Nr. 123.— Nuhrort=Homberg=Moers. Dienstag. * 28. September 1886. 13. Jahrz. Meiderich=Oberhausen. „ Inserate werden nach Petitschrift berechnet und kostet die einspaltige Petitzeile 15 Pfg., far Geschäftsleute iwierhalb des Verbreitungsbezurks 10 Pfg.— Reflamen 40 Die Verbunden mit der Sseitigen Gratisbeilage „Illustrirtes Sonntagsblatt.“ M 60 die Reboction verantwortlich: Otto Breubete in Ruhrert. Grendov u. Sohn in Nackrut und Beiag um: Allgemeiner Anzeiger für die Amtsgerichtsbezirke Ruhrort, Mörs und Oberhausen. Abennements= und Inseraten=Annchmestellen: in Nuhrort in der daupt Epedton de Joh. Grendow u. Cohn; m Laar in Bacheuder C. F. Troost: in Meiderich bei Joh. Meerkamp; u Obeehausen bai Fr. H. Heimleng, Alenr Mursk m Homberg bei Buchbinder Gerhard Jausen, Rörserstrag:; für Moers und Umgegend bei Gerdard Baunen in Moers. Zum Abonnement auf das IV. Quartal 1336 der „Ruhrorter Zeitung“ verbunden mit der „Meidericher und Oberhaulener Zeitung“. nebst der wöchentl. Sseitigen Gratisbeilage„Illustr. Conntagsblatt" zu dem vierteljährlichen Abonnementspreis von nur Mark 1.30 laden wir Jedermann in Stadt und Land ergebenst ein. Anmerkung für unsere Postadonnenten: Damit die durch verspätete Bestellungen unvermeidlichen, sowohl für die Abonnenten als auch für die Expedition höchst unangenehmen Unterbrechungen in der Zusendung umgangen werden können, bitten wir, die Erneuerung des Abonnements für das mit dem 1. October 1886 beginnende vierte Quartal ohne Verzögerung bewirken zu wollen. Die bereits erschienenen Nummern des höchst spannenden Romans „Bis zur letzten Klippe“ werden nachgeliefert. Neueintretende Abonnenten erhalten die Zeitung bis Ende dieses Monats gratis zugestellt. Ruhrort, im September 1886. Die Redaction und Expedition. Geschichts=Kalender. (Nachdruck verboten.) 28. September 1870. Die französische Besatzung Straßburgs: 451 Officiere, 17000 Mann inel. Nationalgarden— streckt die Waffen.— Um 8 Uhr Morgens werden die Thore Straßburgs besetzt. An demselben Tage schlagen die Landwehr=Bataillone Landsberg, Frankfurt, Woldenberg des 13. Armeecorps wiederholte Ausfälle der Garnison von Loissons zurück, worauf diese Waffenruhe erbat, um ihre Todten und Verwundeten abholen zu können. 1872. Grundsteinlegung der Neubefestigung Straßburgs. 1883. Einweihung des Siegesdenkmals auf dem Niederwald in Gegenwart des deutschen Kaisers, Wilhelm I., des Kronprinzen und vielen deutschen Fürsten.— Erhebend und denkwürdig für alle Zeiten war hier jener große Moment, als der greise Kaiser Wilhelm mit kräftigen, weithin vernehmbaren Worten das Denkmal weihte:„Den Gefallenen zum Gedächtniß, den Lebenden zur Anerkennung, den kommenden Geschlechtern zur Nacheiferung. Das walte Gott!“ Mit diesen Worten schloß Kaiser Wilhelm und feuchten Auges drückte er den Kronprinzen fest und innig an seine Brust. 29. September 1862. Geheimer Rath von Bismarck erscheint zuerst als interimistischer Ministerpräsident im preußischen Abgeordnetenhause und tritt alsbald mit der Erklärung hervor, daß„da keine Verständigung zu erzielen sei, die Regierung den Staatshaushalts=Erat für 1863 zurückziehen, und in der nächsten Session wieder vorlegen werde.“ 1868. Allgemeiner Aufstand in Madrid. Die Lage in Spanien. Als die Nachricht von dem jüngsten spanischen Militärputsch in Deutschland anlangte, glaubte bei uns schon alle Welt, der Sturz der Monarchie sei sofort bewerkstelligt und die Republik wieder etablirt worden. Man erfuhr aber bald, daß dert nicht so war, daß die Revolte ohne große Kraftanstrengung von Seiten der Regierung, so im Handumdrehen erdrückt werden konnte. Da war das vorletzte Pronunciamento, das von Bajadoz, immer noch von größerem Belang. Denn dessen Unterdrückung kostete weit längere Zeit und verursachte ungleich mehr Blut als das neueste, welches sich auf die Stadt Madrid beschränkte und an dem sich nur zwei Officiere betheiligten. Nur zwei Officiere! Das ist ein epochemachendes Ereigniß für Spanien. Denn bisher war der Procentsatz der sich betheiligenden Officiere stets ein außerordentlich bedeutender, ein Umstand, welcher die Staatsgefährlichkeit der Erhebungen ungemein erhöhte. Es scheint, daß der ehrgeizigen Absichten entsprungene revolutionäre Geist im Officiercorps erheblich abgenommen hat. Darin aber läge die Garantie dafür, daß die Aera der Putsche allgemach zu Ende geht und die Möglichkeit einer gedeihlichen stetiger Entwickelung Spaniens auf dem Wege des Fortschritts geschaffen wird Lehnen erst die Officiere ihre Betheiligung ab, dann werden die Pronunciamentos bald unmöglich geworden sein, denn die üblen Erfahrungen, welche die Anstifter und die gemeinen Soldaten mit den von Unteroffieieren geleiteten Revolten machen werden, wird gar bald jene in genügender Weise von derartigen Unternehmungen abschrecken. Der neueste Madrider Aufstand ist umsomehr als eine klägliche, saft= und kraftlose Action anzusehen, als es ja in Madrid revolutionäre Elemente in Hülle und Fülle giebt, als die Acteure Zeit genug hatten, um eine Erhebung im großen Stile vorzubereiten und als im ganzen Lande sonst keine Spur einer entsprechenden Bewegung zu bemerken war. Der eklatante Mißerfolg wird für lange Zeit jedwede(Wiederholung hintanhalten. Alle Nachrichten stimmen darin überein, daß die revolutionären Elemente allenthalben über die Maßen deprimirt sind und mit Grausen einer langen Zeit des Niederganges ihrer Sache, die seit dem Karolinenconflict mit Deutschland im Aufsteigen begriffen war, entgegensehen. Die Regierung scheint gesonnen, zu sein, die Situation recht ausgiebig gegen das Republikanerthum auszunützen. Der nicht nur über Madrid, sondern über die ganze Provinz Neukastilien verhängte Belagerungszustand erleichtert ihr die Ausführung dieses Vorhabens ungemein. Die Verhaftung und Verfolgung der Republikaner, gleichviel ob dieselben schuldig sind oder nicht, steht bereits in voller Blüthe. Ungeschoren lassen wird man vielleicht nur die Possibilisten, das sind jene gemäßigten Republikaner, welche sich um Castelar schaarten, der da sagte, jeder Gewaltact sei zu verabscheuen und es müsse die Republik auf friedlichem Wege, auf Grund der freien Initiative der Mehrheit der Nation gegründet werden. Gastelar wurde als idealistischer Schwärmer von den anderen republikanischen Richtungen verlacht, vielleicht mit Recht, und seine Anhängerschaft