Die tägliche Aubgabe d## gischen Merkur“ mit den Gratisbeilagen i somlllentriief.„Honntagsrute end„Praktischer Natgeder für Landkostet, durch ausoor Boten bezogen, oder eos der Best abzehelt monatlich 60 Pfg., dauch den Briefträger in? Haus gebaucht, vierteljährlich 2 Mk. 28 Ose. Telephon=Anschluß Nr. 969. Kölnische Landeszeitung. Wöchentlich die drei Gratisbeilagen: Nr. 20, „Im Familienkreise“,„Sonntagsruhe“ und„Praktischer Ratgeber für Land= und Hauswirtschaft“. (Mittwoch.) Köln, den 25. Januar 1905. (Pauli Bekehrung.) XXVIII. Parlamentarisches. Der deutsche Reichstag widmete den Dienstag der Besprechung der Interpellation des Abgeordneten Büsing(natl.) über die Verfassungsverhältnisse in Mecklenburg: der Interpellant begründete seine Anfrage mit einer sehr eingehenden Schilderung der heutigen Zustände und wünschte, da er keine Möglichkeit einer Aenderung sonst sieht„bundesfreumdliche Verhandlungen“ seitens des Reichskanzlers, der selbst ein Mecklenburger ist, mit der dortigen Regierung: er schilderte, wie er als junger Mann im Jahre 1871 in den Reichstag eingetreten sei voll froher Hoffnung, daß nun auch sein Heimatland eine Verfassung erhalte; nun habe er als Greis den Wunsch, wenigstens diesen Tag noch zu erleben. Aber die Antwort des Staatssekretärs Graf Posadowsky ließ nicht viel Hoffnung übrig; er meinte, der Reichskanzler habe wohl eingreifen können, als die Beschwerden der Katholiken vorgebracht wurden, weil Artikel 3 der Verfassung eine Grundlage biete; aber hier würde er seine Zuständigkeit überschreiten. Der mecklenburgische Gesandte von Oertzen aber wahrte nicht nur das unabhängige Entschließungsrecht seiner Regierung, sondern er betonte auch, daß es in seiner Heimat nicht so schlimm aussehe; dem Reichstage gab er gar den guten Rat, sich nicht in solche Dinge zu mischen. Hiergegen protestierte nun mit aller Entschiedenheit Dr. Spahn; er wünschte für Mecklenburg eine konstitutionelle Verfassung und auch bundesfreundliche Verhandlungen des Reichskanzlers; nur lehnte er es ganz entschieden ab, daß das Reich seine Kompetenz auf die Verfastung der Einzelstaaten ausdehne; hier sei es nicht zuständig; nur wenn der Bundesrat mit einer entsprechenden Vorlage komme, könne der Reichstag in die Verhandlungen eintreten. Aber er drückte seine Freude aus, daß heute vom Tische des Bundesrates aus anerkannt worden sei, daß der Toleranzantrag innerhalb der Kompetenz des Reiches liege, früher habe der Bundesrat anders geurteilt. So haben die Nationalliberalen wieder einmal dem Centrum den Hafer in die Scheune gebracht. Die Ausführungen der Abgeordneten Kopsch(frs. Vp.) und Dr. Vachnicke(frs. Ver.) bewegten sich in den Geleisen Büsings, der seinerseits von dem Sozialdemokraten Herzfeld angegriffen wurde, weil er in 34 Jahren nichts erreicht habe. Am Schlusse der Sitzung regte Dr. Spahn an, zu der Sitte der Schwerinstage zurückzukehren und morgen mit dem Toleranzantrag zu beginnen. Dr. Sattler(natl.) und Schrade(frs. Ver.) wünschten, daß man erst in 8 Tagen damit beginnen solle, worauf Dr. Spahn zustimmte, so daß Mittwoch der Postetat weiter beraten wird. 126. Sitzung vom 24. Januar. Präsident Graf Vallekrem eröffnet die Sitzung um 2 Uhr 20 Minuten. Ruf der Tagesordnung steht die Interpellation Büsing über die Verfassungsverhältnisse in Mecklenburg. Staatssekretär Graf Posadoewsky erklärt sich sofort zur Beantwortung bereit. Abg. Büsing(natl.) begründet die Anfrage. Mecklenburg ist das einzige Land in Deutschland, das keine Versassung hat. Hier haben die alten Stände über den Herrscher gesiegt. Das Jahr 1848 hat wohl ein Staatsgrundgesetz gebracht mit Versassung; aber dann kam die Reaktion und die Ritterschaft erzwang die Rückkehr der früheren Verhältnisse gegen den Willen des Großherzogs. Seither geschah nichts mehr. Die Sache gehört nun nicht vor den Reichstag; es ist der Kompetenz der Einzelstaaten vorliegend. Im Reichstage forderten 1873 die Nationalliberalen die Einführung der Verfassung in Mecklenburg; der Antrag sand Annahme. Nur die Konservativen und ein Teil des Centrume sträubten sich gegen diese Ausdehnung der Kompetenz des Reichstages, aber sie erkannten, daß eine Regierung absolut nötig sei. Der Antrag fand Annahme; der Bundesrat besaßte sich mit der Sache, doch erzielte er keinen Erfolg. Redner geht nun auf der Versassung in Mecklenburg ein. An Grundbesitz und Eigentum giebt es daselbst nur solches an Domanium des Landesherrn mit der Hälfte des Landes, ein ritterschaftliches und städtisches Eigentum, Bauerneigentum gibt es gar nicht. Auf dem Domanium ruhen alle Lasten für das Land und den Hof Wer ein Rittergut kauft, hat Sitz und Stimme in der Ritterschaft, selbst wenn er ein Ausländer ist. In den Ständen gibt es keine Geschäftsordnung, jeder kann reden, wann er will; bei Abstimmungen geht es so fort, bis sich eine Mehrheit für die Regierung ergidt. Einen Staatshaushalt kennt man nicht. Diese Verhältnisse sind unvereinbar mit den heutigen Anschauungen. Die Schrift des Professors Schröder über das mecklenburgische Schulwesen hat großes Aufsehen erregt; aber sie enthält viele Uebertreibungen! Mit der Begründung von höheren Schulen hat man einen gewissen Luxus getrieben, und nun zeigt sich Geldmange!! Die Bildung politischer Vereine ist sehr erschwert! Die wirtschaftlichen Verhältnisse leiden unter diesen Zuständen; das Land ist am schwächsten bevölkert, obwohl es ein schönes und fruchtbares Land ist, Ströme und Häsen besitzt. Industrie hat es nicht. Wie soll man hier abhelsen? Im Lande selbst findet sich keine Lösung, der frühere Großherzog war geneigt, aber die Ritterschaft wollte nicht. Deshalb muß ein Anstoß von außen her erfolgen; das Reich muß eingreisen; deshald habe ich die Interpellation heute eingebracht und spreche nur von„bundesfreundlichen Verhandlungen“; ein Antrag selbst hätte doch keine Annahme gesunden! Aber gegen meine Wünsche kann keine Einwendung eihoben werden, Kompetenzbedenken bestehen in dieser Form nicht! Beim Toleranzantrag hat der Reichskanzler sofort solche Verhandlungen geführt; heute handelt es sich um Wünsche des gesamten mecklenburgischen Volkes! Vor 34 Jahren trat ich in den ersten deutschen Reichstag ein mit der frohen Hoffnung, daß das neue Reich auch uns Licht und Luft bringen werde; jetzt bin ich alt und grau geworden, und noch immer ist nichts geändert! Werde ich es erleben? Solange es meine Kräfte erlauden, werde ich dafür eintreten, daß mein Heimatland eine Verfassung erhält.(Lebh. Bravo! Auf der Galerie wird Verall geklatisg“,..„. S. 1adis undeIe Masiht Präsident Graf Ballestrem: Wenn die Galerie nochmals klatscht lasse ich sie räumen.„ 9964 Staatssekretär Graf Posadowski: Wenn man auch mit den Wünschen des Vorredners einverstanden ist, muß man als verantwortlicher Staattmann doch auf die Grundlage unseres Reiches sehen. Der Bundesrat kann eingreisen in konfessionelle Fragen, soweit hier die staatsbürgerlichen Rechte in Betracht kommen. In Versassungskragen können wir nur eingreisen, wenn ein Versassungskonslikt vorliegt; das ist aber hier nicht der Fall. Auch hat der Bundesrat stets seine Verpflichtungen gegen das Reich erfüllt. Also liegt uns ein Anlaß zum Eingreisen nicht vor. Die Verfassung lätzt eine Einmischung nicht zu; allerdings würde es entsprechend sein, wenn die Ausführungsgesetze zu Reichsgesetzen von gewählten Staatsvertretern bestimmt würden. Der verstorbene Großherzog von Mecklenburg war bereit zu einer Verfassungsänderung. Die mecklenburgische Regierung hat es nicht aufgegeben, eine Verständigung herbeizuführen.(Heiterkeit.) Eine Aufforderung an den Reichskanzler ist deshalb nicht geboten, da man in Mecklenburg an der Arbeit ist.(Heiterkeit.„###eg: Pichts isMecklenburgischer Gesandter von Hergen: Nichts würde dem Reichsgedanken mehr schaden als eine Einmischung in die inneren Verhältnisse der Bundesstaaten. Deshalb weist die mecksenburgische Regierung eine Einmischung in ihre Verfassungsverhältnisse zurück! Die Regierung war wiederholt ernstlich bemüht, eine Vereinbarung herbeizuführen; da dieses nicht gelang, muß sie sich den Zeitpunkt der Wiederaufnahme der Verhandlungen vorbehalten.(Heiterkeit) Meine Herren, ich kann Sie nur dringend bitten, sich nicht in Dinge zu mischen(Heiterkeit), die Ihnen zu fern liegen. Mischen Sie sich nicht in solche Verhältnisse ein Sie haben genug zu tun.(Stürmische Heiterkeit.) Es stärkt nicht die Freudigkeit am Reiche, wenn man so in die Einzelstaaten eingreift. (Heiterkeit.) Das Haus beschließt die Besprechung der Interpellation. Abg. Dr. Herzfeld(Sd.) Der Reichstag hat das Recht, seine Kompetenz zu erweitern. Die Nationalliberalen haben nicht mehr den Mut, einen Antrag zu stellen; das ist bezeichnend. Verfassungsfragen sind Machtfragen. Jetzt, wo die Liberalen keinen Einfluß mehr haben, kommen sie mit diesem Antrag; als sie hier die Mehrheit hatten, hatten sie nicht die Energie! Wir Sozialdemokraten wissen wohl, daß die Versassung erst kommt, wenn wir 200 Mandate haben!(Rufe; Und dann?) Dann heißt es: Hier hilft kein Maulspitzen, da muß gepfiffen werden! Staatssekretär Graf Posadowsky: Wenn es heißt. Versassungsfragen sind Machtfragen, so kann man jeden Verfassungsbruch rechtfertigen. Es wundert mich, daß aus diesem hohen Hause solche Sätze erklingen.(Sehr gut!) Verfassungsfragen sind Rechtsschen.".######amn min u. Cdm Sig.; Eict Abg. Rettich:(kons.) Neues kann man in dieser Frage nicht vorbringen. Ich erkläre nur wie meine konservativen Freunde von Mecklenburg, daß das Reich nicht berechtigt ist, sich in die Versassung von Mecklenburg einzumischen, deshalb lehnen wir auch „bundesfreundliche Einwirkungen ab. Abg. Kopsch(Vp.) fordert ein Eingreisen des Reiches, damit Mecklenburg eine Versassung erhält, Die Zeit des Absolutismus ist vorüber. Abg. Dr. Spahn(Zt.) bezieht sich auf eine Erklärung des Abg. Windthorst vom 3. Dezember 1874, wir haben noch dieselbe Auffassung bezüglich der Kompetenz des Reiches. Wir haben kein Recht, uns in mecklenburgische Verhältnisse einzumischen, die Mecklendurger sollen ihre Verhältnisse selbst ordnen. Diesen Standpunkt Windhorsts nehmen wir noch heute ein: aber es schließt nicht aus, daß wir Mecklenburg eine konstitutionelle Versassung wünschen. Das konstitutionelle System ist berechtigt; jeder Bürger hat ein Recht, für seinen Kreis mitzuwirken an der Gestaltung der öffentlichen Verhältnisse. Ein erfreuliches Resultat hat die heutige Verhandlung gezeitigt. Linker Hand, rechter Hand alles vertauscht! Als wir den Toleranzantrag verhandelten, da erklätte der Bundesrat, daß das Reich nicht zuständig sei; heute sagt nun Staatssekretär Graf Posadowsky, daß das Reich in diesen Fragen wohl zuständig sei auf Grund des Artikels 8 der Verfassung. Der Freizugigkeit und der staatsbürgerlichen Rechte! Dieses Zugeständnis ist uns sehr willkommen! Es freut uns um so mehr, als eine Einzelregierung ihrem Vertreter, der den Verhandlungen über den Toleranzantrag anwohnte, diesem schrieb. nicht mehr diesen beizuwohnen.(Hört!) Diese Wandlung in den Anschauungen freut uns! Aber ebenso müssen wir sagen, schon 1875 hat das Zentrum eine Einwirkung des Bundesrats abgelehnt, aber letzterer achtete nicht darauf und faßte den Beschluß, einzuwirken! Nun sitzt er in der Verlegenheit und die Mahnungen des mecklenburgischen Gesandteu sind nicht an den Reichstag, sondern an den Bundesrat zu richten! (Sehr gut!) Es genügt mir diesen Tatbestand festzustellen; die Konsequenzen nehen wir.(Lebh. Bravo!) Abg. Dr. Pachnike(Frs. Ver.) Wir rusen die Hilfe des Reichstages an, weil die Sache im Lande nicht zur Lösung kommt Versprechungen hört man wohl, aber eine Einlösung erfolgt nicht. Das Reich kann seine Kompetenz erweitern. sobald die gesetzgebenden Faktoren imn Brche dnig fod. Abg. Dr. Sattler(Natl.) entgegner dem Abg. Herzfeld. Abg. Frhr. v. Hodenberg(Welfe). Wir halten es nicht für geeignet, daß der Reichstag hier nicht Stellung nimmt, da auch wir auf dem föderativen Standpunkt stehen. Ich wünsche für Mecklenburg den Hutan der Sthchtoer Brtelten Von Maurice de Beaumont. : Deutsch von Helene Krembs. 20)(Nachdruck verboten.) „Ich sagte Dir, liebe Aimee,“ fuhr Regina fort,„daß ich gelitten hätte, freilich viel durch meine eigene Schuld: jedoch die Demütigungen, welche mir meine Schwiegereltern und später meine Schwägerin zuteil werden ließen die Verachtung, weiche man bei jeder Gelegenheit der„Komödian= tin" bewies, erregten mein ohnehin heftiges Gemüt, verwundeten meinen Stolz und schufen eine unüberbrückbare Kluft zwischen uns. Ich sing an, ihrem kühlen Benehmen eine beleidigende Gleichgiltigkeit, ihrer Mißachtung schrankenlose Anmaßung entgegenzusetzen. Dies war mir ein Leichtes, denn über das gutmutige und nachgiebige Herz meines Gatten war ich vollständige Herrin. Er ließ mich in allem gewähren, schlug mir keine Bitte ab. Ich war jung und schön, liebte Aufwand und Vergnügen über alles; er befriedigte jeden meiner Wünsche in dieser Hinsicht zum Aerger seiner Verwandten. die als nüchterne, praktische Menschen diesen Festlichkeiten, die wir veranstalteten, abhold waren. Sie bewohnten den linken, ich den rechten Flügel des Gebäudes; unser Verkehr gestaltete sich mit der Zeit immer schwieriger. Mein Gatte, stets sanft und zuvorkommend, fand persönlich keinen Gefallen an unserem Treiben. Ihm wäre ein stilles Leben im Frieden mit seinen Angehörigen lieber gewesen. Er hatte auch Recht: aber in seiner abgöttischen Liebe zu mir brachte er jedes Opfer, und ich— nun, ich war zu eigensüchtig, zu vergnügungslustig, um vom Trubel zu lassen. Der arme Mann litt unter diesem Zwange, aber was lag mir daran? Ich tat, als ob ich es nicht sähe, um mich nicht einschränken zu müssen. So ging es einige Jahre lang, bis plötzlich der Krieg ausbrach. Alles eilte zu den Waffen; auch Emil riß sich aus meinen Armen und folgte trotz meiner Bitten und Tränen dem Regiment an die Grenze Er ging: nicht allein, weil er sein schönes Vaterland liebte, woil dieses murtige und hershafte Verteidiger braucht Abg. Dr. Spahn(Ztr.) Den Ausführungen Pachnikes muß ich doch widersprechen. Die Einzelstoaten haben bei Schaffung der Verfassung ihre Kompelenz sich garantiert. Einer Erweiterung der Kompetenz des Reiches kann von uns nur zugestimmt werden, wenn der Vorschlag vom Bundesrat ausgeht. Wenn Büsing in den mecklenburgischen Landtag einmal kommt, so möge er dafür eintreten, daß in die Verfassung Gewissensfreiheit und freie Ausübung der Religion auch für die Katholiken aufgenommen werden. Bravo! im Zentrum), Nach kurzen Worten der Abg. Frhr. v. Hodenberg und Dr. Paschnike wird die Besprechung geschlossen. Präsident Graf Ballestrem schlägt für morgen die Weiterberatung bes Vosttate vor.