172.— 51. Jahrgang. ** Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Vierteljahr in der Expedition 1 M 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 Dienstag, den 25. Juli 1899. * zum Preise von 1,20 Mk. werden baldigst erbeten. Die bis Ende dss. Mts. erscheinenden Nummern mit dem Anfang der neuen Erzählung:„Verlorenes Spiel“ von Th. v. Rengersdorff werden neu eintretenden Beziehern unberechnet geliefert. Deutsches Reich. Aus Aalesund wird gemeldet, daß der Kaiser sich gestern bereits auf dem Heimwege befand. Die„Hohenzollern“ läuft heute in den Nordfjord ein. Aus Konstantinopel wird berichtet, daß auf eine telegraphische Erkundigung des Sultans der Kaiser erwiderte, die Kaiserin werde wohl in vierzehn Tagen vollständig hergestellt sein. Der Kaiser hat, so wird aus Hamburg berichtet, aus Anlaß seines Besuches an Bord des Schnelldampfers„Auguste Viktoria“ folgendes Telegramm der Hamburg=Amerika=Linie zugehen lassen:„Es gereicht mir zur Freude, bei der Inspizirung der„Auguste Viktoria“ das Schiff in vortrefflichem Zustande vorgefunden zu haben. In freudiger Einigkeit lobten die an Bord versammelten Passagiere fast aller Nationen den bewährten Kommandanten. Wilhelm I. R.“ Aus Beichtesgaden wird gemeldet, daß der Direktor des Orthopädischen Instituts zu Göggingen der Kaiserin einen Verband angelegt hat, der Gehversuche ermöglicht. Das Allgemeinbefinden der Kaiserin ist sehr gut; ihr ist von den Aerzten gestattet worden, längere Zeit in einem Sessel auf dem großen Balkon des„Grand Hotel" zu verweilen. Die Theilnahme der Bevölkerung an dem Unfall der Kaiserin ist eine ungemein große, was schon aus den vielen Blumenspenden hervorgeht, welche von Hoch und Niedrig, Jung und Alt in dem Hotel abgegeben wurden. Am Geburtstage des Prinzen Oekar, dem 27. d. M., wird mit Genehmigung der Kaiserin die Kapelle der Kaiser=Ulanen zu Bamberg der kaiserlichen Familie im Hotelgarten eine Serenade bringen. Das Handschreiben des Kaisers, welches Prinz Albrecht von Preußen am Freitag in Schloß Pillnitz dem König von Sachsen überreichte, lautet, wie unter dem 24. d. aus Dresden gemeldet wird:„Ew. Majestät empfingen am 21. Juli vor 50 Jahren für tapferes Verhalten im Feldzuge gegen Dänemark aus den Händen meines Großoheims den Orden Pour le mérite. Ihm fügte mein Großvater in dankbarer Erinnerung für die ruhmreiche Führung im Feldzuge gegen Frankreich das Eichenlaub hinzu. Wenn ich Ew. Majestät jetzt bitte, die Krone zu dem Orden als seltene Auszeichnung in meiner Armee gütigst annehmen und tragen zu wollen, gereicht es mir zur ganz besonderen Freude, Ew. Majestät diese Dekoration durch den Prinzen Albrecht und eine Abordnung von Rittern dieses Ordens überreichen lassen zu können. Ew. Majestät wollen hierin einen Beweis dafür erblicken, daß ich und die Armee Ew. Majestäd unvergängliche Verdienste als Heerführer und an der deutschen Sache nie vergessen werde. Ich benutze diesen Anlaß, um Ew. Majestät die Versicherung vollkommenster Hochachtung und wahrer Freundschaft zu erneuern, womit ich verbleibe Ew. Majestät freundwilligster Vetter und Bruder Wilhelm. Das Schreiben ist datirt: Molde, 15. Juli, an Bord der„Hohenzollern“. Während der Tafel in Pillnitz traf ein Telegramm des Kaisers aus Drontheim ein, welches lautete:„Es ist mir ein Herzenebedürfniß, Dir zu dem heutigen ruhmreichen Erinnerungstage nochmals den herz(2 Dort war der Theater=Leni und ihrem Kinde ein Lager zurecht gemacht worden. In der einzigen kleinen dumpfen Gaststube nach dem Hofe zu wollte die Schauspielerin nicht wohnen. Die Wände waren dort feucht und kalt und in den kellerartigen Raum gelangte nie ein Sonnenstrahl. Sie war es aber gewöhnt, mit dem Dürftigsten vorlieb zu nehmen, und darum hatte sie den Wirth gebeten, in der Scheune schlafen zu dürfen, so lange es das Wetter gestattete. Die Sommernächte waren so warm und lind, daß der Wirth selber meinte, da in der Scheune läge sie wie in Adrahams Schoß. Zum Tode matt hatte die Theater=Leni die Bühne verlassen. „Komm, Harry“, sagte sie zu dem auf sie wartenden Knaben,„wir wollen schlafen gehen; ach, ich bin so müde!“ Und der Knabe schob seine kleine warme Hand in die der Mutter.„Ja, Mutter," begann er,„der Geigenfriedel läßt Dir sagen, wenn Du noch eine Tasse von dem guten Brustthee trinken willst, sollst Du zu ihm kemmen, der Thee wär' gut für Deinen Husten, Du hätt'st so oft gehustet heute beim Spielen und so krank ausgesehen.“ „Der gute Friedel!“ antwortete die Schauspielerin, „Gott lohn's ihm! Also doch jemand, der sich um uns kummert. Aber wir werden nicht hingehen, mein Kind, ich möchte nur schlafen, ich bin sehr, sehr müde. Komm!“ Ein heftiger Hustenanfall nöthigte die Frau, stehen zu bleiben. Mit ängstlichem Blick sah das Kind an ihr hinauf. „Ist's wieder so viel Blut, Mutter?“ fragte es dann leise. „Laß nur, mein Kind, das erleichtert mich!“ Schweigend schritten dann die Beiden über den Hof. Der Mond schien so hell, daß man alles deutlich erkennen konnte. Als sie sich der Scheune näherten, in welcher das Lager für die beiden Heimathlosen bereitet war, knurrte der zottige Hofhund, der, unter einem in der Nähe stehenden Ackerwagen liegend, den Hof bewachte. Er beruhigte sofort, als der kleine Harry ihn beim Namen rief. # Mit großer Hast öffnete die Mutter indeß die kleine Thur, die in die Scheune hineinführte. Harry schlüpfte der Vorausschreitenden nach, die Thür sich wieder und stöhnend warf sich die Schauspielichsten Glückwunsch auszusprechen. Möge des Allmächtigen starke Hand Dich auch ferner gnädig geleiten, und mir einen treuen, ritterlichen Freund noch lange Jahre erhalten. Wilhelm.“ Der gestrige„Reichsanz.“ veröffentlicht die Ergebnisse des Reichshaushalts für das Rechnungsjahr 1898. An ordentlichen Einnahmen, soweit sie dem Reich verbleiben, sind im Vergleich mit dem Etat des Vorjahres 73150128 M. mehr aufzekommen, wovon 173193 M. zur Deckung des Mehrbedarfs und 42400000 M. in Gemäßheit des Gesitzes vom 25. März 1899 zur Verminderung der Reichsschuld verwendet werden, so daß ein Ueberschuß von 30576 934 M. verbleibt. Aus Geestemünde wird gemeldet: Die Mehrzahl der Mannschaft des vor Geestemünde liegenden Kriegeschiffes „Ibis“ hatte am Sonntag Urlaub und verbrachte den Tag in angeregtester Stimmung, da die in dem benachbarten Lehe liegenden Matrosen=Artilleristen sich ihrer Kameraden in der liebenswürdigsten Weise annahmen. In Tanzlokalen in Geestemünde und Bremerhaven sah man die französischen Matrosen sich mit schmucken deutschen Mädchen im Kreise drehen und sich bemühen, durch schneidiges Auftreten die Gunst der Schönen zu erwerben. Interessant war es zu sehen, wie französische Mannschaften und Unteroffiziere nach der Melodie„Wir halten fest und treu zusammen“ im Volksgarten zu Bremerhaven ihre Damen beim Tanze schwangen. Mitte dieser Woche soll der deutsche Kreuzer„Geier“ vor San Jose de Guatemala erscheinen, was offenbar mit der Erledigung von Zahlungen an Reichsdeutsche seitens der Regierung von Guatemala zusammenbängt, da dieser Tage ein in diesem Streitfall gestelltes Ultimatum abgelaufen sein dürfte. In Tsintau(China) ist eine Stadt=Fernsprech= einrichtung mit neun Theilnehmern und einer öffentlichen Fernsprechstelle in Betrieb genommen worden; inzwischen werden weitere zehn Geschäfte usw. angeschlossen sein, und es steht zu erwarten, daß die Theilnehmerzahl bald 30 erreicht haben wird. Neben der Stadt=Fernsprecheinrichtung besteht noch für die Dienste des deutschen Gouvernements ein besonderes Fernsprechnetz, welches 18 Betriebsstellen umfaßt, sämmtliche wichtigen militärischen und Verwaltungsstellen unter einander verbindet und sich bis nach Lizun, Zankau und Schatzekau erstrickt. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Graz, 24. Juli. Die politischen Behörden erhielten Auftrag, gegen Kundgebungen gegen den Ausgleich mit Ungarn und den§ 14 der österreichischen Verfassung streng vorzugehen. Frankreich. Paris, 24. Juli. Heute wird Cavaignac in seinem gegenwärtigen Wohnsitze Le Mans vernommen, aber nicht in der Dreyfuesache, sondern zur Aufklärung gewisser Widersprüche in den Aussagen du Paty de Clams und einiger Zeugen. — 24. Juli. Advokat Laberi verlangt für den Dreyfusprozeß die Vorladung des seit Dezember 1894 im Gefängnisse zu Clairvaux festgebaltenen Maximilian v. Schoenebeck, eines angeblich früheren preußischen Offiziers. Auf diesen v. Schoenebeck spielte Graf Walsin=Esterhazy in dem jüngsten Interview des Londoner Korrespondenten des„Matin“ an, als er von den Gewährsmännern der früheren Kriegsminister sprach. Rennes, 24. Juli. Nach einer neueren amtlichen Bekanntgabe beginnt der Dreyfusprozeß am 7. August. Eine neueste, allerneueste 2c.„amtliche Bekanntlerin auf das in einer Ecke aus duftigem Heu und darübergebreiteten Decken hergerichtete Lager. „Gute Nacht, Mutter!“ sagte noch leise der Knabe, dann legte auch er sich nieder. Eine Weile war’s still, nur die raschen kurzen Athemzüge waren hölbar. Bald aber richtete sie sich wieder auf, ein krampfartiger Husten erschütterte den schwachen Körper lange Zeit. „Wasser, Harty, gib mir Wasser!“ Der Knabe griff zur Seite in das Heu, wo er den gefüllten Krug verborgen hatte. „Hier, Mütterchen!