schmolz auf wenige Köpfe zusammen. Nunmehr aber dürfte er im republikanischen Lager wieder Oberwasser erhalten, indem man sich unter den jetzigen ungünstigen Umständen in den Schatten seiner allein noch möglichen Fahne flüchten wird. Im republikanischen Lager zu maßgebendem Einfluß gelangt, würde Castelar an seinem Theil mit dahin wirken, daß man die Versuche, auf dem Wege der Militärrevolten die Besserung der spanischen Zustände zu bewirken, ein und für alle Mal aufgiebt. Hai Spanien jetzt wirklich, wie es den Anschein hat, die Schwelle einer neuen Phase seiner inneren Entwickelung überschritten, in der es immer mehr zu der Erkenntniß gelangt, daß die Staaten nicht auf dem Wege der Empörung, der Vergewaltigung der Mehrheit durch die Minderheit, nicht durch die Eitelkeit und Herrschsucht der Generale, sondern nur durch ruhige, ernste, selbstlose Arbeit, durch den Kampf der Geister auf dem Boden des Gesetzes einer bessern Zukunft entgegengeführt werden können, so muß man es aus vollem Herzen zu dieser Mauserung beglückwünschen. Solche Wandlungen vellziehen sich freilich stets nur langsam: es scheint jedoch, daß Spanien bereits ein tüchtiges Stück auf diesem Wege zurückgelegt hat. Sonst hätte der mit langer Hand vorbereitete neueste Putsch nicht einen so kläglichen Verlauf genommen und würde die ganze spanische Nation nicht so theilnahmlos über denselben zur Tagesordnung übergegangen sein. Berlin, 27. Sept. Der Reichskanzler läßt durch den Staatssecretär von Bötticher der Berliner„Germania“ eine Berichtigung dahin zugehen, daß er sich nicht in die Regentschaftsangelegenheit in Bayern gemischt und auch nicht Garantien dafür verlangt habe, daß keine Aenderung in der politischen Haltung der bayerischen Regierung erfolgen werde. — Prinz=Regent Luitpold von Bayern hat am Sonnabend mit großem Gefolge die schon länger geplante Reise nach Augsburg, Nürnberg, Würzburg und Ansbach angetreten. Dem Regenten ist die herzlichste Begrüßung zu Theil geworden. In den letzten Tagen dieses Monats erfolgt die Wieverankunft in München. — Die Verleihung des 2. Niederschlesischen Infanterie=Regimentes Nr. 47 an den Prinzen Ludwig von Bayern bringt die Kämpfe von 1870 im Elsaß, mit denen der Krieg gegen Frankreich eröffnet wurde, in Erinnerung. Damals bei dem Angriff auf Weißenburg kämpfte das 47. Ins.= Regiment an der Seite der Bayern und wurde später dem Commandeur des II. bayrischen Armeecorps, Genera! Fehrn. v. d. Tann=Rathsamhausen, verliehen. Pese werde bis Gade ibleiben. aufenthalt bedeutend gebessert. Man sagt auch, der dieses oder Anfang des nächsten Jahres von Berlin — Den Mißtrauens=Kundgebungen der österreichisch=ungerischen Presse gegen das deutsch=österrichische Bändniß, die sich immer von wiederholen, tritt die„Nordd. Allg. Zig“ ir einem gereizten Artikel entgegen, in dem sie schreibt:„Unsere auswärtigen Beziehungen und die vertragsmäßigen Stipulationen, auf welchen sie beruhen, steben auf der festen Basis, welche ihnen die wohlerwogene Sauction der Monarchen der theiligten Länder verliehen hat. Wenn man sich diese Thatsache An der aufgeregten Leitartikel der Blätter immer gegenw. die phrasenhaften Diatriben der Presse nsthwendig in das Lächerlichel“ Die Ungarn agitiren ganz offen auf eine Verdrängung des Ministers Grafen Kaluoch zu, aber an einen Grfolg ist nachrlsch nitzt zu dankten, deun danast würde auch die Freundschaft der beiden Kaisermächte beeintrüch — Die Wiener Blätter besprechen allgemein die Ausft „N. A. Z.“ zum deutsch=österreichischen Bänduiß. Ueberall wurd sehober, daß man erslich den Weiterbestand der Fraundschaft mit Deutschwolle, zugleich aber die Besorguiß ausgesprochen, Deutschland werde, wenn es seine Haltung nicht ändere, zwischen Rußland und Oesterreich wählen müssen. Die gegenwärtige deutsche Orientpoluik müsse vum Schaden Oesterreichs ansschlagen, wenn man in Verlin das arch besreite. — Die„Nordd. Allg. Zig“ schreibt:„Die Versicherung abgegeden, daß Herr Gugen Richter und seine tage auf die bulgarische Angelegenheit gurückommen we macht die Opposition ihre Zusage auch ses Reiches in der nüchsten Politik des un derauch wohr, und erdentlichen Voraussichtlich wird den Interpellanten alsdann eine viel Information gegeben werden, als es jetzt möglich gewesen gegenwärtig noch schwebende Frage zu urtheilen.“ Verabschiedung des Lontre=Admirals von Reibui# in die Zahl der aktiven deutschen Admiralt wieder 7(2 Biceadmirals und e) herupteregannogn; die dltesten Cppitkus&. Ser sind gecintergegangen; Kall und Stenzel. von verschiedenen Blättern erwühnten Angaben über die beabsichtigte Wiederzulassung einzelner geistlicher Orden deruhen, der zu Folge, zur Zeit noch auf ganz mäßigen Vermmthungen dis trche noch gar nicht übersehen, welche weitere kirchenpolitische werden vor wngen„Vermmuthungen. Es läßt sich Abänderungen an der bestehenden Ruhl von Limburg in Wiesbaden und er ee r! der Prälat Münzenberger zu Frankfurt a. M. — Cultusminister von Goßler hat den Regierungen aufgegeben, keine Schulgemeinde neu zu bilden und kein Schulhaus eher dauen zu lassen, ehe die Mittel zur Lehrerbesoldung gesichert sind. Zur Vermeidung von Unzuträglichkeiten haben die Regerungen neue Schuleinrichtungen grundsätzlich nicht stückweise, sondern derart vorzubereiten, daß vorweg zu übersehen ist, welchen Gesammt=Kostenaufwand dieselben nach allen in Betracht kommenden Richtungen hin erfordern und wie derselbe zu sichern ist. Dabei ist darauf zu halten, daß die Kräfte der Verpflichteten vor Allem zur Befriedigung des dauernden Bedürfnlisses der Deckung der Lehrerdesoldungen in Anspruch genommen werden, und das Gesammt=Erfordernißz den Leistungen der Verpflichteten thunlichst angepaßt werde. — Heute Montag feiert der Präsident des Reichsbank=Directoriums in Berlin, Wirkliche Geheime Rath von Dechend, sein 50jähriges Dienstjubiläum. — Als freisinniger Candidat für den 1. Berliner Reichstagswahlkreis wird Dr. Max Hirsch, der Gründer der Gewerkvereine, genannt. Bekimmt festgesetzt ist aber noch nichts. — Der Reinertrag der Reichszölle in den ersten 5 Monaten dieses Jahres ist gegenüber dem Vorjahr nur um 4½ Millionen gestiegen. Im vorigen Jahre haben aber bekanntlich beträchtliche Zollerhöhungen staugefunden. — Die deutsche Ostafrikanische Gesellschaft hat einen schweren Verlust erlitten. Der Gartendirector Schmidt, der in