Nr. 251.— 50. Jahrgang. Erstes Blatt. Mittwoch, den 26. Oktober 1898. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Vierteljahr in der Expedition 1 M4 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Expedition 1 M 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J. Früher unter dem Titel: Bergisches Volks=Blatt. Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeiffer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech=Anschluß Nr. 90). Die Palästinafahrt des Kaiserpaares. Frankfurt a. M., 25. Okt. Nach einer der Frkf. Ztg. aus Konstantinopel zugehenden Meldung überbrachte der russische Botschafter in der Audienz beim Kaiser Wilhelm Grüße und herzlichste Wünsche des Zarenpaares für die Reise. Der Kaiser betraute den morgen nach Livadia reisenden Botschafter mit der Ueberbringung eines Handschreibens an den Zaren. Berlin, 25. Okt. Nach einem über London eingegangenen Telegramm aus Jaffa wurden in Jerusalem und Jaffa mehrere als Anarchisten verdächtige Personen verhaftet. Die Behörden schreiben besonders der Verhaftung eines Deutschen in Jaffa große Wichtigkeit bei. Auch in Haifa wurde eine wichtige Verhaftung vorgenommen. Der dortige türkische Beamte erklärte, er hoffe, die Identität des Verhafteten demnächst festzustellen, da er im vorhinein über das Vorleben und die Absichten desselben Informationen erhalten habe. Die schärfsten Vorsichtsmaßregeln werden getroffen. So werden keine verschleierten Frauen auf den Straßen zugelassen, da man fürchtet, Anarchisten könnten sich als Frauen verkleiden. Die Polizei hält auch über die kontinentalen Touristen in ägyptischen Häfen die schärfste Kontrolle aufrecht. Deutsches Reich. Die soeben eingetroffene Nummer des„Ostasiatischen Lloyd“ veröffentlicht folgenden Telegrammwechsel bei der Eröffnung Kiautschaus:„ „Tsingtau, 2. Sept. 1898. an Seine Majestät den Kaiser, Berlin. Als ersten Gruß aus dem soeben mit 3 Hurrahs auf Eure Majestät eröffneten Freihafen bittet Eurer Majestät jüngste Kolonie das Gelöbniß unverbrüchlicher Treue allergnädigst entgegennehmen zu wollen. gez. Rosendahl, Gouverneur. Hannover, 2. Sept. 1898. Gouverneur Rosendahl, Tsingtau. Die Meldung von der Eröffnung des Freihafens hat mich hoch erfreut und ich danke Allen, welche an diesem Werke mitgearbeitet haben. Möge dasselbe zur kräftigen Entwickelung der Kolonie beitragen. gez. Wilhelm I. R. Der Bundesrath konnte, wie die Lippische Tageszeitung“ wissen will, bisher einen Beschluß darüber, ob er in der lippischen Angelegenheit zuständig sei oder nicht, noch nicht fassen, da der lippische Vertreter im letzten Augenblick um Aufschub bat. Lippe wolle noch ein Gutachten gegen die Zuständigkeit vorlegen. Das Gutachten, dessen Verfasser Professor Seydel in München ist, konnte noch nicht fertig gestellt werden. Auf das Gesuch des Zentralausschusses hiesiger kaufmännischer Vereine beim Handelsminister, eine staatliche Enquete über die Lage des Kleinhandels zu veranstalten, erfolgte die Antwort, es sei nicht angängig, die Erhebungen auf Preußen zu beschränken; Verhandlungen mit dem Reichskanzler ergaben, daß einer solchen Erhebung für das Reich so große Bedenken entgegenstehen, daß eine solche nicht in Aussicht gestellt werden kann. Wie das„B. T.“ erfahren will, finden im Dezember im Reichsgesundheitsamt kommissarische Berathungen wegen einer Revision des Weingesetzes von 1892 statt. Der„Reichsanz. veröffentlicht den Saatenstandsbericht um die Mitte des Monats Oktober im deutschen Reich: Junger Klee, auch Luzerne 2,6; Sommer= roggen 100 Kg. vom Hektar 11,2; Winterweizen 18.5; Sommerweizen 16,0; Winterspelz 15,7; Sommerspelz 6,8; Sommergerste 17,3. Wegen der großen Trockenheit ging die Bestellung der Felder nur langsam vorwärts und war um die Mitte des Oktobers meist noch nicht beendet. Die Saaten sind größtentheils erst im Aufgehen begriffen. Nach auf Grund der ersten Drusche vorgenommenen Schätzungen sind die Erträge des Sommer= roggens, des Winter= und Sommerweizens, des Winterspelz und der Sommergerste im Durchschnitt durchweg höher als im Vorjahre und übertreffen in allen Fällen die aus den letzten 5 Jahren berechneten Durchschnittswerthe. Ausland Oesterreich=Ungarn. Wien, 25. Okt. Der Grazer Gemeinderath wählte mit sämmtlichen Stimmen den früheren Bürgermeister Graf wieder.— Nach den Tschechenblättern leitete das Korpskommando gegen die vier Reservisten, welche die deutsche Meldung„Hier" verweigerten, die Untersuchung wegen Meuterei ein.— Morgen trifft das griechische Königspaar mit dem Kronprinzen, dem Prinzen Georg und der ganzen Familie von Kopenhagen in Wien ein.— In Sofia und Cettinje wurden Anzeichen bemerklich, daß Rußland dort auf die Dämpfung der unruhigen Gelüste einwirkte. — 25. Okt.(Abgeordnetenhaus.) In der fortgesetzten Verhandlung der Verordnung des Budgetprovisoriums führt Hofmann=Wellenhof aus, die Deutschen gäben im Kampfe nicht nach. Ihr Ziel bleibe die seitigung der Sprachen=Verordnungen und Beseitigung des ganzen deutschfeindlichen Systems, sowie Sicherung der berechtigten Stellung der Deutschen im Staate. Die Regierung möge sich nicht täuschen, wenn die Deutschen auch zeitweilig andere Kampfmittel anwendeten. Großbeitannien. London, 24. Okt. Der Kabinetsrath ist auf Donnerstag einberufen. Courcel ist aus Paris nach London zurückzekehrt. — 24. Okt. Nach der„Frts. Zig. werden die amerikanischen Kommissare am Freitag in der Sitzung der Friedenskonferenz darauf bestehen, daß die Philippinen amerikanisch werden. — 25. Okt. Einer Meldung des„Daily Telegraph“ aus Peking zufolge griffen vorgestern chinesische Soldaten einige englische Ingenieure bei der über die Hankau=Pekingbahn führenden Marcepolo=Brücke an; zwei Ingenieure wurden verwundet, ein Eisenbahn=Kuli geiädtet. Frankreich. Paris 25. Okt. Esterhazy richtete an den General=Prokurator am Kassationshofe, Manau, ein Schreiben, worin er nachdrücklich erklärt, die Revision werde nicht stattfinden, ohne daß er als entschlossener, überzeugter Mann seine Denkschrift vorlege, und zwar nicht in geheimnißvoller Weise, sondern für jedermann zugänglich! Esterhazy fügt hinzu, er behalte sich vor, auf gesetzlichem Wege um die Mittheilung aller auf ihn bezüglichen, dem Kassationshofe vorgelegten Dokumente zu ersuchen und sich hinsichtlich derselben, sei es direkt, sei es durch Vermittelung eines Advokaten, zu verankworten. Das Schreiben schließt mit den Worten: Ich verpflichte mich abermals, in unumstößlicher Weise klar zu legen, daß nur eine Bande Schurken, die von unsern Feinden erkauft sind, mich des Verrathes zeiben kann. — 25. Okt. In der„Fronde“ veröffentlicht die Schriftstellerin Severine mehrere Briefe des Geheim“ agenten Lemercier Picquard, welcher am 2. März unter räthselhaften Umständen todt aufgefunden wurde, und führt auf Grund derselben aus, daß Lemercier Picquard der eigenliche Urheber der von Henry eingestandenen Fälschung sei. — 25. Okt. In der heutigen Sitzung der wieder eröffneten Kammer griff der Häuptling der PatriotenLiga Dérouléde, den Kriegsminister Chanoine heftig an. Chanoine bestieg unmittelbar darauf die Tribüne und erklärte unter allgemeiner Erregung, daß er von seinem Posten zurücktrete. — 25. Okt. Während der Berathung der Minister im Palais Bourbon begab sich der Minister=Präsident Brisson zum Präsidenten der Republik in's Elysée, um ihm die Lage auseinander zu setzen. Unterdessen hatten sich die Abgeordneten zu einer Berathung zurückgezogen, wobei eine von dem radikalen Abgeordneten Dujardin beantragte Resolution angenommen wurde, daß die Kammer alles Vertrauen in die Armee setze, aber verlange, daß die bürgerliche Gewalt über der militärischen stehen müsse. Durch diese von der Mehrheit der Kammer angenommene Resolution hofft man, das Kabinet zum Bleiben zu bewegen. Um 6 Uhr kehrte der MinisterPräsident Brisson aus dem Elysée in die Kammer zurück und erklärte, daß das Ministerium im Amte verbleibe. (S. N. Nachr.) — 25. Okt. Nach dem Verlassen der Kammer begab sich General Chanoine in das Elysée; Präsident Faure empfing ihn jedoch nicht, sondern ließ ihm sagen, daß er sein(Chanoinee) Rücktrittsgesuch nur durch die Vermittelung des Ministerpräsidenten entgegennehmen könne. In einer Unterredung, die Brisson währeno der Unterbrechung der Kammerverhandlung mit dem Präsidenten hatte, trat Faure der Ansicht Brissons bei, das Portefeuille des Krieges einem Nicht=Militär anzuvertrauen, um damit die Unterordnung der Militärgewalt unter die Zivilgewalt zu bestätigen. Faure verurtheilte die Haltung Chanoines streng. — 25. Okt. Im Laufe des Nachmittags fand auf dem Konkordienplatze zwischen Antisemiten und Mitgliedern der Patriotenliga einerseits und der Polizei anderseits ein Zusammenstoß statt. Um 3 Uhr sammelte sich in der Nähe der Obelisken eine größere Menschenmenge an. Ein Polizeikommissar in Zivil verhaftete ein Individuum wegen des Rufes:„Nieder mit den Juden! Sofort wurde er gepackt, niedergeschleudert, mißhandelt und mit Füßen getreten. Darauf erhob er sich, bestieg einen Wagen und fuhr zum Polizeikommissariate. Die Verwundung wurde mittels eines Knüttels ausgeführt. Nach diesem Vorgange rückte der Polizeipräfekt mit einer Abtheilung Schutzleute auf den Platz und ließ ihn räumen. Die Neugierigen brachen, als Kürassiere aus dem Tuileriengarten hervorsprengten, in den Ruf aus: „Es lebe die Armee!" Die Angreifer des Polizeikommissars waren Jules Guerin von der Libre Parole“ und seine Freunde. Er wurde festgenommen, der Polizei ausgeliefert und dem Verwundeten gegenübergestellt und von diesem als der Angreifer erkannt. Um 4 Uhr war die Ruhe auf dem Konkordienplatze wiederhergestellt. Es wurden im ganzen 20 Verhaftungen vorgenommen. Auf den großen Boulevards und in den Nebenstraßen fanden ebenfalls lärmende Kundgebungen statt. Man entriß den Verkäufern der Dreyfus freundlichen Blätter die Zeitungen und vernichtete sie. — 25. Okt. Die Deputirtenkammer nahm mit 559 gegen 2 Stimmen eine Tagesordnung Ribot an, die das Uebergewicht der Zivilgewalt über die Militärgewalt betont und der Armee als treue Hüterin der Gesetze der Republik vertraut, an. Das hierzu gestellte Amendement Berzer, die Regierung tadelnd, daß sie der Armee nicht Achtung verschaffte, wird mit 274 gegen 261 Stimmen abgelehnt. Das Amendement Mahy, die Regierung auffordernd, der gegen die Armee organisirten Beleidizungskampagne ein Ende zu machen, wurde von Brisson abgelehnt, von der Kammer aber mit 296 gegen 243 Stimmen angenommen. Berteaut(Sozialist) beantragt schließlich, die Kammer möge der Regierung ihr Vertrauen votiren. Brisson schweigt. Der Antrag Berteaut wurde mit 286 gegen 254 Stimmen abgelehnt. Die Minister verlassen den Saal.