Nr. 114.— 50. Jahrgang. Dienstag, den 17. Mai 1898. 4 täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedition 1 4 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J. Früher unter dem Ther. Berzisches Volks=Blatt. Druck und Verlag von Ald. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich Rudolf Pfeiffer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr 140 (Fernsprech= Anschluß Nr. 90). Der spanisch=amerikanische Krieg. Was lehrt uns der spanisch= amerikanische Krieg? Ueber die Lehren, welche der bieherige Verlauf des amerikanisch= spanischen Krieges für eine vorwärts strebende Nation giebt, wird den„B. P. Nachr.“ von seemännischer Seite geschrieben: Fast alle Großmächte und fast alle sich noch kräftig fühlenden Kulturstaaten sichern sich gegen Kriegsgefahr, die ihnen drohen könnte, durch starke Rüstung und Kriegsbereitschaft. Spanien hingegen, das seit Jahren die thätliche Gegnerschaft der Vereinigten Staaten erwarten konnte, hat sich auf den Seekrieg nur höchst mangelhaft vorbereitet. Vom politischen Standpunkt betrachtet, wurde Nordamerikas Nachbarschaft für Spaniens Antillenbesitz sehr bedrohlich, seitdem man in dem riesigen Nachbarstaat die Wichtigkeit des Inselbesitzes in Westindien für die Seeherrschaft im Golf von Meriko und im Antillenmeer, und für die Beherrschung eines, in absehbarer Zeit sicher zu erwartenden Kanals zwischen dem Stillen und dem Atlantischen Ozean erkannt hatte. Spaniens Mißgriffe in der Verwaltung der beiden großen Inseln und die dortigen Aufstände boten stets Gelegenheit zur Einmischung. Solche Erörterungen in der Presse, bei der Volksvertretung und die bekannten seekriegsgeschichtlichen Arbeiten des Kapitäns A. T. Mahan, in denen er seinen Landsleuten den Werth der Seemacht und den Nutzen der Seeherrschaft im Antillenmeer wiederholt und dringend klar machte, hatten Nordamerika in letzter Zeit dazu vermocht, die aus Mangel an Gegnern allmählich eingetretene Vernachlässigung der Kriegsslotte etwas aufzugeben. Bei der Bekanntschaft mit Spaniens Schwäche war die Thätigkeit im Ausbau der Flotte bei den Vereinigten Staaten aber nicht allzugroß. Wäre Amerikas Seemacht seiner Größe und seiner Bedeutung als Weltreich entsprechend, und Amerika für einen ernsten Seekrieg vorbereitet, so wäre die Entscheidung nicht blos in Ostasien, sondern auch in Westindien und im atlantischen Ozean schon längst eingetreten. Wäre Spanien, seinem Kolonialbesitz und der seit Jahren drohenden politischen Lage entsprechend, zum Seekriege gerüstet gewesen, so würde Amerika entweder gezögert haben, ihm den Krieg aufzunöthigen oder Spanien hätte wenigstens im Anfange des Krieges im atlantischen Ozean die Offensive ergreifen können. Die beste Deckung ist der Hieb! Spanien hätte gegen das ebenfalls durchaus nicht kampfbereite Amerika die ersten Schläge thun können. Seit dem Hervortreten der Handelspolitik und der Maßnahmen für das materielle Wohl der Völker als Hauptfaktor der Staatspolitik für sorglich geleitete Nationen sind stets politische Spannungen im stark bevölkerten Europa, mit seinen Kolonien und mit anderen Großmächten im Osten und Westen vorhanden. Inmitten unseres bewaffneten Friedens können wir kaum wissen, wer unser nächster Gegner sein wird, und in welchem Theil der Welt andere Staaten oder wir selbst zuerst in einen Krieg verwickelt werden. Die Wahrscheinlichkeit spricht für den Beginn des nächsten größeren Krieges als Seekrieg an den Küsten Europas oder des ferneren Auslandes. Kriege können jetzt schnell, sogar für eine Partei überraschend ausbrechen; wer gut vorbereitet ist, möchte solchen Vortbeil auch ausgiebig verwerthen. Großmächte sollten deshalb in allen Gegenden, wo sich vielleicht Kriegsschauplätze entwickeln können, durch Kriegsschiffe mit vollwerthigen Waffen vertreten sein. Wie wenig die Ueberzahl an schwachen Schiffen und Personal gegenüber der Uebermacht guter Schiffe und guter Armirung werth ist, hat eben das Schicksal von Spaniens schwachen Kreuzern und Kanonenbooten vor Manila gezeigt. Vor allen Anderen hat unser Kaiser neben seiner klaren Erkenntniß der Nothwendigkeit einer größeren Seemacht für Deutschland stets die Nothwendigkeit zeitgemäßen Schiffmaterials für unsere Flotte betont. Seiner Initiative verdanken wir in erster Linie die Aufrüttelung unseres Volkes zum Bewußtsein, daß es für Deutschland die höchste Zeit war, endlich mit dem Ausbau einer, der Bedeutung unseres Seehandels mehr entsprechenden Flotte zu beginnen. Der erste Schritt dazu ist gelungen. Das mit großer Mehrheit im Reichstage durchgebrachte Flottengesetz giebt den Schiffsbestand an, wie ihn die berufenen militärischen Berather der Rezierung und des Volkes innerhalb der Dauer von sechs Jahren erreichen wollen. Verglichen mit dem Wertbe des in der Heimath, auf See und im Auslande zu schützenden Besitzes und den Schiffsbeständen anderer Großmächte mit geringerem Seehandel ist unser Schiffsbestand recht niedrig angesetzt und stellt das Mindeste dar, was strategische und taktische Anforderungen unumgänglich nothwendig machen. Zur Zeit sind im zahlenmäßigen Bestand unserer Flotte noch viele minderwerthige und veraltete Schiffe vorhanden. Rücksichten auf die Kosten, den jetzt noch vorhandenen aber schnell steigenden Stand unseres Marinepersonals und die Schiffbaumittel unserer Privatindustrie zwingen uns, diesen Ballast noch einige Jahre als Theile der Schlachtflotte und unter dem Namen von Kreuzern mitzuschleppen. Neue Schiffe von geringerem Gefechtswerth oder geringerer Verwendungsfähigkeit, als andere Nationen von den Vertretern derselben Klassen verlangen, zu bauen, wäre falsche Sparsamkeit und eigentlich große Geldverschwendung für eine Seemacht, deren Schiffszahl ohnehin beschränkt ist. Das zu lange Unterhalten minderwerthiger deutscher Schiffe im Inund Ausland könnte sonst ihren braven Besatzungen vielleicht ebenso verhängnißvoll werden, wie es die Mangelhaftigkeit der alten schwachen Kreuzer für Spaniens Seeleute bei Manila geworden ist. Es muß deshalb das Streben aller deutschen patriotischen Männer sein, daß unsere Flotte die für die Lösung politischer