Nr. 194.— 54. Jahrgang. Erstes Blatt täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Vierteljahr mit der illustrirten wöchentlichen Beilage„Fürs deutsche Haus“ in der Expedition 1 MA 75 4, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Früher unter dem Titel: Bergisches Volks=Blatt. den 20. August 1902. * Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeiffer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech=Anschluß Nr. 90.) Einrückungsgebühr für die einspaltige Petitzeile 15 4 Enthüllung des Kaiserin Friedrich= Denkmals in Homburg. : Homburg, 19. Aug. Es ist„Kaiserwetter“ von fast wolkenlosem Himmel strahlt warm die Sonne. Nach der neunten Stunde nimmt der Straßenverkehr starke Dimensionen an. Sämmtliche Bureaus sind geschlossen, auch die Schulen, letztere nicht nur hier, sondern im ganzen Obertaunuskreis am Dienstag und Mittwoch. Der offizielle Beginn der Feier ist auf 11 Uhr festgesetzt. Auf der einen Seite vor dem Denkmal ist das Kaiserzelt aufgeschlagen, auf der anderen Seite stehen die Herren vom Denkmalkomitee. Pünktlich um 11 Uhr erscheint der Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge, Prinzen und Prinzessinnen. Der Kaiser trägt die Uniform der Leibgardehusaren und den Marschallstab. Die Kaiserin erscheint in einer helllila Robe mit dem breiten Band vom Schwarzen Adler. Das Kaiserpaar trat, nachdem der Kaiser unter den Klängen des Präsentirmarsches die Ehrenkompagnie abgeschritten, in's Kaiserzelt. Stadtverordnetenvorsteher Dr. Rüdiger hielt die Begrüßungsansprache. Nach derselben fiel die Hülle vom Denkmal. Das Kaiserpaar trat darauf an das Denkmal heran. Der Kaiser legte einen Kranz nieder, und der Kronprinz geleitete seine Mutter in das Kaiserzelt zurück. Sodann hielt der Kaiser vom Denkmal aus eine Ansprache. Die einleitenden Worte sprach er frei, dann verlas er eine Rede, die ein Lebensbild der Kaiserin Friedrich entwarf, mit klarer, weithin vernehmbarer Stimme. Später wurden Kränze niedergelegt von der Königin Margueritha von Italien mit der Aufschrift: Margueritha di Savoya, Regina Madre d’ltalia, in memoria dell' Imperatrice Federico fedele Amica, del re Umberto e Sun, ferner vom Großherzog von Mecklenburg, von der Stadt Homburg(Ihrer allerhöchsten Gönnerin die dankbare Stadt Homburg), von der städtischen Kurund Badeverwaltung, vom Offizierkorps des Leibhusaren=Regiments Viktoria von Preußen Nr. 2, von der Vereinigung der Saalburgfreunde in Berlin(der verewigten hohen Protektorin der Saalburgforschung), weiterhin von hiesigen Vereinen und Korvorationen und endlich vom„dankbaren Obertaunuskreis". Der Kaiser unterhielt sich u. A. mit Bürgermeister Marx, der den Titel Oberbürgermeister erhielt, und mit dem Schöpfer des Denkmals, Prof. Uphues in Berlin, dem er persönlich den Kronenorden 3. Klasse überreichte. Das Kaiserin Friedrich= Denkmal, das eine Büste darstellt, befindet sich in den Parkanlagen gegenüber dem Kaiser Friedrich= Denkmal. Die Kolossalbüste ist aus Marmor gemeißelt und steht auf einem Postament aus schwedischem Granit. Das Denkmal trägt auf der Vorderseite die Inschrift: Viktoria Kaiserin Friedrich, auf der Rückseite ist zu lesen: Dem Andenken der Kaiserin Friedrich das dankbare Homburg. Das vom Kaiser verlesene Lebensbild lautet: Am 5. August 1901 verschied zu Schloß Friedrichshof bei Cronberg die Kaiserin und Königin Viktoria, die Wittwe des hochseligen Kaisers Friedrich, Prinzeß Royal von Großbritanuien und Irland, Meine erlauchte Mutter, nach langem, mit Lebensmuth und Ausdauer getragenem Leiden. Hochbegabt, von starker geistiger Willenskraft, erfüllt von hohem, kulturellem Streben, dem ein seltenes Wissen zu Gebote stand, stolz auf ihre königliche und nationale Abstammung, stets bemüht, deren tiefe Jugendeindrücke und Erfahrungen auch in ihrer zweiten, deutschen Heimath zur Geltung zu bringen, die zielbewußte Förderin der Entwickelungswege des Schönen in der Kunst und dem Kunstgewerbe, die wissenschaftliche Forschung und deren Ergebnisse mit Wärme ergreisend, für die Ausdehnung der weiblichen Bildung und Erwerbsfähigkeit, für die Ausgestaltung weiblicher Krankenpflege erfolgreich wirkend, endlich die liebende Gattin und stete Gefährtin des Kronprinzen, an der Spitze eines glücklichen Familienhauses. An allen großen Ereignissen, wie an allen Begebenheiten seines reichgestalteten Lebensganges betheiligt, die sorgende Gemahlin des Kaisers und Königs in bangen, trüben Tagen, die würdevoll trauernde Wittwe am frühen Schluß ihrer eigenen, über lichte Höhen und durch dunkle Todesschatten führenden Laufbahn, so hat diese Fürstin unter uns geweilt, und so fügt sich ihr Bild ein in die Annalen des hohenzollernschen Hauses in Preußen und Deutschland. Die Kaiserin war geboren am 21. November 1840 als das älteste Kind der Königin Vittoria und des Prinzgemahls Albert von SachsenCoburg und genoß inmitten der vielfachen Anregungen, welche das Leben am englischen Hofe dem frühentwickelten Geist der Prinzessin gewährte, eine sorgfältige Erziehung. Erst siebzehnjährig, folgte sie dem ihr am 25. Januar 1858 angetrauten Gatten, dem sich ihre ganze Reigung erschlossen hatte, nach Preußen und verließ einen zahlreichen Geschwisterkreis, ein Vaterhaus und eine Heimath, denen ihre innigste Zuneigung bis zu ihrem Lebensende erhalten blieb. Während der 30 Jahre, welche die große geschichtliche Entwickelungsepoche unseres Vaterlandes umfassen, hat sie als die Kronprinzessin von Preußen und seit 1871 auch des Deutschen Reiches an der Seite des Kronprinzen in zunehmendem Maße in Haus und Familie, in gesellschaftlicher Beziehung und durch öffentliche Bestrebungen, sei es in der Ausübung der fürstlichen Repräsentation, sei es durch die Verdienste um die Begründung des Kunstgewerbemuseums und der Kunstgewerbeschule oder durch die Anregungen zur Gründung des Lettevereins, des Heimathhauses für Töchter höherer Stände, des Viktorialyceums und der Fortbildungsschule, des Feierabendhauses für Lehrerinnen, des Viktoriahauses für Krankenpflegerinnen, des Vereins für häusliche Gesundheitspflege, sowie des Pestalozzi= und Fröbelhauses in hohem Maße bildend gewirkt und den Stempel ihrer ausgeprägten Persönlichkeit im Rahmen eines bestimmten Zeitabschnittes einem ihrem Wesen und Sein, ihrem Denken und Fühlen entsprechenden Wirkungskreise aufgetragen. Aber inmitten dieses emporstrebenden Schaffens traf das Schicksal sie schwer, zuerst durch den Tod zweier Kinder, dem der frühe Verlust des ihr besonders nahestehenden Vaters vorangegangen war. Niedergebengt, richtete sie sich wieder auf, und ihr starker Geist gewann auch in den härtesten Prüfungen die Oberhand. Auch in der schwersten Zeit hielt sie muthig Stand, da es ihr beschieden war, den geliebten Gemahl an dem unheilbaren Leiden in dem Augenblick dahinsiechen zu sehen, als die deutsche Kaiserkrone, die er als siegreicher Feldherr erstritten hatte, sich auf sein Haupt senkte. Nach dreißigjähriger Ehe, in der sie Freud und Leid, Sorge und Glück, Trauer und Hoffnung treu und hingebend mit ihm getheilt hatte, umhüllte sie bereits der Wittwenschleier. Sie zog sich aus dem öffentlichen Leben zurück und widmete ihr umfangreiches, wohlerworbenes Können und Wissen der Schöpfung, Ein richtung und künstlerischen Gestaltung eines fürst lichen Sitzes, des Schlosses Friedrichshof, welches als ihr gastliches Heim und als eine der Erinnerung an den Kaiser Friedrich gewidmete Stätte von Mir und allen den Ihrigen, sowie von einem Kreise hervorragender Persönlichkeiten des In= und Auslandes häufig aufgesucht wurde. Von hier aus fuhr sie fort, gemeinnützige Zwecke zu verfolgen, doch auch dieser letzten Periode ihres Lebens war ein kurzes Ziel gesetzt. Auch sie wurde von schwerer Krankheit ergriffen, und in langer schmerzensreicher Leidenszeit, die sie in Gottes Fugung ergeben durchlitt, löste sich das reine farbenfrohe Band dieses zu so glänzenden Erwartungen berechtigenden inhaltsvollen und inhaltsschweren Daseins einer seltenen Frau und einer zu höherem Wirken berufenen Fürstin. Deutsches Reich. Hofnachrichten. Wien, 19. Aug. Dem Krakauer„Csas“ wird aus dem Kurort Zakopane in der Tatra gemeldet, daß Kaiser Wilhelm demnächst in Jaworzina eintreffen werde, um in den Karpathen auf Steinböcke zu jagen. Das Jagdgebiet in der Hohen Tatra ist Eigenthum des Fürsten Hohenlohe, dem Kaiser Wilhelm schon wiederholt einen Jagdbesuch versprochen habe. Der sächsische Kriegsminister Edler von der Planitz ist gestern früh in Hosterwitz seinen Leiden erlegen. Der Verstorbene ist nahezu 65 Jahre alt geworden. Das Amt eines sächsischen Kriegsministers hat er nach dem Tode des Generals Fabrice 1891 übernommen. Das„Berl. Tagebl.“ veröffentlicht folgende schrift von Geheimrath Löhning:„Wie ich erst jetzt erfahre, hat der„Reichsbote“ eine Zuschrift aus Posen veröffentlicht, in der es heißt:„Herr Löhning ist 58 Jahre alt und besitzt aus seiner ersten Ehe eine mindestens 30jährige Tochter, die ihm den Haushalt führte. Bei dieser Sachlage müßte die Art und Weise, in welcher der an der Schwelle des Greisenalters stehende Mann nach dem Tode seiner zweiten Frau in den letzten Wintern auf der Schlittschuhbahn und auch in Gesellschaften jungen, wohlgebildeten Mädchen den Hof zu machen pflegte, Lächeln und Kopfschütteln hervorrufen. Noch mehr Befremden erregte es, als allmählich die Art des Verkehrs des Herrn Löhning im Verein deutscher Katholiken bekannt wurde. Die Art, in welcher der bald 60 jährige Mann dort mit hübschen Töchtern dieser Familien bis in die Nacht hinein tanzie, wurde als mit den Rücksichten, die er seinem Amt und seinem Alter schuldete, nicht verträglich empfunden.