Erscheint: Dienstag. Donnerstag und Samstag. Preis der Quartal durch die Post und Boten 1½ Mark. werden die 6gespaltene Petitzeile oder deren Raum mit 15 Pfennig, Reclamen mit 30 Pfg. die Petitzeile berechnet. Kagemriurr Aitzrigrt für=Wald, Mireschris, Bhligs, Genhfrath und Zaan. Nr. 146. Verantwortlicher Redakteur: F. W. Vossen i Wald. Dienstag den 14. Dezember 1880. Drucker u. Verleger: F. W. Vossen in Wald. 13. Jahrgang. Paenturen: L. Böhmer in Ohligs, Jul. Hill in Haan, W. Thienes, J. H. Born und G. L. Daube& Cie. in Elberfeld, Rich. Knevels in Barmen, G. L. Daube& Cie. in Frankfurt Agenltutenl. Haasenstein&am;Vogler und Rudolf Mosse in Berlin, Breslau, Dresden, Elberfeld, Frankfurt g.., Hamburg, Köln, Paris, Straßburg und Wien. Politische Wochenschau. □ Die Debatte über den Totalisator, die Spielwuth im Allgemeinen und die Vorliebe für Lotterien im Speziellen,— die Klagen des Herrn v. Ludwig über schlechte Parlaments=Berichter= stattung— der Antrag desselben Herrn eine Statistik der Gründer nach ihren confessionellen Bekenntniß anzufertigen— das waren ungefähr die markantesten Momente der letzten Parlamentstage, unter mehr oder minder intensiven Etatsberathungen emvorragend. Der letztgenannte Antrag Ludwig hatte eine kleine Auffrischung der„Judenfrage im Abgeordnetenhause“ zur Folge und darauf zielte er auch ab.— Viel macht die Ansprache von sich reden, welche der Statthalter von Elsaß=Lothringen, der Feldmarschall v. Manteuffel, an die Herren des Landes=Ausschusses gehalten. Sie war von so viel Wohlwollen für die Interessen der Reichslande, von so viel echter Menschlichkeit und überzeugten Pflichttreue durchweht, daß jene Herren Vertreter in den begeistertsten Jubel ausbrachen, den jeder Deutsche ohne Unterschied der Partei nachempfinden kann, wenn er hört, daß der Statthalter die Lösung seiner Aufgabe, Elsaß=Lothringen Deutschland wiederzugewinnen, dahin präcisirte, nicht Wunden zu schlagen sondern zu heilen, die berechtigten Gefühle zu schonen und nicht Buchstabenpflicht zu üben, sondern die Ausführung der Gesetze mit— Menschlichkeit zu verbinden.— Lassen wir von den Reichslanden aus die Blicke nach links hinüberschweifen, dann gewahren wir, daß Frankreich wieder einmal mächtig von revolutionären Leidenschaften durchwühlt wird. Sie mögen wohl von jener nie ruhenden Begier einiger französischer Hitzköpfe, die Politik auf den Siedepunkt zu treiben, kürzlich entfacht worden sein, aber sie sind nun einmal wieder zur Erscheinung gekommen und werden nicht leicht aus dem Volkskörper zu entfernen sein. Scenen, wie sie vor einigen Tagen in Paris im gefährlichsten Revolutionsviertel (Belleville) sich abspielten, als Rochefort, der Rebell um jeden Preis die Heldin der Commune, Louise Michel, als Revolutionsheilige feierte und den dicken Bourgeois im Palais Bourbon, Gambetta als Verräther der Republik kennzeichnete, solche Scenen zeigen sattsam, daß wieder einmal zur Abwechslung in Paris revolutionairer Zündstoff genug vorhanden sei, um eine Regeerung in die Luft zu sprengen. Tausende waren begeistert, als in jener Versammlung die Parole der„socialen Republik“ ausgegeben wurde. Die Frage der Republik war in diesen Tagen auch im italienischen Parlament das drohende Gespenst, das plötzlich mitten in der Verhandlung des gesetzgebenden Körpers erschien. Es sind, das konnte man aus diesen Verhandlungen klar und offen erschen, die Dinge in Italien schon soweit gediehen, daß die Volksvertreter dort frei und offen die große Frage„ob Republik oder Monarchie!“ erörtern können. Victor Emanuel konnte dem Gartbaldianismus noch ein Paroli biegen, Humbert ist doch zu schwach dazu. Im Osten Europas, auf der vielberufenen Balkan=Halbinsel ist nun endlich doch nach monatelangem Harren eine Affaire aus der Welt geschafft worden, die die Gemüther der Politiker beherrschte, wie seiten einen, die Affaire Dulcigno. Sie war die Ursache, daß in den Gewässern des jonischen Meeres sich eine merkwürdig phantastische Idee verwirklichte, die europäische Demonstrationsflotte, der schwimmende Executor des Berliner VerNach bösen Stunden. Novelle von Albert Frank. trages. Aber von diesem Executor kam monatelang keine andere Nachricht, als die„Execution fruchtlos“. Nun haben endlich die „Söhne der schwarzen Berge“ ihr umworbenes Duleigno und um jede Spur trüber Zeit ihrer nicht gewährten Liebe zu verwischen, haben sie nichts Eiligeres zu thun gehabt, als den Namen Buleigno in„Ulein“ zu verwandeln. Die Türkei hat in der That ihr Wort dem Berliner Vertrage gegenüber eingelöst und kann nun weiter zerrissen werden. In England sieht man mit Spannung den Operationen Gladstone's in Bezug auf die Lösung de irischen Frage entgegen. Politische Tagesschau. Deutschland. Berlin, 11. Dezember 1880. Aus der langen Verzögerung, welche die Vorlegung des in der Thronrede angekündigten Gesetzentwurfs über die Verwendung neuer Reichssteuern erfährt, hatte man vielfach den Schluß gezogen, daß die Regierung von dem Plan, ein solches Gesetz schon in der gegenwärtigen Session vorzulegen, zurückgekommen sei. Das ist jedoch, wie ich höre, nicht der Fall. Der Gesetzentwurf soll in allernächster Zeit vorgelegt weiden. Eine andere Frage ist aber freilich, ob das Abgeordnetenhaus