G Die täglnge# Die tügrnubs Ausgabe bei„Acheiulschen Merkur“ wit don Seatisbeilagen Seuillentahhe. und„Draktischer Ratzober für Landund Hauswirtschaft" kostot, dunch unser Beten bepegen, eben auf der monatlich 60 Pfg., vierteljährlich 1Rr. 80 Pfg., dunch den Briestrüger in's Hans enbnacht, vierteljährlich 8 Buk. 29 Die. Telephen=Anscthluß Nr. 903. „„ Kölnische Landeszeitung. Wöchentlich die drei Gratisbeilagen: „In Familienkreise“,„Sonntagsruhe“ und„Praktischer Ratgeber für Land= und Hauswirtschaft“. # Inserate kosten: Familienanzeigen, Arbeits= u. Mietsgesuche die Zeile 10 Pig. Geschäftsinserate Verkäufe 2c. aus den Kreisen Köln(Stadt und Land) Bergheim, Euskirchen und Mülheim diZeile 20 Pis. Inserete aus andern Bezirken die Jaile 25 Ps. Reklamen 50 big, die viergespalt. Jeils. Verautwertlicher Redafteur: 4#.: H. Theiffing in Köln. Rotationsdruck und Verlag von Heinrich Theissing in Köln. Die Expedition besindet sich in Köln, Unter Käster 8. Nr. 144. (Montag.) Köln, den 28. Juni 1909. (Irenäus.) 32. Jahrgang. Landtagsschluß. Die Landboten hoben die Landeshauptstadt wieder verlassen. Das Abgeordnetenhaus hat in der Zeit vom tober bis zum 25. Juni 100 Plenarsitzungen abgehalten, während das Herrenhaus während dieser 18 Plenarsitzungen abgehalten hot. Ein Rückblick auf die in dieser Zeit geleistete Arheit wird bei den Abgeordneten selbst wie auch bei denen, als deren Sachverwalter sie nach Berlin gegangen sind, das Gefühl ehrlicher Befriedigung erwecken. Es ist viel und ehrlich gearbeitet worden, und auch mit günstigem Erfolge. Wenn die Erledigung des Etats nicht zum vorgeschriebenen Termin möglich war, so ist die Schulo daran nicht dem Hause beizumessen. Die Reform des Besoldungswesens für die Beamten, Lehrer und Geistlichen im Zusammenhang mit der Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses und der Bereitstellung neuer Steuereinnahmen nahm die Arbeitszeit der Abgeordneten allzulange in Anspruch. Wir haben jetzt bereits die wichtigen Aufgaben, welche sie zu lösen hatten, genannt: die Feststellung des Staatshaushalts und die Besoldungsreform. Daneben unterlagen noch etwa 20 kleine Vorlagen der Beschlußfassung. Die wichtigsten mögen kurz genannt werden: die Novelle zum Berggesetz, die Vorlage detreffend das Steuerprivileg der Beamten, die Aenderung der Medizinalgebührenordnung, die Vorloge betreffend die Haftung des Staates für die Beamten, der Köhlbrandvertrag, die Neuordnung des Höferechts in Hannover, die Vorlage betreffend die Förderung des genossenschaftlichen Personalkredits(Erhöhung des Grundkapitals der Preußenkasse von 50 auf 75 Millionen und der Verzinsung der Einlagen von Vereinigungen und Verbandskassen bis auf 3½ Prozent), die Vorlage betreffend den Bergbaubetrieb ausländischer Personen, das Eisenbahnanleihegesetz(sog Sekundärbahnvorlage), die Vorlage betr. Bereitstellung von Mitteln zur Verbesserung der Wohnungeverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten. Die Initiative zur Auregung gesetzlicher oder verwaltungsrechtlicher Maßnahmen seitens der Volksvertretung äußert sich vorzugsweise in der Cinbringung von Anträgen und Interpellationen. Das größte Interesse haben die Anträge erweckt, welche die Abünderung des Wehlrechts zum preußischen Landtage zum Gegenstande hatten. Die Regierung sogte eine Reform zu, aber wann sie kommen und wie sie aussehen wird, darüber hüllte sie sich in tiefes Schweigen. Von den übrigen Anträgen— wobei wir von den zahlreichen anläßlich der Etatsberatung eingebrachten Anträgen absehen— verdienen hervorgehoben zu werden die Anträge betreffend die Reform des Bergrechts, die Berufung der Volksschullehrer zum Schöffenamte, die Beseitigung der steuerlichen Bevorzugung der Filialen, die Bildung von Kleinhandelsausschüssen bei den Handelskammern, endlich Anträge betreffend Aenderungen der Kreisordnungen. Aus der Zahl der Interpellationen sind die fünf von der Zentrumsfraktion eingebrachten Interpellationen zu nennen: betreffend das Rodboder Grubenunglück, die Arbeitslosigkeit, die Nacktdarstellungen, die Hochwasserkatastrophe in Schlesien und die Ueberschwemmung im Kreise Habelschwerdt. Damit dürften die wichtigsten Beratungsgegenstände des Landtags während der jept zu Ende gegangenen ersten Session genannt sein. Nur ausdauernder und aufopferungsvoller Arbeit aller Abgeordneten ist es gelungen, die Unsumme des Beratungsstoffes zu bewältigen. Wir dürfen mit Genugtuung hervorheben, daß die Mitglieder der Zentrumsfraktion, unsere Abgeordneten, von diesem Verdienste ein vollgerütteltes Maß in Anspruch zu nehmen haben, nicht zuletzt ihrer treuen und klugen Mitarbeit ist es zu verdanken gewesen, daß die schwierigen gejetzgeberischen Vorlagen, vor allem die Besoldungsreform und die Börsengesetznovelle, zu so glücklichem Ende geführt werden konnten. Deutsches Reich. Zur innerpolitischen Lage. Berlin, 26. Juni. Bei dem heutigen Vortrage über die politische Lage hat der Reichskanzler den Kaiser um seine sofortige Entlassung gebeten. Der Kaiser hat es jedoch abgelehnt, im gegenwärtigen Augenblicke dem Wunsche des Fürsten Bülow zu entsprechen. Der Kaiser wies darauf hin, daß nach der einmütigen Ueberzeugung der verbündeten Regierungen das baldige Zustandekommen der Finanzreform für die innere Wohlfahrt und für die Stellung des Reiches nach außen hin eine Lebensfrage sei. Er könne unter diesen Umständen der Erfüllung des Wunsches des Fürsten nach Enthebung von seinen Aemtern nicht eher nähertreten, als bis die Arbeiten für die Reichsfinanzreform ein positives und für die verbündeten Regierungen annehmbares Ergebnis gezeitigt haden würden. Nach dieser ussiziösen Verlautbarung bleibt also der Kanzler, und auch der Reichstag wird nicht aufgelöst. Alle Kraft soll darauf verwendet werden, die Reichsfinanzreform unverzüglich zustonde zu breuger. In welchem Sinne das gemeint ist, darüber gib: stigande Auslassung der Nordd. Allg. Zig. Aufklärung: Der Reichstag hat in der verflossenen Woche zwei Entscheidungen gesaßt, die für das Zustandekommen der Finanz= reform von folgenschwerer Bedeutung sind und für das Gelingen des Werkes verhängnisvoll werden können. Er hat am Dienstag die sogenannte Kotierungssteuer angenommen und am Donnerstog die Erbanfallsteuer abgelehnt, beides in unverhülltem Widerspruch gegen den klar dargelegten Willen und Entschluß der verbündeten Regierungen. Durch die beiden Beschlüsse hat die Reichstagsmehrheit nicht nur die politische Gruppicrung der Parteien auseinander gesprengt, die seit den Wahlen des Januar 1907 bestand und sich für die Führunz der Reichsgeschäfte als durchaus erfolgreich und nützlich erwiese: hattr, sie hat auch das große Werk der Reichsfinanzreform nach langen, schwierigen und mühsamen Verhandlungen kurz vor deren Abschluß überhaupt in Frage gestellt. Die Regierung muß von der neuen Mehrheit den Beweis erwarten, daß sie nach Ablehnung der Erbschaftssieuer Reformvorlagen zu bieten vermag, die mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit vereinbar sind und nicht an die Quellen des Wohlstandes des Landes rühren. Die Reichstagsmehrheit wird sich dabei keinem Zweifel darüber bingeben dürfen, daß die verbündeten Regierungen niemals Steuern annehmen können und werden, die insbesondere Industrie und Handel in ihrem Lebensnerv treffen. Die verbündeten Regierungen werden vielmehr jeden einzelnen der Steuervorschläge auf seine sachliche Berechtigung prüfen und werden, falls der Versuch gemacht werden sollte, ihnen durch e Mantelgesetz oder in anderer Form Steuern aufzuzwinger, die sie für unannehmbar erklärt haben, eher das gesamte Reformwerk ablehnen, als daß sie Vorschlägen ihre Zustimmung gäben, die der deutschen Volkswirtschaft dauernden Schaden bringen müssen. Was das Letztere anbetrifft, so haben die verbündeten Regierungen es ja ganz in der Hand, solche Steuern zu vermeiden; sie brauchen nur eine Verständigung mit den Mehrheitsvarteien zu suchen. Bis jetzt ist allerdings nichts davon bekannt geworden, daß sie gewillt seien, den Weg der Verständigung zu betreten. Die Eröffnung des Reichskanzlers an die Konservativen hatte nur negativen Inhalt; wichtiger und zweckmäßiger wäre es, wenn die verbündeten Regierungen sagen wollten, welche Vorschläge sie zu machen haben. Die Mehrheitsparteien haben das ihrige getan, wollen die verbündeten Regierungen ihre Vorschläge nicht akzeptieren, so mögen sie neue machen. Wenn die Nordd. Allg. Zig. es so darstellt, als ob die Mehrheit nach Ablehnung der Erbaufallsteuer der Regierung Reformvorlogen einzubringen hätten, die für sie annehmbar sind, so ist das eine Verorehung des Rechtsbestandes. Nicht dem Reichstage, sondern dem Bundesrat liegt es ob, Steuervorlagen auszuarbeiten; wenn die Mehrheit des Reichstages diese nach pflichtmäßigem Ermessen nicht gutheißen kann, so haben die verbündeten Regierungen andere Vorlagen einzubringen. Wenn die Finanzkommission sich nicht damit begnügt hat, die Regierungsvorlagen zu prüfen, sondern darüber hinaus neue positive Vorschläge ausgearbeitet hat, so hat sie mehr getan als streng genemmen ihre Pflicht war. In dieser Beziehung noch mehr zu tun, kann man vom Reichstage nicht verlangen. Das Widerstreben gegen ein eventuelles Mantelgesetz läßt den Verdacht aufkommen, daß damit gewisse Pläne in Gefahr sind, durchkreuzt zu werden. Die verbündeten Regierungen könnten nämlich den klugen Gedanken haben, die Steuervorlagen ruhig vom Reichstag zum Beschluß erheben zu lassen und dann die ihnen genehmen einzuführen, die anderen aber abzulehnen. Das kann nicht im Sinne der Reichstagsmehrheit sein. Auch hier gilt das Wort: Das Geschäft wird nur im ganzen gemacht! Die Mehrheitsparteien haben allen Anlaß, Garantien zu verlangen, daß die von ihnen beschlossene Finunzreform als ganzes in Kraft tritt. Die Auslassung der Nordd Allg. Ztg. kann die eventuelle Absicht ter Mehrheitsparteien, ein Mantelgesetz zu beschließen, anstatt zu beseitigen, nur verstarken. Trotz aller offiziösen Erklärungen und Auseinandersetzungen bleibt die innerpolitische Lage ebenso unklar wie vorher. Eine verworrenere Situation läßt sich kaum denken. Niemand, der sich mit dem deutschen Parlamentarismus beschäftigt, weiß, weran er ist, was werden wird. Eine gerechte Besitzsteuer. Die phrasenhafte Propaganda der liberalen Presse für die nunmehr endgültig abgelehnte Erbanfallsteuer hat den Erfolg gehabt, daß weite Volkskreise es fast als ein Dogma ansehen, die Erbanfallsteuer bilde die einzige Art einer gerechten und allgemeinen Besitzbesteuerung. Daß gegen die Steuer schwerste Bedenken bestehen, wird dabei vollstänoig übersehen, ebenso, daß sie nach ihrem Ertrage, der auf höchstens 30 Millionen zu schätzen ist, nur als Jammerbild einer Besitzsteuer angesehen werden kann, endlich auch jenes Bedenken, daß sie rücksichtlich des mobilen Kapitals, das so wie so schon verhältnismäßig viel zu gering besteuert ist, der Steuerdrückerei Tür und Tor öffnet. Vor allem aber wird ganz übersehen die Frage, ob nicht eine andere Art der Besitzbesteuerung möglich ist, der nicht die schweren Bedenken, die der Erbanfallsteuer entgegenstehen, die allgemein und gerecht wirkt und dabei einen angemessenen Ertrag garantiert. Auf eine solche Steuer hat in den letzten Tagen Justizrat Kausen in der„Köln, Volksztg.“(Nr. 444 und 519) hingewiesen, und es erscheint uns an der Zeit, daß die öffentliche Meinung sich etwas näher mit diesem Steuervorschlag, der Reichsvermögenszuwachssteuer, beschäftigt. Justizrat Kausen hat die Vorteile dieser Steuer in unanfechtbarer Weise begründet. Die Erhebungsform wird eine verhältnismäßig einfache sein. Die Steuer wird zwar ebenso wie die Zölle in den einzelnen Jahren Erträgnisse von verschiedener Höhe bringen, das Steigen und Fallen wird aber schon mit Rücksicht darauf, daß zwischen den einzelnen Teilen des Reiches und zwischen den einzelnen Erwerbsständen ein gewisser Ausgleich stattfindet, voraussichtlich kein sprunghaftes sein. Jede erhebliche Vermögensvermehrung, auf welchem Gebiete sie auch eintreten möge, wird von dieser Steuer gleichmäßig ersaßt. Damit dürfte die Steuer alle diejenigen befriedigen, welche an der Einseitigkeit der anderen Projekte Anstoß nehmen, denn einesteils unterliegen derselben ohne weiteres alle Vermögen, auch Fideikommisse, anderenteils bildet nicht nur der Erbschaftsgewinn und der Reingewinn, sondern auch jeder andere Gewinn einen Rechnungsfaktor bei der Berechnung des Vermögenswertzuwachses. Dahin gehören namentlich die großen Vermögensvermehrungen, welche aus technischen und kaufmännischen Unternehmungen erzielt zu werden pflegen. Selbstverständlich kommt nur der Mehrwert des ganzen Vermögens in betracht, eingetretene Verluste und Abgänge müssen erst durch Gewinne und Zugänge ausgeglichen sein, ehe von einem Mehrwert des ganzen Vermögens gesprochen werden kann. Der Ertrag der Steuer wird bei niedrigen Sätzen, die natürlich progressiv zu gestalten sind, mindestens 100 Millionen betragen. Einen gewissen Anhalt geben die amtlichen Berichte über das Ergebnis der preußischen Ergänzungssteuer, welche eine jährliche Steigerung des Gesamt=Vermögensbestandes von über 3000 Millionen erkennen lassen. Dabei handelt es sich nur um Preußen. Die Vermögenszuwachssteuer darf als eine gerechte und allgemeine, dabei ertragreiche Besitzsteuer bezeichnet werden, die den besonderen Vorzug hat, daß sie gleichmäßig und sozial versöhnend wirkt. Im gegenwärtigen Augenblicke würde sie noch den besonderen Vorzug haben, daß sie geeignet erscheint, eine Lösung der Besitzsteuerfrage darzustellen, der alle Parteien gleichmäßig zustimmen können. Ihre Einführung würde sowohl die Erbanfallsteuer als auch die Reichswertzuwachssteuer überflüssig machen. Es dürfte auch noch keineswegs zu spät an der Zeit sein, an die Einfügung der Reichsvermögenszuwachssteuer als Besitzsteuer in die Finanzreform zu denken. Die Unterlagen für die Berechnung des Ertrages würden nicht schwer zu beschaffen sein, sofern sie nicht bereits im Reichsschatzamte zur Hand liegen. Für Preußen geben die Ergänzungssteuerveranschlagungen genügendes Material, es darf daran erinnert werden, daß bei der Prüfung der Frage