“ Diesem aus leicht erkennbarer Quelle stammenden Schmähartikel, welchem ähnliche Artikel der seit einiger Zeit nicht mehr unabhängigen Posener Zeitung sich anreihen, entgegenzutreten, könnte nicht angebracht erscheinen, doch will ich hier Folgendes anführen: Die Schlitt schuhbahn habe ich nicht nur nach dem Tode meiner zweiten Frau, sondern auch bei ihren Lebzeiten, und zwar jeden Winter regelmäßig besucht. Jungen, wohlgebildeten Mädchen habe ich auf dem Eise in Posen niemals den Hof gemacht. De Eissport treibe ich für mich allein. Ebensowenig habe ich in Gesellschaften in Posen jemals jungen Mädchen den Hof gemacht. Den katholischen deutschen Verein habe ich im ganzen dreimal besucht, und zwar allein auf Bitten und Wunsch meiner erwachsenen noch lange nicht 30 jährigen Tochter. Ich bin kein Mitglied des Vereins gewesen und bin auf wiederholte Einladung als Gast daselbst erschienen. Bei dem ersten Besuche im September vorigen Jahres schloß eine bei mir zum Besuch weilende Nichte Bekanntschaft mit einem jungen Arzte in Posen; einige Tage darauf fand die Verlobung statt. Getanzt habe ich nicht. Das zweite Mal besuchte ich den Verein, und zwar wiederum nur auf Bitten meiner Tochter, im November vorigen Jahres— getanzt habe ich nicht—, das dritte Mal im Januar dieses Jahres, und zwar wiederum meiner Tochter wegen. Dieses Mal habe ich eine einmalige Runde mit den Tochtern des mit mir an einem Tische sitzenden Steuerrathes Umbach und Gymnasialdirektors Schröder getanzt und einmal mit meiner jetzigen Frau. Dies mag genügen zur Abfertigung. Es ist bedauerlich, daß anständige Zeitungen solche Schmähartikel aufnehmen. Berlin, den 19. August 1902. Löhning, Geh. Ober=Finanz= rath und Provinzial=Steuerdirektor a. D“ Der Lloyddampfer„Prinz Heinrich" landete gestern in Bremerhaven 10 Offiziere und 311 Mann der ostasiatischen Besatzungs brigade. Frankreich. Evreux(Bretagne), 19. Aug. Heute Nachmittag fand vor der Präjcktur eine Kundgebung zu Gunsten der Freiheit des Unterrichts statt; es entstand ein Handgemenge, wobei ein Beamter der Präsektur verwundet wurde. Drei Personen wurden verhaftet. Paris, 19. Aug. In der französischen Armee soll ein neuer Helm eingeführt werden, der dem deutschen Helm sehr ähnlich sieht. Der Kriegsminister hat bei der gestrigen Truppenschau das Modell des Helms bereits getragen. Südafrikanische Angelegenheiten. London, 18. Aug. Ueber die Zwecke der Europareise der Burenführer verlautet, daß sie von der britischen Regierung die Beibehaltung der an Natal abgetretenen Transvaaler Distrikte und eine Erhöhung der zum Wiederaufbau der Burenfarmen ausgeworjenen Summen zu erlangen wünschen. Ferner wollen sie versuchen, Krüger zu bewegen, einen Theil des aus Südafrika mitgenommenen Geldes zurückzuerstatten und durch einen Zyklus von Vorlesungen in London, auf dem Kontinent und in den Vereinigten Staaten von Amerika Die Schlacht bei Gravelotte nach Gustav Frenssen's„Jörn Uhl.“ Zu den wenigen Romanen, die sich rühmen dürfen, um die Jahrhundertwende berechtigtes künstlerisches Aufsehen erregt zu haben, gehört das Buch von„Jörn Uhl“, das seinen Schöpfer, den holsteinischen Pfarrer Gustav Frenssen, fast über Nacht zu einem„namhaften Autor“ gemacht hat. Es ist ein eigenartiges und bedeutendes Werk, dieser Roman, der in der Berliner Verlagsbuchhandlung von G. Grote erschienen ist und bereits zahlreiche Auflagen erlebt hat. Was den Erfolg des„Jörn Uhl“ gemacht hat, ist unschwer zu sagen: nicht die seltene Kunst plastischer Schilderung, nicht die nur schwer hinfließende, aber fesselnde Fabel, auch nicht die liebenswerthen Figuren des Romans, sondern der aufrechte, tapfere Sinn, der aus der Erzählung spricht, die kernhafte Lebens= und Weltanschauung, die alle Dinge des Daseins unter einem ganz neuen Gesichtspunkt zu betrachten weiß, und die„eigene Weis““, in der Gustav Frenssen zu uns spricht. Darum interessiert der Held des Romans und seine Lebensgeschichte auch da, wo der Autor auf allerlei Umwegen die Träger der Handlung charakterisiert und in breiten Schilderungen das Milien mit ebenso viel Glück wie Geschick fixiert. In dieser Hinsicht ist die packende Beschreibung der Schlacht bei Gravelotte, in der der prächtige Jörn Uhl so tapfer seinen Mann gestellt, ein kleines Meisterwerk, das hier zum Gedenken an den großen Tag des 18. August 1870 seinen Platz finden soll. Es heißt da: Der 18. August brach an, man sah wieder, wie vor 14 Tagen, frische Gräber, diesmal in der hellen Sonne. Elf ist die Uhr. Ein schöner Tag. Wenn nur die Gräber nicht wären. Es war doch gut, daß sie in der Reserve blieben. Vorgestern und so immer. Immerhin hinterher.„Wir sind ja viel zu junge, frischgebackene Truppen, dazu aus der neuen Provinz. Wir kommen nicht an die Front. Und das ist gut— Und das ist schade— Nein— es ist doch gut. Ich muß zu meinem Vater— Ich muß zu meinem Mädchen. So jung noch! Ich will noch etwas erleben! Zehn Jahre will ich noch leben. Dann meinetwegen.“ Elf ist die Uhr. So still wie am Sonntag in Holstein. Nur das Klappern und Stoßen der Geschütze und das Knarren und Janken des Lederzeuges.„Jan Busch, sieh'! Da oben die eelie dactande:„geichd dod Mat uul de de oben?— Mensch, was bedeutet das?“„Gut schwenken die jungen Pferde!"„Da stehen die sechs.“ „Das ist so ein übereifriger Hauptmann.“„Vater sagte: bei Idstedt—“„Mensch, red' nicht von Idstedt!“„Was ist das?“„Die feuern?"—„Die feuern?"—„Batterie— trab— trab“— Hauptmann Gleiser sieht über seine Batterie hin. Den Blick vergißt keiner. Das ist Ernst. Wer sieht noch etwas? Wer hört noch etwas? Wer redet noch?— „Batterie Gal—lop!“ Da hält Hans Detlef Gleiser auf seinem hohen, schönen Fuchs; die Sonne blitzt in seinem Helm und in seinen Augen. Das ist seine Freude, seine sechs Geschütze an sich vorüberjagen zu lassen und dann dem Fuchs die Sporen zu geben und noch als der Erste am Platze zu sein. „Im Avancieren“.— Die Pferde fliegen zur Seite. Mit Granaten geladen! Auf das feindliche Lager!„Achtzehnhundert Schritt.“ Nun keine Gedanken mehr.„Es ist nicht möglich.“ Keine Gedanken mehr! Ruhig Blut! Der Major jagt ihnen entgegen. Er will wohl Stellung bezeichnen.— Der Major sitzt gut zu Pserde, auch ohne Kopf.— Wie grausig das.— Nun stürzt der Todte herunter. Das Pferd rast weiter.„Was ist das für ein Pferd, das gerade vor Jörn Uhl's aufjagendem Geschütz vorüberrast? Reitet Oberst von Jagemann diesen Braunen?“ Seine Seite ist naß und roth von Blut. Herum ist das Geschütz.— Die weißen Zelte.— Da lausen Menschen. Tausende ziehen dort hin und her, stehen da im Rauch. Pjun— Pjun— Ein Sausen und Pseisen schwillt auf und ab.„Ruhig Blut, Jungens! Wenn Ihr's hört, ist's vorüber.“ Es fliegt hoch singend vorbei, schlägt hart vom Radreif ab— verkriecht sich mit kurzem, sirrendem Ton in den Leib des Stangenpferdes. Das zittert und fällt zur Seite. Der Stangenreiter sieht es mit zorniger Miene an.„Was so einem Thiere einfällt?!“— Pjun— Sein Zorn ist verflogen. Er hebt mit langgezogenem Schrei die Hände, als hätte ihn einer mit spitzem Pfahl in's Kreuz gestoßen, macht den Rücken hohl und stürzt hinterrücks vom bäumenden Pferde. Jörn Uhl wirft den Kopf herum und sieht auf Leutnant Hax, der hat etwas gesagt; aber es ist nicht zu verstehen. Es brüllt und lärmt und klirrt und donnert. Ist auch nicht nöthig. Er weiß schon so.„Geschütz vor!“ Eins zwei, die Fäuste in die Speichen. Granaten auf den Arm— der Verschluß ist offen.„Tschun— un.“ Die Mücken da wollen stechen; da vorne: die lange, weiße Linie. Aber keine Zeit— keine Zeit. Wir müssen uns die Brummer vom Leibe halten— dort auf den Höhen, „Auf die Batterien!— Tausend Schritt.“ Nummer Eins zieht ab. Das Feuer fliegt. Aus dem Knallen und Krachen ist Melodie geworden. Ein Heer von schrecklichen Tönen fliegt und rast mit wahnsinnigen Augen und verzerrten Gesichtern über die Höhen. Von halblinks her klingt immerfort ein Quäken und Kratzen, ein niederträchtiges Geräusch, als wenn einer mit Eisen in einen Haufen Glasscherben stößt. Eine Garbe davon fliegt quer über die keuchenden Menschen.„Feuer!“ Das Feuer fliegt. Jörn Uhl's Augen fliegen mit. Das war ein Treffer. Eine Garbe fliegt. Knatternd knirscht sie vorüber. Ein Leutnant kommt im Traber gelaufen. Jörn Uhl wirft einen Blick hin. Der Leutnant wird gemähr und fliegt zur Seite. Sein Rücken ist plötzlich in Dunkelroth getaucht. Leutnant Hax geht von Geschütz zu Geschütz, ganz wie auf der Loher Heide. Plötzlich bleibt er stehen, als hörte er auf ein Kommando.„Uhl!“ Herr Leutnant!“ Er drehte sich um.„Seh'n Sie'mal nach. Ich bin im Rücken verwundet.“„Nichts zu sehen.“ „Kein Loch?“„Kein Loch!“„Na— denn nicht — die grobe Batterie dort an den Bäumen!“ „Feuer!— das war zu kurz.“„Feuer!“„So ist es recht.“ Nummer zwei stolpert: Gefreiter Jan Busch. Er taumelt zurück und schlägt die Hände vor den Kopf, als sähe er plötzlich etwas Schreckliches, und fällt schwer ausschlagend hintenüber. Mit gehobenen Händen bleibt er auf dem Rücken liegen, mit denselben entsetzten Augen. Jörn Uhl springt an's Geschütz. Nummer Fünf ist am Fuße verwundet. Stöhnend hinkt er heran und legt zu Jörn Uhl's Füßen neue Granaten. Leutnant Hax schreit den Pferdehaltern zu:„Weiter zurück.“ Es sind noch drei Pferde. Die anderen liegen an der Erde. Und noch drei Mann am Geschutz. Die anderen liegen an der Erde. Jörn Uhl steht über der Lafette, hat den Kartuschentornister hinter sich, die Granaten liegen neben ihm auf der Erde. Er nimmt sie auf. Vorstecker und Zündschraube. Mit starren Augen über Aufsatz und Korn. Hauptmann Gleiser ritt heran:„Gut, Leute! So ist's gut!“ Vier oder fünf Stabsoffiziere reiten zum zweiten Mal vorüber und halten dicht hinter ihnen. Gleick, spüren sie es: es furrt und brüllt — es splittert— es schlägt hart auf— es wühlt in der Erde. Das Pferd eines Offiziers fällt in die Kniee: der Reiter fliegt über den Hals weg, springt auf und rennt auf ein Pferd zu, das zwischen den Geschützen durchjagt; er greist es; Jörn Uhl hilft ihm: schon sitzt er auf der rothen Schabracke. Die Reiter traben ab. Die Mütze des Generals flaggt; ein Stück des Randes ist losgerissen; ein Stück Watte hängt heraus und fliegt nach. Sie arbeiten am Geschütz; sie arbeiten im Schweiße ihres Angesichts. Immer zu. Immer zu. Sie haben keine Gedanken als: arbeiten, arbeiten. Sie haben keine Sorge. Sie denken nur:„Es geht heiß her. Wann nimmt es ein Ende?“ Sie denken nicht daran, daß der überstarke Feind, der im weiten Halbbogen auf sie dringt, in jedem Augenblick den Ansturm wagen kann. Da kommt Nummer Fünf von der Protze gelaufen: „Keine Granaten mehr!