* Nr. 183.— 50. Jahrgang. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Vierteljahr in der Expedition 1 M 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 M Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J. Montag, den 8. August 1898. e* Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeiffer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech=Anschluß Nr. 90). Vom Fürsten Bismarck. Friedrichsruh, 6. Aug. Auf Befehl des Königs von Württemberg traf gestern der württembergische Gesandte Frhr. v. Varnbüler hier ein, um einen Kranz am Sarge des Fürsten Bismarck niederzulegen. Hamburg, 6. Aug. Der Präsident des Senats, Dr. Lehmann, sandte heute folgendes Telegramm an S. Mojestät den Kaiser nach Wilbelmshöhe: „Senat und Bürgerschaft von Hamburg, welche heute zum Trauergottesdienst für den heimgegangenen Fürsten Bismarck versammelt sind, bezeugen Euerer Majestät in unwandelbar tiefer Treue ihre innigste Theilnahme beim Ableben des ersten großen Kanzlers des Deutschen Reiches.“ Auf dieses Telegramm traf folgende Antwort Sr. bod„ Der Ausdruck Ihrer Theilnahme beim Ableben des großen Kanzlers erfüllt mein erschüttertes Herz mit besonderem Danke! An der Spitze der deutschen Nation empfinde ich vor Allen die Bedeutung des Heimganges unseres großen nationalen Helden! Möchte die gewaltige Bewegung, in welche sein Tod die Deutschen der ganzen Welt versetzt hat, Zeugniß geben dafür, daß das deutsche Volk einig ist, wie ein Mann, in Dankbarkeit gegen den Verewigten und einig ist in dem festen Willen, das Andenken des großen Bismarck zu ehren durch rückhaltlose Hingabe für den nationalen Gedanken, für Kaiser und Reich. Wilhelm, I. R. — 6. Aug. Der„Hamb. Corresp.“ meldet aus Altona: Die Staatsanwaltschaft verfügte in der Angelegenheit wegen des unbefugten Photographirens der Leiche Bismarck's die Beschlagnahme der Platten. Berlin, 6. Aug. Aus Friedrichsruh wird berichtet: Dieselbe Ursache, die die Hinterbliebenen abgehalten hat, an dem Gottesdienst in Hamburg theilzunehmen, ist auch für das Fernbleiben von der Trauerfeier in der Kaiser Wilhelm=Gedächtnißkirche bestimmend gewesen. Die Mitglieder der Bismarckschen Familie konnten sich unter dem Eindruck des ersten Schmerzes nicht dazu entschließen, Friedrichsruh zu verlassen und sich nach Berlin zu begeben. Der Kaiser hat sie selbst in der Anzeige von der in Berlin stattfindenden Trauerfeier aus Rücksicht auf die obwaltenden Umstände von dem Erscheinen aus freier Entschließung entbunden.— Jetzt haben sämmtliche Gäste das fürstliche Haus in Friedrichsruh verlassen; nur die Familie weilt noch dort. Das Wachtkommando der 31er soll nach vorläufiger Bestimmung bis Montag dort bleiben. — 6. Aug. Zu der Affäre der beiden Hamburger Photographen erfährt man noch das Folgende: Die beiden Photographen hatten acht Tage vorher vom Grafen Herbert die Erlaubniß zu einigen Aufnahmen im Schloßgarten und der Umgebung erhalten. Diesen Erlaubnißschein benutzten sie in der Sterbenacht, um die wachehaltenden Förster zu täuschen; ehe diese sich von der Verblüffung erholt hatten, waren die Aufnahmen bei Magnesiumlicht vollzogen und die Eindringlinge wieder zum Fenster heraus. Die beiden Herren begaben sich dann nach Berlin, um hier die Platten zu verwerthen; sie forderten angeblich 50000 M. dafür. — 6. Aug. Die„Nordd. Allg. Zig.“ meldet: Der hiefige griechische Gesandte drückte dem Auswärtigen Amte im Namen der griechischen Regierung schriftlich das tiefste Beileid an dem Hinscheiden des Fürsten Bismarck aus, dessen Gedächtniß in den Büchern der Geschichte ewig fortlebe. — 6. Aug. Die Union, Deutsche Verlagsgesellschaft in Stuttgart, theilt auf Befragen mit, daß die Memoiren des Fürsten Bismarck nicht in ihrem Verlage erscheinen. — 7. Aug. Heute Mittag fand im großen Theatersaal des neuen Königlichen Operntheaters(Kroll) eine vom Berliner Bismarck=Ausschuß veranstaltete Trauerfeier statt, deren Anordnung, Besuch und Verlauf sich überaus würde= und weihevoll gestalteten. Ernst von Wildenbruch sprach von ihm verfaßte Verse mit großer Wärme und von Herzen kommender Empfindung. Geh. Justizrath Prof. Dr. Kahl hielt die Gedächtnißrede. Elberfeld, 5. Aug. Die Trauerfeier der Ortsgruppe des Alldeutschen Verbandes nahm unter überaus zahlreicher Betheiligung der Bürgerschaft einen würdigen Verlauf. Der Eroica= Trauermarsch von Beethoven, vom städtischen Orchester gespielt, leitete stimmungsvoll die Feier ein. Herr Ernst Scherenberg sprach dann ein schwungvolles Gedicht, der Elberfelder Musikverein sang unter Leitung des Musikoirektors Dr. Haym aus dem Händel'schen Oratorium Judas Makkabäus den Chor„Klagt, Söhne Judas, klagt um Zions Leid", und Oberrealschuldirektor Dr. Hintzmann würdigte in fesselnder Rede das Schaffen und Wirken des großen Todten. Der Chor„Selig sind die Todten“ aus dem deutschen Requiem von Brahms schloß die Feier. Düsseldorf, 6. Aug. Die heutige Bismarckfeier der rheinisch=westfälischen Industriellen fand in der Tonhalle bei großartiger Betheiligung statt. Die Gedächtnißrede hielt der Landtagsabgeordnete Bergrath Dr. Schultz=Bochum. Köln, 7. Aug. Heute Mittag fand die vom nationalliberalen Verein veranstaltete öffentliche Trauerfeier für den Fürsten Bismarck statt. Der große Gürzenichsaal war von Theilnehmern aller Stände und Berufeklassen bis auf den letzten Platz gefällt. Weihevolle Orchester= und Gesangvorträge des„Kölner Männer= gesangvereins" leiteten die Feier ein. Sodann hielt Geheimrath Dr. O. Jäger eine tiefempfundene Gedächtnißrede, in welcher er den großen Todten als Vorkämpfer des Deutschthums, als wahrhaft großen Mann feierte. Mit einem Schlußwort, in welchem das deutsche Volk gemahnt wurde, stets das Vermächtniß des Verewigten hoch zu halten und mit dem gemeinsamen Gesange der ersten Strophe des Liedes„Deutschland, Deutschland über alles“ schloß die erhebende Feier. — 7. Aug. Das„Wolff'sche T. B.“ erhält von betheiligter Seite folgendes Telegramm: Die Bonner Studentenschaft beschloß auf Antrag der Burschenschaft Alemannia, die deutsche Studentenschaft aufzufordern, eine Ehrung Bismarcks in Form von bleibender Bedeutung zu veranstalten. Näheres soll eine von allen Universitäten beschickte Versammlung berathen und beschließen. — 6. Aug. In einer wenig tröstlichen Betrachtung über„der Haß gegen Bismarck“ äußert sich die hier erscheinende„Rheinische Korrespondenz“ u. A. wie folgt:„Man erzählt sich in Köln von Gymnasien, wo man den Namen Bismarck nicht nennen kann, ohne daß die Herren Schüler dagegen mit ihren Pultdeckeln und ähnlichen Instrumenten demonstriren. Man sollte meinen, die Schüler müßten den zu deutscher Geschichte gewordenen Verdiensten Bismarcks wenigstens etwas wie Ehrfurcht entgegen zu bringen im Stande sein. Allein diese durch und durch undeutsch fühlenden Sekundaner und Primaner sind von ultramontaner Erziehungskunst so weit verdorben, daß ein Bismarck ihnen als Feind gilt. Ob man es“ im östlichen Deutschland wohl für möglich hält, daß sich heute noch in einem deutschen Gymnasium deutsche Jünglinge der Gefahr aussetzen von der Ueberzahl geprügelt zu werden, wenn sie gegen diese Bismarckhetze auftreten wollten! In Köln ist es nicht blos möglich, sondern es ist wiederholt geschehen. Wir wollen Gott danken, daß es wenigstens in diesen Gymnasien noch Ausnahmen gibt, die Bismarck trotz alledem in Ehren halten; im Elsaß sollen sie schon seltener sein. Warum diese Schüler nicht austreten?— Wer wird sich aber dieser Schüler annehmen?— Etwa unsere Regierung in der Rheinprovinz?— Es ist bittertraurig, aber Niemand wagt das mehr zu hoffen; und diese Schüler wollen doch auch ihr Eramen machen und etwas werden.“ Speyer, 6. Aug. Der Stadtrath beschloß in außerordentlicher Sitzung einstimmig, im Stadtsaal eine Bismarckbüste aufzustellen. Bremen, 6. Aug. Auf das vom Senats=Präsidenten im Namen des Senates und der Bürgerschaft an den Kaiser anläßlich des Todes Bismarck's gerichtete Beileids=Telegramm ist folgende telegraphische Antwort eingetroffen:„Potsdam, 3. Aug. 98. Bürgermeister Dr. Pauli, Bremen. Dem Senate und der Bürgerschaft danke herzlich für den Ausdruck treuer Theilnahme an der großen Trauer, in die Ich mit dem gesammten Deutschland durch das unerwartete Hinscheiden des Reichskanzlers versetzt worden bin.“ Karlsruhe, 6. Aug. Unter Vorsitz des Oberbürgermeisters Schnetzler bildete sich hier ein Ausschuß zur Errichtung eines Bismarckdenkmals. St. Moritzbad, 6. Aug. Im großen Saale des Hotels Kurhaus, welcher der Feier entsprechend geschmückt war, fand eine Trauerfeierlichkeit für Bismarck statt. Frhr. von der Pfordten hielt die Gedächtnißrede. Der Feier wohnten der Großherzog und die Großherzogin von Baden bei, ferner Herzozin Wera von Württemberg und etwa 1000 Personen. □ Glasgow, 7. Aug. Eine besondere kirchliche Feier aus Anlaß des Hinscheidens Bismarcks veranstalteten die Deutschen Glasgows. Die dortize„Daily Mail“ berichtet des längeren darüber und schreibt: In der englischen Kathedrale sammelte sich die deutsche Gemeinde in großer Anzahl, ihr Pfarrer Reinhard Münchmeyer hielt, nachdem eine deutsche protestantische Liturgie voraufgegangen, eine ergreifende Gedächtnißrede, in welcher er die Verdienste des verewigten Altreichskanzlers hervorhob. Trauermärsche von Beethoven und Chopin, von dem bekannten englischen Organisten Walton vorgetragen, wie deutsche Choräle, von der Gemeinde gesungen, gaben der Feier ein deutsches und tief ernstes Gepräge. Dem Gottesdienst wohnten außer dem Präses des deutschen Clubs, auch viele angesehene englische Bürzer wie eine Anzahl Damen bei. Havanna, 6. Aug. Die hiesige deutsche Kolonie veranstaltete einen Trauergottesdienst für den verstorbenen Fürsten Bismarck. Sämmtliche Konsulate hatten Halbmast gehißt. Der im Hafen liegende deutsche Kreuzer sowie ein französischer Kreuzer feuerten Trauersalut. Das Fort Cabanas salutirte ebenfalls. Shanghai, 6. Aug. In Tsintaufort(Kiautschau) feuerten gestern, wie der„Frankf. Ztg.