PTOTTTTT WOerzesth. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Bezugspreis monatlich 1,60 Mk. im voraus, bei der Post bestellt 1,81 Mk. Fernsprecher Nr. 26 T VeiTTT Verbreitet im Stadt= und Landbezirk Anzeigenpreis: Ein Millimeter Höhe 8 Pfg., Ermäßigung lt. Tarif, Reklamen 30 Pfg., Offertenbesorgung 50 Pfg. Annahmeschluß: morgens 7,30 Uhr. Druck und Verlag: Friedr. Keim. Tageblatt für Radevormwald und die Wupperortschaften Radevormwalder Anzeiger Radevormwalder Volksblatt Radevormwalder Generalanzeiger Radevormwalder Nachrichten as Heimat= und Anzeigenblatt Radevormwalds Verbreitungsbezirk außer Nadevormwald: Bergerhof, Kräwinklerbrücke, Krebsöge, Wilhelmstal, Dahlhausen, Dahlerau, Vogelsmühle, Remlingrade und Beyenburg. Nr. 304. Montag, den 31. Dezember 1934. 58. Jahrgang. Zum neuen Jahr Von Eduard Mörike. Wie heimlicherweise ein Engelein leise mit rosigen Füßen die Erde betritt so nahte der Morgen.— Jauchzt ihm, ihr Frommen, ein heilig Willkommen, ein heilig Willkommen! Herz, sauchze du mit! In Ihm lei's begonnen, der Monde und Sonnen an blauen Gezelten des Himmels bewegt. Du Vater, du rate. lenke du und wende! Herx, dir in die Händ: sei Ansang und Ende. sei alles gelegt! Wegwende Silvestererzählung von Otto Boettger=Seni. Das Jahr 1933 schritt, gebeugt unter der schweren Last aller Menschennöte und Menschensorgen, müde dem nahen Ziele zu. Man schrieb den Abend des 31. Dezember, und die spitzen Dächer eines kleinen winkligen märkischen Städtchen deckte Neuschnee in blendender Weiße Hier und dort— erst noch vereinzelt, dann immer häufiger flammten noch einmal die gelben, warmen Lichte an den festlich geschmückten Weihnachtsbäumen auf, und leise und gedämpft tönte es auf die Straßen und verlor sich in den engen Nebengassen— alte, vertraute Weisen, wie sie um die Jahreswende erklingen. * Schuhmachermeister Bethge stieß einen leisen Fluch aus. Die Schneeballen unter den schweren Stiefeln hätten ihn beinahe zu Fall gebracht, denn die verschiedenen Schnäpse im „Schwarzen Adler“ konnten bestimmt nicht daran Schuld sein, an die war er gewöhnt. Meister Bethge machte halt, um sich energisch den unter den Stiefeln zusammengeballten Schnee an dem Eckstein des Bürgersteines abzustoßen. Dann stand er unschlüssig, die Hände in der alten. abgelederten Lodenjoppe vergraben— sollte er jetzt schon heimgehen, oder—— ach was nach Hause kam er immer noch früh genug.—— So ein Abend wie heute behagte ihm nicht, er warf ihn aus dem gewohnten Gleise. stellte Anforderungen an ihn, die ihm lästig waren. Silvesterabend!—— Er kannte das vom vorigen Jahr. Seine Berta daheim war noch so vom alten Schlage. Sie hatte an solchem Abend ein so eigentümliches, kindhaftes Leuchten der Hoffnung in den Augen Als er vor einem Jahre am gleichen Tage von seinem Dämmerschoppen heimgekehrt war und sie damit beschäftigt fand. noch einmal die Lichter am Christbaum für ihren damals schon kranken Jungen zu entzünden, war es ihm eigentlich zum ersten Male so recht aufgefallen. Bethge blieb nachdenklich stehen Zwischen damals und heute lagen zwölf Monate, zweiundfünfzig sonnabendliche ausgedehnte Abendschoppen, und da draußen vor der Stadt ein immer frisch geschmücktes Kindergrab.“ Den Jungen hatten sie im Frühjahr hinausgetragen. Es war keine schwere Last gewesen und hatte sie doch so arg gedrückt. Und von diesem Tage ab dehnten sich die sonnabendlichen Schoppen immer länger in die Nacht aus. Er konnte sein Weib nicht weinen sehen, und er hatte selber an dem Jungen, ihrem Einzigen, gehangen. So war es gekommen mit der elenden Sauferei. Meister Bethge machte vor einer kleinen Kneipe halt, zögerte einen kleinen Augenblick, um dann schnell entschlossen die Tür zu öffnen Ein dicker, zäher Tabacksqualm wob seinen Schleier in schmutzigem Hellblau um einen buntgeschmückten, schon etwas nadelnden Tannenbaum, der neben dem runden Stammtisch seinen Platz gefunden hatte. Am Stammtisch selbst saßen etliche einsame Krauter. Meister Bethge wünschte ihnen einen Guten Abend und nahm dann, nachdem er sich einen steifen Grog bestellt hatte, an einem Nebentisch umständlich Platz Erst jetzt, in det schiechten, verbrauchten Luft die die Schenkstube füllte, merkte er, daß es eigentlich des Guten heute Abend genug war. Der Grog war jedoch nun einmal bestellt, dagegen ließ sich nichts machen Stumpf blickte Meister Bethge vor sich hin. Trotzdem er heute weit über das gewohnte Maß getrunken hatte. scheuchte eine verteufelte innere Rüchternheit seine Gedanken immer wieder in die Erinnerung zurück. „Herr Wirt!— Bitte noch ein Glas!“— Verdammt. sollte es ihm denn nicht gelingen der trüben Grübeleien über den vorjährigen Silvesterabend Herr zu werden? Was hatte es für einen Zweck?—. Der Junge war tot, und von diesem Tage ab hatte er den Glauben an eine höhere Gerechtigkeit ein für allemal verloren.— Warum ihm, dem jungen Meister Bethge, der keinen Armen von seiner Tür abgewiesen, dieses Leid um den Jungen?—— Prustend und schlürfend jetzte er das Glas fort— Ja. dieses Warum war der Brunnen, der tiefe, schier unerschöpfliche Brunnen, aus dem die junge Mutter Berta immer und immer wieder ihre Tränen schöpfte,— und dieses gleiche Warum war es, daß ihn, den früher so ordentlichen Meister, dem Fusel in die Arme trieb— Und ein kleiner schmaler Hügel träumte indessen draußen, tief eingebettet in den jungen Schnee, als unschuldige Ursache ihres Leides.— Als Ursache ihres Leides? Mechanisch schob Bethge das halbgeleerte Glas von sich. Ja, stimmte es denn? Wäre es nicht an ihm gewesen, nach ihrer Heimkehr vom Grabe seinem Weibe eine Stütze zu sein? Hatte er sich nicht statt dessen feige dem heimlichen Tröster Alkohol in die Arme geworfen? Das dritte Mal würde es heute sein, daß er zusammen mit Verta die Schwelle zum neuen Jahr überschritt. Sie hatte es sicher sich auch heute nicht nehmen lassen, das kleine Bäumchen noch einmal anzustecken— trotz alledem. Meister Beihge fühlte einen schalen Geschmack im Munde.— Noch weiter schob er das Glas von sich, rief den Wirt, zahlte und verließ nach kurzem Gruß hastig das Lokal. Eine gute Viertelstunde trennte ihn von seinem kleinen Häuschen, das ziemlich am Ende der Stadt gelegen. Tief in Gedanken verloren stapfte der junge Meister durch den losen Schnee. * Immer wieder eilte Frau Berta geschäftig mit vom Eifer geröteten Backen zwischen dem heute weißgedeckten Tisch und den auf dem Küchenherd dampfenden Töpfen hin und her. schaute zwischendurch prüfend nach der Wanduhr und horchte lauschend hinaus Eine ihr selbst fremde wohlige Wärme war in ihr. Eine schier sieghafte Kraft strömte sie aus. Sie spürte es freudig, eine Kraft, aus der Liebe zu ihrem irregehenden Manne geboren, und in der langen inneren Einsamkeit des verflossenen Trauerjahres gefestigt und gestärkt. „O, du fröhliche, o, du selige, gnadenbringende Weihnachtszeit!“—— Gnadenbringende, das war es dieser inneren Verheißung hatte auch sie nicht widerstehen können, hatte ihr erst zögernd. dann rückhaltlos nachgegeben, und diese Stimmung war stark in ihr geworden, drängte nach Tat und Mitteilung, und der heutige Abend, der letzte des Jahres, sollte die Erfüllung bringen. Und so harrte sie auf den, der jetzt kommen sollte und kommen mußte. Frau Berta hatte das Fenster geöffnet, um den Glockenklängen Eingang zu schaffen, die die Messe einläuteten. Ihre Hände beeilten sich, die Lichter am Baum zu entzünden, denn sie hörte Schritte und wußte, daß da einer heimkehrte, der diesen Abend heimgefunden zu ihr Für diesen Abend und—— fest hatten sich ihre Hände zum ersten Male wieder ineinander gefunden—— für alle Abende. Prosit Neujahr! Ein Kapitel Kulturgeschichte vom Zutrinken. Wenn in der Nacht vom 31. Dezember zum 1. Januar die Glocken klingen und das neue Jahr anzeigen, dann nehmen wir die Gläser in die Hand und stoßen damit an und wünschen uns gegenseitig mit dem Zuruf„Prosit Neujahr", daß es uns in dem neuen Jahr wohl ergehen nige. Wir stoßen auch sonst bei gegebener Gelegenheit mit den Gläsern an und wünschen uns gegenseitig Gutes und trinken darauf, aber Anstoßen und Zuruf und Trinken haben in der Nacht des Jahreswechsels etwas von ihrer ganz ursprünglichen Bedeutung behalten, der Bedeutung des Kultvorganges, der feierlichen Zeremonie aus der heraus Zuruf und Zutrinken gekommen sind. Die Sitte, des Nächsten Wohl zu trinken, ist uralt und in irgendeiner Form bei fast allen Völkern und überall auf der Erde anzutreffen. Ueberall ist die Zeremonie feierlich und bei Naturvölkern auch heute noch eine Kulthandlung, während sie— leider— bei den Völkern mit fortgeschrittener Zivilisation wie so vieles andere alte Kult= und Kulturgut veräußerlicht ist und oft kaum mehr als eine inhaltlose, gewohnheitsmäßige Geste Von den Griechen wissen wir aus Homer und anderen Schriftstellern, daß die Sitte des Zutrinkens bei feierlichem Mahl, aber auch bei anderen Gelegenheiten, beim Willkomm eines Gastes oder beim Abschied von Freunden, ein wohlgeregeltes Zeremoniell war, bei dem auch die Götter angerufen wurden. Aehnlich war es bei den Römern, bei denen es noch eine Rangordnung, nach der man sich zutrank, gab. Von den Kelten und Germanen erzählen uns die römischen und griechischen Schriftsteller, daß sie sich beim Mahle und bei festlichen Gelegenheiten mit grüßenden Worten zutranken und es galt als ein Schimpf, einem Manne den Zutrunk zu verweigern oder ihn abzulehnen. Daß die Goten sich gegenseitig mit dem Ruf Heil zutranken, wissen wir aus einem römischen Epigramm, das im lateinischen Text die entsprechenden gotischen Worte enthält und im übrigen sehr bissig und boshaft diese Sitte glossiert. Karl der Große hat seinen Kriegern, solange sie unter Waffen standen, das gegenseitige Zutrinken verboten, da es dabei häufig zu Streitigkeiten kam. Dem gotischen Trinkspruch ähnlich ist der angelsächsische Trinkspruchder„waß hail“ lautete und nach dem jetzt noch die englische Weihnachtsbowie wassel bowl genannt wird. Nach der alten englischen Sitte, daß derjenige, der eine Gesundheit ausbrachte, eine geröstete Brotschnitte, auf englisch toast, in den gefüllten Becher wark. wird heute noch, auch außerhalb Englands ein Trinkspruch Toast genannt Ursprünglich war es so. daß der Becher mit dem eine Gesundheit getrunken wurde, die Reihe um machte und jeder Gast aus dem einen Becher i unk. Diese Sitte hat sich in dem konservariven England für feierliche und offizielle Gelegenheiten bis heute erhalten, wir finden sie auch noch im deutschen Studententum und bei Zünften und Bruderschaften Im allgemeinen aber wurde die Sitte des„Becherkreiiens“ ersetz: durch die Sitte des Anstoßens. Die Sitte. das Gias. mit dem man eine Gesundheit ausgebracht hat, zu zerschie##en, beruht darauf, daß niemand mehr nachher das zu so feierlichem Tun benutzte Trinkgefäß benützen, es sozulegen entweihen sellte. Wie ehr ursprünglich das Gesundheit=Trinken eine Kulthans. in ine relictöse Zeremonie war(und diese Kulthandlung ist in einer anderen Form, von der in diesen Zusammenhang nicht weiter gesprochen werden kann, je auch in den christlichen Kultus übergegangen), ergibt sich daraus daß das Zutrinken vor allem in den nordisch=germanischen Ländern sich hat eine christliche Umformung gefallen lassen müssen. Es ist dies der Gebrauch, zum Gedächtnis der Heiligen zu trinken, so wie man früher in der heidnischen Zeit zum Gedächtnis der Götter getrunken hatte. Es ist dies das sogenannte Minnetrinken. Dieses Minnetrinken zu Ehren Gottes und der Heiligen muß sehr überhandgenommen haben, denn die Kirche wandte schon im frühen Mittelalter ihre ganze Autorikät an, um es zu unterdrücken. Das geschah sicherlich nicht, nur weil sie darin die Umwandlung eines heidnischen Gebrauches sah, sondern vor allen Dingen, weil die Gelegenheit, Heiligenminne auszubringen, bei der großen Zahl der Heiligen zu häufig vorkam und die Trinker vor lauter Trinkfreudigkeit nicht mehr richtig nüchtern wurden. Aber mindestens die Namen, wenn auch vielleicht nicht mehr der alte Brauch der Gertrauden= und St. Johannesminne, haben sich bis in unsere Tage erhalten. Aus den mancherlei Formeln des Zutrinkens ist nun das herkömmliche und etwas gedankenlose Prosit geworden, oder abgekürzt Prost. Wie viele von denen, die beim Zutrunk dieses Wort gebrauchen, wissen eigentlich, woher es stammt, und was es bedeutet? Es stammt aus dem Lateinischen und ist der Konjunktiv eines Zeitwortes prodesse, was so viel heißt wie förderlich sein, nützlich sein. Von den gelehrten Humanisten des Mittelalters haben es die Studenten übernommen und dann ist es allgemein geworden. Dieses Prosit wörtlich übersetzt, daß es Dir nützlich sei, ist seiner Bedeutung nach also nichts anderes, als unser gutes deutsches wohl bekomms und es wäre ganz gut, wenn der deutsche Ausdruck den sinnlos gewordenen lateinischen Ausdruck wieder ersetzen könnte. Freilich, es wird schwer sein, denn wir sind nun einmal daran gewöhnt, am Silvesterabend, wenn die Mitternachtsstunde begonnen hat, das neue Jahr zu begrüßen mit Prosit Neujahr. Außenpolilin an der Zahreswende Abrüstung. Saarfrage, Paktpolitik— das sind die drei großen außenpolitischen Probleme, die dem Jahre 1934 das Gepräge geben. Lediglich die Saarfrage ist ihrer natürlichen Lösung so nahegebracht, daß man von einer positiven Entscheidung sprechen kann. Am 13. Januar 1935 wird dieser letzte Streitpunkt zwischen Frankreich und Deutschland, soweit aus dem Versailler Vertrag territoriale Fragen offen waren, bereinigt sein. Die letzte große Nervenprobe, die von der Saarbevölkerung noch zu bestehen ist, wird eine besondere außenpolitische Bedeutung haben. Vorausgesetzt, daß der Geist Louis Barthous, dessen tragisches Schicksal einen Wendepunkt der europäischen Entwicklung zu kennzeichnen schien, einer aufgeschlossenen Denkweise der französischen Politik Platz machen muß. Der Nachfolger Barthous, Frankreichs Außenminister Laval. hat gewisse Veränderungen in der Tonart gegenüber Deutschland gebracht. Aber man muß auch offen aussprechen, daß diese außere Neugestaltung der Formen der französischen Politik, bisher wenigstens, keine positiven Konsequenzen im Sachlichen gehabt hat. Laval hat im Gegensatz zu seinem Vorgänger jede Schärfe und Schroffheit gegenüber Deutschland vermieden. Er hat aber auch bisher alles vermissen lassen, was als Entgegenkommen zu deuten wäre; er hat keinen der zahlreichen Fäden aufgenommen, die Berlin in folgerichtiger Durchführung der Friedens= und Verständigungspolitik Adolf Hitlers gesponnen hat. Es liegt im Wesen des Nationalsozialismus, einmal begonnene Aktionen nicht erfolglos abzubrechen, solange die geringste Möglichkeit besteht, zu positiven Ergebnissen zu kommen. Deshalb wird man diese deutsch=französischen Anknüpfungspunkte auf Grund der Frontkämpferbesprechungen, die in ihrer Bedeutung noch dadurch unterstrichen werden, daß der Führer und Reichskanzler persönlich an diesen Gesprächen Anteil nimmt, stützen und immer stärker untermauern; die Ueberzeugung von dem starken und positiven Friedenswillen des neuen Deutschland bricht sich Bahn. In der Welt. Auch in Frankreich. Deshalb ist auch die Paktpolitik Frankreichs, von Barthou begonnen und von Laval zunächst konsequent fortgeführt, aus einem anderen Gesichtswinkel zu betrachten. Zweifellos hat das Paktsystem Frankreichs im Jahre 1934 eine Verstärkung erfahren. Rein äußerlich wenigstens. Zu der„Kleinen Entente“(Tschechoslowakei, Jugoslawien, Rumänien). die auch jetzt wieder wie schon so manches Mal eine innere Krise erfolgreich überstanden hat, ist die„Balkan=Entente“(Türkei. Griechenland, Jugoslawien, Rumänien) getreten; die„Baltische