Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage. Abonnementspreis vierteljährlich 1 Mr. 80 Pfo., monatlich 60 Pfe., durch die Post mit Bestellgeld&K wr. Ouserate 15 Psg. die 7 gePaltene Petttzeile oder deren Raum,— für Geschäfto. inserate innerhalb der Kreis: Ruhrort und Moers die Petttzelle 20 Pig., Eeclanten die Borgiszelle 40 Pfa. Für die Redaction verantwortlich: E. Beitlich, Ruhrort. Behelluggen tenegeiter Nr. 145. Amtliches Kreisblatt für den Kreis Ruhrort. Anzeiger für den Verwaltungsbezirk Homberg am Rhein. Verbunden mit den Gratisbeilagen:„Illustrirtes Senntagsblatt" und„Illustrirter Landwirthschaftlicher Nathgeber.“ Freitag, den 24. Juni 1892. Drus und Hertleg Joh. Brendow u. Sohn, Pahren. Werckamn *— 19. Jahrgang. Landtags=Verhandlungen. Abgeordnetendaus. * Berlin, 23. Juni. Heute Mittag hielten die beiden Häuser des Landtages ihre Schlußsitzungen ab. Im Herrenhause wurde nur noch der Bericht über die beendete Session vom Präsidenten verlesen, das Abgeordnetenhaus berieth aber zunächst noch die vom Herrenhause in veränderter Form zurückgekommene Gesetzesvorlage detr. die Kleinbahnen. Das Herrenhaus hat besonders die Beschlüsse des Abgeordnetenhauses, wodurch die Besugniß der Staatsregierung, die Kleinbahnen zu verstaatlichen, eingeschränkt wird, gestrichen. Abgg. Rickert(freis.), Hammacher(natl), Lieber(Ctr)bedauerten lebhaft diese Aenderung, erklärten aber für das veränderte Gesetz stimmen zu wollen, damit wenigstens etwas gerettet werde. Abgg. Graf Limburg(cons.), v. Tie demann=Bomst(freic.) empfahlen die Beschlüsse des Herrenhauses, während Minister Thielen eine practische Ausführung des Gesetzes zusicherte. Die Vorlage wurde alsdann einstimmig angenommen. Zum Schluß gab der Präsident die übliche Geschäftsübersicht. Nachmittags 3 Uhr traten beide Häuser des Landtages zur gemeinsamen Sitzung zusammen, in welcher der Ministerpräsident Graf Eulenburg die Cadinetsordre verlas, durch welche die Landtagssession geschlossen wird. Mit einem dretfachen Hoch auf den Kaiser und König trennte sich die Versammlung (Ausführlicher Bericht morgen) Politische Nachrichten. Deutschland. * Berlin, 23. Juni. Vom Kaiserhofe. Die Abreise des Königs und der Königin von Italien, die für heute Abend in Aussicht genommen war, erfolgt erst Freitag. Das Königspaar wird sich sodann zunächst nach Strehlin bei Dresden begeben, um dem Könige von Sachsen einen Besuch abzustatten.— Heute Vormittag unternahm der Kaiser einen Spazierritt in die Umgegend von Potsdam. Im Neuen Palais nahm der Monarch alsdann den Vortrag des Chefs des Marinccadinets, Capitäns z. S. Frhru. von Senden=Bibran, entgegen. Mittags unternahmen die kaiserlichen Majestäten mit dem italientschen Königspaar von der Matrosenstation aus auf der kaiserlichen Yacht„Alexandria“ einen Ausflug zu Wasser nach der Pfaueninsel, dem zuvor eine Rundtour durch die Havelseen vorangegangen war, woselbst Tafel stattfand. Nachmittags wurde die Rückjahrt von der Pfaueninsel angetreten. Die Havel war von festlich geschmückten Privatdampfern und Booten beledt. Die Majestäten wurden bei der Ankunft auf der Matrosenstation und bei der Adfahrt von der Menge enthusiastisch begrüßt. Am Abend fand bei dem Prinzen und der Prinzessin Friedrich Leopold auf Jagdschloß Glienecke ein Diner statt. Nach der Rückkehr zum Neuen Palais war bei den keiserlichen Majestäten ein größeres Concert, wozu etwa 300 Einladungen ergangen waren. — Der Kaiser verlieh Brin die Brillanten zu dem Großkreuz des Rothen Adlerordens, den dieser 1889 bei dem Besuch des Kaisers in Italien als Marigeminister erhielt. Der