nicht vorzieht, ihn unerledigt zu lassen, bis der Reichstag die neuen Steuern bewilligt haben wird. — Es kann jetzt als bestimmt angesehen werden, daß Fürst Bismarck weder vor Weibnachten in Berlin eintreffen, noch überhaupt an den Verhandlungen des Abgeordnetenhauses Theil nehmen wird. Seine Ankunft erfolgt erst im Januar oder Anfang Februar, wenn die sogenannten Ministerberathungen im Bundesrathe über die vom Volkswirthschaftsrathe vorberathenen social= politischen Gesetzentwürfe stattfinden. Die Einberufung des Volkswirthschaftsrathes ist noch im Laufe dieses Mis. zu erwarten. — Ende nächster Woche soll bereits die Weibnachtsvertagung des Abgeordnetenhauses beginnen und wird voraussichtlich bis zum 10. Imnuar währen. Es ist sehr zweifelhaft, ob bis zuc Vertagung die zweite Lesung des Etats wird beendigt werden können, obwohl das Centrum anscheinend geneigt ist, die Debatten beim Cultusetat nicht allzulang aufzuhalten, sondern sich auf einige Hauptreductionen zu beschränken. Darmstadt, 9. Dez. Auch heute wurden hier die Haussuchungen nach verbotenen Schriften fortgesetzt. Dresden, 8. Dez. Von hochstehender Seite ist gegenwärtig die erfreuliche Initiative gegeben worden, um dem Verein zur Unterstützung entlassener Sträflinge“ möglichst große Ausdehnung zu verschaffen. An der Spitze des Vereins stehen zwar schon jetzt mehrere Männer, die dem ins Auge gefaßten Zweck mit aller Liebe und Energie zusteuern, leider machten es aber die disponiblen geringen Mittel bei weitem unmöglich, den massenhaft herankommenden Gesuchen um Forthülfe zum Wiederbeginn eines ehrlichen Lebenswandels Erfüllung bieten zu können. Nun solls besser werden und figurirt unter den bezüglichen Beiträgen auch der Hof mit einer stattlichen Summe. Ausland. Pest, 9. Dez. Die Generalversammlung der hauptstädtischeng Repräsentanz hat beschlossen, Günther die Concession zu deutscheur Vorstellungen in dem Theater in der Wollgasse auf 5 Jahre zu ertheilen. Das auf den Gallerien anwesende Publikum mußte wegen Lärmens auf Anordnung des Oberbürgermeisters die Gallerien räumen. Acht der Ruhestörer wurden nach dem Schluß der Sitzung zur Haft gebracht. 664 S Parts, 9. Dez. Heute berieth der revublikanische Verein über den Gesetzentwurf, der die Arbeitszeit für die Arbeiter auf 10 Stunden festsetzt. Der Entwurf stieß auf großen Widerstand. Es ward namentlich darauf hingewiesen, daß, wenn man die Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden verringere, Frankreich nicht mehr mit dem Auslande concurriren könne und daß es durch diese Verkürzung der Arbeitszeit 200 Millionen jährlich verliere. Einen Beschluß über die Frage f ßte der Verein noch nicht Londou, 10 Dez. Gladstone hat ein Rundschreiben an die Anhänger der Regierung erlassen, in welchem er dieselben auffordert, sich am 6. Januar auf ihren Plätzen im Parlamente einzufinden, da dem Parlamente sofort nach seinem Zusammentritt Angelegenheiten von großer Wichtigkeit zur Berathung unterbreitet werden würden. Bukarest, 10. Dez. Der Adreßentwurf des Senats betont die lebhafte Dankbarkeit des Landes für die Regelung der Thronfolgefrage und die Anerkennung der bezüglichen Verfassungsbestimmungen durch den Vater und die Brüder des Fürsten und nimmt Act davon, daß Mangels directer Nachkommen des Fürsten die Söhne des Prinzen Leopold von Hohenzollern zu Erben des rumänischen Thrones designirt seien. Die der Kammer vorgeleg: ten Acten ergeben, daß Prinz Leopold auf die Thronfolge verzichtet hat, letztere sonach auf seine Nachkommen übergeht. Petersburg, 9. Dez. Zur Feier des St. Georgfestes fand gestern Nachmittag um 12½ Uhr im Winterpalais ein Gottesdienst statt, welchem sämmtliche hier anwesenden Ritter des St. Georgsordens und die Inhaber goldener Ehrenfäbel beiwohnten. Nach dem Gottesdienste schritt der Kaiser in Begleitung des Großherzogs von Oldenburg die Front der Truppen ab und begrüßte dieselben. Abends 6½ Uhr fand Galatafel statt, an welder der Kaiser die Mitglieder der kaiserlichen Familie, der Großherzog von Oldenburg und die Ritter des St. Georgsordens theilnahmen. Während der Tafel traf ein Gratulationstelegramm des Kaisers Wilhelm ein, nach dessen Verlesung Kaiser Alexander einen Toast auf das Wohl des Kaisers Wilhelm, als des äliesten Ritters des St. Georgsordens, ausbrachte. Landtags=Verhandlungen. Abgeordnetenhaus. Berlin, 10. Dez. Im Abgeordnetenhause brachte heute bei der Fortsetzung der Berathung über den Etat des Kultusministeriums zunächst der Abg. v. Bennigsen Beschwerden über das Konsistorium in Hannover vor und beklagte die Uneinigkeit zwischen der orthodoxen und der freisinnigen Richtung innerhalb der wvangelischen Kirche. Kultusminister v. Puttkamer versprach möglichste Abhülfe der vorgebrachten Beschwerden, erklärte aber zugleich, daß Humanitätsrücksichten für das kirchliche Leben kein brauchbares Fundament abgäben. Abg. Stöcker hatte in der Sitzung vom 22. Nov. bei Gelegenheit der Judendebatte davon gesprochen, daß auch verschiedene Personen, welche die Erklärung gegen die antisemitische Petition unterschrieben haben, zu den Gründern gehörten und den Hexentanz um das goldene Kalb mitgemacht (Fortsetzung.) Elisabeth, ich wünschte, Sie nehmen etwas mehr Rücksicht auf meinen Zustand, sagte