Die tägliche Aubgabe bes„Abeiatschen Merker“ mit den Soatisbeilagen in Bouilllentwie,„Seontegfahe and„Draktischer Ratgeber für Landund Hauswirtschaft" kostet, durch naiser Beten bezegen, aber auf der bei ebgchelt monatlich 60 Pfg., dunh den Orieftrüger in' Haus ensnacht, vierteljährlich 2 Ml. 22 Die. Telephon=Anschlutz Nr. 900. „In Familienkreise“,„Sonntagsruhe“ und„Praktischer Ratgeber für Land= und Die heutige Nummer umfaßt drei Blätter. Vor dem sozialdemokratischen Parteitag. Die nächste Woche wird in Nürnberg dem diesjährigen Parteitage der deutschen Sozialdemokratie gewidmet werden. In der alten bayerischen Stadt mit ihrem mittelalterlichen Gepräge finden sich schon allmählich die Vertreter ein, viele mit Ruasicht auf den sozioldemokratischen Frauenkongreß, der wieder dem Parteitag vorausgeht. Die Frauen nehmen zuern das Wort. Zwei bis drei Tage lang. Sie begannen schon gestern. In dem etwas entlegenen Soal der Goldenen Rose versammelten sich gegen 50 Delegierte. Die Genossinnen Zetkin und Zietz wurden zu Vorsitzenden gewählt. Frl. Baader=Berlin erstattete als Vertrauensperson den Geschäfts= und Agitationsbericht. In ihm ist bemerkenswert die unter stürmischem Beifall wiederholte Aufforderung zu rücksichtslosem Terrorismus bei den Wahlen. Die Aufforderung erfolgte in so zynischer Form, daß der anwesende Gewerkschaftsführer v. Elm sich veranlaßt Verwahrung einzulegen, indem er darauf hinwies, daß nur die Stärkung der wirtschaftlichen Macht zur politischen verhelfe. Außerdem solle man doch nicht übersehen, daß die vom sozialdemokratischen Terrorismus betroffenen Schichten schon Mittel der Abwehr finden würden. Der Terrorismus sei nach wie vor prinzipiell zu verwerfen. Der Frauenkongreß wird sich im weiteren mit Organisationsfragen und der Jugenderziehung beposten. Ist schon dieses Vorspiel recht lebendig, so verspricht der eigentliche Parteitag ein neuer Jungbrunnen zu werden. In den letzten drei Jahren sind die Generalversammlungen der sozialdemokratischen Partei ziemlich ruhig verlaufen. Das Schicksal, das Herr Bebel in Dresden den Revisionisten bereitet hatte, wirkte abschreckend. In Jena, Mannheim und Essen unterblieben infolgedessen Disputationen über Meinungsverschiedenheiten grundsätzlicher Art. Die Minderheiten, welche mit der Berliner Richtung nicht einverstanden waren, verzichteten darauf, ihren abweichenden Standpunkt zur Geltung zu bringen. Zunächst hatte es den Anschein, daß es in berg ebenso gehen werde. Es ist bekannt, daß aber die Budgetbewilligung der süddeutschen Landtagsfraktion den Frieden störte; das Eingreifen des Parteivorstandes und die daran sich anknüpfende scharfe Preßpclemik hatten zur Folge, daß die Frage der Budgetbewilligung in Nürnberg erneut zur Sprache kommen und voraussichtlich der Gegenstand lebhafter Auseinandersetzungen werden wird. Parteivorstand und Vorwärts# haben ansänglich die Bedeutung der süddeutschen Rebellion überschätzt. Sie mußten aber erkennen, daß mit autokratischen Ukassen die Opposition nicht zu unterdrücken war. Daß die Lage sehr ernst ist, beweisen am besten die von Berlin aus unternommenen Verluche, möglichst viel der radikalen Richtung angehörenden Delegierten nach Nürnberg zu bringen, damit der Parteivorstand von vornherein auf eine sichere Mehrheit rechnen kann. Der Vorwärts beschuldigt die süddeutschen Genossen, die sio die Budgetbewilligung sich erklärt haben, revisionistischer Gesinnungen. Er glaubt damit die Mehrheit der Genossen graulich machen zu können. Nun ist richtig, daß die Revisionisten in den Budgetbewilligungsstreit auf seiten der Süddeutschen stehen. Es würde aber eine starke Verkennung der Tatsachen bedeuten, wollte man annehmen, daß die süddeutschen Genossen allesamt erklärte Anhänger der revisionistischen Richtung seien. Es handelt sich in Wahrheit um einen Gegensatz zwischen Norddeutschland und Süddeutschland, der begründet ist in der Verschiedenheit der politischen Verhältnisse, in denen die Sozialdemokratie zu wirken hat. In Berlin mag es vom sozialdemokratischen Standpunkte aus betrachtet ratsamer erscheinen, grundsätzliche und konsequente Opposition zu treiben; in Süddeutschland würde die unentwegte Verneinungspolitik die Sozialdemokratie zur vollen Bedeutungslosigkeit verurteilen. Die süddentschen Genossen, und was besonders wichtig ist, gerade die Arbeiter unter ihnen haben erkannt, daß sie praktische Gegenwartspolitik treiben müssen, daß die Wählerschaft greifbare Resultate verlangt und mit der lediglich mundfertigen Betonung der sozialistischen Ideale nicht zufrieden ist. Revisionistische Gedankengänge liegen diesen Erwägungen an sich völlig fern; sie sind praktischer, nicht theoretischer Natur. Und so wird auch der Hinweis auf den„revisionistischen Irrglauben“ in dem Streit um die Budgetbewilligung nicht leicht die Rolle spielen bezw. nicht den Erfolg zeitigen, dne der Vorwärts erwartet. Es handelt sich nicht um den Widerstreit zwischen Marxismus und Revisionismus, sondern um den Widerstreit zwischen dem von den norddeutschen Genossen vertretenen madikalismus, der jedwede positive Mitarbeit im Rahmen der bestehenden Staats und Gesellschaftsordnung ablehnt und alles Heil vom Zukunftsstaat erwartet, und dem in Süddeutschland maßgebend gewordenen OpTda. Von Nelly Franz. 111(Nachdruck verboten.) Meta war zu den Blumen getreten und bückte sich tief auf dieselben herab, wollte sie den Schmerz verbergen, den die Kälte Idas hervorrief? Oder wollte sie es der jungen Frau ersparen, auch für sie noch ein paar Dankesworte zu finden So ganz anders hatte die Tante sich den Einzug der jungen Frau gedacht. Mit Liebe sorgte sie seit Wochen für die kommende Herrin, jeder Raum des Hauses gab Zeugnis davon, und nun hatte Ida das gar nicht anders erwartet. Zum erstenmal kniete sie heute seit langer Zeit vor dem Kruzifix in ihrem Schlafzimmer und weinte, während sie betend das Glück des Hauses unter Gottes Schutz stellte.— In dem reizenden Boudoir finden wir die Gatten allein, Ida scheint zu schmollen, und zerpflückt gedankenlos ein Bouquett, welches auf dem Tische stand. „Es scheint Dich verletzt zu haben, Ida, daß ich Dich gebeten, nicht so kalt, so ohne jede Herzlichkeit gegen die gute Tante zu sein. Sie hat mich stets wie einen Sohn geliebt und sie ist es gewohnt, daß ich ihr Kindesliebe entgegenbringe, darum wird Deine Kälte ihr sehr wehe getan haben. Von Meta will ich gar nicht sprechen, vielleicht fuhlt das junge Herz noch nicht so tief.“ „Du scheinst durch den heutigen Empfang sehr sentimental gestimmt zu sein, lieber Emil, sonst würdest Du doch nicht von mir erwarten, ich solle Deine Verwandten mit überschwänglicher Zärtlichkeit begrüßen. Ich habe es Dir schon wiederholt gesagt, daß diese Aeußerlichkeiten mit den Gefühlen des Herzens nichts zu tun haben, darum verlange nicht von mir, etwas zu geben, was mir widerstrebt.“ „Vor unserer Verheiratung dachtest Du nicht so ganz, wie jetzt, ich erinnere mich noch des einen Abends im Walde, als Felix Dir davon sprach, wie bald Du, nun scheiden würdest von dem schönen Heim, um mir zu folgen in die neue Heimat. Da umschlangest Du Felix mit Deinen Armen, als wolltest Du ihn festhalten fürs ganze Leben. Waren das auch etwa nur Aeußerlichkeiten, oder fühlte das Herz doch etwas dabei?“ „Ja, dabei fühlte das Herz, aber das war eine andere Zeit. „Ida, meine Ida, ich hatte mich so gefreut auf den ersten Tag in der Heimat, trübe ihn mir nicht. Du bist erschöpft von portinismus, dessen Endziel auch der Zukunftsstaat ist, der es aber nicht verschmäht, heute schon zur Besserung der Lage des Prolctariats jedes geeignete Mittel anzuwenden. Eben derselbe Gegensatz besteht auch zwischen der sozialdemokratischen Partei und den freien Gewerkschaften,— zur Zeit besonders aktuell in der Frage der Maifeier und der Jugendorganisationen,— und es ist nicht unmöglich, daß bei der durch die Budgetbewilligung höchstwahrscheinlich veranlaßten prinziviellen Auseinandersetzung zwischen norddeutschen und süddeutschen Genossen über Berechtigung und Ausdehnung der praktischen Gegenwartsarbeit auch die Differenzen zwischen Partei und Gewerkschaften auf's Tapet gebracht werden. Es ist die Frage aufgeworfen worden, ob in Nürnberg eine Spaltung innerhalb der deutschen Sozialdemokratie zu erwarten sei. Die süddeutschen Liberalen wiegen sich gar schon in frohen Hoffnungen, daß ihre Reihen durch die Sezession der süddeutschen Genossen verstärkt werden. Der Abg. Legien hat in Kiel vor wenigen Tagen erklärt, daß eine Spaltung der Partei schon wahrscheinlich sei und im Zusammenhang damit darf auch die Drohung des Münchener sozialdemokratischen Organs, der Münchener Post erwähnt werden, daß die süddeutschen Genossen auf die Beschickung des Parteitags zu verzichten sich veranlaßt sehen könnten. Allein von einer Verwirlichung dieser Absicht hört man nichts; und die Aeußerung des Abg. Legien wird man ebenfalls nur als eine„Warnung= nach Berlin hin aufzufassen haben. Es ist zwar nicht daran zu denken, daß die Süddeutschen sich ebenso vergewaltigen lassen, wie es in Dresden die Revisionisten getan; dafür sind ihre Reihen zu stark. Vor allem die gemeinsamen Geschäftsunternehmungen und Finanzen halten die Sozialdemokratie zusammen. Für sie Süddeutschen würde das Ausscheiden aus dem Parteiverbande den Verlust aller Agitationsmittel, vor allem der Presse und des Geldes bedeuten. Die Parteileitung andererseits hat das größte Interesse daran, die Einigkeit der Partei zu wahren, besonders weil die durch die letzten Reichstagswahlen erheblich geschwächte Reichstagsfraktion einen weiteren Verlust nicht erfahren kann, ohne zur völligen Bedeutungslosigkeit herabzusinken.“Es ist darum nicht anzunehmen, daß in Nürnberg Differenzen, die bis zur Trennung führen, entstehen werden. Die Parteileitung wird vielmehr, wie es auch schon früher mit Erfolg geschehen ist, eine„vertrauliche Aussprache“ hinter verschlossenen Türen arrangieren, in der eine Einigungsresolution zurechtgedeichselt wird, und am Ende wird auch nach außen hin die Einigkeit der Partei wieder einmal glänzend bewiesen und kundgegeben. Deutsches Reich. Berlin, 12. Sept. Ein Lehrerinnenaustausch ist zur Förderung des fremdsprachlichen Unterrichts zwischen dem preußischen Kultusminister, dem französischen Minister des Unterrichts und dem Präsidenten des„Board of education“ vereinbart worden. Die Lehrerinnen müssen mit der Sprache des anderen Landes vertraut sein. Die Dauer des Aufenthaltes ist einstweilen auf sechs Monate bemessen, kann aber eventuell verlängert werden. Die deutschen Lehrerinnen erhalten in Frankreich keine Bezahlung, aber ier Aufenthalt, Wohnung, Beköstigung, Beleuchtung, Wäsche usw. ist frei. In England wird den preußischen Lehrerinnen dasselbe geboten, jedoch wird die freie Station auf Wunsch auch durch einen Geldbetrag abgelöst. In Preußen sollen die fremden Lehrerinnen eine Vergütung von 110 Mark für den Monat erhalten. Berlin, 11. Sept. Das Königliche Eisenbahnzentralamt in Berlin ist beauftragt worden, wegen Uebernahme der Herstellung von 1135 Personenwagen sowie 309 Gepäck und Postwagen verschiedener Gattungen für die bestehenden Bahnen mit den Wagenbauanstalten, die zur Zeit für die preußisch=hessische Staatseisenbahnverwaltung beschäftigt sind, in Verhandlung zu treten. Die Anlieferung dieser Wagen soll bis zum 1. Oktober 1909 erfolgt sein. Berlin, 11. Sept. Das Programm für die 15. Tagung der interparlamentarischen Union wird nunmehr veröffentlicht. Es sind bisher im ganzen 899 Teilnehmer angemeldet, darunter aus Belgien 105, aus Kanada 6, Dänemark 49, Deutschland 82, Frankreich 44, Großbritannien 71, Holland 57, Italien 127, Japan 1, Norwegen 25, Oesterreich 111, Portugal 20, Rumänien 43, Rußland 9, Schweden 16, der Schweiz 7, Spanien 5, Ungarn 95 und aus den Vereinigten Staaten von Amerika 26. Außerdem sind angemeldet 255 ausländische und 38 deutsche Damen. Die Sitzungen des Kongresses finden statt am Donnerstag den 17. bis Samstag den 19. September im Sitzungssaal des deutschen Reichstages von 10 Uhr vormittags bis 4 Uhr nachmittags. Das Bureau des Kongresses befindet sich im Reichstagsgebäude, dort ist auch wahrend der Dauer des Kongresses eine Postanstalt eröffnet. Den Mittwoch abend füllt ein Begrüßungsabend im Reichstag, am Wonnerstag abend empfängt Prinz der Reise, ich habe schon alles vergessen, was Du gesagt, und morgen, wenn Du erwachst, da lacht der alte Sonnenschein wieder in Deinen Augen.“ Die Tante war in den folgenden Tagen ganz die alte, niemand merkte es, daß die junge Frau durch ihre Kälte sie so tief verletzt hatte. Meta mied Ida, aber war der Onkel zugegen, dann suchte ihr Blick bis auf den Grund von Idas Seele lesen zu wollen. Warum verfolgte sie doch stets der Gedanke, Ida liebe den Onkel nicht, sie selbst hing doch mit ganzer Seele an ihrem zweiten Vater „Gott sei Dank,“ sagte Senden, als man in der nächsten Woche sich zum Diner begab,„das war die letzte Visite. Es ist eine Qual, immer dieselben Worte des Empfanges der Gratulation anzuhören, stets dieselben faden Schmeicheleien hinzunehmen, die der jungen, reizenden Frau gezollt werden. „Gönnest Du mir die etwa nicht? ich meine, Du könntest stolz sein, wenn man Dir sagt, daß Du eine so gute Wahl getroffen?“ „Bin ich denn nicht stolz auf Dich, aber bleibt es darum nicht ebenso fade und abgeschmackt, dasselbe von alt und jung immer wiederholen zu hören?“ „Das ist Geschmacksache, mich amüsiert es. Wie heißt doch der junge Fürst, den wir im Hause des Grafen P. kennen lernten, er scheint eine interessante Persönlichkeit zu sein.“ „Es ist der Fürst W., eine hier sehr beliebte Persönlichkeit, besonders die Damenwelt zählt zu seinen Bewundern, doch soll er ein wenig lockere Sitten haben.“ „Ahl es wird gleich eine Warnungstafel von dem gestrengen Gatten aufgestellt, so bald man sich über eine interessant scheinende Persönlichkeit einige Details erbittet.“ „Ich weiß, daß Du einer solchen nicht bedarfst, und füge auch nur die Bemerkung bei, die jeder hier ausspricht.“ „Welch' ernstes Gesichtchen, liebe Meta,“ wandte er sich an diese, ich bin das an Dir gar nicht gewohnt, für die nächste Zeit mußt Du Dir eine recht heitere Miene anschaffen, damit Du geziemend aufzutreten vermogst, denn Bälle, Soireen, Tees usw. werden wir in Hülle und Fülle zu besuchen haben.“ „Fällt Dir Metas ernstes Gesicht erst heute auf? So lange ich hier bin, habe ich kaum einen frohen Ausdruck zu sehen bekommen, es scheint, als wäre ich dem kleinen Fräulein kein willkommener Gast hier.“ „Ida, liebe Tante, Du glaubst selbst nicht, was Du mir vorwirfst, sonst würde es mir sehr wehe tun!“ Heinrich zu Schönaich-Carolath die Parlamentarier im preußischen Abgeordnetenhause, Freitag nachmittag gibt die Handelskammer der Stadt Berlin ein Festmahl, abends werden die Konferenzmitglieder durch die Stadt Berlin im Rathause empfangen, am Samstag nachmittag empfängt der Reichskanzler die Konferenzmitglieder im Reichskanzlerpalais und abends 8 Uhr ist Bankett in den Festräumen des Zoologischen Gartens. Der Sonntag ist Ausflügen gewidmet. Das billige Ortsporto. Ein Berliner Blatt erfährt, daß die Reichsfinanzreform neben der Aufhebung der Fahrkartensteuer die Wiedereinführung des billigen Ortsportos für Postsachen bringen werde. Brannschweig, 11. Sept. Bei der heutigen Reichstagsersatzwahl im zweiten braunschweigischen Wahlkreise Wolsenbüttel=Helmstedt erhielt Kleye(verein. national. Parteien) 10771, Dedekind(Welfe) 5643, Rieke(soz.=dem.) 7065 Stimmen. Das Ergebnis einiger unbedeutender Orte steht noch aus. Der Wahlkreis war bisher vertreten durch Fritz v. Kaufmann, Hospitant der Nationalliberalen. Bei der letzten Wahl im vorigen Jahre wurde Kaufmann gleich im ersten Wahlgange mit 14 122 Stimmen gewählt; damals erhielt der Welfe 4876 und der Sozialdemokrat 7998 Stimmen. Jetzt wird Stichwahl notwendig zwischen Kleye und Rieke. Kolmar, 11. Sept. Nach Beendigung der Manöver machte der Kaiser eine Automobilfahrt durch den Süden des Elsaß. Die Fahrt gestaltete sich zu einer fortgesetzten Huldigung seitens der Bevölkerung: überall Glockengeläute, Begeisterung, Ueberreichung von Blumen. Der Kaiser war buchstäblich bedeckt mit Blumen, alle Automobile waren mit Blumen überladen. In Rappoltsweiler wurde der Kaiser von dem Pfeiferkönig begrüßt; in Kaisersberg, in Münster, in Reichenweier wurde Ehrenwein gereicht, in letzterer Stadt aus einem Trinkhorn, einem alten Ehrenpreis der Stadt. Die Stadt Kolmar war reich geschmückt, die Vereine und Innungen bildeten Spalier. Um 6 Uhr 15 Minuten liefen unter Glockengeläute die kaiserlichen Automobile in die Stadt ein. Der Kaiser trug die Uniform der Posener Jäger zu Pferde, mit ihm kamen die Prinzen August Wilhelm und Oskar. Fürst Fürstenberg, das Gefolge, sowie Unterstaatssekretär Frhr. Zorn v. Bulach. Vor dem Stadthause empfingen den Kaiser Statthalter Graf v. Wedel, Bezirkspräsident v. Puttkamer, Bürgermeister Blumenthal und Kammerhers v. Stößer, die den Kaiser in den Gemeinde=Ratssaal hinaufgeleiteten. Oben hatten sich eingefunden die Vertreter der Stadt, die Geistlichkeit und die Spitzen der Behörden. Der Bürgermeister Blumenthal hielt eine Ansprache, worauf der Kaiser folgendes erwiderte: Ich spreche Ihnen von ganzem Herzen meinen Dank aus für Ihre freundliche Ansprache und für die Gesinnungen der Stadt Kolmar, die aus Ihren Worten hervorleuchten. Nach den erhebenden Eindrücken die ich während meines AufentHerz berührt haben, gesellt sich auch dieser letzte Tag als ein sympathisches Glied zu dieser Kette. Die Städte, die ich durchfahren habe, sei es im Rebengelände, sei es auch in waldiger Schlucht, haben sich bemüht, durch Schmuck, durch reichliche Blumengaben und durch Darbietung der Erzeugnisse des Landes mir Kunde zu geben von der Freude, mit der sie mein Besuch erfüllt hat. Ich spreche hierfür, namentlich für den Empfang in Kolmar, dem Stadthaupt und den Vertretern der Stadt herzlichsten Dank aus. Ich danke Ihnen für die Einladung in Ihr Rathaus. Eine Hauptfreude für mich ist das Studium der Geschichte und darauf begründet die Pflege der Tradition. Wir sind hier auf althistorischem Boden; bis in die Karolingerzeit hinein reicht die Geschichte der Städte und und sein Vaterland. Ich brauche bloß einen berühmten Namen aus ihrer Stadtgeschichte anzuklingen, den Namen Rösselmann. Ihre Schicksale hat auch diese Stadt wie dieses schöne Land durchmachen müssen; nun aber ist es ihr gegeben, in Frieden sich ausbreiten und entwickeln zu können. Der Friede wird erhalten bleiben, und das Land wird weiter grünen und blühen können. Kolmar sowohl wie das Elsaß kann ganz sicher sein, daß sie in den Falten meines Herzens einen besonders festen und sichern und warmen Winkel haben, daß ich stets an sie denken und mit Freude ihre Entwicklung verfolgen werde. Diese Entwicklung wird sich, Gott sei Dank, unter dem Schutz des deutschen Reichsadlers und unter meiner Standarte vollziehen und so Gott will niemals gestört werden. Das ist es, was Sie alle wünschen. Meines Interesses und meiner warmen Fürsorge für Sie dürfen Sie versichert sein. Ich trinke auf das Wohl der Stadt Kolmar ihrer Bürger und ihrer Vertreter. Die Kolmarer sollen leben! Der Kaiser trat dann auf den Balkon des Rathauses und dankte freundlich für die stürmischen Hochrufe des Publikums. „Nenne mich, bitte, nicht Tante, wir sind ja fast in einem Alter und da klingt das doch zu lächerlich.— Dann bitte ich, wenn ich wirklich Dir den Vorwurf, Du hättest mich nicht gern als Frau hier begrüßt, ungerecht gemacht habe, schau nicht immer so finster drein, ich liebe es, frohe Gesichter um mich zu sehen.“ „Du hast recht, Ida,“ sagte die Tante,„es ist so wohltuend, frohe und zufriedene Menschen um sich zu haben, aber es ist oft ein Etwas im Herzen, das gebieterisch sein Recht fordert, es ist manchmal ein unausgesprochener Kummer oder Schmerz, der sich im Gesicht abprägt, und ein so junges Kind wie Meta hat es noch nicht gelernt, zu lächeln, wenn das Herz blutet.“ „Ich wüßte nur nicht, was Meta denn fehlen sollte, sie scheint mir doch hier im Hause eine Stellung einzunehmen, um die manches junge Mädchen in ihrer Lage sie beneiden würde.“ Meta war leise auf den Balkon getreten, es tat ihr wehe, wie rückhaltlosdie junge Frau über ihr Verhältnis zu ihrer Familie sprach.. Pteisr em.o#. G. „Meta ist meiner verstorbenen Schwester einziges Kind. als man die Mutter ins Grab legte, habe ich gelobt, ihr Vater zu sein und hoffe, ich werde mein Versprechen halten, und bitte Dich, mir dabei zu helfen, denn das gute Kind hängt mit unsäglicher Liebe an ihrem Onkel und verdient es, daß Du ihr recht von Herzen zugetan bist.