“ In raschen Zügen trank die Kranke und sank dann tief ermattet wieder zurück. Es mochten einige Minuten vergangen sein, da ließ sich die Stimme der Mutter wieder vernehmen; aber sie klang hohl und kaum hörbar: „Harty, hole den Geigenfriedel. Sag', ich wär' krank.“ Der Knabe sprang auf und verschwand durch die Thür. Er eilte über den Hof, ging durch das Wirthehaus und so rasch ihn seine kleinen Beinchen zu tragen vermochten, bis zu dem Häuschen, in welchem der Geigenfriedel wohnte. Geigenfriedel war der Musikant des Dorfes, der auch während der Theatervorstellungen mittelst seiner Ziehharmonika die Musikkopelle ersetzt hatte. Er war ein gutmüthiger einfacher Mann, der überall gern gesehen war. Er hatte sich schon halb entkleidet und wollte sich eben zur Ruhe begeben, seine Eheliebste, die brave Susanne, lag schon in dem hochgebauschten Bett, da hörte er draußen am kleinen Fenster seiner niedtigen Stube ein rasches Klopfen. Wer konnte denn das sein? Er fuhr in seinen Festtagsrock, den er heute Abend zur Vorstellung angezogen hatte, und ging hinaus vor die Thür. „Geigenfriedel, Du sollst zur Mutter kommen!“ hörte er ein seines Stimmchen. „Ah, Du bist's, Kleiner? Und zur Mutter soll ich kommen?“ „Ja, die Mutter ist krank.“ „Hm, hm!“ brummte der Musikant,„dacht mir's doch, daß's so kommen wird.— Warte hier, ich werde mitgehen!“ Kepfschüttelnd ging er in die Stube zurück, weckte seine Gattin und theilte ihr mit, was er vorhabe, griff nach dem Hut, nahm eine kleine Laterne und folgte dem rasch voraustrippelnden Kleinen, der, aufgeregt durch alles das, was geschah, leise zu weinen anfing. Auf dem Hofe des Wirthshauses angelangt, zündete gabe“ darf man wohl in Zeittäumen von acht zu acht Tagen eiwarten. — 24. Juli. Unter der Einwohnerschaft von Rennes herrscht nach wie vor Ruhe; es sollen jedoch von Paris zahlreiche Camelots eingetroffen sein, die schon in Paris die Majorität unter den Manifestanten bildeten. Wie es heißt, soll auch Dérouléde in Rennes eine Wohnung gemiethet haben, um während des Prozesses Drey sus Versammlungen abzuhalten. Italien. Rom, 24. Juli. Die Kriegsschiffe„Flavio“, „Givia" und„Curtatone“ werden am 1. August von Livorno aus eine Uebungefahrt antreten, die Straße von Gibraltar und von Dover passiren, Christiania und Kopenhagen anlaufen und dann durch die Ostsee und den Kaiser Wilhelm=Kanal zurückgehen; das Kriegsschiff„Vespussi“ wird einen spanischen Hafen anlaufen, um später in der Nordsee zu den oben genannten Schiffen zustoßen. Türkei. Konstantinopel, 24. Juli. Der hiesige griechische Gesandte, Fürst Maurokordatos, ist von einem Urlaub zurückgekehrt; morgen kommt Stefanus, der zweite Delegirte für die Verhandlungen, welche zwecks Abschlusses von Spezialkonventionen in Gemäßheit des Friedensvertrages zu führen sind. Die Verhandlungen sollen sofort beginnen. An ihrem baldigen Abschluß wird gezweifelt; es wird vielmehr die Nothwendigkeit des im Friedensvertrage vorgesehenen Appells an den Schiedsspruch der Mächte für möglich gehalten. — 24. Juli. Die türkischen Grenzbebörden verweigern den alljährlich nach dem russischen Grenzgebiete verdungenen armenischen Arbeitern die Rückkehr. Das armenische Patriarchat erhob deehalb bei der Pforte dringliche Vorstellungen. Rutzland. Petersburg, 24. Juli. Heute Nachmittag 6 Uhr traf die Leiche des Großfürsten Thronfolgers Georg auf dem Nicolai=Bahnhofe ein. Nachdem der Metropolitan von Peteréburg eine Seeienmesse zelebrirt hatte, wurde der Sarz durch den Zaren und die Großfürsten auf den bereitstehenden Trauerwagen gehoben, worauf sich der Zug durch den Newski=Prospekt nach der Peter=PaulsKatbedrale in Bewegung setzte. Auf allen Straßen, die der Zug passirte, bildete Militär Spalier; die Bürgersteige waren von großen Volksmengen dicht besetzt. Den Zug eröffnete eine Abtheilung des kaiserlichen Convoys, an die sich die Zivil= und Militär=Würdenträger, die Vertreter der gelehrten Institutionen und das Gefolge des verstorbenen Großfürsten anschlossen. Unmittelbar hinter dem von acht Pferden gezogenen Leichenwagen folgte der Zar mit dem Prinzen Waldemar von Dänemark; ihnen schlossen sich die Großfürsten und das Gefolge des Zaren an. Sodann folgten eine Kompagnie Grenadiere und dahinter die Zarin=Mutter und die Großfürstinnen. Nach zwei Stunden traf der Zug in der Peter= Pauls=Kathedrale ein. Im Auftrage des deutschen Kaisers hat Botschafter Fürst Radolin nach der Feier in der Kathedcale einen Kranz aus Lilien, Rosen und Palmwedeln mit schwarz=weiß=rother Atlasschleife am Sarge niedergelegt. Vereinigte Staaten. Wasbington, 24. Juli. Präsioent Mc. Kinley hat das Reziprozitätsabkommen der Vereinigten Staaten mit Portugal veröffentlicht, auch das Reziprozitätsabkommen mit Großbritannien bezüglich Jamaikas unterzeichnet; entsprechende Abkommen sollen bezüglich Bermudas, Trinidad's und Brittsch=Guyana's abgeschlossen worden sein. Geigenfriedel das Licht in der Laterne an und bald darauf befand er sich am Lager der Mutter des Kleinen. Er erschrak vor dem bleichen Aussehen der Schauspielerin, die, von dem Licht geblendet, die fieberhaft glänzenden Augen schloß. Friedel stellte die Laterne hinter das Gebälk. „Geigenfriedel,“ sagte leise die Kranke,„Ihr waret immer so freundlich zu mir, ich habe Euch gebeten, zu mir zu kommen, so spät, Ihr seid nicht böse deswegen?“ „Unsinn, Frau Leni,“ brummte Geigenfriedel. „Ich habe eine große Bitte,“ fuhr die Kranke fort. „Ich weiß nicht, wie lange es noch dauern wird, lange nicht mehr und mich hält auch nichts auf der Erde, ich würde gern gehen, aber nur mein Kind da, mein Harty, was soll aus ihm werden?“ „Schon gut, Frau Leni,“ unterbrach sie der gutherzige Friedel,„das Sprechen ist nichts für Euch, ist auch nicht weiter nöthig. Der Junge bleibt bei mir, wenn's Euch recht ist. Aber so schlimm wird's mit Euch wohl noch nicht sein— so eine Krankheit, wie Ihr sie habt, da denkt man immer, jetzt ist's alle, ja, wohl gespeist zu haben, auf einmal wird's wieder besser. Aber das Komödienspielen ist nichts mehr für Euch; Ihr kommt jetzt gleich zu mir, meine Susanne wird Euch pflegen, für mich ist auf dem Boden Platz und—“ „Ich danke Euch,“ unterbrach ihn die Kranke, mit der schmalen, blassen Hand freundlich abwehrend,„aber mich laßt hier bis morgen, morgen komme ich vielleicht zu Euch, Friedel!“ „Wie Ihr wollt, Leni, aber daß Ihr's noch einmal hört, Geigenfriedels Haus ist auch für Euch da, zu jeder Zeit!“ „Ich danke Euch nochmals, Friedel,“ sagte die Kranke,„Gott lohn's Euch! Uno nun werde ich schlafen können, gute Nacht, Friedel!“ „Gute Nacht, Frau Leni! Und wenn Ihr mich braucht, soll der Kleine ans Fenster klopfen.“ Und dann bedeckte er die bleiche Frau, die ihren Kopf müde zurückgelehnt hatte und in deren blassem, feinem Gesicht die Wangen wie im Fieber glühten, noch sorgsam mit der Decke, nickte ihr nochmals zu, verlöschte das Licht und verschwand durch die Thür. „Harry, mein Junge," begann die Mutter leise nach einiger Zeit,„warum weinst Du?“ „Mutter, Du willst mich allein lassen und ich soll zum Friedel. Mutter, Mutter, ich will mit Dir gehen!“ schluchzte der Knabe und preßte sein thränenüberströnttes Gesicht an die Hand der Mutter. Haan, 22. Juli. Die hiesige Gemeinde erhält in diesem Jahre sehr starke Einquartierung. Außer dem Füsilier=Reziment Nr. 39 aus Düsseldorf, welches am 31. August, 1., 2. und 3. September hier einquartiert wird, werden wir noch folgende Einquartierung erhalten: Am 11. September mit Verpflegung 1 Bataillon Infanterie. Ferner an demselben Tage mit Verpflegung 1 Divisionestab, 1 Infanterie=Brigadestab, sowie 1“: Bataillon Infanterie. Am 11. September 48 Offiziere, 833 Mann und 44 Pferde, ferner mit Verpflegung“: Bataillon Infanterie. Am 12. September erhält Oberhaan event. Nothquartiere ohne Verpflegung 1 Eskadron. Am 13. September bekommt Mittelhaan event. Nothquartiere ohne Verpflegung 1 Infanterie=Rezimentsstab, 1 Artillerie=Regimentsstab, 3 Bataillone Infanterie, sowie 2 Batterien, insgesammt 89 Offiziere, 1759 Mann und 177 Pferde. Oberhaan erhält am 13. September event. Nothquartiere ohne Verpflezung 1 Abtheilungsstab, 1 Bataillon, 1 Batterie, also erhält Oberbaan insgesammt am 13. September 34 Offiziere, 634 Mann und 83 Pferde. Wülfrath, 24. Juli. Eine jähe Unterbrechung erlitt der Festabend des Verbandes der Niederbergischen Feuerwehren. Die Feier war in vollem Gange, als ein Radfahrer ankam und den Ausbruch eines Brandes in der Außenzemeinde meldete; nur mit einer Hose bekleidet, hatte er den halbstündigen Wez zurückgelegt, die Pedale mit den bloßen Füßen tretend. Nach wenigen Minuten rasselte die Wülfrather Feuerwehr, unterstützt von Mitgliedern der fremden Wehren, zu dem Feuerberde. Einer der größten Bauernhöfe der Gemeinde, das Gut Rodenhaus, stand in Flammen. Die Feuerwehr vermochte der Gewalt des Feuers keinen Einhalt zu thun; sie mußte sich darauf beschränken, die anstoßende große Scheune zu schützen. Vermuthlich ist das Feuer im Backhause entstanden. Remscheid, 23. Juli. Am Samétag kam es in Güldenwerth zu einem Zusammenstoße zwischen einem Wagen der Remscheider Straßnbahn und einem Landfuhrwerke. Der Kutscher des letzteren, der durch eine ungeschickte Wendung den Unfall herbeiführte, wurde in einen Graben geschleudert und erlitt einen Armbruch und mehrere Rippenbrüche. — 24. Juli. In der städtischen Badeanstalt badeten am Samstag 1001 Personen. Elberseld, 24. Juli. Die Stadtverordnetenversammlungen Elderfeld's und Barmen's werden sich morgen mit der Vereinigung beider Städte in öffentlicher Sitzung beschäftigen. 