da kam der Bescheid: Der Prinz kommt nicht, er bleibt in der Wohnung des Gouverneurs, wo er übernachten wird." Das Personal packte alles zusammen, um die Vorbereikungen zum Uebernachten zu treffen, als plötzlich per Befehl kam:„Der Prinz ist im Zuge, es wird sofort abgefahren!“ Große Bestürzung allerseits, enn das Kommen des Prinzen war von niemand bemerkt worden, und das Geheimnis dieser Fahrt wurde durch diese unerwartete Nachricht noch mystetiöser. Im Zuge selbst waren überall Soldaten mit aufgepflanztem Bajonett aufgestellt; an jeder Kür, an jedem Eingang stand ein Soldat. Der Bahnhof war streng abgesperrt, überall sah man Posten und Patrouillen. Berichterstatter wurden schroff abgewiesen, das Personal des deutschen Zuges durfte den Zug nicht verlassen. Und dennoch war der Prinz plötzlich im Zuge! Vor der Abfahrt wurden sämtliche Lichter des Zuges abgeblendet. Im Sveisewagen wurden die Vorhänge herunterbelassen und die Fenster durch Tücher fest verhängt. Ebenso wurde auch der Schlafwagen des Prinzen vollständig verdunkelt. Um ½12 Uhr abends gings sos. Voraus ein Militärzug, der das Gleis frei alten mußte, gleichfalls mit abgeblendeten Lichkern, die Maschine nur mit Ingenieuren und Offizieren besetzt.. In kurzem Abstand folgte der Prinzenzug, der auf Signale des Vorzuges hin bis zur Grenze sechsmal halten mußte, weil irgend etwas auf der Strecke nicht geheuer erschien. Die Bahngleise waren zu beiden Seiten von Soldaten ewacht in gleicher Weise, wie dies bei Reisen des saren geschieht. Der Zug kam schließlich wohlbealten um 5 Uhr früh an der deutschen Grenze, in lexandrowo an, wo er vom deutschen Personal in impfang genommen wurde. — In Berlin wurde am Freitag in Anwesenheit des gesamten Hofes und der höchsten Kilitärs das Moltkedenkmal vor dem Generaltabsgebäude enthüllt. Graf von Schlieffen hielt die Festrede. Bei der Tafel im Weißen Saale brachte der Kaiser folgenden Trinkspruch aus: „Dem heutigen Tage seien zwei Gläser bestimmt, das eine der Vergangenheit und der Erinnerung. In aufrichtigem Danke gegen die Vorsehung, die in großen Zeiten dem großen Kaiser seine Paladine beschert hat, wollen wir vor allen Dingen das erste Glas ein stilles sein lassen, welches dem Andenken gewidmet ist des Kaiser Wilhelms Majestät größten Generals. Der Kaiser fuhr sogleich fort: Das zweite Glas, das gilt der Zukunft und der Gegenwart. Wie es in der Welt steht mit uns, haben die Herren gesehen. Darum das Pulver trocken, das Schwert geschliffen, das Ziel erkannt, die Kräfte gespannt und die Schwarzseher verbannt. Mein Glas gilt unserem Volk in Waffen. Das deutsche Heer und sein Generalstab hurra, hurra, hurra!“— Die Musik spielte den Yorkschen Marsch. — Zu den kürzlich im„Reichsanzeiger" veröffentlichten Bestimmungen über die Beschwerde in Zolltarifsachen hat der Finanzminister Ausführungs=Anweisungen ergehen lassen. Danach sollen die Bestimmungen zum Zwecke der von den Gewerbetreibenden dringend gewünschten Beschleunigung und Vereinheitlichung der Entscheidung in Zolltarifsachen vom 1. Januar 1906 versuchsweise zur Anwendung gebracht werden. Die Hauptämter und Direktivbehörden haben bei Prüfung der Beschwerden, wie bisher die als erforderlich erachteten Ermittelungen anzustellen. Bei Weitergabe der Beschwerde sollen die Direktivbehörden dem Finanzminister Abschrift des vom Hauptamt erstatteten Berichts lediglich mit einem Vermerk über ihr Einverständnis, gegebenenfalls mit ergänzenden oder abweichenden Bemerkungen vorlegen. Wird die Beschwerde von der Direktivbehörde als begründet erachtet, von ihr also eine Entscheidung getroffen, so soll diese dem Finanzminister in Abschrift eingereicht werden. Die Behandlung der Beschwerden soll nach Möglichkeit beschleunigt werden. Schließlich foidert der Finanzminister die Provinzialsteuerdirektoren auf, die Hauptssmter hiernach mit Anweisung zu versehen und dafür Sorge tragen zu wollen, daß die im Zollverkehr hauptsächlich beteiligten Gewerbetreibenden auf die Bestimmungen aufmerksam gemacht werden. Norwegen. Stockholm, 27. Okt. Der König hat an den Präsidenten des Storthing ein Schreiben gerichtet, worin es heißt: „Nachdem ich Norwegen als einen vollständig von Schweden getrennten Staat anerkannt habe, benachrichtige ich Sie, daß ich beschlossen habe, auf die Krone von Norwegen zu verzichten, die mir trotz meines guten Willens im Laufe der Jahre so viele bittere Sorgen bereitet hat. Ich wünsche aber dem Lande und Volke nur gutes. In Anbetracht der Wendung, welche die Beziehungen der beiden Länder zu einander genommen haben, kann ich nicht glauben, daß es für das Glück Schwedens oder Norwegens nützlich wäre, wenn ein Prinz meines Hau ses eine Wahl zum Könige von Norwegen annähme. In beiden Ländern würde es sicherlich nicht ausbleiben, daß Mißtrauen sich erhebe, das sich ebenso gegen ihn, wie gegen mich wenden würde. Dieses Mißtrauen könnte nur zu leicht ein Hindernis werden für die Besserung der gegenseitigen Beziehungen der zukünftig leider getrennten beiden Völkec. Ich kann also das Anerbieten des Storthing nicht annehmen. Der König dankt schließlich allen, die während seiner Regierung ihm in Norwegen treu gedient haben und ihm noch Zuneigung bewahren sollten. Großbritannien. London, 27. Okt. Staatssekretär Brodrick erklärte in einer Rede in Guildford, es gebe keinen Gegenstand des Streits zwischen den Regierungen von Deutschland und England, nichts, was zwischen England und seine freundschaftlichen Beziehungen zu Deutschland kommen könne. Gute Beziehungen zwischen beiden Ländern seien vorteilhaft und wichtig. Die Worte Lord Roseberys über die Preßfehden zwischen England und Deutschland könnten einem falschen Gedanken Raum geben. Die Unruhen in Petersvurg, 27. Okt. Generalgouverneur Trepow gibt bekannt: Die Bevölkerung der Residenz ist durch Gerüchte von bevorstehenden Massenunruhen aufgeregt. Es sind Maßregeln zur Aufrechterhaltung der Ordnung ergriffen worden und ich bitte daher, den Gerüchten nicht zu glauben. Etwaige Versuche von Unruhestiftungen werden unverzüglich aufs Energischste unterdrückt werden und keine Ausbreitung gewinnen. Falls bei ihrer Unterdrückung Volkshaufen Widerstand leisten, werden die Truppen und die Polizei gemäß meinem Befehle nicht anfänglich blind, sondern sofort scharf schießen und keine Patrone schonen. Ich gebe dies bekannt, damit jeder, der sich an Ansammlungen zu Unruhestiftungen beteiligt, weiß, was er zu erwarten hat, die besonnene Bevölkerung aber den Unruhen fernbleibt. Petersburg, 26. Okt. In einer gestern Abend abgehaltenen Versammlung von Eisenbahnangestellten wurde mitgeteilt, daß auch die Verwaltungen der Südost=Linien in Wologda und der Ersten Gesellschaft der Lokallinien sich dem Ausstande angeschlossen haben. Petersburg, 26. Okt. Es verlautet aus zuverlässiger Quelle, auf dem finnländischen Bahnhof seien heute Morgen zwei Waggons voll Bomben eingetroffen. Als die Polizei ankam, um auf die Waggons Beschlag zu legen, waren sie inzwischen bereits entleert worden.— Die Straßenbahnen haben seit 6 Uhr abends den Verkehr eingestellt. Petersburg, 27. Okt. In einer gestern stattgehabten Sitzung der professionellen Verbände beschlossen die Apotheker, Aerzte, Advokaten und andere Berufsklassen, sich am 28. ds. Mts. dem Ausstande anzuschließen. Die Setzer beschlossen, nur in revolutionärem Geiste redigierte Zeitungen zu setzen. Auf amtliche Anordnung wurden alle Schulen bis zum 31. ds. Mts. geschlossen. Petersburg, 27. Okt. Die Leitung der sozialrevolutionären Partei organisierte den Verkauf von Feuerwaffen an die Ausständischen. Zu jedem Gewehr wurden 25 Patronen abgegeben. Kattowitz, 26. Okt. Auf der Warschau=Wiener= Eisenbahn wurden hinter Czenstochau die Gleise von Arbeitern zerstört, die auch die Züge am Weiterfahren verhinderten. Die Postsachen werden mit Fuhren unter Kosakenbegleitung befördert. Der Telegraphenverkehr mit Warschau ist unterbrochen. Hinter Wyschkow wurde eine Brücke gesprengt. Lodz, 26. Okt. In Kalisch und Lodz ist der Fabrik= und Eisenbahnbetrieb eingestellt. Die Stadt ist ruhig. Von Nahlund Fern. Düsseldorf, 27. Okt. In der Birkenstraße verbrannte gestern Mittag ein 6 Wochen altes Kind, das ohne Aufsicht in einem Kinderwagen lag. Die Verletzungen waren so schwere, daß das Kind bereits nachmittags gegen 5 Uhr von seinen Qualen erlöst wurde. Wie das Unglück geschehen ist, konnte mit Bestimmtheit noch nicht ermittelt werden. Jedenfalls stand der Kinderwagen so nahe am Ofen, daß das Bettzeug Feuer gefangen hat. Düsseldorf, 27. Okt. Der Haftpflichtverband der deutschen Eisen= und Stahl=Industrie(V. a. G.) schreibt uns: Der Abschluß vom 30. September 1905 zeigt einen erfreulichen Fortgang des Versicherungsgeschäfts seit dem Bestehen des Verbandes. Am erwähnten Tage waren bereits 171000 Personen mit einer Lohnsumme von rund 194 Millionen Mark versichert. Duisburg, 27. Okt. Amtlich wird gemeldet: Auf dem Bahnhof Duisburg fuhr heute Morgen 6 Uhr 30 Minuten infolge falscher Blockierung der Schnellzug 96(Hamburg=Köln, an Köln 7 Uhr 25 Min. vormittags) auf den im Bahnhof haltenden Schnellzug 196(Oberhausen=Aachen) auf, wobei die zwei letzten Wagen des Schnellzuges 196 ineinandergeschoben wurden. Ein Reisender wurde getötet und einer schwer verletzt. Zwei Reisende und ein Schaffner erlitten leichte Verletzungen. (Wir hatten bereits in unserer gestrigen Nummer das Unglück gemeldet. Red.) Duisburg, 27. Okt. Bei dem heute früh in Duisburg stattgehabten Eisenbahnunfall wurden getötet: Kaufmann W. Genz aus Emmerich und Frl. Anna Eckards aus Weeze zurzeit in Oberhausen im St. Josefshaus beschäftigt. Schwerverletzt wurde Straßenbahnschaffner Meier aus Duisburg und August Knepper ebenfalls aus Duisburg, leicht verletzt wurden Fritz Tilders aus Duisburg und ein Schaffner aus Aachen, der den Schnellzug Oberhausen=Aachen begleitete. Zurückgesetzte Damen-Konfektion Farbige Jacketts früherer Preis 25 Mk. jetzt früherer Preis 35 Mk. jetzt Schwarze Jacketts früherer Preis 30 Mk. jetzt früherer Preis 40 Mk. jetzt früherer Preis 50 Mk. jetzt Frauen-Mäntel früherer Preis 60 Mk. jetzt früherer Preis 70 Mk. jetzt früherer Preis 90 Mk. jetzt 450 Mk. 250 Mk. Jacken-Kleider früherer Preis 40 Mk. jetzt früherer Preis 60 Mk. jetzt Regen-Mäntel früherer Preis 18 Mk. jetzt früherer Preis 25 Mk. jetzt früherer Preis 35 Mk. jetzt früherer Preis 45 Mk. jetzt Blusen frühere Preise 2 Mk. bis 18 Mk. jetzt Gleichzeitig gelangen zum Verkauf grosse Posten bedeutend zurückgesetzter — Kinderkleider und Kindermäntel. Mk. bis 10 Mk. van Endert Neuss Markt. Sonntag bis 6 Uhr geöffnet. 95 * Duisburg, 27. Okt. Der schwere Eisenbahnunfall auf dem Bahnhof Duisburg war das Werk eines Augenblicks Eben hielt der Schnellzug 196 (Oberhausen Aachen), um den Anschluß des Hamburg=Kölner Schnellzuges 96 abzuwarten, als dieser in den Aachener Zug von hinten hineinfuhr. Unter der Wucht des Anpralls wurden die beiden letzten Wagen des angefahrenen Zuges ineinander geschoben.— Die Ursache des Unfalls ist, wie man bisher erfährt, falsche Bedienung des Blocks. Der schuldige Beamte gilt sonst als tüchtig. Er hatte Nachtdienst hinter sich und beging in der Eile einen verhängnisvollen Irrtum. Die Aufräumungsarbeiten waren schon um 11 Uhr beendet. Nur Gruppen erregter Personen lassen noch erkennen, daß in dem Bahnhof etwas Außergewöhnliches vorgefallen ist. * Velbert, 27. Okt. Am Bahnübergang am Schlagbaum wurde ein dreijähriger Knabe, der, als der Zug herannahte, zwischen die Gleise trat, überfahren und so schwer verletzt, daß er bald darauf starb. * Jülich, 27. Okt. Großfeuer brach gestern Abend 10 Uhr in der Wellpapierfavrik von Thompson& Norris Mfg. Co. aus. Beim Eintreffen der Feuerwehr stand bereits ein Teil der weiten Fabrikgebäude, die große Vorräte an Material und fertige Ware bargen, in hellen Flammen. Den angestrengten Bemühungen der Wehr, welche von einer Kompagnie Militär unterstützt wurde, gelang es, einen Teil der Fabrik, besonders die Betriebsmaschinen, zu retten. Der Betrieb wiro zum Teil aufrecht erhalten. Bocholt, 26. Okt. Im Auftrage des Herrn Kultusministers weilte gestern und heute hier eine Kommission, um den derzeitigen Stand der ägyptischen Augenkrankheit festzustellen. Die Untersuchung ergab, daß im Waisenhause noch einige er hebliche Fälle bestehen, die weiterer Behandlung bedürfen. Es handelt sich um die schwere Form der Körnerkrankheit(ägyptische Augenkrankheit), die seinerzeit zuerst im Waisenhause festgestellt wurde. * Köln, 28. Okt. Die deutsche Flachrennsaison, die mit dem großen Kölner Frühjahrs=Handicap am 24. April einsetzte, findet mit dem morgigen, letzten Tag des Kölner Oktober=Meetings ihren Abschluß. In dem mit 30000 Mark reich ausgestatteten Germania=Preis hat der Kölner Verein diesem Schlußtage eine glänzende Zugnummer gegeben, die bei den Ställen großen Anklang gefunden hat, und einen spannenden Verlauf zu nehmen verspricht. Nach den Dispositionen der Ställe sollen elf Pferde für diese Entscheidung gesattelt werden; das königl. Hauptgestüt Graditz wird durch„Rosenkranz“ und„Ganges“, die Farben des Herrn Weinberg durch„Festino" vertreten, während Freiherr von Oppenheim„Normanne.“„Tilly" und„Habsburg“ ins Rennen schickt. Für den letzteren ist als Steuermann der in England tätige Kempton Cannon verpflichtet. Auch die beiden Hindernis=Konkurrenzen finden recht gute Besetzung, denn in der Wellgunde=Steeple=Chase über 4600 Meter werden 10 Herren in den Sattel steigen, und das HerrenHürden=Rennen wird 11 Teilnehmer an den Ablauf bringen. Siegen, 27. Okt. Beim Verladen von Geld durch die Reichsbankstelle auf dem Bahnhofe in Siegen geriet ein mit Zwanzigmarkstücken gefülltes Säckchen im Werte von 45000 Mark unter die Räder einer Lokomotive. Das Säckchen wurde von der Lokomotive glatt durchfahren, wodurch eine Anzahl Goldstücke platt gepreßt, andere umhergeschleudert wurden, doch fanden sich alle Stücke wieder. Schleiden(Eifel), 25. Okt. In der vergangenen Nacht explodierte vor dem Pfarrhause in Marmagen eine Dynamitpatrone. Die Steintreppe, die Tür und 16 Fensterscheiben wurden zertrümmert. Auch ein gegenüberliegendes Haus hat Schaden gelitten. Das Dynamit soll auf dem Mechernicher Bergwerk gestohlen worden sein. * Marmagen, 27. Okt. Heute Morgen nahm die Staatsanwaltschaft eine Haussuchung bei zwei Brüdern Maus vor, die unter demVerdachte stehen, Dynamitpatronen am Pfarrhaus gelegt zu haben. Man fand bei ihnen noch eine weitere Dynamitpatrone vor. Beide wurden verhaftet und nach Aachen ins Gefängnis gebracht. Aus dem Gerichissaal. Düsseldorf, 27. Okt.