“ Nun ist die Noth da, die bittere Noth. Sie stehen wie versteinert am Geschütz, Lohmann mit erhobenem Wischer; Jörn Uhl, die eine Hand am Verschluß, die andere in Grimm geballt, starrt vor sich in das Blitzen; Leutnant Hax kommt mit schweren Füßen heran und zeigt Lohmann den Rücken:„Ist da noch keen Loch?“„Ja, Herr Leutnant, nun ist da auch ein Loch, und Blut ist da auch.“„Stehen kann ich nicht mehr. Weggehen mag ich nicht. Ich mag nicht.“ Er spuckt verächtlich aus. Da rast ein Stabsoffizier heran. „Warum feuern Sie nicht?“„Keine Granaten.“ „In drei Deuwels Namen! So feuern Sie mit Kartuschen.“„Befehl!“ Sie feuern blind, mit Leinwandsetzen— immer zu— immer zu eine ganze Weile. Jörn Uhl, über die Lafette gebeugt, langt in Gedanken nach rechts; da liegen ja wieder Granaten. Das geht besser. Ein blutjunger Leutnant steht hinter ihnen und lobt sie mit hoher Stimme:„Gut, Unteroffizier! Sehr gut!— Kamerad!“ Er grüßt zu Hax hinüber, der auf der Erde sitzt, mit dem Rücken am Rad der Protze. Aber Hax sieht ihn nicht; Hax sieht unter halbgeschlossenen Augen verächtlich, mit vorgeschobener Unterlippe, nach der Richtung des Feindes. Da schweigen links von ihnen die Geschütze.„Was machen die beiden Batterien? Warum schießen sie nicht mehr?“ Schweres Infanteriefeuer Geld zur Linderung des Nothstandes der Buren auszubringen. Haag, 19. Aug. Punkt ½10 Uhr dampfte der Zampfe:„Batavier“ langsam ein, unter betäubendem Willkommengeheul der Dampfpfeifen aller im Hafen liegenden Schiffe. Botha, Delarey und Dewet standen unter der Kommandobrücke, Botha freudig lächelnd beim Anblick der Menschenmassen, die beiden anderen ernst und schweigend. Auf dem Schiff fuhren außerdem Dr. Leyds, Fischer, Wolmarans, Wessels, van Boeschoten, Grobler, Kommandant Mol, der deutsche Ambulanzarzt Dr. Thielemann 2c., sowie Frau Botha, die alle außer Fischer auf einem kleinen Dampfer dem„Batavier“ entgegengefahren waren. Dr. Leyds überbrachte mit einem Bewillkommbrief Krügers die Grüße des Präsidenten. Bei Maaßluis war gehalten worden; dort hatte die Bürgerschaft in der Eile auf dem Marktplatz eine Sammlung veranstaltet, deren Resultat den Generalen eingehändigt wurde. Nach der Ankunft in Rotterdam begab sich in Abwesenheit des Bürgermeisters dessen Stellvertreter Hudig sowie der gesammte Magistrat und Vorstand des allgemeinen Niederlandverbands an Bord. Hudig sprach die Generale zunächst an. Botha antwortete dankend und sagte, daß sie nichts anderes gethan hätten als ihre Pflicht, um die Freiheit zu bewahren, der sie alles zu opfern bereit waren. Auf eine Ansprache des Vorstands des Niederlandverbands antwortete Dewet. Er stößt mit der Zunge an, wenn er in seinem leichten südafrikanischen Platt spricht; er hat einen Charakterkopf, von einer Stärke des Ausdrucks, wie sie nur ein Donatello meißeln könnte. Das halb geschlossene linke Auge giebt dem Gesicht einen eigenartigen kluglistigen Zug. Dewet dankte in kurzen Worten und betonte, daß es unter den Umständen geboten sei, zu schweigen. Von den Damen fällt speziell Frau Botha auf, ein jugendliches Gesicht, schneeweißer Teint und eine tiefe Leidensfalte zwischen den Augenbrauen. Auch zwei Söhnchen Bothas sind an Bord, von denen der eine, ein Knabe von etwa 14 Jahren, mit auf Kommando war. tragen, haf auch in diesem Parlamente die Frage streform im Sinne der Einführung des allgemeinen, gleichen und geheimen Wahlrechts auf die Tagesordnung gestellt wird und bis zu seiner Verwirklichung nicht mehr von dieser verschwindet.“ a.5 Trot, der Zunahme der Mitglieder der Partei Fce#t den Kassenverhältnissen, angesichts der Thutsuche, daf, der sozialdemokratische Parteivorstand über solche reiche Geldmittel aus den Arbeitergroschen verfagen kann, wie keine andere Partei, doch in dem laufenden Geschäftsjahre ziemlich windig aus: Die vermehrte Mitgliederzahl hat keine vergrößerten Beiträge gebracht, sondern letztere sind unter dem Ergebniß des letzten Jahres geblieben. Es drohte schon ein gewaltiges Defizit, das sich nach #5#., ersten acht Monaten auf über 71000 da nahte sich der rettende Engel in Gestalt einer Erbschaft— die der Parteivorstand auf Grund der sozialdemokratischen Prinzipien eigentlich hätte ablehnen müssen— und rettete die Parteikasse, die sonst am Schluß des Berichtsjahres einen Fehlbetrag von 22000 Mark aufzuweisen gehabt hätte. Die Einnahmen und Ausgaben balanciren jetzt mit einem Betrage von 346536 Mark! Das sind Geldmittel, welche, wie gesaat. sozialdemokratische Partei in eigener Beleuchtung. (R. L. C.) Die Reihe der den sozialdemokrotischen Parteitagen vorangehenden Veröffentlichungen ist heute durch den Bericht, den der Partei=Vorstand für die Münchener Tagung den Genossen vorlegt, fortgesetzt worden. Herkömmlicher Weise wird an allen Enden mit tönenden Worten auf die Angriffsstellung der sozialdemokratischen Partei in Staat und Gesellschaft, im Reichstag, in den Landtagen und städtischen Gemeinden hingewiesen und zugleich das in einigen Wahlkreisen sichtbare Anwachsen der sozialdemokratischen Stimmen mit großer Emphase unter höhnender Kritik über die liberalen Elemente hervorgehober Sozialdemokratie bei den Reichst hebliche Fortschritte machen konnt, Veruct dies voch meist auf der leidigen Uneinigkeit und Zersplitterung der bürgerlichen Parteien, insonderheit aber in dem Auftreten des Bundes der Landwirthe gegen gemäßigt gerichtete Kandidaten in wirthschaftlichen Fragen und bei dem jetzt im Brennpunkt des Kampfes stehenden Zolltarif. Wo von vornherein sich liberale und gemäßigte Elemente auf eine mittlere Linie vereinigten, vermochten die Sozialdemokraten nicht aufzukommen, selbst nicht in einem solch überwiegend industriellen Bezirk, wie im Wahlkreise Saarbrücken. Für die nächstes Jahr bevorstehenden Landtagswahlen in Preußen wollen sich die Sozialdemokraten mit aller Energie an denselben betheiligen. „Ist auch“, so heißt's im Bericht,„bei dem elenden Dreiklassen=Wahlinstem nur geringe Aussicht, daß unsere Genossen die Majorität der Wahlmänner in einigen Kreisen durchbringen, so unterliegt es doch keinem Zweifel, daß unsere Partei stark genug ist, so viel Wahlmänner in einer Reihe durchzubringen, daß bei diesen die Entscheidung liegt..... Gelingt es aber, bei der nächsten Wahl einige unserer Parteivertreter in den Landtag zu bringen, dann werden diese dafür Sorge ind Setommtet, welche, wie gefugl, keiner einzigen der anderen Parteien zu Gebote Für die Parteipresse wurden 46632 Mark verausgabt. Zu den sozialistischen Organen, die sämmtlich unter der straffsten Parteidisziplin stehen und durch deren Spalten niemals ein Schimmer von einer anderen politischen Auffassung und Richtung, als der strikt sozialdemokratischen, durchdringen kann, gehörten seit dem 1. Juli 1902 neben dem Zentralorgan„Vorwärts“ und der Wochenschrift„Neue Zeit“ täglich 1 mal erscheinende Zeitungen 10 wöchentlich 3 mal„ „„ 1 mal 1 monatlich 2 mal " 2„ 1 mal außerdem 2 alle 14 Tage erscheinende Witzblätter und 2 wöchentlich herauskommende illustrirte Unterhaltungsblätter, sowie die„Gleichheit", Zeitschrift für die Interessen der Arbeiterinnen. Zur Gewerkschaftspresse zählen: Verpflichtungen übernommen werden können, so wird event. auf der Strecke Klarenbach—Müngsten der Dampfbetrieb bestehen bleiben, ebenso die jetzigen Straßenzustände. 19. Aug. Ein trauriger Unglücksfall ereignete sich gestern Abend in der Bergschloßbrauerei an der Königstraße. Ein Heizer war einer Transmission zu nahe gekommen, von dieser erfaßt und herumgerissen worden. Er erlitt schwere Verletzungen. An einem Arm wurde nach der„Elbf. Ztg.“ allein ein viermaliger Knochensofort hinzugerufenen Arzt festgeBedauernswerthe wurde nach dem städtischen Krankenhause gebracht. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Wermelskirchen, 19. Aug. Der Schleifer Lukschatt, Schwanen, badete gestern im Heintjesmühlenteiche. Nachdem er etwa 80 Meter weit geschwommen war, hörten zwei in der Nähe befindliche Kinder und eine am Teiche wohnende Frau, wie er einen HustenAugenblicke sank auch der Unglückliche schon, tauchte noch ein paar Mal auf und kam dann nicht mehr zum Vorschein. Ein Retter erse Veriuch. 3t6“; nicht zur Stelle. Der die Leiche zu bergen, mißlang und hätte, wrun nicht große Vorsicht angewandt worden wäre, beinahe noch ein Menschenleben gekostet, da der wackere Schwimmer in dem kalten Wasser einen Krampfanfall bekam. Jedenfalls hat der Verunglückte einen Schlag= oder Krampfanfall bekommen. Bonn, 19. Aug. Am Samstag, Sonntag und 1 wöchentlich 3 mal erscheinende Zeitung " I mal„ Zeitungen 2 monatlia, 3 mal n 1 mal Mit der sozialistischen Frauenbewegung will es trotz der hochtönenden Worte des Berichts nicht recht vorwärts gehen. Auch die polnischen Genossen machen dem sozialdemokratischen Parteivorstande große Sorgen, Bekanntlich ist es jüngst zwischen ihnen in Vverschiesien zum eklatanten Bruch gekommen, der böhnender Kritt über die dar auf dem Rünchener Parteitag möglicht wie. eighoben. Wo aber die Oderschlesien durch ein rtaftliches en Reichstagswahlen erheb= der polnischen. vemeinschautüges Vorgehen ven kannte berviht dies dach Reichstagsmandat: gge de Sosialdemokrate die Reichlagsmandalt abgesagt werden. Mehr als jemals müssen die übrigen Parteien aus dem diesjährigen sozialdemokratischen Parteibericht die Mahnung und Lehre entnehmen, daß nur bei geschlossenem Vorgehen und größter Opferwilligkeit das Anwachsen der Sozialdemokratie einzudämmen ist. Rheinland und Westfalen. Cronenberg, 20. Aug. In der gestrigen öffentlichen Stadtverordneten=Sitzung wurde u. A. für den ausscheidenden bisherigen Beigeordneten Herrn Fabrikanten E. Müller—Gerstau Herr Fabrikbesitzer G. Kremendahl—Berghausen für eine 6jährige Amtsdauer gewählt. Ferner brachte der Herr Vorsitzende ein Schreiben der Direktion der Barmer Fergbahn zur Verlesung, wonach die Ronsdorf— Mungstener Straßenbahn von genannter Gesellschaft übernommen worden ist. Zwischen der Gemeinde und der Barmer Bergbahn sind Differenzen entstanden, weil die Gemeinde für Benutzung der Morsbachstraße über den bisherigen Vertrag hinausgehende Forderungen stellt. Da jedoch von der Barmer Bergbahn unter keinen Umständen weitere Montag beging der Bonner Männergesanggerein„Apollo“ unter starker Betheiligung sein ##jahriges Jubiläum. Auf dem Fest dirigierte, laut„B. Ztg.