Entente“(Lettland, Estland, Litauen) ist in Vorbereitung und im Fortschreiten. Schwarz= meerpakt und Mittelmeerpakt sind nächste Ziele französischer PPolitik. Die Voraussetzungen dafür. der Ausbau der französisch=sowjetrussischen Freundschaft und die Aussöhnung mit Italien, werden zur Zeit in emsiger Arbeit geschaffen. Viele ändere Ansatzpunkte einer Politik, die in den Geleisen von Versailles sich bewegt, sind vorhanden. Aber hinter dieser glänzend aussehenden Fassade„kollektiver Sicherheitspolitik“ birgt sich doch das Fundament für realere Entwicklungen. Der Irrweg der Abrüstungs Jahre 1934 in den Sumpf des Wettrü bieten und in allen Teilen der Welt gef lassen werden. Rückschauend betrachtet, vom Beginn des Jahres 1934 über die Reise des Lordsiegelbewahrers Eden durch Europas wichtigste Hauptstädte hinweg eine gewisse Klarheit gebracht. Insonderheit darüber, daß der Schritt Deutschlands vom Oktober 1933, das Verlassen der Abrüstungskonferenz und des Völkerbundes, richtige und nützliche Aktionen waren, um die Nationen zur Besinnung zu bringen und neue Wege zu suchen. Deutschland hat trotzdem seine positive Mitarbeit am Gesamtproblem nicht aufgegeben. Es hat aber durch seine entschiedene. Haltung und durch die Tatsache, daß der Reichskanzler und Führer in der Person des Herrn von Ribbentrop einen von seinem besonderen Vertrauen getragenen Bevollmächtigten für die Abrüstungsfragen stellte, viel dazu beigetragen, die Fronten zu klären und Schutt und Asche wegzuräumen. Das immer wiederholte Verlangen Frankreichs und Englands nach Rückkehr Deutschlands in den Völkerbund ist zwar bestehengeblieben. Immerhin ist die Tendenz dieser auffassung aus der Tonart der Forderung bzw. Voraussetzung hinausgewachsen. Deutschlands unbeirrbare Haltung hat ihren Eindruck nicht verfehlt. Die große Geste von Oktober 1933 war also entscheidende politische Tat. Manches Problem, das am Rande zu liegen schien und doch plötzlich in den Mittelpunkt der europäischen Politik rückte, hat im Verlaufe des Jahres 1934 sein Gesicht verpolitik, der im stens auf allen Geführt hat, muß verhat der Notenkampf ändert. Die Frage des Donauraumes die Gegenstand heftiger Kämpfe in Oesterreich, starker Verstimmungen zwischen Deutschland und Italien und der Konflikte zwischen Ungarn und der Kleinen Entente im vergangenen Jahre gewesen ist, wird in Zukunft im Rahmen der gesamteuropäischen Entwicklung behandelt werden. Hier vermischen sich europäische und weltpolitische, mindestens kolonialpolitische Probleme mit den notwendigen Entscheidungen für Europa. Der Rückblick auf das Jahr 1934 zeigt aber auch, wie sich die großen Ansätze der Auseinandersetzungen im Fernen Osten, das Problem der Herrschaft der Meere, die Machtkämpfe um die Flottenrüstung klar abheben. Das Jahr 1934 wird dereinst so gekennzeichnet werden, daß die Welt widerhallte von Krieg und Kriegsgeschrei. Die Ursachen für ernste Krisen waren in Europa und anderwärts vorhanden. Die Friedensgesinnung in der Mitte Europas, die erzwungene Einsatzbereitschaft des Völkerbundes haben Katastrophen vermieden. Hart am Abgrund vorbei gingen Europa und die Welt. Das Gespenst des Jahres 1914 erhob drohend das Haupt. Obwohl diese kritischen Erscheinungen noch nicht überwunden sind, können Europa und die Welt in ein neues Jahr hineingehen, an dessen Schwelle viel guter Wille, vor allem aber Möglichkeiten und Grundlagen für eine ersprießliche Politik der Befriedung und positiven Aufbauens zu stehen scheinen. Eins ist jedenfalls vorhanden: das ist die unverrückbare Friedensbereitschaft Deutschlands! NeujahrVeriasse An die Wehrmacht Zum Neuen Jahre übermittele ich allen Angehörigen der Wehrmacht meine Glückwünsche. Ich verbinde mit ihnen meinen Dank und meine Anerkennung für die in treuer, vorbildlicher Pflichterfüllung geleistete Arbeit des vergangenen Jahres. Unser Dienst soll auch in Zukunft nur ein Ziel kennen: Deutschlands Wiederaufstieg in einem Frieden der Gleichberechtigung, der Ehre und gesicherten Freiheit. Berlin, den 31. Dezember 1934. Der Führer und Reichskanzler. gez. Adolf Hitler. * Allen Angehörigen der Wehrmacht meine besten Wünsche für das Neue Jahr. Vorwärts mit den alten Soldatentugenden im Sinne des neuen Reiches! gez. von Blomberg. Generaloberst, Reichswehrminister. * Dank und Anerkennung für die Leistung im vergangenen, beste Wünsche für die Arbeit im kommenden Jahr! Wir wollen uns des Vertrauens unseres Oberbefehlshabers würdig zeigen. Der Chef der Heeresleitung. gez. Frhr. von Fritsch, General der Artillerie. An die Reichsmarine Der Reichsmarine und allen ihren Angehörigen wünsche ich für das kommende Jahr erfolgreiche Fortführung ihrer Arbeit zum Besten unseres Vaterlandes im Sinne unseres Führers! Berlin, den 31. Dezember 1934. gez. Raeder, Admiral, Dr. h.., Chef der Marineleitung. An die Garde der Arbeit Neujahrswunsch des Stellvertreters des Führers. Der Stellvertreter des Führers, Reichsminister Rudolf Heß, hat an den Deutschen Arbeitsdienst, die „Garde der Arbeit“, folgenden Neujahrswunsch gerichtet: „Ihr schafft zu eurem Teile mit am Aufbau des Jahres III der deutschen Revolution! Ihr wißt: Alles ist gewonnen, wenn alle Arme schaffen nach dem Willen des Führers! Der deutsche Boden ist euer Arbeitsfeld. Dem deutschen Bauern gewinnt ihr neues Ackerland— dem deutschen Arbeiter neue Arbeitsstätten. Der deutschen Wirtschaft gebt “ ihr neuen Antrieb. Das alles ist bedeutsam, aber am bedeutsamsten ist: Ihr seid die Schule nationalsozialistischer Lebensgemeinschaft. Die Schranken einer vergangenen Zeit trennen in euren Reihen auch bei der täglichen Arbeit nicht mehr den Studenten vom Arbeiter, den Bauernsohn vom Handwerker! Ihr seid nur eines noch: Soldaten der Arbeit für Volk und Nation! Mit euren Kameraden in Braun und Schwarz, in Grau und Blau seid ihr die schaffende Front der jungen deutschen Generation, die nach dem Willen Adolf Hitlers das neue Reich baut. Als Sinnzeichen der Idee, der ihr dient, der Arbeit, die ihr leistet und der Frucht, die diese getragen, wehen Hakenkreuz, Spaten und Aehren in euren Fahnen. Vergesset nie, daß sie dem Manne geweiht sind, dessen Willen und dessen Sendung ihr das Glück verdankt, in den Bataillonen der 1 freiwilligen Arbeit für Deutschland dienen zu dürfen: Adolf Hitler. Für ihn, für das Reich und seine Zukunft marschiert ( ihr in das Jahr 1935. Und Millionen deutscher Freiwilliger werden einst voll Stolz auf euch als ihre Vorbilder schauen. Die Führer=Zeitung des Deutschen Arbeitsdienstes veröffentlicht außerdem Neujahrswünsche fast aller übrigen Reichsminister, des preußischen Ministerpräsidenten, des Reichsorganisationsleiters Dr. Ley, des Chefs des Stabes der SA., Lutze, usw., aus denen immer wieder die eine große Erkenntnis spricht: Arbeitsdienst ist praktischer Nationalsozialismus, Arbeitsdienst ist Ehrenpflicht für jeden jungen Deutschen. Kundgebung des Kyffhäuserbundes Der Kyffhäuserbundesführer, Oberst a. D. Reinhardt, richtet zum Jahreswechsel folgende Kundgebung an die Mitglieder des Bundes: „Allen in unserem großen Soldatenbund zusammengeschlossenen Kameraden entbiete ich an der Jahreswende kameradschaftliche Grüße. Ich danke zugleich für die mir im Laufe dieses Jahres in Treue geleistete Gefolgschaft. Mit jedem einzelnen Kameraden, der im altbewährten Frontgeist und in vorbildlichem soldatischen Pflichtbewußtsein mit uns gemeinsam am Wiederaufbau des Vaterlandes schafft, fühle ich mich eng verbunden. Bevor wir die Schwelle zum neuen Jahr beschreiten, senken wir noch einmal unsere Fah: nen und gedenken unseres dahingegangenen Schirmherrn, des unvergeßlichen Führers im Weltkriege und großen Marschalls Hindenbura. In diesem Juhre werden die alten Aufgaben weiterverfolgt, bei denen ich von allen Kameraden restlosen Einsatz ihrer Persönlichkeit und vorbildliche Willensstärke erwarte. Kyffhäuserdienst war und ist Dienst am deutschen Vaterlande! Beispielgebend sollen die Männer, die der Kyffhäuserbund aus allen Schichten unseres Volkes umschließt, auch weiterhin vorangehen in der Pflege der Kameradschaft der Tat. Den Kameraden rastlose Helfer und allen Volksgenossen treue Kameraden zu sein, ist uns Kyffhäusermännern eine hohe Ehrenpflicht im Sinne der echten Volksgemeinschaft, wie sie von uns durch lange Jahre der Schmach und Zerrissenheit ersehnt, in dem auf soldatischer Grundlage aufgebauten Dritten Reiche Wirklichkeit geworden ist. Mit Befriedigung haben wir alten Soldaten im abgelaufenen Jahre feststellen können, daß der Frontgeist nicht nur bei uns, sondern auch im Auslande sich immer mehr durchzusetzen beginnt. Wir haben den unerschütterlichen Glauben, daß das gemeinsame Kriegserlebnis aller Frontkämpfer dazu berufen ist, die Brücke der Verständigung zwischen den Völkern zu schlagen. Die Männer des Kyffhäuserbundes kennen den Krieg. und gerade deshalb werden sie unablässig daran arbeiten, daß der Leitgedanke ihres Frontkameraden, des Führers Adolf Hitler, Erfüllung findet:„Kein Deutscher für den Krieg, aber für die Verteidigung des Vaterlandes das ganze Volk!“ So wünsche ich den Kyffhäuserkameraden in allen Gauen des Reiches von ganzem Herzen ein hoffnungsstarkes. von soldatischem Willen und vaterländischer Opferbereitschaft erfülltes neues Jahr. Möge sich in ihm der Geist der Front, der Geist der Treue und der Kameradschaft zum Wohle unseres Volkes in treuer Gefolgschaft zum Führer und in heiliger Liebe zum Vaterlande auch weiterhin bewähren. Gelöbnis des Frontkämpfer=Bundes Der Bundesführer des RS. Deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm), Reichsarbeitsminister Franz Seldte, erließ an seine Kameraden folgenden Neujahrsaufruf:„Das Jahr 1934 geht zu Ende. Dankbar erkennen wir, daß es für alle schaffenden Deutschen ein Jahr des Fortschrittes war. Wir alten Frontsoldaten haben nach bestem Können am Aufbauwerk Adolf Hitlers, des Führers, mitgearbeitet. Wir werden auch im kommenden Jahr nicht nachlassen, mit allen Mitkämpfern in den Reihen der nationalsozialistischen Bewegung opferbereit, arbeitsfreudig und kameradschaftlich zusammenzustehen. Ich danke allen meinen Kameraden für ihre Treue und ihren selbstlosen und zähen Einsatz. Für das kommende Jahr 1935 wünsche ich ihnen Freude an der Arbeit des Alltags, Freude im Dienst des Bundes und Freude am großen, sich vollendenden Werk des Führers für Reich und Nation. Frontheil Hitler! gez.: Franz Seldte.“ Tagesbefehl an die Berlin, 27. Dez. Der Chef des Stabes hat, wie die NSK mitteilt, an die SA den folgenden Tagesbefehl zum Jahreswechsel erlassen: In einem dreizehnjährigem erbitterten Kampfe um die Straße hat die SA dem Nationalsozialismus Bahn gebrochen und die Tore geöffnet zur Macht im Staate. Es gäbe kein nationalsozialistisches Deutschland ohne den selbstlosen, fanatischen Einsatz der SA. Die Neuordnung Deutschlands aus dem Geiste des Nationalsozialismus hat vorübergehend andere Aufgaben wichtiger erscheinen und andere Gliederungen der Bewegung mehr in den Vordergrund treten lassen. Die Ablösung aus der vordersten Front des politischen Kampfes und die Umstellung auf die neuen Formen seines Einsatzes hat manchen SA=Mann zeitweilig irre werden lassen an dem Zweck und an der Notwendigkeit seines Daseins Das Schwanken einiger höherer Führer und ihr Versuch, die SA Wege zu führen, die ihr nicht zukamen, hat der Oberste SA=Führer Adolf Hitler mit harter Hand unterdrückt. Die Front der SA ist davon unberührt geblieben. Der SA=Mann hat in den Kampfzeiten oftmals einen Befehl nicht verstanden und hat doch gehorcht, weil er gläubig auf den Führer vertraute, der ihm das Banner des Nationalsozialismus mit glühendem Herzen in starken Händen vorantrug. Niemals ist der SA=Mann in diesem rückhaltlosen Vertrauen auf den Führer wankend geworden. Ihm hat er seine Treue geschworen, ihm wird er sie immer halten. Das nationalsozialistische Deutschland steht nun im Innern unangreifbar und gefestigt da. Seine granitenen Pfeiler sind die Gliederungen der NSDAP. In ihrem Rahmen ist es die künftige Aufgabe der SA, wie sie es immer war, für alle Zeiten die soldatische, kämpferische Grundlinie des Nationalsozialismus auf seinem weiteren Wege zu verbürgen. Von niemandem wird die SA sich je übertreffen lassen in ihrer leidenschaftlichen Liebe zu Volk und Vaterland, in ihrer fanatischen Einsatzbereitschaft und Opferfreudigkeit für die Ziele des Nationalsozialismus und in ihrer bedingungslosen Treue zum Führer. Wir haben einen Glauben: das nationalsozialistische Deutschland! Wir folgen in Treue und Gehorsam einem FührerAdolf Hitler! Es lebe Adolf Hitler. der Oberste SA=Führer! gez. Lutze. Nikolajew und Genossen erschossen Moskau, 30. Dez. Wie die Telegraphenagentur der : Sowjekunion bekanntgibt, hat das Militärkollegium des Obersten Gerichtes der Sowjetunion in dem Verfahren gegen Nikolajew und seine 13 Mitangeklagten dahin entschieden, daß alle 14 Angeklagten des Vergehens gegen§ 58 Punkt 8 und 11 des Kriminalgesetzbuches der Sowjetunion für schuldig befunden worden sind. Sie wurden zur Höchststrafe— Tod durch Erschießen— verurteilt. Das Urteil ist bereits vollstreckt worden. Das Eigentum der Angeklagten fällt dem Staate zu. Aus der Verhandlung wird noch mitgeteilt, die Untersuchung habe ergeben, daß die Angeklagten als ehemalige Mitglieder der sogenannten Sinowjew=Opposition in der Stadt Leningrad eine Terrororganisation gebildet hätten, die die Bezeichnung„Leningrader Zentrum“ getragen habe. An der Spitze dieses„Zentrums“ hätten Kotolymow, Schazki, Ruminanzow, Mandelstam. Miasnikow, Levin, Sossizki und Nikolajew gestanden. Die Terrorgruppe habe ihre aktive Tätigkeit in den Jahren 1933=34 aufgenommen und den Mord an Kirow ausgearbeitet und ausgeführt. Die Untersuchung habe weiter, wie bereits gemeldet, ergeben, daß die Terroristen mit einem ausländischen Konsul in Leningrad in Verbindung gestanden hätten. Der Angeklagte Nikolajew habe von dem Konsul 5000 Rubel zur Unterstützung erhalten und mit ihm über eine bewaffnete Intervention unterhandelt. 