(Strafkammer.) Alte Eisenteile hatte der Tagelöhner Gerhard Co. in Neuß aus einem dortigen Neubau weggenommen, das er zwar bestritt, was ihm aber durch die Beweisaufnahme nachgewiesen wurde. Co. ist schon mehrfach vorbestraft; er befindet sich wegen Diebstahls im strafschärfenden Rückfalle und augenblicklich zur Verbüßung einer gegen ihn erkannten Freiheitsstrafe im Gefängnis. Das heutige Urteil lautete auf 4 Monate Gefängnis. Bonn, 26. Okt. Das Schwurgericht verurteilte heute den Sänger Rudolf Kosterba aus Wien, der in der Nacht vom 1. zum 2. August den Gastwirt Baumgarten im Kassinsgraben, nahe am Bahnhof, erstochen hatte, wegen Körperverletzung mit tödlichem Ausgange zu einem Jahr Gefängnis. Telegraphische Depeschen Handels=Nachrichten. Thorn, 27. Okt. Die„Ostdeutsche Zeitung Lokales. Nruß. 28 Oktober. )) V o m W e t t e r. H ö c h s t e T e m p e r a t u r a m g e s t r i gen Tage 5 Grad über 0, niedrigste in vergangener Nacht 1 Gr. über 0, heute Morgen 3 Grad über 0, Barometer 1 Millimeter gefallen. Der Wind ist endlich aus dem Regenloch herausgeschwenkt nach Osten. Der Himmel hat ein freundlicheres An sehen und zeitweise wagt sich ein matter Sonnenschein heraus. Hoffentlich tritt jetzt endlich eine gründliche Aenderung ein und ist uns noch ein gefälliger Altweibersommer von einiger Dauer beschieden. Unsere Landleute sehnen ihn mit ganzem Herzen herbei, um die rückständigen Arbeiten wenigstens teilweise nachholen zu können. Konzert Flohr. Nochmals möchten wir auf das morgen stattfindende Konzert des wohlbekannten Pianisten Hubert Flohr hinweisen, das jedenfalls ein Kunstgenuß seltener Art werden wird. Ganz abgesehen davon, daß die im Konzert mitwirkenden Künstler einen vorzüglichen Namen in der musikalischen Welt haben, ist der Konzertgeber selbst uns Neußern als Klavierkünstler par excellence ja zur Genüge bekannt, nichtsdestoweniger möchten wir unserer gesch. Leserschaft nicht vorenthalten, was die Hagener Zeitung über den Künstler in ihrer Nr. 168 schreibt.„Als Solist für den Abend,“ so schreibt das Blatt,„war der Klaviervirtuose Hubert Flohr=Düsseldorf gewonnen worden. Der Künstler genießt im Rheinland einen vorzüglichen Ruf. Er ist kein Klavier=Titan, unter dessen wuchtigem An schlag der Flügel erzittert, sondern das Zarte ist seine Stärke. Daß er über das ganze Rüstzeug moderner Virtnosen verfügt, als da sind absolut sichere Technik, Nüancierungsfähigkeit und klares Herausheben der einzelnen Motive, ist wohl nicht besonders zu betonen. Letztere Kunst bewährte Herr mlohr besonders in dem„Taise caprice", in dem unter den vielverschlungenen Ton=Arabesken immer wieder die Strauß'schen Weisen hervorklangen. Auch Brahms„Intermezzo A-dur“ und Chopin's oft gehörte„Barcarole“ konnte bei so vorzüglicher Wiedergabe ein andächtig lauschendes Publikum finden.— Das Konzert beginnt. worauf ausdrücklich hingewiesen sei, punkt 6 Uhr. * Konzert des Manner=Gesangv.„Novesia.“ Auf das morgen Abend 6½ Uhr im Saale des meldet: Nach einer hier aus Warschau eingetroffenen zuverlässigen Meldung herrscht dort seit der letzten Nackt eine gewaltige Feuersbrunst, die von den Aufrührern angelegt worden ist. Ein ganzer Stadtteil steht in Flammen. Petersburg, 27. Okt. Heute Mittag fand unter dem Vorsitze des Zaren ein Kronrat statt. Die Mobilisierung des russischen Heeres ist bevorstehend. Petersburg, 27. Okt. Ein kaiserlicher Erlaß ergänzt das Gesetz über die öffentlichen Versammlungen durch einstweilige Bestimmungen, betreffend die Versammlungen zur Beratung staatlicher und wirtschaftlicher Fragen. Amtliche Fruchtpreise zu Neuß am 28. Okto er. Meinungs=Austausch für öffentliche Angelegenheiten. Redattion steht dem Inhalte der unter dieser Rubrik erscheinenden Artikel in jeder Beziehung fern und über mmmi dafür nur die preßgesenlicht Verantwort ung.) Es wird uns geschrieben: Trotz der vielen sich stets mehrenden Unglücksfälle auf dem so arg beschränkten Hauptmarkte, gerade vor den Augen der zuständigen Behörde, am Rathaus, kann man noch immer nicht zum Entschluß kommen, den Gemüsemarkt, trotz der großen Einwohnerzahl, welche unsere Vaterstadt Neuß aufzuweisen hat, zu teilen, und auf eine bestimmte Grenze, der großen Gefahr halber, welche dort Jahre lang besteht, einzuschränken und am Hause der Firma Frings& Frowein abzuschließen, resp. der Aufstellung von Marktgut jeglicher Art Einhalt zu gebieten. Nachdem diese bestimmte Grenze besetzt, wolle man etwa noch später eintreffende Verkäufer auf dem zweiten zur Abhaltung von Märkten jeglicher Art durch eine schon vor längeren Jahren und noch heute zu Recht bestehenden Beschluß der öffentlichen Stadtverordneten=Versammlung, auf den Neumarkt verweisen. Städte, die weit kleiner wie Neuß, weisen bereits längere Jahre zwei tägliche Gemüsemärkte auf. So passierte noch am Dienstag dieser Woche auf dem Wochenmarkkte ein Unglücksfall, wodurch sich eine Frau aus Grimlinghausen starke Verletzungen zuzog. Wir empfehlen diese öffentliche Angelegenheit der Behörde zur gefl. Erwägung, alsdann aber auch unsern Stadtvätern, welche zum Wohle ihrer Mitbürger da sind, diesem, der Bürgerschaft nur Gefahr bringenden Uebelstande endlich abzuhelfen.. Aus welchem Grunde wird der Neumarkt, der ganz ohne jegliche Gefahr, inmitten der Stadt liegt, von allen Himmelsgegenden leicht zu erreichen ist, nicht amtlich zum Besuche empfohlen? Hier in Neuß scheint man, wie ein altes Sprüchwort sagt, mit der seit Jahren schon besprochenen Marktfrage zu warten, bis das Kind in den Brunnen gefallen ist. Die Mehrheit der Bürger, welche unsere Vaterstadt Neuß aufzuweisen hat, wohnt bekanntlich im nördlichen Stadtteile und haben diese gewiß Anspruch,— da es meistens steuerzahlende Bürger sind,— um ihren täglichen Marktbedarf decken zu können, einen gefahrlosen, ihnen näher liegenden Markt zu haben. Also der Gefahr aus dem Wege und der Bürgerschaft von Neuß entgegen zu kommen, ist dringend geboten! Neuer Weizen per 100 Kilo 1. Qual. „„ 2.„„ Neuer Roggen per 100 Kilo 1. Qual. 2. Alter Hafer per 100 Kilo Neuer Haser per 100 Kilo 1. Qual. „„„ 2.„„ Kartosseln per 50 Kllo Heu per 50 Kilo Luzernerheu per 50 Kilo Maschinenstroh per 500 KuFlegeldrusch per 500 KilButter per K#tio Eier 1100 Stück: Wei en, Roggen und Hafer je 50 J höher. Rünöl und Kuchen unverändert. 16 70 15— 4 50 2,70—3,20 2.40—3.10 K 3.80 „ 16,— " 18.— „ 2 50 10— Krefeld. 27 Okt Produktenma-ki. Weizen, Lanknare ne er! Qual. 17 50 2. 1660 ausländ. 1 Qual. 20 05 2 1921; Roggen, Landware neuer 1 Qual. 16 00, 2 Qual. 15.50, ausländ. 1. Qual 18,75, 2. 18,25 Hafer, Landware 1 Qual 1440, 2. 14,30, ausl. I. Oral. 17.00. 2 1°,75; Futtera#####e 1. Qual. 13,·0, 2. 13,00. Mais. Mixed 00,(0—00,00 runder 14 50, Cinc 00,/0; Buchweizen ausländ. 1775—18,00. Weizenmehl 000 00,00- 0·,00., Weizenkleie 960—10 50 inel Sack. Bollmehl 00.00 ohne Sack Leinmehl 15,70—00.00, Baumw##mliaa mehl 14,30 00,00, Palmkuchen 1300—00,00 M — Di. Preise verstehen sich fra htfrei Krefeld. Kaln. 27 Okr Rüböl in Partien von 5000 Kil. 52,00 B., Mai 530; T., 525) G. Köln. 27 Okt#nchimort. Keine Zufuhr. den 600—720. Maschinenstrod(Ruggen, 4,30. Richtn( F l e g e l d r u s c h 4, 8 0— 0. 0 0, K r u m m n s t r e k 3. 6 0 d i e 100 Kll. Berlin, 27 Okt. Fruchtmarkt. Weize Okt 000,00 (180 50), De 18°,50(181 25), Mai 196.00(191,25). Roggen Okt 00000(167 75). Ter. 170 50(166,25), Mai 176,25(1°2,25. a De. 156,00(152,75), Mai 166,00 (160.9*) O“ 135·5(133,50), Tcz 000,00(133,50) 9 ci 006,00(00,00 Kner fl. 48,90, Dez. 49.20, Nat 5160 zpeizenmiedl 23,00-25.00, Roggenmehl 21,75— 3 50 27 Ckt Getreidemarkt. Weizen Okt. O.. Pez 89. Pärz 00, Mai 90 7/8, Juli 83 Mais Okt 52¼ Tez. 455, Jan. 44½. Jul 45⅞, Juli 45⅞. Dez. 30¼., Wai 32½ Roggen Dez 72¼ Mai 74 Leinsaat Nordwest 0,98 Südwest 0,92 #en=Yert, 27 Okt Gerreidemi. Weizen Okt. G0 Dez 96. März 00. Mai 94⅛, Juli n Tez. 00, Mai 00 Mais Okt. 00. Dez. 58⅛. Jan. 55⅞ Mai 51¾ Juli 00 men(spring whent clear: 340 Getreidefracht n. Livervool 3 Roggen vor 76 Hotel Pelzer stattfindende Konzert des unter Leitung des Herrn Kleinofen stehenden Männer=Gesangvereins„Novesia,“ an dem der Düsseldorfer Männer=Gesangverein„Philomele“ sich beteiligt, machen wir alle Musikfreunde nochmals ausdrücklich aufmerksam. Im übrigen verweisen wir auf das diesbezügliche Programm in heutiger Nummer. Das Konzert ist, wie man uns mitteilt, innerhalb zwei Stunden beendigt. Es beginnt punkt Uhr. Man schreibt uns des weiteren: Die Anwohner der westlichen Sternstraße richten an die Herren Stadverordneten die ergebene Bitte, sich der Sternstraße doch gütigst annehmen zu wollen; es herrscht dort ein Zustand, der jeder Beschreibung spottet, dieselbe i“ fast nicht passierbar. Die Anwohner bezahlen doch ihre Abgaben so gut wie jeder andere Bürger und können dieselben doch eine ordentliche, passierbare Straße verlangen. Einer, im Namen sämtlicher Anwohner. Aus der Geschäftswelt. Näher und näher rückt der Winter, dieser herbe Geselle heran und seine Vorboten mahnen die treusorgende Hausfrau und Mutter recht zeitig an die notwendigen Einkäufe zu denken. Indes ist es für Viele recht schwer, sofort die richtige Auswahl zu treffen; wir möchten deshalb einen Besuch der Elablissements der Firma Geb. Hartoch, Düsseldorf, angelegentlichst empfehlen. 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Die Prozession nach Keve. laer zieht in der Nacht vom 30. auf den 31 dss. Monats punkt 12 Uhr von der Marienkirche aus, wozu die Mitgileder sowie die Nichtmitglieder freundlichst eingeladen wirden mit der Bitte, sich recht zahlreich an der Prozession zu beteiligen. Damen können sich am 31 dss. mit dem Zuge ab Neuß, 6,52 Uhr und 8 Uhr in Aldekeik an der Prozession anschließen.[8183 Gepäckstüte sind für Mitglieder sowie auch für Nichtmitlieder frei und können im Restaurant von Herrn Josef Servaes Krefelderstraße abgegeben werden. Pilgerbücher sind beim Vorstand zu haben. Der Vorstand. Neußer Bürgerverein. Morgen, Samstag abend 8½ Uhr, Hotel Pelzer, General-Versammlung. Verein„Preciosa.“ Morgen, Sonntag, den 29. ds., feiert obiger Verein im Lokale von Herrn Aug. Koppenburg, Crefelderstraße, von nachmittags 5 Uhr ab: Familienfest,= verbunden mit geschlossenem Tanzkränzchen. Der Vorstand. NB. Wegen Einführung wende man sich an die Mitglieder.[8274 Allgem. 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Unter den Verbesserungen des Kanals und seiner Zubehörungen, die im Rechnungsjahr 1904 vorgenommen worden sind, verdient besonders die Errichtung einer Funkspruchstelle in Brunsbüttel Erwähnung; sie hat eine Reichweite von 150 Kilometer und hat namentlich für den Verkehr der Schiffe der Kaiserlichen Marine im Kanale erhebliche Vorteile gebracht. Was die Betriebmittel anbetrifft, so sind im Berichtsjahre drei neue, starke Schlepper angeschafft worden, die sich gut bewährt haben. Der Bestand der für Betriebzwecke bestimmten Dampfer stieg damit auf 24, die zur Bewältigung des Verkehrs so weit ausreichten, daß diesmal nur einmal drei Hamburger Schlepper für zwei Tage gemietet zu werden brauchten. Von besonderem Interesse ist der Verkehr auf dem Kanal. Im Berichtsjahre wurde der Kanal von 32623 abgabepflichtigen Schiffen mit einem Gesamtraumgehalte von 5 270 477 Registertons netto benutzt. Das ergibt gegen das Vorjahr einen Zuwachs von 585 Schiffen und 280 190 Registertons netto oder 5,61 v.H. des Raumgehalts. 29) Tea. . R o m a n v o n E. G. S a n d e r s o n. :. Autorisierte Uebersetzung von A. Brauns. (Fortsetzung.) „Was ist denn nur vorgefallen, Großmutter, das dich zu solchen Reden veranlaßt?“ Die alte Frau beachtete die Unterbrechung nicht und fuhr in dem vorigen Tone fort: „Bei mir die Scheinheilige spielen zu wollen, ist vergeblich, denn ich habe das alles schon vorher durchgemacht. Aber, Gott steh' mir bei, ich hätte nicht gedacht, wie ich meine Agnes in ihr Grab legte, daß die Kleine, die sie mir daließ, in ihre Fußstapfen treten würde.“ „Was meinst du denn nur?“ fragte Lea mit fremdklingender, fast erstickter Stimme, da jetzt eine fürchterliche Vermutung in ihrer Seele aufstieg. „Meinen?“ schrie die alte Frau.„Ich meine, oaß du mit Lord Barchester zusammen warst, einem Schurken, wie sein Vater einst gewesen, einem schlechten Kerl, mit dem kein anständiges Mädchen reden würde! Du hast dein Geheimnis nicht so gut bewahrt wie meine arme Tochter. Du dachtest, eine arme, alte, schwache Frau würde die Veränderung, die mit dir vorgegangen, nicht merken. Ich sage dir aber, Mädel, daß ich dich aus dem Hause jagen will, wenn du den Halunken nicht aufgibst!“ Lea stand da wie zu Stein verwandelt, die blauen Augen von Schreck und Entsetzen geweitet auf ihre Großmutter geheftet. Dann mit einem leisen Schrei an die Wand taumelnd, schlug sie die Hand vor ihr Gesicht. Es kam ihr vor, als habe ein Blitzstrahl sie geblendet, der ihr zugleich das Geheimnis ihres eigenen Herzens enthülle. Sie schien des Gesichts und Gehörs beraubt, taub gegen den wilden Redestrom der Beschimpfung von den Lippen der Großmutter. Ja, sie liebte den Lord, ohne es selbst vorher gewußt zu haben. Daß sie in Unkenntnis der eigenen Gefühle geblieben, schien kaum möglich und dennoch hatte sie bis zu diesem Augenblicke die Bedeutung der eigenartig süßen Empfindungen, die in letzter Zeit ihr Herz bewegten, nicht ergründet. Sie liebte ihn und hatte es nicht gewußt. Sie rief sich jede Begegnung mit ihm wieder in das Gedächtnis zurück, die Freude und das Wonnegefühl, das seine Gegenwart ihr stets gespender, auch die sonderbare Gedrücktheit des Gemüts in jenen Tagen, wenn sie seinem Kommen vergeblich entgegengesehen hatte. Traumumfangen, unfähig, zu sprechen oder sich zu rühren, blieb sie an der Wand lehnen. Die alte Frau kam herangehumpelt und riß ihr die Hände von den Augen. „Warum antwortest du nicht, Mädel?“ kreischte sie wütend.„Nimm die Hände vom Gesicht weg und sage mir die Wahrheit, du hinterlistiges Wesen! Nun kann ich wohl begreifen, warum du Mr. Ward so hassest. Du fürchtest, er würde mir verraten, wie du mich hintergehst. Er kennt ihn und hat mir gesagt, was für eine Sorte Lord Barchester ist, ein verlogener, hinterlistiger Halunke, mit dem kein wohlerzogenes Mädchen sprechen würde.“ Lea schüttelte die Hand der Großmutter von ihrem Arm ab und wendete sich ihr mit zornfunkelnden Augen zu. Ihre Aeußerungen hatten den alten Haß und das Mißtrauen gegen Tollemache neu entflammt. „Jener Mann also,“ keuchte sie,„hat sich nicht entblödet, meinen guten Ruf anzutasten und den Mann, dessen Freund er sich nennt, zu verleumden? Und du, Großmutter, schämst dich nicht, den Worten eines Fremden gegen dein eigen Fleisch und Blut Gehör zu schenken? Was habe ich mir je zu schulden kommen lassen, daß du das erste Wort der Verunglimpfung gegen mich mit solcher Bereitwilligkeit annimmst? Warum habe ich dich je im Leben belogen? Niemals, auch nicht Wenn man die Zahlen der früheren Jahre vergleicht, so zeigt sich eine fortgesetzte höchst erfreuliche Zunahme des Verkehrs, wurde der Kanal doch beispielsweise im Jahre 1896 erst von 19 660 Schiffen mit 1848 458 Registertons netto benutzt. Auch von den dazwischen liegenden Jahren brachte kein einziges einen Rückschlag. Von besonderer Wichtigkeit ist der Durchgangsverkehr, d. h. derjenige, bei dem der Kanal auf der ganzen Strecke einschließlich der beiden Endschleusen durchfahren wird. Dieser Verkehr umfaßte im Berichtsjahre 21048 Schiffe mit 4784 267 Registertons netto, d. h. gegen das Vorjahr mehr 1335 Schiffe und 312 856 Registertons. In Relativzahlen ausgedrückt hat sich dieser wichtige Verkehr nach der Anzahl der Schiffe um 6,77 v. H. und nach Registertons um 7,00 v. H. gehoben. Ist die Zunahme des Verkehrs an sich erfreulich, so muß besonders die des Durchgangsverkehrs mit Genugbei einer einzigen Gelegenheit! Du bist genug belogen und betrogen worden, das weiß Gott, von mir jedoch niemals! Du sagst, ich haßte Mr. Ward, weil ich ihn fürchtete. Das ist nicht wahr; du mußt es selbst wissen und fühlen, daß es nicht wahr ist! Ich habe mich bemüht, dir um deiner selbst willen die Augen zu öffnen— das ist alles. Du denkst, er sei dein Freund, aber du irrst dich, der könnte nie eines Menschen Freund sein, denn der Mann ist aus lauter Falschheit und Betrug zusammengesetzt. Nun, sein Name selbst ist eine Lüge. Er nennt sich dir und mir gegenüber Mr. Ward, während sein wirklicher Name Tollemache ist. Und von solch einem Manne hast du das Kind deiner verstorbenen Tochter vor dir verleumden lassen. Nochmals sage ich dir, du solltest dich schämen!