Geschäftsträger Marquis Beccaria erhtel: den Rothen Adlerorden zweiter Klasse in Brillanten, der Privatsecretät Brin's Pavaristi den Kronenorden zweiter Klasse; auch eine Anzahl anderer Persönlichkeiten aus dem Gefolge des Königs wurde durch Orden ausgezeichnet. — Während des Einzuges des Königs von Italien in Berlin hatte die russische Botschaft„Unter den Linden“ keinerlei Schmuck angelegt, und nicht einmal geflaggt. Die französische Botschaft am Pariser Platz wies eine Fahne auf. — Freitag Abend gedenkt der Kaiser von der Wildparkstation aus seine Reise nach Kiel und am 29. Abends von dort die Nordlandsfahrt anzutreten. — Der König von Rumänien ist in Neuwied eingetroffen. — Der Prinzregent Luitpold von Bayern ermächtigte den Vorsitzenden des Comite's für den Empfang des Fürsten Bismarck in München, Ferdinand von Miller, mitzutheilen, daß er sehr bedauere, während der Anwesenheit Fürst Bismarcks nicht in München sein zu können, sich aber der Vorbereitungen zu einem würdigen Empfange Bismarcks freue. — Der„Reichs=Anzeiger" veröffentlicht folgende Verlobungsanzeige: „Am 20. d. M. hat zu Homburg v. d. H. die Verlobung Ihrer königlichen Hoheit der Prinzessin Margarete Beatrice Feodora von Preußen, Schwester Seiner Majestät des Kaisers und Königs, mit Seiner Hoheit dem Prinzen Friedrich Karl Ludwig Konstantin von Hessen, Sohn Seiner * Die Ehre des Hauses. Roman von O. Bach. (37. Fortsetzung.) Ohne eine Antwort der Dame abzuwarten, die consternirt vor sich hinblickte, ohne die Kraft zu finden, das letzte, entscheidende Wort zu sprechen, trat der junge Mann zurück, während Olga, ihm zulächelnd, an der Seite ihrer Eltern blieb, die kaum einer Bewegung mächtig waren, und erst durch eine leise Mahnung Remmingens aus ihrer halben Betäubung erwachend, das Signal zum Beginn des Soupers gaben, das in dem von wundervollem Blumenduft erfüllten großen Gartensaale, der zur Feier des Tages zierlich dekorirt worden war, eingenommen werden sollte. Drei Personen, Leo von Glücksborn, Erna und Natalie Werther, hatten der Verlobung, die so ganz anders endete, wie die meisten derartigen Ereignisse, wie träumend zugehört. Erna wußte kaum, was geschehen, es flimmerte vor ihren Augen und die Worte, die Olga und der junge Gelehrte gesprochen, klangen ganz verworren in ihren Ohren. Eist als Dr. Hartwig auf Bruno Werther zutrat, um Wort und Händedruck mit ihm zu tauschen, leuchtete es verständnißvoll in Ernas lieblichen Zügen auf: ein glückliches Lächeln umspielte ihren Mund, während sie ihre Augen mit dem Ausdrucke der Freude auf die interessante Erscheinung Hartwigs heftete, der ihr einen so beruhigenden, angenehmen Commentar für den Besuch Olga's bei Beuno gab. Natalie blickte hingegen gewissermaßen enttäuscht von Hartwig zu Bruno, während Leo von Glücksborn bleich wie der Tod, aber den hübschen Kopf hochmüthig in den Nacken geworsen, die Lippen zusammengepreßt auf Olga starrte, die, als wäre nichts geschehen, ihren Arm auf seinen legend, ihn nach dem Gartensaal führte, indem sie bittend flüsterte: „Leo, Sie dürsen mir nicht zürnen. Sie wären an meiner Seite nicht glücklich geworden. Sie werden eine Frau finden, die Sie liebt und die gerade die Eigenschaft an Ihnen schätzt, für die mir das Verständniß fehlt. Mein heutiger, unweiblicher Schritt muß Ihnen ja beweisen, wie weit ich von dem Ideale einer gehorsamen Gattin entfernt bin; ich halte mich für ein„Ich“ und würde niemals einer zweiten Person Eirfluß auf mein innerstes Denken und Fühlen gestatten. Lassen Sie mich in Ihnen den Jugendfteund sehen und lieben; als meinen Gatten wärde ich Sie hassen.