119 Hinrichtungen Moskau, 30. Dez. Nachdem die Todesurteile an Nikolajew und 13 seiner Genossen in Leningrad vollstreckt sind, erhöht sich die Zahl der im Zusammenhang mit der Ermordung Kirows vom Militärkollegium des Obersten Gerichts der Sowjetunion Hingerichteten auf 119. In Leningrad wurden am 5. Dezember 39 Personen hingerichtet, in Moskau 29, am 11. Dezember in Minsk 9 Mann, am 17. Dezember in Kiew 28 und heute in Leningrad 14 Mitglieder des sogenannten. Leningrader Zentrums. Außerdem sind nach amtlichen sowjetrussischen Angaben noch 17 Personen in den genannten vier Städten zusammen mit den Hingerichteten festgenommen worden, deren Akten jedoch vom Militärkollegium zur Nachuntersuchung ausgesondert wurden. Ueber das Schicksal dieser 17 Mann verlautet bisher von maßgebender Seite noch nichts. Das Urteil im Saarbrücker Prozeß Saarbrücken, 30. Dez. In dem Prozeß um den Separatismus des Eisenbahnpräsidenten Nicklaus wurde am Samstag nachmittag das Urteil gegen den angeklagten Wirtschaftsberater Dr. Savelkouls und zwei mitangeklagte Redakteure gefällt. Dr. Savelkouls wurde wegen Beleidigung und übler Nachrede in seinem Artikel zu 4000 Franken Geldstrafe verurteilt, der Redakteur Weber zu 2000 Franken Geldstrafe, der Redakteur Spindler zu 1000 Franken Geldstrafe. Die Anklage wegen Verleumdung war fallen gelassen worden. In der Urteilsbegründung stellt der oberste Abstimmungsgerichtshof als nicht erwiesen hat, ob Eisenbahnpräsident Nicklaus seine Neutralitätspflicht verletzt hat Die Motive des von Dr. Savelkouls verfaßten Artikels seien nicht maßgebend, sondern lediglich, was der Leser daraus gelesen habe. Der oberste Abstimmungsgerichtshof gesteht jedoch Dr. Savelkouls durchaus das Recht der sachlichen Kritik an seinem politischen Gegner und über dessen„gefährliches und unpassendes Verhalten" zu, macht jedoch geltend, daß die gebotenen Grenzen überschritten seien und daher Bestrafung wegen Beleidigung und übler Nachrede erfolgen müsse. Eine Gefängnisstrafe sei jedoch nicht erforderlich. Der Gesichtspunkt der Wahrung berechtigter Interessen könne nicht als mildernder Umstand zugezogen werden. **** * Zu der Urteilsverkündung des obersten Abstimmungsgerichtshofes ist festzustellen, daß das Urteil an sich für diesen Prozeß weniger maßgebend ist als der gesamte Prozeßverlauf. Der moralisch Verurteilte bleibt nach wie vor der Nebenkläger Eisenbahnpräsident Nicklaus, wenn auch die sogenannten Angeklagten zu Geldstrafen formal=juristisch verurteilt wurden. Interessant ist, daß die Anklage auf Verleumdung fallen gelassen wurde. Hierdurch ist erwiesen, daß der Wahrheitsbeweis für die Behauptungen Dr. Savelkouls zumindest in einigen Punkten uneingestanden erbracht wurde. Bemerkenswert ist ferner die Feststellung in der Urteilsbegründung, daß Nicklaus zu den politischen Gegnern des Angeklagten Dr. Savelkouls zählt. Hierdurch hat also der oberste Abstimmungsgerichtshof selbst festgestellt, daß Nicklaus unter die Separatisten zu zählen ist. Den Anhängern des status quo wurde seitens des obersten Abstimmungsgerichtshofes nicht der Gefallen getan sie von dem ehrenrührigen Vorwurf des Separatismus freizusprechen, Ein Greuelmärchen über die Saar Eine Erklärung des Saarbevollmächtigten Bürckel. Neustadt=Haardt, 30. Dez. Der Saarbevollmächtigte des Führers und Reichskanzlers, Gauleiter Bürckel, gibt folgendes bekannt: Der Separatistenführer Matz Braun hat vor Vertretern der Auslandspresse erklärt, daß er im Besitz einer eidesstattlichen Erklärung sich befinde, nach welcher sein Gewährsmann bereits mit der Vorbereitung zur Errichtung eines Konzentrationslagers beauftragt worden sei. Außerdem bestünden bereits Listen mit den Namen derjenigen, die in dieses Konzentrationslager übergeführt werden sollten. Die Angaben des Gewährsmannes des Herrn Braun mit Namen Fischer beziehen sich angeblich auf die Zeit, da Staatsrat Spaniol noch die NSDAP im Saargebiet führte. Hierzu erkläre ich: 1. Es steht nach Mitteilungen des früheren Landesleikers der NSDAP Saargebiet. Spaniol, fest, daß der Gewährsmann Fischer des Herrn Braun diese Greuelmärchen von—3 erfunden hat und daß Fischer wegen Unterschlagungen aus der Deutschen Front entfernt und gegen ihn Strafanzeige erstattet worden ist. 2. Die Rückgliederung des Saargebiets und die Durchführung des Garantieabkommens ist eine Angelegenheit, für die ich dem Führer allein verantwortlich bin. 3. Ich werde dem Willen des Führers entsprechen und in Vollzug des eigenen Garantieabkommens dafür Sorge tragen, daß eventuell vorhandenen terroristischen Elementen, auch wenn sie nur durch prahlerische Aeußerungen ihr mangelndes politisches Verständnis an den Tag legen, gründlich das Handwerk gelegt wird Der Friede in Europa bzw. die Befriedung der beiden Länder Frankreich und Deutschland ist uns mehr wert als alle Separatisten zusammen, deren letzte Restbestände nur noch zusammengehalten werden können mit solchen Greuelmärchen, wie es Herr Braun im vorliegenden Falle kut. 4. Ich versichere feierlichst der ganzen Saarbevölkerung, daß ich der Auffassung bin, daß ein Volk, das wie die Saarländer 15 Jahre des Druckes hinter sich hat, wahrhaftig keine Konzentrationslager mehr benötigt. Jene Leute, die mit schwarzen Listen drohen oder das Vorhandensein solcher Listen vorspiegeln, verdienten, daß sie angesichts dieser gerissenen und schändlichen Art separatistischer Propaganda vor dem Abstimmungsgericht zur Verantwortung gezogen werden. Nach der Rückgliederung werden gerade diese Elemente unsere besondere Beachtung finden. Bunte Chronik Wohlfahrtsempfänger... und 4000 Mark Vermögen. 15 Monate Zuchthaus. Frankfurt a.., 30. Dez. Die Große Strafkammer verhandelte gegen den verheirateten Heinrich Lauber der des fortgesetzten Betruges unter erschwerenden Umständen angeklagt war, da er in volksschädigender Absicht gehandelt hatte. Der Angeklagte bezog seit 1924 vom Fürsorgeamt insgesamt etwa 5000 RM Unterstützung. Außerdem wurde er vom Winterhilfswerk seit Herbst 1933 mit Lebensmitteln und Brennstoffvorräten beliefert. Wie das Gericht jetzt feststellte, hatte der Angeklagte hierauf keinen Anspruch, da er hinreichend Vermögen besaß. Die Mittel, die er über 250 RM hinaus besaß, hätte er vor Inanspruchnahme der genannten Wohlfahrtsorganisationen aufzehren oder verbrauchen müssen. Sein Vermögen betrug 1926 etwa 1500 RM, und er vermochte es bald auf 4000 RM zu vermehren. Das Gericht verurteilte den Angeklagten zu 15 Monaten Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust. Das Gericht erachtete den Fall als einen besonders schweren und beließ es nicht bei der geringst zulässigen Strafe von einem Jahr Zuchthaus. Gelsenkirchen.(Durch eine verirrte Kugel verletzt.) Am Freitag wurde ein Anwohner der Küppersbuschstraße, der mit seinem 11jährigen Sohn die Essener Straße passierte, von einer anscheinend verirrten Kugel, die in einem der nahe gelegenen Gärten abgeschossen sein muß, in die rechte Halsseite getroffen und schwer verletzt. Der Verletzte mußte sofort dem Krankenhaus zugeführt werden. Zeugen des Vorfalls wollen gesehen haben, daß in den Gärten ein etwa 15 Jahre alter Junge auf Spatzen geschossen hat. Nach dem Unfall hat er die Flucht ergriffen und ist unerkannt entkommen. Siegen.(Kleine Ursache— große Wirkung.) Ein junger Mann von hier war vor etwa acht Wochen bei einer Schlägerei in einem Wirtshaus von dem Gegner in den Finger gebissen worden. Er beachtete die Verletzung nicht, bis sich aber schließlich die Wunde so verschlimmerte. daß Krankenhausbehandlung notwendig wurde. Wenige Tage darauf trat infolge zu stark vorgeschrittener Blutvergiftung der Tod ein. Aus der Eisel.(Bessere Wasserverhältnisse.) Wohl selten hat sich im Eifelgebiet in einer derartig nachhaltigen Weise die Wasserknappheit bemerkbar gemacht als in der zweiten Hälfte des letzten Jahres. Dank der ausgiebigen Niederschläge, die in der letzten Zeit zu verzeichnen waren, ist dieser Wassermangel jedoch nunmehr im wesentlichen behoben. Die Flußläufe und Gebirgsbäche führen wieder größere Wassermassen zu Tal. Auch der Grundwasserstand hat sich erheblich gebessert. Dadurch ist die Bewässerung der Wiesen wieder möglich geworden; die zahlreichen Getreidemühlen in den Eifeltälern konnten ihren Betrieb wieder voll aufnehmen, und auch der Wasserbedarf für Menschen und Tiere kann in vollem Umfange befriedigt werden. Koblenz.(Neujahrsgruß nach altem Brauch.) Zum ersten Male wird in der Neujahrsnacht der seit Jahrzehnten nicht mehr geübte Brauch des Neujahrs=Anrufes vom Turm der Liebfrauenkirche wieder eingeführt. Ein Feuerwehrmann wird beim Anbruch des neuen Jahres vom Hohen Glockenturm nach den vier Himmelsrichtungen ein Sprüchlein sagen und seinen Neujahrsgruß hinzufügen. Hierzu benützt er das historische Sprachrohr des alten Turmwächters, das seit Jahren nicht mehr benutzt worden ist und im Koblenzer Schloßmuseum aufbewahrt wird. Diese alte Sitte soll auch in den künftigen Jahren in der Neujahrsnacht beibehalten werden. St. Goarshausen.(Vater und Bruder niedergestochen.) In dem benachbarten Lierscheid waren die beiden Brüder Ohligbauer in Streit geraten, in dessen Verlauf der 10jährige Ohligbauer ein Messer zog und seinen Bruder durch vier Stiche in den Leib lebensgefährlich verletzte. Dem zu Hilfe eilenden Vater brachte der Rohling zwei Stiche in die Herzgegend bei. Die beiden Schwerverletzten wurden sofort in ein Koblenzer Krankenhaus geschafft. während der Täter in Haft kam. Trier.(Ein verstockter Wilderer.) Vor dem Schöffengericht zu Trier stand am Freitag ein 52 Jahre alter Mann unter der Anklage der Wilddieberei und des Vergehens gegen das Schußwaffengesetz. Der Mann war vor einigen Monaten im Walde bei Losheim aufgegriffen worden. Forstbeamte und Gendarmerie hatten sein Lager, das er in einer Erdhöhle mitten im Walddickicht und Brombeerhecken aufgeschlagen hatte, ausfindig gemacht. Bei einer Durchsuchung dieser Waldeinsiedlerbehausung fand man ein Hirschgeweih, Schlingendraht, fertige Schlingen und zwei geladene Pistolen. Im übrigen hatte sich der Wilderer reichlich mit Kartoffeln und Gemüse, das er auf den Feldfluren der benachbarten Dörser gestohlen hatte, eingedeckt. In der Nähe seines Lagers wurde eine ganze Reihe von Reh= und Niederwildschlingen entdeckt; in einer Schlinge wurde kurz danach ein verendetes Reh aufgefunden. Der Angeklagte bestritt natürlich in der Verhandlung, sich strafbar gemacht zu haben, konnte aber über die Herkunft der Waffen, des Schlingendrahtes und der Schlingen im Walde keine befriedigende Auskunft geben. Wegen Wilddieberei war er bereits vorbestraft. Insgesamt 23 Vorstrafen hatte er auf dem Kerbholz, unter ihnen 12 Jahre Zuchthaus, die gegen ihn wegen Mordversuchs an einem Förster verhängt worden waren und die er auch verbüßt hatte. Das Gericht verhängte gegen den rückfälligen Wilddieb wegen Jagdvergehens fünf Monate Gefängnis und wegen Vergehens gegen das Schußwaffengesetz weitere fünf Monate Gefängnis, die in eine Gesamtstrafe von neun Monate Gefängnis umgewandelt wurden. Radevormwald, den 31. Dezember 1934. — Aufgebote. Metzger Ernst Alex Knipping und Juliane Amalie Elfriede Streck, beide Radevormwald. Former Emil Heßler, Rade, und Julie Margarete Pauline Kombächer, Hückeswagen.— Presser Emil Ewald Bornewasser, Rochollsberg, und Gertrude Wisniewski, Heide. Zwei Hochbetagte. Am Neujahrstage kann Frau Witwe Ludwig Weber, Anna geb. Flick, Honsberg, ihren 84. Geburtstag feiern.— Am gleichen Tage blickt Wilhelm Gesenberg, Vogelshaus, auf den Tag zurück, an dem er vor 85 Jahren das Licht der Welt erblickte. Beiden Hochbetagten unsere herzlichsten Glückwünsche! — Weihnachtsfeier des Evgl. Männer= und Jüngl.= Vereins. Der evgl. Männer= und Jünglingsverein hatte für Samstagabend seine Mitglieder mit ihren Angehörigen zu einer Weihnachtsfeier eingeladen. Mit viel Liebe und Mühe hatte man den großen Saal des Jugendheimes ausgeschmückt. Tannengrün zierte die Tische. Traulicher Kerzenschimmer und ein großer strahlender Weihnachtsbaum ließen eine stimmungsvolle, erhebende Feier zustande kommen. Zu Beginn ertönten in einem Potpourri des Posaunenchors noch einmal die vertrauten und schönen Weihnachtsmelodien. Nach dem gemeinsamen Gesang: „Gelobet seist du, Jesus Christ“ verlas der 1. Vorsitzende Rudolf Ringsdorff die alte und doch ewig neue Weihnachtsgeschichte. An die herzlichen Worte der Begrüßung knüpfte er ernste Gedanken aus der verlesenen Weihnachtsbotschaft, die Heinrich Otter in einer kurzen Ansprache trefflich ausmalte. Nach einer kurzen Kaffeepause wurde ein Weihnachtsspiel gezeigt, das durch seine ernste und ergreifende Handlung großen Eindruck auf die Zuhörer machte.— Pastor Becker legte seiner Ansprache das Wort Lukas 2, 20 zugrunde. Durch zwei Liedervorträge des Jünglingschores und durch Klarinetten=Duette wurde die Feier erheblich verschönert. Mit Gesang und Gebet nahmen die ernsten und erbaulichen Stunden ihr Ende. — Weiterer Ausbau der Nebenstelle der Städt. Sparkasse in Vogelsmühle. Die Städtische Sparkasse zu Radevormwald unterhält bereits seit dem Jahre 1926 in Vogelsmühle a. d. W. eine Nebenstelle, die sich von Jahr zu Jahr mehr eines regen Zuspruchs erfreut. Die Städtische Sparkasse hat sich daher entschlossen; die Nebenstelle weiter auszubauen. Sie hat die Nebenstelle in neue Geschäftsräume verlegt, die in Beziehung zu den umliegenden Ortschaften günstiger liegen, und die Kassenstunden verlängert. Die Nebenstelle ist nunmehr geöffnet: Dienstag nachmittags von 15—18 Uhr, Freitag morgens von —12 Uhr und Freitag nachmittags von 15—18 Uhr. Es liegt nun an der Bevölkerung, sich der Sparkasse noch mehr als bisher zu bedienen. In denselben Räumen hält die Stadtverwaltung Montag und Donnerstags nachmittags von 15,15 bis 17,30 Uhr Sprechstunden ab. — An unsere Bezieher! Den Wandkalender 1935 legen wir der nächsten Ausgabe bei. Hitlerjugend— Jungvolk— B. D. M.— Jungmädel. Am 1. Januar 1935 hält der Reichsjugendführer Baldur von Schirach in der Zeit von 10—10,45 Uhr seine Neujahrsbotschaft an die deutsche Jugend. Die Ansprache ist umrahmt von einer großen Kantate. In allen Städten und Dörfern werden die Kolonnen der Jugend zu einer Willensdemonstration der Hitlerjugend aufmarschieren. Die Einheiten der Hitlerjugend und ihrer Nebenorganisationen treten um 9,15 Uhr im Dienstanzug am SAR.= Heim an. Alle Jugendgenossen(innen) haben anzutreten. Entschuldigungen gibt es nicht. Hitlerjugend, Gefolgschaft 2/4/231. Denk nicht zurück, was Du im alten Jahr verloren und gelitten, für eine neue Zukunft, die unser Führer hat für dich errungen im alten Jahr, wo Du am Aufbau seiner Arbeit ehrlich mitgestritten, hast selber Du doch Freud, daß Adolf Hitler's großes Werk gelungen. Das neue Jahr laß drum mit frohem Mut beginnen. weis' alles Ueble von Dir fort, damit, was Du erhoffst, „ wird wahr, wenn dann der Klang der Kirchenglocken Dir die En wic Neujahrsbotschaft bringen, dann Wilb's in Deinem Innern leicht und Du gehst froh ins neue Jahr! Eugen Kugler. Hauptschriftleiter: Friedrich Keim, Radevormwald, für Anzeigen: Emil Ringsdorf, Radevormwald D. R. 11. 34. 1013. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme beim Heimgange meines lieben Mannes, unseres teuren, unvergeßlichen Vaters, für das zahlreiche Grabgeleite und dem Herrn Pastor Pollinann für die trostreichen Worte sagen wir hiermit unsern herzlichsten Dank. Wwe. Richard Winterhagen und Kinder. Sylvester und Neujahr? Zu Hermann Ibach in Heide. An beiden Tagen Konzert mit Tanzeinlagen. Spezialität: Hasenpfeffer u. Eisbein m. Sauerkraut. Meinen Freunden und Gönnern zum Jahreswechsel ein frohes neues Jahr! Hermann Ibach, Heide. Hum dahreswechsel allen Lesern, Geschäftsfreunden und Mitarbeitern die herzlichsten Giadwünsche! Verlag der Bergischen Landeszeitung. —— Zum Jahreswechsel entbieten ihren verehrten Gästen und Gönnern herzliche Glückwünsche! Frau Wwe. Rob. Lonis i. V. Hugo Bever und Frau. Kurze Notizen Das Personal der Deutschen Reichsbahn hat zu Weihnachten für das Winterhilfswerk eine Sonderspende in Höhe von 500000 RM zur Verfügung gestellt. Es geht aufwärts! Neujahrsaufruf von Dr. Ley. Reichsorganisationsleiter Dr. Robert Ley erläßt folgenden Neujahrsaufruf: „Männer und Frauen der Arbeit! Adolf Hitler, dein Führer, forderte von dir, deutscher Arbeiter, vier Jahre Geduld. Die Dunkelmänner in aller Welt und deren Parteien und Parteichen schrien und lärmten:„Seht, auch er kann nicht sofort helfen. Er verlangt vier Jahre. Glaubt ihm nicht! Vier Jahre ist eine lange Zeit!“ Doch du, deutscher Arbeiter, warst vernünftiger als sie Du jagtest jene davon und vertrautest Adolf Hitler. Gewiß, erst zögernd. mancher verängstigt und verschüchtert, sicherlich einzelne von ohnmächtiger Wut gepockt. Allein. deutscher Arbeiter und deutsche Arbeiterin, mochte auch das Schicksal dem einzelnen, der Jahrzehnte an die Götzen des Marxismus geglaubt hatte, noch so hart erscheinen, du bist daran nicht zerbrochen. Das ist das Entscheidende! Vor einem Jahr rief ich dir zu:„Vorwärts mit Adolf Hitler in das Reich der Kraft, der Größe, der Freude und des Glückes!“. Und ein Jahr predigen wir:„Halte fest, verzage nicht, werde nicht müde. Zähigkeit ist mehr als Begeisterung. Der Weg ist hart und steil, und doch, es geht aufwärts!