“ berichtet wird, zum Gedächtniß Bismarcks die Batterien des Foits und die Kriegsschiffe je zwanzig Kanonenschüsse ab. Heute hielten die Deutschen sammt der Garnison eine Feier ab; die Schiffskapelle spielte Trauerweisen und der Gouverneur hielt eine wirkungsvolle Rede, die mit einem Hurrah für den Kaiser endete. Im Juni 1852 schickte König Friedrich Wilhelm IV. Bismarck, der damals als Bundestagsgesandter in Frankfurt lebte, mit Aufträgen nach Wien, die den Wunsch Preußens bekundeten, sich mit Oesterreich zu verständigen. Er gab ihm dabei einen Empfehlungsbrief mit, der für die Denkweise und die Schreibart des Verfassers sehr bezeichnend, aber bis jetzt in seiner wahren Gestalt nicht an die Oeffentlichkeit gelangt ist. Die„Reichswehr“ theilt den Wortlaut des Briefes nach einer Abschrift aus jenen Tagen mit. dem Kasser:, E.Nen 9 vir.5t, „Eure kaiserliche Majestat: Woulen es mir gung gestatten, daß ich den Ueberbringer dieses Blattes mit meinen eigenhändigen Schriftzügen an Ihrem Hoflager introducire. Er ist der Herr v. Bismarck=Schonhausen. Er gebört einem alten Rittergeschlecht an, welches, länger als mein Haus in den Marken seßhaft, von jeher und besonders in ihm seine alten Tugenden bewährt hat. Die Erhaltung und Stärkung der erfreulichen Zustände unseres platten Landes verdanken wir mit seinem furchtlosen und energischen Mühen in der bösen Zeit der nun verflossenen Jahre. Eure Majestät wissen, daß Herr v. Bismarck die Würde meines Bundestags=Gesandten bekleidet. Da jetzt der Gesundheitszustand meines Gesandten an Euer Majestät kaiserlichem Hofe, des Grafen Arnim, dessen zeitweilige Abwesenheit nöthig gemacht hat, das Verhältniß unserer Höfe aber eine subalterne Vertretung nicht zuläßt, so habe ich Herrn v. Bismarck ausersehen. die Vices für Graf Arnim während dessen Abwesenheit zu versehen. Es ist mir ein befriedigender Gedanke, daß Euer Majestät einen Mann kennen lernen, der bei uns im Lande wegen seines ritterlich freien Geborsams und seiner Unversöhnlichkeit gegen### volution bis in ihre Wurzeln hinein von Vielen verehrt, von Manchen gehaßt wird. Er ist mein Freund und treuer Diener und kommt mit dem frischen, lebendigen und sympathischen Eindruck meiner Grundsätze, meiner Handlungsweise, meines Willens, und ich setze hinzu, meiner Liebe zu Oesterreich und zu Euer Majestät nach Wien. Er kann, wenn es der Mübe werth gefunden wird. Euer Majestät und Ihren höchsten Räthen über viele Gegenstände Rede und Antwort geben, wie wohl Wenige im Stande sind; denn wenn nicht unerhörte, lang vorbereitete Mißverständnisse zu tief eingewurzelt sind, was Gott in Gnaden verhüte, kann die kurze Zeit der Amtsführung in Wien wahrhaft segensreich werden. Herr v. Bismarck kommt aus Frankfurt, wo das, was die rheinbundschwangeren Mittelstaaten mit Entzücken die„Differenzen Oesterreichs und Pleußens“ nennen, jederzeit seinen stärksten Widerhall und oft seine Quelle gehabt hat, und er hat diese Dinge, das Treiben daselbst, mit scharfem und richtigem Blick beobachtet. Ich habe ihm befohlen, jede darauf gerichtete Frage Eurer Majestät und Ihrer Minister so zu beantworten, als hätte ich sie selbst an ihn gerichtet. Sollte es Euer Majestät gefallen, von ihm Aufklärung über meine Auffassung und meine Behandlung der bessischen Verfassungs=Angelegenheit zu verlangen, so lebe ich der Gewißheit, daß mein Betragen in diesen, wenn auch vielleicht nicht das Glück Ihres Beifalls, doch sicher Ihre Achtung erringen wird. Die Anwesenheit des tbeueren und herrlichen Kaisers Nikolaus ist mir eine wahre Herzstärkung gewesen. Die gewisse Bestätigung meiner alten und starken Hoffnung, daß Eure Majestät und ich in der Wahrheit einig sind: daß unsere dreifache, unerschütterliche, gläubige und thatkräftige Eintracht allein Europa und das unartige und doch so geliebte Deutsche Vaterland aus der jetzigen Krise retten könne, erfüllt mich mit Dank gegen Gott und steigerte die alte treue Liebe zu Euer Majestät. Bewahren auch Sie, mein theuerster Kaiser, mir Ihre Liebe aus den fabelhaften Tagen von Tegernsee und stärken Sie Ihr Vertrauen und Ihre so wichtige und so mächtige, dem gemeinsamen Vaterland so unentbehrliche Freundschaft zu mir! Dieser Freundschaft empfedle ich mich aus der Tiefe meines Herzens als Euer innigst ergebenster Onkel. Bruder und Freuno.“ Das Datum des Briefes ist der 5. Juni (Folgende hübsche Geschichte von des Fürsten Bismarck erster Liebe) dürfte, so erzählt Dr. Jul. Pasig, ziemlich unbekannt und gerade jetzt, wo Deutschland ihn verloren, von besonderem Interesse sein. Im lieblichen Ultenthale in Tirol war es, wo mir die reizende Episode wie ein längst verklungener Liebesseufzer Wer liebte ihn mehr? Aus dem Englischen von W. von Schönau.(22 „Denn von nun an darf nicht mehr von Liebe zwischen uns die Rede sein. Ich werde Dich nie heirathen. „Du wirst morgen schon mein Weib sein, erklärte er. „Nein, mein Geliebter, wir werden uns heute Abend trennen und uns nicht wiedersehen, bis—“ „Unsinn, Carmen, Du solltest so etwas gar nicht sagen.“ „Aber wenn Du mich heirathest, mich, die ich arm bin, dann wirst Du Deine schöne Heimath, Lancedene, verlieren?“ „Ja, erwiderte er zögernd,„aber ich liebe Dich mehr als Larcedene.“ „Es wird dem Ersten Besten zufallen, der den höchsten Preis dafür bietet?“ Seine Stirn umwölkte sich.„Warum sprichst Du davon?"„„ Deinen Tit= „Weil es nie stattfinden darf. und Deinen Tiler, Deine Stellung müßtest Du auch aufgeben?“ „Das wird mir nicht schwer,“ sagte er schnell. „Und doch darf es nicht sein. Wenn Du mich heirathest, muß Deine Mutter, die Gräfin Ryeburn, den Platz, den sie ihr ganzes Leben eingenommen und ausgefüllt hat, verlassen, und in einfachen Verhältnissen weiter leben!“ „Das ist das Traurigste,“ gab er zu;„ja, meine Mutter wird es sehr empfinden.“ „Und die Verlobung Deiner Schwester würde voraussichtlich zurückgehen?“ „Es wäre eine schöne Liebe, wenn solche Sachen sie beeinflussen könnten.“ „Das gebe ich zu, aber es ändert die Thatsache nicht, und endlich müßtest Du zu dem Manne gehen, der der Freund Deines Vaters war, und zu ihm sagen:„Ich kann weder Ihre Tochter zur Frau nehmen, noch Ihnen das Darlehen zurückgeben. „Es ist ja alles wahr, Carmen, aber warum darüber sprechen?“ „Du mußt mich anhören, mein Geliebter,“ unterdrach sie ihn.„Unter diesen Verhältnissen würde ich lieber sterben, als Dich herrathen. „Du hast mich geheirathet und wir sind mit einander verbunden: Du hast gar nicht mehr das Recht, zurückzutreten, Du bist mein Eigenthum.“ „Nein, wir sind beide frei!“ Und hältst Du mich wirklich für so selbstsüchtig und grausam, daß ich Dir solches Unrecht anthun würde? Kannst Du nicht verstehen, daß es mir unmöglich ist, Dich so herabzuziehen? Hätte ich Vermögen, mit Freuden würde ich es Dir geben; hätte ich Einfluß, nur für Dich wollte ich ihn verwenden. Aber ich kann, ich will nicht die Veranlassung sein zu Deinem Untergange. Die Stimme ver„Du spielst mit mir, Caimen,“ sagte er heftig. Ich sehe Dich als mein Weib an und fordere von Dir, daß Du es wirst. Es war nur ein Zufall, daß unsere Heirath ungiltig ist. Ich habe Deinen Schwur und Du sollst ihn halten. Sie kniete neben ihm auf dem Rasen.„Geliebter,“ sagte sie, ihn umfassend,„es ist alles vergeblich. Ich würde lieber gleich hier sterben als Dich beirathen. Glaubst Du, daß ich einen so schlechten Charakter habe, um Dich und die Deinigen ins Unglück zu bringen? Soll ich es ansehen, wie Du Lancedene um meinetwillen verlierst, wie Deine Mutter und Schwester Mangel leiden? Ich, die Dich liebt, soll Dir Namen und Stellung rauben und Dich in die Verbannung schicken? Da sei Gott vor! Es gibt eine höhere und edlere Liebe als die, welche mit der Heirath ist solche, die sich selbst opfern kann, um den Geliebten zu retten. Das nur ist wahre Liebe, Viktor! Wenn mein Tod Dir nützen könnte, gerne würde ich sterben; wenn es besser für Dich ist, ohne mich zu leben, wohlan, so trenne ich mich von Dir. Ich wäre schlecht, wenn ich jetzt, wo ich alles weiß, noch einwilligte, Dich zu „Aber ich liebe Dich so sehr, Carmen!“ rief er leidenschaftlich aus. „Gewiß nicht mehr, als ich Dich; aber wir dürfen unseren Gefühlen nicht nachgeben. Ich glaube, fast in jedem Falle ist es besser, alle äußeren Verhältnisse bei Seite zu setzen und nur aus Liebe zu heirathen; aber bei Dir liegt die Sache anders: Du hast Pflichten und darfst nicht nur an Dich denken. Und ich, die ich Dich liebe, die ich ein ganzes Jahr geglaubt habe, Deine Frau zu sein, ich kann nicht anders, als Dir sagen, ich halte es für Deine Pflicht, Lady Clara Gordon zu heirathen.“ „Du bist grausam, Carmen, Du kannst mich nicht lieben, sonst gäbst Du mich nicht so leicht auf!“ rief Biktor erovt...:. De Ab: M—2 „Ich gebe Dich auf, weil ich Dich liebe; mache es mir kicht noch schwerer, das zu thun, was ich thun muß.“ „Du scheinst es nicht schwer zu nehmen. „Ich werde mein ganzes Leben leiden müssen, sagte sie traurig,„warum soll ich den Schmerz in eine Stunde zusammendrängen?“ Du hast selbst den Entschluß gefaßt. „Ja, ich habe ein thörichtes Opfer verhindert. Aber, mein Geliebter, Du mußt nicht böse auf mich sein, das könnte ich nicht ertragen. Lord Ryeburn sah bewundernd in das schöne Gesicht, welches blaß vor Erregung, aber stolz in seiner edlen Entsagung war...„„ „Wie könnte ich Dir bose sein, Carmen: Ich din nur so bestürzt; ich gebe Dir mein Wort, daß mir nie der Gedanke gekommen ist, mich von Dir loszusagen und dadurch meine Verhältnisse zu ordnen. Ich hätte mich ja verachten müssen. „Das weiß ich, mein Geliebter, aber es giebt anderen Ausweg. Die Glieder eines alten Geschlechtes haben Pflichten zu erfüllen; die Deinige ist, Lancedene zu retten. Denke, wie Dein Herz sich vor Sehnsucht nach der Heimath verzehren würde, wenn Du in weiter „Ich weiß ja, daß Du Recht hast,“ rief er aus,„ich fühle es, aber ich kann nicht ohne Dich leben.“ „Du wirst es lernen mit der Zeit, und viele Dinge werden Dich trösten: Du bast Deinen Beruf, Lancedene, Deine Mutter und Schwester, und mit der Zeit wirst Du auch Deine Frau lieb gewinnen.“ Aufstöhnend vergrub er sein Gesicht in den Händen. Sie fuhr fort:„Der Tag wird kommen, an dem Du meinen Entschluß segnen wirst, obgleich er jetzt so bitter schwer erscheint..