Ostafrika Gartenbauversuche leiten sollte, ist dort gestorben. — Aus dem Hundertmillionenfonds ist das im Gnesener Kreise belegene Rittergut Rucochin, welches vor einigen Wochen von der Besitzerin, Frau von Gutowska, zum Kauf angeboten war, desinitiv erworben worden. Dasselde hat einen Flächeninhalt von 3625 Morgen. zur ketzren Kuppe. Original=Roman von E. Heinrichs. (4. Fortsetzung.) Er schwieg und blickte fortwährend in die Flammen, welche lustig knisterten und behaglich emporloderten, während die junge Wittoe nervös mit ihren Diamantringen spielte und den Verlobten scheu mit ihrem Blick streifte. „Indessen“, fuhr Graf Altorf nach einer Weile sanft fort,„will und kann ich Dir deshalb keinen Vorwurf machen, Geliebte!, da es schwer ist, sich von anerzogenen Fesseln mit einem Ruck zu befreien; ich halte es vielmehr für meine Pflicht, diesen Fesseln Rechnung zu tragen. Heute ist Freitag,— am Sonntag könnte das erste Aufgebot sein, folglich die Hochzeit am Montag über vierzehn Tage stattfinden; ist es Dir so recht, Theure!“ „O, wie gut Du bist, Adalbert!“ rief Antonie wirklich gerührt von dieser sanften Nachgiebigkeit, obwohl ihr eitles Herz im Stillen triumphirte „so sei es denn, am Montag über vierzehn Tage, dann ist mindestens das Decorum gewahrt. Du glaubst nicht, wie kleinlich die Menschen in solchen Dingen hier sind, die bösen Zungen wittern sogleich eine Ungehörigkeit, irgend etwas Ungesetzliches—“ „Schrecklich!“ fiel der Graf lachend ein,„und das will eine Großstadt sein!— Sieh', Kind!“ fuhr er in einem beinahe väterlichen Tone fort, „wir stehen Alle, vornehm oder gering, hoch oder niedrig, arm oder reich, unter dem Gesetz der guten Sitte, und nur, wer sich außerhalb des Bannkreises stellt, ist vogelfrei, gehört zur Ungesetzlichkeit. Doch streiten wir nicht darüber, ich vergesse, daß Hamburg kein Petersburg, kein Paris und kein New=York ist.“ „Du bist doch überall in der Welt schon gewesen, Adaldert!“ meinte Antonie, ihn mit Bewunderung anblickend. „Habe wenigstens in allen fünf Welttheilen das Bemerkenswertheste gesehen,“ nickte er melancholisch,„und doch erst hier bei Dir, Geliebte, einen dehaglichen Ruhepunkt, sozusagen eine Heimath gefunden. Wem die Güter dieser Erde fast unumschränkt zu Gedote stehen,“ fuhr er nach kurzem Schwekgen fort,„der verliert zuletzt des Lebens höchstes Glück,— die Freude am Genuß. Du, Herzliedchen, hast dieses Glück mir wiedergeschenkt, und werde ich deshalb vor unserer Vermählung eine heilige Pflicht Dir gegenüber erfüllen. Sieh, meine Theure!— Du weißt, daß ich der letzte meines Namens din, daß mit mir das Haus Altorf erlischt, sofern mir nicht das hohe Glück eines Erben beschieden wird. Stürbe ich unvermählt, dann wurden meine Guter dem Staate anheim fallen,— anders jetzt, da ich an der Schwelle meiner Hochzeit stehe:— ohne ein Kind freilich würde man meine Wittwe mut einem kärglichen Almosen abspeisen—. „O. sprich nicht in solcher Weise vom Sterden,“ unterbrach ihn Antonie, zusammenschaudernd,„was sollen diese schrecklichen Gedanken!“ Der Graf strich sich mit der schmalen, weißen Hand langsam über die Stirn. „Ich darf es Dir in letzter Stunde, bevor Du Dich unlöslich mit mir verbindest, nicht verhehlen, theures Kind,“ sprach er mu seltsam gedämpfter Stimme, „daß ein jäher Tod in meiner Familie bislang nichts Ungewöhnliches gewesen. Mein Urgroßparer stard, vom Schlage getroffen, im besten Mannesalter, ebenso ein Großonkel, den der Tod am Traualtar jählings ereilte; und— was mehr noch— mein eigener Vater sowie meine einzige Schwester sind Beide in dieser unermittelten Weise dahingerafft worden. Wundere Dich des halb nicht, Geliebte, wenn mich zuweilen melancholische Gedanken packen und diese mich an meine letzte Stunde, welche vielleicht von der Schwelle des Paradieses hinweg—“ „Halt' ein, Adalbert!“ rief Antonie entsetzt.„Du folterst mich mit diesen Bildern.“ „Das war nicht meine Absicht,— im Gegentheil, ich hielt es für meine Pflicht, Dir dieses Alles mitzutheilen, um noch in der zwölften Stunde Dir die Wahl zu lassen. Noch bist Du frei.“ „0, theuerster Mann! wie kannst Du so grausam sein!“ hauchte die junge Frau, seinen Hals umschlingend,„nichts kann mich von Dir wennen— „Als der Tod!“ ergänzte der Graf, sie zärtlich küssend;„ich danke Dir von Herzen für dieses Wort, Antonie!— Du sollst es nicht bereuen. Ich werde schon morgen ein Testament zu Deinen Gunsten errichten, um Dir meine unbegrenzte Liede zu beweisen. Es steht mir frei, über mein Vermögen zu disponiren, doch ist ein solches Document unumgänglich nöthig, um das Meinige nur Derjenigen zukommen zu lassen, der mein ganzes Herz gehört.“ „Womit habe ich solche Liebe verdient?“ flüsterte Antonie, von wunderlichen Gefühlen der Rührung und eines aufrichtigen Erstaunens ergrissen. Und sie hatte wohl Ursache, so zu fragen, da sie sich keines absonderlichen Verdienstes bewußt war, obwohl sie von ihrer Schönheit einen zu hohen Begriff besaß, um nicht jeden Mann glücklich zu preisen, der sie heimführen durfte. a3„Du willst mir Alles schenken,“ fuhr sie schmeichelnd fort,„doch müßte ich den Reichthum nicht hassen, welcher durch Deinen Tod erkauft werden sollte? Der Gedanke ist zu grausam für mich.“ „Nicht doch, Theuerste! Die Welt soll es wissen, daß ich nur Dich mein nennen will, Dich allein, daß meine Hand rein dleiben soll von dem Vermögen Deines ersten Gatten, welches, wie ich vernommen, einem verschollenen Sohne entzogen ist—“ „Halt, Adalbert!“ unterbrach die junge Frau ihn scharf,„wer solches Dir gesagt, ist ein Verleumder; allerdings ertstirte ein Sohn meines verstordenen Gatten, ob derselbe heute noc, lebt, weiß ich nicht. Doch hat der selige Rodenburg aus freien Stücken mich zu seiner Universalerbin eingesetzt, und Niemand darf es wagen, mir mein Recht zu verkämmern. Wohlan denn, Du willst großmüthig sein, Adalbert, ich kann solches nicht einseitig annehmen, da ich selder hinreichend Vermögen besitze. Laß uns ein gegenseitiges Testament errichten, mein Theurer! Dann stehe ich Dir darin mindestens gleich, da ich sonst darauf verzichte, ja, ja, ganz sicher dagegen protestire,— man soll ebenso wenig von mir glauden, daß ich nur Dernes Ranges halber Dich liebe.“ „Wie herrlich dieser edle Zorn Dir steht, mein Kind!“ lächelte der Graf noch immer schwermüuhig,„obwohl ich trotz alledem Deinen Vorschlag doch nicht acceptiren kann. Ich weiß bestimmt, daß der verschollene Sohn—— wie alt mag derselbe wohl sein!