„ 9 Sittummz ud Eskent Abg. Dr. Spahn(Ztr.) Morgen ist Mittwoch und deshalb Schwerinstag. Ich bitte den Toleranzantrag auf die Tagesordnung zu setzen Abg. Dr. Sattler(Natl.) Ich habe Bedenken gegen die Aufnahme des Toleranzantrages auf die morgige Tagesordnung, weil wir uns nicht genügend vorbereiten können. Man berate zuerst einen anderen Antrag. Abg. Schrader(Frs. Ver) schließ sich dem an. Abg. Rettich(kons.) wünscht Weiterberatung des Etats; gehen wir ernstlich an die Arbeit.(Heiterkeit.) Abg. Dr. Spahn(Centrum). Wir wollen in acht Tagen wieder mit diesem Wunsche kommen und hoffen dann auf keinen Widerspruch Mittwoch wird deshalb der Postetat beraten. Schluß 6 Uhr. Das preußische Abgeordnetenhaus setzte am Dienstag die Beratung des landwirtschaftlichen Etats fort. Der Abgeordnete Glatze(natl.) betonte die Fürsorge seiner Partei für die Landwirtschaft, um deren Gunst auch der Volksparteiler Oser rang, aber jeden Zoll ablehnte. Der Pole Skarzynski kritisierte die Polenpolitik in der innern Kolonisation. Minister Podvielski gab Ergänzungen seines gestrigen Programms.„„ 190. M5 124 Sitzung vom 24 Januar 1905. 11 Uhr, Am Mnistertische von Podbielsky und Kommissare. Vor Eintritt in die Tagesordnung erklärt Abg. Freiherr von Zedlitz und Neutirch(Irls.), daß seine Frrunde nicht vor dem 3 Februar in die Beratung der Kanalvorlage einreten werden. Der Inhalt der Handeloverträge musse zuvor bekannt sein. Er bitte den Präsidenten von seinem Vorschlage, bereits am 31. Januar die Beratung zu beginnen, Abstand zu nehmen. Abg. Dr Porsch(Ztrm.). Auch für die Stellungnahme meiner Freunde ist der Inhalt der Handeisverträge von Bedeutung, für viele von entscheidender. Ich schließe mich deshalb dem Antrage Beich en„ Abg. Dr. Friedberg(Natl.). Wir haben keine Veranlassung, diesem Vorschlage entgegenzutreten. Abg. Dr. Wiemer(Frs. Vpt.). Nach der Entwicklung der Kanalvorlage haben wir gegen die gewünschte geschäftsordnungsmäßge Behandlung nichts einzuwenden. Abg. von Arnim(Kons.), Auch wir werden voraussichtlich nicht gegen den Antrag Zedlitz sein Das Haus tritt darauf in die Tagesordnung ein. Die allgemeine Besprechung über den landwirtschaftlichen Etat wird fortgesetzt Abg Glatzel(Natl.) Wir hoffen, daß die neuen Handelsverträge der Not der Landwirtschaft steuern werden. Unsere Interessen an dem Gedeihen der Landwirtschaft haben wir bei den Zolltarifverhandlungen bekundet. Wir werden es bei den Handelsverträgen in gleicher Weise tun. Unsere Steilungnahme zum Entschuldungsgesetzentwurf müssen wir uns vorbehalten bis wir das Gesetz kennen Jede verständige Maßnahme zur Hebung der Landwirtschaft unterstützen wir Wir sind deshalb oft genug von den Freisinnigen angegriffen worden. Eine l berale Partei die das Verständnis für die Landwirtschaft verliert hat im Volke keinen Boden Treten wir in dieser Weise für die Landwirtschaft ein, so verlangen wir auch, daß die Landwirte Handel und Industrie als gleichberechtigt anerkennen. Ob sie dies wollen, werden wir beim Kanal sehen. Abg. Oeser(Hosvitant der frs. Vpt.). Gegen meine Partei haben gestern alle Redner scharfe Angriffe gerichtet. Graf erklärte der beste Beweis für die Behauptung, daß die Regierung nicht allein Agrarpolitik treibe sei die Kanalvorlage. Ich glaube gerade umgekehrt, die Kanalvorlage ist der beste Beweis für die Agrarpolitik(Sehr gut! links.) Die auf uns gesetzte Hoffnung, für das Entschuldungsgesetz einzutreten, werden wir nicht erfüllen können In der inneren Kolonisation sehen wir das beste Mittel gesunde Agrarverhältnisse zu schaffen Auch wir wünschen eine blühende Landwirtschaft. Wir sind uns über die Wege wie sie zu erzielen ist, auseinander. Die Zollpolitik halten wir nicht für geeiget Landwirtschaftominister von Poddielon: Die Bedeutung der Landwirtschaft für das Staatsganze wird anerkannt. Da die bestehenden Handelsverträge auf Kosten der Landwirte abgeschlossen worden sind, müssen die neuen Verträge der Landwirtschaft verstärkten Schutz gewähren. Unsere innere Kolonisation will eine Aufteilung in Gegenden überwiegendes Großgrundbesitzes. Domänen haben und kaufen wir um jeden Großgrundbesitz zum Aufteilen zur Verfügung zu haben.— Die Abzugsfähigkeit der Amortisationsraten vom Einkommen kann ich nur befürworten. Für die Beschränkung des Besitzes durch gesetzliche Verschuldungsgrenze muß der Besitzer mindestens eine schnellere Ablösung seiner Schulden eintanschen.„(Gupf.) g: S S9hmimer Aur er Abg. von Oldenburg(Kon.) Die Ausführungen des Abg Oeser waren sachlich und interessant. Ich hoffe, daß er weil er sich so wenig von der Wirkung der Zölle verspricht, namentlich in Jahren, in denen wir viel Getreide produzieren, mit mir ein großer Berehrer des Antrages Kanitz wird.(Heuerkeit.)— Dem Landwirtschaftsminister danken wir für sein gut kameradschaftliches Verhältnis zu uns Landwirten. Ich bitte ihn, auch weiter Domänenankäuse in Westpreußen vorzunehmen, Pt Abg. von Skarzynski(Pole) Die innere Kolonisation werde an dem Mangel an Menschenmaierial und an der falschen Polenpaitit schetern,) Sur. Smscur vut A. u Abg. Freiherr von Zedlitz(Frr.), Der Vorredner hat Kolonisation und Polonisation miteinander verwechselt. Nicht an Menschenmaterial leidet die innere Kolonisat on sondern an gier Rentabilität der Bauernwirtschaften. Aus der Erwägung den Bauernstand lebensfähig zu erhalten, werden wir auch für den Versuch der gesetzlichen Festlegung der Verschuldungsgrenze eintreten Abg Goldschmidt(Frs. Bpt.) Für den Antrag Kanitz werden wir wohl nie eintreten. Wir wollen der Landwirtschaft helfen, aber nicht auf Zollkrücken,„. 6.#.#uhnm ace schLandwirtschaftsminister v. Poddielsry: Der Vorredner versteht sehr wenig von praktischer Landwirtschaft. Der Vorredur der doch ein Staatsmann sein möchte und vielleicht auch ist,(Große Heiterkeit) mag mir glauben, dem ganz kleinen Landwirte und dem Großgrundbesitzer geht es verhältnismäßig besser, als den Bauern mit mittlerem Besitz. Wir wollen nicht Krücken, sondern guten Boden für unsere Beine. (Heiterleit.)„„ Abg. Dr. Friedberg(Natl) polemisiert gegen den Abg. v. Oldenburg.— Den rührenden Worten des Herrn v. Oldenburg für den Landwirtschaftsminister schließen wir uns gern an. Auch wir erkennen bei Herrn v. Podbieleky den scharfen Blick für das praktische Bedurfnis an. Ich glaube, einen besseren Landwirtschaftsminister haben wir noch nicht gehabt.(Beifall.) Ein Schlußontrag wird angenommen. Der Litel Ministerg halt wird bewilligt, ebenso das Kapitel„Ministerium" und„Oberlandeskulturgericht". Beim Kapitel„Generalkommissionen“ bittet Abg. Dr. v. Gaviguy(Ctr.) das Reformprogramm für die General= kommissonen bald bekannt zu geben und im nächsten Jahre womöglich dem Landtage vorzulegen Landwirtschaftsmin ster v. Bodvielsky: Die Reorganisation der Gene alkommissionen ist im Wege. Es müssen 150 Gesetze zu einem, den modernen Auschauungen entsprechenden neuen Gesetz zusammengearbeitet werden. Das Kapitel wird bewilligt. Darauf vertagt das Haus die Weiterberatung auf Mittwoch 11 Uhr. Schluß 4.30 Uhr. Ein parlamentaricher Fahrtenplan ist im preußischen Abgeordnetenhause aufgestellt worden und derselbe wurde von den maßgebenden Fraktionen bereits genehmigt; nun geht die Etatsberatung streng nach der Zahl der Tage. Sie müßte, wenn das Herrenhaus den Etat zur verfassungsmäßigen Zeit fertigstellen soll, spätestens am Samstag, den 18. März, beendet sein. Im Durchschnitt der 8 Jahre, 1895 bis 1903. sind auf die Etatsberatung im Plenum des Hauses verwendet worden: erste Beratung 3, zweite Beratung 37, dritte Beratung 2 Tage, zusammen also 42 Tage. Die Zeit vom 23. Januar bis zum 18. März umfaßt im ganzen 55 Tage. Da. von gehen ab 7 Sonntage und 2 Feiertage, gleich 9 bleiben 46 Tage. Wird der oben angegebene erfahrungsmäßige Zeitverbrauch für die zweite und dritte Beratung mit 3742= 39 Tagen hiervon abgesetzt, so bleiben 7 Arbeitstage übrig, in denen die 2. und die 3. Beratung der Kanalvorlage und des sogenannten Freihaltungsgesetzes erledigt werden könnte. Die Zeit von Montag, den 20. März bis zum 14. April(dem Sonntag vor der Charwoche) umfaßt 22 Arbeitstage, die genügen dürften, um die minder dringenden Gesetzentwürfe, die Anträge und die Petitionen aufzuarbeiten. Was besonders die Kanalvorlage betrifft, so dürfte sie im Abgeordnetenhause in der Woche vom 30. Januar bis 4. Februar beraten werden, so daß für die Beratung im Herrenhause bis Ostern 10 Wochen übrig bleiben. Als Zeitverbrauch für den Etat ist vorgesehen: In dem Tableau, mit dem sich bekanntlich alle Fraktionen einverstanden erklärt haben, ist als Zeitverbrauch auf die zweite Beratung des Staatshaushaltsetats für 1905 vorgesehen worden: Landwirtschaft, Gestüte, Domänen, Forsten 5 Tage, direkte und indirekte Steuern 1 Tag, Bergwerke 1½ Tag, Eisenbahnen 5 Tage, Ansiedlungskommission ½ Tag, Finanzministerium 1 Tag, Centralgenossenschaftskasse ½ Tag, Bauverwaltung 1½ Tag, Handel und Gewerbe 2 Tage, Justiz 2 Tage, Inneres 3 Tage. Kultusministerium 9 Tage, kleine Etats (allgemeine Finanzverwaltung, Lotterie, Seehandlung, Münze, Staatsschuld, Staatsministerium usw.) und Etatsgesetz 1 Tag, zusammen also=3 Tage. Sollte dieser Plan nicht inne gehalten werden können, so werden Abendsitzungen stattfinden. Am 18. April will der Landtag mit allen seinen Arbeiten fertig sein, so daß er noch vor Ostern geschlossen werden könnte. Dieser erste Versuch einer Beschleunigung der Geschäfte ist sehr interessant; man muß nur abwarten, wie er sich bewährt. Eine ungerechte Anklage wird wieder einmal gegen die Wahlprüfungskommission erhoben; man liest da, daß der Vorsitzende, der Centrumsabgeordnete Wellstein, nicht rasch genug arbeiten lasse. Das ist falsch! Gerade heuer ist die Kommission mit ihren Arbeiten weiter vorangeschritten als früher Ein schnelles Temvo wünschen wir auch, damit nicht Leute 5 Jahre zu Unrecht im Reichstage sitzen können! Aber ... nein, er floh auch sein Haus, das Haus, wo er als Kind so glücklich und zufrieden gelebt und welches das Weib seiner Wahl ihm zur Hölle gemacht...“ Hier hielt die Kranke inne und stützte den Kopf auf die Schulter der gespannt horchenden Tochter. „Aimee, ich bedarf des ganzen Mutes, den mir Deine kindliche Liebe einflößt, um diese traurige Beichte zu beenden. O, wenn Du mich verachten, mich verdammen würdest!.. Aber nein, Du bist gut, und Du wenigstens hast mich aufrichtig geliebt, nicht wahr?“ „Ja, Mütterchen, ich liebe Dich, fürchte Dich nicht, weiter zu sprechen, wenn es Deinen Kummer lindert. Ich habe kein Urteil über Dich zu fällen; das steht Gott allein zu, der die Reuigen in Gnaden aufnimmt. Bei ihm gelten die gegenwärtigen Leiden als Sühne vergangener Fehler, und er ist der Herr über die Zukunft.“ Sie hob ihre klaren Augen gegen Himmel. Die Sängerin fuhr fort: „Der Krieg wütete fürchterlich: Tod und Verwüstung herrschten im Osten Frankreichs. Jeder Tag brachte lange Listen der auf dem Felde der Ehre Gefallenen. Bald fand ich auch darunter den Namen meines Gatten. Emil war tot: Du warst eine Waise, ich eine Witwe, und von nun ab eine Fremde in diesem Hause, wo man mich,— ach, nicht mit Unrecht— haßte! Ich blieb noch zwei Jahre dort, still und zurückgezogen— aber ich verzehrte mich in der Einsamkeit. „Außerdem war ich jetzt beinahe arm, denn wenn Du auch eines Tages reich sein konntest, reich als einzige Erbin Deines Vaters, so besaß ich doch nichts, und dies ließ man mich oft genug fühlen Und dennoch hätte ich als Witwe wohl einigen Anspruch auf Mitleid und Fürsorge gehabt trotz meines begangenen Unrechtes. Aber nein!... „Da beschloß ich in meiner Verzweiflung, dem ungastlichen Dache den Rücken zu kehren. „Jedoch wohin sollte ich gehen? was anfangen? Es blieb mir nur eines: das Theater. „Ich schrieb heimlich an mehrere Provinzbühnen, allein die Gräuel des Krieges hatten die Lustbarkeiten eingedämmt. Man nahm keine neuen Mitglieder auf; im Gegenteil, manche tüchtige Künstler waren zur Zeit brodlos. „Da „Da kam eines Tages das„Gallische Theater" nach Vesoul. Diese Gelegenheit war günstig, um Delle zu verlassen. Ich hüllte Dich in mein schwarzes Tuch, nahm Dich auf den Arm und floh für immer aus dem Hause, nach dem ich nicht ein einziges Mal zurückblickte, und das ich nicht wiederzusehen wünschte. „Das übrige weißt Du, aber was Dir verborgen geblieben, das ist die Angst, die Angst, die mich unablässig verfolgt, daß ich eines Tages mich von Dir trennen müßte, um Dich Deinem Vater zurückzugeben...