“ Leo von Glücksborn erwiderte nichts; aber seine tiese Erschütterung sprach sich in seinen Augen aus, die mit sonst fremdem Glanze an der Mädchen=Erscheinung hafteten, die in ihrem lichtblauen Seidenkleide mit den zierlichen Maiblüthen im Haar so duftig und lieblich, so hold und weiblich erschten und dennoch heute auf ihn einen fast erschreckenden Eindruck, der jetzt noch in ihm nachzitterte, gemacht hatte. Der Muth Olgas, für ihre Liebe auch das Schwerste zu wagen. etwas, das sich mit Leos Begriffen von weiblicher Stite und Vornehmheit sich nicht vereinbaren ließ, hatte sehr ernüchternd auf ihn gewirkt, wenn auch seine ernste Neigung für Olga dadurch nicht ganz erschüttert worden und königlichen Hohelt des verewigten Landgrafen Friedrich von Hessen und Ihrer königlichen Hoheit der Landgräsin Anna von Hessen, Prinzessin von Preußen, mit Bewilligung Seiner Majestät des Kaisers und Königs, sowie unter Zustimmung Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich stattgefunden. Auf Allerhöchsten Befehl wird dies frohe Ereigniß hierdurch bekannt gemacht. Berlin, den 21. Juni 1892. Der Minister des königlichen Hauses. von Wedell.“ — Die zweite hessische Kammer lehnte mit 27 gegen 19 Stimmen nach vierstündiger geheimer Berathung die beantragte Erhöhung der Clvilliste des Großherzogs von Hessen ab und genehmigte nur 1200000 Mk. mehr nach dem Antrag der Ausschußminorität. — Die Reichscommission für Arbeiterstatistik ist am Donnerstag im Reichsamt des Innern in Berüin zusammengetreten. Auf der Tagesordnung der ersten Sitzung steht außer der Berathung einer Geschäftsordnung die gutachtliche Aeußerung über Erhebungen bezüglich der Arbeitszeit u. s. w. im Bäcker= und Conditoreigewerbe, im Müllereigewerbe und im Handelsgewerbe.— Donnerstag Nachmittag hielt auch der Bundesrath eine Sitzung ab. — Die commissarischen Verhandlungen, welche über das sogenannte Comptabilitätsgesetz, richtiger Gesetz über den Staatshaushalt, zwischen den preußischen Ressorts unter Mitwirkung der Reichsfinanzverwaltung geführt worden sind, haben ihren Abschluß gefunden. Es ist dabei gelungen, bezüglich der auf Erwägungen der Zweckmäßigkeit beruhenden zahlreichen Meinungsverschiedenheiten im Einzelnen in der Hauptsache eine Verständigung auf einer Linie zu erzielen, auf welcher den Anforderungen fester, dem Etatsrecht entsprechender Rechtsbestimmungen und der nothwendigen Bewegungsfreiheit der Verwaltungen, namentlich der Betriebsverwaltungen, gleichmäßig Rechnung getragen wird. Es dürfte daher nunmehr baldigst das Ergebniß der Berathung dem Staatsministerium zur Beschlußfassung unterbreitet werden, bei welcher dann auch noch einige Meinungsverschiedenheiten von meyr grundsätzlicher Bedeutung, deren Entscheidung ihrer Natur nach diesem vorbehalten bleiben mußten, zum Austrag kommen dürften. Davon, ob und wann über diese Punkte eine Einigung erzielt wird, hängt es ab, wie bezüglich dieses gesetzgeberischen Werkes, über dessen Nothwendigkeit innerhalb der Staatsregierung principielles Einverständniß besteht, weiter verfahren werden kann. Wenigstens wird an der Hoffnung festgehalten, daß es möglich sein wird, eine bezügliche Vorlage schon in der nächsten Session des Landtages einzubringen. — Ueber die neue Milltärvorlage ist augenscheinlich allein die „Post“ in der Lage, weitere Mittheilungen zu machen. Dem Blatte zu Folge werden 48 Cavallerieregimenter um je 15 Mann und Pferde verstärkt werden. Zur Vorbereitung der für die Reservedivisionen aufzustellenden Regimenter schon im Frieden würden vermuthlich schwache, mehr administrativen Zwecken