Neusser, Zeitung E#n gemt täglich mit Ausnahme der Sonnund Festtage. Dreis vierteljährlich in Neuß .50 Ulk., durch die Dost bezogen 1.65 Uk., mit Mustr Unterhaltungsblatt in Neuß 1.80 Ulk., durch die Dost bezogen 1.#5 Mk. Druck und Verlaa: R Noack, Uenß. Celephon No. 57. Amtliches Kreisblatt Anzeigen im lokalen Verkehr 12 Ofg. sons 5 Ofg., die rgespaltene Detitzeile oder deren Kaum. Aeklamen 50 Ofg., dieegespaltene Oetitzeile oder deren Raum. für die Redaktion verantwortl. R. Uoack. Expedition: Ueuß, Nenstraße Neo. 143. Dienstag, 27. Juni.(Ladislaus.) Berufstreue. Berufstreue ist das Geheimnis der Leistungsfähigkeit eines jeden, der in seinem Stand und Amt etwas Brauchbares leistet. Unsere Gaben und Kräfte sind für uns alle das Kapital, welches uns von höherer Hand zur Verwaltung anvertraut worden ist. Wir sind weder Eigentümer der Gaben und des Gutes, das uns geworden ist, noch Erzeuger der Anlagen des Geistes und Verstandes, der Gemüts= und Willenskräfte, die in uns stecken. Ein frommer Fürst hatte eine brennende Kerze in seinem Wappen und den Wahlspruch darunter: „Im Dienste anderer verzehre ich mich.“ Ein vielsagender Wahlspruch unseres Hohenzollerngeschlechts lautet:„Ich dien".“ Friedrich der Große nannte sich darum den ersten Diener des Staates. Der hochselige Kaiser Wilhelm I. sprach noch auf seinem Sterbebette:„Ich habe keine Zeit, müde zu sein.“ Von unserem jetzigen Kaiser rühmt sein Erzieher, daß in ihm, wie in allen Gliedern seines Geschlechts, das Pflichtgefühl die stärkste und wirksamste Triebfeder sei. Das ist königliche Berufstreue. Und wir haben alle Ursache, Gott zu danken, der unserm Staatswesen ein Geschlecht an die Spitze gestellt hat, dessen Glieder in solch ausgesprochener Weise ihren königlichen Beruf ausüben. Daß der eine in Reichtum und Wohlleben aufwächst, von treuen Eltern angehalten wird zu einem fleißigen Leben, der andere dagegen in Not und Elend aufwachsen und mit dem Leben ringen muß, um es zu etwas zu bringen, dazu hat weder jener noch dieser etwas getan. Es ist von höherer Hand also geordnet. Und schnell genug ändert dieselbe hohe Hand die Verteilung der Gaben und Güter dieses Lebens. Es geschieht oft in verhältnismäßig kurzer Zeit, daß der Reiche arm und klein, der Arme groß und reich gemacht wird. Forscht man aber nach, welchen Einflüssen ein Mensch seine geachtete Stellung, seine Wirksamkeit, seine Anerkennung zuzuschreiben hat, so findet man, daß es die Treue war, diese ganz allein, elche das Geheimnis des Erfolges in seinem ceben bildete. Treue im Beruf— kein größeres Lob, keine ehrenvollere Auszeichnung gibt es, die man uns nachsagen könnte. Wer sie ausübt, bei dem wird die Fülle der natürlichen Anlagen zu ihrer ganzen Schönheit gebracht, bei dem wird auch das geringe Maß von Fähigkeiten eine Quelle verhältnismäßig großer Leistungen. Treu aber sind wir, wenn wir stets von dem gewissenhaften Gedanken uns leiten lassen, daß alles dasjenige, was wir unter unseren Händen haben, nicht unser eigen ist, daß es uns vielmehr anvertraut ist, und daß der, welcher es uns anvertraut hat, darauf rechnet, daß wir damit handeln nicht nach unserm Willen, sondern nach seinen Anordnungen, zu seinem Vorteil, in seinem Interesse. Unser Beruf ist das uns von höherer Hand anvertraute Gut, bei dessen Verwaltung wir nur dann rechten Nutzen und innere Befriedigung, dazu ein gut Gewissen haben werden, wenn wir mit treuem Fleiß unsere Schuldigkeit in demselben tun. Es gehört wohl ein reiches Maß von Selbstzucht und Dienstwilligkeit dazu, um treu in seinem Berufe zu sein. Aber kein ander Ding hat auch reicheren Lohn aufzuweisen als redliche Berufs 31) Schloß Neuenhof. (Fortsetzung.) 13. treue. Sie ist schon in sich selbst das lohnendste Ding. Sie bringt anderseits uns reiche Anerkennung bei Gott und Menschen. Das Verhältnis zwischen den beiden Brüdern, das von jeher ein herzliches genannt werden konnte, war nach den letzten Ereignissen noch inniger geworden. Eberhard hatte nach seiner Wiederherstellung, die allerdings lange Zeit in Anspruch nahm, seine Lotte heimgeführt. Er bewegte sich mit dem künstlichen Bein ganz gut vorwärts, und wenn er auf seinen Stock gestützt, ein wenig hinkend zwar, doch gerade und aufrecht daherkam. so konnte der Uneingeweihte kaum ahnen, daß dem jungen Grafen das linke Bein fehlte. Lotte umgab den Gatten mit einer wahrhaft rührenden Sorgfalt. Sie wich nie von seiner Seite, und zumal in der ersten Zeit, wo er einer starken Stütze und Hülfe bedurfte, wurde die geduldige, stets heitere Gefährtin für ihn unentbehrlich. Er hatte sich so an sie gewöhnt, daß er sie nicht für eineStunde missen konnte, und„Heimchen", wie Gräfin Nina die jüngere Schwägerin nannte, mußte sich manche Neckerei gefallen lassen. Die beiden Frauen wurden, wie sich voraussehen ließ, eng befreundet. Obgleich die Wohnungen der zwei Familien durch den Mittelbau des Schlosses getrennt waren, sah man sich täglich und unterhielt sich über alles, was die große Wirtschaft mit sich brachte. Für Eberhard und seine jüngere Frau hatte man den östlichen Teil des Schlosses in Stand setzen lassen, während Arnold den westlichen Flügel bewohnte. Das Haus bot ungewöhnlich viel Raum. Manch heitere Stunde verlebte Lotte mit dem Gatten im Forsthause bei den Eltern. Von Robert hatte niemand wieder etwas gehört. Er war wie vom Erdboden verschwunden. Alle Nachforschungen blieben ohne Erfolg. Gräfin Nina war noch immer ein Gegenstand der allgemeinen Sorge. Sie sah stets blaß und Nachsitzen und Hausaufgaben der Schulkinder. Für die diesjährigen Kreis=Lehrerkonferenzen ist von der Königlichen Regierung zu Koblenz das Thema gestellt: Wie und insbesondere durch welche Unterrichtsfächer kann die Volksschule den Heimatssinn anregen und pflegen. Im Anschluß an die Behandlung dieses Gegenstandes auf der General=Lehrerkonferenz zu X. machte, wie die„K. V.“ schreibt, der Kgl. Kreisschulinspektor folgende Bemerkung, die u. E. eine weitere Verbreitung verdient:„Unsere Heimatsliebe beruht zum großen Teile auf der Erinnerung an eine froh verlebte Jugend. Sorgen wir also dafür, daß die Erinnerung an die Jugendzeit nicht vergällt werde durch übermäßige und unpraktische Hausaufgaben und zu häufiges und langes Nachsitzen der Schulkinder.“ Das sind Worte, denen nicht nur die Eltern, sondern auch die meisten Lehrpersonen zustimmen werden und die nicht nur für die Volksschule, sondern auch für die unteren Gymnasialklassen Geltung haben. Das wörtliche Auswendiglernen, namentlich der biblischen Geschichte, und zwar auch weniger bedeutungsvoller Stellen, ist auch heute noch in vielen Schulen im Schwange. Unser zehnjähriges Söhnchen plagte sich damit ab, die Lektion von Samson zu lernen. Auf unsere Frage, ob er das denn alles wörtlich wissen müsse, sagte der gequälte Junge:„Ja, es darf kein Wörtchen fehlen. Wer stecken bleibt, muß nachsitzen, und wir kommen alle ohne Ausnahme dran.“ Soll es denn wirklich für das Seelenheil der Kinder unbedingt notwendig sein, zu wissen und es genau hersagen zu können, daß Samson einmal 300 Füchse fing, sie mit den Schwänzen aneinander band u. s. w., und daß er im Tode noch mehr Menschen tötete als im Leben? Ebenso wenig ist es unseres Erachtens nötig, daß die Volksschüler die Lektionen über die Bekehrungsreise des hl. Paulus genau auswendig lernen. Wer nicht unserer Ansicht ist, möge sich diese Lektionen doch einmal genau ansehen und, sofern er Zeit dazu hat, es versuchen, alle die schwierigen Ortsnamen u. s. w. sich einzuprägen. Auch in anderen Unterrichtsfächern wird zu viel Gewicht auf den Wortlaut gelegt. Wo stundenlanges Hersagen im Unterrichtsbetriebe üblich ist, bleibt naturgemäß für die weit wichtigere Vermittlung des Verständnisses und die Anwendung auf das Leben wenig Zeit übrig. Das lange Nachsitzen ist zumeist die Folge des übermäßigen Auswendiglernens. Um die in jenem enthaltene Härte recht verstehen zu können, muß man sich einmal vergegenwärtigen, was so ein Schulkind tagsüber zu leisten hat. Nehmen wir einmal die Verhältnisse an, wie sie in den Rheindörfern fast allgemein bestehen. Die Kinder stehen im Sommer 5½ Uhr auf und gehen um 6¼ Uhr in die hl. Messe. Von 7—10 Uhr besuchen sie die Schule. Ein großer Teil der Kinder, uno zwar schon von sechs oder sieben Jahren an, geht um 11 Uhr Essen tragen, sei es dem Vater oder Bruder oder gegen Vergütung einem Nachbar oder Bekannten, oft eine halbe bis dreiviertel Stunde weit. Um 12½ Uhr kommen sie müde und erhitzt nach Hause. Kaum finden sie Zeit, das Mittagsmahl einzu leidend aus und durfte nie aufgeregt werden. Oft litt sie tagelang an Migräne, die Nerven machten ihr viel zu schaffen. Dann lag sie in ihrem verdunkelten Zimmer, ohne sich zu rühren. Die Aerzte schlugen dem besorgten Gatten vor, ein Seebad aufzusuchen, aber sie wollte nicht darauf hören. Sie trennte sich zu schwer von ihrem. geliebten, stillen Neuenhof. Ihr trauliches Heim wollte sie um keinen Preis verlassen. Sie war eine zarte, schwächliche Frau und haßte den Trubel des gesellschaftlichen Lebens. Sie sah nur selten mehr Gäste um sich. Graf Arnold trug ihren Wünschen nach Einschränkung der gesellschaftlichen Pflichten freundlich Rechnung, wie ihm überhaupt ihre Wünsche stets Befehl waren. „Du solltest dich nicht so völlig abschließen,“ meinte er zwar öfters,„es wäre besser, du suchtest Zerstreuung,“ aber sie schüttelte den Kopf zu allen Ratschlägen. „Laß es nur, wie es ist,“ lächelte sie dann, „mein Heim und meine Kinder sind meine Welt, mehr brauche ich nicht. Die Welt, die da draußen liegt, liebe ich nicht, und die Menschen mit ihrer ewigen Jagd nach Vergnügungen, nach Gold, Ehre und Ansehen— ich brauche sie nicht. Laß mich abseits bleiben von dieser Welt des Scheins und der Lüge.