“ „Soll ich etwa Mutterstelle bei Meta vertreten? Nur das nicht, es würde mir zu viele Pflichten auflegen und gerade jetzt, wo so viele Zerstreuungen in Aussicht stehen, da fühle ich mich nicht einer so schweren Aufgabe gewachsen! Aber Emil, nun ist auf Deiner Stirn auch eine finstere Wolke, sei doch kein Griesgram, es steht Dir so schlecht, und dann siehst Du so viel älter aus! Sei wieder gut, Deine Frau ist nicht so schlimm, wie es scheint!" und lächelnd reichte sie ihm die Hand hin, und der ernste Mann war überwunden, vergessen war das Weh, welches ihre Worte heraufbeschworen. Der sonst so willensstarke Mann war schwach, sobald das junge Wesen, welches er so von ganzer Seele liebte, dem Gatten nur einen winzigen Beweis von Zuneigung schenkte, das war der jungen Frau nicht verborgen geblieben; sie hatte sich die Worte ihrer Mutter gemerkt und darnach gehandelt, und wirklich hatte sie in den wenigen Wochen der Ehe es schon herausgefunden, wie sie ihren Gatten vollständig beherrschen konnte. Und der gute Senden, er war blind in seiner Liebe zu Ida, er wollte sie nur glücklich wissen und überseh, daß sie zu verzogen sei, um das Glück da zu suchen, wo es allein zu finden ist. Die Tante hatte längst den Saal verlassen und war mit Meta Um 6 Uhr 50 Min. erfolgte die Abfahrt nach Wildpark, wo der Kaiser morgen vormittag um 11 Uhr eintreffen wird. Metz, 11. Sept. Der im Kaiser=Manöver vom Pferde gestürzte Prinz Heinrich von Bayern konnte heute aus der ärztlichen Behandlung entlassen werden. Er ist nach Köln gereist und hat sich mit dem ihn dort erwartenden Herzog von Arenberg nach dem Schloß Nordkirch im Kreise Lüdinghausen in Westfalen zum Jagdbesuch begeben. Südwestafrika. Der Dampfer„Bürgermeister" von der deutschen Ostafrika=Linie, mit dem Staatssekretär Dernburg sowie mehreren Offizieren und etwa 200 Mann von der südwestafrikanischen Schutztruppe an Bord, ist gestern in Antwerpen angekommen. Der Staatssekretär äußerte sich über seine Eindrücke von Deutsch=Südwestafrika dem Korrespondenten des Berliner Tageblatt gegenüber wie folgt: Die Fragen sind sehr komplex und die Ausgleichung der verschiedenartigen Interessen nicht leicht. Im allgemeinen kann man sagen, daß das Land in der Lage ist, mit Erfolg auch in großen Quantitäten Weltmarkts-Produkte zu Konkurrenzpreisen zu schaffen, daß dazu aber auch für den einzelnen Farmer nicht unerhebliches Kapital gehört. Die Wirtschaft ist überall noch zu sehr im Anfang. Die Wirtschaftskrise, eine Folge des Krieges und seiner Begleiterscheinungen, hat ihren Höhepunkt noch nicht überschritten und es ist heute schon sicher, daß die Aufwendungen des Reiches für die Verwaltungs= und Schutzkosten für geraume Zeit nicht aufhören können. Die Erkenntnis der wirtschaftlichen Notwendigkeiten ist aber bei einem großen Teile der Bevölkerung vorhanden und eine Gesundung der Zustände aus dieser heraus kann erwartet werden. Internationaler Eucharistischer Kongreß. bec London, 10. Sept. Eröffnung des Kongresses. Wie bereits gestern berichtet, traf der päpstliche Legat, Kardinal Vinzenz Vanutelli am Dienstag nachmittag kurz vor 6 Uhr an der Charing Croß Railway Station ein. Der belgische Dampfer„Prinzeß Clementine“ hatte ihn von Ostende nach Dover gebracht; er war begleitet vom Kardinal Mathien und dem Geheimsekretär Msg. Bidwell. Er empfing die ihn begrüßende bischöfliche Deputation im Schiffssalon. Hier wie auch am Bahnhof Charing Croß empfing ihn das Volk mit lauten Hochrufen. Dort waren zahlreiche Würdenträger und angesehene Männer geistlichen und weltlichen Standes zum Empfange versammelt, an der Spitze der Erzbischof von Westminster, Dr. Bourne, sodann der Primas von Spanien, Kardinal Sancho v Harvas. begleitet vom päpstlichen Kammerherrn Grafen Ramirer Arillano u. a. Von den Laien sei der Herzog von Norfolk, der Präsident der Catbolic Union of Great Brittain, genannt, der als erster den Salonwagen des Leaaten betrat und diesen, niederkniend und den Episkopalring küssend, begrüßte. Der freudige Empfang durch die ihm zujubelnde Menge veranlaßte den Legaten zu einer kurzen Ansprache in italienischer Sprache:„Es ist lange her, seit päpstliche Legaten dieses Land besuchten. Die Pflicht und Ehre der Vertretung des hl. Vaters liegt mir ob und mit großer Freude komme ich hierher. Ich danke Ihnen von ganzem Herzen für den warmen Empfang und werde nicht verfehlen, dem hl. Vater mitzuteilen, wie gut ich in diesem freiheitlichen Lande aufgenommen worden bin. Dem Kongreß wünsche ich guten Erfolg. Er wird der Markstein einer neuen Epoche in dem reiigiösen Leben dieses Landes sein.“— Der päpstliche Legat stieg im erzbischöflichen Palais ab. Der 19. Internationale Eucharistisch= Kongreß wurde gestern abend 8 Uhr in der Westminster=Kathedrale feierlich eröffnet. Tausende harrten stundenlang des Eintritts, andere Tausende als Zuschauer. Laute aller Sprachen schwirrten ums Ohr, die verschiedenartigsten geistlichen Trachten tauchten auf. Im Vorbeigehen sah ich den Duke of Norfolk, einen kräftigen, mittelgroßen Herrn mit schwarzem Vollbart im Altex von etwa 40 Jahren. Er kam eiligen Schrittes vom erzbischöflichen Palais, wohin er seine Gälte aus seinem Palais, dem NorsolkeHause am St. James=Square, den Kardinal Gibbons, den Erzbischof von Paris und den Prinzen Max von Sachsen, begleitet hatte; freundlich lächelnd blieb er einige Augenblicke stehen, als mehrere Photographen ihn baten, ihn knipsen zu dürfen. Gegen 7½ Uhr wurden die Türen der Kathedrale geöffnet und durch vier Eingänge wurden die Kongreßteilnehmer sowie die Kongregationsmitglieder eingelassen; aber die geräumige Kirche reichte nicht aus, wohl 500 Inhaber provisorischer Karten mußten draußen bleiben. Cabs, Motoriars, Hansans rollten in ununterbrochener Folge vor und brachten Bischöfe, Lords Priester usw. Gegen 8 Uhr erschien der Erzbischof von Westminster, in vollem Ornat mir Silbermitra und Stab in der Tür der Sakristei; ihm folgten in feierlichem Zuge angetan mit dem Zeichen ihrer Würde, sechs Kardinäle und etwa 100 Bischöfe und Aebte. Im Chor erwartete der Erzbischof den Kardinallegaten, dessen Nahen eine Trompetenfanfare der Catholic Bog's Brigad(Jugendwehr), die in ihren kleidsamen Uniformen— ähnlich deren der Berliner Messengerboys— die Ehrengarde stellten. Dazwischen erklang das brausende Vivatrufen der draußen stehenden Menge, durch die sich der Wagen kaum Schritt für Schritt Platz machen kennte. Es in den Garten gegangen, sie verstand es bald, den Reif zu entfernen, der auf die junge Seele gefallen, die Tränen zu trocknen, welche die kalten Worte Idas ihr ausgepreßt. Monate verflossen in einem Rausche von Vergnügungen, es war ein ewiges Haschen nach Lust und Freude. Der Oberst war übersättigt, Meta zu jung, um an allen Festen teilnehmen zu können, auch zog sie es vor, daheim mit der Tante zu plaudern, denn diese war nicht zu bewegen gewesen, sich mit in den Trubel des gesellschaftlichen Lebens zu stürzen. Ida war so ganz in ihrem Elemente, sie war die Königin der Feste. Ihre Schönheit bezauberte jung und alt, und die Eleganz ihrer Toiletten erregte den Neid mancher Damen. Der arme Senden wurde kaum neben seiner schönen Frau beachtet, und Ida fand nur wenig Zeit, sich mit ihm zu beschäftigen, denn sobald sie in einer Gesellschaft erschienen, wurde sie umschwärmt von all ihren Verehrern. Besonders war es der junge Fürst W., der sie in auffallender Weise auszeichnete. Anfangs hatte Senden ein Gefühl des Stolzes empfunden, daß er diese so umworbene Frau sein eigen nenne. Als er aber wahrnahm, wie Ida so ganz dem Zauber ihrer Umgebung sich hingab, wie sie nur mehr glücklich war im Strudel der Vergnügungen, da gedachte er der Worte ihres Bruders Felix:„Wenn Du meine Schwester in die neue Heimat geführt, dann behüte und bewahre sie!" Das hatte er gelobt zu tun und er wollte es halten. Schon hatte er Ida gebeten, doch einige Einladungen abzulehnen, da er zu ermüdet sei, er hatte sie zart und schonend darauf hingewiesen, daß es heilige Pflichten für sie gäbe, die es forderten, daß sie sich schone,— aber Ida hatte lächelnd gemeint, sie sei zu jung, um sich von Pflichten bestimmen zu lassen, und bald sei ja die Saison zu Ende, dann wolle sie eine ganz gehorsame Gattin sein. Einmal nur hatte er Ida ernstliche Vorwürfe gemacht, es war nach einer Soiree beim Grafen P. Der junge Fürst von W. hatte sie in einer Weise ausgezeichnet, wie es eine treue Frau von einem anderen, als von ihrem Gatten, sich nicht gefallen lassen durfte. Hier wäre entschiedene Zurückweisung am Platze gewesen, aber die unerfahrene und törichte Ida hatte den Schmeicheleien willig gelauscht, hatte mit stolzem Lächeln auf die anderen Damen geblickt, die der Fürst in ihrer Gegenwart kaum zu. beachten schien. (Fortsetzung folgt.) 4 Bedeutung der Eucharistie hin, die das geisti Leben der Kirche erweckt, die die Flammen der göttlichen Barmherzigkeit und das Fundament unserer Hoffnung ist, vorgebildet durch Melchisedechs Opfer im Alten Testament. Der hl. Vater betont zum Schluß, daß er sich freue, den Koniß in England tagen zu wissen, im Lande der wurden, der spätern trüben Zeit gedachte und hervorh heute wieder Freiheit im Lande herrsche. Er hieß den Legaten im Namen des englischen Episkopats, der Priester und Laien herzlich willkommen. Dieser Tag sei der herrlichste in der jüngsten Geschichte der katholischen Kirche in England. und von heute, wo ein internationaler Kongreß, besucht von Katholiken aus allen Weltteilen, hier tage, wo ein Legat des Papstes hier weile, sei England kein Missionsland mehr. Nach einigen Gesängen und Gebeten, wobei der Legat die Kollekte sang, und dem Segen schloß die imposante Feier, der u. a. nahezu die gesamte katholische Aristokratie mit ihren Damen beigewohnt hatte; an 20 Lords waren zugegen; von ausländischen Adeligen der Prinz von Croy usw. Aus dem Programm der folgenden Tage seien kurz die Haupt=Vorträge wiedergegeben:„„„„6i. Donnerstag:„Die hi. Eucharistie in der Zeit vor bei oteformation“, gehalten von dem in England wohlbekannten Kirchenhistoriker dem Benediktinerabt Gasquet; Die Reformation und die Messe"(Mgs. Canon Moyses):„Die Kgl. Deklaration gegen die Transsubstantion(Wesensverwandlung (Viscount Llandorff);„Euch. Fragen“(Frank Russell). Freitag:„Die Geschichte der taglichen Kommunion"(Rev. serend— Hochwürden, engl. Titel fur Pfarrer] J. B. Canon Sconnell;„Das päpstliche Dekret über die hl. Kommunion (Rev. H. Lukas);„Die Orthodoxe Kirche und das Allerheiligste Sakrament"(Rev. Adrian Fortesine):„Der hl. Joh. Chrysostomus über das Allerh. Altarssakrament“(Msg. Prinz Max Samstag:„Der Segen des Allerh. Altarssakramentes[Rev. H. Thurson, S. I.):„Eucharistische Literatur“(Rev. V. M. Nabb, O. P.):„Die hl. Euchal### und vie englischen Martyrer"(Bischof von Nottingham);„Die hl. Kommunion in Irland und nach dem jüngsten päpstlichen Dekret". Die Beratungen des Kongresses haben heute morgen begonnen. Nach dem Pontifikalamte in der Kathedrale, zelebriert vom Erzbischof von Paris, begannen die Sitzungen der drei Sektionen. Die engkische Sektion A) tagte in der Royal Hortisultune Hall; B) Hall et Burkingham Gute, die franzosische in der Carton Hall. In der letztgenannten sprach der hochw. Bischof von Metz, Msg. Benzler, O. S. B., in dessen Residenz der letzte Kongreß tagte, über die Geschichte und Bedeutung der Inter. Euch. Kongresse. Hervorgegangen aus der lokalen Versammlung von 200 französischen Deputierten in der durch das Leben der sel. Marg. Mar. Alaquoque bekannten Kapelle zu Paray=le-Monial 1873, dann jährlich wiederkehrende Einzeltagungen, seit1881 international, haben sie sich allmählich zu internationalen Katholikentagungen entwickelt, die sich mit Kern und Mittelpunkt des katholischen Glaubens und Lebens, der hl. Eucharistie befassen; der Glaube an die wirkliche Gegenwart wird feierlich proklamiert, wissenschaftlich und geschichtlich erörtert und über Mittel und Wege beraten, wie die Verehrung des Allerh. Sakramentes wirksam gefördert werden kann. Die Ergänzung bildete ein Vortrag über lokale und regionale Kongresse(Chanoine Lamerand, Cambroi).„„ Eine imposante Versammlung war die„general meeling in der„Royal Albert Hall“, deren gewaltiger Raum bis auf den letzten Platz gefüllt war. Ein buntes Bild boten die Trachten, alles war zum Empfang des Kardinals in„full dres". Die wunderbare Orgel der Halle wurde von Mr. Balfond meisterhaft gespielt. In großem Aufzuge trat der Legat ein und bech mit seinem Gefol„rige gner durch die Arena zur Plattform. Nach der Hymne„Hall, Spirit, Lord of Light“ wurde in einer Resolution dem kath Glauben an das Allerh. Sakrament feierlich Ausdruck gegeben. Im zweiten Teil der Versammlung nach der Hymne„Saith of our Fathery(Glaube unsern Vätern) sprach der Legat. Der Herzog von Norfolk begründete eine Resolution, die Treue und Ergebenheit zum Vl. Stuhl betenerte., 64 Keriust Im National Cluo tagten volgesteln Verticter von 51 protestantischen Vereinigungen, um gegen die Prozession am nächsten Sonntag zu protestieren: sie telegraphierten an den König, gaben eine Abschrift im Ministerium des Innern ab und ersuchten 400 Peers und Parlamentsmitglieder telegraphisch um Proteli. Vereinsnachrichten. r Köln, 11. Sept. Der Verband der deutschen Versicherungsbeamten der vor kurzem neu gegründet worden, hatte auf gestern abend eine Versammlung der Versicherungsbeamten Kölns in die Glückaufhalle einberufen, um eine Sektion dieses Verbandes in Köln zu gründen. Verbeamten, sich in einer leistungsfähigen Organisation zusammenzuschließen zum Zwecke der sozialen Hebung und wirtschaftlichen Besserstellung des Standes. Redner bezeichnete die ferneren Ziele des Verbandes, dabei betonend, daß Politik und Religion ausgeschlossen seien. Die Ziele sollen auf friedlichem, loyalem und nationalem Boden erstrebt werden. Nach kurzer Besprechung des Referates wurde die Gründung einer Sektion Köln des Verbandes der deutschen Versicherungsbeamten beschlossen und der Vorstand gewählt. lnt] Köln, 11. Sept. Strafkammer. Ein kriminell rückfälliger Installateur aus Duisburg hier wohnhaft, war des Diebstahls in vier Fällen beschuldigt; er ist in Haft unter der Anklage, seinem Arbeitgeber Kupserbleche sowie einem Restaurateur ein Absallrohr mit Zinkverschraubung gestohlen zu haben. Der Angeklagte, ein älterer Mann, ist geständig; er gibt an: Ich war, da die Zeiten schlecht sind, von Januar an ohne Arbeit. Ich hörte am Schalter des Arbeitsnachweises, der oder jener nehme nur jüngere Leute oder Auswärtige. Zeugnisse wurden angenommen. Auch in den Bleiweißfabriken fragte ich vergebens an. Das Gericht verhängte fünf Monate Gesängnis; drei Monate sei das Minimum. Der Angeklage habe guten Verdienst gehabt und diesen durch eigene Schuld verloren. Die Vorhaft wurde nicht angerechnet. 1s1 Köln, 11. Sept. kehrte längere Zeit freun haus und schleppte währendem aus demselben eine ganze Quan tität Zigarren, sowie Oel und Seife heraus. An einen Händler verkaufte er allein für 600 Mk. solcher Zigarren. Der Strafantrag war 5 Monate, das Urteil 2 Monate Gefängnis. — Ein vorbestrafter Fuhrmann befand sich in betrunkenem Zustande bei seinem Fuhrwerk, mißhandelte in roher Weise sein Pferd und fremder Leute Pferde, wich der Straßenbahn nicht aus, beleidigte einen Schutzmann und gab einen falschen Namen an. Das Urteil war 5 Wochen 6 Tage Haft und 1 Woche Gefängnis.— Ein anderer Fuhrmann beleidigte einen Schutzmann, der gegen ihn einschreiten mußte und schlug ihn ins Gesicht. Strafe: 2 Wochen Gefängnis. r# Köln, 11. Sept. ädch gewesen und andauernd die Arbeit verweigert habe. Auch habe die Klägerin die Beklagte beleidigt, indem sie gesagt habe, sie (die Beklagte) sei weniger wie sie, sie könne bei besseren Leuten arbeiten, das Essen könne sie nicht genießen, das sei zu schlecht. Der Vorsitzende fragte, bei welcher Gelegenheit die Klägerin frech gewesen und wann sie die Arbeit verweigert habe, worauf die Beklagte antwortete,„sie war immer frech und hat immer die Arbeit verweigert. Das Gericht gewann aus diesem Vorbringen der Parteien die Ueberzeugung, daß die Klägerin zur sofortigen Entlassung keinen Grund gegehen hat. Was die Arbeitsverweigerung anlangt, so ist das, n## en Erklagte vorbringt, so allgemein gehalten, daß eine beharrliche Verweigerung einer bestimmten Arbeit in dem Verhatten der Klägerin nicht erblickt werden kann. Was die Beleidigung anlangt, so muß gemäß§ 123,3 G.=O. zur Begründung sofortiger Entlassung eine grobe Beleidigung vorliegen. In den Aeußerungen der Klägerin ist mit Rucksicht auf den Bildungsgrad der Parteien eine grobe Beleidigung nicht zu finden. Ein interessanter Prozeßz hat dieser Tage vor dem Kieler Schöffengericht stattgefunden. Ein Buchhalter hatte sich geweigert, die Formulare für die polizeilichen Anmeldungen auf eigene Kosten anzuschaffen. Er erhielt einen Strafbefehl und beantragte gerichtliche Entscheidung. Das Kieler Schöffengericht sprach ihn nach dem Antrage der Amtsanwaltschaft frei mit der Begründung, daß die Polizei zwar besugt sei, die Benntzung desonderer Formulars vorzuschreiben, aber auch verpflichtet, der Einwohnerschaft die Formulare unent geltlich zur Verfügung zu stellen, denn die Einrichtung diene zur Bequemlichkett der Polizei. Die Einwohner seien allerdings verpflichtet, die Formulare auszufüllen. Düsseldorf, 11. Sept. In der vor dem hiesigen Kriegsgericht verhandelten Affäre betr. Falschmeldung bei Schießübungen wurde, entgegen einem früheren Bericht, einer der Angeklagten, der Gefreite Albert Nellen, freigesprochen. Darmstadt, 11. Sept. In der Wormser Patronendiebstahls=Affare verurteilte das Kriegsgericht die beiden Unteroffiziere Mathaesius und Strack wegen Diebstahls zu je 6 Wochen Gefängnis und Degradation. Das Hauptverfahren wegen Spionage und Landesverrat wurde gegen alle Beschuldigten eingestellt. Paris, 11. Sept. Prozeß wegen des Attentats auf Dreyfus. Am Schlusse des gestrigen ersten Verhandlungstages gegen den Journalisten Gregori kam es zu einem heftigen Zwischenfall. Bei einem scharfen Worte eines Advokaten erhob sich Dreyfus von der Zeugenbank zu lautem Protest.„Der Kassationshof hat meine Unschuld ausgesprochen!“ rief er. Nun folgte eine wüste Szene. Pfeifen und Johlen ertönte, der Saal mußte geräumt werden. Bei Wiederaufnahme der Verhandlungen erklärte der Präsident, daß er unter keinen Umständen den Dreyfusprozeß noch einmal aufrollen werde. Das Urteil konnte schon heute gefällt werden. Gregori wurde freigesprochen. (t) eitzung der Handelskammer Koln. Die Handelskammer Köln hielt gestern Abend im Overstolzenhause eine Vollsitzung ab, welche der Präsident, Herr Geheimrat Gust. Michels mit einem herzlichen Dank für die ihm bei seiner goldenen Hochzeit erwiesene Ehrung eröffnete.— Anträge auf Berichtigung von Telegrammen können bei dem Stadt=Post= und Telegraphenamt angebracht werden, welches zur Annahme und Beförderung bestimmt ist.— Auf das Merkbuch fur den Ruckgüterversand wird aufmerksam gemacht, das kostenfrei zu haben ist.— Zur Versendung von frostempfindlichen Waren sind auf der Station Köln=Gereon vom 31. Oktober bis 31. Marz sechs besondere Wagen bereit gestellt, deren Benutzung sehr empfohlen, wird. Die Wagen können über die weitere Vertiefung des Rh St. Goar und der Mainmündung soll noch gehend geprüft werden.— Auf der Wanderversammlung des Zentralvereins zur Hebung der Fluß- und Kanalschiffahrt in Worms wird die biesige Kammer durch mehrere Mitglieder vertreten sein.— Für den Bezug und die Beförderung von französischem Obst und Gemüse sind von den betreffenden Eisenbahnverwaltungen erleichternde Einrichtungen getroffen worden.