der Beredelung der Matrikularbeiträge der Gesamtvermögensbestand der einzelnen Staaten einer Feststellung unterzogen worden ist. Wir sind gewiß, daß eine Reichsvermögenszuwachssteuer am heutigen Tage noch im Reichstage eine sichere Mehrheit finden würde. Lübeck, 25. Jumi. Der 37. deutsche Aerztetag wurde heute unter außerordentlich starker Beteiligung im Marmorsaal des Stadttheaters durch Professor Dr. Loebker(Bochum) eröffne:. Nach Apostrophierung des Kölner Konfliktes wurden Referate gehalten über die Reichsversicherungsordnung und das ehrengerichtliche Verfahren. Holland. Eine Folge der Wahlen. Haag, 26. Juni. Das Kabinett Heemskerk wird im Amte bleiben, da es den Ausfall der Wahlen für die Zweite Kammer als Vertrauenszeugnis für die Regierung betrachtet. Belgien. Die„Laizisation“ in Belgien. Der Ruhm der Brüder in Frankreich läßt die belgischen Freimaurer nicht mehr ruhig schlafen. In Brüssel hat sich eine Gruppe„freiheitlich“ angebauchter Aerzte zusammengetan, denen sich mehrere Mitglieder des Grusseler Stadtrates sowie auch einige Herren vom Armenrat zugesellt haben. Ihr Bestreben geht dahin, die Hospitäler zu verweltlichen, d. h. die Ordensschwestern zu vertreiben. Sie haben zu diesem Zwecke eine Schule gegründet, in welchem Laien für den Krankenpflegerdienst herangebildet werden sollen, um durch diese Laien die Schwestern zu verdrängen. Außerdem stellten sie bei der Regierung den Antrag, daß nur solche Personen zum Krankenpflegerdienst herangezogen werden dürfen, die im Wege der Prüfung ein gewisses Maß von Kenntnissen nachgewiesen haben. Die Kötholiten waren jedoch nicht faul und eröffneten ihrerseits gleichfalls eine solche Schule, sodaß also die Prüfung zeigen wird, welches Personal das bessere ist, die Ordensschwestern oder das Laienpersonal. In katholischen Kreisen ist man über das Resultat nicht einen Augenblick im Zweifel. Die Sektierer, denen durch dieses KonkurrenzUnternehmen ein böser Strich durch die Rechnung gemacht worden ist, befinden sich natürlich in keiner rosigen Stimmung. Aber, das macht nichts. Den Katholiken ist der Kampf aufgedrungen worden und die Waffen, mit denen sie sich verteidigen, sind nicht illoyal. Frankreich. Ein Bischof und die kath. Journalisten. —— Paris. 25. Juni. Die jährliche Wallfahrt der christlichen Publizisten nach der Pariser Basilika Sacre Coeur nahm heuer eine größere Ausdehnung an als sonst. Es beginnt (leider zu iparz in den kach. Kreisen die Erkenntnis der Macht der Presse auszuk ämmer:. Gewiß aber zog auch die flommende Beredsamkeit dee bekannten Vischofs von Orleans, Msgr. Touchet, der die Zeremoni= lei##ete, noch manchen Laien nach dem Montmartrehügel. Nach der Messe hielt der Bischof eine Ansprache, der wir folgenden Sätze entnehmen: „Meine Herren, Sie sind Apostel, deren Apostolat oft wirksamer ist als das unsrige, weil es ausgedehnter ist, weil Ihre Feder auch jene noch erreicht, für die unser Wort stumm bleibt. Wenn der hl Paul, der große Weltapostel, heute lebte, würde er Journalist geworden sein.“ Msgr. Touchet hält den Herren von der Feder, die sich an der Ideenschlacht beteiligen, den Eifer und die Versöhnung der Jungfrau von Orleans als Beispiel vor. Der christliche Publizist zeige sich seines erhabenen Amtes am würdigsten, wenn er als Verteidiger der Religion die Gegner auf dem Wege der Ueberzeugung meistere, ohne sich je vom persönlichen Haß leiten zu lassen. An die kirchliche Zeremonie schloß sich ein Bankett mit hundert Gedecken an, wobei Toaste auf den Bischof von Orleans, auf den Papst und auf die kath Presse ausgebracht wurden. Die Tischrede des Bischofs galt den kath, Journalisten und Schriftstellern. Immer noch die alte Gespensterfurcht. Die englische Invasionsfurcht und Gespensterseherei scheint unheilbar zu sein. Jetzt fürchtet Lord Ellenborough, ein Mitglied des Oberhauses, sogar, die englische Flotte könnte bei ihrem Besuch in der Themse, der, im Anschluß an die Flottenmanöver stattfinden soll, durch einen bösen Feind eingesperrt werden. Er denkt sich die Sache so, daß, während die Flotte die Themse hinauffährt, hinter ihr jemand durch Minenlegen oder Versenken von Sperrschiffen, die Mundung der Themse schließt und damit die Flotte wie in einer Mausefalle von der See absperrt. Alsdann käme natürlich die unvermeidliche Invasion. Der ängstliche Peer hat allen Ernstes angekündigt, daß er am nächsten Mittwoch im Oberhause an die Regierung über diese Sache eine Anfrage richten wird. Er verlangt, daß geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die englische Flotte vor einem derartigen Unheil zu bewahren. Fürkei. Die Orientfrage scheint ihrer Lösung näher zu rücken. Die bulgarische Regierung hat am Samstag ein Uebereinkommen mit den Vertretern der Orientbahnen unterschrieben, in dem sie sich verpflichtet, für alle durch das bulgarisch=türkische Protokoll undefriedigten Ansprüche der Orientbahngesellschaft dieser 2 100 000 Franken in Bar zu entrichten und alles von der bulgarischen EisenbahnVerwaltung nicht gebrauchte Material zurückzuerstatten. Ein jungtürkischer Finanzminister. Konstautinopel, 26. Juni. Der Abgeordnete für Salonik Dschavid=Bey wurde zum Finanzminister ernannt. Hiermit tritt das erste und bedeutendste Mitglied der Jungtürkenpartei in die Regierung ein, um einen der schwierigsten Posten zu übernehmen. Der neue Finanzminister steht anfangs der Dreißiger. Als Berichterstatter des ersten türkischen Budgets hat er die Probe eines umfaffenden Könnens gegeben. Nicht uur die Partei der Jungtürken, sondern das ganze Land blickt mit Spannung auf dieses Experiment, das, wenn es gelingt, auch anderen Jungtürken den Weg zur Regierung vorbereiten soll. Man glaubt, daß als nächster der Vizepräsident der Kammer Talaat=Bey für das Portefeuille des Innern in Aussicht genommen ist. Monarchenbegegnung Stockholm, 26. Juni. Heute mittag 1 Uhr fuhr die Königsjacht Drott mit dem König, der Königin und der königlichen Familie nach Lilla Vaertan. An Bord befand sich auch Minister des Aeußeren Graf Taube. Die Kaiserjacht Standart eskortiert von de: Jacht Polarstern und fünf Kriegsschiffen. war bereits dort eingetroffen. An Bord befand sich auch der russische Minister des Aeußern Iswolski. Bald nach der Aukunft begaben sich der König und die Königin sowie die übrigen Veitglieder der köriglichen Familie auf den Standart, wo eine Die letzten Sage von Messina., Roman von Erich Friesen. 16)„„(Nachdruck verboten.) Während Contessa Erminia und Dr Röder sich um die Ohnmächtige bemühen, versucht der alte Morgano, Orlando zur Tür zu drängen. Vergebens. Seine schwachen Kräfte reichen nicht aus. Wie eine Mauer steht der hochgewachsene Jüngling, die Augen fest auf seinen Gegner gerichtet. Der Marchese zittert vor Wut. Zum ersten Male in seinem Leben hat er seinen zynischen Gleichmut verloren. „Hinaus!“ knirscht er, mit der Reiweitsche nach der Tür deutend. Höhnisches Lachen als Antwort. In den Händen des Marchese zuckt es. Und plötzlich saust die Peitsche durch die Luft, Wie ein gefällter Baum stürzt Orlando zu Boden; sein von langer Krankheit geschwächter Körper ist solchen Aufregungen nicht gewachsen. „Barmherziger Gott!“ schreit Contessa Erminia auf.„Ludovieo! Was hast du getan!“ Schon kniet Dr. Röder neben dem regungslos am Boden Liegenden und horcht. „Er lebt. Aber—“ und der Arzt zuckt bedauernd die Achseln. Finster, mit zusammengezogenen Brauen steht der Marchese am Fenster. Kein Blick für seine noch immer ohnmächtige Braut. Kein Blick auch für sein am Boden liegendes Opfer. Nur an die Folgen denkt er, die sein Wutausbruch für ihn selbst haben kann. „Rasch! Ein Lager für den Getroffenen zurechtgemacht!" kommandiert die Stimme des Arztes.„Aber rasch!" „Dort hinein! Auf mein Bett!“ Und Bernardo Morgano deutet nach seinem nebenan liegenden Gemach. „Was?“ schreit der Marchese zornig.„Auf keinen Fall hier in diesem Hause! Schafft ihn fort! Egal wohin! Und wenn's drüben nach der Villa wäre! Nur hier nicht!" „Er bleibt hier!“ entscheidet Dr. Röder kurz.„Er ist kransportunfähig." „Ah bab!“ Zornrot tritt der kleine Doktor auf den Marchese zu. „Jetzt hat nur der Arzt zu befehlen. Verstanden?" Marchese Ludovico wagt keinen Einwand mehr. Hastig nimmt er Reitpeitsche und Hut, winkt seiner Schwester und verläßt das Gartenhäuschen. Drinnen aber bemüht der kleine brave Doktor sich um zwei Patienten. Auch Clelia ist noch nicht aus ihrer tiefen Ohnmacht erwacht. 11. Auch auf Pia Danelli lastet die unheimliche Schirokko=Stimmung. Sie, die sonst von Nerven nichts weiß— sie ist heute nervös erregt und fährt zusammen bei jedem Schritt draußen auf der Straße. Wie eine Befreiung erschien ihr das plötzlich heraufziehende Gewitter, das die unerträgliche Spannung in der Natur löste. Bis zum Dunkelwerden hatte sie im Hospital auf Dr. Röder gewartet— in der Hoffnung, er würde heute, gegen seine Gewohnheit, noch einmal vorsprechen. Vergebens. Schweren Herzens bindet sich Pia endlich die weiße Leinenschürze ab, nimmt die Pflegerinnhaube von dem schlichtgescheitelten dunklen Haar, hängt Mantel und Spitzentuch über und begibt sich nach ihrer kleinen Wohnung drunten am Kai. Sie unterläßt es heute, sich ihr frugales Abendessen zu bereiten. Wozu? Sie spürt auch nicht den geringsten Appetit. Der bleiche junge Mann wit den edelschönen, von langer Krankheit zeugenden Zügen beschäftigt ihre Gedanken unoblässig... Und auch das liebe Mädchen dort hinten in dem Gartenhäuschen der Villa Miranda... Was mögen die letzten Stunden den beiden jungen Menschenkindern gebracht haben, die einander für verloren hielten und nun, da es zu spät ist, sich endlich wiederfinden?— Nacht senkt sich herab auf Palermo. In Ruhe gesunken der Lärm auf den Straßen. Verklungen heller Singsang und frohes Lachen. Alles schläft. Es schlafen die Schiffe im Hasen, die Jahrhunderte alten Paläste, die weitgedehnten Zypressen= und Otivenhaine. Es schlafen die Meereswogen drunten am Geklipp. Es schlafen helle Begeisterung und nawve Einfalt, Erinnerungen und Hoffnungen, Liebe und Haß. Palermo schläft— tief und fest. Da pocht es leise an die Tür von Pia Danellis Wohnung. Erschrocken fährt Pia auf und reibt sich die Augen. Sie war soeben ein wenig eingeduselt nach vielen wachen Stunden. Und wieder Pochen— diesmal tauter, heftiger. Sie wirft ein Morgengewand über und öffnet das Fenster. „Signorina!“ ruft es gedämpft zu ihr herauf.„Signorina!“ Pia erbleicht. Sie erkennt Dr. Röders Stimme und weiß, daß nur etwas Außergewöhnliches ihn zu dieser Nachtstunde zu ihr führen kann. „Können Sie in einer Viertelstunde mit mir kommen?" tönt es aufs neue herauf. „Wohin?“ „Ins Gartenhaus.“ „Ist Clelia krank?“ „Nein. Ein bereits Totgeglaubter: Orlando Perini.“ „Großer Gott!“ „Sie kommen?“ „Ich komme. Warten Sie!“ Nichts frogt sie weiter. Aber schon nach kaum zehn Minuten ist sie unten.“ „Ich bin bereit!“ „Ein stummer Händedruck— wie zwei schwarze Phantome huschen die beiden dunklen Gestalten in fliegender Eile an den Manern entlang. Kein Wort wird gesprochen. Nur vorwärts! Vorwärts!— Hinter den Gardinen des Gartenhäuschens schimmert ihnen ein einsames Licht entgegen. Der alte Morgano sitzt am Bett des schwer atmenden Patienten und wartet— wartet—— Beim Eintritt der beiden steht er schwerfällig auf und acht ins Nebenzimmer. „Doktor— flüstert Pia beim Anblick des totenbleichen Gesichts dort in den Kissen„was ist's“ „Gehirnentzündung. Ein Rückfall. Scheint eben erst davon genesen zu sein.“ „Wie kam es—“ „Der Kerl, der Marchese, schlug ihn mit der Reitpeitsche!“ knirscht der Arzt.„Armer Junge! Warum blieb er nicht in der Vergangenheit! Wir fingen geradean, uns an seinen Tod zu gewöhnen.“ Zwar schüttelt Pia indigniert den Kopf über den bittren Sarkasmus, der aus Dr. Röders Worten spricht. Aber sie schätzt sein gutes Herz und seine ärztliche Kunst zu hoch, um ihm je ernstlich böse zu sein Als der Arzt nach einer Viertelstunde das Gartenhaus verläßt, weiß er seinen Patienten in den besten Händen. „Ruhe! Und aufmerksame Pflege! Dann werden wir ihn schon durchbringen!“ hatte er gesagt. Und Pia richtet sich an dem Krankenlager für die nächsten Tage häuslich ein. Auf den Wunsch ihres Bruders bietet Contessa Erminia an, sich mit Pia in die Pflege des Patienten zu teilen Mit einer Bestimmtheit jedoch, die man der kleinen Dame gar nicht zugetraut hätte, weist Pia jeden Eingriff in ihre Rechte zurück. „Mir ist er anvertraut!" Und dabei bleibt sie. Wiederholt versuchte der Marchese eine Unterredung mit seiner Braut zu erzwingen. Ebenfalls vergeben. Es ist, als ob eine unsichtbare dicke Mauer das rosenumduftete Gartenhäuschen umgebe, die jedem Unberufenen den Eintritt unmöglich macht. Von Tag zu Tag wird die Laune des Marchese schlechter. Er verlangt sogar, seine Schwester solle von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und den Eintritt in ihr Eigentum erzwingen. Doch zum ersten Male stößt er bei dieser sanften Natur auf energischen Widerstand. „Laß alles seine Wege gehen, Ludovico! Vielleicht ist es ein Wink des Himmels,“ sagt sie ernst.„Du behauptest immer, Tolores wäre tot. Wenn es aber nicht der Fall wäre? Wenn——“ „Schweig!“ donnert der Marchese.„Niemand weiß etwas von jener Zeit, wie du— und du wirst dich hüten, gegen deinen Bruder aufzutreten. Auch würde ich alles leugnen. Darum gib dir keine Mühe!“ Wütend kracht er die Tür hinter sich zu, um nochmals zu versuchen, ob er Clelia sprechen könne. (Fortsetzung folgt.) Stadt. Sparkasse-Brum. Mündelsicher. 44% b. Jahreskündigung f. Einlagen v. 2000 Man. 33½% für alle anderen Einlagen in jeder Höhe bei täglicher Verzinsung. Kostenlose Einzahlung auf Postscheck-Konto Köln No. 3159 oder Reichsbank-Giro-Konto. Kassenstunden 8½—12½ Uhr und 8—5 Uhr. Senntage 11—12 Uhr. Die Sparkasse der Bürgermeisterei Käppersteg b. Wiesdort mündelsicher, zahlt für Binlagen in jeder Höhe bei jährl. 