“ „Er ist ein Jahre älter, als ich, also jetzt kaum dreiundzwanzig Jahre.“ „So, so; unn ich weiß, daß derselbe eine große Partei für sich hat, welche Dich wegen des Verkauff der Firma verurtheilt hat. Bedenke unn, wie man üder ein derartiges Testament urtheilen würde, obwohl et je nur eine leere Formalität wäre, da Du mich lange Aberieben, vielleicht ger einen dritten Gemahl Dir wählen wirst.“ „Du machst mich böse, Adaldert!“ „O nein,— vergieb— ich will Dein gehorsamer Mann sein,— es soll Alles nach Deinen Wünschen geschehen, nur vergiß es alsdann nicht,“ setzte er mit ernstem Nachdruck hinzu,„daß ich nur zwangsweise mich gefügt, daß es vielmehr Dein ausdrücklicher Wille gewesen, ein derartiges Teslament zu errichten.“ „Ich werde es nicht vergessen,“ lächelte Antonie stolz,„will mich Deiner Großmuth und Gewissenhaftigkeit stets erinnern und eine darauf bezügliche Clausel eigenhändig hinzufügen.“ Ein blitzartiges Aufleuchten seiner Augen entging ihr; er schloß sie in seine Arme und flüsterte ihr tausend zärtliche Worte ins Ohr. „Du hast mir niemals von diesem Sohn erzählt, kleine Stiefmutter,“ sagte er plötzlich, wieder ernst werdend. Sie lachte höhnisch auf. „Jawohl, eine ehrwürdige Stiefmutter!“ höhnte sie,„was sollte ich von dem Burschen viel erzählen?“ „Daß. er zum Exempel Deine erste Liebe gewesen,“ versetzte er langsam. Antonie erblaßte. „Also auch diese Kinderei hat man Dir zugetragen!" versetzte sie verächtlich,„freilich mögen die Eltern eine Verlobung geplant haben; als jedoch mein Vater burch unglückliche Speculationen sein Vermögen einbüßte, wurde ich das Familienopfer, indem ich den Chef der Fums Rodenburg heirathen mußte.“ „Armes Kind!—— Es giebt recht grausame Väter in der Welt!“ Er streichelte ihre kleinen Hände und blickte düster in die Flammer. Antonie schwieg, der Gegenstand war ihr zu verhaßt. „Und ist der junge Rodenburg jetzt gänzlich undemittelt!“ fragte der Graf weiter. „O nein, das Vermögen seiner Mutter ist für ihn festgestellt, ich glaube 50000 Thaler,— der Leichtsinnige hat sich von unserem Banquier eine bedeutende Summe derauf auszahlen lassen, bevor er sozusagen durchbrannte.“ „Ein netter Junge, auf Ehre!“ lachte Graf Adalbert;„kann's dem Vater nicht verdenken, daß er einen solchen Sprossen von seinem Stamm lostrennte.— Angenehm ist seine Existenz keinesfulls für Dich, mein theures Herz!— und ich freue mich jetzt doppelt, Dich in einen anderen Boden zu verpflanzen, wo dergleichen Anhängsel Dir nicht mehr das Leben verbittern. Laßz uns nur gleich die Hochzeitsreise nach Schweden ausdehnen und Hamburg für immer Valet sagen.“ „Ach, wir wollen nicht wieder hierher zurückkehren, Adalbert?“ fragte Antonie bestürzt. „Ich denke nicht, Liebchen! Du kenust doch das Bibelwort: Das Weib soll dem Manne folgen—“ „Ja mein Bester!— aber was soll dann aus dieser Billa werden?“ „Die verkaufen wir vorher.“ „Ach, Adalbert! ich träumte es mir so schön, daß wir die Billa behalten und zuweilen hierher zurückkehren würden.“ „Ach so,“— der Graf drehte an seinem schören Schnurrdert und runzelte ein wenig die Stirn.„Nun, ich habe nichts dagegen, Herzchen! man kann je auch in Hamburg seine Villa besigen. Besser wäre es freilich, sich gänzlich von einer Umgebung abzulösen, die ppr gar zu bereit ist, und — Auf die von dem Staatssecretär von Bötticher in Thorn ausgesorochene Hoffnung, es werde eine Besserung der Handelsbeziehungen zwischen Rußland und dem deutschen Reiche eintreten, wirft folgende dem „Hannov. Cour.“ aus Petersburg zugegangene Depesche bedenkliche Schatten: „Die von der russischen Regierung geplante Zollerhöhung auf Roheisen um 25 Procent kommt im November im Reichsrath zur Beschlußfassung!“ — Gleichzeitig mit der Meldung von der bevorstehenden Ankunft des englischen Lord=Schatzkanzlers Churchill in Berlin taucht die Nachricht auf, der Lord werde sich in Begleitung des englischen Botschafters Malet zum Fürsten Bismarck nach Varzin begeben. Die Bestätigung der Meldung bleibt abzuwarten. — Es wird bestätigt, daß der Papst eine Note an die Mächte gerichtet hat, in der er üder die italienische Regierung bittere Klage führt. In den Kreisen der italienischen Minister und Abgeordneten herrscht allerdings eine starke Strömung gegen den katholischen Clerus. Im Ganzen sollen 25 Klöster in Italien aufgehoben werden. — Für Restaurateure mit weiblicher Bedienung. Die Gewerbe=Deputation des Berliner Magistrats hat entschieden, daß Kellnerinnen unter das Krankenkassengesetz fallen, also in bekannter Weise zu versichern sind. Erhalten die Kellnerinnen kein Gehalt, sondern sind nur auf Trinkgelder angewiesen, so haben die Wirthe statt des üblichen Drittels den ganzen Krankenkassenbeitrag zu zahlen. Frankreich. Für die Verhältnisse in der französischen Armee ist der folgende Vorfall characteristisch: Ein Pariser Trainsoldat begegnete einem Lieutenant vom 34. Regiment und grüßte ihn nicht. Auf eine vom Officier gemachte Bemerkung antwortete der Soldat, er sei Tags zuvor entlassen und habe keine Veranlassung mehr, die Officiere zu grüßen. Darauf ließ der Lieutenant den Soldaten verhaften. Die Menge schaarte sich indessen zusammen, verhöhnte den Officier und mit Mühe entging dieser Thätlichkeiten. .. Die französische Academie hat die Schenkung des Herzogs von Aumale (Schloß Chantilly) mit 90 von 118 Stimmen angenommen. Großbritannien. Der alte Herr Gladstone empfing eine Deputation aus Irland, mit welcher er viel über die dortigen Verhättnisse sprach. Er sagte, nur die Hoffnung, zur Lösung der irischen Frage beitragen zu können, halte ihn ab, sich aus dem politischen Leben zurückzuziehen. In Irland sieht es übrigens wirklich schlecht aus. Die meisten Pächter sind außer Stande, zu zahlen. Spanien. Der„Voss. Ztg.“ wird aus Madrid telegraphirt: Das Ministerium weigerte sich entschieden, die Begnadigung der verurtheilten Verschwörer auszusprechen. Darauf erklärte die Königin kategorisch, sie dulde die Hinrichtung nicht. De gaben die Minister nach. Die Tochter der Generals Villacampa wurde vor Freude ohnmächtig und der General rief aus:„Von nun an bin ich der Königin ein loyaler Diener.“ Das Ministerium reichte seine Entlassung ein, die aber verweigert wurde. Deputirte aus allen Parteien vereinbarten eine Dankadresse an die Königin. In Madrid ist der Königin im Theater eine große Ovation dargebracht worden.