“, der verdienstvolle Chormeister der Kölner Polyhymnia, Herr Musikdirektor Franz der neue Dirigent des„Apollo“, 2 Sätze Wariche und au Spmphonie, einen„seierlichen Marsch und eine symphonische Nebeneinanderstelin Deutsch und Ungarisch. Die Komposition sch gesiet Perse u senommen; namentlich gestel„Teutsch=Ungarisch“, worin Kessel eine einfach innige„deutsche“ Melodie einer heißbewegten, im Tschardaschstil gehaltenen an die Seite stellt und die musikalischen Eigenarten beider Nationen gut veranschaulicht. Jationen Bonn, 19. Aug. Zwei Batterien des Berzischen, Feld=Artillerig=Regiments (Koi, haben gestern hier und in poppelsdorf Quartier bezogen. Der Regimentsstab und der Stab der zweiten Abtheilung sind im Hotel Kley, der Stab der 1. Abtheilung ist im Hotel Royal untergebracht. Bonn, 19. Aug. Im hiesigen evangel. Gemeindehaus fand am Conntag unter reger Vetheiligung heniger und auswärtiger Sänger das SängerEvangelischen Sängerbundes (Kreis Vonn) statt. Nach einer Ansprache des Herrn Pastor Dr. Busch—Elberfeld sangen, laut„B. Ztg.“, Herr Oberpostassistent Geiß—Bonn und Herr Lehrer Horath— Solingen mehrere Bariton=Soli, die mit Dank entgegen genommen wurden. Endlich ist der Leistungen des vortrefflich geschulten Bonner Frauenchors und des Männerchors Schrodt= berg zu gedenken, die gleichfalls zur Verschönerung des Festes beitrugen. Mainz, 19. Aug. In einer hiesigen Familie wurden vorgestern bei der Hochzeitsfeier eines Angehörigen von den Gästen auch Champignons verzehrt. Nun sind sämmtliche Hochzeitsgäste und die Gastunter Vergiftungssymptomen erkrankt. Die Aerzte führen die Erkrankung auf den Genuß der Champignons zurück. Düsseldorf, 20. Aug. Durch die von der Ausstellungsleitung beim Loose=Verkauf jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag Abend stattfindenoe Prämien=Bestimmung haben sich kommt halblinks von hinten, vom Waldrande her. Deutsche Insanterie springt auf, wirft sich hin, kommt näher.„O— die wollen uns helfen“—„Die Geschütze! Warum schießen sie nicht?"„Schießt doch, Brüder!“ Hier und da steht noch ein einziger Mann— blißzt noch ein Rohr.„Schießt, Brüder!“ Ein fremdartiges Lärmen und Tosen kommt brüllend näher. Der junge Leutant springt heran und schreit überleut:„Auf die Banterie zur Linken— Kartätschen! Kartätschen!“„Herr Leutnant," schreit Uh!—„das ist ja unsere Batterie!“„Sehen Sie nicht? Sie ist voll von rothen Hosen!“„Herum!“ Sie greifen alle zu. Die Fäuste in den Speichen. Schwer fällt es herum.„Kartätschen!— Bierhundert Schritt!“ Leutnant Hax steht wieder aufrecht, will kommandieren, langt nach seiner Seite und fällt lang hin. Von der verlorenen Batterie kommen drei oder vier Flüchtige. Deutsche Insanterie, immer neu aus oem Walde herausströmend, steht, liegt, hier und da, im Haufen und einzeln. Sie stehen und liegen wischen den Geschützen und feuern gegen den anstürmenden, brüllenden und heulenden Feind. Ein Infanterist, ein flinker, sehniger Mensch, mit röthlich rundem Kopf, ist dicht neben Jörn Uhl gesprungen und schießt— und schiebt eine neue Patrone ein. „Jörn Uhl: Junge— adsum, Jörn!“" Jörn Uhl schiebt eine Kartätsche ins Kohr und schlägt den Verschluß zu— Warum soll Fiete Krey nicht neben ihm steh'n?„Dein Schießen nützt nichts mehr. Dat geiht to Enn.“ Eine Granate wühlt die gelblichbraune Erde auf.„Wenn Hinnerk noch so pflügen wollte!“„Die Postkarte, die ich im Helm habe“— „an Tdieß schreiben. Elsbe noch einmal grüßen.“ „Liesberd Junker hat— hat alles keinen Er wirft das Geschüt in die Richtung des Frindes. Ficte Kreu bilft stoßen und werfen. Der Kartätschenbagel fliegt— noch einmal— noch einmal. Sie stocken da drüben. Aber es kommen mehr. Es wimmelt von fremden, rothen Menschen, die in Rauch und Fruer vorwärts dringen. Es geht zu Ende. Pferde! Pferde! Die Pferde liegen alle an der Erde. Da rennt Lohmann über's Feld und holt von den Pferden, die da verlassen jagen, traben und stehen, drei: und kommt wieder, und sie schirren mit fliegenden Händen an. Ab!— ab!— Ein jammervoller Rückzug. Fietc Krey sitzt vorn auf der Protze und fädrt mit der Kreuzleine. Lohmann, aufrecht neben ihm stebend, haut mit der Karbatsche auf die elenden, verwundeten Thiere. Jörn Uhl trabt neben dem „G'rade wie in Wentorf,“ denkt Fiete Krey,„wenn ich in den Apfelgarten gestiegen war, und ich lief weg, und Wieten schalt hinterdrein. Gott steh' mir bei! Was schimpfen sie!“ Zwei Feuergarben theilen den Rauch; sie fegen schräg vor ihnen über's Feld.„Die dritte ist für uns.“ Nein.— Es ist kein Eisen für sie geworfen; es ist kein Feuer für sie aufgesprungen. Sie kommen lebend bis an den Schutz des Waldes. Und da stehen zehn bis zwölf Geschütze. Andere kommen noch an, ganz wie sie: mit wankenden, strauchelnden Pferden, mit drei oder vier Mann, denen Jammer und Zorn, Angst und wilde Erregung in den schweißbedeckten Gesichtern steht. Wie sie arbeiten! Pferde werden herangezerrt, mit lautem Schelten und kurzen, wilden Worten. Geschosse werden herbeigeschleppt und in die Kasten gelegt. Kommandorufc dazwischen.„Merkwürdig, daß der Feind nicht hierherkommt.“ Drei Geschütze, frisch bespannt und leidlich mit Mannschaft besetzt— darunter versprengte Infanteristen— fahren wieder vor. Der junge Leutant arbeitet, schreit, rennt.— Nun kann auch er mit zwei Geschützen wieder abfahren. Ein Offizier hält oben und zeigt mit Schwertspitze die Richtung:„Da hinüber! An den Sren uchen Jorn Uhl sitz auf dem Geschüt, Fiete Alch moen ihm. Ringsum, aus der Nähe und aus der Fernc, rollt und braust in alter Furchtbarkeit das schreckliche Knattern, Dröhnen und harte Aufschlagen. Als sie den Waldweg zu Ende traben und am Rande ankommen, klingt der Donner ferner. Unteroffizier?“„Ich glaube, dahin„Ich muß ran!“ sagte das junge Blut und sweiten Peichen Zähnen.—„Rein Veuer von der ist gefallen: morgen muß ich an eine Muner schreiben.“„Es sind viele gefallen, rrumant.“„Es ist ein schrecklicher Tag.“ Als sie sich umsahen, war das andere Geschütz nicht mehr ##. Ter brüllende Lärm hatte nachgelassen. Vom seine Hänge. Pekommen. Und es hob keiner ### und beschwor Sonne und Mond, wie boon und auie Jude:„Sonne, stehe fill zu Gieten um Mond im Thale Ajalon!“ Rein— nein. —. Sie fahren weiter und kommen an der rechten Stelle aus dem Walde heraus. Aber die Geschütze werden zurückgezogen. Frische Infanterie steht in gewordten. Der Abend kommt, der Setund ie Aul und an den Büschen:„Hdlo mi— 9— heilo mi doch.“ Und auf der Höhe:„Je prie— ma wère angekauften Hauptgewinne, wie Wohn=, Schlafzimmer=Einrichtungen. Brillantschmucke usw., die in der Hauptindustriehalle ausgestellt und mit Schildchen bezeichnet sind, finden allgemeine Bewunderung.— Ueber den Verkehr am 15. August, dem Kaisertage, erfahren wir noch nachträglich, daß an ihm hier 28 Sonderzüge eintrafen, bezw. abgelassen wurden. Rechnet man die Zahl der Besucher aus der Umgegend hinzu, die zu Fuß oder Wagen in die Stadt gekommen sind, so dürften am Kaisertage wa 100000 Fremde in Düsseldorf anwesend geprien sein. 605 Bdruck eieschütz her und hält den Leutnant, der auf dem— pitie.“ Und aus dem trockenen Bachlauf: S Eichssitze mit krummem Rücken hin und herschwankt.: dösti— so dösti— Mien Moder.“ Stadt= und Landkreis Solingen. aufere i.rzginol=Lokolnatden ner mit Quclenangabe gchauer. Solingen, 20. August. ..?— Die Solinger Kleinbahnaktiengeferlschaft schreibt uns: Im Interesse sowohl des Publikums, wie auch unseres Fahrpersonals gestatten wir uns, auf die nachfolgenden Punkte unserer Fahrordnung besonders hinzuweisen. Es eine im Publikum vielfach verbreitete irrthümliche Auffassung, daß der Fahrgast zur Lösung eines Fahrscheines erst nach Aufforderung des Schaffners verpflichtet sei. Demgegenüber verweisen wir darauf hin, daß nach den einschlägigen gesetzlichen bezw. polizeilichen Bestimmungen jeder Fahrgast sofort nach Besteigen des Wagens zur Lösung eines Fahrscheines auch ohne jede Aufforderung des Schaffners verpflichtet ist. Wir sehen uns genöthigt, jeden ohne gültigen Fahrtausweis auf unseren Wagen befindlichen Fahrgast für die ganze von dem Wagen durchlaufene Strecke nachbezahlen zu lassen und behalten uns das Recht vor, je nach Befund der Sachlage strafrechtliche Verfolgung wegen Hinterziehung des Fahrgeldes einzuleiten. Die in letzter Zeit häufig vorgekommenen Fälle nöthigen uns, jeden Inhaber einer Dauerkarte, der über den Endpunkt der auf derselben verzeichneten Theilstrecke hinausfährt, ohne sofort von dem Schaffner einen Fahrschein zu verlangen, ohne jeden Unterschied wegen Betrugversuchs zur Anzeige zu bringen. Schließlich machen wir noch darauf aufmerksam, daß jeder Fahrgast bei Beanstandung seines Fahrtausweises durch das Fahrpersonal zur Lösung eines neuen Fahrscheines verpflichtet ist, wobei ihm natürlich Reklamationen bezw. Ersatzansprüche bei der Direktion undenommen bleiden. Ebenso ist jeder Fahrgast, undeschadet seiner Reklamationsberechtigung verpflichtet, den Anweisungen des Fayrversonals, auch zum Verlassen des Wagens, Folge zu leisten. Wir haben unser Fahrpersonal angewiesen, die obigen Vorschriften in zwar het. licher, aber bestimmtester Weise dem Publikun gegenüber zur Durchführung zu bringen, und hofte, vesuimm, daß sich durch Beachtung der bestehenden auechnsichearen Seiten des Prhtlikuns Aiungmngretten beseitigen lassen.0 Un — Der Bergische Dampfkesselüber, wachungsverein überwacht im Stadt= und kreise nur 153 Dampfkessel, die Mitgliedern des Vereins angehören, die übrigen 406 Dampfkessel in den beiden Kreisen werden von ihm im stagt lichen Auftrage überwacht, die Besitzer dieser sind nicht Mitglieder des Vereins. Da aber auch unter diesen vielfach die Meinung vertreten is daß sie, weil der Verein ihre Dampfkessel sucht, Mitglieder derselben seien, hat der Verein beschlossen, alle Besitzer der von ihm im staatlichen Auftrage überwachten Dampfkessel durch ein Rund schreiben über ihre Stellung zum Verein aufzu. klären und zum Beitritt zu demselben einzuladen. O— Auf dem Sportplatze der Düsseldorfer Ausstellung findet am Sonntag, den 7. Sept. ein Volkswettturnen des Turnkreises VIIIB (Rheinland) der deutschen Turnerschaft im Vierkampf mit anschließendem Fünfkampf nach alt=griechischem Muster statt. Die Uebungen des Vierkampfes, Schleuderballweitwurf, Hochsprung, Steinstoßen, Lauf über 150 Meter werden nach der deutschen Wettturnordnung gewerthet. Diejenigen Turner, welche zu den ersten 16 Siegern gehören, werden zum Fünfkampf nach alt griechischem Muster zugelassen. Diese 16 Turner treten zum deutschen Dreisprung an; die 12 besten Springer führen der 100 Meter=Lauf aus; die 8 besten Läufer schocken die Lugel;.. 