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Wenn die Erledigung des Etats nicht zum vorgeschriebenen Termin möglich war, so ist die Schulo daran nicht dem Hause beizumessen. Die Reform des Besoldungswesens für die Beamten, Lehrer und Geistlichen im Zusammenhang mit der Neuregelung des Wohnungsgeldzuschusses und der Bereitstellung neuer Steuereinnahmen nahm die Arbeitszeit der Abgeordneten allzulange in Anspruch. Wir haben jetzt bereits die wichtigen Aufgaben, welche sie zu lösen hatten, genannt: die Feststellung des Staatshaushalts und die Besoldungsreform. Daneben unterlagen noch etwa 20 kleine Vorlagen der Beschlußfassung. Die wichtigsten mögen kurz genannt werden: die Novelle zum Berggesetz, die Vorlage betreffend das Steuerprivileg der Beamten, die Aenderung der Medizinalgebührenordnung, die Vorlage betreffend die Haftung des Staates für die Beamten, der Köhlbrandvertrag, die Neuordnung des Höferechts in Hannover, die Vorlage betreffend die Förderung des genossenschaftlichen Personalkredits(Erhöhung des Grundkapitals der Preußenkasse von 50 auf 75 Millionen und der Verzinsung der Einlagen von Vereinigungen und Verbandskassen bis auf 3½ Prozent), die Vorlage betreffend den Bergbaubetrieb ausländischer Personen, das Eisenbahnanleihegesetz(sog Sekundärbahnvorlage), die Vorlage betr. Bereitstellung von Mitteln zur Verbesserung der Wohnungeverhältnisse von Arbeitern, die in staatlichen Betrieben beschäftigt sind, und von gering besoldeten Staatsbeamten. Die Initiative zur Anregung gesetzlicher oder verwaltungsrechtlicher Maßnahmen seitens der Volksvertretung äußert sich vorzugsweise in der Einbringung von Anträgen und pellationen. Das größte Interesse haben die Anträge erweckt, welche die Abüinderung des Wahlrechts zum preußischen Landtage zum Gegenstande hatten. Die Regierung sagte eine Reform zu, aber wann sie kommen und wie sie aussehen wird, darüber hüllte sie sich in tiefes Schweigen. Von den übrigen Anträgen— wobei wir von den zahlreichen anläßlich der Etatsberatung eingebrachten Anträgen absehen— verdienen hervorgehoben zu werden die Anträge betreffend die Reform des Bergrechts, die Berufung der Volksschullehrer zum Schöffenamte, die Beseitigung der steuerlichen Bevorzugung der Filialen, die Bildung von Kleinhandelsausschüssen bei den Handelskammern, endlich Anträge betreffend Aenderungen der Kreisordnungen. Aus der Hehl der Interpellationen sind die fünf von der Zentrumsfraktion eingebrachten Interpellationen zu nennen: betressend das Radboder Grubenunglück, die Arbeitslosigkeit, die Nacktdarstellungen, die Hochwasserkatastrophe in Schlesien und die Ueberschwemmung im Kreise Habelschwerdt. Damit dürften die wichtigsten Beratungsgegenstände des Landtags während der jetzt zu Ende gegangenen ersten Session genannt sein. Nur ausdauernder und aufopferungsvoller Arbeit aller Abgeordneten ist es gelungen, die Unsumme des Beratungsstoffes zu bewältigen. Wir dürfen mir Genugtuung hervorheben, daß die Mitglieder der Zentrumsfraktion, unsere Abgeordneten, von diesem Verdienste ein vollgerütteltes Maß in Anspruch zu nehmen haben, nicht zuletzt ihrer treuen und klugen Mitarbeit ist es zu verdanken gewesen, daß die schwierigen gejetzgeberischen Vorlagen, vor allem die Besoldungsreform und die Börsengesetznovelle, zu so glücklichem. Ende geführt werden konnten. Deutsches Reich. Zur innerpolitischen Lage. Berlin, 26. Juni. Bei dem heutigen Vortrage über die politische Lage hat der Reichskanzler den Kaiser um seine sofortige Entlassung gebeten. Der Kaiser hat es jedoch abgelehnt, im gegenwärtigen Augenblicke dem Wunsche des Fürsten Bülow zu entsprechen. Der Kaiser wies darauf hin, daß nach der einmütigen Ueberzeugung der verbündeten Rezierungen das baldige Zustandekommen der Finauzreform für die innere Wohlfahrt und für die Stellung des Reiches nach außen hin eine Lebensfrage sei. Er könne unter diesen Umständen der Erfüllung des Wunsches des Fürsten nach Enthebung von seinen Aemtern nicht eher nähertreten, gls bis die Arbeiten für die Reichsfinanzreform ein positives und für die verbündeten Regierungen annehmbares Ergebnis gezeitigt haben würden. Nach dieser ussiziösen Verlautbarung bleibt also der Kanzler, und auch der Reichstag wird nicht aufgelöst. Alle Kraft soll darauf verwendet werden, die Reichsfinanzreform unverzüglich zustonde zu breuger. In welchem Sinne das gemeint ist, darüber gib: sti##nde Auslassung der Nordd. Allg. Zig. Aufklärung: Der Reichstag hat in der verflossenen Woche zwei Entscheidungen gefaßt, die für das Zustandekommen der Finanz= reform von folgenschwerer Bedeutung sind und für das Gelingen des Werkes verhängnisvoll werden können. Er hat am Dienstag die sogenannte Kotierungssteuer angenommen und am Donnerstag die Erbanfallsteuer abgelehnt, beides in unverhülltem Widerspruch gegen den klar dargelegten Willen und Entschluß der verbündeten Regierungen. Durch die beiden Beschlüsse hat die Reichstagsmehrheit nicht nur die politische Gruppicrung der Parteien auseinander gesprengt, die seit den Wahlen des Januar 1907 bestand und sich für die Führunz der Reichsgeschäfte als durchaus erfolgreich und nützlich erwiese: hatte, sie hat auch das große Werk der Reichsfinanzreform nach langen, schwierigen und mühsamen Verhandlungen kurz vor deren Abschluß überhaupt in Frage gestellt. Die Regierung muß von der neuen Mehrheit den Beweis erwarten, daß sie nah Ablehnung der Erbschaftssieuer Reformvorlagen zu bieten vermag, die mit den Grundsätzen der Gerechtigkeit vereinbar sind und nicht an die Quellen des Wohlstandes des Landes rühren. Die Reichstagsmehrheit wird sich dabei keinem Zweifel darüber bingeben dürfen, daß die verbündeten Regierungen niemals Steuern annehmen können und werden, die insbesondere Industrie und Handel in ihrem Lebensnerv treffen. Die verbündeten Regierungen werden vielmehr jeden einzelnen der Steuervorschläge auf seine sachliche Berechtigung prüfen und werden, falls der Versuch gemacht werden sollte, ihnen durch e Mantelgesetz oder in anderer Form Steuern aufzuzwinger, die die für unannehmbar erklärt haben, eher das gesamte Reformwerk ablehnen, als daß sie Vorschlägen ihre Zustimmung gäben, die der deutschen Volkswirtschaft dauernden Schaden bringen müssen. Was das Letztere anbetrifft, so haben die verbündeten Regierungen es ja ganz in der Hand, solche Steuern zu vermeiden; sie brauchen nur eine Verständigung mit den Mehrheitsparteien zu suchen. Bis jetzt ist allerdings nichts davon bekannt geworden, daß sie gewillt seien, den Weg der Verständigung zu betreten. Die Eröffnung des Reichskanzlers an die Konservativen hatte nur negativen Inhalt; wichtiger und zweckmäßiger wäre es, wenn die verbündeten Regierungen sagen wollten, welche Vorschläge sie zu machen haben. Die Mehrheitsparteien haben das ihrige getan, wollen die verbündeten Regierungen ihre Vorschläge nicht akzeptieren, so mögen sie neue machen. Wenn die Nordd. Allg. Zig. es so darstellt, als ob die Mehrheit nach Ablehnung der Erbanfallsteuer der Regierung Reformvorlogen einzubringen hätten, die für sie annehmbar sind, so ist das eine Verorehung des Rechtsbestandes. Nicht dem Reichstage, sondern dem Bundesrat liegt es ob. Steuervorlagen auszuarbeiten; wenn die Mehrheit des Reichstages diese nach pflichtmäßigem Ermessen nicht gutheißen kann, so haben die verbündeten Regierungen andere Vorlagen einzubringen. Wenn die Finanzkommission sich nicht damit begnügt hat, die Regierungsvorlagen zu prüfen, sondern darüber hinaus neue positive Vorschläge ausgearbeitet hat, so hat sie mehr getan als streng genimmen ihre Pflicht war. In dieser Beziehung noch mehr zu tun, kann man vom Reichstage nicht verlangen. Das Widerstreben gegen ein eventuelles Mantelgesetz läßt den Verdacht aufkommen, daß damit gewisse Pläne in Gefahr sind, durchkreuzt zu werden. Die verbündeten Regierungen könnten nämlich den klugen Gedanken haben, die Steuervorlagen ruhig vom Reichstag zum Beschluß erheben zu lassen und dann die ihnen genehmen einzuführen, die anderen aber abzulehnen. Das kann nicht im Sinne der Reichstagsmehrheit sein. Auch hier gilt das Wort: Das Geschäft wird nur im ganzen gemacht! Die Mehrheitsparteien haben allen Anlaß, Garantien zu verlangen, daß die von ihnen beschlossene Finanzreform als ganzes in Kraft tritt. Die Auslassung der Nordd. Allg. Ztg. kann die eventuelle Absicht ter Mehrheitsparteien, ein Mantelgesetz zu beschließen, anstatt zu beseitigen, nur verstarken. Trotz aller offiziösen Erklärungen und Auseinandersetzungen bleibt die innerpolitische Lage eberso unklar wie vorher. Eine verworrenere Situation läßt sich kaum denken. Niemand, der sich mit dem deutschen Parlamentarismus beschäftigt, weiß, weran er ist, was werden wird. Eine gerechte Besitzsteuer. Die phrasenhafte Propaganda der liberalen Presse für die nunmehr endgültig abgelehnte Erbaufallsteuer hat den Erfolg gehabt, daß weite Volkskreise es fast als ein Dogma ansehen, die Erbanfallsteuer bilde die einzige Art einer gerechten und allgemeinen Besitzbesteuerung. Daß gegen die Steuer schwerste Bedenken bestehen, wird dabei vollstandig übersehen, ebenso, daß sie nach ihrem Ertrage, der auf höchstens 30 Millionen zu schätzen ist, nur als Jammerbild einer Besitzsteuer angesehen werden kann, endlich auch jenes Bedenken, daß sie rücksichtlich des mobilen Kapitals, das so wie so schon verhältnismäßig viel zu gering besteuert ist, der Steuerdrückerei Tür und Tor öffnet. Vor allem aber wird ganz übersehen die Frage, ob nicht eine andere Art der Besitzbesteuerung möglich ist, der nicht die schweren Bedenken, die der Erbanfallsteuer entgegenstehen, die allgemein und gerecht wirkt und dabei einen angemessenen Ertrag garantiert. Auf eine solche Steuer hat in den letzten Tagen Justizrat Kausen in der„Köln, Volksztg.“(Nr. 444 und 7.19) hingewiesen, und es erscheint uns an der Zeit, daß die öffentliche Meinung sich etwas näher mit diesem Steuervorschlag, der Reichsvermögenszuwachssteuer, beschäftigt. Justizrat Kausen hat die Vorteile dieser Steuer in unanfechtbarer Weise begründet. Die Erhebungsform wird eine verhältnismäßig einfache sein. Die Steuer wird zwar ebenso wie die Zölle in den einzelnen Jahren Erträgnisse von verschiedener Höhe bringen, das Steigen und Fallen wird aber schon mit Rücksicht darauf, daß zwischen den einzelnen Teilen des Reiches und zwischen den einzelnen Erwerbsständen ein gewisser Ausgleich stattfindet, voraussichtlich kein sprunghaftes sein. Jede erhebliche Vermögensvermehrung, auf welchem Gebiete sie auch eintreten möge, wird von dieser Steuer gleichmäßig ersaßt. Damit dürfte die Steuer alle diejenigen befriedigen, welche an der Einseitigkeit der anderen Projekte Anstoß nehmen, denn einesteils unterliegen derselben ohne weiteres alle Vermögen, auch Fideikommisse, anderenteils bildet nicht nur der Erbschaftsgewinn und der Reingewinn, sondern auch jeder andere Gewinn einen Rechnungsfaktor bei der Berechnung des Vermögenswertzuwachses. Dahin gehören namentlich die großen Vermögensvermebrungen, welche aus technischen und kaufmännischen Unternehmungen erzielt zu werden pflegen. Selbstverständlich kommt nur der Mehrwert des ganzen Vermögens in betracht, eingetretene Verluste und Abgänge müssen erst durch Gewinne und Zugänge ausgeglichen sein, ehe von einem Mehrwert des ganzen Vermögens gesprochen werden kann. Der Ertrag der Steuer wird bei niedrigen Sätzen, die natürlich progressiv zu gestalten sind, mindestens 100 Millionen betragen. Einen gewissen Anhalt geben die amtlichen Berichte über das Ergebnis der preußischen Ergänzungssteuer, welche eine jährliche Steigerung des Gesamt=Vermögensbestandes von über 3000 Millionen erkennen lassen. Dabei handelt es sich nur um Preußen. Die Vermögenszuwachssteuer darf als eine gerechte und allgemeine, dabei ertragreiche Besitzsteuer bezeichnet werden, die den besonderen Vorzug hat, daß sie gleichmäßig und sozial versöhnend wirkt. Im gegenwärtigen Augenblicke würde sie noch den besonderen Vorzug haben, daß sie geeignet erscheint, eine Lösung der Besitzsteuerfrage darzustellen, der alle Parteien gleichmäßig zustimmen können. Ihre Einführung würde sowohl die Erbanfallsteuer als auch die Reichswertzuwachssteuer überflüssig machen. Es dürfte auch noch keineswegs zu spät an der Zeit sein, an die Einfügung der Reichsvermögenszuwachssteuer als Besitzsteuer in die Finanzreform zu denken. Die Unterlagen für die Berechnung des Ertrages würden nicht schwer zu beschaffen sein, sofern sie nicht bereits im Reichsschatzamte zur Hand liegen. Für Preußen geben die Ergänzungssteuerveranschlagungen genügendes Material, es darf daran erinnert werden, daß bei der Prüfung der Frage der Beredelung der Matrikularbeiträge der Gesamtvermögensbestand der einzelnen Staaten einer Feststellung unterzogen worden ist. Wir sind gewiß, daß eine Reichsvermögenszuwachssteuer am heutigen Tage noch im Reichstage eine sichere Mehrheit finden würde. Lübeck, 25. Jum. Der 37. deutsche Aerztetag wurde heute unter außerordentlich starker Beteiligung im Marmorsaal des Stadttheaters durch Professor Dr. Loebker(Bochum) eröffn::. Nach Apostrophierung des Kölner Konfliktes wurden Referate gehalten über die Reichsver sicherungsordnung und das ehrengerichtliche Verfahren. Holland. Eine Folge der Wahlen. Haag, 26. Juni. Das Kabinett Heemskerk wird im Amte bleiben, da es den Aussall der Wahlen für die Zweite Kammer als Vertrauenszeugnis für die Regierung betrachtet. ein gewisses Maß von Kenntnissen nachgewiesen haben. Die Kütholiken waren jedoch nicht faul und eröffneten ihrerseits gleichfalls eine solche Schule, sodaß also die Prüfung zeigen wird, welches Personal das bessere ist, die Ordensschwestern oder das Laienpersonal. In kautholischen Kreisen ist man über das Resultat nicht einen Augenblick im Zweifel. Die Sektierer, denen durch dieses KonkurrenzUnternehmen ein böser Strich durch die Rechnung gemacht worden ist, befinden sich natürlich in keiner rosigen Stimmung. Aber, das macht nichts. Den Katholiken ist der Kampf aufgedrungen worden und die Waffen, mit donen sie sich verteidigen, sind nicht illoyal. Belgien. Die„Laizisation“ in Belgien. Dor Ruhm der.7.