dienende Stämme oder Cadreregimenter, wenn auch nur in geringer Zahl, errichtet werden. Bezüglich der Feldartillerie würde die Zahl der deutschen Batterien künftighin nicht sehr wesentlich hinter fünfhundert zurückbleiben. Diese Angaben des Blattes werden auch von„Wolffs Bureau" verbreitet. — Bei den diesjährigen Kaiser=Manövern werden die neu eingeführten tragbaren Zeltausrüstungen zum ersten Male in größerem Umfange zur Anwendung gelangen. Diese neue Ausrüstung besteht für jeden Unterofficter und Mann aus den gleichen Theilen, nämlich aus einer Zeltbahn, einer Zelt= und Halsleine, einem dreitheiligen Zeltstocke, drei Häringen (hölzernen Pflöckeu) und zwei Hülsen mit je einer Halteschraube. Die Zeltbahn ist aus braunem, wasserdichtem Baumwollenstoff gefertigt und bildet ein Quadrat von 165 Centimetern Seitenlänge; zur Verbindung der einzelnen Bahnen sind auf jeder Seite, unten und oben, je 8 Knöpfe angenäht und neben diesen 8 Knopflöcher eingeschn'tten. In den Ecken der Bahn befinden sich Oesen zur Aufnahme von kurzen Leinenstrippen zwecks Befestigung der Zeltbahn mittelst der Häringe am Erdboden. Die Zeltleine wird bei dem Bau von Zelten zur Befestigung in der Längenrichtung oder als Halsleine bei Verwendung der Zeltbahn als Regenmantel benutzt. Der Zeltstock dient zur Aufrichtung und Stützung des Zeltes; er besteht aus drei gleich langen, cylinderischen Theilen aus Eschenholz, von denen zwei an einem Ende mit verschiebbaren Hülsen und dementsprechend mit je einem Lochzur Aufnahme einer Hülsen=Halteschraube versehen sind. Alle Metalltheile, alle Hülsen, Oesen und Knöpfe sind zur Gewichtserleichterung aus Aluminium gefertigt, welches Metall hier zum ersten Male eine umfangreichere Benutzung zu Heereszwecken erfährt. Die Zeltausrüstung kann eine Verwendung als der Schlag, den seine Eitelkeit erhalten, zu wuchtig war, um ihn bald verschmerzen, zu können. Als er seinen Platz neben Olga eingenommen hatte, ohne daß seine umherspähenden Augen Dr. Hartwig an der glänzend servirten Tafel entdecken konnten, athmete er erleichtert auf, und mit einem halben Lächeln flüsterte er ihr zu: „Ich hoff;, Baroneß, daß Sie heute nur ein kleines Lustspiel aufgeführt haben, um uns Ihr Talent für drastische Scenen zu beweisen. Der Schluß des Stückes wird hossentlich Diejenigen, die um Ihre Zukunft besorgt sind, mehr befriedigen, als der etwas gewaltsame Anfang. Baroneß Olga von Pritzwalk als die Gattin eines Scribifax zu denken, widerstrebt meinem Gefühle ebenso, wie meinen Begriffen.„Aber“, fuhr er finster fort, indem er sich näher zu ihr neigte,„Ste haben recht, wir Beide passen nicht zu einander und so sehr ich Sie geliebt und verehrt, meiner Gemahlin, Olga, hätte ich ein solches Spiel nie verzeihen können.“ „Wenn es sich um das Lebensglück, um die ganze Zukunft handelt", entgegnete sie ein wenig verletzt,„dann gilt es, sein Alles auf eine Katte zu setzen. Ich habe va banque gespielt und gewonnen! O Leo, es hat schwere, innere Kämpfe gekostet, ehe ich mich dazu entschlossen und sie sind auch jetzt noch nicht vorüber,“ setzte sie mit einem Seufzei hinzu, indem sie ihre Blicke zu ihren Eltern und dem Fürsten hinschweisen ließ, die noch unter dem Eindruck der letzten halben Stunde standen und nur mit dem Aufgebot ihrer ganzen Krast es über sich vermochten, ihren Pflichten als Gastgeber zu genügen. Dr. Hartwig hatte vor dem Beginn des Soupers die Gesellschaft verlassen, nachdem er ein paar herzliche Worte mit Bruno und Erna getauscht, die ihm Werther vorgestellt hatte und die durch Olgas Verlobung in eine so glückliche Stimmung versetzt worden