Nr. 137.— 50. Jahrgang. Erstes Blatt. A Trenatr Früher enter dem Täiet: Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedition 1 44 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten? Bengischen Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J. Vergisches Volks=Slatt. Mittwoch, den 15. Juni 1898. * Druck und Verlag von Ald. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeisser in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech= Anschluß Nr. 90). Bestellungen auf diese Zeitung für dritte Vierteljahr 1898 (Juli bis September) werden baldigst erbeten. Deutsches Reich. Eine Feier seines 10jährigen Regierungsantritts hat der Kaiser der offiziösen„Süddeutschen Reichskorres= pondenz“ zufolge mit den Worten abgelehnt:„Bis hierher hat uns Gott geholfen und wird auch noch weiter helfen.“ Der Kaiser konferirte gestern früh u. A. mit dem Staatssekretär des Auswärtigen und empfing später den kaiserlichen Konsul in Jerusalem, Dr. v. Tischendorf, behufs Besprechung über die geplante Reise nach Palästina. Der Kaiser und die Kaiserin treffen am Sonnabend in Altona ein. Aus vorzüglicher Quelle erfährt die„Frankf. Ztg.“, daß Kaiser Wilhelm entweder unmittelbar vor oder nach seiner Jerusalem=Fahrt das rumänische Königspaar in Sinaia besuchen wird. Der Bundesrath schloß Canada von der Meistbeoänsigung aus.. Li. Sit. u# Et. In diesen Tagen wiro die Sitzung des Staatsministeriums unter dem Vorsitz des Ministerpräsidenten bezüglich der Erörterung der Reorganisation des Staatsministeriums stattfinden. Finanzminister Dr. Miquel stellte in einem Schreiben an den Bund der Handel= und Gewerbetreibenden ein landesgesetzliches Eingreifen gegen Großbazare in Aussicht, falls die anempfohlene Kommunal= Besteuerung sich als nutzlos erweisen sollte. Staatssckretär v. Podbielski ist zu mehrtägigem Aufenthalt in Bad Schwalbach eingetroffen. Vorgestern Nachmittag fand, laut dem„Reichsanz.“, im Reichsamt des Innern eine Sitzung des Kuratoriums der Reichsbank statt, wobei als Stellvertreter des Reichskanzlers Graf Posadoweky den Vorsitz führte. Der Sitzung wohnten ferner bei Präsident der Reichsbank Dr. Koch, Minister von Miquel, Thielmann und der württembergische Ministerial=Direktor Fischer. Das Ergebniß des Finanzjahres 1897.98 für das Reich und für Preußen wird, da heute der Abschluß in der Reichshauptkasse wie in der preußischen Generalstaatskasse stattfindet, in Kurzem festgestellt sein. Ueber die Reichs=Finanzen wird schon jetzt von offiziöser Seite mitgetheilt, daß die erhöhten Ausgaben für die Flotte ohne Erschließung neuer Einnahme= quellen bestritten werden können. Die Mittheilung weist mit großer Befriedigung darauf hin, daß trotz der großen Aufwendungen, welche zu Zwecken der Landesvertheidigung, der Kultur, der Aufbesserung der Lage der Reichsbeamten, der Erweiterung und Erschließung der Absatzgebiete des deutschen Erwerbslebens, die in diesen zehn Jahren gemacht sind, keine erhöhten Ansprüche die Steuerkraft des deutschen Volkes gestellt werden mußten. Es kann jetzt bereits als feststehend angesehen werden, daß die Revision des Gesetzes über die Invaliditäts= und Altersversicherung dem Reichstage nach seinem Zusammentritt wird vorgelegt werden können. unzweifelhafter Weise bekannt wird, dürste sie um so mehr Aufsehen erregen. Türkei. Konstantinopel, 9. Juni. Die Pforte bereitet in der kretischen Frage eine neue Note an die Großmächte vor, die der amtlichen Mittheilung über die vollzogene Räumung Thessaliens auf dem Fuße folgen soll. Seit dem Januar wäre dies die neunte Note, die in derselben Sache an die europäischen Kabinette gesandt wird. Beran, 14. Juni. Die Montenegriner begingen abermals Grenzverletzungen und Morde. Vereinigte Staaten. Washington, 14. Juni. Infolge beunruhigender Nachrichten aus den Territorien der Indianer mußte sich die Regierung entschließen, starke Truppenabtheilungen in dieses Gebiet abgeben zu lassen. Den einlaufenden Berichten zufolge sollen die Indianer einen Vorstoß gegen den Osten vorbereiten. Ausland Wien, 14. Juni. Die Deutschnationalen bereiten ein allgemeines Sonnenwendfest mit Höhenfeuer als Mahnung zu kampfbereiter Gemeinbürgschaft vor.— Für die Prager Palacky=Feier kommen auch Abordnungen der polnischen Hauptstädte, auch die russische Presse widmet derselben besondere Sympathieergüsse. Graz, 11. Juni. Zur Charakterisirung der hiesigen Zustände mag folgender Fall dienen: Vor mehreren Tagen spielte bei einem Konzerte auf dem Schloßberge eine Damenkapelle aus Wien die„Wacht am Rhein“, wobei die Anwesenden das Haupt entblößten und das Lied stehend anhörten. Diese Kundgebung des Publikums war jedoch nicht nach dem Geschmack unserer obersten Polizeibehörde, denn gestern erging an den Gastwirth des Schloßberges auf telephonischem Wege die strenge Weisung, daß die„Wacht am Rhein" nicht mehr gespielt werden dürfe.(!) Belgien. Brüssel, 13. Juni. Der Justizminister Begerem ist nach Berlin abgereist, er wird in Deutschland eine 14tägige Informationsreise machen. — 13. Juni. Gestern wurde in Gegenwart der offiziellen Vertreter des deutschen Reichs, der Stadt Brüssel, der verschiedenen hiesigen deutschen Vereine und unter großer allgemeiner Betheiligung auf dem Friedhofe Evere das definitive Denkmal für die deutschen Krieger enthüllt, welche im Kriege von 1870, dete nach Brüssel transportirt wurden und hier starben. Griechenland. Athen, 14. Juni. Der österreichisch= ungarische Militär=Attaché in Konstantinopel, Baron Giesl, ist hier eingetroffen, um die Verhandlungen wegen des Engage ments von Instrukteuren für die grt.g— Armee abzuschließen. Es sind hierfür ein General, zwei Obersten und drei Majore aus der österreichisch=ungarischen Armee in Aussicht genommen. In Anbetracht kritischen Finanzlage will die Wiener Regierung das griechische Budget nicht belasten und wird die Instrutteure selbst bezahlen.(Frankf. 3.) Petras, 9.Juni. Furst Ferornund von Bulgarien hat hier auf der Reise von Abbazia nach Athen eine Zusammenkunft mit dem König Georg von Griechenland gehabt. Das Schiff, auf dem der Fürst sich befand, legte im hiesigen Hafen an. Thatsache der Zusammenkunft sollte möglichst unbekannt bleiben. Von Athen aus schickte dann Fürst Ferdinand an König Georg ein Begrüßungstelegramm, das absichtlich so gefaßt wurde, als sei hier keine Begegnung erfolgt. Jetzt, wo die Zusammenkunft nachträglich in Der spanisch=amerikanische Krieg. Madrid, 14. Juni. Der Madrider Korrespondent des„Matin' hatte eine Unterredung mit einem spanischen General, der längere Zeit in Santiago geweilt hat. Die Anwesenheit der Amerikaner in Caimanera, sagte der General, ist durchaus unwichtig, da Caimanera 60 Kilom. von Santiago entfernt liegt und keine Verbindung zwischen beiden Orten besteht. Die Gegend ist von Sümpfen erfüllt; an der Küste wie im Innern ziehen sich steile Bergzüge hin. Nimmt man noch das gelbe Fieber und die andern Krankheiten hinzu, so kann man sagen, daß die Gegend für Menschen unbewohnbar ist und daß die Amerikaner, wenn sie den Vormarsch gegen Santiago unternehmen sollten, kaum zur Hälfte dort ankommen werden. — 14. Juni. Der General=Kapitän von Portorico meldet, der„Terror“ befinde sich im Hafen. Alles befinde sich wohl an Bord.(Demnach ist die amerikanische Meldung, wonach das Torpedoboot„Terror“ durch einen einzigen Schuß des Schlachtschiffes„Oregon" mit 60 Mann an Bord gesunken sei, wieder einmal Schwindel. D. R.). — 14. Juni. Eine Depesche des auf der Vissavas= Gruppe befehligenden Generals sagt, er sei noch ohne Nachricht aus Manila. Die Eingeborenen auf Mindanao hätten die militärische Linie Tukusem=DineoMarahuit angegriffen, seien jedoch zurückgeschlagen worden und hätten 36 Todte auf dem Platze gelassen. Die Spanier hätten 7 Todte und 18 Verwundete gehabt. Ein amerikanischer Kreuzer sei am 5. d., Nachts, im Hafen erschienen, um zu beobachten, dann aber mit südlichem Kurs verschwunden.— Der Minister des Aeußern bestreitet mit Entschiedenheit die Richtigkeit des Gerüchtes, daß einige amerikanische Schiffe die Hafen=Einfahrt von Santiago erzwungen hätten. — 14. Juni. Die Regierung hat, wie verlautet, Schritte unternommen, damit die nordamerikanische Regierung von den Mächten aufgefordert werde, bei dem eventuellen Fall Manilas die Besetzung der Stadt durch ihre Truppen vollziehen zu lassen. Man befürchtet die Verübung von Grausamkeiten, wenn die Insurgenten die Stadt besetzen.(Die deutschen Interessen werden durch Vizeadmiral v. Diederichs, welcher demnächst bei den Philippinen mit 4 Kriegsschiffen und 3000 Soldaten eintreffen wird, aufs Beste vertreten werden. D. Red.) — 14. Juni. Hier ist das Gerücht verbreitet, daß drei spanische Kreuzer, welche in Madagaskar Kohlen eingenommen haben, heute vor Manila anlangen werden(7). Aus diesem Grunde befinde sich das feindliche Geschwader schon fern vom Hafen. Key=West, 14. Juni. Die Regierung heuerte von 18 Schifffahrtsgesellschaften 50 Schiffe, die erstens als Truppentraneportschiffe dienen und zweitens Wasser und Proviantmittel für Sampson, Schley und Shafter laden sollen. 6 Kriegsschiffe werden sie begleiten. 6 andere Kriegsschiffe gehen demnächst nach den in verschiedenen Treffen geschlagen worden und hatten — 14. Juni. 24 Kriegsschiffe liegen in der Nähe von Santiago. Zehn davon eröffneten gestern das Feuer gegen die Festungswerke, richteten jedoch nur unerhebliche Beschätigungen an.— Gestern fand eine Beschießung von Aguadores statt, um eine Truppen Wasbinzton, 13. Juni. Das Kriezeodepurtement macht bekannt, daß eifrige Vorbereitungen getroffen werden, ein zweites Heer zum Einmarsch nach Cube — 14. Juni. Admital Sampson het an das Marine=Departement telegraphisch gemeldet, Beue habe soeben eine Aufklärungsfahrt von 70 englischen Meilen gegen den Hafen von Santiago unternommen. Die gesammte spanische Flotte befindet sich im Hafen. Sampson fügt hinzu, die bei Guantanamo gefallenen Amerikaner seien auf barbarische Weise verund Shaw, die die vorzeschobenej. g.„4äuft ing wachen kommandirt haben, sind gun erschöpf Lager zurückgekehrt. Der Verlust der Wachen beträgt 1 Mann. Die Feldwachen wurden stark umfaßt von übermächtigen Streikräften, behauptetern, abdger ihre lung und unterhielten ein fast ununterbiichenes Feuer — 14. Juni. Die Spanier machten gestern wieder einen erfolglosen Versuch, das amerikanische Lager bei Guantanamo zu nehmen. Die Vorposten, man glaubte, daß sie gefangen seien, — 14. Juni. Das unterseeische Boot, welches durch den Erfinder Holland an die Vereinigten Staaten verkauft worden ist, hat nach befriedigenden Proehebhan; gen den Hafen von New=York verlassen, um in der Bai von Santiago die Spanier anzugreifen und ihre Schiffe in die Luft zu sprengen. London, 14. Juni. Das Bureau D. aus Shanghai: Es fehlt nicht an Anzeichen, daß Deutschland über das Schicksal der Philippinen wacht. Das Transportschiff„Darmstadt“, das Deutschland mit Truppen für Kiautschau verließ, kam in Shanghai direkt von Manila an, wohin es sich auf telegrapbische Ordre begab, die es in Singapore erwartete. Die„Darmstadt“ brachte von Manila den Kardinal= Erzbischof mit, der nach Europa zurückreist.— Das Flagzschiff„Kaiser“ und der Kreuzer„Kaiserin Augusta“, die gestern von Nagasaki nach Manila abfubren, sollen sensationelle Befehle(7) haben für den Fall, daß die Amerikaner Manila bombardiren. Prinz Heinrich hält sich in Kiautschau über Alles, was mit dem Krieg zusammenhängt, auf dem Laufenden. Der deutsche Dampfer„Petrarca“ sollte heute Abend von Shanzhai nach Manila mit geheimen Ordres abgehen. Man glaube, er sei von der deutschen Regierung abgeschickt. (Man beachte wohl, daß diese Meldungen des Bureau Dalziel aus englischer Quelle stammen. D. Red.) — 14. Juni. Die Landungstruppen in KeyWest unter General Shafter, die zum Aufbruch nach Santiago eingeschifft sind, betragen: 773 Offiziere und 14500 Mann, meistens reguläre Truppen mit Ausnahme des 74. New=Yorker= und des 2. MassachusettsRegiments. Dazu kommen 8 Kavallerieschwadronen unter dem Befehl Rooseveldts. 32 Transportdampfer haben sie aufgenommen, die von 16 Bedeckungsschiffen begleitet werden.