“ „Meinem Vater?... er ist tot!“ rief Aimee im höchsten Erstaunen, Die Schauspielerin schüttelte den Kopf. „Nein,“ sagte sie,„nein, er ist nicht tot; die Nachricht war falsch. Er war schwer verwundet und wurde nach Deutschland abgeführt, wo er lange krank lag. Wiederhergestellt, machte er einen Fluchtversuch, wurde jedoch dabei ergriffen und auf eine Festung gebracht. Als er endlich die Freiheit erhielt, fand er sein Heim verödet, Weib und Kind entflohen... Sein Schmerz war unbeschreiblich. Er stellte alle möglichen Versuche an, die Seinigen wiederzufinden, durchreiste eine Provinz nach der anderen, fragte selbst nach uns in allen Theatern... „Durch einige Bekannte in der Franche=Comte, mit denen ich in schriftlichem Verkehr geblieben, erfuhr ich dies alles. Dein Vater suchte uns überall; allein ich hatte einen falschen Namen angenommen und war überdies durch den Kummer gealtert. Er sah mich sogar mehrmals auf der Bühne, ohne mich zu erkennen. Ich jedoch würde stets unter Tausenden Herrn Mariel herausfinden?" „Herrn Mariel? Ach, Mutter!“ rief Aimee erbleichend. „Ja, er war es, Dein Vater, mit dem Du in Mont Dore geredet hast. Er würde mich, ohne Verkleidung, vielleicht erkannt haben— möglicher Weise hat er es auch getan... Du begreifft nun meine Besorgnis, Kind, daß er Dich von meiner Seite reißen würde. Dich, mein Leben, mein alles! Ich aber wollte und will Dich halten, für mich, für mich ganz allein!... Darum sind wir so eilig aufgebrochen; wir muß. ten fort, damit er mich nicht entdeckte.“ Hier hielt Regina inne. Regina ergriff die Hand ihrer Tochter und zog sie näher an sich. „O sag mir, Liebling, daß Du mich nicht verlassen willst, daß Du bis zum Ende bei mir bleibst!“ Als Antwort drückte Aimee die Mutter an ihr Herz und bedi ikte sie mit Küssen. „Dich zu verlieren, ist die ständige Furcht meines Daseins gewesen. Um Dich ganz an mich zu fesseln, wollte ich Dich auch für das Theater bestimmen. Als Du aber zu meinem Verdrusse Dich entschieden weigertest, Sängerin zu werden, kam mir einen Augenblick der Gedanke, Dich zur weiteren Ausbildung einem Pensionate zu übergeben wie es sich für die Tochter Herrn Mariels geschickt hätte. Es wäre das Richtige gewesen, aber meine selbstsüchtige Liebe trug wieder den Sieg davon, und ich behielt Dich bei mir. Da kam meine Krankheit, der Verlust meiner Stimme, das drohende Gespenst des nahen Todes, und nun suchte ich Verzweiflung nach einem anderen Ausweg, Teine Zukunft zu sichern. Eine reiche Heirat schien mir das beste Mittel. Dann konnte ich meine Tage an Deinem Herd beschließen. „Du siehst nun, welche Gründe mich bewogen haben, Dich nach Mont Dore zu führen und Gontran Deshaires in Deine Nähe zu bringen. Ach, auch diesmal habe ich den falschen Weg eingeschlagen, mein Unglücksstern hat mich auch hier irre geführt. O, es ist ein Jammer um eine zu lebhafte Phantasie, um ein Herz, das nicht auf den Verstand hört— beide sind schlechte Ratgeber! Herr Deshaires hat Dich nicht geliebt, wie ein rechtlicher Mann ein gutes und ernsthaftes Mädchen lieben soll. Er hoffte mit Deinem Vermögen seine viele Schulden zu bezahlen. Was soll ich weiter von ihm sagen? Er betrog mich, wie ich ihn betro... „Aber nein, ich wollte ihm meinen einzigen Schatz geben, mein Kind mit seinem reinen, goldenen Herzen, und er, er war ein Elender, der die heiligsten und edelsten Gefühle mit Füßen trat!“ :(Fortsetzung folgt.) K 4 es liegt nicht an der Konnnission allein, die Behörden arbeiten zu langsam bei den gesorderten Erhebungen. Die Budgetkommission des Reichstages setzte am Dienstag die Beratung des Nachtragsetats für Südwestafrika fort. Zuerst beriet man über die Verbesserungen der Hafenanlagen in Swakopmund mit 2,2 Millionen Mark. Erzberger(Centrum) beantragte Herabsetzung der Summe um 300000 M. Dr. Müller=Sagan, Lattmann, der die Frage der Baugesellschaften anschnitt, Storz und Dr. Südekum stimmten diesen Ausführungen zu. Der Antrag Erzberger wurde gegen die Stimmen der Sozialdemokraten und Freisinnigen abgelehnt. Es steht nun die Frage der Beihilfe zur Beschleunigung der Linie Swakopm=Omaruru zur Debatte; es handelt sich um 1¾ Millionen. Dr. Arendt(Rp.) kritisiert sehr scharf die Art des Abschlusses des Vertrages; dieser wahre das Interesse des Reiches gar nicht; er sorge nur für die Firma Cöppd. Die Kolonialverwaltung erklärte, daß sie eben in der Notlage war, diesem Vertrage zuzustimmen. Die Debatte geht Mittpaherstr. Der Aufstand in Deutsch= Südwestafrika. Die Schutztruppe in Südwestafrika soll, wie der Rhein.“ Westf. Ztg. aus kolonialen Kreisen mitgeteilt wird, nach Beendigung des Aufstandes und nach der Waffenablieferung aller Eingeborenen=Stämme in Stärke von mindestens 3500 Mann in der Kolonie verbleiben, dies würde ein Mehr von 2250 Mann sein gegen die Stärke der Schutztruppe bei Beginn des Aufstandes. Es dürfte vom Ausgange des Aufstandes abhängen, d. h. in erster Linie, ob die Entwaffnung wirksam durchzuführen ist, ob diese Stärke genügen dürfte, um ähnliche Bestrebungen schon im Keime zu ersticken.— Man sollte sich doch hüten, derartige Gerüchte in die Welt zu setzen, da es vom deutschen Reichstage abhängt, ob eine so starke Truppenmacht in unseren Kolonien bleibt oder nicht. Gegenwärtig ist der Wind daselbst für ein solches Projekt keineswens günstg. Deutsches Reieh. Berlin, 25. Jan. Bei der Reichstags=Stichwahl im Wahlkreise CalbeAschersleben erhielten Albrecht(Soz.) 21 719 und Placke (natl.) 19 433 Stimmen. Albrecht ist somit gewählt. Der Kaiser hat aus Anlaß des Todes des Fürstbischöflichen Delegaten Prälat Neuber an Erzpriester Frank folgendes Telegramm richten lassen:......— u We „Seine Majestät der Kaiser und Konig yaven di Verdung von dem Hinscheiden des Fürstbischöflichen Delegat Prälat Neuber mit Teilnahme entgegenzunehmen geruht und lassen der St. Hedwgskirchengemeinde zu dem Verlust des treuen Seelenhirten Vllerhöchstes Beileid aussprechen. Auf Allerhöchsten Befehl zucanus.“„„#b betmeffDer Reichsanzeiger verossentlicht das Gesetz orrreffend die Erzichtung eines Oberlandesgerichtes in Düsseldorf. Frankreich. Die Mitglieder des Kabinets Rouvier traten am Dienstag zusammen, um sich über die Angeberei=Angelegenheit zu verstandigen und zu vereinbaren, welche Folgen sie dieser Angelegenheit geben sollen.„„„ Franko=Russisches. Paris, 24. Jan. Die Nachrich= ten aus Petersburg haben in hiesigen politischen Kreisen einen niederschmetternden Eindruck gemacht. Die äußerste Linke wird wahrscheinlich an den Minister des Aeußern beim Wiederzusammentritt der Kammer die Frage richten, ob das liberale Frankreich angesichts der letzten Dinge in Petersburg der Verbündete einer autokratischen Regierung bleiben könne, welche Reformen und friedliche Kundgebungen mit Verbrecher=Furie zurückweise. Delcasse wird wahrscheinlich aus: weichend antworten. Italien. Ein italienischer„Volksverein“? Kürzlich wurde in der italienischen Zeitschrift Civilta catholica in einem Artikel „Das Testament Windthorsts an sein Volk“ darauf hingewiesen, daß nur dann eine katholische Partei in Italien die Massen für sich gewinnen werde, wenn sie sich ein soziales Programm gebe und andererseits die Massen durch Zusammenfassung in einer großen sozialen Organisation und Schu. lung und Aufklärung in derselben zum Verständnis und zur praktischen Ausführung dieses sozialen Programms anzuregen und zu befähigen suche. Das sind alles Dinge, die in Deutschland durch langjährige Erfahrungen praktisch erprobt worden sind und tatsächlich auch für andere Länder, natürlich unter Berücksichtigung deren Eigenart, zutreffen. Der Artikel der Civilta catholica ist in Italien lebhaft erörtert worden und seine Grundgedanken haben neben manchen Bedenken viele Zustimmung gefunden. In dem neuesten Heft der angesehenen italienischen Zeitschrift kommt der Verfasser obigen Artikels nochmals auf seinen Vorschlag zurück und wi. derlegt zugleich treffend die Einwendungen, die gegen denselben gemacht worden sind. Zum Schlusse schreibt er wieder: „Solange wir in Italien nicht einen sozialen Verband wie den Volksverein und einen sozialen Mittelpunkt wie die Zentralstelle in M.=Gladbach besitzen, werden wir weder einig und stark, noch potisch veif feg„. 1 4 Sm Dieser Satz bedeutet eine erneute unertennung der sozialen Bestrebungen der Katholiken Deutschlands, die nur den Wunsch haben, daß die Katholiken Italiens sich die Erfahrungen, die erstere unter vielen Opfern und in langem Kampfe haben sammeln müssen, recht bald zunutze machen mögen. Spanien. Die Spezialkommission, die beauftragt ist, dem deutschen Kaiser den Numanciaorden zu überreichen, ist nunmehr unter Führung des Infanten Carlos von Bourbon, Prinzen von Kleines Feuilleton. Die Kohlenproduktion im streikenden Ruhrgebiet. Ein Riesenstreik, wie er im Deutschen Reiche wohl noch niemals erlebt worden ist, ist zum Ereignisse geworden. Ein Pendant findet er nur in dem allgemeinen Ausstande, der vor 15 Jahren ebenfalls im Ruhrrevier stattgefunden hat. Aber seit damals ist der Umfang des Kohlenbergbaues im Ruhrreviere, ist auch die Zahl der Bergarbeiter beträchtlich gestiegen. Wenn heute, woran kaum zu zweiseln ist, alle Belegschaften aller Zechen dem jetzt von den Führern, längst von den Massen erhobenen Ruse folgen, dann wird heute mehr als eine Viertelmillion Arbeiter seiern, eine ganze Armee von Arbeitslosen aufmarschieren. Jede Woche eines solchen Streiks bedeutet Millionen an Lohnverlust und noch viel mehr Millionen an Produktionsentgang. Die Folgen dieses Streiks beschränken sich aber nicht auf den einen Produktionszweig, die in unserer Industrie eine so hervorragende Stellung einnimmt. auf den Kohlenbergbau an sich. Sondern durch die Lischränting der Kohlenförderung auf weniger als die Hälfte— die ndere Hälfte fällt auf das schlesische Gebiet— durch Kohlenteuerung und Kohlenmangel wird unmittelbar auch die ganze übrige Industrie. voran die Eisenwerke, auf das Empfindlichste betroffen. Und wie in der Fabrik, so müssen die Folgen dieses Streikes sich bis in jeden einzelnen Haushalt bemerkbar machen. Wenn wir auch schlesische Kohlen beziehen, so wird sich doch der Streik im Ruhrrevier bei längerer Dauer im Preise unserer Hauskohle fühlbar machen. In unserer beistehenden Kartenskizze geben wir eine Uebersicht über die örtliche Verteilung der Fördermengen der Kohlenzechen des rheinisch=westfälischen Industriegebietes im Jahre 1904. Ein jeder der Kreise deutet durch die Art seiner Fläche die Größe des von der betreffenden Zeche im Jahre 1904 geförderten Kohlenquantums an. Daber sind, wie die Zeichenerklärung ohen lints in der Karte angiebt, 6 Stufen von Förderungen fentgehalten, und zwar bezeichnen die kleinsten Kreise Fördermengen bis zu 25,000 Tonnen jährlich, der folgende Kreis solche bis zu 100,000 Tonnen, der dritte solche bis zu 300,000 Tonnen, der vierte solche bis zu 500,000 Tonnen, der fünfte solche bis zu 800.000 Tonnen und der sechste solche bis zu 1,200,000 Tonnen jährlicher Kohlenförderung. Durch die Unterschiede der verschiedenen Kreise wird in augenfälliger Weise die Verteilung der Kohlenproduktion im Streikgebiet Die große Menge der Kohlenförderung nördlich einer von Dortmund über Bochum und Essen sich nach Duisburg zu ziehenden Linie ist augenfällig; die genannte Linie bezeichnet die Grenze der Bedeckung des Kohlengebirges durch jüngere Gebirgsschichten, Mergel der Kreidesormation. Südlich der gedachten Linie liegt das Kohlengebirge zu Tage; nördlich derselben ist es durch Mergel bedeckt. Im Lause der Jahre hat sich eine vollkommene Verschiebung des Schwerpunktes der Kohlenförderung von Süden nach Norden hin vollzogen. Bis zum Beginn der Vierzigerjahre Kohlenzechen nur an der im Süden gelegenen Ruhr anzutreffen. Die Kohlen konnten dort in einfachster Weise ansangs durch Stollen bau, später durch Tiefbau gewonnen werden. Als es jedoch zuerst im Jahre 1841 gelungen war, einen Schacht durch die das Kohlengebirge nördlich der Ruhr überdeckenden Mergelschichten, die nach Norden zu in wachsender Mächtigkeit auftraten, abzuteusen, und wen dabet günstes Ettohrungen gemacht beite, nahmen die unter Asturien, Schwager des Königs Alfonso, in Paris eingetroffen. Die Mitglieder der Mission wurden vom Präsidenten Loubet gestern Mittag in Audienz empfangen. Die Mission reist am Mittwoch Abend nach Berlin weiter.