Neusser Zeitung Erscheint täglich mit Ansnahme der Sonn. IEa1 n und Festtage. Dreis vierteljährlich in Neuß (.50 Mk., durch die Dost bezogen 1.65 Mk., mit illustr. Unterhaltungsblatt in Neuß 1.80 MIk., durch die Post bezogen 1.95 Mk. Druck und Verlag: R. Roack, Neuß. Telephon No. 57. Amtliches Kreisblatt Nro. 124 Freitag, 2. Juni.(Erasmus.) Anzeigen im lokalen Verkehr 12 Ofg., sonst 5 Ofg., die rgespaltene Oetitzeile oder deren Kaum. Reklamen 50 Ofg., die4gespaltene Oetitzeile oder deren Raum. Für die Redaktion verantwortl. R. Noack, Expedition: Neuß, Neustraße 1. 1905. 80. Die Seeschlacht in der Koreastraße. Rußland ist um eine große Hoffnung ärmer: Von der großen Armada, die den Japanern die vor Port Arthur gewonnene Seeherrschaft in den koreanischen Gewässern wieder entreißen und dem ganzen für Rußland so ungünstigen Kriege eine neue, glückliche Wendung geben sollte, sind nur noch Trümmer vorhanden. Von den sieben Panzerschiffen haben sich nur eines oder zwei retten können, die anderen sind gesunken oder weggenommen worden, und ebenso sind von den Kreuzern und Küstenpanzern nur kleine Reste übrig geblieben. Mit welchen japanischen Verlusten der Seesieg erkauft ist, wird man erst später erfahren, aber im Vergleich zu den russischen sind die japanischen Verluste jedenfalls gering. Alle Mühen für die Ausrüstung der baltischen Flotte, das Ausrücken in drei Geschwadern, die lange Fahrt um drei Erdteile herum, die endliche Vereinigung der Streitkräfte in den südchinesischen Gewässern, die Ueberwindung der Schwierigkeiten der Proviant= u. Kohlenversorgung der schwimmenden Menschen= und Maschinenkräfte— alles ist umsonst gewesen. Die Seeschlacht bei der Insel Tschuschima in der Noreastraße ist weitaus die größte der neueren Zeit und wird zu den bedeutendsten Ereignissen der Weltgeschichte zählen. Sie erinnert an die Seeschlacht bei Trafalgar, in der die zur Eroberung Englands ausgerüstete, an Zahl überlegene französische Flotte der erprobten Kriegskunst Nelsons und der besseren Schulung der englischen Offiziere und Matrosen unterlag. Sieben Jahre vorher war Nelson die Wegnahme der französischen Flotte bei Abukir während des ägyptischen Feldzuges Bonapartes geglückt. Ebenso und in kürzerem Zwischenraume hat der japanische Admiral Togo der Siegespalme von Port Arthur den Lorbeer von Tschuschima hinzugefügt. Die unmittelbare Wirkung der Zerstörung der baltischen Flotte auf die Kriegslage in Ostasien wird die Bedrohung des russischen Kriegshafens Wladiwostok, die Besetzung der russischen Insel Sachalin und das Hinübergreifen des Landkampfes von dem mandschurischen auf alten, ussischen Boden sein. Nach dem Beispiele Port Artyurs müß Wladiwostok früher oder später fallen, wenn nicht vorher Friede gemacht wird. So ist die Lage in Ostasien für Rußland gegenwärtig fast hoffnungslos, und es begreift sich, daß schon wenige Tage nach diesem letzten und vielleicht größtem Erfolge der Japaner aufs neue Friedensgerüchte auftauchen. Insbesondere geht die Pariser Presse mit eindringlichen Mahnungen an Rußland voran, der„Temps“ beschwört förmlich den Zaren, den Kampf verloren zu geben. Trotz allem brauchte ein kraftvoll regiertes Rußland diesem Rate noch nicht zu folgen; denn die wirtschaftlichen Hülfsquellen des Riesenreiches, an und für sich denen Japans weit überlegen, sind keineswegs erschöpft. und der tief im Volkscharakter wurzelnde Beharrungstrieb hat schon manchen, schweren Sturm überdauern helfen. Nach Petersburger Meldungen bot die Stadt Petersburg am Montag ihr gewöhnliches Bild, keine außergewöhnliche Bewegung war zu bemerken. Das erklärt sich daraus, daß die Zensur alle genauen Nachrichten über die Seeschlacht geheim hielt. Nur soviel durfte das Volk zunächst erfahren, daß am 27. in der Straße von Korea eine 22) Schloß Neuenhof (Fortsetzung.) „Die Luft ist hier erstickend heiß— wollen wir eine kleine Promenade durch den Garten machen? Unter den Bäumen wandelt es sich so schön— und ich weiß ein schattiges Plätzchen, dort ist es kühl kommen Sie, ich will es Ihnen zeigen! Auch möchte ich sehen, ob die Bühne schon ganz fertig ist.“— Bun Sie sprudelte das alles hastig heraus. Der junge Schauspieler machte ein etwas erstauntes Gesicht; denn es war noch niemals vorgekommen, daß Elisabeth ihn zum Mitgehen aufgefordert hatte. Und gerade jetzt war es ihm just nicht angenehm, fortgehen zu sollen, denn die Diener brachten soeben Wein und allerlei Erfrischungen herbei, und man begann, sich um die Tafel zum Frühstück zu gruppieren, das Ludwig Mattern um keinen Preis versäumen wollte. „Ich stehe nachher ganz zu Ihrer Verfügung, mein gnädiges Fräulein“, sagte er deshalb in schleppendem Ton,„doch jetzt, dächte ich, sollten wir den Herrschaften hier Gesellschaft leisten.“ .. mym sofort an der Tafel Platz, Elisabeth heute diskPtsan, S######e und scherzte, und schien heuts ausgelasen ua zu sein, so daß manch verwunderter Blick sie streifte. Es gelang ihr, alle zu täuschen, nur Karl von Wolfegg nicht. Beroffen sah er auf, wenn das übermütige laute Lachen an sein Ohr schlug. Die Gläser wurden gefüllt. Graf Arnold erhob oen sein geschliffenen Kelch mit dem funkelnden Wein, und rief gut gelaunt:„Meine Herrschaften lassen Sie uns anstoßen auf das Wohl des jungen Brautpaares— es lebe hoch!“ Karl von Wolfegg sah, wie die Hand Elisabeths zitterte, als sie ihr Glas erhob, im nächsten Augenblick lag es in Scherben zersplittert am Boden, und sein Inhalt hatte sich im Fallen über ihr helles Sommerkleid gegossen. Seeschlacht stattgefunden habe. Mittlerweile kamen Telegramme aus dem Auslande, die allmählich den Umfang der Niederlage ahnen ließen, die indes keinen rechten Glauben bei den Vielen fanden, die sich über die mit solchen Nachrichten versorgten Blätter stürzten. Man wollte eine amtliche Mitteilung abwarten, was vorlag, galt für übertrieben. Einen Augenblick glaubte man gar an einen russischen Erfolg, als bekannt gemacht wurde, die Japaner hätten einen Kreuzer und zehn Torpedoboote verloren, Roschestwienski sei durch die Straße von Korea gelangt und dampfe rasch nach Wladiwostok. Dies erweckte den Eindruck, als habe das russische Geschwader seinen Sieg teuer erkauft, zumal die Japaner nicht zu bewegen schienen, ihre Verluste zu gestehen. Vielleicht hätten sie einen Pyrrhussieg errungen? In den amtlichen Kreisen gab man vor, nichts über den Ausgang der Schlacht zu wissen. Unterm 30. wurde dann aus der Hauptstadt berichtet, die Telegraphenagentur sei angewiesen worden, den Blättern die Nachrichten der ausländischen Presse über den Umfang und den Ausgang der Schlacht vorzuenthalten, so daß die Blätter darauf angewiesen gewesen seien, einige ihnen gestattete, aber einander widersprechende Meldungen zu veröffentlichen. In den eingeweihten Kreisen sickerte die Wahrheit auch deshalb nicht gleich durch, weil man sich allgemein den kühnsten Hoffnungen für den Kampf zur See hingegeben hatte und sich nicht enttäuschen ließ. Die erste Nachricht des Kommandanten von Wladiwostok war zu kurz, als daß man daraus hätte Schlüsse ziehen können. Wenigstens glaubte man noch oder tat, als glaubte man Roschdestwienski sei nach Wladiwostok unter schweren Verlusten entkommen. Diejenigen Blätter, die nach dreimaliger Verwarnung die Unterdrückung zu befürchten haben, schwiegen sich vorsichtig ganz aus. Politische Nachrichten. — Der Fürst von Montenegro hat dem Kaiser das Großkreuz des tschernagorischen Unabhängigkeitsordens verliehen. Eine bemerkenswerte Aenderung der bisherigen Ausschmücung der Feststraße Unter den Linden zur Hochzeit des Kronprinzen ist insofern eingetreten, als die Umstellung des Denkmals Friedrichs des Großen mit Fahnenmasten wieder beseitigt wird. Die Holzsockel der Fahnenmasten an den Straßenecken werden jetzt mit rot und goldenen Ornamenten und Zierleisten versehen, an den Spitzen haben die Masten Blumenkörbe mit Rosen erhalten. Die Zuschauertribünen werden in aller Eile fertiggestellt. Die Vorderfronten der beiden großen Tribünen auf dem Pariser Platz sind schon mit rotem Stoffüberzug bekleidet. Die Bänke sind auch schon fertiggestellt. Es werden darauf im ganzen etwa 1400 Personen Platz finden. Noch mehr Raum als diese beiden Tribünen zusammen bietet