— Die zum Tode Verurtheilten sind zu lebenslänglicher Haft begnadigt worden. Rußland. Das„Petersburger Journal“ liest Lord Churchill den Text für dessen bekannte Rede gegen Rußland. England habe seine Politik geändert. Es garantire dem Sultan sein Gebiet, und dabei interessire es sich auf Kosten der Türkei für Bulgarien. Von Griechenland habe der Minister gar nichts gesagt, und das sei doch auch ein Staat der Balkanhalbinsel. England sei es ja gerade gewesen, welches die Unruhen im Balkan hervorgerufen, Rußland habe sich dagegen bemüht, die Ruhe zu erhalten. England sei entschlossen, auf friedlichem Wege die internationalen Schwierigkeiten zu lösen. Etwas Anderes wolle Rußland auch nicht. Rußland wolle dem unglücklichen Lande die Ruhe wiedergeben, das von einer Bande von Agitatoren, welche die in ihren Händen befindliche Macht mißbrauchten, in Fesseln gehalten werde. Rußland wolle die unberechtigte Gewalt der Usurpatoren in Sofia beseitigen, deshalb sei vor Allem der Termin der Wahlen hinauszuschieben. Das ist ja ein recht hübscher Artikel! Die bulgarische Regierung wird eine Bande von Agitatoren genannt. So etwas ist denn doch etwas zu stark, und es ist gut, daß gerade jetzt das Auswärtige Amt in Wien durch sein Organ das Wort nimmt. Die dort geführte offene Sprache zu Gunsten der Bulgaren wird die russischen Hitzköpfe wohl einigermaßen abkühlen. Aus Petersburg wird gemeldet, Kaulbars denke gar nicht daran, wegen des Scandals in Sofia zurückzutreten. Das ließ sich voraussehen! Die„Nordd. Allg. Ztg.“ fertigt die russischen Panslavistenblätter, welche jetzt wieder die Occupation von Bulgarien fordern, sehr kurz ab. Eine Occupation wird die Zustimmung der Mächte nicht finden. General von Werder war am Montag zum Abschiedsdiner zum Kaiser und zur Kaiserin nach Peterhof geladen. Der Czar verlieh dem bisherigen deutschen Militärbevollmächtigten eine mit seinem und dem Bildnisse seines Vaters geschmückten Tabatière in Brillanten. Oesterreich=Ungarn. Das Organ des Auswärtigen Amtes in Wien, das„Fremdenblatt", tadelt das Auftreten Kaulbars in Sofia mit ganz entschiedenen Worten und nimmt die bulgarische Regierung in Schutz. Das„Fremdenblatt“ schreibt: Die bulgarische Regentschaft sei ihrer schwierigen Aufgabe, für die Erhaltung der Ruhe zu sorgen, bisher mit Geschick gerecht geworden. In dem Streben, den auf die Mächte zu nehmenden Rücksichten zu entsprechen, aber dabei doch den gesetzlichen Boden zu behaupten, könne sie ruhig die Verantwortung tragen. Dagegen sei das Auftreten Kaulbaus in der Volksversammlung zu einer Versöhnung nicht geeighet gewesen, ebenso wenig wie seine Reise in das Innere Bulgariens. Bevollmächtigte seien überall bei den Regierungen und nicht bei den Voltsmassen beglaubigt. Jede Regierung müsse offene Unterhandlungen mit der Menge als eine Verletzung ihrer Autorität ansehen. Auch in Petersburg werde man das Bedauern über die Handlungsweise des Generals theilen. Kaulbars Auftreten entspreche auch nicht den Tendenzen des Berliner Vertrages.— Das ist eine sehr derbe Prise für die Nase des Czarev, der ja persönlich General Kaulbars die Instructionen ertheilte. Bulgarien. General Kaulbars hat es so weit gebracht, daß sich eine Auseinandersetzung zwischen Rußland und Bulgarien langsam anbahnte. Wäre er behutsam weiter vorgegangen, so würde er wahrscheinlich Alles erreicht haben, was der Czai will; aber statt dessen hat er einen Scandal provocirt, der Rußland den tiefsten Schaden, und Kaulbars eine furchtbare Demüthigung bereitet hat. Kaulbars hat damit die bulgarische Bevölkerung geradezu der Regierung in die Arme getrieben und diese bleibt nun fest bei ihrem Vorsatz, die Wahlen zur großen Nationalversammlung kommenden Sonntag abzuhalten. Kaulbars unternimmt eine Agitationsreise in das Innere des Landes, um dort die Wähler für sich zu gewinnen. Aber auch dort wird er nicht viel Glück haben. Die Entrüstung über den Scandal in Sofia ist zu groß. Am Montag ist Kaulbars, mit einer halben Million Franken im Geldbeutel, auf directe persönliche Weisung des Czaren in das Innere von Bulgarien gereist, trotzdem man ihn dringend abgerathen, um die Wähler für Rußland zu gewinnen. Man hegt in Sofia lebhafte Besorgniß für seine Person. Orient. Der Commandant des französischen Levantegeschwaders, Marquessac, ist zur Begrüßung des Sultans in Konstantinopel eingetroffen, sofort empfangen und zur Tafel gezogen worden. Der Herzog von Edindurg mußte s. Z. drei Tage auf die Audienz warten. Diese Thatsachen bedeuten zwar nicht viel, aber immerhin etwas! des Gläubiger=Ausschusses empfahl der Vorsitzende desselben, Reichsbankdirector Krohn, die Annahme; ebenso der Concursverwalter Rechtsanwalt Gottschalk, welcher die Bestätigung Seitens des Gerichts anheimstellte. Der Vorsitzende, Herr Amtsrichter von Spiegel, verkündete hierauf die gerichtliche Bestätigung des Zwangsvergleichs. Somit ist durch die Beendigung des Concurses ein schweres Hemmniß unseres geschäftlichen Ledens beseitigt worden, das nicht mehr mit diesem deprimirenden Faktor zu rechnen hat.(Rh.=W.Z.) Schwelm, 5. Oct.[Beherzigenswert h.] Wie kürzlich berichtet worden, hatten sich bei einem größeren Brande eine Anzahl Personen ans dem zuschauenden Publikum geweigert, den Aufforderungen der Polizei zur Hülfeleistung bei den Löscharbeiten nachzukommen. Diese Personen sind von der Polizei mit je einem Strafmandat über 15 Mk. bedacht worden. Die Betreffenden beruhigten sich jedoch dabei nicht, beantragten vielmehr richterliche Entscheidung; diese lautete dahin, daß jeder mit 20 Mk. Geldstrafe zu belegen.(Rh.=W. Ztg.) Gelsenkirchen, 3. Oct.[Einweiteres Opfer des Unglücks auf Zeche„Consolidation.“] Gestern Nachmittag um 5 Uhr starb im evang. Krankenhause der Bergmann Adam Sokolis als weiteres Opfer des Unglücke auf Zeche„Consolidation“. Er war auf dem besten Wege zur Genesung gewesen, so daß er wieder aufstehen konnte, plötzlich trat eine unerwartete Verschlimmerung in seinem Zustande ein, die schnell seinen Tode herbeiführte. Es sind noch zwei sehr elende Kranke im Krankenhause, bei denen es sehr fraglich ist, ob sie durchkommen werden. Münster, 3. Oct.