“ Millionen des Werktags, gesteht es heute mit mir vor aller Welt und bekennt es mit mir: Führer, was vor einem Jahr Hoffnung und Glaube war, ist heute Gewißheit, unumstößliche Tatsache geworden. Es ging in diesem Jahre aufwärts und geht weiter aufwärts, gewaltig auswärts. Die Schornsteine rauchen wieder, Millionen Arbeitsloser haben Arbeit. Millionen Arbeiter haben ihren Lebensstandard verbessert, Millionen Handwerker und Mittelständler huben das Gespenst des Zusammenbruchs gebannk. Millionen Bauern schreiten wieder stolz und sicher auf ihren Aeckern. Wer von euch Totenwächtern einer traurigen Vergangenheit wollte es heute wagen, vor das Volk hinzutreten und zu rufen: Glaubt Adolf Hitler nicht. Damals jagte euch das Volk davon. Heute, nach nicht einmal zwei Jahren, würde euch das Volk wie feiges Ottern= und Natterngezücht zertreten. Es geht aufwärts! Wo in der Welt genießt der Werktätige einen derartigen Schutz? Wer sorgt mehr für den Arbeiter als das neue Deutschland? Welches Land kann sich rühmen, dem Schaffenden die Schönheit der Meere und Berge, der Täler und Höhen in diesem Ausmaße erschlossen zu haben? Es geht aufwärts! Haß und Dünkel, Zwietracht und Neid sind gebannt. Einsicht und Vernunft beherrschen die Menschheit. Deutschland kann heute bereits der Welt mit Stolz verkünden: Wir haben den Klassenkampf überwunden. Wir sind euch allen um Jahrzehnte, vielleicht um Jahrhunderte voraus. Es geht aufwärts! Aus der Unzahl der Verbände, Arbeitgeber= und Arbeitnehmerverbände wurde die größte organische Einheit aller Länder und Zeiten, die Deutsche Arbeitsfront. Führer, wir melden, daß am Ende des Jahres 1934 der letzte Verband, die Deutsche Angestelltenschaft, vollkommen eingegliedert ist. Wir melden dir, Führer und Kanzler des Reiches, daß diese organisierte Volksgemeinschaft keinerlei nach außen schön erscheinende Konstruktion darstellt, sondern tief in den Herzen der deutschen Arbeiterschaft verankert ist. Diese Gemeinschaft der Anständigen und Ehrbaren beherricht heute bereits das Leben der Fabriken und Kontore. Gute Fahrt ins neue Jahr wünscht allen Sönnern, Freunden und Bekannten Autovermietung Max Dörner. Bergischer Klaren Münsterländer Doornkaat=Klaren Wermuthwein la. Apfelwein Preise ohne Glas. Scharlachberg 3 Kronen Scherer Weinbrand Jamaika=Rum Verschnitt Doornkaat=Genever 1 Ltr. 1 Ltr. 1 Ltr. 1 F l. Fl. 1 .10 R. 2,15 R. 2,40.A 0,65./ .35./ .50.4 3,30.# .— R# 5,75 R. ferner: Rhein= und Moselweine, Taragona=, Malaga=, Samosweine, Deutscher Sekt, Marke Schöneberger Kabinett 1 Fl. 2,75## la. Annanas 1 Dose 1,75#t Erdbeeren... 1 Dose 1,25## empfiehlt Fl. Fl. Fl. Ltr.=Krug Inserieren bringl Grwinn. Wir melden Adolf Hitler, unserem Führer und Meister, daß für das Jahr 1935 alle Vorbereitungen getroffen sind, um aus der Volksgemeinschaft eine Leistungsgemeinschaft zu schaffen, und daß der Zeitpunkt nicht mehr fern ist, wo jeder Deutsche nicht nur einen Arbeitsplatz, sondern jeder Deutsche seinen Arbeitsplatz haben wird. Es geht aufwärts! Und wenn heute nach nicht zwei Jahren Hitler-Deutschland Lloyd George, einer der früheren grimmigsten Gegner Deutschlands, im englischen Parlament erklärt:„Niemand kann es wagen, Deutschland ungestraft anzugreifen", dann, deutscher Arbeiter, begreife: Adolf Hitler holte dir die Ehre zurück! Adolf Hitler gab dir die Achtung der Welt wieder! Adolf Hitler erkämpfte dir die Gleichberechtigung unter den Völkern der Erde! Ehre und Brot, das gab Adolf Hitler dem deutschen Arbeiter im Jahre 1934! Es geht aufwärts mit Adolf Hitler, unserem Führer!" Graße un die Saul Neujahrskundgebung des Bundes der Saarvereine. Der Bund der Saarvereine veröffentlicht folgenden Neujahrsgruß: Wir grüßen das Jahr 1935. Es führt nach langer Trennung unsere Saarheimat wieder in die mütterlichen Arme Deutschlands zurück. Allen denen, die uns in 15jährigem Kampfe Wegbereiter und Helfer waren, danken wir von Herzen. In tiefster Ehrerbietung danken wir dem Führer des Deutschen Reiches Adolf Hitler, dafür, daß er die Saarfrage zu einer Ehrenfrage des deutschen Volkes gemacht hat In dieser Stunde gedenken wir all der lieben Volksgenossen. die, teilweise unter Einsetzung ihres Lebens, in Schlesien, Ostpreußen und Schleswig=Holstein unmittelbar nach dem Krieg durch Volksabstimmung für Deutschland eingetreten sind Wir sind stolz darauf, am 13. Januar durch den Stimmzettel für die Heimkehr unserer Saarheimat kämpfen zu können. In diesem Glücksgefühl nehmen wir gern alle Strapa zen auf uns und setzen unsere eigenen Wünsche zurück. Wir grüßen unsere schwergeprüften Brüder und Schwestern an der Saar, denen wir am 13. Januar Helfer im Kampf um die Freiheit sein dürfen. Wir wissen, daß ganz Deutschland am 13. Januar seine Augen nach dem Saargebiet wendet, und freuen uns auf den Augenblick. in dem wir verkünden können: Die Saar ist heimgekehrt zur Mutter Germania. Heil Deutschland! Erleichterungen für arbeitslose Stimmberechtigte Der Reichs= und preußische Innenminister Dr. Frick betont in einem Runderlaß, daß arbeitslose Saarabstimmungsberechtigte infolge ihrer Abwesenheit vom Heimatort zur Saarabstimmung keine Nachteile erleiden dürfen. Die Reichsanstalt habe deshalb die Saarabstimmungsberechtigten. die versicherungsmäßige Arbeitslosenunterstützung, Krisenunterstützung oder Unterstützung als anerkannte Wohlfahrtserwerbslose beziehen, für die Dauer ihrer Abwesenheit von der Meldepflicht beim Arbeitsamt befreit. Es sei auch Vorsorge zu treffen, daß Saarabstimmungsberechtigte deren Wohlfahrtsunterstützung jeder Art während ihrer Abwesenheit zur Zahlung fällig wird. rechtzeitig in den Besitz ; d e r U n t e r s t ü t z u n g k o m m e n. D u r c h V o r a u s z a h l u n g d e r U n terstützung. Zahlung an Familienangehörige usw., so erklärt der Minister, müsse verhütet werden, daß sich durch die Beteiligung an der Saarabstimmung für den Abstimmungsberechtigten oder seine Familie irgendein Nachteil ergibt. Empfangsfeierlichkeiten verboten Die Regierungskommission hat im Einvernehmen mit der Abstimmungskommission angeordnet, daß bei der Ankunft von Extrazügen mit Abstimmungsberechtigten keine Empfangsfeierlichkeiten stattfinden dürfen. Insbesondere sind geschlossene Umzüge oder Aufmärsche mit den Abstimmungsberechtigten, Ansprachen, Musik- und Gesangsdarbie. tungen und dergleichen nicht erlaubt. Bei dieser Gelegenheit weist die Regierungskommission nochmals auf das im Saargebiet bestehende Verbot des Tragens von Uniformen und Abzeichen hin. Die Regierungskommission hat die marxistisch=separatistische„Deutsche Freiheit“ auf eine Woche verboten. Als Grund wird eine üble Karikatur des Führers angegeben. die dem„Neuen Vorwärts“ in Prag entnommen worden ist. C Turn- u. Spielvereinigung„Tus Radevormwald e. V. Zum Jahreswechsel entbiete ich allen Mitgliedern, Freunden und Gönnern der Turn= und Spielvereinigung Radevormwald herzlichste Neujahrswünsche! Ein Jahr besteht nunmehr unsere Vereinigung; es wurde viel harte Arbeit geleistet, aber mit Freude stelle ich fest, daß diese Arbeit nicht umsonst war. Neben der durch turnerische und sportliche Betätigung des Einzelnen zu erzielenden körperlichen Ertüchtigung ist es vor allem mein Wunsch, wahrste Volksgemeinschaft zu hegen und zu pflegen. Wir wollen damit zu unserem Teile dazu beitragen, den vom Führer Adolf Hitler gewünschten Nationalsozialismus in alle Volkskreise hineinzutragen. In diesem Sinneswerde ich weiter arbeiten und bin mir dabei der Unterstützung aller Mitglieder gewiß. Heil Hitler! Walter Giersiepen, Vereinsleiter. Radevormwald, Sylvester 1934. Tüchtige, ehrl. Kraft für Schreibmaschine u. Buchhaltung gesucht. Handgeschriebene Bewerbungsschreiben, mögl. mit Zeugnisabschriften unter L. 1 a. d. Exp. ds. Bl. Empfehle preiswert al Waggon Mittwoch, 2. Jan. eintreffend Tortstreu-Maf Frirdr. Schmid Fernruf 21. Die Ausweise für die Abstimmungsberechtigten Die Abstimmungskommission teilt mit: Die Abstimmungsausweise sind dieser Tage an die Abstimmungsberechtigten versandt worden. Es ist aber anzunehmen, daß einige Abstimmungsberechtigte ihre Ausweise wegen Abwesenheit oder unvollständiger Anschrift nicht erhalten haben. Diese Stimmberechtigten sowohl als auch diejenigen, die fehlerhafte Ausweise empfangen haben sollten, müssen sich an den Gemeindeausschuß des Bezirks wenden, wo sie stimmberechtigt sind. Behörden, politische Parteien und Einzelpersonen. deren Anschrift auswärtigen stimmberechtigten Personen als„Anschrift im Saargebiet“ diente, werden gedeten, die Ausweise baldmöglichst an die Berechtigten weiterzuleiten. Die Verordnung vom 13. 12. 1934 betreffend Abänderung der Abstimmungsverordnung vom.7. 1934 Artikel 32 bestimmt folgendes:„Wer mehr als einen auf seinen Namen lautenden Abstimmungsausweis erhalten sollte, muß die überzähligen Ausweise dem nächsten Gemeindeausschuß oder dem nächsten Kreisbüro spätestens am dritten Tag, nachdem er sie erhalten hat, zurücksenden. Wer einen Abstimmungsausweis erhalten sollte, der ihn mit einem Familiennamen bezeichnet, den er nicht mehr trägt, ist gehalten, diesen Ausweis in gleicher Weise, wie im vorhergehenden Absatz angegeben, zurückzusenden. Diejenigen Personen, die es unterlassen, in den obenerwähnten Fällen den Abstimmungsausweis zurückzuschicken, können kraft Artikel 70 der Abstimmungsverordnung vom 7. 7. 1934 bestraft werden. Auf Ersuchen der Abstimmungskommission teilt die Direktion des Innern mit. daß für die Zeit vom 10. bis 16. Januar 1935 eine Genehmigung zur Einreise ins Saargebiet nicht erteilt wird für solche Personen, die ins Saargebiet einreisen wollen, um dort an einer öffentlichen oder geschlossenen Veranstaltung teilzunehmen oder die als Mitglieder eines Vereins oder einer sonstigen Personenmehr= heit in dieser Eigenschaft, sei es einzeln oder geschlossen, einreisen Die grauen Glücksmänner sind da Beginn der Reichswinterhilfe-Lotterie 1934/1935. Am Sonnabend, mittags um 12 Uhr, setzte im ganzem Reiche schlagartig die Reichswinterhilfe-Lotterie ein, die im Vorjahre die in sie gesetzten Erwarlungen voll erfüllt und dem Winterhilfswerk bedeutende Mittel zugeführt hat. In Berlin sind wieder 400 Glücksmänner in ihren kleidsamen Umhangmänteln und grau=roten Mützen unterwegs. Rund 120 versammelten sich mittags, mit je 400 Losen versehen. am Lustgarten unterhalb der Schloßrampe zum Start in ihre Bezirke. Eine Kapelle der Schutzpolizei marschierte an und eröffnete die Reichswinterhilfe=Lotterie mit einem einstündigen Platzkonzert Die Berliner strömten zu Tausenden herbei. Ein Transparent machte von der Schloßrampe aus die Umstehenden und Vorübergehenden auf den Beginn dieser beliebten Lotterie aufmerksam. Nach Abschluß des Werbekonzerts erfolgte der Abmarsch der grauen Glücksmänner in die ihnen zugewiesenen Bezirke. Das Winterhilfswerk 1934/35 begann einen neuen Kampfabschnitt gegen Hunger und Kälte. Durch die Reichsleitung der NSDAP. wird, wie im Winter 1933/34, die Reichswinterhilfe=Straßenlotterie im ganzen Reich eingesetzt. Wiederum werden mehr als 10000 Glücksmänner als Soldaten des Winterhilfswerkes für die ärmsten unserer Volksgenossen Tag und Nacht kämpfen. Die Lotterie, in Serien von je 1 Million eingeteilt, bringt— dem Wesen und Sinn einer zeitgemäßen Volkslotterie entsprechend— eine große Anzahl von Gewinnen in Höhe von 50 Pfennigen bis zu 5000 Reichsmark die sofort beim Gewinnloskauf in bar fällig sind Kleine Gewinne zahlen die Verkäufer aus, größere die Sparkassen und Girobanken. Jede Serie enthält 150 000 Gewinne und Prämien im Gesamtwert von 125000 RM. Auf jede Serie entfallen ein Hauptgewinn von 5000 RM, zwei Hauptgewinne von je 1000 RM und fünf Prämien von je 1000 RM, an deren Ausspielung sämtliche Lose, Gewinne wie Nichtgewinne, teilnehmen. Und nicht genug mit diesen Gewinnaussichten: Jedem Losbrief sind zwei in Kunstdruck ausgeführte Postkarten beigefügt. Diese Bildpostkarten, betitelt„Das schöne Deutschland“, ergeben eine herrliche Sammlung der schönsten Landschaften und Bauwerke unseres Vaterlandes. Der Lospreis von nur 50 Pfg. macht jedem Volksgenossen die Beteiligung an der Reichswinterhilfe=Lotterie möglich. G 717150 für„Vergischen I Nr 10. Montag, den 31. Dezember 1934. 58. Jahrgang. Silldevornethate im Spiegel ; des Jahres Die Weihnachtsglocken sind verhallt. Die Weihnachtsmelodien, die aus den Häusern und den Kirchen ertönten, sind verklungen und verstummt. Die uralte und doch ewig neue Weihnachtsbotschaft:„Ehre sei Gott in der Höhe und Frieden auf Erden“, sie ist auch in diesem Jahre wieder in die Lande geklungen. Wehmütigen Herzens blicken wir zurück auf das vergangene Jahr, denn nur noch wenige Stunden trennen uns von dem Beginn eines neuen. Wenige Stunden noch, dann läuten die Glocken von den Türmen der Gotteshäuser ein neues Jahr ein... Was wird es uns bringen? Frieden oder....? Was werden uns die schicksalsschweren Tage an der deutschen Saar bringen? Wir wissen's nicht. Wissen nicht, was uns im neuen Jahr bevorsteht. Doch jetzt, da wir uns rüsten zum Abschiednehmen, wandern im Geiste unsere Gedanken noch einmal zurück auf die vergangenen 365 Tage des Jahres 1934.= Das Eindruckvollste und Wichtigste unserer Vaterstadt soll uns in diesen Zeilen noch einmal an unserem Auge vorüber ziehen. Das Jahr der nationalsozialistischen Revolution mit seiner grundlegenden Umgestaltung aller politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Verhältnisse bedeutete einen Wendepunkt in der Geschichte unseres Vaterlandes, und damit auch in der Geschichte unserer Stadt. Es kann mit Genugtuung festgestellt werden, daß das Jahr 1934 ein Jahr des Aufbaues für unsere Heimatstadt gewesen ist. Auf alle Geschehnisse in unserer Stadt hat diese günstige Aufwärtsentwickelung deutlich ihren Stempel gedrückt. Ein bedeutungsvoller Tag für die Geschichte der Stadt, ein Freudentag für die ganze Gemeinde war der 17. April, als Bürgermeister Penner durch eine feierliche Gemeinderatssitzung im Lindenhof unter Anteilnahme der ganzen Bürgerschaft in sein Amt eingeführt wurde. Mit Freude haben wir es feststellen können, was damals Ortsgruppenleiter Pg. Strombach in seiner Begrüßungsansprache erwähnte:„Es weht ein anderer Wind in unserer Stadt“. Unser neues Stadtoberhaupt hat seine ganze Kraft im Sinne unseres großen Führers in den Dienst unserer lieben und schönen Bergstadt Radevormwald gestellt. Lenken wir nun einmal die Blicke auf die wichtigsten Ereignisse im verflossenen Jahr, so können wir wohl sagen, daß im Hinblick auf Unglücksfälle unsere Stadt unter einem ungünstigen Stern gestanden hat. In geradezu beängstigender Häufigkeit eilten im letzten Jahr die Nachrichten von Unglücksfällen mit tötlichen Ausgängen durch die Straßen unserer Stadt. Es war am 16. Februar, einem nebligen Freitagabend, als die Kunde von einem schrecklichen Motorradunfall bei Niedernfeld bekannt wurde. Zwei Fahrer waren mit voller Wucht zusammengeprallt. Zwei Tote, dabei ein blühendes Menschenleben! Kaum drei Monate später, am 12. Mai, ereigneten sich zwei schwere Verkehrsunfälle. An der Hufschmiede wurde durch unglückliche Umstände ein Kraftfahrer aus Wuppertal zwischen einem Chausseebaum und der Karosserie seines Wagens zu Tode gequetscht. Am Abend desselben Tages fuhr in Dahlerau ein Bäcker mit seinem Personenwagen in den Turbinengraben der Firma Wülfing u. Sohn und fand so den Tod. Noch stand dieser schwarze Tag in aller Erinnerung, als eine neue Hiobsbotschaft kam. Am 6. Juni fuhr bei Feldmannshaus ein schwerer Lastwagen mit Anhänger auf ungeklärte Weise gegen einen Baum, wobei der Beifahrer auf gräßliche Art zu Tode kam. Und noch einmal forderte der Moloch Verkehr ein Opfer. In den Morgenstunden des 22. Oktober stieß ein Radfahrer am Uelfebad mit einem Lieferwagen zusammen, an den Folgen starb er am nächsten Tage.