— Der von den weiteren Vororten Kölns zum Zwecke gemeinsamer Förderung der Verkehrsgelegenheiten gegründete Verband hat sich auch an die Handelskammer mit der Bitte um Unterstützung gewandt, die dem Verbande auch zugesagt werden soll. In Verfolg erneuter Vorstellungen von Schnittblumenzüchter und Händler hat die Handelskammer die Frage der Versteigerungen auslandischer Schnittblumen in Köln und den Straßenhandel mit Blumen einer erneuten Prüfung unterzogen. Sie verbleibt jedoch bei ihrer Ansicht, daß ein Verbot solcher Versteigerungen nicht gerechtfertigt sein würde, und daß der Straßenhandel mit Blumen, auch während der späteren Abendstunden und in den Wirtschaften nicht unterbunden werden dürfe, unter der Voraussetzung ordnungsmäßiger Handhabung der Versteigerungen und der Ausscheidung ungeeigneter Leute aus dem Straßenhandel. Seitens der Inhaber von Spezialgeschäften in Spielwaren Kölns ist der Wunsch nach Erlaß von besonderen Ausnahmebestimmungen über die Mindestruhezeit und die Mittagspausen der Angestellten in diesen Geschäften laut geworden mit Rücksicht darauf daß die eigenartigen Verhältnisse dieses Geschäftszweiges eine stärkere Inanspruchnahme des Personals mit Aufräumungsarbeiten u. dergl. in den drei letzten Wochen vor Weihnachten notwendig machen, während die bisherigen Ausnahmen allen Geschäften ohne Unterschied der Warengattung nur für fünf Tage gewährt worden sind. Die Handelskammer ist bereit, den Wunsch der Spielwarenhändler zu unterstützen. Aus Anlaß vielfacher Verweigerungen der Zeugenebühren für Kaufleute seitens der Gerichte mit dem ag damit allgemein auf eine sachgemaßere bezw. Abänderung der gelinden Gebührenordnung hingedrängt werde. Gleichzeitig soll hierbei auf die großen Schädigungen hingewiesen werden, welche den Kaufleuten durch das übermäßig lange Warten als Zeugen vor Gericht entstehen, eine Unzutraglichkeit, welche durch angemessenere Festsetzung der Ladungstermine sehr wohl beseitigt werden könnte. Die Handelskammer wird sich aus Anlaß einer Eingabe der Interessenten erneut bei der städtischen Verwaltung dafür verwenden, daß möglichst bald geeignete Lagerplätze mit Geleisanschluß für Massenartikel im Westen der Stadtbeschafft werden. In Verfolg von Beschwerden darüber daß auf den Kölner Güterbahnhöfen die Be= und Entladung bei ganzen Wagenladungen unter freiem Himmel vor sich geht, wird die Handelskammer bei der Eisenbahndirektion anregen, Einrich= tungen zu treffen, damit in besonderen Fällen, wo es sich um regenempfindliche Güter handelt, die Be- und Entladung auch bei Wagenladungen unter Dach geschehen kann. Kölnen Agebriehten. Köln, don 12. September. It! Eisenbahn=Haltestelle an der Südbrücke. Der Bürgerverein zu Köln=Bayenthal hatte sich an den Minister der Fffentlichen Arbeiten mit der Bitte um Errichtung ein er Haltestelle für Personenverkehr an der Verbindungsbahn Köln=Süd=Bonntor= Kalk=Süd in der Nähe der Südbrücke gewandt. Der Minister hat darauf geantwortet, daß zur Zeit eine Entscheidung in dieser Angelegenheit nicht getroffen werden könne, weil noch nicht feststeht, ob die neue Südbrücke bezw. die Verbindungsbahn mit Zügen befahren wird die für den Verkehr der gewünschten Haltestelle nutzbar gemacht werden könnte. Die Kölner Handelskammer wird dieser Angelegenheit eine besondere Aufmerksamkeit schenken. Spielplan der Vereinigten Stadttheater Köln: Opernhaus: Sonntag Anfang 6½ Tannhäuser. Montag keine Vorstellung, Dienstag Ansang 7 Uhr Louise, Donnerstag Anfang 7½ Uhr Der Freischütz, Freitag Anf. 7½ Uhr zum ersten Male Der Liebestrank, Samstag Ansang 7½ Uhr Tiefland, Sonntag Anfang 6½ Uhr Lohengrin, Montag Anfang 7½ Hoffmanns Erzählungen. Schauspielhaus: Sonntag Anf. 7½ Uhr zum 1. Male Simson, Montag Anfang 7½ Uhr Die Macht der Finsternis, Dienstag volkstüml. Vorstellung Anfang 8 Uhr Hedda Gabler, Mittwoch Anf. 8 Uhr Simson, Donnerstag Der Widerspenstigen Zähmung, Freitag Anfang 8 Uhr Judith, Samstag Ansang 8 Uhr Simson, Sonntag Ansang 7½ Uhr Kabale und Liebe, Montag Anfang 8 Uhr Die Schmetterlingsschlacht Kolner Castaus Pauoptikum. Mariedl, die Riesin von Tirol, hat ihr hiesiges Engagement im Panoptikum bis zum 28. d. M. verlängert. Elektrische Eisenbahn=Triebwagen. Im Bezirk der Kölner Eisenbahn=Direktion auf den rechts= und linksrheinischen, sowie Nachener und Euskirchener Strecken werden demnächst, wie schon mitgeteilt, elektrische Triebwagen eingestellt werden, die auf den Felten u. Guilleaume=Lahmeyer=Werken hergestellt werden. Jeder Wagen saßt 100 Personen. Straßensperrung. Wegen Straßen= bezw. Kanalbauarbeiten wird die Peterstraße von der Bayardsgasse bis zur Agrippastraße auf die Dauer von 4 Wochen, die Berrenratherstraße von Sülzgürtel bis zum Gutsweg auf die Douer von 8 Wochen, die Vinzenz Statzstraße von der Nachener bis zur FriedrichSchmidtstraße auf die Dauer von 4 Wochen für Fuhrwerke und sonstige Fahrzeuge jeder Art sowie für Reiter gesperrt. In den städt. Straßenbahnen wurden gesunden: Mohrere Schirme und Stöcke, Zucker, Umhängekragen, Schlüssel, Muster, Eßgeschirre, Reisetaschen, Handtäschchen mit Inhalt, Portemonnaies mit Inhalt, Arbeiterkleider, Lampenteile, Kleidungsstücke. g] Einbrüche und Diebstähle. In der Nacht zum Freitag wurde in einem Lederlager in der Machabäerstraße ein schwerer Einbruchsdiebstahl ausgeführt. Die Diebe stahlen etwa 100 VoxkalfFelle, gezeichnet Ruthenia G. K. Gera und eine ganze Anzahl Häute Sohlleder(Waschleder], welches die Diebe zerschneiden mußten, um es transportieren zu können. Das Leder ist in einem großen ebenfalls weißen Reisekord verpackt worden. Der Gesamtwert des Gestohlenen beläuft sich auf etwa 2000 M. Von den Dieben fehll jede Spur.— In der Nacht zum Freitag wurden in der Raderbergerstraße in Raderberg mehrere Kaninchen, mehrere Tauben, sowie eine Menge zum Trocknen ausgehängte Wäsche gestohlen.— Einem Heizer des Dampfers„Deutschland“ der Mülheimer Dampfschifffahrts=Gesellschaft wurde in einer Wirtschaft auf dem Rothenberg das Portemonnaie mit 38 M. gestohlen.— Auf dem Heumarkt wurde einer Frau, welche in Begleitung ihres Dienstmädchens Einkäufe machen wollte, das Portemonnate mit erheblichem Juhalt aus der Tasche gestohlen. lal Totgefunden wurde heute vormittag in einem Abteil zweiter Klasse eines nach Basel bestimmten Schnellzuges kurz vor der Abfahrt ein Kaufmann aus Krefeld. Man schaffte die Leiche zunächst nach der Unsallstation. lg! Seinen Verletzungen erlegen ist gestern abend im Deutzer Hospital der etwa 19 Jahre alte Hülfsrangierer Johann Hähn aus der Geisselstraße in Ehrenfeld, der gestern vormittag in der Nähe dek Teutzer Bahnhofes von einem Eisenbahnwagen überfahren wurde. g! Unglücksfälle Gestern nachmittag stürzte in der Zentralmarkthalle ein Arbeiter in einen Lichtschacht und wurde erhablich am Ropfe verletzt.— Auf dem Holzmarkk blieb ein Radfahrer im Straßenbahngeleise stocken und zog sich beim Sturze einen Schulterbruch zu. d9] In der Marzellenstraße kam gestern nachmittag ein Radahrer mit seinem Rade, an dem ein Kord mit Weinflaschen befestigt war, zu Fall und stürzte mit dem Gesichte in die zerbrechenden Flaschen. Mit schweren Schnittverletzungen mußte er zu einem Arzt gebracht werden.— Am Dom wurde gestern nach mittag ein Herr, als ei eben einen Straßenbahnwagen verlassen hatte, von einem vorbeijagenden Radfahrer ersaßt und in die Straße geworsen. Er fiel sich ein erhedliches Loch in den Kopf. Der Radler, der sich aus dem Staube machen wollte, wurde festgehalten und aufgeschrieben. Rheinland und Westfalen. * Köln, 12. Sept. Militäranwärter können angestellt werden im Bezirke des achten Armeekorps: Ein Bürgermeistereisekretär beim Bürgermeisteramt in Kelberg. Gehalt 1100.4, steigend bis 1600.4. Ein Vollziehungsbeamter bei der Gemeindekasse in Lindlar, Kreis Wipperfürth Etwa 500 bis 600.4. Ein Wegeausseher beim Bürgermeisteramt in Lindlar, Kreis Wipverfürth Gehalt 1200.4. Zwei Polizeisergeanten bei der Kommunalverwaltung in Neersen. Gehalt 1000.4, steigend bis 1200.4, nebst Wohnungsgeldzuschuß und Kleidergeld. Ein Polizeisergeant, hauptsächlich für den Nachtdienst, beim Bürgermeisteramt in Viersen Gehalt 1400.45. steigend bis 2000.4, Uniform und Ausrüstungsstücke werden geliesert. Ein Polizeisergeant beim Bürgermeisteramt in Waldbröl. Gehalt 800.46, steigend bis 1200.4, nebst Wohnungsgeldzuschuß und Kleidergeld. Ein Polizeisergeant in Wehr, Bürgermeisteramt in Burgbrohl. Gehalt 1265.4, steigend bis 1565 2. Ein Stationsdiätar bei der Direktion der Bröhttaler Eisenbahn=Aktiengesellschaft Hennes(Sieg). Kaution 300.4, kann durch Gehaltsabzug gedeckt werden Täglich 2,50.4, Aufbesserung nicht ausgeschlossen. Ein Briefträger und ein Postschaffner bei der Kais. Oberpostdirektion in Köln. Gehalt 900 4, steigend bis 1300.4, nebst Wohnungsgeldzuschuß und Teurungszulage. r) Kalk, 12. Sept. Zur gestrigen StadtverordnetenBersammlung waren außer Bürgermeister Albermann 12 Stadträte erschienen. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob die Versammlung beschlußfähig sei. Bekanntlich müssen nach der Städteordnung mehr als die Hälfte der Stadtverordneten anweseno sein, um Beschlüsse fassen zu können. Augenblicklich sind hier 22 Stadtverordnete, während ursprünglich 24 Stadtverordnete gewählt waren und zwei durch den Tod ausschieden. Man war geteilter Meinung, ob bei der Beschlußfassung die Zahl der wirklich vorhandenen Stadtverordnete oder die Zahl der ursprünglich gewählten Stadträte maßgebend sei. An Hand der Städteordnung wurde festgestellt, daß die gesetzliche Mitgliederzahl, also 24, in Betracht kamen, wobei der Bürgermeister nicht mitzählt. Die Versammlung wurde darauf auf unbestimmte Zeit vertagt. lex! Mülheim=Rhein, 12. Sept. Die Eheleute Eberhard Schnei der und Katharina, geborene Zorn feierten gestern ihren 50. Hochzeitstag. Der Jubilar ist 72. die Jubelbraut 69 Jahre alt. Beide erfreuen sich noch einer guten Gesundheit. Am Vormittag erschien in der Wohnung des Jubelpaares Herr Superintendent Zurhellen, beglückwünschte es aufs Herzlichste, auch namens des Presbyteriums und der evang. Gemeinde und überreichte eine prächtige Bibel und die ihnen vom Kaiser verliehene Ehejubiläumsmedaille. Auch von anderen Seiten wurden dem Jubelpaar werkvolle Geschenke und hübsche Blumenspenden überreicht. Mülheim=Rhein, 11 Sept. Dem kgl. Lokomotivführer Peter Gremm hier ist das für 25jährige vorwurf##reie Dienstzeit gestiftete Erinnerungszeichen mit der Zahl 25 verliehen worden. Rülheim=Rhein, 11. Sept. Gestern vormittag wurde auf der Gladbacherstraße ein fünsjähriges Kind von einem Fuhrwerk überfahren und schwer verletzt. Horrem, 11 Sept. Auf der neuen Brikettfabrik„Glückauf“ stürzte heute nachmittag ein im Bau begriffener und schon bis zur Höhe von 12 Metern getriebener Kamin ein. Ein Maurrer wurde von den stürzenden Steinen erschlagen, andere Arbeiter kamen mit geringen Verletzungen davon Kleinkönigsdorf, 10. Sept. Die mitgeteilte„Räubergeschichte“ mehrerer junger Burschen hat sich als harmlose Spielerei aufgeklärt. Vor allem ist nicht von einer Bedrohung eines Jagdpächters die Rede; es handelte sich vielmehr um einen scherzhaften Briefwechsel Cürten, 11. Sept. Hier feierte Herr Hauptlehrer Horst sein 25jähriges Dienstjubil äum. Am Vorabend brachten dem Jubilar die hiesigen Gesang= und Musikvereine ein Ständchen. Am Jubiläumstag fand vormittags ein feierliches Levitenhochamt statt, bei dem Herr Kaplan Pauen aus Köln eine Ansprache über den Stand des christlichen Lehrers hielt. Eine Schulfeier verlief unter der Leitung des Herrn Wintz in würdiger Weise. Herr Pfarrer Esser und Herr Bürgermeister Kalkbrenner überreichten dem Jubilar wertvolle Geschenke der Gemeinde. Am Abend zog ein stattlicher Fackelzug der Ortsvereine von der Wohnung des Jubilars zum Welzer'schen Saale, wo eine allgemeine Feier den Jubiläumstag beschloß. In Wort und Lied wurde hier der allbeliebte Jubilar geseiert und geehrt. M.=Gladbach, 11. Sept. Ein hiesiger Schuhmachermeister gab gestern einem Arbeiter, der bei ihm ein Paar Schuhe gekauft hatte, versehentlich statt einer Rolle mit Nickelgeld, eine Rolle mit Goldstücken— insgesamt 400.4— heraus. Bisher ist der Empfänger des Geldes noch nicht ermittelt worden. Krefeld, 11. Sept. Ein Offizier des hiefigen Husaren=Regiments, Oberleutnant v. Meyer zu Knonow. ist gestern abend von einem schweren Unsall betroffen worden. Auf dem Dahlerdyk scheute das Pferd aus einer unbekannten Ursache. Der Reiter verlor den Sitz und blieb im Steigbügel hängen. Er wurde von dem rasenden Pferde mitgeschleift. Auf dem Breitendyk gelang es einem Anwohner, das Pferd anzuhalten, wober der Offizier bewußtlos und blutüberströmt zu Boden siel. Der Verunglückte schwebt in Lebensgejahr. * Remscheid, 10. Sept. In ihrer letzten Sitzung haben die Stadtverordeten einstimmig beschlossen, nach dem Vorgang der Stadt Elberseld eine Eingabe gegen die Einführung etwaiger Reichsabgaben auf Gas und Elekrizität einzureichen. * Mörs, 11. Sept. Das benachbarte Dors Repelen, das durch die Naturheilanstalt Jungborn des Pastors Felte weithin bekannt geworden ist, erhält am 1. Oktober eine eigene Bürgermeisterei, die zunächst von dem Regierungsreferendar von der Osten verwaltet werden wird. Repelen hat große Zukunft. Infolge des Kurbetriebes weilen durchschnitttich gegen 300 Gaste dort. Oberhausen, II. Sept. Wieder ist es der Polizei gelungen, eine Nahrungsmittelsälscherin von auswärts zu erwischen. Dieselbe hatte der Butter einen Wasserzusatz bis zu 30 Prozent beigemischt. Die Frau hat dadurch in den letzten Jahren einen Verdienst von etwa 3000 Mark gehabt. Mülheim a. d. R. 11. Sept. Im Betriebe der Lindgensschen Lederwerke in Mülheim=Broich kam gestern der 32jährige Maschinist Enaux der elektrischen Leitung zu nahe und wurde auf der Stelle getötet. Er kam mit einer elektrischen Stromlampe, die mit einem Leitungsdraht verbunden war, zu Fall, wobei der Leitungsdraht riß und mit seinem Arm in Berührung kam. Limburg(Lahn), 11. Sept. Nach dem Winterfahrplan sollte auf den Strecken Limburg=Ems, Limburg=Weilburg, LimburgCamberg und Limburg=Langenschwalbach zur Entlastung der Personenzüge im Herbste der Triebwagen=Verkehr eingeführt werden. Wie jetzt die Eisenbahnbehörde mitteilt, muß die Einrichtung noch einmal verschoben werden, so daß der Betrieb mit Motorwagen erst im nächsten Frühjahr erfolgen wird. Schiffsunglücke. Der französische Dampfer Oasis stieß an der Küste von Ceuta infolge Nebels mit einem anderen Dampfer, wahrscheinlich einem englischen Fahrzeug, welches unterging, zusammen. Das Schicksal der Besatzung ist unbekannt. — Fünf Mann des englischen Kohlenschiffs Pacific sind im Kanal während des vorgestrigen Sturmes ertrunken. Die übrigen 18 Mann konnten von Fischerbarken gerettet werden. Das Schiff ist verloren.— Nach südamerikanischen Blättermeldungen ist der englische Damp fer Spartianprince nach einem Zusammenstoß an der Küste von Clara gesunken. 14 Matrosen werden vermißt. Chemnitz, 11. Sept. In der vergangenen Nacht verübte der 17jährige Kaufmannslehrling Hans Löwe aus Klotzsche bei Dresden einen Raubmordversuch gegen die Frau des Apothekers Hering. Löwe hatte sich in das Schlafzimmer der Frau eingeschlichen, um Geld zu rauben. Als die Frau erwachte, wurde sie von Löwe überfallen und durch etwa zwölf Dolchstiche lebensgefährlich verletzt. Löwe wurde verhaftet. Raubanfall auf einen Knaben. Der Arbeiter Milarch überfiel zwischen Petznick und Dreetz(Kreis Deutschkrone) den Schulknaben Wegner, der Waren einkaufen wollte, betäubte ihn durch einen Schlag, würgte ihn, beraubte ihn seiner Barschaft und begrub ihn, in der Meinung, er sei tot. Der Knabe wurde halb erstickt aufgefunden, sein Zustand ist hoffnungslos. Der Täter ist verhaftet worden. Antwerpen, 11. Sept. Vor einigen Tagen erhielt ein ehemaliger Unteroffizier eine Anstellung als Kassenbote an einer hiesigen Bank, und zwar infolge eines Zeugnisses, welches ihm der Postdirektor ausgestellt hatte, und in dem er als grundehrlicher Kerl bezeichnet wurde. Er hatte nämlich kurz zuvor eine Anzahl Einschreibebriefe zur Post zurückgebracht, die er angeblich auf der Straße gefunden hatte. Dadurch gewann er das Vertrauen des Postdirektors. Gestern wurde er beaustragt, 146000 Francs bei der Antwerpener Filiale der Nationalbank zu erheden. Seit der Stunde ist er spurkos# verschwunden. Es scheint, daß das Auffinden und Zurückgeben der Einschreibebriefe ein Trick gewesen ist. Vorrücken der asiatischen Cholera. Berlin, 11. Sept. Zum Auftreten der asiatischen Cholera in Rußland schreibt die Nordd. Allg. Ztg.: Die Cholera hat seit ihrem Auftreten in Astrachan am 24. Juli eine große räumliche Ausdehnung erfahren. Trotzdem ist die Zahl der Erkrankungen in Rußland bis jetzt in mäßigen Grenzen geblieben. Seitens der deutschen und der preußischen Behörden, so heißt es weiter, wird die Cholera in Rußland mit größter Aufmerksamkeit verfolgt. Am 5. Sept. fand im Kultusministerium unter Beteiligung von Kommissaren der ressortmäßig beteiligten Reichsämter und der preußischen Ministerien eine Beratung über die geeigneten Abwehrmaßnahmen statt. Der Reichsanzeiger veröffentlicht eine Bekanntmachung des Reichskanzlers, wonach wegen des Auftretens der Cholera in dem russischen Küstengebiet des Schwarzen und Asowschen Meeres und in Petersburg die aus den Häfen von Petersburg, Kronstadt, sowie aus den russischen Häfen des Schwarzen und des Asowschen Meeres nach den deutschen Häfen kommenden Schiffe und ihre Insassen bis auf weiteres vor der Zulassung zum freien Verkehr ärgtlich zu untersuchen sind. Lemberg, 11. Sept. Die Cholera dringt westwärts in das Weichselgebiet vor. Von Russisch=Polen her dehnt sich die Cholera immer mehr gegen die galizische Grenze zu aus. Der größte Teil des Weichselgebiets ist choleraverseucht. Eine amtliche Untersuchung des Wassers des Nieprflusses ergab das Vorhandensein von zahlreichen Cholerabazillen. Luftschiffahrt. Newyork, 11. Sept. Der Newyorker Herald enthält eine Erklärung von Herring über seinen geheimnisvollen Aeroplan, der demnächst in Washington geprüft werden soll. Die Maschine ist so gebaut, daß ein Windstoß seine eigene Wirkung schneller berichtigt, als ein Mensch dies tun könnte. Der Aeroplan ist erheblich kleiner, als der von Wright und Farman. Die beiden Propeller wiegen ungefähr 2 Zentner. Petersburg, 11. Sept. Ein russisches lenkbares Luftschiff ist erfolgreich in der Nähe von Zarskoje Selo aufgestiegen. Die Form des Ballons ist länglich und hat 1500 cbm. Gehalt, 2 Schrauben und einen Motor von 16—18 Pferdekräften. Die Schrauben funktionieren ausgezeichnet gegen den Wind. Ein Beitrag zum unerschöpflichen Kapitel„Bauschwindel" Welche schweren materiellen Schäden mitunter Bauhandwerker durch das nicht ganz einwandsfreie Geschäftsgebahren gewisser„Bauunternehmer“ erleiden, zeigte wieder einmal eine Verhandlung, welche dieser Tage die Ferienstrafkammer des Landgerichts in Berlin beschäftigte. Wegen strafbaren Eigennutzes und Sachbeschädigung waren angeklagt: der Architekt Wilhelm Rust, der Töpfermeister Wilhelm Haack und der Stuckateur Ewald Zündorf. Eines Tages im Januar d. J. ereignete sich vor dem Neubau Bornholmer= straße 5 eine eigentümliche Szene, die eine große Menschenansammlung verursachte. Vor dem bereits bis zur Abnahme fertiggestellten Neubau fuhren am Nachmittage etwa 30 Wagen vor und in kurzer Zeit hatten eine Anzahl Arbeiter sämtliche Fenster. Türen, Oefen und Bauutensilien aufgeladen. Was nicht transportabel war, wurde von den Bauarbeitern kurz und klein geschlagen. Vor dem Bau hatten sich eine Anzahl Handwerksmeister eingefunden, die sich in maßloser Erregung befanden und über den„Bauschwindel“ schimpften, durch den sie um ihr Geld gekommen wären. Dieser Szene lag folgendes zugrunde: Auf dem fraglichen Grundstück war im Herbst v. J. ein Neubau begonnen worden, für welchen eine Firma W. u. Co. die Baugelder in Form einer Hypothek hergeben sollte. Die Fundamentierungsarbeiten waren schon beendet, als die Firma plötzlich mit den Baugeldraten im Rückstand blieb. Da alle Versuche des Bauunternehmers Geld zu erlangen vergeblich waren, kam das Grundstück zur Subhastation. Ein anderer Bauunternehmer ließ sich verleiten, die weitere Ausführung zu unternehmen. Aber auch in diesem Falle blieben die Baugelder aus, so daß der Unternehmer mehrere Tausend Mark, die er aus eigener Tasche in den Bau hineingesteckt hatte, verlor. Auf diese Art und Weise war der Neubau bereits bis zur Fertigstellung im Rohbau gediehen, als eine zweite Subhastation eintrat. Nunmehr erwarb eine„Terraingesellschaft" den Bau und suchte zur weiteren Ausführung einen Bauunternehmer. Dieser fand sich in der Person des 26jährigen jetzigen Angeklagten Rust, dem von seinem Vater ein Kapital von etwa 20000 Mark zu diesem Zweck zur Verfügung gestellt worden war. Zwischen Rust und der Firma W. u. Co. kam ein Vertrag zustande, nach welchem sich letztere verpflichtete, eine Hypothek von 40000 Mark auf den Bau eintragen zu lassen und diese Summe in Form von Baugeld vorher auszuzahlen und zwar in Raten je nach Fortschritt des Baues. Rust erhielt auch die ersten Baugelder und ließ sich verleiten, aus eigener Tasche 22000 Mark in den Bau hineinzustecken, als die übrigen Raten ausblieben. Es wiederholte sich nun dasselbe Schauspiel wie schon vorher. Eines Tages saß der junge Bauherr ohne einen Pfennig Geld da, weil ihn die Firma im Stiche gelassen hatte. Die Forderungen der Handwerksmeister hatten schon die Höhe von etwa 20000 Mark erreicht, u. a. hatte der Mitangeklagte Haack, der die Töpferarbeiten geliefert hatte, eine Forderung von 8000 Mark. Um wenigstens die Handwerksmeister vor Schaden zu bewahren, stellte es ihnen Rust brieflich anheim, so weit es noch angängig sei, ihre Materialien wieder aus dem Bau herauszureißen. Die Folge war die oben geschilderte Szene, bei welcher die Handwerker noch in aller Eile ihr Eigentum zu retten versuchten. Obwohl die Firma außer der einen Rate keinerlei weitere Zahlungen geleistet hatte, strengte sie gegen die sämtlichen Handwerksmeister einen Zivilorozeß an. In diesem ist bis jetzt durch Sachverständige festgestellt worden, daß die Firma W. u. Co. bei diesem Geschäft die„Kleinigkeit“ von 31 000 Mark verdient, ohne dafür etwas geleistet zu haben. Dieser Verdienst setzt sich aus den Verlusten zusammen, welche die Angeklagten und die übrigen Handwerker erlitten haben. Außerdem erstattete die Firma W. auch noch gegen die drei Angeklagten Strafanzeige, Grn" Peic. Koln, Severinstr. 110 3. Haus neben der Kirche St. Johann. Herren und Klasen-Garder sseh. Röbel Asten werden ganz besonders auf unsere grossen Läger in eleganten, schönen Amügen und Paletots aufmerksam gemacht. Lieferanten der Konsum-Genossenschaft „Eintracht“. 