(S. N. Nachr.) Zur * Solingen, 15. Juni. Eine stattliche Versammlung, ein Heer treuer Wähler war es, vor dem gestern Abend Herr Reichstagskandidat Louis Sabin hierselbst seinen Standpunkt darlegte. Die Versammlung eröffnete der stellvertretende Vorsitzende des Wahlkomitees der vereinigten Parteien, Herr Franz Peres, indem er den Anwesenden für ihr zahlreiches Erscheinen dankt. Durch Letzteres bekundeten sie die Antheilnahme an einer Sache, die sich die vereinigten Parteien zur Ehre gemacht hätten. Es handle sich darum, für einen unserer Mitbürger um das höchste Ehrenamt zu kämpfen, das einem Bürger zegeben werden könne. Seit mehr als 20 Jahren liege die Vertretung des Kreises in den Händen der Sozialdemokratie, obgleich die Zahl der Stimmen der staatserhaltenden Parteien zusammen größer ist, als die der Sozialdemokraten. Daran sei nur die Zersplitterung schuld. Es sei von Seiten der Vorstände der liberalen Parteien versucht worden, mit dem Zentrum einen gemeinsamen Kandidaten aufzustellen, um gegen die Sozialdemokratie Front zu machen. Dadurch wäre der Siez gewiß gewesen. Das Zentrum habe aber bei einer bezüglichen Verhandlung erklärt, daß es schon gebunden sei und einen Kandidaten aufgestellt habe. Bei einer nothwendigen Stichwahl werde es aber für den gemeinsamen Kandidaten eintreten. Redner wisse nicht, ob diese Antwort vielleicht besser war, denn die beiden liberalen Parteien haben sich dadurch um so enger zusammengeschlossen in dem Gedanken, der Sozialdemokratie entgegenzutreten. Es habe sich sodann um die Frage der Kandidatur gehandelt. In Ansehung, daß dem Reichstage in seiner nächsten Legislaturperiode bedeutende Fragen vorgelegt werden, habe man sich gesagt, einen Mann aus dem Volke aufstellen zu müssen, einen Mann, der mit den Verhältnissen des Kreises vertraut sei. Die Anwesenden wüßten, wie schwer ein solcher zu finden sei. Nach vielem Zureden habe sich Herr Louis Sabin bereit erklärt, die Kandidatur anzunehmen. Hier in Solingen hieße es Wasser in der Rhein tragen, wenn man die Verdienste des Herrn Sabin schildern wolle. Sie seien zu bekannt, als daß man darüber noch ein Wort verlieren müsse. Ein Mann von zuver lässigem Charakter, das Herz auf dem rechten Fleck, durchdrungen von durchaus liberalen Anschauungen, aufgewachsen mitten in den Interessen der Industrie, mit warmem Herzen für König und Vaterland ist Herr Louis Sabin ein Mann, wie man ihn im Kreis Solingen nicht besser finden kann. Deshalb sei auch begründete Hoffnung vorhanden, daß Alles hinter ihm stehen werde, um am 16. Juni anzutreten, um den Mitbürger auszusenden nach Berlin. Redner ertheilt sodann das Wort Herrn Louis Sabin. Der Wahlkampf, führte Herr Sabin etwa aus, sei bereits vor dem festgesetzten Tage zu Ende gekommen. Von einem Wahlkampf könne man eigentlich nicht sprechen, denn alle Parteien zollen sich gegenseitig die gebührende Achtung und hoffentlich werde es auch so bei der Stichwahl sein. Er halte es für unrichtig, irgend Jemanden wegen seiner politischen Meinung anzugreifen. Er selbst werde heute Abend auch nur seine eigene politische Meinung ausdrücken. dabei von dem Gedanken ausgegangen, einer besondere die Landwirthschaft, beeinträchtigt werden. Die Landwirthschaft muß geschützt werden, allein wie, das sei heute schwer zu sagen, da nur die Rezierung die dazu nothwendigen Erhebungen anstellen könne. dieser habe er aber das feste Zutrauen, daß sie alle Hebel in Bewegung setzen wird, die Mißstände zu beben. In der letzten Zeit habe er diesen Punkten seine besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Von der Landwirthschaft werde das Verlangen gestellt, daß die Handelsverträge nur mit einer kurzen Kündigungszeit, vielleicht von einem Jahre, festgesetzt werden. Neben den Interessen der Landwirtbschaft stehen die des Handwerker= und Mittelstandes. Es gebe da viele berechtigte Klagen und manche Mißstände. In welcher Weise diesen letzteren abgeholfen werden könne, dazu seien erst Ermittelungen nöthig, welche die Regierung anstellen müsse. Bei allen Gesetzgebungen müsse man aber darauf sehen, daß man einen kräftigen, gesunden und steuerfesten Mittelstand, der das Rückgrat des Vaterlandes bilde, erhalte. In den letzten Jahren sei Seitens der Volksvertretung viel geschaffen worden, was Seitens der Sozialdemokraten bekämpft worden sei, so insbesondere die ganzen Arbeiterschutzgesetze. Die, welche die Hand zu diesen Gesetzen geboten haben, seien diejenigen, die in unparteiischer Weise die Lage der Arbeiter gebessert haben. Trotz alledem soll aber auch heute noch kein Stillstand in der Sozialreform eintreten. Es sei ferner in der letzten Zeit darauf hingewiesen worden, als ob die Freiheiten der Arbeiter in Gefahr wären, die Freizügigkeit, das Koalitionsrecht und das allgemeine, direkte Wahlrecht. Seitens der Rezierung seien diese Bedenken aber durch den„Reichsanzeiger" alle widerlezt worden und er glaube auch nicht, daß die Regierung die Hand zu einer Abänderung und Beschränkung bieten werde. Mögen Auswüchse auch mit den Rechten verbunden sein, Auswüchse werden auch unter einer neuen Gesetzgebung nicht zu vermeiden sein. Der innere Friede, den man vor allen Dingen wieder baden müsse, hange viel davon ab, daß die Arbeitgeber und Arbeitnehmer wieder Hand in Hand gehen. Manches sei da locker geworden, aber auch Manches gelernt worden. Die Sozialreform wurde dadurch geweckt, der Arbeiter sei zum selbstständigen Handeln gebracht und der Ezoismus der besitzenden Klassen zurückgedrängt worden. Der Aufschwung, den das Vaterland in den letzten 30 Jahren genommen, habe für alle Stände viele Vortheile gebracht und auch heute bürfe die Sozialreform nicht stille stehen, sondern sie müsse fortschreiten. Was soll nun ein neuer Kandidat versprechen? Redner werde thun, was in seinen Kräften stehe, er werde für Handelsverträge stimmen, die für den Bezirk und das Vaterland vortheilhaft sind, er werde dafür sorgen, daß dem Arbeiter sein Recht nicht verkümmert werde, daß die Landwirthschaft gefördert und die Machtstellung des deutschen Reiches niemals eingeschränkt werde. Deshalb werde er auch die unvermeidlichen Opfer bewilligen. Er verspreche auch seinen Mitbürgern in Solingen, daß er, wenn er gewählt werde, das, was er ausgeführt habe, auch halten werde, wie er es bieher gethan. Was er nicht versprochen habe und versprechen könne, werde er zum Besten des Kreises und Vaterlandes zu verantworten wissen. In erster Linie werde er aber dahin wirken, daß die Liebe zu Kaiser und Vaterland hochgehalten werde. Werde er nicht gewählt, so bleibe er das, was er sei. Langandauernder und reicher Beifall folgte diesen Worten des Herrn Sabin, welchem Herr Franz Peres im Namen der Versammelten den Dank derselben ausspricht. Herr Landtagsabgeordneter Dr. Böttinger, der hiernach das Wort ergeiff, sprach etwa Folgendes: Meinesehr geehrten Herren! Gestatten Sie zunächst, daß ich Ihnen meinen herzlichsten Dank ausspreche für die liebenswürdige Aufforderung, nach Solingen zu kommen. Ich habe diesem Rufe gerne Folge geleistet, da es für Jeden, der mitten im politischen Leben steht, eine besondere Freude ist, wenn er Gelezenheit hat, sich auszusprechen über die allgemeinen Fragen, oder wenn er seinen Mitkollegen bei den Aufgaben, die ihm bevorstehen, unterstützen kann. Die Aufgaben, die an einen Abgeordneten in den ersten Jahren herantreten, sind keine leichten, er muß sich anzuschließen suchen an seine neuen Kollegen, er muß manche Widerwärtigkeiten ertragen. Er verliert manchmal den Muth und er fühlt, wieviel er noch zu lernen hat. Die ersten Jahre in meinem politischen Leben haben mir nicht viel Freude gemacht; ich hatte geglaubt, daß ich viel wüßte, habe aber erfahren müssen, daß andere mehr wußten. Ich zweifle aber gar nicht daran, daß ein Mann, wie Ihr Kandidat, der aus kleinen Verhältnissen aufgewachsen es zu Großem gebracht hat und dem seine Mitbürger nun das Zutrauen erweisen, ihn zum Reichseten Suche eiunen buten, Donp,„alt hibe.(Bava) tagtahgeordueten zu wöen, mit den Ausgatzen, weiche 9 den Wittem uur Versiounz v., bobe.,„ rgze, ihmf dergstehen, bald verwachsen sein und Dre Stiadt De Stchuns eines Abgeorduecten, Ie. bosenwuritg ewe so dre Intersen recht vertreten wird. Die Jateresen uudankdaure. Er wundere sch daruder, daß es so bete vv.. z z., die Iutressen des Weithandels. Auch Porteig gübe. Dieses müsse anders werden und dau Seliugen..—tschaft Rechnung in trezen. Die müsse Jeder seine Hand bieten. Es freue ihn deshalb, daß die beiden liberalen Parteien gemeinsam vorgehen, um den Kreis Solingen endlich einmal wieder liberal vertreten zu sehen. Was nun die Fragen betreffe, die an den Kandidaten gestellt werden, so sei es nicht leicht, dieselben zu beantworten. Als er gebeten wurde, die Kandidatur zu übernehmen, habe er zuerst gedacht, wo er die nöthige Zeit hernehmen solle. Allein er habe sich trotzdem entschlossen und nur um das Eine habe er gebeten, daß man Solingen in der Reihe der Wahlversammlungen zuletzt nehmen solle, denn die Solinger Wähler würden, wenn seine Stimme versagen sollte, gewiß auf eine Wahlrede seinerseits verzichten. Die brennenden Fragen, die den Reichstag beschäftigen werden, sind in erster Linie die Handelsverträge, die auch dem Kreise Solingen am nächsten stehen. Fünf von den Verträgen seien bereits gekündigt und bei der Neuschaffung derselben müsse darauf gesehen werden, daß sie möglichst günstig und langdauernd sind. Sie seien manchmal ein Bindemittel, um den Frieden zu erhalten, aber insbesondere seien sie für den Unternehmer günstig. Wenn die Handelsverträge aber der Industrie zu Nutze kämen, so dürfe man nicht so viel beanspruchen, daß dadurch andere Erwerbszweige, inesind die In. 2 1/ uue—.. Di ist unserer Landwirthschaft Richnung zu kugen. Die Interessen der Landwirtbschaft müssen gedeihlich gefördert werden; es ist zum Besten unserer Industrie. Denn wenn die Landwirthschaft sich gedeihlich entwickelt, kann der Landmann auch besser bezahlen und ist ein guter Abnehmer in der Industrie. Die Industrie hat auch viel zu kämpfen gehabt und sorgen müssen, wie sie wohl weiter komme. In den letzten Jahren hat sich dieselbe in unserm Vaterlande aber in ersprießlicher Weise entwickelt. Die Industrie hat aber auch viele Lasten zu tragen gehabt und es giebt wohl kaum jemand, der nicht von den Konjunkturen der Industrie abbängt. Kaum ist etwas neues zemacht, so entstehen Konkurrenz=Produkte, von der eigenen oder von einer fremden Nation werden neue Patente erworben und das erstgemachte Fabrikat nimmt nicht mehr die Stellung ein, die es vorher hatte. Aber auch die Landwirthschaft hat schwere Jahre durchzemacht; es muß deshalb unsere Aufgabe sein, Hand in Hand mit der Landwirthschaft zu gehen, damit unser Vaterland sich weiter entwickelt und auf der Höhe bleibt, die es einnimmt. Blicken wir z. B. zurück auf die Stellung, die unsere Nation vor 30 Jahren einnahm. Da war Deutschland bei den andern Nationen nichts! Ich bin in England geboren und habe in meinen 1 ersten Schuljahren Zeiten durchlebt, die man jetzt nicht mehr kennt. Damals wurde, wenn es hieß„das ist ein Deutscher" das Wörtchen„German“ mit Hohn ausgesprochen; wer jetzt als Deutscher die Schule in England besucht, wird das Wort in ganz anderer Betonung hören; es liegt auf dem Wort der Ausdruck der Hochachtung. Das„Made in Germany“, das die Engländer auf deutsche Waare geprägt verlangten in dem Glauben, daß dadurch die englische Industrie gefördert werde, hat durch die gute Qualität der Waare Deutschlands Ansehen gehoben. Die erzwungene Bezeichnung war das Beste, was für das deutsche Fabrikat geschehen konnte; ohne die Bezeichnung wird überhaupt fast nichts mehr vom Auslande bestellt. Dies muß aber für uns ein weiterer Sporn sein, die Industrie in unserem Vaterlande zu heben. Ich habe vor 9 Jahren eine Reise um die Welt gemacht und war vor einigen Jahren geschäftlich in Indien anwesend. Durch diese Reisen bin ich am besten in der Lage zu sehen, welche Hochachtung sich der Deutsche in aller Welt gesichert, besonders hinsichtlich der Industrie und der Landwirthschaft, auch was wissenschaftliche Studien anbelangt. Deshalb sollten wir auch darauf dringen, daß die landwirthschaftlichen Schulen hochgehalten werden. Ich muß leider mein Bedauern darüber aussprechen, daß das ier nicht geschieht, z. B. wird die Schule in Wülfratt viel zu gering geachtet und unterstützt. Ich habe die dringende Bitte an Sie zu richten, sorgen Sie dafür, daß Ihre Söhne die Schule besuchen, es ist kein mechanisches Lernen, es ist ein gründtiches Eindringen in die Erfordernisse der Landwirthschaft, was dort in den Menschen hineingelegt wird. Die Landwirtbschaft muß sich zu fördern suchen. Lassen Sie mich z. B. nur auf das Obst hinweisen; der Import an frischem Obst betrug im letzten Jahre 23 Millionen Mark, an getrocknetem Obst 13 Millionen Mark, d. s. 36 Millionen Mark, dagegen betrug der Erport nur 4 Millionen Mark. M. H., derartige Zahlen sino ernste Zahlen. Hier ist ein wunder Punkt. Hier muß weiter gearbeitet werden.— Jeder Fabrikant, der vorwärts strebt, wartet nicht, bis ihm das Glück in den Schooß fällt, sondern er überlegt in Ruhe, der Artikel muß so und so aufgebaut, es muß so vorgebaut werden, und trifft dementsprechend seine Maßnahmen. Nur durch positives einstes Arbeiten ist das Vorhandene geschaffen worden und nur durch positives ernstes Arbeiten kann das Geschaffene erhalten bleiben. Wenn ich auf die Thätigkeit der Parlamente zurückgreife, so muß ich diejenige der liberalen Parteien in den Vordergrund stellen. Im preußischen Landtag— ich habe die Ehre, Ihren Abgeordneten Herrn von Eynern zu meinen Freunden zu zählen— sind wir immer für die liberalen Interessen eingetreten; ich brauche nur auf das Vereinsgesetz hinzuweisen. Es muß ein Gesetz zu Stande kommen, das die freiheitliche Entwickelung wahrt. Für die freiheitliche Entwickelung sind unsere Parlamente immer eingetreten. In der letzten Zeit ist auch über die Handlungen unseres Kaisers gesprochen und gefragt worden, ob wir in einer gleichen Lage ebenso gehandelt haben würden? Ich habe hier ganz besonders die Thätigkeit unseres hohen Monarchen hervorzuheben. Wenn wir auf die vergangenen 10 Jahre zurückblicken, welche Erfolge haben wir da erzielt? Unter einem solchen Monarchen kann die Industrie blühen und einer glücklichen,, prosperirenden Zukunft entgegensehen. Bei einem Monarchen, der so handelt, kann das große Fazit nur zu Gunsten Deutschlands sein. War es doch ein deutscher Prinz, der zuerst am chinesischen Hofe empfangen wurde; was haben da die Engländer neidisch geblickt. Ein deutscher Fürst hat zuerst das undurchdringliche Band zerbrochen und hat die Thätigkeit für Deutschland im Osten in eine gesicherte Basis und eine gesicherte Zukunft gelenkt. Für solche Errungenschaften ist unser Kaiser in erster Linie allczeit freudig eingetreten. Besonders an unsere Jugend möchte ich die Bitte richten, sich mit den ernsten Fragen des Lebens zu befassen; an die Jugend möchte ich die Mahnung richten, daß sie sich bewußt ist, daß ihr als großes Streben obliegt, das hochzuhalten, was von unseren Vätern geschaffen ist. Unsere Väter sind