Aufgaben und für die Ehre und die Sicherung des Reiches und seiner Angehörigen in der ganzen Welt nöthige Stärke erhalte. Wächst in Deutschland von Jahr zu Jahr die Erkenntniß des Werthes der Seemacht für das Ansehen und das Gedeihen des Reiches, sowie für das Wohlergehen aller Bürger, so ist zu hoffen, daß wie jetzt in England, so auch bei uns die Erhaltung der Flotte auf der Höhe der Leistungsfähigkeit der aufrichtige Wunsch und die Sorge des ganzen Volkes sein werden. Madrid, 16. Mai. In ministeriellen Kreisen hält man das englisch=amerikanische Bündniß für wahrscheinlich und glaubt, daß es den Zusammenschluß der übrigen großen und kleinen europäischen Staaten unter der Führung Rußlands und Deutschlands(!) zur Folge haben wird, wobei natürlich Spanien in Rechnung gezogen werden müßte. — 16. Mai. Heute verbreitete sich die sensationelle Nachricht, daß die spanische Regierung den Generalkapitän in Manila ermächtigt habe, den Philippinen die weitestgehenden Reformen zu gewähren. Hier glaubt man, dies sei das einzige Mittel, diese Kolonie zu behalten. Die Mönche erbieten sich, der Forderung der Philippinen entsprechend, sich zurückzuziehen, was die Lösung sehr erleichtert. Madrid, 16. Mai. Minister Präsident Sagasta reichte der Königin=Regentin die Demission aller Minister. Der Minister=Präsident wurde darauf von der Königin=Regentin mit der Neubildung des Kabinets beauftragt. — 16. Mai. Marschall Blanco berichtete aus Havanna hierher: Der gestrige Angriff der spanischen Schiffe gegen die amerikanische Flotte hatte den Zweck, so viel Schiffe als möglich vor Havanna zusammen zu ziehen. Der Zweck ist erreicht, denn 11 amerikanische Schiffe sind in Sicht vor Havanna. — 16. Mai. Aus Havanna wird telegraphirt: Gestern Mittag näherte sich ein amerikanisches Kanonenboot mit weißer Flagge; die Behörden sandten darauf zwei Stabsoffiziere ab. Die Amerikaner schlugen die Auswechslung zweier Gefangener vor, nämlich zweier amerikanischer Journalisten gegen einen spanischen Oberst und einen Hauptmann von der„Argonauta“. Havanna, 15. Mai. Nach einer amtlichen Meldung ist unter den abgeschlagenen Landungsversuchen der Amerikaner auf Cuba auch ein solcher an der Küste von Banes zu erwähnen, wo die Amerikaner durch Infanterie, Artillerie und Kavallerie zurückgeschlagen wurden. Einige Granaten schlugen auf dem Deck der feindlichen Schiffe nieder, worauf die Amerikaner sich sofort zurückzogen. Die Spanier hatten keine Verluste. Washington, 16. Mai. Von den zur Gestellung aufgerufenen 125,000 Mann sind disher 65000 Freiwillige für die Armee angenommen worden. Zum Befehlohaber der auf dem Traneportschiff„City of Peking" nach Manila abgehenden Brigade ist General Otie ernannt worden. General Otis hat den Auftrag, die vom General Dewey bezeichnete Stellung auf dem Lande einzunehmen und fortdauernd unter General Dewev Maßnadmen zu treffen, bis General Merriet persönlich den Oberbefedi auf den Philippinen übernimmt. Das Geschwader des Admirals Sampson bat gestern Cap Haiti passirt. Es ist noch ungewiß, ob die Flotte sich nach dem Süden richten wird, um auf das Capverdische Geschwader zu stoßen oder od sie sofort nach Key=West abgehen wird. — 16. Mai. Die Regierung beabsichtigt, alle Kabel im Süden Cubas abzuschneiden. Nur das Kabel Key=West=Havanna, das von der Rezierung kontrolirt wird, will sie intakt lassen. New=York, 15. Mai. Nach einer Depesche aus Cap Haiti befindet sich das Geschwader des Admirals Sampson bei Puerta Plata.(Puerta Plata liegt an der Nordküste von Haiti. Wenn die Nachricht sich bestätigt, ist Admiral Sampson nicht, wie verlautete, den Spaniern entgegengefahren, sondern befindet sich auf der Rückkehr nach Havanna oder Key=West. Die spanische und amerikanische Flotte scheinen sich gegenseitig ausweichen zu wollen. D. R.) — 16. Mai.„Evening World' bringt folgende Bepesche aus Curacao vom 15. d. Mts., Vorm. 11 Uhr: Die spanischen Panzerschiffe„Insantin Maria Theresia" und„Viecaya" verweilen hier, um Kohlen einzunehmen, die anderen spanischen Schiffe befinden sich außerhalb des Hafens. — 16. Mai. Die amerikanische Presse zollt der Rede Chamberlains warmen Beifall und heißt die Aussicht auf ein englisch= amerikanisches Bündniß willkommen. Die„New= York Times“ sagt: Wao immer die Pläne Rußlands und Frankreichs sein mögen, Deutschland müsse sich aus Rasseninteresse den Engländern und Amerikanern anschließen.(!) — 16. Mai. Das amerikanische fliegende Geschwader kam gestein Nachmittag gegen 5 Uhr auf der Höhe von Charleston an, nachdem es 3 Tage in See gewesen war und keine feindlichen Schiffe bemerkt hatte. Es erhielt den Befehl, nach Key West weiterzugehen. — 16. Mai. Einer Depesche aus Havanna zufolge stießen spanische Streitkräfte auf ein Korps der Aufständischen bei La Rosa in der Nähe von Encrucijada in der Provinz Santa Clara. Die Aufständischen eröffneten ein lebhaftes Kleingewehrfeuer, die Spanier jedoch warfen, nachdem sie Verstärkungen erhalten, die Insurgenten zurück, welche 17 Todte auf dem Platze ließen. Im Lager der Aufständischen fanden die Spanier eine große Menge Munition. — 15. Mai. Eine Washinztoner„Dalziel“=Depesche besagt: Falls die französischen Bedörden in Martinique nicht binnen 48 Stunden eine befriedigende Aufklärung geben, warum die Depesche des amerikanischen Konsuls bis Donnerstag zurückgehalten wurde, werde die Regierung die Konzession der französischen Atlantischen Kabelgesellschaft annulliren, das Kabel zerschneiden und Frankreich auffordern, das Verhalten der Behörden auf Martinique zu erklären. Der Staatssekretär beschloß, von Belgien Aufklärung zu verlangen, warum es dem spanischen Schiffe„Ravenna“ gestattet wurde, mit Waffen und Munition Antweipen zu verlassen. London, 16. Mai. Die Blätter bringen übereinstimmende Meldungen über die Anwesenheit des spanischen Geschwaders in Curagao. Man nimmt an, daß die Spanier einen Tag oder zwei in Curagao bleiben werden, um Kohlen einzunehmen, und hält diese Verspätung für einen günstigen Zufall, weil die beiden amerikanischen Geschwader sich vereinigen können, um den Feind aufzusuchen. Man hat dabei im Auge, daß die Spanier sich nach Cienfuegos wenden werden. Admiral Sampson soll seinen Erkundigungsdienst so eingerichtet haben, daß es den Spaniern unmöglich ist, aus dem caraibischen Meer hinauszukommen, ohne aufgefangen zu werden. Daher hält man eine Serschlacht für Mitte dieser Woche für wahrscheinlich. — 16. Mai.