„... mit Er„Nein,“ sagte er schneu,„ich werde nie gebung des heutigen Tages gedenken, niemals. Für mich gibt es nur ein Glück, und das bist Du; wenn ich Dich verloren habe, enthält das Leben nichts mehr für min, nichts in der ganzen Welt kann Dich mir ersetzen.“ Sie lehnte sich an ihn und sah mit thränenden Augen zu ihm auf.„Es zeht mir ja ebenso“, erwiderte sie,„aber es hilft nichts, wir müssen uns ron heute fremd sein. Kannst Du es begreifen, Geliebter?“ Ihr Muth schien gebrochen, sie weinte, wie man nur einmal im Leben weinen kann. Er nahm sie in seine Arme, und indem er sie an sich drückte, sagte er:„Meinst Du, daß ich solchen Kummer ansehen und###h in die Trennung willigen kann?“ Sie hob den Kepf:„Du mußt das nicht falsch auffassen“, versetzte sie.„Ich weine, aber mein Entschluß ist gefaßt; so schwer es ist, Dir entsagen zu müssen, so bleibt mir keine Wahl. Wenn unsere Jugend hinter uns liegt, wenn Leidenschaft und Liebe uns fern treten, dann wird uns klar werden, daß wir Recht thaten, uns heute zu trennen. Es können Jahre vergehen, bie wir so weit kommen, unser Haar wird vielleicht grau sein und unser Antlitz Falten haben, aber die Zeit kommt doch, wo wir auf diesen schweren Tag zurückblicken wie auf einen Traum und dankbar in dem Gefühl der erfüllten Pflicht. „Deine Worte brechen mir das Herz, Geliebte. daß Adam Grant hier vor mir stände und ich ihn mit meinen Händen erwürgen könnte. Wäre er nicht gewesen, so wärst Du mein eigen, und keine Macht der Welt könnte Dich bewegen, von Trennung zu sprechen.“ „Nein, wenn wir getraut wären, nicht. Aber um Deinetwillen darf ich das nicht wünschen, und deshals mußte auch alles so kommen.“„ Und was wird aus Dir werden, Carmen: fragle er. „Darüber bin ich mir noch nicht klar“, antwortete sie mit müder Stimme,„ich muß erst meinen Schmerz niederkämpfen, ehe ich Pläne mache. Ich werde mich sehr unglücklich füblen, aber ich will mein Leben nicht nutzlos hinbringen. Und wenn wir uns auch jetzt fremd gegenspäter, vielleicht nach einem Jahre, wenn Du einige Zeit verheirathet sein wirst, uns sehen und freundschaftlich verkehren können?“ „Warum sollten wir das nicht, Carmen?" „Ich werde England nicht wieder verlassen“, sagte sie.„Der einzige Lichtblick meines Lebens wird sein, von Dir zu hören, Deinen Weg zu verfolgen und mich Deines Glückes zu freuen. Und wenn ich Dich geehrt und geachtet von allen weiß, dann kann ich mir sagen, daß ich auch theil daran habe, daß Du Deinen Platz im Leben ausfülst.“. „Ich möchte lieber sterben, als auf Dich verzichten, Carmen“, sagte Lord Ryeburn, und sah sie voll Zärtlichkeit an;„müssen wir das Opfer wirklich bringen?“ „Ja, Geliebter“, erwiderte sie sanft,„und Du wirst mich nicht vergessen in den langen Jahren, die vor uns liegen, Du wirst Dich immer dessen erinnern, daß ich Dich nur aufzab, weil ich Dich zu sehr liebte.“ Er antwortete nicht, der Kummer überwältigte ihn. Carmen sah, daß der Augenblick des Scheidens gekommen war, die Sonne sank und sie mußte fort. Sanft berührte sie seinen Arm.„Viktor“, sagte sie,„ich darf nicht länger verweilen. „Wie soll ich Dir Lebewohl sagen?“ rief er verzweifelt aus.„Wenn Du jetzt von mir gehst, hat das Li keinen Werth, kein Interesse mehr für mich.(Foits. folgt.) 1 ins Ohr säuselte. Es ist eine rührende Romantik in der Geschichte. Im Anfange des Jahres 1840 galt Josefa Holzner als das schönste und fittsamste Mädchen von ganz Ulten. Sie war die Tochter des damaligen Besitzers des„Mittelbades" und von allen den Herren umschwärmt, die in dem vitriolischen Eisenwasser der berühmten Quelle badeten. Fürst Bismarck— damals noch einfacher„von Schönhausen“— kam mehrere Jahre hindurch nach Ulten. Von seiner Wohnung aus, die er in den Gärten von Obermais in Meran genommen hatte, machte er wiederholt Ausflüge ins schöne Ultenthal, und bald hatten das norddeutsche Herz des Edelmannes und das weiche südtirolische der schönen Josefa sich gefunden. Die wechselseitige Zuneigung wuchs von Tag zu Tag, und die Liebe wurde immer innizer. Noch vor nicht allzu langen Jahren erzählte der damals steinalte„Badhiesl“ mit wahrer Bezeisterung, wie jammerschade es war, daß dieses schöne Paar nicht zusammengekommen sei. Und der Enthusiasmus des„Badhiesl“, welcher der diensteifrige Vermittler der Liebeskorrespondenz gewesen, äußerte sich dabei mit den Worten:„Und gar so gut zahlt hat er mi!“ Endlich schritt der junge Bismarck mit einer Rücksichtslosigkeit gegen alle Hindernisse zum Heirathsantrag und bat den Herrn Holzner um die Hand seiner Tochter Josefa. Dieser Mann aber verlor über seiner Ueberraschung keineswegs die Festigkeit, mit welcher er an seinem Glauben hing. Aus der Heirath konnte nichts werden, weil der Bräutigam kein Katholik war.... Bismarck zog betrübt aus dem stillen Alpenthal— und kam seit dieser Zeit nie wieder dahin zurück. Er machte anderwärts„sein Glück". Josefa aber wurde von Alois Schmidt, einem Beamten der landesfürstlichen Stiftung in Salzburg, als Frau heimgeführt. Und in Salzburg liegt sie auch begraben, des großen Kanzlers erste Liebe, denn sie ist bald nach der Hochzeit mit Alois Schmidt gestorben. (Bismarcks Vorliebe für die Zahl 3.) Wie behauptet wird, soll der verstorbene Reichskanzler während seines ganzen Lebens ein großes Interesse für die Zahl Drei bekundet haben, die bekanntlich in der Tradition der„Geheimlehre“(Kabbala) als das Symbol des Lebens, die vollkommene und Gotteszahl betrachtet wird. Zur Erklärung mag allerdings die Thatsache dienen, daß die Zahl Drei in Bismarcks Leben eine große Rolle gespielt hat. Fürst Bismarck hat drei Königen gedient, er hat in drei Kriegen gekämpft, er hat drei Friedensschlüsse gezeichnet, er hat den Dreibund geschaffen. Drei Pferde wurden ihm im deutsch=französischen Kriege erschossen. Er hat drei Namen gehabt, Bismarck, Schönhausen und Lauenburg, und drei Titel erhalten, den des Grafen, des Fürsten und des Herzogs. In dem Bismarckschen Familienwappen befinden sich drei Kleeblätter. Die Devise des Ahnherren des großen Kanzlers, die bekanntlich von der Burg der Hartberger Bischöfe, Bischofsmark(Biskopesmark) herstammen, war „In Trinitate robur.“ Bismarck hatte drei Kinder: Herbert, Wilhelm und Marie. Die Mitarbeiter der Witzblätter werden diesen Thatsachen wahrscheinlich noch beifügen wollen, daß sämmtliche Karrikaturisten des Inund Auslandes den Altreichekanzler mit drei Haaren auf dem Haupte abbildeten. Die Königin Viktoria sah Bismarck zum ersten Male, als sie während des Krimkrieges Napoleon III. besuchte und wußte in ihrem Tagebuche zu melden: „Ein echter Preuße, ganz Kreuzzeitung.“— Papst Pius IX. nannte seinen heftigen Gegner„den protestantischen Philipp II.“ und weissagte ihm,„daß ein Felsstein doch den Berg hinunterrollen würde, um den Koloß zu zerschellen.“— Papst Leo XIII., versöhnlicher als sein Vorgänger, erkannte Bismarcks Größe und die Kraft des von ihm geschaffenen Deutschen Reiches an, aber„es wird Ihrer Weisheit,“ so schrieb er dem Kanzler,„nicht entgangen sein, welche Macht in der Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung und der Staatsinteressen auf jener Autorität beruht, die vom heiligen Stuhl ausgeht, besonders wenn sie frei von jeder Behinderung ausgeübt werden kann.“— Lord Beacons= field gab seinen englischen Kollegen frühzeitig den Wink: „Nehmt Euch vor jenem Mann(Bismarck) in Acht, er meint, was er segt“.— Wie ein Hohn der Weltgeschichte mag noch erwähnt werden, wie Napoleon III. über den Mann urtheilte, der ihn später nach Wilhelmshöhe schickte:„Bismarck meint Alles ehrlich, was er sagt, aber er ist nicht ernsthaft zu nehmen.(Mais il n'est pas un homme sérieux.) Der Kaiser hat die kostbare Mineraliensammlung des verstorbenen Staatssekretärs v. Stephan angekauft und der mineralogisch=petrographischen Sammlung des Museums für Naturkunde überwiesen. Das Kaiserpaar tritt voraussichtlich am 12. Oktober von Venedig aus die Palästinareise an. Die Kaiseryacht„Hohenzollern“, der Kreuzer„Hertha“ und der Aviso„Hela“ haben Befehl erhalten, am 23. September von Kiel nach Venedig abzudampfen. Es wurde seiner Zeit berichtet, daß der Minister für Handel und Gewerbe durch den Geheimen Regierungsrath Simon über die in Oesterreich zur Förderung des Kleingewerbes getroffenen Maßnahmen und deren Erfolge nähere Ermittelungen hat anstellen lassen. Es kann jetzt die damalige Nachricht dahin ergänzt werden, daß als Ergebniß dieser Studienreise folgende Maßnahmen zur Kräftizung des gewerblichen Mittelstandes in Aussicht genommen sind: 1) Vermehrung und weitere Ausgestaltung der gewerblichen Fortbildungsund Fachschulen für Knaben und Mädchen, insbesondere durch Einrichtung von Lehrwerkstätten als Ersatz oder Ergänzung der Meisterlehre. 2) Ausbildung der Handwerksmeister in Kalkulation, Buchführung und praktischen Arbeiten in Musterwerkstätten durch Abhaltung von sogenannten Meisterkursen, zunächst für Schuhmacher, Tischler und Schlosser. 3) Veranstaltung ständiger Ausstellungen von mustergültigen Kraft= und Arbeitsmaschinen und Werkzeugen. 