es, die in erster Linie gekämpft haben, und wir sind ihnen hierfür von Herzen Dank schuldig. Die jüngere Generation muß nicht sowohl auf die Schaffung des eigenen Familienglücks, als auch auf die Erhaltung des Vaterlandes bedacht sein; dies kommt uns Allen zu Gute. Durch die Vermeidung von Gehässigkeiten werden Kriege und damit auch andere Opfer dem Vaterlande erspart. Bei der Flottenfrage ist von großen Kosten gesprochen worden; diese Kosten kommen aber nur uns selbst wieder zu gute. Bis zum Jahre 1904 kommen jährlich 50“: Millionen Mark fast ausschließlich unserer Fortentwickelung bezw. unserem Handwerkerstande zu gute. Für Ersatzbauten sind 40 Millionen Mark ausgesetzt, die ebenfalls der Handwerker erhält. Durch die Schaffung von Arbeit wird die Auswanderung verhütet, ein Vortheil, der auch nicht zu verachten ist. Was die Erportindustrie anbelangt, so steht Deutschland auch hier hoch. Ich habe da einen Bericht eines englischen Konsuls vor mir liegen, in dem dieser an seine Regierung berichtet, die britischen Kaufleute stehen nicht mehr auf der Höhe der Zeit. Den Deutschen wird in dem Bericht Anerkennung gezollt und besonders betont, daß Deutschlands Handel seiner militärischen Stärke die gegenwärtige Blüte verdankt. Das letzte Parlament hat uns auch neue günstige Handelsverträge, sowie das Bürgerliche Gesetzbuch gebracht; bei letzterem muß jedem Deutschen das Herz aufgehen, denn es genießt darnach jeder Deutsche gleiches Recht. Wie sehr hier eine Aenderung nöthig gewesen ist, geht daraus hervor, daß z. B., als ich noch in Würzburg wohnte, damals 13 verschiedene Rechte bestanden. Solche Verhältnisse giebt es aber auch heute noch. Im nächsten Parlament wird wahrscheinlich ein Kampf um das Privilegium der Reichsbank entstehen; wir als Industrielle müssen für das Fortbestehen derselben eintreten. Wir im Landtag treten auch für die bessere Besoldung der Unterbeamten ein. Es ist eine bezügliche Eingabe zu erwarten, die wir auch durchführen werden. Wer werden auch für die Aufrechterhaltung der Stabilität der Goldwährung eintreten und ferner dafür, daß die Ortszulagen für die Beamten anders geregelt werden. Die Eintheilung in Servisklassen ist nicht die richtige; eine Stadt darf hier nicht nach der Einwohnerzahl, sondern muß nach den Theuerungsverhältnissen geschätzt werden. Hier bestehen unhaltbare Zustände. Der Beamte in Vohwinkel z. B. erhält ungerechtfertigterweise weniger als der in Köln 2c. Schließlich ist vor Allem Ihr Zusammengehen gut, wenn Sie es auch nicht erreicht haben, daß alle 3 Parteien vereinigt sind. Es ist schon von großem Vortheil, daß die Liberalen fest entschlossen sind, für ihren Kandidaten einzutreten und auch, daß die Zentrumspartei in einer engeren Wahl eventuell für Herrn Sabin eintreten wird. Ich habe mich gefreut über Herrn Sabin, über sein positives„Ja" und„Nein“. Er hat nicht eine allgemeine Rede gehalten, die auf sog. Stimmenfang ausgeht; er hat sich nicht damit abgegeben, die eine oder andere Partei zu kritisiren, er hat einfach gesagt, das ist das Ziel, das suche ich zu erreichen! Es wird wohl Jedem Ruhe im Herzen einkehren, wenn er bei der Wahl am 16. Juni den Zettel„Sabin“ in die Urne wirft; er kann dann mit dem ruhigen Bewußtsein nach Hause gehen, seine Pflicht gethan zu haben. Gehen Sie am Wahltage an die Urne, lassen Sie sich nicht abhalten durch geschäftliche Pflichten, wie sie auch sein mögen, sondern führen Sie den Gang aus. Wir stehen wieder vor einem Kulminationspunkt in der Entwickelung unseres deutschen Vaterlandes; versäumen wir nichts, damit wir unser Ziel erreichen: Ein starkes, geschlossenes Vaterland. Ich schließe mit dem Wunsche, dieses Vaterland möge gedeihen und blühen und möge vor Allem Ihr Kandidat, Herr Sabin, im Verein mit uns zum Blühen und Gedeihen des Vaterlandes mitwirken können. Herr Sabin, er lebe hoch, hoch, hoch! Für diese Ausführungen, denen die zahlreiche Versammlung mit großer Aufmerksamkeit folgte, und die von tiefem patriotischen Geiste durchweht waren, dankt im Namen der Versammelten Herr Franz Peres dem Herrn Redner, der seinerseits die Hoffnung ausspricht, daß alle Männer nur das Bestreben haben, weiter zu wirken in dem Sinne„Deutschland, Deutschland über alles!“ Herr Albrecht Osberghaus hierselbst hatte im Sinne, das Hoch auf Herrn Sabin auszubringen. Nun sei ihm Herr Dr. Böttinger zuvorgekommen. Er spreche nun dem Wahlkomitee seinen Dank aus, daß es ihm gelungen sei, einen ehrenwerthen Mann zu finden, der das Mandat übernehme. Er bitte die Anwesenden, auf die Mitglieder des Wahlkomitees zu toasten. Das begeisternde, nochmals warm für die liberale Sache eintretende Schlußwort spricht Herr Franz Peres. Herr Böttinger habe ans Herz gelegt, selbst, wenn Jemand am Wahltage eine dringende geschäftliche oder andere Verhinderung haben sollte, doch seine Pflicht nicht zu vergessen und an der Wahlurne zu erscheinen. Die liberalen Parteien hätten einen schlimmeren Feind noch zu bekämpfen, als die Sozialdemokratie, die Gleichgültigkeit in den eigenen Reihen. Diesen Vorwurf könne man sich nicht ersparen. Er richte die dringende Bitte an die Anwesenden, nicht indifferent zu bleiben den Mitbürgern gegenüber, sondern Jeder solle die wenigen Stunden noch dazu benutzen, um auch seinen Freund zur Wahlurne zu bringen. Diese kleine Pflicht könne Jeder noch übernehmen. Wenn man in Solingen nur die Hälfte der Stimmen erringe, dann sei sichere Aussicht vorhanden, daß anstatt der rothen Fahne, die jetzt wehe, die schwarz=weiß=rothe auf unseren Bergen flattern werde. Das ist ein Preis, um den Jeder ringen muß.„Mag der Sozialdemokrat hinausziehen in den Kampf mit dem Rufe:„Es lebe die internationale Sozialdemokratie,“ wir rufen:„Deutschland, Deutschland über alles.“— So hat denn Herr Sabin auch in seiner Vaterstadt gesprochen. Die große Versammlung, an welche er seine Worte richtete, bewies, in welch hohem Grade Herr Sabin in weiten Kreisen der Bevölkerung Liebe und Achtung genießt. Getrost mag er deshalb dem Wahltage entgegensehen, denn noch Viele, die in der Versammlung nicht anwesend waren, werden morgen ihre Stimme ihrem Mitbürger nicht versagen, dessen höchstes Bestreben ist, durchdrungen von Uneigennützigkeit und Liebe zum gemeinsamen großen deutschen Vaterlande die Interessen aller Stände zu heben und zu pflegen. Rheinland und Elberfeld, 13. Juni. Eine Brieftaube mit drei Beinen besitzt Herr Färbereibesitzer Polhaus. Das Thier ist bereits 14 Tage alt. Das dritte Bein hat 6 Zeben und steht hinter den beiden anderen. — 13. Juni. Auf dem Gebiete der Hypnose und Suggestion führte im hiesigen freien Lehrervereine Lehrer R. Engel interessante und bedeutungsvolle Versuche vor, die er an einer Reihe von Schülern vornahm, die mit sprachlichen Gebrechen, wie Stottern, und häßlichen Angewohnheiten, z. B. Nägelkauen, behaftet waren. Knaben, denen das Sprechen die größte Schwierigkeit machte, versetzte Engel im Handumdrehen in hypnotischen Schlaf, suggerirte ihnen, daß sie von jetzt an gar nicht mehr stottern könnten, sprach ihnen einige schwierige Wörter vor, die sie ganz geläufig nachsagten, weckte sie dann auf, und der Erfolg war ein ganz auffälliger, da die Knaben ohne jeden Anstoß ganz korrekt mehrere Gedichte deklamiren konnten. Ganz ergötzlich war die freudige Verwunderung der Kinder über ihr eigenes Können. Dadurch, daß ihr Selbstbewußtsein gestärkt ist und die Furcht vor dem Eintreten des Stotterns genommen, ist die beste Gewähr für eine dauernde Heilung gegeben. Engel versicherte, nach mehrmaliger Suggestion die vollständigen Erfolge regelmäßig erreicht zu haben. Die Methode Engel's, die absolut gefahrlos und ohne jede Beschwerde sein soll, verdient unbedingte Beachtung. Der Elberfelder Lehrerverein wird sich in nächster Zeit eingehender mit der Angelegenheit befassen. Hückeswagen, 13. Juni. In einer Tuchfabrik hierselbst fand man am Samstag Abend einen unverheiratheten Arbeiter, der einen Schädelbruch erlitten hatte und in der sogen. Kartenstube bewußtlos lag. Der Unglückliche verstarb nach einigen Stunden. Auf welche Weise er sich die Verletzungen zugezogen hat, weiß man nicht, man wurde erst auf ihn aufmerksam, als das Weik stillstand und man lautes Stöhnen vernahm. Frankfurt, 14. Juni. Gestern wurde auf der Landstraße das 2½jährige Söhnchen des Tagelöhners Lösch von einem Lastwagen überfahren. Das Kind erlitt schwere innere und äußere Verletzungen und starb sofort. Der Führer des Wagens wurde verhaftet. St. Johann, 14. Juni. Im Steinbruch bei Sulzbach wurden durch Rutschen des Gesteins drei verheirathete Arbeiter verschüttet. Sie waren sofort todt. Düsseldorf, 15. Juni. Zu dem übermorgen, Freitag stattfindenden Blumen=Korso sind zahlreiche Anmeldungen erfolgt und darf man auf die Veranstaltung, zu der die herrlichen Hofgartenanlagen eine reizende Umrahmung bilden, gespannt sein. Die Aufstellung der Wagen erfolgt auf dem Ererzierplatze. Von dort geht die Fahrt durch die Königsallee, Hofgartenstraße, Goltsteinstraße zur Jägerhofallee. Hier soll sich die eigentliche Blumenschlacht entwickeln. Während des Korsos konzertiren die Trompeterkorps des hiesigen Husaren= und UlanenRegiments. Aus Anlaß des Blumen=Korsos veranstalten die Verwaltungen der städtischen Tonhalle und des Zoologischen Gartens Abends große Garten=Konzerte. — Anmeldungen von Wagen sind an den Vorsitzenden des Komitees Major Grafen zu Dohna einzusenden. Es sei besonders betont, daß auch Miethwagen, wenn sie entsprechend mit Blumen rc. geschmückt sind, an der Korsofahrt theilnehmen können und erwünscht sind; numerirte Wagen sind ausgeschlossen. Ruhrort, 12. Juni. 2 Arbeiter der hiesigen großen Eisenhütten begaben sich gestern nach des Tages Arbeit unverzüglich an den Rhein. Mit ihrem erhitzten Körper werfen sie sich in die kühlende Fluth. In Folge der plötzlichen Abkühlung geräth einer von ihnen in Lebensgefahr; der Kamerad schwimmt dem verzweifelt Ringenden zu, sie umklammern sich und beide sinken in die Tiefe. Daheim trauern nun brave Eltern und eine jugendliche Wittwe. Die Unbesonnenheit der jungen Leute hat sich gewiß bitter gerächt, aber anderseits muß man bedenken, daß die Bade=Gelegenheit an den meisten Arbeitsstätten nicht ausreicht, um das wirklich große Bedürfniß zu befriedigen. Sanitäre strebungen nach dieser Richtung verdienen deshalb wirksame Unterstützung sowohl von Seiten der Privaten wie der Behörden. Duisburg, 13. Juni. In einer Versammlung unter dem Vorsitze des Herrn Oberbürgermeisters wurde die Gründung einer Heilstätte für unbemittelte Lungenkranke beschlossen. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 15. Juni. *— Herr Amtsrichter Tücking hierselbst ist zum Vorsitzenden und Herr Amtsrichter Gerber hierselbst zum stellvertretenden Vorsitzenden der hiesigen Schiedsgerichte der Arbeiterversicherung ernannt worden. — Am Samstag Abend soll im Saale der„Reichspost" am Schlagbaum ein Wohlthätigkeits=Konzert veranstaltet werden, welches gewiß um seines edlen Zweckes willen der Betheiligung weiterer Kreise sicher sein darf. Der Ertrag desselben wird dem durch einen Unfall bei der Arbeit seiner Erwerbsfähigkeit beraubten Sohne und einzigen Ernährer hochbetagter und schwer leidender Eltern zu Gute kommen, der im städtischen Krankenhause einer durch den bitteren Ernst der familiären Umstände gewiß besonders bemitleidenswerthen Leidenszeit ausgesetzt ist. Wir hoffen, daß der bekannte Wohlthätigkeitssinn der Solinger sich in diesem Falle in reichem Maße bewähren und den Veranstaltern des Konzerts, den Siegern vom Wettturnfest des Dorp=Schützenhöher Turnvereins ein volles Haus bescheeren wird. Mitwirkende bei dem edlen Unternehmen sind mehrere geschätzte hiesige Sänger und der Dorp=Schützenhöher Turnverein in seiner Gesammtstärke. — Das gestern Abend im Gart n des Herrn F. W. Bungards am Grünewald verartstaltete MonstreFeuerwerk hatte ein zahlreiches Publikum angezogen. Wenn das Wetter der Veranstaltung selbst auch nicht ungünstig war, so machte sich die abendliche Kühle doch unangenehm bemerkbar, und fröstelnd erwartete man den Anfang des Feuerwerks, das jenseits des Teiches abgebrannt werden sollte. Die Musikvorträge des Solinger Instrumental=Vereins vor und nach dem Schaustück boten angenehme Unterhaltung und wurden dankbar aufgenommen. Als endlich nach 11 Uhr das Feuerwerk begann, lohnten die einzelnen Nummern desselben das lange Warten durchaus, und viel Beifall wurde dem Kunstfeuerwerker Herrn Schwiegerling zu Theil. Besonders imposant war der Schlußeffekt, das„Bombardement von Santiago", wobei eine ungeahnte Farbenund Feuerpracht das Abenddunkel erhellte. — Der Zirkus A. Lobe hat sich des geringen Besuches wegen nicht lange hier aufgehalten. Heute gibt er bereits seine Eröffnungs=Vorstellung auf dem Ererzierplatze in Düsseldorf. — Die Wupper= Fährstation am Wiesenkotten entspricht nicht den Anforderungen, die bei lebhaftem Verkehr an Sonntagen von Seiten des Publikums an sie gestellt werden. Erst neulich wurde in einem Elberfelder Blatte über die an den Pfingsttagen hervorgetretene Unzulänglichkeit der vorhandenen Verkehrs=Einrichtungen Klage geführt. Neuerdings sind, wie der Behörde gemeldet wurde, die Kähne sogar mit Wasser angefüllt. Da eine bequeme Verkehrsverbindung aber nicht allein für den ½ Stunde entfernten Zielpunkt vieler Ausflüge, Burg, sondern auch für die benachbarten Ortschaften auf Solinger Gebiet(Dorperhof, Schaberg 2c.) von Wichtigkeit ist, findet heute durch den Herrn PolizeiInspektor Kircher eine Ortsbesichtigung zwecks Prüfung und Abstellung von Uebelständen statt. — Der Verein der Kommunalbeamten der Rheinprovinz hielt am Sonntag in Köln seine diesjährige ordentliche General=Versammlung ab. Der Zentral=Verband hat an das Staatsministerium eine Petition gerichtet behufs Gleichstellung der Kommunalbeamten mit den unmittelbaren Staatsbeamten. Die Staatsregierung hat einen Gesetz=Entwurf betr. Regelung, Pensionirung u. s. w. der Kommunalbeamten ausgearbeitet und den einzelnen Regierungen des Königreiches, den Landräthen und den Oberbürgermeistern einzelner Städte zur Begutachtung übersandt. Der Provinzial=Verband der Kommunalbeamten hat nach Kenntnißnahme dieses Entwurfes der kgl. Staatsrezierung durch den ZentralVerband seine Sonderwünsche darlegen lassen. Der Zentral=Verband zählt heute etwa 5500 Mitglieder. Ueber die Thätigkeit des Provinzial=Verbandes wurde Folgendes mitgetheilt: Am 1. April hat sich Westfalen getrennt und selbstständig gemacht. Zwei Bezirke des ProvinzialVerbandes haben sich in äußerst günstiger Weise entwickelt, nämlich Düsseldorf und Trier. Die Hauptversammlung des Zentral=Verbandes wird am 20. und 21. August ds. Irs. in Köln abgehalten; für dieselbe wurden mehrere Anträge vorbereitet; u. A. soll der Zentral=Verband der Kommunalbeamten als solcher aus dem Verbande deutscher Beamten=Vereine ausscheiden, da die vom Verbande gewährten Vergünstigungen in keinem gerechten Verhältniß zu den geleisteten Zubußen stehen. Als Ort der nächsten ordentlichen Hauptversammlung des Provinzial=Veibandes wurde Trier gewählt. — Gemäß Kundmachung des deutschen Eisenbahnverkehrsverbandes wird für folgende Ausstellungen eine Frachtvergünstigung gewährt: 1. Ausstellungen von Feuerwehrrequisiten und Löschmaschinen in Blomberg am 3. und 4. Juli dss. Is. Die Vergünstigung gilt für die preußischen Staatsbahnen. 