die am Lustgarten, an der jetzt eifrig gearbeitet wird. Sie liegt dem Königlichen Schloß in seiner ganzen Länge gegenüber und enthält 20 Sitzreihen mit je 200 Plätzen hintereinander, so daß hier etwa 4000 Personen Platz finden können. Erheblich kleiner ist die Tribüne vor der Universität, wo nur ca. 1000 Personen untergebracht werden können. Potsdam, 31. Mai. In Anwesenheit des Kronprinzenpaares von Griechenland, des Prinzen und der Prinzessin Arisugawa und des Fürsten von Montenegro stellte gestern der Kaiser den Prinzen August Wilhelm in die 5. Kompagnie des 1. Garderegiments ein, dessen Kommandeur Oberst Freiherr v. Berg dankte und sodann ein Hoch auf den Kaiser ausbrachte. Generalleutnant v. Löwenfeld kommandierte die Parade. Berlin, 31. Mai. Der Kaiser verlieh dem Fürsten Nikolaus von Montenegro den Schwarzen Adlerorden. — Der Landesverband der badischen Gewerbeund Handwerkervereine, der etwa 25000 Handwerker, also etwa die Hälfte aller Handwerker des Großherzogtums umschließt, faßte in seiner letzthin in Rastatt abgehaltenen Ausschußsitzung den Beschluß, gegen die etwa beabsichtigte Einführung der obligatorischen Meisterprüfung, wie sie neuerdings vor norddeutschen Handwerkskammern angestrebt würde, entschiedenen Widerspruch zu erheben. Dagegen fordert der badische Verband, durch die Gewerbeordnung zu bestimmen, daß nur derjenige Lehrlinge halten und anleiten darf, der 24 Jahre alt ist und die Meisterprüfung bestanden hat. Außerdem sollen bei den Vergebungen von Arbeiten des Staates und der Gemeinden diejenigen Handwerker, die berechtigt sind, den Meistertitel zu führen, in erster Reihe Berücksichtigung finden. Paris, 30. Mai. Von einem Berichterstatter wird gemeldet, daß heute Nachmittag in der Avenue du Bois de Boulogne bei der Vorbeifahrt des Königs von Spanien ein Mann das Spalier durchbrach, mit einem Dolche in der Hand gegen den Wagen des Königs stürzen wollte und dabei den Ruf ausstieß:„Tod den Tyrannen! Nieder mit den Inquisitoren!“ Der Mann wurde sofort verhaftet. Es ist ein gewisser Garnery, Sekretär der Genossenschaft der Goldschmiedegehilfen, ein den Gerichten seit mehreren Jahren bekannter Anarchist. Ferner wurde ein Gutsbesitzer namens de Cussy verhaftet, der bei der Vorbeifahrt des Präsidenten der Republik Beschimpfungen gegen diesen ausstieß. Die Menge wollte de Cussy lynchen; doch wurde er von den Polizeiagenten geschützt. Amerika. Brooklyn, 30. Mai. Bei der Enthüllung eines Denkmals für den verstorbenen General Slocum hielt Präsident Roosevelt eine Rede, worin er ausführte, daß es auch an Besonnenheit zunehmen und vermeiden werde, andere Völker zu beleidigen. Das Volk und die einzelnen Bürger sollten sich davor hüten, schlecht von anderen Völkern und Rassen zu sprechen. Der sicherste Weg für ein Volk, das Unglück heraufzubeschwören, sei, wenn es im Ueberfluß lebe und dabei aggressiv, aber nicht gerüstet sei. Dies führe ein Volk nicht nur ins Unglück, sondern es gebe sich auch der Verachtung der Menschen preis. Wenn die Flotte hinreichend gut sei, um eine lange Friedenszeit zu ertragen, würde die einzige Wahrscheinlichkeit, daß eine Unruhe über die Nation komme, nur daraus entstehen, daß man die Flotte zu klein oder unwirksam werden lasse. Eine Flotte erster Klasse, die jeder gegnerischen Kombination gewachsen sei, sei die sicherste und billigste Garantie für den Frieden. Man sollte meinen, schloß der Präsident, daß jeder, der beobachtet, was in den letzten Jahren in der Geschichte des Auslandes und in unserer eigenen sich ereignet hat, blind sein müßte, wenn er diese Lehre nicht verstehen sollte. Herrenhaus. Berlin, 30. Mai. Am Ministertische die Minister v. Podbielski und v. Budde. Zunächst wird die Interpellation Cahensly. (Ztr.) verlesen, welche lautet: Ist es wahr, daß der bisherige, bis zum 1. April 1916 mit der Firma Siemens& Comp. abgeschlossene Vertrag bezüglich der fiskalischen Mineralbrunnen zu Niederselters und Fachingen aufgehoben, und daß diese Quellen dem Rechtsnachfolger dieser in Liquidation sich befindenden Firma bis zum 1. April 1927 verpachtet worden sind? Abg. Cahensly(Ztr.) begründet seine Interpellation mit dem Hinweis auf die Verteuerung dieser Mineralwässer, seit die Firma Siemens& Comp. diese Quellen gepachtet hat. Minister v. Podbielski erklärt, der bestehende Vertrag ist nicht aufgehoben worden, aber verschiedene Bestimmungen des Vertrages bedurften auch nach dem Urteil der Budgetkommission einer Aenderung. Nach kurzer Debatte und einem Schlußwort Cahenslys(Zentr.) wird die Besprechung der Interpellation geschlossen. In dritter Lesung wird sodann der Gesetzentwurf über die Aenderung der Landesgrenze gegen Bremen ohne Debatte endgültig angenommen. Es folgt diezweite Beratung des Antrages Gaip auf Annahme des Gesetzentwurfs, betr. die Sperrung von Mutungen auf Steinkohlen und Steinsalz auf fünf Jahre. Auf Vorschlag des Abg. Gamp wird sogleich die dritte Lesung vorgenommen und debattelos wie die zweite Lesung beendet. Nachdem das Haus sodann eine Reihe von Petitionen erledigt hat, vertagt es sich gegen 4 Uhr auf Mittwoch 12 Uhr. Tagesordnung: Gesetz, betreffend die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke; Gesetz, betreffend die Prüfung überwachungsbedürftiger Anlagen, Petitionen. Berlin, 30. Mai. Am Bundesratstisch Kolonialdirektor Stübel, Staatssekretär Nieberding und Schatzsekretär Stengel. Präsident Graf Ballestrem eröffnet die Sitzung um 1,20 Uhr. Das Haus ist mäßig besetzt. Petitionen, welche zur Erörterung im Plenum als nicht geeignet erachtet wurden, werden durch Kenntnisnahme für erledigt erklärt. „Ach, wie man nur so ungeschickt sein kann!“ rief sie lachend.„Sie können zufrieden sein, Herr von Wolfegg— Scherben bedeuten Glück! Sie werden ja zweifellos riesig glücklich werden, und ich wünsche es Ihnen von ganzem Herzen— denn — Sie verdienen es wirklich!“ Er neigte, ohne ein Wort zu erwidern, zustimmend das Haupt. Er sah auffallend blaß aus. Seine Braut fiel mit ihrer dünnen Stimme ein: „Wir danken für Ihren liebenswürdigen Glückwunsch!. Er muß sich erfüllen, denn wir lieben uns ja so sehr! Nicht wahr, Karl!“ „Gewiß, mein Kind!“ Die Antwort klang ein wenig ungeduldig, dennoch schien die junge Braut sehr befriedigt zu sein. Sie ließ ihre Augen mit triumphierendem Ausdruck im Kreise herumgehen. Elisabeth glaubte das alles nicht mehr länger ertragen zu können. Sie hatte das dringende Bedürfnis, den grenzenlosen Jammer ihrer Seele laut hinauszuschreien, und hier mußte sie-lachen— lachen, damit niemand ahnte, wie es in ihrem Innern tobte, wie ihr Herz blutete bei dem Gedanken, daß nun alles Glück für immer dahin sei. Der kleine Zwischenfall mit dem zerbrochenen Glase war bereits wieder vergessen. Die Unterhaltung war eine sehr lebhafte und drehte sich um alle möglichen Gegenstände. Ludwig Mattern, den der Wein sehr gesprächig machte, blinzelte verliebt nach Elisabeth. Er erzählte ihr, daß er heute die Verlobungsanzeige einer Kollegin erhalten habe, die ihn in riesiges Erstaunen versetzte. Das Mädchen sei achtzehn, ihr Bräutigam aber schon fünfundsechzig Jahre alt. „Dieser Bräutigam ist wohl sehr reich?“ fragte Clisabeth mit blitzenden Augen. „Nun, das ist wohl selbstverständlich, lautete die lachend gegebene Antwort. „Und da wundern Sie sich noch?“ rief Elisabeth. „Ich bitte Sie, was wird heutzutage um Geld nicht alles gemacht! Da kauft man Liebe, Treue, Freundschaft, Achtung.—— alles— alles für Geld! O, wie ich solche Menschen verabscheue! Wie sie ringen und jagen, und achtlos andere in den Staub treten, um des schnöden Mammons willen! Was gilt ihnen ein Menschenherz? Nichts!— Geld wollen sie haben, um ein Leben in Lust und Freude führen zu können! Alles andere ist Nebensache!“ „Sie tun den Menschen Unrecht, mein Fräulein, man darf die Motive einer Handlung nicht bedingungslos verallgemeinern,“ sagte Karl von Wolfegg ruhig.„Nicht immer ist es die Sucht nach Lust und Freude, welche eine Handlung bestimmt. Es giebt doch schließlich noch andere Gründe.“ Ton und Blick des Mannes gaben Elisabeth die Besinnung wieder. Sie entgegnete anscheinend heiter:„Streiten wir nicht darüber; es ist ja auch ganz gleichgiltig. Aber jetzt entschuldigen mich die Herrschaften wohl— ich muß das Kleid wechseln infolge meiner vorigen Ungeschicklichkeit.