war, daß es einen Widerschein auf Brunos ernstes Antlitz warf, das beute oft und mi: ganz eigenthümlicher Empfindung an dem zarten Gesichte seiner Gattin haftete, um dann zu Natalie hinzuirren, die im Gegensatze zu Erna heute eine tief gedrückte Stimmung verrieth und nicht mehr das siegesgewisse Wesen zur Schau trug, das ihn so oft verletzt hatte. Für sie hieß Olgas Verlobung mit diesem Manne eine Enttäuschung. Wie innig mußte die Baroneß den jungen Gelehrten lieben, wenn sie sich zu einem solchen Schritte entschlossen, der eine Weigerung der Eltern fast unmöglich machte, ohne Olga in den Augen ihrer Gesellschaft unrettbar zu compromittiren. Erna hatte also mit ihrer Beurtheilung Brunos recht gehabt. Er stand gereinigt vor ihr und mehr denn je empfand Ratalie das geistige Uebergewicht des jungen Mannes, den sie so gerne zu sich herabgezogen hätte. Der Bann, der auf der ganzen Gesellschaft gelegen löste sich nach und nach. Selbst die Baronin mußte eingesteyen, daß der Mensch, Dr. Hartwig, Takt verrieth, indem er sich nicht in den Kreis drängte, den ihm Olga gewaltsam erschlossen hatte Sein Fortgehen wirkte beruh'gend auf ihre erregten Nerven ein, wie sich die Trostesworte Remmingens, die er ihr in seiner kurzen, abgerissenen Redem zuraunte, wie Balsam auf ihr tief verwundetes Mutterherz legten. Unterkunft und als Regenmantel(oder als Decke) erhalten. Schon zwei Mann vermögen sich ein nothdürftiges Schutzdach herzustellen. Sie kukpsen zu dem Zwecke ihre Zelibahnen aneinander. Es ist erst wenige Jahre her, daß bei den einzelnen Armeecorps gegen eine Benutzung von Zelten beim Biwakiren eingeschritten wurde, da man darin eine Verweichlichung" der Truppe zu erblicken glaubte. Zum Glück steht man jetzt aus einem anderen Standpunkte und weiß, welcher Factor an Kraft in einer guten Nachtruhe für den Soldaten enthalten ist. Und beim Biwakiren unter freiem Himmel ohne weiteren Schutz als der. Mantel war es mit der„Nachtruhe" nicht weit her. Die Fußtruppen tragen Zeltstock, Häringe und die aus der Zeltbahn zu entfernende Zeltleine im Tornister beziehungsweise unter der Tornisterklappe Die Zeltbahn wird entweder flach unter der Tornisterklappe eingeschnallt, oder um den gerollten Mantel gelegt und mit diesem um den Torutster geschnallt, oder in schmalem Streisen zusammengesoltet über oder unter den gerollten Mantel gelegt und mit diesem an den Tornister geschnallt. Bei der Feldartillerie wird die Zeltausrüstung in besonderen Zeltsäcken mitgeführt. Mit dieser neuen Ausrüstung ist ein im Heer seit langer Zeit gefühlier Mangel beseitigt. — Große Kaiserpara de über das württembergische Armeecorps wird am 20. September bei Ludwigsburg stattfinden. In den dar uuffolzenden Tagen folgen dann die Manöver. — Aus„guter Quelle" erhält die„Kölnische Zeitung" folgende Mittheilung:„Ultramontane Gesinnungsgenossen des Herin Fusangel aus Bochum und Dortmund, mit ihnen der Redacteur der„Tremonie“, Herr Lensing, haben neulich den Versuch gemaht, den Freiherrn v. Schorlemer bei seiner letzten Anwesenheit in Munster zur Theilnahme an der Kundgebung für Fusangel zu gewinnen. Herr v. Schorlemer wies aber dieses Ansinnen weit von sich. Er könne, so führte er aus, nicht für einen Mann eintreten, der Jahre lang in schmachvoller Weise Kaiser und Reich beschimpft habe, und die Centrumspartei dürfe sich nicht wit einem Menschen identificiren, der die kirchlichen Behörden Bayerns und das bayrische Centrum mit Schmutz beworfen habe. Diese bündige Antwort soll die Herren nicht wenig verblüfft haben.