2. Hundeausstellung in Gießen am 18. und 19 Juli dss. Is. Die Vergünstigung gilt für die preußischen Staatsbahnen. 3. Hundeausstellung in Seesen am Harz. Die Vergünstigung gilt für die Eisenbahndirektionsbezirke Frankfurt, Kassel, Magdeburg, Hannover, Münster, Halle, Erfurt, Köln, Elberfeld, Essen und Altona. 4. Geflügelausstellung in Stade am 17. Juli dss. Is. Die Vergünstigung gilt für die preußischen Staatsbahnen. — Die Rücksendungsfrist für jede dieser Ausstellungen beträgt vier Wochen. — Ausflügler beobachteten am vergangenen Sonntag sowohl auf der Hinnenbergerhaide bei Vörde als auch auf einem Waldwege in der Nähe von Dahl je eine Kreuzotter(nicht etwa eine Ringelnatter oder gar Blindschleiche). Da durch das Vorkommen dieser Schlangen ir unsern Berzen namentlich zur jetzigen Jahreszeit immerhin eine Gefahr vorhanden, ist, namentlich aber für Kinder beim Blumen= oder Beerenpflücken, so sei auf das Vorkommen dieser giftigen Reptile nachdrücklich hingewiesen. * Höhscheid, 15. Juni. Für das in den Tagen vom 18.—21. Juni stattfindende Schützen= und Volksfest des Höhscheider Schützen=Vereins hat derselbe die Kapelle des Infanterie=Regiments Vogel von Falkenstein Nr. 56 gewonnen. Am Samstag Abend tundet im Festzelt Frei=Konzert statt, das durch Liederspenden der Gesang=Vereine Höhscheider Männer=GesangVerein, Eintracht=Hingenberg, Solinger Männer=Quartett und Eintracht= Katternbergerstraße verschönert wird. Schützenkönig ist Herr Karl Plöhn, Kaiserstraße, Vermischte Nachrichten. Hann. Münden, 11. Juni. Heute ertrank in der Werra der 21 jährige Sohn des Ackermanns Stöckmann in Wiershausen. In Gemeinschaft mit mehreren Landleuten hatte der Ertrunkene Schafe gewaschen. Als das Waschen beendet war, versuchte er mit der Kleidung die Werra zu durchschwimmen. Er gerieth dabei in einen Strudel und sank. Papenburg, 13. Juni. Aus der Familie des Landwirths Heykens entfernten sich gestern die beiden 6 bezw. 8 Jahre alten Mädchen, um im Freien zu spielen. Von da ab sind die Kinder verschwunden. Schließlich fand man die Leichen der Kleinen im Kanal vor dem elterlichen Hause. Wie die Kinder in den Kanal gerathen sind, konnte bis zur Stunde nicht aufgeklärt werden. Berlin, 13. Juni. Dem„Reichs=Anzeiger zufolge wurden auf den deutschen Eisenbahnen— ausschließlich Bayerns— im April 48 Personen getödtet und 88 verletzt. — 14. Juni. Die Unsitte der Kinder, sich an Wagen anzuhängen, hat wieder einmal einem Knaben das Leben gekostet. Vor einigen Tagen spielte ein 11 Jahre alter Schüler mit 2 Altersgenossen in der Usedomstraße. Als ein mit leeren Kisten beladener Rollwagen die Straße entlang gefahren kam, hängten sich die Knaben hinten an. Als der Kutscher das merkte, ließen sie los, dem einen fiel aber eine Kiste nach und auf den Unterleib. Die Verletzungen waren so schwer, daß er ihnen erlegen ist. — 14. Juni. Ein seltsamer Fall von Kleptomanie hat im hiesigen Thiergartenviertel eine ganze Familie in eine peinliche Lage versetzt. In dem Haushalt einer dortigen Bankierswittwe wurden schon seit geraumer Zeit nicht nur Geld und Geldeswerth, sondern auch Wein und andere Dinge gestohlen. Die mit großem Raffinement ausgeführten Diebstähle mußten unbedingt von einem Hausgenossen ausgeführt sein. Den Dienstboten sagte man schließlich die Diebstähle auf den Kopf zu, ohne allerdings dafür Beweise zu haben. Diese verwahrten sich auf das entschiedenste gegen eine solche Unterstellung, verabredeten aber heimlich, sich auf die Lauer zu legen. Ihre Bemühungen waren sehr bald von Erfolg gekrönt. Die im Hause zum Besuch anwesende Tochter der Bestohlenen, die Ehefrau eines notorisch reichen Mannes, wurde nämlich dabei abgefaßt, als sie mittelst Nachschlüssels ein Spindchen öffnete, in welchem ihre Mutter Geld aufzubewahren pflegte. Diese überraschende Entdeckung hat natürlich die gesammte Familie in furchtbare Aufregung versetzt. Die abgefaßte Diebin räumte ihren Verwandten gegenüber sämmtliche Diebstähle ein. Mannheim, 14. Juni. In Altheim barst bei dem Kriegerfest ein Böller, wodurch ein 15jähriger Knabe getödtet, einem andern ein Fuß abgeschlagen, fünf weitere Knaben mehr oder minder schwer verletzt wurden. Darmstadt, 13. Juni. Gestern wurde in einer Scheuer ein Hauskursche mit einer Schußwunde im Kopfe todt aufgefunden. Ein in demselben Hause beschäftigter Bäckergeselle meldete sich zu derselben Zeit auf dem Polizeibureau. Er hatte eine Schußwunde am Kopfe. Bei seiner Vernehmung hat der Bäckergehilfe zugestanden, daß er den Hausburschen auf dessen Verlangen erschossen habe. Dann habe er aus Angst Hand an sich selbst gelegt. Der Hausbursche hatte sich einer Unterschlagung zum Nachtheile seines Arbeitgebers schuldig gemacht und trug sich in letzter Zeit mit Selbstmordgedanken. Nürnberg, 12. Juni. In einer Wirthschaft kam es beim Kartenspiel wegen 40 Pfg. zum Streit, da ergriff einer der Mitspielenden sein Messer und versetzte einem Manne einen Stich gegen den Hals, daß sofort der Tod eintrat. In einer anderen Wirthschaft spielte das Messer eine derartige Rolle, daß die Sanitätskolonne 4 Personen, darunter einige Personen schwer verletzt, in's Krankenhaus verbringen mußte. Freising, 12. Juni. Wegen Theilnahme an Schülerverbindungen sind nicht weniger als 22 Schüler des hiesigen Schullehrerseminars zur Anzeige gebracht worden. Jeder der„Verbündeten erhält 5 Stunden Karzer, außerdem Entziehung der Stipendien und einen Vermerk im Austrittszeugniß. Das Inventar, das einen Werth von 400 M. repräsentirt und in Dachau, wo auch ein Kommers stattfinden sollte, im Verwahr sich befand, wurde beschlagnahmt. Marseille, 13. Juni. Gegen einen bekannten hiesigen Kaufmann ist die strafgerichtliche Untersuchung eingeleitet worden, weil er einen schwindsüchtigen Angestellten unter Unterschiebung eines Strohmannes bei Pariser und Londoner Lebens=Versicherungsgesellschaften für 1300000 Franks versichert hatte. Kiew, 14. Juni. Auf der Südwesteisenbahn entgleiste in der Nacht auf Montag ein Personenzug auf hohem Bahndamme. Die Lokomotive, der Tender und die zwei ersten Personenwagen stürzten in einen Sumpf herab, die übrigen Wagen blieben auf dem Damm. Fünfzehn Passagiere und zwei Bahnbedienstete erlitten zum Theil schwere Verletzungen. (Eine kaltblütige Prinzessin.) Dem Bericht eines Londoner Blattes zufolge ist Prinzeß Viktoria von Schleswig=Holstein dieser Tage mit knapper Noth einer Todesgefahr entronnen, und zwar hat sie die glückliche Rettung nicht zum wenigsten der eigenen Besonnenheit zu verdanken. Die Prinzessin hatte einen Besuch bei ihren Verwandten in Aldershot abgestattet und kehrte in Begleitung ihrer Hofdame und eines Lakaien nach dem Buckingham=Palaste zurück. Auf dem Wege zur Station Farnborough kollidirte ihre Equipage mit einer Droschke, das Pferd scheute und ging durch. Der Kutscher wurde, trotz aller Bemühungen, sich auf seinem Sitz zu halten und das wie wahnsinnig dahinrasende Thier zu zügeln, abgeschleudert und erlitt nicht unerhebliche Verletzungen. Der Lakai hielt es für rathsamer, bei Zeiten abzuspringen, was jedoch nicht ohne nachtheilige Folgen für ihn von Statten ging. Prinzessin Viktoria aber schien nicht einen Moment die Fassung zu verlieren; sie blieb in dem dahinsausenden Gefährt sitzen und hielt auch ihre Begleiterin davon ab, etwas Unvernünftiges zu thun. Die tolle Fahrt nahm denn auch einen verhältnißmäßig glücklichen Verlauf, iudem der Durchgänger zuletzt mit voller Heftigkeit geben eine Signalstange rannte. Durch den kolossalen Anprall wären die Infassen sicher aus dem Wagen geschleudert worden, wenn sie sich nicht mit aller Energie festgehalten hätten. Zitternd von der Aufregung und Anstregung, aber vollkommen unverletzt, verließen die beiden Damen das unglückselige Gefährt und benutzten die Bahn, um nach London zu gelangen. (Ein Barackenlager für den Kaiser) ist hergestellt worden, um zunächst in Helgoland aufgeschlagen zu werden; das hier auszuprobirende Lager soll vom Kaiser nach Palästina mitgenommen werden. Kürzlich wurde das auf dem Hof der alten Kürassierkaserne in Berlin aufgestellte Lager von dem Generalarzt der Armee v. Coler, dem Leibarzt des Kaisers Dr v. Leuthold und einigen höheren Militärärzten einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Das Lager besteht aus drei Zeltbaracken. Eine enthält Schlafgemach und Toileltezimmer, * * zie andere bildet den Speisesaal und die dritte dient als Wirtbschaftsraum. Ein ähnliches Barackenlager soll für die Kaiserin hergerichtet werden.— (ueber eine Piratenjagd in Kiautschau) wird der„N. H. Z. von dort geschrieben: Einen sehr guten Fang machte der Kreuzer„Prinzeß Wilhelm“ Ein Kommando, bestehend aus 1 Maaten und 3 Matrosen, war abkommandirt, um zwei verdächtige Dschunken, etwa so groß wie bei uns ein Zweimastschoner, zu untersuchen. Es war nämlich vor längerer Zeit vorzekommen, daß Dschunken chinesische Soldaten gelandet hatten, die einen Ueberfall auf das Pulvermagazin ausführten. Dieses ist schon mehrere Male überfallen worden, jedoch stets ohne Erfolg. Die Matrosen begaben sich an Bord einer dieser Dschunken; an Deck waren nur wenige Chinesen zu sehen. Die 3 Matrosen untersuchten nun die Dschunke, während der Maat an Deck blieb. Plötzlich wurde er hinterrücks überfallen und zu Boden geschlagen. Durch dies Gepolter und Geschrei, ohne das die Chinesen ja nichts machen können, merkten die drei Matrosen, daß an Deck die Sache nicht in Ordnung sei. So schnell wie möglich kamen die Braven ihrem Maaten zu Hilfe. Ein Chinese hatte schon sein Messer erhoben, um den Maat zu erstechen. Zur rechten Zeit aber kam noch einer der Matrosen an Deck; dieser riß sofort sein Gewehr an die Backe und schoß den Chinesen über den Hausen, so wurde dem Maat das Leben gerettet. Gleich darauf waren auch die anderen Matrosen am Platze und schlugen mit dem Kolben links und rechts auf die Chinesen ein und befreiten ihren Kameraden, der auch wieder zu sich gekommen war. Alle vier gingen in ihr Boot, den Rückzug durch fortwährendes Schießen deckend. Auf den Dschunken setzte man alle Segel, um schleunigst fortzukommen. Der Vorgang wurde dem Gouvernement telephonisch gemeldet, worauf der„Prinzeß Wilhelm“ signalisirt wurde, auf die Dschunken Jagd zu machen. Als dies an Bord unseres Kreuzers bekannt wurde, herrschte eine große Aufregung, besonders unter den Matrosen. Letztere alle an Deck zum Ausluven, Maschigenpersonal in dem Maschinenraum, um eine möglichst schnelle Fahrt zu erzielen. An Deck wurden die Geschütze klar gemacht, Munition heraufgemannt, alles mit einem Eifer, als gings zur heißen Schlacht. Nach dreistündiger Fahrt bekam man die Dschunken in Sicht und nun konnten dieselben nicht mehr entkommen, da man sie ja mit einem Schuß hätte in Grund bohren können. Zuerst wurde blinder Schuß abgefeuert, um die Dschunken zu warnen. Der Schuß blieb unbeachtet, und die Fahrzeuge suchten mit aller Gewalt zu entkommen. Nun wurde scharf geschossen, von den Granaten allerdings der Zünder entfernt. Der erste Schuß ging fehl, der zweite traf den Mast, so daß derselbe sammt Takelage über Bord fiel. Die Dschunke drehte nun bei. Ein Kutter mit 20 bewaffneten Matrosen wurde zu Wasser geführt, und unsere Matrosen enterten die Dschunke. Jetzt wurde die zweite Dschunke gejagt, der mit dem dritten Schuß der Mast abgeschossen wurde, und die somit auch beidrehen mußte. Da zeigte es sich, daß die eine Dschunke mit 100 Mann, die andere mit 80 Mann besetzt war; eine jede hatte 3 Kanonen, viele Gewehre und Munition an Bord. Die Dschunken wurden ins Schlepptau genommen und nach Tsintau geschleppt. Dort wurden die Dschunken verankert und mit einer starken Wache besetzt. Die Untersuchung wurde eingeleitet und die Hauptanführer der chinesischen Regierung in Kiao übergeben, die anderen wurden entlassen. Man munkelt, die Matrosen hätten unter sich eine Runde Bier gewettet, mit dem dritten Schuß den Mast zu treffen. (Ehre dem Ehre gebührt.) Bürgermeister(zu den