“ Damit verneigte sie sich graziös und schritt, das goldschimmernde Köpfchen hoch erhoben, dem Ausgang zu. Draußen blieb sie aufatmend stehen, beide Hände auf das klopfende Herz gepreßt. „Was unsere kleine Liesel nur heute hat“, meinte Graf Arnold gedankenvoll, indem er dem Mädchen nachsah.„Sie scheint mir sehr erregt, so ganz anders als sonst.“—— Es war in früher Mittagsstunde. Elisabeth ging durch den vom Sonnengold durchfluteten Garten.: Sie wollte die kurze Zeit, die ihr noch bis zur Ankunft der Gäste aus der Nachbarschaft blieb, allein verbringen und setzte sich auf eine von dichtem Rosengebüsch überwucherte einsame Bank. Dort war es so feierlich still, sie hatte die Hände im Schoß gefaltet und blickte träumerisch den weißen, am Himmel dahin segelnden Wölkchen nach. Süßes Vogelgezwitscher klang aus allen Zweigen, die Grillen zirpten leise im Grase, ein sanfter Wind trug den Duft der Reseden zu ihr hin, summend flogen die Bienen von Blume zu Blume. Elisabeth schloß die Augen. Ihre Gedanken eilten zurück zu der Heimat, zu der glücklichen Zeit, wo er, der jetzt einer anderen gehörte, so oft neben ihr herschritt und sie ansah, so innig, so lieb und gut, und ihr erzählte von seiner Jugendzeit, die so reich an Entbehrungen war, von seiner Mutter und den Schwestern. Damals lag das Leben vor ihr wie ein sonniger Maimorgen, wie ein blühender Garten. Und nun? Dunkel war es um sie her geworden, dunkel und trostlos öde. So bald war das Glück wieder von ihr gegangen, um nie, nie mehr zurückzukehren.—— Plötzlich schreckte sie empor aus ihren Träumereien. Ein rascher Schritt näherte sich dem stillen, einsamen Plätzchen, und als sie aufblickte, stand — Karl-v. Wolfegg vor ihr. Sie machte eine Bewegung, als wollte sie davoneilen, wie abwehrend streckte sie beide Arme aus, doch besann sie sich, und saß dann mit fest auf einander gepreßten Lippen da. Auf ihrem schönen Gesicht lag ein finsterer, trotziger Ausdruck, und das Herz schlug in so rasendem Tempo, daß sie fürchtete, der vor ihr Stehende könnte es hören. „Ich habe Sie gesucht, Elisabeth, denn ich muß Sie sprechen,“ sagte er möglichst ruhig, doch vermochte er das Beben seiner Stimme nicht ganz zu unterdrücken. Er machte eine Bewegung, als wollte er ihre Hände erfassen. Sie kreuzte mit spöttischem Auflachen die Arme über die Brust. „Mich— sprechen?" wiederholte sie.„Was hätten wir beide uns wohl noch zu sagen, Herr von Wolfegg?“ „Elisabeth,“ bat er dringend,„nicht diesen Ton, ich ertrage es nicht! Lassen Sie uns ruhig mit einander reden, wir werden uns verstehen, ohne viele Worte.“ „Entschuldigen Sie, mein Herr— aber meine Zeit ist gemessen, ich habe mich ohnehin zu lange hier aufgehalten. Ich muß zum Schlosse zurück, die Gäste werden bald hier sein,“ kam es in eisigem Ton von des Mädchens Lippen.(Forts. folgt.) 4 Hierauf werden Rechnungssachen erledigt. Das Haus versagt sodann die Genehmigung zur strafrechtlichen Verfolgung der Abgeordneten Peus und Thiele wegen Beleidigung durch die Presse. Es folgt der Bericht der Geschäftsordnungskommission, betreffend das Ersuchen des Reichstages um Mitteilung der Akten über ein den Reichstagsabgeordneten Jeffen(Däne) betreffendes Strafverfahren wegen Beleidigung. Präsident Graf Ballestrem teilt hierauf mit, daß heute Sessionsschluß eintrete. Abg. v. Normann(kons.) spricht dem Präsidenten den Dank des Hauses aus. Präsident Graf Ballestrem erwidert dankend und gedenkt seiner Mitarbeiter, der Vizepräsidenten und Schriftführer. Staatssekretär Posadowsky verliest hierauf, während die Sozialdemokraten sich aus dem Saal entfernen, eine kaiserliche Botschaft über die Schließung der Reichstagstagung. Mit einem Hoch auf den Kaiser, in das die Abgeordneten lebhaft einstimmen, schließt der Präsident um 3 Uhr die Tagung. Abgeordnetenhaus. Berlin, 30. Mai. Nach Erledigung von Petitionen folgt die Beratung des Gesetzentwurfs, betreffend die Verwaltung gemeinschaftlicher Jagdbezirke. Minister Podbielski bittet, die Vorlage in der Fassung des Abgeordnetenhauses anzunehmen. Dr. v. Quistorp führt aus: Durch Aenderung an den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses würde man die Vorlage gefährden. Hierauf werden die§§ 1 bis 3 nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses angenommen. Es folgt der Bericht über den Gesetzentwurf, betr. Uebertragung ansteckender Krankheiten. Graf Lesczynski bittet, das Gesetz abzuLehnen. Minister Studt führt aus, das Gesetz wolle nichts neues bringen, den Gemeinden und Gutsbezirken biete es aber große Erleichterungen. Er bitte, dem Antrage des Vorredners nicht stattzugeben. Nach längerer Debatte werden die Paragraphen bis 24 angenommen. Mittwoch: Weiterberatung. Der russisch=japanische Krieg. London, 30. Mai. Nach Meldungen aus Tokio verursachte in der Seeschlacht die russische Formation die schnelle Vernichtung des Geschwaders. Roschdjestwensky formierte so, daß die Schlachtschiffe östlich, die Kreuzer westlich, die große Zahl der minderwertigen Schiffe dazwischen standen. Dieses Zentrum wurde durch das anhaltende japanische Feuer in höchste Unordnung gebracht und dadurch auch beide Flügel in Mitleidenschaft gezogen. Die eigentliche Schlacht dauerte nur kurz. Die russischen Schiffe erwiderten das furchtbare Feuer der Japaner nur schwach. Die Schiffe, die total in den Grund gebohrt wurden, erlagen meistens Torpedobootattacken. London, 30. Mai. Die japanische Gesandtschaft veröffentlicht folgende Depesche aus Tokio von heute: Die vier erbeuteten russischen Kriegsschiffe wurden heute wohlbehalten nach uneren Kriegshäfen gebracht, nämlich„Orel“ nach Maigurn,„Imperator Nikoläus I.“,„Generaladmiral Apraxin“ und„Admiral Ssenjawin" nach Sasebo. London, 31. Mai.:„Daily Expueß“ meldet aus Tokio: Der russische Kreuzer„Gromoboi“, mit fast 800 Mann an Bord, ist, als er Wladiwostok verließ, offenbar in der Hoffnung, sich mit dem Rest der baltischen Flotte vereinigen zu können, auf eine japanische Mine geraten und bei schwerer See mit Mann und Maus untergegangen. London, 31. Mai.„Daily Expreß" wird aus Kobe gemeldet: Japanische Fischerboote brachten eine Anzahl Russen an Land, die sie von den Booten und Schiffstrümmern ausgenommen. Die Russen erklären, daß die größere Schußweite der japanischen Geschütze es den Japanern ermöglichte, außer Gefahr zu bleiben, während sie die Russen mit mörderischem Feuer überschütteten. Infolgedessen verlor die ganze Flotte sehr schnell den Mut und geriet in eine Panik, die durch den Torpedoangriff noch gesteigert wurde. „Daily Expreß“ erfährt ferner aus Schanghai: Der russische Transportdampfer„Korea“ ist in Begleitung eines Schleppdampfers morgens in Wusung angekommen.„Korea" war durch große Schußlöcher in der Seite schwer beschädigt, auch waren alle Boote weggeschossen. Der Kapitän berichtet, er sei bei der russischen Flotte gewesen. Als das Feuer begann, wurden sein Schiff von mehreren Geschossen getroffen und er sei mit voller Geschwindigkeit davongedampft. Paris, 31. Mai. Aus Petersburg wird gemeldet:„Admiral Wirenius erklärte in einem Privatgespräch, das Marineministerium sei zurzeit außer stande, den japanischen Darstellungen irgend welche Berichtigungen entgegenzuhalten, ohne die ungünstigen Zustände anzugeben, denen die russischen Verluste zuzuschreiben sind. Man weiß, daß Roschdjestwensky in den madagassischen Gewässern die meiste Zeit darauf verwandte, seine Offiziere und Mannschaften auf das Verhalten und Manövrieren bei nächtlichen Torpedoangriffen vorzubereiten. Leider hatte Njebogatow nicht Zeit, gleiche Uebungen vorzunehmen. Roschdjestwenskys Voraussicht bewährte sich. Dem ihm unterstehenden Kommando gelang es, zahlreiche japanische Torpedoboote vor ihrer Annäherung zum Sinken zu bringen. Tokio, 30. Mai. Die zweite japanische Flotte holte gestern die Reste der russischen Flotte ein; der Untérgang des Flaggschiffes Roschdjestwenskys ird halbamtlich bestätigt. Tokio, 31. Mai. Es wiederholt sich das Gedie Russen hätten ihre Flotte getrennt gehabt. Ein Teil fuhr nordwärts östlich von Tsuschima vorbei. Der Rest soll in den Stillen Ozean mit dem Kurs nach Sachalin gefahren sein. Die Kreuzer aus Wladiwostok gingen nach Süden vor. Eine neue Seeschlacht steht bevor. Petersburg, 30. Mai. General Linjewitsch meldet dem Kaiser vor gestern: Eine japanische Abteilung, welche am 25. Mai Saimiauchin besetzte, verließ tags darauf das Dorf und marschierte nach Süden auf Aichilipou. Auf dem linken Flügel versuchte die feindliche Vorhut unsere Vorposten zurückzutreiben, wurde aber zurückgeschlagen. Berlin, 30. Mai. Wie die Rh. W. Ztg. erfährt, hat der Kaiser an den Zaren anläßlich des neuerlichen Unglücks der russischen Flotte ein in herzlichen Worten gehaltenes Telegramm gerichtet, in dem er seiner Trauer Ausdruck giebt. Petersburg, 30. Mai. Der Eindruck, welchen die Nachricht von der Niederlage auf den Zaren machte, war, wie eine hochstehende Persönlichkeit mitteilt, eine direkt niederschmetternde. Als der Zar das Telegramm in den Händen hielt, zitterte er an allen Gliedern und stammelte wiederholt die Worte: „Alles verloren.