“ Jedesmal berührte es den Grafen peinlich, wenn er seine Frau so reden hörte, und besonders wenn sie das Wort„Lüge" aussprach. Immer nahm er sich dann vor, ihr alles zu erklären. Hatte er sie nicht belogen? Was würde sie sagen, wenn sie die Wahrheit erfuhr? Eberhard, den Arnold ins Vertrauen gezogen, riet ebenfalls dringend, nicht länger zu zögern. Erfahren mußte Nina es doch einmal, daß Hella nicht ihr eigenes Kind sei. Eberhard hatte diese Nachricht freilich mit großem Staunen ausgenommen. Er ahnte bis dahin nichts davon, daß Hella sozusagen auf der Straße gefunden worden war, und zürnte seiner Lotte beinahe ein wenig, weil sie ihm gegenüber das Geheimnis so streng bewahrt hatte. nehmen, denn um 1 Uhr beginnt ja die Schule wieder. Nach Schluß des Unterrichts, also nach 4 Uhr, müssen viele Kinder ihren Eltern helfen, oft bei recht schwerer Arbeit. Wo bleibt da den Schulkindern noch Zeit zu umfangreichen Schularbeiten? Ist es nicht hart, sie morgens von 10—11 oder nachmittags nach 4 Uhr noch lange nachsitzen zu lassen? Wir wissen aus eigener Erfahrung sehr wohl, daß die Lehrpersonen bei dem hochgeschraubten Ziele unserer Volksschule einen schweren Stand haben, auch soll gegen das Auswendiglernen an sich nichts eingewendet werden, aber die Hauptsache ist doch das Verständnis und die Einwirkung auf das Gemüt und namentlich den Willen des Kindes. Diese Momente aber werden durch allzuvielesAuswendiglernen nicht gefördert. Politische Nachrichten. Deutschland. — Auf die Initiative des Ministers der öffentlichen Arbeiten ist, wie die„Berl. Pol. Nachr.“ mitteilen, die Herstellung einer Betrieb= und Finanzgemeinschaft zwischen den staatlichen und kommunalen Rheinhäfen im Industriegebiet in der Art vereinbart worden, däß, wie dies ja auch bei der preußisch=hessischen Eisenbahngemeinschaft der Fall ist, der Betrieb und die Verwaltung der gesamten Hafeneinrichtungen auf gemeinsame Rechnung von den Organen des preußischen Staates geführt werden. Daß die Vereinigung der Verwaltung dieser Häfen in derselben Hand, die auch die anschließenden Bahnen leitet und verwaltet, dem Staate zugleich eine wesentliche Verstärkung des Einflusses auf die Gestaltung der Frachten im Umschlagverkehr, insbesondere auch auf dem Rheine, sichert, mag nur, so heißt es weiter in der offiziösen Auslassung, nebenher erwähnt werden. — In letzter Zeit sind hin und wieder Andeutungen aufgetucht, als ob wir einem Kriege entgegengingen. Es sind dies natürlich Hirngespinste einzelner Bierbankpolitiker. Recht auffällig nimmt sich aber mit Rücksicht hierauf eine Rede des französischen Kriegsministers aus, die sehr an das berühmte Archipret vor dem Ausbruch des deutschfranzösischen Krieges im Juli 1870 erinnert. Es wird aus Versailles gemeldet: Versailles, 26. Juni. Bei der heutigen Jahresfeier der Geburt des Generals Foche hielt Kriegsminister Berteaux eine Rede, worin er u. a. sagte: Ich will nichts sagen, was eine Anspielung auf die gegenwärtige Stunde sein könnte. Und doch, ist es nicht etwas Verbrecherisches, Furcht zu säen und Mißtrauen einzuflößen? Ich kann im Gegenteil sagen, Dank der seit 35 Jahren gemachten Anstrengungen ist unser Kriegsmaterial ersten Ranges, unser Proviant voll zur Stelle; unsere Offiziere können einen Vergleich mit denen der ganzen Welt aushalten. Frankreich handelt zum Zweck des Fortschritts und läßt sich leiten von dem Gefühl der allgemeinen Freiheit und Brüderlichkeit.— Man könnte fast meinen. Man befand sich bereits im Spätherbst. Rauh blies der Wind von den Bergen her und machte dem Aufenthalt im Freien ein Ende. Dennoch tummelten sich die Kinder noch täglich um die Mittagszeit eine Stunde im Garten. Die kleine Pforte, die auf das Bahngleise führte, und die für Hänschen beinahe verhängnisvoll geworden wäre ließ Graf Arnold nach dem Unfall sofort beseitigen. So durfte man die Kleinen ruhig ihren Spielen überlassen. Gräfin Nina stand am Fenster und sah ihrem übermütigen Treiben zu. Man hörte das laute Lachen Hellas, wenn es ihr gelungen war, Hänschen zu haschen. Der kleine Bursch blieb gegenüber dem flinken, leichtfüßigen Mädchen stets im Nachteil, denn seine dicken, kurzen Beinchen gestatteten ihm nicht, sich so rasch zu bewegen. Hella dagegen war graziös und zierlich, ein reizendes herziges Ding, das sich aller Herzen im Sturm gewann. Nur Graf Arnold blickte das Mädchen manchmal finster an, so daß es sich beinahe fürchtete und sich dann hinter die Mama versteckte. Heute überließ sich die Kleine sorglos dem übermütigen Spiel, denn sie wußte, daß der Papa, der sie hierüber tadelte, nicht zu Hause war, und die gute Mama, die sie so schrecklich lieb hatte, sie lächelte nur, wenn sie es am tollsten trieb. Verschiedene Male warf Hella der blassen Frau am Fenster Kußhändchen zu, wenn sie vorbeisprang. Hänschen ahmte es drollig nach, dann liefen sie zusammen weiter, mit dem Winde um die Wette. Sie schlürften lachend durch die großen Haufen dürren Laubes, welches der Gärtner in der Lindenallee zusammengekehrt hatte, und wühlten es mit den kleinen Füßen wieder auseinander. Sie freuten sich, wenn es raschelte und knisterte und vom Winde fortgetragen nach allen Richtungen zerstreut wurde. Im Eifer des Spiels bemerkten sie den Fremden nicht, der schon eine geraume Weile am Eingang der Allee stand und ihnen zusah. Der Mann beobachtete aufmerksam das kleine Mädchen, dessen rötliche Locken im Winde 1905. 80. Jahrg. — Das Kommunalsteuerprivileg der Beamten scheint man in Preußen demnächst aufheben zu wollen. Eine offiziöse Korrespondenz weist darauf hin, daß die Regierung letzthin im Landtage nur die Schwierigkeit der Entschädigung als Hindernis für die Aufhebung des Privilegs hingestellt, sich aber nicht grundsätzlich für die Beibehaltung ausgesprochen hat. Gelingt es, die Beamten, Geistlichen und Lehrer für den mit einer Beseitigung ihrer Steuervorrechte verbundenen Ausfall an Einkommen demnächst zu entschädigen, so würde diese Beseitigung möglichst bald erfolgen. — Ueber die Tätigkeit der Schiedsmanner im Jahre 1904 bringt das„JustizMin.=Bl.“ eine Uebersicht, wonach die Zahl Schiedsmänner in Preußen am Jahresschlusse 18 331 betrug, gegen 18 311 am Ende des Jahres 1903. Im einzelnen wird über ihre Wirksamkeit mitgeteilt: Wegen Beleidigung und Körperverletzung wurden im ganzen 204 354 Sachen vor die Schiedsmänner gebracht gegen 200 113 im Vorjahr, 195613 im Jahre 1902 und 187 476 im Jahre 1900. Zu einer Sühneverhandlung zwischen beiden im Termin erschienen Parteien kam es jedoch nur in 101 075 im Vorjahre in 100004) Fällen, und durch Sühnevergleich mit Erfolg erledigt wurden 61 671(im Vorjahre 61 552) Sachen. Die Inanspruchnahme der Schiedsmänner in bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten zeigte einen weiteren Rückgang. Auf alle Schiedsmänner kamen nur 7492 derartige Sachen gegen 8605 im Vorjahre. Zu der angesetzten Sühneverhandlung erschienen beide Teile in 4817(1903 in 5485) Fällen, und von diesen wurden durch Vergleich erledigt 3595(4014) Fälle, d. h. also durchschnittlich 0,19 Fälle auf jeden Schiedsmann. — Nach der Fachzeitschrift„Glückauf“ sind im Ruhrrevier am 19. Januar, der den Höhepunkt der Bewegung bezeichnet, 205000 Bergarbeiter im Ausstande gewesen. Die unterirdische Belegschaft war viel stärker an dem Ausstande beteiligt als die Arbeiter über Tage; am 19. Januar befanden sich von ersterer 87,43 v. H. und von letzterer dagegen nur 41,60 v. H. im Ausstande. Während desselben betrug der Schichtenausfall für die unteri rdische Belegschaft rund 4 136000 und für die über Tage beschäftigten Arbeiter rund 485000 Mark. Legt man bezüglich der Zusammensetzung der Gesamtbelegschaft des Oberbergamts Dortmund die amtlichen Ermittelungen für das vierte Quartal 1904 zu Grunde, so ergibt sich für die unterirdisch beschäftigten Arbeiter, die eigentlichen Bergarbeiter, ein Lohnausfall von 12617·000 Mark, für die sonstigen unterirdischen Arbeiter ein solcher von 5 062000 Mark, für die über Tage beschäftigten erwachsenen Arbeiter von 1 385000 Mark und für die jugendlichen Arbeiter von 89 000 Mark. Der Gesamtlohnausfall stellt sich demnach auf rund 19 Millionen Mark. Amerika. Newyork, 26. Juni.