8 KO 63 — oaß die drei, obwohl sie die Hereingefallenen waren, noch auf der Anklagebank Platz nehmen mußten. Vor Gericht erklärte der Kaufmann W. eidlich, daß seine Firma nicht den geringsten Schaden erlitten habe. Der Verteidiger nahm deshalb Veranlassung, darauf hinzuweisen, daß die Firma trotzdem einen Zivilprozeß gegen die Handwerksmeister angestrengt habe. Die Angeklagten gaben der Sachverhalt zu, behaupteten aber, daß sie sich bis„ur Bezahlung der Forderungen einen Eigentumsvorbehalt ausbedungen hatten und deshalb berechtigt gewesen seien, ihr Eigentum wieder aus dem Bau zu entfernen. Der Verteidiger machte geltend, daß nicht die Angeklagten, sondern jemand anders auf die Anklagebank gehöre. Es handele sich um den typischen Fall eines Berliner Bauschwindels, bei welchem lediglich die Angeklagten die Leidtragenden wären. Der Staatsanwalt hielt die Anklage aufrecht und beantragte 2 bezw. 1 Woche Gefängnis. Das Gericht folgte jedoch den Ausführungen des Verteidigers, der mitteilte, daß gegen die betrefsende Firma sofort Strafanzeige wegen Betruges erstattet werde, und erkannte gegen alle drei Angeklagte auf Freisprechung. Der illuminierte Magen. Eine interessante Prozedur wurde am 31. August mit dem leidenden König Karl von Rumänien vorgenommen und dauerte fast anderthalb Stunden. Derselben wohnten Professor v. Noorden und der Leibarzt des Königs, Generalstabsarzt Dr. Theodoro, bei. Es wurden Wismutkapfeln, in Bindegewebe eingehüllt, dem König verabreicht und dem Magensaft ausgesetzt zum Zweck einer RönigenUntersuchung des Magens. Hierüber wird der N. Fr. Pr. aus ärztlichen Kreisen berichtet: Die Röntgen=Untersuchung des Magens füllt erstens eine Lücke aus, welche in der Magendiagnostik bestanden hat, und ist zweitens schonungsvoller als die bisher möglichen, unzureichenden Methoden. Bisher war die ergiebigste Methode der Magenuntersuchung die Ausheberung des Magens mittels Einführung eines Schlauches, Entnahme und chemische Untersuchung seines Inhalts. Trotz ihrer Beschwerlichkeit konnte sie aber fast nur über den Chemismus der Magenverdauung und seiner Störungen Aufschluß geben. Seine Größe und Formveränderungen, insbesondere seine groben anatomischen Erkrankungen, waren so lange, als sie nicht sichtbar wurden, auf die Perkussion(äußeres Beklopfen) angewiesen, welche beim Magen fast vollständig versagt. Die jetzt in Anwendung kommende Methode besteht darin, daß durch Wismutzusatz sichtbar werdende Speisen den Innenraum des Magens so ausgießen wie Gips eine Form, wodurch die groben Umrisse und die feinen Details sichtbar werden. Es sind dadurch Erweiterungen und Veränderungen des Magens, sowie umschriebene Bildungen seiner Wand mit der Evidenz des Gesehenen nachweisbar. Diese Methode wurde durch eine Reihe von Forschern ausgebildet, unter denen hauptsächlich Rieder in München, Holzknecht und ihre Schüler zu erwähnen sind. Bezüglich der Veränderungen des chemischen Verdauungssaftes kann man auf folgende Weise Aufschluß erhalten. Statt den Mageninhalt in einem Reagensglas zu untersuchen, bringt man die Reagentien in entsprechender Form durch Verschlucken in den Magen, macht den Körper mittelst der Durchleuchtung wie ein Reagensglas durchsichtig und verfolgt so unter vollkommen natürlichen Verhältnissen und unter Vermeidung des Schlauches den Verlauf der Verdauung. Versuche der Uebersetzung eines Flusses mit strohgefüllten Säcken wurden von französischer Infantcrie zum ersten Male am Mittwoch in dem Teiche von Tribaur bei Meudon vorgenommen. Drei große Säcke aus undurchdringlicher Leinwand mit Leder beschlagen und mit starken Ringen aus galvanisiertem Eisen versehen, wurden mit Stroh vollgestopft und dann ins Wasser geworfen. Gleichzeitig waren von anderen Soldaten 24 kleinere Säcke mit Stroh gefüllt worden, die zusammengebunden an großen Stäben befestigt wurden, von denen jeder mit einem Griffe am Ende versehen war. Mit den ersten Säcken zusammen wurden sie dann zu einer Art Floß verbunden, dessen Gesamtherstellung kaum eine halbe Stunde erforderte. Auf den drei großen Säcken nahmen dann sechs Mann Platz, während die hinter ihnen auf den anderen sitzenden Kameraden die Seile ablaufen ließen. An dem 80 Meter entfernten anderen Ufer befestigten sie dann das eine Ende der Stricke und so konnten binnen kurzer Frist zwei Bataillone Infanterie übergesetzt werden. Diese Versuche sollen in großem Maßstabe bei den Herbstmanövern in Mittelfrankreich wiederholt werden. Tetzte Berlin, 12. Sept. Die Norddeutsche Allgemeine Zeitung schreibt an der Spitze des Blattes:„Die Köln. Ztg. ist bereits einer Unterstellung des Matin entgegengetreten, die dem deutschen Konsul Bassel in Fez ein feindliches Verhalten gegen El Menebhi, den Vertreter Mulay Hafids in Tanger, zuschreiben wollte. Zu unserem Bedauern finden wir dieselbe Unterstellung in dem Leitartikel des Temps vom 10. d. M. Es heißt dort: „Als Herr Vassel Tanger verließ, haben wir aus ausgezeichneter Quelle erfahren, daß der Hauptgegenstand seiner Mission darin bestehe, Mulay Hafid vor den Ratschlägen Menebhis zu warnen, der zu„europäisch" und nicht genügend„deutsch" sei.“ — Diese für jeden Kenner der Verhältnisse unsinnige Behauptung scheint also in Tanger planmäßig verbreitet worden zu sein. Derselbe Teil der französischen Presse, der von Intrigen des deutschen Konsuls in Fez redet, zettelt vielmehr seinerseits eine Intrige gegen den Konsul an. In Marokko wird doraus kein Schaden entstehen; denn die Marokkaner durchschauen das Spiel. Für die internationalen Besprechungen aber, die wegen Marokkos zu führen bleiben, ist es eine eigentümliche Vorbereitung, daß in dem Augenblick, wo Frankreich die Zustimmung Deutschlands für besondere Vorschläge zu erlangen wünscht, die französische Presse sich in grundlosen Verdächtigungen gegen einen deutschen Konsul und in einer gesucht feindseligen Sprache gegen die deutsche Politik ergeht.“ Hamburg, 12. Sept. Als gestern in der Hagenbeck=Schau Direktor Willy Hagenbeck die Bären zur Rutschbahn treiben wollte, griff ein Bär ihn an und verletzte ihn am Unterleibe. Nachdem dem Verwundeten vom Theaterarzt ein Notverband angelegt worden war, wurde er nach der Klinik gebracht, wo der ziemlich erheblich Verletzte genäht wurde. Paris, 18. Sept. Der deutsche Kaiser hat seine Absicht, die Schlucht auf französischem Gebiete zu besuchen, aufgegeben und begnügte sich damit, dem französischen Grenzkommissar Cochet, welcher von der französischen Regierung mit dem Sicherheitsdienst beauftragt worden war, einige liebenswürdige Worte zu sogen. Der Kaiser sagte nämlich nach dem„Petit Parisien":„Ich bin den französischen Behörden für ihr freundliches En.gegenkommen sehr dankbar. Haben Sie die Güte, ihren Vorgesetzten meinen lebhaften Dank auszusprechen. Ich bedaure, von der Gastfreundschaft keinen Gebrauch machen zu können und Hoheneck zu besuchen, denn ich werde in Colmar erwartet. Die Gelegenheit wird sich jedoch wieder finden.“ Der Kaiser entfernte sich hierauf, indem er die Hand Cochets drückte. Wien, 12. Sept. Der Professor Luksch in Tschernowitz., der vor einiger Zeit bei einem mißglückten Experiment an Pferderotz erkrankte und dem drei seiner Mitarbeiter zum Opfer gefallen sind, ist jetzt als geheilt wieder entlassen worden. Er sieht nunmehr einem gerichtlichen Verfahren wegen dieser Angelegenheit entgegen. Konstantinopel, 13. Sept. Der Sultan ist von einem Unwohlsein wieder hergestellt und hat dem gestrigen Selamik beigewohnt.— Das Komitee türkischer Frauen veranstaltete in der Moschee eine Trauerfeier für die Märtyrer der Freiheit. Dieser Feier woynten auch die Frauen und Töchter des gewesenen Sultans Murot bei.— In Sivisch versuchten 300 gemeine Verbrecher aus dem Gesängnis auszubrechen. Bei dem hierbei entstandenen Kampfe wurden 11 Verbrecher erschossen. Kopenhagen, 11. Sept. Alberti richtete aus seiner Zelle einen Brief an seinen Rechtsanwalt mit der Aufforderung, die zahlreichen wegen Beleidigung seiner Person von ihm angestrengten Prozesse aufzuheben. Infolge des erlittenen Nervenchoks hat Albertis fortgeschrittenes Nierenleiden eine so ernste Wendung genommen, daß er bald die Gefängniszelle mit der Hospitalstube vertauschen dürfte. Er nahm bei seinem gestrigen kurzen Verhör in einem Lehnstuhle Platz. Newyork, 12. Sept. Bis jetzt sind durch die Waldbrände in Minnesota acht Ortschaften von den Flammen zerstört worden und mehrere andere sind ernstlich bedroht für den Fall, daß das Feuer durch einsetzenden Regen nicht gelöscht wird. Die Zahl der Obdachlosen beträgt 15.000, der Schaden wird auf 75 Millionen Franken veranschlagt. Das Feuer ist bereits bis an die Bahnstrecke der Canada Pacific=Gesellschaft vorgedrungen; der Bahnbetrieb ist teilweise eingestellt.— Ein Zug der Brocklyner Hochbahn wurde durch ein auf dem Geleise entstandenes Feuer gezwungen, zu halten. Der folgende Zug fuhr gegen den letzten Wagen des haltenden Zuges und zertrümmerte ihn vollständig. Hierbei wurde eine Person getötet und 20 verletzt. Auch der Motorführer des letzten Zuges ist getötet worden. Wetterbericht des Rheinischen Merkur. Köln a Ry.,(67 m über dem Meeresspiegel.) 11. vini Bodenf. 4 18 gest. 0.04 Kedl. 11 7 vm Rhein 3.04 gest. 0.01 Rannheim, 11. 8 v. Nh. 4,21 gef 0.2. Heildronn, 1 1. om Neckar 0.75 gest 0.15 Wasserstande=nachrichten. Bingen 1I. en. Abeingen 4.100 Cand, 11., 9 om. Rhein 2.75 Trier. 11, 7 vm, Mosel 0.68 gef. Köln, 18., 7 vin., Rhein 2.38 gef. 0.23 Handel, Gewerbe und Verkehr. Reuß, den 18 Sept. Fruchtvreise. Weizen. 1. Qu. 91.00 Dlk. Weizen 2.„ 20.00„ Weizen. 8.„ 19.00„ Roggen L.„ 17.50„ Roggen 2.„ 16.50„ Hater alter 1.„ 16.80„ Haler..„ 8„ 15.80„ Winter=Gerste 1.„. 14.— Gerste 2. Qugl. 00— Nr. Weizenstrob die 500 Kilo 00.00“ Marchinenstroh„„ 14.06 Flegeldrusch""„ 16.00„ Heu die 30 Klle 2.80—3.10„ Luzernerheu„„ 3.60—0.00„ Karto#eln 50 Kg. 2.8—3.50„ Rüdfuchen in U. Partien 115.00„ 1 ri Neuer Hafer I. Qualität 16.00, L. 14.50, 3. 13,00. Rüdöl per 100 Kg. in Parnen von Ctr. sohne Jatzt 68.10 Mf. Nüdöl per 100 Rg sahto. sohne Faß) 70,10„ gereinigtes Cel v. 100 Kllo 3.00 Mf. böber alf Rübdl Rüdluchen per 1000 Rilo bei abnahme von 10 000 Kile 112.00 Dit Ravs 1. Qual. 27.50 Ravs 2. 25 50 Aveel(Rübsen) 1. Qual. 27.50 Aveei" 8„ 25.50 Aveel 8."— Kleie per 50 Kile 5.80 Putter per Ruo 2.70 Sier 100 Stück 8.50 Temperatur am 11. Sept.:+17 Grad Selsius, Niedriaste„ in der Nacht vom 11. 9. zum 12, 9.+10 Gr. C. Aussichten: Wechselnde Bewölkung, sehr kühl, Regen nur vereinzelt Stadt Röln vom 11. Septemder. Geburten. Everbard. S. von Martin Steindüchel. Kaufm., Friesenste. 12. Agnes, T. von Karl Schommartz, Buchhalter, Laubeng. 9. Wildelm. S. von Johann Conntag, Schreiner. Kl. Witschgasse 14. Friedrich, S. v Friedrich Tils. Tagel., Gr. Griechenmarkt 38. Ernst. S. von Ernst Oeidrich, Mechaniker, Fleischmengergasse 27a. Edmund, S. von Wildelm Krautz. Postdote, Thiedoldsgasse 43. Frieda, T. von Friedrich Spennhoff. Versich=Guddirektor, Maurttiuswall 17. 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Martin Tagsold. Eisendreher zu Deutz, Düppelstr. 20 und Ernestine Bachmann. Salierring 43. Adolf Kluth, Kaufm., Blaubach 41 und Kath. Fizler, Verlengraben 114. Richard Joestel, Gürtlerges. und Anna Bach. beide Psälzerstr. 2: Franz Passenholz, Handlungsgeh., Freiheitstr. und Anna Bes, Mathiasstr. 5. Wilhelm Cremers Oberkellner, Kupfergasse 6—8 und Luise Grad, Marien= gartengasse 28. 3 tin Bei Gelegenheit der diesjährigen Kirmes findet Sonntag den 13., Montag den 14. und Dienstag den 15. September von nachm. 4 Uhr ab im großen Kaiser Wilhelm=Saale Ballge“ J..? 3.— statt. Es ladet freundlichst ein: Peter Biertz, Restaurateur. Dritte Auflage: 1.f“ Je Stundr Plattkölsche Verzällcher vun Paul Brucker. Die bisher in unserer Zeitung veröffentlichten plattkölnischen Feuilletons, wie: Di hellige Mann, Anger dem Chreßbaum, Dot iu Klotz, Dä Haupmann vun Röpenich, Ne Braum, De Familize Pötz. Dä Männ un de Maus, Zeppelin II. k. a. u. sind unter obigem Titel in Buchform erschienen. 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Die Sxpebitien bränbet sich in Röin, Unter Küster 8. Die beutige Rummer umfaßt drei Blätter. Die Reichsregierung hat in der abgelaufenen Woche deutsche Volk mit einer allgemein gehaltenen Darlegung ihrer Pläne für die Finanzreform beglückt. Darnach Eitrzohz, be, höhte Schuldentilgung, Schaffung stärkerer größte Sparsamkeit und neue Steuern. Mit Recht weist die amtliche Kundgebung darauf hin, daß die Schuldenlast bisher zu wenig beachtet worden sei, daß diese heute schon 4250 Mill. Mark betrage und daß für das kommende Jahr bereits Mill. Mark neue Schulden im Prinzip bewilligt seien. Es ist aber ein bitterer Hohn auf die Politik des Fürsten Bülow, wenn festgestellt wird, daß seit Bestehen des Reiches bis zu seinem Amtsantritt 2300 Mill. Mark Schulden gemacht worden sind und seit 1900 allein 2000 Mill. Mark. Die amtliche Darstellung stellt nicht blos Tilgung der Schulden in den Vordergrund, sondern sie spricht auch von einer Einengung der Schuldenwirtschaft, wie sie das Zentrum seit Jahren gefordert hat. Recht gerne hören wir, daß zu den Grundsätzen der preußischen Sparsamkeit zurückgekehrt werden soll und noch angenehmer ist es uns, daß Herr Sydow nicht nur mit Phrasen kommt, sondern Gebiete bezeichnet, wo er sparen will; er bezeichnet als solche: einfache Staatsbauten, Reform im Beamtenpersonal, anderweitige Vergebung der Reichslieferungen. Damit sind nicht alle Gebiete erschöpft; aber es ist doch wenigstens ein Anfang gemacht. Aufgefallen ist uns freilich sehr, daß Herr Sydow das Heer, die Marine und die Kolonien gar nicht nennt und doch würde gerade hier die Sparsamkeit am meisten zu Buch schlagen. Wagt er sich nicht daran? Was die einzelnen neuen Steuern betrifft, so steht im Vordergrund die schroffe und unbedingte Ablehnung der Reichseinkommen= und Vermögenssteuer. Der Liberalismus kann also gar nicht damit rechnen, daß ihm auf diesem Gebiete auch nur der kleine Finger gereicht wird. Die amtliche Kundgebung sagt:„Ueber die Höhe der Belastung durch Einkommen= und Vermögenssteuern sind umsangreiche Erhebungen vorgenommen worden. Das gesommelte Material, dessen Veröffentlichung die statistischen Stellen vordereiter, wird unwiderleglich dartun, daß bei Berücksichtigung von kommunelen und kirchlichen Abgaben bereits jetzt in zahlreichen Gemeinden die direkten Steuern eine Höhe erreicht haben, die eine weitere Belastung durch Einkommenund Vermögenssteuern für Zwecke des Reiches unmöglich macht. Aus denselben Gründen, die gegen eine allgemeine Reichseinkommensteuer sprechen, verdietet sich auch die Heranziehung des Einkommens oder Vermögens in besonderen Erscheinungsformen.“ Dagegen soll die Ausdehnung der Reichserbschaftssteuer kommen und dann alles andere auf Konsum= und Luxusaxtikel gelegt werden.„Dabei wird entsprechend den Ergebnissen der modernen Finanzwissenschaft die Besteuerung in Formen durchzuführen sein, die die Konsumsteuer des Charakters einer Sondergewerbesteuer entkleidet, sodann sind die Anforderungen ausgleichender sozialer Gerechtigkeit keinen Augenblick aus dem Auge zu verlieren, sondern bei der Ausgestaltung der einzelnen Gesetze durch geringere Belastung des Konsums der Minderbemittelten, durch höhere Besteuerung des kostspieligen Luxuskonsums zur Geltung zu bringen.“ Die Gas= und Elektrizitätssteuer wird in folzenden Worten angekündigt:„Schließlich gibt es einzelne charakteristische Erscheinungen des modernen Aufwandes, die eine Steuerbelastung vertragen können, ohne daß damit nach dem Urteil der berufensten Sachkenner eine Gefahr für Handel= und Wandel verbunden ist. Das gilt natürlich nicht von Umsatz= oder eigentlichen Verkehrssteuern, die im gegenwärtigen Zeitpunkt den glatten Lauf der volkswirtschaftlichen Maschinerie hemmen und beeinträchtigen würden.“ Schließlich wird noch mitgeteilt, daß die Matrikularbeiträge gebunden werden sollen; der Reichstag soll dagegen einen anderen beweglichen Faktor erhalten. Der Schaffung von Betriebsmitteln soll große Aufmerksamkeit zugewendet werden. Dieses Programm hat in drei Teilen unsere Zustimmung: Sparsamkeit, Schuldentilgung, Schaffung von Betriebsmitteln. Aber die lebhaftesten Bedenken haben wir gegen die Art, wie die neuen Steuern aufgebracht werden sollen. Nach diesem Rezept fallen mindestens 80 Prozent auf die armen Volksschichten; es kann ja sein, daß die Reform im einzelnen ein etwas freundlicheres Bild gibt. Als ausgeschlossen kann gelten, daß das Zentrum die Hauptlast der neuen Steuern auf die minderbemittelten Volksschichten legen wird. Der Kaiser hat bei seinem Besuche der Reichslande konstatieren können, daß Elsaß=Lothringen mit der ungeahnten Entwicklung des deutschen Reiches Schritt haltend, in erfreulicher Weise emporgeblüht ist. Den Städten Metz und Straßburg ist die Taille des Festungsgürtels zu eng geworden; sie müssen Raum erhalten, sich weiter ausdehnen zu können. Auch auf politischem Gebiet vollzieht sich in den Reichslanden langsam aber unaufhaltsam der Assimilationsprozeß an das deutsche Reich. Er könnte beschleunigt werden, wenn für die Reichslande eine staatsrechtliche Form gefunden würde, die sie als gleichberechtigtes Glied den übrigen deutschen Bundesstaaten anreihte. Man darf hoffen, daß der bisherige Unterstaatssekretär Zorn von Bulach, der als Nachfolger des scheidenden Herrn von Köller in Aussicht genommen ist, seine Aufgabe vor allem in dieser Richtung erblicken wird. Nach der steten Beunruhigung, die eine Reihe unvorhergesehener Ereignisse während der letzten Jahre in der europäischen Welt hervorgerufen hat, sind die Worte, die Kaiser Wilhelm beim Festmahl in Straßburg gesprochen, allenthalben mit besonderer Freude begrüßt worden. Der Kaiser gab den Bewohnern des so überraschend emporgeblühten Elsaß=Lothringen, die in erster Linie von einem Kriege in Mitleidenschaft gezogen werden würden, aus innerster Ueberzeugung die Versicherung, daß der europäische Friede gegenwärtig nicht gefährdet ist. Die Aeußerungen Kaiser Wilhelms haben um so tieferen Eindruck in der Welt gemacht, als man annehmen darf, daß in ihnen sich die Ergebnisse seiner Begegnung mit dem König von England widerviegein. Die österreichische Regierung hat auf Grund der ihr bereits im Winter vom Reichsrat erteilten Genehmigung den vom Parlament noch nicht genehmigten Handelsvertrag mit Serbien am 1. September vorläufig in Kraf: gesetzt. Sie hat so den Wünschen weiter Kreise des Publikums wie der Gewerbetreibenden entsprochen, aber Entrüstung in Kreisen der Landwirtschaft hervorgerufen. Der Landwirtschaftsminister hat infolgedessen dem Kaiser seine Entlassung angeboten. Der Monarch ist darauf jedoch nicht eingegangen. Noch mehr Aufsehen erregt zur Zeit die Vergebung der Röhrenlieferung für ein neues Wasserwerk in Prag an ein französisches Unternehmen. Die übergangenen österreichischen Eisenindustriellen beschuldigen die Prager Stadtverwaltung, daß sie sich zu diesem Schritte nicht allein aus Haß gegen das Deutschtum entschlossen habe, sondern auch, weil verschiedene Persönlichkeiten private Vorteile gesucht hätten. Ueber den Wert dieser Beschuldigung tobt zurzeit ein erbitterter Streit. In Oesterreich herrscht auf dem Eisenmarkt ein Kartell, das den Versuch der Prager, durch Bestellung im Ausland sich von der Willkür des Kartells frei zu machen, natürlich mit größter Heftigkeit bekämpft. Dänemark hat einen politischen Skandal, einen Ministerkandal, zu verzeichnen, wie man ibn sonst nur aus dalbkultivierten Staaten zu hören gewöhnt ist. Herr Alberti, der nach etwa siebenjähriger Ministerschaft erst Ende Juli aus dem Ministerium schied, in dem er als Justizminister zu entscheidendem Einfluß gelangt war, dat sich am Mittwoch nachmitteg der Polizei mit der Angabe gestellt, große Fälschungen und Betrügereien zum Schaden des Finanzministeriums, der Nationalbank und der Privatbank verübt zu haben. Der frühere Minister versichert zwar, daß für die veruntreuten Summen volle Deckung vordanden sei, doch hat eine Sparkasse bereits ihre Zohlungen einstellen müssen. Seine Unterschlagungen geben weit über zehn Millionen hinaus. Alberti galt längst als ein Mann von zweiselhafter Moral und war deshalb fortgesetzt den schärfsten Angriffen ausgesetzt, so daß sein Verbleiben im Amt wie eine Verhöhnung der politischen Moral wirkte und auch von Freunden der gegenwärtigen Regierung lebhaft beklagt wurde. Dabei ahnte wohl niemand, daß der Justizminister seine Hand nach fremdem Gute ausgestreckt hatte und zum gemeinen Verbrecher geworden war. Man wußte nur, daß er in unzulässiger Weise seinen Einfluß zur Förderung seiner geschäftlichen Interessen benutzte und tiefer in wirtschaftlichen Untern hmungen steckte, als mit seiner Stellung in der Regierung vereinbar war. Alberti überhörte die schweren Vorwürse, die fortgesetzt in der Oeffentlichkeit gegen ihn geschleudert wurden, und klammerte sich mit zäher Energie an sein Amt, wohl weil er voraussah, daß er seinen“ moralischen Zusammenbruch nicht würde aufhalten können, wenn ihm die Macht, die er als Minister übte, entrungen wäre. Und Albertis Einfluß war so groß, daß Herr Christensen, der Ministerpräsident, nicht den Mut fand, sich dieses