“ Hierauf zog er sich in sein Arbeitsgemach zurück und blieb dort den ganzen Nachmittag allein. Nur sein Leibarzt, Professor Dr. Hirsch hatte Zutritt. Die Zarin bemühte sich vergebens, ihn zu beruhigen. Der Zar verfiel in Fieber und mußte auf Anordnung seines Leibarztes sich ins Bett begeben.— Obwohl die Regierungskreise eifrigst bemüht waren, die Meldung von der Niederlage zu vertuschen, drangen doch Nachrichten in weitere Schichten der Bevölkerung. Infolge der großen Niederlage machte sich, so meldet Herolds Bureau von hier, eine starke Erbitterung Luft. Man beschuldigt die Regierung jetzt geradezu als Mörder. Man erinnert sich des schlechten Zustandes der Schiffe und spricht von Betrug der Regierung der Bevölkerung gegenüber. Die Propaganda der Tat soll das Todesurteil über den Großfürsten. Nikolai Alexandrowitsch(den eigentlichen Chef der Admiralität) ausgesprochen haben. Tokio, 30. Mai. Das japanische Staatsblatt hat kürzlich eine Aufstellung der Gefangenen und der Beute von Port Arthur veröffentlicht. Danach wurden 41641 Gefangene gemacht, nämlich 12 Generale und 5 Admirale, 1439 andere Offiziere, darunter 526 Verwundete und Kranke; 40 185 Unteroffiziere und Mannschaften des Heeres und der Marine, wovon 15 174 Kranke und Verwundete. Demnach waren bei der Uebergabe 25000 Mann noch kampffähig. 528 Geschütze, wovon acht von 28, sechs von 24, vierunddreißig von 23, zweiundachtzig von 15, hundertelf von 7,5 Zentimeter, wurden erbeutet, dazu 206 734 Geschosse; ferner 36 598 Gewehre mit 5,4 Millionen Patronen, 660000 Kilogr. Weizenmehl, 60 000 Kgr. Gerstenmehl, 11 000 Kgr. Maismehl, 450 000 Kgr. Biskuit, 26.000 Kgr. Fleischkonserven, 15000 Kgr. Zucker, 260000 Kgr. Salz u. Futter, um während 56 Tagen die gefangenen 1500 Pferde zu ernähren. Seit dem Beginn des Krieges bis zu der Aufmachung dieser am 18. April veröffentlichten Statistik haben die Japaner den Russen 814 Geschütze mit 492155 Geschossen und 112792 Gewehre mit 34,4 Millionen Patronen weggenommen. Von Nah und Fern. * Düsseldorf, 30. Mai. Gestern tagte hier in der Tonhalle der außerordentliche Verbandstag der rheinischen Raiffeisenorganisation zwecks Gründung eines selbständigen Verbandes auf Grund des Abkommens mit dem Reichsverbande. Der Verbandstag, an dem etwa 500 Vertreter der einzelnen Vereine teilnahmen, nahm laut„Köln. Volksztg.“ die vorliegenden: Statuten an und schloß sich damit als selbständiger Verband dem Reichsverbande an. Die Versammlung wählte sodann Herrn Generaldirektor Caspers auf mindestens sechs Jahre zum Verbandsdirektor des nunmehr selbständigen Verbandes uno zu seinem Stellvertreter Herrn Reinartz=Heerdt. * Düsseldorf, 31. Mai. Zu Anfang dieses Monats hatte die hiesige Metzgerinnung eine erhebliche Steigerung sämtlicher Fleischpreise mit den erhöhten Schlachtviehpreisen begründet. Der letzte Monatsnachweis des städtischen statistischen Amtes will nun nach genauer Prüfung der Marktlage feststellen können, daß vielleicht mit Ausnahme des Schweinefleisches eine Erhöhung der Fleischpreise durch die Schlachtviehpreise ungerechtfertigt sei. * Düsseldorf, 31. Mai. Gestern ist Maler Professor Emil Volkers gestorben. Mit ihm ist wieder einer der Senioren der Düsseldorfer Künstlerschaft geschieden, ein Mann, der sich als Künstler hoher Wertschätzung erfreute, wie er als Mensch seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften wegen bei allen, die mit ihm in Berührung gekommen, in bestem Ansehen stand. * Wevelinghoven, 31. Mai. Das Kaiserliche Postamt in Wevelinghoven führt fortan die zusätzliche Bezeichnung„Kreis Grevenbroich."— Der Kirchengesangverein„Cäcilia“ feiert Sonntag, den 4. Juni, das Fest der Weihe einer neuen Vereinsfahne unter Miwirkung der Gesangvereine von Kapellen, Grevenbroich, Hochneukirch, Höningen und des städtischen Gesangvereins Cäcilia. Das Programm ist folgendes: Morgens Hochamt, nach demselben Weihe der Fahne, nachmittags Festzug durch die Stadt, vom Vereinslokale des Wirtes Höfeler ausgehend. Nach dem Festzuge im Hotel Venten Vokal= und Instrumental=Konzert. * K r e f e l d, 3 1. M a i. Z w e i L e h r l i n g e d e r S e i d e n färberei Aktiengesellschaft Gustav Büschgens u. Sohn hielten es gestern Abend in einem unbewachten Augenblick für angezeigt, ihre Kräfte in einem Ringkampfe zu messen. Während des Ringens stürzte einer der Kämpfenden tot zu Boden Ob ihn ein Schlaganfall getroffen hat, oder ob ihm, wie der Arzt vermutet, schwere innere Verletzungen beigebracht worden sind, wird die weitere Untersuchung ergeben. Krefeld, 31. Mai. Zum 14.rheinischen Feuerwehrverbandsfeste am nächsten Sonntag sind 180 Wehren angemeldet, eine Zahl, die bisher bei einem der vorhergegangenen 13 Verbandsfeste noch nicht erreich worden ist. An dem Festzuge werden sich 6000 Personen beteiligen und zwar 5500 Feuerwehrleute und 17 Musikabteilungen, sowie 42 Trommlerkorps mit zusammen 500 Mann. * Bockum, 31. Mai. In der Favrik von G Büschgens und Sohn bespritzten sich gestern Nachmittag zwei jugendliche, mit Färben beschäftigte Arbeiter gegenseitig mit Wasser. Aus dieser Neckerei entstand bald eine ernste Rauferei, bei der der eine Arbeiter dem andern einen Stoß gegen den Unterkörper versetzte und ihn zu Boden warf, so daß der Gestoßene mit dem Kopf aufschlug, wo er tot liegen blieb, Das Ereignis ist um so trauriger, als der erst 19 Jahre alte Verstorbene Ernährer seiner Mutter, einer Witwe, gewesen sein soll. * A a c h e n, 3 1. M a i. D e r A a c h e n e r V e r e i n z u r Förderung der Arbeitsamkeit bewilligte 50000 M für das neue Institut für Eisenhüttenkunde an der Technischen Hochschule und ferner auf drei weitere Jahre je 20,000 Mark zur Unterstützung der handarbeitenden Klassen mit Lebensmitteln und Feuerungsmaterial. Köln, 31. Mai. Durch Großfeuer wurde in vergangener Nacht die in der Hospeltstraße zu Köln=Bickendorf belegene Fabrik der Gesellschaft für Hartpapierwaren-Industrie m. b. H. Geschäftsführer Wilh. Oldemeyer, eingeäschert. Der entstandene Schaden wird auf 50—60000 Mk. beziffert; etwa 60 Arbeiter sind durch den Brand beschäftigungslos geworden.