— Brüder in Frankreich läßt die belgischen Freimaurer nicht mehr ruhig schlafen. In Brüssel hat sich eine Gruppe„freiheitlich“ angehguchter Aerze zusammengetan, denen sich mehrere Miütglieder des Grusseler Stadtrates sowie auch einige Herren vom Armenrat zugesellt haben. Ihr Bestreben geht dahin, die Hospitäler zu verweltlichen, d. h. die Ordensschwestern zu vertreiben. Sie haben zu diesem Zwecke eine Schule gegründet, in welchem Laien für den Krankenpflegerdienst herangebildet werden sollen, um durch diese Laien die Schwestern zu verdrängen. Außerdem stellten sie bei der Regierung den Antrag, daß nur solche Personen zum Krankenpflegerdienst herangezogen werden dürfen, die im Wege der Prüfung Ein Bischof und die kath. Journalisten. —.— Paris. 25. Juni. Die jährliche Wallfahrt der christlichen Publizisten nach der Pariser Basilika Sacre Coeur nahm heuer eine größere Ausdehnung an als sonst. Es beginnt (leider zu iparz in den kach. Kreisen die Erkenntnis der Macht der Presse auszukämmer:. Gewiß aber zog auch die flommende Beredsamkeit dee bekannten Vischofs von Orleans, Msgr. Touchet, der die Zeremoni= lei##ete, noch manchen Laien nach dem Montmartrehügel. Nach der Messe hielt der Bischof eine Ansprache, der wir folgenden Sätze entnehmen: „Meine Herren, Sie sind Apostel, deren Apostolat oft wirksamer ist als das unsrige, weil es ausgedehnter ist, weil Ihre Feder auch jene noch erreicht, für die unser Wort stumm bleibt. Wenn der hl Paul, der große Weltapostel, heute lebte, würde er Journalist geworden sein.“ Msgr. Touchet hält den Herren von der Feder, die sich an der Ideenschlacht beteiligen, den Eifer und die Versöhnung der Jungfrau von Orleans als Beispiel vor. Der christliche Publizist zeige sich seines erhabenen Amtes am würdigsten, wenn er als Verteidiger der Religion die Gegner auf dem Wege der Ueberzeugung meistere, ohne sich je vom persönlichen Haß leiten zu lassen. An die kirchliche Zeremonie schloß sich ein Bankett mit hundert Gedecken an, wobei Toaste auf den Bischof von Orleans, auf den Papst und auf die kath Presse ausgebracht wurden. Die Tischrede des Bischofs galt den kath. Journalisten und Schriftstellern. England. Immer noch die alte Gespensterfurcht. Die englische Invasionsfurcht und Gespensterseherei scheint unheilbar zu sein. Jetzt fürchtet Lord Ellenborough, ein Mitglied des Oberhauses, sogar, die englische Flotte könnte bei ihrem Besuch in der Themse, der, im Anschluß an die Flottenmanöver stattfinden soll, durch einen bösen Feind eingesperrt werden. Er denkt sich die Sache so, daß, während die Flotte die Themse hinauffährt, hinter ihr jemand durch Minenlegen oder Versenken von Sperrschiffen, die Mundung der Themse schließt und damit die Flotte wie in einer Mausefalle von der Soe absperrt. Alsdann käme natürlich die unvermeidliche Invasion. Der ängstliche Peer hat allen Ernstes angekündigt, daß er am nächsten Mittwoch im Oberhause an die Regierung über diese Sache eine Anfrage richten wird. Er verlangt, daß geeignete Maßnahmen getroffen werden, um die englische Flotte vor einem derartigen Unheil zu bewahren. Fürkei. Die Orientfrage scheint ihrer Lösung näher zu rücken. Die bulgarische Regierung hat am Samstag ein Uebereinkommen mit den Vertretern der Orientbahnen unterschrieben, in dem sie sich verpflichtet, für alle durch das bulgarisch=türkische Protokoll undefriedigten Ansprüche der Orientbahngesellschaft dieser 2 100 000 Franken in Bar zu entrichten und alles von der bulgarischen EisenbahnVerwaltung nicht gebrauchte Material zurückzuerstatten. Ein jungtürkischer Finanzminister. Konstautinopel, 26. Juni. Der Abgeordnete für Salonik Dschavid=Bey wurde zum Finanzminister ernannt. Hiermit tritt das erste und bedeutendste Mitglied der Jungtürkenpartei in die Regierung ein, um einen der schwierigsten Posten zu übernehmen. Der neue Finanzminister steht anfangs der Dreißiger. Als Berichterstatter des ersten türkischen Budgets hat er die Probe eines umfaffenden Könnens gegeben. Nicht nur die Partei der Jungtürken, sondern das ganze Land blickt mit Spannung auf dieses Experiment, das, wenn es gelingt, auch anderen Jungtürken den Weg zur Regierung vorbereiten soll. Man glaubt, daß als nächster der Vizepräsident der Kammer Talaat=Bey für das Portefeuille des Innern in Aussicht genommen ist. Monarchenbegegnung Stockholm, 26. Juni. Heute mittag 1 Uhr fuhr die Königsjacht Drott mit dem König, der Königin und der königlichen Familie nach Lilla Vaertan. An Bord befand sich auch Minister des Aeußeren Graf Taube. Die Kaiserjacht Standart eskortiert von de: Jacht Polarstern und fünf Kriegsschiffen. war bereits dort eingetroffen. An Bord befand sich auch russische Minister des Aeußern Iswolski. Bald nach der Aukunft begaben sich der König und die Königin sowie die übrigen Mitglieder der körriglichen Familie auf den Standart, wo eine Dieletzten Sage von Messina. Roman von Erich Friesen. 16„„„(Nachdruck verboten.) Während Contessa Erminia und Dr Röder sich um die Ohnmächtige bemühen, versucht der alte Morgano, Orlando zur Tür zu drängen. Vergebens. Seine schwachen Kräfte reichen nicht aus. Wie eine Mauer steht der hochgewachsene Jüngling, die Augen fest auf seinen Gegner gerichtet. Der Marchese zittert vor Wut. Zum ersten Male in seinem Leben hat er seinen zynischen Gleichmut verloren. „Hinaus!“ knirscht er, mit der Reiweitsche nach der Tür deutend. Höhnisches Lachen als Antwort. In den Händen des Marchese zuckt es. Und plötzlich saust die Peitsche durch die Luft. Wie ein gefällter Baum stürzt Orlando zu Boden; sein von langer Krankheit geschwächter Körper ist solchen Aufregungen nicht gewachsen. „Barmherziger Gott!“ schreit Contessa Erminia auf.„Ludovico! Was hast du getan!" Schon kniet Dr. Röder neben dem regungslos am Boden Liegenden und horcht. „Er ledt. Aber—“ und der Arzt zuckt bedauernd die Achseln. Finster; mit zusammengezogenen Brauen steht der Marchese am Fenster Kein Blick für seine noch immer ohnmächtige Braut. Kein Blick auch für sein am Boden liegendes Opfer. Nur an die Folgen denkt er, die sein Wutausbruch für ihn selbst haben kann. „Rasch! Ein Lager für den Getroffenen zurechtgemacht!“ kommandiert die Stimme des Arztes.„Aber rasch!" „Dort hinein! Auf mein Bett!“ Und Bernardo Morgand deutet nach seinem nebenan liegenden Gemach. „Was?“ schreit der Marchese zornig.„Auf keinen Fall hier in diesem Hause! Schafft ihn fort! Egal wohin! Und wenn'? drüben nach der Villa wäre! Nur hier nicht!" „Er bleibt hier!“ entscheidet Dr. Röder kurz.„Er ist transportunfähig.“ „Ah bab!“ Zornrot tritt der kleine Toktor auf den Marchese zu. „Jetzt hat nur der Arzt zu befehlen. Verstanden?“ Marchese Ludovico wagt keinen Einwand mehr. Hastig nimmt er Reitpeitsche und Hut, winkt seiner Schwester und verläßt das Gartenhäuschen. Drinnen aber bemüht der kleine brave Doktor sich um zwei Patienten. Auch Clelia ist noch nicht aus ihrer tiefen Ohnmacht erwacht. 11. Auch auf Pia Danelli lastet die unheimliche Schirokko=Stimmung. Sie, die sonst von Nerven nichts weiß— sie ist heute nervös erregt und fährt zusammen bei jedem Schritt draußen auf der Straße. Wie eine Befreiung erschien ihr das plötzlich heraufziehende Gewitter, das die unerträgliche Spannung in der Natur löste. Bis zum Dunkelwerden hatte sie im Hospital auf Dr. Röder gewartet— in der Hoffnung, er würde heute, gegen seine Gewohnheit, noch einmal vorsprechen. Vergebens. Schweren Herzens bindet sich Pia endlich die weiße Leinenschürze ab, nimmt die Pflegerinnhaube von dem schlichtgescheitelten dunklen Haar, hängt Mantel und Spitzentuch über und begibt sich nach ihrer kleinen Wohnung drunten am Kai. Sie unterläßt es heute, sich ihr frugales Abendessen zu bereiten. Wozu? Sie spürt auch nicht den geringsten Appetit. Der bleiche junge Mann wit den edelschönen, von langer Krankheit zeugenden Zügen beschäftigt ihre Gedanken unoblässig... Und auch das liebe Mädchen dort hinten in dem Gartenhäuschen der Billa Miranda... Was mögen die letzten Stunden den beiden jungen Menschenkindern gebracht haben, die einander für verloren hielten und nun, da es zu spät ist, sich endlich wiederfinden?— Nacht senkt sich herab auf Palermo. In Ruhe gesunken der Lärm auf den Straßen. Verklungen heller Singsang und frohes Lachen. Alles schläft. Es schlafen die Schisse im Hafen, die Jahrhunderte alten Paläste, die weitgedehnten Zypressen= und Olivenhaine. Es schlafen die Meereswogen drunten am Geklipp. Es schlafen helle Begeisterung und naive Einfalt, Erinnerungen und Hoffnungen, Liebe und Haß. Palermo schläft— tief und fest. Da pocht es leise an die Tür von Pia Danellis Wohnung. Erschrocken fährt Pia auf und reibt sich die Augen. Sie war soeben ein wenig eingeduselt nach vielen wachen Stunden. Und wieder Pochen— diesmal tauter, heftiger. Sie wirft ein Morgengewand über und öffnet das Fenster. „Signorina!“ ruft es gedämpft zu ihr herauf.„Signorina!“ Pia erbleicht. Sie erkennt Dr. Röders Stimme und weiß, daß nur etwas Außergewöhnliches ihn zu dieser Nachtstunde zu ihr führen konn. „Können Sie in einer Viertelstunde mit mir kommen?" tönt es aufs neue herauf. „Wohin?“ „Ins Gartenhaus.“ „Ist Clelia krank?“ „Nein. Ein bereits Totgeglaubter: Orlando Perini.“ „Großer Gott!“ „Sie kommen?“ „Ich komme. Warten Sie!“ Nichts frogt sie weiter. Aber schon nach kaum zehn Minuten ist sie unten.“ „Ich bin bereit!“ „Ein stummer Händedruck— wie zwei schwarze Phantome huschen die beiden dunklen Gestalten in fliegender Eile an den Manern entlang. Kein Wort wird gesprochen. Nur vorwärts! Vorwärts!— Hinter den Gardinen des Gartenhäuschens schimmert ihnen ein einsames Licht entgegen. Der alte Morgano sitzt am Bett des schwer atmenden Patienten und wartet— wartet—— Beim Eintritt der beiden steht er schwerfällig auf und acht ins Nebenzimmer. „Doktor— flüstert Pia beim Anblick des totenbleichen Gesichts dort in den Kissen„was ist's“ „Gehirnentzündung. Ein Rückfall. Scheint eben erst davon genesen zu sein.“ „Wie kam es—“ „Der Kerl, der Marchese, schlug ihn mit der Reitpeitsche!“ knirscht der Arzt.„Armer Junge! Warum blieb er nicht in der Vergangenheit! Wir fingen geradean, uns an seinen Tod zu gewöhnen.“ Zwar schüttelt Pia indigniert den Kopf über den bittren Sarkasmus, der aus Dr. Röders Worten spricht. Aber sie schätzt sein gutes Herz und seine ärztliche Kunst zu hoch, um ihm je ernstlich böse zu sein Als der Arzt nach einer Viertelstunde das Gartenhaus verläßt, weiß er seinen Patienten in den besten Händen. „Ruhe! Und aufmerksame Pflege! Dann werden wir ihn schon durchbringen!“ hatte er gesagt. Und Pia richtet sich an dem Krankenlager für die nächsten Tage häuslich ein. Auf den Wunsch ihres Bruders bietet Contessa Erminia an, sich mit Pia in die Pflege des Patienten zu teilen. Mit einer Bestimmtheit jedoch, die man der kleinen Dame gar nicht zugetraut hätte, weist Pia jeden Eingriff in ihre Rechte zurück. „Mir ist er anvertraut!" Und dabei bleibt sie. Wiederholt versuchte der Marchese eine Unterredung mit seiner Braut zu erzwingen. Ebenfalls vergeden. Es ist, als ob eine unsichtbare dicke Mauer das rosenumduftete Gartenhäuschen umgebe, die jedem Unberufenen den Eintritt unmöglich macht. Von Tag zu Tag wird die Laune des Marchese schlechter. Er verlangt sogar, seine Schwester solle von ihrem Hausrecht Gebrauch machen und den Eintritt in ihr Eigentum erzwingen. Doch zum ersten Male stößt er bei dieser sanften Natur auf energischen Widerstand. „Laß alles seine Wege gehen, Ludovico! Vielleicht ist es ein Wink des Himmels,“ sagt sie ernst.„Du behauptest immer, Tolores wäre tot. Wenn es aber nicht der Fall wäre? Wenn——“ „Schweig!“ donnert der Marchese.„Niemand weiß etwas von jener Zeit, wie du— und du wirst dich hüten, gegen deinen Bruder aufzutreten. Auch würde ich alles leugnen. Darum gib dir keine Mühe!“ Wütend kracht er die Tür hinter sich zu, um nochmals zu versuchen, ob er Clelia sprechen könne. (Fortsetzung folgt.) K — cerzliche Gegragung mit dem Kasser und der Kaiserln von Rußland erfolzte. Darauf setzte der Standart die Reise nach Stockholm fort. Um 3.10 Uhr warfen die Kaiserjachten mit den Begleitschiffen und das schwedische Geschwader, das den Kaiserjachten entgegengefahren war, auf der Stockholmer Reede Anker. Die Mitglieder der schwedischen Königsfamilie gingen an Land und begaben sich zu dem unterhalb des Schlosses aufgestellten Empfangspavillon. Gleich darauf folgten unter Salut der Kaiser und die Kaiserin sowie der König und die Königin an Boco der Königsschaluppe Vasoaordern. Im Schlosse wurde das russische Kaiserpaar von der Königin=Witwe Sosia empfangen. Soziale Bewegung. Viersen, 26. Juni. In der Seidenstoffweberei von Crous& Co. sind sämtliche Arbeiter und Arbeiterinnen in den Ausstand getreten. Die Firma hat dagegen sämtliche Bandwirker bis auf zwei entlassen. Kiel, 26. Juni. In der vergangenen Nacht kam es wieder zu sammenstößen zwischen Arbeitswilligen und Streikenden. Zwei Arbeitswillige wurden durch Messerstiche und Schläge mit Totschlägern schwer verletzt. Ein Tischler erhielt von einem Arbeitswilligen einen Schuß in den Hals. Die Verletzten wurden dem Krankenhause zugeführt. Paris, 26. Juni. Aus Marseille wird gemeldet, daß 4000 eingeschriebene Seeleute heute Nacht eine Versammlung abhielten, in der ihnen mitgeteilt wurde, daß in elf Punkten eine Verständigung mit den Reedern erfolgt sei und nur noch die Frage des wöchentlichen Ruhetages der schiedsgerichtlichen Entscheidung harre. Die Versammlung beschloß, noch vor Erledigung dieses Punktes den Streik einzustellen. Man glaubt, daß die Arbeit noch im Laufe des heutigen Tages aufgenommen wird. Urban Stein zum Gedächtnis. % Köln, 27. Juni. Das Andenken an den heimgegangenen Vorsitzenden der Kölner Zentrumspartei ehrend festzuhalten und seine Verdienste um die Partei rückschauend uns zu vergegenwärtigen, hatte die Zentrumspartei heute Morgen eine ebenso weihevolle wie wehmutsvolle Gedenkfeier veranstaltet, zu deren kirchlichem wie bürgerlichem Teil die offiziellen Vertreter des Kölner Zentrums sich selbstverständlich vollzählig, und die Wählerschaft in hundertköpfigen Scharen sich eingefunden hatte. In einem feierlichen Amte wurde von 10 Uhr ab in der Pfarrkirche zur heil. Ursula Gott dem Herrn die Ehre gegeben und seiner Huld die unsterbliche Seele des verewigten Führers anbeiehlen..... 