Frau Welker mit barter, strenger Stimme Helene ist zu wild und ausgelassen, um durch ihre Nähe nicht beängstigend auf mich zu wirken. Sie haben in der kurzen Zeit Ihres Hierseins den Beweis geliefert, daß sie einen undegreiflichen Einfluß über den störrischen, eigensinnigen Charakter des Kindes gewonnen, Sie würden mich sehr verpflichten, wollten Sie denselben vorläufig darauf verwenden das Kind etwas manierlicher und gesitteter zu machen. Helene barg scheu den Lockenkopf in Elisabeth's Kleid. Gnädige Frau, entgegnete das junge Mädchen mit ihrer klangvollen Stimme, ich befürchte, ich werde durch einen solchen Versuch den köstlichen Duft der Kindlichkeit von ihr nehmen. Frau Welker blickte Elisabeth verwundert und mit einem Zug voll Spott um den feinen Lippen an. Darauf wollen wir es getrost ankommen lassen, Fräulein, sagte sie scharf. Nehmen Sie jetzt das Kind fort, und kommen Sie heute Abend um sieben Uhr zu mir. Ich wünsche Manches in dem Erziehungsplan des Kindes geändert, und möchte weiter mit Ihnen darüber sprechen..sgg.e# 2u— 6 Frau Welker machte eine nachlässige Bewegung mit der Hand, zum Zeichen, daß Elisabeth entlassen sei. Eilig verließ diese mit Helene das Gemach.., alhmete, Helene sief auf Erlis. Draußen auf dem Corridor athmete Helene tief auf. Elisabeth— Du hast mich so lange bei Mama gelassen. Ich bin gar nicht gerne dort. Vor allen Dingen nicht, wenn Onkel Karl bei Du darfst nicht in dieser Weise von Deiner Mama sprechen, Helene. Deine Mama ist leidend, und da kann sie Deine Wildheit und Dein lautes Betragen nicht ausbalten. Du mußt immer ruhig bei Mama sein, dann ist sie mit Dir zufrieden. Ach nein, Elisabeth, das ist Alles Unsinn. Mama ist nicht leidend. Als Papa noch nicht todt war, hat sie immer Gesellschaft und Musik um sich gehabt— sie hat so viel getanzt, daß Papa sehr oft böse geworden ist, wie Fräulein Nanny sagte. Mama will nicht, daß Du von Deiner früheren Erzieherin sprichst, Helene. Du darfst nicht ungeborsam sein. Die Kleine schwieg. Nach einer Pause, als sie wieder in ihrem Gemach angelangt waren, fragte sie plötzlich: Wo ist Georg? Laß mich ein wenig zu Georg gehen, Elisabeth. Du und er, Ihr seid die einzigen Menschen, die mich lieb haben. Georg ist fort, Helene, entgegnete Elisabeth mit einem Seufzer. Wann kommt er wieder? Vielleicht— nie mehr. Helene verstand den Sinn der Worte nicht. Sie fragte noch weiter, aber Elisabeth durfte nichts mehr verrathen. Dennoch war es ihr gewissermaßen ein Trost, ein Wesen um sich zu haben, mit welchem sie bisweilen von Demjenigen sprechen konnte, den sie so treu und innig liebte. Elisabeth hatte Helene zur Ruhe gebracht. Das Kind lag in seinem Betichen mit Seide und Spitzen zugedeckt, und schlummerte den köstlichen Schlaf der Jugend. Das junge Mädchen stand mit gefaltenen Händen und betrachtete das holde, unschuldsvolle Gesicht und ein schmerzlicher Seufzer entrang sich ihrer Brust. Sie sollte zu Frau Welker kommen, dieselbe wünschte einige Abänderungen in der Erziehungsmethode und Elisabeth wußte, noch ehe es ihr gesagt wurde, worin diese bestanden. Das Kind sollte seinen Lebensmuth, seine Heiterkeit und den ihm angeborenen Frohsinn in passende Schranken leiten, damit die Mutter nicht fernerhin durch diese gewöhnlichen Eigenschaften ihres Kindes unangenehm berührt würde. Elisabeth hauchte noch einen Kuß auf die klare Stirn des Kindes, und sah dann nach der kostbaren Stutzuhr. Sie erschrak. Die festgesetzte Stunde war schon um fünf Minuten überschritten und Frau Welker würde eine Entschuldigung über Helenens verspätetes Einschlafen nicht gelten lassen. Wenige Minuten später trat Elisabeth in das Vorzimmer, an welches sich das Boudoir ihrer Herrin anschloß. Sie athmete tief auf. Augenscheinlich hatte Frau Welker vergessen, daß die Erzieherin hierher bestellt war, denn sie war nicht allein. In dem angrenzenden Gemache wurde noch eiftig gesprochen. Obgleich nun Elisabeth nicht neugierig war, den Inhalt einer Unterredung zu erfahren, welche sie und ihre Interessen unmöglich berühren konnte, so wurde sie doch durch die ziemlich laut geführte Sprache entschieden zu einem unfreiwilligen Lauscherposten verurtheilt. Außerdem erkannte sie eine Stimme, die unter allen Umständen im Stande gewesen wäre, sie festzubannen. Die Stimme in diesen Räumen— sie hatte siets Unheil für die Familie Welker gehabt, sie war gewissermaßen stets der Vorbote eines drohenden Gewitters gewesen, welches die obnehin schon gelockerten Familienbande vollständig zu zerreißen drohte. Die Stimme war unmittelbar an der Thür, Elisabeth wußie, daß der Eigenthümer derselben im nächsten Augenblick die Schwelle des Boudoirs überschieiten würde..... 14 Hu.2, GAuem bafür.s Seien Sie unbesorgt, Sylvia— ich bürge Ihnen dafür, daß er nie zurückkehrt. Ich habe seinen Stolz richtig taxirt, hoffte freilich nicht, meine Wünsche in so glänzender Weise erfüllt zu sehen. Lassen Sie den Kopf nicht mehr hängen, schönste Frau, Sie haben wahrlich keinen Grund dazu, wo das Schicksal selbst die Wege zu ihrem Glücke so sichtlich bahnt. Frau Weiter seuste. 