##r. Rußland. Der Zarewitsch ist schwer an Lungenentzündung erkrankt und sein Zustand besoraniserregend. Die Zarin hat in London zwei Krankenschwestern zu seiner Verpflegung bestellt. Krieg zwischen Rußland und In der Mandschurei. Die Anwesenheit der japanischen Reserve wurde durch die russischen Truppen, die in diesen Tagen auf der rechten Flanke die Ortschaft Siavavzy besetzten, sowohl an den gefallenen Japanern, als auch an erbeuteten Gewehren festgestellt. Auf dem russischen linken Flügel unternahmen die Japaner mit 9 Bataillonen einen Vormarsch gegen eine Abteilung Rennekampfs. Heftige Südostwinde sind eingetreten. Das Wetter selbst ist nachts warm; heute fiel Schnee bei geringem Frost. In Korea.s Scharmützel. Tokio, 24. Jan. Nach einem Bericht aus dem japanischen Hauptquartier bei Hsientschang haben die Japaner am Montag russische Kavallerie in Stärke von ungefähr einer Schwadron nordwestlich von Weistraku aus ihrer Stellung vertrieben und diese besetzt, wobei sie einige Pferde und Waffen erbeuteten. Eine andere japanische Abteilung schlug die Russen bei Tschantscheng. Die Russen hatten einen Verlust von mehr als 20 Toten und Verwundeten. Die Japaner nahmen ferner fünf Mann gefangen und erbeuteten Pferde und Waffen. Aus Port Arthur sind in Tschifu Dschunken mit 500 Männern, Frauen und Kindern eingetroffen. Die Ueberfahrt dauerte 60 Stunden. Weitere 11 Dschunken werden erwartet. Um ihre Sicherheit hegt man Besorgnis, da ein Sturm im Entstehen ist. Dampfer, die abgesandt wurden, um sie zu suchen, sind noch nicht zurückgekehrt. Der frühere Civilgouverneur von Port Arthur und ein Offizier, der sein Ehrenwort gegeben hat, durften die Flüchtlinge begleiten. Die Ankömmlinge sind voll des Lobes über das rücksichtsvolle Verhalten der Japaner. Die Dschunken hatten nur Brot an Bord; andere Lebensmittel konnten ihnen die Japaner nicht überlassen. Der japanische Konsul in Tschifu macht bekannt, daß 13 Dampfer mit 1900 Nichtkombattanten von Dalny nach Tschifu abfuhren. Adwiral Roschdjestwensky erklärte in einer Unterredung, er wisse sehr wohl, daß sich ja. panische Schiffe in der Nachbarschaft aufhalten, und er habe selbst bei der Fahrt an der Ostküfte von Madagaskar vier Schiffe bemerkt, die vermutlich japanische waren. Er glaube aber nicht, daß Togo den Fehler begehen würde, ihn so weit von seiner Operationsbasis entfernt anzugreifen. Roschdjestwensky sagte ferner, er erwarte binnen kurzer Zeit die Division Petrowosky. Die aus 45 Schiffen bestehende russische Flotte ist vor Nossi Be verankert; sie wird von zahlreichen Kohlenschiffen begleitet. Fünf russische Matrosen sind an Sonnenstich gestorben; seit vier Tagen sind aber starke Regenfälle eingetreten. Der Gesundheitszustand der Flotte ist ausgezeichnet. Arbeiterunruhen in Rußland. Das Blutbad in den Straßen Petersburgs, über das die offiziellen russischen Darstellungen und die Meldungen in Privattelegrammen so weit auseinandergehen, wird in seiner Furchtbarkeit anschaulich geschildert von dem Berichterstatter des Matin, der einige Scenan, denen er selbst beiwohnte, folgendermaßen beschreibt: „Plötzlich ertönt im Alexandergarten das Geknatter einer starken Füsilade. Die Soldaten des Regiments Preobraschensky schießen wieder ohne jede vorherige Ankündigung wie in einer Schießbude auf die unglücklichen Menschen, die dort zusammengedrängt sind, mehrere Hundert Personen fallen. Es giebt mehr als 150 Tote, fast alles sind Kinder, Frauen und junge Leute, es ist entsetzlich. Das Blut rinnt überall hervor. Um 5 Uhr wird die Menge von allen Seiten gehetzt, abgeschnitten und zurückgeworfen. Das Volk flüchtet entsetzt. Frauen und geängstigte Kinder gleiten aus und erheben sich wiäder, um wieder zu fallen. In diesem Augenblick ertönt ein scharfer Kommandoruf und die Opfer fallen massenhaft. Die Niederwerfung ist furchtbar. Unruhen hat es eigentlich noch kaum gegeben; alle Manifestanten sind unbewaffnet und haben keine einzige Drohung ausgestoßen. Man kann sich von diesem scheußlichen Schauspiel nicht abwenden und sieht Leute weinen, während sie einigen gutherzigen Personen helfen, unter dem teilnahmslosen Auge der Offiziere die unglücklichen Opfer auf die Schlitten zu heben. Ich erreiche dann Wassili=Ostrow. Ueberall befinden sich Abteilungen von Kosaken. Die Salven strecken überall die fliehende Menge nieder, und unter der Füsilade sucht man die Toten und Verwundeten auf. Die Soldaten zielen auf die Köpfe und die Opfer sind furchtbar verstümmelt. Eine Frau fällt neben mir nieder, etwas weiter gleite ich aus; ich sehe ein achtjähriges Kind, das kein menschliches Antlitz mehr hat. Seine Mutter weint, vor der Leiche kniend. Ich beende hier meinen Bericht; ich bin wie gebrochen von dem unerhörten Schauspiel solcher Metzeleien.“ Petersburg, 24. Jan. In später Nachtstunde herrschte hier wieder Panik. Die Aufständischen drohten, alle Regierungsgebäude in die Luft zu sprengen Mehrere Stadtteile sind total im Dunkeln infolge des Streiks der Arbeiter der Helios=Fabriken. Es heißt der Bahnverkehr zwischen Petersburg und Moskau habe aufgehört. Die internationale Schlafwagen=Gesellschaft giebt keine Billete mehr aus, di eine Störung des Bahnverkehrs befürchtet wird. Aus der Gontilow=Fabrik wurden tausende von Explosionskörpern gestohlen. Gerüchtweise verlautet, auch der Zar werde ein Manifest erlassen, durch das über Petersburg der Belagerungszustand verhängt werde. Man hofft, daß einige arbeiterfreundliche Fabrikanten aus dem liberalen Komitee mit ihrem Antrage durchdringen werden, die rein sozialen Streitpunkte einem gemischten Schiedsgerichte zu unterbreiten. Die Hauptschwierigkeit liegt aber in der Verquickung der politischen und sozialen Forderungen.„„ 665 Petersburg, 24. Jan. Nachm. 4 Uhr. Rosaken verfolgen eine Menge on Arbeitern und schlagen mit Säbeln auf sie ein. Einige Arbeiter sind verwundet. Petersburg, 24. Jan. 5½ Uhr abends. Auf dem Newsky=Prospekt und in den anliegenden Straßen ist die Haltung des Publikums unruhig. Alle Fenster der Erdgeschosse sind durch Bretter verschlossen. Paris, 25. Jan. Newyork Herald berichtet aus Petersburg: Neue Unruhen sind gestern hier ausgebrochen. Kavallerie chargierte vor der Menge des Volkes und gab keinen Pardon. Die Aufständischen warfen Dynamitbomben zwischen die Soldaten, wodurch viele derselben getötet und verwundet wurden. Ein in aller Eile zusammenberufener Ministerrat beschloß, keine Konzessionen zu machen und sofort Gewaltmaßregeln zu treffen. Paris, 25. Jan. Petit Parisien berichtet aus Petersburg: Der Priester Gapon hat sich nunmehr zu den revolutionaren Arbeitern begeben und einen Aufruf an dieselben erlassen. Er spricht darin die Soldaten von ihrem geleisteten Eide frei und erklärt, daß das Volk mit allen Waffen, Dynamit einbegriffen, kämpfen muß, bis es Genugtuung erhalten habe. Petersburg, 25. Jan. Mit dem heutigen Tage ist, um die Machtbefugnisse der Militärbehörde zu verstarken, die hiesige Stadthauptmannschaft aufgehoben worden, an deren Stelle wurde ein Generalgouverneur ernannt und zwar der frühere Moskauer Oberpolizeimeister Goneral Trepow, der bisherige Stadthauptmann von Petersburg, Generaladjutant Fullon, ist zum Generalgouverneur von Warschau ernannt worden. Bis zum Beginn des Abends haben gestern keine Zusammenstöße stattgefunden. Sämtliche Hochschulen sind geschlossen. Die Studenten erklärten sich solidarisch mit den Arbeitern. Sie wollen vorläufig nicht weiter studieren, bis bessere politische Zustände eingetreten sind. Petroleum darf an niemanden verkauft werden, die Niederlagen sind abgesperrt, das Publikum brennt Kerzen; die Lage ist entsetzlich. Die meisten Magazine sind bereits seit Mittag geschlossen. London, 25. Jan. Eine hiesige Depeschenagentur berichtet aus Petersburg: Verflossene Nacht wurde die Eisenbahnlinie zwischen Petersburg und Zarskoje Selo auf eine Entfernung von 7 Kilometern aufgerissen. Petersburg, 25. Jan. Maxim Gorki ist nebst anderen Führern der russischen Intelligenz gestern verhaftet worden. London, 25. Jan. Aus Petersburg wird gemeldet: Der Zar habe eingawilligt, eine Deputation von 12 Arbeitern zu empfangen. Diese seien heute unter einer besonderen Eskorte nach Zarskoje Selo abgereist.(?) Moskan, 24. Jan. Heute Mittag hat der Ausstano in den Druckereien begonnen. Einige Blätter werden morgen nicht mehr erscheinen. Die streikenden Arbeiter verhalten sich bisher ruhig. Auf Befehl der Polizei wurden die Waffenläden geschlossen. Bis Mittags betrug die Zahl der streikenden Arbeiter 10.000. Lodz, 24. Jan. Hier kam es gestern zu großen Straßen. unrichen. Ueber 5000 Arbeiter durchzogen unter Vorantragung einer roten Fahne die Straßen. Die Polizei war anfangs machtlos. Später gelang es einer Abteilung Kosaken und einem starken Gendarmerie=Aufgebot die Menge in Seitenstraßen abzudrängen und zu zerstreuen. Viele Verletzungen und über 50 Verhaftungen kamen vor. Sebastopol ist, wie der Dailn Expreß aus Kiew meldet, das große Marinedepot durch meuterische Seeleute der Kriegsflotte zerstört worden. Ende voriger Woche brachen 8000 Marinemannschaften aus den Kasernen aus, bewaffneten sich mit Eisenstangen und überfielen die Wohnungen der unbeliebtesten Offiziere mit den Rufen: Nieder mit dem Krieg! Nieder mit der Autokratie! Die Offiziere flüchteten in die Stadt, nachdem mehrere von ihnen schwere Verletzungen erlitten hatten: einem von ihnen wurde der Schädel eingeschlagen. Die Meuterer setzten hierauf die Offiziersquartiere in Brand und marschierten dann gegen das Marinehauptquartier. Infanterie, die den Meuterern entgegentreten sollte, feuerte, aber über die Köpfe derselben hinweg. In die Kaserne zurückgebracht, meuterte auch diese Infanterie. Das Bielstocker Regiment wurde darauf nach der Marinekaserne kommandiert, erklärte aber, es werde auf seine Offiziere schießen, wenn man ihm zu feuern befehlen sollte. Während der Zeit hatten die Seeleute alle Fabriken und Werkstätten in Brand gesetzt. Das Feuer dauerte viele Stunden. Der Schaden ist unermeßlich. London, 24. Jan. Daily Expreß berichtet: Die Feuersbrunst im Marine=Depot von Sewastopol ist auf die Tat von Matrosen zurückzuführen. Diese fanden auf ihrer Rückkehr in die Kaserne die Tore derselben geschlossen, weil man einen Aufruhr befürchtete. Als die Matrosen dies feststellten, forderten sie die Offiziere auf, die Tore öffnen zu lassen. Als diese sich weigerten, sprengten 600 Matrosen die Tore und griffen die Offiziere an, von denen einige verletzt wurden und einige andere Offiziere, welche sich durch die Fenster retten wollten, erlitten Arm= und Beinbrüche. Die meuternden Matrosen steckten das Offizierkasino in Brand. Der kommandierende General sandte eine Abteilung Infanterie gegen die Matrosen mit dem Befehl, sofort das Feuer auf dem Mergel bauenden Zechen in staunenswerter Weise zu. Alle diese nördlich gelegenen Mergelzechen sind auf den Eisenbahntransport angewiesen, da ihrer Lage nach die Ruhr ihnen nicht zuzingig war. Das Ruhrkohlengebiet hat einen ganz enoimen Guterverkeyr. Die Eisenbahnen in demselben haben einen Verkehr von mehreren Millionen Tonnen jährlich zu bewältigen. Die Einwohnerzahl des Gebietes mit rund 2½ Millionen ist erwa gleich der Einwohnerzahl der gesamten Provinz Brandenburg ohne Berlin, obwohl der Flächeninhalt des Industriegebietes nur 1/10 so groß wie der der genannten Provinz ist. In dem Gebiet sind über 200 Kohlenzechen mit einer Belegschaft von ungefähr 280,000 Arbeitern vorhanden, ferner über 100 größte Werke industrieller Art und zwar Hochofenbetriebe, Eisen= und Holzwerke, Gußstahl=Fabriken, Zinkhütten, Brückenbau= und Schiffbau=Anstalten. sowie große MaschinenFabriken usw. Den ersten Rang in der Reihe der erzeugten Massengüter nimmt aber die Steinkohle ein, deren Vorhandensein die großartige Industrie des Gebietes hervorgerufen hat. Die jährliche Kohlen= und Koks=Produktion ist von 1875—1904 ziemlich regelmäßig um 1¾ Millionen Tonnen gestiegen. Planderei aus der Reichshauptstadt. Vom Hofe— Kälte.— Der„gelbe Brief“ Die Hoffestlichkeiten beginnen wieder; das große Ordensfest, des Kaisers Geburtstag, die„große Cour“ und die Hofbälle sorgen für Abwechselung in den oberen Regionen. Im vorigen Jahre habn wir einige der Festlichkeiten auch mitgemacht; sie hatten für uns damals den Reiz der Neuheit; heuer würden wir nur Langeweile feilgeboten haben, besonders bei der„großen Cour“. Diese ist nämlich die Neujahrsgratulation aller hoffähigen Personen; bis zu 800 Personen sind hierbei schon erschienen und stellen sich in den geräumigen Sälen auf Im weißen Saal nimmt das die Huldigung entgegen; der Kaiser vor dem Tronsessel stehend, in glänzender Kürassieruniform, neben ihm die Kaiserin sitzend Paarweise ziehen die Gratulanten vorüber durch eine Kette von Pagen. Die Sache dauert ziemlich lange wenn Damen dabei sinz, n# die fast ndlos lange Schleppe nur den richtigen Weg findet; helfen unterstützend nach Vorher ater nivimt jede Zwng, eigens Anstandsstunden um die Schleppe„chie“ zurücktur###... können; aber bei dem tiefen Kniz aibt e“ estage„ür 5.ier Hogfegeel. kleinere„Unfälle“, die dann den Gesprägg###ff für die Vose-sellschaft bilden. Die Botschafter und Gesandten eröffnen die Cour, dann folgen die Ritter des Ordens vom Schwarzen Adler und hierauf die Parlamente, jedes mit seinem Präsidium an der dem Kaiserpaar angelangt, erfolgt für die Herren eine tiefe Verneigung, für die Damen der„Knix". Der s#a##ser antwortet mit dem Genken der Augenlider, die Kaiserin mit einem leichten Nicken! Matrosen zu eröffnen. Die Soldaten weigerten sich jedoch wiederholt, dem Befehl Folge zu geben. Auch als der Oberst eine Ansprache hielt, erklärten die Mannschaften, sie würden beim Befehl zu feuern auf die Offiziere schießen. Darauf wurde jedes militärische Einschreiten eingestellt. Offizielle russische Meldungen bestreiten diese Tatsachen und sprechen nur von einer„durch Fahrlässigkeit entstandenen kleinen Feuersbrunst". In Anbetracht der russischen Censur sind obige Meldungen wahrscheinlicher. Bergarbeiterausstand im Ruhrrevier. Die Lage im Ausstandsgebiet ist die gleiche: Die Zahl der Streikenden wird auf annähernd196000 Mann angegeben; es ist jedoch zu beachten, daß diese Angaben seitens des Bergbaulichen Vereins gemacht werden In Wirklichkeit dürfte die Zahl der Aur ständischen sich auf rund 200 000 belaufen; eher noch etwas nehr ub wrüger...„„. 