— Gestern Nachmittag erregten in der Kirche St. Kunibert zwei Personen durch ihr Verhalten den Verdacht des Küsters. Derselbe beobachtete die Personen, als sie dabei waren, mittels Leimruten die Opferstöcke zu bestehlen, und veranlaßte nach ihrer Entfernung aus der Kirche ihre Festnahme. Einer der Kirchenräuber entfloh. Bei der polizeilichen Visitation des Arrestanten wurden Leim, Ruten und mit Leim behaftete Silber=, Nickel= und Kupfermünzen vorgefunden. Köln, 31. Mai. In der verflossenen Nacht brach in der Hartschen Papierfabrik in Köln=Ehrenfeld Feuer aus, das schnell um sich griff und trotz des energischen Eingreifens der Kölnischen Feuerwehren die ganzen Anlagen zerstörte. Der Betrieb ist vollständig gestört. Köln, 31. Mai. Wie wir gestern meldeten, hat in der Nähe von Niel ein Feldhüter einen Mann erschossen. Diese Tat stellt sich nach den nunmehr stattgehabten polizeilichen Ermittelungen als die Tat eines Mordbuben heraus, der bereits am Nachmittag in verschiedenen Wirtschaften unter Vorzeigung einer Anzahl Patronen äußerte, heute muß einer daran glauben. Der Feldhüter Fraß, der früher als bekannter Wilddieb die Stelle eines Feldhüters erhielt, legte sich in angetrunkenem Zustand auf die Lauer, um den ersten besten des Weges kommenden Menschen zu erschießen. Mehrere Radfahrer sahen ihn schußfertig im Gebüsch liegen, entkamen aber durch schleunige Flucht. Den Radfahrer Blömer, der mit seinem 15jährigen Sohn die Stelle passierte, ereilte das Geschick. Durch eine Kugel in den Kopf getroffen, stürzte er tot vom Rad. Man kann es als ein Wunder bezeichnen, daß der zu Tode erschrockene Knabe demselben Schicksal entging. Fraß sitzt hinter Schloß und Riegel. Essen, 30. Mai. Heute Mittag kurz nach 1 Uhr brach zwischen Bottrop und Osterfeld ein umfangreicher Waldbrand aus. Ungefähr 2000 Morgen Königliche, Thyssensche und Arenbergsche Forsten sind zerstört, zahlreiche Hirsche und Rehe sind dem Feuer zum Opfer gefallen. An den Eindämmungsarbeiten sind die Feuerwehren von Bottrop, Osterfeld und Sterkrade beteiligt. * Essen, 31. Mai. Der Waldbrand in Kleekamp, den man gestern Abend als bemältigt ansah, brach heute Mittag von neuem aus, bis der gegen 2 Uhr einsetzende Gewitterregen das Feuer vollständig löschte. Durch sechs bis sieben Gegenfeuer und Aufwerfen von Gräben hatte man bis dahin vergeblich versucht, ihm Einhalt zu tun. An 2000 Morgen königlicher Forsten, meistenteils 35 jähriger Fichtenbestände, sind vernichtet, während die benachbarten Thyssenschen u. Arenbergschen Waldungen unbeschädigt sino. Das Feuer entstand in der Nähe des Forsthauses Bischofssondern und erstreckte sich über das Dreieck zwischen den Orten Bottrop, Sterkrade, Kirchhellen und Els. Man vermutet, daß Brandstiftung vorliegt. Gelsenkirchen, 31. Mai. Im benachbarten Erle setzten Kinder auf der neuerbauten Zichenbahn leere Waggons in Bewegung. Der 9jährige Gustav Chilinski wollte von einem Wagen abspringen, geriet aber unter die Räder, die ihm über den Hals gingen. Der Knabe starb kurz darauf. Hattingen, 31. Mai. Beim Baden in der Ruhr ertrank gestern Nachmittag 5 Uhr der 13jährige Sohn des Streckenwärters Vogel aus Bochum=Hamme. * R e m s c h e i d, 3 1. M a i. I n d e r N o r d s t r a ß e k a m gestern Abend ein Knecht des Tuckingschen Fuhrgeschäfts bei dem Versuche, auf seinen Wagen aufzuspringen, unter die Räder seines Gefährts; er wurde überfahren und getötet. Dortmund, 31. Mai. Ein großer eiserner Kamin— etwa 40 Meter lang— stürzte gestern auf dem Thomasschlacken= Mohlwerk der Hermannshütte um. Da die Arbeiter gerade Kaffeepause hatten, ruhte der Betrieb, neshalb niemand verletzt wurde. * Bielefeld, 31. Mai. In Gobfeld bei Bad Oeynhausen ist gestern Abend die Möbelfabrik Nolting und Gießelmann vollständig niedergebrannt. * Minden, 31. Mai. Der hiesigen Polizei ist es gestern gelungen, ein großes Diebes= und Hehlernest auszuheben. Ganze Wagenladungen gestohlener Gegenstände wurden beschlagnahmt. Koblenz, 31. Mai. Durch das letzte Frostwetter ist, laut der„Rh.=W. Ztg.“, am Mittelrhein die Weinernte in Steg, Niederheimbach, Oberheimbach, Bacharach, zum großen Teil vernichtet. In den niedrigen Lagen im Nahetal, sowie im Gebiet des oberen Hunsrück sind die ganzen Weinberge erfroren. Im Rheingau haben die berühmten Gemarkungen von Geisenheim, Johannisberg, Erbach, Hattenheim, in ihren tieferen Lagen derart gelitten daß eine Ernte nicht zu erwarten ist. Auch in Rheinhessen hat das Frostwetter die Hoffnungen der Winzer vernichtet. Speziell sind die Tallagen, in welchen Portugieser und Burgunder Weine gepflegt werden, arg mitgenommen worden. Koblenz, 1. Juni. Die Polizei verhaftete, der „Kobl. Ztg.“ zufolge, eine feingekleidete Dame, die im Verdacht steht, in Düsseldorf einen Juwelendiebstahl ausgeführt zu haben. Auch in Koblenz soll sie versucht haben, Diebstähle auszuführen. * Emmerich, 31. Mai. Ein Großfeuer äscherte gestern Nachmittag die Tabakfabrik von Heydeman und ein anstoßendes Haus in der Kaßstraße vollständig ein. * H a l b e r s t a d t, 3 1. M a i. D e r S c h n e l l z u g 1 3 0 i s t gestern Nachmittag 3,40 Uhr bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Heudeber=Dannstedt mit den letzten 5 Wagen entgleist; 2 stürzten zur Seite. Drei Reisende wurden schwer verletzt(Gehirnerschütterung, Rippenbruch, Bluterguß ins Ohr), drei leicht (Kopfhautabschürfungen). Beide Hauptgleise waren etwa 8 Stunden gesperrt. Die Reisenden mußten bis zur Freimachung des Gleises an der Unfallstelle umsteigen. Die Ursache war anscheinend Verwerfung des Gleises unter dem Zuge infolge der großen Hitze. Hannover, 30. Mai. Eine Familientragödie hat am Montag Nachmittag in den Fluten der Ihme im Schnellengraben anscheinend ihren Abschluß gefunden. Nachdem zunächst die Leiche eines dreijährigen Knaben aufgefunden war, wurde abends noch die Leiche einer etwa 30 Jahre alten Frau gelandet. Es ist anzunehmen, daß Frau und Kind zusammengehören und daß möglicherweise noch zwei weitere Kindesleichen im Wasser liegen, denn es wurden am Ufer drei Kinderhüte gefunden, die offenbar den Opfern der unseligen Tat gehört haben. * Kolmar i. E., 30. Mai. Heute Morgen fand hier die Hinrichtung des Raubmörders Böhm aus Straßburg statt. Böhm hatte im Sommer des vorigen Jahres zwei Schwestern in seine Netze gelockt und beabsichtigte, sich mit einer von ihnen zu verloben. Da er sich in großer Geldverlegenheit befand, gab er in Straßburg eine Postanweisung über 95 Pfg. an eine fingierte Adresse in Schlettstadt auf, wo er ein möbliertes Zimmer genommen hatte. Als der Geldbriefträger erschien und das Geld aufzählte, versetzte Böhm ihm einen fürchterlichen Stich mit einem Küchenmesser in den Rücken. Der Briefträger war sofort tot. Böhm entfloh, wurde aber nach hartnäckigem Widerstande noch an demselben Tage in einem Kornfeld verhaftet und vom Schwurgericht in Kolmar zum Tode verurteilt. Nachdem der Kaiser auf sein Begnadigungsrecht verzichtet hatte, wurde nun heute an Böhm, der gefaßt in den Tod ging, das Urteil vollzogen. * Leipzig, 30. Mai. In Möckern, Wahren und andern Vororten Leipzigs sind, den Leipziger„N. Nachr.“ zufolge, zahlreiche Erkrankungen nach Genuß verdorbenen Fleisches vorgekommen. In Wahren sind bereits zwei Kinder gestorben. Lokales. Neuk. 2. Juni. X Vom Wetter. Am Mittwoch war die höchste Temperatur 20 Grad über Null. Zwischen 3 und 4 Uhr nachmittags entlud sich von Nordwest heraufziehend ein Gewitter mit reichlichem Regen und Hagel, dem später noch mehrere kleinere Regenschauern folgten. Die Temperatur sank während des Gewitters bis auf 13 Grad. Das Barometer zeigte hingegen keine Veränderung. In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag sank die Temperatur auf 9 Grad. Barometer stieg um 2 Millimeter. Gestern Donnerstag betrug die höchste Temperatur 16 Grad. In der Nacht von Donnerstag auf Freitag tiefster Stand 8 Grad. Heute Morgen 7 Uhr 10 Grad. Barometer seit gestern 3 Millimeter gestiegen. Wind nordwestlich. —“ Schulwesen. Um Unregelmäßigkeiten bei Verzug von Familien mit schulpflichtigen Kindern in andere Gemeinden möglichst zu verhindern, hat die Königliche Regierung zu Düsseldorf unter dem 1. Mai 1905 angeordnet, daß der Ueberweisungsschein auch den Tag des Austritts aus der bisher besuchten Schule angeben müsse. In den Ueberweisungsscheinen, die diese Angabe nicht haben, ist eine besondere Spalte hierfür einzufügen. Diese Mitteilung möge säumigen Eltern zur Warnung dienen. —* Der achte Kriegertag des Kreis=Kriegerverbandes Neuß wird Sonntag, den 4. Juni, nachmittags 4 Uhr, zu Rommerskirchen in der Wirtschaft Kessel abgehalten werden. * Ein leichtes Gewitter mit kurzem, kräftigem Regen und Hagelschlag zog Mittwoch Nachmittag gegen 4 Uhr über unsere Stadt hinweg. Die Hagelkörner erreichten die Größe einer Haselnuß, haben aber, da sie ziemlich ruhig niederfielen und der Hagelfall nicht lange andauerte, kaum Schaden angerichtet. * Am gestrigen Himmelfahrtstage wurden 39 Schüler des Königl. Gymnasiums zum ersten Male zum Tische des Herrn geführt. Die Feier fand in der üblichen Weise in der Münsterkirche statt, wohin die Erstkommunikanten in feierlicher Prozession vom Gymnasium abgeholt wurden. O Das gestrige Konzert im Stadtgarten=Restaurant war sehr gut besucht und fand starken Anklang. Die Uerdinger städtische Kapelle unter Leitung des Herrn W. Habig hatte ein reichhaltiges