414,.i. m Gilse un alIch hoffe nicht, auf so entsetzliche Weise zum Ziele zu gelanLassen Sie sich das nicht kümmern, Theuerste. Das„Wie“ darf gar nicht in Frage kommen. Und doch, ich kann die Vorwürfe meines Gewissens nicht überwinden— ein solcher Verdacht auf seinen Namen— Kein Wort weiter, Sylvia, sagte die andere Stimme gereizt. Es ist jetzt nicht Zeit sich mit kleinlichen Bedenken das Leben zu verbittern, wo es zum vollen Genusse winkt. Es wird nicht allzuschwer unter diesem Verdachte leiden, und vielleicht später Sie wissen, es ist nicht unmöglich, daß der rechte Thäter noch entdeckt wird. Quälen Sie uns jetzt nicht mit Dingen, die überwunden sind. Elisabeth war einer Ohnmacht nahe. Sie hörte da nichts Neues, sondern nur ihren eigenen Verdacht in Worte gekleidet. Gewaltsam raffte sie sich empor. Sie flob nach der Thüre des Vorzimmers, noch ehe sie dieselbe erreicht hatte, war der Sprecher aus dem Voudotr getreten., ug gen Je..mgun uäglich i. Das junge Mädchen stand still— sie gewann urplötzlich ihre ganze Spannkraft wieder. Sie ertrug sogar den forschenden Blick des Mannes, welcher ihr jetzt gegenüber stand. Es war ein stattlicher Mann mit schwarzem, sorgfältig geflegtem Vollbart. Sein Anzug, obgleich elegant, zeigte doch Spuren von Ueberladung. An der schweren, goldenen Kette, blitzte und funkelte es von kostbaren Kleinigkeiten. Dies eine Hand war in der Brusttasche des Rockes, die andere, weiß und zierlich, mit Ringen zum Theil bis an die Knöchel bedeckt, geschmückt, und nachlässig ein Stöckchen mit vergoldetem Knopf schwingend, ließ den Mann als den höheren Ständen gehörig erkennen. Ah! rief er mit näselndem Tone aus, indem er sich wie fragend zu der unmittelbar hinter ihm stehenden Frau Welker wandte. Die— Helenens Erzieherin, Fräulein Werner, erklärte die Dame ungeduldig und gereizt. Ich hatte gebeten, sich um sieben Guädige Frau, entgegnete Eisabeth bescheiden. Verzeihen Sie, wenn ich mich irrte— ich glaubte die Zeit soweit noch nicht Eine heftige Entgegnung schwebte auf Frau Welkers Lippen. In der That, theure Cousine, warf plötzlich der junge Elegant ein, die Dame ist im Rechte, es ist bereits eine Viertelstunde, seitdem es sieben Uhr schlug.an gbr g Frau Welker sah ihn verwundert an, aber sie sagte nichts mehr. I Ich hoffe, Sie lassen sich bald wieder sehen, Cousin Karl. 24 A 5 WE 4 E 8 hätten. Auf wiederholte Aufforderung, die Beireffenden namhaft zu machen, legte er heute eine Liste der Gründer auf den Tisch Hauses nieder, aber mit dem Vorbehalt, daß die Namen nicht veröffentlicht werden sollten, und erklärte dabei, er habe bei seinen früheren Bemerkungen eine Beurtheilung des sittlichen Verhaltens der Unterzeichner nicht beabsichtigt. Von liberaler Seite wurde die Erklärung des Abg. Stöcker für ungenügend erachtet, und es kam infolge dessen zu stürmischen Auseinandersetzungen. Berlin, 11. Dez. Zum Beginn der heutigen Sitzung des Abgeordnetenhauses wies der Abg. Kieschke die Vorwürfe zurück, welche ihm von dem Abg. v. Ludwig gestern bezüglich seiner Betheiligung an Gründungen gemacht worden waren. Dann wurde die Berathung des Etats des Kultusministeriums fortgesetzt. Von Seiten des Centrums wurde die Ausführung des sogenannten Sperrgesetzes und die angebliche Begünstigung der Altkatholiken zur Sprache gebracht. Vom Regierungstisch wurde die Erklärung abgegeben, daß sobald die Altkatholiken eigene Gemeinden bildeten, für sie die Pflicht zu Beitragsleistungen an die katholische Kirche wegfalle. Nach lebhafter Debatte wurde die Weiterberathung auf Montag vertagt. Rheinland und Westfalen. * Wald, 13. Nov. In der Nacht von Freitag auf Samstag wurden hierselbst an zwei Laden=Lokalen Einbruchsversuche gemacht, welche indessen beide mißlangen, da die Diebe früh genung vertrieben wurden. Nur schade, daß man derselben nicht habhaft werden konnte. (*) Wald. Nach vorläufigen Ermittelungen beträgt die ortsanwesende Bevölkerung 8714 Personen; im Jahre 1875 betrug dieselbe 7705 Personen, also mehr 13%. — Die Bettelplage kostet nach einer neueren Berechnung dem deutschen Volke täglich zum mindesten 300,000., im Jahre also 110 Mill.e M. an Almosen, die Arrest= und Zuchthäuser ungerechnet, welche sich hauptsächlich aus arbeitsscheuen Vagabunden bevöltern..2 Wui 4n — Begrenzung des Schulzwanges. Aus Anlaß eines Specialfalles hat die königl. Regierung in Düsseldorf neuerdings den Ministerialerlaß vom 24. September 1870 in Erinnerung gebracht, worin es heißt:„Eltern sind in der Auswahl der Schule für ihre Kinder, sofern die von ihnen in Aussicht genommene Schule eine öffentliche oder eine genehmigte Privatschule ist, nicht beschränkt, da der Schulzwang überhaupt nur eine eventuelle Nöthigung zur Benutzung der öffentlichen Schule, eine Nöthigung zum Besuch einer bestimmten öffentlichen Schule aber nicht enthält.