„Daily Mail“ berichtet aus KevWest, das Feuer der Spanier bei Cienfucgos habe eine solche gute Wirkung aus dem Grunde gehabt, weil bei den Geschützen von Cienfuegos sich mehrere deutsche(!) Artilleristen befunden hätten. — 16. Mai. Wie die„Times' aus New=York meldet, nimmt man daselbst an, daß der unmitteldare Bestimmungsort der gegenwärtig vor Curagao liegenden spanischen Flotte der Golf von Venezuela sei. Dort habe man auch Kohlen von Kohlenschiffen, welche von England vor der Neutralitäts=Erklärung abgegangen sind. — 16. Mai. Ein offiziöses Telegramm aus Honzkong meldet, in Manila sei der Preis für ein Pfund Fleisch auf 1½ Dollar(= 6 M.) gestiegen. (Fortsetzung.) Der Flüchtling bot nämlich einen Band Shakespeare und „Verlorene Paradies“ einem Buchhändler zum Kauf an; dieser hatte Mißtrauen, ob Blincoe rechtmäßig in den Besitz der Bücher gekommen sei. „Woher haben Sie die Bücher?“ fragte er. „Ich habe sie in London gekauft. „Wann?“ „Vor zwei Jahren.“ Da die von Bartlett herrührende Widmungsschrift auf dem ersten Blatt der Bücher erst wenige Monate alt war, so war dies eine sehr thö ichte Antwort und dei Buchhändler zweifelte nicht mehr daran, daß die Bücher gestohlen seien. „Dieses Eremplar des„Verlorenen Paradieses“ ist eine sehr seltene Ausgabe. Was verlangen Sie dafür? und was haben Sie selbst dafür bezahlt?“ „Fünf Schillinge. 626, Da das Buch einen Werth von mindentens 20 Schilungen hatte, so holte der Buchhändler die Polizei und ließ Blir coe verhaften. „Hätte er lesen können, so würde er sich klüger benommen haben und jetzt schon über alle Berge sein.“ Mit diesen Worten schloß Jim seine Erzählung. =Komm mit mir, Neison, fuhr er fort, indem er sogleich die Nutzanwendung aus der Geschichte zog,„und gieb mir eine Lektion im Lesen.“ 4. Kapitel. Eine Schreckensnacht. Das alte Waarenhaus war ein alleinstehendes, seit äniger Zeit außer Gebrauch gesetztes Gebäude, welches nur noch einige Ballen verdorbener Baumwolle, einen Haufen alter Säcke, ein paar leere Tonnen und sonstige acht mehr gebrauchte Gegenstände enthielt. Das ganze hatte keine Fenster und war daher fast völlig Lunkel; die Wände waren dermaßen feucht, daß das Wasser von ihnen herabtroff, und auf dem Fußboden eherte eine dicke Schicht von Staub und Schmutz. Im berigen war es ein Tummelplatz für Ratten und Mäuse, welche darin ungestört ihr Wesen trieben. Hierher wurde der Arrestant Blincoe gebracht, obgleich er flehentlich in doch in einen anderen Raum zu sperren. So lange es noch nicht ganz dunkel war und er noch een Lärm der Fabrik hörte, war der Aufenthalt in dem allen Waarenhause noch allenfalls erträglich; als aber auch der letzte Lichtstrahl, der durch die Thürspalte gefallen war, erlosch und die Dampfmaschine stillstand, da fühlte sich Blincoe völlig verlassen und eine furchtbare Angst bemächtigte sich seiner. Wie verzweifelt schlug er an die Thür und bat laut schreiend um Hülfe und Gnade. Jedoch es war alles vergebens kein Mensch bekümmerte sich um ihn und er ließ sich endlich erschöpft auf einen Ballen Baumwelle nieder. Inzwischen war es so dunkel geworden, daß er nicht eine Hand breit zu sehen vermochte, und die unheimliche, schauerliche Stille wurde nur hin und wieder durch ein leises Geräusch unterbrochen, welches die zahlreich vorhandenen Ratten verursachten. Blincoe erinnerte sich, schreckliche Geschichten von Ratten gehört zu haben, welche schlafende Menschen überfallen und zu Tode gebissen hätten; und als eins dieser Thiere seinen Fuß berührte und ein anderes über sein Gesicht lief, sprang er mit einem surchtbaren Schrei entsetzt auf. In seiner Todesangst bildete er sich ein, Tausende von Ratten zu sehen und zu hören, welche fortwährend um ihn her schwierten. Im nächsten Augenblick ergriff er eine am Boden liegende Kette und schlug damit aus vollen Kräften um sich. Durch das hierdurch entstehende Geräusch schienen die Ratten erschreckt zu werden und in ihre Schlupfwinkel zu flieben. Aber wie lange würden sie ihn in Ruhe lassen? Und er konnte doch nicht die ganze Nacht hindurch mit der Kette klappern! Ach, wie unendlich lange dauerte es noch, bis er Aussicht hatte, aus diesem schrecklichen Gefängnißbefreit zu werden! Die Fabrikuhr schlug eben 8, und vor 7 Uhr am nächsten Morgen war nicht darauf zu rechnen, daß auch nur ein Schimmer von Licht in diesen Ort des Schreckens dringen werde. 11 Stunden! 11 töotlich lange Stunden! Welche Ewigkeit! Und die Ratten! Und die Dunkelheit! Plötzlich überrieselte es ihn kalt und ein anderer licher Gedanke durchzuckte sein fieberhaft erregtes Gehirn — Charlys Geist!! Er befand sich in demselben Raum, in welchem sich vor kurzem ein anderer Lehrling erhängt hatte. Mit Grauen erinnerte er sich der furchtbaren Erzählung, wie Charlys Körper mit blau unterlaufenem Gesicht und heraushängender Zunge über der Thür gehangen habe; der Anblick sollie entsetzlich gewesen sein. Kein Wunder, daß man sich jetzt erzählt, Charlys Geist erschiene des Nachts in dem alten Waarenhause. Blincoes Blut raste fieberhaft in seinen Adern und seine Zähne klapperten; er fühlte, wie der kalte Schweiß von seiner Stirn rann und in großen Tropfen zur Erde fiel. „Gott sei Dank, ein Lichtschimmer!“ Ein Strahl des aufgehenden Mondes fiel durch die Thürspalte und verbreitete ein schwaches Licht in dem unheimlichen Raum. Nach und nach fing er wieder an, neuen Muth zu schöpfen, und suchte sich einen möglichst trockenen Platz aus, auf dem er sich erschöpft niedersetzte. Aber plötzlich fuhr er wieder entsetzt auf und seine Haare sträubten sich vor Angst und Schrecken. Was hing dort über der Thür?! Ein Köper mit einem Strick um den Hals, mit herabhäugendem Kopf und schlotternden Gliedern!! Ein Selbstmörder oder Chariys Geist?! Er vermochte nicht mehr ruhig zu denken; er schauderte und brach ohnmächtig zusammen.