„World“ berichtet aus Washington: Präsident Roosevelt sandte eine Anzahl Beamte nach Deutschland und andern europäischen Ländern für das Studium der kommerziellen Verhältnisse zur Hebung des amerikanischen Handels. Die Beamten reisen als Privatleute. flatterten und dessen Wangen glühten vor Lust. Der Fremde trug einen grauen, fadenscheinigen Anzug, der wohl früher einmal elegant gewesen sein mochte, aber jetzt an Farbe und Fasson viel verloren hatte. Der große, schwarze Schlapphut wies ebenfalls verschiedene Flecke und manchen kleinen Riß auf, und die Wäsche war zerdrückt und zerknittert. Der Mann machte keinen vertrauenerweckenden Eindruck, das mochte auch Hella fühlen, als er jetzt näher trat und sie bei der Hand fassen wollte. Die Kleine wich scheu zurück. legte trotzig die Hände auf den Rücken, stellte sich aber, wie um Hänschen zu schützen, dicht neben den Knaben hin. „Potztausend, das kleine Fräulein scheint ja sehr spröde zu sein,“ rief der Fremde mit breitem Lachen,„na, komm einmal her, ich tu dir nichts, sag mir, wie du heißt.“ „Hella heiß ich,“ rief das Mädchen, aber es rührte sich nicht von der Stelle. Blitzschnell trat der Mann auf die Kinder zu, haschte das Mädchen am Kleid, drückte es fest an sich und wollte es küssen. Aber Hellg schrie laut auf, und in demselben Augenblick kam auch ein Diener vom Schloß her gerannt und fuhr den Eindringling barsch an: „Was suchen Sie hier? Was haben Sie mit den Kindern zu schaffen?— Sofort entfernen Sie sich, wenn Sie nicht wünschen, daß wir Gewalt anwenden!" Der Angeredete lachte. Seine rotumränderten Augen sahen den Diener keck an. „Mit dem Jungen hier habe ich nichts zu tun, mit dem Mädel dagegen sehr viel! Doch das geht Sie nichts an! Ich will mit dem Grafen Reutlingen sprechen!“ Der Diener mochte glauben, es handle sich um eine Bettelei, denn er beobachtete den vor ihm Stehenden von oben bis unten mit geringschätzigen Blicken, ehe er antwortete: „Der gnädige Herr Graf ist nicht zu Hause.“ Brüssal, 26. Juni. Der Dampfer Léopoldville brachte gestern aus dem Kongostaate folgende Nachrichten: Der Sultan Dschobbir hat sich gegen die Verwaltung des Uellebezirks aufgelehnt. Seine Residenz wurde von der Schutztruppe erstürmt und besetzt. Dabei wurden 25 Mann der Schutztruppe, der Artilleriehauptmann Holm(ein Däne) und ein belgischer Leutnant verwundet. Der Kommissar des Bangalabezirks hat mit 600 Mann einen Strafzug nach dem Itimbiri=Gebiet unternommen. Der Unterleutnant Massart und ein Agent der Abir=Gesellschaft, die auf Veranlassung der internationalen Untersuchungs=Kommission in Haft genommen worden waren, wurden in Boma wegen Mißhandlung von Eingeborenen zu je zehn Jahren Strafarbeit verurteilt, ein anderer Agent zu sechs Monaten. Ueber den Bericht der Untersuchungskommission verlautet, daß er demnächst dem Könige werde vorgelegt werden, und daß dann seine Veröffentlichung zu erwarten sei. Der russisch=japanische Krieg. — Alle Berichte vom Kriegsschauplatze stimmen darin überein, daß die Japaner seit Wochen zu einem großen Schlag ausholen und daß die russische Armee sich zurzeit bereits in ungünstiger Lage befindet. Man nimmt an, daß die sechste japanische Armee, die von Ostkorea aus auf dem Marsch nach Karin ist, auf dem Schlachtfelde demnächst ankommen wird. Nach den letzten Berichten befindet sie sich rund 180 Kilometer von dem äußersten rechten japanischen Flügel entfernt und schiebt sich auf der Straße von Könsöng nach Kirin in nordwestlicher Richtung vor. Die japanischen Stellungen ziehen sich in langer Linie von der mongolischen Grenze westlich Tschantu bis in die Nähe von Hailuntschön, und zwar befindet sich auf dem äußersten linken Flügel in rückwärtiger Stellung General Oku mit der dritten Armee, nach rechts an schließt sich Nogi mit der zweiten und westlich der Eisenbahn Nodzu mit der vierten, darauf Kuroki mit der ersten und Kavamura mit der fünften Armee. Letzterem gegenüber und zwar in dauernder Fühlung mit ihm, befindet sich das gemischte Korps des Generals Rennenkampf. General Kuropatkin mit der ersten Armee befindet sich auf dem linken Flügel an der Straße von Korsa nach Hailuntschön, General Radjeloff im Zentrum an der Eisenbahn bei Söpinghai und General Kaulbars mit der zweiten auf der Straße Mitschenko mit seiner Kavallerie ein, der angeblich den Japanern durch permanente Vorstöße hart zusetzen soll. Das Hauptquartier der Russen befindet sich in Gunschulin an der Eisenbahnlinie, etwa 30 Kilometer rückwärts der eigentlichen Hauptstellung. Starke Reserven sollen sich bei Tschantschun und vor allem in Charbin, in letzterem Orte allein 50000 Mann, befinden; stark militärisch besetzt ist außerdem Ningota und der Bezirk von Wladiwostok. Außerdem soll eine größere russische Heeresabteilung von Wladiwostok nach Korea vorgedrungen sein und sich zurzeit bei Linson unweit Köngtsong etwa 150 Kilometer südlich des Thermenflusses befinden. Für einen eventuellen Rückzug der Russen sollen bei Kirin und Charbin starke Befestigungswerke errichtet sein. Tokio, 25. Juni. Amtlich wird gemeldet: Der Feind, der eine Anhöhe nordwestlich von Nanschaucheutzu besetzt hatte, wurde am Nachmittag des 22. Juni angegriffen und vertrieben. Ein Teil des Feindes, der die Anhöhen im Westen besetzt hielt, leistete aber hartnäckigen Widerstand. Die Stellung wurde schließlich durch einen Sturmangriff genommen. Eine andere feindliche Abteilung, die die Anhöhen im Norden besetzt hatte, wurde von der Front angegriffen. Gleichzeitig machten die japanischen Truppen eine Umgehungsbewegung von Nordosten aus, schnitten den Russen den Rückzug ab und brachten ihnen große Verluste bei. Der Feind hißte in seiner Verwirrung die Flagge mit dem Roten Kreuz, doch hörten die Japaner nicht auf zu feuern. Die Russen flohen in Verwirrung nach Norden. Ihre Stärke betrug etwa 3000 Mann an Infanterie und Kavallerie und mehrere Geschütze. Der Feind ließ 50 Leichen zurück; seine Gesamtberluste betrugen reichlich 200 Mann. Japanischerseits waren die Verluste unbekannt. Petersburg, 26. Juni. General Linjewitsch telegraphierte dem Kaiser unter dem 23. ds.: Bei den Armeen sind keine Veränderungen eingetreten. Nach dem Vormarsch der Japaner gegen unsern rechten Flügel, worüber schon berichtet worden ist, rückte der Gegner auch gegen die Linie östlich von der Eisenbahn vor. Seit dem Morgen des 19. Juni bemerkten die Kosaken, daß der Gegner mit überlegenen Streitkräften vorging; sie zogen sich daher langsam zurück. Als unsere Reiterei Verstärkung erhalten hatte, ging sie zum Vormarsch über. Die Japaner zogen sich schnell zurück. Sie gingen, von unserer Reiterei verfolgt, nach Süden, und am Morgen des 20. Juni besetzte unsere Reiterei einen Teil der früher von ihr gehaltenen Punkte. In der Richtung der Mandarinenstraße erfolgte ein sehr energischer Vorstoß der Japaner mit einigen Bataillonen Infanterie. Singapore, 25. Juni. Der holländische Dampfer Perlak brachte heute die Mannschaften des englischen Dampfers Ikhona an Land, der am 5. ds. durch den russischen Kreuzer Terek 150 Meilen nördlich von Hongkong zum Sinken gebracht worden ist. Die Mannschaft war auf den Perlak übergeführt worden, der den Terek am 19. ds. getroffen hatte. Die Ikhona war mit Postsachen und einer Ladung Reis von Rangoon nach Yokohama bestimmt. London, 26. Juni. Der Daily Telegraph meldet aus Tokio, die Vorverhandlungen über den Frieden nähmen ihren ungestörten Fortgang, und es sei von der einen oder anderen Seite bald eine bestimmte Mitteilung über ihren Verlauf zu erwarten. „Dann vielleicht die Gräfin? Melden Sie mich bei ihr.“ „Ich glaube nicht, daß die Frau Gräfin Sie empfangen wird.“ „Was Sie glauben oder nicht, ist mir egal, jetzt gehen Sie und tun Sie Ihre Pflicht.“ Zögernd entfernte sich der Diener mit den Kindern, nachdem der Fremde eine Karte aus der Tasche gezogen und diese übergeben hatte. Kopfschüttelnd las die Gräfin den Namen „Ludwig Mattern." „Wie sieht der Mensch denn aus?“ fragte sie den Diener. „Wenig vertrauenerweckend, gnädige Gräfin.“ Sie überlegte.„Ein frecher Mensch,“ murmelte sie halblaut,„er wird wieder betteln wollen.