40: S M2 Auf der Zeche Bruchstraße bei Bochum haben 1200 Bergleute Dienstag bei der Lohnzahlung die Abkehr erhalten. Die Gemeinde Stiepel bei Essen gibt nach Gemeinderatsbeschluß den Streikenden Barvorschüsse und beschäftigt die Gemaßregelten beim Wegebau Der ReichstagsAbgeordnete Bernstein und der Kaiser=Deputierte Schröder reisten gestern nach England, um mit den dortigen Bergarbeiterführern zu konferieren, Im Abgeordnetenhause brachten die Abg. Stötzel(Ztrm.) und Brust(Ztrm.) den Antrag ein, die Regierung zu ersuchen sofort eine Kommission unter Zuziehung von mindestens 7 Mitgliedern des Abgeordnetenhauses zur Untersuchung der Arbeitsverhältnisse im Kohlenbergbau einzusetzen, und auf Grund der Ergebnisse derselben einen Gesetzentwurf zur Beseitigung der festgestellten Mißstände schleunigst einzubringen Kardinal=Fürstbischof Dr Kopp hat für die notleidenden Bergund Hüttenleute des rheinisch=westfälischen Industriebezirkes den Betrag von 3000 Mark übersandt. Kölner Agebriehten. Köln, den 25. Jan. R Das christliche Gewerksschaftkartell hielt am Dienstag Abend im Luisensaale an der Ehrenstraße eine Versammlung ab in der Bergarbeiterführer Effert=Essen über den Generalstreik im Ruhr gebiet sprach. Redner ein Mieglied der Siebenerkommission gab zunächst ein Bild des Bergbaues im rheinisch=westfälischen Kohlenbezirk und hob hervor, daß von 420 000 deutschen Bergarbeitern 268000 auf diesen Bezirk entfallen Hiervon seien heute 220 000 im Ausstand Für das laufende Jahr sei im Ruhrgebiet eine Förderung von 75 Millionen Tonnen Kohlen vorgesehen. Hiervon werden 13 Aktiengesellschaften von87 existierenden Gesellschaften allein 40 Millionen Tonnen produzieren. Entgegen Zeitungsmeld ungen erklärte Redner, daß die Zeche Kommerbänker=Tiefbau unter allen Umständen stllgelegt werde. Die Zeche„Freie Vogel“, die dem Syndikat nicht beigetreten ist habe viel darunter zu leiden ge habt, denn das Synd kat frage nichts danach, eine ganze Gewerkschaft zu ruinieren, wenn sie seinen Willen nicht erfülle Redner ist der Ansicht daß dort wieder eingefahren werden müsse. Anders sei es mit den Zechen, denen Stillegung drohe. Redner kommt alsdann auf die Ursachen des Ausstandes zu sprechen und schildert das Berg mannsleben, wie er es 19 Jahre geführt, 4—500 Meter unter Tage arbeite der Bergmann in schlechter Luft bei einer Wärme von 28—29 Grad Celsius. So komme es, daß im Jahre von 100 Berg leuten 71 erkranken. Im Jahre 1903 waren 260 840 Bergleuten 185 889 krank. Der Bergmann wird durchschnittlich nach 21jähriger Tätigkeit Invalide. Der Menschenschutz unter Tage sei notwendiger wie der Tierschutz über Tage. Dazu komme die schlechte Bedandlung, namentlich der älteren Leute Rufe der Bergmann das Berggewerbgericht an dann werde er entlassen. So sei es nicht zu verwundern daß sich die Erregung im Laufe der Zeit ge häuft und der Vulkan endlich zum Ausbruch kommen mußte. Der Arbeitsvertrag, den jeder Bergmann akzeptieren müsse, wenn er Arbeit erhalten wolle, lege ihm nur Verpflichtungen auf, ohne ihm Rechte zu gewähren. Von den Grubenverwaltungen werde son während Kontraktbruch verübt während man heute so erregt übe den Kontraktbruch der Arbeiter sei Die Grubenverwaltungn hätten den Kontraktbruch verhüten können denn man habe nur eine Verhandlung über die aufgestellten Forderungen veriangt, die man nicht gewährt habe. Acht Herren vom Bergbaulichen Verein hätten es nicht der Mühe wert gehalten mit Vertretern einer Viertel Million Arbeiter zu verhandeln Redner klagte noch über verhält: nismäßig geringen Lohn, über das Nullen der Wagen usw. Ueber den augenblicklichen Stand des Streikes berichtete Effert daß der Ausstand auf einem toten Punkt angekommen sei. Man werde weder eine Vermehrung noch eine Verringerung der Zahl der Aus ständischen nächsttägig zu verzeichnen haben. Die Stmmung sei so daß man fest entschlossen sei, nicht wieder anzufahren, bis wenigstens ein Teil der Forderungen bewillgt sei Redner bat dann um Unter stützung der Bergarbeiter durch die Bürger und Arbeiter Kölns, dessen Kirchenfürst einen guten Anfang durch eine Speitde von 1000 Mark gemacht habe— Es wurde noch mitgeteilt, daß soeben Kardinal=Fürstb'schof Dr Kopp 3000 Mark für die Berg= und Hüttenarbeiter im Ruhrgebiete gespendet habe.— Die Arbeiter führer der christlichen Organisationen Kurtscheid Klüver Steger wald und Döring sprachen sich noch im Sinne des Referenten aus. Schließlich nahm man folgende Resolution an:„Die heutige sehr zahlreich besuchte Volksversammlung spricht ihr lebhaftes Bedauern darüber aus daß durch die Vorgänge im Ruhrrevier das deutsche Wirtschaftsleben einen unberechenbaren Schaden erleidet Die Ver sammlung ist nach Darlegung des Streitgegenstandes der festen Ueberzeugung daß dieser Kampf sich hätte vermeiden lassen, wenn das selbstherrliche Scharfmachertum im Ruhrrevier das unveräußerliche Recht der Arbeiter, bei der Gestaltung des Arbeitsvertrages durch ihre Organ'sationen mitzubestimmen respektiert hätte In Berücksichtigung dieser Notlage mißbilligt die Versammlung entschieden die unentschlossene Haltung des Reichs und der preußischen Staatsregierung in Verfolgung dieser Angelegenheit; die Versammlung ist der Ansicht, daß der Staat gegenüber dem offe rierten Milliardenkapital die Pflicht hat die Willkür einzelner weniger Kapitalgewaltigen in diejenigen Schranken zu verweisen. die eine gesunde Volkswohlfahrt bedingt. Die Ausführungen des Reichskanzlers im Reich stage, die Arbeiterorganisationen seien ncht aus wirtschaftlichen Bedürfnissen entstanden sie seien in wesent lichen Werkzeuge der politischen Parteien, weist die Versammlung für die christlichen Gewerkschaften als eine Verkennung der christlichen Arbeiterbewegung sowie der gesamten Wirtschaftsentwicklung Aber alles vollzieht sich in lautloser Stille und dauert bis zu zwei Stunden. Viel lebhafter geht es bei den Hofbällen zu; auch hier erscheinen 400—800 Personen; besonders unser jetziger Kaiser legt sehr viel Wert auf guten Besuch. Das merken sich insonderheit die flotten Tänzer im Off zierskorps Der Kaiser kann schlechte Tänzer nicht leiden und er hat schon manchem Leutnant zu verstehen gegeben, erst im Geheimen die Kunst zu lernen ehe er sie öffentlich ausübt. Die„jungen Dächse" werden deshalb auch in den Kasinos zuvor gut gedrillt Eigentlichen Walzer gibt es nicht, sondern nur Zweischritt, also Galopp doch recht langsam getanzt. Will eine Pein zessin des Königlichen Hauses ein„Tänzchen“ wagen, so klopfen die Zeremonienmeister mit ihren Stäben auf und alle anderen Tanzpaare haben einzuhalten; die Prinzessin tanzt allei mit ihrem sehr flotten Partner, Mitleid könnte man den beiden Vortänzern haben, in der Regel zwei junge Leutnants aus dem Garderegimen Sie haben nicht nur jeden Hofball mit einem Kammerfräulein der Kaiserin zu eröffnen, sondern müssen überall den Ball einleiten, wo der Hof erscheint und das nimmt sie in der„Saison“ jeden Tag bis in den frühen Morgen in Anspruch Vom Militärdienst sind sie deshalb auch über diese Zeit ganz beurlaubt Ihnen unterliegt das gesamte Arrangement beim Tanze; nur die Prinzen fordern ihre Dame persönlich auf; die Prinzessinnen aber„befehlen“ zum Tanze Dr Kronprinz steht im Rufe eines sehr gewandten Tänzers. Um 1 Uhr erreicht der Hofball sein Ende mit einer Polonaise; die tanzende Jugend tritt vor das Kaiserpaar und stattet mit giefer Verbeugung den Dank für den vergnügten Abend ab! Die strenge Kälte hält nicht ab vom Besuche der Bälle; aver 7 Grad unter Null und der schneidende Wind sind keine angenehme Dreingabe. Die Berliner werden bei der Kälte höchst„einseirig“ Man schaue nur einmal in die Wagen der elektrischen Bahn hinein: alles sitzt auf der rechten Seite niemand will links Platz nehmen. Weshalb? Rechts befinden sich nämlich Heizungskörper und an diesen wärmt jedermann sich gern; erst wenn hier kein Platz mehr frei ist, füllt sich der Wagen links. Nur unsere wackeren Soldaten machen eine Ausnahme; sie sind an die Kälte gewöhnt, sitzen sofort links oder stehen gar auf dem Perron. Doch die Herrschaft der Kälte geht ihrem Ende zu; es wird schon etwas angenehmer, Das Militär hat einen riesigen Respekt vor dem„blauen Brief" den es erhält bei der Ankündigung, sich einen Spazierstock und Cylinderhut anzuschaffen und den Degen an die Wand zu hängen. Der„gelbe Brief“ ist in Civil ebenso unbeliebt; heute oder morgen muß er abgesendet werden Vor Weihnachten hat man diesen „Liebesbrief" erhalten jetzt fordert er eine Antwort. Nie im Leben sind die Leute„ärmer“ als in diesen Tagen. da rechnet selbst der Verschwender ganz genau damit er ja nicht zuviel Steuer leisten muß. Wer zahlt aber auch gern Steuern? Ich selbst auch nicht! Ueberhaupt wohl niemand! So oft hört man Leute sagen: Wenn ich nur ein Einkommen hätte, wie dieser oder jener Krösus Steuer zahlen muß; ich würde gerne die Steuer entrichten! Kommt aber jemand in diese Lage so ist die Lust gar bald verschwunden und Unlust da! Das Geld allein macht eben gar nicht glücklich, wenn auch alles danach trachtet. Und der Staat braucht seinen Teil! Niemand bietet uns mehr Vorteil um die Steuersumme, als ein geordnetes Staatswesen und deshalb hat der Staat auch recht wener sagt: Tue Geld in Deinen Beutel! arwisch grük. Srblich ersuht de Versautimp wrpng#en#e# beiter= auch alle der Arbeitersache gutgesinnten Anrempelung und der Unterstellung unlauterer Motive seitend soraldravkratischer Blätter die Ausständischen nach, Fräften## unterstützen, damit in einem der wichtigsten deutschen Iu#m### zweige ein dauernder und ehrlicher Friede möglich wird. E Der Verband deutscher Post= und Telegraphen=Assistenten. Ortsverein Köln, veranstaltete am Samstag, den 21. Januar, im Fränkischen Hofe eine Kaisersgeburtstagsfeier. Zu derselben hatten sich weit über 700 Personen eingefunden, aus deren Mitte heraus man öfters Gelegenheit hatte, zu hören:„Es ist ein herrliches Fest heute Abend.“ In Wirklichkeit ist dasselbe auch von Ansang bis zu Ende als durchaus gelungen zu verzeichnen. Der erste Teil des Programms war ausschließlich Seiner Majestät gewidmet, während im zweiten auch der Humor zu seinem Rechte kam. Das Orchester für den Abend hatten Kollegen des Telegraphenamtes in dankenswerter Weise übernommen, die zum größten Teile auch Mitglieder des Ortsvereins sind. Die Feier wurde eingeleitet durch den Krönungsmarsch aus„Die Volkunger“ und durch die Deutsche Kaiserouve ture“. Im Anschluß hieran sprach Frl. Klasens in guter Vortragsweise einen sinnreichen Prolog, der noch ergänzt wurde durch das darauf folgende Lied„Heil Kaiser Wilhelm Dir!“ Beide hatten den ersten Vorsitzenden des Vereins, Herrn Neumann, zum Dichter. Hierauf hielt derselbe Herr eine sorgsältig durchdachte Rede, die mit einem Toast auf Se. Majestät, den deutschen Kaiser, schloß. Nach Absingen der Kaiserhymne wurde sodann vom Orchester der Marsch des Kollegen und Komponisten Murrl gespielt, der die Zuhörer wegen seines tief musikalischen Gehaltes zu stürmischem Beifall hinriß. Ebenso reichen Lohn ernteten auch die Herren Aurin, Glöde und Herbst mit dem musikalischen„Dreigespräch von Hamm“ und Herr Stegmann mit seinem Trompetensolo„Die Teuselszunge von W. Schmidt“. Die Höhe der Festfreude wurde jedoch erreicht durch das patriotische Stück„Die Fahne der 6ler“ von dem in weiten Kreisen als Künstler bekannten Kollegen, Herrn Willi Becker. Nachdem die letzten Töne des Orchesters von„Des Kriegers Traum vor der Schlacht“ von Eule verklungen waren, hob sich der Vorhang und zeigte die Bühne den Zuschauern ein Kriegslager mit allen seinen Einzelheiten, während Herr Becker in meisterhafter Form sein oben erwähntes Stück zum Vortrag brachte. Das dreisache Quartett (Kegelklub„Musikalische Klötz en de Kall“, Präs. Willi Becker, sorgte sodann mit seinen schönen Gesangsvorträge, diese Stimmung auf der Höhe zu halten, was ihm auch vollständig gelang. Den Schluß des schönen Festes bildete der humoristische Teil, der die Testteilnehmer noch lange fröhlich zusammenhiell. R Der Kölner Mieterverein hielt Montag Abend im„Phstallpalast“ eine Generalversammlung ab, die der Vorsitzende, Rechtsanwalt Urban Stein, leitete. Er wies darauf hin, daß der Vorstand sofort, nachdem die neue Steuervorlage erschienen, zusammengetreten und eine Eingabe an den Oberbürgermeister und die Stadtverordneten gesandt habe.(Der Wortlaut wurde s. Z. von uns mitgeteilt. D. N.) Jetzt solle der ganze Verein Stellung zu den Steuervorlagen nehmen. Arbeitersekretär Schlack sprach dann über die Wertzuwachssteuer. Sie habe eine nicht zu unterschätzende soziale Bedeutung, wenn sie möglichst stark herangezogen werde, weil dann der Verdienst an Bodenwert abnehme und es sich nicht mehr lohne, die unbebauten Grundstücke liegen zu lassen. Dadurch werde die Bodenspekulation eingedämmt und die Bautätigkeit gefördert, was eine Verringerung der zur Folge habe. Eine geringe Wertzuwachssteuer lasse sich schon auf den Mieter bezw. Käufer abwälzen, was bei einer möglichst hohen Zuwachssteuer nicht angehe. So könne er sich mit dem Antrag Kausen, der nur 10 bis 20 Prozent des Wertzuwachses besteuern wolle, nicht einverstanden erklären; der Antrag Zilkens habe für den sozialen Zweck gar keine Bedeutung. Gelbst wenn ein kleiner Teil der Wertzuwachssteuer auf den Mieter abgewälzt werde, so werde sie doch der großen Masse des Volkes zu Gute kommen, denn man werde dadurch nicht nur das Defizit decken, sondern auch soziale Einrichtungen treffen können. Der Vorsitzende wies dann auf die Leitsätze des Mietvereins hin, die bereits im vorigen Jahre dem Stadtverordneten=Kollegium übersandt wurden und worin man schon die Einführung der Zuwachssteuer empfohlen habe. In der Begründung der städtischen Steuervorlage finde man einen Teil der vom Mieterverein eingereichten Leitsätze. Ein Bodenreformer meinte, daß alles, was man den Bodenspekulanten an Verdienst lasse, als Gescheuk zu betrachten sein. Die Wertzuwachssteuer werde nicht abwälzbar sein, da der Mieter meist an der Grenze seiner Leistungsfähigkeit angekommen sei. Die Stadt habe ein absolutes Recht an der Wertsteigerung des Grund und Bodens, die durch die Allgemeinheit entstehe, zu partizipieren und der Allgemeinheit wieder zuzuführen. Es gelangte folgende Resolution zu Annahme:„Die Versammlung spricht ihre Zustimmung zu der Eingabe des Vorstandes vom 10. Januar ds. Is. in jeder Hinsicht aus. Gleichzeitig erwartet die Versammlung, daß das Stadtverordneten=Kollegium nicht die Hand dazu bieten wird, die Einführung der Wertzuwachssteuer zu vertagen, daß vielmehr die Steuer den Anfang einer großzügigen Wohnungsreform bilden und eine dementsprechende schärfere Ausgestaltung erfahren wird.