————— Einige Minuten später öffnete sich die Thür und Robin und Dick traten mit einer Laterne in das Haus. „Wo ist er?“ fragte Dick. „Dort!“ sagte Robin, indem er die Laterne erhob und auf die Stelle deutete, mo Blincoe lag. „Er schläft! Ader er hat sich den schlechtesten und härtesten Platz zum Schlafen ausgesucht! Warum dat er sich nicht alle diese Säcke zusammengetragen und sich daraus ein Lager gemacht? Wach auf, Blincoe, wir bringen Dir etwas zu essen!“ rief er, indem er ihn mit dem Fuße anstieß. Doch dieser rührte sich nicht. „Er ist todt!“ rief Robin entsetzt aus und trat einen Schritt zurück. „Todt?! Gott bewahre! Er hat nur einen leeren Magen und ist von Hunger ohnmächtig geworden. Brenne ein Stück Papier an und halte es ihm unter die Nase, dann wird er schon wieder aufwachen!“ Robin that, wie ihm befohlen war, worauf Blincoe mit einem tiefen Seufzer die Augen öffnete und erschrocken um sich dickte.„ Jmrk.u S.t. „Wo bin ich?“ murmeite er mit schwacher Stimme. „Wo solltest Du denn anders sein als in dem alten Waarenhause! Hast Du das schon wieder vergessen?“ „Aber der Gehenkte— Charlys Geist hat mich fast zu Tode geängstigt! Und— mein Gott, mein Gott — er ist noch da!“ „Wo— wo?!“ rief Dick aus. „Dort!— über der Thür! „Verdammt— Gott steh uns bei, wollte ich sagen! Wahrhaftig, es hat sich schon wieder einer erhängt: Und Dick taumelte ebenso bleich und entsetzt wie Blincoe kraftlos gegen die Mauer. „Nichts da! rief Robin, der allein seine Kaltblutigkeit bewahrt hatte, lachend aus.„Das ist kein menschlicher Körper und auch kein Geist, sondern nur ein alter Sack!“ „Wahrhaftig! Ich glaube, Du hast Recht. Es ist Landtag. Berlin, 16. Mai. Das Abgeordnetenhaus hielt zwei Sitzungen ab, die beide durch Konstatirung der Beschlußunfähigkeit endeten, zur Berathung stand das Anerbengesetz für Westfalen in 3. Lesung. Die Nationalliberalen datten ihre in der 2. Lesung abgelehnten Anträge wieder eingebracht und Abg. Oswalt erklärte, daß sie das Gesetz in der vorliegenden Fassung ablednen wurden; ein Theil würde es auch in jeder anderen Form ablednen, weil sie eine Anwendung desselben auf andere Provinzen befurchteten. Dagegen erklärte Abg. Gamp. daß die überwiegende Medrheit der Freikonservativen nunmehr für das Gesetz stimmen würde, nachdem es in der 2. Lesung eine annehmbate Gestalt gewonnen habe. Für das Gesetz sprachen ferner Adag. Klasing(kons.). Opfergelt, Cabenslo, Herold und Dr. Porsch(Zentr) Diese nationalliberalen Anträge wurden durchweg abgelehnt. Bei der Abstimmung nichts als ein alter Sack!— Aber Blincoe, was für ein erbärmlicher Hasenfuß bist Du, daß Du Dich durch einen leeren Sack so erschrecken läßt!“ Und mit diesen Worten ging Dick muthig auf den Sack los und schüttelte ihn kräftig. „Er sieht aber genau wie ein Gehenkter aus,“ sagte Blincoe beschämt und zögernd, indem er sich mit Rodins Unterstützung mühsam erbod. „Der Sack nicht!“ antwortete Dick.„Aber Du sichst vielmehr wie ein Gehenkter aus—— Komm und iß etwas Grütze, die wird Dir wieder Muth machen!" Tiotz der ausgestandenen Angst ließ sich Blincoe sein Abendbeo## gut schmecken; als aber die anderen Miene machten, sich zu entfernen, dat er sie inständigst, ihn doch mitzunehmen. „Hier sind Tausende von Ratten“, jammerte er,„die mich bei lebendigem Leibe auffressen werden. Und dann Charlys Geist! Er kommt gewiß um Mitternacht, um mich zu holen. O bitte, bitte, nehmt mich mit! Ich will auch ganz gewiß nicht fortlaufen; bindet mich an Händen und Füßen, macht mit mir, was Ihr wollt, aber laßt mich nicht die ganze Nacht hier allein!“ „Es geht nicht,“ sagte Dick ernst.„Ich darf nicht gegen die ausdrücklichen Befehle des alten Bod handeln. „Würdest Du ruhiger sein, wenn jemand bei Dir bliebe?“ fragte Rodin. „Ja, dann würde ich mich nicht ängstigen. Aber wem könnte man es zumuthen, die ganze Nacht über hier bei mir zu bleiben?“ „Ich will bei Dir bleiben!“ „Du!? Du, den ich um all sein Hab und Gut bestohlen habe?!“ „Ja.“ „Ist das Dein Ernst?“ fragte Dick erstaunt. „Gewiß, es würde eine Sünde sein, den armen Menschen in diesem Zustand hier allein zu lassen.“ „Nun schön; ich glaube, daß ich das gestatten darf. Damit Ihr Euch aber vor der Kälte und den Ratten einigermaßen schützen könnt, so will ich Euch ein paar wollene Decken holen und meinen Hund mitbringen, der ein ausgezeichneter Rattenfänger ist.“ Dick hielt sein Versprechen und erschien nach wenigen Minuten mit den Decken und einem struppig aussehenden kleinen Terrier. „So“, sagte er.„Nun macht es Euch bequem und schlaft, so gut Ihr könnt. Morzen früh um 5 Uhr, wenn die anderen noch schlafen, lasse ich Dich wieder heraus, Reison; nun gute Nacht!“ (Fortsetzung sorgr.) des§ 14 stellte sich Beschlußunfäbigkeit heraus, worauf sofort eine neue Sitzung anberaumt wurde. In dieser wurde§ 14 mit 158 gegen 59 Stimmen angenommen. Die einzelnen Paragraphen wurden in der in 2. Lesung beschlossenen Fassung angenommen. Bei der Gesammtabstimmung über das ganze Gesetz ergab sich wiederum Beschlußunfähigkeit. Die Abstimmung wird morgen wiederholt; die Annahme des Gesetzes ist nicht zweifelhaft. Außerdem stehen auf der morgigen Tagesordnung: Interpellationen beir. die San José Schildlaus, die Verunreinigung der Elster und Luppe und den Piesberger Ausstand. Deutsches Reich Der Kaiser und die Kaiserin sind am Sonntag Nachmittag von Schloß Urville in Straßburg eingetroffen, wo sie vom Statthalter, Fürsten HohenloheLangenburg, mit Gemahlin auf dem Bahnhofe empfangen wurden. Bald nach der Ankunft besichtigte der Kaiser die neue evangelische Garnisonkirche sowie die neuen Hafenanlagen. Am Abend nahm das Kaiserpaar den Zapfenstreich entgegen. Gestern früh fuhr der Kaiser nach Maemünster zur Besichtigung des dortigen Stauweihers und dann noch Molsheim zur Besichtigung der Feste. An der am 3. September vor dem Kaiser stattfindenden Parade nehmen außer den Truppen des X. Korps die Infanterie=Regimenter 75, 76, 89, 90, 162 und 163, die Kavallerie=Regimenter: Dragoner 17, Ulanen 5, Husaren 8, 11, Kürassiere 4, FeldartillerieReziment 24 und Pionier=Bataillon 9 Theil. Die Kaisermanöver des durch