“ Die Küchentür stand noch so weit offen, wie Lea sie beim Eintreten zurückgeschlagen. Jetzt rannte sie wieder hindurch, hinaus in den Hof. In ihrer zornigen Hast hatte sie die Wirkung nicht bemerkt, welche der letzte Teil ihrer Rede auf die alte Frau übte. Leichenblässe überzog ihr Angesicht und wie gebrochen sank sie auf einen Stuhl. „Tollemache, Tollemache!“ murmelte sie.„Was sagte sie, Tollemache? Lea, Lea, mein Kind, komm' zurück!“ Mit Anstrengung raffte die alte Frau sich auf und wankte nach der Tür, selbst noch ein Stück im Hofe hinunter— immer und immer wieder die Enkelin rufend, sie möchte doch zurückkommen. Lea aber hörte den Ruf nicht. Sie war schon außerhalb des Pförtchens, auf dem Pfade nach dem Gipfel des Berges. Der Abend war hereingebrochen mit seinem Dunkel, doch ein schmaler Streifen des zunehmenden Mondes blickte hinter den Fichten hervor. Ihr Gemüt befand sich in wildem Aufruhr und die verschiedenartigsten Gefühle stritten um die Herrschaft in ihrer Brust. Die Aufregung ließ sie nicht darauf achten, wohin ihre Füße sie trugen, bis sie auf einmal an der tuung begrüßt werden. Wie von vornherein anzunehmen, hatte auch im Berichtsjahre wieder die deutsche Flagge den bei weitem größten Anteil am Verkehre, nämlich 83,55 v. H. der Schiffe und 59,30 v. H. des Raumgehalts im Gesamtverkehre und 77,24 v. H. der Schiffe und 58,34 v. w. des Raumgehaltes im Durchgangsverkehre. Es folgen im Gesamtverkehre nach Registertons: die dänische Flagge(10,34 v. H.), die britische(8,74 v. H.), die russische(6,24 v. H.), die schwedische(5,68 v. H.), die niederländische(4,49 v. H.), die norwegische(3,72 v. H.), dann die übrigen mit weniger als 1 v. H. Nach der Schiffszahl ist die Reihenfolge eine etwas andere, namlich: dänische Flagge(4,75 v. H.), niederländische (3,90 v. H.), schwedische(3,41 v. H.), britische (1,65 v. H.), russische(1,22 v. H.), niederländische (1,17 v. H.), alle übrigen unter 1 v. H. Der größte Verkehr richtete sich nach den Elbhäfen Seitentür stand, die vom Felde auf den Gottesacker führte. Einen Augenblick zögerte sie, dann aber stieß sie die kleine Tür auf und ging hindurch, nach dem dunklen Pfade sich wendend, den die alten Eibenbäume einfaßten. Instinktiv erreichte sie die Stelle, wo sie vor nur wenigen Wochen mit Barchester gestanden hatte. Die Hände vor ihre wogende Brust pressend, senkte sie den Blick auf den Grabhügel zu ihren Füßen. Nicht von einem Laut wurde die herrschende Totenstille unterbrochen, nur die langen Grashalme rührten sich leise von dem weichen Luftzuge. Unter den Eiben lag tiefes Dunkel, aber außerhalb des Bereiches ihrer düsteren Schatten waren die Marmorkreuze von dem weichen, bleichen Mondlicht übergossen. Wie ein beruhigender Balsam wirkte die friedliche Stille auf Leas fieberisch erregtes Gemüt. Sie verscheuchte den Aerger und Zorn über die von der Großmutter ihr zugefügten Kränkungen, so daß sie nur noch Gedanken hatte für die Liebe, welche ihr Herz erfüllte. Eine unnennbare Freudigkeit, eine unermeßliche Glückseligkeit kam über sie. Dies also war der Himmel, nach welchem ihre Seele sich gesehnt hatte in jenen Tagesträumen auf der Bergeshöhe— der Himmel seiner Liebe! O, wenn es so sein könnte! Wenn er sie doch liebte— das wäre das höchste Glück, welches das Dasein ihr zu spenden vermöchte! Bis hierher war ihr Lebenslos ein kaltes, liebeleeres gewesen; wie reich wurden aber dagegen ihre reiferen Jahre beschenkt! Sie konnte um nichts mehr bitten, konnte eine größere Glückseligkeit als die Wonne und den Segen seiner Liebe nicht mehr fassen. Sie faltete die Hände auf dem klopfenden Herzen und hob den Blick von den düsteren Schatten und dem Grabe vor ihr hinauf zu den ewigen Weiten des sternenbesäeten Himmels. Urplötzlich wurde Lea von einer eigenartigen Unruhe gepackt. Was für wahnsinnige Gedanken nährrte sie? Sie liebte Lord Barchester, einen Mann der sich seine Gattin aus den höchsten Damen des Landes wählen konnte, und wer war sie? Nur im lokalen Verkehr 12 Ofg., sons (5 Ofg., die?gespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Reklamen 50 Ofg., die4gespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Redaktion verantwortl. R. Reack, Erpedition: Neuß, Nenstraße 1. 1905. 80. Jahrg. 247. 2. Blatt. Samstag, 23. Oktober.(Sim. u. Jud.) * (Hamburg) oder kam von dorther. Schiffe und Fahrzeuge der deutschen Kriegsmarine haben den Kanal in der Zahl von 648 befahren; fremde Kriegsschiffe hatten 42 Fahrten zu verzeichnen, davon England 23 Norwegen 18 und Schweden 1. Es passierten im ganzen 14668 abgabepflichtige Dampfer und 648 deutsche Kriegsschiffe den Kanal; davon sind 9962 als Seedampfer zu rechnen. Die weitaus größte Zahl darunter, nämlich 8064, waren Frachtdampfer, demnächst hatten die Fischdampfer in der Zahl von 1319 größere Bedeutung. Außerdem haben im ganzen 4353 Schleppzüge auf dem Kanal verkehrt, die insgesamt 16 113 Fahrzeuge beförderten. Dieser Verkehr hat gegenüber dem Vorjahre keine erhebliche Verschiebung erfahren, bemerkenswert ist jedoch, daß die mittlere Dauer der Durchführungszeiten sich um rund 43 Minuten gebessert hat, offenbar infolge der oben erwahnten Einstellung der drei neuen Schleppdampfer. Die Schiffsunfälle haben sich abermals verringert; es ereigneten sich im ganzen 162 Unfälle und Verzögerungen= 1,62 v. H. gegen 1,92 v. H. im Vorjahre. Wie bedeutend die Betriebssicherheit auf dem Kanale zugenommen hat, erse, man daraus, daß 1896 der Prozentsatz der Unfälle noch 7,83 betrug und sich seitdem ohne Unterbrechung vermindert hat. Die Unfälle waren fast durchweg leichte oder nur einfache Verzögerungen, nur zwei waren als schwere zu bezeichnen. Aus diesen wenigen mitgeteilten Proben des Verwaltungsberichtes ergibt sich bereits, daß die Kalals nach jeder Richtung hin t d#s sschit erfre liche zu bezeichnen ist, zumal auch das finanzielle Ergebnis des Kanalbetriebes, ein dorchaus güntiges s. Vermischtes. e#### der#ee. Ein schöne Schilderung von der Rettung Schiffbrüchiger gibt die deutsche Wochenzeitung fur die Niederlande und Belgien: lung dieser Woche spukte es auf dem„MatrosenSo,#ro die See an der Küste von Terschelling vielfach genannt— ganz gewaltia. Hoch ee i len ven ganzen Strand entlang rienige Baumstämme, Bohlen und Bretter, wahrscheinlich die weggespülte Decklast eines Holzschiffes. Von der Düne aus suchten Schiffer den Horizont mit dem Fernrohr ab. Glücklicherweise kein Schiff zu sehen! Da, gegen 9 Uhr morgens, taucht hinter weißschäumenden Rollern eine Mastspitze auf. Keine Viertelstunde dauerte es, und man sah mit bloßen Augen einen Dreimaster, der unheimlich schnell der verräterischen Brandung zutrieb. Noch eine Viertelstunde später und er saß fest. Wie Gerten bogen sich die Mastbäume. Um zehn Uhr brach der hinterste, und man sah, wie sich die Bemannung nach dem Vorschiff hindrängte. In einem Hexenkessel saß das Schiff, nur 20 Meter vom Strande, wie von Dampfwolken umhüllt. Lautes Geschrei von der Düne! Der Mittelmast war gebrochen, und gleich darauf brach der Vormast, mehrere Leute mit sich schleppend Die übrigen halten sich fest an der Verschanzung. Sie wehen mit Mützen und Tüchern. Ihre Stimmen ersterben in der Brandung. Am Strand arbeitet man mit Riesenanstrengung, um das Rettungsboot über die Barrikade von Holzstämmen hinweg zu schleppen. Vergebens. Da, ein lautes Krachen zwischen dem Wogengebrüll hindurch! Eine hohe Rauch= oder Staubwolke steigt auf Der stolze Dreimaster„Cyprian“ ist mitten durchgebrochen. Nur eine Stunde hatte die Brandung zu diesem Vernichtungswerk gebraucht. Aller Augen richteten sich nun auf das abgebrochene Vorstück, wo 14 Mann den Tod erwarteten. Endlich gelingt es, das Rettungsboot über die Stämme hinweg zu bringen. Im Nu ist es bemannt. Mächtig setzen die Ruderer ein, aber das Boot ist noch nicht 6 Meter vom Strande entfernt, da hebt eine Welle es hoch und wirft es wohl 4 Meter weit auf den trockenen Sand. Es geht nicht. Vielleicht doch! Drei Schiffer auf derbknochigen, mit der See vertrauten Gäulen nahen. Hepp, hepp! Ein Schlag mit der kurzen Peitsche, und der vorderste Gaul wirft sich den Wellen entgegen. Ein Brecher hebt ihn auf. Er schlägt mit den Vorderhufen in die Luft. Der Schiffer drückt ihm den Konf vornüber und peitscht ihn. Hurra! Der Schiffer ist langseits. Ein Schiffbrüchiger springt herab und greift nach ihm. Da verliert der wackere Reiter das Gleichgewicht; er gleitet herab und verschwindet in den Wellen. Es wird totstill am Strand. Aber plötzlich taucht er wieder auf. Er greift die Mähne des Gauls, der Schiffbrüchige hält sich in der Todesangst am Bügel fest. Das Pferd fühlt einen Augenblick Grund. Es wendet sich dem Strande zu; die Wellen peitschen es, und er erreicht zitternd und keuchend mit den beiden erstarrten Männern den Strand. Die beiden anderen Reiter waren von den Wogen zurückgeworfen worden. Dadurch ließ sich aber der 20jährige Kooijman aus Kunum nicht zurückschrecken. Er sah nach den dreizehn Leuten, deren Leben, nur noch einige Augenblicke zählte, bestieg ein frisches Pferd und wartete, bis eine große Welle zurückwich. Dann schlug er mit Händen und Füßen auf das Pferd ein, das wie toll in die See sprang und mit ein paar Sprüngen das Schiff erreichte. Eine Leine, die die Schiffbrüchigen ihm zuwarfen, fing er glücklich auf und wandte dann das Pferd dem Strand zu. Schon war er in Sicherheit, da entglitt ihm die Leine; sie war viel zu kurz. Dann nochmals zurück in den siedenden Kessel. Eine Rettungsboje fliegt über die Verschanzung. Er ergreift sie, das Seil schleppt hinterdrein. Jubel über Jubel: die Verbindung ist hergestellt. Ein starkes Tau wird vom Schiff aus mittels der Leine an den Strand gezogen. Nun kann das Boot in See gebracht werden. Fuß für Fuß arbeiten sich die starken Männer zum Schiff hin. Man sieht, wie=die erschöpften Matrosen wie Kinder heruntergehoben werden. Los! Und schon knirscht das Boot auf dem Sand. Das Salzwasser läuft den Geretteten aus Haaren und Kleidern, den jüngeren darunter auch aus den Augen. in schlechtes Chamvagnerjahr ist 1905, wie Charles Heidsieck in Londoner Blättern mitteilt. In der Mitte des Monats Juli und in einem Teile des August haben Gewitter und Hagel den Reben in vielen Gegenden Schaden getan. Während der Weinlese, die jetzt fast vorüber ist, herrschte schlechtes Wetter, so daß bei der Auswahl der Trauben große Sorgfalt angewendet werden mußte. Man erwartet deshalb nur einen sehr leichten Wein vom Jahre 1905. Der in diesem Sommer auf Flaschen gezogene Jahrjang 1904 entwickelt sich sehr gut und vielversprechend. Die letzte gute Ernte war im Jahre 1900 und die Nachfrage danach ist sehr groß. Frühere gute Jahrgänge in Champagner hatte man 1898, 1895, 1893 und 1892, besonders aus dem letzteren Jahre war der Wein außergewöhnlich gut. Auch andere Weinarten haben sehr unter den Unbilden des Wetters gelitten, bei dem sich auch die von allen Winzern gefürchteten drei Weinkrankheiten sehr entwickelt haben, Phylloxera oder Weinpest, ein Insekt, das die Wurzeln tötet, Peronospora, ein Pilz, der auf den Beeren wächst. und Meltau der Blätter. Die Bordeauernte ist reichlicher, als man zuerst erwartete. Am besten ist der Medoc, da infolge seines Sandbodens die Feuchtigkeit nicht so groß ist. * Affen als Kassierer. In Siam, wo die Leute klüger zu sein scheinen, als man gewöhnlich denkt, braucht man Affen als Kassierer, sie sollen den Vorzug absoluter Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit vor vielen ihrer menschlichen Kollegen voraus haben, und das will doch schon immer etwas heißen. Außerdem können sie mit ziemlicher Sicherheit gutes Geld von falschem unterscheiden und sich also auch in dieser Richtung nützlich machen. Dieses Talent der Affen wurde vor etwa zwer Jahren ganz zufällig von einem siamesischen Kaufmann entdeckt, der sich einen Affen im Laden hielt. Damals war in Siam gerade eine große Menge falsches Geld im Umlauf, das sehr gut nachgemacht war und nur mit Mühe unterschieden werden konnte. Der besagte Affe hatte nun die Gewohnheit, Geldstücke aus der Kasse zu nehmen, in denselben herumzubeißen, sie aber immer wieder auf ihren Platz zurückzulegen. Eines Tages bemerkte der Kaufmann jedoch, daß er auf einem Stück ganz besonders lange herumbiß und es dann verächtlich auf den Boden warf, was er sonst niemals tat. Man gab ihm sofort ein anderes Geldstück, das er wieder ruhig in die Kasse legte. Es war also klar, daß er gutes von schlechtem Gelde unterscheiden konnte. Man versuchte die Sache sofort mit anderen Affen, die nach einiger Zeit, wenn sie sich an das richtige Geld gewöhnt hatten, dasselbe Talent bewiesen. Seitdem halten die meisten Kaufleute in Siam Affen als Kassierer. Natürlich müssen sie in größeren Geschäften eine kleine Unterstützung haben, die das Rechnen und so weiter besorgt, aber was das Unterscheiden von guten und schlechten Münzen anbetrifft, sind sie unübertrefflich, und kein Mensch kann in bezug auf Sicherheit und Schnelligkeit mit ihnen konkurrieren. — Nal na!— Lodenjoppen M. 2.50 bis M. 50.— Deutschlands grösstes Spezial-Gescäft für Herren- u. Knaben-Garderoben Havelocks M. 10.— bis M. 50. Paletots von M. 8.— bis M. 100.Anzüge von M. 8.— bis M. 100.— Gehpelze M. 100.— bis M. 500.— Köln G. Hettlage Düsseldorf Duisburg Ganes M: 6.— bis M. 36. ein armes Greenshirer Bauernmädchen. Sie fühlte sich wie gelähmt; eine Empfindung überkam sie, als wurde ihr Herz plötzlich von einer Eiseshand umkrampft. Ein einziger Augenblick hatte genügt, ihr die Kluft zum Bewußtsein zu bringen, die trennend zwischen ihnen lag— eine Kluft, die niemals überbrückt werden konnte. Es konnte nicht geschehen, und selbst wenn er den Wunsch hegen sollte, denn nimmer wollte sie dem Manne, den sie liebte, Tadel zuziehen; sie wollte sich nicht in einen Rang drängen, für den sie nicht geboren und erzogen war. Langsam stieg ihr eine heiße Glut in Stirn und Schläfen. Wie durfte sie nur voraussetzen, daß er je den Wunsch hegen würde? Nicht die leisesten Beweise hatte sie dafür. Er hatte ihr ein paar Blumen abgekauft und sich leutselig mit ihr unterhalten bei zufälligen Begegnungen, während sie arrme Törin ihn aufgesucht, ihn ihr Herz geschenkt hatte. Mit einem bitteren Wehgeschrei warf .