4) Bildung und Unterstützung lebensfähiger Rohstoff=, Werk= und Magazin=Genossenschaften. Die zur Durchführung dieses Programms erforderlichen Mittel sollen durch den nächsten Staatshaushaltsetat bereitgestellt werden. Die 11. Haupt=Versammlung des Evangelischen Bundes tagt in Magdeburg vom 3. bis 6. Oktober. Für die öffentlichen Versammlungen sind folgende Vorträge bestimmt: Pastor Herdieckerhoff=Mülheim a. Rh.: „Die Stellung der ultramontanen Presse zu Kaiser und Reich"; Pfarrer Müller=Groppendorf:„Die deutsche Kolonisation und die römische Propaganda"; Superintendet Meyer=Zwickau:„Die Sammlung der Evangelischen"; Prof. Dr. Mirbt=Marburg:„Der preußische Staat und die römische Kurie im 19. Jahrhundert. Die Ablösungen der Schiffe des ostasiatischen Geschwaders„Arcona“,„Cormoran“,„Deutschland“, „Kaiser" und„Gefion“, acht Offiziere und 647 Mann trafen am Samstag in Kiel ein und wurden von der Bevölkerung jubelnd begrüßt und mit Musik nach der Kaserne geleitet. Sie sind 28 Monate im Auslande genchen. Ausland. Oesterreich=Ungarn. Wien, 6. Auz. Heute haben die Konferenzen der Ministerpräsidenten Graf T hun und Frhr. v. Bauffy begonnen. Dänemark. Kopenhagen, 6. Aug. Der König von Griechenland ist am Samstag hier eingetroffen. Frankreich. Paris, 7. Aug. Dem„Soleil“ zufolge giebt der Gesundheitszustand der Kaiserin Eugenie, welche sich zur Zeit in Plombieres in den Vogesen befindet, zu ernsten Besorgnissen Anlaß. — 6. Aug. Die Freunde Brissons machen nicht den geringsten Hehl daraus, zu bestätigen, daß er und mit ihm das ganze Kabinett keinen anderen Zweck verfolgen, als die Revision des Dreysus=Prozesses nothwendig zu machen. Brisson ist fest überzeugt, daß die Enthüllungen, die sich jetzt täglich allerseits Bahn brechen, nicht verfehlen können, die öffentliche Meinung für die Nothwendigkeit der Revision umzustimmen. Cavaignac bereut— freilich etwas spät— seine übereiligen Erklärungen, aber er hielt es damals für absolut nothwendig, den Generalstab zu decken. — 6. Auz. Der„Soir' setzt seine Berichte über Meinungsverschiedenheiten im Kabinett fort. Vorgestern habe Brisson seine Entlassung nehmen wollen und sei nur von Faure davon zurückgehalten worden, welcher erklärte, daß er ohne Einberufung der Kammern in einen Ministerwechsel nicht willige. — 6. Aug. Der Generalstab droht mit einem förmlichen Pronunciamento, wenn keine Gewalt gegen die Dreyfus=Anhänger angewandt werde. — 7. Aug. Heute fand, wie alljährlich, eine Kundgebung auf der Place Maubert vor der Statue des im Jahre 1546 wegen Ketzerei verbrannten Humanisten Etienne Dolet statt, indem Mitglieder des„französischen Friedensbundes" vor der Statue vorbeizogen und Kränze dort niederlegten. Auch Gegner des Bundes waren erschienen und es ertönten nun die Rufe und Gegenrufe: Hoch Rochefort! Nieder mit Zola! Hoch die Commune! Nieder mit Rochefort! Hoch Zola! Hoch die Revolution! Die Parteien wurden handgemein, sodaß die Polizei einschreiten und mehrere Manifestanten verhaften mußte. Türkei. Konstantinopel, 6. Aug. Nach Konsularberich ten haben Gendarmerie=Abtheilungen im Distrikt Anal im Vilajet Tiflis bei den Nachforschungen nach Waffen und aufrührerischen Schriften Ausschreitungen gegen die Armenier verübt. Dagegen ist die Meldung von Plünderungen durch Kurden bisher nicht bestätigt worden. Aegypten. Kairo, 5. Aug. Der Besuch Kaiser Wilhelms am vizeköniglichen Hofe wird Mitte November erfolgen und der Aufenthalt in Aegypten zehn Tage dauern. Im Palaste des Khedivs werden schon jetzt alle Vorbereitungen hierzu getroffen. Britisch=Indien. Simla, 5. Aug. Die Kulis im Lager im Tochithal wurden am 3. August Nachts angegriffen. Sieben wurden getödtet, elf verwundet. Die Angreifer sind unbekannt. Guatemala. Hamburg, 6. Aug. Nach einer Privatdepesche an eine hiesige Kaufmannsfirma ist in Guatemala eine Revolution ausgebrochen. Die Regierung istbislang siegreich. Der spanisch=amerikanische Krieg. Madrid, 6. Aug. Eine amtliche Depesche aus Santiago besagt, die spanischen Soldaten seien in Folge des Mangelslan Lebendmitteln entkräftet. Durch den Aufenthalt in dem engen ihnen von den Amerikanern angewiesenen Lager breiteten sich die Krankheiten immer mehr unter ihnen aus. Augenblicklich gebe es 8000 Kranke, ungerechnet die in den Hospitälern liegenden. Täglich sterben 14. Die Heilung der Wunde des Generals Linares nimmt einen normalen Verlauf. — 6. August. Der Ministerrath hat die Grundzüge für die Antwort auf die von den Vereinigten Staaten vorgeschlagenen Friedensbedingungen genehmigt. Der Heczog von Almodovar ist damit beauftragt worden, die Antwortnote abzufassen, welche morgen früh im Ministerrathe verlesen und gebilligt werden wird.— Es verlautet aus guter Quelle, die Antwort Spaniens werde keine neue Entgegnung der Vereinigten Staaten veranlassen.(S. N. Nachr.) Barcelona, 6. Aug. Die Regierung hat gestern zahlreiche Haussuchungen bei Anhängern des Don Carlos vornehmen lassen. 12 sind sofort in Haft genommen worden. Washington, 6. Aug. Die Truppen von Santiago werden nach der Moncakbai gebracht, wo sie campiren. Die Gerüchte über die schlechte Behandlung der spanischen Soldaten durch die Amerikaner bestätigen sich vollauf. Die spanischen Soldaten werden mit ungeziemenden Reden überschüttet; die Spanier campiren unter freiem Himmel. New=York, 5. Aug. Ein Telegramm des Herald“ meldet aus Arroya vom 30. Juli. Wenn alle Truppen des Generals Brooke an Land gesetzt sein werden, werde Brooke auf Guayama marschiren, wo ein verzweifelter Widerstand erwartet wird, da bedeutende spanische Streitkräfte die Höhen zwischen Arroya und Guayama besetzt halten. Letzterer Ort hat eine Garnison von 1500 Mann. Die Kriegsschiffe„St. Louis" und „Cincinnati“ sollen die Landung der Truppen decken, indem sie die Höhenzüge unter Feuer nehmen, welche sich hinter der Bucht von Guayama befinden. Die Meldung von der Einnahme von Coama durch die Amerikaner sei verfrüht.— Aus Santiago wird unter dem 5. August gemeldet: General Wood bleibt hier, um die Stadt besetzt zu halten. Gomez lagerte am 27. Juli 5 Meilen nordwestlich vom südlichen Ende der Tevala Morron Jucaro. — 6. Aug. Der„Herald“ meldet aus Santiago: Manzauillo will sich den Amerikanern ergeben. Die Unterhandlungen hierüber sind eröffnet. Berlin, 6. Aug. Nach einer Washingtoner Meldung hat Me Kinley die Absicht, den Payazago=Hafen in Samoa, welcher der Union 1878 zedirt wurde, zur voll ausgerüsteten Flotten= und Kohlenstation zu benutzen. Dieses zeige, daß Amerika nicht gewillt sei, seine Rechte in der Südsee aufzugeben. Paris, 5. Aug. Der„Temps“ meldet aus Madrid: Man sei davon überzeugt, daß man von der Bevölkerung, die für den Frieden eingenommen sei, nichts zu fürchten habe, obwohl dieselbe sehr erregt sei, daß man solche Opfer bringen müsse. Marseille, 6. Aug. Die spanische Regierung hat mit mehreren französischen Schifffahrtsgesellschaften einen Vertrag abzeschlossen behufs der Rückbeförderung der spanischen Truppen von Cuba. Ein großer Dampfer ist bereits heute nach Santiago abgedampft. Rheinland und Westfalen Remscheid, 6. Aug. Gestern Mittag fiel in Büchel an einem Neubau der Dachdeckerzehülfe St. vom Gerüst und erlitt durch den Sturz anscheinend schwere innere Verletzungen. — 6. Aug. Die Rathhausbaufrage scheint nunmehr in ein Stadium ernstlicher Erwägung getreten zu sein. Auf Einladung des Herrn Oberbürgermeisters von Bohlen konferirte die Direktion des Remscheider Schützenvereins mit unserem Stadtoberhaupte bezügl. Abtretens des Immobilien=Besitzes gen. Gesellschaft an die Stadt. Wie der„Gen.=Anz.“ vernimmt, stellte sich der Schützenverein auf den Boden des ihm im Jahre 1887 gemachten Angebots, laut welchem das gesammte am Kaiserplatz gelegene Anwesen in den Besitz der Stadt übergehen soll, wogegen diese dem Schützenverein eine gleiche große Halle in den städischen Anlagen erbaut und 2Scheibenbahnen anlegt. Außerdem steht dem Verein zu seinem Feste ein etwa doppelt so großer Platz zur Bebauung von Schau= 2c. Buden frei und erhält eine einmalige Abfindungssumme von mehreren tausend Mark. Barmen, 6. Aug. Gestern erhielt der Witth Mertens in Wichlinghausen von den Fabrikarbeitern Gebr. Langendorf, welche mit ihm Streit anfinzen, als er sie zur Thür hinausbugsiren wollte, einen Messerstich in die Seite unterhalb der Rippen. Der Stich soll lebensgefährlich sein. Allem Anschein nach handelt es sich um einen Racheakt. — 6. August. Ein hiesiger Lehrer veranlaßte die ärztliche Untersuchung einer 12jährigen Schülerin seiner Klasse, deren leidendes Auesehen ihm schon seit einiger Zeit aufgefallen war. Dabei stellte sich heraus, daß an dem Kinde ein Verbrechen gegen§ 173 des Str.=G.=B. begangen worden ist. Der bestialische Thäter ist nach de„Elbf. Ztg.“ der eigene Vater, ein Fuhrknecht. Die Polizei verhaftete denselben sofort. Köln, 8. Aug. Die„Köln. Ztg.“schreibt: Gestern Nachmittag, zwischen 5 und 6 Uhr entlud sich über unsere Stadt und Umgebung ein von ungemein heftigem Sturm und wolkenbruchartigem, mit faustdicken Hagelstücken untermischtem Regen begleitetes Gewitter. Durch die niedersausenden Schloßen sind ungezählte Fenster in der Stadt zertrümmert worden. Der orkanartige Sturm bat namentlich in den Vororten und sonstigen benachbarten Ortschaften erheblichen Schaden angerichtet. U. A. sind stark betroffen Poll, Ehrenfeld, Paffrath, Bensberg, Schlebusch u. s. w. Strichweise hat der Orkan fast sämmtliche Bäume entwurzelt, darunter Pappeln und Linden von über 2 m Umfang. In Köln selbst hat der Sturm namentlich auf dem Deutschen Ring, dem Hansaring, am Zoologischen Garten und auf der Dürenerstraße viele starke Bäume umgebrochen. Auch an den Glasmalereien der Kirchen sind leider hier und da durch Sturm und Hagel Schäden angerichtet worden. An der Bahnhofshalle sind an 400 etwa 5 cm dicke Scheiben zertrümmert. Eine große Anzahl Häuser und Kirchen in den Ortschaften der Umgebung hat der Sturm abgedeckt. Auf einem Gute bei Paffrath wurden zwei dienende Personen durch Hagel derart verletzt, daß sie ins Hospital gebracht werden mußten. Weitere zwei Personen sollen in der Schule zu Bayenthal, die erheblich gelitten hat, durch die Gewalt des Sturmes verletzt worden sein. In Poll brach das Unwetter grade zur Zeit der Nachmittagsandacht aus. Der Sturm brachte den Kirchthurm und mehrere Häuser zum Einsturz, wodurch mehrere Personen durch herabstürzende Mauerstücke mehr oder minder schwer verwundet sein sollen. In Bayenthal ist der Schornstein der Maschinenfabrik eingestürzt und das Dach der Fabrik abgefegt und ein Theil desselben über 100 m weit weggetragen worden. In Hermülheim ist das reue Stationsgebäude der Vorgebirgsbahn zum Theil umgestürzt. Wie man uns weiter mittheilt, sollen Deutzer Pioniere zur Hülfeleistung nach dem schwer heimgesuchten Poll abgeschickt worden sein, wohin auch eine Abtheilung der hiesigen Berufefeuerwehr abgerückt ist. X Wiesbaden, 6. Aug. Weiter sprach am Donnerstag auf dem Verbandstag der deutschen Haus= und Grundbesitzer=Vereine Dr. Raatz=Berlin über„Normen für einheitlichen Miethsvertrag“ und empfiehlt die Annahme von 16 Thesen, die nach längerer Devatte angenommen werden und die im Wesentlichen lauten: Die Verbandsvereine haben im Interesse ihrer Mitglieder darauf hinzuwirken, daß Miethsverträge stets schriftlich abgeschlossen werden und die Verträge folgende Bestimmungen enthalten: a) der Miethszins ist vierteljährlich oder monatlich im Voraus zu zahlen. d) Bei Nichtzahlung eines Miethszinstheiles binnen bestimmter Tage nach Fälligkeit ist der Vermiether zur Kündigung des Miethsverhältnisses oder Einhaltung einer Kündigungsfrist berechtigt. c) Der Miether haftet dem Vermiether für alle Beschädigungen der Grundstücke, welche von seinen Aftermiethern, Hausgenossen, Dienstboten und Angestellten, sowie bei einer für ihn oder diese Personen vorgenommenen Beförderung von Sachen verursacht werden, ohne Rücksicht darauf, ob diese Haftung nach dem Gesetz eintritt. d) Bei Nichtbefolgung der als wesentlichen Bestandtheil des Vertrages zu erklärenden und von beiden Theilen zu unterschreibenden Hausordnung ist der Vermiether berechtigt, das Miethsverhältniß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist zu kündigen, jedoch erst dann, wenn der Miether nach Verwarnung von Neuem gegen die betreffende Bestimmung der Hausordnung verstoßen hat. e) Bei Ueberlassung von Räumen an Eheleute sind beide Eheleute als vertraglich berechtigt und verpflichtet zu bezeichnen; der Vertrag ist demgemäß von beiden Eheleuten zu unterzeichnen. 