bedenklichen Amtsgenossen zu entledigen. Vielleicht säße Herr Alberti noch heute im Justizministerium, wenn nicht der Tod des Finanzministers Lassen den Anstoß zu einer umfassenderen Umbildung des Kabinetts gegeben hätte. Wäre auch diese Gelegenheit zur Ausschiffung des viel angefeindeten Mannes unbenutzt geblieben, so hätte Herr Christensen sich vor dem allgemeinen Unwillen kaum behaupten können. Neben der Empörung über das verbrecherische Treiben eines der höchsten Staatswürdenträger dürfte sich in Dänemark das Bedauern regen, daß ein bedeutender und reichbegabter Mann wie Alberti so schmählich zu Falle gekommen ist und das öffentliche Leben künftig seine Erfahrungen und sein Geschick wird entbehren müssen. Denn Alberti war eine ungewöhnlich kraftvolle, weit über den Durchschnitt hinaus ragende Persönlichkeit, ein Mann mit eigenen Ideen und von erfolgreichster Betätigung. Dabei persönlich von gewinnender Art, ein glänzender Debatter und ganz dazu gemacht, um an der Spitze der Regierung die Geschäfte des Landes zu leiten. Er hat auch in den sieben Jahren, die er der Regierung angehörte, maßgebenden Einfluß geübt, und es war diesem insbesondere zuzuschreiben, daß das freisinnige Kabinett die Bahn des Kompromisses beschritt und Verhandlungen mit den Gemäßigten eröffnete. Es ist tief beklagenswert, daß ein Mann von solchen Gaben genötigt ist, unter so beschämenden Umständen vom politischen Schauspiel abzutreten. Kleines Franzosen über unsere Kaisermanöver. Der französische Oberstleutnant Rousset gibt im „Gaulois“ einen eigenartigen Bericht über die Kaisermanöver bei Metz. Er zeigt von neuem, daß ein Franzose selbst beim besten Willen zur Objektivität in der Beobachtung deutscher Verhältnisse eben doch immer Franzose und darum in gewissen Vorirteilen befangen bleibt. Dazu gehört z. B. die Vorstellung, daß der deutsche Kaiser sich in einem fortwährenden Zustande der Angst vor Anarchisten oder irgend welchen anderen Gefahren befindet. Aus diesem Vorurteil heraus fällt es Herrn Rousset ehr auf, wie vollkommen ruhig sich der Kaiser offenbar in der Mitte seiner Offiziere fühle. Er sieht ihn und die Kaiserin bei der Besichtigung der neuen Modelle für Feldküchen: ohne alles Polizeiaufgebot, ohne Gefolge, ohne besondere Vorsichtsmaßregeln. Die Absperrungen sind mäßig und nicht besonders streng. Nach Beendigung der Besichtigung besteigt der Kaiser mit einem Adjutanten ein Automobil und macht dann ohne weiiere Begleitung eine Spazierfahrt auf den Schlachtfeldern. Dann wieder sieht er den Kaiser beim Verlassen des Bahnsteiges, ganz allein, nur etwas abseits, sein Pferd besteigen, wobei ihm sein Leibjäger behilflich ist. Im übrigen sind die Bemerkungen, die er über den Kaiser macht, keineswegs unfreundlicher Natur. Er hebt mit Anerkennung hervor, daß der Kaiser offenbar ganz und gar im Soldatenberufe lebt und das Heer als seine eigenste Angelegenheit ansieht. Es fällt ihm ferner ganz besonders das Wohlwollen auf, mit dem der Kaiser auch die französische Bevölkerung des Reichslandes behandelt, und er muß gestehen, daß dies Verhalten vielleicht kein schlechtes Mittel zur Beförderung der Germanisation ist. Wenn den Reichsländern die Gleichstellung mit den übrigen deutschen Bundesstaaten gewährt wird, bekennt der französische Offizier,„so würden sie sich zufrieden erklären— wenigstens für den Augenblick". Was nun unser Heer selbst betrifft, so entlockt ihm der Anblick der in Parade stehenden deutschen Truppen Ausdrücke aufrichtiger Bewunderung. „Ich weiß nicht, ob es in Eurspa ein Heer gibt, das hinsichtlich der äußeren Erscheinung mit dem deutschen Heere wetteifern könnte.“ Der Glanz und die Mannigfaltigkeit der Uniformen, die Gediegenheit der Ausstattung, die Pünktlichkeit und Genauigkeit der Bewegungen entzücken ihn. Wenn hier und da ein Tambourmajor die Beine gar zu ostensibel„schmeißt", so findet Rousset darin keinen rechten Stoff zum Lachen; denn er empfindet als echter Soldat darin ein„Sentiment de la cocarde“, das er zu schätzen weiß. Nicht, daß alles bei uns etwa seinem Geschmacke entspräche; aber er bemerkt ganz verständig, vor Ueberlieferungen müsse man eben Achtung haben und sie anerkennen. Dabei scheint ihm jedoch nicht, daß das deutsche Heer, wie er es bei Metz in Parade sah, dem französischen als überlegen zu bezeichnen wäre. Den Preis des Tages verleiht er der Artillerie, am schlechtesten schneidet in seinem Urreil die Kavallerie ab, die er viel zu glänzend ausgeputzt und daher weithin sichtbar, auch minder gut beritten als die französische findet. Rousset weint nun freilich, das Bild, das das deutsche Heer in der Parade bietet, müsse mit einiger Vorsicht behandelt werden.„Der deutsche Soldat, der für gewöhnlich schmutzig und schlecht gehalten ist, macht sich für die Parade heraus wie eine Raupe, die zum Schmetterling wird, und erscheint dann untadelhaft.“ Daß das nicht stimmt, weiß jedes Kind in Deutschland. Selbst in der ärmlichsten deutschen Garnison macht kein Soldat einen so unsauberen und schlecht gehaltenen Eindruck, wie das bei dem französischen Soldaten die Regel ist. Einen tiefen Eindruck hat die Kaiserparade auch auf den Vertreter des Pariser„Journal“ gemacht. Er schreibt:„Als die ersten schwarzen Helmbüsche sichtbar wurden, legte Kaiser Wilhelm seinen Kommandostab in die Hand des Marschalls Haeseler, der noch immer in so auffälliger Weise dem verstordenen Minister Thiers äonlich sieht. Dann zog er den Säbel aus der Scheide und präsentierte wie ein einfacher Oberst der Kaiserin und den Königen sein Regiment mit einem Jünglingsfeuer, das bei den Deutschen Enthusiasmus entfesselte, bei uns Franzosen aber ein Gefühl der Traurigkeit hervorrief. Man kann sagen, was man will, dieser Kaiser ist ein bewunderungswürdiger Offizier! Und als er sich beim Gruß mit dem Degen vor den Damen und den alten Generalen verneigte, haben wir anderen— mag man sich über uns als Träumer immerhin lustig machen!— darin das Symbol eines Vaterlandes und die erhabene Huldigung erblickt, die der Manneszucht, der„lebendigen Kraft der Armeen“, wie unser französisches Reglement sich ausdrückt, dargebracht wurde.... Das sind nicht mehr Soldaten, die manövrieren, nicht mehr Mannschaften, die blind gehorchen — nein, es ist ein ganzes Land, das hier vorüberzieht: ein an In Nordafrika haben die Franzosen jetzt an zwei Stellen zu kämpfen: außer in Marokko auch in Algier. In Algier war den französischen Truppen gegen die im modernen Kriegswesen nicht geschulten Horden aufständischer Eingeborenen natürlich rascher und gründlicher Sieg beschieden; vor ihren Geschützen zerstob die lanzenbewehrte muselmannische Reiterschar dezimiert in alle Winde. In Paris hofft man, daß diese Erfolge auch die französische Politi gegenüber Marokko günstig beeinflussen werden, insofern Muley Hafid, von der militärischen Macht Frankreichs überzeugt, den Einflüsterungen des deutschen Konsuls Vassel weniger zugänglich sein werde. Französischen und englischen Blättern wird nämlich aus Tanger gemeldet, daß Dr. Bassel auf seiner Reise nach Fez in Alcazar den dort versammelten Notabeln erklärt habe, daß Muley Hafid auf die vollständige Unterstützung Deutschlands rechnen könne und daß er sich nach Fez begebe, um Muley Hafid zu versichern, daß Deutschland gesonnen sei, für die Aufrechterhaltung der Integrität des Landes zu sorgen und dem Sultan zu helfen, daß er aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten herauskomme. Wenn ver deutsche Konsul wirklich solche Aeußerungen getan hat, dann würde er entweder seine Justzaltiore über's ister haben, oder die Behauptung der deutschen Offiziösen, daß Dr. Vassel in keine diplomatiche#### on en errnnen habe, wäre unrichtig und irreführend gewesen. Es fehlt allerdings auch sonst nicht an Anzeichen dafür, daß man in Berlin eine schärfere Tonart anschlagen will. So führte die Süddeutsche Reichs=Korrespondenz, welche allgemein für ein Organ des deutschen Auswärtigen Amtes gilt, dieser Tage an, daß man sich beeilen müsse, Muley Hafid als Sultan anzuerkennen, denn die Mächte hätten eigentlich gar kein Recht, von einem nicht anerkannten Sultan zu verlangen, daß er die Algecirasakte annehme; für einen anerkannten Sultan seien diese Pflichten selbstverständlich. Zum Schlusse der spitzfindigen Ausführungen heißt es dann:„Deutschland ist an sich unter den Signaturmächten von Algecira“ nur eine Macht wie die übrigen. Während aber andere Mächte aus verschiedenen Gründen für die Entwickelung der Verhältnisse in Marokko mehr oder weniger kein Interesse zeigen, bleibt Deutschland diejenige Macht, die nächst Frankreich und Spanien ihren marekkanischen Rechten und Interessen besondere Aufmerksamkeit zuwendet und sich gerade dann meldet, wenn man sie fein leise ausgeschaltet zu haben glaubte.“ Darnach dürften sich die Verhandlungen über die Anerkennung Muley Hafids doch schwieriger gestalten, als man bisber annehmen konnte, denn Ansihten wie die oben angedeuteten würden kaum bei einer anderen Macht Unterstützung finden. Pariser, von der französischen Rogierung bediente Blätter versichern schon, daß Frankreich und Spanien mitsamt den ihnen alltierten Mächten den deutschen Vorschlägen nicht zustimmen würden. Das Vorgehen gegen Marokko ist übrigens eine eigene Illustration zu der Couveränität, die die Grotmächte dem Sultan zu schützen sich demüben. Rivebliebes. Röln, 11. Sept. In St. Maris in der Kuvfergasse findet in der Zeit von Donnerstag, den 17. dis Sonntag, den 20. d. M. die alle drei Jahre üibliche Ausstellung des Enadenbildes statt. Während dieser Zeit wird diele Kuche das Ziel vieler Kölner und auswärtiger Katholiken sein. Donnerstag nachmittag 6 Uhr ist die feierliche Ausstellung des Gnadenbildes mit Festandacht und Predigt. Von Freitag bis Sonntag ist morgens um 5.80 Uhr hl. Messe. 9.80 Hochamt und um 11 Uhr bl. Messe. Nachmittags um 3 Uhr ist Besper. 5 Uhr Komplet und 6 Uhr Festandacht mit Predigt. Der Schluß der Feier beginnt am Sonntog, den 20. d. M. um 5 Uhr mit Festpredigt. Komplet und Prozession mit dem Bnadenbilde zur Kapelle. Während der ganzen Festzeit ist Gelegenheit zum Empfangs der bl. Sakramente. Kuechtsteden. Am dritten Sonntag dieses Monats, 20. Sept. wird in der Wallfahrtskirche zu Knechtsieden das Fest der sieben Schmerzen Mariä(Not Gotted) feierlich begangen werden. Am Festtage selbst sind morgens von 6—8 Uhr stille hl. Ressen, 10 Uhr feierliches Leviten=Hochamt, 1/#2 Uhr Vesper, 5 Uhr Festpredigt und zum Schluß feierliche Segensandacht. Während der Oktav sind jeden Morgen von 6—8 Uhr hl. Messen und abends um 5 Uhr Andacht zur schmerzhaften Mutter mit Rosenkranz und sakramentalem Segen. Am Freitag den 25. Sept. ist um 5 Uhr abends Predigt und nachher Gegensandacht. Sonntag den 27. ist die Gottesdienstordnung wie am Festtage selbst, abends auch wieder Predigt mit Prozession zum Guadenbilde. Jeden Tag ist Gelegenheit zum Beichten; Morgens von 6 Uhr ab, nachmittags von 3.30 Uhr ab. Am Tage des Festes(20. Sept.) kann in der Bruderschaftskirche der schmerzhaften Mutter zu Knechtsteden der sogen. Toties quoties-Ablaß gewonnen werden, d. h. alle diejenigen(auch Nichtmitglieder der Bruderschaft), die reumütig gebeichtet und kommuniziert haben, können einen vollkommenen Ablaß gewinnen, so ost sie an diesem Tage diese Kirche besuchen und darin nach der Meinung des hl. Vates beten Kom, 11. Sept Soeben starb in der päpstlichen Galerie Direktor Pros. Ludwig Seitz an Herzschlag, nachdem er noch gestern die Ueberführung der Raffaelschen Transfiguration überwachte(Köin. Bztg.) Köln=Nivpes. Am Sonntag den 20. d. M finden hier die kirchlichen Wahlen statt. Zu einer Besprechung und Aufstellung der Kandidaten werden die Mitglieder des kath. Bürgervereins und alle katholischen Gemeindewähler von Nippes auf Sonntag den 13. d. M. abends 8½ Uhr eingeladen. Ssir dn 12. Sopienben. Der Kronyrinz von Preuhen traf Donnerstag abend von Saarbrücken kommend um 11 Uhr 12 Min. auf dem hiesigen Hauptbahnhofe ein und fuhr 11 Uhr 30 Min. nach Berlin weiter. ssate P3 Der ständige Ausschuß des Bezirkseisenbahurats Köln hält am Mittwoch den 23. September vormittags 10 Uhr, im großen Saale der Königl. Eisenbahndirektion seine vierte Sitzung ab. Es liegt u. a. ein Fahrplanvertrag auf Verbesserung der Schnellzugverbindung Hagen—Hannover, ferner eine Vorlage der Direktion auf Aufhebung der Ausnahmetarife für Eisen und Stahl der Spezialtarise 1, 2 und 3 im Verkehr mit den Seehäfen, ferner auf Frachtermäßigung für Vieh durch Ermäßigung der Staffel bei Entfernungen über 300 Kilometer, Ausdehnung des Zuchtiehtarifs auf sämtliches Vieh, ausschließlich Pferde, das von den Stationen an und östlich der Linie Neustadt i Westpr nach den übrigen Stationen der preußischbessischen Staatsbohnen zum Versand gelangt, Ermäßigung der Frachten für Magervieh nach Ostpreußen, insbesondere nach Sachsen und Schleswig=Holstein. Auszeichnung. Dem Redakteur des Stadt=Anzeigers, Leutnant a. D. Emil Schmitz, ist der rote Adlerorden 4. Klasse verliehen worden.„„ Rheinuferdahn. Der allberühmte Markt in Pützchen welcher am Sonntag den 13. September beginnt, übt erfahrungsgemäß auch auf die Kölner eine große Anziehungskraft aus. Die Direktion der Köln=Bonner Kreisbahnen wird dem stärkeren Verkehr durch Bereitstellung von Sonderzügen Rechnung tragen. Für die Hinfahrt werden am Nachmittag um 2.13 Uhr. 3.13 Uhr und 4,18 Uhr Sonderzüge bereitstehen, während für die Rückfahrt ab Vonn Vorzüge zu den Schnellzügen um 8 Uhr, 9 Uhr und 10 Uhr vorgesehen sind. Außerdem wird der Personenzug abends 11.10 Uhr ab Bonn, welcher fahrplanmäßig nur bis Wesseling verkehrt, besonders auch mit Rücksicht auf die ebenfalls am Sonntag stattfindende Kirmes in Godorf bis Köln durchgeführt werden. Vereinigte Stadttheater Köln. Opernhaus. Da am Montag die Kasse des Opernhauses geschlossen bleibt, findet der Vorverkauf für Mittwoch den 16. d. M(Othello) bereits am Sonntag von vormittags 10, für Galleriebillets von 5 Uhr an Ratt. gl Von einem Eisenbahnwagen überfahren wurde gestern vormittag gegen 11 Uhr in der Näbe des Bergisch-Märkischen Bahnhofes in Deutz ein 17jähriger Hilfsrangierer aus der Geisselstraße in Ehrenfeld. Der junge Mann erlitt entsetzliche Verletzungen an beiden Beinen und wurde auf einer Tragbahre zum Hospital gebracht. Dort ist ihm sofort ein Bein amputiert worden. Es ist fraglich, ob der junge Mann dem Leben erhalten bleiben kann. und Westfalen. Trier, 9. Sept. In das Untersuchungsgefängnis in Trier wurde gestern abend schwer gefesselt der Mädchenentführer Iserhardt aus Obenthal im Kreise Mülheim am Rhein, der bekanntlich in Berg.=Gladbach aufgegriffen wurde, eingeliefert. Düsseldorf, 10. Sept. Bei der Landesversicherungs. anstalt Rheinprovinz bat im Rechnungsjahre 1907 die Gesamteinnahme in bar einschließlich eines Bestandes von 2 977966,31 Mark aus seg. 90 197641,14 Mark und die Ausgabe in bar 28 014 956.9! Merk betragen, so daß ein Barbestand von 2 182 684.23 Mark verblieben ist. Der Bestand an Wertsapieren betrug Ende 1906 nach dem Ankaufspreis 98 340 189,60 Mark; hier betrug die Einnahme 4 954 315.05 Mark, die Ausgabe 464 158,80 Mark so daß ein Bestand von 102 830 346,35 Mark verblieb An Darlehen waren bis 1906 ausgegeben 39 825 357.22 Mark. Davon wurden in 1907: 7438 599,79 Mk. zurückgezahlt, während 1 179 759.98 Mk. neu ausgeliehen wurden. Demnach ergab sich Ende 1907 ein Bestand von 46084 197,03 Mk. an Darlehen. Der Wert der Grundstücke betrug Ende 1906 1 507 925,54 Mk., dazu trat eine Einnahme in Grundstücken von 308 310,43 Mk., eine Ausgabe von 2 552.12 Mk., so daß sich Ende 1907 die Grundstückswerte auf 1 813683,85 beliefen. Die Gesamtbestände betrugen Ende 1906 mit dem Wert des Inventars 153 052 623,12 Mt. Dinslaken, 8. Sept. Wie nunmehr feststeht, wird mit dem 1. April 1909 der bisherige Landkreis Ruhrort seinen Sitz nach Dinslaken verlegen und die Bezeichnung Kreis Dinslaken erhalten. Das Landratsamtsgebäude sowie die Privatwohnung des Landrats sind im Ban begriffen. Berlin, 10. Sept. Die Morgenblätter melden eine Verschlimmerung in dem Befinden des Fürsten Eulenburg. Im Lause einer Unterredung mit seinem Hausmeister wurde er von schweren Krämpfen befallen. Berlin, 10. Sept. Auf der Tegelerstraße ereignete sich ein schweres Automobilunglück; der Chauffeur erlitt einen doppelten Schädelbruch. Hannover, 10. Sept. Der 18jährige Schüler Onken der Untertertia des Reform=Realgymnasiums hat sich während des Unterrichts erschossen. Berlin, 10. Sept. Das Berl. Tagebl. erfährt aus zuverlässiger Quelle, daß die Militärverwaltungen von Köln, Straßburg, Mainz und Griesheim Luftballonstationen errichten wolen, womit der Anfang von Fuftflotten=Stützpunkten an der Westgrenze gemacht wäre. Frankfurt a. M., 9. Sept. In der Narkose starb ein 10 Jahre alter Junge, an dem eine Drüsenoperation vorgenommen werden sollte. Die Leiche wurde von der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Wunder grenzender Anblick! Mag man lateinisches oder germanisches Blut in den Adern haben, gleichviel: man muß es laut bekennen, und wäre es auch nur aus Verehrung für die Schönheit der Dinge! Ein anderer französischer Offizier schreibt nicht weniger lebhaft im„Eclair“:„Ueber dem Schauspiel, das ich soeben gesehen habe, liegt eine Atmosphäre von Disziplin, Methode, Organisationsgeist, verbunden mit einer Liebe für militärische Dinge, die bis zu religiöser Verehrung getrieben ist... Die geschlossene Haltung, das Ebenmaß der Wendungen, der Rhythmus in allen Bewegungen hinterlassen in mir den Eindruck einer Art von großartiger militärischer Sinfonie, deren Aufführung vom Kaiser geleitet wurde. Sein Marschallstab erschien mir in seiner Hand wie der Taktstock eines Orchesterdirigenten... Mit gepreßtem Herzen denke ich daran, daß unsere Offiziere und unsere Soldaten noch wunderbarere Virtuosen sind, als diese deutschen Automatenpuppen, Virtuosen, mit denen sich ein noch viel schöneres Konzert aufführen ließe. Aber wie ließe sich ein solches Konzert veranstalten bei der Mitwirkung der erbärmlichen Komödianten, aus denen sich die mißtönende Kapelle zusammensetzt, worin unter dem schlappen und ohnmächtigen Taktstock des Fanfarenmeister Fallieres ein Picquart das Klavier spielt, ein Cheron die große Pauke schlägt und eine Clemenceau das englische Horn bläst! Ab! Welche Lehre hat uns Kaiser Wilhelm auf dem Manöverfelde von Frescaty erteilt! Dieser Staatschef und gleichzeitig Armeechef, dieser Souverän, der— man fühlt es deutlich— von seinen Truppen angebetet wird, und der selbst in sie verliebt ist, dieser Kaiser hoch zu Roß, gestiefelt, behelmt und gespornt,— welche beherzigenswerte Erscheinung! Das haben wir wahrhaftig, und zwar nicht in Gestalt einer abstrakten Utopie, sondern in Fleisch und Blut verkörpert, die ledendige Synthese der„Nation in Waffen“ vor Augen! Und in Gegenwart eines so greifbaren Symbols, wie sollte man sich nicht die moralische Begeisterung erklären, die ich seit achtundvierzig Stunden im 16. deutschen Armeekorps miterlebte? Das sind die melancholischen Gedanken, denen ich nachhänge in dem Moment, wo ich mich hastig von dem Manöverfelde entferne, auf dem es mir zu meinem Schmerze beschieden war, wider meinen Willen den mächtigen Eindruck der deutschen Stärke zu empfinden... Ich kann es nicht vergessen, daß diese Lehre mir auf lothringischer Erde zuteil werden mußte, hier zwei Schritt weit von jener Grenze, jenseits derer ich so lange Zeit hindurch, den Säbel in der Faust, auf Wache gestanden habe!...