“ Sie war zu dem Entschluß gekommen, ihm eine Unterstützung zuteil werden zu lassen und befahl dem Diener, Mattern eintreten zu lassen. Der Diener machte ein etwas erstauntes Gesicht und entfernte sich. Gleich darauf stand Ludwig Mattern vor ihr. Sie bereute fast, ihrem guten Herzen gefolgt zu sein, als sie den Mann im schäbigen Anzug und dem verdrückten, verschossenen Hut eintreten sah. Er war ihr beinahe unheimlich und wurde es noch mehr, als er gleich begann:„Ich glaube das Richtige getroffen zu haben, wenn ich annehme, daß das reizende Mädchen, welches mir da unten im Garten begegnete, meine Tochter ist. Sie wird einst ein Schönheit werden, denken Sie nicht auch, Frau Gräfin?“ Verwirrt blickte Nina auf den Mann. Sie fürchtete, er sei nicht recht bei Sinnen, und wußte kaum, was sie antworten sollte. „Warum sehen Sie mich denn so eigentümlich an?“ fuhr er gleich darauf fort.„Nun ja, ich gestehe, mein Anzug ist nicht ganz salonfähig, aber du lieber Gott, bei dem Leben, das ich in letzter Zeit zu führen gezwungen war, geht es eben nicht anders. Ein paar Monate lag ich krank, da sind die Ersparnisse gleich beim Teufel. Viel kann sich Die Unruhen in Rußland. Petersburg, 25. Juni. Gegenüber falschen Deutungen der Rede des Zaren an die Semstwovertreter erklärt die Petersburger Telegraphenagentur: Der Zar hält an der Notwendigkeit der Einführung einer konsultativen Vertretung fest, die den von den Semstwovertretern ausgesprochenen Bedürfnissen des Landes entspricht; es handelt sich aber nicht um eine völlige Umgestaltung der Staatsverfassung. Warschau, 26. Juni. In Ausführung eines kaiserlichen Ukases proklamierte der Generalgouverneur Maximowitsch den Kriegszustand in Lodz. General Schutleworts ist zum Kommandanten von Lodz ernannt worden. Lodz, 26. Juni. Bei den letzten Unruhen wurden 345 Juden und 218 Christen getötet und insgesamt 700 Personen verwundet. Die Arbeit in den Fabriken ist wieder ausgenommen worden. Lodz, 26. Juni. Die polnisch=sozialistische Partei hat eine Proklamation unter den Soldaten verbreitet, in der diese aufgefordert werden, bei den Kämpfen nicht auf die Arbeiter zu schießen. Sie sollten sich nicht zum Werkzeug der diebischen Beamten, der Gendarmerie und der Schergen des Zaren machen und nicht vergossenes Volksblut auf ihr Gewissen nehmen. Sie sollten nicht die Mörder der eigenen Brüder sein. Die Proklamation schließt mit den Worten:„Nieder mit dem Absolutismus. Es lebe die Revolution.“ Von Nah und Fern. * Düsseldorf, 24. Juni. Der Bureauvorsteher Johann Oedekoven sowie der Bureaugehülfe Ludwig Priesmeyer hatten sich in Diensten des hiesigen Rechtsanwalts Dr. Westhaus bedeutende Unterschlagungen zu Schulden kommen lassen, Oe. etwa 6000 Mark Klientengelder, Pr. einige Hundert Mark aus der Portokasse. Die Strafkammer hierselbst beschäftigte sich heute mit der Angelegenheit und erkannte gegen Oe. auf 1 Jahr, gegen Pr. auf zwei Monate Gefängnis. Düsseldorf, 25. Juni. Unsere Stadt wird nun doch ein neues größeres Warenhaus in modernem Stil und großen Dimensionen erhalten. Es handelt sich um dasselbe Projekt, für welches das Grundstück des alten Gymnasiums vorgesehen war. Da jedoch dieses Gelände für den Zweck nicht erhältlich war, wird das Warenhaus in allernächster Nähe errichtet werden. Mit dem Bau wird alsbald begonnen. * Düsseldorf, 26. Juni. An einem Hause in der Gneisenaustraße wurde heute früh ein 22jähriger Mann in einer Blutlache liegend tot aufgefunden. Es wird angenommen, daß der Unglückliche aus einem Flurfenster der zweiten Etage gestürzt ist und dabei einen Schädelbruch erlitten hat, infolgedessen er starb. Die Leiche wurde zum Nordfriedhofe gebracht. * Düsseldorf, 27. Juni. Am Montag Morgen erschoß in einem Hause an der Luisenstraße ein unsereiner ja nie auf die Seite legen, dazu sind die Ausgaben zu groß. Sie werden sich gewiß gewundert haben, daß ich lange nichts mehr von mir hören ließ. Das kam daher, daß ich mich überreden ließ, nach Amerika zu gehen. Ich schloß mich einer reisenden Theatergesellschaft an, der Direktor trug damals die Kosten der Ueberfahrt, so versuchte ich drüben mein Glück, mit welchem Erfolge,— das sehen Sie. Es war nichts. Ich habe alles versucht,— umsonst. Kaum so viel verdiente ich, um mich satt zu essen. Na, da nahm ich auf einem Schiff die Stelle eines Kohlenträgers an und kehrte so nach Deutschland zurück. Ich bin stets ein Pechvogel gewesen. Aber später, wenn meine Tochter erwachsen ist, hoffe ich, soll es mir besser gehen. Ich will eine Künstlerin aus ihr machen, die die Welt in Erstaunen setzt. Vorläufig mag sie ja noch in dem stillen Asyl bleiben, wo sie bisher so gut aufgehoben war, aber sie muß bald anfangen, sich auf ihren zukünftigen Beruf vorzubereiten. Je eher sie beginnt, desto besser ist es! Aber jetzt, bitte, lassen Sie mir das Mädchen rufen, damit es endlich seinen Vater kennen lernt.“ Die Gräfin saß ganz starr auf ihrem Platze. Sie wußte nicht, was sie von den Worten des Mannes halten sollte. Daß Mattern im Kopfe nicht ganz beisammen war, stand bei ihr fest. Deshalb glaubte sie, auf seine Idee eingehen zu müssen. „Ich wußte gar nicht, daß Sie eine Tochter haben," begann sie nach einer kleinen Pause zögernd, indem sie den vor ihr Stehenden nicht aus den Augen ließ, um gegebenenfalls sofort einen Diener herbeizurufen. Mattern mochte eher alles andere, als diese Rede erwartet haben. „Aber Frau Gräfin, ich verstehe Sie nicht! Meine Tochter lebt doch hier im Schlosse, schon fast so lange sie auf der Welt ist! Ich gestehe, ich habe damals schlecht an der eigenen Frau und dem neugeborenen Kinde gehandet, als ich sie im Stiche ließ, aber die Not zwang mich eben dajungerMann zuerst seine Braut und dann sich selbst. Aus einem hinterlassenen Briefe ist zu ersehen, daß beide freiwillig in den Tod gingen. Nähere Gründe über die Verzweiflungstat sind nicht angegeben. * K r e f e l d, 2 6. J u n i. E i n„ M a r i e n h e i m“( M u t terhaus Neuß), ein Pflegeheim für Pensionärinnen und stellenlose Mädchen, welches mit einem Kostenaufwande von 250 000 Mark nach den Entwürfen des Architekten Panen=Düsseldorf errichtet wurde, ist heute feierlich durch ein Festessen und Festakt im eigenen Saale des Instituts eröffnet worden. Die weiblichen und kirchlichen Behörden, u. a. Oberbürgermeister Dr. Oehler, nahmen an der Feier teil. * M.=Gladbach, 24. Juni. Ein zehnjähriger Knabe, der mit einem Fuhrmann zu einer Sandgrube gefahren war, lief in dem Augenblick, als die Karre wieder abfuhr, einen Hügel hinunter auf dieselbe zu, stürzte aber dabei so unglücklich, daß ihm die Räder den Kopf zertrümmerten. Der Tod trat sofort ein. * Duisburg, 24. Juni. Wegen Gottesdienststörung verurteilte die Strafkammer den Bergmann Wilhelm Janzen zu drei Monaten Gefängnis. Der Mann hatte in der katholischen Kirche zu Altstaden während des Gottesdienstes gerufen:„Hoch Bebel!“ * H o m b e r g, 2 6. J u n i. H e u t e N a c h m i t t a g e n t l u d sich hier ein schweres Gewitter. Der Ackerer Wilhelm Scherpenberg aus Scherpenberg wurde beim Grasmähen vom Blitze erschlagen. * Barmen, 26. Juni. Die Barmer Bäckerei= und Konditorei=Ausstellung ist gestern Abend geschlossen worden. Um 9 Uhr versammelten sich auf ein Trompetensignal in der Ausstellungshalle die Komitee- Mitglieder, Aussteller und zahlreiches Publikum. Herr Stadtverordneter Finkentey hielt dann eine kurze Ansprache. Lebhafter Beifall folgte derselben, dann wurden die Hallen geschlossen. Auf dem Festplatz herrschte noch einige Stunden festliches Treiben. Die Ausstellung war am Samstag von 1600, gestern von 3500 Personen besucht, außerdem wurden 1000 Karten zum Festplatz ausgegeben. Insgesamt wurden, nach vorläufiger Rechnung, während der Ausstellung ausgegeben: 22 899 Tageskarten, 500 Passe=Partouts, 3000 Karten zum Festplatz. Es ist ein Ueberschuß zu erwarten. * Witten, 24. Juni. Passanten der hiesigen Ruhrbrücke vernahmen gestern Abend gegen. 11 Uhr das herzzerreißende Geschrei eines Kindes. Beim Näherkommen gewahrten sie eine junge Frau, die im Begriff war, ihr etwa 4jähriges Töchterchen von der Brücke aus in die Ruhr zu werfen. Das Kind hatte das Vorhaben der Mutter erraten, es sträubte sich unter heftigem Geschrei und bat, sie möge es doch nicht ins Wasser werfen. Auf Befragen nach dem Grunde ihres Vorhabens gab die Frau an, sie sei von Remscheid und habe bei hier wohnenden Verwandten Unterschlupf gesucht, aber nicht gefunden. Sie werde von ihrem Manne, den sie als Witwer mit sechs zum Teil schon erwachsenen Kindern geheiratet habe, fortgesetzt mißhandelt und von den Kindern nicht als Mutter geachtet. Aus Verzweiflung habe sie nun den Tod in den Wellen suchen wollen. Witten, 26. Juni. Als der Personenzug von Dortmund 1 Uhr 50 Min. in den hiesigen Bahnhof einlief, entgleiste ein Wagen 2. Klasse und schlug um, wodurch eine Anzahl von Fahrgästen mehr oder weniger schwer verletzt wurden. * G e l s e n k i r c h e n, 2 6. J u n i. I n d e m b e n a c h b a r t e n Erle wurde heute der 25jährige G. Tomczik tot aufgefunden. Wahrscheinlich ist er gestern auf der Heimkehr von einer Vergnügungsfahrt bei der Zechenbahn in den Graben gestürzt und hat das Genick gebrochen. * Essen, 26. Juni. An mehrere Großfirmen der rheinisch=westfälischen Eisen= und Stahlindustrie sollen vor einigen Wochen Anfragen aus Japan ergangen sein, aus denen auf beabsichtigte umfangreiche Bestellungen geschlossen werden konnte. Die Hoffnungen der deutschen Industrie haben sich indes, so wird der„Trem.