Musikanten):„Also geben Sie Acht. Wennich den Festplatz betrete, so intonieren Sie die Nationalhymne, denn erst mit meinem Eintritt nimmt die Viehausstellung ihren Anfang. Eingesandt. Solingen, 15. Juni. Der Wahlkreis Solingen steht nun vor der Entscheidung. Der Abgeordnetensitz in der Volksvertretung, der so lange Jahre im Besitz der Sozialdemokratie gewesen, ist neu zu besetzen und zwar diesmal unter Umständen, die einen Sieg der Sozialdemokratie unwahrscheinlich machen. Eine solche Gelegenheit sollten die bürgerlichen Parteien nicht ungenützt vorüberzehen lassen. Da gilt es, Nebensachen bei Seite zu schieben und das Hauptziel fest in's Auge zu fassen. Ein Jeder vergegenwärtige sich, was dem Vaterlande frommt. Wird denn etwas erreicht, wenn man um Sonder=Interessen willen dem Bündniß, das die liberalen Parteien geschlossen haben, aus dem Wege geht? Bei der Vielgestaltigkeit der politischen Anschauungen in unserem Wahlkreis hat nur der Kandidat Aussicht auf Erfolg, der eine gemäßigte Richtung einnimmt, der liberalen Anschauungen huldigt, der die Interessen der Arbeitgeber und Arbeitnehmer wahrt, der treu zu Kaiser und Reich steht, der die Bürgerrechte der Arbeiter nicht geschmälert wissen will, der die Handelsverträge zum Nutzen der Industrie verwerthet u. s. w. Dies alles hat unser Mitbürger zugesichert, es kann darum die Parole jedes liberalgesinnten, deutsch denkenden Mannes nur sein— der Name Louis Sabin! Nothschrei aus der Birkerstraße. Wenn in andern größeren Städten gebaut wird, so muß der Bauplatz durch einen festen Bretterzaun abgeschlossen werden, damit die Straße und die Nachbarschaft nicht im ruhigen Besitze von Reinlichkeit und Passage gestört werde. Sollte diese heilsame Ordnung sich nicht auch in unserer kulturhohen Stadt einführen lassen? Durch die zwischen Schul= und Kölnerstraße seit Monaten andauernden Ausschachtungen und Bauarbeiten ist die arme, ohnehin an Pflastermangel schwer leidende Birkerstraße auf weit hinab mit einer etliche Centimeter hohen Staublage bedeckt, die bei Regenwetter sich in einen artigen Teig verwandelt, bei Trockenheit aber in himmelansteigenden Staubwolken auch die dichtesten Fensterritzen durchdringt und die kräftigsten Lungen mit Tod bedroht. Möchte doch die wohllödl. Sanitätskommission sich nur einmal an einem windigen Tage eine Viertelstunde zwischen Wever= und Schulstraße spazierender Weise auf und ab bewegen!— Der Bürger endlich, der bei solchen Zuständen sein Haus anstreichen läßt, arbeitet vollends pour le roi de Prusse! Darum: Barmherzigkeit für die Birkerstraße! Reueste Nachrichten und Telegramme. Elbing, 15. Juni. Die italienische Regie, rung bestellte bei der Schichau=Werft 2 Torpedobootzerstörer. Paris, 15. Juni. Die Kammer nahm am Schluß der gestrigen Sitzung die Tageeordnung Ribot, welche von Meline gebilligt wurde, mit einer Mehrheit von 15 Stimmen an. Die Tagesordnung lautet:„Die Kammer billigt die Erklärungen der Regierung und ist entschlossen, eine auf die Einigung der Republikaner begründete Politik demokratischer Reformen durchzuführen.“ Bourgeois und Ricard beantragen den Zusatz:„und nur ein auf ausschließlich republikanischer Mehrheit beruhendes Ministerium zu unterstützen. Meline erklärt sich gegen diesen Zusatz. Derselbe wird unter stürmischem Beifall der Linken dennoch angenommen. Darauf Tagesordnung Ribot einsgesammt mit 284 gegen 272 Stimmen bei 556 Abstimmungen angenommen. Wie in den Wandelgängen verlautet, soll Meline erklärt haben, das Kabinet werde nach der Unterzeichnung des Nigerabkommens demissioniren. Nach der Kammersitzung begab sich Meline zum Präsidenten der Republik. — 15. Juni. Hanotaur und der englische Botschafter Mousson unterzeichneten gestern Abend die Konvention, durch welche das Nigerüber einkommen vollzogen wird. London, 14. Juni. Lord Salisbury empsing heute eine Abordnung der englischen Handelskammer, welche ihm erklärte, daß die Vortheile, welche Rußland, Frankreich und Deutschland in China erlangt hätten, dem englischen Handel schadeten und es für durchaus wünschenswerth hielt, daß England Zugeständnisse bezüglich der Eisenbahn zwischen Birman und dem oberen Thale des Yangtsekiang erhalte. Salisbury lehnte jedoch ein amtliches Vorgehen in dieser Hinsicht ab. Das Beste sei ein Privatunternehmen, um mit ausreichenden Geldmitteln dieses Zugeständniß von der chinesischen Rezierung zu erlangen. Valencia, 14. Juni. Bei der Station Minaga stießen ein Personenzug und ein Güterzug zusammen. Zahlreiche Personen wurden verwundet. Mehrere Wagen wurden zertrümmert. Washington, 14. Juni. Depeschen, welche heute Nachmittag eingeganzen sind, melden, daß die Abfahrt der Transportschiffe gestern begann. Die Bewegung wurde aber so langsam ausgeführt, daß viele Schisse sich erst heute früh in Bewegung setzten. Man glaubt, daß jetzt alle Schiffe abgegangen seien. San Franzisco, 14. Juni. Der zweite Theil der Erpedition nach den Philippinen schiffte sich heute ein und wird Morgen abgehen. SOLINGER BANK. 15. Juni. Briefe Geld Briefe Gzeie Amstd.Rttd.k.S 169.20 /168.70Atw., Bres k.S. /80.85 80.55 London„ 20.42] 20.38/Paris" 80.9080.60 Aufträge in Effecten werden prompt und zu billigen Bedingungen ausgeführt. Für die Armenier erhalten M. 2. Herzl. Dank! Dransfeld. Evangel. Vereinshaus. Donnerstag 8½ Uhr: Gebetsstunde. Gustav Adolf= und MissionsFrauen=Verein. Donnerstug: Ausflug nach Reuschenberg bei Opladen. Abfahrt vom Südbahnhof 2.10 Nachm. Angehörige und Freunde willkommen. Bekanntmachung. Der einstöckige Klassen=Anbau, 6,50 m lang und 10,10 m breit, an der Schule zu Dorperhof, soll auf Abbruch verkauft werden, und sind Angebote hierauf bis zum 20. Juni d. J. dem Stadtbauamte, Zimmer 16, einzureichen, woselbst auch nähere Auskunft über den Abbruch ertheilt wird. Solingen, den 15. Juni 1898. Der Oberbürgermeister: Dicke. Bekanntmachung. Frauen, welche geneigt sind, event. Kinder unter zwei Jahren in Pflege zu nehmen, werden ersucht, ihre Adresse Rathhaus, Zimmer Nr. 1, abzugeben. Nur solche wollen sich melden, welche in geordneten Verhältnissen leben. Solingen, 15. Juni 1898. Die Städtische Armenverwaltung. Königl. Standesamt Solingen. 14. Juni. Gevurten: Paula Wilbelmine, T. v. Schleifer Otto Röltgen, Cronenbergerstr., Laura Else, T. v. Fabrikarbtr. Paul Forst, Helenenstr., Clara, T. v. Anstreicher Otto Rittershaus, Canalstr., Emma, T. v. Bäcker Fritz Krumm, Emilienstr. Sterbefälle: Schleifer Alvert Hackländer, 57 J. verh., III. Feld. Heirathen: Friseur Aug. Elnst Kaymer, Remscheid, und Johanne Winkels hierselbst... Aufgebote: Schmieo Frieviich Carl Ramuschat und Auguste Pauline Herbertz, b. h., Bergmann Wilh. Omansick und Anna Alwine Licht, b. Heißen, Drechsler Albert Mertens, hiers. und Helene Wilhelmine Breidenbruch, Elberfeld. Gerichtlicher Vertauf. Am Donnerstag, den 16. Juni 1898, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem alten Markte zu Solingen öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: versch. Sophas, versch. Sessel, Tische, Bücher 2c. 2c. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Casinostr. 32. Stange. Gerichtlicher Verkauf. Am Donnerstag, den 16. Juni 1898, Vormittags 11 Uhr, soll auf dem alten Markte zu Solingen öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Pult. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Casinostr. 32. Stange. Bekanntmachung. Das diesjährige Aushebungszeschäft findet wie folgt statt: a) für den Aushebungsbezirk Opladen, umfassend die Bürgermeistereien Burscheid, Hitdorf, Küppersteg, Leichlingen, Monheim, Neukirchen, Opladen, Rheindorf, Richrath, Schlebusch und Witzhelden, am 20. und 21. Juni d. Is., Vormittags 8½ Uhr beginnend, im Saale des Gastwirthes Jansen zu Opladen, und zwar kommen zur Vorstellung 1. am Montag, den 20. Juni d. Is. die von der Königlichen Ersatz=Kommission bei der diesjährigen Musterung als dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen aus Liste B., die zum Landsturm I. Aufgebots in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen aus Liste C. und die zur Ersatz=Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen aus Liste v.„„ Smi 8 2. am Dienstag, den 21. Junli v. J. die als diensttauglich befundenen Militärpflichtigen aus den Listen E. und F., die von den Truppentheilen abgewiesenen, zum einjährig=freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen, sowie die in Zugang gekommenen Militärb) Für den Ausbebungbezik Solingen Land, umfassend die Bürgermeistereien Gräfrath, Höhscheid, Ohligs und Wald, am 24., 25. und 27. Juni d. Is., Vormittags 8 Uhr beginnend, in der Schützenburg hier selbst, und zwar kommen zur Vorstellung 1. am Freitag, den 24. Juni d. die bei der diesjährigen Musterung von der Königlichen Ersatz=Commission als dauernd untauglich befundenen Militärpflichtigen aus Liste B., die zum Landsturm I. Aufgebots in Vorschlag gebrachten Militätpflichtigen aus Liste C., sowie die zur Ersatz=Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen aus Liste D. von Nr. 1 bis 150. 2. am Samstag, den 25. Juni d. Js., der Rest der Militärpflichtigen aus Liste D. sowie die als diensttauglich befundenen Militärpflichtigen aus Liste E. von Nr. 1 bis 150. 3. am Montag, den 27. Juni d. Is. der Rest der Militärpflichtigen aus Liste E., die von den Truppentheilen abgewiesenen, zum einjährig=freiwilligen Dienst berechtigten Militäipflichtigen, sowie die in Zugang gekommenen Militärpflichtigen. es Ich mache noch besonders darauf aufmerksam, daß diezenigen Militarpflichtigen, welche reclamirt haben und ihre Reclamationen auf körperliche Gebrechen ihrer Eltern oder sonstiger Angehörigen gründen, diese sowohl als auch alle übrigen Familienglieder, soweit letztere das 14 Lebensjahr überschritten haben und nicht als Dienstboten pp. auswärts wohnen, der Königl. Ober=Ersatz=Kommission im Termine persönlich vorstellen müssen. Die zur Begründung von Reklamationen vorzulegenden Atteste, welche nicht von einem beamteten Arzte ausgestellt sind, bedürfen der Beglaubigung durch den Bürgermeister, welche von den Interessenten nachzusuchen ist. Leute, welche für gewöhnlich Augengläser, Bruchbänder pp. tragen, müssen diese Gegenstände im Aushebungstermine zur Stelle haben. Solingen, den 7. Juni 1898. Der Civilvorsitzende der Ersatz=Commission der Aushebungsbezirke Opladen und Solingen=Land. J. B.: de Weertb. eichstagswahl Juni sormittags von Wahlkreis Solingen findet Friwilige Verstigerung. Am Montag, den 20. Juni 1898, Vormittags 11 Uhr anfangend, werde ich im Auftrage des Kaufmanns S. Samson in Wald, in dessen Geschäftslokal daselbst, Stübbenerstraße Nr. 3 öffentlich meistbietend wegen„Wegzugs“ gegen Baarzahlung versteigern: Eine große Parthie Herrenund Knaben=Anzüge, Damenund Knaben=Wasch=Blonsen, Arbeiterhosen, Hemden, Kittel, sowie Mannfacturwaaren jeder Art, ferner eine complete Ladeneinrichtung. H. Hartmann. Rechtskonsulent und Auctionator. Solingen, Blumenstraße 39. bis Nachmittags 6 Uhr statt. Indem ich zur Theilnahme an dieser Wahl hiermit einlade, bringe ich gleichzeitig unter Bezugnahme auf den§ 8 des Reglements vom 28. Mai 1870 zur öffentlichen Kenntniß, daß die hiesige Bürgermeisterei in nach stehende sechs Wahlbezirke eingetheilt ist. Bezirk Umfaßt die Straßen und Ortschaften: Ackerstr., Altenhoferstr., Bavert, Baverterstr., Bech, Becherstr., Birkenstr., Brüderstr., Deusberg, Deusbergerstr., Garzenhaus, Häuschen, Itter, Itterstr., Mondof, Oberwalderstr., Schnitterstr., Teichstr., Tiefendick, Wever und Weverstr. Wahllokal: Schule zu Wever alte evangelische). Wahlvorsteher: Fabrikbesitzer Karl Worring. Stell vertreter: Kaufmann Christian Mertens. Bezirk 1 Umfaßt die Straßen und Ortschaften: Bäckershof, Bäckerstr., Dahl, Dahlerfeldstr., Erbolungsstr., Flurstr., Fürk, Fürkerfeldstr., Fürkerstr., Grünewalderstr., Hammerstr., Hauptstr., Herzogstr., Hofstr., Hübben, Limminghofen, Lindenstr., Mangenbergerstr., Merscheiderbusch, Poststr., Scheuren, Schmalzgrube, Schwarzenhäuschen, Taubenstr., Turnerstr., Waardt, Wallstr., Wiesenstr., Winkelstr. und Zweigstr. Wahllokal: Schule zu Merscheid(evangelisch). Wahlvorsteher: Fabrikant Ernst Lauterjung. Stellvertreter: Fabrikant Robert Peters. Brzirk II Umfaßt die Straßen und Ortschaften:„Auenberg, Badstr., Barl, Auf der Bech, Börkhaus, Brunnenstr., Eichenstr., Greuel, Heipertz, Klein Heipert, Auf der Höhe. Höhscheiderstr., Hülsen, Junkernhäuschen, Junkerstr., Lohdorf, NeuLöhdorf, Oben=Mankhaus, Unten Mankhaus, Pohligshof, Riefnacken, Schorberg, Siebels, Straßen, Tannenstr., Alten=Ufer, Neuen=Ufer und Wiefeldick. Wahllokal: Schule zu Neu=Löhdorf. Wahlvorsteher: Fabrikant August Böntgen. Stellvertreter: Gießerereibesitzer Hugo Altenpohl. Bezirk Umfaßt die Straßen und Ortschaften: Altestr., Ankerstr., Bachstr., Barlerstr., Burgstr., Casinostr., Dammstr., Engelsberg, Gartenstr., Goldstr., Hochstr., Kamperstr., Kleine=Kamperstr., Karlstr., Kronenstr., Kullen, Mankhauserstr., Merscheiderstr., Mittelstr., Müblenstr., Niederstr., Nordstr., Oberstr., Oststr., Pfeilstr., Poschheide, Querstr., Rathhausstr., Scharrenberg, Scharren bergerstr., Solingerstr., Steinstr., Suppenbeide, Suppenbeiderstr., Tunnelstr. und Walderstr. Wahllokal: Schule zu Wahnenkamp. Wahlvorsteher Fabrikant August Scherf. Stellvertreter: Fabrikant Herm. Kamphausen. Umsaßt die Straßen und Ortschaften: Alleestr., Bahnstr., Baustr. Breitestr., Broßhauserstr., Caspersbruch, Düsseldorferstr., Elisenstr., Ellerstr., Feldstr., Gasstr., Grünstr., Keusenhof, Kirchhofstr., Kirchstr., Kottendorferstr., Kreuzstr., Kuckesberg, Kurzestr., am Markt, Marktstr., Maubes, Prinzenstr., Scheiderstr., Schnittert, Schulstr., Wilhelmstr. und Wilzhaus. Wahlloka## Schule zu Heiligenstock. Wahlvorsteher: Kaufmann Eugen Droz. Steil vertreter: Fabrikdirektor Ernst Clostermann. Bezirk Umfaßt die Straßen und Ortschaften: Anfangstr., Benratherstr., Blumenstr., Bogenstr., Brahanderstr. Cölnerstr., Diepenbrucherstr., Dunkelnbergerstr., Eintrachtstr., Engelsbergerhof, Fichtenstr., Forststr., Götsche, Grabenstr., Grenzstr., Hackhausen, Hackhauserstr., Hasselsstr., Heide, Hildenerstr., Maubelshauserstr., Neustr., Pophoferstr., Rheinstr., Richratherstr, Sandstr., Schwanenstr., Südstr. Gerichtlicher Verkauf. Am Donnerstag, den 16. Juni 1898, Vormittags 10 Uhr, sollen an Ort und Stelle, zu in der Höhe, Gde. Ohligs, Mangenbergerstraße 65 öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden:... M 6 Schraubstöae, eine Vohrmaschine, eine Drehbank mit compl. Zubehör, 1 Bohrmaschine, ein compl. Schlagwerk, eine große Parthie Schnitte und Säume, 20 Paar eiserne Schleifstöcke, 1 Transmission mit 2 Riemen, 12 Scheiben und 6 Achsen, 1 Ventilator, sodann eine große Parthie Messertheile, wie: Backen, Federn, Klingen, Schaalen und dergl. Solingen, Der Gerichtsvouzieher: Wupperstr. Salewsky. Geschäftswagen mit Deckel, Bänken und Polster sofort zu verkaufen. Näheres in der Exped. 