# nieder an den Erdboden und vergrub ihr Antlitz in dem langen, taufeuchten Grase. Heftiges, leidenschaftliches Schluchzen schüttelte ihren ganzen Körper.ctr 49 Im vorigen Augenblick waren ihr die Möglichkeiten des„ebens so groß, so unermeßlich erschienen wie der Himmel selbst, jetzt aber erkannte sie in dem kalten, schmalen Grabe, auf welchem ihr Haupt ruhte, das passende Sinnbild des Daseins, wie es sich vor ihr ausdehnte. Wie kurzlebig war ihre Wonne gewesen, wie flüchtig der Blick in jene Welt nach welcher ihre Seele schmachtete! Er war ihr ein und alles, doch was war sie ihm? Und hierin lag der stärkste Stachel— ungesucht ihre Liebe entgegengebracht zu haben! Die Tränen versiegten und ihr Zorn wallte hoch auf gegen sich selbst. Sich aufrichtend vom Boden, stand sie jetzt wieder in ihrer vollen Höhe neben demGrabe. Sie wollte, sie mußte die Liebe herauspressen aus ihrem Herzen und sie vor allen Dingen verbergen vor ihm! hinab auf dem dunklen den Weg zum Glück verloren, war das Leben selbst doch nicht aus; sie mußte zurückkehren zu dem kleinen Kreis ihrer Pflichten, welche ihr Lebensdasein bildeten. Wie beschränkt, wie eng begrenzt erschien er ihr jetzt! Wie verlangte sie selbst in dieser Stunde herbsten Wehes nach einer weiteren Sphäre, einem großeren Wirkungskreise, ihren Kummer zu vergessen in voller Tätigkeit! An der Seitenpforte sendet sie den Blick noch einmal zurück auf den Friedhof. Würden all die kommenden Jahre je zu verwischen vermögen, was sie hier gelitten? Die kommenden Jahre.„### einem Jammergeschrei barg sie ihr Sptans in den Dänden. Erst so wenige Jahre des Lebens waren dahingegangen und die irdische Wanderung war so lang! 12. Kapitel. Als Lea den Berg mühsam erklommen hatte und auf dem Pfade nach der Cottage zu wieder herabkam, sah sie vor, m Pförtchen an ihrem Hofe einen den Rücken nach ihr gekehrt, stehen. Er schien ihre leichten Schritte auf dem Rasenwege nicht zu hören. Lea hielt etwas besorgt im Weiterschreiten inne. Die Begebenheiten des vorigen Mittwoch tauchten im Sturme von Neuem wieder in ihrem Gedächtnisse auf und machten ihr alle Glieder erbeben. Bald nber erinnerte sie sich, daß sie nichts zu fürchten habe, da der Mann aus Tenim zur Bewachung von Haus und Hof geschickt .#### g s c h r i t t s i., n u n v o r w ä r t s. W a s w a r s i e eeste. Zeit doch für ein Feigling geworden, in unvorhergesehenen Vorkommnis gleich Gefahr zu wittern. „Als sie am Pförtchen angelangt war, merkte der Mann, der davor lehnte, ihre Annäherung und drehte sich um, und in der matten Mondbeleuchtung konn, sie ganz deutlich seine Züge erkennen— es war Lord Barchester. Eine heiße Blutwelle stieg und ihr Herz fing an, in hörbaren Schlägen zu pulsieren. Nickt eine Silbe vermochte sie jetzt hervorzustammeln und stand ganz sprachund regungslos an seiner Seite, den Blick auf den Boden geheftet. „Lea!" rief der Lord.„Sind Sie endlich gekommene Es ist sehr spät. Hält Sie der Pastor stets so lange auf?“ Er sprach rasch und mit bebender Stimme. Lea ##e# ost zu erregt, es zu bemerken. Nach kurzer Pause fuhr Barchester da Lea stumm blieb, in der vorigen Weise fort: „Warum sprechen Sie denn nicht zu mir Lea? Sie denn erzürnt, mich hier zu finden?“ #u fühlte, daß sie etwas erwidern müsse, und eine Hand fest auf die andere legend, wie wenn sie damit auch die Stimme festigen könnte, sagte sie: „Durchaus nicht, Mylord. Warum sollte ich denn erzürnt sein? Mir kann es doch nichts verschlagen!“ Sie erschrak aber selbst über den harten kalten Klang der eigenen Stimme. Barchester trat näher und blickte ihr insAngesicht, und da gewahrte er nun, daß sie ohne Hut und Shawl war. „Sie sind nicht in der Pfarre gewesen und doch so lange abwesend?“ rief er. „Ich habe einen Spaziergang gemacht," erklärte sie in demselben harten, unnatürlichen Tone „Einen Spaziergang— zu so später Stunde? lunge? Seit länger als einer Stunde stehe ich hier. Was hat Sie denn so lange aufgehalten?“ „Wieder blieb sie ihm lange die Antwort schuldig. Ja— sie war lange fortgewesen— eine lange, bitterschwere Zeit im Kampfe mit der neuen Herzenspein. War sie neu? Müde strich sie mit der Hand über die Stirn. Jahre schienen es zu sein, seit sie fortgerannt war aus ihrem Heim; es kam ihr vor, als liege eine ganze Lebenszeit dazwischen. welcher Richtung haben Sie denn Ihren Spaziergang gemacht?" forschte Barchester beharrlich weiter. "####eg. Was hätte sie auch antworten sollen? Daß ihr Betragen ihm sonderbur erscheinen mußte, fühlte er selbst, konnte aber trotzdem keine Aufklärung geben. Barchester war nun überzeugt, daß etwas Ungewöhnliches vorgefallen sein mußte, weil Lea ihrem sonstigen Ich so völlig unähnlich— ihre Steifheit, die harttönende Stimme so verschieden waren von den weichen Lauten und der offenen Schlichtheit ihres Wesens. Ein jäher Gedanke durchzuckte sein ganzes Sein? Sollte es möglich sein, daß sie seine Liebe erwiderte? Manche Frauen, wußte er, suchten ihre Gefühle unter einem kalten Aeußern zu verbergen. Im anderen Augenblicke erkannte er, sich getäuscht zu haben. Lea gehörte nicht zu jenen Frauen, die ihr Herz ungesucht verschenken: diese mußte umworben werden, ehe sie gewonnen wurde, und er war ihr stets, abgesehen von jenem Moment vor dem Küchenfenster, nur freundschaftlich begegnet. Es war ein Irrtum gewesen, er liebte mit der ganzen Tiefe und Kraft eines Herzens, in welchem die Neigung zu einer weiblichen Seele noch nie Platz gefunden hatte. Leas Herz dagegen war unberührt gewesen von gleichen Empfindungen. Und jetzt, wo das erste Wonnebeben vorüber war, war er froh, daß es so war. Sehnsüchtige Wonne war es gewesen, unwürdig der Liebe, die er für sie empfand, und rasch und mit Strenge mußte sie unterdrückt werden. Morgen reiste er von Coombe nach London und er hatte es nicht über sich vermocht, fortzugehen ohne sich noch einmal ihren Anblick zu gönnen und ihr ein letztes Wort zu sagen. „Ich wollte Ihnen Lebewohl sagen, Lea," nahm er wieder das Wort.„Morgen früh mit dem ersten Zug fahre ich nach London, und wenn ich wieder nach hier zurückkomme, werde ich“—„verheiratet sein,“ hatte er sagen wollen, war aber nicht fähig, die Worte über die Lippen zu bringen. Leas verschlungene Hände fingen an zu zittern. Er reiste fort und vielleicht nie würde sie ihn wiedersehen. Sie bemühte sich, ein paar allgemeinen Phrasen Ausdruck zu leihen, doch versagten Sprache und Stimme. Wenn er sich doch entfernen wollte! Er stand so nahe, daß er ihr Zittern gewahren mußte. Und ihrem Auge enthüllte der matte Sternenschimmer seine Züge, aus welchen deutlich Besorgnis und Angst sprachen, die in ihrem Herzen unsagbares Mitleid erweckten. (Fortsetzung im dritten Blatt.) und festtage. Dreis vierteljährlich in Neut l. dich die Lot kezogen z.e k. use Unterhaltungsblatt in Neuß 1.80 Mk., die Oost bezogen 1.95 Nk Bruck und Verlag: R. Noack, Ueuß. Celephon No. 57. Kreisblatt Nr. 247. 3. Blatt. Die deutsche Hochseesischerei. ist eine der jüngsten volkswirtschaftlichen Unternehmungen; denn ihr Anfang liegt nur etwa 25 Jahre zurück. Schon im Jahre 1869 hatte Fürst Bismarck auf die Wichtigkeit der Seefischerei hingewiesen. In einem Schreiben an den damaligen Berliner Polizeipräsidenten heißt es:„Das Unternehmen verdient meiner Auffassung nach jegliche Förderung, da die Ernährung des Volkes erleichtert wird, wenn Seefische billig zu haben sind, und da anderseits durch den vermehrten Absatz von Seefischen im Binnenlande unsere deutsche Fischerei an den Küsten und auf hoher See entwicklungsfähiger wird, auch zum Nutzen unseres Matrosenstammes für die Marine.“ So lange die Fischereifahrzeuge und=Geräte einfach waren, die Verwertung der Fische wegen der mangelnden Verbindung mit dem Inlande fast ausschließlich unter der den Küsten benachbarten Bevölkerung geschehen mußte, waren der Fischerei enge Grenzen gezogen. Seitdem jedoch in den letzten beiden Jahrzehnten die städtische Bevölkerung rapide zunahm, treffliche Verbindungen mit dem Hinterlande hergestellt wurden, man endlich mit Hülfe des Eises die gefangene Ware aufbewahren lernte, waren die Bedingungen für einen erweiterten Betrieb gegeben. Die Küstenbevölkerung säumte nicht, sich die veränderten Verhältnisse zu nutze zu machen, wie das in anderen Staaten bereits geschehen war. Die mit jedem Jahre steigende Nachfrage nach Seefischen bewirkte bald einen Rückgang der Fänge in den Küstengewässern und zwang die Fischer, neue Fanggründe aufzuspüren, d. h. ihren Betrieb von den Küsten hinweg auf die hohe See zu verlegen. Weil diese aber ganz andere Anforderungen an die Fahrzeuge und die Fanggeschirre stellte als die seichten Buchten und Flußmündungen, so wurde eine Erweiterung der Betriebseinrichtungen unvermeidlich. Diese erforderte natürlich mehr Betriebskapital dessen Beschaffung dem einzelnen nicht immer möglich war. Es bildeten sich deshalb zunächst unter den Fischern kleine Genossenschaften, die für gemeinsame Rechnung den Betrieb umzugestalten suchten. Die günstigen Ergebnisse sowohl als auch die stetig wachsende Nachfrage nach Seefischen veranlaßte bald auch andere Kapitalisten, zu Gesellschaften zusammenzutreten, geeignete Fahrzeuge auszurüsten und Berufsfischer in ihre Dienste zu nehmen, die gegen feste Heuer nebst einem Anteil an dem Erlös aus den Fängen für ihre Auftraggeber arbeiteten. So entstanden HochseefischereiGesellschaften in Emden, Nordenham, Geestemünde, Bremerhaven, Bremen=Vegesack, Cranz a. E., Glückstadt, Curhaven, Hamburg=Altona usw. Diese arbeiten mit beträchtlichem Kapital und verfügen meistens über einen ansehnlichen Schiffspark. So bestand die deutsche Hochseefischerflotte im Jahre 1904 aus 753 Fahrzeugen mit 123492 Kubikmeter Rauminhalt und 4963 Mann Besatzung. Davon befuhren 530 Fahrzeuge mit 4021 Samstag, 28. Oktober.(Sim. u. Jud.) Die neue norwegische Königsfamilie. : 11.-359) Jr: 823 f 84 N####HI#m X + F —*— ** —** 4 3 1 1336 1 8 WI □s) Trinz Ran von Dänemark die zukünf tige noreregische Rönigssamilie. Unser heutiges Bild bezieht sich auf das neue norwegische Königspaar, indem es den Prinzen Karl, den zweiten Sohn des dänischen Kronprinzen im Kreise seiner Familie darstellt. Prinz Karl ist bekanntlich mit einer Tochter des Königs Eduard von England vermählt und ist bereits aus der Ehe ein Sohn hervorgegangen, der also die glücklichen Norweger von vorn herein in den Stand setzt, auch einen Kronprinzen zu erhalten. Prinz Karl ist am 3. August 1872 geboren, steht also im kräftigsten 30) Roman von E. G. Sanderson. I., Autorisierte Uebersetzung von A. Brauns. Fortsetzung aus dem zweiten Blatt. Zum Vergnügen war es nicht, daß er nach London reiste; wahrscheinlich waren für ihn neue Sorgen aufgetaucht— vielleicht mußte Coombe verkauft und für immer aufgegeben und verlassen werden. Sie konnte es mit empfinden, welch entsetzlicher Schlag das für ihn sein würde. Wie war von ihm der Wunsch, das alte Heim, das angestammte Familiengut zu retten, gehegt und gepflegt worden! Sie hätte ihm gern ein teilnehmendes Wort gesagt, wngte es jedoch nicht und blieb aus diesem Grunde stumm. „Ich reise morgen fort,“ wiederholte Barchester. „Wollen Sie mir nicht wenigstens„Gute Reise“ wünschen, Lea? Ich werde voraussichtlich lange fortbleiben, und wenn es nicht so spät und schon dunkel wäre, dann würde ich Sie um eine Blume als Andenken an Coombe bitten. Jetzt können Sie den Weg in den Garten nicht mehr finden, nicht wahr?“ äußerte er mit erkünstelter Unbefangenheit. „Ich wünsche Ihnen alles Gute und stetes Wohlergehen,“ preßte sie endlich mit bebender Stimme, da sie unfähig war, sich zu beherrschen, über die Lippen. Einen Augenblick noch, und sie würde ihr Geheimnis verraten und sich herabgewürdigt haben, in ihren eigenen Augen und ihrer Selbstachtung den Todesstoß versetzt haben. Er hatte ihre Rechte erfaßt und sein Gesicht so tief herabgeneigt, daß es mit dem ihrigen fast in gleicher Linie war. Sie vermochte nicht, seinen Augen zu begegnen, die sonst in Frohsinn schim merten, jetzt so kummervoll und besorgt blickten Sie durfte nicht bleiben und noch länger den Laut seiner Stimme hören— und mit einem heftigen Ruck entzog sie ihm ihre Hand. „Es ist spät; ich muß zu meiner Großmutter gehen!“ sagte sie überhastig und stieß, an ihm vorüberhuschend, das Pförtchen auf und war im Nu im Dunkel seinem Blick entschwunden. Einen Augenblick schaute ihr Barchester verwundert nach, dann aber entfernte er sich unter bitterem Lachen. Er war tief verstimmt, gedemütigt; in der unfreundlichsten Weise war Lea von ihm gegangen. Sie nahm, das ließ sich klar ersehen, auch nicht das leiseste Interesse an seinem Tun, und er war ein Tor gewesen, nur einen Moment sich einzubilden, er könnte ihren Seelenfrieden gestört haben. Sobald sich Lea in der Dunkelheit des Hofes geborgen wußte, hielt sie mit einem Aufschluchzen, halb Erleichterung, halb Schmerz, im Weitereilen inne. Sie war nun in Sicherheit— ihr Geheimnis war gerettet! Was aber mußte er von ihr denken! Ins Haus eintretend, fand sie die Küche in völliger Finsternis. Das Feuer wur erloschen. die Lampe nicht angezündet worden. In Verlegenheit blieb Lea an der Tür stehen. Die Großmutter war natürlich zu Bett gegangen. Warum aber hatte sie die Tür offen gelassen und das Licht ausgelöscht? Das war ganz gegen ihre Gewohnheit. An den Abenden, wo Lea in die Pfarre ging, drehte die alte Frau gewöhnlich die Lampe herunter und ließ sie auf dem Küchentisch stehen. Am heutigen Abend mußte sie es in ihrer zornigen Aufregung vergessen haben. Um Licht zu schaffen, tastete Lea nach der Streichholzschachtel; bei der herrschenden undurchdringlichen Finsternis währte es jedoch eine geraume Weile, bis sie das Gesuchte fand. Ein Streichholz anstreichend ging sie damit an den Tisch, wo die Lampe immer stand. Sie war aber nicht da. Die Tischdecke war heruntergerissen und lag zusammengeballt auf dem Fußboden Noch meyr zu bemerken war nicht Zeit, denn das Streichholzflämmchen ging flackernd aus. Sie Mannesalter, während seine Gemahlin am 26. November 1869 geboren wurde, also etwas älter ist, wie ihr Gemahl. Die Wahl dieses Prinzen erweckt allgemeines Interesse insofern, als bekanntlich Norwegen früher mit Dänemark Jahrhunderte lang vereinigt war und durch diese Thronbesteigung des dänischen Prinzen das alte, durch die Union mit Schweden zeitweilig zerstörte Band wieder hergestellt wird. zündete ein zweites an, konnte aber die Lampe immer noch nicht finden und nahm daher einen Leuchter aus dem Schranke. Nachdem sie die Kerze angezündet hatte, hielt sie sie hoch und blickte sich um. Die Küche war in gräßlicher Unordnung; in solchem Zustande hatte sie sie nicht verlassen. Sie wurde von jäher Unruhe und Besorgnis gepackt, konnte aber doch nicht glauben, daß während ihrer Abwesenheit etwas passiert wäre, da der Mann aus Tenham außen Wache hielt. Plötzlich wurde sie gewahr, daß der Fußboden feucht und schlüpfrig war. Sie leuchtete herunter zu ihren Füßen lag die Porzellanlampe in Scherben zerschlagen. Das Oel floß wie ein Bächlein über den Fußboden. Jetzt fiel ihr Blick auf den Tisch mit ihrem Schreibpulte dort am Fenster. Es war geöffnet und die darin befindlichen Papiere lagen wieder verstreut auf dem Fußboden umher— ganz wie am vorigen Mittwoch auch. Mehrere Stühle waren umgestürzt und die Fußdecken alle in der Mitte der Küche auf einen Haufen zusammen geworfen. Allem Anschein nach war abermals ein Einbruch geschehen. Wie war das bei der Bewachung durch den Polizisten möglich gewesen? Eiligst setzte sie den Leuchter auf den Tisch und rannte hinaus auf den Hof. Vielmal rief sie den Namen ganz laut; es erfolgte aber keine Antwort. Es war eine stille Nacht und klar und deutlich erschallte ihre Stimme. Und wenn der Mann im entferntesten Winkel des Hofes war, so mußte er sie dennoch hören. Nach der anderen Seite herum in den Garten rennend, rief sie hier wieder und wieder. Keine Antwort; der Wächter war nicht gekommen. Das Herz erfüllt von unsagbarer Angst, lief sie zurück in die Küche. Da der Polizist ausgeblieben, so war die Großmutter fast zwei Stunden lang allein und unbeschützt im Hause gelassen worden. Was konnte in dieser Zeit nicht alles Anzeigen im lokalen Verkehr 12 Ofg., sen 15 Ofg., die rgespaltene Oetitzeile ooer deren Raum. Reklamen 50 Ofg., dieegespaltene Detitzeile oder deren Raum. die Redaktion verantwortl. R. Neuck Expedition: Ueuß, Nenstraße 1. 