“ Da in letzter Zeit häufig Fälle vorgekommen sind, daß man Eltern gezwungen, resp. zu zwingen versucht hat, ihre Kinder in eine bestimmte Schule zu schicken, so dürfte die Erinnerung an die oben erwähnten gesetzlichen Bestimmungen vielfach von Intcresse sein. Ohligs, 10. Dez. Nach vorläufiger Zusammenstellung hat die Volkszählung am 1. d. M. für die Stadt=Bürgermeisterei Merscheid 11,340 Einwohner ergeben, welche sich auf 1831 Häuser und 2214 Haushaltungen vertheilen. Nach der Zählung am 1. Dez. 1875 hatte die Bürgermeisterei 10,016 Einwohner in 1461 Häusern und 1957 Haushaltungen. Mithin jetzt mehr 370 Häuser, 257 Haushaltungen und 1324 Einwohner. Elberfeld, 10. Dez. Humane Handlungsweise eines Vollstreckungsbeamten. Ein hiesiger Bäckermeister erwirkte vor Kurzem ein Urtheil gegen eine durch die schlechte Geschäftslage etwas bedrängte Familie und übertrug die Zwangsvollstreckung einem hiesigen Gerichtsvollzieher. Die ganze Schuldforderung belief sich auf 7 M. 50 Pf. für gelieferte Backwaaren. Da Zahlung nicht erfolgte, schritt der Vollziehungsbeamte zur Pfändung, ertheilte aber am Donnerstag voriger Woche, nachdem der Schuldner die Kosten und 4 Mark der Hauptsumme gezahlt hatte und mit Rücksicht darauf, daß die Frau des bedrängten Mannes eben erst von einer Niederkunft genesen, für den kleinen Rest von 3,50 M. Ausstand— allerdings ohne des Herrn Gläubigers spezielle Genehmigung, deren er sich unter besagten Umständen glaubte versichert halten zu können. Dabei hatte der Beamte aber die Rechnung ohne den Wirth gemacht. — Das Herz des Bäckermeisters wetteifert in der Härte mit der festesten Kruste seines Schwarzbrodes. Anstatt der humanen Handlungsweise des Gerichtsvollziehers Beifall zu zollen, die ihn vor dem Vorwurfe bewahrt hatte, um ein paar Mark willen eine Familie unglücklich gemacht zu haben, drohte der Gläubiger mit Anzeige wegen Pflichtverletzung bei der Staatsanwaltschaft und verlangte sofortige Zwangsvollstreckung. Da der Schuldner, dem der unter solchen Umständen gewiß unbequeme Besuch des Storches auch noch bedeutende Kosten verursacht hatte, nicht zahlen konnte, griff der Gerichtsvollzieher in die eigene Tasche und befriedigte so den Bäcker mit dem knusperigen Herzen— die Zwangsvollstreckung aber vertagte er ad calendas graecas. Bravo! Elberfeld, 10. Dez. Die Einwohnerzahl unserer Stabl beträgt jetzt 93,332 gegen 80,599 in 1875. Barmen, 10. Dez. Sitzen da gemüthlich hinterm Biere mehrere Barmer Bürger und besprechen die demnächstige Bescheerung armer Kinder. Jeder hat sein Scherfiein dazu beigetragen, dieser mehr, jener minder und von Jemanden wird sogar erzählt, daß er sich zu Nutz und Frommen der armen Kleinen seiner Bartzier habe berauben lassen.„Nun,“ ruft einer der Tischgenossen,„für die Kinder thät' ich auch alles, gern gäb' ich Bart und Zähne hin.“ Doch dem war kaum das Wort entfahren, Nocht ers im Busen gern bewahren—. Ich fühle mich ganz entsetzlich einsam und verlassen in diesem inglückseligen Hause, sagte die Wittwe mit einem Seufzer. Sie haben nur zu befehlen, gnädige Cousine, lautete die Entgegnung. Sie wissen, daß ich immer herzlichen Antheil an Ihr rauriges Geschick genommen habe. Er reichte ihr die mit Ringen geschmücte Hand mit dem Stockchen, obwohl es die linke war. Dann verbeugte er sich mit liebenswürdiger Höflichkeit gegen die Erzieherin, und hatte im nächsten Augenblick mit leichtem elastischen Schritt das Gemach verFrau Welker stand noch einige Augenblicke still, dann winkte sie Elisabeth mit der Hand, ihr zu folgen. Haben sie bereits gewartet? fragte sie in nachlässigem Tone, indem sie sich auf das kleine Sopha niederließ. Elisabeth stand im Begriff die Wahrheit zu sagen, aber Is war, als wenn eine innere Stimme sie davon zurückhielt. Nein, gnädige Frau,— Helene war unruhig, sie konnte scheinbar nicht einschlafen. 3862 Frau Welker hob die Schutter ein wenig empor und fuhrte ihr Taschentuch gegen die weiße Stirn. Eine ganz natürliche Folge ihrer Unbändigkeit. Das kann und darf nicht immer so bleiben. Helene ist gar nicht mehr wie ein wohlerzogenes Kind, sondern wie ein wilder Vogel. Liedes Fräulein— Sie müssen mir Recht geben, daß mit dem Kinde eine gewaltige Veränderung vorgegangen ist. Allerdings, gnädige Frau. Frau Welker schien nicht so gleich fortfahren zu können— es wunde ein paar Minuten, ehe sie sich dazu bequemte. Sie wissen, Fräulein, daß ich es vollkommen in Ihre Hände gegeben hatte, das Kind nach Ihrem Ermessenk zu leiten. Es war verzogen, eigenwillig, und drei frühere Gouvernanten waren nicht in Stande, den Trotzkopf zu regieren. Ihnen gelang es schon nach einigen Tagen und ich kann darum nicht umhin, Ihnen meine volle Anerkennung über Ihr eminentes Erziehertalent auszuspbechen. Nichtsdestoweniger beunruhigt mich Helenens gänzliche Umwändlung. Ich wünsche, daß Sie einen Mittelweg finden. Helene darf dieses freie ungebundene Leben keinen Tag weiter fortsetzen. Versuchen Sie, das Kind ernsteren Beschäftigungen geneigt zu machen. denn man faßt ihn beim Wort, sammelt für diesen Zweck 2,50 M. und im Nu gräbt sich die Scheere seines Nebenmannes— der zum Unglück ein Barbier war— in das Bartgelock und die Hälfte desselben ist abgetrennt. Der Halbbärtige schilt, wüthet, geräth aus Rand und Band— sein Nebenman legt gemächlich die abgeschnittene Barthälfte fein adrett in sein Notizbuch und seine Freunde wollen vor Lachen bersten. Das Ende vom Liede ist, daß der Bartberaubte hoch und theuer versichert, er werde den Bartkünstler verklagen.