[Die Ernte] hat im Münsterlande allenthalben befriedigende Erträge geliefert. Roggen und Weizen brachten an Korn und Stroh einen guten Mittelertrag, der allerdings den vorjährigen nicht erreicht; auch die Kartoffelernte fiel weit besser aus, als die an vielen Orten aufgetretene Kartoffelkrankheit Anfangs erwarten ließ; die Frucht ist mehlig und wohlschmeckend. Die günstige Herbstwitterung kommt den Landleuten sehr gelegen; in allen Orten bemühen sich fleißige Hände um die Winteraussaat, die unter den besten Aussichten stattfindet. Solingen, 4. Oct[Verhaftung.] Heute Nachmittag wurde hier eine Frau wegen Kindesmordes verhaftet. Düsseldorf, 5. Oct.[Heranziehung der Ladengehülfinnen zur Orts=Krankenkasse.] Die in den hiesigen Geschäften conditionirenden Ladengehülfinnen sollen jetzt auch verrflichtet sein, der Orts=Krankenkasse beizutreten. Die Geschäftsinhaber, welche aufgefordert wurden, dieselben anzumelden, wollen es auf eine richterliche Entscheidung ankommen lassen, da, wie sie glauben, die Gehülfinnen nicht in stehendem Gewerbe beschäftigt seien.(D. A.) Düsseloorf, 6. Oct.[Ankunft des Erzbischofs.] Gestern Nachmittag um 4½ Uhr ist Herr Erzbischof Dr. Krementz, von Neuß kommend, hier eingetroffen. Derselbe wurde auf dem Bahnhofe feierlich empfangen, in langem Zuge zunächst zur Moximilianskirche geführt und bezog dann sein Quartier bei Herrn Dechant Kridben auf dem Maxplatze. Abends wurde dem Herrn Erzbischof eine Serenade dargebracht. In Boppard hat das Schöffengericht einen Weinhändler, welcher dem Wein, um demselben eine dunklere Farbe zu geben, Malvenblüthe zugesetzt hatte, zu 100 Mk. Geldbuße bezw. zehn Tagen Gefängniß verurtheilt. Lokale S. + Ruhrort, 5. Oct. Stadtverordneten=Sitzung. In der heute auf 4 Uhr Nachmittags anberaumten Sitzung der Stadtverordneten, waren erschienen die Herren J. Liebrecht, L. Horlohé, Dir. Fettich, Th. Haniel, E. Moras, C. Stöckmann, W. Jüres, Dr. Flaskamp, J. Becker, M. Philip und Dir. Servaes. Außerdem war der Herr Stadtbaumeister zu der Berathung und. 6393 weidliche Personen, auf, Zuwac hinzugezogen, da dieselbe Dinge betraf, die vorzugsweise in sein Ressort ges Meiderich 8810 evangelische(1718 mehr), 4428 katholische(1042 mehr) hören. Die Tagesordnung enthielt nur einen Punkt, der unter dem Porsitz Emnwohner, 50 Dissidenten und 30 Juden(11 weniger). destoweniger die Theilung erfolgen würde, die Bürgermeisterei Beeck nur wünschen könne, Ruhrort als Kreisstadt bestimmt zu sehen, da sie nach Dinslaken keinerlei Beziehung habe. Zur Errichtung einer Sparkasse für die sollen die nöthigen Vorbereitungen getroffen werden. Ddie Mittheilung gemacht, daß die Königl. Regierung die Anstellung eines Polizei=Wachtmeisters in der vorgeschlagenen Weise genehmigt Wunsch ausgesprochen, daß alsbald ein NormalBesoldungs=Etat aufgestellt werde. Oct. In der gestrigen Sitzung des Gemeinderaths von Beeck waren 22 Gemeindeverordnete erschienen, während 7 fehlten. Nach Einführung des neuen Mitgliedes Heinrich Hagenacker in den Gemeinderath, nahm Lexzterer, die Vermögensauseinandersetzung zwischen den Gemeinden Beea und Buschhausen an, wonach die Gemeinde Buschhausen von der Gemeinde Beeck als Abfindung die Summe von 1868,82 Mk. erhält. Der vorgelegte Entwurf eines Regulativs zur Erhebung der Hundesteuer wurde genehmigt, wobei beschlossen wurde, die in der Sparkasse Oderhausen angelegten Bestandsgelder zum 1. Januar 1887 zurückzuziehen. Man war der Ansicht, daß die Gaspreise für die Straßenbeleuchtung 2c. in Laar, sowie in Ruhrort ermäßigt werden müßten und hatte dieserhalb ein Rechtsgutachten eingeholt. Nach Einsicht desselden beschloß die Versammlung, von der Beschreitung des Rechtsweges gegen die Verwaltung der Gasanstalt Abstand zu nehmen, sprach jedoch die Erwartung aus, daß die Verwaltung der Gasanstalt mit Rücksicht auf die geringen Productionskosten des Gases die Preise für letzteres ermäßigen werde. Zur Beleuchtung des Zuganges zur Stockumer Brücke auf der Laarer Seite soll dort eine Gaslaterne aufgestellt werden. Gemeinderath erkannte die Nothwendigkeit der Aufstellung eines Bedauungsplanes für Beeck und Stockum an, bewilligte die erforderlichen Kosten und wählte zur näheren Erörterung eine Commission, bestehend aus den Herren Bongert und Mismahl. Ein Antrag des Feldhüters St. auf Gehaltserhöhung wurde abgelehnt, dem genannten Beamten aber eine Unterstützung aus der Gemeindekasse bewilligt. Zur Revision der Rechnungen der Gemeindekasse pro 1884/85 und 1885/86 wurden die Herren Ederhard Roemer und Karl Kron und als Deputation zur Vorberathung betreffs des Baues einer katholischen Schule in Beeck die Herren Theodor Loenig, und Karl Kron geräh:t.— Schligßlich genehmigte die Versammlung, daß vas Grundstück, auf welchem das Ponizeizefängniß 2c. errichtet wird, auch auf der nördlichen Seite durch eine Mauer eingefriedigt und das Gebäude bei der Versicherungs=Gesellschaft„Deutscher Phönix" versichert werde. Beeck, 4. Ock. Der Herr Oberpräsident der Rheinprovinz hat genehmigt: 1. daß der in der Gemeinde Hamborn bestehende alljährlich drei Tage vor Michaeli abzuhaltende Markt als Krammarkt aufgehoben werde und fernerhin nur als Viehmarkt bestehen bleibe, sowie 2. daß der daselbst alljährlich am 30. April stattfindende Kram= und Viehmarkt aufgehoben, dagegen am ersten Sonntag im Monat Mai jeden Jahres ein Krammarkt und am darauffolgenden Tage ein Viehmarkt abgehalten werde. „###. Weiderich, 6. Oet. Die am 1. Decemder 9. J. Kauttgehabte Vollszahlung hat für unsere Bürgermeisterei nachstehendes Resultat ergeben: Es waren ortsanwesend 16 105 Personen, wovon 8433 männlich und 7672 weiblich waren. Nach der Religion unterschied man 10.528 Evangelische, 16 sonstige Protestanten, 5470 Katholiken, 72 Dissidenten und 19 Juden. An Gebäuden waren 1523 Wohnhäuser vorhanden, in welchen 2929 Haushaltungen wohnten. Einen besonderen Haushalt führten 50 einzelstehende Personen. Wie sehr eine Zunahme der Bevölkerung seit dem 1. Decbr. 1880, also innerhalb 5 Jahren, stattgefunden hat, beweisen folgende Zahlen: Das Hauptergebniß derselben wies nämlich nur 13323, nämlich 6930 männliche und 6393 weidliche Personen auf, Zuwachs also 2782. Damals hatte zu Provinzielle Nachrichten. Dortmund, 5. Oct.