“ berichtet, nicht erfüllt. Der größte Teil der von Japan zu vergebenden Lieferungen wird aller Wahrscheinlichkeit nach an amerikanische und englische Werke vergeben werden. Nur vereinzelte rheinisch=westfälische Firmen haben gut abgeschnitten. Einen ganz bedeutenden Auftrag soll die Feld= und Kleinbahnfirma Arthur Koppel erhalten haben; man spricht davon, daß es sich um einen Zuschlag von annärernd 150 Lokomotiven und Schienenmaterial im Gesamtwerte von 7 Millionen Mark handle. Auch die Gutehoffnungshütte in Oberhausen hat ansehnliche Aufträge aus Japan erhalten. * Steele, 25. Juni. Solide Hochzeitsleute waren es, die gestern hier in den Stand der heil. Ehe traten. Braut und Bräutigam gingen bis gegen 11 Uhr Vormittags ihrem Geschäfte als Milchverkäufer nach, dann begaben sich beide in ein Restaurant, legten ihr Hochzeitsgewand an und marschierten zum Standesamt und zur Kirche und etwa eine Stunde später saßen sie wieder in ihrer Alltagskleidung vergnügt lächelnd auf dem Wagen und bedienten die Kundschaft weiter. Solider kann der„schönste Tag“ des Lebens wohl nicht begangen werden. * D o r t m u n d, 2 6. J u n i. V e r g a n g e n e N a c h t k a m es in der Flor=Hirtenstraße zu einem Zusammenstoß zwischen zwei Schutzleuten und einer lärmenden Menschenmenge. Ein Schutzmann erhielt mehrere Messerstiche in den Kopf, während der andere mehrere Schläge an den Kopf erhielt. Die Täter sind nicht ermittelt. * Münster, 24. Juni. Der Stellvertreter des Chefs der Dortmund=Emskanal=Verwaltung, Herr Königl. Oberbaurat Hermann in Münster, wird, laut„W. M.“, ab 1. Juli d. J. nach Essen a. d. R. versetzt, um die Vorarbeiten für den Bau des Mittelland=Kanals zu leiten. Voraussichtlich werden noch mehrere Beamte des hiesigen Bureaus der Dortmund=Emskanal=Verwaltung ihrem bisherigen Chef nachfolgen, um ihm bei der Bildung eines neuen Bureaus daselbst behülflich zu sein. Die Inangriffnahme des Mittellandkanalbaues dürfte also in absehbarer Zeit zu erwarten sein. * Bingen, 26. Juni. Gestern Abend sind zwischen den Stationen Rhens und Kapellen acht Güterwagen eines Güterzuges entgleist. Die beiden Gleise waren gesperrt, die Reisenden stiegen an der Unfallstelle um. Ein Bremser wurde leicht verletzt. Heute Morgen 5 Uhr war ein Gleise wieder frei für eingleisigen Betrieb, das zweite Gleise wird voraussichtlich bis Mittag wieder fahrbar. * Trier, 24. Juni. In dem Hochwaldorte Malborn überfiel ein seit Jahren irrsinniger Mann seine Frau, betäubte sie durch Arthiebe und durchschnitt ihr dann den Hals. Der Täter wurde festgenommen. Trier, 26. Juni. In Prüm stürzte beim Bahnbau ein mächtiges Viaduktgerüst zusammen. Mehrere Arbeiter sind verletzt. Der Materialschaden ist groß.„ * S a a r b r ü c k e n, 2 6. J u n i. I m h i e s i g e n K r a n k e n hause griff in einem Anfalle von Geistesstörung ein Italiener mit einem Messer eine Krankenschwester an, die entsetzt flüchtete. Der Italiener sprang dann zum Fenster hinaus und blieb tot auf dem Hofe liegen. * K o p e n h a g e n, 2 6. J u n i. D a s d ä n i s c h e S c h u l schiff„Georg Stage“ wurde heute Nacht in der Holländer Tiefe bei Kopenhagen von dem englischen Dampfer„Ancona“ aus Leith angerannt und sank nach anderthalb Minuten. 22 Kadetten ertranken. 57 wurden gerettet. * Berlin, 26. Juni. Der Landtagsabgeordnete Dr. Mar Hirsch von der freisinnigen Volkspartei, der Mitbegründer der deutschen Gewerkvereine, ist auf einer Erholungsreise nach dem Süden in Frankfufrt a. M. schwer erkrankt und auf ärztliche Anordnung ins Sanatorium in Homburg gebracht worden. In seinem Zustande ist eine ernste Wendung eingetreten. * B r a u n s c h w e i g, 2 6. J a n. H e u t e N a c h m i t t a g e ½3 Uhr traf während eines heftigen Gewitters ein Blitzstrahl die katholische Kirche in Schladen und äscherte sie bis auf die Umfassungsmauern ein. * Leipzig, 25. Juni. Die hiesigen Stellmachergehülfen beschlossen, wegen der Ablehnung ihrer Lohnforderungen am Montag in den Streik einzutreten. * Bamberg, 25. Juni. Auf dem hiesigen Bahnhof hat sich der Apotheker Keil aus Buttenheim mit Morphium vergiftet. * Madrid, 25. Juni. Ein portugiesisches Fährboot über den Minfluß zwischen Monzon und Salvatierra kenterte, wobei zwanzig Personen ertranken.— Infolge des Nebels stieß der Panzer„Canarvon“ mit dem deutschen Postdampfer„Koblenz“ bei Ferrol zusammen. Der deutsche Dampfer ist unter der Wasserlinie beschädigt; die Passagiere, die seinen Unkergang befürchteten, begaben sich an Bord des Panzers. * Petersburg, 25. Juni. In den weit außerhalb der Residenz gelegenen Artilleriepolygon ereignete sich am Samstag eine furchtbare Explosion in der Füllabteilung, in der zwei Mann unter Leitung eines Obersten dreizöllige Geschosse zu Schießversuchen mit einem neu erfundenen Sprengstoff füllten. Alle drei sind tot, der Füllraum ist zerstört. zu. Elisabeth kränkelte, und befand sich stets in übelster Laune. Sie weinte immer und mich verdroß ihr Benehmen. Es fehlte nicht viel, und sie hätte einen ganz reich begabten Menschen aus mir gemacht. Für einen Künstler taugt es nicht, wenn man ihm alle Tage vorlamentiert. Das sah ich ein, und deshalb machte ich mich aus dem Staube. Daß meine Frau sich mit dem Kinde nach Neuenhof wenden würde, wußte ich im Voraus, denn schließlich konnte sie das kleine Mädchen, das kaum das Licht der Welt erblickt hatte, doch nicht verhungern lassen. Und wir besaßen damals gar nichts mehr. Auch daß man sie hier gut aufnehmen würde, sah ich voraus. Gewißheit erhielt ich allerdings erst, als ich nach langen Irrfahrten wieder einmal in meiner alten Wohnung vorsprach und mich dort erkundigte, was aus den Meinen geworden. Eine Nachbarin, die sich stets hilfreich gezeigt, wohnte auch dort, und händigte mir einen Brief meiner Frau aus, der mir nicht nachgeschickt werden konnte, da niemand meine Adresse kannte. Die gute Frau hatte die wenigen Zeilen Elisabeths sicher verwahrt. So erfuhr ich denn, was ich längst geahnt. Elisabeth teilte mir mit, daß sie das Kind nach Neuenhof bringen werde, und daß sie hoffe, dort ruhig sterben zu können. Als ich das erfuhr, war ich gerade wieder sehr schlecht bei Kasse. Ich mußte jede Ausgabe vermeiden, und so unterließ ich es, hierher zu reisen.“ „Elisabeth ist nie in Neuenhof eingetroffen," rief die Gräfin erregt, als Mattern eine kleine Pause machte. „Aber gnädige Gräfin, ich weiß nich, weshalb Sie die Sache leugnen wollen. Daß Sie sich an das Kind gewöhnt haben, und es gern behalten möchten, ist ja begreiflich. Aber ich sage Ihnen im Voraus, es hilft Ihnen nichts. Das Mädchen ist mein, ich gebe es nicht her, denn in ihm ruht die ganze Hoffnung auf meine Zukunft, ich mache die Rechte des Vaters geltend! Das Kind wird als gefeierte Künstlerin ein Vermögen verdienen, denn es verspricht dereinst sehr schön zu werden. Und wenn es in meine Schule geht, kann es nicht fehlen, denn ich bin ein wirklicher Künstler.“ Er warf selbstbewußt den Kopf in den Nacken. Die Gräfin starrte ihn noch immer verständnislos an. „Machen Sie mit Ihrer Tochter, was Sie wollen, aber mich lassen Sie in Ruhe," begann sie endlich ungeduldig.„Ich weiß nichts von ihr und wünsche, daß Sie mich nicht länger belästigen.“ „Aber Frau Gräfin, sehen Sie denn noch immer nicht ein, daß Ihnen das Leugnen nichts hilft,“ sagte Mattern ruhig.„Ich beabsichtige durchaus nicht, das Kind jetzt schon mit mir zu nehmen, Sie können die Kleine noch mehrere Jahre behalten, jetzt ist sie noch zu jung für den zukünftigen Beruf. Ich wollte die Gräfin nur aufmerksam machen, daß iich über die Zukunft meiner Tochter allein zu entscheiden habe, damit Sie wissen, wie Sie daran sind. Ich schrieb in diesem Sinne auch an Ihren Herrn Gemahl, der nicht abgeneigt schien, das Mädchen zu adoptieren. Aber dazu gebe ich meine Einwilligung nie aus den bereits angegebenen Gründen.“ Nina wurde ganz wirr im Kopfe. „Sie schrieben an meinen Gatten wegen Ihrer Tochter? Davon hörte ich nie ein Wort.