und schön geordnetes Programm gewählt, das sie in bester Weise zum Vortrage brachte. Wiederholter Beifall lohnte die Musikvorträge. Während des Konzertes bewegte sich eine unabsehbare Menschenmenge in den Anlagen des Stadtgartens. Das gestrige Wetter hatte die ganze Stadt herausgelockt, so daß sich ein selten starker Verkehr von Spaziergängern entwickelte. * Die Vereinigung der Prozession Allerheiligen nach Kevelaer hielt gestern nachmittag 6 Uhr im Lokale des Herrn Fr. Servaes, Zolltor, ihre vierteljährliche Generalversammlung ab, die aber leider nur sehr schwach besucht war. Es wurden in derselben Vorbesprechungen bezügl. der diesjährigen Wallfahrt gehalten und Vorschläge betreffend der Fahnenträger und Fahnenjunker entgegengenommen. Montags nach Fronleichnam traf bis jetzt in der Regel die erste Prozession in Kevelaer ein und zwar aus Pfalzdorf. In diesem Jahre aber ertönte schon am vergangenen Sonntag das helle Glöcklein der Kerzenkapelle, die erste Pilgerschar(1100 Personen aus Duisburg) zu begrüßen. Für Donnerstag ist die Prozession aus Ueckendorf=Wattenscheid angemeldet. Die Eisenbahnverwaltung hat nämlich verschiedene Gemeinden ersucht, jetzt schon nach Kevelaer zu wallfahren. Augenblicklich könnten die erforderlichen Personenwagen zur Verfügung gestellt werden, während dies im Herbste nicht so gut möglich sei. Sicher wäre außer den beiden erwähnten noch mehr Orte auf den Vorschlag eingegangen, wenn nicht von Kevelaer aus dringend abgeraten worden wäre. Viele und sehr wichtige Gründe lassen es nicht als zweckmäßig erscheinen, die eigentliche Wallfahrtszeit früher zu beginnen und so auszudehnen. —* Die rheinisch= westfälische Deputation zur Ueberreichung eines gemeinsamen Hochzeitsgeschenkes der Provinzialverbände von RheinlandWestfalen und ihrer Stadt= und Landkreise anläßlich der Vermählung des Kronprinzen wird Montag, den 5. Juni, vormittags 11 Uhr, in der Braunschweigischen Gallerie des Königlichen Schlosses zu Berlin von dem Brautpaar empfangen. Die Deputation wird eine Adresse, unterzeichnet von den Vorsitzenden des Provinziallandtages und des Provinzialausschusses und dem ältesten Kreislandrat jeder der beiden Schwesterprovinzen, überreichen. In der GlückwunschAdresse wird auch das Hochzeitsgeschenk der Provinzen, bestehend aus Tafelzierstücken, angekündigt. —“ Der 40. Verbandstag des rheinisch= westfälischen Verbandes Gabelsberger Stenographen wird in den Tagen vom 1. bis 3. Juli in Witten abgehalten werden. Den Festvortrag hat Herr Dr. Clemens, Vorsteher des Königl. Stenographischen Instituts zu Dresden, übernommen. * D i e A n n o n c e i m S o m m e r i s t, s o g l a u b t m a n cher Geschäftsmann, nicht von so großer Wirkung, wie im Winter. Diese Annahme hat einen Schein der Berechtigung dadurch, daß das allgemeine geschäftliche Leben im Herbst und Winter viel lebhafter pulsiert, wie gegenwärtig. Andererseits darf aber nicht vergessen werden, daß für viele Branchen gerade jetzt die„Saison“ ist und eine rege Insertion sich wohl lohnen dürfte. Es sei darauf hingewiesen, daß für die Manufakturwaren=Firmen, die Herren= sowohl als auch Damen= und Kinder= Garderobegeschäfte, Putzgeschäfte überhaupt für alle Zweige der Bekleidungsindustrie eine rege Reklame im Sommer ebenso wirksam sein dürfte, wie im Herbst und Winter; denn daß die Wünsche unserer Familienmitglieder und die Kauflust derselben in Bezug auf Bekleidungsartikel, jetzt mindestens ebenso groß sind als im Winter, wird es jeder Hausvater, der für eine größere Schaar zu sorgen hat, seufzend bestätigen. Hierzu kommt noch, daß jetzt die vielen Sommerfestlichkeiten stattfinden! Zu jeder derselben sind Neuanschaffungen nötig. Einkäufe werden aber in unserem Zeitalter der Reklame bekanntlich meistens nur bei denjenigen Firmen gemacht, die regelmäßig annoncieren und so dem Publikum ständig vor Augen halten, was es Neues, Schönes und Gutes giebt. Sehr empfehlenswert ist regelmäßiges Inserieren während der Sommermonate, besonders auch für Inhaber von Vergnügungs= und Ausflugsorten 2c. Die sonntäglichen Ausflügler lenken mit Vorliebe ihre Schritte dahin, wo ihnen ein„zurer Tropfen“ und ein anständiger„Happen“ in Aussicht gestellt sind. 90 am Sitzung der Handelskammer vom 30. Mai 1905. Punkt 1 der Tagesordnung: Festsetzung des Etats pro 1905/6: Der Etat wird in Einnahme und Ausgabe auf rund Mark 3000,00 festgesetzt, und beschlossen, zur Deckung dieses Betrages, wie bisher, 8% von der Gewerbesteuer der zu den Gewerbesteuerklassen I, II und III veranlagten Beitragspflichtigen zu erheben. Punkt 2: Von hiesigen Interessenten sind bei der Handelskammer Klagen eingelaufen über die Erhöhung des Fahrgeldes der Staatsbahn zwischen Neuß und Düsseldorf infolge der durch die Verlegung der Strecke entstandenen größeren Entfernung. Die Kammer spricht die Ansicht aus, daß die Bahnverwaltung für im bahntechnischen Interesse vorgenommene Veränderungen der Strecke keine höheren Fahrpreise verlangen könne und beschließt, in diesem Sinne bei dem Ministerium der öffentlichen Arbeiten vorstellig zu werden und zu beantragen, daß die Fahrpreise zwischen Neuß und Düsseldorf auf die früheren Beträge reduziert werden. Punkt 3: Bezüglich der Besteuerung der Gesellschaften m. b. H. laufen von verschiedenen Handelskammern fortwährend neue Vorschläge ein. Die Kammer, welche dies erwartet hatte, beschloß s. Zt., eine Zusammenkunft von Vertretern der rheinisch=westfälischen Handelskammern anzuregen; doch wurde dieser Anregung keine Folge gegeben, obschon es im Interesse der Sache wünschenswert gewesen, damit eine einheitsiche Stellungnahme zu Stande gekommen wäre.— Die Kammer beschließt, nunmehr selbstständig eine Eingabe an den Herrn Minister für Handel und Gewerbe zu richten, worin beantragt wird, die Gesellschaften m. b. H. nicht zur Einkommensteuer heranzuziehen. Von Seiten des„Deutschen Handelstages“ sind Vorschläge gemacht worden, bezüglich der Anmeldung von Veränderungen in den Betriebsstätten. Die Kammer beschließt, sich dem Antrage anzuschließen und denselben durch eine Eingabe an den Minister für Handel und Gewerbe zu unterstützen. Die„Gesellschaft für wirtschaftliche Ausbildung" in Frankfurt a. M., teilte der Kammer mit, daß sie im Oktober ds. Is. einen Vortragskursus für Ingenieure, Chemiker und Beamte industrieller Unternehmungen in Essen veranstalten wird. Das Programm ist ein reichhaltiges, und sind die besten Lehrkräfte für die Vorträge gewonnen. Die Teilnehmergebühr für den ganzen Kursus beträgt Mk. 50,00 für die Person. Die Beamten industrieller Unternehmungen, welche sich dafür interessieren, können Näheres durch die Handelskammer(Mühlenstraße 62) in Neuß erfahren. Die Königliche Eisenbahndirektion in Köln macht darauf aufmerksam, daß viele Unregelmäßigkeiten im Stückgutverkehr darauf zurückzuführen sind, daß die betr. Güter nicht sorgfältig gezeichnet werden. Aus diesem Grunde verweist dieselbe auf eine ältere Verfügung und legt gleichzeitig eine Anzahl von Signierfahnen und Beklebzettel bei, wie solche von der Bahn empfohlen werden und zu sehr billigen Preisen bei den Eilgut= und Güterabfertigungsstellen zu erhalten sind.— Es dürfte im Interesse der Beteiligten liegen, sich in möglichst großem Umfange dieser Signierfahnen und Beklebzettel zu bedienen. Aus dem Gerichtssaal. )1 Neuß, 31. Mai.(Schöffensitzung.) Wegen Gewerbesteuer- Uebertretung wurde der zu Düsseldorf wohnende Anstreicher Theodor G. in eine Geldstrafe von 36 Mark oder 6 Tagen Haft genommen.— Tagelöhner Gerhard C. von hier, wurde wegen gefahrlicher Mßhandlung, u1 Annahme mildernder Umstände, zu einer Geldstrafe von 6 Mark oder 2 Tagen Gefängnis verurteilt.— Von der Anklage des Hausfriedensbruchs, Sachbeschädigung und Mißhandlung wurde der Mühlenarbeiter Heinrich Sch. von hier mangels genügenden Beweises freigesprochen.— Mit drei Monaten Gefängnis bestrafte das Gericht den zu Hackhausen wohnenden Tagelöhner Mathias G. und zwar wegen Betruges.— Die Ehefrau Hermann Sch. aus Kaarst wurde wegen Mißhandlung in eine Geldstrafe von 6 Mark oder 2 Tagen Gefängnis genommen.— Der Schlossergeselle Heinrich R. von hier erhielt wegen einer PolizeiUebertretung eine Geldstrafe von 5 Mark oder 2 Tage Haft.