(S. N. Nachr.) Kreta. Konstantinopel, 25. Okt. Aus Kreta wird gemeldet: Dem Admiral Strydow ist es gelungen, die in Retimo befindliche christliche Bevölkerung mit der mohammedanischen zu versöhnen. Die Organisation der Gendarmerie auf Kreta hat begonnen. Das von Odessa mit einem Bataillon Infanterie und einer Gebirgsbatterie nach Kreta abgegangene Schiff Cherson“ wird das in Kreta befindliche russische Bataillon zum Rücktransport an Bord nehmen. In den nächsten Tagen geht von Odessa eine Schiffsladung Mehl und Getreidesämereien für die Kreter ab. Vereinigte Staaten. Washington, 24. Okt. Man erwartet, daß die amerikanischen Friedenskommissare in Paris heute den spanischen Kommissaren eine Art Ultimatum vorlegen werden, da sowohl Mc. Kinley als auch die amerikanischen Kommissare überzeugt sind, daß Spanien absichtlich die Verhandlungen hinausziehe. Die Vereinigten Staaten werden durchaus keinen Theil der Schuld übernehmen, weder von Cuba noch von den Philippinen. Spanien. Madrid, 22. Okt. Gemäß einer amtlichen Aufstellung hat der Krieg auf den Philippinen vom 24. Oktober 1896 bis 30. Juni 1898 genau 192 458 400 Pesetas gekostet. — 22. Okt. Der„Globe konstatirt, daß die gegen wärtige Lage Grund zur Beunruhigung gebe und spricht die Hoffnung aus, daß die Liberalen sich um Sagasta schaaren werden, denn gegenwärtig sei es nicht an der Zeit, innere Krisen hervorzufen. Madrid, 24. Okt. Man glaubt, daß Don Carlos demnächst ein Manifest erlassen wird. Türkei. Pera, 24. Okt. Nachträglich wird bekannt, daß der Kaiser den russischen Botschafter in Yildiz sehr ausgezeichnet hat. Er gab ihm in Gegenwart anderer Diplomaten einen Brief für den Zaren und schickte ihm seine Photographie, die, wie man wissen will, die Aufschrift trug:„Recht muß Recht bleiben.“ Zur Landtagswahl. * Solingen, 25. Okt. Im Hinblick auf die bevorstehenden Landtagswahlen dürften die Wahlergebnisse früherer Wahlen von allgemeinem Interesse sein. Bei der Landtagswahl im Jahre 1885 entfielen auf die nationalliberalen Kandidaten v. Cuny 480, v. Eynern 478, Dr. Reinhold 473 Stimmen und auf die freisinnigen Kandidaten Käuffer 150, Dr. Barth 29 und Dirichlet 23 Stimmen. Im Jahre 1888 erhielt Herr v. Cuny 646, v. Eynern 626 und Geheimrath Melbeck 607, im Jahre 1893 v. Cuny 703, v. Eynern 677 und Bürgermeister a. D. Kelders 625 Stimmen. *— 26. Okt. Wie wir gestern mittheilten, hat Herr Dr. V. Schnitzler aus Köln in seiner Kandidatenrede am Montag Abend im Kaisersaale so wichtige Punkte erörtert, daß wir nicht umhin können, heute näher auf die Rede einzugehen. Nach einer kurzen Einleitung, in welcher Redner die Zusammengehörigkeit mit den hiesigen Einwohnern als Abkömmling eines in dem bergischen Lande wohlbekannten Stammes und als echt nationalliberaler Mann betont, entwickelt Redner sein politisches Programm, das er mit der jeden patriotischen Mann kennzeichnenden Versicherung der unwandelbaren Treue zu dem angestammten Herrscherhause und dem Vaterlande beginnt. Hierin erblicke er das Hauptleitmotiv für all' sein politisches Handeln. Das Vaterland nach außen zu schützen, dazu sei der Reichstag berufen, im Landtag handle es sich um innere Stärkung, um die Steigerung des inneren festen Gefüges. Das Recht des Abgcordnetenhauses, die inneren Angelegenheiten des Staates selbst zu regeln, ist unantastbar zu erhalten. Deehalb müsse man Front machen gegen die Polen und das Zentrum, welch' letzteres unter dem Rufe:„Freiheit der Kirche“ den Staat der Kirche unterordnen will. Er sei nicht gegen die Katboliken, aber gegen den Ultramontanismus, der das gesammte Volksleben und Kunst und Wissenschaft der römischen Hierarchie unterweisen will. Sodann kommt Reoner auf die Paritätsbestrebungen des Zentrums und die Schule zu sprechen. Ein ultramontaner Redner habe im Parlamente gesagt, die Verletzung der Parität sei eine Verletzung der Verfassung. Dieser Ausdruck beweise, was für ein Geist unter den herrsche. Kenne denn die Verfassung überhaupt eine sog. Parität, mache sie einen Unterschied zwischen Katholiken und Protestanten, seien nicht nach ihr alle Personen vor dem Gesetze gleich? Solche Reden, wie sie da gehalten werden, seien nur Verhetzungen der Menge, um den Leuten glauben zu machen, daß ein Katholik ein Bürger zweiter Ordnung sei. Und wie sehe es in Wirklichkeit aus? Der Reichskanzler, zwei Minister, hier am Rheine die Mehrzahl der Richter der Landgerichte und des Oberlandesgerichtes, wie viele Landräthe seien katholisch! Die Zentrumspartei habe allen Grund zu schweigen. Nunmehr wandte sich der Redner zum Rechte der Freizügigkeit und dem Vereins= und Versammlungsrecht, zwei Punkte, welche wir in unserem Berichte über die Lenneper Wahlversammlugg ausführlich wiedergaben. Diese beiden Rechte dürfen nie geschmälert werden. Er habe die feste Ueberzeugung, daß das Bürgerthum mit der Sozialdemokratie fertig werde und der Parteitag in Stuttgart habe gezeigt, daß es mit dem Phrasengebilde der Sozialdemokratie recht schlecht stehe. Ein bekannter sozialdemokratischer Führer habe auch gesagt: Das Schlimmste, was uns passiren kann, ist, wenn uns plötzlich die politische Herrschaft zufiele. Die nationalliberale Partei ist die Partei des liberalen Bürgerthums und hat sich allezeit den Schutz nicht nur der bürgerlichen Rechte, sondern auch die Hebung des materiellen Wohlstandes angelegen sein lassen. Sie sei immer eingetreten für die Interessen des Handwerks. Durch das Handwerkergesetz von 1897 sei die Grundlage für das Handwerk geschaffen und diesem die Möglichkeit gegeben, den goldenen Boden wieder zu finden. Ein Urtheil über das Gesetz lasse sich noch nicht fällen, da man erst abwarten müsse, wie es sich entwickele und ob weitere Wünsche zu berücksichtigen seien. Jedenfalls müsse er davor warnen, den immer noch in den Vordergrund geschobenen Befähigungsnachweis ganz allgemein zu regeln. Bei manchen Gewerben möge er praktisch sein, andern sei er aber direkt unzuträglich. Nachdem Redner sodann auf den Schutz des Bauhandwerks und die Forderung einer größeren staatlichen Fürsorge für das Fortbildungsschulwesen, für welch Letzteres in Preußen noch viel zu wenig geleistet werde, erörteit hatte, erwähnt er die Nothwendigkeit des Schutzes der kleinen Kaufleute und Gewerbetreibenden gegen die Waarenhäuser. Wenn sich zur Lösung dieser schweren Frage ein Weg finden lasse durch Landesgesetzgebung zum Nutzen der Kaufleute, so sei er gerne dabei. Durch eine einfache Besteuerung, wie sie vorgeschlagen sei, könne man den großen Waarenhäusern nicht beikommen, eher werde es richtig sein, die Besteuerung den Gemeinden zu überlassen. Die anzustellende Maßregel dürfe aber auch nicht den Lebensner## der Waarenhäuser treffen, wegen der vielen Angestellten, die sonst entlassen werden müßten. Die Regierung habe ein Gesetz für die Gehaltsaufbesserung der Unterbeamten versprochen und an die Einlösung dieses Versprechens müsse immer erinnert werden, ebenso wie für die Hinterbliebenen der Lehrer zu sorgen sei. Die Lehrer seien wahrhaftig nicht auf Rosen gebettet und doch sei wohl kein Stand so wichtig und für das Wohl des Landes von so großem Werthe, wie der ihrige. Es sei deshalb Pflicht des Staates, auch für die Hinter bliebenen derselben in außerordentlichem Maaße zu sorgen. Der neu zu wählende Landtag wird wichtige Fragen ferner zu lösen haben, insbesondere die Aenderung des Wahlrechts zum Landtage. Diese Frage wäre längst geregelt, wenn nicht das Zentrum zu begehrlich gewesen wäre. Der damalige Gesetzentwurf mit seiner Zwölftelung(1. Klasse /12, 2. Klasse 1/16, 3. Klasse 1/12) sei die richtige Basis zur Verständigung gewesen. Sodann geht Redner über auf die Kanalfrage, welche wir bereits eingehender behandelten, ebenso auch die Eisenbahnrage. Das übertriebene Fiskalwesen zeige sich insbesondere auf letzterem Gebiete. Wichtige Bahnbauten harren noch ihrer Erledigung und speziell hier im gewerbthätigen bergischen Lande sei es die Aufgabe des Staates, die für eine gesunde Entwickelung unentbehrlichen Eisenbahnen möglichst dem Lande zugänglich zu machen. Er habe noch keinen so traurigen Bahnhof gesehen, wie hier in Solingen und er habe nach dem Bahnhofsgebäude geglaubt, die Station wäre eine Haltestelle oder ein Güterbabnhof. Für die traurigen Zugsverbindungen spreche wieder der Umstand, daß er am Sonntag Abend in Opladen 1½ Stunden auf den Zug warten mußte. Ein Wandel in diesen Angelegenheiten ist unabweisbares Bedürfniß, ebenso die Tarifrefocm. Nachdem Redner noch die Kommunalsteuerreform und die Erleichterung des Real= und Personalkredits erörtert hatte, versichert er, daß er, wenn er gewählt werde, alles thun werde, was in seinen Kräften stehe, um die Interessen des Kreises zu vertreten und schließt sodann seine mit großem Beifall aufgenommene Rede mit seinem Leitmotiv, das laute„Mit Gott für König und Vaterland!“ Die persönliche Bemerkung, welche Herr Kommerzien= rath Beckmann abgab, ist dahin richtig zu stellen, daß von der hiesigen freisinnigen Partei 2 Herren(Sabin und J. Hammesfahr D. R.) zu ihm gekommen seien, von welchenerden einen gar nicht als Mitglied des Wahlvorstandes habe ansehen können. Diese beiden Herren hätten sich mit ihm über den Plan unterhalten, daß ein nationalliberaler, freisinniger und Zentrums=Kandidat aufgestellt werden solle, von einem Antrage aber in dieser Hinsicht sei keine Rede gewesen. Daß er(Beckmann) auf einen solchen habe auch nie eingehen können, sei selbstverständlich gewesen. Nach dieser Richtigstellung unseres gestrigen Berichts bleibt dieser noch dahin zu ergänzen, daß Herr Kommerzienrath Beckmann seinem Bestreben in kurzen aber warmen Worten Ausdruck gab, für die Eisenbahnverhältnisse und alle Interessen des Kreises kräftiglich zu sorgen. Wo uns der Schuh drücke, wisse er ganz genau. Die Versammlung dürfe überzeugt sein, daß er thun werde, was er könne. 26. Okt. Im weißen Saale des Zentral=Hotels sand gestern eine Versammlung der Zentrumspartei statt, die verhältnißmäßig schwach besucht war, was Herr Herm. Happ, der die Versammlung eröffnete, mit Bedauern feststellte. Herr Happ theilte dann mit, der Kandidat, Herr Henseler=Opladen, der heute Abend sein Erscheinen zugesagt habe, verhindert sei und sich entschuldigt hobe. Daß die Zahl der Anwesenden(etwa 60—70 Personen) nicht größer sei, habe seinen Grund wohl darin, daß die Zentrumspartei im Kreise Solingen zum ersten Male eine solche Versammlung abhalte und in der Lage sei, eigene Abgeordnete für den Landtag aufzustellen. Die Versammlung sei nur dazu einberufen, um die Wähler über die Bedeutung und Wichtigkeit der Landtagswahlen aufzuklären und er ertheile dieser halb Herrn Landtagsabgeordneten Pleß aus Mülheim das Wort. In etwa einstündigem Vortrage, der vielfach durch Bravorufe unterbrochen wurde, weist dieser nun zunächst darauf hin, daß in den preußischen Landtag seit Jahren kein frischer Zug gekommen sei; die Ideale des Landtags seien nach und nach zusammengeschrumpft. Es sei dies dem Dreiklassen=System zuzuschreiben, das, wie auch s. Z. Fürst Bismarck gesagt habe, das elendeste System sei, das überhaupt eristire. Durch dieses zu einer Wahl=Karrikatur gewordene System wären die politischen Rechte für diejenigen, die viel Steuern bezahlen, in die Höhe gegangen auf Kosten derjenigen, die weniger Steuern bezahlen, und deren Rechte geschmälert worden. Das Volk ist durch dieses System um seine natürlichen Rechte gekommen. Es muß deshalb unser Ziel sein, Leute in den Landtag zu wählen, die bestrebt sind, dieses System abzuschaffen, und um diesen Gedanken zu verwirklichen, haben wir uns mit der Fortschrittspartei vereinigt. Eine Vereinigung mit der nationalliberalen Partei, die von sich sagt, daß sie den Besitz repräsentire, konnte nicht eingegangen werden. Der Thätigkeit des Landtags ist die Verstaatlichung der Eisenbahnen zuzuschreiben; der Herr Eisenbahnminister baut nun Nebenbahnen, die nachher als Vollbahnen bezeichnet werden; das Geld, das die Gemeinden und Städte ausgegeben haben, behält aber der Fiekus. Die Eisenbahnen sollen aber zur Hebung des Verkehrs, der Industrie und des Wohlstandes dienen und nicht den Zweck verfolgen, dem Fiekus schweres Geld einzusacken. Redner verurtheilt dann die neuere Steuer=Gesetzgebung, besonders das neue Kommunal=Abgabengesetz, durch welches dem Hausbesitzer ungerechter Weise doppelte Lasten aufgebürdet würden. Evenso bekämpft Redner die Beschränkung des Vereins= und Koalitionsrechts und kritisirt den vom Herrn Justizminister vorgebrachten sogen.