“ „Natürlich schrieb ich ihm. Er bat, ich möge ihm noch Zeit lassen, das Kind sei auch noch zu klein, um irgend welche Bestimmungen bezüglich seiner Zukunft zu treffen.“ „Das ist ja nicht möglich— es kann nicht sein, hier liegt bestimmt ein Irrtum vor. Daß ich von der Sache etwas wissen mußte, das sehen Sie doch ein. nicht wahr? Aber ich finde mich nicht zurecht; ein Kind von Ihnen habe ich nie gesehen, es lebte nicht in unserem Hause. Daß Ihre Gattin starb, teilte mir mein Gemahl mit, was also wollen Sie von mir?“ (Fortsetzung folgt.) ge N Avignon, 26. Juni. Zu dem Spionagefall wird berichtet, daß dem Sergeanten wahrscheinlich nur Nachlässigkeit im Dienst zur Last gelegt wernn. Man vermutet, daß die übrigens ziemlich unwichtigen Schriftstücke, die in einem einfachen Schrank aufbewahrt wurden, von itgliepischen Arbeitern, die in der Kaserne arbeiten beschäftigt waren, entwendet worden seien. Lokales. Neuß, 27. Juni. * Vom Wetter. Höchste Temperatur am gestrigen Tage 18 Grad über Null, niedrigste in vergangener Nacht 10 Grad über Null, heute Morgen 8 Uhr 12 Grad über Null. Barometer 2 Millimeter efallen. Wind westlich. Bedeckter Himmel. Gestern Nachmittag traf nach großer Schwüle Regen ein, der einige Stunden anhielt. Auch heute Morgen gegen 5 Uhr hat es wieder geregnet. Nach den starken Niederschlägen der letzten Tage ware jetzt wieder schöne trockene Witterung, besonders für die Heuernte sehr zu wünschen. —“ Zum Rücktritt des Oberpräsidenten der Rheinprovinz bemerkt die„Düsseld. Ztg.“, daß die bisher als Nachfolger des Oberpräsidenten Nasse genannten Namen nach ihren Informationen für den Posten nicht in Betracht kommen, das Blatt glaubt vielmehr, daß man in der Annahme nicht fehl geht, daß vom 1. Oktober ab Finanzminister Frhr. v. Rheinbaben die Stelle des ersten Verwaltungsbeamten der Rheinprovinz übernehmen wird. Der Vorsitzende der rheinischen Landwirtschaftskammer, Frhr. v. Schorlemer=Lieser, der mehrfach als Kandidat genannt wurde, ist niemals ernster Bewerber gewesen.(Unserer Ansicht nach dürfte diese Annahme eine einfache Kombination sein. Bis j verlautet nirgends, daß Herr v. Rheinbaben sein Portefeuille abgeben will. Red.) = Promenadenkonzert. Auf Veranlassung des Vereins für Gemeinwohl hierselbst findet am Peter und Paulfeiertage, Mittags 11¾ Uhr, auf der Promenade am Rosenberg seitens der Metzer Pionier=Kapelle ein Promenadenkonzert statt. a Im Stadtgarten=Restaurant(Jos. Sommer), findet am kommenden Donnerstag, den 29. Juni, (Peter und Paul), großes Konzert der PionierKapelle Nr. 15 aus Metz statt. Die Kapelle.konzertierte bereits vor drei Wochen in obigem Lokale. Damals fanden die dargebrachten Leistungen einen solchen Anklang, daß von allen Seiten ein nochmaliges Engagement der Kapelle gewünscht wurde. Das Programm wird morgen veröffentlicht.— Dieselbe Kapelle konzertiert Vormittags in der Promenade. = Der hiesige Ortsverein des Verbandes Deutscher Buchdrucker, begeht am nächsten Samstag, den 1. Juli, abends 8 Uhr, sein diesjähriges Johannisfest, bestehend in Konzert mit nachfolgendem geschlossenem Tanzkränzchen im Stadtgarten=Restaurant(J. Sommer.) Das Graphische Doppelquartett Düsseldorf sowie ein Quartett des MännerGesang=Vereins„Novesia“, werden durch verschiedene Liederspenden das Programm des Abends noch vervollständigen. Ebenfalls ist eine Ueber=raschung vorgesehen. Da nur beschränkte Einführungen gestattel sind, so wolle man sich dieserhalb bei den Mitgliedern um eine Einführungskarte bemühen. Im Lokale findet keine Kasse statt. allem andern abgesehen ist es sehr gefährlich, in Selters=, Wein= oder Bierflaschen zum Genusse nicht Taugliches aufzubewahren. Es sind schon zahlreiche Vergiftungsfälle dadurch herbeigeführt worden, daß jemand in einer falschen Annahme aus solchen Flaschen trank, in denen giftige Substanzen sich befanden. Mögen also alle, die es angeht, eine Lehre aus dem Gesagten ziehen. Aus dem Gerichtssaal. * Düsseldorf, 26. Juni. Schwurgericht. Die vierte Schwurgerichtstagung des laufenden Jahres nahm heute unter dem Vorsitze des Landgerichtsrats Crigee ihren Anfang. In seiner einleitenden Ansprache an die Geschworenen bemerkte der Vorsitzende, daß die diesmalige Tagung eine längere sein werde, indem namentlich in jüngster Zeit eine Anzahl. Strafsachen fertig gestellt worden sei. So komme es, daß die Dienste der Geschwoxenen bis zum Freitag der nächsten Woche in Anspruch genommen werden müßten. Heute standen zwei Sachen an, in denen sich vier Angeklagte sämtlich wegen Raub zu verantworten hatten. Die erste Verhandlung richtete sich gegen den 16jährigen Hülfsarbeiter Peter Künen und den 19jährigen Färbergesellen Paul Zacharias, beide in Crefeld ansässig. Im Laufe der Verhandlung gelangte das Gericht auf ein ärztliches Gutachten hin zur Ausscheidung der Anklage gegen Z. Derselbe soll zur Beobachtung seines Geisteszustandes zunächst für 0 Wochen einer Irrenanstalt überwiesen werden. Den Angeklagten K. fanden die Geschworenen des Raubes unter Annahme mildernder Umstände schuldig, worauf das Urteil gegen ihn auf 15 Monate Gefängnis lautete. Vermischtes. = Prämiensparkasse(Kindersparkasse.) darauf aufmerksam gemacht, daß sämtliche, Bücher dieser Kasse(also nicht die Bücher der städtischen Sparkasse) zwecks Beischreibung der Prämien, auch wenn im Laufe des Jahres keine Einzahlung erfolgt ist, in den nächsten Tagen bei der Sparkasse einzureichen sind. Die Kasse ist geöffnet morgens von 9—12 und nachmittags von 3—5 Uhr. O Ein Eisenbahnunfall ereignete sich am Sonntag früh auf der hiesigen Station. Als der Schnellzug 6,51 morgens nach Düren sich in Bewegung setzte, kippte der Postwagen um. Der Zug konnte alsbald wieder zum Stehen gebracht werden, so daß größeres Unglück verhütet wurde. Der Postwagen erlitt starke Beschädigungen, er mußte abgehangen und an seiner Stelle ein anderer eingestellt werden, worauf der Zug mit einiger Verspätung die Weiterfahrt antreten konnte.„„ )( Verschiedene Mitteilungen aus der Stadt. Wie gefährlich es ist, beim Genuß von Gurken Wasser zu trinken, beweist folgender Vorfall. Ein hiesiger Erdarbeiter aß Gurkensalat und trank dabei eine Flasche Selterswasser. Alsbald trat Brechdurchfall ein und nach wenigen Stunden schon war der Arbeiter eine Leiche. — Bei der Toilette kam eine hiesige Dame mit ihrem Celluloidhaarkamme der brennenden Kerze zu nahe. Der Kamm geriet sofort in Brand und die Flammen teilten sich den in der Nähe liegenden Kleidungsstücken mit. Glücklicherweise war gleich Hülfe zur Stelle und konnte so weiteres Unglück verhütet werden. — ein einem Garten an der Königstraße wurden mehrere junge Burschen abgefaßt, die dort Obst plünderten und die Gartenanlagen zerstörten. — Am Rheintor vergnügte sich eine Partie Schuljungen mit Steinwerfen und zertrümmerte dabei an der Telegraphenanlage eine Anzahl Isolatoren. 01 — Verhaftet wurde ein auswärtiger Ziegelarbeiter wegen Sittlichkeitsverbrechens. — Einem Kaufmanne aus Düsseldorf wurde gestern Abend auf der Jülicherstraße, während er in einem dortigen Hause seine Geschäfte erledigte, das Fahrrad mit einem Paket Waren gestohlen. — Eine hiesige Frau versuchte gestern Abend sich im Erftkanal vor dem Hessentor zu ertränken. Der Vorfall war von Passanten beobachtet worden und konnte die Lebensmüde noch rechtzeitig ans Land gebracht werden. Eheliche Zwistigkeiten sollen der Beweggrund zu der Tat sein. *„Dicke Bohnen“ in einer Schotenlänge von 30 bis 32 Zentimeter, wom eine Seltenheit, wurden uns heute in der Redaktion vorgezeigt. Dieselben entstammen der Gärtnerei von Wilhelm Hilgers in Grimlinghausen und können als Beweis gelten, in welch vorzüglicher Qualität in diesem Jahre das Gemüse gedeiht. * Eine Unsitte, die leider soviel geübt wird, gibt Geschäften, die Getränke flaschenweise in den Handel bringen, Anlaß zu bittern Klagen, nemlich die Tatsache, daß Selters=, Wein=, Bierflaschen u. s. w. von vielen Kunden zu allen möglichen Zwecken verwandt werden, ohne sie wieder an den Eigentümer zum regelrechten Gebrauch zurückzugeben. Von * Fürchterliche Drohung. Ein Bayer bestieg im angeheiterten Zustande den Dampfer auf dem Starnberger See. Da er durch seine schwankenden Bewegungen allerlei Gegenstände und Passagiere anrempelt, so ruft ihm der Kapitän zu: „Jetzt setzen Sie sich nieder und verhalten sich ruhig, sonst werfe ich Sie sofort in den See!"—„So,“ sagt der Bayer zornbebend,„bald'st mir das nochmal sagst, sauf i die ganze Lach'n aus und... nacha kannst mit deinem Schlitten auf'm Sand hamfahren.