— Wahrlich eine traurige Chronik! Eine ganze Reihe von Festveranstaltungen und Feiern, die uns das neue Deutschland brachte, haben wir im vergangenen Jahre miterlebt. Für die militärischen Vereine unserer Gemeinde war der 14. Januar ein besonderes Ereignis, galt es doch, durch die Weihe der Kyffhäuser=Bundesfahnen die alten, ruhmreichen Fahnen um ein Symbol des neuen Deutschland zu mehren. Am 25. bruar, am Volkstrauertag, gedachten in einer ernsten und würdigen Feierstunde die Vereine und nationalsozialistischen Formationen der Gefallenen des Weltkrieges. Der Tag der nationalen Arbeit war für Radevormwald ein wahres Volksfest. Nach dem Einholen des Maibaumes, der auf dem Marktplatz am Abend vorher errichtet wurde, schlugen am Wasserturm mächtige Feuergarben eines Maifeuers gegen den nächtlichen Himmel. Eine machtvolle Sängerkundgebung an der Wupper legte am 3. Juni ein glänzendes Zeugnis für den deutschen Männergesang ab, während am gleichen Tage die Turner in Heidersteg das Jubiläum ihres 40jährigen Bestehens feierten. Am 10. Juni stand Radevormwald ganz im Zeichen des Roten Kreuzes, von dem im ganzen Reich ein Sammeltag durchgeführt wurde. Ein ganz besonderer Festtag war gleichzeitig für die Wupperortschaften. Fand doch das Kreiskriegerverbandsfest in Vogelsmühle statt. Am Abend vorher beging der Krieger= und Landwehrverein Vogelsmühle sein 50jähriges Bestehen und gleichzeitig die Weihe einer neuen Vereinsfahne, die Oberst a. D. Breitenbach ihrer Bestimmung übergab. Nach einer mit großem Erfolg durchgeführten Werbewoche veranstaltete der Rader Turnverein am 16. und 17. Juni eine Jubelfeier aus Anlaß seines 75jährigen Bestehens. Für den Festabend hatte man eine Reihe „Turnkanonen“ gewonnen. Meisterleistungen waren die Uebungen von Heinz Sandrock, Georg Sich und Willy Nigge. Ein voller Erfolg wurde auch der Festsonntag für die Deutsche Turnerschaft. Daß die Feuerwehren eine echte Volksgemeinschaft bilden, bewies am 7. und 8. Juli das Verbandsfest der Rader Wehren in Landwehr, wo gleichzeitig die dortige Wehr ihr 40jähriges Bestehen feierte. In einer Versammlung am 9. März waren die Rader Feuerwehren vereinigt und in 15 Löschzüge gegliedert worden, die hier zum erstenmal in ihrer Gesamtheit an die Oeffentlichkeit traten. Ein weiterer Beweis, daß die Feuerwehr keine lose Interessengemeinschaft mehr ist, war der 1. Kreisfeuerwehrtag am 16. September, wo sich die gesamten Wehren des Rhein=Wupper=Kreises hier eingefunden, um von Kreisführer Dr. Wuppermann über die neuen Richtlinien unterrichtet zu werden. Eine glänzende Parade und ein großer Festzug beschlossen den Tag, an dem auch Provinzialführer Schmid teilnahm. Begünstigt von herrlichem Wetter wurde am 30. September das Erntedankfest gefeiert. Wahre Volksfesttage sind die Tage des Schützenfestes und der Kirmes im September. So war es auch in diesem Jahre, als Ernst Hesterberg den Königsschuß tat. Wichtige Ereignisse haben sich auf dem Gebiete des Sportes im vergangenen Jahre hier zugetragen. Der 21. Januar wird im Turn= und Sportleben unserer Heimatstadt ein Tag ganz besonderer Bedeutung bleiben. An diesem Tage vereinigten sich der Turnerbund Rade und die Spielvereinigung Rade zur Turn= und Spielvereinigung(Tus).— Aus der früheren Turnabteilung „Eichenkreuz" entstand der Verein„Sportfreunde Schwarz=Weiß", der als Neuling unter den Sportvereinen in Radevormwald schon manchen beachtlichen Erfolg an seine Fahne heften konnte. Ein friedliches und doch heißes Ringen um den Sieg war der Tag der Stadtmeisterschaften am 26. August. Es ist mit besonderer Freude festzustellen, daß im vergangenen Jahr, mit Ausnahme der Kirchen an der Wupper, sämtliche Gotteshäuser durch Neuanschaffungen bezw. Ausbesserungen bereichert und verschönert wurden. Am 4. März war ein Freudentag für die Martinigemeinde, konnte sie doch an diesem Tage nach achtwöchiger Verwaisung wieder in ihr mustergültig ausgemaltes Gotteshaus einziehen, das mit dem wundervollen Altar ein Prachtstück darstellt. Am folgenden Sonntag war ein besonderer Freudentag für das kleine Kirchlein in Remlingrade, an dem man eine neue Kirchenorgel weihen konnte. In aller Erinnerung steht noch die Wiederingebrauchnahme der vollständig ausgebesserten lutherischen Kirche, die durch die Neuausmalung zu einer Kirche des Kreuzes geworden ist. Wenn auch die ceformierte Kirche nach außen hin keine besondere Neuanschaffung gemacht hat, so hat doch wohl schon mancher in der letzten Zeit die angenehme Wärme der Zentralheizung wahrgenommen, und sicherlich ist manchem die saubere Bordsteineinfassung der kath. Kirche aufgefallen. In großen Zügen haben wir noch einmal das Jahr 1934 an unserem Auge vorüberziehen lassen.— Am Schlusse dieser Betrachtung muß aber auch noch eine wichtige Neuregelung des letzten Jahres erwähnt werden, denn ein grundlegender Umschwung auf dem Gebiete der Verkehrs= und Verschönerungsvereine unserer Stadt ist geschaffen worden. Man hat aus all diesen Vereinen den„Verkehrsverein Radevormwald“ gegründet, der sich die Pflege des Heimatprinzipes und die Förderung des Fremdenverkehrs zur Hauptaufgabe gestellt hat. In 2 großen Versammlungen am 25. und 26. April entwickelte Bürgermeister Penner interessante Pläne für die Verkehrswerbung, die bereits im Sommer mit sichtlichem Erfolge durchgeführt werden konnten und die im kommenden Jahr in noch größerem Umfange betrieben werden, denn mit Recht können wir eine Fremdenwerbung aufnehmen. Der Reichtum Radevormwalds liegt in seinem wundervollen Landschaftscharakter. Die schöne Bergstadt mit ihren Waldungen und träumerisch gelagerten Wiesentälern, die reine, kräftigende Höhenluft, das alles ist vorzüglich geeignet, um dem Großstädter die ersehnte Erholung zu bereiten. So können wir getrost in das kommende Jahr 1935 hineingehen in dem Bewußtsein, daß es weiter aufwärts geht mit dem Wohle unserer schönen Bergstadt. Neujahr an der Saar Von Georg Beßler. Wenn zur mitternächt'gen Stunde Froh die Neujahrsglocken läuten, Wißt ihr auch, ihr deutschen Brüder, Was die Klänge uns bedeuten? Es erwacht das Jahr der Freiheit, Lange Knechtschaft wird begraben, Die in Not, doch auch in Treue Duldend wir getragen haben. Und nun zählen wir die Tage Und die Stunden, die uns trennen, Um für alle Ewigkeiten Uns zu Deutschland zu bekennen. Leuchtend füllen die Pokale Unsrer Berge goldne Weine, Brüder, reichet euch die Hände Von der Saar bis zu dem Rheine. Heute fallen schon die Grenzen, Die die Willkür uns gezogen. Auf der Liebe güldnen Pfeilern Spannt die Treue ihre Bogen. Also spricht des Saarlands Sehnen Zu euch in der Jahreswende: Treu um Treue sei die Antwort, Helft, daß alle Knechtschaft ende! Braachlam der Führeswende Die heute in aller Welt übliche Unterscheidung von Weihnachtsfeier und Neujahrsfest ist nicht der Welt des germanischen Brauchtums entwachsen. Die Wintersonnenwende mit den heiligen„Zwölf Nächten“ war— wie es ja der Name sagt— die eigentliche kultische Feier der endlichen Wende der Sonne, die nach langer Wintersnacht und Wintersmacht wieder anbrach, um mit ihrem Licht und ihrer Wärme das Leben der Erde zu neuem Wachsen und neuem Werden zu bringen. Daher ist es verständlich, wenn gerade das Brauchtum der Weihnachtszeit und der Jahreswende soviel Aehnlichkeiten, ja soviel Gleichartiges aufzuweisen hat. So ist es z. B. an manchen Orten üblich, in der Silvesternacht große Feuer abzubrennen, ein Brauch der sonst nur am Vorweihnachtsabend oder an den eigentlichen Weihnachtstagen bekannt ist. Vielfach hat man die sem Brauch den Sinn zu geben versucht, als ob durch das Licht des Feuers böse Geister, Dämonen und andere unholde Wesen vertrieben werden sollten. Diese Deutung aber ist erst in verhältnismäßig später Zeit von außen in das deutsche Volk getragen worden. Ursprünglich war das Anzünden der Flammenstöße nichts anderes als ein Zeichen der. Verehrung, die der Sonne als Schöpferin von Leben und Wärme dargebracht wurde. Wenn heute in allen Teilen des germanischen Lebensraumes die Sitte vorherrschend geworden ist, die Jahreswende durch das Abbrennen verschiedenster Feuerwerkskörper anzuzeigen, so ist dieser Brauch letzten Endes von der altgermanischen Sitte des Feuerabbrennens herzuleiten. Wie diese Sitte eine falsche Umwandlung erfahren hat, so auch ein anderer Brauch seinem eigentlichen Sinn nach vielfach falsch ausgelegi. Es handelt sich dabei um das„Lärmen“ in der Neujahrsnacht, das„Neujahrsschießen",„Neujahrswerfen“ und andere Dinge, die jedenfalls allesamt mit erheblichem Aufwand an Lärm und Geräusch verbunden sind. Auch hier hat man immer wieder den Versuch gemacht, diesen Brauch so auszulegen, als ob dadurch die bösen Geister und andere schrecklichen Unwesen vertrieben werden sollten. Doch war der germanische Bauer dem Leben der Natur, ihrem Werden, Wachsen und Vergehen zu tiefinnerlich verbunden, daß er niemals dem Schreckglauben „böser Geister“ oder ähnlicher Dinge verfallen konnte. Wenn die lärmenden Umzüge stattgefunden haben, so können sie nur den einen symbolhaften Zweck verfolgt haben, die unter dem Einfluß der wiederkehrenden Sonne sich regenden Triebkräfte der Erde zu wecken. Im übrigen wird das „Lärmen“ eine Aeußerung der Freude darüber gewesen sein, daß die Todesstarre des Winters endlich überwunden ist und die Kräfte sich endlich wieder regen können zu neuer Tat und zu neuem Werk. Nur wenn wir uns des Tatendranges und der Werkfreude unserer germanischen Vorfahren bewußt werden, können wir uns vorstellen, wie bedrückend die Ruhe des Winters auf ihren Seelen gelastet hat. Dann wird uns auch das Brauchtum unserer Altvorderen erklärlich, das immer ein sinnbildlicher Ausdruck ihrer Freude und ihrer neuen Hoffnung gewesen ist. Sehr oft finden wir, daß für den Abend des letzten Tages im Jahre bestimmte Speisen vorgeschrieben sind. Manchmal ist es ein Hahn, ein andermal ein Fisch und wieder ein andermal ist es das Fleisch des Schweines, das als Silvesterspeise bevorzugt ist. Auch diese Dinge sind im germanischen Brauchtum verankert. Gelten doch alle drei Tiere— der Hahn, der Fisch und der Eber— als Sinnbilder der Fruchtbarkeit. Das Fleisch des Ebers wurde als die Speise der Helden Wallhalls angesehen, durch die ihnen ewige Lebenskraft gegeben wurde. Derselbe Sinn liegt dem Brauch zugrunde, am Neujahrstage Formen dieser Tiere aus Gebäck, Marzipan, aus Metall oder anderen Dingen zu verschenken. Dadurch wurde dem Beschenkten der Wunsch für ein glückliches neues Jahr zum Ausdruck gebracht. In der Schweiz feiert man den ersten Tag der neuen Jahres als den„Berchtelitag“, der seinen Namen nach der Gattin Wodans, Berchta, trägt, und zum Mittag des Neujahrstages findet man sich dort zum„Berchtel! mahl" zusammen. In der Silvesternacht ist es, wie in vielen anderen Nächten, nach altem Volksglauben möglich, Zukünftiges zu erschauen.„Losnächte“ werden diese Nächte genannt, sie erinnern an die alte germanische Sitte, das Schicksal durch das„Los" zu befragen. Noch sehr vieles ließe sich anführen von dem, was an Sitte und Brauch in allen Gauen des deutschen Landes lebt. Oft ist das überlieferte Gut verfälscht und umgedeutet worden, doch lebt es in seiner n, en Bedeutung noch vielfach in den Herzen und Seelen unserer deutschen Bauern, von Geschlecht zu Geschlecht vererbt und gegen alle Widerstände mit trotzigem Mut treu bewahrt. Sport vom Sonntag Benrath siegt— Fortuna verliert „ Quer durch die westdeutschen Fußball=Gaue Am Niederrhein sind die Verfolger des Düsseldorfer Favoritenpaares weiter zurückgefallen, denn Borussia Gladbach verlor gegen die vierfach ersatzgeschwächten Krefelder Preußen mit:4 und Rotweiß Oberhausen wurde in Benrath mit:2 abgewiesen. Für sie ist Duisburg 08 wieder eingesprungen, das Schwarzweiß Essen mit:1 in Abstiegssorgen ließ. Unten hat sich übrigens Duisburg 99 etwas erholt durch:0 gegen die ziemlich hoffnungslosen Rheydter. Auf ihrem bisher gemeinsamen Weg zum Ziel haben sich die beiden Düsseldorfer Rivalen im Abstand von 3 Punkten zunächst getrennt. Denn Fortuna ist in die Rolle des Verfolgers zurückgedrängt worden durch die Niederlage in Homberg, während VfL Benrath durch knappen Sieg über Oberhausen seine Spitzenstellung festigte. Benrath=Oberhausen?:1(:0) vor ausverkauftem Haus war eine dramatische Angelegenheit. Lentzki hatte wieder mal den Führungstreffer geschossen, aber in der zweiten Halbzeit glichen die Oberhausener aus, um sich dann zurückzuziehen. Benrath stürmte und stürmte. Schließlich verzweifelte mit der Mannschaft auch der Anhang, daß der Sieg noch geschafft werden könne, denn im Oberhausener Tor war Jürissen der Held des Tages— er hielt einfach alles. Und 30 Sekunden(!) vor Toresschluß wurde Benrath doch noch erlöst, als Stoffels der Siegtreffer gelang. Homberg—Fortuna:0(:0) brachte in Homburg 5000 Zuschauer zur Begeisterung. Allerdings war die ohne Janes und Zwolanowski antretende Fortuna spielerisch nicht wiederzuerkennen, nichts gelang, aber auch der notwendige Kampfgeist fehlte. Die elanvoll sich einsetzenden Homberger— sie hatten es in ihrer Lage nötig— kamen also durch ihren Mittelstürmer Martens zu zwei Toren. Westfalens Meister Schalke 04 weilte pripat in Barmen, wo er vor 8000 Zuschauern die in ihrer zweitklassigen Gruppe führende SSVa mit nicht weniger als:1 überspielte. 5 Kuzorra=Tore waren dabei.— Die westfälische Liga meldet, da auch der Zweite aus Höntrop privat bei Arminia Bielefeld:1 spielte, ein Zurückfallen des DSC Hagen durch:3 gegen Germania Bochum, ein Aufkommen von Hüsten 09 durch:1 über Westfalia Herne und im Recklinghausener„Schlußstreit“ den:=Sieg der Union, womit die alte Viktoria ziemlich rettungslos zurückbleibt.. In Nordhessen fiel das Treffen der mit 5 Punkten(nach Verlustzählern) führenden Hanauer gegen Sport Kassel aus. Borussia Fulda braucht nach dem:0 über den Ortsrivalen Germania die Hoffnung nicht aufzugeben. Ergebnisse Baden: BfB Mühlburg— SV Waldhof=Mannheim:1; FC Pforzheim— VfL Neckarau:2; Mannheim 08— Phönix Karlsruhe:2; Germania Karlsdorf— Karlsruher FV:1. Württemberg: SV Feuerbach— SSV Ulm:3. Bayern: ASV Nürnberg— Spog. Fürth:1; Augsburger BC— 1860 München:0; Spog. Weiden— Jahn Regensburg:1; Bayern München— Ruch Bismarckhütte:1.