„AssessorenParagraph“, durch welchen dem Adel gewisse Vorrechte zugesichert worden wären. Höher als die Bildung stehe die Moral. Die Wichtigkeit der Wahl betonend, weist Redner darauf hin, daß die Zeiten sich geändert hätten, aber nicht zu Ungunsten, sondern zu Gunsten des Zentrums. Wie die Zeiten vorüber gegangen sind, in denen man uns als Reichsfeinde bezeichnete, so sind auch die Zeiten vorübergegangen, in denen man uns als minderwerthig betrachtete. Wenn Herr von Eynern sage, er könne sich nicht darein finden, wie der Fortschritt mit ist dem Zentrum zusammengehen könne, so können wir dem erwidern, daß die Vereinigung nur auf der Grundlage ehrlich politischer und religiöser Fragen zu Stande gekommen ist. Um in diesem Sinne zu wirken, sei es also gleich, ob man Zentrum oder Freisinn wähle. Redner schließt seine Ausführungen mit einer ernsten Mahnung, sich an den Wahlen zu betheiligen, eine Stimme Mehrheit könne nach Umständen den Ausschlag geben zwischen guten und schlechten Gesetzen im Landtage. Herr Pfarrer Pies, der hiernach das Wort ergreift, erklärt, welche Taktik die Zentrumspartei darin geleitet habe, daß dieselbe mit dem Freisinn zusammen gehe. Die Zentrumspartei habe mit der freisinnigen Volkspartei viele gemeinsame Berührungspunkte. Letztere Partei sei nicht so engherzig wie die Nationalliberalen. Was Herrn von Eynern anbelange, der immer gegen sie sei, so erkläre er(Redner), daß es ihm eine Freude sein werde, demselben ein Bein zu stellen und ihm sein 25 jähriges Jubiläum in Solingen zu versalzen. Redner schließt mit den Worten: Weiter vorwärts für Wahrheit, Freiheit und Recht! Nach einer Mahnung des Herrn J. L. Witzler, sich an der Wahl zahlreich zu betheiligen, und einem Schlußwort des Herrn H. Happ gehen die Versammelten mit einem Hoch auf das Zentrum auseinander. Rheinland und Westfalen Cronenberg, 25. Okt. Gestern Abend kurz vor 11 Uhr entstand in der Sägenfabrik des Hei u H. Burghoff Feuer, das zuerst von dem Sohne des Besitzers wahrgenommen wurde. In kurzer Zeit stand das ganze Dach in Flammen. Herr Deus von Kohlfurterbrücke, welche mit seinem Wagen an der Stelle vorbei kam, weckte durch Peitschenknallen die schon zur Ruhe gegangenen Bewohner des Ortes. Mit großen Anstrengungen gelang es, das Feuer auf seinen Entstehunge. heerd, die Fabrik, die vollständig ein Raub des verheerenden Elementes wurde, zu beschränken, das äußerst gefährdete Wohnhaus und andere Gebäude der Nachbarschaft dagegen zu bewahren. Erst gegen 7 Uhr früh war der Brand bewältigt.(Cr. Ztg.) Remscheid, 25. Okt. In der Hermannstraße hierselbst vergiftete sich gestern Abend eine Frau. Das aus der Apotheke geholte Gegengift kam zu spät, sie war inzwischen schon gestorben.(R. Ztg.) Dieringhausen, 24. Okt. Gestern Abend wurde auf der Chaussee vom Bahnhofe bis zur Brücke ein junger Bursche Namens Peter Hundeborn aus Aggersiefen im Streite erschlagen. Ein Betheiligter B. aus Hömel ist als muthmaßlicher Thäter verhaftet und in das Amtsgefängniß nach Gummerebach abgeführt worden. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 26. Oktober. *— Nur noch wenige Tage trennen uns von dem Jubelfeste des„Ossian". Die Vorbereitungen für die Feier sind in vollem Gange und mit Hochdruck werden in dieser Woche noch einmal die Chöre eingeübt, welche am Sonntag zur Aufführung gelangen sollen. Im Mittelpunkte der Feierlichkeiten steht begreiflicherweise das Konzert im Saale der Schützenburg, das nach dem bekannt gegebenen Programm sich großartig gestalten wird. Während auf der einen Seite Namen wie Niels, W. Gade, Schumann, Liezt, Wagner prangen, vertreten auf der andern Werke von Leu, Sturm und Knappe die einheimischen Künstler und zeugen von mächtigem Streben. Der unermüdliche und allzeit tüchtige Dirigent des„Ossian, Herr Musikdirektor Leu, tritt mit einem Begrüßungschor und dem Liede„Abend am Meer“ hervor und unter seiner Leitung werden diese Stücke in den Mitgliedern unseres„Ossian“ eben so die richtigen Interpreten finden, wie das Lied„Ich hör' die Bächlein rauschen“ von dem früheren Dirigenten des Vereins, dem verstorbenen Musikdirektor Sturm, und das Lied„An den Frühling" unseres verstorbenen Mitbürgers, des Herrn Musikdirektors Knappe. Außer den Chören, welche der„Ossian“ singt, werden noch Herr Kammersänger Carl Mayer und Herr A. Krögel, Professor am Konservatorium zu Köln, sowie die Kapelle des Infanterieregiments Nr. 39 unter ihrem Dirigenten Herin Kohn beim Konzerte Vorträge bieten, so daß ein Konzert erster Güte in Aussicht steht. — Bei der hiesigen Polizei=Verwaltung ist neuerdings Herr Polizei=Sergeant Schuhmacher aus Herchen a. d. Sieg eingetreten. — Herr Louis Schivelbusch, bisher Besitzer des „Deutschen Hauses" hierselbst hat das Theater=Restaurant in Barmen übernommen und wird dasselbe am 15. November eröffnen. Am 1. November zieht bereits der neue Besitzer des„Deutschen Hauses" hier ein. — Der Platterl messer=Reider=Verein feiert Sonntag, den 6. November sein diesjähriges Stiftungsfest. — Der Geschäftsführer des hiesigen Vereins Kreditreform theilt uns Folgendes mit der Bitte um Bekanntmachung mit: Eine Brüsseler Schwindler= Firma Bl., die schon vor einigen Jahren den hiesigen, Remscheider, Cronenberger, Velberter 2c. Industriebezirk gebrandschatzt hat, hat sich seit einigen Wochen unter geringer Veränderung ihres Namens wieder daran gemacht, von den Fabrikanten der benannten Industriebezirke Muster und Waaren herauszulocken, was dem Schwindler leider bei einigen Fabrikanten, die sich durch den großartigen Briefkopf und die schönen Versprechungen haben täuschen lassen, auch schon gelungen ist; übrigens nimmt der Bursche alles, was er bekommen kann, nicht nur Stahlwaaren. Der Verein Solingen wird den sich legitimirenden Mitgliedern den Namen dieses Schwindlers gerne mittheilen. — Das große Militärkonzert, welches gestern Abend im Saale des Herrn F. W. Bungards von der ganzen 48 Mann starken Kapelle des 1. Garde=Regizu Fuß ausgeführt wurde, hatte sich trotz der einladenden Witterung eines derartig guten Bezu erfreuen, daß es für die später Kommenden seine liebe Noth hatte, noch ein bescheiden Plätzchen zu finden. Nun, mit Recht konnten die vorzüglichen Leistungen der wohlgeschulten Kapelle sich eines zahlreichen Auditoriums versichert halten, wie dieses denn auch gestern durch den von ihm reich gespendeten Beifall, durch welchen es mehreremale eine Zugabe Seitens der Kapelle durchsetzte, dieser bewies, wie es ihre Leistungen wohl zu würdigen verstand. Allerdings war der Beifall auch nur gerechtfertigt, denn die einzelnen Programmnummern mit feinem Verständniß gewählt und zusammengestellt, wurden mit lückenloser Sorgfalt wiedergegeben, ja einige derselben, besonders die im 2. und 3.(historischen) Theil, haben zu stürmischen Dankesäußerungen Veranlassung, die die Kapelle in liebenswürdiger Weise mit einigen Einlagen vergalt. Auf die einzelnen Vorträge näher einzugehen, könnte uns wohl erspart bleiben, genug, daß sie volle Anerkennung fanden und daß die von Herrn Musikdirigenten Möller so meisterlich dirigirte Musikerschaar wohl würdig ihres stolzen Prädikates ist,„Lieblingskapelle Sr. Maj. des Kaisers" zu sein.— Kaum minder dankenswerth sind die Bemühungen des stets thätigen Herrn Bungards, dem Publikum die Leistungen ments wenig suches gut geschulter Kapellen zu bieten, und erfteulich ist die Unterstützung, die ihm von diesem durch regen Besuch zu Theil wird. Militärkonzerte sind auch hier äußerst beliebt und darf man eine gute Schulung und damit auch tüchtige Leistungen der Militärkapellen heutzutage, weil die Anforderungen überall so außerordentlich hohe sind und auch von den Dirizenten dieser Kapellen größtentheils eine höhere musikalische Bildung verlangt wird, ohne Weiteres voraussetzen. +— Die Zugkraft der Kapelle des 1. Garde=Regiments machte sich nicht nur am Grünewald, sondern auch im Stadttheater im Kaisersaal deutlich bemerkbar, hier freilich durch eine Leere, die selbst für Solingen ungewöhnlich genannt werden muß und welche sich nur durch das gleichzeitige Militär=Konzert bei Bungards erklären läßt. Es ging das„Mauerblümchen“, Lustspiel der bekannten Firma Blumenthal und Kadelburg, über die Bretter. In Anbetracht der recht inhaltsarmen Handlung dieses„neuen" Lustspiels, sowie der ungünstigen Beeinflussung, welche die Akustik des Theatersaals bei schwacher Besetzung erleidet, kann man den reichen Beifall, welchen die wenigen Theaterfreunde der Darstellung zollten, nur als angemessen bezeichnen. Namentlich gefiel der Tapetenfabrikant Wörmann des Herrn Schütz, welcher seine Rolle, allerdings die dankbarste, mit richtig und glücklich angewandtem Humor durchführte.— Wir machen nochmals darauf aufmerksam, daß einstweilen nur noch 3 Vorstellungen(die letzte am 4. November) stattfinden. — Vor einem Neubau der Rheinstraße glitt gestern ein 23 Jahre alter Tagelöhner von der Stahlstraße auf dem feuchten Erdboden aus und erlitt infolgedessen einen Beinbruch. — Als Waarenzeichen wurde eingetragen: „Wickelkind" für Rudolf Schmidt, Solingen. — Ueber den Unglücksfall auf der RonsdorfMüngstener Bahn wird der„Barm. Ztg. noch gemeldet: Schon wieder hat die so häufig gerügte Unsitte des Aufspringens auf einen bereits in der Fahrt befindlichen Eisenbahnzug ein Opfer gefordert. Der Fuhrmann Friedrichs von Clemenshammer wollte in Station Platz in einen bereits in Bewegung besindlichen Zug der Schmalspurbahn einsteigen bezw. auf die vordere Plattform des einzigen anhänzenden Wagens springen und zwar in dem Augenblick, als der Wagen nur noch etwa 2—3 Meter von dem zu passirenden Güterschuppen zu Platz entfernt war. Fr. hatte bereits den Thürgriff zur Plattform gefaßt, jedoch zu spät; er gerieth leider zwischen Wagen und Güterschuppenrampe, wodurch er eine schwere Quetschung des Unterleibs erlitt. Der Bedauernswertbe wurde in das Elberfelder Krankenhaus überführt; sein Zustand gibt zu Befürchtungen Anlaß. □ Höhscheid, 26. Okt. Die Wasserleitung in Wippe wird augenblicklich einer genauen Prüfung unterzogen, da die Krähnchen zum Schrecken der Hausfrauen kleine Frösche ausspieen. Es muß eine Undichtigkeit vorhanden sein, durch welche die Thiere in's Leitungsrohr gelangen konnten. *— 26. Okt. Zu dem Jagd=Unfall bei Hasenmühle(siehe gestrige Nummer d. Ztg.