“ Eine Blindenstadt. Nach dem Plane der Königin Carmen Sylva soll die in Bukarest bestehende Blindenanstalt Vatra Luminosa, in der jetzt schon über 100 Blinde aller Nationalitäten untergebracht sind, zu einer Art Kolonie, einer Blindenstadt erweitert werden. In dieser Blindenkolonie, in der die Blinden samt ihren Famisien wohnen, sollen sich die einzelnen gegenseitig durch den Erfolg ihrer Arbeit erhalten. Die Erträge sollen in eine gemeinsame Kasse fließen, aus der alle ihren Lebensunterhalt beziehen. Die verbindende Sprache soll Esperanto sein. Die Königin stellt den Ertrag ihrer Schriftstellerei in den Dienst des geplanten Riesenunternehmens, nimmt aber auch etwaige Liebesgaben, die ihr von dritter Seite gesandt werden, gern entgegen. Die neueste Weltsprache. Das Volapük und Esperanto haben eine neue jüngere Schwester erhalten: in einem kleinen Saal in der Pariser Rue Crozatier hat der Professor Boleslas Cajewski ein kleines aber erlesenes Auditorium von sechs Zuhörern mit der Sprache der Zukunft, mit der musikalischen Universalsprache, mit dem Solresol bekannt gemacht. Nach den Ausführungen des Erfinders umfaßt die neue Sprache 2660 Worte, die sich aus Permutationen der sieben romanischen Tonbezeichnungen do, re, mi, fa, sol, la, si zusammensetzen. Zugleich wird der Satzbau vereinfacht, um eine knappe elegante Klarheit zu erzielen. Um z. B. zu sagen: Der Feind hat eine große Anzahl Soldaten, sagt man Sidomi famisol famifare fasi, was wörtlich bedeutet, der Feind besitzt viele Truppen, und sich anhört wie eine Negersprache. Das Interessante an der neuen Sprache ist, daß sie sowohl in Noten als auch in Ziffern bequem geschrieben werden kann. Man kann sie nicht nur sprechen oder in Zeichen ausdrücken, sondern sie auch auf dem Klavier oder der Violine spielen. Außerdem ist es leicht, für die sieben Grundsilben der Sprache sieben verschiedene Farben, die Regenbogenfarben, zu verwenden, so daß durch Licht während der Nacht auf große Entfernungen bequem Meldungen und Botschaften gegeben werden können. Ludwigshafen, 9. Sept. Der Schieferdecker Seip aus Mannheim ruderte gestern mittag auf dem Mundenheimer Altwasser. Außer ihm befanden sich noch zwei Jungen des Fuhrmanns Bitsch in dem Boot. Seip begann, um den Kindern Angst zu machen, zu schaukeln, als das Fahrzeug umschlug. Die beiden Kinder konnten gerettet werden, Seip, der 34 Jahre alt und verheiratet war, ertrank. Freiburg i. Br., 9. Sept. Auf der Rückkehr von einem Ausfluge nach Titissee kollidierte ein Automobil, worin Angehörige des Zirkus Sarrafani waren, bei Ebnet mit einem Radfahrer. Das Automobil überschlug sich. Der Chauffeur wurde getötet und 3 Insassen verletzt. Konstanz, 10. Sept. Die Zwangs=Erziehungsanstalt Maria=Hof in Hüfingen ist heute in Brand geraten. Das Gebäude wurde teilweise zerstört, die Zöglinge wurden gerettet. Man vermutet Brandstiftung durch einen Zögling. Konstanz, 10. Sept. Die Tochter des Grafen Zeppelin verlobte sich in Konstanz mit dem Oberleutnant und Adjudanten von Brandenstein vom 19. Ulanen=Regiment in Ulm. Paris, 10. Sept. In der Nähe von Cherbourg wurde das Unterseeboot 10 während einer Probefahrt bei mittlerer Geschwindigkeit durch den Bruch einer Welle zum Stillstand gebracht.„Dank dem Funktionieren des Benzolmotors konnte das Schiff den Hafen erreichen. Grenoble, 9. Sept. Auf dem zur Gemeinde Saint=Gervais gehörigen Ecougesberg sprangen 152 Schafe, durch zwei einen Hasen verfolgende Jagdhunde verscheucht, eins nach dem andern einen 150 Meter hohen Abgrund hinab. Fast sämtliche Tiere kamen um. Ihr Eigentümer fordert von dem Besitzer der Jagdhunde, dem Bürgermeister von Matand, 5000 Francs Schadenersatz. Dover, 9. Sept. Der Schwimmer Burgeß hat gestern mittag seinen Versuch, den Kanal zu durchschwimmen, aufs neue ausgenommen. London, 9. Sept. Nach einem Telegramm aus San Franeisco strandete ein großer Dampfer während eines heftigen Sturmes an der Arena=Klippe. Das Schiff wurde sofort zertrümmert. Alle an Bord befindlichen Personen ertranken. Man glaubt, daß es der Passagierdampfer zum 30. September d. J. die bekanntlich außer Kurs gesetzten Taler ein. Wer also noch im Besitz von Talerstücken sein sollte, tut gut daran, sie sofort bei der Reichsbank gegen andere Münzen umzutauschen, um Verluste zu vermeiden. Der Gattin freiwillig in den Tod gefolgt. Ein tragisches Geschick hat den Amtsrichter Fritz aus Jerichow bei Magdeburg ereilt. Der 34jährige Mann beschuldigte sich, den Tod seiner Gattin dadurch verursacht zu haben, daß er ihr zuredete, sich einer Operation zu unterziehen. Nachdem er einige Tage ziellos in Berlin und Potsdam umhergeirrt war, ertränkte er sich im Wannsee. Ein furchtbares Automobilunglück hat sich auf der Landstraße zwischen Genua und Albenga ereignet. Ein Ingenieur, der mit seiner Familie den Sommer in Albenga verbrachte, kehrte mit seinem einzigen Sohne, einem sechsjährigen Knaben, von einem Spaziergange heim, als ihnen auf der Landstraße ein Automobil, in dem die beiden Töchter des Marquis de Redevin saßen, mit größter Geschwindigkeit um eine Biegung sausend, entgegenkam. Das Kind befand sich spielend einige Meter vor dem Vater, der die Gefahr sah und dem Chauffeur Zeichen machte, zu stoppen. Aber bevor dieser imstande war, den Wagen anzuhalten, war der Kleine schon überfahren und getötet. Der vor Schmerz rasende Vater zog nun einen Revolver und feuerte zweimal nach dem Wagen. Der erste Schuß ging fehl, der zweite durchbohrre den Körper eines der Mädchen und traf den Chauffeur am Hinterkopf. Der Chauffeur wurde sofort getötet und jetzt raste der führerlose Wagen mit den beiden Mädchen weiter, fuhr mit voller Gewalt gegen einen Felsen und die beiden Insassinnen wurden schwer verletzt unter demselben hervorgezogen. Das Mädchen, das die Schußwunde erhalten hatte, starb einige Minuten später, während an dem Aufkommen der andern gezweifelt wird. Als die Polizei auf der Unglücksstelle ankam, fand sie den Ingenieur halb wahnsinnig mit dem verstümmelten Leichnam seines Sohnes im Arm. * Von einer schweren sinanziellen Schädigung ist ein nicht unerheblicher Teil der deutschen Lehrerschaft bedroht. Wir haben mitgeteilt, daß über das Vermögen der ZentralMilitärdarlehnskasse für Lehrer A.=G. in Berlin, Elisabethkirchstraße 34, der Konkurs eröffnet worden ist. Die Kasse wurde im Jahre 1903 mit einem Aktienkapital von 200.000 Mark gegründet. Hierzu kamen im Laufe der Jahre eine Million Mark Spareinlagen, die von etwa 600 Sparern eingelegt worden sind. Zweck der Kasse war, durch Darlehen die zum Militär eingezogegen Elementarlehrer in den Stand zu setzen, als EinjährigIAwillige zu dienen. Um ihnen hierzu die Möglichkeit zu gewähren, wurde die Kasse von der deutschen Lehrerschaft mit der Bestimmung gegründet, daß jedem in das Heer eintretenden Berufsgenossen ein Darlehen bis zu 1500 während dieses Jahres gewährt werde. Die Sicherheit bestand in einer Police, die die Sterbekasse der deutschen Lehrerschaft auszustellen hatte. Der auf die Police lautende Betrag war in 15 Jahren rückzahlbar. Im Anfang ihres Bestehens zahlte die Kasse als Gewinnanteile 5 v. H., im letzten Jahre nur 4½ v. H. Mit dem ihr zur Verfügung gestellten Kapital belieb sie Hypotheken. Die Schwierigkeiten sind durch die allgemeine Lage des Geldmarktes entstanden. Es kam hinzu, daß viele Sparer ihre Einlagen zurückverlangten. Der Konkurs ist dadurch veranlaßt, däß Sparer, die nach rechtmäßiger Kündigung ihre Einlagen nicht hatten zurückerhalten können, den Klageweg beschritten. Die 200.000 Aktien verteilen sich auf 1000 Anteile. Die Sparer hatten Einlagen bis zu 12,000 all, während der geringste Betrag 50 c war. Gegen die Serienlos=Gesellschaften. Die zahlreichen SerienlosGesellschaften, die früher in Deutschland ihr Unwesen triben, haben sich jetzt, seitdem die Gerichte sich der geschädigten Teilnehmer mehr annehmen, großenteils auflösen, oder ihren Wirkungskreis nach dem Ausland verlegen müssen. Von dort aus suchen sie aber immer wieder von neuem nach Dentschlaad vorzudringen und im deutschen Publikum Teilnehmer zu werben. So liegt uns eine Offeite der Firma Grober& Co. A. S. in Kopenhagen=Hellerup vor, die in Deutschlond Agenten für ihre„Allgemeinen Prämienlos=Gesellschaften"sucht. Man sollte kaum glauben, daß sich Leute finden, die bereit sind, derartige Arrangeure von Losgesellschaften durch Zuführung von Kundschaft zu unterstützen, nachdem sich schon in überaus zahlreichen Fällen herausgestellt hat, mit wie schweren Verlusten die Teilnehmer an Losegesellschaften und Losevereinen, inländischen wie ausländischen, ihr Vertrauen meist zu bezahlen haben. Jedenfalls ist auch in diesem Falle wieder vor jeder Beteiligung aufs nachdrücklichste zu warnen. lca] Der Prozeß der Seligsprechung Pins des Neunten. Italienische und deutsche Blätter melden, daß gegen den Progeß der Seligsprechung des Papstes Pius des Neunten die Familie Falconieri, welche zur Zeit der weltlichen Regierung Pius des Neunten mit dem Kirchenstaat einen Streit wigen eines Fideikomisses hatte, habe durch einen Gerichtsdiener den mit der Sammlung der Dokumente für den Prozeß der Seligsprechung Pius des Neunten betrauten Kommissaren, Kardinal Creteni und Mser. Cani die Aufforderung zukommen lassen, von allen weiteren Nachforschungen Abstand zu nehmen, da Pius der Neunte nicht selig gesprochen werden könnte wegen unerlaubter Aneignung der Güter jenes Fideikommisses. Dazu bemerkt die Kölnische Volkszeitung in Nr. 763 treffend. „Vorbehaltlich, daß der Schritt, von dem die Nachricht spricht, wirklich geschehen ist, ist es abgeschmackt, zu glauben, Pius der Neute sei der ihm vorgeworfenen Handlung fähig gewesen; jedenfalls hätte die Familie nur das Recht; eine kompetente Prüfung der Angelegenheit als eine im Leben Pius des Neunten vorgekommene Episode zu verlangen. Daraufhin, daß schon lange davon gefabelt wurde, Pius der Neunte habe in seiner Jugendzeit der Loge angehört, erinnert, der liberale Mailänder Corriere della Sera an die im Jahre 1890 vom damaligen Großmeister Adriano Lammi abgegebene Erklärung, wonach der Name eines Bruders„Mastai Ferretti, in keinem Register der italienischen Freimaurerlogen vorkomme.“ Harry Houdini. An der Friedrichsbrücke am Bahnhof Börse in Berlin fand dieser Tage ein aufregendes Schauspiel statt. Der bekannte Kettensprenger und„König der Ausbrecher". Harry Houdini zeigte in Gegenwart einer vielhundertköpfigen Menge seinen neuesten, tollkühnen Trick. Houdini läßt sich an den Händen fesseln und die Arme durch Ketten mit dem Nacken eng umschließen. Dann springt er von der Brücke aus in die Spree, um sich unter Wasser seiner Fesseln zu entledigen. Dreißig Sekunden dauerte es, bis Houdini wieder an die Oberfläche kam, Ketten und Schlösser in der Hand tragend. Man versucht vergebens des Rätsels Lösung und muß Houdini glauben, wenn er sagt, daß lediglich die ganz besondere Ausbildung seiner Muskeln ihn in die Lage setzt, das tollkühne Wagestück zu unternehmen. Die Alpenfahrt Spelterinis. Die diesmalige Alpenüberquerung des Luftschiffers Spelterini ist, wie aus Zürich berichtet wird, in genau nordsüdlicher Richtung vollständig gelungen. Der Aufstieg erfolgte Sonntag um 1¼ Uhr nachmittags bei klarstem Wetter. Der neue Ballon„Sirius", in dem als Passagier Herr de Kattendyke Platz genommen hatte, stand zwei volle Stunden über Eiger, Mönch und Jungfrau und flog dann in einer Höhe von 4200 bis 4300 Meter zwischen“ Breithorn und Blümlisalp durch, am Breithorn rechts dicht vorbei, über die Berner Alpen. Am Rimpfischhorn vorbei wurde die Monte=Rosa=Gruppe überflogen. Die Landung erfolgte nach sechseinhalbstündiger, wunderbarer Fahrt glücklich abends halb acht Uhr auf einer Alp, sechs Stunden oberhalb Drusson, auf der Südseite des Monte Rosa, im Challanttal. Das beschriebene Nordkap. Kaiser Wilhelm kam bei seinem letzten Besuche des Nordkaps im Jahre 1907 auf die Idee, zum Andenken an seinen Aufenthalt auf die aus dem Meere ragenden Klippen den Namen der Kaiserjacht in fünf Meter hohen Buchstaben in weitzer Farbe malen zu lassen. Dieser gigantischen Namenseintragung in das Stammbuch der Natur folgten bald alle das Nordkap besuchenden Dampfer, doch blieb es nicht dabei allein, denn die Idee wurde nun auch zu Reklamezwecken ausgenutzt, so daß heute die Felsen des Nordkap mit der Reklameseite einer Tageszeitung einige Aehnlichkeit haben. Die 1. Wagenklasse ist vor einigen Jahren bekanntlich von der preußischen Eisenbahnverwaltung aus vielen Personenzügen entfernt, auf den Wunsch ihrer Freunde aber wieder eingestellt worden. Im kommenden Winter soll nun abermals die 1. Klasse aus einer größeren Zahl von Personenzügen verschwinden. In dem Entwurf des Winterfahrplans wird sie bei verschiedenen Personenzügen auf folgenden Strecken gestrichen: Berlin—Posen—Hohensalza, Berlin—SommerfeldSorau, Berlin—Kohlfurt, Bentschen—Posen—Thorn, KottbusBentschen, Posen—Breslau, Posen—Kreutzberg usw. China. Eine Volkszählung— die erste, die von der Regierung mit Ernst durchgesetzt wurde— hat eine Bevölkerung von 428214000 Seelen ergeben. Das Reich der Mitte birgt also fast ein Drittel sämtlicher Bewohner der Erde. Die Zahl der in China lebenden Ausländer beträgt 69852. — Luftschiffahrt. Eisenach, 10. Sept. Ein neues Flugschiff hat Karl Besichtigen Sie vor dem Einkaut meine Preiss und Auswahl ohne Haufzwang. * Die grösste Auswahl.: Das Schönste der Mode. Bekannt billigste Preise. Kieider Fuscha-Max-Gulomen, hom nur 17 Weyerstrasse 17. Dimpelt dus Fischbach erfunden, von dem er an die Motorluftschiffahrtstudiengesellschaft Berlin Pläne und Entwürfe sandte. Von dieser ist nun an den Erfinder ein Schreiben gelangt, daß sie nach seinen Plänen ein solches Luftschiff baue. wolle. Ein Herr aus Berlin hat den Erfinder persönlich aufgesucht und ihm für seine Erfindung 75000 Mark angeboten. die er ausgeschlagen hat, weil er von seiner Erfindung weit mehr erhofft. Berlin, 10. Sept. Der neue Parseval=Ballon unternahm nach längerer Pause einen neuen Aufstieg; er erreichte bei einer Windgeschwindigkeit von 6—8 Meter eine Höhe von etwa 500 Meter und kehrte nach einer Fahrt von 40 Minuten zur Halle zurück. Der Antritt der großen Fahrt für die Abnahme durch das Kriegsministerium ist bald zu erwarten. Le Maus, 11. Sept. Wilbur Wright hat gestern zwei Probeflüge unternommen, von denen der erste 9 Minuten 20 Sekunden, der zweite 21 Minuten 45 Sekunden dauerte. Paris, 11, Sept. Das Kriegsministerium hat den Flugtechnikern das Gelände von Chalons zu Uebungszwecken freigegeben. Washington, 10. Sept. Der Aeroplan Orville Wrights, der, wie wir schon mitgeteilt haben, zwei Weltrekorde gebrochen hat, ist bei seiner zweiten Fahrt 62 Minuten und 15 Sekunden in der Luft geblieben und hat dann noch zu einem kurzen Fluge von 6 Minuten den Leutnant Lahm aufgenommen. Der glückliche Flug hat die größte Begeisterung hervorgerufen. Wright war vollständig Herr seiner Maschine, die er ganz nach seinem Willen bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38 englischen Meilen(60 Kilometer) in der Stunde lenkte. Der Apparat arbeitete so gleichmäßig, daß er einem großen Automobil glich, das auf unsichtbarem Wege durch die Luft zieht. Der Staatssekretär des Kriegsamtes wohnte dem Versuche bei. Alle Zeugen bezeichnen die Maschine als wunderbar; mit ihr habe die Zeit der gefahrlosen Luftschiffahrt begonnen. Herset-Kouherten in =Kleiderstoller Damen-Jaquets u. Paletots, Kinder-Mäntel = Schulkragen mit Kapntzen= Knaben-Anzügen, Mädchen-Kleidern in grosser Auswahl„ eingetnoffen Verkauf zu staunend billigen Preisen. 1 Kaufhaus Herde Haus- und Grösste Auswahl! Oefen Carl Jos. Schmitz, Köln, Weyerstr. 45. Kagralktörnorn teile ich aus Mitgefühl gern umsonst mit, wie sich jeder selbst von diesem analvollen Leiden sofort dauernd befreien kann. Küchengeräte Billigste Preise! Joh. Jos. 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Am ersten und letzten Tage 13 stündiges Gebet mit vollkommenem Ablaß unter den gewöhnlichen Bedingungen. Abends 6 Uhr Festpredigt an den Sonntagen und dem Schlußtage. An den Sonn= und Wochentagen hl. Messen 6, 7,15, 9,15(Hochamt) 11 Uhr. Abends 5,30 Uhr Komplet und darnach deutsche St. Maternusandacht. Täglich ist Morgens und Abends Gelegenheit zu beichten. In St. Andreas Fest Mariä Geburt morgens 7 Uhr gemeinschaftliche Kommunion der Jungfrauen Kongregation. 9 Uhr Hochamt, nachmittags 4 Uhr Danksagungs=Andacht, 6 Uhr Komplet, 6,30 Uhr Herz Mariä Anducht mit Predigt. In der Franziskanerkirche(Ulrichgasse) Versammlung des 8. Ordens nachmittags 3,30 Uhr. In St. Cäcilia Beginn der Oktav zu Ehren des ersten Bischofs von Köln, des hl. Maternus. An diesem Sonntage sowie am nächsten 18stündiges Gebet, hl. Messen 5,30, 7, 8, 9,30 und 11 Uhr. Nachmittags 3 Uhr Vesper, 4,30 Maternusandacht, 5,30 Komplet und um 6,30 Uhr die Festpredigt. An allen Wochentagen ist um 5,30 Uhr Maternusandacht und um 6,80 Uhr Predigt(ausgenommen Samstag.) In St. Maria in der Kupfergasse Letzter Tag des 40. stündigen Gedetes. Hl. Messen 5,30, 7, 8,15, 9,30 Uhr Hochamt, 11 Uhr. Nachmittags 3 Uhr Vesper, 6 Uhr Komplet mit feierlichem Schluß und sakramentalischem Umgang. Montag, den 14. September. Kreuz=Erhöhung. In St. Maria=Himmelfahrt Fest Kreuz=Erhöhung. Morgens 7,15 Uhr Hochamt, nachmittags 5 Uhr Komplet. Dienstag, den 15. September. Ludmilla. Mittwoch, den 16. September. Kornelius. Quatember. Donnerstag, den 17. September. Lambert. In St. Maria in der Kupfergasse findet bis Sonntag die alle 3 Jahre übliche Ausstellung des Gnadenbildes statt. Donnerstag nachmittag 6 Uhr Ausstellung mit Festandacht und Predigt: Freitag bis Sonntag morgens 5,30 hl. Messe, 9,30 Hochamt, 11 Uhr hl. Messe. Nachminags 3 Vesper, 5 Komplet und 6 Uhr Festandacht mit Predigt. Der Schluß beginnt Sonntag um 5 Uhr mit Festpredigt, darnach Complet und Prozession mit dem Gnadenbilde zur Kapelle. Während der ganzen Festzeit ist Gelegenheit zum Empfange der hh. Sakramente. In der Herz=Jesu=Kirche nachmittags 5 Uhr Versammlung des Müttervereins. Freitag, den 18. September. Joseph von C. Quatember. In St. Michael abends 8.45 Uhr Konferenzvortrag für Mbunes.„ E In St. Aposteln 10. Festtag zu Ehren der hl. 14 Rotheiser mit vollk. Ablaß, morgens 5,30 bis 9 Uhr stille hl. Messen, 9 Uhr Hochamt, 10,30 Uhr letzte hl. Messe, nachmittags 5 Uhr Festpredigt und Nothelferandacht. Samstag, den 19. September. Jannarins. Quatember. Wohlbekömmlich., unversälschter 1603 Rotwein aus rhein. Burgundertrauben zu 704 p. Lr. im Faß v. 30 Ltr. od. p. Flasche mit Glas v. 12 Fl. an. 2 ganze Flaschen j. 241.90 franko. C. Otto Rühlmann, Cobleuz a. Rb. 563. 5 hlUE halber spottbillig zu #cn Settexsins 4 4p. St., 2 mol##. Engl. 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Aus dem Geschäftsbericht der Mülheimer Handelsbank für das Geschäftsjahr 1907. Die bemerkenswerteste Erscheinung im geschäftlichen Leben des Jahres 1907 war der außerordentlich hohe Leihwert des Geldes. Der zu Anfang des Jahres 7 Prozent betragende Diskontsatz der Reichsbank konnte zwar im Laufe des Jadres allmählig auf 5½ Prozent ermäßigt werden, erreichte aber dann gegen Ende des Jahres den ganz außerordentlich hohen Stand von 7½ Prozent. Der Durchschnittssatz des ganzen Jahres betrug 6,04 Prozent gagen 5.15 Prozent im Jahre 1906. Diesem Umstande ist ein wesentlich höheres Ertragnis des Zinsen=Kontos zu danken, dem andererseits infolge des Rückganges der Kurse und des weniger lebhaften Börsengeschäftes eine geringere Einnahme aus dem Wertpapierbestande sowie aus dem Effekten-Vermittelungsgeschäft gegenübersteht. Im allgemeinen mußte mit Rücksicht auf die Lage des Geldmarktes bei Eingehung neuer Geschäfte Zurückhaltung geübt werden, insbesondere auch bei Darlehnen für Bauzwecke, da die Beerzielt. * Küiner Fruchtmarkt. 11. September. Heu neues 6,00—8,00 Mark Maichinenstrod Nuagen) 3.20 Mk., Richtstrod(Rlegeldrusch) 3.60, Krummstrob 2.,80 1k. die 10 K11 Rüb3I in Posten von 1.0010 Ng. 70,00 C. Olt. 67.50 O., 67.00 C Markt=Durahschnittevreise. Rindsleisch von der Neule 1/3 Ng. 0.79 dis 0.87. vom Bauch 0.70—0.77, Kalbsleisch 0.84—0.99 Hammelkleisch 0.71—0,95, Schweinefleisch 0,96—0.98 Mark(alles einschließlich Knochen= deilages Speck hiesiger, gerauchert 0,88—0.90, gesalzen 0,00—0,00 Mark, Revbühner, alte 1 Sück 0.00—0.00, junge 0,00—0.0. Zahmes Gestügel. lebend, 1 Stück. Enten 225—2.80, Hähne alte 1,50—1 90, junge 0,70 bis 1.15 Mk., Hühner alte:.30—2.25, junge 1,20— 1.35, Tauben alte 0.20=0 35 junge# 45 0.45, geschlachtet, Gänse 1# Kg. 1,78—0,90, Enten 1.05—1.20) Hähne alte 1 50—2,15 junge 070 1.15. Hühner alte 1.40—2.85. junge 0.00 bis 0/00, Tauben elte 0.30—6.25, jungs 950—0.30 Mark. Hasen 1 Stück 0.00—0,00, Schnepsen 0,00—0,00, Jasanenhähne 0.00, Fesanenhühner 0.00. Outter und Eier: Molkereibutter“s Kilo 1.20—1,80, Kochdutter 1.25 bis 1.20, Jandutter 0,00—0.00, Landdutter 1.25—1,35 Mark, Landeter frische, 25 Stück 2.25—2.75, Kisteneier 0.00—0.00 Mark. Biehmärkte. + Weismes, 8. Sept. Marktbericht. Gesamtauftrieb 721 Stück Rindvieh und zwar 312 Ochsen, 226 Kühe 188 Stück Jungvieh und 361 Schweine. Preise: Schwerste Ochsen 600 bis 650 Ml., mittlere 450—500 Ml., beste Kühe 380—420 Mk., leichtere 260—300 Mk., 1—1½jährige Rinder 180—220 Ml., Schweine: Ferkel 2—2,50 Mk. für die Alterswoche, Brühlinge 25—30 Mk. das Stück; Preise stark gesunken. Händler ungewöhnlich zahlreich erschienen. Preise für Rindvieh seit Anfang des Monats etwas gestiegen, Handel von Beginn ab sehr lebhaft, Umsatz flott und bedeutend. Sehr gesucht fette Ochsen. Versandt mit der Bahn nach auswärts 93 Ochsen, 87 Kuhe, 37 Stück Jungvieh und 81 Schweine. Krammarkt stark besetzt und gute Einnahmen. Nächster Markt am 27. Oktober. * Prüm, 10. Seot. Monats=Biehmarkt. Es kosteten die 50 Kilo Schlachtgewicht bei Rindern, Kühen und Ochsen 63—78 Mk., bei Schweinen 62—64 Ml., das Paar Gespann=Ochsen 1. Sorte kostete 720—10•0 Mt. 2. Sorte 480—720 Mk., Gespann=Kühe das Stück 240—36 Mk., auf dem Kalden stehende Kühe 300 430 Mk., frischmelkende Kühe ohne Kalb 255 875 Mk., Ziel= und Ochsenrinder 120—200 Mk., Sechs= bis Achtwochenferkel 16=27 Mk. Zehnwochenserkel 27—26 Mk., Brühlinge 45—75 Ml., größere Saugschweine 5—2 0 Mk, Schlachtware 54—165 Mt.— Der nächste Markt findet am 1. Okt. statt. Lortwund, 10. Sept. Zucht= u. bmarkt. Aufgetrieben: Faselviela— 525 Stück Grotzvieh. 478 Schweine einschl. Ferkel Handel in Hornvieh lebhaft, bei gedrückten Preisen. Am Schweinemarkt wor das Geschäft mittelmäßig. Achtwochenferkel kosteten M. 2,75—3.25 die Woche, vierteljährliche Faselschweine M. 35—40, haldjährige Faselschweine Dk. 64—68 das Stück. Nächster Markt 23. Sept. Gbtänf„A Benn Bitterquelle, selt 40 Jahren bewährt. Lassen Sie sich nichts MINDERWERTIGES aufdrängen, und verlangen Sie das ECHTE mit Namenszug SAXLEHNER. 