— So schlimm wird's wohl nun nicht werden— die armen Kinder haben aber bei dem Spaß 2,50 M. verdient. Barmen, 11. Dez. In der auswärtigen Presse werden über die Lage der Barmer Industrie seit einiger Zeit, anscheinend förmlich systematisch. Uebertreibungen verbreitet, welchen man an competenter Stelle auf Grund authentischer Ermittelungen denn doch so bald als möglich ganz energisch entgegentreten sollte. In nord=, süd=, ost= und westdeutschen Tagesblättern und Fachzeitschriften erscheinen von Zeit zu Zeit Originalartikel, nach welchen bald 8000, bald 12,000 Arbeiter in Barmen beschäftigungslos sein sollten. Ware das wahr, so würde Barmen, wie neulich Herr Eisenlohr im Sladtrath sehr richtig bemerkte, nicht mehr existiren können. Mettmann, 9. Dez. Aus zuverlässiger Quelle erfahren wir, daß die 3 Verbrecher, welche vor 14 Tagen den Raub bei den Eheleuten Bruchhaus am Schlagbaum verübt haben, nunmehr überführt und zur Haft gebracht sind. Zwei derselben sind von hier und erst kürzlich nach Elberfeld verzogen, während der dritte daselbst ortsangehörig ist. Einer der Thäter hat, nachdem die Beweise der Schuld ihm vorgehalten, sich zum Geständniß bewogen gefunden. Diese Nachricht von der Ermittelung der Thäter hat die hiesige Bevölkerung sehr befriedigt und beruhigt. Viersen, 7. Dez. Wie sehr der craffeste Aberglaube gewisse Kreise noch befangen hält, beweist ein jüngst hier passirter Vorfall. Das Kind einer Fabrikarbeiterin erkrankte und hielten die Kostgänger derselben dafür, daß dasselbe behert sei. Ein als Hexenbeschwörer bekannter Bauer hiesiger Landgemeinde, dessen Dienste nebenbei bemerkt nicht selten in Anspruch genommen werden sollen, wurde gerufen, fand in gewissen Anzeichen das Kriterium der Hexerei und führte seine Beschwörungsformeln aus. Da nun eine Verhexung stattgefunden, war nichts natürlicher, als daß auch eine Hexe existirte, und wurde als solche die Frau eines Nachbars, mit welchem die Leute nicht im besten Einvernehmen lebten, verschrieen. Diese aber citirte die Verläumder vor den Schiedsmann, wo dieselben ihre Dummheit mit einer Geldbuße an die Armen und durch öffentlichen Widerruf bezahlen mußten. Köln, 9. Dez. Gestern traf laut dem„Allg. Anz.“ eine außergewöhnlich große Geldsendung mittelst der Eisenbahn hier ein, nämlich 34 Kisten mit 20=Markstücken, welche das Haus Rothschild in Paris an die hiesige Reichsbank sandte. Worringen, 10. Dez. Gestern Abend fuhr bei Merkenich am Rhein ein zu Thal kommender Nachen auf einen zu Berg fahrenden Schraubendampfer, wodurch der Nachen umschlug und dessen Insassen, ein Schiffer mit seiner Frau und seinem Sohne, ins Wasser fielen. Der Sohn konnte stch an die Ankerkette des Dampfers anklammern und wurde gerettet; dessen Vater und Mutter ertranken. Die Leichen sind bis jetzt nicht aufgefunden. Aachen, 8. Dez. Am verflossenen Mittwoch lieferte dem „Echo“ zufolge die hiesige Polizei zu Herbesthal der Gensdarmerie von Verviers den flüchtigen Notar V. F. de Frendt aus. Derselbe hatte seinen Wohnort Alost vor ungefähr 2 Jahren verlassen nach einer Unterschlagung von 2,000,000 Frcs. und in Bayern eine Zuflucht gesunden. Er war begleitet von seinem Sohne und wurde sofort dem General=Procurator von Gent zur Verfügung gestellt. Aachen, 9. Dez. Bekanntlich wurde Hr. Dr. Schuster von hier am 26. Nov. wegen des oft genannten Vorganges mit der amerikanischen Dame zu einer Geldstrafe von 500 M. verurtheilt. Der Staatsanwalt, welcher sechs Monate Gefängniß und zwei Jahre Ehrverlust beantragte, hat, wie die„Köln. Volks=Ztg.“ vernimmt, gegen obiges Urtheil die Revision beantragt. Crefeld, 9. Dez. Zur Lage der hiesigen Seidenindustrie schreibt man dem„B. Börs.=Cour.“ von hier:„Bis Mai und Juni d. J. konnte die Lage unserer Seidenindustrie als eine durchaus befriedigende bezeichnet werden. Leider hat sich inzwischen in ziemlich rapider Weise ein Umschwung vollzogen, so daß gegenwärtig die Seidenindustrie in unserer Gegend schwer zu leiden hat. Die Färbereien, besonders diejenigen in Schwarz, arbeiten wöchentlich durchschnittlich vier Tage, während solche in couleurten Stoffen etwas besser beschäftigt sind. Es haben ziemlich bedeutende Arbeiterentlassungen(—700 Mann) stattfinden müssen. Die Arbeiter befinden sich bei dem absoluten Mangel an Arbeitsgelegenheit, da Crefeld dieserhalb fast nur auf seine Seiden= und Sammtindustrie angewiesen ist, in einer üblen Lage. Aus Dillenburg, 4. Dez. Zwei Hochstapler der schlimmsten Sorte hatten sich, wie man dem„Rhein. Kur.“ schreibt, gestern unsere Stadt als Feld ihrer Thätigkeit auserlesen. Abends gegen 9 Uhr erschienen dieselben, modern gekleidet, in einem hiesigen Schuhwaarenladen und machten Einkäufe. Indem sich nun der eine anschickte, die erstandene Fußbekleidung zu bezahlen, ließ er, scheinbar ganz unabsichtlich, ein Geldstück fallen. Die Frau des Ladenbesitzers, welche nicht nur allein im Laden, sondern zufällig auch allein zu Hause war, bückte sich, um die zu Boden gefallene Münze aufzuheben. Diesen Moment benutzte der andere der beiden Industrieritter in der Weise, daß er der Frau ein Fläschchen mit Chloroform unter die Nase hielt, bis dieselbe bewußtlos zusammensank. Nunmehr plünderten die Langfinger die Kasse, welche annähernd 100 M. enthielt, und suchten darauf das Weite. Trotz der eifrigsten alsbaldigen Recherchen ist es noch nicht gelungen, den Burschen auf die Spur zu kommen. graig hat heute Morgen eine Entzündung schlagender Wetter stattgesfunden, wobei 88 Personen ums Leben kamen. Oeffentliche der Stadtverordneten=Versammlung zu Wald, vom 5. Dezember 1880 unter Vorsitz des Bürgermeisters. Anwesend waren die Herren Stadtverordneten: Dorp, Franzen, Nippel, Linder, Beien, Storsberg, Schimmelbusch, Elscheid, Neef, Clauberg, Paashaus, Kluthe, Müller, Schmidt, Dr. Stratmann. Es fehlten entschuldigt Hammesfahr, Lauterjung, unentschuldigt Blasberg.