die 17. Division verstärkten X. Korps gegen das durch die 7. Division verstärkte VII. Korps beginnen vorauesichtlich am 5. September und endigen am 10. September. Kronprinz Wilhelm, welcher wegen eines leichten Unwohlseins einige Tage das Bett hüten mußte, ist jetzt wieder völlig genesen. Die Abreise der kaiserlichen Prinzen von Plön erfolgt am 18. d. M. Sieben Kadetten, welche an der Einsegnungefeier theilnehmen werden, fahren gemeinsam mit den Prinzen nach Berlin. Während der Berathung des Anerbengesetzes verlas der Reichskanzler die kaiserliche Botschaft, die die beiden Häuser des Landtags auf Mittwoch 11 Uhr zum Landtagsschluß in den Weißen Saal beruft. Der Schließung des Landtages wohnen auf allerhöchsten Befehl die in Berlin garnisonirenden Generale, Obersten und Regiments=Kommandeure nebst den gleichen Chargen der Marine bei. Im Dom zu Fulda fand gestern die feierliche Beisetzung der Leiche des Erzbischofs Dr. Komp durch Weihbischof Fischer aus Köln statt. Anwesend waren als Vertreter der Staatsregierung der Obespräsident Magdeburg aus Kassel, ferner Vertreter des Großherzogs von Baden und verschiedener Bisthümer. Nach einem Telegramm der Londoner„Daily Mail“ aus Cape Coast Castle wäre Salaga im neutralen Gebiet des Hinterlandes von Togo und der Goldküste an Deutschland abgetreten worden. Bestätigung bleibt abzuwarten. Geheimrath Dr. Robert Koch berichtet im Kol.=Bl.“ über die Ergebnisse seiner Forschungen in Deutsch Ostafrika und faßt seine interessanten Wahrnehmungen in folgende Sätze zusammen: Ich habe die Ueberzeugung gewonnen, daß das Usambaragebirge in der Höhe von 1200 Metern und darüber für die Besiedelung durch Europäer in gesundheitlicher Beziehung vorzüglich geeignet ist.. Wenn die Besiedelung des Gebirge, unter den jetzigen Verhältnissen gelingen soll, dann müssen allerdings noch gewisse Bedingungen erfüllt werden. Vor allen Dingen müssen die Einwanderer so ins Gebirge befördert werden, daß sie weder beim nothwendigen Aufenthalt an der Küste, noch auf dem Wege zum Gebirge mit Malaria infizirt werden. Daß dies möglich ist, beweist meine eigene Expedition. Ferner muß den Ansiedlern im Gebirge ausreichende ärztliche Hilfe zur Verfügung gestellt werden, damit, wenn trotz aller Vorsicht Jemand nach seiner Ankunft an Malaria ertrankt, die Krankheit schnell und sicher beseitigt wird. Allem Anscheine nach giebt es in Deutsch=Oftafrika nach ausge, dehnte Gebiete, welche dem Usambaragebirge analoge Verhältnisse darbieten und geeignet sein dürften, einen Theil des Auswanderungsstrowes, welcher alljährlich von Deutschland in's Ausland abfließt und für das Mutterland jetzt dauernd verloren geht, aufzunedmen. Es wäre sehr zweckmäßig, wenn bei Zeiten diese Landstriche auf ihre gesundheitlichen Verhältnisse ähnlich wie Westusambara untersucht würden. Ausland Oesterreich=Ungarn. Wien, 15. Mai. Prinz=Regent Luitpold von Bayern traf heute zu einem zehntägigen Besuche bei seiner Schwester, der Erzherzogin Adelgunde, inkognito ein. Großbritannien. Glasgow, 14. Mai. Zu Ehren der Offiziere des hier vor Anker liegenden deutschen Geschwaders wurde von der Verwaltung der Stadt heute ein glänzendes Festmahl veranstaltet, an dem alle in Glasgow und Umgegend anwesenden Offiziere der Marine und des Landbeeres theilnahmen. Der Bürgermeister brachte einen Trinkspruch auf den deutschen Kaiser und die Kaiserin aus und gab dem Wunsche Ausdruck, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Großbritannien und Deutschland noch lange fortdauern möchten. Der Toast wurde begeistert aufgenommen. Die deutschen Ofsiziere antworteten mit einem Hoch auf die Königin Viktoria. Admiral Thomsen erklärte in seiner Antwort auf den Trinkspruch auf die Gäste, der mit nicht endenwollenden Zurufen aufgenommen wurde, der Empfang des deutschen Geschwaders in Queenstown und am Clyde werde einen dauernden Eindruck in den Herzen der Deutschen hinterlassen. Italien. Rom, 15. Mai. Die Zahl der Todten bei den jüngsten Unruhen in Mailand beläuft sich angeblich auf 71. Die Zahl der Verwundeten, die erkannt sind, beträgt 215. Rechnet man diejenigen hinzu, die nur leichte Verletzungen erlitten haben, so würde die Zahl nicht mehr als 400 betragen. 22 Verwundete, darunter 3 Offiziere, sind im Hospital untergebracht. Bulgarien. Sofia, 16. Mai. Der Kriegsminister Iwanow hat, wie es scheint, die Gesuche der aus Anlaß der Betheiligung an dem Attentat gegen den Fürsten Alerander ausgewiesenen bulgarischen Offiziere um Wiederanstellung in der Armee in ihrer Mehrzahl bewilligt. Türkei. Konstantinopel, 16 Mai. Gestern ist die erste Rate der Kriegs=Entschädigung gezahlt worden, wovor: Fürst Maurocordato die Pforte verständigte. Herute beginnen die griechisch= türkischen Verhandlungen soegen einer besonderen Uebereinkunft.— Bis gestern haben 16 Bataillone mit insgesammt 10000 Mann Thessalien verlassen.— Das Schiff der russischen Freiwilligen=Flotte„Wladimir“ ist heute hier mit dem Kontre=Admiral Stark und 1000 Mann an Bord eingetroffen und gedenkt morgen nach Port Arthur in See zu gehen. Saloniki, 15. Mai. Die Rückkehr der türkischen Truppen aus Thessalien via Saloniki hat begonnen. Kairo, 16. Mai. Die Derwische unter Osman Digna stießen auf den Engländern freundlich gesinnte Stämme bei Getares. Osman Digna wurde verwundet, doch gelang es ihm, zu entkommen. China. Peking, 16. Mai. Prinz Heinrich von Preußen stattete gestern im, Ferienpelast dem Kaiser und der Kaiserin=Wittwe von China Besuche ab. Der Prinz und sein Gefolge begaben sich zu Pferde, von einer kleinen, gleichfalls mit Ponies berittenen Eskorte Marinesoldaten begleitet, in früher Morgenstunde nach dem Palaste, wohin eine andere Abtheilung Marinesoldaten zu Fuß folgte. Bei der Ankunft im Palaste wechselten der Prinz und sein Gefolge die Kleidung; es wurde eine kalte Erfrischung gereicht. Alsdann stattete Prinz Heinrich in Begleitung des deutschen Gesandten Frhr. v. Heyking und des Dolmetschers der KaiserinWittwe einen Besuch ab. Letztere richtete zahlreiche Fragen an S. k. Hoheit. Darnach empfing der Kaiser den Prinzen Heinrich und das gesammte Gefolge. Der Kaiser