1905. 80. Jahrg. Mann die Nordsee, die übrigen die Ostsee. Unter ersteren 530 Fahrzeugen waren 135 Fischdampfer und 395 Segler. Der Umsatz der Fischmärkte hat eine stetige Steigerung erfahren wie das Beispiel des Altonaer Marktes beweisen mag. Vor 16 Jahren, als der Fischmarkt daselbst eingerichtet wurde, betrug der Erlös aus den Versteigerungen 371000 Mk.: im Jahre 1903 war er auf 2,8 Millionen Mark gestiegen. Aehnliche Zahlen wies der Hamburger Markt auf. Auf dem Geestemünder Markte wurden im Laufe des vergangenen Jahres 50,4 Mill. Pfund Fische versteigert, deren Erlös sich auf 5,1 Millionen Mark belief. Gegen das Vorjahr bedeutete das an Fischen ein Mehr von 5,7 Mill. Pfund, doch waren die Preise allgemein niedriger, so daß der Durchschnittspreis nur 10 Pfennig betrug. Dieser Umstand zeigt zur Genüge, daß es kein billigeres Volksnahrungsmittel gibt als den Seefisch. Im Taifun bei Jaluit. Einem Privatbriefe eines jungen Kölners, der auf der Reise von Sydney nach Jap in der Lagune von Jaluit den Taifun miterlebt hat, der Ende Juni die Marshall=Inseln heimsuchte, entnimmt die „Köln. Ztg.“ folgendes:„Am 29. Juni, meinem Namenstage, fuhren wir mittags bei herrlichem Wetter in die Lagune von Jaluit und legten am Pier an. Das Wasser war spiegelglatt und kristallklar, so daß man bis zu 30 Meter Tiefe die Korallengewächse sehen konnte, aber man bemerkte nur wenige Fische, wo sonst Tausende in allen Farben zu sehen sein sollen. Wir gehen an Land und machen einen Spaziergang um die Insel. Es ist wunderschön dort, man zählt viele und nette Häuser für Weiße, Missionshäuser mit Kapellen und dem Store der Jaluit=Gesellschaft, die auch dort große Kokosplantagen hat. Jaluit besteht aus etwa fünfzig Inseln, die in Ellipsenform sich schließen und für die Einfahrt nur eine Lücke von etwa 50 Meter Breite lassen. Die Lagune hat eine Breite von 16 und eine Länge von 80 Kilometer, man kann also in der Breite kaum das Gegenüber sehen. Hunderte gefährlicher Riffe und Klippen durchziehen die Lagune und spitze Felsen sind vorhanden, die vollständig senkrecht abfallen. Die Inseln sindKorallenriffe und ganz flach, der höchste Punkt liegt nur 3 Meter über dem Meeresspiegel. Abends an Bord feierten wir mit einer Sektbowle meinen Namenstag. Pater Erdland, der in Nauru zu uns gestiegen war und ich unterhielten uns eine Zeitlang auf Deck, und ich fragte ihn, nach dem Horizont sehend, ob dort ein hoher Berg sei. Er meinte nein, der Kegel sei eine dunkle Wolke, genau so sähen die Taifunwolken aus, die gingen alle kegelförmig zum Mond. Das scheine aber keine zu sein, denn hier kenne man den bösen Gesellen nicht. Und doch war es eine. Am Morgen fängts an zu regnen und das Wasser wird unruhig. Hinter den Palmen sieht man von der anderen Seite den Gischt der Brandung wie den Dampf einer Lokomotive aufsteigen. passiert sein! Alle Einzelheiten vom vorigen Mittwoch durchstürmten ihr Hirn. Was der verscheuchte Einbrecher damals nicht vollendet hatte, mochte er heute zu Ende geführt haben. Lea ergriff wiederum den Leuchter und flog damit die schmale Treppe hinauf, schon von unten ihre Großmutter laut beim Namen rufend, um zu ergründen, ob sie schlafe. Sie bekam keine Antwort; nicht ein Laut brach die Totenstille des Hauses. Der Vorplatz oben an der Treppe war verhältnismäßig sehr geräumig. Die Tür zum Schlafzimmer der alten Frau lag am fernsten Ende, gegenüber der Treppe. Links an der Seite stand ein großer altmodischer Eichenschrank. Lea hielt die brennende Kerze wieder hoch, deren Lichtschein voll auf die weißgescheuerten Dielen fiel. Da, vor dem Schranke, sah sie nun, lag eine dunkle Masse. Mit einem Entsetzensschrei stürzte sie zu dem Platze. Sie erkannt ihre Großmutter und kniete neben ihr auf die Dielen nieder. Ein einziger Blick reichte hin, sie von der Verwirklichung ihrer schlimmsten Befürchtungen zu überzeugen. Ihre Großmutter gehörte nicht mehr zu den Lebenden— sie war tot, eines gewaltsamen Todes gestorben. 13. Kapitel. Im„Maibaum,“ einem Gasthause am fernsten Ende des Dorfes Coombe, fand das gerichtVerhör statt. Die Ermordung der alten Frau Morris hatte in der ganzen Umgegend ungeheures Aufsehen hervorgerufen, und jeder, der Zutritt in den langen Gerichtssaal zu erlangen vermochte, drängte sich hinein, während im Schänkzimmer, auf den Treppen und draußen auf der Straße kleine Gruppen von Bauern standen, die sich in ihrer langsamen, schwerfälligen Art von dem Morde unterhielten. Der Coroner(Kronanwalt) und die Geschworenen hatten ihre Plätze eingenommen. Der erste aufgerufene Zeuge war der Landarzt Dr. Beale, der seine Erklärrna rure rrd kler obeg“, die * Mittag will ich mich in Begleitung zweier Herren das Schauspiel etwas näher ansehen, und wir gehen an Land. Es gelingt uns, zur Brandung zu kommen. War das ein wunderschönes Schauspiel! Ganz versunken in diesen Anblick, werden wir plötzlich von einer höher gehendenWelle überrascht, die uns durch und durch naß macht und uns zum Rückzug zwingt. Wie Donner oder fernes Geschützfeuer tönt die Brandung, und in der Luft fängts unheimlich an zu pfeifen.„Jetzt schnell nach oem Dampfer, sonst fährt uns der vor der Nase weg,“ meinte der Steuermann, der bei mir war. „Es gibt schlechtes Wetter, und dann muß er von dem Pier weg.“ Und so war es auch, denn kaum waren wir an Bord, so wurde alles klar gemacht, und ein gut Stück fuhren wir in die Lagune hinein, wo wir ankerten. Hier sind wir sicher, meinte der Kapitän, und wollte es sich schon im Rauchsalon bequem machen, als ein Wind und Regen aufkam der ihn schleunigst auf die Kommandobrücke rief. Der Sturm wird immer stärker:„Das ist Windstärke 12, meint. der Steuermann. Das Barometer sinkt rapid. Ein zweiter Anker wird geworfen und nicht lange dauert es, so kommt auch schon das Signal„Langsam voraus— stop— langsam.“ Fünf Minuten, später heißts schon „Halbe Kraft voraus— langsam.“ Ein Stop kommt schon nicht mehr. Das wird bös, meinte der Maschinenmeister. Bei 40 Grad unten halte ich es nicht aus, ich muß an die Luft. Doch wie sieht es oben aus! Eine ägyptische Finsternis, nichts wie Wassergischt ist zu sehen. Ich gehe hinunter in eine Offiziers=Kabine; doch nicht lange, so stehe ich bis über die Knöchel im Wasser. Jetzt scheint es erst richtig loszugehen. Das Schiff rollt und stampft unheimlich, mächtige Seen kommen über. Schweineund Hühnerkisten schwimmen und stampfen wider die Schiffswände. Ich ziehe Schuhe und Strümpfe aus und wate durch die Gänge nach der OffiziersMesse. Dort sitzen noch drei Beamte des Schiffes und sehen mit besorgter Miene nach dem Barometer, das immer noch fällt und so tief steht, daß e. fast nicht mehr fallen kann. Das Schiff liegt minutenlang auf einer Seite, ehe es sich wieder aufrichtet. Beim Stampfen gibts jedesmal einen nuck in die Ketten, daß das ganze Schiff erzittert Immer wilder wil. es, die Maschine geht schon lange mit voller Kraft. Wir unterhalten uns über die Folgen, unsere einzige Rettung sind die Ankerketten. Reißt eine, reißt die andere auch, und unrettbar treiben wir auf die Riffe, die das Schiff zerschellen. Noch mit solchen Gedanken beschäftigt Höbtz, 1s 85, Schiff mächtig hoch, ein furchtbarer Ruck, Krachen am oberen Deck= man hört, wie die Seen zübegpeitschen, und nun ertönt dreimal hinterDampfpfeife. Totenstille im Zimmer, aue werden leichenblaß und sehen einander an. Jeder greift nach seiner Mütze; was man damit wll, in wohl keinem klar. Was haben die Signale b#remene Sind die Ketten gerissen, fahren Wiur: Lesrriger auf. uinten wil, oder will der Kavitän den tollkühnen Versuch machen, aus dieser Mausefalle herauszukommen? Das Barometer sinkt immer noch, mir wird es zu schwül unten: ich muß an die Luft. Ich komme durch den Maschinenraum, wo fortwährend das Signal„Volle Kraft“ gegeben wird. Der Maschinenmeister, bleich wie der To#0.:„ingor kann die Maschine nicht leisten,“ er läuft in den Heizraum und macht den Chinesen sie nicht ihr Aeußerstes täten, würden sie alle ertrinken. Die armen Teufel wollen das nicht und feuern wie der Leibhaftige, bis nach kurzwei Atmosphären Ueberdruck sind. Ich eue mich, um Luft zu haben, halb auf die Treppe draußen. Bit schl, Maschiennaus. Ein Geheul ze#., Blitze schlagen ringsum ein, das Schiff wird wie eine Nußschale hin= und hergeworfen Krachen und Bersten überall, jede Minute die Heitet witend, da dana geriedie Steuermastine arveiler wutend, da dem Taifun, der rund acbt, immer die Spitze geboten wird. In der Anast geht kleinen Wettermacher. Lett steigt zu. dann polian ug““ Seig Zeuigemauzsage des DorfBezug auf den Zustaz=Ausage, haue inionderheit ais Pacont Cei hen. Saheile Lestereken. haid er Der Inspektor bestätigte den letzteren Teil Aussage des Mannes und gab darauf der Lr noch Kenntnis von dem Inhalt des Briefes, welsc ecshaese eien Bare aus dln ani Hnus bewachen lassen. Am Abend der Ermoralten Frau aber habe er den Mann nicht geschickt, weil er ihn anderswo gebraucht habe dem Hausierer wären die schärfsten Nachforschungen angestellt worden, doch nirgends wäre eine Spur von ihm zu entdecken gewesen. „Nein, gar nichts!“ erklärte der Polizei=Inivek plötzlich eine Windstille ein, worauf der Sturm nach kurzer Zeit mit doppelter Kraft losbricht, und dann gibts keine Rettung mehr. Also erneute Angst, doch der Zeiger steigt langsam, Gott sei dank, es wird also nicht schlimmer. Mit der Zeit läßt es auch nach, und ich kriege wieder Hoffnung. In einem günstigen Moment gelange ich in den Salon. Der Kapitän kommt nach einiger Zeit herunter und bittet um eine Mütze, aber wie sieht er aus! Das Gesicht blutig gepeitscht vom Sturm und Regen, die Kleider in Fetzen hängend, als ob sie jemand in Streifen geschnitten hätte, sogar der Hosenboden glatt herausgeweht, so hat der Aermste oben am Signalapparat gehängt und manchmal wie ein Engel geschwebt. Wir erwarten mit Schmerz den Morgen, endlich wirds hell, und mit Schrecken werden wir gewahr, daß das Schiff kaum 50 Meter von einem spitzen Riff liegt. Also trotz der beiden Anker und Volldampf noch getrieben. Jaluit wird mit Feldstechern besichtigt. O Jammer, wie sieht es dort aus! Der Pier, ein mächtiges Pfahlwerk mit Korallenblöcken, einfach weg. Zwei große Segelschoner liegen weit auf Land. Nachher fahren wir hinüber und sehen uns die Verwüstung an, es ist einfach unbeschreiblich. Daß überhaupt noch etwas da ist, ist nur dem Umstande zu verdanken, daß die Flut nicht mit der höchsten Kraft des Taifuns zusammengefallen ist. Die Leute haben bis zur Brust im Wasser gestanden und jeden Augenblick ihr Ende erwartet. Schreckliche Szenen müssen sich dort abgespielt haben. Fast alle Häuser der Weißen sind zerstört, alle Kokosbäume umgeworfen nur der Store hat gehalten. Ein Glück für die Einwohner, daß unser Dampfer da war, sonst hätten die Aermsten auch noch hungern müssen. Sehr leid tut mir eine Frau Kapitän Krümmerling, die mit ihrer Nichte von Genua mitgefahren ist; sie ebte schon zehn Jahre dort und hatte sich ein hübsches Heim geschaffen. In Deutschland hatte sie Verwandte besucht und geerbt, und brachte nun die Nichte als Stütze mit. Wertvolle Möbel und Sachen, um ihr Heim noch mehr zu schmücken, bei sich führend, konnte sie kaum die Ankunft erwarten Ihr Mann hat sich bemüht, alles in Ordnung zu stellen, sie ist hocherfreut, packt schon aus und— am andern Tage ist alles hin. Es gehört ein starHm##rutte, daz., so einen Schlag zu ertragen. Mittags segeln wir mit einem Rettungsboot die Küste entlang und sammeln Strandgut und suchen nach fortgespülten Schiffsgeräten. August und ich barfuß in Sandalen, verbrennen uns in der Sonnenglut ganz gehörig die Füße. Mittlerweile komnen Nachrichten von andern Inseln. Zwei davon sind weggespült und Hunderte von Menschen verunglückt. Um weitere Nachrichten von entferntern Inseln zu erhalten, vergehen wohl Monate. Vermischtes. Andalusische Briganten. Eine Folge der Hungersnot, die jetzt in Südspanien herrscht, ..o Wiederkehr des alten Brigantentums in Andalusien. Wieder einmal muß der friedliche Reisende fur sein Leben fürchten, und die Erinnerung an die Namen und Taten der Helden der spanischen Landstraße des dunkelfarbigen, stutzerhaften Jose Maria, des Rubio von Espera und Barquero of Chantillano, der„Sieben Kinder von Ecija“ und Chato von Bemameji wird wieder lebendig. Besonders verwegen trieb es jene geheimnisvolle Gesellschaft, die sich die„Sieben Kinder von Ccija“ nannte. Denn die Zahl dieser„Kinder" betrug immer gerade sieben, satzungsgemäß durften nicht mehr oder weniger sein. Wenn einer getötet oder gefangen wurde, folgte ihm mit zauberhafter Schnelligkeit ein anderer. So verbreitete diese kleine aber schreckliche Gruppe Schrecken im ganzen Lande, raubte und mordete und zersprengte ganze. Regimenter Soldaten, die zu ihrer Verfolgung ausgesandt waren. Aber nach mehreren Jahren fielen die sieben„Kinder“, in einen Hinterhalt und wurden alle hingerichtet. Bei dem Leiter der Gesellschaft fand man, als man ihn gefangen nahm, eine Liste von 64 um Aufnahme bittenden Kandidaten... Der neueste Vertreter dieses„romantischen Spaniens“ ist, wie ein englischer Korrespondent berichtet, ein Mann aus Estapa, der unter dem Spitznamen Vivillo, d. h der kleine lebhafte Mann, bekannt ist. Vor zwei die darin befindlichen Papiere herausgeworfen, doch nichts davon entwendet worden.“ „Dann läßt sich auch nicht mit Bestimmtheit annehmen, daß es der Hausierer gewesen ist, der in das Haus eingedrungen ist?" nicht! Es ist nur eine Vermutung auf Grund seiner Drohungen, die er in der Cotausstieh.er mit seinen Waren gekommen war, J. seit dem Tode der alten Frau irgend etwas von ihm gehört worden?" „Nein. Keiner ist in der Umgegend gesehen worden, auf den seine Beschreibung paßt.“ schloß die Zeugenaussage des Inspektors und er kehrte auf seinen Platz zurück, nachdem er zuvor noch dem Coroner das in der Lüche der Morrisschen Besitzung gefundene Taschentuch eingehändigt hatte. Dieser unterzog das.. e.#el. eingehenden Besichtigung, ehe er pandern sieh. n bei den Geschworenen herumDas Tuch war von dem feinsten irischen GeGnoes Gag# O##tgt.