1) Der Miether versichert, daß er ein den gemietheten Räumen entsprechendes Mobiliar als unbeschränktes Eigenthum besitzt. Der Vermiether ist berechtigt, falls diese Versicherung unrichtig ist oder falls das von dem Miether bei Uebergabe der Räume eingebrachte Mobiliar nicht sein unbeschränktes Eigenthum ist, jederzeit das Miethsverhältniß ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist aufzukündigen. Mit Rücksicht darauf, daß in dem weitaus größten Theile des Reiches die Kalenderquartalsersten bezw. der 1. April und 1. Oktober die allgemeinen Umzugstermine sind, werden diejenigen Verbandsvereine, in deren Bezirken andere Termine ublich sind, im allgemeinen Interesse ersucht, darauf hinzuwirken, daß aich bei ihnen die Kalenderquartalsersten als allgemeine Umzugstermine eingeführt werden.“ Am Freitag referirte Rentier Färber=Zeitz über die Sicherung der Bauforderungen. Der Antrag desselben auf Annahme seiner Thesen wurde abgelehnt und ein Antrag des Kanzleiraths Jähne=Leipzig in folgender veränderter Fassung angenommen:„Der Verbandstag beschließt, dem von der Regierung vorgelegten Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Sicherung der Bauforderungen, in seinen Grundsätzen zuzustiminen, dabei aber die Forderung zu stellen, daß die Forderungen der Lieferanten, sowie die Forderungen dritter Personen, die selbst nicht mit dem Eigenthümer oder für dessen Rechnung eine Vergütung vereinbart haben, in dem Gesetz Berücksichtigung finden. Oppenheim(Mainz), 5. Aug. Ein Ziegelsteinschiff wurde von einem Dampfer überfahren. Zwei Schiffer aus Nierstein ertranken. St. Johann, 7. Aug. Die alljährliche Gedenkfeier an den Spicherer Schlachttag fand heute Morgen bei zahlreicher Betheiligung an den Zügen nach dem hiesigen alten Friedhofe und ins Ehrenthal sowie unter Antheilnahme zahlreicher Einwohner beider Städte statt. Die Festredner ermangelten nicht, der Trauer Bismarcks Hinscheiden Ausdruck zu geben und sprechende Mahnunzen anzuknüpfen; dadurch erhielt Feier eine besondere Weihe. Düsseldorf, 5. Auz. Heute Morgen stürzte der Anstreichermeister G. von einer Leiter herab und so schwere Verletzungen, daß er im Laufe des### mittags starb. 2444 — 5. Aug. Ein aufregender Vorfall trug sich ze. stern Vormittag in der Roßstraße zu. Dem Premierlieutenant Matthes vom 39. Inf.=Reg. scheute das Pferd. er vermochte das wilde Thier nicht mehr zu züzeln, wurde abgeworfen und, da er mit einem Fuß im bügel hängen blieb, eine lange Strecke mitgeschleift. Das ledige Pferd raste weiter, und wer weiß, welch Unglück noch geschehen wäre, wenn nicht der Maschinenschlosser Poincaré sich dem Thier entgegenzewerfen hätte. Der Mann wurde einige zwanzig Meter mitgerissen, dann brachte er aber das Thier glücklich zum Stehen. Von den Umstehenden wurde ihm ob seiner wackeren That lauter Beifall gezollt. Der Offizier war blutüberströmt liegen geblieben. Schweie Verletzungen scheint er indessen nicht davon getragen zu haben. — 7. Aug. Zwei Pferdebahnwagen stießen heute Vormittag zusammen; ein Remscheider Herr, der auf dem Perron stand, blied todt. Essen, 6. Aug. Kriegsminister v. Goßler welt seit Donnerstag bei Geheimrath Krupp auf Villa Hüzel. Er besichtigte heute in Begleitung zweier höherer Artillerie=Offiziere verschiedene Werkstätten für den Bau von Kriegsmaterial und den Schießstand. Wattenscheid, 4. Aug. Der um 11,24 Abends hier eintreffende O=Zug wurde am Montag Abend nahe der Station mit Steinen beworfen. Eine große Fensterscheibe wurde zertrümmert. Passaziere wurden glücklicherweise nicht verletzt. Es ist dies derselbe Zug, vor dem vor einigen Wochen bei Essen Eisenschwellen auf die Schienen gelegt worden waren. Herford, 5. Aug. In Ennigloh hat der Kolon Dreckmann seine Frau, mit der er seit Jahren in Unfrieden lebte, beim Abendessen mit einem Brodmesser durch einen Stich in's Herz getödtet. Der Thäter stellte sich sofort selbst der Polizeibehörde. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 8. August. *— Eine drückende Atmosphäre lag gestern über unserem bergischen Lande. Gewitterschwangere Wolken thürmten sich gegen Nachmittag zusammen, und gegen 5 Uhr brach unter leichten Blitzschlägen, begleitet von Donner, ein heftiger Regen los, der aber die verrschende Schwüle nicht beseitigte. Gegen 7 Uhr verdunkelte sich plötzlich das Firmament, düstere Wolken jagten über unsere Stadt daher, um gleich darauf wieder lichteren Wolkengebilden Platz zu machen. In schneller Folge löste plötzlich volle Tageshelle abendliches Dunkel wieder ab. Eiliz suchte Alt und Jung in den Straßen vor dem nahenden Unwetter schützendes Obdach zu gewinnen. An einem Neubau am Neumarkt wurden eine Menge Dachziegel vom Sturmwind herabgeschleudert. Zu Krahenhöhe wurde das Dach einer Trinkhalle abgedeckt und in Gärten und Baumhöfen, in Feld und Flur zweifellos viel Schaden angerichtet. Namentlich in Mitleidenschaft gezogen wurden von dem Gewitter die Veranstaltungen im Freien, die Gartenkonzerte 2c. Ungleich heftiger hat das Unwetter zwar in der weiteren Umgegend, namentlich bei Köln getobt.(Vergl. □ Höhscheid und Köln.) — Der erblindete Orgelvirtuos Herrn Karl Grothe giebt, wie schon mitgetheilt, am Freitag hier ein Kirchenkonzert. Herr G., der schon mehrere Konzerte in den umliegenden Städten gegeben hat, ist kürzlich in Barmen aufgetreten, wo ihm am Schlusse vom Publikum ein Lorbterkran; mit Schleife und der Widmung:„Dem Mister der Orgel Barmen 1898“ überreicht wurde. Auch für hier ist ein gewähltes Programm in Aussicht gliommen und wird dem musikliebenden Publikum ein genußreicher Abend geboten werden. *— Die elektrische Straßenbahn erfreut sich fortwährend eines regen Verkehrs. Es betrug die Zahl der Fahrgäste am Samstag wieder 5800, gestern Sonntag wieder 12300 und in der verflossenen Woche 44000 Personen. Die Elektrizitätsgesellschaft„Union“ sorgt aber auch in jeder Weise für die Bequemlichkeit der Fahrgäste. So hat die Gesellschaft nun einen Sprengwagen anfertigen lassen, der gestern früh 4 Uhr bereits einer Probefahrt unterzogen wurde und den gehegten Erwartungen in vollstem Maaße entsprach. Die Probefahrt wurde vom Schlagbaum bis Krahenhöhe und Südbahnhof ausgeführt, eine geplante Fahrt nach Höbscheid konnte jedoch nicht unternommen werden, da die Eisenbahndirektion eine Uebersetzung des Wagens über den Uebergang nicht gestattete. Mittelst des Sprengwagens, welcher einem Personenwagen angehängt wird, wird, wenn beide an der Längsseite des Wagens angebrachte Ausleger in Thätigkeit treten, eine Breite von 6 Meter gesprengt. *— In einer gestern Abend von dem Sozialdemokratischen Arbeiterverein in den Saal des Herrn Samuel Theegarten einberufenen sozialdemokratischen Versammlung sprach der frühere Reichstagsabgeordnete Schumacher in längerer Rede über„Die verflossene Reichstagswahl und der Parteivorstand, in welcher er das künftige Verhalten seiner Partei und seine und einiger Anhänger Ausschließung behandelte. Solange der Parteivorstand der sozialdemokratischen Partei die in den Hamburzer Beschlüssen gegebenen Versprechungen nicht erfülle, sei von einem Ausgleich keine Rede. Zum Schlusse wurde folgende Resolution angenommen: Die heute am 7. August im Theegartenschen Lokale tagende, gut besuchte Versammlung des sozialdemokratischen Arbeitervereins Solingen erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten Georg Schumacher voll und ganz einverstanden. Ferner erklärt dieselbe sich mit den von einer sogenannten Kreisparteiversammlung in Ohligs ausgeschlossenen sechs Genossen einverstanden und beschließt Listen in Zirkulation zu setzen, um dieselben mit möglichst zahlreichen Unterschriften versehen an den im Oktober stattfindenden Parteitag gelangen zu lassen, damit die Parteigenossen in ganz Deutschland in die Lage kommen das einseitige, prinzipwidrige Treiben des Parteivorstandes bei der letzten Reichstagswahl hier in Solingen nach Gebühr würdigen und beurtheilen zu können. Aus der lebhaften Diekussion, die sich anschloß, ist noch erwähnenswerth, daß am 4. September eine größere Versammlung stattfinden soll und daß die Sozialdemokratie sich voraussichtlich an den Landtagswahlen nicht betheiliger: wird. +— Gestern veranstalteten die Gesangvereine „Sängerkreis"=Solingen,„Frohsinn"=Dorperhof,„Hosfnung"=Feld, sowie Philomele=Solingen in der St. Seb. Schützenhalle zum Besten eines schwer erkrankten Arbeiters ein Wohlthätigkeits=Konzert, dessen Besuch leider ein sehr mäßiger war. Die gesanglichen Darbietungen, welche durchweg hübsch zu Gehör gebracht wurden, ernteten so reichen Beifall, daß verschiedentlich Zugaben gemacht werden mußten. Ferner trugen die im Prozramm enthaltenen humoristischen Einlagen, sowie der Aufmarsch mit Freiübungen, welcher vom Dorperhofer Turn=Verein exakt und schneidig ausgeführt wurde, viel zur Hebunz der Festesstimmung bei. 2.