(11) Nordmark schlägt den Kampfspielsieger Südwest :4 das Schlußergebnis,:2 der Halbzeilstand. Der Gau Mittelrhein, der am kommenden Sonntag in Köln seine Fußball=Auswahlmannschaft in der Vorrunde um den DFB=Pokal gegen die Elf des Gaues Nordmark schicken muß, wird vor einer recht schweren Aufgabe stehen. Von dem Freundschaftskampf zwischen der Nordmark und dem Kampfspielsieger Südwest am Sonntag in Hamburg nahmen die 10 000 bis 12000 Zuschauer den Eindruck mit, daß ihre Landsmannschaft zurzeit kaum zu schlagen ist. Der Gau Südwest enttäuschte. Die Nordmark war auf fast allen Posten besser als der Gegner, und der Sieg war durchaus verdient, wenn auch das Schlußergebnis eine schwache Haltung des Siegers zum Spielende nach einer Führung von.:2 anzeigt. Vom Gau Südwest hatte man sich allgemein mehr versprochen. Es fehlten dem Spiel verschiedene technische und strategische Voraussetzungen. So waren z. B. Stubb und Klett in der Verteidigung viel zu langsam, die überlastete Läuferreihe hatte zu viel Abwehrarbeit zu leisten und fand die Verbindung zum Sturm nicht, in dem Conen erst nützliches Mitglied wurde, als er seine Einzelaktionen unterließ und auf Zusammenarbeit bedacht war Zur Zufriedenheit arbeitete hier nur der Wormser Fath; neben ihm ist nur noch Gramlich zu nennen, der aber mit dem Flügel Noak=Politz nicht ganz fertig wurde Der überragende Mann des Spieles war ohne Zweifel Ncack, der wieder einmal in bester Schußlaune war und alle fünf Tore schoß. Nicht weniger wirkungsvoll war sein Nebenmann Politz. Rohde und Gloede als Außenläufer spielten ebenfalls recht nützlich. Die anderen Spieler erübrigt sich zu nennen; jeder war an seinem Platze. Die Nordmark wird, wenn noch Schwarz und Stührck in der Verteidigung zu finden sind, eine Front nach Köln schicken, die nicht leicht zu durchbrechen ist. Das Spielgeschehen war zum Teil recht vielseitig, wenn man auch immer auf den Tribünen etwas mehr erwartete. Noack schoß in der 3. Minute einen Eckball zum Führungstor ein. Nachdem Panse den Pfosten getroffen hatte und Conen in Kath seinen Bezwinger fand, fiel in der 22. Minute durch den Halbrechten Fuchs auf Fehler des linken Nordmark=Verteidigers der Ausgleich. Noack verwandelte schon bald eine Vorlage Panses zum:1. Lindemann brachte nach Kombination mit Conen Südwest wieder heran, aber Noack traf vor der Pause noch zweimal auf Vorlagen Panses ins Schwarze. Nach der Pause war der Kampf nicht mehr so lebhaft. Noack=Politz erspielten sich nochmals eine gute Schußgelegenheit, die der glänzend aufgelegte Noack auch nicht ausließ. Nun besann sich Conen auf seine Führerstellung. Fath schoß bald den dritten Treffer und der Vereinskamerad Conens, Fuchs, brachte die Gäste auf:5 heran. Einige Minuten lag der Ausgleich in der Luft— die Nordmark aber hielt ihre Stellung. Niederrheinmannschaft aufgestellt Zum Pokalvorrundenspiel gegen Württemberg. Für das Pokalvorrundenspiel gegen Württemberg (Sonntag, 6. Januar im Elberfelder Stadion) hat der Gau Niederrhein folgende Mannschaft aufgestellt: Buchloh(BfB Speldorf); Janes(Fort Düsseldorf), Busch(Duisburg 99); Zielinski(Hamborn 07), Münzenberg (Alemannia Aachen), Bender(Fort. Düsseldorf): Albrecht (Fort Düsseldorf), Wigold(Fort. Düsseldorf), Hohmann, Rasselnberg(beide VfL Benrath) und Kobierski(Fort. Düsseldorf). Radsport Krewer außer Form Jezo vor Arlet und van Egmond. Flieger= und Steherrennen gab es am Wochenende auf der Antwerpener Winterbahn. Die an den Dauerrennen teilnehmenden deutschen Fahrer Erich Möller und Paul Krewer konnten mit ihren Leistungen die Besucher wenig zufriedenstellen. Die Besten im Rennen waren der Belgier Ronsse und der Franzose Lacquehay; beide lagen zum Schluß gleichauf, nachdem jeder von ihnen einen Lauf mit dem gleichen Vorsprung vor dem anderen gewonnen hatte. Die bessere Plazierung im letzten Lauf gab den Ausschlag zugunsten von Lacquehay. Möller und Krewer besetzten die übrigen Plätze. In einem Verfolgungsrennen zeichnete sich Archambaud aus, der den Holländer Pijnenburg schlug. In einem Herausforderungskampf hinter Zweisitzerführung siegte Huys mit 35 Kilometer vor Huybrechts. Unerwartet kam der Sieg des jungen Franzosen Jezo im Fliegerkampf mit 5,5 P. vor Arlet 7,5., van Egmond 9 P. und Meyer=Andersen 10 P. Ergebnisse(Dauerrennen): 1. Lauf. 20 km: 1. Ronsse 21:46,1; 2. Lacquehay 15 m zurück; 3. Möller 210 m zurück; 4. Krewer 425 m zurück. 2. Lauf: 40 km: 1 Lacquehay 46:12,3; 2. Ronsse 15 m zurück; 3. Möller 375 m zurück.— Gesamt: 1. Lacquehay 3., 2. Ronsse 3., 3. Möller 6., 4 Krewer 8 P. Kaers eine Klasse für sich Belgiens Straßenweltmeister Karel Kaers ist ein Fahrer wirklich großen Formats. Sonntag für Sonntag startet er mit Erfolgen über die Spitzenleute im Berufsrennsport. Gelang es ihm doch in den vergangenen 14 Tagen, Guerra zweimal klar zu schlagen. Daß diese Leistungen nicht als Zufalls=Erfolg anzusehen sind, beweist eine erneute Glanzleistung. die Kaers in Brüssel bot. Kaers fuhr im Omnium über 1 Kilometer mit fliegendem Start mit:04,2 Stunden eine Zeit, die erheblich besser ist als Michards bestehender Rekord von:06,6 und zugleich noch unter seiner kürzlichen Pariser Bestzeit von :04.8 liegt. Man muß nun abwarten, ob die UC! in Zukunft auch Weltrekordleistungen auf Winterbahnen anerkennt. Im Gesamtergebnis des Omniums siegte Kaers mit 5 Punkten vor Jean Aerts 7,5., Charlier 8,5 P. und Haemerlinck 9 P. Deutsche Fahrer in ausländischen Sechstagerennen. Deutsche Spitzenfahrer finden in diesem und nächsten Jahre reichlich Gelegenheit, in ausländischen Sechstagerennen ihr Können unter Beweis zu stellen. An den 145=Stundenfahrten in Brüssel und Antwerpen werden beispielsweise deutsche Mannschaften an den Start gehen. Gottfried Hürtgen fährt in Brüssel mit seinem Kölner Landsmann Ippen. Wie verlautet, steht Hürtgen auch mit der Direktion in Antwerpen in Verhandlung. Er soll hier mit seinem früheren ständigen Partner, Viktor Rausch, fahren. ZimsKüster starten ebenfalls im Antwerpener Sechstagerennen. Für Brüssel haben weiter noch Adolf Schön und Lothar Ehmer Verträge unterzeichnet. Sie erhalten die Belgier Jean Aerts bzw. Bonduel zu Partnern. Boxsport Wer zahlt das meiste Geld? Max Schmeling— Stene Hamas doch in USA? In einer Presse=Konferenz erklärte Johnstone. der boxsportliche Leiter des Newyorker Madison Square Garden, daß seine Gesellschaft für das kommende Frühjahr große Pläne habe. Man plane zwei Ausscheidungskämpfe: Carnera— Sasky und Schmeling— Hamas. Die Sieger dieser beiden Kämpfe sollten im März oder April gegenübergestellt werden, so daß der Gewinner im Juni gegen Baer antreten könne. Demgegenüber steht die Behauptung von Walter Rothenburg, daß er Schmeling und Hamas vertraglich für einen Kampf in Deutschland verpflichtet habe. Entscheidend wird auch in diesem Falle wohl wieder die Frage sein, wer von beiden— der Garden oder Walter Rothenburg— das meiste Geld zahlen kann Hower gegen Lenglei? Aus Paris wird gemeldet, daß für den deutschen Schwergewichtsmeister Vinzenz Hower der Gegner für den nächsten Kölner Kampftag, der am 2. Februar abgewickelt werden soll, feststehe. Es soll der frühere französische Meister Andre Lenglet sein. Pferdesport Preis der Jährlingsauktionen 1935...— Unter der Bezeichnung„Preis der Jährlangsauktionen 1935“ schreibt die Oberste Behörde für Vollblutzucht und Rennen ein neues, wertvolles Zweijährigen=Rennen aus, das aus dem Zuchtfonds der OBV mit 10.000 Mark an Preisen ausgestattet wurde. Teilnahmeberechtigt sind 1933 in inländischem Privatgestüten gezogene inländische Pferde in deutschen Privatbesitz, die als Jährlinge auf deutschen öffentlichen Auktionen verkauft oder verlost sind und sich nicht wieder im Besitz des Züchters befinden. Das Rennen wird unter den deutschen Rennvereinen ausgelost werden. Wassersport Die deutsche Olympia=Jolle fertig Für die Olympischen Spiele 1936 werden sich die Segler besonders auf die Wettkämpfe in dem Ein=Mann=Boot konzentrieren, in dem tatsächlich der beste Segler sich bewähren muß. Die deutschen Jollenbauer haben in der Olympia=Jolle nun ein Boot geschaffen und in zahllosen Renn= und Versuchsfahrten erprobt, das alle Hoffnungen erfüllt. Es ist ein für seine geringen Ausmaße sehr. schnelles Boot von über 5 Meter Länge, einer größten Breite von .66 Meter, einer Masthöhe von.40 Meter und einer Segelfläche von 10 Quadratmetern. Die Stabilität des Bootes ist so groß, daß es Windstärken von 18 Meter Sekunden gefahrlos überwinden kann. Man hofft, daß die OlympiaJolle das Ein=Mann=Boot der Zukunft wird und den deutschen Namen im Ausland auch unter den Bootsbauern bekannt macht. Wintersport Siege der Winnipeg Monarchs :0 wurde der SC Riessersee geschlagen. Im Olympischen Eisstadion in Garmisch=Partenkirchen gab es am Sonntag einen großartigen Eishockey=Kampf. 6000 Zuschauer waren erschienen; sie erlebten ein Spiel, wie es nur selten geboten wird und Eishockey in Vollendung zeigte. Der SC Riessersee war der spielstarken gegnerischen Mannschaft natürlich nicht gewachsen. Immerhin standen die Bayern das erste Spieldrittel torlos durch. Aber dann zogen die Kanadier ihre Kreise und:0 lautete ihre Führung im zweiten Spieldrittel. Mit drei Toren im Schlußdrittel— also insgesamt:0— gaben sich die Winnipeg Monarchs schließlich zufrieden. Am Samstag abend stellte sich die kanadische Weltmeisterschaftsvertretung der Winnipeg Monarchs im Prinzregentenstadion in München einer deutschen Auswahl zum Kampf, die ebenfalls nichts ausrichten konnte und glatt:1 (:1,:0,:0) verlor. Die Kanadier waren schon allein körperlich unserer Mannschaft überlegen, aber man konnte mit Freude feststellen, daß sich das Können besonders der Nachwuchsleute immer mehr verbessert. Das deutsche Meisterpaar Maxie Herber und Ernst Baier sowie Münchener Kunstläufer erfreuten wieder mit ihrer vollendeten Kür alle Erschienenen. Sport in Kürze 1935 noch mehr Sport. In Deutschland wird der Sport im kommenden Jahre noch eine weitere Steigerung erfahren. Die Reichsleitung des Sportamtes„Kraft durch Freude“ kann in einem Neujahrswunsch feststellen, daß 600 000 Kursusbesucher im Laufe der letzten Monate zu zählen waren. Für das kommende Jahr wird das Sportamt seine Bemühungen verstärken. In allen Städten und Ortschaften des Reiches sollen neue Lehrkurse eingerichtet werden, an denen sich gegen ein geringes Entgelt alle deutschen Volksgenossen beteiligen können. Walter Beumelburg Funkleiter des Olympia. Der Reichssendeleiter hat im Einvernehmen mit dem Reichssportführer von Tschammer und Osten den Intendanten Walter Beumelburg mit der Funkleitung der Olympischen Spiele 1936 sowie mit der Durchführung aller infrage kommenden Vorarbeiten betraut. Neuer Rücken-Weltrekord. Eine neue Weltbestleistung schaffte der amerikanische Rücken=Weltrekordmann van de Weghe in Newmark(New Jersey). Er verbesserte seinen eigenen bisherigen Weltrekord im 100 Yards Rückenschwimmen auf:00,8 Minuten. Kanada schlug England:4. Die Eishockeymannschaften von England und Kanada “ trugen im überfüllten Eispalast von Streatham einen Länderkampf aus, den die Kanadier mit:4(:1:2,:1) gewannen. Die englische Mannschaft hielt sich sehr tapfer und ließ erst ganz zum Schluß stark nach. Ausböck will Europameister werden. Der Münchener Fliegengewichtler Hubert Ausböck, der heute deutscher Fliegengewichtsmeister ist, will nun auch noch Europameister werden! Jedenfalls will er alles versuchen, um den Titelhalter, den Franzosen Praxille Gyde, als Gegner zu bekommen. Ueberlegener Leipziger Rugbysieg in Düsseldorf. Die Rugbyfünfzehn der Düsseldorfer Fortuna empfing am Sonntag zu Hause die Vertretung der Sportfreunde Leipzig. Mit 29:3(11:0) Punkten siegten die Gäste überzeugend. Das Ergebnis spricht für die gute Leistung der Leipziger. Das Winterwetter ist zur Zeit recht milde, so daß nur stellenweise in den schlesischen Gebirgen in hohen Lagen die Ausübung des Wintersports möglich ist. Die höchste Schneehöhe wird von der Heufuderbaude im Isergebirge mit 14 Zentimeter bei minus 1 Grad gemeldet, dann folgen der Glatzer Schneeberg mit 12 Zentimeter bei minus,4 Grad und die Reifträgerbaude im Riesengebirge mit 10 Zentimeter bei minus 2 Grad.— In der Schweiz liegen die Verhältnisse noch etwas günstiger. Ueber einen Meter hoch liegt der Schnee in Pontresina(— 5 Grad), St. Moritz (— 4 Grad) und Zermatt(—4 Grad), während Davos bei minus 2 Grad em Skigebiet erst 90 Zentimeter Schneehöhe aufzuweisen hat. Eine neue Weltbestleistung schaffte der amerikanische Weltrekordmann im Rückenschwimmen van de Weghe in Newark im I Staate New Jersey. Er verbesserte seine eigene bisherige Höchstleistung im 100=Yards=Rückenschwimmen auf:00,8. Ban de Weghe ist Weltrekordinhaber über 100 Meter mit:07,4 und über 150 Yards mit:36.9. „Richt ihresgleichen in der Welt finden die Olompia=Anlagen in Garmisch=Partenkirchen.“ So äußerte sich Schwedenberühmter Sprungschanzenerbauer Ing. Axel Nordling, als er in seine Heimat zurückkehrte. Er ist der Ueberzeugung, daß die IV. Olympischen Winterspiele 1936 nicht nur die größten ihrer Art, sondern zugleich auch die eindrucksvollste und gewaltigste Kundgebung für den Wintersport zu werden versprechen. Von Sonnabend bis Montag Der Führer an Seldte. Der Bundesführer des NS. Deutschen Frontkämpfer= bundes(Stahlhelm), Reichsarbeitsminister Franz Seldte, erhielt vom Führer und Reichskanzler folgendes Telegramm:„Für die mir im Namen des NS. Deutschen Frontkämpferbundes(Stahlhelm) übersandten Weihnachtsgrüße danke ich Ihnen aufrichtig. Ich bitte Sie, meine besten Wünsche für das Weihnachtsfest und zum Jahreswechsel entgegenzunehmen und diese auch den alten Frontsoldaten zu übermitteln.“ Japans neuer Botschafter in Berlin. Der neue Kaiserlich Japanische Botschafter in Berlin, Graf Kintomo Mushakoji, ist in Berlin eingetroffen. Botschafter Mushakoji und seine Gattin wurden auf dem Bahnhof Friedrichstraße vom Chef des Protokolls Graf von Bassewitz. dem Dirigenten der Ostasiatischen Abteilung im Auswärtigen Amt, Botschaftsrat Dr. von Erdmannsdorff, und Legationsrat Rohde herzlich willkommen geheißen, ebenso auch von dem Präsidenten der Deutsch=Japanischen Gesellschaft. Admiral a. D. Behncke. Weiter hatten sich zur Begrüßung sämtliche Mitglieder der japanischen Botschaft sowie Vertreter der japanischen Kolonie eingefunden. Botschafter Mushakoji war zuletzt Botschafter in der Türkei. Polen gegen die Emigrantenpresse. Das polnische Innenministerium hat jetzt sechs in deutscher Sprache erscheinenden Emigrantenblättern das Debit für Polen entzogen. Die Emigrantenblätter haben neben der üblichen Hetze gegen das Dritte Reich auch ein lebhaftes Störungsfeuer gegen die deutsch=polnische Verständigung unterhalten. Eine neue autonome Republik in Sowjetrußland. Die Sowjetregierung hat beschlossen, das autonome Udmurten=Gehirt ln eine autonome sozialistische Sowjetrepublik Udmurisen umzuwandeln. Die neue autonome Räterepublik liegt im jetzigen Kirow=Gebiet, dem früheren Gouvernement Wjatka. Die Bevölkerung besteht zum größten Teil aus Wotjaken. Hauptstadt ist Ischewsk, wo sich eines der bedeutendsten Werke der sowjetrussischen Rüstungsindustrie befindet. Kleiner Weltspiege. Der„Figaro“ läßt sich aus Warschau melden, daß der polnische Außenminister Beck, der auf einer Besuchsreise in Dänemark weilt, sich nach einem Aufenthalt in Kopenhagen wahrscheinlich nach Paris begeben werde. Die Hagia Sofia in Istanbul, die eine Zeitlang geschlossen war, während sie als Museum eingerichtet wurde, ist jetzt wieder zugänglich. Für den Besuch wird ein Eintrittsgeld von 10 Grusch gleich 20 Pfg. erhoben. Der ehemalige spanische Ministerpräsident Azana, der im Zusammenhange mit den revolutionären Ereignissen vor einigen Monaten verhaftet worden war, ist wieder freigelassen worden. Allertei Keuigkeiten Der ungesicherte Bahnübergang. Die Pressestelle der Reichsbahndirektion Hannover teilt mit: Am 28. Dezember wurde gegen 14.15 Uhr an dem ungesicherten Ueberweg vor dem Bahnhof Blankenburg(Harz) der Halberstädter=Blankenburger Eisenbahn vom Triebwagenzug 107 ein Personenkraftwagen von der Seite gefaßt. Der Führer des Kraftwagens. der Reisende Heinz Henze wurde getötet, die Beifahrerin verletzt. Durch Zeugenaussagen ist festgestellt worden, daß vom Triebwagen vorschriftsmäßige Signale gegeben worden sind. Schwere Bluttat eines Betrunkenen. Eine schwere Bluttat ereignete sich in Oppeln in der Nacht zum Sonnabend. Auf der Falkenberger Straße wollte der Kriegsinvalide Grötz dem betrunkenen Walter König behilflich sein. König schlug ohne irgendeine Veranlassung mit einem stumpfen Gegenstand auf den Invaliden ein, bis dieser blutüberströmt zusammenbrach. Der auf der anderen Straßenseite wohnende Fleischer Joseph Ledwig bemerkte den Vorfall und eilte dem Götz zu Hilfe. König zog ein großes, feststehendes