“ * Rietsteuer. Mit Ende dieses Monats läuft die Frist zur Versteuerung der im vorigen Jahre güttig gewesenen Mietverträge ab. Der Versteuerung unterliegen alle Miet= und Pachtverträge, die auf Grund eines schriftlichen Vertrages oder Brieswechsels zu Stande gekommen sind, sofern die jährliche Mietsumme mehr als 300 Mark beträgt. Mündlich geschlossene Mietverträge sind nicht steuerpflichtig. Bei Nichtzahlung dieser Mietsteuer werden beide Teile, Mieter und Vermieter straffällig. Formulare und Auskünfte erteilt das Hauptsteueramt für inländische Gegenstände, Apostelnkloster. * Italienischer Gratiskursus. Der Andrang von Damen und Herren, die sich zu diesem, auf Veranlassung des italienischen Ministeriums der äußern Angelegenheiten von der Direktion der Berlitz School veranstalteten Kursus gemeldet haben, hat die Zahl 400 bereits überschritten. Um niemand zu bevorzugen, hat die Direktion eine Auslosung vorgenommen. s Geslügel=Ausstellung. Der Geflügel=Zucht=Verein„Ornis“ Köln veranstaltet vom 11.—13. Februar d. J. seine große, allgemeine Geflügel=Ausstellung, verbunden mit Prämiierung und Verlosung. Die Gewinne werden auf der Ausstellung angekauft und bestehen aus Tauben, Hühnern usw. Als Ausstellungslokal eignet sich der dafür gemietete große helle Saal des„Tivoli“ in Nippes, Neußerstraße 216, ganz besonders, da man sämtliche Ausstellungsobjekte gut besichtigen kann, und es nicht, wie bei manchen anderen Ausstellungen an dem nötigen Licht und der Beleuchtung fehlt. Erfahrungsgemäß benutzen die Züchter und Liebhaber die Ausstellung„Ornis“ gern, um ihren Bedarf für die kommende Zuchtsaison zu decken, und die Aussteller können nach der Erjahrung der letzten Jahre— 1904 wurden für über 5000 Mark Geflügel verkauft— mit Bestimmtheit auf günstige Verkaufsgelegenheit rechnen. Programm und Loose a 50 Pfg. sind von dem ersten Schriftführer des Vereins, Herrn Heinr. Hafkemeyer, Köln, Ehrenstraße 36—38, zu beziehen. Landwirtschaftliches Kasino Köln. Die Fortsetzung der Wintersitzungen brachte eine Reihe von vorzüglichen Vortragen, die steas eine große Zahl von Mtgliedern herangezogen hatten. In der ersten Januarsitzung besprach Herr Dr. Kretschmer von der Versuchsstation Bonn den Stickstoffverlust und Stickstoffgewinnung im landwirtschaftlichen Betriebe. Herr Schlachthofdirektor Kühnau zerstreute Befürchtungen die sich aus der inzwischen behobenen Einstellung der Kölner Milckviehmärkte ergeben könnten und weist den vollen Erfolg dieser Neueinrichtung nach. Das Absatzgebiet dieser Märkte dehnt sich bis nach Bayern und Württemberg aus und erfreut sich wachsender Anteilnahme seitens der Verkäufer und Käufer. Am 1. Januar verbreitete sich Herr Jakob Schlösser Köln=Ehrenfeld über die Entwickelung des amerikanischen Obstexportes. Seine persönlichen Eindrücke gelegentlich der Studienreise deutscher Landwirt nach Nordamer ka im Jahre 1903 und die Mitteilungen des Ackerbaudepartements in Washington hatten ihm ein so reiches Material geboten, daß die zur Verfügung stehende Zeit allzu schnell verlief. Die aufdrängende Frage, ob Deutschland in der Lage sei, sich von dem bedeutenden amerikanischen Import frei zumachen beantwortete der Redner in Uebereinstimmung mit bedeutenden Kennern wie Herr von Solemacher=Namedy bejahend. Auf guten Standort, gute und wenige Sorten müsse es dabei ankommen Grundsätze, die auch dem amerikanischen Obstbau seine Rentubilität und seine Weltmacht geschaffen haben Für den plötzlich erkrankten Herrn Geh. Reg.=Rat Professor Wohltmann sprach um vergangenen Mittwoch dessen Assistent Herr Dix über Futterrübenbau= und=sorten. Er stützte sich dabei durchgängig auf die Ergeonisse des Bonner Versuchsfeldes und wies nach, wie bei geeigneter Sortenwahl die Erträge der Futterrübe des„Grun futters des Winters“ Steigerungen erfahren können bis zu 570 Zentner pro Morgen Der Zuckergehalt bewegt sich durchgängig im umgekehrten Verhältnis wie die Gewichtsziffern; andererseits steigt er bei engerer Pflanzweise Herr Dix rät zum Ausbau zweier Sorten einer zuckerarmen für die erste einer zuckerreicheren für die letzte Hälfte des Winters.— Der Vorsitzende Herr Fühling=Horbell empfahl zum Schlusse den Mtgliedern sich wegen Bezuges von vlämischen Erntearbeitern deren Reisekosten u. a nur ein Drittel derjenigen für ostdeutsche Arbeiter ausmachen, an den Arbeitsnachweis der Landwirtschaftskammer in Bonn zu wenden. Schubert Bund Köln. Unter diesem Namen haben sich sangesfreudige Männer zusammengefunden in dem Bestreben, auf dem Gebiete des Männergesanges unter bewährter Leitung nur Vorzügliches zu leisten, nebenher aber auch der Geselligkeit eine Heimstätte zu bereiten. Daß es der Vereinigung unter ihrem Vorsitzenden Dr med. Georg Wirz mit den auf gesanglichem Gebiete gesteckten Zielen ernst ist beweist daß sie sich zum musikalischen Leiter den Lehrer am hiesigen Konservatorium Professor Feodor Berger gesichert hat Auch die Uebungsabende, die regelmäßig jeden Dienstag Abend 9 Uhr im Vereinslokale Bürgergesellschaft, stattfinden haben in dem bisherigen Verlaufe gezeigt, mit welcher Hingabe die einzelnen Mitglieder der schönen Sache dienen: sind doch die Uebungabende durchschnittlich von 50 Sängern besucht gewesen, was sicher als erfreuliches Zeichen für die Lebensfähigkeit des jungen Unternehmens angesehen werden darf, wenn man außerdem berücksichtigt, daß gegenwärtig Prinz Karneval viele der Sache sonst Ergebene in seinem Banne gefangen hält A Personal=Chronik. Der Gemeindesekretär Wilhelm Frielinghaus in Frechen ist auf Widerruf zum Stellvertreter des Standesbeamten des die Landbürgermeisterei Frechen umfassenden Standesamtsbezirks ernannt worden. Der Lehrer Johann Marthias Günther zu Vonn ist zum Rektor an der städtischen Volksschule zu Bonn ernannt worden. Zu Lehrern wurden ferner ernannt: de Lehrer Karl Rehrmann zu Alzenbach an der katholischen Volksschulle zu Ittenbach, Peter Caspar zu Oettershagen an der katholischen Volksschule zu Schnellweide, Ignaz Fuß zu Kirchheim an der katholischen Volksschule zu Lindlar, Perer Decker zu Caldauen an der katholischen Volksschule zu Erp, Wilhelm Kalle zu Drabenderhöhe an der evangelischen Volksschule zu Vollmerhausen Anbringung der Stationsnamen auf den Bahnhöfen Ein für die Reisenden wertvolle Anordnung hat der preußische Minister der öffentlichen Arbeiten getroffen, indem er den Kömglichen Eisenbahndirektionen die reichliche und zweckmäßige Angabe der Stationsnamen besonders auf den Hauptbahnen, zur Pflcht gemacht hat. Namentlich soll für die Anbringung ausreichend großer Schilder mit den Staionsnamen in solcher Anordnung gesorgt werden, daß se von den Reisenden bei der Einfahrt in den Bahnhof ohne #wierigkeit erkannt werden können Musizieren usw. in den Eisenbahnzügen Die Reisenden der 4. Wagenklasse werden häufig während der Fahrt durch Musizieren, Feilbieten von Gegenständen Aufführen von Schaustücken, Betteln usw arg belästigt. Um diesem Uebelstande abzuhelfen, haben die Eisenbahnverwaltungen die Stations= und Zugpersonale angewiesen unnachsichtlich alle Uebertretungen wegen Hausierens, Musizierens usw in den Eisenbahnzügen zur Anzeige zu bringen, damit Bestrafung der betreffenden Personen erfolgen kann Erwünscht wäre es, daß das reisende Publikum die löblichen Bestrebungen der Eisenbahnverwaltung nach Möglichkeit unterstützte indem es dem Zugpersonal von jeder derartigen Belästigung unverzüglich Meldung macht. F Diedstähle. Ein Hausbursche hatte sich abends in vir Wohnung seines frühern Prinzipals am Perlengraben begeben und diesem, sowie einem ehemaligen Kollegen Bekleidungsstücke und Geld gestohlen. Er wurde bei Ausübung des Diebstahls abgesaßt und sofort det Polizei abgeliefert.— In der Gladbacherstraße zerstörten Diebe ein Schaufenster und stahlen aus demselben sechs Metzgerjacken.— In der Subbelratherstraße wurde eine Mansarde erbrochen, eine Uhr und sonstige Schmuckgegenstände daraus entwandt.— In einem Metzgerladen auf der Sechszig zu Nivpes wurde ein schwerer Einbruch ausgeführt; die Spitzbuben erbeuteten 18 Rollschinken, 15 Plockwürste, 10 Leberwürste und mehrere Seiten Speck.— Einer Dame wurde in der Vorhalle der Bürgergesellschaft das Portemonnaie aus der Tasche stibitzt.— Durch Mansardeneinbruch kamen auf dem Eigelstein mehrere Wäschestücke abhanden.— Am Ursulakloster hatte sich abends ein Mensch in eine Wohnung eingeschlichen; er war gerade dabei den Kleiderschrank auszuräumen, als die Bewohner auf der Bildfläche erschienen; man sorgte für seine Festnahme.— Aus einer Wohnung an der Poststraße entführten Einbrecher eine Menge Kleidungsstücke und Revolver.— In der Thieboldsgasse wurde ein Kameeleinen Penn taschendivan aus einem Hausstur weggeschleppt.— Ferner kamen eine ganze Anzahl Fahrraddiebstähle vor. F Untreuer Kassirer. Der Kassirer der Köln=Bonner Kreisbahn stellte sich heute der Kriminalpolizei. Eine gestern stattgehabte Revision ergab ein Kassenmanko von 40000 M. Der Beamte gab an, das Geld im Laufe der Zeit unterschlagen zu haben. F Schleichdieb. Eine Frau überraschte am Dienstag in ihrer Wohnung an der Orabanterstraße einen fremden Mann, der sich mit dem Durchstöbern der Schubladen beschäftigte. Als der Unbekannte der Frau ansichtig wurde, tat er die Frage:„Ist dies hier das Zimmer, welches Sie zu vermieten haben. Als der freche Eindringling sich entfernte, folgte ihm die Frau und sorgte für seine Festnahme. p Bereitelter Selbstmord. Am Dienstag Abend um 9 Uhr brach eine Schülerin aus Mechenich auf der Breitestraße zusammen. Dieselbe hatte in selbstmörderischer Absicht Essigsäure getrunken. Sie wurde in eine Apotheke gebracht und von dort, nachdem ihr Gegengift gegeben worden war, mittelst Krankenwagens zum Bürgerhospital gebracht. * Köln=Bayenthal. Am Montag wurden von der Feldpolizei zu Köln=Marienburg mehrere Gelegenheitsarbeiter beim Vogelfangen mit einem großen Netz abgefaßt. Es scheint dies ein rentadles Geschäft zu sein, denn dieselben Leute sind schon alle mehrmals wegen Vogeljangens vorbestraft. # Köln=Longerich. Ein 20jährigs Mädchen wurde am Montag Nachmittag von einem Fuhrwerk überfahren und erheblich an einem Arm verletzt. Die Verunglückte wurde nach dem Bürgerhospital in Köln gebracht. C Köln=Ehrenfeld. Straßenarbeiten. Am Lenauplatz sind jetzt die Fahrbahnen um die Platzanlage fertiggestellt, die Gehwege werden mit einer Lage Ziegelschrot und mit Lehm und Sand als Decklage befestigt. Bäume und Sträucher sind sorgfältig in Mutterboden gepflanzt worden und harren nur noch des Lichtes und der Wärme des Frühlings, um sich den Anwohnern das erste Mal an dieser neuen Stätte und in neuem Kleide zu präsentieren. In der Richtung der Iltiestraße ist über die Platzanlage ein 3 Meter breiter Gehweg von Asphalt angelegt worden. Die Venloerstraße, die hinter Bickendorf einem sehr starken Fuhrwerksverkehr durch die anliegenden Ziegeleien ausgesetzt ist, mußte durch Aufbringen einer leichten Basaltkleinschlagdecke durchgehends ausgebessert werden, die mit der Dampfwalze festgewalzt wurde. In Bocklemünd ist man damit beschäftigt, den an dem Finger'schen Garten sich hinziehenden Graben, dei durch Schlammabsetzung ein großer Uebelstand für die Umgebung war, und der sich teilweise zu einem Sumpf erweitert hatte, auszufüllen und durch eine Rinne aus Zementbeton zu ersetzen, durch die dann das Wasser direkt der Rohrleitung, die zum Schlingseld geht, zugeführt wird. In Müngersdorf wird der Garten des Grundstückes Belvederestraße 22, der 3—4 Meter hoch gegen das Nachbargrundstück ansteht, abgetragen und der Boden zur Auffüllung des Hofes der neuen Schule benutzt. Der Transport der etwa 4000chm umfassenden Bodenmasse geschieht in Kippwagen über die Belvedereund Wendelinstraße. Durch diese Arbeit, die bei jeder Witterung fortgeführt werden kann, wird eine erhebliche Anzahl von Erdarbeitern der Arbeitslosigkeit und dem Notstande entzogen. Der Bickendors=Müngersdorter Weg— Vitalisstraße— hat von der Vogelsangerstraße ab nach Müngersdorf zu teilweise eine neue leichte Decke von Basaltkleinschlag erhalten. Nach Bickendorf zu ist eine solche ebenfalls vorgesehen, die bei günstiger Witterung aufgebracht werden soll. Rheinland und Westfalen. ex Mülheim a. Nh., 25. Jan. Am Samstag sand hier die Beerdigung des infolge eines Hirnschlages im Alter von 76½ Jahren verstorbenen Herrn Carl Eugen Aldenbrück statt, der 28 Jahre lang das Amt eines Stadtverordneten und 12 Jahre lang das des Direktors der Mülheimer Dampfschiffahrts=Aktien=Gesellschaft bekleidete, deren Aufsichtsratsmitglied er später wurde. In all' diesen Stellungen, sowie in den übrigen Ehrenämtern errang er sich durch sein leutseliges Wesen, seine Opferwilligkeit und Uneigennützigkeit die Achtung und Wertschätzung seiner Mitbürger. Davon zeugte auch die große Beteiligung an seinem Begräbnis. Die Herren Oberbürgermeister Steinkopf, die Beigeordneten Dr. Löhe. Dr. Hartmann und Baurat Jansen. die Mitglieder des Stadtverordneten=Kollegiums und seine vielen Freunde und Bekannte gaben dem allverehrten Dahingeschiedenen das letzte Geleite. Kalk, 28 Januar. Am Freitag Abend tagte im Saale des Wirtes Herrn Maatzen eine Versammlung behufs Gründung eines katholischen Bürgervereins für Kalk und Umgegend. Die Versammlung wurde von dem Stad verordneten Ferdinand Lamertz geleitet und war von etwa 125 Personen besucht Es wurde die Grundung des Vereins beschlossen und die ausgearbeiteten Satzungen beraten, welche nach einigen unwesentlichen Aenderungen die Genehmigung der Versammlung fanden. Zum Vorsivende wurden in einem besonderen Wahlgange fast einstimmig und in den Vorstand die Herren 1) J. Außem Kaufmann, 2) P Bädorf, Oberlehrer 3) J. Bendheuer Stadtverordneter 4) H. Betz, Rentner 5) P Boury, Ziegeleibesitzer 6) H. Bützler Rektor, 7) E Esser Kaufmann, 8) B. Kastert Rektor, 9) M Krings, Direktor 10) J. Menzen, Kaufmann, 11) Sanitätsrat Dr. Repen gewählt. Herr Generalsekretär Dr Jörg der Rheinischen Zentrumspartei hielt einen Vortrag, in welchem er zum engen Zusammenschluß aller katholischen Männer aufforderte; es sind bereits 277 Personen aus allen Ständen dem Verein beigetreten und finden regelmäßg allmonatlich Vereinsversammlungen und im Monat Februar oder März eine ordentliche Generalversammlung statt Zweck und Ziel des Vereins ist Förderung der Interessen seiner Miegl eder auf wirtschaftlichem religiösem politschem und geselligem Gebiet.