“) wird uns geschrieben:„Der Wald am Hasenmühlerberge grenzt bis an die Ortschaft; ein Jäger schießt im Walde einen Hasen, welcher, ehe ihn der Hund holt, laut klagt; darauf läuft ein am Mittagstische sitzender Bursche in den Wald, um sich die Sache mit anzusehen. Zwischenzeitlich springt ein zweiter Hase, worauf ebenfalls geschossen wird; der Bursche erkennt seine Gefahr und legt sich in das hohe Gras und Haidekraut, um nicht getroffen zu werden, war also so für die Jäger ganz unsichtbar. Da fällt ein weiterer Schuß, der Hase fällt, und der im Grase auf dem Rücken liegende Bursche erhält ale Streifschuß einige Schrotkörner. Der Jäger hat sofort einen Arzt holen lassen, welcher auch bald zur Stelle war und die Verletzung für ganz ungefährlich hielt. Nichtsdestoweniger hat der Jäger den verletzten Burschen in's Krankenhaus fahren lassen, da dort unter eventueller Anwendung der Röntgen=Strahlen die Schrotkörner leichter zu entfernen waren, als in der elterlichen Wohnung des Verletzten. Der Streifschuß hat den Burschen auf etwa 80 Schritte getroffen, weshalb die Schrotkörner auch nicht tief eingedrungen sind; der Verletzte wird das Krankenhaus schon in einigen Tagen wieder verlassen können. So der Sachverhalt. Den Jäger trifft gar keine Schuld. Es ist eben ein Unglücksfall, der aber glücklicherweise noch glimpflich verlaufen ist; dem Burschen ist die Suppe kalt geworden, und der Jäger hat einen theuren Hasenbraten bekommen.“ r Gräfrath, 25. Okt. Die Herren Bäcker und Wirth Hubert Tack und Kleidermacher Hermann Hankammer von Central sind auf eine sechsjährige Amtsdauer vom 1./8. 98 bis Ende Juli 1904 zu Schulvorstandsmitgliedern der katholischen Volksschule zu Central ernannt worden. Als Ersatz für den aus dem Schulvorstande der katholischen Volksschule hierselbst ausscheidenden Herrn Tack ist für den Rest dessen Amtsperiode Herr Drechsler Hermann Schulte hierselbst ernannt.— In letzter Zeit wurden von einem Neubau in der Schulstraße gelöschter Weißkalk, eine Hacke und eine Schaufel entwendet. Verdächtig ist ein Handlanger von hier. 0— 25. Okt. Die Frau eines Arbeiters zu Rauenhaus, die eine Treppe hinaufgehen wollte, glitt durch die an den Schuhen heftende Feuchtigkeit aus und stürzte die ziemlich hohe Treppe herab. Bei dem Falle zog sie sich einen doppelten Rippenbruch zu, so daß die Bedauernswerthe längere Zeit das Bett hüten muß. — 25. Okt. Der zum Lehrer an der II. Klasse zu Central gewählte Herr Munzig ist von der Königl. Regierung zu Düsseldorf bestätigt worden. Der bisherige intermistisch beschäftigte Lehrer der III. Klasse Herr E. wird die Stelle bald wieder verlassen. 25. Okt. Dem Vernehmen nach geht das „Hotel zur Post“ von Eicker demnächst in andere Hände über. Als Kaufpreis wird die Summe von 110,000 Mk. genannt.— Gestern fand hier wegen der Gleislegung für die elektrische Straßenbahn in der Bahnstraße eine von der Eisenbahndirektion in Elberfeld veranlaßte Ortsbesichtigung statt.— In der Nacht zum Sonntag wurde in einem Hof an der Oststraße ein Mann von einem Brüderpaar überfallen und durch 2 Messerstiche in den Rücken schwer verletzt. Der Thäter ist bereits ermittelt.(„Ohl. Tabl.“) Gerichts=Verhandlungen. Braunschweig, 24. Okt. Die Strafkammer verurtheilte die Maschinenfabrikanten R. Karges und Hermann Fröling von hier wegen Steuerhinterziehung durch zu niedrige Selbsteinschätzung zu 14700 Mk. bezw. 14 275 Mk. Chemnitz, 22. Okt. Das Landgericht verurtheilte den 13 Jahre alten Schulknaben Schulze aus Neudorf m 2 Jahren Gefängniß. Der Knabe hat zweimal faustgroße Steine auf die Eisenbahnschienen gelegt und mit Steinen eine Warnungstafel der Bahn herabgeworfen. Die Steine wurden von der Lokomotive bei Seite geschoben. Frankfurt, a. M. 24. Okt. Das Schwurgericht verurtheilte den Goldarbeiter Heinrich Frank aus Heilbronn, der sich als Anarchist bekennt, wegen des am 11. Juni d. J. verübten Raubanfalls auf einen Geldbriefträger zu 12 Jahren Zuchthaus. Nachrichten. Berlin, 25. Okt. Bei dem Oberbürgermeister von Köln, Becker, als dem Vorsitzenden des Städtetages, will die aus 5 Magistratsmitgliedern und 10 Stadtverordneten zusammengesetzte Devutation wegen der Fleischtheuerung erst anfragen, ob er gewillt ist, deshalb den Städtetag einzuberufen. Von der Entscheidung soll es abhängig gemacht werden, ob Berlin selbstständig oder gemeinsam mit dem Städtetag in dieser Angelegenheit vorgehen soll. Breslau, 25. Okt. Der hiesige RegierungsPräsident Dr. v. Heydebrand ist beim Radfahren gestürzt und hat den rechten Oberarm gebrochen. — 25. Okt. Der wegen Ermordung seiner Ehefrau zum Tode verurtheilte Arbeiter Wuttge ist heute hier enthauptet worden. Bodenbach, 24. Okt. Durch Gasausströmung in einer hiesigen Gasanstalt wurden zwei Arbeiter getödtet und einer verwundet. Neuhaus a. d. Oste, 23. Okt. Gestern Morgen gerieth der vierjährige Sohn des Fischhändlers Adler unter die Räder eines Sandwagens. Dem Kinde wurde der Schädel zerdrückt, so daß der Tod sofort eintrat. Heilbronn, 25. Okt. Zwischen Heilbronn und Weinsberg wurden drei Streckenarbeiter von einem Personenzug überfahren. Einer davon blieb todt; die beiden Anderen wurden schwer verwundet. Steyr, 25. Okt. Der Ausstand in der Waffenfabrik ist beigelegt. Die Arbeit wurde heute wieder aufgenommen. Wien, 25. Okt. Das Befinden der Wärterin Pecha ist andauernd schlecht. Hofrath Nothnagel wurde durch die Statthalterei aufgefordert, vorläufig das Krankenhaus zu meiden und alle Krankenbesuche einzustellen. Da das Abgeordnetenhaus heute beschloß, über Thuns Beantwortung der Pest=Interpellationen die Erörterung zu eröffnen, dürfte die nächste Sitzung, die am Donnerstag stattfinden wird, mit der Debatte über die Pest statt mit Ministeranklagen gefüllt werden. Im Auftrage des Dauer=Ausschusses durchsuchten Kanal= räumer alle Hauskanäle des Allgemeinen Krankenhauses und die Sammelkanäle des neunten Bezirks. In den Krankenhauskanälen fanden sie wenige lebende Ratten und nur eine todte, in den entlegenern Alsbachkanälen zahlreiche lebende Ratten. Der Bürgermeister ordnete die Durchspülung mit Hochquellwasser an. Alle Kranken der Klinik Nothnagel wurden vorläufig auf die Klinik Schrötter übertragen. Hinter dem Seuchenspital wurden vier Nothbaracken mit je vier Betten fertiggestellt; das Rothe Kreuz bereitet 20 weitere Baracken vor. — 25. Okt. Der heute Abend erschienene Bericht über die erkrankte Wärterin Pecha konstatirt neben sonstigen bedenklichen Erscheinungen auch Hautblutungen an der Brust, das Zeichen beginnender Beulenpest. Man glaubt, sie werde die Nacht nicht überleben. Die übrigen Isolirten befinden sich wohl.— Im Gemeinderath beantragte der Liberale Reisch ein Denkmal auf Gemeindekosten für das Grab des verstorbenen Dr. Müller. Der Antrag wurde dem Stadtrath überwiesen. Paris, 25. Okt. In Gesellschaft zweier Lebedamen wurde auf dem hiesigen Lyoner Bahnhofe ein eleganter junger Mann verhaftet. Es wurden ihm 60000 Frcs., sowie Schmuck und ein blutbefleckter Stock abgenommen. Der Verhaftete ist der Mann, welcher in Monte Carlo den Staatsrath Poluzow zu ermorden versuchte. Seine rechte Hand zeigt die Bißwunde, die ihm Poluzow beigebracht, als ihn der Attentäter am Schreien verhindern wollte. Der Verhaftete erklärte, ein mehrfach vorbestrafter Dieb, Iwanow Soso, zu sein und die Papiere, die er bei sich trug und die auf den Namen des russischen Seelieutenants Nikolaus Gurko, Sohnes des russischen Hofmarschalls, lauteten, gefunden zu haben. An den derzeit in Nizza weilenden russischen Kriegsminister Kuropatkin ging ein Spezialbericht ab. (Professor.)„.. O, ich habe vielfach beobachter, daß häßliche Leute oft sehr geistreich sind— die Anwesenden selbstverständlich ausgenommen!“(Flieg. Bl.) Neueste Nachrichten und Telegramme. Berlin, 26. Okt. Der Kolonialrath setzte die Berathung fort, betreffend den Etat Südwest= afrika. Die Kolonialverwaltung drückte einstimmig ihren Dank aus für die Einstellung ausreichender Mittel im Etat. Der Antrag wurde angenommen: Die Regierung möge baldmöglichst Mittel bereitstellen, die Anlage landwirthschaftlicher Versuchsstationen für das ganze Schutzgebiet umfassender einzurichten, für den meteorologischen Dienst, für die Anstellung eines tüchtigen Fachmannes in der Thierarzneikunde und Regierungs=Ingenieure zur Förderung der Bewässerungsanlagen, Wegebauten 2c. Sodann wurde die Zollverordnung für Kamerun angenommen. Die telegraphische Verbindung Kameruns mit Victoria wurde warm befürwortet. Schließlich erfolgte eine Vorlage der Kolonial= verwaltung, betreffend den Erlaß der Verordnung zur Beschränkung der Einwanderung mittelloser Personen im Schutzgebiet Ostafrikas. — 26. Okt. Die„Kreuzztg. meldet: Der Justizminister hat das für den Frhrn. v. Hammerstein eingereichte und von allen in Betracht kommenden Faktoren befürwortete vorläufige Entlassungsgesuch ab gelehnt; wie es heißt, ohne Angabe von Gründen. — 26. Okt. Die„Morgenblätter“ melden aus Altona: Der angebliche Anarchist Oldenburg leugnete, ein Attentat auf den Kaiser geplant zu haben, es liege ein Racheakt vor.— Aus Florenz wird gemeldet; Ein wahnsinniger Gepäckträger machte einen Mordversuch auf den deutschen Hotelbesitzer Kraft und verwundete ihn und andere. Wien, 25. Okt. Die irrthümliche Behauptung von der angeblichen Internirung des Professors Nothnagel ist darauf zurückzuführen, daß die Statthalterei Nothnagel anwies, den Klinikbesuch bis auf Weiteres zu unterlassen.— Nothnagel stellte zur Beruhigung des Publikums seine Privatordinationen sowohl zu Hause als auch außerhalb ein. Die Wiener„Allg. Ztg. meldet, Nothnagel erfreue sich des besten Wohlbefindens, die Isolirung dürfte kaum 3 bis 4 Tage dauern. Die Vorlesungen am allgemeinen Krankenhause dürften künftige Woche wieder aufgenommen werden, da eine Weiterverbreitung der Seuche als ausgeschlossen anzusehen ist. Paris, 25. Okt. Nach Wiederzusammentritt der Kammer greift Baudiz d' Asson die Regierung heftig an. Es sind mehrere Tagesordnungen eingegangen. Die erste, von Ribot, beantragt, im Vertrauen auf die Armee als die treue Helferin der republikanischen Gesetze, die Vertagung der Debatte auf Donnerstag. Mahy bringt ein Amendement ein, welches lautet:„und f. die Regierung auf, dem Beschimpfungsfeldzuge gegen di. Armee ein Ende zu setzen. Nachdem Brisson mit, getheilt hat, daß die Demission Chanoines angenomme sei und noch im Laufe des Abends ein neuer Kriega. minister ernannt werde, nahm die Kammer mit 550 gegen 2 Stimmen die Tagesordnung Ribot an lehnt den Zusatz Mahys ab. Die Kammer nahm de selben jedoch mit 256 gegen 243 Stimmen an. Dag Amendement Berger:„und tadelt die Regierung, weil sie der Armee keine Achtung verschafft“, wird mit 274 gegen 261 Stimmen abgelehnt. Als Berteau(Sozialist) ein Vertrauensvotum für die Regierun, beantragte, schwieg Brisson. Der Antrag Berteaur wird mit 286 gegen 254 Stimmen abgelehnt Die Minister verlassen den Sitzungssaal Der Rücktritt des Ministeriums gilt als wiß. Deschanel bringt die Tagesordnung Ribot mit dem Amendement de Mahy zusammen zur Abstimmung was mit 460 gegen 28 Stimmen angenommen wird (Rufe: Nieder mit den Juden!) Baudy d'Asson bean tragt alle Minister mit Ausnahme Chauoines, dieseg braven loyalen Soldaten, in den Anklagezustand zu versetzen.(Tumult.) Die Sitzung wird um 8,35 Uhr geschlossen. Die nächste Sitzung findet am 4. Nov, statt — 25. Okt. Der bei Gelegenheit der Kundgebur gen verhaftete Vorsitzende der Antisemitenliga wurde ing Gefängniß überführt.