4 besten Kugelschocker werfen den Schleudervau und die 2 besten Schleuderballwerfer ringen um Eichenkranz und Ehrenurkunde. Die Anmeldung der Riegen, der Sondervorführungen, Turnspiele und Wettturner muß bis zum 31. August an den Kreisturnwart Herrn Fr. Schroeder in Bonn erfolgt sein. Ferner muß angegeben werden die Zahl. der Vereinsmitglieder, welche sich am Turnen betheiligen, und derjenigen Turner, welche nur die Ausstellung besichtigen wollen. Die Vereine des Niederbergischen Turngaues, dem u. a. der TurnVerein Solingen=Schlagbaum und der Solinger Turnerbund angehören, werden fast ausschließlich an dem Tage die Düsseldorfer Ausstellung besuchen. Das turnerische Programm ist folgendes: Morgens 10 Uhr Beginn des Wettturnens, nach Beendigung desselben Turnspiele bis 2½ Uhr. Um 3 Uhr Antreten zu den Freiübungen, nach den Freiübungen erfolgt das Vorturnerturnen und die Sondervorführungen. Um 5 Uhr beginnt der Fünfkampf und von 6—7 Uhr findet die Fortsetzung der Turnspiele statt.— An den Sondervorführungen betheiligt sich u. a. der Solinger Turnerbund und wollen diejenigen Turngenossen, weiche die Sondervorführungen mitmachen wollen, sich beim Turnwart Herrn Max Bollengraben melden. — Am Montag Abend ereignete sich zu Meisenburg ein Unglücksfall, indem ein Schießbudenbesitzer, während er eine Thonpfeife in die Höhe hielt, um darauf schießen zu lassen, einen in das Nasenbein erhielt. Herr Dr. Kemperdick mußte die Kugel durch operativen Eingriff entfernen. Zwei Schleifer von Wald, die eine Kneiptour nach hier unternommen hatten und in angetrunkenem Zustande allerhand Unfug verübten, kamen zur Anzeige. — Vom 1. September ab werden Nachnahmen bis 400 Mk. auf Packete nach Serbien zugelassen. — Nach den in Preußen gemachten Erfahrungen melden sich bei den Prüfungskommissionen für Einjährig- Freiwillige zahlreiche junge leute zur Prüfung, ohne auch nur annähernd genügend vorbereitet zu sein. Da§ 16 der Anlage 2 zur Wehrordnung die Wiederholung der Prüfung in jedem Termin bis zum 1. April des Kalenderjahres gestattet, in dem der Bewerber das 20. Lebensjahr vollendet, so kommt es vor, daß junge Leute wiederholt, sogar drei, vier oder mehrmal ungenügend vorbereitet vor den Prüfungskommissionen erscheinen. Um die Kommissionen von der hiermit verbundenen Arbeit zu entlasten und auf die bessere Vorbereitung der Prüflinge im Allgemeinen hinzuwirken, haben die preußischen Ressortminister vorgeschlagen, die Bestimmungen über die Wiederholung der Prüfung dahin zu erschweren, daß Prüflinge, die sich bereits zweimal der Prüfung ohne Erfolg unterworsen haben, mit Genehmigung der Ersatzbehörde dritter Instanz nur in ganz besonderen Ausnahmefällen zum dritten Male zur„Früfung zugelassen werden dürfen. Diese Maßnahme hat die Billigung des Reichskanzlers gefunden und man wird voraussichtlich demnächst eine entsprechende Ergänzung der Wehrerdnung nach den gemachten Vorschlagen herbeiSiedtderordncten=Eitung ge am 19. August 1902. Anwesend sind unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeister Gläßner die Herren Stadtverordneten Adams, Bahrl, Böntgen, Buntenbach, Dirlam, Ern, Göbel, Gräf, Henckels, Hoppe, Kronenberg, Lauterjung, Loos, Lütters, Müller, Neeff, Pohlig, Rauh und Scheidtmann. Es fehlen die Herren und Schagf. Jag Herder, Joeckz, Ripock Protokoll führt Herr Stadtsekretär Nagel. Tages=Ordnung. ) V e r t r a g w e g e n B e n u t z u n g e i n e s Schulbrunnens. Der diesbezügliche Vertrag mit Herrn Karl Sommer, Auf der Höhe, vom heutigen Tage wird einstimmig genehmigt. Herr Sommer hat eine jährliche Anerkennungsgebühr von 3 Mk. zu entrichten. „D.Heschäftigung des Architekter Thienes. Herr Architekt Thienes, seit Anfang Juli in Diensten der Gemeinde, beantragt, ihm die Revision von Baukostenrechnungen von Personen, die innerhalb der Gemeinde wohnen, zu gestatten. Herr Müller wendet sich lebhaft gegen den Antrag, da bisher durch dieselbe Erlaubniß für die Gemeinde so viele Unannehmlichkeiten herbeigeführt worden wären. Herr Beigeordneter Böntgen schließt sich den Ausführungen des Vorredners an und bittet ebenfalls um Ablehnung des Antrages. Darauf wird derselbe einstimmig abgelehnt. 3) Wasserleitung in der Kottermühlenstraße. Die von Herrn Karl Adrian nachgesuchte Rohrverlegung wird einstimmig genehmigt, nachdem der Herr Bürgermeister mitgetheilt, daß er der Stadt Solingen in Erwartung der Zustimmung des Kollegiums die Erlaubniß zur Verlegung der Wasserleitung bereits ertheilt habe. 4) Geräthe für den Turnspielverein Widdert. Der vom Vorstand des Vereins eingebrachte Anltag auf Gewährung einer Beihülfe der Gemneinde zur Anschaffung von Geräthen wird vom Vorsitzenden befürwortet. Herr Beigeordneter Loos betont, daß die Unterstützung von Turn= und Spielvereinen im Interesse der Jugend= und Volkserziehung wünschenswerth sei, und beantragt, den erbetenen Beitrag von 50 Mark zu bewilligen. Herr Stadtverordneter Müller hält es für besser, wenn die Petenten sich anstatt an die Gemeinde an die Schulinteressenten wenden würden. Herr Bürgermeister Gläßner bittet dagegen, das Interesse für die Turnsache nicht auf die Schulbezirke beschränken zu wollen, und tritt nochmals warm für die Turnsache ein. Herr Lauterjung beantragt im Sinne des Herrn Loos die Bewilligung des Betrages. Herr Beigeordneter Kronenberg schließt sich an unter der Bedingung, daß der Kreis eine ebenso große Summe an die Gemeinde überweise. Der Antrag Lauterjung wird darauf mit dem Zusatz Kronenberg angenommen. 5) Rechnung der Sparkasse für 1902. Die vom Rendanten gelegte und vom SparkassenAusschuß geprüfte Rechnung wird vom Vorsitzenden in den einzelnen Positionen verlesen. Versammlung nimmt eine Revision der Rechnung nebst Belegen vor, findet gegen diese nichts zu erinnern und stellt sie wie folgt fest: A. Sparkasse. zu einer Isteinnahme von 1 184 324,29 Mk. „„ Resteinnahme„ 1 947 509,07 „„ Istausgabe„ 1 160 206,64 „einem Bestande„ 24117,65 "„ Gewinn„ 8 441,20 B. Reservefond. zu einer Isteinnahme von 73 470,13 Mk. „„ Istausgabe„ 75,45„ „ einem Vermögensbestande von 73394,68 „„ Gewinn„ 9 226,25 Dem Rendanten wird Entlastung ertheilt. Gegen das Vorjahr ist eine Mehreinnahme des Vermögens der Sparkasse um 16 207,45 Mk. eingetreten. 6) Erstattung von Biersteuer. Seit Anfang Mai hat Herr Paul Fuchs hier einen Bierverlag errichtet und bittet nunmehr, ihm für das aus der Gemeinde ausgeführte Bier die Steuer zu erlassen, und zwar, wie der Herr Bürgermeister hinzufügt, in demselben Maaße, wie die Brauerei die Biersteuer der Gemeinde erstattet. Der Antrag wird einstimmig angenommen. stattgefunden hat. Ebenso wird die Erstattung des aus Bielefeld für einen ihr hre Kranbehe. Jeut angewiesenen Platz für won s ebude gezahlten Standgeldes im Betrage S### einstimmig genehmigt, weil der Platz der Handterin nicht gepaßt hat. Beide Anträge wurden von der Verwaltung befürwortet. Varschlägen..... n. werden nach den in Höhe" der Verwaltung genehmigt, und zwar in Tohr von insgesammt 213,54 Mk. Hierauf folgt geheime Sitzung. Hähscheid, 20. Aug. An einem Neubau in der verlangerten Messerstraße kam gestern Vorund sch auraugehet angelegte Schutdecke stürzte —— nußer leichteren Verletzungen einen Bruch des kleinen Fingers der linken Hand zuzog. Herr Dr. Schemm leistete die erste ärztliche Hülfe. dr Fasfrutz, 20. Ang, Mit Bezug auf den in soß weier Radfah. 36 ernähnen Zuilammen. undg von....e zu Ob.Flachsberg wird heilt, bas Shalenschneider mitge. i den Vaortag vut genug rechts ausgebogen sei, um den Vorsau zu verhüten. Dagegen sei der Handlungsgehülfe der Fahrordnung zuwider links gefahren und er, der Schalenschneider, habe nicht Kant erichen— Brut, Bein und des Schleifers Karl R. groben Unfug verübt und einen Menschenauflauf verursacht hatte, erhielt sie einen Strafbefehl über 10 Mk. Die hiergegen Fiesbensbrach Ersolg.— Haut, Resenden Jalod; Virperverlezung wird den Artsenden Jalde H. zur Last gelegt; vorsätzliche körperliche Mißhandlung dem Werkmeister Karl A. wird von der ersten Beschuldigung freigesprochen, wegen der zweiten in eine Geldstrafe von 10 Mk. .3, Toge Gefängniß genommen. A. muß sein #rgrgen mit 20 Mk. ev. 4 Tagen Gefängniß Vorspiegelung falscher Thatsachen hat der Dachdecker Friedrich K. einen Anzug und o Paar Schuhe erschwindelt, weshalb er in eine Gefängnißstrafe von 3 Wochen genommen wird. 14 Tage werden auf die erlittene Untersuchungsangerechnet.— Wegen Mißhandlung müssen der Scheerenhärter August Z. und der Fabrikr Peter J. 3 Mk. ev. 1 Tag Gefängniß bezw. o Ml. ev. 1 Tag Gefängniß erleiden. („Ohl. Anz.“) Handel, Gewerbe und Verkehr. — Als Waarenzeichen wurde für die Firma Bönigen& Sabin, Solingen, die Wortmarke Clansman“ eingetragen. Svangel. Vereinshaus. Donnerstag Abend 8½ Uhr: Gebetstunde. Königliches Standesamt Solingen. 19. August. Geburten: Max, S. v. Schubmacher Johann Kasernenstr. Melanie Albertine, T. v. Rangirer Martin Hölzer, Gasstr. Willy, S. v. Maurer Georg Born, Malteserstr. Erich Lebrecht, S. v. Federmesserschleifer Lebrecht Schnippering, Schützenstraße. Aufgebete Maschinenmeister Carl Friedrich Leitz, hiers., und Clara Sosie Marie Meinheit, Hannover. Sterbefälle: Sewerviose Wilhelmine Krebs, 48 J., ledig, Dorperstraße. anzosisch, Grammain, Conversation, LitteCorrespondenz. Wädrend der Ferien Nachhülfe für Schüler #er Lesigen höheren Anstalten ertzeilt Octave Rousseau, Motel Eggers. 