„„„ dem S. Der Versammlung wurde Kenntniß gegeven von dem Schuldscheine der Gemeinde zu Gunsten der hiesigen Sparcasse, wonach Ende dieses Jahres die gesammte Gemeindeschuld 122,200 Mark beträgt, ferner von dem Schriftwechsel betreffend die EisenbahnAngelegenheit,— vertagte den Beschluß über die Schul=Erweiterungsbau zu Lindersberg und Classenanbau zu Itterbruch, ebenso die Angelegenheit betreffend Kosten der Errichtung eines Lebensmittel=Untersuchungs=Amtes in Solingen,— wählte zu Beigeordneten der Gemeinde die Herren H. Lauterjung in Wald und Otto Hoppe zu Mangenberg,— desgleichen zu Armenpflegern vom 1. Januar k. J. an die Herren Wick zu Strauch, A. Kind zu Schneppert, F. Longerich zu Kotzert und C. Fr. Ern zu Wittkulle,— beschließt die gerichtliche Klage gegen einige Drittschuldner von Communalsteuern und eitscheidet schließlich auf einige Anträge um Erlaß von Communalsteuern. Wald, 11. Dezember 1880. Der Bürgermeister: Alvermann. Fruchtpreise unverändert. Bekanntmachllugen. Die Wahl neuer Mitglieder und Stellvertreter für das Königliche Gewerbegericht in Solin= gen findet für den Bezirk Wald umfassend die Gemeinden Wald, Merscheid und Gräfratb am Donnerstag, den 23. d. M. Nachmittags 8 Uhr in dem Gasthause des Herrn Friedrich Knapp hierselbst statt. Unter Bezugnahme auf die Bekanntmachung des Königl. Herrn Landraths vom 3. ds. Ms. lade ich die Wahlberechtigten der obengenannten Gemeinden mit dem Bemerken ein, daß die Wählerlisten auf meinem Amtsbüreau während 10 Tagen offen liegen. Wald, den 9. Dezember 1880. Der Bürgermeister: Alvermann. Fortbildungsschule für die Bürgermeisterei Merscheid. Auf Veranlassung der Könislichen Regierung und in Folge Beschlusses der StadtverordnetenVersammlung wird mit Beginn des Jahres 1881 für die Bürgermeisterei Merscheid eine Fortbildungsschule eingerichtet, deren Leitung mit Zustimmung der Aussichtsbehörde dem Hauptlehrei Herrn Lüttger hierselbst übertragen worden ist. Der Unterricht findet in der Volksschule Wahnenkamp bis auf Weiteres Sonntags, Vormittags von 8 bis 10 Uhr, Montags und Donnerstags Abenos von 6 bis 8 Uhr statt. Die Unterrichtsfächer sind vorzugsweise: Deutsch, Rechnen, Zeichnen und Gesang. Das Schulgeld beträgt monatlich 1 Mark; weniger Bemittelte erhalten ganze oder halbe Freistellen. Der Unterricht beginnt Sonntag den 2. Jan. 1881 und nimmt Anmeldungen der Hauptlehrer Herr Lüttger entgegen. Anträge auf halbe oder ganze Freistellen sind bei mir vorzubringen. Ohiigs, den 9. Dezember 1880. Der Bürgermeister v. Merscheid: Kelders. Gerichts=Verhandlungen. Elberfeld, 10. Dez.(Strafkammer.) Der 18 Jahre alte F.., bisher unbestraft, hatte zu Haan den 21 Jahre alten Weber Hackländer hinterlistig überfallen und in einer solch brutalen Weise mit Messer u. s. w. bearbeitet, daß der Verletzte einen Bruch des rechten Oberarms, sowie eine Muskellähmung davontrug. Trotzdem Angeklagter behauptet, von dem pp. Hackländer angegriffen worden zu sein, verurtheilie ihn das Landgericht, nachdem es ihn der schweren Mißhandlung für überführt erklärte, zu einer Gefängnißstrafe von einem Jahr. Vermischte Nachrichten. Wiesbaden, 9. Dez. Verflossene Nacht wurde ein kurzer, aber ziemlich heftiger, wellenförmiger Erdstoß dahier verspürt. —(Erdbeben in Agram.) Man berichtet der„N. Fr. Pr.“ unterm 8. d. aus Agram: Der unhelmliche Gast vom 9. Novbr. hat sich wieder mit erneuerter Vehemenz eingestellt. Trotz der Vertuschung in den hiesigen Blättern haben in den letzten Tagen und Nächten fühlbare Erderschütterungen stattgefunden, und namentlich war gestern Nachts durch eine ganze Stunde ein continuirliches starkes Vibriren bemerkbar. Heute Nachts dagegen erfolgte um halb 1 Uhr ein sechs(?) Secunden anhaltender Stoß in der Richtung von Nord nach Süd. Dem Stoße selbst ging ein sehr starkes unterirdisches Rollen voran. Seit dem eisten Erdbeben hatte kein Stoß eine so lange Dauer wie dieser. Zwei Mauern stürzten ein und die Häuser schwankten. Die Bevölkerung flüchtete entsetzt auf die freien Plätze. Auch verließen wieder einige der heimgekehrten Familien die Stadt. Agram, 10. Dez. Vergangene Nacht um 3 Uhr 25 Min. fand ein kurzer, nicht unbedeutender Erdstoß statt. (Großes Grubenunglück in England.) Aus Cardiff, 10. Dezbr., wird gemeldet: In der Kohlengrube zu Erziehungsverein. Für die Weihnachtsbescheerung gingen ein: bei Aug. Kortenbach: R. L. Mk. 3. bei Pastor Haastert: von Frau W. H. 6 Mk; Fr. Sch. 5 Mk; H. L. 3 Mk; Frau C. D. 3 Mk; Frau C. Sch. 5 Mk. Anzergen. Flüssigen Leim und Prucht Gumm (zum Kleben) empfiehlt F. W. Vossen, Wald. Todes-Anzeige. Dem Herrn über Leben und Tod hat es gefallen gestern Abend um 9 Uhr nach langen schweren Leiden unsere innigstgeliebte Gattin, Mutter, Schwester und Schwiegerin Murhtior Aamurbfaht geb. Lotz, im Alter von 48 Jahren und im 9ten Jahre einer glücklichen und zufriedenen Ehe, ganz unerwartet zu sich in die Ewigkeit zu nehmen. Es bitten um stille Theilnahme Die trauernden Hinterbliebenen. Wald, den 13. Dez. 1880. Die Beerdigung findet Statt am Mittwoch Nachmittag ½4 Uhr. Wald-Merschelder Landwehr= Verein. sonntag, den 19. Dezbr. cr., Nachmittags punkt 5 Uhr: General=Versammlung Tages=Ordnung: 1. Bericht über den Stand des Vereins. 