— Nach dem Verlassen des Palais Bourbon begaben sich die Minister zum Präsidenten Faure, um gemeinsam ihre Demission zu überreichen. Die Deputirten, ermüdet von den langen Berathungen, verließen das Palais Bourbon ohne weitere Besprechung der Vorgänge. Jedoch erkennen sie an, daß die Lage sehr unklar ist und daß sich aus den abgegebenen Voten kein Fingerzeig ergiebt, der dem Staatsches die Aufgabe, einen Nachfolger Brissons zu bestimmen, leichtern könnte. — 25. Okt. Als Nachfolger Brissons wird der Name Ribot genannt. Es wird allgemein geglaubt, daß Faure sich an ihn wendet. In der Umgebung des Elysées fand kein Zwischenfall statt; auf den Boulevards kamen einige unbedeutende Zwischenfälle vor. Eine Person wurde verhaftet. In radikalen Kreisen wird erklärt, daß die Revision des Prozesses Dreyfue durch den Sturz Brissons nicht berührt sei, da für jedes neue Kabinet die Tagesordnung betr. das Uebergewicht der Zivilgewalt maßgebend sein müsse. — 26. Okt. Präsident Faure nahm die Demission des Kabinets an und ersuchte die Minister, die Leitung der Geschäfte bis zur Bildung eines neuen Kabinets zu behalten. Gestern Abend empfing Faure Niemand und beräth morgen in aller Frühe mit den Präsidenten beider Kammern. Brisson unterbreitete Faure Abends das Dekret, durch welches Lockroy vorläufig mit dem Kriegsportefeuille betraut wird. — 26. Okt. Derouléde wurden beim Verlassen der Kammer Beifallsrufe zu theil, ebenso Drumont und Millevoge, welche darauf auf der Präfektur vergeblich die Freilassung Guérien's verlangten. Gegen Brisson und die Juden fanden Kundgebungen vor dem Militärklub und der„Libre Parole“ statt, welche illuminirt und eine Tafel mit der Aufschrift: Nieder mit den Juden! ausgehängt hatte. Es fanden einige Schlägereien statt. Um 10 Uhr Abends dauerten die Kundgebungen fort. erSeemannshaus. Durch das Gesetz über die deutsche Flotte ist der Bestand unserer Marine gesichert. Aus ganz Deutschland strömt die junge Mannschaft herbei, das dunkelblaue Ehrenkleid des Matrosen zu tragen. An Bord seines Schiffes findet der Seemann neben schwerem ent sagungsvollem Dienst nur sehr knapp bemessene Freizeit. Wenn er an Land geht, erwartet ihn meistens nichts Anderes als die Straße, der Tanzboden und das Bierhaus. Deshalb hat sich eine gemeinnützige Gesellschaft„Seemannshaus für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine“ gebildet, welche es sich zur Aufgabe gestellt hat. Heime zu gründen, wo sich dem von Bord beurlaubten Matrosen bietet, was ihm fehlt: eine Stätte zu körperlicher und geistiger Erbolung und Anregung, gute Bücher und Zeitungen, auch aus der engeren Heimath; Briefpapier, um an die Lieben in der Heimath zu schreiben, ab und zu auch Musik und sonstige Unterhaltung, die den Geist erfrischt und den Körper gesund erhält. Das erste Seemannshaus ist in Kiel am 1. November 1895 eröffnet und hat sich gut bewährt. Der gute Anfang ermuthigt zum Fortschreiten auf dem begonnenen Wege, das Ziel ist vorgezeichnet, die Mittel fehlen: 400000 Mark sind nöthig, um in Wilhelmshaven ein ähnliches Haus zu bauen und in Kiautschau in gleicher Weise für die der Heimath ferne Besatzung zu sorgen. Wir werben Freunde mit der herzlichen Bitte, uns durch Beiträge unterstützen zu wollen. Wer Mitglied der Gesellschaft werden will, hat gemäß gesetzlicher Vorschrift einen Mindestbetrag von 500 Mark einzuzahlen. Wer 1000 Mark und mehr für die neuen Seemannshäuser zur Verfügung stellt, dessen Name wird zum ehrenden Gedächtniß in eine Tafel im Seemannshause eingezeichnet. Das Protektorat der Gesellschaft haben Seine Königliche Hoheit Prinz Heinrich von Preußen und seine hohe Gemahlin, Ihre Königliche Hoheit die Frau Prinzeß Heinrich von Preußen, gnädigst übernommen. An die begüterten Schichten unseres deutschen Volkes wendet sich unsere Bitte Den hochherzigen Gebern werden es nicht nur unsere auf allen Meeren schwimmenden Matrosen und unsere ganze Flotte Dank wissen, auch die Eltern unserer braven blauen Jungen werden sich dem Dank anschließen; wird doch Ihren in den Heimathhäfen und im fernen Kiautschau ein trauliches Heim beschieden sein. Die Gesellschaft„See mannshaus für Unteroffiziere und Mannschaften der Kaiserlichen Marine“. E. G. m. b. H. 9 4/9 bis 18.65 p. 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Vereinshaus. Uhr: Gebetskunde. Evangel. Donnerstag 8¼ Schrodtberg. heute Mittwoch, Abends 812 Uhr: Bibl. Vortrag. Jedermann ist herzl. eingeladen. Der Vorstand, Höhscheider Frauen= und Jungfrauen=Verein. Morgen, Donnerstag, den 27. Oktober, Nachmittags 3 Uhr: Versammlung der Kleinkinderschule— Weegerstraße (I. Etage). Um recht rege Betheiligung bittet Der Vorstand: N. dess. Becker, Pfr. Banksag ung. Für die vielen Beweise herzlichster Theilnahme an dem uns betroffenen sehr schmerzlichen Verluste unserer theuren Entschlafenen sagen wir allen unsern innigsten Dank, besonders ihren lieben Freundinnen für die schönen Kranzspenden. Gleichzeitig bitten wir den Herrn Pastor Becker für seine trostreichen Worte im Hause sowie am Grabe unsern tiefgefühlten Dank entgegen zu nehmen. Familien Göddertz und Loeber. Röbecheid, den 26. Oüktober 1896. 3000 M. auf Nr. 523 4166 14019 28028 31133 41214 48011 52181 58504 60196 64370 65790 68531 81229 81207 85677 87323 88825 92574 97399 98626 125338 128907 136960 146009 150430 151711 154920 155906 166082 168363 174355 223767. 1000 M. auf Nr. 9456 10771 15324 17221 19169 30930 34403 37138 46110 63033 65273 70045 70118 72062 78343 78997 79568 81865 83981 Von der am Montag Abend im Marcus'schen Justitut für Lokale in Gräfrath stattgehabten Versammlung sind als Wahlmänner aufgestellt worden für 1. Wahlbezirk: 1. Abtheilung Herr Hermann Rütgers, Gust. Kremer, 12.„„ Cuno Kohl, Carl Küllenbers, 3.„„ Hermann Melcher, Fritz Fänger. 2. Wahlbezirk: 1. Abtheilung Herr Albert Küller, Ernst Niepmann, " Ernst Tang, Louis Schaub, Nachrut unserer so früh verstorbenen treuen Freundin Laura Loeber. Bekanntmachung. Die Königliche Landesaufnahme hat östlich von Stöckerberg auf dem Grundstück von Reinh. Evertz, sowie ferner zu Hästen auf dem Grundstück von Wilhelm Wermelskirchen Vermessungspunkte örtlich festlegen lassen durch Einsetzen von Granitsteinen mit darüber befindlichen Signalgerüsten aus Holz. Diese Anlagen werden dem Schutze des Publikums empfohlen. Beschädigungen, Veränderungen oder Entfernung derselben sind strafbar. Solingen, den 22. Oktober 1898. Der Oberbürgermeister: Dicke. Königl. Standesamt Solingen. 25. Oktober. Geburten: Milden Trost aus lichten Höhen Hedwig, T. v. Messerschläger August Winkt uns frohes Wiedersehn, Piel, Schlicken. Erna Emilie, T. v.]Bo die ew'ige Palme grünt. Schleifer Carl Steffens, Casinostraße. Clara, T. v. Schaalenschneider Carl Franz Poschen, Kannenhof. Gerichtlicher Verkauf. Am Donverstag, den 27. Oktober 1898, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung steigert werden Patentbüreau J. Blocksiepen, Solingen, Blumenstr. 11 besteht seit 1878. 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Der schöne Erfolg, welcher das Zusammengehen der Wähler der liberalen Parteien und des Centrums bei der letzten Reichstagswahl krönte, legte den Gedanken nahe, auch bei der Landtagswahl gemeinsam vorzugehen. Die Leiter der freisinnigen Parteien des Kreises Solingen versuchten deshalb, mit der nationalliberalen Partei und dem Centrum eine Verständigung dahingehend zu erzielen, daß für die Landtagswahlen von jeder dieser drei Parteien ein Candidat zu nominiren sei. Nachdem diese Versuche an der stricten Ablehnung seitens der Leiter der nationalliberalen Partei gescheitert, haben sich die Freisinnigen und die Centrumspartei dahin verständigt, zwei Candidaten der Freisinnigen und einen des Centrums aufzustellen. Wähler! Bei bevorstehenden Wahlen zum Landtage ertönt fast stets der Mahnruf: „Wählt Männer aus dem Kreise!" Die Berechtigung dieses Rufes ist nicht zu verkennen, denn solche Männer sind mit den wirthschaftlichen Bedürfnissen des Kreises am besten vertraut und dadurch in der Lage, die Interessen ihres Wahlkreises besser zu vertreten, als ein Abgeordneter, der fern von seinem Wahlkreise wohnt und erst dann die örtlichen Verhältnisse näher kennen lernt, wenn er kommt, um wiedergewählt zu werden. Stellte doch vor einiger Zeit einer unserer bisherigen Vertreter im Landtage bei einer Debatte die Behauptung auf, die Grunderwerbskosten der Eisenbahnstrecke Solingen=Remscheid seien von der Gemeinde Remscheid allein betragen worden, während doch, wie allgemein bekannt, Solingen eine ganz horrende Summe hat zahlen müssen. Wähler! Es ist uns nun gelungen, drei Candidaten in unserem Wahlkreise zu finden, welche durch langjährige Thätigkeit im öffentlichen Leben und durch die Bekleidung verschiedenster Ehrenämter im Wahlkreise allgemein bekannt und geachtet sind. Es sind dieses die Herren: Aubrikank Iurins Hammes fahr in Wald, Lverkehter Richärd in Kemscheir, Rentner Friedr. Henseler in Sptaren. Getreu ihrer politischen Anschauung werden sie eintreten gegen jede Beschränkung des Vereins= und Versammlungsrechtes wie auch der Selbstverwaltung; sie sind durchdrungen von der Ueberzeugung, daß gleiches Recht für Alle walten muß, sie werden eintreten für den Abschluß der so nothwendigen Aufbesserung der soldung der Staatsbeamten und besonders der unteren Beamtenklassen; die Pensionsverhältnisse und die Relictenversorgung der Gemeindebeamten und Volksschullehrer sind sie zu gewährleisten bereit; sie werden darauf bedacht sein, die Härten des Communalabgabengesetzes zu beseitigen; allen Versuchen, die Coalitionsfreiheit der Arbeiter zu beschränken, werden sie entgegentreten, dagegen steis eine Erweiterung und Ausgestaltung des Coalitions= rechtes, wie es der modernen Zeit entspricht, zu fördern suchen; alle Vorlagen und Anträge, welche geeignet sind, den religiösen Frieden zu stören, werden sie zurückweisen; die gradezu unerläßlich gewordene Umgestaltung des Dreiklassenwahlgesetzes in Staat und Gemeinde werden sie zu erreichen bestrebt sein; allen Reformen im Eisenbahnwesen werden sie zustimmen und insbesondere auch für eine Besserung der noch vielfach unzulänglichen Eisenbahnverhältnisse des bergischen Landes ihre Stimme erheben. Darum, Ihr Bürger in Stadt und Land, Ihr Kaufleute und Fabrikanten, Ihr Arbeiter und Handwerker, Ihr Lehrer und Beamte, auf zur Wahl am 27. Oktober. Wappnet Euch mit dem Selbstbewußtsein und dem Bürgerstolz, der von jeher bergischer Männer Zierde war. Tretet mit aller Kraft ein für die Wahl unserer Candidaten und tragt so das Eurige dazu bei, daß Euch endlich derjenige Einfluß auf das Staatswesen zutheil werde, der Euch kraft Eurer Intelligenz, Eurer wirthschaftlichen Tüchtigkeit und Eurer Opferwilligkeit für das Vaterland von Gottes= und Rechtswegen zukommt! Wählt Wahlmänner, welche sich verpflichten, ihre Stimmen abzugeben für unsere Candidaten, die Herren Habrikanr Iurius=Hammerjahr in Wald, Oberlehrer Richard Eickhoff in Kemscheir, Rentner Friedr. Henseler in Das Wanlschite Freisinnigen u. der Ceutrums. Partei. Zur Taudtagswahl. Für die einzelnen Wahlbezirke der Stadt Solingen sind bis jetzt folgend, Wahlmänner aufgestellt worden; für die noch ausstehenden Bezirke werden diaufgestellten Personen den Wählern durch Karten bekannt gegeben. Wir ersuchen alle Parteigenossen, mit aller Kraft für die aufgestellten Wahlmänner einzutreten. Das Wahlcomité der Freisinnigen und Centrums-Partei. Für den 1. Für den 2. Für den 3. Für den 4. Für den 5. Für den 6. Für den 7. Für den 8. Für den 9. Bezirk: In 1. 