1 In der heutigen Nummer finden unsere werten Leser ein bemerkenswertes Inserat der„Monopol“=Porträt=Gesellschaft m. v. H. und bitten wir um Beachtung desselben. Wer seinen Angehörigen eine Ueberraschung bereiten will, lege das Inserat, welches Gültigkeit bis zum 30. September 1908 behält, nicht achtlos beiseite, sondern schneide es aus und sichere sich den annehmbaren Vorteil. in Sent Auf Anstehen der Herren Gedr. Philipp und Friedrich Godenau zu Einthern werde ich am Donnerstag den 17. September 1908, nachm. 3 Uhr, in der Wohnung der Versteiglasser zu Sinthern das zu Sinihern Nr. 23 gelegene Wohnhaus nebst Hofraum, Stallung, Scheune und Backhaus, sowie den anl. Baumund Gemüsegarten mit Gesamtfläche von 41,89 Ar ösfentlich teilungshalber versteigern. NB. Die Bedingungen liegen auf der Amtsstube zur Einsicht offen. Cöln=Ehrenfeld,(Benloerstr. 207). Der Königliche Notar Graf. Gruns sucksrertauf in Kondorf. Die Erben der zu Rondorf vertebten Eheleute Wilhelm Luppus und Maria Eva geb. Heller lassen am Mittwoch den 16. Sept. d. J., mittags 1 Uhr, in der Wirtschaft Füssenich, seigerbe Orandhück nämlich: Gemeinde Rondorf: a) Flur V Nr. 353/54, Am Rondorferkirchweg, Acker, 15 Ar 67 Meter, b) Flur V Nr. 444/55, Krauskaul, Acker, 8 Ar 32 Meter, c) Flur V Nr. 445/55, daselbst, Acker, 4 Nr 16 Meter, gelegen neden Jos. Baur u Wwe. Heinrich Wind, meistbietend versteigern. Srühl. Zukitzuat Lennarts, Rotar. Fenke Aln=Wersteigerung zu Ichendorf u. Ahe. Die Erben Eheleute Ackerer Anton Albrings zu Ichendorf lassen durch den Unterzeichneten die zum Nachlasse ihrer verstorbenen Eltern gehörigen Grundstücke und Gebäulichkeiten öffentlich meistbietend verkaufen und zwar: A. am Montag den 14. September 1903, nachm. 2 Uhr, in der Wirtschaft von Hermann Albrings in Ichendorf: das zu Ichendorf— Jenseitsstraße— belegene Wohnerbe nebst Hausgarten, sowie verschiedene Garten=, Acker= u. Wiesenparzellen der Gemeinde Quadrath, ferner eine Wiesenparzelle der Gemeinde Sindorf; B. am Dienstag den 15. September 1903, nachm. 3 Uhr, in der Wirtschaft der Witwe Engels zu Ahe: mehrere Acker= und Wiesenparzellen der Gemeinde Heppendorf. Verghein. Mansbach, Königzl. Kotar. • Die in der Nähe von Brühl gelegene Nettesheim'sche Gärtnerei ist Jamilienverhöltnisse halber käuflich Haupterzeugnis ist Spargel, da der Boden odiger Gärtnerei solchen in vorzüglichster Qualität erzeugt. 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In dem feierlichen Morgen=Umzuge in Kevelaer sind sohr erwünscht weißgekleidete Mädchen zum Tragen der Symbole vor dem Allerheiligsten. Die Opferkerze wird von Jungfrauen getragen, die schwarz gekleidet sein müssen und als Auszeichnung eine gestickte Schärpe erhalten. Wer hieran teilzunehmen wünscht, wolle sich bei der Ankunft in Kevelaer bei einem der Führer der Prozession melden. Der Vorstand der Hevelzer'schen Gruderschoft. Selbiger wird vern am Balancepflug befestigt u. arbeitet der Balencapflug mit dlosem neuen Untergrundschar, welcher die ganze Durche Jeckert, vors züglich, ohne Einwirkung auf den Gang des Pfluges. 8 u. Sscharige Belauce:, Schäl= u. Saatpfluge, auch mit Vorschoren. Wendepluge in drei Größen. Nouelte 8 und 8 scharige Schäl=Wendensluge. Stabl=Geder=Kultivatoren mit Grudenscharen. Derbesferte Ackereage, als Seat- und Tiesegss zu gebrauchen. 8 und 8 teilige Glatt= und Cambridsemalzen. Verdosserte Hackmaschine mit und ohne Schutzrollen. 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Sechs junge Leute aus Kalk standen wegen Widerstandsleistung, dezw. whigerverletzung vor der Strafkammer. Am Nachmittag des 14. Juni d. J. zog der 16 Jahre alte Wilhelm R. mit seinem Bruder und vier anderen Burschen mit einer Ziehharmonika durch Kalk. Alle hatten an dem Tage gelegentlich einer Namenstagsfeier ziemlich viel getrunken. In der Viktoriastraße stellte ein Polizeisergeant den jüngeren R zur Rede und unterjagte ihm das Spielen. Als er nach den Personalien fragte, gab dieser keine Antwort, sondern trat den Beamten gegen den Leib. Darauf fiel auch ein zweiter über den Beamken her und würgte ihn am Halse. Der Polizeisergeant kam zu Fall und machte darauf von seiner Waffe Gebrauch. Er wurde dann auch von den vier anderen Burschen getreten und geschlagen. Der Beamte erhielt einen Stich in den Oberschenkel und einen Schlag mit der Harmonika auf den Kopf; schließlich erhielt er Hülfe und die beiden R. wurden festgenommen. Auf dem Wege zur Wache widersetzten sich beide und in der Zelle zertrümmerten sie eine Wasserkanne. Das Urteil gegen die beiden R. lautete auf je sechs, gegen A. auf drei und gegen die übrigen auf je zwei Monate Gefängni.— Wegen Wilderns erhielt ein Ackerer aus Bleifeld eine Geldstrafe von 100 Mark. Auf eine anonyme Anzeige hin wurde bei ihm eine Haussuchung abgehalten, welche Jagdgerate und Trophaen und Jagdflinten zutage förderte.— Eine Haushälterin verschaffte sich unter Vorspiegelung falscher Tatsachen zwei Darlehen in Höhe von 70 und 1815 Mark. In einem weiteren Falle blieb es bei einem Versuche. Da traurige eheliche Verhältnisse zur Zeit der Tat in der Familie der Angeklagten herrschten, lautete das Urteil unter Annahme mildernder Umstände auf 300 Mark Geldstrafe. — Ein Tagelöhner aus Stammheim, dem ein Bekannter Obdach gewährt hatte, belohnte diese gute Tat dadurch, daß er dem Manne eine Kassette erbrach und einen Geldbetrag von 50 Mark stahl. Er war gestandig und erhielt eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten.— Am 3. August betrat ein Uhrmacher aus Grenzau im Kreise Neuwied ein hiesiges Spezereigeschäft, angeblich um Käse zu kaufen. Es war niemand im Lokal, und als er ins Nebenzimmer blickte, sah er auf einem Pulte ein Geldsäckchen. Er eignete sich dasselbe an(es enthielt 78,50 Mk.) und entfernte sich dann. Man entdeckte aber sofort den Diebstahl, verfolgte den Dieb. nahm ihm das Geld ab und ließ ihn verhaften. Das Urteil lautete für den wiederholt Rückfälligen auf 1 Jahr 6 Monate Zuchthaus.— Ein Händler aus Nörvenich veranlaßte den Fuhrmann eines hiesigen Spediteurs, ihm einen Lieferschein zu verschaffen. Der Händler füllte den Schein derartig aus, daß er zum Abholen von 20 Sack Mehl bei einer Dampfmühle in Nippes berechtigt war. Die 20 Sack im Werte von 600 Mark wurden auch richtig abgeholt und noch am selben Tage von dem Fuhrmann billig verkauft. Trotzdem dieser Käufer. sowohl wie der erstgenannte Händler dringend verdächtig waren, mußten beide wegen Mangels an Beweisen freigesprochen werden, während der Fuhrmann mit einer Gefängnisstrafe von 3Monaten und 3 Tagen belegt wurde.— Ein Heizer und ein Metalldreher verübten in der Nacht zum 26. Juli bei einem Schlossermeister in der Thieboldsgasse einen Einbruch. Noch damit beschäftigt, eine Kontorture zu erbrechen, wurden sie überrascht; ein Schutzmann nahm sie fest. lust und Stellung urter Polizeiaufscht. Der andere erhielt Jahr 6 Monate Zuchthaus und 3 Jahre Ehrverlust. If1 Köln, 11. Sept. Schöffengericht. Am Laurenzplatz waren einem in der Trunkenheit auf einer Bank eingeschlafenen Hoteldiener von mehreren Personen das Portemonai mit 80 Mark und ein Paar Schuhe gestohlen worden. Wegen Teilnahme an dieser Fledderei wurde ein vorbestrafter, in Haft sitzender Arbeiter zu einem Monat Gefängnis verurteilt.— Eine große Rohheit beging ein Tagelohner in der Nacht zum 19. Juni. Er war, mit einem zackigen Schlagring bewaffnet, in die Wohnung seiner Schwiegereltern, bei denen sich seine Frau befand, eingebrochen, hatte Streit angefangen und die Frau sowie die alten Schwiegereltern mittels des Schlagringes erheblich mißhandelt und fürchterlichen Lärm verübt. Das Gericht setzte 2 Monate Gefängnis und 3 Tage Haft fest— Ein Mechaniker erhielt wegen Hehlerei eines Kinderwagens 3 Bechen Gefängnis.K i4 füir G Ir Köln, 10. Sept. Gewervegericht. win Grundarbeiter klagte gegen einen Bauunternehmer und Metzgermeister auf Zahlung von 5,16 Mk. zu wenig gezahlten Lohn. Er habe nur 50 Pfg. pro Stunde Lohn erhalten, während ihm nach dem Tarifvertrag für Bauarbeiter ein Minimalstundenlohn von 54 Pfg. zustehe. Der Beklagte gibt zu, daß der Kläger bei ihm als Grundarbeiter beschäftigt war. Gegen die Bezahlung von 50 Pfg. pro Stunde habe der Kläger keinen Einspruch erhoben bis zur letzten Löhnung. Dadurch, daß der Kläger nicht schon von vornherein Einspruch erhoben habe, liege ein Einverständnis mit der Zahlung des geringeren Lohnsatzes vor. Der Kläger erklärte, er komme von auswarts und habe von dem Bestehen eines Tarifpertrag in Köln, wonach ein Lohnsatz von 54 Pfg. am Platz gezahl. werde, keine Kenntnis gehabt, als er dies erfahren, habe er sich bei der Löhnung sofort gemeldet. Das Gericht kam zur folgenden Entscheidung: Nach§ 612 B G. B. ist, wenn über die Höhe der Vergütung für die Dienstleistung eine Bestimmung nicht getroffen ist, die übliche Vergütung als vereindart anzusehen. Unbestritten findet auf das zwischen den Parteien begründete Arbeitsverhältnis der am Ort bestehende Bauarbeitertarif Anwendung, wonach für Grundarbeiter ein Lohnsatz von 54 Pfg. pro Stunde zu zahlen ist. Auf diesen Satz hat also der Kläger, da eine Vereinbarung über die Höhe nicht getroffen ist, Anspruch. Kläger hat nicht dadurch, daß er bei den einzelnen Lohnzahlungen keinen Widerspruch erhob, auf den höheren Satz verzichtet. Er habe glaubwürdig erklärt, daß er sich in Unkenntnis über das Bestehen eines Tarifs, wonach 54 Pfg. für Grundarbeiter gezahlt würde, befunden und deshalb auch keinen Widerspruch erhoben habe. Es ist anzunehmen, daß der Kläger, wenn er die Bestimmung gekannt hätte, nicht erst bei der letzten Löhnung, sondern schon früher den höheren Lohn verlangt haben würde. Der Klageanspruch schien daher gerechtfertigt und war dem Klageantrage stattzugeben. — Gegen denselben Unternehmer klagt ein anderer Grundarheiter auf Zahlung von 3,04 Mk. zu wenig erhaltenen Lohn. Ex habe 50 Pfg. Stundenlohn erhalten, nach dem Taris ständen ihm aber 54 Pfg. zu. Der Beklagte wandte ein, der Klager sei nicht von auswärts, kenn auch die Bestimmungen des Tarifs. Er sei mit einem Lohn von 50 Pfg. bei der ersten Loknzahlung zufrieden gewesen. Später habe er die Nachzahlung von 4 Pfg. pro Stunde verlangt. In diesem Fall entschied das Gericht, daß der Umstand, daß der Kläger einmal den Lohn nach einem Satze von 50 Pfg. in Empfang genommen hat, ohne Widerspruch zu erheben, bedeutet nicht, daß er damit auf den tarifmäßigen also üblichen Lohn verzichtet hat. Düsseldorf, 8. Sept. Vor der Strafkammer hatte sich der Ingenieur Adolf Berrenberg, der Inhaber einer hiesigen Glühlampenfabrik, wegen fahrlässiger Tötung zu verantworten. In der Werkstatte des Angeklagten war am 8. Januar der Werkmeister Berg zu Fall gekommen und gegen einen Leitungsdraht gestürzt, wobei ihm ein Kraftstrom von 500 Volt durch den Körper ging. Der Unglückliche war alsbald tot. Berrenberg sollte den Unfall dadurch verschuldet haben, daß er unterlassen hatte, die Leitungsdrähte zu isolieren. Ueber die Möglichkeit einer solchen Isolierung laudie Gutachten der Sachverständigen widersprechend: glatt##ten, Stggen Umteten chten„der Sachverständigen widerspreche einige geben die Moglichkeit zu, von andern wurde sie gl weg bestritten. Mehrere Angestellte der Fabrik bekunde daß sie schon häufig ein Kraftstrom von 500 Volt getro habe, ohne weitere Folgen zu hinterlassen. Unter diesen unständen lautete das Urteil auf Freisprechung. Trier, 7. Sept. Die Nervosttät am Telephon, diese Zeitkrankheit, hat auch die hiesige Strafkammer beschäftigt. Das Handelskammermitglied Weingroßhändler Jos. Hauth jr. aus Bernkastel hatte eines Tages, als er einen vernsprech=Anschluß gewünscht hatte, ungefähr zehn Minuten warten müssen. Hierüber aufgeregt, hatte er sich über den Betrieb beschwert und dabei wiederholt die Worte„Skandal“ und„skandalös“ gebraucht. Beim Postdirektor führte er dann noch mündlich Beschwerde. Der diensttuende Postassistent und der Postdirektor klagten wegen Beleidigung, und die Sache wurde jetzt vor der Strafkammer in zrier verhandelt. Der Angeschuldigte wandte ein, in Bernkastel=Cues sei man vielfach mit dem Fernsprechbetriebe unzufrieden. Als Mitglied der Handelskammer sei er für die ordentliche Handhabung des Verkehrs eingetreten. Der Postdirektor erklärte die Unregelmäßigkeiten mit Betriebsstörungen. Der Staatsanwalt beantragte 500 Mark Geldstrafe. Das Gericht erkannte auf 300 Mark. In der Urteilsbegründung heißt es, das Wort„Skandal“ hätte nach Lage der Sache schon hingehen können. Da es der Angeklagte aber mehrere Male gebraucht und laut in den Fernsprecher hineingerufen habe, müsse angenommen werden, daß er die Absicht gehabt habe; den Beamten zu beleidigen. In Bezug auf die Beleidigung des Postdirektors erfolgte Freisprechung. Colmar, 8. Sept. Wegen Weinfälschung standen die Gebrüder Gillet aus Ingersheim und die Gebrüder Stemm aus Weiler bei Schlettstadt vor der Strafkammer. Das Urteil lautet gegen die Gebrüder Gillet auf je einen Monat und einen Ta, Gefängnis wegen Ueberstre ckung durch zu##rou und wegen„Herstelung von„Wein aus gser und Trestern. A#fred Stemm erhielt einen Modes Weines; Oskar Tag zuckerwasserzusat zuckerwasser und Ti nat Gefangnis wegen Ueberstrecung Stemm wurde freigesprochen. Berlin, 11. Sept. Zum Prozesse gegen den Fürsten Eulenburg bezw. zur Stellungnahme der Staatsanwaltschaft zum ferneren Verfahren erfährt die Berliner„Universal=Korrespondenz", daß die Staatsanwaltschaft in den nächsten Wochen nach der am 15. September erfolgenden Rückkehr des Oberstaatsanwalts Dr. Isenbiel ein Gutachten vom Geheimrat Prof. Krause einfordern wird. Die Staatsanwaltschaft will vor allem wissen, wann die Verhandlungsfähigkeit Eulenburgs zu erwarten ist um danach ihre weitere Schritte zu bestimmen. Wenn das Gutachten zu dem Schlusse kommt, daß für absehbare Zeit eine Besserung nicht zu erwarten ist, dann wird die Staatsanwaltschaft nicht abgeneigt sein, unter gewissen Kautelen die Aufhebung der Untersuchungshaft zu befürworten. Ein schlechtes Kartoffeljahr. Der anhaltende Regen hat auf dem Felde sehr viel, das im Reifen begriffen war, vernichtet. Ueberall schienen die Aussichten die besten. Nun kommen aus den fruchtbarsten Gegenden die Hiobsposten. Am bedauerlichsten ist es, daß auch ein schlechtes Kartoffeljahr bevorsteht, das sind böse Aussichten für die armen Leute. Aus Oberhessen wird gemeldet: Infolge der naßkalten Witterung ist die Kartoffelfäule eingetreten. Auch die anfangs viel versprechende Kartoffelernte wird sehr herabgemindert, steigen kommt folgender trostlose Bericht: Die Kartoffelfé in unserer ohnedies an Feuchtigkeit reichen Gegend nachgerade einen beängstigenden Umfang an. Infolge des anhaltenden Regenwetters und des Mangels an Wärme faulen die Knollen in der Erde massenhaft. Mar auf denen über d Spätkartoffeln befürchtet man noch einen weit höheren Prozm satz. Die Kalamität macht sich schon jetzt durch ein Anziehen der Kartoffelpreise bemerkbar. Viele Landwirte legen eine größere Zahl junger Schweine an, um die angefaulten, sonst noch brauchbaren Kartoffeln wenigstens als Mastfutter gebrauchen zu können.— Im Vogelsberg ist es nicht viel besser. Von dort wird berichtet: Kartoffiln beginnen bereits stark zu faulen und bestehen auch in dieser Ernte nicht die besten Aussichten. Für die Landwirte ist es umso bedenklicher, zumal die Sommerfrucht schon stark durch die im Juni anhaltende trockene Witterung zurückgeblieben war. Es wäre wirklich zu wünschen, daß endlich bessere Witterung eintrete, damit der bis jetzt entstandene Schaden nicht noch größer würde. Der Stand der Kartoffelkrankheiten in Westfalen im Herbst 1908. Die landwirtschaftliche Versuchsstation zu Wünster hat infolge der zunehmenden Ausbreitung der E#re un9. den—grebem Hr. hat i Blattrollkrankheit in heiten ihre besondere gan der Landwirtschaftskammer ewidmet. In em Or#estfalen teilt Herr u. Giusener ahre aud Aguramet# ### der Landwirtschaftscammer#r We Spieckermann über den Stand der Kartoffelkrankheiten mit, daß die Kräuselkrankheit auch in diesem Sommer wieder sehr stark aufgetreten ist. In den südlichen Kreisen, die bisher ziemlich von der Krankheit verschont geblieben sind, hat sie sich in diesem Jahre mehr bemerkbar gemacht als in den nördlichen, wie Herford, Bielefeld und Minden; in dem nördlichen Bezirke hat die Blattrollkrankheit noch keinen bedrohlichen Charakter angenommen, während man in den südlichen Kreisen kaum noch ein Feld mit gesundem Bestand angetroffen hat. Vielfach ist hier ein Drittel der Kartoffeln, ja bis zu 90 Proz. schwer erkrankt. Am meisten wird die beliebte und am bäufigsten angepflanzte Kartoffel Magnum bonum von der Blattrollkrankheit befallen. Die übrigen Massenkartoffeln„Upto Date" und„Industrie" haben sich auf gutem Boden bisher noch am widerstandsfähigsten gezeigt; neuerdings hat man seitens der Versuchsstation beobachtet, daß„Up to Date" unter ungünstigen Bodenverhältnissen auch der Krankheit erliegt. Die in diesem Jahre hier neu angebauten Sorten„Gastold" und„Benar“ sollen sich auch in den Krankheitsgebieten durch kräftige, üppige Entwicklung auszeichnen. Da vor allem Magnum bonum von der Blattrollkrankheit am meisten befallen wird und sich wenig widerstandsfähig erweist, so wird der Landwirt in Zukunft diese allneuer Sorten notwendig. Als Ersatz für Magnum banum wird von Dolkowski die Kartoffel„Zlozien" empfohlen. Als ein weiteres Mittel zur Bekämpfung der Blattrollkrankheit dürfte sich eine gute Auslese auf dem Felde erweisen; die Ausmerzung der kranken Sträucher, die schon früh absterben, muß aber rechtzeitig vorgenommen werden. Von anderer Seite werden Kali= und Guanodüngungen zur Herbstseit oder zur Vorfrucht empfablen. und g) Dünnwald, 10. Sept. Einen schauerlichen Fund machte gestern nachmittag im Walde zwischen hier und Schlebusch eine Frau von hier. Sie fand an einer Tanne die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche eines Mannes, der sich erhängt hatte. Wie festgestellt wurde, handelt es sich um einen schon seit etwa einem Jahre vermißten bejahrten Fabrikarbeiter von hier Stieldorf(Bez. Köln), 10. Sept. Passionsspiele. In einer am letzten Sonntag abgehaltenen Versammlung der Passionsspieler wurde beschlossen, im nächsten Jahre die Passionsspiele in der gewohnten Weise aufzuführen. Ursprünglich hatte man die Absicht, alle fünf Jahre spielen zu wollen; es hat sich aber im Laufe der Zeit gezeigt, daß dieses nicht gut angängig ist, und so will man jetzt nach einem Zeitraum von sieben Jahren das Spiel wieder beginnen. Die früheren Mitwirkenden erklärten sich alle bereit, ihre Kräfte in den Dienst des Unternehmens zu stellen, so daß zu erwarten ist, daß im nächsten Jahre den Besuchern der Passionsspiele etwas Gutes geboten wird. Für den Bau einer Spielhalle sollen Angebote eingefordert werden. Ahrweiler, 8. Sept. Der Verkehr der elektrischen gleislosen Bahn, welche Walvorzheim(über AhrweilerHemmessen) mit Neuenahr verbindet, soll mit dem 1 Oktober dieses Jahres eingestellt werden und die betreffende Gesellschaft sich auflösen. Der zweigleisige Ausbau der Ahrtalbahn, der bessere und schnellere Verbindungen auf der gen. Strecke ermöglichen wird, dürfte schon bald ernstlich in Angriff genommen werden. Der Fremdenverkehr ist noch immer rege. Düren, 9. Sept. Die Alexianerbrüder zu Düren, aus dem Mutterhause Neuß sind als staatlich geprüfte Krankenpfleger durch Urkunde der Königlichen Regierung zu Düsseldorf vom 27. August d. J. anerkannt worden. Nachen, 10. Sept. Prinzessin Luise von Belgien hat sich nun endgültig zu längerem Aufenthalt in Aachen entschlossen. Sie hat den beutschen Kaiser davon drieflich in Kenntnis gesetzt und darauf ein liebenswürdiges Antwortschreiben erhalten. Die Prinzessin hat die Absicht, ihre hiesige Besitzung wieder zu veräußern, einstwellen aufgegeben. Nideggen, 9. Sept. Unser Gemeinderat hat einen Behluß gefaßt, der von allen Verehrern unserer romantischönen Gegend freudig begrüßt werden wird, nämlich von der weitern Abholzung im Jungholze Abstand zu nehmen. Es lag die Gefahr nahe, daß einer der schönsten Stellen unserer Umgebung durch das Niederschlagen des Waldes ein erheblicher Abbruch geschähe. Der herrliche, vor einigen Jahren angelegte Panoramenweg von Maubach nach Nideggen hat im letzten Jahre eine Fortsetzung erhalten, die um das Jungholz herumführt und die schönsten Ausblicke auf die Burg und den Ort Nideggen, sowie auf das obere Rurtal mit dem Kermeter im Hintergrunde gewährt. Kein Besucher Nideggens sollte versaumen, den schönen Ausblick von der Christinenruhe usw. zu genießen. Eine weitere Abholzung würde gerade diesen Rundgang um das Junghols erheblich beeinträchtigt haben. „Eupen, 10. Sept. Das gemeldete Automobilunglück auf der Landstraße Eupen=Montjoie ist weit größer als sich im ersten Augenblicke vermuten ließ. Gestern abend gegen 7½ Uhr fand ein von Montjoie kommender Radfahrer aus