[Der Concurs des Bankhauses Wilhelm von Born] ist nunmehr als beendet zu betrachten. Es stand heute Vormittag um 9 Uhr Termin in der Sache an, in welcher sich die Gläubiger erklären hatten, ob sie sich für den von Herrn von Born gebotenen Vergleich von 15 plt. entscheiden wollten oder nicht. Nach den gesetzlichen Bestimmungen müssen ¾ aller stimmberechtigten Gläubiger und mehr als die Hälfte der im Termin Erschienenen für den Vergleich stimmen, wenn derselbe zu Stande kommen soll. Es waren im Termin vertreten 406 Gläubiger, es haben von diesen für den Vergleich gestimmt 313, damit war diese Majorität sogar noch um mehr als 100 übertroffen. Die stimmberechtigten Gläubiger repräsentiren nach kalkulatorischer Berechnung 7565 407,17 Mk. s von dieser Summe beträgt 5674055,37 Mk., welche für den Accord einkreten mußte: die 313 dafür stimmenden Gläubiger repräsentirten aber eine Summe von 6207768,14 Mk., somit war auch diese Majorität erreicht. Der vorsitzende Richter forderte die überstimmte Majorität zur Aeußerung über den Vergleich auf, es erklärte sich jedoch Niemand dagegen. Namens nichts für Sie und Ihresgleichen, wenn auch Wirth und Gäste noch ganz anstere echäiche Reaiche Kae u ihr in die hofwärts gelegene sreundliche Wohnstube, welche durch zue Hängelanpe erleuchtet war. ganz hübsch und behaglich aus,“ sagte Natalie, sich tief aufathmend auf einen Stuhl niederlassend. „Na ja, es ist immerhin ein anständiges Haus und recht brave Leute.“ man plötzlich die resolute Stimme der Frau Möller, „mußt hübsch in der Stube bleiben. Heute Abend können wir Dich hier nech, däc Dagn ise Dera! Da hast Voltse, so, unm sei aber (Fortsetzung folgt.) 568 der neuen us: Leur Gas a. S. 9.5 L is Läste der ür Lite. Stlakd lis atgshall Veisersausia aumn en inäshrniten Verwaltung vom 11. März 1850 aufgestellte Entwurf von den vereinigten Oberhausens nur die drei Hauptlehrer der benachbarten Schulsysteme einCommissionen für Bauten, Straßen= und Verschönerungsanlagen geprüft und geladen, welche um der Einladung folgen zu können, für diese Stunde vom an mehreren Stellen abgeändert, war den Mitgliedern des Collegiums zur Unterrichte waren dispensirt worden, resp. die Befugniß erhalten hatten, sich Kenntniknahme und Varhereitung fü die heutige Sitzung überse de durch ihre Collegen in der Schule vertreten zu lassen.— In der neuen Schule begann der Unterricht am selbigen Tage.— Diesesz neue Schulsustem ist das Zwölfte, welches seit der beinahe 25jährigen Amtsthätigkeit unsers Herrn Bürgermeisters erbaut wurde. ae L. Iishausen, 6. Oct. Der Montag hat immer so was an sich, sagt der Volksmund und selten ist dieses Besondere etwas Gutes. Ist am Sonntag bereits der letzte Groschen vom Wochenlohn vertrunken und verjubelt, dann bringt der Montag Zank, Streit und Schlägereien. Jn der Rolandstraße prügelte ein verkommener Mensch seine Frau dermaßen durch, als ob er sie vollends vom Leden zum Tode befördern wollte. Vorsorglich hatte der Unmensch zuerst Thüren und Fenster verschlossen, so daß die Nachdas Geschrei der geschlagenen Frau nicht hinzukommen konnten. Man schickte daher schleunizst zur Polizei, welche der häßlichen Scene ein Ende machte. Sogar das 12jährige Söhnchen des Unmenschen hat nach dem Beispiel des Vaters mit einem Stocke auf die Mutter eingeschlagen. — In einem Hause an der Holländerstraße stürzte eine Frau nach stattgehadtem Streite plötzlich zu Boden und war eine— Leiche. Die Leute sagten, sie sei vor Aerger gestorben. V Oberhausen, 6. Oct. In einem hiesigen Garten ist ein Kürbis von 45 Pfd. Schwere gewachsen, was für den Oderhausener Sand doch schon etwas sagen will.— Der Kürbis ist im Hotel„Berliner Hof“ zu sehen. Oberhausen, 6. Oct. Die Liliputaner=Gesellschaft erzielte hier bei ihrem Gastpiel ein volles Haus und großen, allgemeinen Beifall. Handels= und Verkehrs=Nachrichten. " S8 Ruhrort, 7. Oct.(Schiffsbewegung im Ruhrorter Hafen.) Am 5. Oct. Angemeldet: 41 Schiffe leer, 2 Schiffe beladen mit 1065: Eisenerz, 2 Schiffe beladen mit 176 t Getreide. Abgemeldet: 4 Schiffe leer, 55 Schiffe beladen mit 8689 k Steinkohlen, 1 Schiff beladen mit 301 t Eisen und Eisenwaaren. Jnsgesammt 105 Schiffe.— Am 6. Oct. Angemeldet: 35 Schiffe leer, 1 Schiff beladen mit 150 k Eisenerz, 4 Schiffe deladen mit 703 t Getreide, 3 Schiffe beladen mit 331 t dio. Gütern. Abgemeldet: 2 Schiffe leer, 48 Schiffe beladen mit 6613 t Steinkohlen. Insgesammt 93 Schiffe. §§ Ruhrort, 7. Oct. Der Rhein hat nur noch ein Fahrwasser von 90cm. Die tiefgehenden Schraubendampfer können bei diesem kleinen Wasserstand nicht mehr fahren und sehen sich zur Unthätigkeit verurtheilt. Im Kaiserhafen liegen schon„Ruhrort I.“,„Ruhrort IV.“ und„Franz Haniel III.“ und wenn das Wasser weiter fällt, was jedenfalls noch geschieht, dann werden diese Boote noch eine zahlreiche Gesellschaft erhalten. .* Union, Actien=Gesellschaft für Bergbau, Eisen= und Stahlindustrie in Dortmund. Die soeben vollendete Bilanz der Dormunder Union pro 1885/86 ergiebt einen Bruttobetriebsgewinn von 3347270 M., nach Abzug der Zinsen und Generalunkosten einen Gewinn von 1835097 M. Der diesjährige Coupon soll mit ½ pCt. eingelöst, der ganze übrige Gewinn zu Abschreibungen verwendet resp. auf neue Rechnung vorgsetragen verden.(85=B. 34) Vermischtes. ..— Eisenbahnkatastrophe. Mittwoch Morgen sind bei Weißensels ein Güterzug und ein Personenzug zusammengefahren. Drei Wagen wurden erheblich beschädigt, aber nur zwei Personen verletzt.— Auf einen im Bahnhof in Laband(Schlesien) stehenden Güterzug stieß ein Personenzug auf. Maschinen und mehrere Wagen sind total zertrümmert. Elf Personen wurden theils schwer, theils leicht verletzt. ... Auf der Eisenbahnstrecke Wörgl=Salzburg stürzte eine 20 Meter lange Eisenbahnbrücke in dem Augenblicke ein, als ein Güterzug dieselbe passirte. 15 Wagen stürzten hinunter, 3 Beamte anscheinend leicht verletzt. — Bei Saarlouis hat ein Wolf zwei Knaben von 14 Jahren angefallen. Die Jungen wehrten sich tüchtig und kamen auch mit leichten Bißwunden davon. — Die dayerischen Königsschlösser Herrenchiemsee, Linderhof und Schwanstein bleiben auch in diesem und den kommenden Monaten für das Publikum geöffnet. — Frau von Chamisso, eine Verwandte des deutschen Dichters, ist auf ihrem Schlosse in der Champagne durch Verbrennen um's Leben gekommen. Sie befand sich Abends in der Nähe des Heerdes; ein brennendes Scheit rollte an sie heran und setzte ihre Kleider in Flammen. Am nächsten Tage stard sie trotz aller Hülfe. Eine Stiefel=Ausstellung der deutschen Armee findet gegenwärtig in Berlin unter Leitung des Oberst von Loßberg statt. Eine große Zahl von Officieren und Zahlmeistern ist zur Besichtigung der Ausstellung eingetroffen. — Im Saargebiet hat sich vor längerer Zeit ein Verein gegen den Wucher gebildet, der mit gutem Erfolge wirkt. 