— Ein brecher. In einer der letzten Nächte wurde in einem an der Mülheimerstraße gelegenen Hause ein Einbruchsdiebstahl versucht Die Täter hatten bereits die Türfüllung teilweise ausgeschnitten. müssen aber bei der weiteren Arbeit gestört worden sein und sich unverrichteter Sache eitfernt haben. Der oder die Täter sind bis jetzt noch nicht ermittelt g Hürth. 24. Januar. Heute Nachmittag fiel hier ein Mann beim Baumschneiden von einer Leiter und erlitt einen Schlüsselbruch. Der Verletzte wurde nach Köln in's Bürgerhospital gebracht. kl Brühl. 23. Jan. Handwerker=Versammlung. Im Innungslokale bei Rösch tagte am Sonntag Abend die Monatsversammlung der Vereinigten Handwerker=Innung für die Bürgermeisterei Brühl. Herr Obermeister Klug eröffnete die Sitzung und machte einige geschäftliche Mitteilungen bezüglich der an die einzelnen Meister verteilten Fragebogen zu der im Herbst 1905 in Köln stattfindenden Handwerks=Ausstellung. Herr Kaplan Schleyer, der in seiner Eigenschaft als Präses des St. Hermann=Joseph=Lehrlings= Vereins dem Handwerk nahe steht, hielt dann einen Vortrag über die geschichtliche Entwicklung des deutschen Handwerks. In der deutschen Urzeit bei den Germanen gab es noch keinen Handwerkerstand. Die soziale Form der alten Deutschen war in der Hauptsache die sogenannte Hauswirtschaft. Kein regelmäßiger Marktverkehr bestand, nur der sogenannte Passierhandel beim Besuch fremder Händler. Aber die Civilisation der deutschen Gaue brachte auch Werkstätten und handwerksmäßige Ausbildung mit sich. Die ältesten Handwerkszweige sind die Schneiderei, die Weberei und Töpferei. Im Zeitalter der Grundherrschaft gewann das Handwerk an Ansehen, es wurde selbständig, war aber noch nicht frei, weil es im Hosdienst der Fronherren stand. Großes Verdienst um die Hebung des Handwerks erwarben sich die Klöster, besonders für das Kunsthandwerk. Der Name Kaiser Karls des Großen ist eng mit der Geschichte des Handwerks verknüpft. Er teilte die Handwerker auf den Fronhöfen ein in die societates, die Vorläufer der Zünfte. Mit der Entstehung der Städte sand das Handwerk eine sichere Heimat, seine volle Freiheit und Selbständigkeit. Die große Zahl der Handwerker und ihre Freiheit führten von selbst zur Bildung von Genossenschaften oder Zünften, Innungen und Gilden. Die Zunft wurde die Lehrherrin des Lehrlings in jeder Beziehung. Im Zeitalter der Zünfte verglich man den Lehrling mit dem Junker, den Gesellen mit dem Ritterknappen, den Meister gar mit dem Ritter und Edelmann. Sein Handwerkszeichen war sein bürgerliches Wappen. Obligatorisch war die Lieferung eines Gesellen= und Meisterstückes. Dreifachen Charakter hatte die Zunft: kirchlichen als Bruderschaft, weltlichen als Genossenschaft und charitativen als Schützerin der Zunstgenossen. Die Zunft bot dem Handwerk große Vorteile. Sie verhinderte unreelle Konkurrenz und den Hausirhandel. Sie hatte ihr eigenes Standesgericht. Die Zünfte waren eng miteinander verbunden. Die Macht der Zünfte führte das Handwerk in seiner Blütezeit, 13., 14., 15. Jahrhundert. Selbst die Kunst wurde handwecksmäßig erlernt. Berühmte Künstler, Vischer, Kraft, Beit, Stoß, Dürer waren gelernte Handwerker. Der Mitzbrauch der Zünfte bereitete den Verfall des Handwerks vor. Dazu kam der Fall Konstantinopels, der die Handelsverbindung zwischen Morgen= und Abendland ins Stocken brachte; ferner verschlug die Entdeckung des Geeweges nack, Indien den Handelsverkehr von Venedig nach Lissabon und störte dadurch die Verbindung Deutschlauds mit Italien. In späteren Jahrhunderten löste die französische Revolution die Zünste auf; ebenso taten dies Westfalen, Baden, Württemberg, Bayern. Preußen hob 1810 und 11 die Zunft auf, trotz des Einspruchs bedeutender Staatsmänner, wie Niebuhr, Finke, Stein. Die Aussichten des heutigen Handwerks werden besser, wenn das Handwerk es versteht, sich die Vorteile der Großindustrie zu nutze zu machen durch Einkaufs=, Kredit=, Magazingenossenschaften. Das undament dafür sind die Innungen. Mit großer Freude ist die günstige Stimmung für das Handwerk und die gesunde Mittelstandspolitik zu begrüßen, die sich gerade in der letzten Zeit immer mehr Bahn bricht, wie die Parlamentsverhandlungen beweisen. Selbst die Gründung eines Reichshandwerkerblattes ist ins Auge gesaßt. Der Vortrag fand lebhaften Beifall. Herr Klug dankte herzlich dem Redner und bat ihn, auch weiterhin durch ähnliche Vorträge sein Interesse für das Handwerk zu bekunden. Herr Hauptlehrer Dohmen, der Leiter der Handwerker=Fortbildungs= schule erstattete hierauf Bericht über die Entwickelung der Schule. Er beklagte den mangelhaften Besuch derselben. Allseitig wurde anerkannt, daß, solange die Schule nicht obligatorisch sei, alle Mühe in dieser Hinsicht vergeblich sei. Herr Klug teilte mit, daß Verhandlungen geführt würden, um den Schulbesuch durch Ortsstatut zu regeln. Das Schulgeld, dessen unregelmäßiges Eingreisen ebenfalls Anlaß zur Klage biete, werde dann vierteljährig 1,50 Mk. betragen. Die vorgelegten Zeichnungen der Schüler zeugten teilweise von großem Fleiß und sanden allseitige Anerkennung. Herr Mechaniker Guester teilte dann mit, daß er eine von ihm fabrizierte, halbpferdige, zerlegbare Dampfmaschine der Schule zur Verfügung stelle und bereit sei, diese der Schule zu erklären. Die Versammlung nahm das Anerbieten mit Dank an. Da der Beauftragte der Handwerkskammer um die festgesetzte Zeit nicht erschien, mußte der letzte Punkt der Tagesordnung bis zur nächsten Sitzung zurückgestellt werden. Jülich, 24. Januar Das Kreis Jülicher=Korrespondenz= und Wochenblatt hört daß Direktor Inderfurth sich zwar in Aachen bei der Behörde gestellt habe, aber auf freiem Fuße belassen worden sei da kein Haftbefehl gegen ihn vorliege Inderfurth teilt dem Blatte selbst aus Köln, wo er sich zurzeit aufhält, mit, daß kein Steckbrief gegen ihn erlassen sei. Düsseldorf, 24. Januar. In einer hiesigen Strafkammerverhandlung gegen einen Bauunternehmer wegen fahrlässiger Tötung — in dem von ium ausgeführren Neubau war en Arbeiter durch Sturz zu Tode gekommen— bekundete der Revisionsbeamte der Rheinisch=Westfälischen Baugewerks=Berufsgenossenschaft, daß vielfach— besonders in ländlichen Bezirken— infolge Bauens ohne hinlängl'ches Kapital in der Anwendung der Unfallverhütungsvorschriften möglichst gespart werde und auf diesen Umstand so mancher Bauunfall zurückzuführen sei Eine längsterhobene Forderung der Arbeiterorganisationen bezieht sich auf Anstellung staatlicher Baukontrolleure aus ihrer Mitte Ein solche Einrichtung dürfte sich umso notwendiger erweisen als die Zahl der jetzigen staatlichen Aufsichtsbeamten eine viel zu beschränkte ist. Zum Bergsturz bei Loen in Norwegen schreibt man der FrankfZtg. aus Christiania: Ein schreckliches Unglück hat sich in einer der schönsten Gegenden Norwegens ereignet. Jeden Sommer besuchen Tausende von in= und ausländischen Touristen die drei Gletschertäler im Innern des Nordfjords, nämlich Olden, Laen und Stryn. Umgeben von gewaltigen Bergmassen liegen die grei Seen gleichen Namens da, eingeschlossen von alten Moranen, und nur durch kurze Landengen sind sie von den Fjorden getrennt. Zu der Unglücksstelle gelangt man über das Loenwasser eine herrliche Fahrt an einem stillen Sommertag, in dem kleinen Dampfboot Lodalen oder auch in einem Boot Kommt man ein Stück aufwärts, so erblickt man rechts oben das blaue Eis des Hellesatergle##ers von welchem man häufig, besonders im August einen Knall hört, dann folgt eine Eslawine die mit gewaltigem Lärm in das darunter liegende Steingeröll fällt. Wer das Glück hat ein solches Naturspiel zu sehen. wird es nie vergessen. Die Lawinen können im Sommer oft bis ins Wasser gehen, doch gewöhnlich kommen sie so langsam daß ihnen ein Boot ausweichen kann. Anders war es am Sonntag. Nach dem, was die Ueberlebenden berichten scheinen die Bewohner am Loensee in tiesem Schlaf gelegen zu haben, als sich ein gewaltiges Bergstück von dem Ravneberg loslöste, den Nasdalshäfen zurollte und etwas außerhalb der Häuser ins Wasser fiel Eine hohe Wasserwage erhob sich, 20 Meter hoch sagen einige wälzte sich landeinwärts über die Enge bei Kjendal und spülte alles, was ihr in den Weg kam, fort— Häuser, Menschen und Tiere Ken Schrei war zu hören in dem Tosen der gewaltigen Wassermassen. Ein kleiner fünfjähriger Knabe soll der einzige Ueberlebende auf den Höfen Nedre Bödal und Ytre Nasdal sein; er schwamm auf einem Brett ans Land.“ Von einem Hofe waren Mann und Frau eben auf einer Reise nach Bergen und entgingen so dem Tod aber sämtliche Kinder und die Dienerschaft sind untergegangen Die von den Wasserwogen getroffenen Strecken sollen einen eigentümlichen Anblick darbieten. Die Häuser sind gleichsam weit hinaus in den See gezogen und an einigen Stellen kann man dieselben augenscheinlich unbeschädigt auf dem Grund des Wassers sehen. Das abgebrochene Bergstück ragt über die Oberfläche. Der ganze See ist mit Trümmern bedeckt nur wenige Leichen sind gefunden(es sind 59 Personen umgekommen) da die meisten Einwohner nicht aus den Häusern kamen sondern den Tod im Bette fanden. Dagegen sieht man eine Masse toter Kühe die ihre Banden sprengten, als die Wassermassen hereinbrachen. Alle Boote und Fischgeräte sind zertrümmert der kleine Touristendampfer Lodalen wurde weit hinein aufs Trockene geschleudert und ist wohl für immer unbrauchbar gemacht. Um zu begreifen, wie eine solche Verwüstung möglich war muß man sich die übrigens in Norwegen nicht seltene Umgebung des Sers vorstellen Der Loen=See ist 12 Kilometer lang und an den breitesten Stellen 1½—2 Kilometer breit bei einer Tiefe von 133 Meter Auf allen Seiten erheben sich beinahe senkrecht die mächtigen Bergriesen und nur hier und da ist so viel Uferraum, daß ein kleiner Hof mit einigen Feldern da stehen kann. Aeußerst gefährdet sind sie alle nicht nur durch Bergstürze, sondern beinahe noch mehr durch Schnee= und Eislawinen. Wetterbericht. In den kontinentalen Lagen dauert die Herrschaft hohen Barometerstandes an. Ein Marimum liegt heute an der unteren Donau. Der Norden Europas gehört in den Bereich einer umfangreichen Depression; ihr Centrum befindet sich über Lappland, über den britischen Inseln und dem Ozean. Südwestlich derselben sind flache Teilminimas zu erkennen und auch über Südwest=Frankreich macht sich eine Störung in der Luftdruck=Verteilung bemerkbar. Auf unserm Gebiet ist der Himmel von lokalen Morgenneveln abgesehen, heiter und die Morgentemperaturen haben eine schwache Zunahme erfahren. Voraussichtliche Witterung: Teils heiter, teils nebelig. Im Allgemeinen leichter Frost, allmählich etwas wärmer. Tauben alte 0.80—0.20, funge 080—0.30, Kartosseln weiße 7.80 bis 7,40, rote 7,60—8,00, Kartoffeln Nieren 9.60- 12. Blumenkohl 0.25—0.50, Rotkohl 0.25—0.35 Mark das Stück. Weißkohl 30—35 Pfennige das Stück: Eßäpfel 100 Kg. 14,00—28 00, Kochäpfel 12,00—14,00 Mark die 100 Kg. Zwiebeln 0,30=0.32 Mark das Kilo, Rindfleisch von der Keule 1.17—18, vom Bauch 1.25—1,38, Kalbfleisch 1,60—1,20, Hammelfleisch 1,28—1,68, Schweinefleisch 1,61—1,72 Mark alles einschließlich Knochen beilage), Rindernierentalg 0,•0 bis 000 Mark, Speck gerauchert 1.47 bis 1.61, gesalzen 0,00 bis 0,00, Schweineschmalz 0.00 bis 0,00 Mark, Fasanen 2.0—3.50, Hasen 3.50 bis 3.80, Truthähne 5,00 bis 8,00, Schnepfen: 0.80 bis 0,00, das Stück. Krammersvögel(Bund) 0.00—0.— Mark. Reug, den 25. Januar. Fruchtpreise. Weizen trock. Ware i. Qu. 17.80 Dik. Weisen„ 4.„ 17,30 Weizen s."—.— Roggen 1. Ou trock. Ware 14,60 Roggen a.„„ Roggen 8.