schüttelte dem Prinzen die Hände; letzterer übergab sodann herrliche Vasen aus der königlichen PorzellanManufaktur in Berlin als Geschenke des deutschen Kaisers. Rach kurzem Austausch verbindlicher Reden begab sich der Kaiser nach dem Eingange der Halle, wo die Al theilung Marinesoldaten aufgestellt war. Der Trommel= wirbel derselben rief beim Kaiser leichtes Erstaunen hervor. Hierauf verließen Prinz Heinrich und sein Gefolge den Kaiser und befuhren auf Dampfbooten und elektrischen Booten den See in der kaiserlichen Stadt und besichtigten die Sehenswürdigkeiten, wobei Prinz Tsching als Führer diente. Der Kaiser erwiderte den Besuch des Prinzen und übergab ihm schöne Geschenke, Vasen, sowie zwei von der Kaiserin=Wittwe selbst gemalte Fächer. Prinz Heinrich geleitete alsdann, nur von dem Dolmetscher Frhrn. v. d. Goltz begleitet, den Kaiser in das anstoßende Gemach und brachte hier geraume Zeit im Gespräche mit ihm zu. Nach diesem Besuche kehrten Prinz Heinrich und Gefolge zu Pferde nach Peking zurück. Gestern hat der Prinz an einem Festmahle in der englischen Gesandschaft theilgenommen. Zur Reichstagswahl. * Solingen, 17. Mai. Von morgen ab liegen im Zimmer Nr. 4 des Rathhauses die Wählerlisten der Stadt Solingen auf. Ein jeder Wahlberechtigte versäume es nicht, nachzusehen, ob seine Person in dem Verzeichniß enthalten ist, und veranlasse, wenn er nicht aufgeführt ist, sofort seine Eintragung. Wahlberechtigt ist jeder Deutsche, welcher das 25. Lebensjahr vollendet hat. Für Personen des Soldatenstandes ruht die Berechtigung zum Wählen so lange, als sie sich bei der Fahne befinden. Von der Berechtigung zum Wählen sind ausgeschlossen 1) Personen, welche unter Vormundschaft oder Kuratel stehen, 2) Personen, über deren Vermögen Konkurs oder Fallitzustand gerichtlich eröffnet ist, und zwar während der Dauer dieses Konkurses oder Fallitverfahrens, 3) Personen, die eine Armenunterstützung aus öffentlichen oder Gemeindemitteln beziehen oder im letzten, der Wahl vorhergegangenen Jahre bezogen haben, 4) Personen, denen infolge rechtskräftigen Erkenntnisses der Vollgenuß der staatsbürgerlichen Rechte entzogen ist für die Zeit der Entziehung, sofern sie nicht in diese Rechte wieder eingesetzt sind. Rheinland und * Cronenberg, 16. Mai. Unserm frühern Mitbürger, Herrn Dr. med. Betzhold in Neuwied, ist der Charakter als Sanitätsrath verliehen worden. 16. Mai. Ein grausiger Fund wurde gestern in einem in der Nähe des reformirten Kirchhofes gelegenen Teiche gemacht. Es war die bereits in Verwesung übergegangene Leiche eines mit schwarzem Anzuge, schwarzen Strümpfen und Schnürschuhen bekleideten Mannes. Dieselbe wurde ins Todtenhaus geschafft. Da ein schmaler Fußpfad an dem Teiche vorbeiführt, wird vermuthet, daß der Mann im Finstern infolge eines Fehltrittes ins Wasser gefallen ist. Ueber die Persönlichkeit des Todten ist noch nichts bekannt. Barmen, 16. Mai. Eine in der Collenbusch= straße wohnende Familie hatte seit längerer Zeit mit Nahrungssorgen zu kämpfen. Die Frau hat sich dieses so sehr zu Herzen genommen, daß sie in Tiefsinn verfiel. Als die Familie am 1. Mai ermittirt wurde und der Mann dieselbe verließ, wurde die Frau völlig irr: sinnig und mußte ins Krankenhaus geschafft werden. Die Kinder fanden Aufnahme im Rettungshause. Köln, 17. Mai. Der Rhein ist in den letzten Tagen erheblich gestiegen. Der hiesige Pegel zeigte gestern Abend 4,79 Meter, gegen 4,35 Meter am Sametag=Abend. Die Nachrichten vom Oberrhein und der Mosel stellen noch weiteres Steigen des Wassers in Aussicht. 16. Mai. Lebensgefährliche Verletzungen zog sich heute eine in einem Hause am Laach arbeitende 19jährige Näherin in Folge eines Mißverständnisses zu. Als Schutzleute das Haus betraten, um eine Dirne zu verhaften, glaubte die Näherin, welche kürzlich einen Strafbefehl wegen Ruhestörung erhalten hatte, der Besuch gelte ihrer Person, und flüchtete sich, so berichtet die„K. Volksztg.“, auf das Dach des Hauses mit der Drohung, sich eher von dort herunter zu stürzen, als sich fortführen zu lassen. In ihrer Aufregung spcang sie vom Dache des vierstöckigen Hauses auf dasjenige eines kleinern nebenliegenden Hauses herab, von wo die Feuerwehr sie herunter holte und nach dem Bürger=Hospital brachte. Die Verletzungen der Näherin sind so, daß man an ihrem Aufkommen zweifelt. Bonn, 14. Mai. Zwei Touristen in Radfahrerkleidung mietheten gestern in Königswinter zwei Pferde, um zum Drachenfels zu reiten. Sie schwangen sich auf die Gäule, vergaßen aber das Wiederkommen. Abends sind die Reisigen hier bemerkt worden. Da heute der Telegraph nach allen Richtungen hin gespielt hat, wird den Dieben die Versilberung der Beute wohl erschwert werden. Rüdesheim, 15. Mai. Gestern tagte hier der Arbeiteausschuß für die deutschen Nationalfeste mit dem großen rheinischen Ausschuß. Die heutige, aus der Rheinprovinz gut besuchte Versammlung wurde durch einen mit großem Beifall aufgenommenen Vortrag des Abg. v. Schenckendorff eingeleitet. Mainz, 16. Mai. Die schweren Gewitter, die sich gestern über der hiesigen Gegend entluden, haben im ganzen Rheingau großen Schaden angerichtet. In Eltville, Walluf, Schierstein, Biebrich und Mosbach fielen Hagelkörner in der Größe von Tauben=Eiern. Während des Gewitters stellte die Bahn zwischen Eltville und Schlangenbad zeitweise den Betrieb ein, wegen der gegen den Unterbau der Bahn anströmenden Wassermassen. — 16. Moi. Der Gesangverein„Harmonia“ aus Zürich ist, 360 Mann stark, darunter 200 Sänger, heute hier eingetroffen. Von der Saar, 14. Mai. Durch Anschlag am Thore seines Hüttenwerkes macht Herr v. Stumm bekannt, daß er mit Rücksicht auf die gestiegenen Brodpreise für die Monate Mai, Juni und Juli allen Meistern und Arbeitern über 24 Jahren eine monatliche Theuerungs=Zulage von 5 Mark gewähre. Uerdingen, 15. Mai. Gestern gerieth ein auf einer hiesigen Fabrik angestellter Ranzirer unter die Räder eines Wagens, so daß der Tod sofort eintrat. Vom Rhein zur See! In einer längeren Adhandlung in der„T. Rosch.