“ * Einen Prozeß um 25 Pfennige strengte vor Jahr und Tag eine Schneiderwitwe gegen einen Handwerksmeister beim Amtsgericht in Köslin an. Dieser bestritt die Forderung nicht, machte aber eine Gegenforderung von 50 Pfennig geltend. Es wurden eine Anzahl Zeugen vernommen und 12 Termine abgehalten. Im letzten leistete die Klägerin den Erfüllungseid und der Beklagte wurde verurteilt. Auf dem Gerichtskorridor warf er der Gegnerin vor, falsch geschworen zu haben, worauf diese— wieder im Armenrecht— Privatklage anstrengte. Der Angeklagte tritt, wieder nach einigen Terminen, den Wahrheitsbeweis an, infolgedessen die Staatsanwaltschaft gegen die Klägerin wegen Meineides Anklage erhob. Die Beschlußkammer des Landgerichts lehnte aber die Eröffnung des Hauptverfahrens ab. In der Privatklage kam am 22. d. vor dem Schöffengericht ein Vergleich zustande; Klägerin, die nichts hat, übernahm die Gerichtskosten, Angeklagter die Gebühren der Rechtsanwälte. * Was ist ein Minister? In einer Volksschule des bayerischen Schwabens bemühte sich kürzlich in Anwesenheit des Schulinspektors der Lehrer vergeblich, den Abe=Schützen zutreffende Antworten zu entlocken. Durch irgendwelche Umstände war die Frage auf das schwerwiegende Wort„Minister“ gekommen; hier versagten die Insassen der Schulstube — es handelte sich um eine sogenannte Sammelklasse— vollständig.„Lassen Sie mich einmal machen,“ meinte der Schulinspektor.„Was ist ein Minister, wer weiß es?" Die eine Antwort lautete: „Ein Minister ist eine Stadt.“ Die andere:„Ein Minister ist ein Berg.“ Die dritte:„Ein Minister ist ein Fluß.“ Da kam als Rettung aus dieser Wirrnis von einem vierten Bübele die Auskunft: „A Minischter isch a Ma'.“ Richtig, mein Sohn, ein Minister ist ein Mann. Nun sage mal, wirst Du auch einmal ein Mann?"„Ja.“„Wirst Du auch einmal ein Minister?"„Na, a Minischter isch a g'scheiter Ma'.“„Das genügt einstweilen vollständig,“ so wandte sich der Inspektor lächelnd zum Lehrer,„wenn die Buben wissen, daß der Minister ein gescheiter Mann ist.“— MancherMinister aber mag sich wünschen, daß die treuherzige Ansicht des Schulbuben unter den bösen Insassen der „Landstube“ verbreiteter wäre! * Heftige Gewitter sind, wie aus Zürich gemeldet wird am letzten Donnerstag über einen großen Teil der Schweiz niedergegangen. In einzelnen Kantonen sind sämtliche Kulturen zerstört. Der Schaden beträgt 70 v. H. des Ertrages. Der Boden war mit nußgroßen Schlossen bedeckt. Der Betrieb der Brüningbahn ist zwischen Giswil und Lungern an verschiedenen Stellen unterbrochen, die Gleise sind teilweise meterhoch mit Schutt bedeckt. Die Brücke über den Steilaufbach ist etwa zwei Meter weit abwärts geschoben der Verkehr wird mit Umsteigen und Umladen bewerkstelligt. Die Räumungsarbeiten werden noch mehrere Tage dauern. * D r e i ß i g P i l g e r e r t r u n k e n. B e i Monaco am Minhostrom schlug, wie ein PrivatTelegramm aus Lissabon meldet, ein Boot mit Pilgern um, die von einer Prozession zurückkehrten. Dreißig Pilger ertranken im Strom. * Amerikanische Blitzzüge. Die Amerikaner sind sehr stolz auf die außerordentlichen Leistungen, die die neuen Schnellzüge zwischen Chicago und Newyork erzielen. Diese legen lange Strecken mit einer Geschwindigkeit zurück, die über eine englische Meile in der Minute im Durchschnitt hinausgeht. So brauchte der„Chicago—Newyork= Expreß“ am letzten Montag 17 Stunden 57 Min. für eine Strecke von 927 englischen Meilen; bei längeren Strecken konnten ohne Gefahr 80 Meilen in der Stunde zurückgelegt werden. Dabei sind diese Blitzzüge prächtig ausgestattet, haben elektrisches Licht, Speisewagen, Biblivthek, ja selbst einen Frisiersalon und einfache sowie Salzwasserbäder; zur Bedienung stehen den Reisenden Kammerdiener und Mädchen zur Verfügung. Den Aussichtswagen mit seinen großen Glaswänden hat man jedoch loskoppeln müssen, da der Zug in seinem rasenden Lauf Wolken von kleinen Steinen hinter sich aufwirbelte. * Die Lieblingsgetränke der Völker. Das Statistische Amt der Vereinigten Staaten klassifiziert die Völker nach ihren Trinkgewohnheiten:„Großbritannien trinkt den meisten Tee, ie konhumiert nämich 2nK 50978. Jahre, d. h. fast 6 Pfund auf die Person. Die Vereinigten Staaten trinken den meisten Kaffee und konsumieren 960878977 Jund oder 11¾ Pfund auf die Person. Deutschland trinkt das meiste Bier, nämlich 8022 501 000 Liter oder 138 Liter die Person. Rußland trinkt am meisten Branntwein, nämlich 783139 500 Liter, 5½ Liter pro Person. Frankreich trinkt den meisten Wein, nämlich 6042 737700 Liter, 156 Liter die Person. — Der Schah von Persien hatte auf seiner Fahrt nach Wien mit seinem Gefolge in Lemberg in einem Gasthof kurzen Aufenthalt genommen, wo er 46 Zimmer, sowie die entsprechende Zahl von Nebenräumlichkeiten innehatte. Die Rechnung betrug, wie dortige Blätter berichten, 48000 Kronen. Der im Gefolge des Schah mitreisende Hofzahlmeister fand die Rechnung zu hoch und machte dem Gastwirt Vorstellungen. Dieser verwies jedoch darauf, daß er für den Schah und das Gefolge eine eigene Küche habe einrichten müssen, und diese Ausgabe, sowie die für die Speisen allein betrage 18000 Kronen. Schließlich wurde ein Ausgleich erzielt, demzufolge die Gasthofrechnung mit 44000 Kronen beglichen Telegraphische Depeschen. Warschau, 26. Juni. In Lodz wurden nach zuverlässiger Schätzung auf dem israelitischen Friedhof 343 Personen beerdigt, auf dem christlichen 218. In den Spitälern liegen noch 700 Ver Warschau, 26. Juni. Der Aufruhr, der bisher nur zu einzelnen Zusammenstößen führte, beginnt sich zu organisieren und nimmt größere Dimensionen an. Die Revolutionspartei versieht die Ar beiter mit Waffen und Bomben. Man beabsichtigt, eine große regierungsfeindliche Demonstration zu veranstalten. In der Karmelitskajagasse und auch im Arbeiterviertel werden Barrikaden errichtet. Die polnischen Frauen wollen gleichfalls an den Krawallen teilnehmen und die Soldaten mit siedendem Pech und heißem Wasser aus den Fenstern begießen. Die Bewegung nimmt einen antinationalen Charakter an. Man befürchtet, daß mit dem Ausbruch der Unruhen in Warschau dieselben sich über ganz Polen verbreiten. Washington, 26. Juni. Rußland sowohl wie Japan haben dem Präsidenten Roosevelt mitgeteilt, daß ihre Bevollmächtigten im ersten Drittel des Monats August in den Vereinigten Staaten zusammentreffen werden. Petersburg, 26. Juni. Die Untersuchungskommission über die Kapitulation von Port Arthur hat beschlossen, in der Stössel zum Verhör Tanger, 26. Juni „Turki" ist gesternn Munition und Lebensmitteln gegangen, um von dort nach Udschda zu dampfen, wo die Lage der Truppen des Sultans andauernd kritisch ist. Nordamerika ist vorgestern, erheblich Best meldet heute eine namhafte Preisverschlechterung, so daß hier die Stimmung für Getreide anfangs ziemlich gedrückt war. Das ohnehin spärliche Angebot wurde jedoch bald genug durch die Verminderung der Ausfuhr Rußlands wieder zu größerer Vorsicht veranlaßt, so daß alsdann die ersten Rückschritte in den Lieferungspreisen von Weizen und Roggen teilweise oder vollständig eingeholt werden konnten. Die Forde rungen, denen man im Lieferungshandel mit Haser begegnete, waren meistens ein wenig erhöht. Rüböl ist bei schwerfälligem Handel etwas billiger erlassen worden. Hamburg, 26. Juni. Weizen ruhig, Mecklenburger und Ostholsteiner 177—178. Roggen ruhig, Meglenburger und Altmärker 152—157, russ. eif 9 Pud 115.00. Gerste fest, südruss. eif Juni 164½. Hafer fest, steiner und Mecklenb. 154—156. Mais fest, runder amerik. 106, La Plata cif Mai=Juni 102½. Ruböl 45. Spiritus flau, Juni 20 G. Juni=Juli 20 G., Juli=Aug. 20 G. Kaffee ruhig, Umsatz 2560 Ballen in greifbarer Ware. Petroleum stetig, 5,80. Sal — uhig. vorr. 10,30, Juni 10.30. Febr.=Mär Juni 10,30, Febr.=März Sept. 36, Dez. veter 9.82½ nburg, 26. Juni. Kaffee ruhig, 36½, März 37, Mai 37¼ G. Bremen, 26. Juni. Schmalz vorr. Tups und Firkins 36¾, Doppeleimer 37½, ruhig. Speck stetig. Amsterdam, 26. Juni. Rüböl, vorr. Fl. 24½, Sept.= Dez. 23, Mai 09. Leinöl vorr. 20¼, Juli 20 1. Juli=Aug. 20¼, Sept.=Dez. 20¾, Jan.=Mai 21⅛. Amsterdam, 26 Juni. Kaffee: Java Santos Juli 21½, Sept. 21 5/8. Dez. 217/8, März 22⅛, Anwerpen, 26. Juni, Getreide. Weizen amerikan. 15.00—15,37, Hafer 13.00—15,90, Gerste Hullerr 13,50, kaliforn. ausverkauft, Mats Logsogg,%, 00%. La Plata- 13.75—1400, Cinquantino=00,00—00,00, gem. amerik. 12,50—13,00 Frcs. Antwerpen, 26 Juni. Petroleum, Type weiß, vorr. Frs. 17½ bB., Juni 17½ B., Juli 17 ¾/4 B., Sept. 18½ B. Autwerpen, 26. Juni. Schmalz, amerikanische Marke Wilcoz vorr. Fres. 89½. Juni 87¼, Sept. 87¾, Nov. Antwerpen, 26. Juni. Kaffee ruhig, Juni 44¼. Juli 44½, Sept. 44%, Dez. 45½. A— 28 Paris, 26. Juni. Weizen ruhig, Juni 23,70, Juli 23,65, Juli=Aug. 23.25, Sept.=Dez. 21,75. Roggen ruhig, Juni 16,00. Sept.=Dez. 15,00. Mehl ruhig, Juni 3025, Juli 3065. Juliig. 80 50., Sert,. 29.05. Rüböl ruhig. Juni 50,25, Juli 50.25, Juli= Aug. 50.75, Sept.