1000 zuk. einem Beamten werden gegen und ratenweiser eche kn 100 M. gesucht. Oferten # Erpedition unter R. 20 # ügegen. Ein Fräulein, A dse ens. u. schreiben, Stenogre. vopp. Buchf. eil. hat, sowie 22. später Stelle. Off. u. N. R. 39 a. d. E. Kenntnissen, z. tägl. Gerichts=Verhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. Vorsitzender Herr Amtsdie Herren Emil Kürten, Heinrich Kayser, Amtsanwalt Herr Kommissar Hobrecht, Protokollführer Herr Aretz.— Die Federmesserreider WilhelmW., Otto B. und der Schlosser Friedrich F. werden von der Beschuldigung, sich rechtswidrig Thüren und Fenster angeeignet zu haben, freigesprochen.— Weil der Wirth Robert .von der Genehmigung zum selbstständigen Wilthschaftsbetrieb abgewichen ist, wird er in eine Strafe von 3. Mi, event. 1 Tag Haft genommen. Zwecks Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung auf der Oberwalderstraße war der Händler Emil P. aufgefordert worden, die Straße zu verlssen. Dieser Aufforderung des Polizeiwachtmeisters Stc nicht nach und wurde deshalb mit einem Stlafbesehl von 15 Mk. bedacht. Der hiergegen erhobene Einspruch wurde vom Gericht verworfen. Desselben Vergehens wird der Schleifer Karl R. beschuldigt, weshalb er auch mit einem Strafbefehl von 15 bedacht wurde. Auch hier erkannte das Gericht auf Verwerfung des Einspruchs.— Weil die Ehefrau Vermischte Nachrichten. Paris, 17. Aug. Am Samstag Nachmittag ging ein Individuum, dessen Identität noch nicht ermittelt werden konnte, in Mustapha bei Algier zwischen dem Seebade Tivoli und den Eisenbahnwerkstätten entlang. Der Unbekannte trug einen mit Pulver gefüllten Sack auf dem Rücken. Plötzlich entglitt ihm der Sack und fiel auf das Pflaster der Straße nieder. Das Pulver explodirte und der Mann wurde in unzählige Stücke gerissen. Mehrere anliegende Häuser erlitten leichte Beschädigungen. Man vermuthet, daß es sich um einen Schmuggler handelte, der sich auf unerlaubte Weise in den Besitz des Pulvers gesetzt hat. sind in Gold und Silber gewebt, durchbrochen und am Spann, an der Wade und am Knie mit Hunderten von Glöckchen verziert, deren diskretes Klingen sich in das Froufrou der Kleider ihrer Trägerin mischt. Schiffsbericht der„Red Star Linie“. Antwerpen. Der Postdampfer„Kroonland“ der„Red Star Linie" in Antwerpen, ist am 18. August wohlbehalten in New=York angekommen. Der Postdampfer„Pennland“ der Red Stak Linie“ in Antwerpen ist am 18. August wohlbehalten in Philadelphia angekommen. Neueste Nachrichten und Telegramme. New=York, 19. Aug. Ein Telegramm aus Willemstäd meldet: Die Aufständischen(in Venezuela) haben, ohne einen Schuß zu thun, Cumana besetzt. Polizei=Verordnung. Auf Grund der§§ 5 und 7 des segzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850 wird für den Umfang der Bürgermeisterei Gräfrath verordnet was folgt: § 1. Das Reinigen der Abtritts=, Senk= und ähnlichen Gruben, einschl. des Wegschaffens des Düngers aus denselben darf nur des Nachts und zwar „vom 1. April bis Ende Septem. der nach 9 Uhr“ und„vom 1. Oktober bis Ende März nach 7 Uhr Abends“ vorgenommen werden und muß in der Zeit„vom 1. April bis Ende September vor 6 Uhr“ und „vom 1. Oktober bis Ende März vor 7 Uhr Morgens“ beendigt sein. § 2. Uebertretungen dieser Verordnung werden mit Geldstrafen bis zu neun Mark evtl. verhältnißmäßiger Haft geahnket. Gegenwärtige Polizei=Verordnung, welche nach erfolgter Genehmigung und ortsüblicher Publikation sofort in Kraft tritt, soll 8 Tage am hiesigen## meindehause argeschlagen bleiden. Gräfrath, den 10. Mai 1887. Der Bürgermeister: gez. Kürten. Vorstehende Polizei=Verordnung wird hierdurch nochmals in Erinnerung gebracht. Gräfrath, den 19. August 1902. Die Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeister: Bartlau. (Einer Irrenanstalt überwiesen) wurde in Leipzig der 20 jährige Wilhelm Grabich, der das achtjährige Schulmädchen Klein vor 14 Tagen ermordet und die verstümmelte Leiche in eine Kiste gezwängt hatte. (Das Neueste von der Mode.) Ein englisches Blatt berichtet, daß die Schönheiten des Landes von einer neuen Manie befallen sind. Es ist die, seidene Strümpfe zu tragen, die mit Handmalerei bedeckt sind. Viele tragen kein Bedenken, 1000 bis 1200 Mark für ein Paar also geschmückter Strümpfe auszugeben, und manche haben auf dem Strande zur Badestunde Strümpfe getragen, die sogar 2000 Mark kosteten. Wie so oft, ist diese Mode von dem„star“ einer Music= Hall in London aufgebracht worden. Angeregt durch diese Mode hat ein Finanzmann von Livervool kürzlich seiner Nichte als Hochzeitsgeschenk ein Paar durchbrochener Strümpfe geschenkt, die mit allegorischen Motiven geschmückt waren, und in die eine Anzahl Banknoten eingenäht waren. Die seltsamsten Strümpfe aber gehören einer Mrs. Barter, einer amerikanischen Millionärsfrau, die selbst die Yankees für exzentrisch halten. Sie Eingesandt. Solingen, 20. Aug. In der letzten Zeit konnte man in den Zeitungen wieder vielfach Anpreisungen von Wohnungen in den Neubauten, die jetzt noch kein oder eben ein Dach besitzen, wahrnehmen. Es werden sogar jetzt schon Wohnungen für nächsten Mai offerirt, zu denen heute noch kein Stein gelegt und wobei die Bauzeit vollständig in den Winter fällt. Glaube doch Niemand, daß massive Häuser in einer so kurzen Bauzeit aus dem Grunde trocken sein könnten. Das augenscheinliche Trockensein bezieht sich nur auf den Verputz, welcher entweder nur windtrocken ist, oder durch Heizen mit Koaksöfen künstlich getrocknet wird welche Trocknung aber in kurzer Zeit der Nässe wieder weicht. Diejenigen Menschen, welche mit Gicht oder Rheumabehaftet oder sonst nicht ganz gesund sind, mögen sich vor dem Bewohnen solcher Neubauten hüten, uno die Gesunden laufen Gefahr, dasjenige darin zu bekommen, was die andern schon haben. Also ist Vorsicht in der Wahl der Wohnungen sehr am Platze. Den Bauspekulanten, besonders den professionsmaßigen, ist es doch egal, wie es den Leuten in den ganz neuen Häusern ergeht, bei denen ist die Hauptsache, daß sie vermiethet haben und die Sache Geld einbringt. Es besteht ja hier grade keine Wohnungsnoth und es sind ältere, ausgetrocknete Häuser genügend vorhanden, man muß sich nur umsehen und nicht bei den Neubauten sofort zugreifen. H. M. : Seidenstoffe velvete. von Elten& Keussen, Krefeld. SOLINGER BANK. Amstd.Rttd. k. S. London Bedecho 168.95 90.42 20. Angnet. Briefe Antw. Bres.k. S 181. 358i 0 „ 81.4081.1 Aufträge in Effecten werden prompt und au billige Bedingungen ausgeführt. "„Die im Herbst d. Is. einzustellenden Rekruten und mehrjährig G#elwilligen gelangen wie folgt zur Einstellung: a. beim VII. Armee=Korps: beim Husaren=Regt. 8 und 11, Ulanen=Regt. 5, Kürassier=Regt. Feldartillerie=Regt. 7, beim Infanterie=Regt. am 158 reit. Abth., und Train=Btl. 7 13, 15, 16, 39, 53, 56, 57, . und 159 am Jäger=Btl. 7, Feloartiuerte=Regt 7, 22, 43 u. 58, Fußartl.=Regt. 7 und Pionier=Btl. 7 am——— d. beim Gardekorps: Kavallerie, reitende Artillerie und Train am—— Infanterie, Jäger, fahrende Artillerie, Fußartillerie, Pionier= und Verkehrstruppen am———— c. beim XVI. Armee=Korps: Dragoner=Regt. 9 und 13, Ulanen=Regt. 14. Feldartillerie= Regt. 34, reit. Abth, und Train=Bail. 16 am Infanterie=Reat. 98 u. 174, Feldartillerie=Regt. 69 u. 70, Fußartillerie=Regt. 13 2. Batl. u. Pionier=Batl. 20 am Sämmtliche Freiwillige und Rekruten, welche— Jas October 22. 23. 21. 22. * für das VII. Armee=.. ihren Truppentheilen Lücht. Maachen Tüchtiger, energischer Kaufmann. repräsentable Erscheinung, 30 Jahre alt seit Jahren dier in Stellung, sucht per 1. October a. c. anderweitig Engagement als Buchhalter, Reisender etc Beste Z ugnisse vorhanden. Offerten unter C. D. 25 an die Exzedition dieser Zeitung. Kaufmann 35 Jahre alt, welcher längere Jahre in einer Dampfk.sselfabrik als Buchhalter tdätig war, und in Stenographie sowie Maschiner= soreiben bewandert ist, sucht anderw. Stellung. Offrten unter L. 5708 an die Expedinon. " Deau berter, weicher mauern Ferd. von kann, gesucht Jürges, Baumstr. ps haben und AbFreibank, Solingen. Morgen früh 8 Uhr: Verkauf eines minderwerthigen Kalbes u. einer Kuh. Kalbfleisch pro Psund 30 Pfa Kubfleisch„„ 40„ Die Direktien. Korps ausgehoben sind, haben sich direkt bei zu gestellen. .„Die Rekruten für die Garde und das XVI. Armee.Ko sich beim Bezirkskommando in Solingen zwecks Sammlung sendung an die betr. Truppentheile zu gestellen. Angaben über Tag und Stunde der Gestellung u. s. w. enthalten die Gestellungsbefehle, welche den Rekruten durch die Bürgermeister=Aemter ausgehändigt werden. Solingen, den 19. August 1902. Königl. Bezirks=Kommando. auf 4—6 Wochen gegen hoben Lohn gesucht. Schloss Rüppelstein, (Kaiser=Wideimbrücke.) Praris wieher auf. 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Des weiteren ind in Aussicht genommen Kurse für Installazeure, insbesondere für Elektro= Installateure und solche für Galvanoplastiker. Die Reisterkurse haben den Zweck, den Theilnehmern diejenigen Kenntnisse und Fertigkeiten zu verleihen, die bei der eingetretenen großen Arbeitstheilung im Handwerk und Gewerbe in den Meisterwerkstätten und gewerblichen Kleinbetrieben vielfach nicht mehr in dem erforderlichen Umfange erlangt werden können. Zur Erreichung dieses Zweckes sind, wie die XK. Vztg.