2 Spiegelscheiben, 3. J ner. Porstr. 10. wpeve“. g., verkaufen.“ Kaiserstraße 210. nicht zu Ein 6½ Meter langer gebr., schwerer eiserner Znun zu kaufen gesucht. Von wem, sagt die Exped. Swangsbeiniglti, Im Wege der Zwangsvoustreuung sollen die im Grundbuche von Solingen Stadt Band 34 Artikel 1331 auf den Namen von Joseph Zimmer, Bäckermeister und Helene ged. Reck, Eheleute in gesetzlicher Gütergemeinschaft zu Solingen eingetragenen Grundstücke: 1) Flur 2 Nr. 18 Kreuzstraße, Hofraum 1 ar 18 gm., 1909 2) Flur 2 Nr. 18 pp, daselbst, Hof. raum 1 ar 90 gm., nebst Gebäuden am 17. August 1898, Vormittags 10 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht, Zimmer Nr. 26, Schöffengerichtssaal versteigert werden. Die Grundstücke sind mit einer Fläche von 3,08 ar mit 1743 M. Nutzungswerth zur Gebäudesteuer veranlagt. Das Urtheil über die Ertheilung des Zuschlags wird am 20. August 1898, Mittags 12 Uhr, an Gerichtsstelle verkündet werden. Solingen, den 10. Juni 1898. Königliches Amtsgericht. Abth. 6. Junges Mädchen sucht Stelle als Gehülfin, am liebsten im Buttergeschäft. Offerten an Wilh. Steck, Obligs, Thalstr. 65. Wegen Krankh. des jetzigen, suche ich tüchtiges. 8„* se Wittwe W. Teus, Flachsberg bei Gräfrath. Schule zu DunkelnStellvertreter welche von weißem müssen, statt. Unoder mit einem Thalstr., Verlach, Wasserstr. und Weststr. Wabllokal: berg. Wahlvorsteher: Fabrikant Hugo Jansen. Fabrikant Fritz Welker. Die Wahl findet mittelst verdeckter Stimmzettel, Papier und außerhalb des Wahllokals ausgefüllt sein gültig sind:. 1) Stimmzettel, weiche nicht von weißem Papier, äußern Kennzeichen versehen sind; 2) Stimmzettel, welche keinen oder keinen lesvaren Namen enthalten 3) Stimmzettel, aus welchen die Person des Gewählten nicht unzweiselhaft 4) Stimmzettel, auf welchen mehr als ein Name oder der Name einer nicht wählbaren Person verzeichnet ist;„ 5) Stimmzettel, welche einen Protest oder Vorbehan entoanten. Ohligs, den 31. Mai 1898. Der Bürzermeister: Trommershausen. In unser Gesellschafts Register ist Folgendes eingetragen worden: Bei No. 306— Firma Actiengesellschaft für Dampfschleiferei zu MittelKatternberg— Zufolge Beschlusses der Generalversammlung vom 25. April 1898 sind die aus dem Vorstande ausscheidenden Mitglieder 1. Emil Lüttges, Fabrikant zu Stübchen, 2. August Wieden, Fabrikant zu Oben=Katternberg, in den Vorstand wiedergewäblt. Solingen, den 11. Juni 1898. Königliches Amtsgericht 3. In unser Gesellschafts=Register ist Folgendes eingetragen worden: Bei No. 336— Firma Actiengesell schaft für Baubedarf zu Tolingen— Durch Beschluß der Generalversammlung vom 20. Mai 1898 sind zu Mitgliedern des Vorstandes 1. Franz Holweg, 2. Ernst Müller. beide Bauunternehmer zu Solingen, gewählt worden. Solingen, den 11. Juni 1898. Königliches Amtsgericht 3. In unser Handels=Register ist Folgendes eingetragen worden: A) Bei No. 913 des Firmen=Registers Firma Wilh. Wagner zu Wald, Victoriastr.— Der Max Wagner zu Wald, Victoriastr. ist in das Handelsgeschäft des Wilhelm Wagner daselbst als Handelsgesellschafter eingetreten und es ist die hierdurch entstandene, die Firma fortführende Handelsgesellschaft unter No. 555 des GesellschaftsRegisters eingetragen. B) Bei No. 555 des Gesellschafts Registers— Die Firma Wilh. Wagner mit dem Sitze zu Wald, Victoriastr. und als deren Gesellschafter 1. Wilhelm Wagner, 2. Max Wagner, zu Wald, Victoriastr. Die Gesellschaft hat am 10. Juni 1893 begonnen. Solingen, den 11. Juni 1898. Königliches Amtsgericht 3. mit sehr guter Pension an einen Herrn für 60 M. per Monat. Näberes in der Expedition. Per sofort oder 1. Juli zwei schöne mit guter Pension an zwei Herren zu vermiethen. Näheres in der Exped. mit Wodnung und Stallung per sofort zu verm. Näh. in der Exped. Möbl. Zimmer Simmer möbl. Ein zdebgerlokal Reichstagswahl. Für den 1. Wahlbezirk ist an Stelle des verhinderten Wahlvorsteher: Herrn Carl Worring Herr Fabrikant Hermann Stamm zum Wahlvorsteher ernannt worden. Ferner sind für den verhinderten Wahlvorsteher bezw. Stellvertreter Herren August Scherf und Hermann Kamphausen die Herren Beigeordneter Eduard Killing und Fabrikant Emil Kürten zum Wahlvorsteher bezw. Stellvertreter im 4. Wahlbezirk ernannt worden. Ohligs, den 8. Juni 1898. Der Bürgermeister: Trommershausen. Lager von Comptoir- u. Geschäftsbüchern, Arbeiterbüchern. Copirbüchern und Copirntenklien. Nach besonderer Vorschrift anzufertigende Bücher werden in kürzester Frist geliefert. L. a A. Pfeiffer. Ein ordeutliches Mädcheu# zu einem 4jährigen Knaben auf ganze Tage gesucht. Frau E. M. Baumann. in solider Geselle zum großen C Scheerenschleifen sofort gesucht. Näh. Theis'sche Schleiferei, Zimmer Nr. 15. Mädchen Näheres für Tage(Nachmittags) zu Kindern gesucht. Friedrichstraße Nr. 36. Wohnungen Näh. in der Expedition. Vienstmadchen Auf 1. August medrere zu vermiethen. Ein ordentliches wird gesucht von Frau Ed. Unehelm, Kaiserstr. 48. Dienstmädchen, katholisch, gegen bohen Lohn per sofort oder per bald gesucht. Von wem, sagt die Expedition. Ein Mädchen und für seichte Beschaftigung gesucht. Cölnerstraße 71. Mädchen per Anfang Juli in kinderlosen Haushalt gesucht. Näheres in der Exped. Tüchtiges properes Dienstmädchen sofort gesucht. Näheres in der Exp. Suche für ein 14jähriges Mädchen Stelle im kleinen Hausbalt. Familien= Anschluß erwünscht. Offerten erbeten unter A. D. 100 an die Exp. d. Ztg. Alle Wähler werden gebeten, das Agitations= Institut für Zahnleidende Comitee dadurch zu unterstützen, indem sie ihre Stimme zin Herrn Louis Sabin möglichst vor 3 Uhr Nachmittags abgeben. Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß diejenigen Wähler, welche am 1. Mai verzogen sind, im alten Wahlbezirk wählen. Das Central=Wahl=Comitee der vereinigten liberalen Parteien. u. Wahlergebnisse aus allen Bürgermeistereien des Kreises Solingen werden Donnerstag, den 16. Juni, Abends im Lokale des Herrn Alb. Gierlich am Neumarkt bekannt gegeben. Das Central-Wahl-Comité von H. Breuhaus, Brüderstrasse 49. Künstlichen Zahnersatz nach bewährter Methode, Wurzelstift.— Federzähne ohne Gaumen und Plombiren unter Garantie. Schmerzlose Zahnoperationen mittelst Lachgas oder Bromaethyle. Sprechstunden von Morgens 9 bis Abends 7 Uhr. der vereinigten liberalen Parteien. für Garten- u. Straßenbesprengung empfiehlt unter Garantie für Haltbarkeit Gustav Jesinghaus, Technisches Geschäft, Gegründet 1883. Katternbergerstr. 81. Solingen. Katternbergerstr. 81. Zweitheilige hölzerne Riemscheiben in bester und sauberster Ausführung liefert zu den billigsten Preisen die Solinger Schleif- u. Polirartikel-Fabrik Rozienstölke für Taschenmesser, Rasirmesser, Scheeren 2c. empfehlen in größter Auswahl Gebr. Hehemann, Solingen. Apotheker Rahnfeld's Ferftgerum. Vorzüglich schmeckendes Somatese Präparat für Jedermann. Für Kinder und Rekonvaleszenten auch ärztlich empfohlen, da sehr leicht verdaulich und kräftigend. 20 55 Kalsersaal. Freitag, den 17. Juni, Abends 8 Uhr: Grosses Mstorisches Scheeit, ausgeführt von der 45 Mann starken Kapelle des Badischen Leibgrenadier-Regiments aus Karlsruhe. unter persönlicher Leitung des Kgl. Musikdirectors Herrn Adolf Boettge. Der Billetverkauf hat bereits begonnen und sind Billete zum Preise von 75 Pfg. bei den Herren Zander, Neumarkt, Brams Kaiserstr., sowie im Bayrischen Hof erhältlich. Cassapreis Rm. 1.— eshes se ee äce Kürzlich—-bier ein Kaiser Wilhelm-Brücke, Kalser WS, welches nach der Natur gezeichnet und in Lithographie ausgeführt ist. Das Bild hat eine Grösse von 50 K 60 Cm. Preis Mark 8.— In Solingen zu haben bei: den Herren Julius Tückmantel& Söhne und bei den Verlegern Buschhaus& Schönenberg. ** K. Beckmalll, Birkerstrasse 42. Das Polsterer= und Dekorationsgeschäft von Emil Dunisch Ernst Fernholz, Werkzeugfabrik. beninder sie empfiehlt ab Lager Roonstrasse 21 alle Sorten GewindeschneidFlorastr. 10. D eden Mittwoch und Sonnabend trifft frisch bei mir ein, von der Molkerei Rhynern,(E. G.), Rhynern, Kreis Hamm i. W. das anerkannt feinste Produkt in Sußenu rirrkt M R 44 prämüirt zu Dortmund 1896 unter Concurrenz von ca. 100 Molkereien mit der goldenen Medaille und dem ersten Ehrenpreis. Fritz Lemaire, Wupperstr. 24. Vorsichrig sollten die Frauen beim Einkauf von Wichse sein, da nicht alle Fabrikate so gut sind wie Krebs=Wichse. Da die grünen Dosen vielfach nachgemacht werden, so achte man genau auf den Namen Krebs=Wichse. 1 n- und Verkauf, sowie VerSp paltung von Immobilien, Beschaffung von HypothekenKapitalien, Besorgung von Rechtsangelegenheiten und Anfertigung von Schriftstücken aller Art, Freiwillige Versteigerungen durch Franz Koehnen, str. 45. seither langjähriger Bureauvorsteher hiefiger Rechtsanwälte. S008 Der Liebreiz eines schönen Gesichtes wird durch Sommersprossen, rothe Flecken und Pickeln beeinträchtigt. — Gebrauchen Sie Lana-Seife von Hahn& Hasselbach, Dresden, für blendend weissen Teint à Stück 50 Pf. bei W. Rossow. empfiehlt ab Lager Roonstrasse 21 alle Sorten Gewin zeuge, Spiralbonrer, Reibahlen, hinterdrehte Fraiser jeden Facons. Flaschenzüge, Winden und Aufzüge; ferner Werkzeugmaschinen als Bohrmaschinen, Drehbänke und neueste Absägemaschinen. Patente 5 TMuetar" MUater* S O Markenschutz C 8 aller Länder besorgt seit fsSig### ### wissenhaft u mit vor z. Erfolge billig E Hans Priedrich.ngenieur 2# Bilfarde. Math. Bour Wwe., Cöln. Billards I. Ranges. Vertreter: Paul Garze, Hohenzollern=Garten. Echte Suppenwurze ist soeben wieder eingetroffen bei L. Fremken, Kaiserstraße 46. S ansehlt emp A. Sipmann, Schützenstraße 29. Hausverkauf am Stöckerberg. Mein Haus Cronenbergerstrasse 11 ist für Mark 13000, mit Mk. 3000 Anzahlung, sofort zu ver1kaufen. G. Hettlage, Düsseldorf. Sewetem führe und beschaffe auf Wunsch, tadellos reinste Waare in jeder Preislage. Goldwaaren halte auf Lager das handgetriebene Kunstwerk wie die billigste Silberboden- Nadel. Silberwaaren. Reicher Vorrath in Geräthen und Bestecken. Verkauf zum Silbercours der vereinigten Fabrikanten Uhren. Empfehle bewährtes Glashütter, wie auch billiges Schweizer Fabrikat. Alenide. Die von mir geführten Waaren der Würtbg. Metallwaarenfabrik haben Weltruf. Kay Serzihh. Vornehmes Tisch- und Ziergeräth wird mit Sand und Soda geputzt. Bronzen. Ciselirte, galvanisirte und Galvanobronzen. nosl Ollermahn, Jnwelier und Goldschmied. Tanz-Cursus. Zu dem bereits begonnenen 8— Tanz Cursus werden noch fortwährend Anmeldungen entgegen genommen. Unterrichtsstunden sind Sonntags von 5 Uhr ab und Mittwochs von 5—7 Uhr für Kinder, von 8½—10½ Uhr für Erwachsene im Lokale des Herrn Fr. Brückmann, Schlagbaum. Gebe auf Wunsch Privat-Unterricht in und außer dem Hause. Achtungsvoll Alb. Deichmann. Zuschneide- Cursus für Mädchen. Am 20. d. Mts. eröffne einen neuen Cursus im Zuschneiden von Damengarderobe. Anmeldung Nachmittags 2—6 Uhr. Frau Betty Bouscher, Oststraße 42, 2. Etage. n i G feinste Quatitat, per Liter Mr. 1,40, Baumoel, per Liter Mk. 1.—. Olivenoel, prima Qualität, p. Liter Mk. 2,40. Wein-Essig, per Liter 30 Pfg., Champagner-Essig, per Liter 40 Pfg., empfiehlt Du ahnst es nicht, wie gut u. stark die Besohl=Anstalt von R. Selbach, Sohlen für Mi. 2,00, die Damen-Sohlen für Mk. 1,50 liefern kann. Achtungsvoll Oftwall I 10. R. Selbach. Salat-Oel, hochfein in Liter=Flaschen à 150 und 85 Pfg., sowie frische Koch-Eier, 13 Stück zu 90, 75 und 65 Pfg. empfiehlt H. v. Bruch. Süßrahmbutter trifft bei jetziger warmer Witterung täglich per Post frisch ein und empfehle selbe daher stets frisch zum Preise von Mk. 1.15 per Pfd. H. v. Bruch. Kaufleute und Beamte, welche sich in der Versicherungsbranche eine einträgliche, selbstständige, sowie dauernde Existenz gründen wollen, werden von einer guten Deutschen Gesellschaft in Feuer=, Lebens=, Unfall=, Haftpflicht=, Volks= und Einbruchdiebstahl=Versicherungen gründlich ausgebildet und mit hohem Anfangsgehalt engagirt. Offerten unter V. F. 967 an die Erped. d. Bl. Eine sehr leistungsfähige Dampf&am Kaffee- Rösterei sucht für Solingen und Umgegend einen tüchtigen, bei der Kundschaft gut eingeführten Vertreter. Offerten unter W. K. an die Exped. Tüchtige Maurer sofort gesucht. Franz Fischer, Baugeschäft. 21 50 20 90 20 40 16— 15 50 16 50 ist die Krone aller Kalteeverbesserungsmittel NER lebend. ital. Geflügel gu. u. Brnlig beziehen will. verlange Preisliste von Hans Haler in Ulm a. D. Grosser laspert ital. us u. Blne P ra Preisliste In Ulm a. B. Prodakte. II. KraftSchls: 10. Oktober. Dir stadlische Tpurnasst zu Höhscheto in unmittelbarer Nähe der Endstation der Straßenbahn verzinst Einlagen mit 4 bezw. 3 1/4%. 