24. Juli. Verhaftet wurde ein Maurer, welcher eine Parthie Uhren und Ketten im Werthe von fast 2000 Mark bei einem Althändler versetzen wollte. Zwei Begleiter deeselben, die vor dem Geschäft warteten, ergriffen die Flucht. — 24. Juli. Die Obduktion des unter verdächtigen Umständen verstordenen Schlossers K. findet heute statt. Die Frau des Dahingeschiedenen befindet sich etwas besser; das Kind, welches ebenfalls erkrankt war, hat sich völlig erholt. - 24. Juli. 5407 Personen haben am Sametag die städtische Badeanstalt benutzt. Damit ist die höchste Besuchsziffer seit Bestehen der Badeanstalt erreicht. Daß eine Badeanstalt bei dem steigenden Verkehr für eine Stadt von über 150000 Einwohnern nicht mehr genügt, beweisen nicht allein odige Zahlen, sondern auch die Hunderte, die Angesichts des starken Andranges umkehrten und, des Wartens müde, auf ein Bad verzichten mußten. „Mein liebes Kind,“ sagte zärtlich die Frau und zo die kleine Hand an sich,„es ist gut für Dich, daß ic gehe und Hariy, Deine Mutter ist so müde, sie möcht schlafen, schlafen und nicht mehr aufwachen.“ „Ja, Du sollst schlafen, Mutter, aber ich will imme bei Dir wachen, ich will immer bei Dir bleiben. L bitte, bitte!“ Ueber das bleiche Gesicht der Schwerkranken stahler sich leise heiße Thränen und ihre Brust athmete schwei Die kindlichen Bitten machten ihr das Sterben schwerer als sie es gedacht. Und daß sie nicht viele Stunder mehr zu leben hatte, das meinte sie vorhin gespürt zu haben, als sie ihr Lager aufgesucht.„Nun, wie Got will!“ sagte sie leise zu sich selbst, aber es galt nog Wichtiges zu ordnen. „Harty, sei ein gutes Kind,“ begann sie dann mit vernehmlicherer Stimme,„und höre, was ich Dir sag und vergiß nichts! Wenn ich morgen lange schlafer sollte und der Geigenfriedel kommen und ich wache immer noch nicht auf, auch wenn Ihr mich ruft, dann sag ihm, er soll das Täschchen— Du kennst es nicht— es ist an einem ledernen Bande mit einem kleinen Schlüssel daran, hier auf meiner Brust wird er es finden, das soll er nehmen und sage ihm, er soll es aufheben, aber Niemandem zeigen und Niemandem geben als später einmal Dir, wenn Du groß geworden sein wirst. Hast Du Alles verstanden?" „Ja, Mutter!“ Wieder war's still, nur das Schluchzen des Kleinen tönte durch den öden Raum, dazwischen von drüben hei aus der Wirthsstube lautes Gelächter und wüster Gesang der lustigen Zechgenossen. „Ich will immer bei Dir bleiben"— dat Wort ihres Kindes klang ihr noch in den Ohren So hatte der Vater dieses Kindes auch zu ihr gesprochen und die blauen Augen hatten sie dabei zärtlich angeblick und so wahr und treu— und— hier endete sie, eir verlassenes, vergessenes Weib. Und doch hatte de Priester ihren Bund gesegnet.— Sie sieht sich in der kleinen Dorfkapelle am Altar, neben dem, der sie liebt um ihrer selbst willen, sie, eine jugendliche Bühnen sänzerin. Und hinten in der Kirchenbank, neben der Säule mit den weißen Gedenktafeln und den weißer Sterbekissen, stand ihr Vater, ein armer Kopist, dessen ehrliches Gesicht vor Glück und Stolz strahlte, und dessen Augen in Thränen glänzten, als er sie nach der Trauung umschloß als rechtmäßige Galtin eines edlen, vornehmen Mannes.(Fortsetzung folgt.) — 24. Juli. Gestern Nachmittag war in der Sophienstraße ein 9jähriger Knabe auf eine die zum Zersägen von Schienen für die Straßenbahn dient, geklettert, als plötzlich von anderen Kindern, die dort spielten, an der Kurbel gedrebt, und das Getriebe in Bewegung gesetzt wurde. Hierbei gerieth der Knabe mit dem Zeigefinger der rechten Hand unter räder, die ihm den Finger abrissen. Erfi nachdem der Unfall passirt war, wurde die Kurbel, vor die nicht einmal ein Schloß gelegt gewesen war, von der Maschine Barmen, 24. Juli. Auf der Heckinghauser und Schwelmer Linie der elektrischen Straßenbahn ist der Betrieb seit Samstag gestört, da bei einem kurzen, aber heftigen Gewitter ein von der Zentrale in die Cleferstraße führendes unterirdisches Speisekabel durch einen Blitz durchschlagen wurde. — 24. Juli. Samstag Nachmittag stürzten auf einem Neubau an der Sedanstraße drei Maurer aus der Höhe des zweiten Stockweiks bis in den Keller. Sie wurden dem Krankenhause überwiesen; einer wurde bereits von dort wieder entlassen. Ronsdorf, 24. Juli. Bei einem am Samstag Nachmittag eingetretenen Gewitter zündete ein Blitz in einem Hause auf dem Sonnenschein und betäubte ein B556n..... 66 Langerfeld, 23. Juli. Die Biersteuer=pfenniggeschichte(um einen angeblich zu wenig bezahlten Pfennig Biersteuer war ein Mahnzettel von 10 und ein zweiter von 20 Pfg. ergangen) ist infolge der Beschwerde des betreffenden Wirthes beim Landrathsamt zu Gunsten des Beschwerdeführers erledigt worden. Köln, 24. Juli. Gestern Abend haben im Ahrthale sowie in der Eifel niedergegangene Unwetter großen Schaden angerichtet. Hagelschlossen im Gewichte von 300 Gramm bedeckten weite Flächen; ein später eingetretener Wolkenbruch setzte zahlreiche Gehöfte und Kleinbahnen fußhoch unter Wasser. Mehrfach hat der Blitz eingeschlagen. Eine auf einer Ahrtour befindliche Gesellschaft suchte unter Bäumen Schutz, als ein Blitz niederfuhr und fünf Personen zu Boden schmetterte; zwei Männer erholten sich alebald, drei Frauen indessen sind gelähmt. Bei Münstereifel wurden zwei Radfahrer vom Blitz getroffen; einer ist todt, der andere verletzt. Overath, 24. Juli. Samstag Abend sprang in Ehreshofen ein junger Mann, welcher den ganzen Tag im Walde gearbeitet hatte, in die Agger, um sich abzukühlen. Sofort machte ein Herzschlag seinem Leben ein Ende. Der Mann hat seiner Wittwe drei Kinder hinterlassen.„„„ Ponn 1. Jll. ien Radsebrer sturzte de gambe ster auf den Werftplatz. Er wurde derart verletzt, daß er alebald verstarb. Kreuznach, 24. Juli. Die Stadtverordneten bewilligten den drei bei den jüngsten Ausschreitungen verletzten Polizeisergeanten unter Anerkennung ihrer Pflichterfüllung Entschädigungen von 150 bezw. 75 M. Die Zahl der bei den Krawallen Verhafteten beträgt nur sechs; vier von ihnen sind Butschen im Alter von 16—18 Jahren. Mainz, 24. Juli. Hier verlautet, der Kaiser komme mit dem Zaren am 7. August nach Mainz; der Zar werde auch an einer Truppenschau auf dem Großen Sande Theil nehmen. — 24. Juli. Die 18jährige Tochter des früheren Besitzers des Gasthauses„Zur goldenen Schippe“, Kamp, trug beim Feueranzünden mit Petroleum gestern Nachmittag furchtbere Brandwunden davon, denen sie noch am Abend erlag. Düsseldorf, 24. Juli. Die Goethewoche hat einen erbeblichen finanziellen Ueberschuß ergeben. In interessirten Kreisen trägt man sich angesichts dessen mit dem Gedanken, dem größten deutschen Dichter ein Denkmal zu errichten und den erzielten Ueberschuß als Grundfonds anzusehen. — 24. Juli. Wie die Wohnungsnoth angewachsen ist, beweist, daß ein Fabrikarbeiter, Vater von sieben Kindern, der keine Wohnung erhalten konnte, vier der Kinder ins Waisenhaus thun mußte. — 24. Juli. Am Sametag schlug der Blitz auch in die Oberleitung der Bergischen Kleinbahn, weshalb der Betrieb der selben längere Zeit unterbrochen war. ssen, 24. Juli. Klempnermeister Hardeck, Maurermeister Trogemann und der 12jährige Schüler Schiller, alle drei von hier, vergnügten sich bei Werden mit Kahnfahren. Schiller wollte mit Hardeck den Platz wechseln, wobei der Kahn umschlug. Hardick, ein geübter Schwimmer, der bei den Pionieren gedient hat, ging wenige Meter vom Lande entfernt, wahrscheinlich infolge eines Schlaganfalls, unter und ertrank. Trogemann machte zehn Minuten lang heroische Anstrengungen, den sich wie rasend geberdenden Schiller zu retten, mußte aber den Versuch aufgeben und wurde ganz erschöpft ans Land gezogen. Der Knabe ertrank. Hardeck hinterläßt seiner Frau zwei Kinder; auch unterstützte er seine Schwester und seine Mutter. Wesel, 24. Juli. Heute Vormittag hat eine dem Trunke ergebene Frau ihren Mann erstochen; der Mann war sofort todt. Die Frau ist verhaftet. Kleve, 24. Juli. Am 12. März wurde in einem Kiefernwalde die Leiche eines seit mehreren Wochen vermißten hiesigen Soldaten, des Mueketirs Schreiber vom Infanterie=Regiment Nr. 56 an einem Baume hängend gefunden. Da alle Umstände auf Selbstmord deuteten, wurde der Unteroffizier des Schreiber unter dem Verdachte, den Soldaten durch Mißhandlungen in den Tod getrieben zu haben, in Untersuchungshaft genommen. Wie jetzt bekannt wird, hat zwar die Untersuchung keinen bestimmten Beweis dafür erbracht, daß der Unteroffizier den Tod des an Schwermuth leidenden Soldaten veranlaßt hat, da aber verschiedene Fälle von Mißhandlung erwiesen sind, ist der Unteroffizier, Schmitt mit Namen, zu dreizehn Monaten Festung und Degradation verurtheilt worden. Schwelm, 26. Juli. Ein Drahtzieher, ein Maurer und ein Bäcker von hier waren vom Schöffengericht wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs zu zehn Tagen Gefängniß