4uu2 I. Mig. Saal b. Bärs ur- 3 9 Nach 11 Uhr vereinte dann der Weiße Saal der BurgergesellInhalt. wissenhaft benutzt, um sich auf seinen Beruf als Rechtsanwalt vorzubereiten. Was er später in dieser Stellung hier geleistet, ist bekannt und allseitig anerkannt von solchen, denen ein begründetes Urteil darüber zusteht. Darauf besonders einzugehen, ist in diesem Augenblick nicht meine Aufgabe. Aber auf eins möchte ich hinweisen: Gerade das Studium der Jurisprudenz ist wohl für ihn besonders fruchtbringend gewesen zu seiner späteren politischen Tätigkeit als Zentrumsmann. Aus dem Geiste der Rechtswissenschaft entsprang für ihn das ausgeprägt feine Gefühl für das Recht: aus der klaren, scharfen Logik des Juristen erstand ihm das Verständnis für die Wahrheit; aus dem unbestechlichen, unerschütterlichen Eintreten für den Schutz des persönlichen Rechtes erfloß ihm die Kraft, das Recht der wahren politischen und kirchlichen Freiheit zu verteidigen. Der Jurist gab dem Parteimann, in gewissem Umfang Form und In Dem P dise Ke lsteren beches elesing Aistsicen ment der Kritik, und zwar einer ungünstigen, übelwollenden Kritik, die nicht selten dann am schärfsten hervorzutreten beliebt, wenn es sich um einen Zentrumsmann handelt.— Mit Absicht stelle ich in dieser Stunde Urban Stein als Parteimann hin. Warum? Weil in dieser seiner Eigenschaft für uns heute seine Größe beruht, weil er als solcher das Höchste, Beste seines Ichs gegeben, Werke von dauerndem Wert im Dienste einer großen, edlen Sache vollbracht hat! Urban Stein war Parteimann aus Ueberzeugung. Zum Zentrum hatte ihn geführt nicht der persönliche Ehrgeiz, nicht das Streben nach hohen. einflußreichen Stellen und äußeren Ehren. Dafür ist die Zentrumspartei ein unfruchtbarer Boden. Ein solcher Charakter lag seinem Wesen überhaupt völlig fern. In der Zentrumspartei erschaute er gewissermaßen die Verkörperung seiner eigenen Ideale. Er erkannte, daß im Rahmen des Programms, wie es das Zentrum seit Jahrzehnten konsequent vertrat, alles das verwirklicht werden konnte, was auch er als notwendig und segenbringend für Kirche, Staat und Volk hielt. Aus dieser seiner Ueberzeugung erwuchs ganz naturgemäß sein Eifer, seine Tatkraft, sein Mannesmut, seine Begeisterung für die Partei. Von auf der persönlichen Selbstlosigkeit allein sich aufbaute, sein Geschick und seine Fähigkeit, die Aufgaben der Partei rasch, klar und sicher auch in schwierigen und verwickelten schaft, dessen Bühne in reichem Blattpflanzenschmuck das umflorte Kölner Wappen aufwies, die zeitweilig führerlose Zentrumsgemeinde zu einer Trauerfeier, deren Eindrus durch nehmerzahl gemeinde zu einer Trauerfeier, deren Einorua burch Teilnehmerzahl und Verlauf des verewigten Führers würdig war. Im Auftrage des geschäftsführenden Ausschusses eröffnete Herr Stadtverordneter Dech die Gedenkfeier mit einem wehmütigen Hinweis darauf, daß kaum je. abgesehen vom Tode der großen Führer wie Windthorst, Mallinckrod und Reichensperger, der Heimgang eines Mannes von der gesamten Kölner partti so betrauert worden ist, wie der am 9. Juni ds. Is. erfolgte Tod des Vorsitzenden Rechtsanwalts Urban Steen, dessen glanzvolles Wirken, nicht zum wenigsten auch in den Wahlkämpfen um die Stadtratsmehrheit, noch frisch in unser aller Gedächtnis haftet. Beim Leichenbegängnis des verewigten Führers hat die Zentrumspartei der Stadt Köln durch die zahlkeiche Beteiligung ihrer Anhänger ihrem Schmerz um den herben Verlust, der sie des Hauptes beraubte. beredten Ausdruck dbezirke liefen dam gegehen. Auch aus dem Landorzi#re nefen damals viele Beileidsrundgebungen ein, aber Urban Stein ist es wert, daß die Partei seinen Verdiensten eine eigene Gedenkfeier weiht. Nachdem der Kirchenchor von St. Ursula das Lied O bone Jesu, miserere nobis mehrstimmig vorgetragen, entledigte sich der Vorsitzende der Zentrumspartei für den Landkreis Köln, Herr Pfarrer Kastert, der Aufgabe, den Verdiensten des teuren Führers gerecht zu werden in folgenden Ausführungen: Es sind erst wenige Wochen verflossen, da die Räume dieses Hauses des öfteren einen Mann hier weilen sahen, der scheinbar in der Blüte der Manneskraft, ausgezeichnet durch hervorragende Gaben des Goistes und des Herzens, durch die Macht seiner Persönlichkeit, durch die eindringliche Kraft seines Wortes, durch den Ernst und die Energie seines Willens Tausenden in dieser großen Stadt Lehrer und Führer war für das öffentliche, das politische Leben: es war Rechtsanwalt Urban Stein, der Vorsitzende der Kölner Zentrumspartei. Wer ihn in den letzten Jahren, in denen er an der Spitze der Lokalorganisation von Köln=Stadt gestanden, gesehen hat, wer ihn noch unlängst in den letztvergangenen Kämpfen auf politischem Gebiete an dieser Stelle gehört hat und von seiner Ueberzeugungstreue und Festigkeit in der eigenen politischen Ueberzeugung gestärkt, von seiner glühenden Begeisterung für die große Sache. der wir alle dienen, begeistert worden ist, der durfte der Kölner Zentrumspartei mit Recht Glück wünschen zu diesem Haupte, um so mehr, als nach menschlichem Ermessen wohl noch viele Jahre reichsten Wirkens ihm zugemessen werden durften. Welche Wandlung der Dinge in wenigen Wochen! Urban Stein ist tot! Am 9. Juni d. J. klang plötzlich durch unsere Stadt und weit über das Weichbild derselben hinaus dieser schmerzensvolle Ruf und weckte tiese Trauer und jähe Bestürzung in den Herzen aller, die den Heimgegangenen kannten. Man konnte und wollte es im ersten Augenblick nicht fassen daß des Todes kalte, starre Hand sich ihn zum Opfer auserkoren. Als ich am Nachmittag des 9. Juni, nichts ahnend von dem Schlaganfall, der ihn am Tage vorher hier getroffen, die Anzeige las, die seinen Tod meldete, da meinte ich, vor etwas Unmöglichem zu stehen, und erst ellmählich kam mir zum Bewußtsein, welche Tragik in den wenigen Zeilen vor mir enthalten war! Wie mir, so wird es wohl allen ergangen sein, die unvorbereitet diesen Todesfall erfahren mußten. Was war wohl der erste Gedanke, der bei dieser Nachricht in den Herzen seiner Parteifreunde aufstieg, der als ein Gefühl schmerzlicher Trauer sich aller bemächtigte? Es war die Empfindung, daß mit diesem Manne in diesem Augenblick fost Unersetzliches verloren gegangen; daß in seinem Tode eine Quelle der Kraft und des Erfolges versiegt war; daß eine Säule zu Grabe gesunken, die so viel Großes getragen, auf die so viel Gutes sich gestützt hatte! Und dieses Gefühl war und ist keine Täuschung, es ist Wahrheit, für die Kölner Zentrumsrartei eine bitter=schmerzliche Wahrheit. Ein unabsehbarer Leichenzug gab am Freitag, 11. Juni, dem Entschlafenen das letzte Ehrengeleite durch die Straßen seiner Vaterstadt zum stillen Grabe dadraußen auf Melatens dunkelbeschattetem Friedhofe. Alle waren sie gekommen, die ihn gekannt, verehrt, geliebt: seine Amtsgenossen, seine Freunde, vor allem diejenigen, die er geführt, die mit ihm vereint gekämpft und gerungen, die mit ihm und durch ihn gesiegt haben. Ein ernster Zug— ein Grab der Klage! In so manchem Männerantlitz verlte eine heiße Träne, als die letzte Hülle des Verewigten dem dunklen Schoß der Erde übergeben wurde. Friede dem Guten, Teuren! Tankbarkeic ist eine der ersten Tugenden des edel empfindenden Meuschenherzens, eine heilige Pflicht des christlichen Herzens; und zwar eine Dankbarkeit, die an der Schwelle des Totenreiches nicht Hel; macht, die auch über das Grab hinaus demjenigen folgt, der Gutes den Seinen getan. Dieses Gefühl im weitesten Umsanz ist es, das die Parteifreunde des Entschlafenen getrieben hat, ihm heute hier an der bevorzugten Stätte seines xarteipolitischen Wirkens eine ernste, weihevolle Stunde des Gedenkenf zu widmen. Und auch hier sind sie zahlreich herbeigreilt, die ihn als den Ihrigen verehrten und liebten, bereit, als kostbaistes Geschenk eines dankerfüllten Herzens ihm ein nie verliswhendes Andenken und das Versprechen unterbrächliner Treue in die Ewigkeit hinüberzusenden. Die Zentrumspartei von Köln ist hier vereint. Vor ihr muß in dieser Stunde Urban Stein als der Mann und Träger der Parteiidee ersteben. Nicht von ungefähr ist Stein unseren Reihen zugeführt worden. Geboren und aufgewachsen in einer Familie, die die guten, alten Traditionen der ehrwürdigen Vaterstadt mit einer ererbten Liebe zu Religion und Kirche aufs engste zu verbinden wußte, hat er schon in früher Jugend erfahren müssen, daß beides nur im Kampfe mit entgegenstehenden Prinzivien und Tencenzen zu bewahren ist. Seine Knaben= und Jünglingsjahre sahen auf kommunalem Gebiete den Kampf um die Existenz unserer Partei, sahen im weiten Vaterlande das welthistorische Ringen, das in der Bezeichnung„Kulturkampf“ ein eigenes, großes Kapitel katholischer Kirchengeschichte und preußisch=deutscher Staatsgeschichte bildet. Jene Jahre zeigten dem jugendlich empfänglichen Geiste klar, daß im modernen konstitutionellen Staatsgebilde die parlamentarische Arena das Feld ist, auf dem die christliche Weltanschauung am wirkungsvollsten verteidigt und, wenn klug, mannhaft, entschieden und zielbewußt immer wieder vertreten, zum Siege geführt werden kann und muß.— Wer möchte daran zweifeln, daß damols ihn, wie so viele seiner katholischen Alters= und Studiengenossen, der große, schwere Streit der Zeit in jenes Lager geführt hat, dessen Panier den Schlachtruf führt: Für Wahrheit, Freiheit und Recht! Wer möchte daran zweifeln, daß damals schon in ihm die Ueberzeugung sich festsetzte, daß das vielverkannte, vielgeschmähte Zentrum, weil es auf dem Boden der positiv=christlichen Weltanschauung stand, für die christliche Kirche und den christlichen Staat die wichtigste und notwendigste Partei und daß ihr beizutreten ein Gebot wie der christlichen Ueberzeugung so der wahren Vaterlandsliebe ist?! Ausgerüstet mit seltenen Geistesgaben— ich erinnere mich noch sehr gut. daß Urban Stein seinerzeit bei den Schülern des Kölner Marzellen=Gymnasiums als ein besonders begabter und fleißiger Gymnasiast galt— hat er die Lehr- und Wanderjahre des Studiums, besonders die akademischen Johre, geführten es von selbst herbei, daß er in der Partei rasch höher und höher stieg. Seine Parteifreunde fühlten es instinktiv, daß in ihm der Zentrumssache ein Kämpe erstanden war, der als Ritter sans peur et sans reproche— als Ritter ohne Furcht und Tadel— würdig war, in die erste Schlachtreihe gestellt zu werden. Schon bald wurde der einfache Parteimann zu m Parteiführer.— Große Hoffnungen hatte man auf seine Wahl gesetzt. Wie wurden sie erfüllt? Ist es zuviel gesagt, wenn ich behaupte: Urben Steins Führerperiode brachte der Kölner Partei nach innen wie nach außen einen der markantesten und glänzendsten Abschnitte ihrer Geschichte? Ich fürcht: nicht, bei meinen Parteifreunden in diesem Punkte Widerspruch zu finden! Der Führer einer großen Partei sein, wie es das Zentrum in Köln ist, die sich, im kleinen ein getreues Spiegelbild der großen Landes= und Reichspartei. zusammengesetzt aus den verschiedensten sozialen Ständen und Schichten, der Führer einer Partei sein, die seit langen, langen Jahren der Gegenstand der Anfeindung und Bekämpfung von rechts und links gewesen, einer Partei, die vor der großen Aufgabe steht, als Majoritätspartei ihre Grundsätze auf kommunalem Gebiet zur Verwirklichung zu bringen gegenüber einer Welt von Kritikern und Widersachern— das ist eine Aufgabe, der sich nur ein ganzer Mann unterziehen kann. Hier ist kluge Vorsicht, weitschauende Vorsicht, klare Erfassung des Zieles und weise Wahl der Mittel zum Ziel notwendiges Erfordernis; hier ist wohlwollende und gerechte Abwägung aller in Frage kommenden, oft im Gegensatz zu einander stehenden Interessen und die große, feine, psychologische Kunst vonnöten, das Auseinanderstrebende zu einem großen Ganzen zu einen; dieses Amt sordert von seinem Inhaber einen starken Arm, der mit Kraft, Entschiedenheit und Festigkeit, ohne Zagen und Schwanken die Zügel führt, und eine weiche Hand, die auch zu glätten versteht, es verlangt männliche Entschlossenheit und rasches Handeln und auch wieder ein gerütteltes und geschütteltes Maß von Geduld und ruhigem Zuwarten. Vor allem aber muß der Führer, will er alle Fäden in seiner Hand behalten und so die Gewähr des Erfolges bieten, selbst der Erste und der Letzte sein in der Parteiarbeit. Seine persönliche Hingabe, seine rastlose Mühewaltung, sein Opfergeist und Opferwille ist das geheimnisvolle Zaubermitte., durch das er seine Scharen begeistert und sie zum Letzten und Höchsten fähig und willig macht. Ich frage auch hier: Behaupte ich zu viel, wenn ich diese Führertugenden unserem teueren verewigten Urban Stein vollauf zuerkenne? Die näheren Umstände seines Todes des Todes in den Sielen, sind der best: Beweis dafür! Selbst der Mund der Gegnex mußte an seinem Grabe ihm dieses Ehrenzeugnis widmen! Wir sehen ihn heute im Geiste noch unter uns weilen, den Unermüdlichen, Rastlosen, den Mann der Arbeit und des Opfers, immer bereit, für seine Ideale alles daranzusetzen. Es erklingt noch in unserem Ohre die Macht seines Wortes, mit dem er besonders in großen, wichtigen Stunden des Kampfes und der nahenden Entscheidung uns mit dem Geiste des Heldenmutes zu erfüllen, zur Anspannung der letzten Kraft zu entflammen verstond! Wir folgten ihm freudig und treu: Warum? Weil alles echt und wahr an diesem Manne war! Keine leeren Phrasen, nur berechnet auf den Augenblickserfolg, keine schönklingenden Redensarten, die äußerlich schillernd, ohne Seele sind, kamen von seinen Lippen. Bei ihm sprach immer das Herz das ganze seelenvolle heiße Herz eines Mannes, der für das Höchste und Edelste streitet.