„ Hater 1. Qualitat Haser 2. Qual. Wbeizen Rrob bie 500 Rlle Maschinenstrod„„„ Flegeldrusch„ Maundein. Maxan, Mainz. Koblenz, Trier, Kand, Köln, Nuhrort, Wasserstands den 24. Januar. den 24. Januar. den 24. Januar. den 24. Januar. den 24. Januar. den 25. Januar. den 25. Januar. den 24. Januar. Nachrichten. 10 Uhr Vormittags 7 Uhr Vormittags 12 Uhr Mittags 6 Uhr Vormittags 11 Uhr Vormittags 9 Uhr Vormittags 7 Uhr Vormittags 8 Uhr Vormittags Gerße 1. Quaiitat 80.00 Dit Gerste 2. 00.00„ Buchweizen 1. Qualltät 90.00„ Bichweiten 2.„ 90.00„ 14.10" Raps 1. Qualität 20.25„ 00.00 Dik. Naps k. Qualität 19,25„ 14.20" a. eel(Rüdien) 1. Qual. 19.25 00.00 Dlt. Areel(Rübien! 2. Qual. 18.75„ 00.00„ Hen à 50 Klle S, 80—4,80 22.00" Buzernerden,„ 5,20—0.00„ 24.00" Rartoffeln à 50 Kile 3.00—4,00„ Preise underändert. Rübluchen per 100n Rtle 107.0n Dik in kl. Partien 111.00 Rübel per 100ag in Pare tbien von Crr. sohne Jaß) 45,75 Dik. Rüdbl per 100 kg lahweise Kleie à 50 kg ohne Faß) 47,25„, Butter vor ke gereinigtes Oel v. 100 Kll. Sier 1100 Stück 3 Mr höher als Rüdöl. Rüdöl und Ruchen unverändert. Mörs, 24 Jan. Fruchtmarkt. Weizen 1. Qnal. 17,80, 16.20, Ruggen 14,90, Gerste 14,00, Hafer 1. Qual. 16,00, 2. 2. Cual. Qualticht 14,90, Kartosseln 6,50, Heu 7,50, Strob 6,25 Mk. die 100 Kilogr. der Stadt Köln. Vom 24. Januar. Geburten. Anna, T. von Joh. Korden, Posthote, Bismarckstr. 20. Margareta, T. von Heinrich Weißweiler, Maurerpolier, Stavenhof 9. Katharina und Peter, Zwillinge von Paul Quetsch. Schriftsetzer, Lupusstr. 2. Kuno, S. von Franz Breitschn, Versich=Beamter, Gereonshof 34. Johanna, T. von August Syre, Tagel., Stavenhof 12. Anna, k. von Bernhard Wolf. Tagel., Kahlenhausen 10. Mathias, S. von Math. Richmann, Bauhandlanger, Elsaßstr. 16. Klementine und Klara, Zwill von Ludwv. Schlepütz, Fuhrmann, Elsaßstr. 50. Margareta, T. von Joh. Leichenich, Fadrikard., Altebrergerstr. 269. Katharina, T. von Waldimir Schafer. Kommis, Vondelstr. 42. Martin, S. von Richard Teuchert, Schreiner, Gereonswall 85. August, Ss von August Vogt. Stuckaturer, Michaelsti. 10. Peter, S. von Joh. Nombach, Tagel., Agrippastr. 80—82. Gertrud, T. von Beter Axer. städt. Aufseher, Filzengraben 33. Christian, S. von Hubert Tempel. Schreiner. Huhnsg. 28. Gertrud, T. von Wilh. Buchholz, Schlosser, Blaubach 69. Elisaveth, T. von Philipp Arndts, Dachdecker, Mauritiuswall 36. Adelheid, T. von Balthasar Weiser. Tagel., Mauritiuswall 48. Maria, T. von Franz Nempe, Schuhmachermstr., Waisenhausg. 51. Johann, S. von Jos. Dederichs, Holzard., Koelhoffstr. 1. Sterbefälle. Petronella Schmitz, 1 M., Bonnerstr. 38. Kath. Leudewig. 23 T. Severinstr. 113. Agnes Hahnstadt. ged. Bosen, Wwe, 64 J., Quentelstr. 2—6. Karl Weder, o. Gew., Wwr., 71 J., Quentelstr. 2—6. August Geetz, Kaufm., verh., 67 J., Landsbergstr. 18. Klara König. 82 J., St. Apernstr. 16—18. Adele Pering, 14 J., Maybachstr. 34. Christine Kaspers, ged. Leyendecker, 77 J., Blindg. 16. Agnes Brusselbach. 67 J., Weißbütteng. 21. Eisse Krick, ged. Peters, 65 J., Lintgasse 5. Julius Müller, Stadtsekr. a. D., Wwr., 67 J., Badstr. 7. Luise Luksch. geb. Ullrich, 49 J., Waisenhausg. 38. Hubert Pohley, 2 M. 4 T., Ehrenstr. 68. Georg Kraus, 1 M. 21 T., Kl. Griechenm. 11—13. Anna Knott. 2 J., Gr. Brinkg. 13. Heiraten. Wilh. Peters, Bildhauer von Königsteele, und Elis. Khönig, von hier. Wilh. Wolf, Geschäftsreisender von Düsseldorf. und Elis. Becker, von hier. Johann Beruards, Tagel., und Sophia Müller, beide von hier. Ludwig Kluxen, Friseur, und Elis. Herentrey, ged. Metzmacher, Wwe., beide von hier. Heinrich Drechsler, Tagel. von hier, und Anna Jung, von Bayenthal. Ferd. Richartz, Anstreicher von Ehrenfeld, und Naria Wirz, von dier.#... 6#.. Mrass Spffränferst. Heirats=Ankündigungen. With. Spater, Stuckaturerges., Ahnhauserstr. 32, und Elis. Ruttgers, Moselstr. 66. Anton Neuter, Schlosserges., Koelhoffstr. 7, und Marg. Danz, Alte Mauer am Bach 68. Rudolf Quring, Schneider, Probsteig. 34, und Emma Vogt, Leyendeckerstr. 80. Jos. Sinda, Bahnard. zu Dortmund, und Marg. Schneider, Friesenplatz 10. Standesamts=Bezirk Köln=Nippes. Vom 8. bis 14. Januar. Geburten. Hubert, S. von Karl Kapp, Eisenbahnlokomotivheizer, Uerdingerstr. 2. Anton, S. von Peter Berg. Tagel., Heimersdorferstr. 38. Agnes, T. von Jakob Ummels, Fadrikarb., Hauptstr. 918. Friedrich, S. von Anton Heimsoeth, Kaufm., Scharnhorststr. 9. Anna, T. von Peter Bedber, Tagel., Hartwichstr. 39. Johann, S. von Simon Schüller, Hülfsweichensteller, Mauenheimerstr. 127. Henriette, T. von Nikolaus Fischer, Schreiner, Wilhelmstr. 50A, Joachim, S. von Heinr. Brensing, Postassistent, Neußerstr. 296. Elisabeth, T. von Heinr. Backhausen, Tagel., Florastr. 15. Gottfried, S. von Peter Orth. Sandformer, Thüringerstr. 8. Joseph, S. von Joh. Hackenbroich, Fabrikard., Heimersdorferstr. 22. Kreszenzia, T. von Lorenz Graß. Fahrschlosser, Merheimerstr. 84. Joseph, S. von Jakob Kemp, Anstreicher, Siebachstr. 99. Hubert, S. von Kornel. Tollmann, Fahrkartenausgeder, Zonserstr. 25. Hugo, S. von Johann Stammel, Fuhrmann, Sechzigstr. 121. Ernst, S. von Johann Molis, Eisenbahnwagenwärter, Thüringerstr. 4. Maria, T. von Severin Bast, Tagel., Holbeinstr. 41. Johann, S von Johann Hommelsheim, Tagel., Einheitstr. 19. Heinrich und Wilhelm, Zwill. von Robert Trappe, Bücherhändler, Gartenstr. 18. Joseph, S. von Simon Becker, Oberpostschaffner, Gellertstr. 40. Ferdinand, S. von Ferd. Leifeld, Postvote, Gellertstr. 45. Gudula, T. von Jos. Schnee, Sandformer, Niehler Damm 55. Johann, S. von Peter Schwickert, Klempner, Geldernstr. 80. Paula, T. von Jak. Augustiniak, Fabrikarb., Zonserstr. 25. Heinrich, S. von Hub. Berners, Fabrikard., Eichstr. 16. Peter, S. von Gereon Thelen, Schlosser, Heiligenafad 41. Otto, S. von Arnold Becker, Tagel., Nordstr. 74. Paul, S. von Christian Müller, Seisenfabrikant, Escherstr. 101. Josept, S. von Johann Theisen, Fuhrmann. Neußerstr. 768. Wilhelmine, T. von Anton Corvers, Metzger, Neußerstr. 224. Maria, T. von Anton Martiny, Buchhalter, Sechzigstr. 133. Johann, S. von Friedr. Schneider, Formstecher, Siebachstr. 49. Wilhelm, S. von Wilh. Nolden. Maschinist, Mauenheimerstr. 127. Lucia, T. von Karl Büschges, Hülfslademstr., Merheimerstr. 90. Franz, S. ron Albert Möllenbeck. Postbote, Merheimerstr. 304. Margareta, T. von Jakob Kluth, Tagel., Neußerstr. 685. Sterdefälle. Anna Theisen, gev. Kluth, 34 J., Neußerstr. 722. Marg. Siebenkotten, 46 J., Merheimerstr. 217. Jakodine Wagner, geb. Schmitt, Wwe., 79 J., Merheimerstr. 217. Luise Scollick, 1 J., Neußerstr. 267. Kath. Schrott, ged. Decker, Wwe., 67 J., Neußerstr. 574. Wilt. Hoffmann, 1 M., Sechzigstr. 99. Herm. Kranz, 1 J., Thüringerstr. 13. Maria Faßbender, 7 M., Ulrich=Zellstr. 3. Walter Lehmann, 11 M., Christinastr. 3. Jean Kirsch, 2 M., Neußerstr. 339. Helene Bilstein, 17 J., Lachsg. 12. Mathilde Hermanns, 2 M., Siebachstr. 81. Wilhelm Pihl, 5 J., Krieger: platz 4. Adele Tollas, 9 T., Knechtstedenerstr. 14. Engelbert Honert, 19 T., Holbeinstr. 31. Wilh. Obernier, 6 Mon., Viersenerstr. 8. Hermann Lang, Anstreicher, verh., 49 J., Fürstenbergstr. 106. Joh. Hörschlei, 4 M., Stammheimerstr. 102. Karl Lichtenberg, 8 J., Siebachstr. 117. Anton Kahm, Magazinarb., verh., 37 J., Worringen. Kath. Kröll, 3 Mon., Dionysstr. 21. Marg. Müller, 6 M. Escherstr. 41. Paul Wolff, 26 T., Niehler Damm 99. Ernst Evert, 7 M., Sechzigstr. 35. Johann Ebenreck, 13 T., Neußerstr. 418. Heiraten. Jakob Kaltenberg, Lokomotivheizer von Birgel, und Kath. Dreiner, von Thier. Franz Brczeszinsky, Klempner von Lyck, und Kath. Epbach, von Sehnrath. Heinrich Sauervorn, Schlosser von Koblenz= Lugel, und Gertrud Hinsches, von Dülken. Daniel Mühleip, Eisend.= Stat.=Assist. von Bitzen, und Luise Meyer, von Altstädter=Feldmark. Jos. Hagedorn, Landwirt von Rheda, und Anna Bolder von hier. Nikolaus Hoffmann, Vizewachtmstr. von Gehweiler, und Franziska Holzkamm, von Gotbes. Civilstand der Stadt Kalk. Vom 15. bis 21. Januar. Geburten. Emma Ottilie Berta, T. von Matthes Mauer, Straßenbahnwagenführer. Elisabeth, T. von Joh. Freis. Tagel. Bertram, S. von Rov. Rich. Schadowsky, Tagel. Peter, S. von Stanislaus Himmer, Tagel. Karl Heinrich Ludwig, S. von Karl Friedr. Aug. Jäger, Techniker. Karoline, T. von Wilh. Grüter, Tagel. Wilhelm Heinrich Ernst, S. von Ernst Paul Gustav Neubauer, Schreiner. Alma Gertrud, T. von Joh. Max Mittelstadt, Tagel. Alexander, S. von Franz Piak, Tagel. Heirats=Ankündigungen. Bernh Lorenz Bies, Organist und Küster von Langel, und Kath. Schumacher von hier. Jakob Hub. Frings, Bankbuchhalter von Köln, und Marg. Kath. Boden von hier. Joh. Keppel, Tagel., und Elisab. Kellershofen, beide von hier. Friedr. Bonnet, Lokomotivheizer, und Johanna Amanda Auguste Schellberg, beide von hier. Heiraten. Heinrich Wörner, Tagel., und Barbara Udelhofen, beide von hier. Karl August Albert Schütte, Kaufm. von Düsseldorf, u. Maria Martha Seidenfaden von hier. Joh. Baptist Heidgen, Kernmacher, und Maria Anna Maas, beide von hier. Balentin Kurz, Tagel., und Therese gen. Luise Minz, beide von hier. Sterbefälle. Angela Streich, 4 Mon. Heinrich Franz Hoormann, 73 J., verw. Wilh. Jos. Hingott, 1 Mon. Otto Franz Ferd. Schneider, 1 J. 3 Mon. Kath. Henrich, 38 J., verh. 1,96—0.02 m 2.76—0.02 m 0,00—0,00 m 1.41—0.04 m 0.74—0,04 m 1.01—0,02 m 1.05—0,06 m 0.46—0,11 m Handel, Gewerbe und Verkehr. Kölner Fruchtmarkt. Weizen 00,00—00,00 Mark, Roggen 00.00. 0000, Haser 14,65=0000 Mark. 1 M Heu 7,60- 9.40 Mark, Maschinenstroh(Roggen) 4.10 Mart, RichtKroh(Flegeldrusch) 4,30—0,90, Krummstroh 3.80 Mark. Rüvöl(in Posten von 5000 Kg.) 48.06 L., Mai 47,50 B., 47,00 G Markt=Durchschnit spreise. Eßbutter 2.40—2.50, Kochbutter 2,10 bis 2.20 Mar' das Kilo, Land=Eier 275—3,25, Kisten=Eier 1.75—2.25 M. das Viertel, Enten 2.20—3.20, Gänse 550—6,50, Re.bhühner alte 0,00 bis.00, junge 0.00—0,00. Hähne alte 1.50—2,00, junge 1.50—2,00, Hühner alte 1,50—8.50, junge 1.50—2.30, Kaninchen(wilde) 6.90—1.10, Gütertrennung besorgt in 3 Tagen für 10 Mik. Ferner wende man sich bei Verträgen, Pfändungen, Zwangsversteigerungen, Alimentationssachen, Strafsachen, Zahlungsschwierigkeiten an Höhbusch, Rechtskonsulent, Köln, Marzellenstraße 74, am Hauptbahnh. Wer daran leidet, gebrauche die alleinbewährten hustenstillenden und wohlschmeckenden Kaiser s Iraf chalumet.. (Malz=Extract in fester Form). 2740 nok. begl. Zeugn.# beweisen den sicheren Ersolg b. Husten, Heiferkeit, Katarrd und Verschleimung. 2 Paket 25 J. Niederlage bei: Karl Betker, Trutzenberg 1. Fr. Bolenins. Hohenstauseur. 22. Bassert, Weyerstraße. A. Brungs. Marsplatz 3— 5. Mart. Sicheler, Heumarkt 71. E. Falkenstein& Co., HahnenNr. 49. Ed. Fromme, Breitestr. 122. Math. Fuchs, Gereonswal 64. E. Haldritter, Kosshäuferstr. 49. Litterscheid## Rünch, Luxemburgerstr. 2. S. Pesch, Peterstr. 39. J. Zander, Lübeckerstr. 3 S. Krapp KölnEhrenfeld, Klarastr. Fr. 6. Kohlenberg, Kalk. S. Salomon, Sürth. C. J Berzders, Brauweiler. V. Forschdach, Brauweiler. Schweine-Kleinfleisch, als Schnauzen, Pfoten, Ohren, Kopfstück u. s. w., frisch gesalzene saubere Ware, p. Pfd. 204 Schwarten, frisch gesalzen, p. Pfd. 154 versendet von 5o Psd. an ab hier unter Nachnahme A. Carstens, Altons=Ottensen, Völkerstr. 6. Mühner!!: Besiügelzucht Wehrens, Steinfeld Urst Brut 04—(Eisel).— Brut 04 Legende schöne Hühner 4880 Tegende-— Alle am Legen.— Beste Legerassen! unseres verkaufen wir weit unter Preis Trotz der enorm billigen Preise werden jedem Käufer bei allen, selbst bei den kleinsten Einkäufen Aventur- Rusverkaufe Dienstag den 31. Januar abends. 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Januar 1905, vormittags 10 Uhr beginnend, in seiner Wohnung zu Zündorf, durch den Unterzeichneten öffentlich versteigern: 2 starke Ackerpferde(5 bezw. 8 Jahre alt) zu jedem Fuhrwerk geeignet, 11 Küde(teils frischmelkend, teils fett), 5 Stück Jungvieh, darunter 2 Zugstiere, 2 lange und 2 Schlagkarren, 1 Jauchekarren mit Faß, 1 Sack'sche Säemaschine, 1 Bamlette'sche Mähmaschine, 1 zweipferdige Dreschmaschine mit Schüttelwerk, 1 Häckselmaschine, 1 Pferdehacke, 1 Balancetiespflug, 1 Balanceschälpflug, 2 Hundepflüge, 1 Dreischaar, 3 eiserne und 2 hölzerne Eggen, 1 zweiteilige Glattwalze, 1 Kettenschleife, 1 Milchwagen mit Hund, 1 Wannmühle, sonstige Ackergeräte und eine Partie Heu. Die Versteigerung erfolgt unter günstigen Bedingungen und Zahlungsausstand. Mülbeim am Rhein, den 16. Januar 1305. Regentenstraße 15. Der Königliche Noter: Pohl, Justizrat. O•::„„ zu Vochem. Die Erben der zu Bochem verlebter. Eheleute Wilhelm Klein und Sophia geb. Krämer lassen am Montag den 6. Februar 1905, mittags 12½ Uhr, in der Wirtsehaft von 6g. Kramer zu Bochem die sämtlichen unter Bochem und Fischenich gelegenen Nachlaß= Immobilien öffentlich versteigern. Ein Verzeichnis der zum Verkauf gelangenden Grundstücke wird im Versteigerungslokal angeheftet. Brühl. Justizrat Lennartz, Notar. Movital=Tertauf zu Walberberg. Am nächsten Donnerstag den 26. u. Freitag den 27. Jannar dieses Jahres, mittags 12 Uhr, lassen die Erben des zu Walderberg verstorbenen Ackerers Peter Josef Pick, in ihrer Wohnung daselbst ihr sämtliches Mobilar, als: 1 frischmelkende und 1 tragende Kuh, 2 Schweine, ferner Tische, Stühle, Bänke, Schränke, eine Wannmühle, eine Rübenmühle, sowie Haus= und Küchengeräte aller Art, ferner 15000 Rottannen=Bohnenstangen, 2000 Stachelbeerpfähle, 1000 lange Baumpfähle, öffentlich und meistbietend auf Kredit verkaufen. Am ersten Tage kommen die Bohnenstangen und Pfähle zum Verkauf. Merten, den 20. Januar 1905. Im Auftrage: Christ, Auktionater. Könlen Briketts Max u. 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