verurtheilt worden, weil sie Nachts in einen Garten in Möllenkotten eingedrungen waren. Der Kaiser hat die Strafe im Guadenwege in eine Geldstrafe von 20 bezw. 30 Mk. umgewandelt. — 24. Juli. Am Ostermontag wurde am Altenmarkt der Schreiner Flehinghaus erstochen. Beim Reinigen einer Dunggrube des Wirths R. am Altenmarkt ist nunmehr ein dolchartiges Instrument gefunden worden, das anscheinend bei der Blutthat benutzt worden ist. Die Poltzei glaubt, dem Eigenthümer der Waffe auf der Spur zu sein. 24. Juli. Gestern ftüh wurde in der Nähe von Milepe in einem Gebüsch die Leiche eines Mannes gefunden. Wie Blutspuren erkennen ließen, wurde der Ermordete von dem Thatorte eine Strecke weit geschleift. In dem bezeichneten Gebüsch ist er mit Baumzweigen zugedeckt worden; auch haben der oder die Mörder die Leiche mit schweren Steinen beworfen, die das Gesicht so verstümmelt haben, daß der Ermordete zunächst nicht erkannt werden konnte. Erst am Nachmittag wurde konstatirt, daß der Ermordete der Fabrikarbeiter Egen aus Heilenbecke ist. Ezen hatte am Samstag ca. 26 Mk. Lohn erhalten. Von diesem wurde nichts mehr bei ihm vorgefunden. Der Getödtete war Wittwer, ca. 50 Jahre alt und wohnte bei seinem Sohne. Unter dem Verdacht, den Mord verübt zu haben, wurde eine Person verhaftet. Ob man damit den Mörder gefaßt hu, ist noch nicht sicher. Der Hofacker'sche Mord, der vor zehn Monaten passirte, ist noch immer ungesühnt. Iserlohn, 24. Juli. Auf dem Neubau des Bankiers Elsberg in der Gartenstraße stürzte der 17jährige Lehrling Joseph Müller aus Krefeld, der mit dem Klempnermeister D. auf dem Boden beschäftigt war, wahrscheinlich infolge eines Fehltritts bis in das Erdgeschoß. Er durchschlug die gezogenen Schwemmsteindecken, schnitt sich an dem zu letzteren verwendeten Bandeisen die Pulsader einer Hand durch und erlitt durch den Sturz einen komplizirten Schädelbruch. An den Verletzungen ist der junge Mann alsbald gestorben. Wäre, wie solches auch die Polizeivorschrift verlangt, die Decke des obersten Stockwerks fertig gestellt gewesen, so hätte sich dieser Vorfall nicht ereignen können. Hattingen, 24. Juli. Auf einer benachbarten Zeche riß eine halbe Stunde vor der Leuteförderung am Samstag das Förderseil. Da die Fangvorrichtung versagte, stürzten die beladenen Wagen in den Schacht. Die Belegschaft war gezwungen, auf den Fahrten eine Kletterpartie zu machen, die aber ohne Unfall vor sich ging. Blankenstein, 24. Juli. Zwei Kinder des Hammerschmieds van Dahlen, ein Knabe von 6 und ein Mädchen von 4 Jahren, wurden, als sie im Hammerwerksgraben badeten, von der Strömung fortgerissen und in die Ruhr hineingetrieben, aus der sie nur noch als Leichen herausgezoge werden konnten. Witten, 24. Juli. Aus der Ruhr wurde Samstag die Leiche des Eisenbahnwerkstättenschreiners Sch. gefischt. Ein biederer und fleißiger Mann, erkrankte er vor Jahresfrist an einem schmerzhaften Kopfleiden, welches mehrfache operative Eingriffe des Arztes zur Folge hatte. Er mußte nunmehr wohl die Ueberzeugung erlangt haben, sein Leiden sei unheilbar und suchte und fand seinen Tod in der Ruhr. Er hat Frau und Kinder hinterlassen. — 24. Juli. Die junge Frau des Fuhrmanns B. sollte wegen eines inneren Leidens sich einer Operation unterzieben. Aus Furcht vor dieser verließ sie vorige Nacht Mann und Kinder und durchschnitt sich auf der Breitestraße mit einem Rasirmesser die Pulsadern. Sie wurde noch lebend aufgefunden: doch verstarb sie auf dem Traneport zum Krankenhause. Münster, 24. Juli. In Westbevern schlug Samstag bei einem Gewitter ein Blitz in die Besitzung des Frhrn. v. Beverförde, Haus Lohberg, ein. Das Schloß ist vollständig niedergebrannt; Menschen und Vieh konnten gerettet werden. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 25. Juli 1899. Die„Voss. Ztg.“ schreibt: Wie wir vernehmen, ist es vornehmlich den persönlichen Vorstellungen des Geheimraths Krupp beim Kaiser zu danken, daß der Kaiser sich bereit erklärt hat, für den Fall, daß die Feier in Dortmund auf einen späteren Termin verlegt werden könne, derselben persönlich beizuwohnen, und zwar unter Aufrechterhaltung des früheren Programms nicht nur für Dortmund, sondern auch für Villa Hügel und Müngsten.(Eine Bestätigung dieser Nachricht liegt noch nicht vor.) Aus Remscheid wird noch gemeldet, daß sich Herr Bürgermeister Nollau gestern nach Düsseldorf begeben hat, um mit dem Regierungs=Präsidenten über den eventuellen Kaiserbesuch zu konferiren. — Die gestern Abend im evang. Vereinshause abgehaltene Evangelisations=Versammlung hatte sich eines sehr zahlreichen Besuches zu erfreuen. Der vormalige Pfarrer der hiesigen evang. Gemeinde, Herr Pastor Buchholz aus Essen, hielt, anknüpfend an das Wort der h. Schrift Römer VIII, 16—17, eine eindringliche Ansprache an die Versammelten. — Aus Berlin wird berichtet: Wie aus Belgrad telegraphisch gemeldet wird, hat die serbische Regierung auf besonderes Betreiben des Königs Milan mit den „Deutschen Waffen= und Munitionefabriken“ zu Berlin nach längeren Verhandlungen ein Abkommen getroffen, wonach zur Neubewaffnungder serbischen Infanterie die genannte Firma sich verpflichtet, gegen Baarzahlung 90000 Repetirgewehre und 50 Millionen scharfe Patronen zu liefern. Auch die Neubewaffnung der Kavallerie mit Säbeln ist der genannten Firma und ihrer Filiale in Solingen übertragen worden.— Vorstehender Meldung ist hinzuzufügen, daß unseres Wissens hier keine Filiale der„Deutschen Waffen= und Munitionsfabriken" besteht, wohl aber sind mit hiesigen Firmen seitens der serbischen Regierung Verhandlungen wegen Waffenlieferung für das serbische Heer anackaüpft worden, die aber bis jetzt noch kein positives Ergebniß gehabt haben. — Anläßlich der Frage, wie die Lungentuberkulose am zweckmäßigsten zu bekämpfen sei, werden der „Remsch. Ztg. von bestunterrichteter Stelle die Grundsätze für die Uebernahme des Heilverfahrens Seitens der Invaliditäts= und Altersversicherungs=Anstalt Rheinprovinz zu Düsseldorf mitgetheilt: Nach diesen Grundsätzen ist die Versicherungsanstalt zur Uebernahme eines Heilverfahrens nicht verpflichtet, sondern nur berechtigt. Von dieser Befugniß wird sie nur dann Gebrauch machen, wenn der Kranke Versicherter ist, sowie wenn vollständige Heilung oder doch wesentliche und anhaltende Besserung zu erwarten, ohne das Eintreten der Versicherungsanstalt dagegen Erwerbsunfähigkeit und Anspruch auf Rente zu gewärtigen ist. Ferner wird grundsätzlich daran festgehalten, daß die Versicherungsanstalt Kosten für Heilverfahren nur subsiditär, d. h. nur dann aufwendet, wenn anderweitige Verpflichtete, z. B. Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, Dienstberrschaft, Armenverwaltung 2c. nicht vorhanden sind. Die Uebernahme des Heilverfahrens Seitens der Versicherungs=Anstalt findet in dreifacher Form statt und zwar durch: a) Unterbringung in einem Krankenhause bezw. Fortsetzung der Verpflegung in einem solchen. Diese kann nur ausnahmsweise eintreten, da, soweit nicht Krankenkasse, Dienstherrschaft 2c. einzutreten haben, in der Regel die Armenverwaltungen ihrer gesetzlichen Verflichtung entsprechend die Fürsorge zu übernehmen pflegen. Der Versicherungsanstalt ist also in der Regel nur dann Mittheilung zu machen, wenn die Fürsorgepflicht der Genannten aus besonderen Gründen nicht besteht....— b) Unterbringung in einem Kurort, in einer medico=mechanischen Anstalt, Behandlung durch auswärtige Spezialisten und dergleichen. Die Kosten derartiger Maßnahmen übernimmt der Vorstand nur, insoweit dieselben die zulässigen Aufwendungen des Verpflichteten(Krankenkasse, Berufsgenossenschaft, Armenverwaltung 2c.) übersteigen. e) Rekonvaleszentenfürsorge. Diese tritt dann ein, wenn die Krankheit soweit beseitigt ist, daß eine besondere ärztliche Behandlung nicht mehr erforderlich, aber Schonung und Kräftigung nothwendig ist, um eine vollständigere Heilung zu erreichen oder Rückfälle zu vermeiden.