— Und diese warme innere Ueberzeugung war es, die selbst den politischen Gegner, den Parteimann in Stein vergessen ließ. Man achteie und ehrte ihn, weil man wußte, daß aus ihm lautere Wahrheitsliebe und reines Wollen sprach! Im Kampfe war Urban Stein der Führer. Und doch war er im Innersten seines Wesens keine ausgesprochene Kampfesnatur— das Einigende, Friedenweckende und-erhaltende lag ihm immer zumeist am Herzen. Dem Kölner von Geburt und Geblüt, der den schönen Charakterzug des sonnigen, lebenstärkenden Humors nicht vermissen ließ, war der Kampf nicht Selbstzwek, sondern nur das leider notwendige Mittel zum Zweck. Bei aller glühenden Begeisterung für die Ideale der Partei, die ihm stets als glänzendes Fanal voranleuchteten, war und blieb er frei von jenem öden, gehässigen Fanatismus, der nicht eint, sondern trennt, nicht aufbaut, sondern zerstört, der in den notwendigen Kampf um große Ideen das erbitternde, entzweiende persönliche Moment hineinträgt und so oft das öffentliche Leben vergiftet. Er war ein Gegner, den man achten und hochschätzen mußte..6 I.6t, 12 5cnn maren i— tin Große Hoffnuggen— so sagte ich schon— waren an seine Wahl als Führer der Partei geknüpft worden; er hat sie erfüllt. Größere Hoffnungen noch durften wir für die Zukunft von seiner Arbeit begen. Es sollte anders kommen! Wir haben an dem Grabe des Mannes gestanden, der uns einer der Besten und Getreuesten war; über seine Gruft senkte sich trauernd die Fahne, die seine starke Hand uns vorangetragen; Wahrheit, Freiheit und Recht klagten an seiner Bahre ob des heimgegangenen Kämpfers und Beschützers.„Meine Gedanken sind nicht Boschonte Die Saerst= Ral usd nasiel Krnsint. 51 in Klugheit und Stärke“. Uns ziemt es nicht, mit dem Herrn über Leben und Tod zu rechten; was Gott tut, ist wohlgetan! Wohl darf des Herzens Trauerklage und Schmerz laut werden ob des Verlustes, der uns getroffen. Aber der gerechte Schmerz soll nach dem tiefen Worte eines Geistesmannes ein heilsamer, d. b. ein fruchtbringender Schmerz sein. Und welche Frucht soll und wird er in uns, den Lebenden, Kämpfenden zeitigen? Das Erste: unserem toten Führer, der sich unserer Sache bis zum letzten Atemzuge gewidmet, der um das Banner der Partei den doppelten Lorbeer seines Sieges und seiner Opfer geschlungen, ihm, der getreu gewesen ist bis in den Tod, unsere Dankbarkeit aus vollem Herien immerdar! Und das Zweite: Ihm, der uns Treue geleistet, unsere Treue in alle Zukunft! In dieser Stunde lasset uns alle im Geiste an sein Grab treten und dort das Versprechen ablegen, daß in seinem Geiste fortgearbeitet werden soll mit der alten Hingabe, in der alten Einheit und Geschlossenheit Ja, tretet hinzu, ihr Männer des Zentrums, und schwört an der Bahre des Führers, daß ihr seiner, eurer Sache ßen, wahrhaft heiligen Ideale, die er bis zum letzten Atemzuge gehütet hat. Dem Toten unseren Dank und unser treues Andenken, dem Leben Kopf, Herz und Tat! Der tote Führer selbst ruft uns heute aus der Höhe der Ewigkeit gleichsam zu::„Ihr aber stärket Euch und lasset Eure Hände nicht sinken denn Euer Werk wird seine Belohnung haben!“ Dieser ergreifenden Rede folgte die eindrucksvolle Wiedergabe des Liedes„Das treue deutsche Herz“ seitens des UrsulaKirchenchores. Zum Schlusse gab dann noch Herr Dech der Ueberzeugung Ausdruck, daß die markigen Worte des Herrn Pfarrers Kastert noch lange in der Kölner Zentrumspartei nachhallen werden und legte in ihrem Namen das Gelöbnis ab, sie werde stets des verblichenen Freundes und Führers in Ehren gedenken und dahin arbeiten, daß des Verewigten Ideale, die in der Devise: Für Wahrheit, Freiheit und Recht! aufgingen, in Köln stets zur Geltung kommen sollen. Kolner Nachrichten. Köln den 28. Juni. * Zur Eingemeindung von Mülheim. Der Oberbürgermeister von Köln hat unterm 25. Juni 1909 an den Ersten Beigeordneten der Stadt Mülheim=Rhein folgendes Schreiben gerichtet: Die seitens der Mülheimer Eingemeindungskommission für den Fall eines Eintritts der Stadt Mülheim=Rhein in den Gemeindeverband der Stadt Köln gestellten Forderungen haben in letzter Zeit wiederholt die hiesige Eingemeindungskommission und Stadtverordnetenversammlung beschäftigt. Auf Grund dieser Erörterungen habe ich die Ehre, Euer Hochwohlgeboren das Nachstehende ganz ergebenst mitzuteilen. Die durch den wirtschaftlichen Rückgang beeinträchtigte Fnanzlage der Stadt Köln und vor allem die in der letzten Zeit durch die Verhandlungen über die Reichsfinanzreform geschaffene Unsicherheit über die künftige Gestaltung der städtischen Steuerquellen machen es der Stadt Köln im gegenwärtigen Augenblick unmöglich, die mit einer Eingemeindung der Stadt Mülheim, namentlich augesichts der von der Stadt Mülheim aufrecht erhaltenen Forderungen unzweifelhaft verbundenen großen Opfer zu übernehmen. Die Stadt Köln bedauert das zeitliche Zusammentreffen dieser mindergünstigen Gestaltung ihrer Finanzlage mit dem Zeitpunkte, in dem die schwebenden Eingemeindungsverhandlungen dem Wunsche der Stadt Mülheim entsprechend ihren vorläufigen Abschluß finden müssen; denn die geographische Lage beider Städte und die Gleichartigkeit ihrer wirtschaftlichen Verhältnisse weisen auf die Zweckmäßigkeit einer Lösung der beiden Städte obliegenden Aufgaben innerhalb eines einheitlichen Gemeinwesens hin. Die Stadt Köln betrachtet daher ihre gegenwärtige Stellungnahme nur als eine durch die augenblickliche Zeitlage gegebene Notwendigkeit und würde bei einer Aenderung dieser Lage, vorausgesetzt, daß in der Stadt Mülheim eine entsprechende Bereitwilligkeit bestehen bliebe, zu einer Wiederaufnahme der Verhandlungen gerne bereit sein. Da die Stadt Mülheim bei dieser Sachlage unzweifelhaft den Wunsch hegen wird, den erledigten Bürgermeisterposten baldigst neu zu besetzen, so darf ich, ohne den dortigen Entschließungen irgendwie vorgreisen zu wollen, geneigter Erwägung anheimgeben, ob es sich empfehlen möchte, dem künftigen Bürgermeister die Verpflichtung aufzuerlegen, im Falle einer späteren Eingemeindung von Mülheim nach Köln als Beigeordneter in den Dienst der Stadt Köln zu treten. Während der Eingemeindungsverhandlungen ist seitens der Stadt Köln mit der dortigen Kleinbahn=Aktiengesellschaft über die Einführung direkter Wagen zwischen Köln=Deutz und Mülheim verhandelt worden. Diese Verhandlungen sind zurzeit so weit gediehen, daß die Beseitigung des Umsteigeverkehrs und damit eine erhebliche Verbesserung in den Verkehrsbeziehungen zwischen beiden Städten für eine nahe Zukunft erhofft werden kann. Szeichnung. Aus Anlaß de zungsbaues des St. Marenhospitals, * Auszeichnung. Aus Anlaß der Einweihung des Erweitehoppitals, die Gegenwart der Herrn, Kardinal Fischer un neten Farwick stattfand, wurde dem Justizr Adle die am Samstag in und Ersten Beigeordfarwick stattfand, wurde vem Justizrat Max Wirtz der Rote Adlerorden 4. Klasse und dem Maurerpotier Wershoven das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen. lg) Militärisches. Das hier liegende 5. rheinische InfanterieRegiment Nr. 65 rückt am Mittwoch, den 30. ds. Mk. zu einer mehrwöchigen Schießübung nach Elsenborn aus. Das Regiment fährt am Mittwoch früh in Sonderzügen vom Gereonsbahnhofe aus bis Call(Eisel). Von dort aus wird bis Elsenborn marschiert. Das Regiment hält am 3. Juli Bataillons=, am 12. Juli Regiments= und am 19. Juli Brigade=Exerzieren ab. Am 20. Juli trifft das Regiment wieder hier ein. Vom 4. bis zum 18. September wird das Regiment sich im Manöver definden. Rückgabe von Orden und Ehrenzeichen. Nach den höheren Orts erstatteten Anzeigen haben einzelne Hinterbliebenen von verstorbenen Ordensinhabern aus Unkenntnis der bestehenden Vorschriften Orden und Ehrenzeichen, die zurückzuliefern sind, den verstorbenen Inhabern mit ins Grab gegeben. Da ein solches Verfahren den maßgebenden Bestimmungen zuwiderläuft, werden nachfolgend: Vorschriften hinsichtlich Rücklieferung der durch Todesfälle erledigten Auszeichnungen an die Königliche General=Ordenskommission zu Berlin in Erinnerung gebracht. Nicht zurückzugeben sind und verbleiben im Besitze der Hinterbliebenen: I. die am Erinnerungsbande(weißes, sechsmal schwarzgestreiftes Band mit rotem Vorstoß) verliehenen Königlichen Kronenorden 3. und 4. Klasse und Allgemeinen Ehrenzeichen mit dem Roten Kreuz und ohne dieses, 2. das Rechtsritterkreuz des Johanniterordens, 3. die Rote Kreuzmedaille dritter Klafse, 4. die Krönungsmedaille, 5. die Kriegsmedaille für 1864, 6. die Kriegsdenkmünze für 1870/71, 7. die Kaiser Wilhelm=Erinnerungsmedaille, 8. die Chinadenkmünze“ 9. die Hannoversche Jubiläumsdenkmünze, 10. die Einnerungs“ medaille für Rettung aus Gefahr und 11. die Landwehrdienst“ auszeichnung 2. Klasse. Das Düppeler Sturmkreuz, das Aisenkreuz und das Erinnerungskreuz für 1866 sind bei demjenigen Kirchspiel aufzubewahren, zu dem der Verstorbene gehört hat. Alle übrigen, hier nicht genannten Auszeichnungen, sowie das durch Urkunde vom 22. Oktober 1907 in einen Orden umgewandelte Frauenverdienstkreuz sind zurückzuliefern, dagegen verbleiben die Besitzurkunden den Hinterbliebenen als Andenken. Da bestimmungsgemäß die erledigten Auszeichnungen an die GeneralOrdenskommission zurückgegeben werden müssen, so kann von der Rücklieferung ausnahmsweise nur dann abgesehen werden, wenn der General=Ordenskommission die Kostenbeiträge erstattet werden. * Eine 51tägige Hungerkur trat am Samstag abend in Castans Panoptikum ein Mann an, der sich Num Nafar nennt. Eine sehr zahlreiche Menge wohnte der Einmauerung des Hungerkünstlers bei, der den Versuch unternimmt, länger als 7 Wochen nur vom Wasser zu leben. Vor seiner Einschließung hielt Num Nasar, eine sympathische Erscheinung mit langwallenden Haaren, die in nichts an seinen exotischen Namen erinnert, einen einleitenden Vortrag über die Reellität, Bekömmlichkeit und Wissenschaftlichkeit seiner Hungerkuren. Hinweisend auf die S#tzthin geUnser Satisen-Rechhung Verkauf mit beginnt in allen Abteilungen unseres Kaufhauses am k. Ball. Fahrstuhl nach allen Etagen. Es gelangen wie bekannt nur Waren bester Qualität zum Verkauf und ist der jetzige Preis neben dem früheren mit Blaustift vermerkt. Besichtigung ohne Kaufzwang. auch für später lohnend, in: I. Etage II. Etage Parterre Sinfarbige Kleicerstoffe Thantasie-Kleiderstoffe Schwarze Kleiderstoffe Weisse Kleiderstoffe Seidenstoffe Rollmusseline Zunte Naschstoffe Weisse Waschstoffe Reisse- und Leinenwaren Baumwoll-Waren Damen-Näsche Kinder-Wäsche Tisch- und Bettwäsche Küchenwäsche Frottierwäsche Unterzeuge Randschube, Strümpfe Schürzen Kalbf. Koben Taschentücher Besätze Ssiam udt Tahs Damen-Sürtel Seidene Bänder Nachen-Kleider Taillen-Kleider Nasch-Kleider Musselin-Kleider Rostüm-Röcke Prinzess-Röcke Paletots Leinen-Paletots Damen-Capes Regen-Mäutel Staub-Mäntel Vergenricke Unterröcke Solf-Jacken Seidene Blusen Spitzen-Blusen Rollene Blusen Weisse Batistblusen Farbige Naschblusen Kinder-Paletots Kinder-Kleider Kinder-Capes Knaben-Naschblusen Schirme und Korseits Tüll-Gardinen Band-Sardinen Spachtel-Gardinen Scheiben-Gardinen Tüll-Stores Band-Stores Deutsche Teppiche Läuferstoffe Zettvorlagen eln Tischdecken Diwandecken Lortieren Dekorationen Steppdecken Schlafdecken Bettdecken möbelstoste Linoleum Nachstuche Grosse Betten Kinder-Hetten Zettwaren Soja-Aissen Unser diegisthnger ist nach jeder Richtung hin grosszügig arrangiert und bietet enorme Preisvorteile. Wir empfehlen Schaufenster-Besichtisung. Pranx-Bergmar U ee. Hohe Str. 73—77 neben Café Bauer. * richtlich nachgewiesenen schwindelhaften Zusteckungen, mit denen der auf dem gleichen Gebiet„arbeitende“ Herr Sacco seine Fasten unterbrach, betonte Num Nasar die Ausschließung jedes unlauteren Mittels bei seinem Experiment, das hauptsächlich wissenschaftlichen Feststellungen dienen solle, wie lange der Mensch ohne Nahrung bleiben könne, und gab dann Einzelheiten bekannt aus den Ergebnissen anderer teils freiwilliger, teils auch unfreiwilliger Hungerkuren, wie sie z. B. bei Bergwerkskatastrophen und jüngst noch nach dem Erdbeben in Messina zutage getreten sind. Num Nafar war vordem akademisch gebildeter Staatsbeamter, bis eine schwere Krankheit ihn zum Aufgeben dieser Stellung zwang, eine Krankheit, von der ihm nur ausgedehnte Fasten Heilung brachten. Die Bekömmlichkeit seiner Fasten für die Gesundheit will Num Nafar ad ooulos demonstrieren. In sein Glashaus nimmt der Hungerkünstler nur 125 Liter Roisdorfer Wasser mit, von denen er täglich ein halbes Liter zum Wassen nötig hat. Außerdem hat er sich mit Abfuhrmitteln versehen und einigen Mitteln gegen den Brenureiz im Halse. Ein Hauptgewicht legt Num Nafar darauf, daß er es zu einer gewissen Kunst im Schlafen gebracht hat. Sein dem Arabischen entnommenener Name besagt soviel wie„der Mann, der so schlafen kann, wann er will.“ In seiner Zelle, die aus Glaswänden besteht und völlig durchsichtig ist, befinden sich ein Schlafdivan, ein Sessel, ein Arbeitstisch, Lektüre und eine automatische Wage, ein elektrischer Fußwärmer, ebensolcher Ventilationsapparat, Telephon und einige sonstige notwendigen Gegenstände. Ueber die vollständige Abgeschlossenheit der Zelle ist eine notarielle Urkunde aufgenommen worden. Auch sind Siegel des Notars an den Glatscheiben angelegt worden. In drei Wochen wird Num Nasar in einer Nachbarglaszelle eine Gefährtin erhalten. Hilda Mrotek, die während der letzten 31 Tage mit ihm um die Wette fasten will. Sel Internationales Wettfliegen zu Köln. Der Kölner Klub fur Lustschiffahrt veranstaltete gestern den ersten Teil des großen internationalen Wettfliegens, welches am kommenden Dienstag(Peter und Paul) eine Fortsetzung findet. Die gestrige Fahrt war eine„Ballon=Fuchsjagd mit Automobilverfolgung, die auf Grund der Bestimmungen der Federation Aeronautique Internationale stattfand. Die Dauer und Länge der Fahrt wurde hierbei bestimmt nach der gestrigen Wetterlage und zwar eine halbe Stunde vor dem Start. Die Fahrt selbst sollte jedoch nicht länger dauern als 2½ Stunden und nicht über 100 Km. vom Start beendet werden. Der Ballon„Busley“ vom Kölner Klub für Luftschiffahrt war als Fuchsballon gekennzeichnet durch ein rotes Band und durch Flaggen; er ging um 3 Uhr 33 Minuten unter den Klängen des Berg. Feldartillerie=Regiments No. 59 vom Start, sa lug zunächst eine südliche und dann nach einigen Minuten Stiustand in einer Höhe von etwa 500 Metern eine nordöstliche Richtung ein. Interessant war es zu sehen, wie nach und nach in Gruppen der Start der übrigen Ballons von statten ging, wobei der Ballon„Bamler" vom Niederrheinischen Verein für Luftschiffahrt in Düsseldorf mit dem noch gefesselten Ballon„Overstolz vom Kölner Klub für Luftschiffahrt kollidierte. Infolge des stets dienstfertigen und hilfbereiten Eingreifens der die Ballons bedienenden Soldaten wurde weiterer Schaden verhütet. Es folgten vom Start im Ganzen 36 Ballons und zwar vom Aero Club de Belgique: Brüssel, Ballon„Belgica“(Fernand Jacobi] und„Le Roitelet"(M. Geerts Führer), vom Augsburger Verein für Luftschiffahrt: Augusta(Oblt. Hochmüller) und Riedinger(Vict. de Beauclair); vom Berliner Verein Atlas(Lt. Holthoff von Faßmann), Hewald(Rfrd. Dr. Sticker) und Ernst(Lt. P. Franceson); vom Deutschen Aero=Klub„D. A. K. 2(Lt. Graf von Einsiedel); vom Frankfurter Verein Ziegler(Hptm. Thewalt, Moenus(Bergrfrd. Steinwachs) und Tillie(Direktor O. Neumann); vom Hamburger Verein„Bürgermeister Mönckeberg (Obit. von Milczewski) und Hamburg(Frhr. von Pohl); vom Kölner Klub der obengenannte suchsballon Busley(Hans Hiedemann), Hardefust(Lt. Rönneberg), Köln(Ingenieur H. Marten), der zuletzt von allen startete, Clouth 3(Hptm. a. D. von Kleist, Clouth 2(Obering. W. Mulch), Overstolz(Lt. Zimmermann); vom Maadeburger Verein„Otto von Guerike"(Rhedereibes. P. Bartschl; vom Mannheimer Verein„Zähringen“(Li. Pavel); vom Mittelrheinischer Verein„Mainz=Wiesbaden“ (Hptm. Eberhard); vom Diederrheinischen Verein„Barmen“ Oscar Erbslöh) Bochum(Apath. Raßfeld„Krefeld"(P. Kayser), Bamler“ P. Giesberg], Elberfeld(Solpiz Traine),„Prinzessin Victoria“(Oberlehrer Milarch,„Abercron“(Hptm. von Abereron),„Wesel“(Ernst Schröder).