„Herrengröße, und in der einen Ecke stand in feiner Stickerei„J. Barchester." Der Coroner wendete sich jetzt an den Gerichtsschreiber mit der Frage, ob Lord Barchester als zum Verhör geladen sei, worauf ihm jener erwiderte, daß der Polizei=Inspektor gestern eine den Loro nnc London geschickt habermgdhens desen Erscheinen jeden Augenblick grimn Erkennen des Namens in der TaschenGeschworenen verständnisvolle Blicke miteinander aus. Der verstorbene Pear war von allen Gesellschaftsklassen verab#### id mit Verachung angesehen worden. Es gab wohl nicht ein Laster, zu dem die menschliche richt###star, oas nichr in ihm gefunden wurde, nicht eine Schändlichkeit, die ungestraft begangen werden konnte, deren er sich nicht schuldig gemacht Weit und breit war der Name Barchester in Monaten lauerten Vivillo und seine lustigen Leute einem reichen Grundbesitzer aus Antequera auf, erschossen seinen Kutscher und verwundeten seinen Verwalter schwer. Einige Zeit darauf hatten sie eine belebte Landstraße Andalusiens wenigstens zwei Stunden lang besetzt, und erleichterten jeden gutgekleideten Reisenden um seine Börse. Vor einigen Tagen glaubten die Bürgergarden der Post in Sevilla Vivillo und seine Anhänger= in einem Dickicht lauern zu sehen, und sie hielten den Zug an, um eine kräftige Verteidigung zu organisieren. Der Schrecken vor Vivillo und seinem bloßen Namen ist so groß, obwohl sein persönliches Auftreten nicht würdevoll und impomeren.... Er ist dick und untersetzt und über 40 Jahre alt. Trotzdem ist er ein Künstler in seinem Beruf, der Liebling und Stolz seiner Mitbürger in Estepa; keiner würde das Verbrechen des Verats an ihm begehen. Er ist ein Genie im Verkleiden und erscheint als Arbeiter, als Privatmann, manchmal auch als Geistlicher. Dazu schießt er vorzüglich, ist ein unermüdlicher Reiter und kennt mit verbundenen Augen die Wege in Andalusien von einem Ende zum anderen. Die Gerichte suchen ihn wegen einer langen Reihe von Verbrechen, zum Teil wegen Bluttaten, und doch ging Vivillo noch vor einigen Tagen in seiner Vaterstadt umher und belustigte sich im Theater und in den Cafés. Der andalusische Räuber ist immer wie der kalabresische usw. eine populäre Figur bei den Bauern gewesen. Sie halten ihn für einen liebenswürdigen gutgesinnten Menschen, den das Schicksal vom rechten Wege abgedrängt hat, der aber nur die Reichen, ihre Feinde, beraubt und ihnen, den Armen, giebt. .. eine Herengeschichte. Die Halbinsel Hela ist ehedem ein unheimlicher Platz für Kobolde und Hexen gewesen. Unfern der Wurzel der Halbinsel liegt das Fischerdorf Ceynowa, und 1837 hatten die Ortsbewohner die Witwe Christine Ceynowa geb. Selin im Verdachte, daß sie„heren“ könne. Sie sollte nach Ansicht der einfältigen Leute Schuld sein an Krankheiten bei Menschen und Vieh. Da kam ein verworfener Mann namens Kaminski von auswärts nach Ceynowa, und auf seinen Vorschlag wurden alle Frauen aus dem Dorfe auf das Gemeindeamt gerufen, um die Hexe zu ermitteln. Kaum hatte die unglückliche Ceynowa ihren Fuß in das Haus gesetzt, da rief ihr Kaminski entgegen: Das ist die Here! Nun wurde die C. in das Haus eines Kranken gebracht und sollte entweder den„Bann aufheben" oder sterben. Als sie ersteres nicht vermochte, wurde sie mit Keulen bearbeitet und schließlich in der See ertränkt. Auch hierbei trat der Aberglaube in entsetzlicher Gestalt zutage, indem die C. die Heren probe zu bestehen hatte. Das Volk meinte, wenn der Körper untertauche, sei ihre Trägerin unschuldig; im anderen Falle sei sie schuldig. Unglücklicherweise blieb der Körper auf der Oberfläche und wurde nun durch neue Keulenschläge vollends getötet. Die unmenschliche Tat fand ihre Sühne dadurch, daß der Anstifter jener Tat, Kazu lebenslänglicher Zuchthausstrafe, 10 Fischer langere und 32 kürzere Gefängnisstrafen erhielten. Der Gutsherr des„Rittergutes Ceynowa“(neulich wurde darüber in der Köln. Volks Ztg. berichtet) wurde zu 400 Talern Geldstrafe verurteilt. Der grauenhafte Prozeß war der Anlaß, daß Ceynowa eine Schule erhielt. Ein Sohn jener angeblichen Here, der Ortsarme Ceynowa, starb vor wenigen Wochen in dem westpreußischen Städtchen Putzig. Er hatte ein Alter von 75 Jahren erreicht und wurde von den Leuten nicht nur sein Leben lang, sondern selbst im Tode gemieden; denn nicht ein einziger Leidtragender folgte seinem Sarge. * Ein weiblicher Rekrut. Aus Paris wird geschrieben: Die Militärbehörde sandte dieser Tage bei der großen Rekrutenaushebung, die zu ven verannten heeresfeindlichen Kundgebungen Unlaß gab, einen Gestellungsbefehl an Fräulein Francoise Bernard in dem Dörfchen Mazelle im Correze. Das junge Mädchen war ei seiner Geburt als Junge ins Standesamtsregi##r eingetragen, worden und hatte bis dahin von dieser„Vexwechslung de. Geschlechter noch gerade keine Nachteile gehabt. Pan hatte den Schreiwahrscheinlich schon längst im Laufe der 20 Jahre vergessen, bis der Gestellungsbefehl Frl. jetzigen Pear wußte man zwar noch nichts Schlimmes, aber doch herrschte in County die Ansicht, man tue besser, sich dem jungen Herrn zey.„Schritte vom Leibe zu halten, „gczeigt habe, aus was für Holz er geschnitzt sei., Und jetzt, noch ehe er zwei Monate auf seiner sollte sich schon, wie es den Anschein hatte, eine Skandalgeschichte an seinen Fsktrte krutzsen:. Der letzte der Geschworenen flüsterte, nachdem er das Taschentuch geprüft und es wiev, auf den Tich vor den Coroner zurückDächeln zu: Pachbar mit bedeutungsvollem ichtr wmei tällt nicht weit vom Stamme— Jetzt wurde Lea aufgerufen und gelassen trat sie vor an den Tisch. Die meisten der Geschworenen kannten sie von Ansehen, der Coroner dagegen, der ein erschrockenes, plumpes Bauernmädchen zu sehen erwartete, war nicht wenig erant u., die klassisch„Schönheit und ruhige Haltung des jungen Mädchens und betrachtete sie mehrere Augenblicke durch seine Brille, ehe Ee am ausg## von ihrem Tun am Abende des Mordes Bericht zu geben. brachte, in dem Bewußtsein, daß ihr Verhalten in der Unglücksnacht in sonderbarem Lichte ihre Darstellung etwas verworren vor. Ueberdies wußte sie auch, daß im weitever Untersuchung Tollemaches Angeienherg an dem Tatorte öffentlich bekannt werAlle einzelnen Punkte würden von den Dorfmit Gu an gefangen und nach ihren Anschauungen ausgelegt werden. Der Unterschied des Ranges zwischen ihr und den beiden genannten Herren würde in Betracht und hieraus eine Schlußfolgerung gezogen werden, die ihren guten Ruf fur immer vernichten mußte. Sobald sie mit dem Berichte der Vorgänge zu Francoise daran erinnerte, daß sie amtlich gar kei Recht habe Röcke zu tragen und als weibliche Wesen durchs Dasein zu spazieren. Und ihr wurdzur selben Zeit klar gemacht, daß sie die Landesgesetze gröblich übertreten hatte, da sie weder zur Nummerziehung noch vor dem Revisionsrat erschienen war. So ging sie des Vorteils, der ihr bei der Losziehung vielleicht winkte, verlustig und wurde ordnungsmäßig eingezogen. Immerhin hatte sie gerade kein Herzklopfen, als sie von ihrem Vergehen hörte. Sie hatte ein Dokument bei sich gegen dessen Beweiskraft von dem knifflichsten Bureaubeamten nicht anzukämpfen war. So nahm sie die Sache höchst scherzhaft und machte sich lustig und wohlgemut auf dem Wege zu ihrem Regiment, dessen Tochter sie ja werden konnte. Sie nahm also eine Soldatenfahrkarte zum Viertelpreis nach Brive, wo das 14. Infanterie=Regiment liegt. Aber als sie in Brive auf dem Bahnhof ankam, verlangte der Bahnhofsschaffner Nachzahlung für die ganze Karte. Fräulein Francoise weigerte sich. Sie zeigte ihren regelrechten Gestellungsbefehl vor. Und so sonderbar dem Schaffner dieser französische Soldat vorkam, so mußte er Francoise doch schließlich durchlassen. Denn Gesetz ist Gesetz. Und wenn Francoise zehnmal kein Mann war und niemals einen Schnurrbart haben würde, so war sie vor dem Gesetz Rekrut und die Rekruten haben Fahrpreisermäßigung auf der Bahn. Daran war nicht zu rütteln. Das gefiel Francoise. Sie sah, daß man erreicht, was man will, wenn man Energie zeigt. Trotz mancherlei Mängeln, an dnen sie nicht schuld war und sie auch nicht abstellen konnte, war sie als richtiger französischer Soldat angesehen worden. Und sie ging schnurstracks auf die Kaserne des 14. Infanterie=Regiments zu, höchst neugierig, wie weit ihr wohl ihr Abenteuer gelingen würde. Leider stieß sie auf einen wachthabenden Unteroffizier, der keinen Sinn für bureaukratische Genauigkeit, dafür aber gesunden Menschenverstand besaß, und der sich nicht von der Idee abbringen ließ, daß ein Frauenzimmer nie und nimmer ein französischer Soldat wird. Man muß ihm allerdings vorwerfen, daß das doch immerhin eine Philisteridee ist, und daß er sich in der Geschichte nicht sehr bewandert zeigte. Denn die Jungfrau von Orleans hat doch auch mal gelebt. Vielleicht hat der unbarmherzige Wachthabende sogar eine künftige Jungfrau von Mazelle, das moderne Seitenstück zu der Nationalheldin, im Keime erstickt. Das wäre tausendmal schade; Tat sache ist jedenfalls, daß er nicht nachließ, bis Francoise zur Gerichtsbehörde ging, um schleunigst die falsche Eintragung umändern zu lassen; und aus dem falschen Soldaten auch amtlich ein richtiges Frauenzimer zu machen, das nicht weiter zu lernen hat, wie man mit der Flinte schießt und den Tornister umschnallt. Das tausendste Ei. Das„Zofinger Tageblatt“ berichtet:„Eine seltene Feier fand letzten Sonntag in einem Dorfe im oberen Teil unseres sonst so stillen Tales statt. Es handelte sich um das Jubiläum eines Huhnes, welches das tausendste Ei gelegt hat. Mehrere Häuser hatten die eidgenössische und kantonale Fahne ausgehängt. Am Nachmittag zogen die eingeladenen Gäste mit Musik an der Spitze zum Besitzer der Jubilarin. Bei gutem Stoff wurden dann in Poesie und Prosa die Verdienste des wackeren Huhns unter begeisterten Hochs gepriesen.(Und da will man noch behaupten, unsere Zeit ginge an großen Ereignissen interessenlos vorüber. Red.) Niederrheinische ElektrizitätsGesellschaft Bergs& Wildermuth. Crefelderstrasse 23. Telefon 60. Kraft-Anlagen. · „Was haben Sie die ganze Zeit so allein dem Gottesacker getan?“ Leas Lippen zuckten und durch ihren Körper rieselte es eiskalt bei der Erinnerung, was sie dort gelitten. Sie war außer stande, zu antworten und der Coroner mußte die Frage wiederholen. Sie habe sich geärgert und sei im Gemüte tiefbetrübt gewesen wegen des Streites mit ihrer Großmutter und so lange dort geblieben, um sich vor dem Heimgehen erst wieder zu sammeln. Län ger als eine Stunde, wie sie bereits gesagt, sei sie auf dem Friedhof gewesen. „Und Sie haben sich die ganze Zeit über ge sammelt?“ fragte der Coroner sarkastisch. „Gewiß," erwiderte sie, und das Aufblitzen der dunkelblauen Augen ließ erkennen, daß ihr Temperament sich regte. „Ist Ihnen auf dem HeimwegeLjemand begegnet?“ „An dem Pförtchen, das von Coombe=Hill in den Hof führt, habe ich jemand gesehen.“ „Jemand?“ fragte der Coroner mit Schärfe „Drücken Sie sich deutlicher aus! War es ein Mann oder eine Frau, ein Fremder oder ein Bekannter?" In diesem Augenblick tat sich die Saaltür auf und Lord Barchester trat mir voller Gelassenheit in die Versammlung. Bei Barchesters Eintreten gab sich unter der Zuhörerschaft eine kleine Bewegung kund, und mit gerunzelter Stirn sah sich der Coroner nach der Veranlassung derselben um; danach wandte er sich wieder an Lea mit der Frage: „Wer war es, den Sie am Pförtchen trafen?" „Es war ein Herr, der mehrmals Blumen von mir gekauft hatte," erwiderte Lea mit unsicherer Stimme. „Wie heißt er? Antworten Sie schneller," tadelte der Coroner in ärgerlichem Tone,„es würde viel Zeit zum Verhören erforderlich sein wenn allen Zeugen die Antworten in der Weise abgepreßt werden müßten!" Forts. folgt. r kein wurd indes r zur 1t erhr bei und erhin ihrem i s i c h chsten nahm lustig ment. also nach Aber angtel ganze ie Und olßlich venn mals dem reiss zu man seigt. chuld als den. 14 wiel eider der afür sich nenldat daß ß er igte. mal achtelle, im Tatrandie aus iges rnen Tornger and Teil delte das tten nat. mit rin. rosa sterbessen 8400 1 60. 907 auf per sie ten üte rer sich änsei gezen ihr bein #fe. ein ein auf seit der ind ach die ien inGebrüder NEUSS a. Rh Oberstrasse 108.. Telephon 260. Oberstrasse 108. De- Sämtliche Neuheiten in Damen-, Herren- und Kinderkonfektion sind in grösster Auswahl zu enorm billigen Preisen eingetroffen. Reuter's sämtliche Werke! 5 IWK STURDE ENGPIE Damen-Jackets ." von 3—50 Mark Herren-Anzüge... von 10—50 Mark Damen-Paletots.. von 7—55 Mark 1 Herren-Paletots... von 8—55 Mark Damen-Kragen von 5—65 Mark Loden-Joppen von 3,50—22 Mark V S Backfisch- und Mädchen-Jackets und Paletots = extra billig. Gelegenheitskauf. Ein grosser Posten Damen- u. 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Zur Veimeidung von Verzögerungen in der Bearbeitung der Steuersachen ersuche ich, Eingaben in Steuerangelegenheiten nicht mehr an das Königliche Landratsamt, sondern ausnahmslos an den Vorsitzenden der VeranlagungsKommnission bezw. des Steuerausschusses zu richten. Sämtliche Verhandlungen in Steuersachen finden fortan in den neuen Diensträumen statt. Neuß, den 20. Oktober 1905. Der Vorsitzende der Veranlagunge kommission: Frhr. v. d. Leyen. Für den Pilgerverkehr nach und von Kevelaer werden am 1. November dss. Is. außer den im Aushangfahrplan dafür vorgesehenen Zügen noch folgende auf allen UnterwegsStationen anhaltende Sonder=Personenzüge mit 2. bis 4. Wagenklasse gefahren: 1. Crefeld P Abfahrt 64 vorm, Kevelaer an 74 2. Kempen„ 728„ Kevelaer„ 811 5 Neuß Crefeld P „ 708 71.„ 4. Kevelaer„ 26 nachm., Neuß 5. Kevelaer„ 436„ Neuß Cöln, den 27. Oktober 1905. Kevelaer„ 810 8227 Königliche Eisenbahndirektion. Zwangsversteigerung. Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das in Büderich, Crefelderstraße 21 belegene, im Grundbuche von Büderich, ##ie Mlaf m 14. Ar“ Kreis Neuß, Band 14, Artikel 659, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungsvermerkes auf den Namen der Eheleute Franz Strerath, Schreinermeister, und Anna geb. Wolf, zu Büderich, welche in der aus der gesetzlichen Gütergemeinschaft des früheren rheinischen Rechts übergeleiteten Fahrnis gemeinschaft leben, eingetragene Grundstück: Flur 7 Nr. 301/83, a) Wohnhaus mit Hofraum und Hausgarten, b) Stall, c) Werkstätte, groß 25 Ar 8 gm, mit 234 Mark jährlichem Natzun swerte, Gebäude steuerrolle Nr. 385 a. b. C., am 10. Dezember 1905, vormittags 10 Uhr, durch das unterzeichnete Gericht— an der Gerichtsstelle Zimmer Nr. 13— versteigert werden. Der Versteigerungsvermerk ist am 2. Juni 1905 in das Grundbuch eingetragen. Neuß, den 17. Oktober 1905.(8228 Königliches Amtsgericht. Pferdemarkt zu Cleve am Donnerstag, den 2. November. Haus= und Land=Verkauf zu Stürzelberg. Donnerstag, den 2. November 1905, nachmittags 1½ Uhr, lassen die Witwe und Kinder des zu Stürzelberg verstorbenen Heinrich Pinigen im Lokale des Wirtes Herrn Peter Mazkorn zu Stüczelberg: a) ihr zu Stürzelberg gelegenes Wohnhaus samt Nebengebäuden und allem Zubehör, b) ihre in den Gemeinden Zons und Nievenheim gelegenen Grundstücke öffentlich auf Kredit gegen Bürgschaft durch den Unterzeichneten versteigern.