“ — Die„Hamburgische Börsenhalle“ meldet, das Project der Anlage eines großartigen Hamburger Centralbahnhofes sei technisch nunmehr in Berlin genehmigt. — Die Niederlage der deutschen Schutztruppe am Kilimandscharo scheint sich leider zu bewahrheiten. Der selbst verwundete Unterofficter Brockelt, sowie der Lazarethgehülfe Wiest melden nämlich, daß cm 10. Juni bei Moscht ein Gefecht mit dem Häuptling Melt stattgefunden het. wodel der Chef der Killmandscharostation, Freiherr von Bülow, Lientenant Wolfram und 20 Sudanesen gefallen seien. Die Unterofficiere Wutzler und halten mit 64 Mann ddie Kilimandscharostation. Von hier sind in Folge dieser Unglücksbotschaft 180 Mann Verstärkung in's Innere abgesandt worden. — Vom Lieuenanf Stuhlmann, dem Begletter Emin Paschas, sind aus Bukoba am Vietal„I=See neue Nachrichten eingegangen. Der Brief ist vom 2. April datirt und enthält nichts über ein Ableven Emin Pascha's. Richtig ist dagegen, daß am Congo mehrere europäische Officiere von Eingeborenen überfallen und ermordet worden sind. Belgien. Der Kriegsminister suspendirte die diesjährigen großen Manöver. Die Delegirten der Regierungen Hollands und Belgiens gehen Ende dieser Woche noch Bar=le=Duc ab, um die geplante Grenzregulirung auf Grund der kürzlich zwischen beiden Ländern abgeschlossenen Convention vorzunehmen. die iberale Mesgenlt die Boschiäge der Regterug ashlige wich aue Revision überhaupt nicht stattfinden. Schweiz. Bern, 23. Juni. Der Ständerath hat dem Nationalrathsbeschluß betreffend die Genehmigung des Vertrags mit Deutschland zum Schutze des gewerbliche Eigenthums beigestimmt. Der Nationalrath bewilligte 120000 Franken für die Unterstützung der Schveizer Uhreaindustrie auf der Weltausstellung zu Chicago. Oesterreich=Ungarn. Am Mittwoch Abend, es war schon gegen halb elf, erschien Fürst Bismarck mit der Fürstin in der Wiener Theater=Ausstellung. Unter der Führung der Gräfin Hoyos begab sich der Fürst zunächst nach Altwien zu den Schrammeln, wo sich ihm ein Bild Wiener Volksledens dot. Sodald der Fürst erkannt war, wurde er vom Publikum stürmisch begrußt. Dem Die kurze Sceue, die sich in wenigen Minuten abgespielt, kam den Meisten wie einz Traum vor, der wohl nie zur Wirklichkeit werden konnte, da Olga Pritzwalk im Ernst gewiß nicht daran dachte, sich mit dem Herrn Dr. Fritz Hartwig zu verheirathen und das sonderbare Mädchen den Act nur in Scene gesetzt hatte, um der ihm verhaßten Verbindung mit dem Baron Glücksborn, der den meisten der anwesenden Danen süß, interessant. reizend und bildschön erschlen, aus dem Wege zu gehen. Erna fühlte sich zum ersten Male seit langen, langen Wochen wieder glücklich und froh. Sie saß an Brunos Seite; sie durfte seinen klugen, durchdachten Worten, die er mit seinem Nachbar, einem Politiker anderer Färbung wechselte, lauschen. Sie hatte ihn nicht an Olga verloren, die ihr im Vergleich mit sich so bedeutend erschien; sie hörte aus Brunos Munde Andeutungen, welche ihr den Beweis lieferten, daß er von wichtigen Gedanken und Sorgen in Anspruch genommen wurde, die ihr sein Wesen ihr gegenüber erklärlich machten, kurzum, sie fühlte sich gehoben und befriedigt und wenn ihre Blicke mit denen Nataliens zusammentrafen, die finster und stechend auf ihr und Bruno ruhten, dann konnte sie sich des Mißtrauens, welches sie jetzt schon öfter gegen die Stiefmutter beschlichen, nicht erwehren, wie sie es sich auch nicht versagen konnte, ihren Triumph durch ein süßer Lächeln zu verrathen. Das Souper zog sich nicht allzusehr in die Länge. Man sah es den abgespannten Zügen der Hausfrau an, daß ihr heute die Gegenwart der Gäste lästig war, so sehr sie sich auch