„Essen-Ruhr"(Direktor K. M. Heimann), Düsseldo.s 8(Oblt. Stach von Golzheim;; vom Nürnberger Verein Pegnitz"(Jul. Berlin); vom Oberrheinischen Verein„Graf von Wedel“(Dr. Treitsche); vom Pommerschen Verein„Pommern“(Oblt. von Selasinsky) und endlich von Schweizer Aerc=Klub„Skaal“(Hptm. Meßmer). Im ganzen also 36 Ballons. Das Wetter schien erst bedrohlich, da ein ziemlich kurzes, aber energisches Gewitter niederging. Der Himmel klärte sich aber auf, doch ein etwas scharfer Nordwind gestattete erst um ½4 Uhr den Start. Sämtliche Ballons schlugen die südliche und dann nach kurzem Stillstand die nordöstliche Richtung ein. Es war ein herrliches Bild, als alle 36 Ballons über der rheinischen Metropole schwebten. Eine nach tausenden zählende Menschenmenge verfolgte die hochinteressante Fuchsjagd. Auch Prinz Oskar von Preußen mit noch einigen Herren war per Automobil von Bonn aus auf dem Korbplatz evschienen. Der Fuchsballon wurde durch Automobile, die bereits um 2½ Uhr vom Start gelassen waren, verfolgt. Sieger war dasjenige Automobil, welches innerhalb 45 Minuten nach erfolgter Landung den Ballon erreichte und dessen Besitzer zuerst den Korb berührte. Die telegraphische Nachricht von der Landung und Automobilverfolgung des Fuchsballons traf bereits einige Minuten vor 6 Uhr im Klubhause des Automobilklubs(Kattenbug) ein und meldete, daß der Fuchsballon„Busley“ glatt bei Leichlingen gelandet sei und daß die Automobile des Herrn Heinrichs und des Herrn Direktors Schruffs=Köln beide im toten Rennen den Preis errangen. * Verdingungen. Die Lieferung des Bedarfs an Bekleidungsstücken für den Fuhrparck und die Straßen=Reinigung soll auf drei Jahre öffentlich vergeben werden und zwar: 800 Mützen, 600 Tuchjacken für Erwachsene, 200 Tuchjacken für Knaben, 800 Manchesterhosen für Erwachsene und Knaben, 500 Drellhosen für Erwachsene, 200 blauleinene Hosen für Erwachsene und Knaben, 100 Wintermäntel für Kutscher, 200 Regenmäntel für Kutscher, 200 blauleinene Jacken für Kutscher, 200 blauleinene Kittel mit Lederbesatz für Kutscher usw.— Für den Neubau der Volksschule an der Antwerpener und Genter Straße sind die Maler= und Anstreicher= arbeiten in zwei Losen und die Glaserarbeiten zu vergeben. Nähere Auskunft wird auf dem Baubureau Brüsseler Straße 65 erteilt.— Die Ausführung von schmiedeeisernen Toren für das Kesselhaus 3 des Elektrizitätswerkes am Zugweg ist zu vergeben. Bedingungen und Angebotsformular können vom Baubureau, Verwaltungsgebäude Rosenstraße 30, Zimmer Nr. 40, bezogen werden. * Zur Mordtat im Nachener Glacis. Als der Ermordung des Fensterputzers Rud. Schmitz verdächtig ist der Gemüsehändler Hubert Schmitz aus Deutz verhaftet worden. Die Kriminalpolizei teilt dazu mit: Im Verdacht, den Fensterputzer Rud. Schmitz am 21. Juni 1909 am Mastrichter Tor erschossen zu haben, steht der Gärtner und Handelsmann Hubert Schmitz, zules: Louisenstraße 20 wohnhaft gewesen. Hubert Schmitz soll einen Regenmantel am Tage nach der Tat irgendwo an einem retterzaun, wahrschemlich zwischen Kalk und Deutz an dem Schuppen der städtischen Straßenbahn, versteckt haben. Der Mantel ist bis heute nicht entdeckt worden. Sachdienliche Angaben wolle lassen. le man an die Kriminal= oder Revierpolizei gelangen Zu der Verhaftung des der Tat verdächtigen Hubert Schmitz hat unser g=Berichterstatter noch erfahren: Während der Händler Schmitz die Tat hartnäckig leugnet, will der vor einiger Zeit in der Kanalstraße ins Bein geschossene junge Schauspieler den Verhafteten mit Bestimmtheit als den Mann wiedererkennen, der ihn geschossen hat. Ruch gibt jetzt der Fensterputzer sowie das in seiner und des erschossenen Fensterputzers Begleitung gewesene Mädchen zu, daß es der Erscheinung und der Sprache nach der Täter sein könne, der den Fensterputzer erschossen hat. Als in der vorvergangenen Nacht ein Kriminalbeamter Schmitz verhaften wollte, war er in seiner Wohnung nicht anwesend. Er kam erst Sonntag früh mit zwei Säcken Gemüse nach Hause und gab an, das Gemüse gekauft zu haben, jedoch scheint er dasselbe gestohlen zu haben. Man nimmt an, daß Sch. abends und nachts in den Glacis bezw. auf dem Felde stehendes Gemüse stahl und vorher dafür sorgte, daß er freie Bahn hatte und die Luft rein machte und aus diesem Anlaß die Ueberfälle beging, um ungestört zu „arbeiten“. Es sind nämlich in der Nähe des Glacis und der Umwallung viele Diebstähle von Gemüse ausgeführt worden. lg! Augeschossen. Als in der Nacht zum Sonntag ein stellen. loser Handwerker aus Düsseldorf sich von Ehrenfeld aus der Stadt näherte, wurde er am Lindenglacis angeblich von einem Manne, der plötzlich hinter ihm hergekommen war, in die rechte Hand geschossen, ohne daß er dazu die geringste Veranlassung gegeben hätte. Die Kugel drang ihm durch die Hand und riß ihm ein Stück vom Finger mit weg. Der Revolverheld entlief gleich nach der Tat und entkam leider unerkannt. Dem Verletzten wurde auf der Unfallstation am Hauptbahnhof die erste Hülse geleistet. * Ein schwerer Automobilunfall ereignete sich Samstag nachmittag an der Marienburg. Ein Automobil aus Düsseldorf, gersteiges und uberschlug sich, u sie Insassen im Bogen auf die Straße flogen. Der Besitzer des Autos, sowie der Chauffeur wurden leicht, die Dame sehr Das hwer verletzt, so daß ihr Blut aus dem utomobil wurde beschädigt. drang. Kirchliches. reßplätze für den —.r in Buchform,(bei J. F., Baggem in Köln, jenigen, welche sich über die Veryandlungen einichten wollen, den gewünschten Aufschluß geben Auf verschie. daß Preßgegeben werden und keine eingerichtet werden könner. Dies verbietet sich zunächst aus Mangel an verfügbarem Raum in dem als Versammlungsorte dienenden Kirche. Dann aber war aber auch die Erwägung maßgebend, daß bei dieser kirchlichreligiösen Veranstaltung eine Berichterstattung wie bei sonstigen weltlichen Kongressen nicht in Betracht kommen, daher die etwaige Berichterstattung über den Kongreß für die Tagespresse sich in der Hauptsache auf die äußeren Feierlichkeiten beschranken würde. Ein besonderes Festblatt wird während der Kongreßtage nicht herausgegeben. Dafür erscheint im Herbst der Bericht über den Konare der allen denjenigen, gehend unterrichten wird Mitglieder, welche den Kongreßbeitrag von 8,50 Mark entrichten, erhalten diesen Bericht später kostenfrei. B. Im Dom wird heute Abend zwischen 7 und 8 Uhr zur Vorfeier des Festes der Apostelfürsten Petrus und Paulus (der hl. Petrus ist der Potron des Domes) das feierliche Geläute erschallen. Am Dienslag Morgen um 9½ Uhr wird Se. Eminenz der hochw. Herr Kardinal und Erzbischof Fischer im Dom das feierliche Pontifikalamt zelebrieren, dem das Domkapitel sowie die übrige Geistlichkeit und die Seminaristen beiwohnen. Das berühmte Bltarbild von Peter Paul Rubens wird in der St. Peterskirche mit dem Reliquien=Schreine des h. Bischofs Evergislus ausgestellt sein. In der Pfarrkirche St. Paul finden am Fest des Psarrpatrons(Peter= und Paulstag) hl. Messen statt um 6 und 7 Uhr. um halb 9 Uhr feierliches Hochamt, weitere Messen um 10 und 11 Uhr. 8 Uhr feierliche Besper, halb 7 Uhr Festpredigt eines Domkapitulars, feierl. Komplet und sakramentaler Umzug. (:) Gleuel, 25. Juni. Der katholische Arbeiterverein Gleuel feiert am Sonntag, 4. Juli, das Fest seiner Fahnenweihe. Der Verein ersucht die Brudervereine des Kölner Bezirksverbandes, sich zahlreich an diesem Feste zu beteiligen, damit dieser Tag sich zu einer mächtigen, imposanten Kundgebun, des katholischen Arbeitervereinsgedankens im rheinischen Braunkohlenrevier gestalte. Die Vereine versammeln sich gegen 2 Uhr an unserem Festzelt zum gemeinsamen Kirchgang. ½3 Uhr ist Festgottesdienst mit Festpredigt, 3¼—3½ Uhr Aufstellung des Festzuges; nach dem Festzuge große Festversammlung in unserem Festzelte, für die Herr Pfarrer Kastert aus Kalk die Festrede üvernommen hat. Der Verein bittet mit Rücksicht auf die finanzielle Sanierung des Festzeltes seine Gäste, auf diesen Umstand Rücksicht nehmen zu wollen. g! Eil, 25. Juni. Vergangenen Sonntag feierte der hiesige kameradschaftliche Kriegerverein sein 35 Stytunsgfest: Von auswärts hatten sich folgende Vereine eingesunden: Kriegerverein Liebour, Kriegerverein Merheim, Kriegerverein Porz, Kriegerverein Rath=Heumar und Kriegerverein Zündorf. Von Eil selbst waren vertreten: Freiwillige Feuerwehr, Gesangverein„Concordia“, Gesangverein„Cäcilia“, Männergesangverein, Turnverein„Germania“ und Junggesellenverein. Nachmittags 4 Uhr begann auf dem Festplatze die Festseier. Nach Begrüßung durch den Vorsitzenden Hauptlehrer Hovenbitzer sprach ein Schüler einen zündenden Prolog. Apothekenbesitzer Dr. Broicher in Porz übermittelte für den verhinderten Bürgermeister die Glückwünsche der Bürgermeisterei. Unter dem Donner der Böller wurde nunmehr die vom Kaiser verliehene Fahnenschleise angeheftet. Oberst Chrisch. Kommandant des Wahner Schießplatzes, brachte in kernigen Worten das Kaiserhoch aus. Johann Broicher, Ehrenpräsident des Gesangvereins „Concordia“, überreichte im Namen seines Vereins einen EhrenFahnennagel. Neun Veteranen des Vereins wurden mit Eichenlaub und goldenen Eicheln dekoriert. Bei dem dann folgenden Preisparademarsch erhielt der Kriegerverein Merheim den Preis für den besten Parademarsch und der Kriegerverein Zündorf den Preis für die Meistbeteiligung. Es folgte nunmehr ein Festzug durch den reich geschmückten Ort, dem sich ein Konzert und Festball im Saale des Gerhard Broicher anschloß (g-) Urbach, 25. Juni. Am letzten Sonntag veranstaltete der hiesige Männergesangverein sein 18 Stiftungsfest, an welchem sich von den Ortsvereinen die Vereine„Cäcilia, Turnverein, Kameradschaftlicher Kriegerverein, Freiwillige Feuerwehr und von auswärts die Gesangvereine: Quartettverein Sieglar, Männergesangverein Spich und„Gemütlichkeit"=Zündorf beteiligten. Punkt 4 Uhr bewegte sich ein stattlicher Festzug durch den Ort, dem ein Konzert im Saale des Josef Zaß folgte. Die einzelnen Vereine leisteten vorzügliches. Ein gemutlicher Festball beendete das schöne Fest. Pheinland und Westfalen. #ereugen, 26. Juni. Einen auf der Piwipp wohnenden Schiffer wurde am hellen Tage eine wertvolle Kuh von der Weide gestohlen. Von dem Dieb fehlt jede Spur. * Groß=Königsdorf, 26. Juni. Eine Frau kam auf dem hiesigen Bahnhof, als sie in den Zug einsteigen wollte, zu Fall und brach einen Arm; sie sand Aufnahme im Kölner Bürgerhospital. * Leichlingen, 27. Juni. Am 28. Juli findet hier ein Ziegenmarkt statt, der den Züchtern den Vertrieb junger Tiere und den Haltern den Ankauf guter Ziegen ermöglichen soll. Hennes, 26. Juni. Auf der Bröhlthalbahn explodierte vorgestern beim Umladen ein Ballon Säure. Ein Arbeiter wurde von der umherspritzenden Säure in die Augen getroffen. Ein Auge ist zerstört, das andere hofft man noch zu erhalten. * K ö n i g s w i n t e r, 2 7. J u n i. H e r r B ü r g e r m e i s t e r K r e i t z i s t gestern abend unerwartet gestorben. Er stürzte aus dem in voller Fahrt befindlichen D=Zuge 45 Frankfurt a. M.