Messer und stach auf Ledwig ein. Ledwig erhielt u. a. einen Stich ins Herz, der seinen sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Kriegsinvalide Grötz hat schwere Schädelverletzungen davongetragen. Könia wurde verhaftet. Raubmord aufgeklärt. Der Raubmord an dem 58jährigen Viehhändler Georg Frei, der in Rottach am Tegernsee am 21. Dezember verubt wurde, hat seine Aufklärung gefunden. Die Täter sind ein im vergangenen Sommer in einer Nachbarvilla beschäftigt gewesener 26jähriger Mann aus München, dessen 24 Jahre alter Bruder und dessen 25jähriger Freund. Sie hatten am 20. Dezember vereinbart, mit dem Rade nach Rottach zu fahren, den Viehhändler in seinem Haus zu überfallen, zu fesseln und ihm das Geld zu rauben. Die Knebelung war derart stark, daß dem Frei das künstliche Gebiß in den Schlund gedrückt wurde und er erstickte. Von den geraubten 1300 RM kleideten sich die Täter neu ein. Ein Rest von etwa 800 RM wurde in der Wohnung des einen Täters versteckt aufgefunden. Die Verbrecher sind verdächtig, vorher schon Einbruchsdiebstähle begangen zu haben. Ein folgenschwerer Unfall ereignete sich während einer Nachtübung einer algerischen Schützenkompagnie in der Nähe von Chatellerault. Ein Lastkraftwagen, dessen Führer die Kolonne nicht bemerkt hatte, fuhr in voller Fahrt in sie hinein und verletzte vier Soldaten so schwer, daß sie lebensgefährlich verletzt ins Krankenhaus gebracht werden mußten. Erprobter Bergsteiger abgestürzt. Der Geograph der Nanga=Parbat=Expedition, der Münchener Studienassessor Walter Raechl, ist bei einem Versuch. trotz eines starken Schneesturms die drei Watzmann=Spitzen zu uberqueren, abgestürzt. Am Hohen Stieg glitt er auf einer Eisplatte aus und stürzte etwa 50 Meter in die Tiefe. Schwerverletzt wurde er von dem Hausmeister des Watzmannhauses und seinen Kameraden zu Tal und ins Krankenhaus gebracht. Dort ist er seinen Verletzungen erlegen. Der Verunglückte war 32 Jahre alt. Mord in der Oberpfalz Weiden(Obpf.), 30. Dezember. Unweit von Schwarzenbach in der Nahe von Weiden wurde die Porzeilanarbeiterin Anna Heining aus Schwarzenbach ermordet aufgefunden. Das grauenvolle Verbrechen war schon am Abend des zweiten Weihnachtsfeiertages ausgeführt worden. Man vermutet einen Lustmord, aber auch ein Raubmord erscheint nicht ausgeschlossen. Brandunglück in Polen Warschau, 30. Dezember. Bei dem Brand eines Wohnhauses in Plock wurde den Bewohnern des ersten Stockwerks die Möglichkeit zur Flucht genommen, da das Treppenhaus in Flammen stand. 5 Personen versuchten, sich durch einen Sprung aus dem Fenster zu retten und erlitten dabei durchweg schwere Verletzungen. Nach Eintreffen der Feuerwehr konnten die übrigen Gefährdeten gerettei werden. 12 von ihnen hatten bereits sehr schwere Brandwunden erlitten. klingt das Lied Mutige Rettungskat im Augenblick höchster Gefahr. Calbe a. d. Saale, 30. Dez. Nurch die beispiellose Rettungstat eines mutigen Kraftwagenfahrers wurde auf der Straße Nienburg—Gerbitz ein schweres Unglück verhütet. Die Pferde einer Kutsche, in der sich die 18jährige Tochter des Gutsbesitzers Schwenkert und zwei etwa sechsjährige Kinder befanden, scheuten plötzlich und gingen durch. Der Kutscher stürzte vom Bock. Führerlos raste das Gefährt dahin und mußte jeden Augenblick entweder in die Saale stürzen oder in der scharfen Kurve zerschellen. Der Führer eines in gleicher Richtung fahrenden Kraftwagens Brösel=Emden, der dem Kraftfahrsturm 1/137 angehört, nahm die Verfolgung des Gespanns auf, übergab, als sich beide Fahrzeuge auf gleicher Höhe befanden, das Steuer seinem Mitfahrer und sprang mit einem Satz aus dem fahrenden Kraftwagen auf den Rücken eines der Pferde. Noch vor der gefährlichen Stelle der Straße gelang es ihm, die Tiere zum Stehen zu bringen. Das junge Mädchen, das einen Ohnmachtsanfall erlitten hatte, und die beiden Kinder waren unversehrt geblieben. Der mutige Retter, der im Sommer vorigen Jahres bereits zwei junge Mädchen aus der Elbe gerettet hat, lehnte die ihm angebotene Belohnung ab und bat, sie dem Winterbilfswerk zu übergeben. Grazer Marxisten amnestiert Jahlreiche städtische Angestellte und Arbeiter wegen nationalsozialistischer Betätigung entlassen. Wien, 30. Dez. Der Grazer Bürgermeister Schmidt machte anläßlich einer Jahresrückschau am Samstag davon Mitteilung, daß wegen unmittelbarer oder entfernterer Teilnahme an den Februar=Unruhen 27 Arbeiter entlassen und 70 Arbeiter disziplinarisch bestraft worden seien. Auch zahlreiche Beamte seien aus diesem Grunde gemaßregelt worden. Wegen Betätigung für die nationalsozialistische Partei seien ebenfalls zahlreiche Angestellte und Arbeiter der Stadtgemeinde entlassen worden. Der Bürgermeister kündigte an, daß die gemaßregelten sozialdemokratischen Arbeiter und Angestellten amnestiert würden. Der Amnestieakt werde am 1. Januar in Kraft gesetzt werden. Auszeichnung der alten Fahnen Feierliche Anbringung des Fronkkämpferabzeichens. Der Führer und Reichskanzler hat verfügt, daß das vom verewigten Herrn Reichspräsidenten, Generalfeldmarschal! von Hindenburg, durch Verordnung vom 13. Juli 1934 gestiftete Ehrenkreuz für Frontkämpfer an allen Fahnen und Standarten des alten Heeres und der alten Marine anzubringen ist. Die Anbringung der Ehrenkreuze wird am Heldengedenktag, dem 17. März 1935, in feierlicher Weise nach näherer Anordnung der Wehrkreisbefehlshaber bezw. bei der Marine nach Anweisung der Stationschefs erfolgen. Die in der entmilitarisierten Zone befindlichen Fahnen und Standarten werden zum Anbringen der Ehrenkreuze in Standorte des Reichsheeres übergeführt werden. Für die in Danzig befindlichen zwei Fahnen des früheren l. Bataillons Gren.=Regts. 5 und des I. Bataillons Inf.=Regts. 128 werden die Ehrenkreuze an das deutsche Generalkonsulat in Danzig übersandt. Skandal in Prag Prag, 30. Dezember. In Prag wurden durch die Brünner Polizei drei hohe tschechische Staatsbeamte verhaftet und nach Brunn eingeliefert. Es sind dies die Oberräte der Prager Landesbehörde Bedlich und Ing. Ondrag, sowie der Rat des tschechoslowakischen Arbeitsministeriums, Ing. Janouschek. Die Verhaftungen hängen mit der Ueberprüfung der Aktenstücke zusammen, die den Bau des Gebäudes des tschechoslowakischen Eisenbahnministeriums in Prag und der Moldau=Regulierung in Prag betreffen. Die Verhaftungen haben in Prag großes Aufsehen hervorgerufen. Nachspiel zur„Aklantique=Katastrophe Versicherungen müssen 170 Millionen Franken zahlen. Paris, 30. Dezember. Nach der Zerstörung des französischen Ueberseedampfers„Atlantique durch einen an Bord ausgebrochenen Brand waren verschiedene französische und englische Versicherungsgesellschaften zur Zahlung von 170 Millionen Franken an die Compagnie Sudatlantique verurteilt worden. Gegen diesen Beschluß hatten die Versicherungsgesellschaften Berufung eingelegt. Sie wurden kostenpflichtig abgewiesen und außerdem zur Zahlung von 6 Prozent Zinsen für die bisher nicht geleistete Zahlung verurteilt. Ein Autobus auf dem Eise eingebrochen 14 Tote. Charbin, 30. Dez. Auf dem Sungari brach ein Autobus ein. Alle 14 Insassen ertranken. Der Verkehr auf der Autobus=Strecke, die im Winter zwischen Charbin und den Nachbarorten auf dem zugefrorenen Fluß betrieben wird, ist daraufhin eingestellt worden. Das Eis war infolge der ungewöhnlich milden Witterung der letzten Zeit brüchig geworden. Der Woll von Oldenna Kin Abenteuerroman aus dem nördlichen Schweden von Ludwig Osten urheber=Rechtsschus: Drei Quellen-Verlag Königsbrück 46 Bentham hört die A und das Jagdfieber packt ihn, er fliegt nur so in die Kleider und stürzt mit der Büchse aus dem Zimmer, während Hanna bereits nach dem anderen Flügel des Schlosses gelaufen ist und ein Fenster öffnet. Sie ruft Tärgade und der alte Jäger fährt aus dem Schlafe, hört, daß der Wolf vor dem Schlosse sei, und nimmt das Gewehr zur Hand. Bentham und Tärgade stoßen vor dem Schlosse zusammen. Sie sehen noch, wie sich ein dunkler Körper über die Schloßzmauer schwingt. Vom Jagdfieber getrieben, eilen sie ihm nach. Tärgade will die Hunde aus dem Zwinger holen, aber die liegen wie tot darin und rühren sich nicht. Tärgades Herz geht zum Zerspringen. Er schließt das Tor auf und beide Männer verlassen die schützenden Mauern von Olstenna. Der dunkle Wald dehnt sich vor ihnen. Sie bleiben beide stehen und lauschen. Das geheimnisvolle Pfeifen ertönt wieder. „Er ruft den Wolf!“ stößt Bentham heiser hervor. Er läßt seine Lampe aufblitzen und der helle Schein ergießt sich in das Dunkel. Wie ein Schlag geht es durch die Männer. Höchstens zwanzig Schritt vor ihnen steht das zottige Ungetüm, der entsetzliche Teufel, der Mörder vieler unschuldiger Leben... der sagenhafte Wolf von Olstenna. Teuflisch lodern seine Lichter auf, die Haare des Tieres scheinen sich zu sträuben, ein furchtbares Gebiß entblößt sich. die Männer stehen einen Augenblick wie erstarrt. Da reißt Bentham die Büchse an die Wange. Ein Schuß dröhnt durch die Stille. Aber im gleichen Augenblick ist das Untier zugesprungen, ein langgestreckter schwerer Körper fliegt durch die Luft, und im nächsten Augenblick liegt Bentham am Boden, niedergerissen von dem riesigen Wolf. Die Kugel war fehlgegangen, sie hatte den Wolf nur gestreift. Bentham sieht die teuflischen Augen des Wolfes brennen, er spürt seinen heißen, geifernden Atem. Mit aller Kraft, mit beiden Händen wehrt er sich gegen das Untier, das ihm mit den Zähnen an die Kehle will. Da... ein Zucken geht durch den Wolfsleib... ein grauenvoller Todesschrei... und die Bestie sinkt zitternd tot in sich zusammen. Die schwere Last des Wolfes fällt auf Bentham. Tärgade hat ihm das Messer bis ans Heft von hinten ins Herz gestoßen. * Als der Schuß die Stille dröhnend zerreißt, fährt alles auf Olstenna aus dem Schlafe. Heftige Aufregung bemächtigt sich Arves, der Gäste und der Dienerschaft. Sie springen von den Lagern und kleiden sich in fieberhafter Eile notdürftig an. Tärgade hat mit seinen Tatzen den toten Wolf zur Seite gedrückt, daß Bentham aufstehen kann. Er zittert vor Aufregung am ganzen Leibe. Aber mit aller Energie reißt er sich zusammen. Beide Hände streckt er Tärgade entgegen „Dank... Dank, Tärgade... alter treuer Kamerad!" Tärgade lacht kurz auf, dann atmet er noch einmal tief und sagt mit einem Lachen der Befriedigung:„Den... den... hätten wir! Der Wolf von Olstenna hat ausgespielt! Schaut, Herr Bentham... was für ein riesenhafter Bursche.“ Bentham nickt, noch immer schwer atmend. „Ja... ja... ein riesenhafter Kerl! Aber... ich hätt mir ihn noch größer vorgestellt! Denk' an die Wolfsfährte, die wir bei dem Händler Tschylan sahen. Ich glaube nicht, daß dieses Teufels Pranken soviel Erde bedecken, wie die des Wolfes, der Tschylan riß.“ Aus dem Schloß strömt es. Allen voran läuft Markollen, gefolgt von Olstenna. Den beiden schließen sich die anderen an. Nur Bärilak ist nicht unter ihnen. Sie sehen schaudernd den toten Wolf. Markollen ist totenbleich. „Um Gottes willen.. welch eine Bestie.. welch ein Tier! Olstenna... da liegt der Mörder deines Geschlechts. Olstenna starrt die tote Bestie lange an. Er zittert am ganzen Körper. Langsam beruhigt er sich. Dann kniet er nieder, betrachtet lange die Klauen des Wolfes und schüttelt den Kopf.„Eine Riesenbestie, dieser Wolf. Aber... der Wolf, der die Meinen riß.. der ist es nicht. Der Wolf von Olstenna muß noch ein gutes Teil größer sein. Erstaunt hören alle die Mitteilung. „Du hast recht, Arve!“ wirft Bentham ein.„Das ist nicht der Wolf von Olstenna!“ Plötzlich schrecken alle zusammen. Eine dunkle Gestalt tritt aus dem Walde und kommt näher. Jetzt erkennen ihn alle. Es ist Bärilak, der große Jäger. Bärilak schreitet mit festen Schritten auf die Gruppe zu und sieht den toten Wolf. „Jagdglück den Jagdgenossen!“ Sie danken ihm seltsam berührt. Was trieb Bärilak in der Nacht allein in den Wald? Bärilak kniet neben dem Wolf nieder und betrachtet die Klauen. Dann hebt er den Kopf und sagt zu Olstenna:„Herr, es ist nicht der Wolf, der dein Geschlecht vernichtete. „Du sagst es, Bärilak! Er ist es nicht!“ „Und doch war er in der Nähe... und doch habe ich seine Spur verfolgt. Der große Wolf war da!“ Mit einem Male zucken sie alle entsetzt zusammen. Ein heiserer, heulender Schrei dringt aus den Wäldern an ihr Ohr. Der große Wolf heult! (Fortsetzung folgt.) Bündnisse und Pakte Deutschland als überzeugter Anhänger der zweiseitigen Verträge schloß mit Polen am 26. Januar ein über zehn Jahre laufendes Verständigungsabkommen ab, dem am 7. März ein weiteres Abkommen zui Wiederherstellung normaler wirtschaftlicher Beziehungen folgte. Parallel einer Annäherung zwischen Paris und Moskau gehen die noch von Barthon eingeleiteten Bemühungen um das Zustandekommen eines Ostpaktes, der nach seinem vorläufigen Scheitern von Laval wieder aufgegriffen wurde. Bei selbst unverbindlicher Haltung hatte sich England dazu verstanden, die französischen Wünsche am 12. Juli in Berlin, Warschau und Rom zur Kenntnis zu geben. Es handelte sich hierbei um eine Art Ost=Locarnö=Pakt, einen russisch=französischen Vertrag in Bündnisart und eine Art Dachvertrag als Verbindung= zwischen West=Ost=Locarno=Pakt und dem Völkerbundspakt. Gleichzeitig suchte Simon in einer UnterhausRede, insbesondere Deutschland die Annahme dieses Projektes schmackhaft zu machen mit der Behauptung, daß damit das Ziel der Abrüstungskonferenz gefördert werde. Am 10. September lehnte die deutsche Regierung, am 13. September Polen eine Beteiligung an diesem sogenannten Ost=Pakt ab Am 23. November führt das Wiederaufrollen der Ost=Pakt frage zu sensationellen Erklärungen des Berichterstatters im französischen Heeresausschuß, des radikalsozialistischen Abgeordneten Archimbaud. der behauptete, Sowjetrußland habe für den Fall eines französisch=deutschen Konfliktes Frank. reich Waffenhilfe angeboten.— Am 9. Februar wurde ein auf sieben Jahre laufender Balkan=Pakt zwischen Rumänien Griechenland, der Türkei und Südslawien unterzeichnet, die sich damit gegenseitig ihre Balkangrenzen garantieren. Bulgarten lehnte seinen Beitritt ab.