=Dez. 51,50. Spiritus 55.75. Juli 54.75, Juli=Aug. 53,75, Sept.=Dez. 45,00. Zucker ruhie roher 88% 29,50—30,00, weißer stetig, Juni 33 50, Juli=Aug. 33.75, Okt=Jan. April 30,87½. Leinöl ruhig, Juni 44,50, Sept.=Dez. II, 25. Juni. Baumwollöl o. F. raff. 16 S. o z., rohes 15 S. 6 D., raff. Juli=Aug. 16 S. 7½ D. Leinöl o. F. 18 S. 6 D., Juli=Aug. 18 S. 7½ D., Sept.=Dez. 19 S. 1½ D. Liverpool, 26. Juni. Baumwolle. 10000 B., davon 9200 B. amerik. In ameri. aut. Preise zugunsten der Käufer. Fully good Oomra Preise zugunsten Fine Bengal 4 1/33. Good fair Tinnivelly 4 11/8 Handels=Nachrichten. Fruchtpreise zu Neuß am 27. Juni. Weizen per 100 Kilo 1. Qual. „ 2.„ Roggen per 100 Kilo 1. Qual. „ 2.„ Hafer per 100 Kilo Kartoffeln per 50 Kilo Heu per 50 Kilo Luzernerheu per 50 Kilo Maschinenstroh per 500 Kilo Flegeldrusch per 500 Kilo Butter per Kilo Eier(100 Stück) Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämtlicher Fruchtgattungen unverändert. 18 17 16 15 15 3.06—4,00 2,80—3,80 M 4,20 „ 22.— " 2 4.— " 2.50 * 4• 49 50 Neuß, 27. Juni. Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr. (ohne Faß) Rüböl per 100 Kilo faßweise(ohne Faß) Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Jhöh. als Rüböl Rübkuchen per 1000 Kilo waggonweise „ in kleineren Partien Kleien per 50 Kilo Rüböl und Kuchen unverändert. Kleien 20 J niedriger. Köln. 26 Juni Rüböl in Partien von 5000 Kil. 50,00 B., Okt. 50,50 B., 50,00 G. Köln, 26. Juni. Fruchtmarkt. Keine Zufuhr. 20 Lor aa 26 Juni. Metallmartt. Ku Chili=Bars, good ordin. brands L. 66.—.—, 3 Monate 65.17.6. Best Selected 70¾. Zinn fest, Straits 139.10.—, 3 Monate 138.5.—. Blei fest, span. 13.1.3, engl. 13.7.6. Zink ruhig, gew. Marke 24.——, bessere Ehiteago, 26. Juni. Getreidemarkt. Weizen Juni 00, Juli 89¾, Sept. 85⅛, Okt. 00, ult 54 5/8. Sept. 53⅞, Dez. 50¼, Mai 49, Juli—. afer Juli 32½, Sept. 30⅝. Roggen Juli 60, 63½. Leinsaat Juni 60, Sept. 60. New=York, 26. Juni. Getreidemarkt. Jni 00. Juli 94 5/8, Sept. 89 3/8, Okt.—, Dez. 88¼ Haser Juni 00, Juli 99. Mais Juni 90, Juli 60%. Siht. 14 an ul. uu 10. en. Hring gtnt. elear) 3.60, Getreidefracht n. Liverpool 1. Roggen Richniche. Krefeld,26.Juni. Auf dem heutigen Schweinemarkte stellten sich die Preise für fette Schweine wie folgt: 1. Qual. 67 J. 2. Qual. 65 Köln, 26. Juni. Schlachtviehmarkt. Auftrieb: 738 Ochsen, a.„Vollfleischige, ausgemästete höchsten Schlachtwertes, bis zu 7 Jahren 4 75—00, b. Junge fleischige, nicht ausgemästete, ältere 70—73, a. Mäßig genährte junge, d. Gering genährte jeden Alters 4 62—64; 506 Kühe, darunter 00 Weidekühe, ausgemästete Kalben höchsten Schlachtwertes süngere 4 66—67, a. Mäßig genährte jüngere und ältere M 63., 64, d. Gering genährte jüngere und ältere M 59—61, alles die 50 Kil. Schlachtgewicht. „" g i n w a l n e r a. s c e i n i s e M a i-( V o l l m i l c h m a s t) u n d b e s t e den 700-820, Raschinenstrob Roggeg) 430, Richt: Saugtälber 4 75, Doppellender bis 88, b. Mitlere Seber den, Krumntrot 440 du Madb und gite. Senigetiagr Vernihze eäiber sceseh stroh Duisburg, 26. Juni. Fruchtmarkt. Weizen, inlän discher 1800—18 25, Donau 0000—00,00, Schwarzmeer 17.75—18.75, Asow 17,75—18,75, amerik. 18.00—19,00. Rogo=, inländischer 99.00—00.00, Donau 00.00— 00.00. Schwarzmeer 16,25—17,25, Asow 16,25—17,25. Hafer, inländ. 00,00—00,00, Donau 00,00—00,00, russ. 1400—16,00. Futtergerste russ. 15,00—13,50, 00.00—00.00. Mais, amerik. 13,50—14,00, Donau 00,00 chon, Einauanting, 160h, Gdlch, rusf. 9000-00cn. Buchweizen 17,50—18,00. Weizenmehl Nr. 000 22.50— 23,25, Nr. 00 22,00—22,25. Roggenmehl Nr. 0 20.50— 21.25, Nr. 0/1 19,50—20,00. Bollmehl 11,50—12,25, Grand 9,25—10.00, Kleie 9,50—10,00 M inel. Sack. Essen, 28. Juni, Getreidemarkt. Weizen, inländ. 18.90—18/75, fremder 18.25—1900, Roggen inländ, J 635 —16,75, fremder 16.25—17,90. Hafer, inländ. 00,00, fremder 14,50—16,00. Buchweizen 17,50—18,00. Futteraerste 13.25—13,75. Mais 1325—1700. Weizenvorschuß 23.00—23,50, Roggenvorschuß 20,50—21,00, Weizenkleie 9,75—10,25# Alles Frachtgrundlage Essen die 100 Kil. ohne Sack, bei Abrahme von Kristallzucker Ia 00,00—00,00, gem. Raffin. 00,00— 00,00, gem. Melis 00,00—00,00 bei Posten Hand, still. Robzucker zur Durchf. bordf. Hamburg Juni 23.50 B., 23,.30 G., 00,00 bz., Juli 23,60 B., 23 50 „ 00.00 bz., Aug. 23,70 B., 23,65 G., 23,70 bz., Okt. 20.10 B., 20,00 G., 00,00 bz., Okt.=Dez. 19,75 B., 19,65 G., 60,00 bz., Jan.-März 19,90 B., 19,80 G., 19.90 bz., matt. 25 Schafe, a. Mastlämmer und jüngere Masthammgel 00—00. b. ältere Masthammel 60—68, genährte Hammel und Schafe(Merzschafe) Markt in Kälbern 53—65 25 St (Iickmalle) c. mäßig genährte Hammel 60—00 die 50 Kil. Schlachtgewicht. und Schafen langsam geräumt. Perid-Schpetngt, 2. A u. ungschuetr P.. 6. c. 58—61 die 50 Kil. Lebendgewicht mit 20—22%/ Tara. In bester Ware flott, in geringer langsam. Geräumt. Am 25 Juni wurden an fruchem gesct Greozpse Klung aus Holland eingeführt: 348 Biertel Großviey London, 25. Juni. Zum heutigen Stebmarkt in Islington waren 1190 Stück Hornvieh und 3250 Schafe: Preise für Hornvieh 2 S. 10 D. bis 4 S. 10 D., Schafe 3 S. 10 D. bis 5 S. 8 D. für 8 Pfund. Wolle. Antwerven. 26. Juni. Wolle behauptet, Zeutscher La Plata=Kammzug(Vertrag B.) Juli Frs., 5,10, Sept. Autliche Wechsehzitustze der Roteubanten vem 26. Kuri, 21/. Belaische Plätze 3. Deutsche Plätze 3. Schweiz. Plätze 3½. Wasserstands=Nachrichten. Mainz, 26. Juni. Rheinh. 8 Uhr vorm. 1,55, gef. 0,021 Kobleuz, 26 Juni. Rheinh. 6 Uhr vorm. 2,52, gef. 0,0 Frier. 26. Juni. Moselh. 9 Uhr vorm. 0.13, gel. 0.22 Rheinh. 6 Uhr abds. 2,55, gef. 0,01 8 Uhrvorm. 2,34, gef. 0,04 Uhr vorm. 1,61, gef. 0.00 Familien=Nachrichten. Geboren: Herrn Hermann Niermann in Düsseldorf 1 K.— Hrn. Fritz Niedergesäs jr. in M=Gladbach 1 M.— orn. Otto Aschaffenburg in M=Gladbach 1 M.— Hrn. Mart. Jos Rols hoven in Köln=Riehl 1 K. Verlobt: Frl. Mary Lorenz mit Hrn. Hans Lasné, Köln und München. Vermählt: Hr. Julius Kaufmann mit Frl. Lily Heidenheim, Brüssel und Köln. Gestorben: Fr. Wwe. Friedrich Landgrebe, geb. Burbera. 87 Düsseldorf.— Hr. Augustin Dübbers. 26 J., Bonn. Konkurs=Verkauf. Mittwoch, den 28. Juni er., vormittags 9½ Uhr, werde ich im Auftrage des Konkursverwalters Herrn Rechtsanwalt Schmitt zu Neuß in der Restauration zum Kaufhause folgende Gegenstände gegen bare Zahlung versteigern: eine Partie Bettdecken, Tischdecken, Dekorationen, Figuren, Triumphstühle, Rollwände, Mantelstöcke, Wachstuche, Felle, Galleriestangen, Staffleinen, Postamente, Schaukelstuhl, bunte Gardinen, eine kleine Truhe u. s. w. Neuß. Eicker, Gerichtsvollzieher kr. A. 0 FÜISSBODEROELLACKFARBE FRAUENIOB garantirt blei- u. giftfrei. Bester Fussbodenanstrich haltbar, hochglänzend, elegant, über Nacht trocknend. Allein-Verkauf Schwanen-Drogerie. W. Becker. Im Namen des Königs! der Strafsache gegen den Wirt und Mineralwasser fabrikant Leo Hermanns in Neuß, geboren am 21. Oktober 1865 zu Broich, katholisch, wegen Vergehen gegen§ 14 des Gesetzes vom 12. Mai 1894 hat die I. Strafkammer des Königlichen Landgerichts in Düsseldorf in der Sitzung vom 15. Mai 1905, in welcher Teil genommen haben: Landgerichtsdirektor Dr. Klingelhöfer als Vorsitzender, Landgerichtsrat Statz, Landgerichtsrat Chozescinski, Landrichter Teitge, Assessor Dr. Siebel als beisitzende Richter. Staatsanwalt Weimar als Beamter der Staatsanwaltschaft, Assistent Höpfner als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt: Der Angeklagte wird wegen Vergehens gegen§ 14 des Gesetzes zum Schutze der Warenbezeichnungen zu einer Geldstrafe von 200 Mark hülfsweise 20 Tager Gefängnis kostenfällig verurteilt. Den verletzten Firmen Josef Merges Sohn in Neuß, Gehlen und Stammen in Düsseldorf, Evers& Cie. in Düsseldorf und Johann Kierdorf in Düsseldorf wird die B. fugnis zugesprochen, die Verurteilung innerhalb 3 Wochen nach Zustellung des rechtskräftigen Urteils an die verletzten Firmen je einmal in der Neußer Zeitung auf Kosten des Verurteilten in folgender Form bekannt zu machen: In der Strafsache gegen den Mineralwasserfabrikanten Leo Hermanns in Neuß ist der Angeklagte durch Urteil der Strafkammer I zu Düsseldorf vom 15. Mai 1905 wegen Verletzung des Gesetzes zum Schutze der Warenbezeichnungen zu Geldstrafe verurteilt worden. gez. Klingelhöfer, Statz, Chozescinski, Teitge, Siebel. Ausgefertigt: *** Gerichts=Sekretär, Gerichtsschreiber des Königlichen Landgerichts. Kurbadeanstalt Neuss, Erftstrasse 64. Neue, erstklassige Einrichtung für Elektr. Lichtbäder, Dampfbäder, Kohlensäurebäder, Fango-Packungen, Vibrations- u. Schwedische Massage, letztere auch ausser dem Hause. Das elektr. 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