—Berlin zwischen Bad Nauheim und Ostheim und blieb tot auf der Strecke liegen. Bürgermeister Kreitz war 1855 geboren und als Gerichtsassessor a. D. am 15. Februar 1890 zum Bürgermeister von Königswinter gewählt worden, nachdem er sich in Eupen in die Verwaltungsgeschäfte eingearbeitet hatte. Sein Name ist aufs engste mit der Geschichte Königswinters verknüpft, für die Verschönerung dieses herrlichen Städtchens hat der so jäh Dahingeschiedene außerordentlich viel getan. Er gehörte politisch der Zentrumspartei an, vermied aber, über den Parteien stehend, an den kommunalpolitischen Kämpfen teilzunehmen. Verzdorf, 26. Juni. Das Pferd eines Milchfuhrwerks scheute vor einer Kirmesschaukel. Der Wagen wurde umgeworfen und der ganze Inhalt der Kannen, etwa 250 Liter Milch, floß über die Straße. Der Lenker des Wagens wurde hinweggeschleudert, erlitt einen Beinbruch und noch andere schwere Verletzungen. * Bestwig, 27. Juni. Im hiesigen Bahnhof wurde der Wagenmeister Beck von einer Rangiermaschine erfaßt und sofort getötet. Ein hübscher Zug des Krouprinzen wird von seiner Fahrt Hamburg=Kiel berichtet. Als. er sich mit seinem Kraftwagen einem Bahnübergang südlich von Kiel sich näherte, war die Schranke geschlossen, und das Gefährt, das mit einer Anzahl kleiner Luftballons geschmückt war, mußte halten. Ein vierjähriger Kieler Knabe blickte verlangend nach den bunten Dingern, was der Kronprinz bemerkte. Als er ihn fragte, ob er einen Ballon haben möchte, antwortete der Kleine, indem er seine Mütze zog, mit freudiger Stimme: Ja! Der Kronprinz löste das stattliche Bund— es mochten 50 bis 60 sein— und reichte dem überraschten, glückstrahlenden Knaben den hanzen Bestand. Kurz darauf stieg die Schranke wieder empor, und der Geber verschwand mit seinem Automobil. Selbst gestellt. Der Handlungsgehilfe Pohland aus Altstrelitz, geboren am 14. August 1889, stellte sich der Polizei zu Halle unter der Angabe, am 16. d. M. in Kolberg den Badegast Kaufmann Höhl=Berlin durch mehrere Revolverschüsse verwundet zu haben. Er habe die Absicht gehabt, ihn zu töten und zu berauben. Er sei ohne Mittel gewesen und habe deshalb auf den ersten Badegast, den er gesehen habe, geschossen. Er habe Höhl vorher nicht gekannt. Vom elektrischen Strom erschlagen. In München wurde ein Obermonteur der städtischen Elektrizitätswerke beim Absuchen nach einem in der 62 Kilometer langen und 50000 Volt starken Fernleitung durch Starkstrom erschlagen. Mit Bierlingen beschenkte in Holldorf in Süd=Steiermark eine Tagelöhnersfrau ihren Mann mit vier gesunden Mädchen. Ein Mord um geringer Ursache willen ist dieser Tage in Lüttich in Belgien verübt worden. Tort wohnten in einer Sackgasse auf der Montagne Walburge die Bergmannsfamilien Van Brabant und Giraerts. Van Brabant beschuldigte die Kinder seines Kimeraden, daß sie seinen Garten plündertei, und stellte deshalb Frau Giraerts, der er vor ihrer Wohnung begegnete, in überlauten und#=leidigenden Worten zur Rede. Giraerts, der Nachtschicht gehabt hatte und noch im Bette lag, sprang darüber auf, lief hinaus und warf Van Brabant zur Erde. Inzwischen war Frau Gieraerts in ihre Wohnung geeilt und mit einem großen, scharfen Brotmesser zurückgekehrt. das sie Van Brabant mit voller Wucht in die Seite stieß. Er brach nach einigen Augenblicken tot zusammen. Die Mörderin wurde unter den Drohrufen der Menge zum Polizeiamt gebracht und dann in Haft behalten. Von den zahlreichen Zuschauern des Dramas sank einer, der 65jährige ehemalige Grubenaufseher Moussron, bei seinem Verhör durch den Polizeikommissar vor Aufregung tot nieder. Der blaue Diamant. Der dem französischen Kronschatz ehemals gehörende blaue Diamant wurde dieser Tage, wie aus Paris gemeldet wird, tief unter dem Schätzungswert verkauft. Der letzte Besitzer, der Türke Habid, der den 44¼ karätigen Edelstein von dem Bankier Hope in Amsterdamk erworben hatte, verlangte 1,5 Millionen Franks. Für 400000 Franks wurde der Edelstein angeblich für Rechnung eines französischen Industriellen erstanden. Der Gesamterlös für 8 Brillanten der Habidischen Sammlung betrug 1800000 Franks. Ein Aufsehen erregender Mord wird aus Stockholm gemeldet. Generalmajor Beckman wurde am Sonntag gegen Mitternacht in dem mitten in der Stadt gelegenen Königsgarten durch einen Revolverschuß in den Rücken getötet. In seiner Begleitung befanden sich mehrere höhere Offiziere. Der Täter ein schwedischer Arbeiter erschoß sich sofort. Der russische Graf Obermüller, der vor einigen Tagen in St Tropez an Bord seiner Dacht von mehreren Matrosen überfallen wurde und dabei den Matrosen Pascal mit einem-Revolver erschoß, ist verhaftet worden. Drei Matrosen, die mit Pascal im Bunde standen, wurden gleichfalls verhaftet. Millionen=Unterschleife bei einer russischen Bahn. Auf der Wolga-Bugulmineisenbahn vurden große Unterschleife entdeckt. Zweieinhalb Millionen Mark sind gestohlen worden. Die gesamte Direktion wurde unter Anklage gestellt. Man fand eine Menge gefälschter Quittungen im Gesamtbetrage von über eine Million Mark. Auch falsche Buchführungen konnten nachgewiesen werden.— Das B. T. meldet darüber folgende Einzelheiten: Wie soeben bekannt wird, sind auf Verfügung des Verkehrsministers sämtliche Direktoren der Wolga=Bugulminbahn entlassen worden, weil eine Untersuchung festgestellt hat, daß sie samt und sonders an seit langer Zeit in großem Maßstabe betriebenen groben Unregelmäßigkeiten zum Schaden der Staatskisse beteiligt waren. Mit Wissen der Direktion wurden zur Verdeckung der unterschlagenen Summen doppelte Bücher geführt. Besonders stark ist die Direktion durch den Nachweis kompromittiert, daß sie bei allen Lieferungen für die Bahn starke Extragewinne für sich selber zu erzielen wußte. Es wurden einfach Schienen niedriger Qualität möglichst billig eingekauft, aber die höchsten Preise als dafür gezahlt in die Bücher eingetragen. Ferner wurden Einträge gemacht, nach denen fingierten Lieferanten angeblich bis zu einer Million Mark Vorschüsse gewährt worden sein sollten; es ist festgestellt, daß die Firmen gar nicht existieren und für die Summen nicht das geringste geliesert worden ist Das Resultat dieser grauenhaften Mißwirtschaft war schließlich, daß die Direktion die wirtlich ausgeführten Arbeiten und Lieferungen nicht mehr bezahlen konnte, obgleich sie vom Finanzministerium entsprechende Deckung erhalten hatte. Dadurch kam dann der ganze Schwindel an den Tag. Der genaue Umfang der Unterschlagungen ist noch nicht ermittelt, doch ist es schon nach den bisherigen Untersuchungen zweifellos, daß sie sich auf mehrere Millionen Rubel belaufen. Die Cholera in Rußland. Seit Samstag sind in Petersburg 58 Personen an Cholera erkrankt und 29 gestorben. Die Zahl der Erkrankten beträgt 506. Geit dem Wiedererscheinen der Cholera vom 29. Mai bis 26. Juni sind 744 Personen erkrankt und 240 gestorben. Der Vogelgesang nach Johanni. Uralten Bauernregeln und sonstigen Volksbehauptungen zufolge heißt es gewöhnlich, daß:s nach Johanni mit dem Vogelgesang zu Ende sei. Ein englischer Naturforscher weist nun nach, daß dem nicht ganz so ist. Er hat während eines ganzen Jahres genau aufgezeichnet welche Vögel singen und welche nicht, und hat debei auch die Stärke des Gesanges berücksichtigt. Nach seinen Forschungen singt z. B. der Hänfling bereits in der zweiten Januarwoche, erreicht Ende April seine größte Höhe, um dann langsam bis Ende Dezember abzunehmen. Dann pausiert der Vogel genau zwei Wochen lang und läßt dann wieder sein frohes Lied ertönen. Ueber haupt keine Pause im Singen macht das Rotkehlchen. Diese Sänger läßt sich am lautesten im April und im September vernehmen. Diese beiden Vögel nehmen aber eine Ausnahmestellung ein, denn in der Tat pflegen die meisten unserer Singvögel tatsächlich ihren Gesang einzustellen, weil sie dann mit der Aufzucht der zweiten Brut zu tun haben. Wie Beethoven Schulden zahlte. Da bei einem längeren Landaufenthalt Beethoven keine Anstalt zur Zahlung macht glaubte der Wirt ihn daran mahnen zu mussen, zumal er seinen Gast kaum zu sehen bekam und das Gewicht seines Namens nicht kannte. Er bat daher mit aller Höflichkeit um die Bezahlung, und Beethoven fand sich durch diese Erinnerung keineswegs b: leidigt. Vielmehr sagte er:„Es ist ganz in der Ordnung, lieber Freund, daß Sie Ihr Geld bekommen; da ich aber selbst keins bei mir habe, müssen Sie es sich aus der Stadt holen. Damit ging er wieder auf sein Zimmer und kehrte sogleich mit mehreren Bogen Papier zurück, die auf beiden Seiten dicht mit Noten beschrieben waren.„Tragen Sie das in die Musikalienhandlung von T.“, sagte Beethoven,„machen Sie dazu eine Empfehlung von mir und sagen Sie, ich hätte kein Geld und ließe daher fragen, ob sie mir hierfür 100 Dukaten schicken wollten. Der Wirt sah bald seinen Gast, bald das mit Noten bekritzelte Papie an und war zu der Meinung geneigt, der erstere sei nicht recht bei Verstand. Als Beethoren ihm indes mit größtem Ernste die Versicherung wiederholte, daß er das Geld erhalten würde, beschloß er endlich, da er ohnedies in die Stadt mußte, den Gang zu machen, obgleich er im voraus von dessen Vergeblichkeit iberzeugt war. Wenigstens wollte er sich dabei näher nach diesem Herrn von Beethoven erkundigen. Er glaubte indes seinen Sinnen kaum trauen zu dürfen, als er die 100 Dukaten wirklich auf der Stelle und unter den höchsten Empfehlungen an den Uebersender der Noten ausgezahlt bekam. Dampffähren für den Kanal. Nachdem der Bau einer Brücküber den Kanal aufgegeben und die Herstellung des unterseeischen Tunnels auf unbestimmte Zeit verschoben worden ist, sucht man gegenwärtig, wie der Prometheus(Verlag von Rudolf Mückenberger in Berlin W. 10) schreibt, die Verkehrsverbindungen zwischen England und Frankreich durch die Einrichtung eines Fährdienstes zu verbessern, wie er z. B. zwischen Warnemünde und Gjedser auf der Linie Berlin—Kopenhagen seit #einigen Jahren besteht und zwischen Saßnitz und Trelleborg demnächst eröffnet wird. Die Zahl der Reisenden, welche den Kanal passieren, hat sich außerordentlich rasch vermehrt; im Jahre 1907 gingen über die drei Häfen Calais, Boulogne und Dieppe rund 900000 Personen. Dagegen zeigt der direkte Güteraustausch zwischen den Eisenbahnnetzen der beiden Lände: nur eine sehr langsame Zunahme, er stieg im Laufe von 40 Jahren von 40 000 Tonnen auf 80 000 Tonnen und wird heute durch eine Flottille von neun kleinen Dampfbooten vermittelt, zu deren Ersatz ein einziges Föhrschiff völlig ausreichen würde. Die Frage der Dampffähren über den Kanal ist übrigens nicht neu, schon Dupuy de Lome und Sir John Fowler haben sich damit beschäftigt und den Bau von Schiffen von 4500 bezw. 7000 T. vorgeschlagen, die allerdings für die Hafenanlagen der damaligen Zeit viel zu groß gewesen wären. Die neuerdings angefertigten Entwürfe sehen Fahrzeuge vor, welche drei Geleise haben und 36 Güterwagen mit einer Geschwindigkeit von 12 Kroten, die Nachtschnellzuge mit 17 Knoten zu befördern vermögen. Die Wagen sind auf den Schiffen vollständig geschützt untergebracht. Die besonderen Schwierigkeiten beim Ein- und Ausschiffen der Eisenbahnwagen, welche von der Flut herrühren, die in Calais eine Höhe von 7 Meter erreichen kann, lassen sich durch den Bau einer verstellbaren Landungsbrücke beheben. Man erhält so eine Zufahrtsrampe von regubierbarer Reigung, deren Bedienung dadurch erleichtert werden kann, daß man die verstellbaren Teile durch Gegengewichte ausbalanciert. Eine ähnliche Anlage von 100 Meter Länge, mit deren Hilfe Niveaudifferenzen bis zu 7 Meter Höhe überwunden werden können, ist bereits in New Orleans zur Ausführung gekommen. Rüdsl poer 100 Ng. in Partien von Ctr.(ohne Jaß) 58.50 Mi. Rüdöl per 100 Ng sahm. (ohne Faß) 60,50„ gereinigtes Oel v. 100 Kilo 3.00 Ml. höber als Rübel Rübkuchen per 1000 Kilo bei abnahme von 10 030 Rle 102.91 Dit Rübkuchen in I. Bertion 103.60 Ravs I. Qual. 00,00 Ravs 2.„ 90.00 Avsel(Rüblen) 1. Qual. 00.00 Aveei" 8" 00,00 Avesl x."— Kleie per 50 Kile 6.20 Weizenstroh bie 509 Mile 00.90 Viehmärkte. Kötner Gchlachtvied=Markt vom 28. Juni. Bericht der Rotierungs=Rommistion. P Bezahit für 30 Kilogramm Schachtgewicht: Mark von bis Aufgetrieben waren: 650 Ochsen: a) Beitkeischige, ausgemästete höchsten Schlachtwerthes, bis zu 7 Jahren(2 75 d) Junge fleischige, nicht ausgemästete, und ältere ausgemästete.(dj 70 e) Mätzig genährte junge, gut genährte ältere9 64 4 Gering genährte jeden Alters(4 55 600 Kühe und Rinder a) Volseischige ausgemäslete Kalden höchsten Schlachtwortes d) Vollfleischige ausgemästete Kühe höchsten Schlachtwertes bis zu 7 Jahren.(9 67 e) Aeltere ausgemästete Kühe und wenig gut entwickelte jüngere(###62 Kühe und Kalben... 6) Mäßig genährte Küke und Kalbev......(6 56 175 Bullen a) Vollsleischige ausgemostete bis zu 5 Jahren....(as 87 d) Vollsleischige jüngere 7o 64 *) Mäßig genährte jüngere und ältere........(e 60 4) Gering genährte jüngere und ältere„(4 57 711 Kaider. 2 Zeinste Diaßt=(Gollmtichmaft) und beße Saugkälber. ie 72 9) Mitllere Mast= und gute Saugkälver(9 64 Geringe Sangkälber und ältere gerung genährte(Breder) ie 50 Doppellender bis 86. aufgetrieden: 4151 Schweine. Vollsteischige der seineren Rassen und deren Kreuzungen un Alter dis zu 1% Jahren..... a109 9) Fleischige 0) 65 4 Gering entwickelle, sowie Sauen und Eder. 6) 60 e Auslundische Schweine(unter Augade der Herkuuft) 6— Vurgezeichnete 1 Mk. medr. 78 73 68 60 66 * 58 6 66 62 59 63 6 67 63 sserstands-Nachrichten. Köln, 28. Juni. Rheinhöhe vorm. 7 Uhr 2,13m+-0,12. Nachrichten. Wien, 29. Juni. Nach übereinstimmender Auffassung ist Kossuths Entwirrungsplan infolge des Widerstandes der Bankengruppe abgetan, und das Ministerium Lukacs in Sicht. Kossuth dürfte vom Kaiser zum Eintritt in das Ministerium Lukacs aufgefordert werden. Teheran, 28. Juni. Die Endschumen haben das Wahlgesetz verworfen und der Schah hat es zurückgezogen. Handel, Gewerbe und Verkehr. Köner Frachtmarkt. 25. Juni. Luzerner Heu 9.50—10,00 M. Wiesenheu 7,50—8,50 Mark, Maschinenstrod(Roggen) 0.00 Mk., Richtstrob (Flegeldrusch) 4 50—5.00 Krumm= und Preßstrod 3.50—4 Pk. die 100 Kil. Rüb3l(in Posten von 50 m Kg. 61.00 C., Okt. 69,00 V, 68.50 C. Neuß, den 28 Juni: Fruchturei Weigen Weizen Roggen Noggen Hafer Saie gier 2. 8. 1. 2. 1. 3. inter=Berste 2. 26 8) PIk. 24.80„ 20.00 19.00 18.70„ 17.20„ 15.70 — Winter=Gerste 2. Qual. 00— Mt Maichinenstroh„ 18.00“ Flegeldrusch""„ 20.00„ Heu die 80 Ailo 4,20—4.00„ Luzernerheu„„ 5.00—0.00„ Kartosseln 80 Ng. 3,80—4.00„ Butter per Kilo 2.00„ Sier 190 Stück 8.00 Standesamts-Nachrichten. Stadt Koln. Vom 26. Juni. Geburten. Joseph, S. von Leonhard Berg. Postbote, Hermann Beckerstraße 10. Peter, S. von Heinrich Roevenich. Schlossermeister, Brabanterstraße 26. Peter, E. von Joh. Friedrich, Elektro=Ingenieur, Bremerstraße 8. Friedrich. S. von Friedrich Klouth, Schneidermeister, Antonitterstraße 22 Oskar, S. von Ludwig Gerlach, Schneider, Kr. Buchel 17—19. Wildelm, S. von Karl Thiele, Postbote, Löweng. 4. Walter, S. von Gustav Rodies, Kaufmann, Alteburgerstr. 18. Joseph, S. von[Richard Friedrich, Stabs= und Vataillonsarzt, Trajanstr. 87. Paul. S. von Karl Muller. städt. Sekretär, Teutoburgerstraße 24. Kurt, S. von Nik. Deutsch, Notariatssekretär, Mainzerstr. 78. Johann, S. von Peter Kremer, Handelsm., Stolzestr. 4. Sara, I. von Abiaham Glaß. Handelsmann. Weißbütteng. 26. Agnes, T. v. Herm. Zimmermann. Tagel., Schnurgasse 17. Johann, S. v. Johann Müller, Tagel., Paulstraße 38. Ida, T. von Jos. Scheuzer, Juhrm., Moselstraße 18. Sterbefälle. Sibylla Franosch, ged. Maltitz, 60 Jahre, Verlengraben 6. Wilhelm Kremer, 8 Monale Heinsbergstraße 24. Luigi Maccini, Tagel., verh., 59 J., Buschg. 9. Karoline Siebertz, geb. Hiesserich, 38 J., Gabelsbergerstraße 31. Therese Thiele, ged. Strohdick, 81 J., Hohe Pforte 20. Christian Werheid, 1 J., Unter Krahnenbäumen 12a. Peter Türck, 1 J., Krahnenhof 6. Maria Jüsgen, geb. Humberg. 55 J., Moltkestraße 91. Heiraten Franz Herkrath, Kanonier im Wests. Fußart.=Regt. 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