2 Mart 80 Pjg. für Monat Juli, August, September beträgt bei allen Postanstalten des Deutschen Reiches das Abonnement auf die Terunchener Krurhe Nüchrichten Täglich 2 mal.— Auflage 89,000. Insertions=Preis pro Ospaltige Nonpareillezeile 30 Pfennig. Probeblätter gratis. Ulmer Dogge, 1½ Jahr alt, zu verkaufen. Wirth Theod. Holterbach, Hilden. Commis. Ein jüngerer Commis, der gute Zeunisse aufweisen kann, eine schöne Handschrift schreibt, für ein hiesiges Fabrikations=Geschäft sofort gesucht. Offerten unter C. lv. 126 an die Expedition. asfrchs ralb. 8„edarhest uerRcht gesucht, welcher Feiarven versteht. Wilh. Knyn, Ketzberg b. Gräfrath. Lehrling zum feinen eingesteckten Messerreiden gesucht. Carl Schäfer, Irlen. Sehermädchen sucht. Florastraße 669. 1 Mädchen von 14 bis 16 Jahren 1 2udochen auf halbe oder ganze Tage gesucht. Näheres in der Exped. Jüchtiges Dienstmädchen, möglichst zum sofortigen Eintritt gesucht. Frau Eugen Kronenstr. 12. Hünchen 1898. 8 Schluss: 10. Oktol Perngente zad verstseche, Korterhen Hogtetungen. Rollschutzwände für Restaurationen und Villen. Hermann Müller, Düsseldorf, Schützenstraße 49. EAHREN Unerreicht leichter Lauf(deher keine Anstrengung), iet ein Hauptvorzug der Pehrräder der WAFFENFABRIK STRYR. granchekundige Vertreter ges. 3 Morgen Wer 9 kauft es**** (¼ Stunde von der Stadt entfernt) worauf mehrere Häuser gebaut werden können Zu erfr. Schützenstraße 74. Gut möbl. Zimmer#üe in der Nähe des Neumarktes zu vermiethen. Off. u. E. Z. 24 an die Exp. erbeten. gutgeh. 40.: Schützenfesttage zu vermiethen. Ncch. in der Exp. Gebr. gut erhaltener Schrank zu kaufen ges. Off. unter F. V. a. d. Exp. mich im Gardlben- u. Wäschemangelo Frau Wilh. Quabeck, Kronenstraße Nr. 20. Patent-Bureau PRILIWITZ etestes Patentbureau der Weit „„GEGRUNDET 1844 DERLIN. N.W. S. STEPHAN-STR. 53. Geselle und Lehrling zum Scheerennageln gegen Wochenlohn gesucht. Näheres in der Exped. Junger-Mann, der an Guß=Scheeren S gearbeitet hat und feilen kann, in die Fabrik gesucht. Wo, s. d. Erp. In meiner Wirthschaft #en getunden. Neuenhaus. Dan. Kayser. Neußer Fruchtpreis, 14. Juni. Neuer Weizen kleiner „ engl. 1. Qual. „„ 2.„ Roggen 1. Qual. à 100 Kilo 2.„ Hafer à 100 Kilo Buchweizen 1. Qual.—— à 100 Kilo 2.„—— Kartoffeln à 50 Kilo M. 2,60—3.20 Heu à 50 Kilo M. 2,50—3,50 Luzerner Heu à 50 Kilo 3.70 Maschinenstroh à 500 Kilo 20 Flegeldrusch à„„ 22— Butter per Kilo 1 80 Eier per Schock(60 Stück) 3 90 Rüböl pr. 100 Kilo in Partieen von 100 Ctr.(ohne Faß) 53 Rüböl pr. 100 Kilo faßweise (ohne Faß) 54 50 Gereinigtes Oel pr. 100 Kilo Mk. 3.— höher als Rüböl Preßkuchen pr. 1000 Kilo 96— Weizen=Vorschuß 00 à 100 Kilo— Kleien pr. 50 Kilo 4 60 Weizen und Hafer je 50 Pfsniedriger. Rüböl und Kuchen unverändert. Kimmarben in 30 verschiedenen Rüancen empfiehlt H. Bremer, Colonia-Drogerie, Cölnerstrasse 94. # die die Ne ral O Ge K. ein das kostt Te Re kor fer G. 1. pe * O 0 00 0 Nr. 137. *.* Ein Gedenktag. Heute vor 10 Jahren, am 15. Juni 1888, hauchte Kaiser Friedrich in Potsdam sein Leben aus. Wohl mußte man Tag für Tag auf die Trauerkunde von dem Hinscheiden des so schwer geprüften Herrschers gefaßt sein, aber als sie wirklich eintraf, wurde sie doch als schwerer Schlag im Volke empfunden, denn der„Frühlingskaiser" erfreute sich einer Volkst hümlichkeit, wie noch selten ein gekröntes Haupt. Seine hohe edle Gestalt, die eines germanischen Recken, seine hochgemuthe, ritterliche Gesinnung, seine Leutseligkeit hatten ihm alle Herzen zugewendet und durch das schwere Leiden, von dem er heimgesucht wurde, noch bevor er den Thron bestieg, wurde er seinem Volke nur noch näher gerückt. Es ist von politischen Parteien der Versuch gemacht worden, Kaiser Friedrich als den Ihrigen zu beanspruchen. Sehr mit Unrecht! Seine Regierungszeit war zu kurz, als daß man aus den Thaten derselben hätte ersehen können, welche Richtung er seiner Regierungspolitik gegeben hätte, wenn es seinem Volke vergönnt gewesen wäre, ihn eine längere Reihe von Jahren an seiner Spitze zu haben. Die Linke erwartete von ihm die Entfernung Bismarcks, und sie bot alles mögliche auf, die Ungnade des todtkranken Kaisers auf den eisernen Kanzler zu lenken, indem sie diesem Absichten auf Herstellung eines Hausmeierthums unterstellte. Als in einem Dresdener Blatte ein Artikel:„Keine Frauenzimmerpolitik“ erschien, da denunzirten gewisse Blätter den Fürsten Bismarck als den Urheber dieses Artikels. Und welche Gehässizkeiten wurden ferner noch gegen den Reichskanzler in Umlauf gesetzt in der sicheren Erwartung, daß sie Kaiser Friedrichs Ohr erreichen und dazu führen würden, des verhaßten Staatsmannes Entlassung herbeizuführen. Umsonst! Kaiser Friedrich behielt den treuen Rathgeber seines Vaters bei und widmete ihm sein ungeschwächtes Vertrauen. Damit war die Fortdauer in den Regierungsgrundsätzen gesichert. Das deutsche Volk hat das Hinscheiden Kaiser Friedrichs aufrichtigen Herzens beklagt; was er demselben geworden wäre, wenn nicht der unerbittliche Todt, ihn hinweggerafft, wer wollte es ermessen? Zehn Jahre sind seit seinem Ableben verronnen; sein Andenken wird uns allezeit heilig bleiben. Und zehn Jahre sind verronnen, seitdem sein erlauchter Sohn, Wilhelm II., die deutsche Kaiserkrone trägt. Wo sind die Besorgnisse geblieben, die sich hier und da regten, als unser jetziger Kaiser den Thron seiner Väter bestieg? Sie haben sich verflüchtigt wie ein Nebel vor der Sonne und nur mit einem Lächeln wird Mancher, der sie nicht für unbegründet hielt, jetzt auf sie blicken. Vor allem gründeten sich diese Besorgnisse auf die Jugend des Enkels Kaiser Wilhelms des Großen. Friedrich der Große war jünger, als er die Regierung antrat und er war ungleich weniger vorbereitet auf die Uebernahme der Regierungsgeschäfte als Wilhelm II. Man besorgte bei dem jugendlichen Thatendrange unseres Für die Redaktion verantwortlich: Rudolf Pfeiffer in Solingen. Druck und Verlag von Alb. Pfeiffer in Solingen. jetzigen Kaisers eine Gefährdung des Friedens nach Außen, wohl auch Beunruhigung im Innern. Das Gegentheil ist eingetreten. Die zehn Jahre seiner Regierung haben uns eine Befestigung des Friedens gebracht, wie man sie zuvor nicht zu erhoffen wagte. Und die Erhaltung des Friedens ist keineswegs auf Kosten des Prestiges des deutschen Reiches erfolgt, dessen Ansehen im Rathe der Nationen unerschüttert ist. Getrost auch dürfen wir in die Zukunft blicken, nirgends ist ein Anzeichen uns bedrohender Wetterwolken. Im Innern sehen wir allenthalben eine stetige, organische, gesunde Fortentwickelung. Reformen auf allen Gebieten, ohne Ueberstürzung, aber Schritt haltend mit den Bedürfnissen und Ansprüchen der Zeit. Mag auch zuweilen die eine oder die andere Maßnanme auf Widerspruch stoßen— es ist nicht möglich, es jedem Einzelnen recht zu machen; aber schauen wir auf das Ganze und wir können nicht die großen Fortschritte verkennen, die wir auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens in dem nunmehr abgeschlossenen ersten Jahrzehnt der Regierung Wilhelm II. gemacht haben. Mit Stolz darf unser Kaiser auf die Erfolge seiner Regierung blicken und wir haben alle Ursache, mit Stolz zu ihm aufzublicken und Gott zu danken, daß er die Geschicke unseres Vaterlandes seiner weisen Führung anvertraut hat. Möge er uns noch lange, recht lange erhalten bleiben. Und möge sein hoher Geist sich übertragen auf seine Nachkommen zum Heil und Segen Deutschlands! . Zum 16. Juni. Es hat sich gefügt, daß die diesmaligen Reichstagswahlen am 16. Juni auf einen Tag später fallen, als das zehnjährige Regierungsjubiläum des deutschen Kaisers. Zwar will der Monarch selbst den 15. Juni in keiner Weise hervorstehend gefeiert wissen, aber dennoch wird die gesammte Presse dieses ersten Dezenniums gedenken, wie bereits mannigfache Schriften erschienen sind, bestimmt, einer weiten Oeffentlichkeit in die Erinnerung zu rufen, was während dieser zehnjährigen Regierungszeit geschehen ist. Abseits wird natürlich, wie stets, die Presse der revolutionären Sozialdemokratie stehen, die ja überdies am Tage vor den Wahlen ihre letzte Lungenkraft zu erschöpfen hat, um ihrer Partei einen möglichst starken Erfolg zu erringen. Und gerade wäre sie, falls sie behauptet, die Arbeiterpartei par excellence zu sein, besonders verpflichtet, sich darauf zu besinnen, wie der Monarch vom ersten Tage seiner Regierung an seine Aufmerksamkeit gerade der Fürsorge für die arbeiten den Klassen zuwandte und was bisher unter seiner Regierung zur weiteren Ausgestaltung der Sozialreform geschehen ist. Im zweiten Jahr seiner Regierung, im Februar 1890, erging der bekannte Erlaß zur Berufung der internationalen Konferen; zum Schutze der Arbeiter, begleitet von der Verfügung zur Berufung des Staatsrathes, der über Mittel zur Fortsetzung der Sozialreform beratben sollte. Und unter dem 22. Juni 1889 ward das Gesetz vollzogen, welches bestimmt war, den dritten Theil der kaiserlichen Botschaft vom 17. November 1881 zu vollenden das Alters= und Invaliditätsgesetz. Ist trotz solcher Maßnahmen die Zahl der sozialdemokratischen Sitze im Reichstage gewachsen, so lag das vor allem daran, daß die berufsmäßige revolutionäre Agitation mit der Lüge, der Kaiser und seine Regierung kümmerten sich nicht um das Wohlergehen der Arbeiter ungehindert fortarbeiten konnte und diese Lüge Glauben fand, weil der naive Wähler sah, daß nichts geschah, ihr Einhalt zu thun, und so die Meinung fassen mußte, diese Hetzerei wäre etwas gesetzlich durchaus Korrektes. Denn das Sozialistengesetz war im Januar 1890 vom Reichetage abgelehnt und ein neues nicht wieder eingebracht worden. Der Geist jener sozialpolitischen Maßnahmen entsprang zweifellos dem aufrichtigsten Bestreben, das Loos des Arbeiterstandes so günstig und gut zu gestalten, wie es nur im Bereiche des Möglichen und des staatlich Zulässigen lag. Und der gleiche sozialpolitische Gedanke lag auch der Steuerreform in Preußen vom 24. Juni 1891 zu Grunde, durch welche, unter Minderbelastung der weniger bemittelten Bevölkerungsschichten und stärkerer Heranziehung der großen Einkommen, eine gerechtere Vertheilung der Steuerlast durch zweckentsprechendere und eingehendere Ermittelung des Einkommens angestrebt wurde. Gerade dieser sozialreformerischen Thaten zu gedenken, bietet der 15. Juni als der Tag vor den allgemeinen Wahlen Gelegenheit, weil der Kampf gegen die Sozialdemokratie, deren Forderungen eben jene Sozialreformgesetze entgegenkommen, bei diesen Wahlen eine so große Rolle spielt. Freilich würde eine starke Waffe der revolutionären Partei entsinken, wollte sie auch nur die gute Absicht jener Gesetze zugestehen. Es muß vielmehr bei der Entstellung und Unwahrheit bleiben. Möge morgen die Erinnerung an das, was der Kaiser und seine Regierung zum Besten der arbeitenden Klassen innerhalb von 10 Jahren gethan, besonders lebendig sein! Rheinland und Westfalen. Remscheid, 14. Juni. Auf der Straße von Wermelskirchen nach Preyersmühle stürzte der Radfahrer H. bei einer scharfen Biegung des Wezes vom Rad, infolgedessen er mit solcher Wucht an einen Felsen anschlug, daß er bewußtlos und mit schweren Verletzungen von der Unglücksstelle gefahren werden mußte. — 14. Juni. In der Bergischen Kochkunstund Gewerbeausstellung erregt die von Herrn Otto Haupt=Solingen(bis vor Kurzem Oberkellner im Europäischen Hof) angeordnete fürstliche Prunktafel namentlich Abends bei elektrischer Beleuchtung die allgemeine Aufmerksamkeit, und lebhafte Bewunderung. Das ausgebreitete Silberservice in Rococco(J. Brams= Mittwoch, den 15. Juni 1898. Solingen) gewährt laut„Gen.=Anz.“ im Verein mit der vielfarbigen elektrischen Birnendekoration von Gebr. Kröger=Remscheid Solingen einen fast märchenhaftschönen Anblick. Konditorei, Bäckerei u. dergl. sind ebenfalls durch zumeist treffliche Erzeugnisse vertreten; die „R. Ztz.“ nennt unter Anderen Hübner& Co. von Ohligs, Konditorei Otto Bangert=Solingen(Marzipan= waaren) Wilh. Brauer=Ohligs(Biequit, Zwieback, Pfefferkuchen), Diedrichs=Mangenberg 2c. — 14. Juni. Ein Schüler aus Barmen, welcher die Barmer Kirmes hatte besuchen wollen und sich hierbei verirrte, wurde gestern hier in Polizei=Gewahrsam genommen und gegen Mittag von seinem inzwischen benachrichtigten Vater abgeholt. — 14. Juni. Mit den Arbeiten zur Herstellung der Station Güldenwerth bezw. Reinsbagen ist begonnen worden. Sie müssen in 4—5 Wochen beendet sein. Wie die„Remsch. Ztg.“ mittheilt, wird vorerst nur ein einstweiliger Zustand geschaffen; die vollständige Anlage der Haltestelle kann erst ausgeführt werden, nachdem die Mittel dafür im Etat vorhanden sind, also ehestens im nächsten Jahre. Die sehnlichst erwartete Eröffnung der Haltestelle wird also in kurzer Zeit erfolgen, auch die Entscheidung über den Namen nunmehr fallen. Elberfeld, 14. Juni. Die Kontinentale Gesellschaft für elektrische Unternehmungen zu Nürnberg hat es übernommen, im Anschluß an die Schwebebahn Vohwinkel= Elberfeld=Barmen und die Bahn von Vohwinkel nach Benrath=Düsseldorf eine elektrische Straßenbahn von Vohwinkel über Dornap nach Mettmann zu bauen. Die Bahn führt über Hahnenfurth, Wieden nach Mettmann, ist eingleisig und erhält eine Spurweite von 1 Meter. Sie soll vorläufig nur dem Personenverkehr dienen. Es soll zunächst ein 30 Minutenbetrieb mit je einem Motorund Anhängewagen eingeführt werden. Bei starkem Verkehr an Sonn= und Feiertagen ist jedoch ein 15 Minutenbetrieb in Aussicht genommen. — 14. Juni. Eine Kindesleiche wurde am Sonntag Abend in Uellendahl in einer Zigarrenkiste gefunden. Der Fund wurde der Polizei übergeben. Ueber die unnatürliche Mutter fehlt jede Spur. — 14. Juni. Im Rhein bei Königswinter ertrank am Sonntag beim Baden ein Elberfelder. Näheres über die Person hat noch nicht festgestellt werden können. Barmen, 14. Juni. In seiner Wohnung hat sich gestern der 18jährige Stuckateur L. erschossen. Man nimmt Geistesstörung als Beweggrund der That an, da L. bereits früher in einer Irrenanstalt untergebracht war. — 14. Juni. Durch verschiedene Zeitungen ging kürzlich eine Notiz, daß dem Missionshause resp. der Missions=Handelsgesellschaft 8000 Mk. von einem Handwerker gestohlen worden seien. Der Missions=Inspektor J. Spiecker theilt dem„Gen. A.