“ schreibt, mit den Meisterkursen mustergültig eingerichtete Werkstätten verbunden, in denen die Kursisten mit der Benutzung moderner Maschinen und Werkzeuge, durch welche die Arbeit erleichtert und verbessert wird, vertraut gemacht werden. Des weiteren werden Sammlungen von Rohstoffen, Ganz= und Halbfabrikaten vorhanden sein, welche den Fachunterricht wesentlich unterstützen. Auch ist die Einrichtung einer Gewerbehalle, in welcher Kraft= und Arbeitsmaschinen für das Kleingewerbe zur Ausstellung gelangen und im Betriebe vorgeführt werden, in Aussicht genommen. Während in den Werkstätten, in denen die Kursustheilnehmer arbeiten, lediglich Maschinen Aufstellung finden, die in der Meisterwerkstatt mit Nutzen zu verwenden sind, sollen in der Gewerbehalle auch solche vorhanden sein, die für den Handwerker in dem Falle von Wichtigkeit sind, daß er sich mit anderen zu einer Produktivgenossenschaft verbindet. Die Dauer der einzelnen Kurse soll acht Wochen nicht überschreiten. Es sollen in erster Linie bei der Anmeldung Meister berücksichtigt werden, sodann aber auch Gesellen, und erhalten von diesen wiederum diejenigen den Vorzug, welche im Begriffe sind, selbstständig zu werden. Man beabsichtigt, das Mindestalter für die Zulassung auf 24 Jahre, das Höchstalter auf 45 Jahre festzusetzen, und sollen der Regel nach die Aufnahmesuchenden entweder ihre Militärdienstpflicht erfüllt haben oder endgültig von derselben befreit sein. Der Leitung soll es jedoch gestattet sein, in besonderen Fällen rücksichtlich der letzteren Bestimmungen Ausnahmen zu machen. Bedürftigen Handwerkern kann durch Stipendien die Theilnahme an den Kursen ermöglicht werden; die Höhe derselben richtet sich nach dem Grade der Dürftigkeit. Sämmtliches Werkzeug und Material wird den Kursisten zur Verfügung gestellt werden. Der Unterricht wird täglich acht bis neun Stunden umfassen. Das Kuratorium der Meisterkurse wird bestehen aus: dem Oberbürgermeister der Stadt Köln, bezw. dem mit seiner Vertretung beauftragten Beigeordneten, zwei von dem Herrn Minister für Handel und Gewerbe zu ernennenden Vertretern des Gewerbestandes, zwei Vertretern der Stadt Köln, einem Vertreter der Rheinischen Provinzialverwaltung, einem Vertreter des Kölner Gewerbevereins, einem Vertreter des Zentralgewerbevereins in Düsseldorf, einem Vertreter des Provinzialhandwerkerbundes, drei Vertretern der Handwerkskammern der Provinz, dem Leiter der Kurse. Eronenberg, 19. Aug. Eine wilde Jagd hielt gestern Nachmittag von 1 Uhr an bis gegen 7 Uhr Abends die Bewohner von Herichhausen und Schwabhausen in Aufregung. Ein von dem Metzger Vohwinkel zu Kuchhausen angekauster Ochse war schon an seinem Bestimmungsorte angelangt, als er plötzlich wild wurde und sich losriß. Er nahm seinen Weg auf Cronenfeld zu, schlug sich dann seitwärts in die Büsche und gelangte schließlich auf die Felder von Schwabhausen. Das wüthende Thier nahm den ersten, den Treiber, auf die Hörner und wirbelte ihn in die Luft; ebenso erging es dem auf Besuch weilenden Bruder des Herrn V. Ein dritter, welcher niederstürzte, erhielt mehrere Fußtritte. Alle drei trugen nach der„Cr. Ztg.“ erhebliche Verletzungen davon. Dann raste das Thier in den Wald. Alle Versuche, sich ihm zu nähern, waren mit großer Gefahr verknüpft. Endlich, nach sechsstündigem Bemühen, gelang es, den Ochsen mit Stricken und Ketten an eine herangeholte Karre zu fesseln, und durch ein vorgespanntes Pferd das kräftig widerstrebende Thier schrittweise voranzubringen. Remscheid, 19. Aug. Zu Wilhelmshöhe starb gestern Herr Dr. med. Heinrich Veltkamp. Er war seit 1875 als praktischer Arzt hier thätig. Durch ein Herzleiden, dem er nunmehr erlegen ist, war er, wie die„Remsch. Ztg.“ schreibt, bereits seit längerer Zeit an der Ausübung seines Berufes behindert. Elberfeld, 19. Aug. Oberst Schiel, der Kommandant des ehemaligen deutschen Burenfreikorps, wird Mittwoch, Abends 8½ Uhr, in der Stadthalle Johannisberg einen Vortrag halten. Oberst Schiel wird, nach dem„Gen.=Anz.“, über den Transvaal= krieg und seine Gefangenschaft auf St. Helena sprechen. Der Eintrittspreis zu dem höchst interessanten Vortrage beträgt 30 Pfg. Barmen, 19. Aug. Ein schrecklicher Unglücksfall ereignete sich heute Morgen auf dem Güterbahnhof Mittel=Barmen, indem der Fuhrknecht Heine von einem Güterzug erfaßt und überfahren wurde. Die Räder gingen ihm quer über beide Beine. Außerdem hat er noch innere Verletzungen erlitten, wodurch der Tod während des Transportes nach dem Krankenhause eintrat. H. wollte, wie die„B. Ztg.“ schreibt, einem Personenzug ausweichen, wurde dann aber von einem aus entgegengesetzter Richtung kommenden Güterzug erfaßt. Trier, 19. Aug. Gestern wurde einem jungen Mann vom Zuge der Kopf abgefahren. In Osann wurden durch Blitzschlag fünf Häuser zerstört. Gevelsberg, 18. Aug. Schlimm ergehen können hätte es einem Soldat des Inf.=Reg. Nr. 39 aus Düsseldorf, als er thörichterweise während der Fahrt zwischen Gevelsberg und Haspe einem Kameraden im Nebencoupee die Hand reichen wollte. Es öffnete sich nämlich die Coupeethür, welche nicht fest genug verschlossen, und der Soldat kollerte in den Eisenbohngraben hinab. Nachdem der Verunglückte nothdürftig verbunden, wurde er mit dem nächstfolgenden entgegengesetzten Zug wieder seiner Heimath zugeführt. Iserlohn, 19. Aug. Ein Personenzug stieß heute Morgen auf der Station Altena auf einen Güterzug Mehrere Fahrgäste sowie vier Beamten des Fahrpersonals erlitten Verletzungen. Vermischte Nachrichten. Geestemünde, 18. Aug. Ein 10jähriger Knabe, der seit einigen Tagen vermißt wurde, ist im Hafen beim Spielen mit einem Schiffchen ertrunken. Seine Leiche wurde heute gefunden. Auf dem Wege nach Schiffdorf wurde gestern ein zweijähriges Mädchen von dem Postomnibus überfahren. Das Kind stard alsbald an den erhaltenen Verletzungen. Wilhelmshaven, 16. Aug. Privatpackete für die Marineangehörigen in Ostasien können mit dem am 3. September von Bremerhaven abgehenden Dampfer„Sachsen“ des Norddeutschen Lloyd nach Shanghai und gegedenenfalls durch die Vermittelung der HamburgAmerika Linie weiter bis Tsingtau frachtfrei befördert werden, wenn sie spätestens am 28. Aug. bei der Speditionsfirma Matthias Rohde& Jörgens in Bremen angeliefert sind. Stralsund, 19. Aug. Heute Vormittag verunglückten bei Abnahme eines am Dache der den 20. August 1902. Kaserne angebrachten Baugerüstes zwei Zimmerleute dadurch, daß sie mit einem Theile des Bretterbelages auf die Straße stürzten. Beide waren 16tchk ke b.. u um une dlche Stendal, 19. Aug. Bei einem heute mittag über unsere Stadt niedergegangenen Gewitter, während dessen zahlreiche Arbeiter auf dem Felde beschäftigt waren, wurde ein Arbeiter, Vater mehrerer Kinder, vom Blitz erschlagen. Berlin, 19. Aug. In Rixdorf ließ eine Frau einen Sportwagen mit ihrem Töchterchen allein auf der Straße stehen. Plötzlich fiel der Wagen um, das Kind rollte unter die Hufe eines Pferdes, und dieses zerschmetterte der Kleinen den Schädel,„„„ Frankfurt a. d. Oder, 19. Aug. In Falkenhagen im Lebuser Kreise schlug gestern Nachmittag während eines heftigen Gewitters der Blitz in eine Weide, unter der vier Arbeiter Schutz gesucht hatten. Einer wurde getödtet, drei schwer verletzt. Bamberg, 18. Aug. Der Leutnant des hiesigen Ulanen=Regiments Fürst Carl Wrede stürzte heute so unglücklich von seinem scheu gewordenen Pferde, daß er außer einem Armbruch auch schwere innere Verletzungen erlitt. Er wurde ins Krankenhaus gebracht. Graz, 18. Aug. Die Seethaler Hütte auf dem Hohenwart in Kärnthen ist vorgestern Nacht abgebrannt: der Pächter Joachim Scharf, seine Frau, das gesammte Vieh und der Hund an der Kette sind in den Flammen umgekommen. Baden=Baden, 16. Aug. In einem hiesigen Gasthaus schoß sich heute ein kürzlich hier angekommener, angeblich aus Halle a. S. stammender Fremder in selbstmörderischer Absicht eine Kugel in die Brust. Er wurde schwer verwundet, an seinem Aufkommen wird gezweifelt. Oos(Baden), 17. Aug. Gestern wurden im hiesigen Bahnhof dem Eisenbahnarbeiter Schwertzle von dem Offenburg=Frankfurter Schnellzug beide Beine abgefahren. Der Verunglückte wollte mit einem Wagen Gepäckstücke überführen und ist dei der Ueberfahrt der Geleise, während er einem Zuge aus dem Wege ging, von dem anderen erfaßt worden. Schwergle ist erst einige Wochen verheirathet: auf dem Transport nach dem Hospital ist der Tod eingetreten. London, 18. Aug. Dem Bureau Reuter wird aus Manila telegraphirt, daß dort am Donnerstag im Hafen von Virac die Mannschaft des Dampfers„Mihermanos“ meuterte. Die Mannschaft bestand aus Eingeborenen, die den ersten Maschinisten ermordeten, den Kapitän, den Steuermannsmaat, den zweiten Maschinisten und einen Passagier verwundeten. Die Getödteten und der Verwundete waren Spanier. Die Hafenpolizei sbbte ört, entsteue9- Un" Die die in 1 und ung des Preußen minister „Geer VerMinister nhabern Titel zu wurde m rochen ile Farbe rz klopfte bis zum ere, und der Herr te schweieine Else mu Onkel u. Tante Wangen Merkens inst vor Er hatte gebracht, vollzogen hatte er ut, sie in volle Emschämung, traurige ihn ein das wohltehen, im ind ihrer sie. Daß daß er keit hatte laßte sie, #er sollten : tief die keus sehr fragend #s Kind. t.„Herr legenheit, belehrte kens war #t Redak 4 kam den Schiffsoffizieren zu Hülfe und schoß drei der Meuterer nieder. Nachdem fünf von den Meuterern über Bord gesprungen waren, ergaben ich die übrigen 25. Der Dampfer lief während des Kampfes auf Grund, wurde später aber wieder flott. (Professor Schenk gestorben.) Der Wiener Professor der Embryologie, Leopold Schenk, der Verfasser des Werkes über die Vorherbestimmung des Geschlechts beim Menschen, das vor einigen Jahren großes Aufsehen hervorrief und lebhaftem Federkrieg zwischen Schenk und mehleren Gelehrten Schenks Pensionierung zur Folge hatte, ist in Schwanberg in Steiermark am Herzschlag gestorben. (Schulhumor.) Einem längeren Artikel, den der„Münst. Anz.“ über die Erlebnisse einer Lehrerin mit sechsjährigen Schülern und Schülerinnen veröffentlicht, entnehmen wir folgende Einzelheiten: Die Lehrerin erzählt von Isaaks Opferung und zeigt dabei ein diesen Vorgang darstellendes Bild vor, auf dem vor dem Widder, den Abraham zuletzt statt des Sohnes opfert, nur der Kopf sichtbar ist. Hans soll mit dem Blick auf dieses Bild das von der Lehrerin Vorgetragene nacherzählen. Sein Bericht lautet: „... Da sah Abraham hinter sich einen Schafskopf, der mit seinen Hörnern in den Dornen hing, und da opferte er den Schafskopf für seinen Sohn wei Isaak.