Eupen zwischen Hattlich und Ternell ein umgeschlagenes Automobil und in dessen Nähe die schrecklich verstümmelten Leichen einer Frau und eines Kindes sowie vier Schwerverwundete, und zwar zwei Damen, ein Kind und einen Herrn. Die Bewohner des nahen Försterhauses Ternell wurden sofort benachrichtigt und wandten sich dann telephonisch um Hilfe nach Eupen. Umgekommen sind die 86jährige Frau des Fabrikanten Jean Devots aus Dison und ihr 9jähriger Sohn Paul. Die Leichen wurden von der Staatsanwaltschaft freigegeben und heute morgen von einem Automobil nach Belgien abgeholt. Die Verwundeten waren noch während der Nacht gleichfalls in einem Kraftwagen dortlin befördert worden. Koblenz, 10. Sept. Schon seit Jahren sind hier Bestrebungen im Gange gewesen, den Schulzwang für die kaufmännische Fortbildungsschule einzuführen. Gestern hat die Stadtverord netenversammlung einen entsprechenden Beschluß gefaßt. Die Schülerzahl wird für das erste Jahr auf 140 berechnet. In die Kosten, soweit sie nicht durch Schulgeld gedeckt werden, teilen sich der Staat, die Stadt und die Handelskammer. Die neue Ortssatzung soll am 1. April 1909 in Kraft treten. Düsseldorf, 9. Sept. Der Neubau des Warenhauses Tietz ist mit einer ersten Hypothek von 3800 000 Mark beliehen. An dieser Hypothek ist die Düsseldorfer städtische Sparkasse mit 1600000 Mark beteiligt. Der jetzt im Rohbau vollendete Neubau ist auf dem Grundstück des alten königlichen Gymnasiums errichtet worden. Nachdem die Stadt dem königlichen Gymnasium ein neues Heim in dem jetzigen Hohenzollern=Gymnasium geschaffen hatte, ging das Grundstuck in den Besitz der Stadt über. Von der Stadt erwarb es eine Baugesellschaft, die dann das Gebäude für das Warenhaus Tietz darauf errichtete. Die Düsseldorfer Mittelstandsvereinigung hatte sich vergeblich bemüht, daß dieser günstig gelegene Platz zwischen Königsallee und Alleestraße nicht für ein Warenhaus Verwendung fände. Als dann die städt. Sparkasse an der ersten Hypothik für den Bau sich beteiligte, wandte sich die Mittelstandsvereinigung mit einer Eingabe an den Regierungspräsidenten; darin wurde bestritten, daß Sparkassengelder in dieser Weise angelegt werden dürften, und auch die Befürchtung ausgesprochen, daß bei einem solchen Verhalten der Sparkasse auch Verluste für sie eintreten könnten. Diese Eingabe hat der Regierungspräsident in folgender Weise beantwortet:„Auf die Eingabe erwidere ich Ihnen, daß der Beleihung des Warenhausneubaues eine ausführliche Taxe des hiesigen Architekten P. P. Fuchs zugrunde gelegen hat die den Wert des Neubaues einschließlich des Grundstücks mit 7100000 Mark berechnet. Ich habe die Sparkassenverwaltung ersucht, die Abschätzung des Gebäudes durch einen zweiten Sachverständigen herbeizuführen, und die neue vom Architekten vom Endt aufgestellte Taxe kommt zu dem Ergebnis eines Gesomtwertes von 7123.000 Mark, stimmt also mit der ersten Abschätzung fast überein. Die erste Hypothek, an der die städtische Sparkasse mit 1 600 000 Mark beteligt ist, beträgt 3800000 Mark. Diese Gesamtsumme überschreitet die Hälfte der erwähnten, von bekannten und viel beschäftigten Taxatoren berechneten Wertsumme nicht sehr wesentlich und ermäßigt sich außerdem durch die ersparten Zinsen. Die Sicherung der Sparkasse wegen ihrer Beteiligung mit 1 600000 Mark wird aber verstärkt durch die vereinbarte selbstschuldnerische Bürgschaft des Bankhauses Barmer Bankverein und der Aktiengesellschaft Leonhard Tietz. Da diese Firmen hier Zweigniederlassungen, also einen Wohnsitz haben, müssen sie gleich anderen Düsseldorfer Einwohnern zur Bürgschaft für Sparkassendarlehen zugelassen werden, zumal der bedeutende Wert der zu ihrer Verfügung stehenden Aktienkapitalien sie sehr geeignet erscheinen lätzt, eine weitere Sicherheit für das Sparkassendarlehen zu bieten. Bei dieser Sachlage scheint mir die Befürchtung, daß die Sparkasse wegen jener Ausleihung einen Verlust erleiden könne, unbegründet zu sein. Da ferner, nach Angabe der Sparkassenverwaltung, Darlehnsgesuche aus der hiesigen Bürgerschaft bei nachgewiesener Sicherheit noch niemals abgelehnt worden sind, so vermag ich auch Ihre Ausführung, daß ein so bedeutendes Darlehen nicht für einen einzigen Großbetrieb hätre gegeben werden dürfen, nicht für ganz zutreffend zu erachten. Das Verfahren der Sparkasse ist aber in diesem Falle um so mehr gerechtfertigt, als das Darlehen aus einer Restkaufvreisforderung des städtischen Grundstücksfonds im Betrage von 1 700000 Mark umgewandelt worden ist.“ Bleines Feuilleten. Aus der Reichshauptstadt. M3. Berlin, 10. Sept. Wir stehen zu Anfang der Saison. Alle Theater haben die Spielzeit wieder aufgenommen. Da gibt es denn die vielen Neuigkeiten der Saison, nicht allein in der Mode. Den Rekord scheint der Wintergarten mit den Zansys zu schlagen. Der Mann der Wissenschaft bezeichnet diese seltsamen Personen als telepathische Phänomen und glaubt so das Rätsel gelöst zu haben. Das Publikum aber ist sprachlos über diese neueste Sensation dieser Variatebühne; es bringt den ganz eigenartigen Darbietungen der Zanzigs das größte Interesse entgegen und grübelt vergeblich nach einer Lösung. Es handelt sich bei den von der Presse einstimmig gefeierten Künstlern um eine verblüffende Gleichzeitigkeit seelischer Eindrücke. Während Mrs. Zanzig auf der Bühne verharrt, begibt sich Mr. Zanzig ins Publikum. Alle nur erdenklichen Gegenstände, welche er dort entdeckt, z. B. Münzen, Karten, Schmuckgegenstände und dergleichen, benennt die weit von ihm entfernte Gattin mit ihrem Namen, sobald er selbst seine Aufmerksamkeit auf diese Gegenstände richtet. Hier findet kein Rapport in Worten statt, wie man es sonst wohl bei Gedankenlesern beobachtet, höchstens hört man hier und da ein hingeworfenes Wörtchen, wie„This?“ That?“ und dabei gibt auch Mrs. Zanzig sämtliche Zahlen an, welche Mr. Zanzig auf den verschiedenen Banknoten, Schecks, Passepartouts usw. wahrnimmt. Sie entziffert jede Lisitenkarte, kurz, sie spricht aus, was sie mit dem Gatten gleichzeitig wahrnimmt, obgleich doch nur er allein den Gegenstand wirklich sinnlich wahrnimmt. Mr. Zanzig reicht uns eine Tafel und wir zeichnen ein Dreieck oder Viereck, einen Kreis oder ein Sternchen hinauf. Sogleich beginnt Mrs. Zanzig auf der Bühne dieselben Aufzeichnungen auf ein Täfelchen auszuführen. Wir schreiben vier siebenstellige Zahlen auf die Tafel: Mr. Zanzig schreibt sogleich das Resultat der Adition dieser Zahlen auf, niemals irrend oder fehlgehend! Eins der interessantesten Experimente aus dem Reiche des Unerklärlichen ist das folgende: Wir zeigen Mr. Zanzig, welcher neben uns steht. in irgend einem Buche eine beliebige Stelle, welche uns interessiert, sobald er die Wortbilder zu Gesicht bekommt, beginnt Mrs. Zanzig auf der Bühne genau dieselbe Stelle laut zu lesen. Wir beobachten hier also ein vollständiges Zusammenarbeiten zweier Gehirne ohne sichtbaren oder hörbaren Rapport. Seit 6 Jahren produziert sich das seltsame Ehepaar, welches bei seinem jetzigen Gastspiel im Wintergarten zum ersten Mal in Deutschland weilt, auf den Varietebühnen Amerikas und Englands. Es ist interessant zu erfahren, wie die Zanzigs dazu kamen, diesen eigenartigen Beruf zu ergreifen. Eines Tages saß Mrs. Zanzig in ihrem Heim in Newyork, während der Gatte im Nebenzimmer ungeduldig auf= und abschritt. Man beabsichtigte einen Besuch zu machen. Da plötzlich blickte der Herr des Hauses nach der Uhr; im gleichen Augenblick erscholl aus dem Nebenzimmer die Stimme der Gattin: „Es ist 5 Minuten nach halb sechs, ich komme sofort!“ Erstaunt trat der Gatte in die Tür. Mrs. Zanzig hatte keine Uhr bei sich, sondern die Zeit genau mit ihm gesehen, als er auf das Ziffernblatt blickte. Am folgenden Tage las Mr. Zanzig im New Yorker Herald einen spannenden Aufsatz. Da trat plötzlich seine Gattin ins Zimmer. Galant legte der Gatte die Zeitung weg. Du hast recht, mein Lieber, sagte Mrs. Zanzig, indem sie das Journal ergriff und auf den Artikel hindeutete, was Du eben lasest, bedeutet unstreitig den interessantesten Teil der heutigen Nummer. Nun beschlossen die beiden sich auf die Merkwürdigkeit des gemeinsamen Denkens hin zu prüfen und den Beruf als Gedankenleser aufzunehmen. Während seines hiesigen Gastspiels im Wintergarten ereigneten sich verschiedene merkwürdige Momente. Ein Oesterreicher, der in der Loge saß, zeigte Mr. Zanzig sein Portemonnaie. Ehe noch der Gatte das Geld gezählt hatte, bemerkte Mrs. Zanzig von der Bühne her:„Ein Portemonnaie mit 30 Kronen 40 Heller Inhalt.“ Ein anderer reichte ihm ein Etui. Mr. Zansig selbst hielt es für eine Flasche. Da plötzlich bemerkte er, daß es eine elektrische Taschenlampe war. Unmittelbar in demselben Augenblick wurde der Gegenstand als solcher von der Dame auf der Bühne richtig bezeichnet. Ein Herr gab Mr. Zanzig bei seinem Weg über die Terasse ein Pavier, welches Mrs. Zansig eher als einen rumänischen Paß erkannte, als Zanzig selbst, der das Papier eine Sekunde lang nachdenklich betrachtete. In England trat Mr. Zanzig 3 mal im königlichen Schloß zu Windsor vor der englischen Königsfamilie auf, wo er das größte Aufsehen erregte. Es war gerade zur Weihnachtszeit; die Königin Alexandra führte ihre seltsamen Gäste selbst durch die Gemächer des Schlosses, zeigte ihnen die verschiedenen Geschenke und bestand schließlich darauf, daß die Zanzigs, der vorgeschrittenen Zeit halber, die Nacht im Schlosse zubringen sollten. Vom ersten Debüt der geheimnisvollen Künstler, welches vor 6 Jahren im Roof Garden Etablissement in Newyork stattfand, bis auf den heutigen Tag waren die Zanzigs stets Gegenstand des größten Aufsehens. Die Männer der Wissenschaft, Fachleute und Laien haben vergeblich versucht, in dieses Geheimnis der Natur einzudringen und so stehen die beiden rätselhaften Menschen auf dem interessanten Gebiete der Gedankenübertragung wirklich einzig da. Das Metropoltheater hat seine alte Anziehungskraft wieder bewiesen; seine vorjährige Jahresrevue:„Das muß man sehn!" lockte tausende an. Dieses Jahr heißt die Revue:„Donnerwetter— Kolossales!“. Und sie hat dieselbe Anziehungskraft. Das haben die Billethändler sich gemerkt. Am letzten Samstag fand die Premiere der neuen Jahresrevue statt. Schon lange vorher befanden sich die Einlaßkarten in den Händen der Händler. Diese nutzten denn auch das glänzende Geschäft weidlich aus, indem sie für einen 4 Mark Sitzplatz sage und schreibe „Einhundertfünfzig Mark“ verlangten und erhalten haben. Für 2,50 Mark Plätze wurden am Premieren vormittag 25 Mark bezahlt, also der zehnfache Preis. Eine dieser Karten erstand ein Herr, dem sofort 30 Mark geboten und bezahlt worden sind. Es wird so unendlich viel über die Tätigkeit der Biletthändler geschrieben. Täglich spielt sich unter den Augen der Polizeibehörde dieses Treiben ab; aber ein Riegel wird dem Treiben nicht entgegengesetzt. Eine Erinnerung an die Zeit der Franzosennot. In dem Eifeldörschen Arzfeld ist dieser Tage das Gedenkzeichen für die im sogenannten Klöppelkriege gefallenen Eiseler Bauern feierlich enthüllt worden. In den Jahren 1792 bis 1798 hatten die Ardennen= und Eifelgegenden sehr zu leiden unter den Brandschatzungen und Bedrückungen der Sansculotten, die Kirchen wurden geschlossen, der Gottesdienst verboten, die Heiligtümer geschändet; dazu kam die Einführung der Konskrip= tion, so daß jeder Taugliche von 20 bis 25 Jahren heerespflichtig wurde. An vielen Orten erhoben sich die Bauern zum bewaffneten Widerstand. Bei Clers im Luxemburgischen war ein heftiger Kampf, an den ein schönes, im Jahre 1898 aufgeführte Denkmal erinnert. Bei dem Dorfe Arzfeld hatten sich ar 30. Oktober 1798 mehrere Hundert Eifeler Bauern versammel um gemeinsam für Vaterland und Glauben gegen die Franzose zu ziehen. Der Kampf war aber ebenso unglücklich wie kurz. Di schlecht bewaffneten und ungeschickt geführten Bauern wurden ir die Flucht getrieben, 35 ließen ihr Leben auf dem Schlachtfel und liegen auf dem Kirchhof in Arzfeld begraben. 53 wurde gefangen genommen und von ihnen 20 in Luxemburg erschosse oder hingerichtet. Kein Denkstein erinnerte bis jetzt an di Streiter, und so hat es denn der Eifelverein unternommen, ei würdiges Erinnerungszeichen zu schaffen. Der Bildhauer Fa binder in Köln hat die Arbeit ausgeführt. Ein 4 Mete hoher Stein aus Granit trägt in der Mitte ein Broncerelief mi 5 Figuren in halber Lebensgröße: fünf Eifeler Bauern, be waffnet mit Dreschflegel, Heugabel und Flinte, schwören au das Kreuz, treu zusammenzuhalten im Kampfe gegen die Fremd herrschaft. Die Unterschrift lautet:„Den Streitern für Got und Vaterland im Jahre 1798. Der Eifelverein 1908.“ Mehrer Tausend Menschen waren in dem Eifeldorf zusammengeströmt darunter zahlreiche Mitglieder des Eifelvereins aus den ent ferntesten Gegenden des großen Gebietes. Nachdem Bildhaue Faßbinder sein schönes Werk dem Eifelverein übergeben hatte dankte der Vorsitzende, Landrat Dr. Kaufmann, allen dene die zur Vollendung des Werkes beigetragen hatten, und gabe in den Schutz der Gemeinde Arzfeld und des Kreises Prüm Landrat Dr. Burggraaf von Prüm versprach, allezeit ein treue Hüter des Denkmals zu sein. Hierauf hielt der Privatdozen an der Universität Bonn, Dr. Hermann, in schwungvollen Wor ten die Weiherede, ein anschauliches Bild der damaligen Ver hältnisse und des edlen Wollens der einfachen Eiselbauern ent wickelnd, dem nur der Erfolg fehlte. Der Konsum von Pferdefleisch geht in Berlin vor Jahr zu Jahr zurück. Die Schlachtungen von Pferden neh men ab, obgleich die Nachfrage nach Pferdefleisch zur Tier fütterung eher zu- als abgenommen hat. Während in früherer Jahren monatlich 1200 und mehr Pserde in Berlin geschlachtei wurden, werden jetzt in Berlin und Rixdorf zusammer nur noch 800 bis 900 Pferde der Roßschlächterei zugeführt von denen aber noch einige zurückgewiesen werden. Se**R ohe.InZer (elektrische Hauptbahn) Cöln-Sürth-Wesseling-Bonn. Häufigste und angenehmste Verbindung Cöln-Voun(stündlich dreimal). Abfahrt der Schnellzüge: ab Cöln(Trankgasse) und Vonn(am Staatsbahnhof) immer um vol und halb von 700 Uhr morgens bis 1200 Uhr abends, Personenzüge: ab Cöln(Trankgasse) 34 Minuten nach voll von 634 morgens bis 934 abends und 1134, dann bis Wesseling 1220 u. 190. Vorzüge bis Sürth 1243, bis Wesseling 71 und Sonntags 312, ab Vonn=Endbahnhof(am Staatsbahnhof) 10 Minuten nach voll von 520 morgens(510 und 610 nur Werktags) bis 1010 abends, dann bis Wesseling 1110, 1230, 1250 und 100. Vorzüge nach Cöln: ab Wesseling 65(Werktags) und 696(Sonn= tags); ab Sürth 227. Abfahrt von Cöln=Abierring 8, ab Vonn=Elerstraße 6 Minuten später. Fahrpreis: 2. Klasse 1,30 M., 3. Klasse 0,85 M. für alle Züge. Cöln-Brühl-Bonn. Abfahrt der Züge von Cöln(Parbarossaplatz) Hermülheim(Kranzmar, Talmühle) 740, 900, 940, 1050, 1120, 1229, 100, 200, 215e, 285, gööe, g10“, 325“, 350, 420, 510%, Vochem, Brühl, Pingsdorf(Villenforst) 740, 900, 940, 1050, 1223(Brühl=Brücke) 100, 200, 225(Brühl=Brücke) 2507, 310“, 3258 350(Brühl=Brücke) 420, 5100, Walberberg 900, 1050, 100, 200, 250%, 310%, 3257, 420, Alfter 900, 1050, 100, 200, 2506, 325e, 420, Rückfahrt der Züge nach Cöln von Hermülheim 201, 215“ 2300 2489, 310, 351, 4312, 535, 610, 702, 726, 822°, 836 913, 1005, 1032“, 1125“, Brühl(von Pingsdorf=Prov. 8 Minuten früher, von Vochem 6 Minuten später) 243, 406 545, 658, 804=, 845, 938, 1006“, 1100“, Walberberg 225, 3462, 526, 636, 746, 824, 9442, 1042“, Alfter 3042, 444, 554, 710“, 744, 902-, 954=. * verkehren nur Sonntags. Spar-L. Jakordenstr. 10a; Mnielicher; FPg-gz, P r 121, Uhr Tägliche Verzinsung. Einlagen in jeder Höhe bei täglicher Kündigung 3½% Einlagen über M. 2000. bei halbjähriger#3 O) I bei ganzjähriger □#0 Kündigung 8% o I Kündigung* Einzahlung auch per Post oder Reichsbank— Girokonte. Versicherung gegen unbetugte Abhebung. Strenge Verschwiegenheit. #r. Ferrember 1905, voxmirtagg 9 Uhx, wird im JustigMarkt in Fützchen am Sonntag den 13. September. Sonderzüge der Rheinuferbahn nach Bedarf. Von Cöln nachmittags um 21, 318 und 4½. Von Vonn abends um 750, 850, 950 usw. Außerdem wird mit Rücksicht auf die Kirmes in Godorf der eronenzug 1119 ab Vonn nach Coln durchgeführt. Der Verkauf der Wirschaft mit Mehgerer und Svibalal= warenhandlung der Erben Christoph Ervenich zu Stotzheim sindet em Mittwoch, den 16. September er. nachm. 3 Uhr, statt. Cöln, 8. September 1903. Der Königliche Notar, Justigrat Krings. Kreis-Sparkasse des Landkreises Mülheim a.Rhein — Gegründet 1856— = Mülheim a. Rhein, Preiheitstrasse 77; Haltestelle der elektrischen Strassenbahn. Mündelsicher. Geöffnet: 9 bis 12½ Uhr, 8 his 5 Uhr. Samstags nachmittags geschlossen. = 4% Zinsen Verkaufn Stogzheim. Am Montag, den 21. September er., nachmittags 3 Uhr, toll zu Stotzheim in der Wirtschaft Ervenich, das den Erben Theodor Broich gehörige Haus No. 73 in Stotzheim mit Stallung, Hof und Garten, zusammen 15 Ar 70 Om. groß, bieran auschließend in dem Hause selbst: 3 Kühe, Haus. u. Ackergeräte, 2½ Morgen Zuckerrüben, 1/8 Morgen Kartoffeln, 1 Schock Stroh eilungshalber öffentlich verkauft werden. Cöln, den 10. September 1903. Der Königliche Rotar: Justizrat Krings. Gebäudefläche, 0,01 Grundstücks Kirchstraße No. 4 in Am 32. September 1908. vormittagl 9 Uhr, g#ktude. Aweahosslatz, Zimmur Ne. 75, das Grundflück: Kartenblatt 8, Parzelle No. 1452/24, Ar groß, ein Teil des Rodenkirchen, Agentümer: der Essigsabrikant Peter Müllers— auch Müller geschrieben — früher in Rodenkirchen, jetzt ohne bekannten Aufenthaltsort, zwangsweise versteigert. Königl. Amtogericht Cöln, Abt. 40. Große Immbbitatversteigerung zu Horrem und Habbelrath. Haus und Land Verkauf in Trls. gee Mittwoch, den 23. September 1908, abends 8 Uhr, in verstorbenen abeim Ahling gebhorenn Veig: Herr Beoder grin in der Wirtschaft lassen die Erben der zu BliessSchmitz I und Frau Chrit von Herrn Hilger Becker zu Bliesheim 1. das Wohnhaus No. 29 zu Bliesheim mit Nebengebäuden, Hausgarten u. Baustelle, groß 8,49 Ar, 2. 29,22 Ar an der Plotz, 8. 14,61 Ar, Acker, Eintgeshütte, 4. 9,56 Ar, Acker, auf der Hülle, ssentlich meistbietend auf 10 Zahltermins verkaufen. Lochonich, den 28. Auguß 1903. Der Königliche Roier: Neuscher. Immobitar Verkauf zu Eibtär. Donnerstag den 17. September 1903, nachmittags 2 Uhr vorkaufe ich für Frau Witwe Peter Brühl, Anna Maria geb. Henn zu Ablar, und Kinder in der Wirtschaft des Herrn Capellmann zu Liblar 1) das Wohnhaus Nummer 78 zu Liblar mit Nebengebäuden u. Hausgarten, groß 4,10 Ar, 2) 27,32 Ar Acker„in der Aue“, 3) 8,33 Ar Acker„in den Klosterbenden", 4) 9,11 Ar. Wiese daselbst. Lechenich, den 2. September 1903. Der Löntzliche Kotur: Renscher. Landvertauf zu Weuerswist. Mittwoch den 30. Jeptember 1908, nachmittags 2 Uhr, lützt Herr Anton Josef Pesch senior, Rentner zu Weilerswis, in der Wirtschaft von Herrn Wilhelm Langen daselbst, seine in den Gemeinden Weilerswist, Vernich, Friesheim und Bliesheim belegenen Ackergrundstücke, worüber ein Verzeichnis in obigem Lokale ausgehängt wird, öffentlich auf 10 Zahltermine mit endgültigem Zuschlag verkaufen. Diejenigen Parzellen, bei welchen die Taxe nicht erreicht wird, werden neu verpachtet. Lechenich, den 19. August 1908. Der Königliche Notor: Neuscher. Frau Wwe. Jacod Simons in Horrem und Kinder lassen 1) am Routag den 21. Sept. d. Z., nachm. 3 Uhr, in dem Lokale der Wirtin Frau Bartel Simons in Horrem, einen Teil ihrer in der Gemeinde Horrem gelegenen Acker= und Waldparzellen, insgesamt ca. 250 Ar, sowie vier Baustellen an der Heerstraße in Hemmersbach; 2) am Dienstag den 22. Sept. d. 3., nachm. 3 Uhr, in dem Lokale des Wirtes Jacob Schiffer in Habbelrath, den Rest der Parzellen in der Gemeinde Horrem. sowie die Acker= und Waldparzellen in den Gemeinden Türnich und Frechen, zusammen ca. 1000 Ar, unter den üblichen Bedingungen Bürgschaft öffentlich versteigern. Amtsstube eingesehen werden. Kerven, don 2. September 1906. Dr. Clausmann, Notar weiten Zahlungsausstand und Die Auszüge X. können auf meiner Kaus a. Landbersteigerung zu Kerpen. Die Erden des zu Korpon verstordenen Rantners Heren Heinz. Heuptslassn am: Mittwoch, den 16. September d. Is., nachm. 4 Uhr, im Lokals des Wirtos Theod. Bongartz in Kerven, ihr Wohnhaus in Kerpen, Judengasse No. 17, samt Scheune und Stall, sowie ca. 185 Ar Ackerland, ösfentlich versteigern. Keryen. Dr. Gausmann, Notar. Neueste ReformPendelpflüge (D. R.-P.) in verbesserter Ausführung Stahl-Balancepflüge, shg sechen. WVertaleMügerikreumaschhen Stahl-Feder-Cultivatoren u. Grubber versch. Konstr., Eggen u. Walzen verbesserte Drillmaschinen Hassia elenalle Getreidearten mit einer Welle ohne alle Wechselräder gleichmässig (beste dauchspumpen, verz. Janchefässer und Verteiler Mlichsentritugen, Buttertässer Milchkannen, Siebe, Milchkühler= neueste Breitdreschmaschinen mit und ohne Reinigung für Göpel und Motorbetrieb unübertroffene Wannmühlen Amazone liefern billigst unter Garantie und halten auf Lager: J. R. Schiffer& Cie. Inhaber Adam Engels Köln, Luxemburgerstr. 48 und 66 am Südbahnhof. 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