2. * 3. 2. 3. 2. „ 3. Bezirk„ 2. 3. 2 " 2. „ 3. " 2. 3. „ 1. 2. 3. „ 1. " 2. " 3. „ 1. 2. „ 3. 2. Bezirk: Bezirk: Bezirk: Bezirk: Bezirk: Bezirk: Bezirk: Für den 10. Bezirk „ 3. Für den 11. Bezirk:„ 2. Für den 12. Bezirk:„ 1. „ 2. Geies 3 Bezur:„ 1. „ 2. „ 3. Für den 13. Für den 14. Abtheilung die Herren Rud. Hermes und Rob. Schönenberg. Albert Dörschel und Paul Iserloh. Emil Richtmann und August Scheidtmann. Ernst Ed. Hoppe und Carl Ascheuer. Ernst Kemper und Josef von Gels. Reinhard Schaaf und Adolf Schiefer. Walter Hoppe und Oskar Vitting. Ernst Balke jr. und Abr. Jansen. Ernst Fischer und Anton Wingen jr. Wilh. Häusgen und Richard Lüttges, Kotterstraße. Emil Scheidt und Karl Luchtenberg. Hermann Rübenstrunk und Ernst Esser. Leonhard Engels und Julius Hetzmer jr. Joh. Arwbrüster und Ernst Haßelbach. N. Collard und Wilh. Haßelbach. Robert Nöhrig und Emil Ortmann. Eduard Sonnenschein und P. Wilh. Beu. Max Heberlein und Albr. Berrenberg. Rektor Peter Mehler und Herm. Windhövel. Jak. Hoppe u. Ernst Fernholz. Julius Ermertz u. Eugen Feist. Carl Wittenius u. Theod. Krengel. Alfred Paas u. Heinrich Herder. Aug. Kornfeld u. Karl Piel. Rudolf Figowsky zu Stöcken u. Karl Meis, Vereinsstr. Rudolf Schwarz u. Robert Blasberg. Gust. Schneider u. Christ. Winheller. Heinr. Wilke u. Ernst Lauterjung. Jakob Boden u. Joh. Roth. Johann Böhm u. Emil Dunisch. Eugen Demmer und Jakob Schwickerath. Robert Kirschner und Otto Heverlein. August Seulen und Emil Schrick. Fritz Machenbach und Joh. Küpper. Robert Grah und Gustav Diederichs. Julius Dörschel und August Dahmen. Anton Pohl und Hugo Schallbruch. Eduard Unshelm und Adolf Pack. Louis Baumgarten und Hugo Bergfeld. Dr. Blank und Theodor Kieserling. Fritz Hoppe und A. Pauly. Aug. Mette und Jul. Krämer. Philipp Moses und Heinr. Pütz. Jos. Brams und Abraham Rosenbaum. Anton Trippen und August Peitz. R. Baccker und Hermann Happ. August Kühn und Wilhelm Berthold. Carl Pape und Fr. Wilh. Zenk. Hugo Pinell und Richard Plümacher. Jakob Paas und Ewald Siepmann. Karl Birkendahl und Karl Keller. Carl Aug. Kirschner und Fr. Wilh. Winkgen zu Schaberg. Robert Ebel und Robert Schumacher, Schützenstraße. Robert Breitfeld und Robert Harscheid, Schützenstraße. 8fach preisgekrönt! Bester ächter Böhnenkaffee aus den Großbetrieben der Firma P. H. Inhoffen, Bonn und Berlin Hof-Dampf-Kaffeebrennerei Ihrer Majestät der Kaiserin und Königin Friedrich. 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Stöcker. fA Aersel empfehlen Ponlig& Schmitz, Lager: Nordbahnhof. Au bermierhen. „Das von Herrn Z. Oppenheimer am Altenmarkt bewohnte Geschäftshaus Nr. 43 mit Ladeneinrichtung wird per 15. k. I. miethfrei. Näheres9 Kasernenstrasse 38. Verein für vrisaste Situograpst. Am Donnerstag, den 27. Oktober, wird unter Leitung des Herrn Oberlehrer Spelter ein Kursus für ältere Herren eröffnet, zu welchem Anmeldungen bis dahin im Hotel Römer entgegengenommen werden. Der Vorstand. Nordstädt. SchützenBund: Donnerstag. d. 27. cr., Abends punkt 9 Uhr: Ausserordentliche General-Versammlung. Tages=Ordnung liegt vor. Der Vorstand. Diejenigen, welche noch Forderungen an den Nordstädt. Schützenbund haben, werden ersucht, ihre Rechnungen bis Donnerstag Abend an den Vereinswirth Herrn Cuno Küll, Burgstr., zu senden. Der Vorstand. Unsere Preisliste für Wollgarne ist erschienen. Wir versenden dieselben auf Verlangen gratis und franco. Rudolf Schmoller& Co., Elberfeld. 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Das Kesselhaus ist theilweise zerstört; der Materialschaden ist, nach der„Barm. Ztg., groß. Glücklicherweise ist keiner der in der Nähe befindlichen Arbeiter verunglückt. Bonn, 24. Okt. Ein schwerer Unglücksfall trug sich gestern auf der Dampfstraßenbahn zu. Der Heizer Jos. Rondot fiel auf der Fahrt von Rüngsdorf nach Bonn unter einen Wagen der Dampfbahn, verfing sich in die Bremse der Wagenachse und wurde bis Bonn geschleift. Erst hier entdeckte man ihn unter dem Wagen und zog Rondot dann als Leiche heivor. Rondot, ein als ordentlich und zuverlässig geschilderter Mann, that nach fünfwöchigem Krankenlager wieder Dienst, und zwar als Bremser. Er hatte im Laufe des Nachmittags einige Glas getrunken und diese hatten ihm nach der voraufgegangenen Krankheit mehr zugesetzt, als des Dienstes zuträglich schien. Ein Schaffner meldete dies durch Fernsprecher, und Rondot wurde abgelöst. Auf dem Heimwege wollte er nun in Rüngsdorf auf Maschine steigen. Ein Oberbeamter verwehrte es ihm jedoch, Rondot kletterte nun auf den nächstfolgenden Wagen, fiel aber und gerieth unter die zweite Achse selben. Erst hier wurde er todt unter dem Wagen gefunden. Mit den Beinen hing er zwischen Bremsstange Siegburg, 24. Okt. In der verflossenen Nacht ist es zwei gefährlichen Einbrechern, welche 6 resp. 8 Jahre Zuchthaus abzusitzen hatten, gelungen, aus dem Zuchthause zu entkommen. Dieselben stiegen vom Speicher aus durch ein Fenster, ließen sich alsdann in den Hof hinab. Bis jetzt hat man noch keine Spur von den Entwichenen..„ ug, Mainz, 24. Okt. Gestern abend wurde am Bahnübergang bei Mombach dem Unteroffizier Gustav Stock von der 8. Kompagnie des Brandenb. Fußart.= Regts. von dem Schreiner Strauß aus Mombach mit einem dolchartigen Messer ein wuchtiger Stich in den Unterleib versetzt. Der schwer Verletzte liegt befignung los im Militärlazareth. Strauß ist Vater von J##ndern. Gerichtsverhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. ** Solingen, 25. Okt.(Schluß.) Zu Oben Vilghausen kam es am 5. August d. J. zwischen den weiblichen Häuptern dreier Familien aus Wortwechsel zu Thätlichkeiten. Infolge dieses Streites hatten sich heute 3 Personen, 2 verheirathete Schwestern und deren Vater, ein Scheerenarbeiter, wegen der auf gefährliche bezw. gemeinSteinen auf Menschen schuldig befunden und zu 3 Mark Geldstrafe oder 1 Tag Haft verurtheilt, im Uebrigen aber, wie auch der dritte Angeklagte, freigesprochen.— Ein Baueinen an der Straße stehenden, der Stadt Solingen gehörigen Baum abschneiden lassen, weil dadurch der Transport von Baumaterialien auf sein Besitzthum zu sehr behindert wurde und soll sich dadurch ebenso wie der damit beauftragte Schreiner strafbar gemacht haben. Die That mußte, da solche ohne Erlaubniß gescheben war, ale Ka pber6, Oi angeseben, und da dieserhalb der gesetz.9#e,### Strafantrag vorlag, auf Strafe erkannt werzun, geum Angeklagte wurden demnach wegen Sachbeschädigun## Anstiftung dazu zu je 3 Mark Geldstrafe oder 1 Tag Gefängniß verurtheilt.— Ein 29 Jahre alter handlung eines mit ihm in derselben Schleisengt,janger, tigten Ausmachers angeklagt; er hat den Gegner in.... derart in den kleinen Finger der linken Hand gebissen, daß dieser vielleicht infolge später eingetretener Blutvergiftung abgenommen werden mußte, wendet aber ein, er habe n v e Po doo d, Oeepeszufnahme, inobesondere aber auf worden. Nach der Geweisaufnahme, insbesondere aber al Grund des eidlichen Zeugnisses des Verietzten konnte diese Ausrede nicht gelten gelassen verdegzachen Gefängniß, in Angglagte schuldig erklärt, zu 3 otwye. ziner Buße die Kosten und dem Verletzten gegenüber zu einer Buße von 210 Mark statt Entschadigung verurtbeilt. Ein 19 Jahre alter Agent hierselbst und dessen waren wegen gemeinschaftlichen Hausfriedensbruchs, be Gelegenheit die Ehefrau des betreffenden der erste Angeklagte der ihm zur Last gelegten Vergehen überführt und wurde unter Annahme mildernder Umstände zu 30 Mk. Geldstrafe oder 6 Tagen Gefängniß verurtheilt. Die zweite Angeklagte wurde freigesprochen.— Eine folgende Strafsache gegen einen 19 Jahre alten Nickelpolirer von hier erledigte sich durch Vergleich, indem der Verletzte(Oheim) von dem Rechte der Zeugniß gerung Gebrauch machte, den Strafantrag zurückund der Angeklagte die Kosten des Verfahrens übernahm.— Körperliche Mißhandlung eines jüngeren Bruders mittels Bierflasche und Bedrohung mit einem anderen gefährlichen Werkzeuge war einem 27 Jahre alten ständig, will aber dazu durch das auch mildernde Umstände in erheblichem Wioße,„Zuge gligt strafe oder 6 Tagen Gefingniß verurtbeit, im Weiteren aber freiselbprochen, de“ Bighandlung eines Schülers war die Ehefrau eines Tagelöhners hierselbst unter Anklage gestellt. Dieselbe will in der Erregung über eine ihrem jüngeren Kinde widerfahrene Unbill gehandelt haben. Das konnte auch geglaubt werden und Urtheil lautete darum nur auf 3 Mark GeldAergernisses durch rohe Mißhandlung seines Pferdes war u do den Angeslagten zu 3 Monaten Gefingniß und 2 Wochen Haft.— 30 Mark Geldstrafe oder 10 Tage Gefängniß legte das Gericht einem 48 Jahre alten Ausmacher hierselbst wegen vorsätzlicher Mißhandlung eines mit ihm in derselben Schleiferei arbeitenden Waffenpolirers unter Zubilligung mildernder Umstände auf.— Wegen Hausfriedensbruchs war ein Fabrikant von Wald angeklagt; derselbe wurde aber freigesprochen.— Zwei Scheidenarbeiter hierselbst, welche sich gegenseitig mittelst Scheide bezw. Hammers mißhandelt haben, sind dieserhalb Anklage gestellt. Mit Rücksicht auf den bekundeten Thatbestand erhielt der eine 2 Wochen Gefängniß, der andere 20 Mark Geldstrafe oder 6 Tage Gefängniß.— Der Verübung groben Unfugs, wörtlicher Beleidigung und Bedrohung eines Ehepaares von 3. Feld war ein 39 Jahre alter Dachdecker angeklagt. Durch die Beweisaufnahme straße eine Schligerei vorgekommen und fnd halzge rpeien 5 Arbeitez Korperverietzung bezw. Sachbeschädigung unter Anklage gestellt. Alle wurden mangels Beweis freigesprochen. wurde derselbe der Vergehen überführt und dieserhalb zu 25 Mark Geldstrafe oder 8 Tagen Gefängniß verurtheilt. Von der auf Unfug lautenden Anklage erfolgt Freisprechung. Gelegentlich der Kotter Kirmes ist in der KotterSitzung des Schöffengerichts. Ohligs, 25. Okt. In der heutigen Sitzung des dausen als Amisanvelt und v= Gachen verhandelt. Am einem Vieruntersat an den Popf, gerf“rgge zu einer e blutete. R. wurde wegen dieser r.#— That zu einer fängnißstrafe von 3 Monatea verurtheilt.— Die beiten purden be fpeigesprog ez. gr H. uug Säln wischer wegen vorgeführt wurde der Schteuge. v. uus Arin, welcher wegen eio ein achnung der Untersuchungshaftwurde abgelehnt.— halber nicht erscheinen konnte. Der Angeklagte wurde jeThür ossen ließ, in eine sofort zu volltreckege,Harigrate von 24 Stunden genommen.—1 Woche Ges„ hielt der Tagelödner E. in Obligs, weil er mir einem Hammer und dann mit einem offenen des Hausfriedensbruchs schuldig gemacht hatte.— Der Gerängnßstrafe verbüht und Verteins zug eiuer Hastrafe rath einen Handverksburschen in Feuio gz, wicg pen#eg Eisenbahndamm schlief. E. nahm In on uy.., W0. für er 4 Wochen Gefängniß erhielt, V. erhielt wegen Beihülfe zu diesem Diebstahl 14 Tage Gesängniß.— Messerreider K. in Ohligs hatte die Eheleute F. mit einem einer Geldstrafe von 30 Mk, im Nichtzahlungsfalle zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt wurde. Remscheid, 20. Okt.