“ Und von###oh erzählte Hans: Jakob albo erzahrte=Wans:„Jsalde hatte sehr viele Schafe; die alten legten immer wieder Eier, dann kriegte er wieder junge. Lisbeth berichtet über die Geschichte Josephs:„Die Brüder Josephs bekamen einen Schrecken, als sie hörten, daß der feine Herr ihr Joseph war: sie meinten, er würde sie jetzt verhauen, weil sie ihn verkauft hätten. In einer Wiedererzählung der Kreuzigung hieß es:„Mit dem Heiland wurden zwei Straßenfeger(statt„Straßenräuber") gekreuzigt.“ Die Lehrerin stellt eine gute That, von der sie zu den Kindern gesprochen hat, als vorbildlich hin und sagt:„Wenn ihr mal groß seid, dann thut ihr das auch. Hans sinnend:„Ja, ich ß wohl, was ich thue, wenn ich groß. So, was denn?“„Dann wirst du meine Frau. Da schnellt der kleine Eduard in die Höhwendet sich heftig zu Haus um:„Nein, nein I. wird meine Frau, nich', Fräulein?“ Friz a sagt mit großer Seelenruhe:„Ihr kriegt se beide nich! Sie wird meine Frau, mein Papa es mich längs versprochen!“— Der Schulrus hat sich eben nach beendeter Prüfung entienHeinrich, der in der Nähe der Stelle, wa Schulrath gestanden, seinen Platz hat, erbehe und sagt, auf diese Stelle zeigend:„ # und sagt, auf diese Stelle zeigend:„O je, da en Buxenknopp, gleich fallt dem Herr Schulra seine Buxe ab!“ 24 Muth zu lieben. Roman von Arthur Zapp. Als sie sich durch all diese seelischen Kämpfe hindurchgedrungen hatte, ging Adele mit frischem Muth daran, den Kampf ums Dasein aufzunehmen. Viele tausende von Mädchen und Frauen standen auf eigenen Füßen, warum sollte sie verzagen, durch eigene Thätigkeit ihren eigenen Lebensunterhalt zu erwerben? Sie besaß eine vorzügliche musikalische Ausbildung, es würde ihr gewiß nicht schwer fallen, als Klavierlehrerin Beschäftigung li zu finden. Ueber die erste schwere Zeit mußten ihr zu die Mittel hinweg helfen welche sie aus dem Er St „e heisen, weichr f. aus dem Erlös ihrer aus ihrer Mädchenzeit herrührenden Schmuckstücke erzielte. Den viel werthvolleren Schmuck, den sie der Freigiebigkeit Bruno Eichners verdankte, hatte sie in die Koffer verpackt, die der kleine Bankier mit sich in die Heimath genommen hatte. Adele bot zunächst ihre Dienste in den Annoncen= spalten der Zeitungen an. Die Anfragen kamen viel spärlicher, als sie in ihrer Unerfahrenheit und in ihrem jugendlichen Optimismus vorausgesetzt hatte, und die Verhandlungen verliefen anfangs regelmäßig resultatlos. Die erste Frage, die man stellte, war immer:„In welchem Berliner Konservatorium haben Sie Ihre Ausbildung erhalten?“ Und wenn Adele dann der Wahrheit gemäß erklärte, daß sie in der Provinz, allerdings von einem vorzüglichen Lehrer, ausgebildet worden, zuckte man schon die Achseln. Wenn sie aber weiter gestand, daß sie weder Zeugnisse über ihre Leistungen, noch überhaupt Uebung im Unterrichte besitze, und wenn sie weiter auf die Frage nach dem beanspruchten Honorar angab, daß sie zwei Mark für die Stunde erwarte, so hieß es jedesmal: Für zwei Mark könne man die besten Lehrer haben, Lehrer, die die Königliche Hochschule besucht hätten, und die die glänzendsten Zeugnisse vorlegen könnten. Adele sah ein, daß sie bei der großen Konkurrenz, die gerade auf diesem Arbeitsgebiet zu herrschen schien, nur durch Billigkeit etwas erreichen könne. So schraubte sie denn ihre Ansprüche auf das niedrigste Maß herab und war froh, daß sie schließlich ein paar Kinder zu Schülern erhielt, denen sie gegen ein Honorar von fünfzig Pfennig für die Stunde die Anfangsgründe des Klavierspiels beibringen durfte. Doch selbst bei diesem bescheidenen Lohnsatze war der Konkurrenzkampf zwischen den musiklehrenden jungen und älteren Damen ein so erbitterter, daß Adele nicht eine hinreichende Anzahl von Schülern finden und den nothdürftigen Lebensunterhalt erzielen konnte. Und wenn sie nicht immer noch einen Rückhalt an dem kleinen Kapital gehabt hätte, das sie aus dem Verkauf aller ihr entbehrlichen Habseligkeiten besaß, so wäre schon jetzt Noth und Entbehrung ihr Loos gewesen. Eines Tages traf ein, was Adele schon lange befürchtet hatte. Sie hatte auf der Straße eine Begegnung mit einem ihrer Bekannten. Und zufällig war es der, dem sie am wenigsten gewünscht hatte zu begegnen. Sie bog gerade in dem schnellen Schritte, den sie während der letzten Zeit sich angewöhnt hatte, um die Straßenecke, als ihr Assessor Merkens von der anderen Seite entgegenkam. Auf den ersten Blick hatte sie ihn erkannt. Er aber stutzte und zauderte, ehe er den Hut vom Kopfe riß und eine schüchterne Bewegung auf sie zu machte, als sei er seiner Sache immer noch nicht sicher. Sie hatte so viel Geistesgegenwart, sich jedes Zeichens des Erkennens zu enthalten und mit starrem Blick an ihm vorbeizueilen. Zum Glück hatte sie ihren dichten Schleier vorm Gesicht, auch war es schon in der Dämmerstunde, und so konnte sie sich mit der Hoffnung trösten, daß er sie doch nicht recht erkannt hatte. Gewiß, ihr Verhalten hatte in ihm die Meinung erzeugt, daß ihn nur eine Aehnlichkeit getäuscht habe. Denn würde er sie nicht sonst verfolgt oder aber in den folgenden Tagen versucht haben, eine neue Begegnung herbeizuführen? Sie schwebte in der ganzen nächsten Zeit in einem Zustande banger Erwartung, und doch mischte sich diesem Gefühl eine leise uneingestandene Regung von Bedauern bei, als Tag für Tag verging, ohne daß sie das geringste Lebenszeichen von Reinhold Merkens erhielt. Indeß kämpfte Adele den Kampf um die Existenz weiter. Auch den Scheidungsprozeß hatte sie mit Hülfe eines Rechtsanwalts eingeleitet. Aber auch hier traten ihr größere Schwierigkeiten entgegen, als sie geahnt hatte. Sie hatte gegen Bruno Eichner nichts als das Motiv der unüberwindlichen Abneigung anzuführen, und wenn dies auch, zumal bei einem kinderlosen Ehepaar, ein gesetzlicher Scheidungsgrund war, so würde sich doch— so erklärte der Rechtsanwalt— der Prozeß unter diesen Umständen sehr in die Länge ziehen. Jedenfalls sei im günstigen Fall vor einem halben Jahr auf eine Erledigung des Verfahrens nicht zu rechnen. Ihre geringen Mittel gingen inzwischen immer mehr auf die Neige, mit geheimem Frösteln sah Adele den Zeitpunkt immer näher heranrücken, wo ihre Reservemittel erschöpft sein würden, und wo ihr zum Fristen ihres Lebens nur noch ihre Einnahmen aus dem Klavierunterricht zur Verfügung standen. Diese aber hatten noch nie mehr als vierzig Mark monatlich betragen, und daß sie auch in der allerbescheidensten Weise davon nicht leben konnte, war ihr längst klar geworden. Was dann? Der von dem vielen Denken und Grübeln ermattete Geist verlor sich immer häufiger in das Ausspinnen bunter Phantasiebilder, in denen sie gewissermaßen eine Erholung und Entschädigung für die niederdrückenden Sorgen der rauhen Wirklichkeit fand. Sie hatte das Gefühl, als müsse der Assessor eines Tages bei ihr eintreten und ihr erklären, daß er nicht zugeben könne, sie in Noth und Elend zu wissen. Es lag ein eigener Reiz, eine Art süßer Qual in dem Gedanken, vor ihm in ihrer Schwäche und Hilfsbedürftigkeit dazustehen. Und doch zitterte sie bei kühlerem Nachdenken entsetzt vor der Möglichkeit, daß er ihr in ihrer jetzigen Lage, in ihrer Armuth, in dem Chambre= garnie der derben Frau Hänicke je gegenübertreten konnte. Aber es verging Tag auf Tag, ohne daß sich der Traum verwirklichen wollte. Zwei Wochen waren fast seit ihrer Begegnung mit Assessor Merkens vergangen, als Adele eines Tages einen Besuch erhielt, der ihrem Geschick eine ganz unerwartete günstige Wendung gab. Es war eine Dame von ungefähr vierzig Jahren, die bei ihr eintrat und sich als Frau Redakteur Steger vorstellte. Sie habe drei Kinder, die sie im Klavierspiel unterrichten lassen möchte. Ob Adele noch einige Stunden in der Woche frei habe. Voll freudigen Eifers bejahte Adele. Die fremde Dame hatte, ohne Adelens Einladung abzuwarten, auf dem Sopha Platz genommen, dessen hie und da mehr oder minder große Blößen von einer gehäkelten Decke schamhaft verhüllt wurden. Ueberhaupt die Frau Redakteur legte neben einem bestimmten energischen Wesen von vornherein ein Interesse für Adele an den Tag, das die Vereinsamte, von ihrem Geschick Gebeugte wie ein Sonnenstrahl nach langer, strenger Winterszeit anlächelte. Für die Redaktion verantw.: Rudolf Pfeiffer in SolinaDruck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen „Sie sind mir empfohlen", erklärte die wollende Dame.„Sie sind mir warm empfohlen Sie sollen eine ganz ausgezeichnete Klavierspielenz sein. Adele verneigte sich auf ihrem Stuhl dankend Frau Steger fuhr fort:„Ich möchte jedem meine Kinder wöchentlich zwei Stunden Unterricht ertheilg lassen, also zusammen sechs Stunden die Was würden Sie dafür berechnen?“ Und als#### zaghaft die Antwort:„Eine Mark pro Stundgestammelt hatte, denn diesen Preis pflegte sie imme zuerst zu fordern, um erforderlichenfalls auf# Hälfte herabzugehen, fiel die Dame sogleich kon schüttelnd ein:„Wissen Sie, meine liebe Frau ner, das finde ich entschieden zu billig. Sie düng nicht so wenig fordern. Man kann ja sonst in Vertrauen zu Ihren Leistungen haben.“ Adele lächelte bitter. „Das hat mir noch niemand gesagt,“ au wortete sie. Frau Steger erwiderte nichts. Sie blickte sn. schend im ganzen Zimmer umher. In ihren s# haften Mienen spielte sich deutlich der Eind## wieder, den die ärmliche ungemüthliche Umgebun auf sie hervorbrachte, und ihre Empfindungn drückten sich in dem Ausruf aus:„Fühlen Sien denn hier wohl?“ Adele erröthete. Sie schämte sich ihrer Armm Ein bitteres, peinliches Gefühl quoll in ihr empor „Meine Honorare erlauben mir keinen größern Aufwand,“ sagte sie mit zuckenden Lippen. Frau Steger rückte wie unter einem unwillkürlig ausbrechenden Mitgefühl näher an die neben ik Sitzende heran und legte ihre Hand auf Adel Schulter. „Meine liebe Frau Eichner,“ sagte sie in ein anscheinend plötzlichen Entschluß,„ich will Ihn einen Vorschlag machen. Sie ziehen zu uns—# wollen Sie? Sie müssen doch froh sein, von di fortzukommen, unter gebildete Menschen, umn Menschen, die Sie verstehen und mit Ihnen fühle Wir bieten Ihnen freie Wohnung und Kost#un außerdem— sagen wir— dreißig Mark monalich. Dafür unterrichten Sie unsere Kinder in u Musik und sind ihnen daneben noch bei den Schu arbeiten behilflich. Nun, wollen Sie? Es w# Ihnen schon bei uns gefallen. Dafür stehe# Ihnen gut.“ (Fortsetzung folgt.)