(Aufenthalt in guter Luft, kräftige Ernährung 2c.) Zur thunlichsten Förderung dieses wichtigsten Zweiges des Heilverfahrens ist erforderlich, daß Vereine gebildet werden und Krankenkassen sich bereit finden, welche die Durchführung der Fürsorge übernehmen. Derartige Vereine und Krankenkassen wird die Versicherungsanstalt innerhalb des Rahmens ihrer Befugnisse thunlichst unterstützen. Wenn den Kranken für die Zeit, für welche die Versicherungsanstalt die Kosten des Heilverfabrens trägt, Bezüge aus irgend einer Kasse zustehen, so sind diese in der Regel an die Versicherungsanstalt abzuführen. Die Unterstützung der Familie des Kranken während des Heilverfahrens muß von dem Vereine bezw. von der Krankenkasse übernommen werden. Wir bemerken hierzu, daß von dem Vortheil dieser Unterstützung zur Pflege 2c. ein großer Theil gerade der hiesigen Arbeiter ausgeschlossen ist, da die selbständigen Schleifer und Reider der Versicherungspflicht nicht unterliegen. C— Der amtliche Halbjahrs=Bericht 1899 über neu geschützte Muster und Modelle giebt die Zahl der vom Amtsgericht Solingen eingetragenen Urheber auf 42 an. Mit dieser Zahl steht unter 144 Amtsgerichten Solingen an 3. Stelle und folgt gleich auf Berlin I und Leipzig. Die Zahl der für diese 42 Urheber eingetragenen Muster ist 130. *— Das gestern Mittag im„Hamburger Hof" des Herrn E. Beckmann aus Anlaß des Schützenfestes veranstaltete, mit Militärkonzert verbundene Königsfrühstück zählte etwa 150 Theilnehmer. Auf den Kaisertoast des Herrn Redakteur Witzler folgte ein Trinkspruch des Herrn Hauptlehrer Pütz, der einen Rückblick auf die Geschichte des Vereins warf, worauf Herr Zwinge sein Glas auf das Wohl der Jubilare leerte und Herr Rektor Mehler ein Hoch auf den Vorstand ausbrachte. Obwohl sich die Nachwirkungen des auf den 22. dse. von Falb vorausgesagten kritischen Tages erster Ordnung in Regen und Donnerrollen gestern noch ziemlich bemeikbar machten, war das Wetter im Allgemeinen dem Volksfest günstig. — Kommenden Freitag gastirt im Kaisersaal in einmaligem Konzert das Kaiser=Cornet=Quartett von der Berliner Hofoper. Gelegentlich eines öffentlichen Auftretens dieses Quartetts in Berlin hatte die „Vossische Zeitung“, auf dem Gebiete der Musikkritik eines der angesehensten Blätter der Reichshauptstadt, folgende Worte rühmender Anerkennung:„Das Ensemble der vier Herren war ein ganz ausgezeichnetes und ließ weder an Reinheit des Klanges, noch an Präzision und Akuratesse des Vortrags etwas zu wünschen übrig. Die bekannten Vorzüge dieses in seiner Art wohl einzig dastehenden Quartetts bewährten sich namentlich in den Kompositionen von Möhring, Ramsoe und Söderberg. Von der bei Blasinstrumenten so oft störenden Sprödigkeit war bei den vier Herren nichts zu spüren und beberrschen dieselben ihr Material mit einer Leichtigkeit, wie unsere hervorragendsten Streichquartettkünstler. Die Instrumente, auf denen die Herren spielten, sind aus Silber gefertigt und wohl das vollkommenste, was bisher auf dem Gebiete erzeugt worden ist. An Wohllaut und Schmiegsamkeit in der dynamischen Klangwirkung haben wir etwas Vollkommeneres von derartigen Instrumenten noch nicht gehört.“ Angesichts solcher Empfehlung darf man wohl dem hier stattfindenden Konzerte mit großer Spannung entgegensehen. Herrn Pohl, dem rührigen Inhaber des Kaisersaals, ist es, wie uns mitgetheilt wird, nicht leicht geworden, das Engagement der Berliner Künstler zu bewerkstelligen. 69.— Gestern Nachmittag fuhr eine Mutter ihren Liebling in einem Kinderwagen spazieren und benutzte dazu auch die Bürgersteige der Kaiserstraße. Unterwegs erregte ein in dem Schaufenster eines Geschäftes ausgestellter Artikel ihre Aufmerksamkeit. Kurzer Hand läßt die Vertrauensselige den Kinderwagen stehen und geht in das Geschäft, um den Gegenstand zu kaufen. Nach einer Weile kommt der führerlose Wagen infolge des etwas abschüssigen Trottoirs in Gang und kippt um. Der kleine Insasse fiel auf die Straße und wurde von einem Polizeibeamten glücklicher Weise noch unversehrt aufgehoben und der bestürzt herbeigeeilten Mutter in die Arme gelegt. Möge dieser noch so glimpflich abgelaufene Fall Müttein zur Warnung dienen; übrigens gehören Kinderwagen nicht auf die Bürgersteige. 69— Gestern Morgen wurde am Fahrkartenschalter des Südbahnhofes ein Einmarkstück beanstandet, dessen plumpe Ausführung das Falsifikat sofort erkennen ließ, und die Persönlichkeit des dasselbe ausgebenden, etwas zweifelhaften Frauenzimmers festzestellt. Wie verlautet, sind in letzter Zeit auch in Wald und Gräfrath falsche Einmarkstücke aufgetaucht, ohne daß es gelungen ist, die Verausgaber festzustellen. *— Daß auch die Schaffner der elektrischen Straßenbahn in Ausübung ihres Berufs manchmal unangenehme Zwischenfälle erleben, das zeigt wieder ein Fall, der sich gestern Mittag am Neumarkt zutrug. Ein Fahrgast, der einen unrichtigen Fahrschein präsentirte, wollte keinen neuen nachlösen und ließ sich durch die Erplikationen des Schaffners in seinem vermeintlichen Recht nicht stören. Als ihm bedeutet wurde, er habe im Weigerungsfalle des Lösens eines Fahrscheines den Wagen zu verlassen, ging er zu Thätlichkeiten über. Hierauf wurde, nachdem u. A. der Führer dem Angegriffenen zu Hülfe geeilt, mit dem Widerspenstigen kurzer Prozeß gemacht und er an die Luft gesetzt.— Wie dieser, so ereignen sich gleiche und ähnliche Fälle alle Tage; vornehmlich ist es auch die Gepäckfrage, die längere Erörterung und nicht selten unfreiwilligen Aufenthalt hervorruft. Vorschrift ist, daß größere Gepäckstücke, die stets nur auf dem Vorderperron Aufstellung finden dürfen, so lange frei befördert werden, als sie nicht den Platz für einen Fahrgast einnehmen; sonst muß eine Karte dafür gelöst werden. Sogenannte Lieferkörbe und=Mängken werden frei befördert. □— Am Sonntag wurde einer Frau aus Straßen auf dem Schützenfestplatze das Portemonnaie mit 8 M. Inhalt aus der Tasche entwendet; im Gedränge merkte sie den Verlust nicht sofort, und so konnte der Dieb mit seiner Beute unbemeikt verschwinden. Gestern Abend entstand in einem Hause an der Blumenstraße zwischen 2 Kostgängern eine Schlägerei, bei welcher der eine dem andern mit einem Kartoffelstößer mehrere Schläge auf den Kopf versetzte. Als die Polizei erschien und den Thäter verhaften wollte, entflob dieser eiligst durch das Fenster, kum aber später zurück und wurde heute Morgen von den Polizei=Beamten zu Vorspel geholt, um dem kgl. Amtszericht zugeführt zu werden. Der Verletzte mußte noch gestern Abend dem Krankenhause zugeführt werden, wo er infolge einer hirn=Erschütterung schwer erkrankt darnieder liegt. §— Ein Schwindler treibt sich z. Z. in den Gastwirthschaften und Verznügungslokalen der Stadt und der Umzegend umher. Es ist ein junger Mensch blond, etwa 26 Jahre alt, trägt grünen Anzuz und schwarzen Hut. Der Butsche gibt, wie uns mitgetheilt wird, an, Buchdruckmaschinenmeister zu sein, und bestellt im Auftrage des Buchdrucker=Vereins in Solingen für diesen Kaffee und Abendessen. Der Verein komme alsbald. Gleichzeitig thut sich der„Herr Buchdrucker“ an Bier und Speisen gütlich, macht schließlich beim Wirth noch eine Anleihe und verschwindet auf Nimmerwiedersehen. Vor dem Butschen sei hier mit eindringlich gewarnt. ::— Das Kind, welches auf dem Wege von Auermühle nach Kohlfurterbrücke den Felsenabhang hinunter in die Wupper stürzte, mußte auf Anordnung des Herrn Dr. Holzschneider, Cronenberg, dem Krankenhause zu Elberfeld zugeführt werden, da die Schädelknochen sehr in Mitleidenschaft gezogen sind. — Als Gebrauchsmuster wurden eingetragen: Scheere mit Federregulierung für Hugo Köller, Solingen,— Hängeschloß ohne Schlüssel mit Sprinzbügel. welches durch einen drehbaren Schieber vermittels Wirbels und verdeckter Stellscheibe geöffnet wird, für Georg Wiese, Solingen. — Bei den diesjährigen Herbstübungen der Truppen werden u. A. noch staik mit Einquartierung belegt: Gemeinden Witzhelden, Monheim, Neukirchen, Wiesdorf und Bürrig. Bei ungünstiger Witterung werden ferner in Neukirchen Nothquartiere beziehen am 31. Juli 47 Offiziere, 1392 Mann, 98 Pferde, am 8. Sept. 97 Offiziere, 2180 Mann, 421 Pferde. — In Haft kamen eine Händlerin vom Schützenfeld wegen Zechprellerei und drei Dachdecker wegen Unfuge. — Der bei Kinheim a. d. Mosel tödtlich verunglückte Radfahrer ist kein Solinger. Es war der 32jährige Joseph Gerlach aus Burgen, der in rasendem Tewpo die steile Anhöhe von Cröv hinabfuhr und mit solcher Wucht gegen eine Mauer rannte, daß die Schädeldecke vollständig gespalten wurde und das Gehirn heraustrat. — Daß bei dem Genuß von kalten Getränken bei heißem Wetter doppelte Vorsicht am Platze ist, lehrt ein in der Nachbarschaft Hattingen's vorg kommener Fall. Ein seit kurzer Zeit verheiratheter Telegraphenbeamter trank, als er vom Dienst zurückgekehrt war, in erhitztem Zustande ein Glas kaltes Wasser. Kurze Zeit darauf sank er, von einem Herzschlage getroffen, todt zusammen. □ Höhscheid, 24. Juli. Einem hiesigen Metzer entlief heute Morgen ein Ochse in der Nähe von Bauermannskulle. Das Thier nahm die Richtung auf Erlenhof=Kohlsberg und konnte erst in Nesselrath jenseits der Wupper wieder eingefangen werden. O Gräfrath, 24. Juli. Eine recht betrübende Entdeckung machte gestern Morgen eine Familie. Der 21jährige Sohn war nämlich unter Mitnahme seiner ganzen Baarschaft nach Hamburg ausgerückt, um dort auf ein Schiff zu gehen. Angespornt zu dieser That wurde der Ausreißer von verschiedenen seiner Mitarbeiter in Solingen, von denen auch einige die Reise mitmachten und die dem Bethörten das Seeleben in der rosigsten Weise schilderten. G— 24. Juli. Vom 1. August d. J. ab wird die Bahnhofsperre hier aufgehoben. Die Durchlochung resp. Abnahme der Fahrkarten erfolgt von genanntem Zeitpunkte ab vor dem Bahnhofe auf dem Bahnsteige. Mit den dazu nöthigen Vorkehrungen wird morgen schon begonnen werden. *— 25. Juli. Ja den letzten Tagen ist unsere Gegend viel von schweren Gewittern heimgesucht worden. Bei dem am Samstag Nachmittag stattgefundenen schlug ein Blitz in das neue Fabrikgebäude der Firma Gottl. Hammesfahr zu Foche, zertrümm.tte einen Theil des Daches, lief an der Mauer herunter und sprang dann in die Erde. B.i dem starken Gewitter, welches, von einem wolkenbruchartigen Rezen begleitet, sich gestern Nachmittag entlud, schlug der Blitz in einen auf dem Felde zu Steinenhaus aufgestellten Heuschober und äscherte denselben gänzlich ein. Der Heuschober war versichert, so daß den Eigenthümer