(Schöffengericht.) Am 30. Juli d. J. löste der Kaufmann Robert F. am Eisenbahnschalter eine Retourkarte nach Barmen und gab zur Zahlung einen Thaler. Der den Schalterdienst Stationsdiätar gab statt 1 Mk. 80 Pfg. nur 1 Mk. 30 Pfz. heraus. F. reklamirte alsbald die zu wenig erhaltenen 50 Pfg., wobei es denn zu einer lebhaften eine Beleidigungeklage gegen F. Dieser soll nach der Klagschrikt dem Beamten bepgenüber„ ual Tosand!“ soll ich Sie nennen? Lernen Sie ers. mn Anstune: gebraucht haben. Dagegen bekundet ein Zeuge, daß I. hat:„Wie soll ich Sie nennen? Lernen Sie erst mal Geld zählen. Die Amtsanwaltschaft hält die Anklage für nicht erwiesen und beantragt die Freisprechung. Das Schöffengericht aber verurtheilte den Angeklagten zu 3 Mk. Gelobuße. Es mag, heißt es in der Urtheile begründung, dahin gestellt bleiben, ob F. die WrLernen Sie erst mal Anstand! gebraucht hat, aber sei, daß der Angeklagte gesagt hat: Lernen Sie erst mal Gelo zählen. Darin liegt der Vorwurf der Unfähigkeit, und somit eine Beleidigung.(Gen.=Anz.) Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen. Gedenkseier auf Schloß Burg. O Schloß Burg, 24. Okt. Bei schönem Herbstwetter und zahlreicher Betheiligung fand heute eine erhebende Gedenkfeier in Schloß Burg statt. Zur Erinneruns an de Zojziäzien Pisher,; kehr des Tages der Beendigung des 30jährigen N##ges durch den Westfälischen Frieden am 24. Ortober 1648 und ferner zum Gedächtniß der bei dem Ahiuge, der Kaiserlichen unter dem Obristen Heinrich von Ple####berg erfolgten Zerstörung des Bergfriedes wurde in den wieder aufzubauenden Bergfried ein Gedenkstein mit folgender Inschrift: Erbaut Zerstört um 1648 Wieder-Aufbau begonnen 1898 eingemauert. Der Vorsitzende Herr Julius Schumacher erwähnte bei der Ansprache den Tod des Herzogs Johann Wilhelm von Cleve=Jülich=Berz=Mark=Brandenburg 25. März 1609, welcher kinderlos erfolgte und den Jülich=Berzisch=Cleveschen Erbfolgestreit von 1609 bis 1666 herbeiführte. Der Kurfürst Johann von Brandenburg nahm sofort Besitz von der Hauptstadt Cleve und der Pfalzraf Philipp Ludwiz von Neub Düsseldorf, um sich das Herzogthum Julich-Gerg zu versichern. In diese Zeit fiel der 30jährige das Bergische Land unsäglich litt, wie an vielen richten aus uns benachbarten Orten hervorgeht. Endlich nach langen Verhandlungen wurde der Westfälische Frieden geschlossen und bei dem Abzuge der Kaiserlichen unter dem Obristen Heinrich von Plettenberz wurde Schloß Burg demolirt und der Bergfried zerstört. den Erinnerung an diesen Tag wurde darauf der Gedenkstein eingemauert, welchem ein Dokument beigefügt wurde und die Feier mit einem Hoch auf das Bergische Land geschlossen. Das Doktument lautet:..#., Buppe. Schloß=Bauverein zu Burg an der u.#per. Zur Erinnerung an die 250jährige Wiederkehr des Tages der Beendigung des 30jährigen Krieges durch den eop Ahy tef Hemt Azuge der Kaiserlichen unter dem Obristen Heinrich von Plettenberg erfolgten Demolirung des Bergfriedes des Schlosses Burg an der Wupper wird in den seit 250 Jahren zerstörten und nun wieder aufzubauenden Bergfried ein Gedenkstein mit folgender Inschrift: Erbaut vor 1130, Zerstört um 1648, Wiederaufbau begonnen 1898, soll, wie wir das Andenken unserer Vorfahren ehren und wie wir erwarten, daß dieselben ebenso Liebe zur Heimath und Treue zum deutschen Vaterlande in alle So geschehen zu Schloß Bug an der Wugger, Kaiser Wüben II, welcher sich gestern mit seiner er. lauchten Gemablin Kaiserin Augusta Victoria mit großem Gefolge einschiffte, um von Konstantinopel nach Jerusalem zu reisen, um dort am nächsten Sonntag die evangelische Erlöserkirche einzuweihen. Wir wünschen gute Reise und gedenken daran, wie früher die Grafen von Berg, Ahnherren der Hohenzollern, auf den Kreuzzügen nach dem gelobten Lande zogen, um die heiligen Stätten den Türken zu entreißen, Graf Adolf II begleitete mit seinem ältesten Sohne 1147 Kaiser Konrad III auf dem Kreuzzuge und kam der Sohn bei der Belagerung von Damascus um. Graf Engelbert I. zog den 23. April 1189 mi Kaiser Friedrich Barbarossa und kam den 10. Juni 1190 sprischen Fluße Saleph um. Adolf III. zog Ende Mai 1217 über Holland zu Schiff ins Morgenland und fand im Juli 1218 vor Damiette, den Angriff leitend, seinen Tod und heute wird der Platz zur Erlöserkirchvom Sultan Sr. Majestät Wilhelm II. zum Geschen! dargebracht. Welche Wendung durch Gottes Fügung. Schloß Burg an der Wupper, am 24. Oktober 1898. e Folgen Unterschriften. Schuldig. Erzählung von F. Arnefeldt. (7 In der Fremde wird man die Sehnsucht nach dem Vaterlande nicht los, und kehrt man dahin zurück, so wurzelt man nicht mehr an. Ich habe, seit ich wieder hier bin, die Wahrheit dieses Ausspruchs an mir selber „Soll das heißen, daß Sie Ihre Welfsahrt von Unspät geworden, man hatte länger als sonst gebräuchlich Atlasmöbeln ausgestatteten Salon führte, wo der Kaffee „Aber so erschrick doch nicht so! Nimm Dich zusammen. Mir imponieren Deine Nerven gar nicht!“ berschte er sie an, als sie bei diehen Forten, zusammenfuhr, und er mußte eine große H###sch“,“ über sie be sitzen, denn sie verzog augenblicklich das Gesic liebenswürdigen Lächeln. Sie ließ sich auf einen divan, über welchem unter Palmen eine sehr Flora aus weißem Marmor stand, nieder un Aurelie zu sich, die sie in ein angelegentliches verflocht, dadurch verhindernd, daß sie sich, wie es in der Absicht des jungen Paares gelegen haben mochte, Hans zurückzog. Auch Felicitas konnte nicht zu einem Zwiegespräch mit dem Assessor Sommer gelangen. Ihr lag es ob, den Kaffee zu bereiten, und außerdem hatte n de e us Bue, uie ehen ganen Mihane den Augenblick gerathen, der Aufforderung des Kommerzienrathes, ihn in sein Zimmer zu daselbst eine Zigarre zu rauchen, Folge zu leisten. Dr. Corbus war mitzegangen, und bald saßen sie, bten Dowp) Somener kam bald auf sein Liehlinge. gezeichneten Wein, den er genossen, den seltsamen der sich kurz vor Thoresschluß noch in den dem Untergang geweihten Häusern angesiedelt, so humoristisch, daß ü. Eie lachen, meine Herren, aber ich versichere Sie, der Lärm, den die Arbeiter dieses Mannes vollführt haben, war nicht zum Lachen; ich konnte ein paar Tage in meinem Zimmer nicht eine Zeile schreiben", be„Die Zeitungen rügten die Lanzsamkeit, mit neuerdings die Prozsse beim Kammergtäicht Fehrht. Hans Helldorf, und Ernst erwiderte die Neckerei durch einen kräftigen Schlag, den er dem Freunde auf die Gleichzeitig wandte Dr. Corbus, den die Sache sehr zu interessieren schien, sich mit der „Warum haben Sie sich das gefallen lassen „Ja, was hätte ich denn dagegen thun sollen, da Baumeister Schöller damit einverstanden war?" entgegnete achselzuckend und mit einem Seufzer der wie zur Beruhigung fügte er hinzu:„Der Lärm hat „Gan ui Douti, bsen, Baer guischte ui oen Finger drohend:„Das war nur ein Vorgeschmack. Warte nur, es kommt noch ganz anders, wenn erst das „Was hat der seltsame Mann denn „Einen Wandschrank oder etwas Achnliches, erwiderte Sommer leichthin. „Daß Du Dir das Ding nicht einmal angesehen? erkundigte sich kopfschüttelnd Helldorf. „Nein. Wozu?“ fragte Sommer verwundert,„auch wär's gar nicht gut möglich gewesen, da die Thür des Ladens nach außen immer geschlossen war. „Die hätte ich mir unter irgend einem Vorwand nehme morgen früh einmal Wienr Setbeuren er.. u uuach Jetzt lachte Sommer laut auf.„Uch, Jor“ würdet das nicht sagen, wenn Ihr sehen hättet. Am meisten wundere ich mich über Dich, Ernst, der Du doch selbst über den närrischen Kerl gelacht hast. Vor dem ist mir nicht bange, der kang froß sein, wenn er ungerupft aus Berlin fortkommt. Noc.. mals gab er eine Schilderung des Kleinstädters, die alle belustigte; nur Ernst Sommer war nachdenklich gewor den wunderlichen Bau näher ansehen. „Thun Sie das, Herr Assessor, ich halte zwar mit Ihrem Herrn Vater den wunderlichen Bauherrn für die harmloseste Person von der Welt, aber besser ist besser!“ stimmte ihm Dr. Corbus bei und setzte aufstebend hinzu: „Wäre es nicht Zeit, zu den Damen zurückzukehren? Ich habe für den Abend noch eine Verabredung, kann leider nicht lange mehr bleiben und möchte die mir noch zur Verfügung stehende Zeit gern in der anmuthigen Gesellschaft verbringen.“ Hans und Ernst, denen dieser Wunsch aus der Seele gesprochen war, erhoben sich sogleich; langsamer folgten der Kommerzienrath und Sommer. Erstere. erzühlte seinem Freunde, Corbus habe ein großes Vermögen von den Diamantfeldern Afrikas mitgebracht. „Das er natürlich durch Dich angelegt hat: fragte Sommer mit der ihm eigenen Lebhaftigkeit. „Ach nein,“ lachte Helldorf,„er braucht keine Mittelsperson, sondern ist geschickt genug, sein Geld selbst zu verwalten. Er hat den englischen Markt benutzt und seine Fonds in der Londoner Bank gelassen.“ Sie waren unter diesem Gespräch wieder in den Salon zekommen, fanden dort aber die Gesellschaft in einer Art von Aufbruch. Hans Helldorf hatte gegen Dr. Cordus erwähnt, daß er vor einigen Wochen in der Kunstausstellung ein Bild von Paul Meyerheim, eine Stene in der Menageite darsellnd, setaug, poiz 6.1. daß es nun in seinem Zimmer hänge. Cereur##ite darauf den lebhaften Wunsch ausgesprochen, es zu sehen, und Hans sämmtliche Anwesende zur Besichtigung eingeladen. Bereitwillig folgte man seiner Aufforderung. Auch die Kommerzienräthin bequemte sich zum M als Dr. Cordus ihr galant den Arm bot. Huns ging voran, Ernst, Felicitas und Aurelie folgten, den Beschluß machten die älteren Herren, nur Hermine und die Studenten waren im Garten zurückgeblieben. Hans Helldorf hatte in der Villa seines Vaters zwei Wohnzimmer und ein Schlafzimmer inne und die beiden ersteren gemäß seinen Neigungen und Dank der ihm zu Gebote stebenden Mittel zu einem kleinen Museum umgestaltet. Außer der ergötzlichen Schöpfung des genialen Thiermalers waren da noch mehre andere Gemälde neuerer Meister, einige schöne Stiche nach älteren Bildern und Marmorwerke, wie treffliche Abgüsse zu sehen. Man schaute und bewunderte, und Cor bus erwies sich als ein ausgezeichneter Kenner. „Aber was haben Sie denn hier?“ rief er plötzlich und trat vor einen Vorhang, der allem Anschein nach ein Bild verhüllte:„Was wollen Sie uns da neidisch vorenthalten? Ehe Hans es zu verhindern vermochte, hatte er den Vorhang zurückgeschoben. Das Brustbild einer jungen Frau in weißem Kleide, mit nicht schönen, aber sanften und einnehmenden Zügen kam zum Vorschein. Der Kommerzienrath und Sommer stießen gleichzitig einen leisen Ruf der Ueberraschung aus; bis auf die Kommerzienräthin waren sie unter den Anwesenden die einzigen, die wußten, wen dieses Bildniß darstellte. Alle wandten sich aber erschrocken um, als die Letztere mit einem lauten, kreischenden Schrei dem neben ihr stehenden Assessor Sommer in die Arme sank. „Fort, fort!“ stieß sie hervor. Die Augen rollten und sahen aus, als wollten sie ihr aus dem Kepfe treten, mit den Händen machte sie angstvolle und zugleich sie in seine Acme nehmen und beruhigen, aber sie stieß Ihr seid alle gegen mich im Bunde. Es ist darauf abEugente, liebe, theure Frau, welche unglückselige Vie ich nicht sehen wia, nicht sehen kann!“ Sie bedeckte die Augen mit den Händen. „Und das Du auch gar nicht sehen sollst!“ sie Hane Helldorf mit ernster Stimme ein, indem er, in innerster Seele verletzt von diesem Auftritt, den Vorhang wieder fallen ließ.