(7652 Justizrat Tils, Notar. Reellste, lachgemäße Bedienung. Eintausch v. elten Pianoe Große Auswahl aller Gattungen v. 420 bis 1500 Mark, nur bewährte, durch eigene langj. prakt. Erfahr. ausgew. Fabrikate. Vermieten, Ratenzahl. in kulantester Weise. 12 Jahre Garantie. 6S Ale Nen I heiten, E sowle die best. 20 Pfg.Ausgab. Alle Schulen u. s. w. Ständ. Kund. erh. übl. Rabatt, genau wie bei Tonger. Klavierstimmen. Eig. Reparatur-Werkstätte. Besonders gute, fachgemäße Bedienung. 2076 langjähr. 1. Techniker bei Ibach, Bechstein, Blüthner. Telephon 4942. I Worringerstr. 99. Düsseldorf. 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Politi Während die Landtags anspruchen d sle zum erste meinen, gehe genommen n eine vollkomn teien ergeben Nationalliber den, dem An teien, des Zei und Sozialde sich bei den I steien der Lin stie, zu dem geschlossen, u kämpfen. Da durchaus un wahlen stattzi Wie Baden so steht ein al achsen besuches. Der serm Kaiser a den, sowie di von der Bevöl ssind, haben in gefunden. S das innige Ei ind König Fr des nationaler Patriot wird immerdar so l Auch außer hat die Chron Zusammenkun richten: Präsid nen Besuch am führung gebre keiten statt. 2 zu Ehren des ßösischen Botsc Präsident und arm gehalter och auf die Interessant wi wie der Könic als sicherste Tat dürfte sich voller Staats mehr entziehen In Rußla infolge des A in Petersburg augenblicklich fang angenom Massenstreiks, kratie seit Jen bereits mord31) Roman #I. Autorisier Fortsetzt „Es war „Welche Z trafen?“ „Ungefähr „Wie lang „Ungefähr so lange.“ ging eranlassung über. Und Barchesters nur, von ih schuldigt wor erregt habe. „Welcher schuldigt?“ Und unkli Frage, auf i wäre nicht n Der Coro seiner Wicht dieses Dorfr unstreitig ei Erscheinung, zu kennen. Brillengläser angestiert he ihrer vorlau seine vorheri Leas Aug sich jedoch bei und antwort sie beschuldig einem Bekar „Welchem einen Name 0 mit Ausnehme der Se## an Hosttage. Preis vierteljährlich in Neun i Di duich die Loh beiggen###, mit * Unterhaltungsblatt in Neuß 1.80 Nlk., durch die Oost bezogen 1.95 hl Bruck und Verlag: R. Noack, Aeuß. Celephon No. 57. Anzeigen im lokalen Verkehr 12 Ofs., son (5 Ofg., die rgespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Reklamen 50 Ofg., diee gespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Für die Redaktion verantwortl. R. Uoas. Expedition: Ueuß, Uenstraße 1. Nr. 247. 4. Blatt. Politischer Wochenbericht Während der Berichtswoche haben in Baden die Landtagswahlen stattgefunden. Dieselben beanspruchen diesmal ein besonderes Interesse, weil sle zum ersten Male nach dem System des allgemeinen, geheimen und direkten Wahlrechtes vorgenommen wurden. Als Folge hiervon hat sich eine vollkommen veränderte Gruppierung der Parteien ergeben. Während sich nämlich bisher die Nationalliberalen, als die mächtigste Partei in Baden, dem Ansturm der vereinigten übrigen Pareien, des Zentrums, der Demokratie, Freisinnigen und Sozialdemokraten ausgesetzt sahen, haben sie ich bei den letzten Wahlen mit den übrigen Parteien der Linken, ausschließlich der Sozialdemokratie, zu dem sogenanten liberalen Block zusammengeschlossen, um gemeinsam das Zentrum zu bekämpfen. Das Wahlergebnis ist zur Zeit noch ein durchaus unvollständiges, da zahlreiche Stichwahlen stattzufinden haben. Wie Baden unter dem Zeichen des Wahlkampfes, so steht ein anderer deutscher Bundesstaat, nämlich Sachien, zur Zeit unter dem Zeichen des Kaiserbesuches. Der überaus herzliche Empfang, der unerm Kaiser am sächsischen Königshofe zuteil geworden, sowie die begeisterten Huldigungen, die ihm von der Bevölkerung Dresdens dargebracht worden sind, haben im ganzen Reiche freudigen Widerhall gefunden. Sind sie doch ein beredtes Zeugnis für das innige Einvernehmen zwischen Kaiser Wilhelm und König Friedrich August sowie für die Macht des nationalen Gedankens im Sachsenvolke. Jeder Patriot wird von ganzem Herzen wünschen, daß es immerdar so bleiben möge. Auch außerhalb der Grenzpfähle Deutschlands sat die Chronik der verflossenen Woche von einer Zusammenkunft zweier. Staatsoberhäupter zu berichten: Präsident Loubet hat seinen angekündigten Besuch am spanischen Königshofe zur Ausührung gebracht. Es fanden zahlreiche Festlicheiten statt. Bei dem Diner, das Präsident Loubet u Ehren des Königs von Spanien in der franösischen Botschaft zu Madrid gab, wechselten der Präsident und der König Trinksprüche, die äußerst warm gehalten waren und insbesondere auch in ein Hoch auf die beiderseitigen Armeen ausklangen. Interessant war es, daß sowohl Präsident Loubet die der König in ihren Toasten ein starkes Heer ils sicherste Friedensbürgschaft priesen. In der Tat dürfte sich in unsererZeit kein verantwortungsvoller Staatsleiter der Wahrheit dieses Urteils mehr entziehen können. In Rußland hat die revolutionäre Bewegung infolge des Ausstandes der Eisenbahnangestellten in Petersburg, Moskau und an anderen Orten augenblicklich wieder einen recht bedenklichen Umfang angenommen. Die Idee des politischen Massenstreiks, mit dem die deutsche Sozialdemokratie seit Jena so eifrig kokettiert, ist in Rußland bereits mord= und bluterfüllte Wirklichkeit gewor 31) Roman von E. G. Sanderson. Autorisierte Uebersetzung von A. Brauns. Fortsetzung aus dem dritten Blatt. „Es war Lord Barchester,“ gestand Lea nun. „Welche Zeit war es, als Sie den Lord rafen?" „Ungefähr halb 11 Uhr.“ „Wie lange standen Sie mit ihm dort?“ „Ungefähr 10 Minuten, vielleicht nicht einmal o lange.“ Jetzt ging der Coroner zu Fragen nach der Veranlassung des Streites mit ihrer Großmutter über. Und wiederum suchte Lea beim Antworten Barchesters Namen zu vermeiden. Sie erklärte nur, von ihrer Großmutter der Täuschung beschuldigt worden zu sein und daß dies ihren Zorn erregt habe. „Welcher Täuschung hatte die alte Frau Sie beschuldigt?“ Und unklug genug, erklärte Lea auf diese Frage, auf ihre Privatangelegenheiten einzugehen, wäre nicht nötig. Der Coroner, ganz erfüllt vom Bewußtsein seiner Wichtigkeit, war starr über die Künheit dieses Dorfmädchens. Diese Lea Morris war unstreitig eine selten schöne, wahrhaft vornehme Erscheinung, aber ihre Stellung schien sie nicht zu kennen. Nachdem er sie eine Weile über seine Brillengläser hinweg mit vernichtenden Blicken angestiert hatte, maßregelte er sie tüchtig wegen ihrer vorlauten Aeußerung; dann wiederholte er seine vorherige Frage mit erhobener Stimme. Leas Augen flammten zornig auf; sie war sich jedoch bewußt, einen Fehler begangen zu haben, und antwortete nun ruhig, daß ihre Großmutter sie beschuldigt habe, hinter ihrem Rücken sich mit einem Bekannten auf Coombe=Hill zu treffen. „Welchem Bekannten? Sie hat doch sicherlich einen Namen genannt?“ Samstag, 28. Oktober.(Sim. u. 1905. 30. Jahrg. den. Für politische Forderungen, deren Unerfüllbarkeit bei dem derzeitigen Bildungsstande der Bevölkerung Rußlands sowie der Gesamtlage der dortigen Verhältnisse jedem halbwegs vernünftigen Menschen sofort einleuchten muß, lassen sich die russischen Arbeiter von gewissenlosen Einbläsern und Aufwieglern, oft zweifelhaftester Herkunft, fortgesetzt zu Streiks, und schweren Ausschreitungen verleiten. Den Hauptschaden hiervon hat natürlich die Arbeiterschaft selbst. In Norwegen ist die Frage der künftigen Staatsverfassung, wenigstens formell, noch ungelöst. Für eine Königswahl kommt als einziger Kandidat Prinz Karl von Dänemark in Betracht. Völlig müßig sind die von englischen Blättern angestellten Betrachtungen darüber, ob die Wahl dieses Prinzen zum Könige von Norwegen in Deutschland gerne gesehen werde, da es nicht zu den Ueberlieferungen deutscher Politik gehört, sich in die Ausübung des Selbstbestimmungsrechtes anderer Nationen zu mengen. In der Angelegenheit der mazedonischen Finanzkontrolle, deren Einführung sich die Pforte hartnäckig widersetzt, finden zur Zeit zwischen den Mächten Verhandlungen über die weiteren Schritte statt, während die bereits ernannten Finanzdelegierten in Uesküb mit den beiden Zivilagenten Beratungen pflegen, in welcher Weise sie ihre Aufgaben erfüllen sollen. Im Interesse der Ruhe und des Fortschrittes im europäischen Orient wäre sicherlich die Herbeiführung einer gütlichen Verständigung dringend zu wünschen. Von Nah und Fern. * M.=Gladbach, 26. Okt. Mit dem 15. November wird auf der Bahnstrecke Köln=Grevenbroich=M.= Gladbach der Vollbahnbetrieb ausgenommen. Versuchsweise soll demnächst auch ein Schnellzugpaar auf der Strecke eingelegt werden. Der Personenverkehr auf der neuen Strecke Odenkirchen=Rheydt kann erst nach Umbau des Rheydter Bahnhofes aufgenommen werden. * M.= G l a d b a c h, 2 6. O k t. D e r V e r w a l t u n g s r a t der Lungenheilstätte der Stadt M.=Gladbach hat beschlossen, neben der Heilstätte ein großes Gebäude zu errichten, um die Möglichkeit zu schaffen, gesunde Personen von kranken zu trennen. In dem neuen Gebäude sollen Wohnungen für den Assistenzart, die Krankenschwestern und das Personal eingerichtet werden. Aus der Louise GucuryStiftung wurden 40000 Mk. für diesen Bau bewilligt. * Kleve, 24. Okt. Die holländische Polizeibehörde pflegt alle Ausländer, die mittellos und ohne Ausweispapiere betroffen werden, kurzweg über die Grenze abzuschieben. Hierdurch sind viele deutsche Grenzorte, denen die Weiterbeförderung der Ausgewiesenen oblag, bisher erheblich belastet worden, da, wenngleich ihnen die unmittelbaren Transportkosten erstattet wurden, doch die Besoldung für die Begleitbeamten aus den Gemeindemitteln bestrit„Allerdings!“ räumte Lea mit zuckenden Lippen ein. „Wessen Namen denn?" forschte der Coroner weiter. Nun zögerte Lea nicht länger. Barchester saß am entgegengesetzten Ende des Saales und hatte die Augen auf sie gerichtet. Sie fühlte sich körperlich so matt und schwach— sie hatte weder geschlafen noch Nahrung zu sich genommen— daß sie unfähig war, ihre Gemütsbewegung zu bemeistern. Und er würde ihr Geheimnis nun erraten! O, könnte sie doch auf der Stelle sterben! Das Schwächegefühl wurde jetzt so groß, daß sie wankte und ohnmächtig umzusinken fürchtete. Der Coroner sah es und befahl, für die Zeugin einen Stuhl zu bringen; dann fuhr er fort: „Mit welcher Person wurden Sie von Ihrer Großmutter beschuldigt, auf Coombe=Hill zusammenzukommen?“ „Mit Lord Barchester," antwortete Lea mit gedämpfter, bebender Stimme; sie sah auch beim Sprechen nicht auf. Möchte Barchester doch ihre Gemütsbewegung falsch deuten!— war ihr stilles Gebet. Ob der Anschuldigung Wahrheit zu Grunde liege, war des Coroners nächste Frage. An allen Gliedern zitternd, ließ Lea den Blick ratlos im Raume umherirren, wie wenn sie einen Ausweg zum Entfliehen suchte, und einen Moment blieb er mit einer ganzen Welt von Flehen und tiefstem Seelenweh auf Barchester haften; dann senkte ihr Haupt sich wieder und in dem vorigen Tonfall erfolgte ihre Aussage, daß sie bei ihren Spaziergängen auf den Berg Lord Barchester einigemale zufällig getroffen habe. „Hat Ihre Großmutter je zuvor mit Ihnen über Lord Barchester gesprochen?" „Nie ist seines Namens zwischen uns Erwähnung geschehen.“ „Was war an dem in Rede stehenden Abend denn die Veranlassung dazu?“ ten werden mußten. Um nun die für den Staat und die Gemeinden durch die Ausweisungen entstehenden Kosten zu vermindern, ist die Einrichtung getroffen worden, daß ein Gefangenen=Transportwagen von Zeit zu Zeit die Eisenbahnstationen diesseits der deutsch=holländischen Grenze berührt, um die dort in Polizeigewahrsam befindlichen Ausgewiesenen aufzunehmen. * Oberhausen, 26. Okt. Heute fand hier der rheinische Zonentag des deutschen Gastwirtbundes in Anwesenheit von den Vertretern von 23 Ortschaften statt. Der Antrag des Vereins Essen, zwischen der westfälischen und der rheinischen Zone die Vereinbarung zu treffen, daß den Mitgliedern der Sterbekasse gestattet ist, mit allen erworbenen Rechten der Zonensterbekasse anzugehören, worin das Mitglied seinen Wohnsitz hat, wurde einstimmig angenommen. Ein weiterer Antrag, daß bei Abhaltung einer Zonenkochkunstausstellung 75 Prozent des Reingewinns die Sterbekasse und 25 Prozent der ausführende Verein erhalten soll, fand ebenfalls Annahme. * Aachen, 26. Okt. Aus Alsdorf wird über einen Grubenunfall gemeldet: Als heute Morgen die Belegschaft des Wilhelmschachtes der Grube Anna des Eschweiler Bergwerksvereins einfuhr, versagte plötzlich die Bremse. Infolgedessen stieß der Förderwagen so heftig auf die Sohle auf, daß vier Bergleute mehr oder weniger schwer verletzt wurden. Weitere Bergleute, die sich in dem oberen Teile des Förderwagens befanden, blieben unverletzt. * Elsen, 25. Okt. Als Ehrengeschenk des Kaisers wurde der hier wohnenden verwitweten Justizrätin v. Weise gestern gelegentlich ihres 100. Geburtstages eine in der Königl. Porzellanmanufaktur hergestellte Tasse mit einem Glückwunschschreiben des Zivilkabinetts durch den Bürgermeister überreicht. Der Oberpräsident der Rheinprovinz, von Schorlemer=Lieser, sandte der Greisin ein Glückwunsch=Telegramm. Berlin, 26. Okt. Einen eigenen Weg zur Selbständigkeit hat, wie Berliner Blätter mitteilen, der Geschäftsführer Philipp Schwarz eingeschlagen, der bei einem Kleiderhändler in Berlin angestellt war. Schwarz hatte seinem Geschäftsherrn längere Zeit treu gedient und genoß sein volles Vertrauen. Nun aber wollte er selbständig werden, und dieser Gedanke brachte ihn auf Abwege. Die Mittel zur Eröffnung des eigenen Geschäftes verschaffte er sich dadurch, daß er bei G. seit einem halben Jahre fortgesetzt stahl und die Beute verkaufte. Wenn der Chef zum Mittagessen gegangen war, gab Schwarz den Angestellten eine solche Beschäftigung, daß sie ihn nicht stören konnten, packte dann rasch zusammen, was ihm zur Hand lag, und brachte es zu einem Trödler. Als dieser in der letzten Zeit knauserig wurde und nur noch sehr wenig geben wollte, ging er zu einem Pfandleiher in seiner Nachbarschaft, und nahm gleich fünf Anzüge mit. Der Pfandleiher schöpfte Verdacht und schickte zur Polizei. Schwarz merkte aber den Plan, rannte den Mann über den Lea besann sich einen Moment, dann kam ihr Tollemaches Brief in Erinnerung, das scharfe Beobachten von Seite Ihrer Großmutter nach dem Empfange desselben. „Ich glaube, die Veranlassung war ein Brief, den sie ein paar Tage zuvor von Mr. Ward empfangen,“ erwiderte sie, aus Unachtsamkeit Tollemaches falschen Namen nennend, da sie sich daran gewohnt hatte, wenn sie seiner in Verbindung mit ihrer Großmutter gedachte. „Wer ist Mr. Ward?“ „Mr. Tollemache.“ Lea gab jetzt ihre Aussagen erhobenen Hauptes und mit laut und vernehmlich tönender Stimme ab. Ihre Liebe zu Barchester und das Bestreben, sie zu verheimlichen, hatten sie zittern und zagen lassen bei seinem Namen; der Argwohn und ihre Abneigung gegen Tollemache wirkten in entgegengesetztem Sinne. „Mr. Tollemache?" wiederholte der Cononer verwundert. Meinte sie den bekannten Sportsmann? Sie glaubte, daß er es sei, hatte Lea eingeräumt. Warum nenne sie ihn Mr. Ward? Weil er sich unter diesem Namen in ihrem Hause eingeführt habe. „Pflegte er bei Ihnen Besuche zu machen?