wohl kein zu großer Schaden treffen wird. Vereins=Nachrichten. Solingen, 25. Juli. — Bei dem am Sonntag zu Burscheid stattgefundenen Turnfest errangen folgende Turner Preise: den 3. Preis im Springen A. Linden, den 1. Preis am Barren E. Müller, den 1. Ehrenpreis am Pferd W. Pauls,— den 2. Preis am Pferd E. Müller. Bei dem Turnfest in Ober=Burg erhielt H. Pütz den 1. Preis im Wettlauf, am Reck E. Stamm, den 1. Preis im Reckspringen E. Stamm. Die genannten Herren sind Mitglieder des Schützenhöher Turn=Vereins. Wald, 24. Juli. Gestern gab der Walder Männerchor im Lokale des Herrn M. Menzer zu Kratzheioberg ein stark besuchtes Konzert. U. A. bot der Verein einige Kompositionen seines Dirigenten Herin Musikdirektor Weinreis. Der„Abschied", durchaus im Volkstone gehalten, veranschaulicht in melodioser Weise den Trennungsschmerz und die Hoffnung auf em Wiedersehen. Ebenfalls eine Neuheit ist der des Kreuznacher Gesangwettstreites,„Zwiegesang“. Groß artiger veranlagt wie der„Abschied“, vereinigt der„Zo! gesang“ so viele Schönheiten in jeder Beziehung in sich, daß er wohl bald Gemeingut vieler Gesangvereine weiden wird. Der lang anhaltende Beifall, welcher gespenee wurde, galt wohl so gut der schönen Ausführung dem Komponisten. Herr E. Blumenrath trug eme Arie aus„Undine“ und das Lied„An der Weser“ von Pressel vor; der Sänger erntete mit seinen schönen Vorträgen rauschenden Beifall. Herr Joh. de Vogt, eren falls Mitglied des konzertgebenden Vereins, sand mehrere Tenorsoli:„Am Rhein beim Wein“ von Rit und das Schumann'sche„Wanderlied". Der Sanze ist mit großartigen Stimmmitteln versehen, die ihn fähigen, den Anforderungen, welche die beiden Lieder den Sänger stellen, gerecht zu werden. Hoffentlich habet wir noch häufig Gelegenheit, den Sänger in Konzertel zu hören.(„W. Ztg.) Barmen, 24. Juli. Gestern tagte hier der neun nordwestdeutsche Detaillistentag, dem beute eine Verbandsversammlung der kaufmännisch Vereine Rheinlands und Westfalens und angrenzene Gebiete anschließt. Es referirten zunächst Herr über„Die Eatwickelung unserer heutigen wirtbschaftlich“, Lage und ihre nachtheilige und schädigende Wirkung an den gewerblichen Mittelstand" und Herr Schwickman über„Die Konsumvereine, Waarenhäuser 2c. und geplante Umsatzsteuer". Referenten und Versammlund waren darin einig, daß es Pflicht des Staates sei, Hebung und Erhaltung des Mittelstandes von den Gtoy bazaren usw. eine Umsatzsteuer zu erheben, wodurch kleineren Geschäfte jenen wieder konkurrenzfähig gemacht werden. Eine,Umschlagssteuer, wie sie die Kummune in Beuthen eingeführt und der Finanzmister auch genehmigt hat, fand man zu rigoros; es werde sich aber ein gerechterer Steuermodus finden lassen. Für einen Zusammenschluß der Detaillisten zu Einkaufsvereinen war in der Versammlung keine Stimmung; allgemein wurde hervorgehoben, daß dadurch der Grossistenstand, den man auch noch zum Mittelstande rechnen müsse, geschädigt werde, der Verband also damit im Widerspruche zu seiner sonstigen Vertbeidigung des Mittelstandes stehen würde. B züglich der Ladenschlußfrage, über die Herr Pfannkuchen referirte, hat der Barmer Verein zum Schutz für Handel und Gewerbe die gesetzliche Einführung einer Geschäftszeit von 6 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends in den Monaten vom 1. April bis 1. November, in den übrigen Monaten von 7 Uhr Morgens bis 9 Uhr Abends beantragt, ausgenommen den Monat Dezember und alle Samstage, wo eine uneingeschränkte Geschäftszeit gestattet sein solle. Die Versammlung war dar in einig, daß die Regierung dazu übergehen werde, eine obligatorische Ladenschlußstunde einzuführen, und da sei es Sache der Detaillisten, dafür zu sorgen, daß eine Schlußstunde festgesetzt werde, die nicht zu schädigend in ihr Erwerbeleben eingreife. Die von dem Barmer Verein festgesetzten Zeiten wurden durchweg als angemessen und in allen Städten durchführbar erklärt. Auch wurde allgemein anerkannt, daß eine gesetzliche Regelung der Ruhezeit der Geschäftsangestellten dringend erforderlich sei, da die Ausbeutung der Gehülfen zum Theil ein erorbitante sei. Nach einer Hamburger Statistik beträgt, wie mitgetheilt wurde, die Arbeitszeit in 1925 der Geschäfte 12 Stunden, in 21% 13, in 1675 14, in 16% 15, in 21% 16 und in 8% über 16 Stunden. Endlich war die Versammlung einig, daß die Besteuerung der Beamten, wonach dieselben nur die Hälfte der Kommunalsteuern zu entrichten haben, den heutigen Verhältnissen nicht mehr entspreche; die Gehälter seien durchweg erhöht und zudem seien die Beamten in anderen Punkten, wie Pensionsverhältnissen u. s. w. derart günstig gestellt, daß man verlangen müsse, daß sie die gleichen Steuern wie die übrigen Bürger tragen. Neuwied, 24. Juli. Der hiesigen„Liedertafel“ hat der Kaiser zu ihrem auf den 13. und 14. August anberaumten Gesangwettstreite als Ehrenpreis eine silberne Königsmedaille gestiftet. Trier, 24. Juli. Der Verein der Kommunalbeamten der Rheinprovinz hielt gestern hier seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Vorsitzende, Stadtsekretär Stephani=Trier, erstattete den Bericht für 1898 99. Darnach hat der vor fünf Jahren für das Königreich Preußen ins Leben gerufene Verband im abgelaufenen Geschäftejahr seine Mitgliederzahl von 4900 auf 8500 gesteizert; speziell der rheinische Provinzialverein zählte am 1. April v. J. 526, am 1. April d. J. 676 Mitglieder, von welchen gegenwärtig auf den Bezirk Aachen 71, Düsseldorf 450, Köln 21, Koblenz 16, Trier 115 entfallen. Der Vorsitzende theilte noch mit, daß der Zentralverein jetzt eine eigene Sterbekasse habe, der auch die Ehefrauen der Mitglieder beitreten könnten. Die Gründung einer Krankenkasse, einer Sparund Darlehnskasse und eines Beamtenheims zur Beschaffung guter und billiger Unterkunft soll auf der nächsten Hauptversammlung beschlossen werben. Ein Antrag des Bezirksverbandes Trier auf Leistung eines regelmäßigen Jahresbeitrages aus der Provinzialverbandskasse zum Unterstützungefonds des Zentralverbandes wurde abgelehnt. Dagegen beschloß Versammlung die Gründung eines Provinzial=Unterstützungsfonds. Ferner wurde beschlossen, auf der in Freienwalde stattfindenden Hauptversammlung des Zentralverbandes den Antrag auf Austritt aus dem Verbande deutscher Beamtenvereine zu stellen und die dadurch ersparten Mitgliederbeiträge dem zu gründenden Unterstützungsfonds zu überweisen. Als Ort für die nächstjährige Hauptversammlung des Provinzial=Vereins wurde Düren bestimmt. Gerichts=Verhandlungen. Köln, 24. Juli. Wegen Duells mit dem Referendar Leiden wurde heute von der Strafkammer der Zahnarzt Dr. Wietfeldt zu drei Monaten Festungshaft verurtheilt. Der Zweikampf war am 8. April zu Mehlem ausgefochten worden. Eine von dem Zahnarzte angebotene unblutige Aussöhnung hatte das militärische Ehrengericht, dem der Referendar in seiner Eigenschaft als Reserveoffizier unterstellt ist, nicht für zulässig erachtet. Die Bedingungen des Duells waren zweimaliger Kugelwechsel bei acht Schritt Distanz; nach einmaligem Kugelwechsel, bei dem beide Parteien unverletzt blieben, kam eine Aussöhnung zu stande. Bei der Strafabmessung wurde berücksichtigt, daß der Zahnarzt aufs schwerste beleidigt worden sei. Vermischte Nachrichten. Hameln, 24. Juli. Heute Mittag hat in der Pfortmühle eine Mehlstauberplosion stattgefunden, dadurch verursacht, daß ein neu eingestellter Arbeiter mit einem Licht in die Mehlstaubkammer ging. Der Arbeiter ist schwer verbrannt ins Krankenhaus gebracht worden. Berlin, 24. Juli. Der Rechtsanwalt Dr. Bartsch, der, wie gemeldet, in einem hiesigen Hotel wegen bedeutender in Konstantinopel begangener Unterschlagungen auf Antrag des Konsulargerichts in Konstantinopel verhaftet wurde, wird nach dort gebracht, da er jede Schuld bestreitet. — 24. Juli. Ein nach Unterschlagung von 240000 Mark aus Paris flüchtig gewordener in Deutschland geborener Prokurist ist von der Schöneberger Kiiminalpolizei verhaftet worden. 24. Juli. Als eine Telephogistin eine Verbindung mit Hamburg bergestellt hatte, ertönte ein dumpfer ## Die Telephonistin stürzte zu Boden und trug eine Reivenlähmung davon. Man nimmt eine Blitz übertragung von Hamburg an. Charlottenburg, 21. Juli. Das gestrige Blitzschlagunglück geschah bei einem Schauturnen des polnischen Turnvereins„Sokol". Der Blitz schlug in die Fahnenstange und traf, wie sich inzwischen ergeben, elf Personen. Ein Mann und eine Frau waren sofort todt, die übrigen nur unbedeutend verletzt. Dresden, 24. Juli. In Löbtau wurden heute amtlich 120 Typhuserkrankungen und 12 Todesfälle festgestellt. Die Untersuchung ergab, daß die Wölfnitzer Wasserleitung, die einen Theil Lödtaus mit Wasser versorgt, verseucht ist; dieselbe wurde sofort geschlossen. Auch in Dresden sind, von Arbeitern eingeschleppt, Typhuéerkrankungen eingetreten. Kannstadt, 24. Juli. Bei Gaieburg wurde heute Vormittag ein Fuhrmann mit seinem Pferde vom Blitz getödtet. Stuttgart, 24. Juli. Zwischen Giengen und Hermaringen überfuhr gestern ein Bahnzug einen Gesellschaftswagen; fünf Personen warden getödtet, sechs verletzt. Wien,24. Juli. Dis Torpedoboot„Adler“ wurde geborgen und in den Hafen von Lesina gedracht, wo es durch das Kriegsschiff„Gigant“ in Schlepptau genommen wurde, um nach Pola überführt zu werden. Die Leichen von drei Verunglückten wurden nicht gefunden. London, 24. Juli. Der von Bassein mit 4000 Tons Reis nach Amsterdam bestimmte Dampfer„Gorsedd“ ist an der französischen Küste gescheitert. Passagiere und Mannschaften sind gerettet. Bombay, 24. Juli. Die Pest nimmt hier zu; in Puna kamen gestern 110 E.krankungen und 82 Todee fälle vor. Eine große Anzahl Bewohner verlassen täglich die Stadt. (Publikum und Zeitung.) Daß ein Zeitungsredakteur zu den geplagtesten Geschöpfen auf dieser schönen Erde gehört, ist oft betont worden. Er mag thun, was er will, unmöglich ist es für ihn, allen Leuten gerecht zu werden; jeder will etwas Anderes, und stets will der Eine das, was der Andere nicht will. Als Belez dafür diene folgende Blüthenlese, die der Redakteur des „Salzb. Tagbl.