2. Kassenbericht, beziehungsweise Revision. 3. Vorstandswahl. 4. Stiftungsfest. 5. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Weyer Männer=Gesang= Verein. Mittwoch, den 15. Dezember, Abends 7½ Uhr: General=Versammlung Tages=Ordnung: 1. Wintervergnügen. 2. Vereinsangelegenheiten. Der Vorstand. Walder Frauen=Verein. Donnerstag, d. 16. Dezember.: Sitzung. Der Vorstand. Comptoir- und Geschaäfts-Bucher (mit Drahtheftung) empf. die Buchhandlung von A. Marcus in Wald. Eine Zither zu verkaufen. Wo, sagt die Exp. dieser Ztg. in Wald. C. 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Dieselbe besteht in einem selbstthätigen SpulApparat für Singer=Nähmaschinen und bezweckt lediglich, die arbeitende Person stets mit gefüllten Schiffchenspulen zu versehen, ohne sich mit dem Aufwinden derselben direct beschäftigen zu müssen. Während sich nämlich die Maschine in Thätigkeit befindet, übernimmt gleichzeitig fraglicher Apparat die Function des Aufwindens der Schiffchenspule mit bewunderungswürdiger Präcision, wie es selbst die gewandteste Hand nicht herzustellen vermag. Ist alsdann die Füllung der Spule bis zum richtigen Maße gediehen, so setzt sogar eine selbstthätige Auslösevorrichtigung den Apparat plötzlich außer Thätigkeit, ohne den permanenten Gang der Maschine in irgend einer Weise zu beeinträchtigen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß diese Neuerung von bedeutender Rützlichkeit ist und sämmtliche anderen Fabrikate dadurch weit übertroffen werden. Das lästige Erneuern des Gummirings fällt ebenfalls weg, da ein soscher nicht mehr gebraucht wird. Auch ist es bekannt, daß diese Singer=Maschine, welche ich bisher mit Radauslösung zum Spulen führte, schon in ihrer bisherigen Ausführung die sogenannte amerikanische Original=Singer=Rähmaschine in Construction Dauerhaftigkeit der Arbeit, bedeutend weniger Geräusch beim Nähen ind Radauslösung beim Spulen, bei Weitem übertraf, welche Vortheile durch den neuen patentirten selbstthätigen Spuler noch um ein Großes vermehrt worden sind. Ich empfehle jedem Käufer, sich an meinem Lager durch eine Probe selbst zu überzeugen, da ich jederzeit auch die sogenannte amerikanische Original=Singermaschine vorräthig habe. Einlaufende Aufträge werden pünktlich und in tadelloser Waare ausgeführt, indem es mein stetes Bestreben ist, nur durchaus gut construirte und dauerhaft ausgeführte Maschinen zu führen, wofür ich eine fünfjährige Garantie übernehme. Unterricht gratis. Fr. Aug. 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Musikalienhandlung, Bernburg a. d. Saale. Deutscher Natron=Kaffce. Es ist wohl Jedermann bekannt, daß beim Aufgießen oder Trichtern des Kaffee's die schöne Kraft desselben nie rein ausgezogen werden kann u. somit ca. 20 Prozeut desselben unnutz fortgeworfen werden. Ebenso bekannt dürfte es sein, das ein kleiner Zusatz von Natron(natr. bicarb.) durch seine faserstofflösende Kraft den Kaffee rein auszieht; jedoch zeigt sich alsbald ein unangenehm laugiger Geschmack, welcher recht störend auf das zarte [Aroma des Kaffee's einwirkt und somit den erlangten Vortheil wieder verdirbt. Nach unermüdlichen Versuchen und durch Mithülfe bedeutenD der Chemiker ist es uns jetzt endlich gelungen, ein Kaffee=Sur### rogat zu bereiten, daß in seiner Grundsubstanz aus reinem, nahrhaftem Getreide bestehend, derartig mit Natron(natr. bi## carb.) bearbeitet ist, daß es bei einer Mischung von einem # Theile Natron=Kaffee mit—4 Gewichtsth fr. gm. ind. Kaffee's : die schöne Kraft des Kaffee's rein auszieht und e jeglicher Laugengeschmack daraus verbannt ist. * Es ist wohl unnöthig, ein Wort zum Lobe des Natron 8(natr. bicarb.) zu schreiben, da seine wohlthätige Wirkung auf " Magensäure und Verdauung und damit auf den ganzen menschlichen — Körper hinlänglich bekanne sein dürfte. Der durch diese Mischung entstehlnde Vortheil ist ein zwei* facher. 0 Erstens stellt sich das Pfund Kaffee dadurch um „ ½ Mk. billiger und zweitens ist das Getränk ein bedeu" tend kräftigeres und schönes, wie beim gewohnten Ver9 brauch des Kaffee's. Der Natron=Kaffee ist soweit nicht allein sparsamen Hausfrauen, sondern auch den Leuten besonders zu empfehlen, “ w e l c h e G e n u ß d a r a u f i n d e n, e i n e s c h ö n e T a s s e K a f f e e 3 zu trinken. 9 Wenn wir hiermit das Princip der Fabrikation unseres Natron=Kaffee's ganz klar legen, so thun wir das mit der SiS cherheit, daß es schwerlich Jemanden gelingen wird, die rechte Bereitung zu finden, in zweites Surrogat dieser Art herzustellen, daß in Geschmack wie Wirkungauf indischen Kaffee ein gleiches liefert. Wandsbeck bei Hamburg. Thilo& von Döhren. Zu haben in Packeten à 100 Gramm zu 10 Pfg., in allen bedeutenden Material- und ColonialwaarenHandlungen. General-Depôt bei Franz Coblenzer, Cöln. Niederlagen in Wald: Ferd. Beien, A. Kirschbaum, in Ohligs: Jos. Klein, Wwe. Wilh. Stöcker, W. Freyer, Wwe. Carl Linder, G. von der Schulenburg.