— Am 16. d. Mts. wird die zweite Steuerrate Fällig werden. Wie bekannt, müssen die Steuern vierteljährlich vorausbezahlt werden. Die Steuerzahler werden gut daran thun, den zu zahlenden Betrag schon früher zu entrichten, da in den letzten Tagen der Andrang ein sehr großer sein dürfte. 7— Gestern machte der hiesige Verein für Vereinfachte Stenographie mit 50 Personen, Damen und Herren, seinen Sommerausflug nach Reuschenberg. Nachdem man bis Opladen die Bahn benutzt, ging's auf Schusters Rappen dem im Walde gelegenen Schlosse zu. Hier wurden beim dampfenden Kaffee die erschlafften Lebensgeister etwas erfrischt. Als die Gewitterschauer vorüber war, gings zurück nach Opladen ins HotelRestaurant Jansen. Bei Spiel und Tanz, gesanglichen und humoristischen Vorträgen schwanden hier die Stunden wie im Fluge dahin. Das Damenpreisschießen fand rege Betheilizung und wurde jeder Dame bei der Preisvertheilung, welche manche gelungene Ueberraschungen zu Tage förderte, ein hübsches Andenken zu Theil. Herr Obliger stattete dem Vergnügungs=Komitee für dessen Mühewaltung seinen Dank ab. Herr Oberlehrer Spelter gedachte in bewegten Worten des Fürsten Bismarck, dieses letzten vom Tode bezwungenen Paladinen Kaiser Wilhelms I., Herr Horstmann brachte dem zarten Geschlecht den schuldigen Tribut der Dankbarkeit dar. Gegen 11 Uhr langte man wieder in Solinzen an. Bei dem gestern im Nordstädtischen Schützenbund hierselbst stattgefundenen Königsschießen errang Herr Ernst Wolfertz, Nordstraße, hierselbst, die Königswürde. Das 1. Stiftungsfest gedenkt genannter Verein am 17., 18. und 19. September cr. in der Schützenburg hierselbst zu feiern. Zu demselben sind bereits mehrere werthvolle Ehrenpreise gestiftet worden. Das Saisonschießen ist bis zum 10. Sept. verlängert worden. — Beim Fensterputzen stürzte am Samstag Vormittag auf dem Nordwall ein etwa 24jähriges Mädchen rücklings aus dem Fenster des Erdgeschosses auf den Hof. Die Aermste, welche erst kürzlich von einer längeren Krankheit genesen ist, zerbrach das linke Handgelenk. — In einer hiesigen Fabrik trugen sich im Laufe voriger Woche mehrere kleine Unfälle zu. U. A. erlitten zwei Arbeiter Verletzungen am linken Auge durch Abspringen von Stahlsplittern, ein dritter zog sich dadurch eine Quetschung des rechten Fußes zu, daß ein schweres Stück Stahl auf denselben fiel. — In Haft genommen wurden gestern drei Schleifer(bekannte Persönlichkeiten) wegen groben Unfugs. Einer derselben war erst gestern aus der Haft entlassen worden. Ferner wurde ein schon oft vorbestrafter Bursche festgenommen, der sich eines Sittlichkeitsvergehens schuldig gemacht haben soll. *— Gestern Morgen fand die Einweihung des neuen Steigerthurmes in Stöcken statt. Um 6 Uhr marschirte die Steigerkompagnie der Abtheilung I Solingen nach dem Stöckerberg, wo sie von der Stöckener Wehr empfangen und unter Trommel= und Pfeifenklang nach Stöcken geleitet wurde. Hier wurden an dem neuerbauten Thurme mehrere Uebungen vorgenommen, bei denen die Spille und der Rettungssack in Thätigkeit traten. Hierauf vereinigte bei Herrn Wirth Broch ein solenner Frühschoppen die Wehrleute, worauf die Solinger Kompagnie wieder nach dem Stöckerberg begleitet wurde. **— Gestern veranstaltete der Wald=Solinger Schwimmverein unter Betheiligung des Elberfelder Schwimmclubs, sowie des Mirker, Barmer, Remscheider und des Kölner Schwimmvereins sein 1. Schwimmfest, bestehend in Schau= und Wettspringen und=Schwimmen. Die Einleitung des Festes erfolgte durch die Aufführung eines Reigens Seitens des Elberfelder Schwimmclubs, hieran schloß sich alsdann die Abwickelung des Programms. Das Fest bot den Zuschauern, die trotz der starken Niederschläge sich zahlreich eingefunden, ein hochinteressantes Bild. Das Programm enthielt eine bumoristische Aufführung„Die Barbierstube“, die das Interesse der Zuschauer von neuem fesselte und zu lebhaftem Beifall Veranlassung gab. Später begab sich die Gesellschaft in das Lokal des Herrn Rich. Schmidt=Mangenberg, wo zunächst die Preisvertheilung erfolgte, die in folgender Weise stattfand. Es erhielten Preise im Mehrkampf: den 1.: Schwibbus, 2.: Schwickerath, 3.: Hillmann, Solingen, im Gästespringen: den 1.: Cramer=Elberfeld, 2.: Schön=Remscheid, 3.: Mausbach=Barmen, 4.: HeinleKöln, im Hindernißschwimmen: den 1.: Niepenberg, 2.: Schwickerath, 3.: Gaele, im Gästeschwimmen: den 1.: Phahl=Köln, 2.: Maaßen=Köln, 3.: vom DorpElberfeld, im Wettspringen: den 1.: Baschauer, 2.: Schwickerath, 3.: Neef=Solingen. Höhscheid, 8. Aug. Unsere Gemeinde steht im Zeichen der Kirmes. Allerorten mit Ausnahme des Kapeller Bezirks, der seine eigene Kirmes hat, herrscht fröhliche Festesstimmung, überall sind Krambuden in der Gemeinde verstreut, die mit den festlich geschmückten Wirthschaften die Feier des Tages zu erkennen geben. Auf dem Höhscheider Platze am Neuenhof konzentrirt sich der Verkehr zu einem rechten Jahrmarktstreiben. Eß=, Kram= etc. Buden und Karoussels haben hier dicht nebeneinander Aufstellung genommen. Trotz eintretender Regenschauer war gestern der Besuch des Festplatzes ein guter, und die umliegenden Wirthschaftslokalitäten, die für besondere Veranstaltungen gesorgt, wurden auch stark frequentirt. Die Bewohner der von Neuenhof entfernt liegenden Ortschaften, wie Stübchen, Katternberg, Brücke, Widdert u. s. w. feierten in ihren festlich geschmückten ländlichen Wirthschaften oder auch nach althergebrachter Weise ihre Kirmes im Bekannten= und Freundeskreise daheim, wozu die Hausmutter für frischen Kirmesplatz, Reisbrei, Schinken und Wurst u. s. w. rechtzeitig Sorge getragen. So hat unsere Kirmes noch einen recht volksthumlichen Charakter, es ist keine Schützengemeinde, keine Vereinigung, die das Fest veranstaltet und ihm vorsteht, nein, ein echtes und rechtes Volksfest, jeder freut sich und feiert mit. Von Solingen sind auch nicht wenig in unsere Gemeinde hinübergepilgert, die die Kirmesfreuden genießen wollten, ganz besonders stark war wieder das Rendezvous an der Wipperaue, das sich die Stadtleute dort gaben. Im freundlichen Lokal des Herrn Blankennagel zu Stübchen, wo Sang und Tanz und vielerlei Unterhaltung geboten war, ging's auch recht heiter zu, und man sah nur vergnügte Gesichter. Hoffentlich bleibt das Wetter den letzten Tagen unserer Kirmes günstig. □ Höhscheld, 7. Aug. Herr Förster F. in Hackhausen wurde letzte Nacht bei einem Reviergange von mehreren Burschen überfallen und durch Stiche in den Kopf nicht unerheblich verletzt. Der Ueberfall geschah dergestalt, so daß der Beamte von seinem Gewehr keinen Gebrauch machen konnte. Leider sind die Thäter unerkannt entkommen.— Ein jähes Ende nahm gestern Abend das Wiescheider Turnfest. Bei Burbach, im herrlichen Grün, war ein großes Zelt für die Feier errichtet. Als gegen 7 Uhr die gewaltige Windsbraut daher zog, nahm sie auch das Turnerzelt vor, ein Krachen, ein Schrei der jäh überraschten Menge und das Zelt lag niedergerissen. Das Turnfest aber war vorzeitig beendigt. Größere Verletzungen sollen übrigens nicht vorgekommen sein. *—=Rupelrath, 8. Aug. Auf dem gestrigen Turnfest in Wiescheid errang der Rupelrather Turner bund den ersten Preis(ein kostbares Trinkhorn) im Festzuge, den ersten Preis(2 Fechtdegen) für die starke Betheiligung und den ersten Preis(einen Lorbeerkranz) im Ringen. Ein kräftiges„Gut Heil!“ den Siegern! § Gräfrath, 8. Aug. Ein erschütterndes Brandunglück hat sich vergangene Nacht zu Flachsberg ereignet. Gegen 1¼ Uhr Nachts wurde die Flachsberger Feuerwehr allarmirt; in dem von 3 Familien bewohnten Dörnerschen Hause war Feuer ausgebrochen, das mit rasender Schnelligkeit um sich griff. Nachbarn, sowie die rasch herbeieilenden Mannschaften der Flachsberger Wehr thaten ihr Mözlichstes, um dem Brand Einhalt zu thun; es war aber Alles vergeblich, man mußte sich vielmehr mit dem Niederreißen des Gebäudes begnügen und die Nachbarhäuser zu schützen suchen, was auch, da die zur Hülfe herbeigerufene Gräfrather Wehr unter Führung ihres Chefs, des Herrn Bürgermeisters Kürten, alsbald erschien, gelang. Inzwischen wurde aber eine in dem brennenden Hause wohnende 50 Jahre alte Frau(Frau Lungenstraß) vermißt. Ein Hausbewohner erklärte, die Frau vor wenigen Minuten noch draußen gesehen zu haben; sie habe wieder zurück in ihre unter dem Dache befindliche Wohnung gewollt; er habe die Frau vergeblich festzuhalten versucht, sich aber dann nicht weiter um dieselbe bekümmern können, da er für seine eigene Familie habe sorgen müssen. Was man bange geahnt, bestätigte sich leider; als das Gebäude niedergebrannt war und Nachforschungen angestellt wurden, fand man noch wenige Ueberreste eines menschlichen Körpers, die gesammelt und beiseite gelegt wurden. Die Frau ist wahrscheinlich erstickt. Der Mann der Verunglückten, Musiker, ist z. Z. abwesend; er hatte sich gestern nach Langenberg begeben, von der schrecklichen Nachricht ist ihm heute Vormittag telegraphisch Kenntniß gegeben worden. Von den Bewohnern des abgebrannten Hauses hatte nur einer sein Mobilar versichert; die beiden anderen haben fast ihre ganze Habe verloren, da nur wenig gerettet werden konnte. Bei diesem Wenigen befindet sich merkwürdiger Weise auch ein dem Musiker gehöriges Klavier. Wald, 7. Aug. Im Laufe des heutigen Tages wurde von den Beamten der Fahrkartenausgabestelle Wald ein fasches Einmarkstück angehalten. Durch den sonderbaren Klang war es dem Beamten aufgefallen, der es dann in 2 Theile zerbrach. Die Polizei ist dem Schuldigen auf der Spur. G— 8. Aug. Durch die diensthabenden Beamten wurde gestern ein leicht größeren Umfang annehmendes Eisenbahnunglück verhütet. Durch den am Abend herrschenden großen Sturm waren nämlich auf dem Ausladegeleise 2 Wagen in Bewegung gesetzt worden und trieben auf der Strecke nach Solingen zu. Dieselben konnten, da sie zeitig bemerkt wurden, hinter dem Anschlußtheil zum Halten gebracht werden. § Ohligs=Merscheid, 7. Aug. Die Arbeiten an der neuen achtklassigen evangelischen Schule zu Mercheid sind soweit gefördert, daß, nachdem der Rohbau vollendet ist, gestern das Richtfest gefeiert werden konnte. Schreiten die übrigen Arbeiten ebenso rüstig voran, so steht zu erwarten, daß die Schule zu dem festgesetzten Termine— März 1899— bezogen werden kann. — 5. Aug. Zu Dahl bei Merscheid erlitt gestern ein junger Mann dadurch eine schwere Verletzung, daß ihm beim Spatzenschießen die Büchse zersprang und ihm ein Theil des Laufes die Hand zerschmetterte. Eine lange Arbeitsunfähigkeit, wenn nicht noch Schlimmeres, dürfte die Folge des Unfalles sein.