“ in einer verzweiflungsvollen Stunde zusammengestellt hat: 1) Wenn Sie sit etwas mehr mit den kommunalen Angelegenheiten deschäftigen wollten, so würden Sie Ihre Leser shr verbinden.— 2) Hören Sie doch endlich auf mit ihrer ewigen Rathhaus=Quasselei. Ein Abonnent.— 3) Itr Popier ist so weich, daß man nichts darin einwickeln kann. Wenn Sie nicht baldigst u. s. w.— 4) Meine Frau benützt die alten Zeitungen zum Fensterputzen. Könnten Sie nicht dafür sorgen, daß das Papier etwas weicher u. s. w.— 5) Ich interessire mich nicht für Politik. Wenn Sie nicht den lokalen Theil Ihrer Zeitung ausdehnen und dafür den politischen in die ihm gebührenden Schranken eindämmen, werde ich mich veranlaßt sehen u. s. w.— 6) Lassen Sie doch diese lokalen Klatschgeschichten, um die sich kein Mensch kümmert, und vergrößern Sie dafür den Kreis Ihrer politischen Korrespondenten, da ich sonst u. s. w. — 7) Sie besprechen die einzelnen Vorkommnisse auf politischem Gebiete nicht ausführlich genug. Unsereiner, der von Politik nicht viel versteht, will sich doch nach der Zeitung seine Meinung bilden. Wenn Sie nicht u. s. w. — 8) Lassen Sie doch die köchst überflüssige und langweilige politische Kannegießerei wez und bringen Sie die nackten Thatsachen! Jeder gebildete Mensch wird sich dann sein Urtheil selbst formen u. s. w.— 9) Ihr Blatt sagt mir sehr zu. Trotzdem werde ich, wenn Sie nicht alebald einen landwirthschaftlichen Briefkasten einrichten, zu meinem Bedauern u. s. w. — 10) Warum vernachlässigen Sie die Dichtkunst? Ich bin geine bereit, Ihnen meine Leier zur Verfügung zu stellen.— 11) Bei Ihrer bekannten Bereitwilligkeit, auf die Wünsche Ihrer Leser einzugehen, wird es nur dieser Bitte bedürfen, um Sie zu veranlassen, von nun an auch die Ziehungslisten der in= und ausländischen Loose, sowie sämmtlicher Staatspapiere zu verlautbaren. Es könnte gewiß manch anderer Ballast, mit dem Sie Ihr Blatt beladen, dafür wegbleiben. In der sicheren Hoffnung u. s. w.— 12) Nun bringen Sie gar die endlosen Zahlenreihen der verschiedenen Lotterien. Man wird ja ganz nervös, wenn man einen Blick darauf wirft. Ich glaube, es fehlt Ihnen an Stoff, um Ihr Blatt zu füllen. Nehmen Sie doch mehr von dem Roman hinein!— 13) Diese faden Liebesgeschichten fällen bald eine Spalte Ihrer Zeitung. Das Zeug bleibt am besten ganz tweg.— 14) Warum haben Sie die Versammlung des... Vereines nicht aufzenommen? Sie wollen für Wahrheit und Recht kämpfen, aber unserem Vorstande, diesem Miniatur=Pascha, die Wahrheit zu sagen, das paßt Ihnen wohl nicht.— 15) Diese ewigen Nadelstiche! Sie scheinen gar keinen Respekt vor zu haben.— 16) Warum bringen Sie so wenig Gerichtsverhandlungen? Das interessirt doch alle Leser und kann nur abschreckend wirken. 17) Seit einiger Zeit berichten Sie über alle Strafgerichtsverhandlungen. Halten Sie denn Ihre Leser für Kriminal= studenten und wollen Sie der Jugend das Verbrechen einimpfen?— 18) Warum bringen Sie nicht alle auf den spanisch=amerikanischen Krieg bezughabende Mittheilungen?— 19) Verschonen Sie uns doch mit den langweiligen Nachrichten über das spanisch= amerikanische Geplänke!! Eine kurze Nachricht hierüder ist doch viel verständlicher.— 20) Es wäre doch angezeigt, über die Teufeleinsel und das Leben des Dreyfus auf ihr eine ausführlichere Schilderung zu veröffentlichen.— 21) Lassen Sie uns bald mit dem ewigen Dreyfus=, Zolaund Esterhazy=Rummel in Ruhe. Dies liest ja doch kein Mensch u. s. w. (Versorgung mit guter Kindermilch.) Behufs Vorbeuzung gegen die große Sterblichkeit der Kinder hat der Gemeinderath zu Straßburg im Elsaß eine Einrichtung zur Beschaffung guter Milch zu billigem Preis getroffen. Es ist mit einer Milchanstalt ein Abkommen getroffen, daß Milch, die nach dem Forsterschen Verfahren bebandelt ist, zu dem Preise von 20 Pfg. für die 3/10 Literflasche abgegeben und Wenigbemittelten der Preis sogar auf 15 Pfg. in der Weise ermäßigt werden soll, daß die Stadtkasse die nachgelassenen 5 Pfg. vergütet. Eine ärztliche Aufsicht garantirt richtige Behandlung und Güte der Milch und man schätzt den Aufwand auf der Stadtkasse für den gedachten Zweck auf 1200 Mark. (Folgende kuriose Einladung zur Fahnenweihe) bringt die„Freiburger Zeitung": Militärverein Ebnet. Wir bringen den Kameraden der Amgegend hierdurch zur Kenntniß, daß wir am 16. Juli d. J. unsere Fahnenweihe abhalten, und daß wir uns am 3. Juli in den Landesverband angemeldet haben. Jedoch müssen wir von einer förmlichen Einladung der Vereine absehen, da zur Zeit in vielen Ställen unserer Gemeinde noch die Maul= und Klauenseuche herrscht. Sollten aber Kameraden der Umgebung die Seuche nicht scheuen, so sind dieselben am Feste heizlich willkommen. Der Vorstand, Willmann. (Eine eigenartige Parade) wurde in Canterbury veranstaltet. 750 Radfahrer fuhren in langem Zuge in die Stadt ein. Die Räder wurden mit Erlaubniß des Bürgermeisters auf dem Marktplatze untergebracht. Von hier begaben sich die Radfahrer in feierlichem Aufzuge zur Klche; Dechant Farrar hielt eine warme Begrüßungsrede und forderte die Radfahrer auf, namentlich dafür einzutreten, daß die Sicherheit auf den Straßen durch unbeholfene Sportsgenossen nicht gefährdet werde. (Ein Frauen=Schwurgericht.) Einer Meldung aus den Vereinigten Staaten von Amerika zufolge ist ein Gesetzentwurf in Vorbereitung, nach dem die Delikte von Kindern unter zwölf Jahren von einem Gerichtshof, der ausschließlich aus verheiratheten Frauen besteht, abgeurtheilt werden sollen. (In der Menagerie.) Thierbändiger(erklärend): „.: Dies ist die große Riesenschlange, genannt boa constrictor, welche gewöhnlich zum Morzenimbiß ein ganzes Schaf verschlingt. Bitte nicht so nahe herangehen, mein Herr!“ (Redensarten mit einem Pfiff.)„Es schwebt mir auf der Zunge“, sagte der Backfisch, da aß er eine Portion Vanille=Eis.—„Leute von schlechtem Schrot und Korn“, brummte der Förster in seinen Bart, da meinte er die Sonntagsjäger.—„Aus zuverlässiger Quelle!“ sagte der Betaniker, da schöpfte er sich einen Trunk aus dem Waldbach.—„Ich studire jetzt die Rechte“, sagte der junge Assessor, da ging er auf Freiersfüßen.—„Noth bricht Eisen“, sagten die Diebe, da nahmen sie einen eisernen Geldschrank in Angriff.— „Meine Mittel erlauben mir das!“ sagte der junge Poet, da ließ er seine Gedichte auf eigene Kosten drucken. Neueste Nachrichten und Telegramme. Geestemünde, 25. Juli. Den französischen Kameraden vom„Ibis“ gaben die deutschen Marineoffiziere am Sonntag ein Festessen, bei dem Korvettenkapitän Mertens auf Frankreich und der französische Kommandant Morreau auf den deutschen Kaiser toasteten. Gestern fand ein Diner zu Ehren der deutschen Marine an Bord des„Ibis“ statt. Berlin, 24. Juli. Der Kaiser ist heute früh von Drontheim abgefahren. An Bord ist alles wohl. — 25. Juli. Der Kaiser wird, wie verlautet, am 14. Auzust in Aroisen der Enthüllung des Kaiser Wilhelm=Landesdenkmals für das Fürstenthum Waldeck beiwohnen. 25. Juli. Wegen beträchtlicher Unterschlagungen und Bücherfälschungen wurde der Buchhalter des hiesigen Allgemeinen Konsum=Vereins, Wernecke, verhaftet. Zoppot, 25. Juli. Unter dem Verdachte der Spionage wurde in Neufahrwasser ein Mann verhaftet, welcher die Befestigungswerke photographirte. Er gab an, er heiße Berz und sei ein Berliner Handlungsreisender. Bayreuth, 25. Juli. Mit einer von Akt zu Akt sich steigernden Wirkung ging gestern Wagner's„Siegfried“ in Szene. Den Hauptantheil an dem Erfolge hatte Ernst Kraus=Berlin als Siegfried; van Rooy als Wotan und Frau Schumann=Heintz wetteiferten an Stimmenschönheit mit ihm. Auch Ellen Gulbranson leistete Vorzügliches als Brunhilde. Charakteristisch gaben Breuer den Nima, Papovici den Alberich. Siegfried Wagner dirigirte. München, 25. Juli. Der hiesige Apotheker Rockenstein stürzte bei Besteizung der Zugspitze in das Höllenthal und wurde vollkommen zerschmettert. Wien, 25. Juli. Eine zwecks Protestes gegen die Erhöhung der Zuckersteuer einberufene Versammlung wurde vom Regierungsvertreter wegen Angriffen des Abgeordneten Verkauf auf die Rezierung unter stürmischem Widerspruche der Anwesenden aufgelöst. Der Saal wurde von der Polizei geräumt. Versuche der Menge, nach dem Rathhause zu ziehen, wurden durch Wachmannschaften verhindert, wobei mehrere Verhaftungen vorgenommen wurden. London, 25. Juli. Das Unterhaus nahm gestern in dritter Lesung die Bill an, durch welche eine irische Abtheilung für den landwirthschaftlichen und technischen Unterricht geschaffen wird. Pretoria, 25. Juli. Gegenüber einer britischen Meldung aus Johannesburg, wonach Präsident Krüger demissionirt hätte, weil einige Mitglieder des Volksraads in gewissen mit dem Dynamitmonopol zusammenhängenden Fragen Widerstand bekundeten, erklärte Krüger, daß er niemals an Rücktritt gedacht habe. Vom Schützenfest. Die Vorstellungen des internationalen Künstler=Ensemble im Schützenhof erfreuen sich eines derartig guten Besuches, daß der geräumige Saal sich als viel zu klein erweist. Eine Glanznummer des überaus reichen Programms bildet das Auftreten der amerikanischen Excentriques„The Azonis,“ welche die Lachmuskeln der Zuhörer in steter Bewegung zu halten verstehen und dafür rauschenden Beifall ernten. Das erste Patent bürenu in Solingen defindet sich Blumenstraße 11. Schwerhörigkeit.