“ „Ja,“ erklärte die Zeugin. Das war Wasser auf die Mühle der anwesenden Frauen! Sie fingen jetzt an, einander zuzunicken uno zu tuscheln, und mancher verächtliche Blick flog hinüber zu Lea, die mit im Schoße gefalteten Händen am Tische saß, die Augen unverwandt auf das Gesicht des Coroners gerichtet. In dem nun folgenden Kreuzverhöre kamen Tollemaches häufige Besuche in der Cottage, seine Freundschaft für Mrs. Morris, seine Liebeserklärung, Leas abschlägige Antwort und der Brief, den er von London geschrieben— alle diese bisher unbekannten Dinge— an den Tag und verursachten bei der Zuhörerschaft ganz ungeheures Aufsehen. Mehrere Frauen ließen sich in der Erregung zu so lauten Bemerkungen hinreißen, daß der Haufen, als er ihn aufhalten wollte, und entflohe unter Zurücklassung der Anzüge und seiner Uhrkette, die in dem Handgemenge zerrissen worden war. Die Kriminalpolizei ermittelte bald den Eigentümer der Anzüge und stellte fest, daß nur ein Hausdieb sie gestohlen haben konnte. Unterdessen schrieb Schwarz an das Polizeipräsidium und den Pfandleiher je einen Brief mit der Bitte. dem Ueberbringer die Anzüge herauszugeben, weil sie gestohlen seien. Bevor er jedoch dazu kam, die Briefe überreichen zu lassen, um sich doch noch wieder in den Besitz der Beute zu setzen, nahm in die Kriminalpolizei fest. Nachdem der Pfandleiher ihn wiedererkannt hatte, wurde Schwarz in Untersuchungshaft genommen. Die beiden Briefe hatt er noch in der Tasche. * Newyork, 23. Okt. Ueber die Methoden des ebenso berühmten wie berüchtigten amerikanischen Detektiv=Institut von Zinkerton bringen die Newyorker Blätter neue Enthüllungen. Wie erinnerlich brannte vor etwa zwei Wochen ein Bediensteter in der Adam Parcel=Company in Pittsburg mit einer Kiste durch, die 250000 Dollar in Gold enthielt. Pinkerton wurde die Ausforschung des Flüchtlings, eines jungen Mannes namens Cunliffe, übertragen und gelang es auch, den Durchbrenner in kurzer Zeit auszuforschen und den ganzen Betrag bis auf 10000 Dollar wieder zu sichern. Cunliffe wurde als Gefangener nach dem Hauptbureau von Pinkerton überführt und nicht den Gerichten übergeben, sondern bis auf weiteresdort eingesperrt gehalten. Es wurden ihm Ketten angelegt und, um ihn zum Geständnis zu zwingen. wo die 10000 Dollar geblieben waren, ließ man ihn hungern und zwang ihn, von Freitag Abendacht Uhr bis Samstag Morgen vier Uhr, mit den schweren Ketten beladen, von zwei Wärtern bei den Armen gefaßt, in einem Saale auf= und abzumarschieren. Schon nach einer Stunde war Cunliffe am zusammenbrechen. Man forderte ihn auf, zu gestehen, und als er nicht antwortete, mußte er weiter auf und ab schreiten. Warein Paar der Wärter müde, so wurde es von einem anderen abgelöst. Dabei ließen sich die Polizisten wohlduftende Gerichte schmecken und rauchten Zigaretten, um die Qual des Delinquenten, der ein leidenschaftlicher Raucher ist, zu erhöhen. Schließlich war das Gesicht Cunliffes von Schmerz verzerrt und seine Beine wollten ihn nicht weiter tragen. Man brachte eine Bahre und trug ihn nach einer Gefängniszelle. So kurz der Weg war, so war der Gemarterte doch schon vor Erschöpfung eingeschlafen. Das Gericht verlangte nunmehr seine Auslieferung und haben die Detektivs Pinkertonsihren Zweck, ihn zum Geständnis zu bringen, nicht erreicht, dagegen aber wieder die ganze öffentliche Meinung, wie schon so oft bei früheren Anlässen. gegen ihr brutales und ungesetzliches Vorgehen heraufbeschworen. * Wien, 26. Okt. Heute fiel der erste Schnee. Aus den Alpenländern und Karpathen werden 30stündige Schneefälle mit großer Beschädigung. von Telephon= und Telegraphenleitungen gemeldet. Coroner es für geboten hielt, ihnen einen scharfenVerweis zu erteilen. Als das Kreuzverhör mit Lea vorüber war, wurde Lord Barchester vorgerufen. Mit der seine Bewegungen charakterisierenden. Lebhaftigkeit und Elastizität schritt Barchester vor an den Tisch. Sein Aussehen war zwar etwas blaß und angegriffen, das Wesen jedoch vollkommen selbstbeherrscht, und seine Aussagen gab er offen und klar av. An dem in Rede stehenden Abend habe er seine Wohnung kurz vor 9 Uhr verlassen und einen Spaziergang auf den Berg gemacht, der an die hintere Seite seiner Besitzung grenze. Er habe seine Schritte nach der Cottagefarm zu gelenkt, und an dem Pförtchen, das nach dem Hofe führte, sei er stehen geblieben, eine Zigarre anzündend und in Nachsinnen sich versenkend über Dinge, die jetzt gerade auf sein Gemüt einstürmten. Weiter als bis zum Pförtchen sei er nicht gegangen, habe nicht mit einem Fuß den Hof betreten, auch niemanden gesehen, noch einen Laut gehört; von seinem Standpunkte aus gesehen, habe das Haus in völligem Dunkel dagelegen. Am folgenden Morgen sei er mit dem frühesten Zuge von Coombe abgereist und habe von dem Morde nicht eher etwas vernommen, als. am Abend in London, als ihm die Vorladung, als Zeuge beim Verhör zu erscheinen, überbracht worden sei. Die Frage, um welche Zeit er am Tore angelangt, beantwortete der Zeuge dahin, daß es gegen halb 10 Uhr gewesen sei. Lea Morris habe ausgesagt, erklärte der Coroner, den Lord Barchester etwa um halb elf Uhr dort angetroffen zu haben. Habe er denn eine volle Stunde daselbst gestanden? Barchesters Antwort lautete bejahend. Jetzt erhob sich der Obmann der Geschworenen von seinem Sitze. Er und seine Mitgeschworenen möchten wissen, zu welchem Zwecke der Zeuge nach der Cottagefarm gegangen sei, ob es in der Absicht geschehen, die Enkelin der Frau Morris zu sehen und zu sprechen.(Forts. im fünften Blatt.) Vermischtes. * Sonnenbrüder nennt der deutsche Volksmund jene landstreichenden Gesellen, die in der schönen Jahreszeit meist bei Mutter Grün kampieren, die Dörfer abstreifen und bei denen der ewige Kreislauf der Dinge, beim Lagern im Chausseegraben, durch die Schnapsflasche verkörpert wird. Es gibt aber auch irgendwo auf der Welt Sonnenbrüder, die ernster genommen sein wollen. Dem Daily Chronicle wird eine merkwürdige Geschichte aus Melbourne mitgeteilt. Da nach hat sich vor einigen Jahren auf einer Insel in der Nähe von Deutsch=Neuguinca eine ganz kleine Gemeinde angesiedelt, deren Gründer und Apostel ein Bayer oder Westfale namens August Engelhardt war und deren Mitglieder sich Sonnenbrüder nennen. Engelhardt war ein gebildeter Mann. Er ist jetzt gestorben. Ende September lief die Nachricht von seinem Tode in Melbourne ein. Der Daily Telegraph in Sidney bringt einige interessante Einzelheiten über die Sekte, die im Jahre 1901 auf der Insel Kaboken, unweit von Herbertshöhe gebildet wurde. Engelhardt kaufte diese Insel zu religiösen Zwecken. Die Sekte nannte sich die Sonnenbrüder. Sie bestand aus drei Personen, nämlich aus dem obengenannten Engelhardt, ferner aus einem Musiker Max Lützow der in Berlin ein Orchester dirigiert hatte, und aus Heinrich Eukens, einem Helgoländer, der später in Berlin lebte. Die religiösen Vorschriften waren höchst merkwürdig. Die Sonnenbrüder hatten nicht nur die Sonne als die Quelle des Lebens anzubeten, sondern mußten auch nackt gehen die Ehe abschwören, im Freien schlafen und von Früchten leben. Auf diese Weise sollte ein Seelen zustand geschaffen werden, der sie zur Vereinigung mit dem Gott der Natur befähigte. Engelhardt befolgte diese Vorschriften durchaus. Er hatte bald die Farbe eine Samoaners angenommen. Er lebte meistens von Kokosnüssen, deren Milch sein Getränk bildete. Er schlief unter dem blauen Himmel am Strande, und seine Lebensweise schien ihm nicht schlecht zu bekommen. Er hatte erwartet, daß von Deutschland aus eine große Gemeinde folgen würde. Dies war aber nicht der Fall, und den beiden Getreuen, die zu Engelhardt hielten, bekam die Lebensweise durchaus nicht. Eukens litt unter der heftigsten Malaria, und es wurde, da die Vorschriften der Sekte keine Verwendung von Medizin erlaubten, eine Hungerkur versucht, der er innerhalb vier Tagen erlag. Lützow starb an Bord eines Missionskutters. Der vereinsamte Engelhardt betete unentwegt in dem von ihm angelegten Sonnenhain weiter. Im August fanden Besucher der Insel, daß er sehr krank ausfah. Er wurde daraufhin von dem Arzte der deutschen Station Herbertshöhe besucht und an Bord eines Regierungsbootes gebracht. Auf der Fahrt nach Herbertshöhe starb er. Der nachstehende Auszug aus einem Briefe Engelhardts an einen Ansiedler in Australien dürfte von Interesse sein. Es heißt darin:„Die Bedingungen für den Eintritt in den Sonnenorden sind folgende: 1. Es werden nur Leute von vornehmem und tadellosem Charakter ausgenommen. 2. Jeder Bewerber muß von zwei achtbaren, glaubwürdigen Personen, die von dem Führer des Sonnenordens anerkannt werden, empfohlen sein. 3. Bemittelte haben eine Summe von 50 Pfd. Sterl. zu zahlen. Weniger Bemittelte zahlen ihren Mitteln entsprechend und arme Sonnenbrüder zahlen nichts. In Kabakon müssen alle Sonnenanbeter, wie ich selbst, stets nackt gehen und sich in jeder Beziehung der Natur anschließen. Herrliche See= und Sandbäder ergänzen die beständigen Sonnen= und Luftbäder in einer außerhalb der Tropen nicht zu erzielenden Weise. Ich ersuche alle Fruchtesser ernstlich, mir in dem Aufbau des interkolonialen Reiches der Sonnenanbeter behülflich zu sein. Wir wollen uns in den Tropen vereinigen, in der Heimat des sonnengeborenen Menschen, und wir wollen ein Leben führen, wie es das Gesetz des Lebens vorschreibt, ein nacktes, sonniges, fruchtessendes Leben.“(K.V.) THEE MESSMER BEKUHMTE MISCHUNGEN. FEINSTE SOUCHONGS Mohren-Drogerie H. Kilbinger. Düsseldorfer Stadttheater Samstag, 28. Okt. Zum ersten Male: Der Privatdozent. Sonntag, 29. Okt. Nachm.: Maria Stuart. Abends: Der Bajazzo. Fritzchen u. Lieschen. Phantasien im Bremer Ratskeller. Montag, 30. Okt. KyritzPyritz Dienstag, 31. Okt. Marta. Mittwoch, 1. Nov. Der Gaukler unserer Lieben Frau. Donnerstag, 2. Nov. Der Privatdozent. Freitag, 3. Nov. Lohengrin Elsa: Frau Kammersänger Mottl=Standhartner a. G. Samstag, 4. Nov. Cyprienne. Sonntag, 5. Nov. Nachm.: Die Sünde Davids. Abends: Die Zauberstöte. Apollotheater In Düsseldort Direction: J. Glück. Grösstes und vornehmstes Specialitätentheater Deutschlands. Täglich Auftreten allererster Kunstkräfte. Jeden I. und 16. neues Programm. 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An den Woc Montag und Freitag, mo Segen. Donnerstag Am Dier Allerheilig Fleischspeise Evan 9¾ Uhr:§ 5 Uhr: Ab 10 Uhr:: G Ratholische Gottesdienst=Ordnung für Neuß. Sonntag, den 29. Oktober 1905. In der Münsterkirche: Morgens 1/.6 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— ½7 Uhr: hl. Messe und gemeinschaft iche hl. Kommunion der KommunionMädchen der früheren Jahrgänge.— ½8 Uhr: Gymnasialmesse mit Predigt.— ½9 Uhr: Schulmesse mit Predigt.— ½.10 Uhr: Hochamt.— 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags ½3 Uhr: Katechese und Andacht für die Verstorbenen.— 5 Uhr: Audacht zu Ehren des hl. Quirinus.— 6 Uhr: Kongregations=Andacht mit Predigt. In der St. Marienkirche: Morgens 6 Uhr: hl. Messe.— 7 Uhr: hl. Messe mit gemeinschaftlicher hl. Kommunion des Vereins christl. Mütter. — 8 Uhr: Schulmesse mit Predigt.— ½10 Uhr: Hochamt.— 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags— 3 Uhr: Katechese mit Andacht zur Schmerzhaften Mutter.— 4 Uhr: Versammlung des Vereins christl. Mütter. 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Predigt und Segen. In der St. Sebastianuskirche: Morgens 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht. In der Hospitalkirche: Morgens 8 Uhr: hl. Messe vorher gemeinschaftliche hl. Kommunion des St. Anna=Arbeiterinnen=Vereins.— 9 Uhr: hl. Messe für die Schüler der Realschule.— Nachmittags: ½5 Uhr: Andacht zu Ehren der hl. Anna mit Predigt. Jeden Freitag, nachmittags 5 Uhr: Andacht für die Verstorbenen. In der Waisenhaus=Kapelle: Morgens 7 Uhr: hl. Messe.— Nachmittags 6 Uhr: Andacht mit Predigt. Jeden Dienstag, nachmittags ½7 Uhr: St. Anna=Andacht. In der Alerianer=Klosterkirche: Morgens ½8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Segen. An Wochentagen beginnt die hl. Messe um 7½ Uhr. Donnerstag, morgens 7½ Uhr: Segensmesse. In der Kapelle zu Selikum: Morgens 9 Uhr: hl. Messe mit Predigt. Mittwoch, den 1. November 1905. Fest Allerheiligen. In der Münsterkirche. Morgens 1/.6 Uhr: hl. Messe.— ½7 Uhr: hl. Messe.— ½8 Uhr: Gymnasialmesse.— ½9 Uhr: Schulmesse.— ½10 Uhr: Feierliches Hochamt.— 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags 3 Uhr: Vesper.— 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Allerseelenpredigt. In der St. Marienkirche. Morgens 6 Uhr: hl. Messe.— 7 Uhr: hl Messe— 8 Uhr: Schulmesse.— ½10 Uhr: Feierliches Hochamt.— 11 Uhr: hl. Messe mit Predigt— Nachmittags 3 Uhr: Andacht.— 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Festpredigt. In der St. Sebastiannskirche. Morgens 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— Nachmittags 6 Uhr: Komplet zum Beginn des ewigen Gebetes. In der Hospitalkirche. Morgens 8 Uhr: hl. Messe mit Predigt.— 9 Uhr: hl. Messe für die Schüler der Realschuke.— Nachmittags ½5 Uhr: Komplet. In der Weisenhaus=Kapelle. Morgens 7 Uhr: hl. Messe.— Nachmittags. 6 Uhr: Komplet. In der Alexianer=Klosterkirche. Morgens ½8 Uhr: Hochamt.— Nachmittags 5 Uhr: Rosenkranz=Andacht mit Segen. In der Kapelle zu Selikum. Morgens 9 Uhr: Hochamt. Donnerstag, den 2. November. Gedächtnistag Allerseelen. In der Münsterkirche. Morgens 7¼ Uhr: Seelenamt für die Verstorbenen der Junggesellen=Sodalität— 8 Uhr: Schulmesse.— 9 Uhr: Feierliches Seelenamt; nach demselben Prozession zum Friedhofe. In der St. Marienkirche. Hauptfest der Armseelen=Bruderschaft mit vollkommenem Ablaß. Morgens 6 Uhr: hl. Messe mit Rosenkranz.— 7¼ Uhr: hl. Messe.— 9 Uhr: Feierliches Seelenamt.— Nachmittags 7 Uhr: Andacht mit Predigt. Wer in die Armseelen=Bruderschaft ausgenommen werden will, möge sich in der Sakr stei anmelden.— Während der Allersellen=Oktav abends ½8 Uhr: Andacht zum Troste der Verstorbenen. In der St. Sebastiannskirche. Morgens 6 Uhr: hl. Messe.— 8 Uhr: Feierliches Hochamt. — Nachmittags 5 Uhr: Komplet, Litanei und Te Deum zum Beschlusse des ewigen Gebetes. In der Waisenhaus=Kapelle. Morgens 6¼ Uhr: Seelenamt.— Nachmittags 6½ Uhr: Andacht für die Verstorbenen. In der Alexianer=Klosterkirche. Morgens 7½ Uhr: Seelenamt. Lause der Woche. In der Münsterkirche: Von Donnerstag an jeden Nachmittag 6 Uhr: Andacht für die Verstorbenen. Freitag, morgens 9 Uhr: Herz=Jesu=Hochamt mit Abbitte und Segen. In der St. Marienkirche: An den Wochentagen morgens 6, 7¼ und 9 Uhr: hl. Messen. Montag und Dienstag abends ½.8 Uhr: Rosenkranzandacht. Freitag, morgens 9 Uhr: Herz=Jesu=Hochamt mit Abitte und Segen. Donnerstag, nachmittags 6 Uhr: Sakraments=Andacht. Am Dienstag. den 31. Oktober, dem Tage vor dem Feste Allerheiligen, ist ein gebotener Fasttag; der Genuß von Fleischspeisen ist nur bei der Hauptmahlzeit gestattet. Evangelische Gottesdienst=Ordnung. Sonntag, den 29. Oktober 1905. 9¾ Uhr: Hauptgottesdienst. 5 Uhr: Abendgottesdienst. Notkirche in Oberkassel: 10 Uhr:: Gottesdienst. Ein schönes Gesicht ist die beste Empfehlungskarte. Wo die Natur dieses versagt, wird über Nacht durch Gebrauch von Bernhardis Lilienmilch das Gesicht und die Hände weich und zart in jugendlicher Frische. 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