„Ich habe dieses Porträt ganz allein für mich malen lassen, Niemand hat bis jetzt von seinem Vorhandensein gewußt, und es ist sehr meinen Willen geschehen, daß Herr Dr. Corbus den Vorhang davon entfernte.„84 „Ich bitte tausendmal um Entschuldigung, halle ich ahnen können, was ich damit anrichtete, würde ich es sicher nicht gethan haben. Aber so fasse Dich doch, Eugenie, ich kann mir ja wohl denken, daß der plötzliche unerwartete Anblick des Porträts Dich sehr erschüttert hat, zu einer so heftigen Erregung ist aber doch kein Anlaß. sagte Corbus.(Fortsetzung folgt). ist 25) Der Waffenschmied von Solingen. Eine romantische Kulturstudie von Edmund Gordon. (Fortsetzung.)(Nachdruck verboten.) „Auch ich blieb lieber hier. „Der Mutter geh' zu Liebe und der Zerstreuung von Euch Beiden. Mir thut die Ruhe noth, ich bitte Dich, liebe Toni“— sie lehnte sich vertraulich an die Freundin—„mach' Deine Sache gut!“ „So gut ich kann“, seufzte Toni, in innigstem Mitgefühl das Gemach verlassend. Frieda aber, mit sich selbst allein, sprach zu dem Edelweiß in ihrer Hand voll Wehmuth und mit Nachdruck:„Noch einmal lächelt mir, ihr Strahlen voller Tröstung; die Liebe, die noch schlummert, weck' ich vollends auf; soll mir der holde Lebenstraum zerfließen, will ich nicht lau und lind, vielmehr mit heißem Thränenstrom sein Mißgeschick beweinen!“ 18. Udo, kaum von dem Inhalt des eingeschriebenen Briefes unterrichtet, hatte sofort nach verschiedenen Seiten hin den Telegraphen in Anspruch genommen und sich dann, bis zum Eintreffen aufklärender Nachrichten, Zimmerarrest auferlegt. Mit fieberhafter Ungeduld erwartete er die Lösung dieses Räthsels. Mirza's einsilbiges Wesen konnte nicht geeignet sein, ihn aufzuheitern. Schließlich riß der Faden seiner Geduld und seine Parole lautete in einem Augenblicke gänzlicher Rathlosigkeit:„Einpacken und Abschiednehmen!“ „So soll ich nach Hause zurück“, stöhnte Mirza, „wo tausend Leiden meiner warten?“ „Was hast Du Mirza?— schon all' die Tage sehe ich die Falten Deiner Stirn und Deines Blickes unstete Scheu; so sprich Dich aus, erleicht're Dein Gewissen!" „O Herr,— der Selbstankläger griff in einen Mantelsack—„der Dolch hier ist's, der grausam mich verklagt, und hier— er zeigte auf sein Herz— mein gutes Recht, das mich nur lax vertheidigt!“ „Was ist's?“ „Sie wissen, edler Herr, daß meine Mutter eine Tochter bei sich hatte, im siechen Wittwenthum der Augen Trost. Ein schleichender Kirghise drängte sich herzu; er war's, der meine Schwester mit feinem Lügengewebe frech bethört, verführt hat und entführt. Die Mutter ward dadurch vom Schlag gelähmt, ich aber, Herr— Mirza's Blick leuchtete unheimlich— zur Raserei entflammt!— Ihn fahndend, traf ich ihn, als er betrunken, fluchend aus der Schenke kam, wo er im Kartenspiel der Schwester Gut verpraßt. Mit diesem spitzen Stahl stieß ich ihn an, daß er mit jähem Schrei dem Staub verfiel. Und dieser Schrei verfolgt mich Tag und Nacht, der rothe Glanz der Abendsonne dort scheint mit dem Blut gefärbt, das auf dem Boden quoll; — so klaxt mich's an, ob ich schon nach Gesetz und Recht in uns'rem Lande frei bin wie der Vogel in der Fichtenkrone. „Wie vieles Unheil,“ mußte sich Udo stillschweigend sagen, hat dies leidige Gesetz erlaubter Schwesternrache schon daheim gestiftet!“ „So hör' mich, Mirza, an: Geschehenes ist nicht zu ändern, der allbarmherz'ge Gott sei Deiner armen Seele gnädig!— Du reisest heute noch bis Köln, nicht weiter. Wie Jonas einst im Walfisch, hältst du dich drei Tage in der Herberg auf zum Anker,— es ist, du weißt ja, jenes Gasthaus an der Landungsbrücke— und ruf ich dich bis dahin nicht zurück, dann mach dich auf nach Wien, wo mein Gewährsmann, den du kennst, dich bis zu meiner Ankunft aufnimmt. Hier— er reichte ihm eine Börse— die nöth'ge Zehrung! An einen Freund daheim will ich die nächsten Tage schreiben, daß er die Mutter im Spital versorgt und deiner Schwester Rath schafft. Doch warum hast du dich nicht früher mir vertraut?“ „Ich hab' es oft versucht, doch wollt' es nicht heraus. Lohn's Gott Euch, Herr, daß Ihr mich aufgerafft; mir ist als wäre mir ein Karfunkel aufgeschnitten!“ Mit diesen Worten ergriff Mirza die Hand seines grädigen Herrn zum Kusse; froheren Sinnes wandte er sich dann seiner Cabine zu, damit er seine wohlgeordneten Effekten in den Koffer legte. Kopfschüttelnd sah sein Gebieter ihm nach und murmelte vor sich hin:„Der Arme thut mir leid; wenn wir in unsern heimathlichen Bergen kein so schroffes Klima hätten!“ Zu gleicher Zeit saß drunten im vordern Wirthschaftszimmer der Harmonie ein kleiner Kreis von Spießbürgern um den runden Stammtisch. „Wie ist es mit der Jagd, Herr Heißsporn?“ fragte der Hagerste unter ihnen scherzhaft einen Herrn von echtem Waidmannsschrote. „Dank' der Nachfrag: gestern eine wilde Ente ausgestopft gesehen und heute einen jungen Hahn geschlachtet.“ „Und Schotenerbsen zu gegessen!“— setzte ein Dritter hinzu. „Und vor'ge Woche einen dummen Streich gemacht!“ fuhr der Erste fort. „Wieso?“ „Er hat den Bauplatz neben seinem Haus sich hübsch abjagen lassen. „S' ist wahr“, bestätigte ein Andrer,„an Ihrer Stelle hätte ich den Platz gekauft. Ihr Haus ist alt und hat nur eine schmale Front; der Bauplatz nebenan ist auch nicht breiter; Beides zusammen gab einem schönen Neubau Raum, mit dem Ihr Sohn zukünftig in die Reih' gekommen wäre.“ „Bis der mal so weit ist, derweiten liegt der Schwerpunkt wieder ganz wo anders. Im Frei'n und Häuserbauen ist man niemals klug genug!“ „Den Vogel“, fiel der Fünfte ein,„hat jüngst mein Nachbar Kemmrich abgeschossen. Im vor'gen Jahr hat er ein Taschenmesser konstruirt: Zwei Klingen, Pfropfenzieher und als Neuheit dazu'nen Maaßstab aus zusammengelegtem dünnem Stahlblech. Geht mit dem Stück zu Hausmann, unser'm jetzigen Kommerzienrath, und bietet ihm das Messer an als neue, praktische Idee. „S' ist wahr,'nen Maaßstab braucht doch schließlich Jeder!“ „Der Kesselflicker ausgenommen.“ „Und der Küster. „Er sagt also zu Hausmann: Nützen Sie den Einfall, wie's beliebt, und zahlen mir für jedes Dutzend Messer von dem Genre, das durch Ihre Schleusen in die Welt geht, eine halbe Maik als Rente. Topp, es gilt, sagt Hausmann. Und jetzt, ihr Herren, von allen Seiten regnet's Kommissionen, und unser Kemmrich wird im Schlaf ein reicher Mann!“ „Dem braven Burschen kann ich's gönnen, hat, glaub' ich, tüchtig Kinder.“ „Ne glücklichere Hand hat unser Kemmrich also hier im Spiel gehabt als wie der Heidenreich im Erlengrund. „Der alte Hagestolz— was ist's mit dem?— dem sieht doch Keiner in die Karten!" „Leimsieder, wie er ist, hat er'nen Fliegenleim sich patentirt,— da kommt ein Eulenspiegel hinten drein und schreibt: Wer Fliegen hat, der mach' die Fenster auf, die Läden zu bis auf’ne Spalte Licht,— in drei Minuten sind sie alle fort!“ Die Andern lachten. „Da war der Heidenreich geleimt,— ha, ha!“ Ein sechster Bürger, das energische Gesicht tropisch gebräunt, trat ein; der Kellner füllte bereits sein Stammglas. „Ihr Herren, guten Tag!“ „Guten Tag, Herr Welter! Sie machen sich hübsch rar!“ „Ich war geschäftlich über See und kam erst gestern früh zurück.— Prosit, Ihr Herren!" „Prosit!“ „Du siehst auch recht zurückgekommen aus!“ „Dir, altem Kritikaster, könnt' es auch nicht scheden dich einmal zu häuten!" 7484, „Gelbbraun wie ein Mulatte kommst du.„ willst uns Mores lehren?" und „Apropos“, unterbrach ihn der Neuangekommene Ihr wißt schon die Geschichte mit dem Wirtb vom grünen Kranz?“—9 vom „Was ist's mit dem?— Kommt unser Welter da vom Chimborasso her und bringt uns Neuigkeiten von uns'rer eig'nen Kegelbahn!" „Was ist's damit?— man soll dem Ochsen, wenn er drischt, das Maul nicht stopfen— was ist's denn mit dem Wirth vom grünen Kranz?“ „Ihr wißt", erzählte Welter,„der Unternehmer Kosinski hat nicht das beste Meisterstück an seinem Haus gemacht— verpfuschte Arbeit, eitel Fanfaronade, unverschämte Rechnung,— wie es ihm alle Welt, die mit ihm zu thun hat, zutraut. Als frecher Gast kommt heute Morgen der Unternehmer herein,— um einen Herrn, der schon dort saß, zu treffen— fängt gleich zu raisonniren an, weil Niemand beispringt, seinen schuft'zen Hut, der ihm entfallen, aufzuheben; in gleichem Tone fordert er zu trinken. Der Kellner, durch einen Wink des Wirths im Hintergrund zurückgehalten, bekümmert sich um nichts und läßt ihn sitzen. Der Unternehmer schlägt ein paar Mal auf den Tisch, giebt sich an's Schimpfen wie ein Bürstenbinder, bis ihm der Wirth mit einem groben Donnerkeil die Thür weist. Dann zieht er ab direkt auf's Rathhaus, trägt an auf Konzessions= Entziehung und zerrt die Sache wegen Kränkung vor Gericht. „Der Wirth hat doch das Recht dazu, dem Gast Bedienung zu verweigern!“ „Das hat er nicht; er muß den Gast, der sich nicht polizeilich ungebührlich aufführt, auch bewirthen. „Womöglich noch mit zuckersüßer Miene!“ „Ich wett' um eine Flasche Wein, er hat's nicht nöthig!“ „Wenn ich meinen Zylinder schwankend an den Haken häng, so daß er fällt, dann ist der Kellner weder pflichtig, sich darum zu bücken, noch hat er nöthig, eine Grobheit deshalb einzustecken. Und je nachdem der Gast im Poltern fortfährt, giebt ihm der Wirth ein Gläschen Brauselimonade und setzt ihn an die Luft. Herr Oberkellner, hab' ich Recht?“ „Jawohl, Herr Mohrenstein!"(Forts. folgt). Evangelisches Sonntag, den 30. Oktober, Nachmittags 3 Uhr: Jahresfest des Vereinshauses. Redner: Die Herren Pastor Giesekke, Inspektor Stosberg, Stadtmissionar Loh. Kaffee 50 Pig. EHerzlich ladet ein Kaffer. Der Vorstand. Inifser. Eigene Rösterei. Hellgebrannten per Pfd. 90, 100, 120, 140, 160—180 Dunkel gebrannten per Pfd. 70, 90, 120, 140—170 Pfg. Auf Wunsch werden die Kaffees auch gemischt. Mache noch darauf aufmerksam, daß selbst der hellgebrannte Kaffee von 90 Pfz. einen reinen, wohlschmeckenden, kräftigen Geschmack hat, sodaß ich denselben jeder Hausfrau mit gutem Gewissen empfehlen kann. Ernst Voos, Brühlerstr. 9. Zu haben in den meisten Colonialwaaren-, Droguen- und Seifen-Handlungen. Dr. Thompson’s Seifenpulver Oetellungs auf ist das beste und im Gebrauch billigste und bequemste Waschmittel der Welt. Manachte genau auf den Namen „Dr. Thompson“ und die Schutzmarke„Schwan:“ Lehrling schäft(nicht Solinger Stahlwaaren) per sofort gesucht. Ofl. u. A. Z. 3 an die Erped. Geräthschaftsschlosser mit sämmtlichen vorkommenden Arbeiten vertraut, sucht Stelle. Näh. i. d. Exp. Zeitschriften und Lieferungswerke nimmt entgegen Albert Plutte, Kölnerstrasse 111. VIe Straßburger Pferde=Lotterie. 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Qual. 14 20 à 100 Kilo 2.„ 13 20 Hafer à 100 Kilo 13 40 Kartoffeln à 50 Kilo 2—3 Heu à 50 Kilo 2—3 Luzerner Heu à 50 Kilo 3,70 Maschinenstroh à 500 Kilo 16— Flegeldrusch à„„ 18— Butter per Kilo 2 20 Eier per Schock(60 Stück) 5 40 Raps per 100 Kilo 1. Qual. 22 50 Raps per 100 Kilo 2. Qual. 19 50 Aveel(Rübsen) per 100 Kilo 1. Qual. 21— Aveel(Rübsen) per 100 Kilo 2. Qual. 18 50 Rüböl pr. 100 Kilo in Partieen von 100 Ctr.(ohne Faß) 51— Rüböl pr. 100 Kilo faßweise (ohne Faß) 52 50 Gereinizies Oel pr. 100 Kilo M. 3.— höher als Rübsl Preßkuchen pr. 1000 Kilo 102— Weizen=Vorschuß 00 4 100 Kilo—— Kleien pr. 50 Kilo 5 20 Roggen und Hafer je 20 Pfg. höher. Rüböl 50 Pfg., Kuchen 2 Mk. höher.