— Ebenfalls wegen einer PolizeiUebertretung erhielt der Fuhrknecht Clemens B. von hier, 4 Mark Geldstrafe oder 2 Tage Haft.— Die Sache gegen den Fabrikarbeiter Wilhelm V. von hier wurde vertagt.— Eine hiesige Firma, der Oelbranche angehörig, wurde von der Anklage der Nahrungsmittelfälschung, mangels Beweises freigesprochen. Vermischtes. * Genickstarrt. Nach amtlicher Zusammenstellung sind bis 15. Mai in Oberschlesien 743 Personen an Genickstarre erkrankt und 355 gestorben. Im Stadtkreise Beuthen ist die Genickstarre=Epidemie stark im Abnehmen begriffen. In Breslauer Krankenhäusern befinden sich gegenwärtig sieben an Genickstarre erkrankte Personen. * Von den Marschallinseln und den Karolinenisseln wird über einen entsetzlichen Wirbelsturm berichtet, der am 20. April die Inseln Ponape und Kusate vollständig verwüstet hat. 25 Eingeborene sollen dabei getötet worden sein. * Wie man im Gefängnis Rentenbesitzer werden kann.: Vom 16. Februar bis 16. August 1903 verbüßte der Inhaber einer Dampfwaschanstalt zu Düsseldorf im königlichen Gefängnis an der Akademiestraße eine sechsmonatliche Gefängnisstrafe. Am 31. Mai 1903 kam er, als er mit anderen Gefangenen zur Kirche geführt werden sollte, auf der den ersten Stock mit dem Erdgeschoß verbindenden Treppe auf der zweiten oder dritten Stufe derart zu Fall, daß er sich den linken Arm, dicht über dem Handgelenke brach. Der betreffende Gefangene behauptet, der Unfall sei durch den verwahrlosten Zustand der Anstaltstreppe herbeigeführt worden, wofür der preußische Fiskus als Eigentümer des Gefängnisgebäudes aufkommen müsse. Die Gefährlichkeit der Treppe sei dadurch noch erhöht worden, daß durch den gebohnten Zellenboden seine, des Gefangenen Schuhe, glatt gewesen seien, und daß er außerdem von dem Gefangenenaufseher B. zur Eile angetrieben worden sei. Durch den Unfall sei sein linker Arm gebrauchsunfähig geworden, wodurch ihm ein Verdienstausfall von jährlich 4500 Mark entstanden sei. Er beantragt auf dem Klageweg gegen den preußischen Fiskus Ersatz dieses Schadens, sowie Zahlung eines Schmerzensgeldes von 1000 Mark. Das Landgericht zu Düsseldorf verurteilte den beklagten Fiskus, dem Kläger den ihm durch den Unfall erlittenen Schaden zu ersetzen. Dieses Urteil wurde durch Entscheidung des 2. Zivilsenats des Kölner Oberlandesgerichts vom 15. April d. Is bestätigt. Telegraphische Depeschen. Paris, 1. Juni. Als der König von Spanien in der verflossenen Nacht gegen halb 1 Uhr von der Oper heimfuhr wurde aus der Menge in der Richtung des Wagens eine mit Nägeln geladene Bombe geschleudert, die mit lautem Knall explodierte. Ein Schutzmann, eine Frau, mehrere Pferde der den königlichen Wagen begleitenden Kürassiere wurden leicht verletzt. Zwei Personen wurden verhaftet. Tokio, 31. Mai. Der japanische Torpedobootszerstörer„Sadzanaini“ nahm am Abend des 27. Mai den russischen Zerstörer„Biedovy.“ Auf demselben waren und wurden zu Gefangenen gemacht: Admiral Roschdjestwenski und noch ein Admiral, beide schwer verwundet, und 80 Rufsen, einschließlich der Offiziere vom Stab des Linienschiffes „Knjäs Suworow,“ der am 27. Mai gesunken ist. Tokio, 31. Mai. Rußland verlor 22 Schiffe von 153411 Tonnen, außer dem Kreuzer„Almas,“ der fraglich ist, da er am 27. Mai in gefechtsunfähigem Zustande und anscheinend sinkend gesehen wurde. — Die japanischen Verluste sind noch nicht sämtlich festgestellt. Soweit bisher bekannt, ist kein Schiff ernstlich beschädigt. Der Verlust bei der 1. Division beziffert sich über 400 Mann. Prinz Jorikito ist gesund und Admiral Misu ist leicht verwundet. Tokio, 31. Mai. Die russischen Schiffe, die auf der Flucht den Hafen von Hamada anliefen und dort in Gefangenschaft geraten sind, sind der Admiral Utschakow und die Kreuzer Aurora und Isumund. Unter den in Sasebo eingebrachten weggenommenen Schiffen wird der Navariew genannt. Petersburg, 31. Mai. Heute früh werden in Zarskoje Selo sämtliche Minister, die Mitglieder des Kriegsrates und die hervorragenden Reichsräte zusammentreten, um angesichts der Meldungen über die Seeschlacht für die Korea=Straße, deren unglückliche Einzelheiten erst jetzt in vollem Umfange bekannt werden, über die Frage der Fortsetzung des Krieges zu beraten. London, 31. Mai. Die„Times“ meldet aus Petersburg: In der gestrigen Beratung in Zarskoje Sselo wurde beschlossen, der Bevölkerung die ganze Wahrheit mitzuteilen und die öffentliche Meinung durch Verkündigung sämtlicher Verluste zu beschwichtigen. Es verlautet, daß der Entschluß des Zaren, den Krieg fortzusetzen, unerschütterlich sei; er lehnte es ab, Frieden zu schließen, solange ein Soldat und ein Schiff vorhanden sei. Petersburg, 31. Mai. Linewitsch meldet dem Kaiser vom 29. Mai: Die russische Kavallerie nahm am 24. Mai bei dem Dorfe Gangowtzi, 15 Werst nördlich von Vankhego, kleine Proviantkolonnen weg, die von bewaffneten Chinesen begleitet waren. Handels=Nachrichten. Fruchtpreise zu Neuß am 2. Juni. • „" 1 8 2 0 „ 17 70 16— „ 15 50 15— 3,06—4,00 " 8, 6 0— 4, 6 0 " M 5, „" 2 2.— "" 24.— "" 2, 5 0 „ 7.— Weizen per 100 Kilo 1. Qual. „ 2.„„ Roggen per 100 Kilo 1. Qual. „ 2.„ Hafer per 100 Kilo Kartoffeln per 50 Kilo Heu per 50 Kilo Luzernerheu per 50 Kilo Maschinenstroh per 500 Kilo Flegeldrusch per 500 Kilo Butter per Kilo Eier(100 Stück) Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämtlicher Fruchtgattungen unverändert. Neuß, 2 Juni 3 Rüböl per 100 Kilo in Partien von 100 Ctr. (ohne Faß) 49 50 Rüböl per 100 Kilo faßweise(ohne Faß)„ 51— Gereinigtes Oel per 100 Kilo 3 Jhöh. als Rüböl Rübkuchen per 1000 Kilo waggonweise 106— „ in kleineren Partien 110— Kleien per 50 Kilo.„„ 5 60 Rübsl und Kuchen unverändert. M Neuß, 31. Mai. Produktenmarkt. Wegen des morgigen Feiertages war der Besuch an der heutigen Börse schwach. Die Stimmung für Getreide und Mehl war gut behauptet. Für Landware wurden noch höhere Preise als in der Vorwoche gefordert und bezahlt. Kraftfut ermittel bei reger Nachfrage weiter steigend Kleie ebenfalls fest. Koln, 31 Mai Rüböl in Partten von 5000 Ktl. 50.00 B. Okt. 50,50 B., 50,00 G. Köln, 31. Mai Fruchtmarkt. Hafer# 16.00. Heu 7,30—8,60, Maschinenstroh(Roggen) 4,80, Richtstroh(Flegeldrusch) 5.30—0,00, Krummstroh 4,30 die 100 Kil.„ Nagdeburg. 31 Mai Kornzucker 88%0 00,00-00,00, 75% 9,30—9,50, schwach. Brodraffin. Ia 22,25—00,00, Kristallzucker la 22,25—22,37½, gem. Raffin. 22,12½— 22.25, gem. Melis 21,62½—21,75 bei Posten aus erster Hand, ruhig. Rohzucker zur Durchf. vordf. Hamburg Mai 23.60 B.. 23.29 G., 00,00 bz., Juni 23,60 B., 23,30 00.00 bz., Aug. 23,85 B., 23,75 G., 23.80 bz., Okt. 20,35 B. 20,20 G., 00.00 bz., Okt.=Dez 20,00 B., 19,90 G., 00,00 bz., Jan.=März 20 05 B., 20,00 G., 20,05 bz., schwach. Die Restvorräte der ersten Hand an Ersterzeugnis betrugen Ende Mai 627000 Ztr.(i. V. 827000 und 1903 832000 Ztr.) Berlin, 31. Mai. Fruchtmarkt. Weizen Mai 000,00, Juli 176,50, Sept. 171,25. Roggen Mai 151,00, Juli 151,25, Sept. 144,25. Hafer Mai 000,00, Juli 140,25. Mais Mai 000.00, Juli 119•00. Rüböl Mai 09,00, Okt. 4970 Wetzenmehl 21,50—23,25.=Roggenmehl 18 20—19.70, Mai 00.00 M Vermehrtes inländisches Angebot, sowie die durch das warme Wetter herbeigeführte Zurückhaltung des Verbrauchs haben bei trägem Verkehr die Preise für Brot: getreide am heutigen Getreidemarkt um 1/1 M abbröckeln lassen. Hafer blieb behauptet. Mais war auf Deckungen gegen schlechte Ankünfte in Hamburg befestigt. Rüböl war unverändert Polizei=Verordnung. Auf Grund der§§ 5 und 6 a u. k des Polizei=Gesetzes vom 11. März 1850 wird für den Umfang der Gemeinde Holzheim folgendes verordnet. § 1. Alle im Freien befindliche Hunde müssen an der Leine geführt oder mit Maulkörben versehen sein, welche von der Ortspolizeibehörde gestempelt und von Blech oder Eisendraht so angefertigt sind, daß das Beißen verhindert wird, das freie Atmen und Abkühlen der Zunge aber gestattet ist. S 2. Ausnahmen finden nur statt bezüglich der Jagd- und Hirtenhunde, während sie zur Jagd oder zum Hüten des Viehes benutzt werden. § 3. Gegenwärtige Verordnung tritt mit dem 1. Juli cr. in Kraft und werden Contraventionen gegen dieselbe mit einer Geldstrafe von 3—9 Mark oder mit vevhältnismäßiger Haft bestraft. Holzheim, den 1. Juni 1876. Der Bürgermeister, Axler. Vorstehende Polizei=Verordnung bringe ich hiermit in Erinnerung. Löveling, den 30. Mai 1905. Die Polizei=Verwaltung. Der Ehrenbürgermeister, Hoffmann. Verding. Für den hiesigen Marktplatz sind die Pflasterarbeiten ohne Steinlieferung zu vergeben. Nähere Auskunft wird auf dem städtischen Bauamt erteilt, woselbst die Zeichnungen einzusehen und die sonstigen Unterlagen gegen Erstattung der Imdruckkosten erhältlich sind.