“ mit, daß an K fo s0 e in in der ganzen Sache kein wahres Wort ist und bittet, diese Notiz im Interesse der Wahrheit und des so unschuldig verleumdeten Mannes aufzunehmen. Meiderich, 10. Juni. Die Stadtverordneten Versammlung hat beschlossen, sich dem Protest, den eine Reihe an der Ruhr gelegener Städte gegen das Projekt der Stadt Dortmund, bei Geseke eine Thalsperre anzulegen, erhoben haben, anzuschließen. Viersen, 13. Juni. Gestern Vormittag stieß ein Rollfuhrwerk mit einer auf einer Brücke aufgestellten Obstbude zusammen, dieselbe fiel um und warf beim Fallen zwei Kinder zur Erde, sodaß sie unter die Räder des Wagens kamen. Einem der Kinder ging ein Rad über den Lieb und dem andern über ein Bein, beide waren erheblich verletzt.— Heute Morgen scheute das Pferd eines jungen Mannes, welcher einem Schützenzug als Offizier voranritt, vor der Musik, es bäumte und überschlug sich, seinen Reiter unter sich begrabend. Derselbe blieb besinnungslos auf der Erde liegen. An seinem Aufkommen wird gezweifelt. Gerichts=Verhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. * Solingen, 14. Juni.(Schluß.) Ein schon sehr oft und erheblich vorbestrafter 26 Jahre alter Schleifer soll sich am 27. November v. Is. wiederum durch Verübung groben Unfugs, Hausfriedensbruchs, Bedrohung und Sachbeschädigung strafbar gemacht haben. Derselbe meinte, er hätte sich mit den Gegnern ausgesöhnt, das konnte aber die Fort setzung des Strafverfahrens nicht mehr hindern. Auf Grund der Beweisaufnahme erkannte das Gericht gegen den Angeklagten unter Freisprechung bezüglich Hausfriedensbruch auf 3 Wochen Gefängniß und 1 Woche Haft.— Fahrlässige und vorsätzliche Körperverletzung einer Hausgenossin war einer 25 Jahre alten Ehefrau von Wald zur Last gelegt. Dieselbe wurde freigesprochen.— Wegen wechselseitiger Mißhandlung mittels gefährlicher Werkzeuge (Hammer und Leimtopf) hatten sich zwei Schleifer von hier bezw. Wald zu verantworten. Der eine(T.) wurde, da er sich in Nothwehr befunden, freigesprochen, der andere, (Z.), der den ersten Schlag gethan, mit Rücksicht auf mildernde Umstände, welche insbesondere in bisheriger Unbescholtenheit gefunden wurden, zu 15 Mk. Geldstrafe oder 3 Tagen Gefängniß verurtheilt.— Ein 37 Jahre alter Schleifergeselle von hier war wegen Bedrohung seiner Ehefrau und unbefugten Tragens einer Waffe(Revolver) unter Anklage gestellt, erschien auch vollständig überführt und wurde wegen des Vergehens zu 10 Mk. Geldstrafe oder 3 Tagen Gefängniß, wegen der Uebertretung zu 1 Mk. Geldstrafe oder 1 Tag Haft verurtheilt.— Von der Beschuldigung groben Unfugs und Sachbeschädigung wurde ein 22 Jahre alter Fabrikarbeiter von Meisenburg freigesprochen.— Gegen einen früher hier, jetzt in Linz wohnenden Erdarbeiter wurde wegen Sachbeschädigung, Zertrümmerung mehrerer Fensterscheiben an einem Neubau in Höhscheid, verhandelt. Der Mann ist geständig und wurde zu 5 Mk. Geldstrafe verurtheilt, bei deren Nichtzahlung 1 Tag Gefängniß eintreten soll.— Die in der vorigen Woche auf heute vertagte Verhandlung gegen einen 22 Jahre alten Bäckergesellen wegen Betrugs, Diebstahls und Unterschlagung in mehreren Fällen zum Nachtheil von Bäckern hier und in Höhscheid endigte damit, daß der Angeklagte wegen Diebstahls und Unterschlagung in zwei Fällen zu 1 Woche Gefängniß verurtheilt wurde. Der Spinnerlehrling. Von William Westall.(55 (Fortsetzung.) Behutsam und geräuschlos wie die Indianer auf dem Kriegspfad schlichen sie den von dem Schein der Laterne matt beleuchteten Männern nach, bis sie plötzlich noch ein anderes Licht bemerkten, das immer heller und heller wurde, je mehr sie sich ihm näherten; schließlich erkannten sie, daß es von einem Hause ausging, dessen dunkle Umrisse nach und nach erkennbar wurden. „Sie sind in das Haus gegangen,“ sagte Romford, als die Laterne verschwunden war.„Wir wollen noch etwas warten und ihnen dann nach einer Weile folgen, damit sie nicht merken, daß wir sie beobachtet haben. — Dies ist das Haus der rothen Nelly; kommen Sie und lassen Sie uns erst einen Blick durch Fenster werfen. Ein wunderbarer Anblick bot sich ihnen dar, sie sahen in einen ziemlich großen, aber sehr niedrigen Raum mit vorspringenden Strebepfeilern und weiß getünchten Wänden, deren ursprüngliche Farbe sich jedoch kaum noch erkennen ließ, da sie durch Rauch und Qualm, der auch jetzt das ganze Innere erfüllte, fast völlig geschwärzt waren. Dem Fenster gerade gegenüber brannte in einem offenen Kamin ein mächtiges Kohlenfeuer, um welches etwa zwanzig wild und verdächtig aussehende Gestalten saßen und lagen; einige von ihnen hatten es sich auf einem Haufen schmutzigen Strohs bequem gemacht, während andere, auf alten Kisten und umgestülpten Fässern sitzend, Karten spielten, würfelten oder in eifrigem, von lebhaften Geberden begleitetem Gespräch begriffen waren. In einer Ecke standen ein paar doppelläufige Flinten, neben welchen ein Rehbock und fünf oder sechs Hasen lagen, die doch wohl kaum rechtlich erworben waren und darauf schließen ließen, daß sich auch Wilddiebe in dieser sauberen Gesellschaft befanden. Einige andere glaubte Romford, wie er Robin leise zuflüsterte, als notorische Straßenräuber und Einbrecher zu erkennen; ihr rohes Gebahren und ihre wilden, ausgesprochenen VerbrecherPhysiognomieen ließen diese Vermuthung allerdings sehr wahrscheinlich erscheinen. Auf dem einzigen Stuhle, der sich in dem ganzen Raume befand, saß eine große breitschultrige Frau mit rothen Haaren und noch rötherem Gesicht, die dem wüsten Treiben der Männer ruhig und gleichgültig zuschaute und gemächlich ihre kurze Pfeife rauchte. „Das ist die rothe Nelly,“ sagte Romford.„Treten Sie jetzt vom Fenster zurück, damit sie uns nicht bemerken, denn sonst könnte es uns schlecht ergehen. „Dies scheint ja ein sonderbares Wirthshaus zu sein. „Die Moorschenke ist auch kein Wirthshaus, sondern eine Verbrecherkneipe, in welcher der scheußlichste Fusel ohne behördliche Licenz verschenkt wird, und alle Vagabunden und Landstreicher ein billiges Nachtquartier finden. Im übrigen ist es ein Schlupfwinkel für Diebe und Einbrecher, die sich hier zusammen finden, um ihre Beute zu vertheilen und zu verspielen, oder an die Hehler abzusetzen.— Wir wollen aber nur getrost hineingehen, denn ich glaube, daß sie uns in Frieden lassen werden und ich möchte zu gern ergründen, wer der Mann ist, welcher Robert Ruberry ermorden wollte. „Guten Abend, meine Herren!“ sagte Romford mit lauter Stimme, als er die Thür öffnete. Wie mit einem Schlage verstummte das Geschrei und der Lärm; die Spieler warfen die Karten unter den Tisch und verbargen das Geld in ihren Taschen, die rothe Nelly sprang von ihrem Stuhl auf und trat den Fremden mit den Worten entgegen: „Wer seid Ihr und was wollt Ihr hier?“ „Wir sind zwei Wanderer, die sich im Moor verirrt haben und möchten gern, daß Ihr uns den rechten Weg zeigt; vorher aber würden wir gern ein biechen Abendbrot essen, wenn hier etwas zu haben ist.“ „Das ist nicht wahr! Ihr seid Polizeispione; macht, daß Ihr hinaus kommt!“ „Ja, ja, sie sind Spione! In's Wasser mit ihnen! Schlagt sie todt, die Hunde!“ riefen mehrere Stimmen in wirrem Geschrei durcheinander; die Wilddiebe ergriffen ihre Flinten, die anderen ihre Knüttel und Messer und traten den Fremden in drohender Haltung entgegen. „Halt, meine Freunde, nicht so hitzig!“ sagte Romford mit ruhiger und fester Stimme.„Ihr irrt Euch; wir sind keine Spione. Ist keiner hier, der Bill Rom ford kennt?“ Mit diesen Worten trat er hochaufgerichtet und festen Schrittes mitten in's Zimmer hinein, indem er die vordersten seiner Angreifer zur Seite schob. „Wahrhaftig, es ist Bill Romford, sagte plötzlich einer der Männer, indem er auf ihn zutrat und ihm die Hand entgegenstreckte.„Laß's gut sein, Freunde, ich kenne den Mann und ich verbürge mich für ihn; er wird uns nicht verrathen. „Was haben Sie aber zu so später Stunde hier draußen zu suchen?“ fragte die rothe Nelly argwöhnisch. „Das ist bald erzählt,“ antwortete Romford freimüthig.„Wir haben uns bei der plötzlich hereinbrechenden Dunkelheit im Moor verirrt und sind auf das erste Licht losgegangen, das wir sahen; auf diese Weise sind wir hierher gekommen, um uns nach dem rechten Weg zu erkundigen. „Und wer ist der junge Mensch?“ fragte sie weiter, indem sie auf Robin deutete. „Einer von Ruberrys Lehrlingen, antwortete ein anderer.„Er steht zwar beim alten Bob in hoher Gunst, er ist jedoch auch bei den Arbeitern gut angeschrieben, und darum glaube ich nicht, daß er uns verrathen wird.“ „Können Sie schweigen, junger Mann?“ redete ihn das Weib in unwirschem Tone an. „Ja, Sie können sich auf mich verlassen,“ antwortete Robin ruhig. „Ja, ja, Sie können sich ruhig auf ihn verlassen, fügte der Weber bekräftigend hinzu.„Ich stehe für ihn ein. „Schön, Ihr könnt Euch dort auf die Fässer am Feuer setzen; wollt ihr etwas zu trinken haben?“ Romford bestellte zwei Gläser Bier und etwas Brod, worauf sich dann alle übrigen auf ihre Plätze begaben, die Karten wieder hervorholten und ihr so jäh unterbrochenes Spiel oder ihre Unterhaltung so ruhig fortsetzten, als wenn nichts geschehen wäre. Zwei oder drei Männer lagen laut schnarchend auf dem Stroh, während in der äußersten Ecke des Raumes eine größere Gesellschaft von Männern in einer sehr lebhaft, aber leise geführten Konversation begriffen war; einige von ihnen waren zweifellos Birkenstedter Arbeiter, Robin vermochte jedoch infolge des Qualmes und der Dunkelheit nicht alle Gesichter zu unterscheiden, glaubte aber seinen ehemaligen Gegner, den schwarzen Jack, sowie Blincoe mit ziemlicher Sicherheit zu erkennen. Auch vermochte weder er noch Romford festzustellen, wer die Leute waren, deren Gespräch sie vorhin belauscht hatten, zumal sie sich nicht zu neugierig umzusehen wagten, um nicht von neuem Verdacht zu erregen. Unter der ganzen großen Gesellschaft befand sich nur ein Mann, der weder aß, noch trank, noch spielte, sprach oder rauchte; er saß abgesondert von allen übrigen auf einer alten Kiste und blickte schwermüthig und schweigend vor sich hin; seine abgehärmten und von Hunger und Entbehrungen bleichen Züge machten einen so traurigen Eindruck auf Robin, daß er ihn einlud, sein Abendbrot mit ihm zu theilen. Der Fremde, ein kleines Männchen in einem fadenscheinigen, schäbigen schwarzen Rock, nahm die Einladung dankend an, rückte seine Kiste herbei und setzte sich zu Robin. „Ja, ja, junger Mann,“ sagte er mit einem tiefen Seufzer,„es sind schlimme Zeiten, in denen wir leben, die Reichen schwelgen an vollbesetzten Tafeln und die Armen haben oft nicht einmal ein Stückchen Brod, um ihren Hunger zu stillen. Ohne Ihre Güte hätte ich heute hungrig zur Ruhe gehen müssen, denn ich besitze nur zwei Pennys— gerade genug, um mein Nachtquartier bezahlen zu können; eine Mahlzeit zu überschlagen, geht allenfalls noch an, aber ich habe heute auch nicht einmal etwas zu Mittag gegessen. „Das ist freilich schlimm und, wenn es sich so verhält, dann kann ich mich nicht wundern, daß Sie so abgehärmt und elend aussehen, sagte der Weber in mitleidigem Tone.„Essen Sie und trinken nur ordentlich, so viel Sie wollen, ich bin zwar auch nur ein armer Mann, aber ich habe doch genug, um Ihnen ein Abendbrod bezahlen zu können. Sie haben wohl keine Arbeit?“ „Das ist ja gerade das Elend, es giebt wenig zu thun, leider, leider, sehr wenig zu thun; ich bin zwar kein Arbeiter in dem gewöhnlichen Sinne des Wortes, d. h. ich arbeite weder in der Fabrik noch am Webstuhl noch in den Bergwerken. Mein Name ist Dooley, Doktor Dooley. Sie werden jedenfalls wohl schon von mir gehört haben, denn ich darf mit Fug und Recht behaupten, daß mein Name in der ganzen Gegend rühmlichst bekannt ist; ich wohne in Frozfold.“ „Ja, ich habe Ihren Namen schon nennen horen. „Das konnte ich mir denken, jedes Kind kennt mich. Ich bin Arzt— Naturarzt, und wenn ich auch nicht studiert habe und meine Kollegen von der Universität, sowie die mit ihnen verbündete Polizei mich daher als Quacksalber bezeichnen, so schmeichle ich mir doch, ein geschickter Operateur zu sein, der selbst in den schwierigsten und verzweifeltsten Fällen die größten Erfolge aufzuweisen hat, wo selbst die berühmtesten Professoren rathlos waren; ich könnte Ihnen darüber mehr als 100 schriftliche Beweise und Anerkennungsschreiben beibringen, auch im schmerzlosen Zahnziehen und Aderlassen suche ich meinen Meister. Aber wie ich schon eben bemerkte, giebt es leider wenig, sehr wenig zu thun; der Gesundheitszustand ist ein kläglich guter, mit Aderlassen ist jetzt im Winter so gut wie gar nichts zu machen, und es ist wohl schon 4 Wochen oder gar noch länger her, daß ich keinen Zahn mehr ausgezogen habe— ja, es geht mir augenblicklich sehr schlecht, und das schlimmste ist, daß ich daheim Frau und Kinder habe, die auf guten Verdienst hoffen, während ich doch selbst nichts zu essen habe. (Fortsetzung folgt.)