(W. Ztg.) Leichlingen, 7. Aug. Der Firma„Rheinische Sandwerke zu Düsseldorf ist von der kgl. Regierung die Genehmigung zur Anlage einer Schmalspurbahn für Sandtransport aus ihren in der Gemeinde Leichlingen gelegenen Gruben zu dem bestehenden Schmalspurgleis an den Bahnhof Leichlingen ertheilt worden. 21 Reisende und vier Schaffner leicht verletzt wurden, mehrere Wagen entgleisten. Budapest, 5. Aug. In Podhorella erstach das Mitglied einer Wandertruppe auf offener Bühne angesichts des Publikums infolge Eifersucht seine eigene Frau. Der Mörder wurde verhaftet. Paris, 5. Auz. Durch eine Gas=Explosion wurden drei mit Erdarbeiten an der Rue Dauphine beschäftigte Arbeiter schwer verletzt.— Ein auf dem Montmartre gelegenes Waschhaus stürzte Nachmittags ein. Eine Frau und ein kleines Mädchen wurden getödtet, eine Frau schwer verletzt. London, 6. Aug. Das von Hamburg nach Canada bestimmte Schiff„Fortuna“ ist bei Neufundland nach einer Kollision mit einem Eisberg gesunken. Phkladelphia, 6. Aug. Bei dem gestern hier und in der Umgegend niedergegangenen Gewitter schlug der Blitz fünfzehn Mal in das Rathhaus, das schönste der Vereinigten Staaten, und richtete großen Schaden an. Die ganze Umgegend ist überschwemmt. Gerichts=Verhandlungen. Remscheid, 6. Aug.(Schöffengerichtssitzung.) In den Monaten Mai und Juni wurden die Passagiere der auf der Strecke Remscheid=Solingen verkehrenden Züge häufig dadurch in hochgradige Erregung versetzt, daß mit Steinen, Flaschen und anderen harten Gegenständen nach den Abtheilfenstern geworfen wurde. Heute nun stehen deswegen die Feilenhauer Hugo H. und Aug. B. vor dem Gericht. Außerdem wird dem Hugo H. zur Last gelegt, fahrlassigerweise die Körperverletzung des Erdarbeiters H. R. herbeigeführt zu haben. Hugo H. giebt zu, wiederholt nach den Eisenbahnzügen geworfen zu haben, bestreitet aber entschieden, sich letzteren Vergehens schuldig gemacht zu haben. August B. verlegt sich überhaupt auf hartnäckiges Leugnen. Die Folge dieses Leugnen war, daß B. zu zwei Monaten und einer Woche, H. nur zu zwei Monaten Gefängniß verurtheilt wurde.(R. G.=Anz.) Glauchau, 6. Aug. Das Schöffengericht in Waldenburg verurtheilte den Reichstagsabgeordneten Auer wegen der Angabe falscher Thatsachen, deren er den Fürsten Bismarck und die Agrarier beschuldigt hatte, zu zehn Tagen Haft. Vermischte Nachrichten. Egestorf(Hannover), 6. Aug. Als am letzten Donnerstag der Fuhrmann Bahlburg mit dem Gespann heimkehren wollte, scheuten plötzlich die Pferde. Bahlburg wurde vom Wagen geschleudert und so unglücklich überfahren, daß nach wenigen Minuten der Tod eintrat. Berlin, 6. Aug. Gegen Maximilian Harden, den Herausgeber der„Zukunft", gegen den bekanntlich bereits wegen seines Artikels„Pudelmajestät“ Anklage erhoben worden ist, ist nun neuerdings auch noch wegen seines in der„Zukunft" zum Abdruck gebrachten offenen Briefes„An den Kaiser" das Verfahren wegen Majestätsbeleidigung, Beleidigung des Richterstandes und Beleidigung des Oberstaatsanwalts Drescher eingeleitet worden. Zürich, 5. Aug. Am Rheinwaldhorn ist ein ungarischer Student beim Blumensuchen abgestürzt. Erst nach 30 Stunden ist er schwer verletzt aufzefunden worden. Wien, 7. Aug. Der gestern Abend von Wien nach Ezer abgegangene Schnellzug mußte wegen Versagens der Maschinen in der Nähe von Gmünd stehen bleiben. Der nachfahrende Postzug fuhr auf den Schnellzug auf, wobei sechs Reisende und ein Maschinenführer schwer, Neueste Nachrichten und Telegramme. Wiesbaden, 8. Aug.(Telegramm.) Das in Homburg veranstaltete Konzert des Solinger Sängerbund und der Elberfelder Liedertafel hatte einen sehr guten Erfolg. Der Reinertrag beziffert sich auf Mk. 3000. Musikdirektor Hirsch wurden Kranzspenden überreicht. Madrid, 7. Aug. Spanien nahm die amerikanischen Friedensbedin gungenan.— Die Epoca meldet: Die Polizei entdeckte ein anarchistisches Komplott, dem Mohr, eine politische Persönlichkeit, am Jahrestage von Canovas’ Ermordung zum Opfer fallen sollte. Musterregister. Modell bezw. Muster für plastische Erzeugnisse. Schutzfrist 3 Jahre. Solingen, 1. Aug. Firma Peter Hendrichs in Solingen, Packet mit 5 Modellen für Stichmesser mit Stahlheft(aus einem Stück geschmiedet), Klinge in allen Formen und Größen, und zwar mittelspitz, gradrücks, gebogen, säbels und hohlrücks, blank damaszirt, versilbert und vergoldet, mit und ohne Lederscheide, Heft blank, poliert, vernickelt, versilbert, vergoldet und in allen Prägungen, versiegelt,— Richard Stamm, Federmesserausmacher in Wald, Umschlag mit Abbildungen von 4 Modellen für Zigarren schneider mit Keil= und Flachschnitt, und zwar 2 aufeinander liegenden Theilen ohne hochliegenden Trichter, mit und ohne Doppelschneider, sowie mit Champagnerzange, ebensowohl mit Taschenscheere, in allen Größen, in jedem Metall und jeder Ausführung, einfach, vernickelt und vergoldet, sowie gestempelt, offen,— bei dem für die Firma Jagenberg & Cie., Papierfabrik in Solingen, eingetragenen Muster für Papier 2c.: Die Verlängerung der Schutzfrist ist auf weitere zwölf Jahre angemeldet,— August Huber, Klempner, in Solingen, Packet mit Abbildung von 1 Modell für Waschkessel, offen,— Firma Gebr. Weversberg in Solingen, Packet mit 1 Muster für Dolchtaschenmesser mit Metallschalen aller Art, mit und ohne Verzierungen, in allen Größen, versiegelt,— Fabrikant Friedrich Gottlieb Könenberg, Kartonagefabrikant in Solingen, Packet mit 12 Mustern für Kartons für Solinger Stahlwaaren jeglicher Art mit Bunt= und Firmendruck jeden Genres in allen Farben, in Gold, Silber, Schwarz und Bronzedruck, zur Zierde und als Etiquettes dienend; dieselben werden hergestellt als Deckel und Schiebeschachteln in allen vorkommenden Größen mit und ohne Blechecken=Heftung, überklebt mit Pack=, Tauen=, Glanz=, Glaze=, Phantasie=, Gelatine= und Celluloid=Papier, in unbeklebten, gewalzten und geprägten Holz= und Lederpappen, offen,— Fabrikant Emil Erdbrügger zu Solingen, Umschlag mit 8 Abbildungen von Modellen für lose Klingen für Butter= und Käse=, Konfekt=, Fisch= und Obstbestecke in allen Größen und Ausführungen: Rococo, Empire, damaszirt, geätzt, vernickelt, versilbert, vergoldet, Balance mit und ohne Rand, versiegelt,— bei dem für die Firma Carl Eickhorn in Solingen eingetragenen Muster für preußische Marine-Offiziers=Säbel: Die Verlängerung der Schutzfrist ist auf weitere sieben Jahre angemeldet. Deer Bachen sind's, welche Du jeden Tag gebrauchen solltest: Grümer& Neu' echten Panama=Holz= Wasch. = Ertract. Grümer& Neu' chemisch reine Salmiak=Terpentin= Kernseife und Grümer& Neu' bewährte Toilette=Fettseife.— Ueberall erhältlich. Kullerstraße bei Morsbach. Dienstag Abend 8½/2 Uhr: Bibelstunde. Evang. Arbeiter=Verein, Solingen. Heute Abend keine Vorstandssitzung. Gustav Adolf= und MissionsFrauen=Verein. Dienstag Nachm. 4½ Uhr: Versammlung. Evangelische Gemeinde Merscheid. Anträge von Gemeindemitgliedern auf Erwerbung von Erbgräbern auf dem neuen Friedhof können nunmehr dem Friedhofskassenrendanten, Herrn Aug. Melchior, Limminghofen, eingereicht werden. Zur Erledigung der bis dahin eingehenden Anträge werden die Interessenten hierdurch aus Montag, den 22. Aug., Nachm. 6 Uhr, zu Herrn C. Hendrichs, Hauptstraße, eingeladen. Das Presbyterium. AS--SS ie glückliche Geburt eines prächtigen Jungen zeigen hocherfreut an Johann Bayerl und Frau. Solingen, den 6. Aug. 1898.* berdeeeecerete Die Verlobung meiner Tochter Gertrud mit dem Oberförster Herrn Fritz Müller aus Graefrath beehre ich mich ergebenst anzuzeigen. Frau Wwe. Gloatz. Frankfurt a. M., im Aug. 1898. 4 Uaededeeeeeeoschteeceecece Zur Abhaltung freiwilliger Mobilar- und WaarenAuctionen hält sich empfohlen Rauch, Anktionator. Ein ordentl. Mann findet Kost und G Logis. Bachstr. 20. Todes-Anzeige. Heute Nachmittag starb nach kurzem Krankenlager mein geliebter Gatte, unser guter Vater, Schwiegervater, Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Gustav Broch im Alter von 61 Jahren und im 38. Jahre einer zufriedenen Ehe. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Solingen, den 6. August 1898. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. d. M., Nachmittags 3 Uhr, vom Trauerhause, Gartenstrasse Nr. 10, aus statt. Statt jeder besonderen Anzeige. Todes-Anzeige. Gestern starb in Folge eines Unglücksfalles in Düsseldorf unser lieber Vater Alex eissler im Alter von 66½ Jahren. Um stille Theilnahme bittet Namens der trauernden Hinterbliebenen: Ernst Gissler. Solingen, den 8. August 1898. bei Für die vielen Beweise herzlicher Theilnahme dem Heimgange unserer lieben Mutter sagen Allen herzlichen Dank. Solingen. Familie Bergfrede. Ein Spezereigeschäft oder Wirthschaft zu übernehmen ges. N. i. d. Exp. Geselle und Lehrling zum Federmesserreiden gesucht. Näheres in der Expedition. In einem ruhigen Hause ist eine schöne Wohnung von 4 durcheinandergehenden Zimmern, 2. Etage, per Mai 1899 zu vermiethen. Offerten E. 200 an die Expedition. Grösste Auswahl in gediegenen -Möbelne eigener Fabrikation. Decoratienen, stoffe. Teppiche. Gardizen J. Buyten& Söhne, Sehenswerthe Ausstall completter Nusterziminer L.d. versch Btyl- u Holrarten Wehrbahn 9-11 (a. d. städt. Tonhalle) Düsseltorf. Konkursbrtfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Kaufmannes Ernst Müller, Inhaber der Firma Ernst Müller& Cie., zu Solingen ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erhebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschluß fassung der Gläubiger über die nicht verwerthbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf den 30. August 1898, Vormittags 11½ Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hierselbst Zimmer Nr. 10, bestimmt. Solingen, den 3. August 1898. Kossack, als Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts 4. Handels=Register des Amtsgerichts Holingen. In unser Genossenschafts=Register ist Folgendes eingetragen worden: Bei Nr. 11 Firma Spar= und Bauverein eingetragene Genossenschaft mit beschränkter Haftpflicht zu Solingen— Laut Beschluß der General=Versammlung vom 28. Juni 1898 ist das Statut geändert: In§ 5 desselben bezw. des Nachtrages tritt in Absatz 1 und 3 an Stelle des Wortes „drei“ das Wort„zebn. Solingen, den 3. August 1898. Königliches Amtsgericht 3. Zimmer mit Frühstück zu vermiethen. Näheres in der Exped. Spezialität in Musterkoffern sehr leicht, solid und dauerhaft, größte Auswahl in Handmusterkaffern, Herren= und Damen=Reisekoffern, Touristentaschen. Reisekoffer von 3 Mk. an. Großes Lager in Reisemuster-Rollen und-Taschen für sämmtliche Solinger Stahlwaaren in solider Sattlerarbeit. Jede Aufmachung wird nach Wunsch angefertigt. Hermann Garze. Ein großes Bauterrain, sehr geeignet für Fabrik=Anlage oder Dampfziegelei, da Material genug vorhanden, auch für feuerfeste Steine in einem Betriebe zu bewirken, mit Bahnanschluß und gutem Abfuhrweg, zu verkaufen. Offerten unter Nr. 100 an die Exped. d. Ztg. erbeten. Schön möbl. Zimmer mit guter Pension, an einen Herrn zu vermiethen. Näh. in der Exped. Ein anständiger Mann findet Kost O und Logis. Moltkestr. 