55 Wucheranzeigen sind dem Verein bereits mitgetheilt, von denen ein beträchtlicher Theil der Staatsanwaltschaft überwiesen wurde. — Bei Wolgast hat sich der Forstaffessor Schömann, Sohn des Oberamtmanns Schömann auf Pritzier, auf der Jagd erschossen. Sein Gewehr entlud sich bei einem Sprung über einen Graben. Der Verunglückte wollte dieser Tage Hochzeit machen. Kennenignühme und Vorbereitung für dir heutige Sitzung übersandt worden. Er enthält 8 größere Abschnitte, die in 60 S§ zerfallen. 1. Ueber die Nothwendigkeit polizeilicher Genehmigung und das formelle Verfahren der Baupolizei. 2. Vorschriften, den öffentlichen Verkehr betreffend. 3. Vorschriften, die Feuersicherheit betreffend. 4. Vorschriften, die Gesundheit betreffend. 5. Vorschriften, die Festigkeit betreffend. 6. Nachbarliche Bestimmungen, Vorgärten. 7. Strafbestimmungen. 8. Schlußbestimmungen. Die einzelnen Paragraphen wurden der Reihe nach verlesen, und an wenigen Stellen kleine Aenderungen beantragt und angenommen. Schließlich gelangte der ganze Entwurf zur Annahme, der nach vorhergegangener Genehmigung Seitens der Königl. Regierung mit seiner Verkündigung in Klaft tritt. Die Bestimmungen der neuen Bauordnung, deren Wortlaut ohne Zweifel zur Zeit bekannt gemacht wird, finden auf die bereits vorhandenen Anlagen und Einrichtungen ohne Weiteres Anwendung. Wenn dieselben aber auf Grund polizeilicher Genehmigung dieser gemäß ausgeführt sind, oder in Betreff derselben zur Zeit ihrer Ausführung eine polizeiliche Genehmigung nicht vorgeschrieben war, so kann deren Fortschaffung oder Abänderung dinnen einer nach Umständen zu bemessenden Frist von der Bau=Commission nur in den Fällen angeordnet werden, wo überwiegende Gründe der öffentlichen Sicherheit oder des öffentlichen Verkehrs dies unerläßlich und unaufschieblich escheinen assen.— auschiebligz + Ruhrort, 6. Oct. Die Sitzungen des Vereins für volkswirthschaftliche Interessen sollen dem Beschlusse des Vorstandes zu Folge am Montag, den 18. Oct., wieder ihren Anfang nehmen. Hauptgegenstand der Tagesordnung ist die Neuwahl des Vorstandes, womit nach dem neuen Statut des Vereins das Wintersemester und zugleich das Vereinsjahr eröffnet wird.— Die Generalversammlung der Bildungsvereine von Rheinland und Westsalen findet am 17. d. Mts. in Stolberg statt. Der Verein für volkswirthschaftliche Interessen wird durch das Vorstandsmitglied Herrn Oberlehrer Hersmann dort vertreten sein. Ruhrort, 7. Oct. Daß der Name Jean Lüttgens seine frühere bewährte Anziehungskraft auf das Publikum auch jetzt noch ausübt, das bewies die gestrige Eröffnungsvorstellung seines Theaters im Weiß'schen Saale. Obwohl Herr Luttgens in dieser ersten Vorstellung selbst nicht mitwirkte, so führte er uns doch eine Anzahl hervorragender Künstler vor, die den Namen„erste Specialität“ mit Recht verdienen. Das Programm bestand aus 10 verschiedenen Nummern und war so abwechslungsreich, daß das Publikum aus der Spannung nicht herauskam. Herr Rasch mit seinen: Balance=Productionen auf dem Stehtrapez eröffnete die Vorstellung und führte sich durch seine ungemein schwierigen Balancirkünste vortheilhaft ein. Ihm folgte der preisgekrönte Athlet Herr Fritz Eberling— eine prachtvolle Erscheinung— in seinen Kraftproductionen mit einer eisernen Stange von 130 Pfund Gewicht. Die Leistungen der Luftgymnastiker Geschwister Jaque=Schadt und der Turner Gebrüder Deppe sind von geradezu künstlerischer Vollendung und man kann wohl behaupten, solche in dieser kand die Vorfahrung der sege daden. Zoischen den eiagelnen Bieren fand die Vorfuyrung der veruhmten lebenden Bilder aus der römischen und griechischen Mythologie auf dem drehbaren Piedestal statt, welche einen äußerst guten Eindruck machten. Was der Salon=Phantast und Equilibrist Mstr. Haak vorführte, würde ans Fabelhafte grenzen, wenn man sich nicht sagen müßte, daß der Mensch es durch stete Uebung zu Allem bringen kann. Ungeheuren Beifall erntete die aus 7 Köpfen bestehende Araber=Familie M. HadjeAhmed in ihren unglaublichen Springkünsten; dieselbe wurde durch mehrfache stürmische Hervorrufe ausgezeichnet. Den Schluß dieser interessanten Vorstellung bildete eine Pantomime„Der grüne Teufel“, welche von drastischer Wirkung war und die Lachmuskeln nicht zur Ruhe kommen ließ. Der Eindruck dieser ersten Vorstellung war ein ungemein günstiger auf die Besucher. Wie wir hören, wird Herr Lüttgens zehn Tage hier bleiden und fast täglich Vorstellungen geben. Da er über ein großes Personal verfügt, so werden die folgenden Vorstellungen gewiß noch viel des Interessanten und Neuen bieten. Heute Abend findet wiederum große Gala=Vorstellung statt Beeck, 5. Oct. Gestern Nachmittag fand hierselbst eine Sitzung der Bürgermeisterei=Versammlung der Bürgermeisterei Beeck statt, in welcher, nach Einführung der neuen Mitglieder Arnold Maas und Heinrich Hagenacker, die Wahl eines Deputirten und seines Stellvertreters zur kreisständischen Versammlung stattfand. Zum Deputirten wurde Herr Daniel Morian in Neumühl und zum Stellvertreter desselben Herr Heinrich Scherrer aus Alsum gewählt, welche Beide zur Annahme der Wahl sich bereit erklärten. Die Empfangsstunden des Gemeinde=Empfängers wurden so wie sie bisher üblich waren, festgesetzt und demnächst der Versammlung von der Anstellung des Herrn Rodert Lippert zum Bezirksschornsteinsegermeister der Bürgermeisterei Beeck Kenntniß gegeben. Zur Revision der BürgermeistereikassenRechnung pro 1885—86 wählte man die Herren Eberhard Roemer und Karl Kron. Der Vorsitzende theilte dann noch mit, daß der Grabstein für den verstorbenen Bürgermeister a. D. Klinge bis auf die Inschrift fertig sei. Letztere wurde festgestellt und ferner wurde beschlossen, das Fundament durch einen hiesigen Maurer herstellen zu lassen. Auf Anregung des Vorsitzenden gab sodann die Versammlung dem Gedanken Ausdruck, daß es wohl kaum schon nothwendig sein dürfte, der Theilung des Kreises Mülheim a. d. R. das Wort zu reden, da, wenn auch der Kreis groß und vielen anderen Kreisen gegenüber sehr bevölkert sei, doch bisher noch kein Bedürfniß hervorgetreten sei, die Verwaltung desselben zu theilen, daß, wenn aber nichts