bemühte, es zu verbergen. Ihre vielen Freunde nahmen die Gelegenheit wahr, sich ihr zu nähern und sie thres tiefen Mitleids, wir ihres Belstandes gegen den frevelhaften Eigenwillen Olgas zu versichern. Der Blick, der Händedruck, den die Baronin mit Fürst Remmingen tauschte, bewies dem hohen Herrn, daß die Baronin noch nicht das letzte Wort in der Angelegenheit gesprochen, die sie beide so lebhaft beschäftigte. Von Olga verabschiedete sich der Fürst mit einer etwas kurzen Verneigung, die sie ebenso zurückgab, wenn auch das Lächeln, das um ihre Lippen dabei schwebte, eine leise Abbitte enthielt; Baron von Glücksdor. hatte sich auf englische Manier grußlos empfohlen. Der Schmerz, den ihm Olgas Abfall von sich und ihren Standespflichten bereitet, zitterte zu lebhaft in ihm nach, um ihn vor neugierigen und boshaften Augen verbergen zu können, und außer Bruno und Erna Werther, die beim Abschiede ihren doppelten Glückwunsch in warmen Wotten wiederholten, war Niemand, der Partei für Olga ergriff. die jetzt noch schweren Stunden entgegenging, denn die Erörterungen, welche man ihr nicht ersparen konnte, waren nicht sehr friedlicher Natur und trotz ihres heut bewiesenen Muthes bangte ihr davor. Die Geheimräthin hielt sich fern von der jungen Dame. Für sie war die Freundschaft der alten Baronin wichtiger als die Olgas und jetzt durfte sie sich um keinen Preis die Gunst der einflußreichen Frau verscherzen. Mit einem tiefen Athemzuge zog sich Olga in ihre Zimmer zurück, als auch der letzte Gast sich verabschiedet und ihre Mutter mit einem kurzen 768 Im Namendes Königs! In der Privatklagesache des Kaufmanns Valentin Most zu Hamborn, vertreten durch Rechtsanwalt Tenbergen zu Ruhrort, Privatklägers gegen den Stellmacher Johann Trenthammer zu Hamborn, vertreten durch den Rechtsanwalt Dr. jur. Engels zu Ruhrort, Angeklagten wegen Beleidigung hat das Königliche Schöffengericht zu Ruhrort in der Sitzung vom 8 Avril 1892, an welcher Theil genommen haben: 1. Amtsrichter Böckenförde als Vorsitzender, 2. Gärtner Lägger. 3. Schichtmeister Schweer als Schöffen, Diätar Böning als Gerichtsschreiber, für Recht erkannt Der Angeklagte und Widerkläger wird wegen öffentlicher Beleidigung des Kaufmannes Most zu einer Geldstrafe von 15— fünfzehn— Markevtl. drei— Tagen Gefängniß, der Privatkläger und Wiederbeklagte Most wegen einfacher Beleidigung zu einer Geldstrafe von 3— drei Mark eventl. 1— ein— Tag Gefängniß verurtheilt. Deu Parteien werden die gerichtlichen Kosten je zur Hälfte auferlegt, die außergerichtlichen werden compensirt. Dem Beleidigten Most wird auch die Befugniß zugesprochen, den entscheidenden Theil des Erkenntnisses dinnen 4— vier — Wochen nach Rechtskraft einmal durch die„Ruhr orter Zeitung“ auf Kosten des Schuldigen zu veröffentlichen. gez. Böckenförde Ausgesertigt Rohrort, 20. Juni 1892. er u a. Hoppe, Gerichtsschreier des Kgl. Amtsgerichts. Sonntag den 26. d. Mis. Weltrennen des Keiter Derein,„Rihli. an der Chaussee von Hochemmerich nach Oestrum, 20 Minuten „ bve dn eun Seider Taunpe und ü Bechaseur und Gfeutegr Bhr. Nachher Reiter= Ball bei Herrn Joh. Iwen in Die Herren Gebrüder Heinrich umd Tgag per, 30f zun Steinschen zu Binsheim, lassen Donnerstag.——. Jug d. J. Nachmittags 2½ Uhr im Haubruck'schen Wircheses st e. sogen kleinen Wardt neben Joh. Falk und 10 Morgen Gras 1. Schnitt, stehend im sogen. großen Wardt hinterm Hof der Verkäufer. nummerweise öffentl. meistb. auf Credit gegen Burgschaft verkaufen. Moers. Justizrath Hoffmann, Notor. Duisburger Dampf=Wasch=Anstalt Emil Martin. 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