21. J. Blocksiepen, Solingen, Blumenstr. 11 besteht seit 1878. Direkte, billigste Besorgung von Patenten, Gebrauchs muster= und Waarenzeichen=Schutz. Die Brautleute: a) Friedrich Wilhelm Knapp, Fuhrunternehmer in Wald, d) Emilie vom Schemm, ohne Geschäft in Höhscheid, haben durch einen vor dem Königlichen Notar Schult zu Wald am 9. Juli 1898 abgeschlossenen Ehevertrag vereinbart, daß zwischen ihnen als zukünftigen Ehegatten ganz nach Anleitung und Bestimmung der Artikel 1498 und 1499 des Rheinischen Civilgesetzbuches eine auf die Errungenschaft beschränkte Gütergemeinschaft bestehen soll. Solingen, den 28. Juli 1898. Kossack, als Gerichtsschreiber des Königl. Amtsgerichts. v. gtr.! „* Solingen, Kaiserstrasse 88 (am Eatenpfahl). Fernsprecher Nr. 192. Oscar Reimann. Beste u. billigste Bezugsquelle für Delicatessen, —— in-u. ausländische Weine, ** 504 +——— Conserven, Colonialwaaren, Aur 1o, iriast Sm* Cognac Liqueure. 7 Behanntmachung. Es ist festgestellt worden, daß in früheren Jahren in gewerblichen Betrieben und Fabriken des hiesigen Kreises während der Ferienzeit Schulkinder in größerer Zahl zur Beschäftigung herangezogen worden sind. Aus Anlaß des Beginnes der Herbstferien mache ich darauf aufmerksam, daß eine solche Beschäftigung dem Zweck der Ferien, welche den Kindern zur Erholung und Kräftigung gereichen sollen, widerstreitet, und daß daher gegen Zuwiderhandlungen geeigneten Falles unnachsichtlich auf Grund der§§ 135, 146 Ziffer 2 und 154 der Gewerbe=Ordnung mit Strafen vorgegangen werden wird. Solingen, den 5. August 1898. Der Landrath: Dönhoff. A. Schmiat vorm. Theod. Möser. 500 Mark Belohnung. Mord. Die auf die Ergreifung des von mir wegen Mords verfolgten Dachde ckers August Büchling aus Barmen ausgesetzte Belohnung ist auf 500 Mark erhöht. Das Signalement des Büchling ist folgendes: Größe: 1,72 Meter. Statur: schlank. Haare: hellbsond. Stirn: niedrig. Augenbrauen: blond. Augen: graublau. Nase und Mund gewöhnlich. Kinn: spiz Bart: kurzer, dicker, hellbsonder Schnurbart. Gesicht: länglich. Gesichtsfarde: gesund.„. PeAtg, Hatwram ait einmm SubeBesondere Kennzeichen: Rechlet unterarm mit einem Anker tätowiert. Wahrscheinlich hat er zur Zeit der That eine niedrige, leichte, in die Stirn gedrückte Mütze, sog. Hexkappe, und einen blauleinenen Kittel getragen. Nach meinen Ermittelungen trägt er wahrscheinlich folgende Kleidung: dunkle graue oder braune Joppe und Weste, etwas hellere Hose, grau braunen Punkten oder blauen Streifen, weißes Biberhemd, ohne Kragen und Shlips, ziemlich hellen, grauen Hut, schwarze lederne Halbschuhe zum Schnüren, in denen er leise geht. Elberfeld, den 5. August 1898. 864# Der Unsersuchungsrichter II bei dem Konigl. randgericht. Grosse Auswahl in Bämten Wesene Nachtkleider, Taghemden, Beinkleider, Frisirjacken, Feston-Röcke, Piqué-Röcke etc. Bekanntmachung. Die gegen den Fluchtlinienplan der Klingenstraße erhobenen Einwendungen sind durch jetzt rechtskräftig gewordenen Bescheid des Bezirksausschusses vom 18. Juni 1898 zurückgewiesen worden. Gemäß§ 8 des Baufluchtliniengesetzes vom 2. Juli 1875 wird die durch Stadtverordnetenbeschluß vom 1. Dezember 1897 unter Zustimmung der Polizei=Verwaltung festgesetzte Fluchtlinie der Klingenstraße hiermit förmlich festgestellt. Indem ich Vorstehendes zur öffentlichen Kenntniß bringe, bemeike ich, daß der Plan vom 9. August ab 14 Tage lang auf dem Stadtbauamte zu Jedermanns Einsicht offen liegt. Solingen, den 5. August 1898. Der Oberbürgermeister. I. V.: Der Beigeordnete: Coppel. Die Liste der in hiesiger Stadtgemeinde wohnhaften Personen, welche zum Amte eines Schöffen oder Geschworenen berufen werden können, liegt vom 8. d. M. an eine Woche lang im hiesigen Rathhause, Zimmer Nr. 1, zur Einsicht offen. Wald, den 6. August 1898. Der Bürgermeister: Heinrich. Königl. Standesamt Solingen. 6. August. Geburten: Hermann Walter Paul, S. v. Scheidenarbeiter Rudolf Margraf, Klingenstr. Hubert Reinhold und Erich, Zwillinge v. Fabrikarbeiter Ernst Hammesfahr, Schwertstraße. August Otto Heinrich, S. v. Schneider Heinrich Drössert, Grünewalderstr. Sterbefälle: Franz Schillinz, 2 J., Stöcken. Auguste Schemmann, 23 J., ledig, Kaiserstr. Eugen Beller, 5 Mon., Clauberg. Schlosser Carl Heinrich Vierkötter, 46 J., verh., Florastr. Vernickler Gust. Broch, 61 J., derh., Gartenstr. Heirathen: Fabrikarbeiter Ernst Weintz und Auguste Reinemann, b. h. Schleifer Ernst Hummeltenberg und Wilhelmine Hardt, v. h. Polirer Emil Nölle und Johanne Elschen, b. h. Kaufmann Friedrich Mittelstraß und Elise Fries, b. h. Schleifer Ernst Eisler und Anna Lütters, b. h. Ausmacher Wilhelm Bosinger und Elise Lütters, b. h. Aufgebote: Conditor Hugo Bremkamp, Vohwinkel, und Hulda Rübenstrunk, hiers. Gerichtliche Verkäufe. Am Dienstag, den 9. August 1898, I. Vormittags 11 Uhr, sollen zu Schützenstraße Nr. 113 öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Pianino in Nußbaum und 1 complette Vierschenke mit Zubehör. II. Mittags 12 Uhr bei Wirth König zu Wald gegen einen Dritten: 1 Kl. Tisch, 3 Stühle mit Rohrsitzen, 1 Schmuckkästchen, 1 Wanduhr(Regulateur), 1 complette Nähmaschine etc. etc. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Wupperstr. Calowsky. Gerichtlicher Verkauf. Am Dienstag, den 9. August 1898, Nachmittags 3½ Uhr, sollen vor dem Hause des Bäckers Wilhelm Eick. schlag zu Weyer v. Wald lich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Theke, 1 Fenstergesten, 1 kt. Tisch, 2 Stühle, 1 vollst. Bett Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Klosterwall 18. Dillenberger. Eine Wohnung von 3 Zimmern mit Spezerei=Laden auf Mai zu miethen gesucht. Näh. i. d. Exp. Beamter sucht pro 1. Mai 99 stille Wohnung, nits: Ksim. mern, in der Nähe der Stadt mit Garten. Off. u. K. S. an die Exp. Zwei schön möbl. Zimmer (1. Etage), mit guter Pension an zwei Herren zu vermiethen. Näheres in der Expedition. Polizei=Verordnung betreffend Maßnahmen zur Verhütung der Verbreitung der San=José=Schildlaus. Auf Grund der§§ 6, 12 und 15 der Gesetzes über die Polizei=Verwaltung vom 11. März 1850(Ges.= S. S. 265 sowie der§§ 137 und 139 des Gesetzes über die allgemeine Landesverwaltung vom 30. Juli 1883 (Ges:S. S. 195) wird vorbehaltlich der Zustimmung des Provinzialraths für den Umfang der Rheinprovinz Folgendes verordnet: § 1. In den Kraut= oder GeleeFabriken, in welchen Obst, Obstschaalen, Kerngehäuse oder sonstige Obstabfälle amerikanischen Ursprungs verarbeitet werden, müssen sämmtliche Fässer, Säcke und sonstige Verpackungsmaterialien, in welchen die bezeichneten Gegenstände in den Fabriken eingetroffen sind, spätestens innerhalb 24. Stunden nach der Entleerung auf dem Fabrikgrundstücke verbrannt werden. § 2. Von den in§ 1 bezeichneten Einfuhr=Gegenständen dürfen keinerlei Theile in ungekochtem Zustande aus den Fabriken entfernt werden. § 3. Zuwiderhandlungen gegen diese Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 60 Mark bestraft, an deren Stelle im Unvermögensfalle eine entsprechende Haftstrafe tritt. § 4. Diese Verordnung tritt mit dem Tage ihrer Verkündigung in Kraft. Koblenz, den 16. Mai 1898. Der Ober=Präsident der Rheinprovinz J. V.: zur Nedden. Die in der Polizei=Verordnung des Herrn Ober=Präsidenten vom 16. Mai 1898 betreffend Maßnahmen zur Verhütung der Verbreitung der San José Schildlaus(A.=Bl. S. 156) vorbehaltene Zustimmung des Provinzialrathes ist in dessen Sitzung vom 16. Juli d. Is. gemäß§ 139 des Landesverwaltungs=Gesetzes vom 30. Juli 1883 ertheilt worden. Düsseldorf, den 21. Juli 1898. Der Regierungs=Präsident: Frhr. v. Rhein baben. ze Mark Belönnung demjenigen, der mir die vier Personen, welche heute Morgen gegen ½5 Uhr die Fensterrollladen an der Augustastr zerstört haben, so angiebt, daß ich dieselben gerichtlich belangen kann. Alb. Burchard, Schweizercafé. Suche für nächstes Jahr Mai ein Gut, worauf 3—4 Kühe gehalten werden können. Näh. in der Expedition. „" 5 Liter 30 Pfennig. Bester Essig zum Einmachen, ist bequem in seiner Anwendung und schützt das Eingemachte vor dem Verderben. Ollven-Uel (Jungfern; Oel), Flasche 2,25 M. Salicylsäure, slüssig, darf keiner sparsamen Hausfrau fehlen, denn es schützt alles Eingemachte vor dem Verderb u. Glas 78 Pf, reicht f. 1 Jahr. Hirsch-Apotheke J. Eingelbert. Fernsprecher 152 siehsteine in allen Sorten halte stets in bester Waare auf Lager. Carl Eickhorn, Solingen, Brüblersraße. Hängematten, Pfer empfehlen Beißel& Werbeck. Nedes Uiltard von Math. Bour Wwe. Cöln empfiehlt zur gefl. Benutzung E. Lackner, Restaurant Felderhof, 1. Feld. 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Am heutigen Getreidemarkte blieben Preise sämmtlicher Fruchtgattungen unverändert. Rüböl und Kuchen unverändert. „ in allen Preislagen prr Stück von 50 Pfg. an empflehlt H. Bremer, Colonia-Drogerie, Kölnerstrasse 94.