— Einen sowjetrussischen Vorschlag, durch Protokoll die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zu garantieren, lehnte die Reichsregierung als überflüssig ab. Vergeblich suchte im Juni Paris, Polen und Deutschland in den neuen Plan eines Balten=Paktes einzuspannen und diesen mit der Abrüstungskonferenz zu verquicken. Anfang Dezember tauchten Gerüchte über eine Absicht Mussolinis auf, einen zehnjährigen Freundschafts= und Neutralitätsvertrag zwischen sämtlichen europäischen Staaten in Verbindung mit wirtschaftlichen Abkommen vorzuschlagen. Die Londoner Flottenbesprechungen enden Mitte Dezember ergebnislos, Japan kündigt das Washingtoner Flottenabkom= men, und auch die Vereinigten Staaten ziehen sich von denBesprechungen zurück. Wichtigste Vorgänge außerhalb Deutschlands In erster Linie berühren uns hier selbstverständlich die tragischen Vorgänge im österreichischen Bruderstaate, denen in den Mittagsstunden des 25. Juli durch einen plötzlichen Aufstand gegen die Regierung Dollfuß der Bundeskanzler selbst zum Opfer fiel. Der von Dollfuß im Januar den Nationalsozialisten angekündigte Kampf wurde in schärfster Form durchgeführt, nachdem, wie am 26. Januar der Landesinspektor der NSDAP. Oesterreichs, Habicht, im bayerischen Rundfunk feststellte, eine Verständigung der NSDAP mit Dollfuß in letzter Stunde von Fürst Starhemberg vereitelt worden sei. Die unwahren Beschuldigungen von einer unbefugten Einmischung der deutschen Regierung in Oesterreichs innerpolitische Verhältnisse führten dazu, daß am 5. Februar Dollfuß zur Anrufung des Völkerbundes im deutsch=österreichischen Konflikt ermächtigt wurde, doch mußte diese Absicht infolge der Einwirkung außenstehender Mächte aufgegeben werden. Eine erste Katastrophe erfolgte auf Grund des Vorgehens gegen den Sozialistisch=Republikanischen Schutzbund. Am 13. Februar kommt es zu blutigen Kampfen namentlich in Wien mit sozialdemokratischen Schutzbündlern, gegen die schließlich Artillerie eingesetzt wird. Sämtliche sozialdemokratischen Organisationen in Oesterreich werden aufgelöst. Die Anlehnung an Italien und Ungarn führt am 17. März zur Unterzeichnung eines Abkommens über engere politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit durch Dollfuß. Gömbös und Mussolini. Am 15. April einigen sich Dollfuß und Starhemberg auf Verschmelzung aller vaterländischen Gruppen im Rahmen der Vaterländischen Front. Die neue österreichische Bundesverfassung wird als Notverordnung am 1. Mai proklamiert. Gleichzeitig werden die Heimwehren in die Wehrfront der Vaterländischen Fron eingegliedert. Der Juni brachte zahlreiche Sprengstoffattentate auf österreichische Bahnen, so daß am 13. Juli alle Sprengstoffverbrechen und bloßer Sprengstoffbesitz mit der Todesstrafe bedroht wurden. Die eigenmächtige Vermittlertätigkeit des deutschen Gesandten in Wien bei den Vorgängen am 25. Juli führte zu dessen Abberufung. Für den von den Aufrührern erschossenen Dollfuß wird am 30. Juli Dr. Schuschnigg zum Bundeskanzler ernannt. Starhemberg bleibt Vizekanzler und übernimmt die Leitung der Vaterländischen Front. Die beiden Hauptangeklagten im Mordprozeß Dollfuß werden am 31. Juli hingerichtet. Am 16. August überreicht Herr v. Papen als Gesandter in besonderer Mission in Wien sein Beglaubigungsschreiben mit dem Wunsche, daß die Beziehungen zwischen Berlin und Wien wieder in norzale freundschaftliche Bahnen geleitet werden möchten. Am 21. August wird nach einer Besprechung Schuschniggs mit Mussolini in Florenz in einer Verlautbarung festgestellt, daß der Meinungsaustausch eine„wirkliche Gemeinsamkeit der Richtlinien und Methoden in bezug auf die Unabhängigkeit und Integrität des österreichischen Staates“ ergeben habe. Die wirtschaftliche Zusammenarbeit soll erweitert werden. Die durch die römischen Protokolle gegebene Zusammenarbeit Rom—Wien—Budapest wird nach einem zweiten Besuch Schuschniggs in Rom im November unterstrichen. Als eine nicht minder tragische Auflehnung verzweifelter Volksgruppen gegen die unsinnige Grenzziehung der Diktatverträge ist die Ermordung des südslawischen Königs Alexander I. bei seiner Ankunft in Marseille am 9. Oktober anzusprechen. Ihr fiel unbeabsichtigt auch der französische Außenminister Barthou zum Opfer. Die schweren politischen Spannungen aus diesem Terrorakt kroatischer Emigranten ergaben eine nicht unähnliche Lage, wie sie nach dem Erzherzog=Thronfolgermorde von Serajewo am 30. Juni 1914 noch in allzu trauriger Erinnerung ist. Am 10. Oktober wurde der elfjährige Thronfolger als Peter II. in Belgrad zum König ausgerufen, fur den bis zur Vollendung seines 18. Lebensjahres eine dreiköpfige Regentschaft die königlich: Gewalt ausübt. Die außerordentlich schweren Angriffe. die die südslawische Regierung und Presse anläßlich des Königsmordes gegen Ungarn richteten, und die auf die Unterstellung einer ungarischen Förderung der südslawisch=terroristischen Emigration hinausliefen, riefen in Budapest ungeheure Erregung hervor und wurden mit äußerster Schärfe zurückgewiesen. Belgrad verlangte vom Völkerbunde die restlose Aufklärung der Hintergründe des Königsmordes noch auf der gegenwärtigen Tagung, und Ungarn schloß sich mit gleicher Entschiedenheit diesem Verlangen an. Während die Belgrader Denkschrift an den Völkerbund von Rumänien und der Tschechoslowakei uneingeschränkt unterstützt wurde, verhielt sich Frankreich zurückhaltender. Hinter Ungarn stellte sich weniger offiziell Italien. Die Mächtegruppierung entsprach damit durchaus den bekannten Gegensätzen zwischen der Kleinen Entente und der von Italien betreuten Gruppe. Italiens Wunsch ging dahin, daß der Völkerbund alle Terroristenorganisationen in Europa verurteilen möchte. Nach zweitägiger Aussprache nahm der Rat einstimmig eine Entschließung an, durch die ein Ausschuß eingesetzt wird, der ein internationales Abkommen über Unterdrückung des Terror’smus ausarbeiten soll. Ungarn wird prüfen, ob einzelne Beamte sich in der Behandlung mazedonischer Emigranten strafbar gemacht haben. Damit wurde der Zwischenfall zu allseitiger Zufriedenheit abgeschlossen(10. 12.). Auch sonst ist 1934 das Jahr einer politischen Mordseuche. Am 15. Juni fiel Polens Innenminister Pieracki einem bisher noch nicht aufgeklärten Revolverattentat zum Opfer. und am 1. Dezember wurde der Sekretär der Leningrader Parteiorganisation, Kirow. ein langjährige Freund und Mitarbeiter Stalins, von einem Terroristen erschossen. Die letztere Tat hatte über 70 Hinrichtungen und die Verschickung von etwa 200 Angehörigen der Hingerichteten nach Sibirien zur Folge.— Einem tödlichen Absturz fiel Belgiens König Albert am 6. Februar zum Opfer.— Einen schweren Kampf gegen die vorübergehende Vorherrschaft der Sozialisten und Kommunisten führte Spanien. Nach dem Regierungsantritt des spanischen Kabinetts Lerroux, das konservativen Charakter trägt(5. 10.), riefen die marxistischen Gewerkschaften den Generalstreik aus, Katalonien sagte Madrid den schärfsten Kampf an. Die marxistische Revolte endete mit einem schweren Aufruhr, der zahlreiche Todesopfer forderte. Nur durch die Zuverlässigkeit des Heeres hatte schließlich die Madrider Zentralregierung die aufständischen Provinzen wieder in der Hand.— Auch in Holland kam es Anfang September in Amsterdam zu Straßenschlachten mit kommunistischen Elementen. Am 18. September wies Schwedens Generalstabschef auf die bedrohliche kommunistische Wühl= und Zersetzungsarbeit in der schwedischen Wehrmacht hin, und das englische Unterhaus nahm am 2. November ein sogenanntes„Aufruhr=Gesetz“ an mit besonderem Schutz für Heer und Marine gegen kommunistische Zersetzungspropaganda.— Ferner war Frankreich mehrfach Schauplatz von Massenstreiks und kommunistischen Terrorakten. Sonstiges aus aller Welt Besonders bedenklich sind die Versuche verschiedener Mandatarmächte im letzten Jahre hervorgetreten, sich durch Einverleibung in ihre anliegenden Kolonialgebiete unserer ehemaligen Kolonien zu bemächtigen. So hat die gesetzgebende Versammlung in Windhuk am 30. November mit zwölf gegen sechs Stimmen den Antrag angenommen, das Mandatsgebiet Südwestafrika der Südafrikanischen Union als fünfte Provinz anzugliedern. Die Zentralregierung in Kapstadt hat mit vollem Recht dagegen erhebliche Bedenken geltend gemacht, weil dies unbestreitbar eine Verletzung des Artikels 22 der Völkerbundssatzung bedeuten würde. Frankreich hat die Neigung bekundet, Deutsch=Togo Französisch=Togo anzugliedern, weil angeblich die Verwaltung des Mandatsgebietes zu kostspielig sei. Schließlich hat Japan wiederholt bekundet, daß es die Aufgabe seiner Mandate in der Südsee ablehnt(1. 7. in Genf und 12. 12. durch Marineminister Osumi in Tokio). — Ueberhaupt treten die all=asiatischen Ausdehnungsbestrebungen Japans immer schärfer in Erscheinung. Dort hat sich am 28. August bereits eine„Liga zur Vereinigung GroßAsiens“ mit dem Ziel eines asiatischen Völkerbundes gegründet. Auf der gleichen Linie lag der Versuch vom 18. April. eine Art Vormundschaft über China einzuleiten. Die Verhandlungen um die Ostchinesische Eisenbahn haben mit einer Einigung auf den Kaufpreis von 170 Millionen Yen(45 Millionen Goldrubel) geendet. Im Kampf gegen den Kommunismus hat Japan am 1. April für kommunistische Propaganda in der Wehrmacht die Todesstrafe eingeführt. Auch Marschall Tschiangkaischek hat am 30. September die rücksichtslose Unterdrückung des Kommunismus in China angeordnet. Am 4. Dezember hat er zur Beschleunigung der Wiederaufbauarbeit in China die allgemeine Arbeitsdienstpflicht eingeführt. Bereits am 30. Januar waren im Kampf gegen den Kommunismus sämtliche Gewerkschaften Chinas unter " al a, esehl worden. Brtisch, Iudien u uaut. schen mi. 552 Millionen Menschen(16..) zum volkreichsten Staate der Erde geworden.— Die Wirtschaftskrise hat auch in den Vereinigten Staaten von Nordamerika schwerwiegende Auswirkungen gehabt. Infolge der großen Arbeitslosenziffer ist dort am 30. Oktober ein riesiger FünfJahres=Plan mit 12 Milliarden Dollar für die Arbeitsbeschaffung aufgestellt, denn noch im September waren in USA. 16449000 Personen ganz oder teilweise auf staatliche Unterstützung angewiesen. Der große Textilarbeiterstreik vom 1. bis 24. September mit 600000 beteiligten Ausständigen hat an Arbeitslohnverlust allein 15 Millionen Dollar verursacht. Die kommunistische Agitation führte vom 16. bis 19. Juli in San Francisco zu einem Streik, wie ihn USA seit 40 Jahren nicht erlebte.— Am 30. Januar übernahm das USA.=Schatzamt sämtliche Goldbestände der Reservebanken. Der gesetzliche Goldwert des Dollars wurde mit 59,06 Cents festgesetzt. Am 20. Juni trat in USA. die Silber=Vorlage Roosevelts in Kraft, wonach 25 Prozent der Währungsdeckung in Silber erfolgt. Am 24. März unterzeichnete Roosevelts die Bill, die eine völlige Unabhängigkeit der Philippinen nach zehn Jahren vorsieht. Die neunzehnjährige Okkupation Haitis durch USA. wurde am 1. August beendet. Die Parlamentswahlen vom 7. November in USA brachten einen großen Erfolg der Demokraten und damit die Bejahung der Wirtschaftspolitik Roosevelts. Schatzheben—ein technisches problem Sechs Millionen Dollar in Gold werden gesucht.— Die Baggerung in den Wassertiefen.— Wo ist der Schatz des Grafen von Monte Christo? Seit Stevensons=Osbournes„Schatzinsel“ geht die Zahl der exotischen Romane, in deren Mittelpunkt die Erlebnisse von geheimnisvollen Goldschatzsuchern stehen, sicherlicher in die Tausende— man darf jedoch nicht glauben, diese Schatzsucherromantik bestehe in der Wirklichkeit nicht mehr. Nur hat sie sich in den meisten neueren Fällen gewandelt: aus dem Abenteuer mit Picke, Schaufel und Flinte ist meist ein großartiges technisches Problem geworden. Wir erinnern nur an die langwierigen Versuche deutscher und italienischer Taucherfirmen, die Goldladung eines in der Nähe der holländischen Küste gesunkenen englischen Dampfers zu heben. Versuche, die im vorigen Jahre wenigstens noch der Amsterdamer und Rotterdamer Presse fast täglich die wirksamsten Schlagzeilen sicherten Um solch eine Goldladung, allerdings älteren Datums, geht es zur Zeit bei den Versuchen, die im East=River mitten im Herzen. New Yorks angestellt werden. Hier, an der „Hell=Gate“ genannten Stelle des Flusses, versank vor rund 150 Jahren die englische Fregatte„Hussar“, die sechs Millionen Dollar Gold als Sold für die in Amerika kämpfenden englischen Truppen an Bord führte. Eine der bekanntesten New Yorker Tiefsee=Tauchfirmen, deren Betätigungsfeld bisher die mittelamerikanischen Gewässer gewesen sind, hat bei der Stadtverwaltung New Yorks die Erlaubnis erwirkt, nach diesem Schatz im East=River suchen zu dürfen, und vor kurzem ihren besten Taucher von ihrem Operationsschiff„Terminal“ aus auf den Grund gehen lassen, um das Flußbett Schritt für Schritt nach dem„Hussar"=Wrack abzusuchen. Nicht schlecht mag die Verwunderung des Tauchers gewesen sein, als er an diesem ungewöhnlichen Orte einen— Kollegen traf, der dieselbe Aufgabe wie er verfolgte. Es stellte sich heraus, daß ein bisher unbekanntes Privatünternehmen von Bord einer eleganten Jacht„Josephine“ aus ebenfalls nach dem alten Goldschatze der„Hussar“ sucht und ebenfalls mit einer Genehmigung der Stadtverwaltung von New York, der man danach den Geschäftssinn wohl kaum absprechen darf. Mehr an Karl May und Zane Grey jedoch erinnert die andere Goldschatzmeldung, die dieser Tage durch die amerikanische Presse gegangen ist. Der Schauplatz dieser Schatzsuche liegt zudem auch in dem in solchen Romanen immer wieder bevorzugten Texas. Dort hat in der Nähe von Houston ein gewisser Harry Gordon nach dreijähriger fiebriger Arbeit zum ersten Male seine Mühen durch den Fund von alten Goldmünzen im Werte von etwa 55000 Mark in deutschem Gelde belohnt gesehen. Beim Abbruch eines alten Hauses vor etwa drei Jahren hatte er eine alte handgezeichnete Karte gefunden, auf der angegeben war, daß spanische Abenteurer im Jahre 1744 einen großen Schatz aus Münzen und reinem Golde in Höhlen unter dem Flusse St. Antonio vergraben hätten. Nur mit zwei Arbeitern und einer Wasserpumpe hat Gordon seitdem an der bezeichneten Stelle gesucht, und der soeben geglückte Fund scheint zu beweisen, daß die alte spanische Karte recht hat. Aber zu einer noch älteren und romantischeren Literatur müssen wir zurückgreifen, um den Schauplatz der nächsten Schatzsuche wiederzufinden, über die soeben italienische und französische Blätter melden: zu des guten alten Vater Dumas'„Grafen von Monte Christo". Denn zu dieser kleinen Mittelmeerinsel, auf der Edmond Dantes, genannt Graf von Monte Christo, sein märchenhaftes Versteck eingerichtet hatte, ist vor einigen Tagen wahrhaftig eine Expedition aufgebrochen, um einen fabelhaften Schatz ans Tageslicht zu fördern, dessen erste Spuren vor kurzem bei einem Unwetter auf die Insel verschlagene korsikanische Fischer entdeckt haben. Dicht in der Nähe des kleinen und verfallenen Aussichtsturmes, der auch schon bei Dumas erwähnt wird, fanden sie eine Reihe alter genuesischer und griechischer Goldmünzen von hohem Werte, und die Kunde davon hat eine französische Gesellschaft veranlaßt auf der Insel systematisch nach einem dort versteckten Schatze zu suchen. Nicht in eine Reihe mit diesen Unternehmen zu stellen ist schließlich die Expedition, die soeben ein Dr. Schmidt im Auftrage der Firma Erdmann und Sielcken im Südosten der niederländischen Kolonialinsel Borneo unternommen hat, denn diesmal handelt es sich um eine wissenschaftliche, geologische Goldsuche. Von den niederländischen Behörden aufs beste unterstützt, konnte Dr. Schmidt aus jenen zum Teil noch recht unwegsamen Gebieten eine reichhaltige geologische Ausbeute mitbringen, darunter sehr viel einwandfrei goldhaltiges Gestein, das nunmehr untersucht werden wird, um ie Erfolgsmöglichkeiten der Goldschürfung auf Borneo festzustellen. Fische fallen vom Himmel. Bei ihren Bemühungen, die großen kanadischen Seen und Teiche besser für die Fischzucht auszunutzen, stieß die Abteilung für Jagd und Fischerei bei der Regierung in Quebeck vor allem auf die Schwierigkeit, daß das Aussetzen von Fischnachwuchs angesichts der großen in Betracht kommenden Entfernungen gewaltige zeitliche Schwierigkeiten und hohe Kosten verursachte. Jetzt ist die Regierungsstelle auf die interessante Idee verfallen, das Flugzeug in den Dienst der Fischzucht zu stellen. Es wurde eines Tages eine Anzahl Forellen im Wasserbehälter in ein Flugzeug verladen und aus der luftigen Höhe von 70 Metern einfach in einen Teich abgeworfen. Dabei stellte sich heraus, daß diese Fische ausgezeichnete Springer sind, denn obwohl sie keinen Fallschirm hatten, landeten sie doch völlig heil im nassen Element und schwammen sofort davon. Der nächste Versuch wurde aus einer Höhe von 330 und gleich darauf ; s o g a r e i n e r a u s 5 0 0 M e t e r H ö h e g e m a c h t. A u c h h i e r e r gab sich, daß die Fische die gewaltigen Sprünge hervorragend überstanden. So ging man denn schließlich systematisch daran, Fischkästen mit dem für das jeweilige Gewässer in Betracht kommenden Nachwuchs zu versehen und mit Hilfe des Flugzeugs die Bestückung der Teiche und Seen durchzuführen.