(4018 Die Angebote sind verschlossen und mit entsprechender Aufschrift versehen bis zum 10. Juni, vormittags 10 Uhr, an das Stadtbauamt einzureichen. Neuß, den 31. Mai 1905. Der Stadtbaumeister: Sittel. Sargmagazin leuss. Heinrich Hahn, Grösste Auswahl. Billigste Preise. Telephon Nr. 317. Ludw. Spangenberg Zahntechniker, bei der Allgemeinen Orts krankenkasse Neuss zugelassen, Büchel 10 Neuss am Markt Spezialität: Schmerzloses Auszieher bei normalen Verhältnissen. Plombieren, Zähnereinigen Nervtöten etc.(518 Feinste Anfertigung künstlicher Zähne — unter Garantie.— zu den billigsten Preisen. Hambura. 31. Mai. Weizen ruhin, Mecklenburger und Ostholfteiner 178—1d.. Roggen ruhig, Mecklenburger und Altmärker 153—155, russ. cif 9 Pud 117,00. Gerste ruhig, südruss. ei 105½. Hafer fest, Holsteiner und Mecklenb. 154—156. Mais fest, runder in greifbarer Ware. Petroleum stetig, 5.80. Salpeter ruhig, vorr. 10,80, Mai 00,00, Hamburg, 31. Mai. Kaffee ruhig, Mai 00, Sept. 36¾, Dez. 37¼, März 37 ¾/6.. M 2.u— Bremen, 31, Mai. Schmalz vorr. Tups und Firkins 36¾, Dovpeletmer 37½, runig. Sveck stetig. Amsterdam, 31. Mai. Rüböl, vorr. Fl. 25½, Mai 00, Sept.=Dez. 24. Leinöl vorr. 20¼. Juni 20¼. JuniAug. 20 5 Sept.=Dez. 21¾, Jan.=Mai 22. Amsterdam, 31. Mai. Kaffee: Java Santos Juli 21 5/8, Sept. 21 7/8. Dez. 22 1/8. März 22%, Anwerpen, 31. Mai. Kaffee ruhig, Mai 00, Juli Auwwerpen, 2“ M Petroleum, Type weiß, vorr. Frs. 17½ bB., Mai 17½ B., Juni 17¾ B., Sept. 18½ B. Autwerpen, 31. Mai Schmalz, amerikanische Marke Wilcox, vorr. Fres. 88½2, Mai 09, Juli 87¼, Sept 88. Paris, 31. Mai. Weizen stetig, Mai 24,15, Juni 24,40 Juli=Aug. 23.65, Sept. Dez. 21,75. Roggen ruhig, Mai 16.25, Sept.=Dez. 15.25. Mehl stetig, 54.75, Juni 54.50, Juli=Aug. 53.50. Sept.=Dez. 44.75. Zucker stetig roher 88% 29,75—30,25, weißer stetig, Mai 34.00, Juli=Aug. 34,62½, Okt. Jan. 3, 62 1/, Jan.= April 31,87½. Leinöl matt, Mai 45,50, Sept.=Dez. 48.00. Talg 60,00 Fr.„„ Hun, 31. Mai. Baumwollol o. F. raff. 16 S. 4½ D., rohes 15 S. 4½ D., raff. Juni=Aug. 16 S. 7½ D. Leinöl o. F. 18 S. 6 D., Juni Aug. 19 Sept=Dez. 19 S. 6 D. London, 31. Mai. Metallmarkt. Kunfgr, fest, Chili=Bars, good ordin. brands L. 65.2.6. 3 Monate 65.2.6 Best Selected 69¾. Zinn stetig, 136.—.—, 3 Monate 135.—.—. Blei fest, span 12.18.9, engl. 13.5.—. Zink stetig, gew. Marke 23.15—, bessere Mai. Getreidemarkt. Weizen Mai 101¼, Juni 00, Juli 86 7/8, Sept. 81, Dez. 80⅛. Mats Mai 60 Juni 00, Juli 49 ¾, Sept. 48 9/8, Dez. 46⅝ Hafer Mai 30½. Juli 30 3/8. Roggen Mai 90, Sept. 71. Leinsaat Mai 1.30, Sept. 00. New=York, 31. Mai. Getreidemarkt. Weizen Mai 00, Juni 00, Juli 91 7/8, Sept. 85¼. Dez. 84⅝ Hafer Mai 00, Juni 00. Mais Mai 00. Juni 00, Juli 55½. Sept. 00, Dez. 00. Mehl(spring whea: clear) 3,65 Getreidefracht n. Liverpool 1. Roggen VVr.- G. Biehmärte. Düsseldorf. 31. Mai. Schlach tviehmarkt. Auftrieb: 2 Ochsen, 263 Kühe und Rinder, 44 Bullen, 465 Kälber, 945 Schweine. Eingeführtes holl. Fleisch. 224 Biertel Großvieh, 87 Kälber, 56 Schweine, 0 Schafe. Preise pro 50 Kilo Schlachtgewicht: Ochsen: a. ausgemästete, höchsten Schlachtwertes 75—80, nicht ausgemästete und ältere ausgemästete J 00—00, a. Mäßig genährte jeden Alters## 09—00; Kühe und Rinder: a. Vollfleischige ausgemästete höchsten Schlacht: wertes 444 66—67, d. Aeltere ausgemastete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere Kühe und Rinder 4 63— 65, c. Mäßig genährte 60—61, d. Gering A 52—56; Bullen, a. Vollfleischige jungere höchsten Schlachtwertes 00—66, b. Mäßig genährte K 62— 64, c. Gering genährte+ 00—60; Kälber: Mast= und Saugkälber 00—85(Doppellender 95—00), v. Mittlere Mast- und Saugkälber 44 75—80, e. Gering genährte Saugkälber MA 66—70; Schweine: a. Vollfleischige, Lebendgewicht(feinere Rassen)## 00—70, b. Weniger fleischige und Fettschweine 00—68, c. Sauen und Eber 64—66 JA mit 20%/ Tara. Tendenz: Ochsen mittelmäßig Kühe und Rinder, Bullen und Kälber ziemlich lebhaft, Schweine lebhaft. Dinslaken, 29.Mai. Auftrieb: 1280 Stück Rindvieh. A. Kühe: 1. Beschaffenheit 500—600, 2. 400— 500, 3. 240—400, tragende Rinder 250—330. B. Stiere: K 210—315. 1. Beschaffenheit knapp vertreten und sehr begehrt, im übrigen Geschäft schleppeno: etwasUeberstand. Der Schweinemarkt war mit 498 Stück beschickt. Handel flott. Faselschweine# 2,50—300, Saug= schweine 350—4,00 die Alterswoche, fette Schweine M. 48—50 die 50 Kil. Lebendgewicht. Nächster Zuchtvieh= und Schweinemarkt am 13. Juni. Wolle. Antwerven. 31. Mai. Wolle fest. Deutscher La Plata=Kammzug(Vertrag B.) Mai Frs. 0,00, Sept. 5.30 Bradford. 29. Mai. Wollefest, grobe Kreuzzuchten mehr gefragt und anziehend. Garne tätiger. Amtliche Wechselziussätze der Notenbauken vom 31. Mai Amsterdam 2½. Belgische Plätze 3. Deutsche Plätze 3 Kopenhagen 4. Lissabon 4. London 2½. Plätze 5. Madrid 4½. Paris 3. Schweiz. Plätze 3½. Wien 3½ . Italten Petersburg 5¼. Standard=Muster. Der Vorstand des Vereins Berliner Getreide= und Produktenhändler, e. V., Berlin, bringt zur öffentlichen Kenntnis, daß die Standardmuster für den Deutsch Niederländischen Getreide=Kontrakt von Weizen, Roggen, Gerste und Mais der März 1905=Abladungen von dem Schwarzen Meer und dem Asow, sowie die Standardmuster für den Ostsee Kontrakt von Haser der April 1905=Abladungen von Libau am 31. Mai 1905 festgestellt sind. Ein schönes Zimmer auf der ersten Etage im Mittelpunkte der Stadt ist billig zu vermieten. Näheres in der Expedition der Neußer Zeitung. Ein Müller gefucht für Kundenmüllerei für sofort von(4017 Gebrüder Feiter, Horstermühle bei Randerath Kreis Heinsberg. Erhielt wieder einen Transvort prima ostfriesischer hochtragende und frisch milchender Kühe, wozu ich Käufer ergebenst einlade.(4045 Wwe. M. Neidhöfer. 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Bluhm, Bekanntmachung. # letzter Zeit verschiedentlich vorgekommen, daß dei Neubauten mit den Ausschachtungsarbeiten begonnen worden ist, ohne die nach§ 7a der Baupolizeiordnung vom 26. Oktober 1903vorgeschriebene Anzeige an die Polizeibehörde erstallet zu haben. Der Strafsenat des Kammergerichts hat sich unter'm 18. Mai 1905 dahin ausgesprochen, daß zum Beginn der Bauausführung bereits die Ausschachtungsarbeiten gehörten und somit der Polizeibehörde hiervon auf Grund des§ 7a der Baupolizeiordnung Anzeige zu erstatten ist. Indem ich das hiermit zur Kenntnis bringe, mache ich darauf aufmerksam, daß gegen die Zuwiderhandelnden das Strasverfahren eingeleitet wrd. Neuß, den 29. Mai 1905. Die Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeister: Gielen. Faailien=Nachrichten. Geboren: Hrn. Heinr. Neid höfer in Neuß 1 M.— orn Willy Woliers in M.=Gladbach 1.K.,— prn. Franz Schaaf in Köln 1 M—Hrn. Hans Bödding= haus in Elberfeld 1 M Berlobt: Frl. Nelly Schaaf Hru, Wluy Hauptmann, Düsseldorf.— Frl. Lilly Jäger mit Hrn. Ernst Nötzlin, Elberfeld. " F r l. T r a u d c h e n P i e l e n m i t Oüren Vongartz, Bonn und Vermählt Hr. Albin H. Freiberg mit Frl. Elisabeth Krall, Düsseldorf.— Hr. Max Korten mit ##rl. Frieda Heuser, Solingen. Gestorven: Hr. Carl Willick, 7 J., Köln.— Frl. Anna Maria Heyder, 72 J, Köln. Jahrgedächtn für die verstorbene Frau Joh. Neidhöfer und deren Sohn Mathias findet am Samstag, den 3. Juni, morgens 9 Uhr, in der St. Marienkirche statt. St. Elogius=Verein. Samstag, den 3. Juni, abends 8½ Uhr: II. General=Versammlung bei Jakob Schriddels Rheinstr., wozu alle Metallhandwerker freundlichst einladet 4030] Der Vorstand. Theater in Neuß. des Literarischen Schauspiel=Ensembles. — Direktion: Rudolf Roth.— Artistischer Leiter: Heinrich Liebmann vom Leipziger Schauspielhause. Sonntag, den 4. Juni, abends 8 Uhr, im Saale des Hotel Pelzer: Als nachträgliche Schillerfeier „Die Räuber“. 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