— Eine reiche Dame, welche durch Dr. Nicholson's kunstliche Ohrtrommeln von Schwerbörigkeit und Ohrensausen geheilt worden ist, hat seinem Institute ein Geschenk von 20,000 Mk. übermacht, damit solche taube und schwerhörige Personen, welche nicht die Mittel besitzen, sich die Ohrtrommeln zu verschaffen, dieselben umsonst erhalten können. Briefe wolle man adressiren: Abtheilung T. I. Das Institut,„Longcott,“ Gunnersburp, London W, Evang. Frauenverein, Solingen. Für die uns gütigst übersandten Geschenke zur Verloosung sagen wir herzlichen Dank, bitten aber freundlichst um weitere Zusendungen. Die Verloosung findet statt am Donnerstag, den 27. Juli, Nachmittags 3 Uhr im großen Saale des Casino. Kaffetrinken 1 M. Zur Theilnahme ladet ergebenst ein Der Vorstand. Bazar, Holingen. Donnerstag: Versammlung. Frauen= und Jungfrauen=Verein der Stadtmission. Mittwoch Nachmittag 4 Uhr: Vereinsstunde im ev. Vereinshause. Grünewalder Frauen= und Jungfrauen- Verein. Morgen, Mittwoch, Nachm. ½3 Uhr: Versammlung. Der Vorstand. Südstädtischer evangel. Frauen= u. Jungfrauen= Verein. Mittwoch Nachm. 3 Uhr: Versammlung. Der Vorstand. Ev. Vereinsheim, Schrodtbergerstr. Jeden Mittwoch, Abends 8½ Uhr: Jedermann ist herzl. eingeladen. Gemeinschaft. denezer=Kirche, Emilienstraße. Mittwoch Abend 8 ½ Uhr: Bibelstunde Ein älterer Mann sucht bei gegeringen Ansprüchen Vertrauensgeßen.“ ähul. Stellung. Kaution kann " eut werden. Näheres in der Exped. hebden sofort gesucht. O. Krafft. Zum sofortigen Eintritt ein tüchtiges Dienstmädchen zeg. hoh. Lohn gesucht. Näh. i. d. E. Königl. Standesamt Solingen. 24. Juli. Geburten: Carl Willi, S. v. Schneider Ludwig Rangk, Bachstr. Joh. Eugen, S. v. Maurer Christian Müller, Cronenbergerstr. Jenny Matbilde, T. v. Messerreider Richard Balke, Clauberg. Franz, S. v Fabrikarbeiter Carl Aug. Schmidt, Grünbaumstr. Julius, S. v. Schleifer Friedrich Ricks, Gasstr. Ernst Moritz, S. v. Arzt Dr. Paul Selter, Friedrich= straße. Johanne Wilhelmine Tilly, T. v. Lehrer Heinrich Huffstadt, Scharfhausen. Elfriede, T. v. Messerausmacher Richard Stamm, Schützenstr. Irma, T. v. Scheerenhärter Carl Küpper, Irlerstr. Sterbefälle: Paul Flesche, 6 M., Weverstr. Aufgebote: Oberfeuerwerker Carl Heinr. Rohde, Metz, u. Johanne Helene Bangert, hiers. Bekanntmachung. Die Reinigung des Baches und des Teiches zu Königskotten und Pereskotten wird hiermit angeordnet und Termin auf Mittwoch, den 26. dss. Mts. bestimmt. Die betreffenden Grundbesitzer werden deshalb in Gemäßheit des§ 3 des Bachschau=Reglements vom 4. August 1843 aufgefordert, die Reinigung zu der beregten Zeit vorzunehmen. Solingen, den 22. Juli 1899. Die Polizei=Verwaltung. Tüchtiges Dienstmädchen für Haushalt von 3 Personen gesucht. Schlebusch=Bahnhof. Norbisrath, Postverwalter. Mädchen, nicht unter 16 Jahren, gegen bohe Accordlöhne zum besseren Taschenmesserputzen auf sofort gesucht. Gebr. Christians. Die für die Bürgermeisterei Gräfrath aufgestellte Heberolle über die für das Rechnungsjahr 1898 zu zahlenden Beiträge für die Rheinische Landwirthschaftliche Berufsgenossenschaft liegt gemäß§ 82 des Reichsgesetzes vom 5. Mai 1886, vom 27. dieses Monats ab während 2 Wochen auf dem hiesigen Bürgermeister=Amte zur Einsicht der Betheiligten offen. Die Betriebsunternehmer können binnen einer weiteren Frist von 2 Wochen, unbeschadet der Verpflichtung zur vorläufigen Zahlung der Beiträge gegen die Beitragsberechnung bei dem Sektionsvorstande Einspruch erheben. Gräfrath, den 24. Juli 1899. Die Polizei=Verwaltung. Der Bürgermeister: Kürten. Zekanntmachung. Die in Gemäßheit der§§ 36 und 37 des Gerichtsverfassungsgesetzes aufgestellte Liste derjenigen Personen, welche zu dem Schöffen= oder Geschworenen=Amte berufen werden können, liegt vom 30. Juli bis 6. August cr. im Rathhause, Zimmer Nro. 4 zu Jedermanns Einsicht offen und können während dieser Zeit Einsprüche gegen die Richtigkeit oder Vollständigkeit der Liste daselbst schriftlich oder zu Protokoll erhoben werden. Ohligs, den 22. Juli Der Bürgermeister: Trommerehausen. Eine alleinstehende Frau oder Mädchen, welches einem bürgerlichen Haushalt selbstständig vorstehen kann, findet angenehme Stellung. Offerten W. W. 100 an die Exped. Gerichtliche Verkäufe. Am Mittwoch, den 26. Juli 1899, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen versteigert werden: I. 1 Ladentheke mit Marmorplatte u. 1 Mahagonitisch, II. 1 Nähmaschine, sodann Vormittags 11“ 3 Uhr bei Wirth Manert zu Kreuzweg gegen einen Dritten: 3 Paquete Düten, ca. 10000 St. Der Gerichtsvollzieher: Calowsky. Gerichtlicher Verkauf. Am Mittwoch, den 26. Juli 1899, Vormittags 11 Uhr, soll vor dem Hause der Wirthin Wwe. Steinijans hier, Pfandlokale, versteigert werden: 1 Sopha mit Lederüberzug. Der Gerichtsvollzieher: Stange. Gerichtlicher Verkauf. Am Mittwoch, den 26. Juli 1899, Vormittags 11 Uhr, sollen vor dem Hause des Wirtdes Herrn Eduard Langensiepen zu Solingen, Frühlingsstraße gegen einen Dritten öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Aurichte, 1 kleiner Tisch. Der Gerichtsvollzieber: Dillenberger. Trauer=Hüte, Flore, Handschuhe, Schmuck u. s. w. empfehlen in stets gleich großer Auswahl zu allerbilligsten Preisen L.ralk& Cie. Kalserstrasse 114. Junger anst. Mann in Kost u. Logis gesucht. Näh. Ostwall 1I, 14. Strassburger Sägger-Loose wurden wegen ungünstiger Zeitlage und großer Konkurrenz nicht alle verkauft, weshalb die Ziehung auf 16. und 18. September verlegt worden ist. Für Einhaltung dieses Termins wird garantirt. 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In unser Gesellschafts=Register ist Folgendes eingetragen worden: Bei Nr. 483— Firma Gedr. Bergmann zu Solingen. Die Handelsgesellschaft ist durch gegenseitige Uebereinkunft aufgelöst und die Firma erloschen. Solingen, den 22. Juli 1899. Königliches Amtsgericht 3. In unser Firmen=Register ist Folgendes eingetragen worden: Bei Nr. 956.— Die Firma Gedr. Bell mit dem Sitze zu Rümmen, Gde. Graefrath und als deren Inhaber der Fabrikant Emil Beil daselbst. Solingen, den 22. Juli 1899. Königliches Amtsgericht 3. Wohnung von 5 Räumen 1. und 2. Etage in besserem Hause per 1. August von einem Brautpaare zu mielhen gesuchl. Offerten nebst Preisangabe an Carl Schnellen= bach, Mettmann. Heller geräumiger Arbeitsraum per sof. gesucht. Off. u. Z. W. 713 a. d. Exped. 2 ordentl. junge Leute erhalten Kost und Logis. Kaiserstraße 70. Alleinstehendes Fräulein sucht im Mittelpunkt der Stadt ein Zimmer zu miethen. Adressen in der Exped. abgeben. 2 anst. Leute erh. Kost u. Logis. Nordstraße 30, 1. 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Op.:„Das Glöckchen des Eremiten“ 16)„Verlassen", Lied 17)„Bei uns z'Haus“, Walzer 18)„Klänge aus den Alpen“, Marsch Anfang des Concerts 6½ Ahr. von Bach. " Auber. " Wallace. " Marschner. " Strauß. von Flotow. " Hoch. " Nehl. " Nicolai. " Schröder. von Rosenkranz. " Kiesling. " C. M.v. Weber " Friedemann. von Mailiart. " Koschat. " Strauß. " Rosner. Ende 12 Uhr. Entree à Person 40 Pfg. Programm an der Kasse. Dutzendkarten haben Gültigkeit. Zu zahlreichem Besuche ladet freundlichst ein P. W. Bungarde. sandw. Casno Höhscheid. Versammlung: Rittwoch, den 26. ds. Mis., Abends 8 Uhr im Vereinslokale bei Herrn Hensing. Tages=Ordnung Ankauf von Thomas=Mehl, Kleie 2c. Der Vorsitzende: Herrenbrück. Kohlfurterbrücker Schützenbund. Mittwoch, den 26. Juli: Eröffnung des Saisonschießens, wozu die Mitglieder freundlichst eingeladen werden. Der Vorstand. Gestern Abend gegen 9 Uhr auf der I Schätzenfeld ein Regenschirm mit Elfenbeingriff verloren. Gegen gute Belohnung abzug. in der Exp. 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Qual. à 100 Kilo 2.„ Hafer à 100 Kilo Kartoffeln à 50 Kilo Neues Heu à 50 Kilo Luzerner Heu à 50 Kilo Maschinenstroh à 500 Kilo Flegeldrusch 4„„ Butter per Kilo Eier per Schock(60 Stück) (ohne Faß) gtes Oel pr. 1 51 50 Ein treuer zuverlässiger verheirath. Packervn einem Fabrikanten in's Haus gesucht. Lohn 21 Mark und freie Wohnung. Offert. unt. S. 100 bes. d. Exp. d. Bl. Gereinigtes Oel pr. 100 Kllo Mk. 3.— höher als Rübsl Preßkuchen pr. 1000 Kilo Weizen=Vorschuß 00 4 100 Kilo Kleien pr. 50 Kilo Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämmtlicher Fruchtgattunge unverändert. Kuchen 1 Mark niedriger. 98— 4 89