“ äußert sich Karl Strackerjan über die Bedeutung des Kölner Hafene anläßlich der Einweihungsfeierlichkeiten u. A. wie folgt: Unter der großen Zahl der in Köln an den Kajen mit Löschen und Laden beschäftigten Stromschiffe pflegen stets, durch kräftigen, gedrungenen Bau deutlich unterschieden, einige Dampfer hervorzutreten, deren Aeußeres verräth, daß sie nicht bloß ein Binnen: gewässer befahren, sondern den Unbilden des Meeres selber Trotz bieten sollen. In der That, das weitab Meere belegene Köln ist ein nicht unbedeutender Seehafen. Jene Dampfer, die hauptsächlich einer kölnischen und einer bremischen Rhederei gehören, besorgen einen rezelmäßigen unmittelbaren Güterverkehr mit England wie überhaupt mit verschiedenen Hafenplätzen der Nord= und Ostsee. Schon im zehnten Jahrhundert vermittelte Köln, an der wichtigsten Wasserstraße des Reichs gelegen, zum weitaus größten Theile dessen unmittelbaren Verkehr mit Britannien. Unter Wilhelm dem Eroberer genossen die kölnischen Kaufleute besondere Vorrechte in den englischen Häfen, und in London selber stand ihnen ein eigenes Kaufhaus unter dem Schutze der englischen Könize zu. Drei Jahrhunderte später indeß war der gewinnbringende englische Handel in Verfall gerathen. An seine Stelle war für Köln mehr und mehr die Binnenschifffahrt mit Holland als Vermittler des Seeverkehrs getreten. Schließlich gelangte der deutsche Ryein und mit ihm sein gewaltiges Hinterland für ihren Güteraustausch zur See in völlige Abhängigkeit von den Häfen der Niederlande. Erst in unserem Jahrhundert erwachte am Rhein der alte hansische Unternehmungsgeist auf's Neue. Vor jetzt etwa 60 Jahren faßte man den kühn erscheinenden Plan, Köln gleich eine überseeische Verbindung zu geben. Mehrere stattliche Segler von eigener flachbodiger Bauart wurden bis nach der Küste Brasiliens in Fahrt gesetzt. Aber das Unternehmen war seiner Zeit vorausgeeilt. Das schlechte Fahrwasser und die chikanöse Eifersucht der Holländer waren ihm nicht günstig und man mußte es wieder zu Grabe tragen. Aber der Kern dieses Planes, Köln auf's Neue mit der See in unmittelbare Verbindung zu setzen, war gesund gewesen, und als es endlich 1879 geglückt war, Holland zu gemeinsamer Vertiefung des Rheinbettes für die Schifffahrt zu bewegen, drängte sich jener Gedanke wieder auf. Schon bald nachdem die mittlere Tiefe des Rheinfahrwassers auf drei Meter gebracht worden, bildete sich, im Jahre 1885, in Köln die Rhein=See=Schifffahrtsgesellschaft, die mehrere Dampfer nach London in Fahrt setzte. Mit ihrer geringen Eintauchtiefe und mit ihren niederlegbaren Schornsteinen und Masten vermochten sie sowohl die seichteren Stellen des Rheins, diese freilich namentlich auf holländischem Gebiete nicht immer ohne Hindernisse, wie die zahlreichen festen Brücken zu passiren. Ein halbes Jahrzehnt später kam die Bremer Dampfschifffahrtsgesellschaft„Neptun“ mit ihrem Pionierdampfer„Arion“, dem sie dann nach und nach zahlreiche andere Schiffe folgen ließ, so daß Köln und mit ihm die übrigen deutschen Häfen des Niederrheins jetzt, wie schon erwähnt, eines regelmäßigen Dampferverkehrs nach einer Anzahl Häfen der Nord= und Ostsee sich erfreuen. Einige unserer größten Hafenplätze ausgenommen, hat sich Köln binnen kurzer Zeit schon in die Reihe der verkehrsreicheren Seehäfen des Deutschen Reiches gestellt. Seine Grenze findet dieser Verkehr bis,dahin allerdings noch in der Nothwendigkeit der Benutzung eigens dafür gebauter Schiffe von mäßiger Größe. Ob das neuzeitliche Bestreben, binnenländische Handelsplätze durch Vertiefung ihrer natürlichen Wasserstraßen gewissermaßen näher ans Meer zu rücken, auch für Köln noch weitere Früchte tragen wird, als bisher schon, mag dahingestellt ein. Thatsache aber ist es, daß schon seit Jahren der Gedanke aufgetaucht ist, Köln für Seeschiffe jeder Art bis zu 6 Meter Tiefgang zugänglich zu machen. Zwar würde auch dann noch, außer den mächtigen Ozeandampfern, selbst den größern Dampfern europäischer Fahrt der Zugang zum deutschen Rhein noch immer verschlossen bleiben. Freuen wir uns zunächst daher schon des Erreichten. Schmerzlich mußte es früher das deutsche Gefühl berühren, daß der gesammte Seeverkehr des deutschen Rheines und seines so überaus gewerbfleißigen Hinterlandes ausschließlich der Vermittelung nichtdeutscher Häfen bedurfte. Das niederländische Rotterdam mit seinem gewaltigen Hafenverkehr trug—(und trägt)— den Löwenantheil an dieser wirthschaftlichen Beute davon. Mehr als drei Viertheile seiner Ein= und Ausfuhr von Gütern entfallen auf deutsche Rechnung. Amsterdam und Antwerpen theilen sich in den Rest dieses Verkehrs. Auch diese Häfen sind ja eigentlich so recht niederdeutsch wie nur Köln selber, wie Hamburg, Bremen und und Lübeck, politisch aber gehören sie derzeit zum Auslande. Wir müssen es als einen bedeutsamen Gewinn unserer deutsch=nationalen Volkswirthschaft mit freudiger Genugthuung begrüßen, wenn mindestens ein Theil des dem deutschen Rhein zukommenden Güterverkehrs zur See durch unmittelbare Schifffahrt der Tributpflichtigkeit an jene ausländischen Häfen entzogen wird. Ein besonderer Anlaß regt diese Betrachtungen an. Das alte Köln befindet sich innerlich wie äußerlich in einem Vorgange rascher V.rjüngung. Von den Fesseln der innern engen Umwallung befreit, hat es weiten Raum zur Ausdehnung gewonnen. Gleichzeitig nimmt sein rheinischer Großhandel einen neuen, immer stätkeren Ausschwung. Von den neuerbauten gewaltigen HafenAnlagen erwartet bürgerliche Thatkcaft reichen Gewinn. Köln wird noch weiterhin sich einen steigenden Antheil an Deutschlands Verkehr und damit an Deutschlands Größe zur See zu sichern wissen. Und so wird gerade diese aus der berechtigten kaufmännischen Selbstsucht der kölnischen Bürgerschaft, aus dem„Suchen nach Gütern“ hervorgegangene Neuschöpfung nicht bloß dem engeren Gemeinwesen, nicht bloß dem eigentlichen Bereiche seiner Handelsthätigkeit, sondern der ganzen Nation, dem gesammten deutschen Reiche hervorragend zu Gute kommen. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 17. Mai. *— Die Uebernahme des neuen Amtsgerichtsgebäudes durch die Justizverwaltung wird am nächsten Dienstag, den 24. Mai, stattfinden; ein Festessen im Kasino wird sich dem denkwürdigen Akt anschließen. — Aus der gestrigen Handelskammer=Sitzung ist Nachstehendes hervorzuheben: a) Herr Instus Böker wird zum stellvertretenden Handelsrichter vorgeschlagen, b) das Gehalt des Sekretärs auf M. 4000 festgesetzt; c) die Unterstützung des Antrages auf Einrichtung ständiger Postkonferenzen unter Hinzuziehung von Vertretern der Verkehrs=Interessenten abgelehnt, d) die Bildung kaufmännischer Schiedsgerichte für den hiesizen Beuirk nothwendig erachtet; e) der Antraz auf Befreiung des Petroleums für den Motoren=Betrieb vom Eingangezoll soll bei dem Bundesrath werden; 1) das auswärtige Amt wird ersucht, daßin wirken, daß die in Rußland eingeführten„Handwerker, messer“ auch fernerhin als„Werkzeuge“. „Messerwaaren“ verzollt werden; g) dem Antrage der Handelskammer zu Duisburg, die Telegraphen=Ver waltung gemeinsam um Beseitigung der störenden wirkungen auf den Fernsprechbetrieb anzuzehen, soll Folgegeben werden; h) Der Herr Justizminister hat die Errichtung einer Kammer für Handelssachen mit dem Sitz in Solingen abgelehnt, weil es derselben an reichender Beschäftigung fehlen würde. — Die auf gestern in den Gasthof Egzers einbe. rufene Haupt=Versammlung des Solinger gemeinnützigen Bauvereins war nicht beschlußfähig. Um über die u 2 auf der Tages=Ordnung stehende Abänderung der Statuten in Berathung treten zu können, hätten mehr al /3 des Aktien=Kapitals durch die Anwesenden vertreten sein müssen, was aber nicht der Fall war. Eine unt allen Umständen beschließende Versammlung wird nun in etwa 3 Wochen abgehalten werden. Der Verein, welcher bekanntlich unter Garantie der Stadt von der Landesbank ein Darlehn von 60,000 Mk. entnehmen wird, wird demnächst, soweit Anträge vorliegen, den Weiterbau von Häusern aufnehmen. Ein größeres Terrain hierzu ist bereits in dem Enaur'schen Grundstück unterhalb der Octschaft Kirschhaum auf das Heidberger Thal zu gesichert. — Die Zahl der Kinder, die Anfang dss. Mts. die Volksschule des Stadtkreises aufgenommen wurd en. beträgt ungefähr 1250—1300. — Herr Hofkünstler Rößner wird, da die Vorstellung am Sonntag Abend sich eines sehr guten Besuches erfreute, am Donnerstag Abend nochmals eine und zwar die letzte Soirée geben. — Am 25. und 26. d. Mts. wird von der Firma I. M. Heberle in Köln die Kunst= und Waffensammlung des in Dresden verstorbenen Herrn Rud. v. Berthold zur Versteigerung gebracht. Ihre Bedeutung liegt vornehmlich in der 554 Nummern umfassenden Waffensammlung, die Rüstungen, Stangen= und Klingen=, sowie Feuerwaffen umfaßt. — Gestern Abend gegen 8 Uhr ereignete sich in der Oststraße ein Unfall. Ein Radfahrer, welcher noch mit einem Kollegen schon während des Nachmittags Radfahrübungen auf der abschüssigen Straße vorgenommen hatte, konnte sein im raschen Laufe befindliches Rad nicht mehr aufhalten und schlug gegen ein Geländer, so daß er von seinem Rad, welches total zertrümmert wurde, herabgeworfen wurde und bewußtlos liegen blied. Als er das Bewußtsein wieder erlangt hatte, brachte ihn sein Kollege nach Hause. Wie wir hören, soll sich der junge Mann eine schwere Verstauchung der linken Hand zugezogen haben. Eine so abschüssige Straße, wie es die Oststraße ist, erscheint zu Radfahrübungen keineswegs geeignet. — In einer hiesigen Fabrik büßte gestern ein Schwertarbeiter von Erbenhäuschen dadurch 2 Finzerspitzen der linken Hand ein, daß er mit derselben unter einen Hammer gerieth. Der Verunglückte wurde in' Krankenhaus gebracht. — Zur Feier des 35jährigen Bestehens des Schützenhöher Turn=Vereins hat derselbe 4 goldene Medaillen gestiftet. Dieselben sind von Juwelier I. Brams hierselbst angefertigt worden und tragen auf der einen Seite in schwarzer Emaille die Inschrift: „Schützenhöher Turn=Verein, Meisterschaft im Dreikampf (bezw. Springen, Stemmen 2c.) 1898“; auf der Rückseite zeigen die Medaillen einen Eichen= und Lorbeerkranz mit dem Turnerwappen, dem 4fachen F und dem Loosungswort„Gut Heil". Die Medaillen haben die Größe eines 1 Markstücks und einen Werth von 40 M. — Es wird darauf hingewiesen, daß gegen diejenigen, welche kürzlich ihre Wohnung gewechselt, aber versäumt haben, dies dem städtischen Meldeamt anzuzeizen, vorgegangen werden wird. — Festgenommen wurden gestern 3 Personen wegen Unfugs und Trunkenheit. — Der Bewohner eines Hauses der Schützenstraße, der eines Sittlichkeitsverbrechens bezichtigt wiro, ist nach seiner gerichtlichen Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt worden. — Von den am 11. und 12. ds. Mts. in Berlin auf der Mastviehausstellung ausgestellten und in den Zeitungen vielfach besprochenen Thieren hat Herr Metzzer Kuhler vom Markte in Elberfeld zwei Stück Rinder ins hiesige Schlachthaus gebracht. Das eine der beiden prächtigen Thiere wurde bereits gestern geschlachtet. Sein Gewicht betrug, obwohl es noch nicht 4 Jahre alt über 800 Pf. Das zweite Rind steht bis morgen Nachmittag in der Schlachthausstallung.„ — Ein Patent wurde angemeldet auf ein Selbstöffner=Schirmgestell von Kortenbach& Rauh, Woyn, ertheilt wurde ein solches auf einen Verschluß für zerlezbare Zangenscheeren an L. Grah, auf der Bech bei Oblizé. — Als Gebrauchsmuster wurden eingetragen: Heft für Messer, Gabeln oder dergl. mit aus einem Stück destehenden, am unteren Ende zusammenhängenden Schalen für Gust. Schneider, Solingen,— Behälter aus als Verpackungsgegenstand für Fruchtgelée und dergl. für Emil Kirberg, Solingen,— Messer mit Heft aus am unt eren Heftende umgebogenen Blechstreifen Schneider, Solingen=Clauberg,— Taschenbügelverschluß mit in einer Ruth des Schloßgehäuses zwangsläußz; führtem Verschlußschieber für Gebrüder Killing, — verlängert wurde die Schutzfrist auf einen Rasir-Apprat für Franz Voos, Solingen.. 6 — Die Gültigkeitsdauer der Eiseng##n. rückfahrkarten an den Pfingsttagen ist auf 12 bemessen, und zwar auf 3 Tage vor und 6 Tage nach den Pfingstfesttagen. Die am Donnerstag, dem 20. Mai, gelösten Rückfahrkarten haben also Gültigkeit die Montag, den 6. Juni. Die Rückfahrt darf jedoch## diesem Tage nicht nach Mitternacht angetreten — Die Bezirkskommandos beginnen jetzt schon vielfach damit, die Arbeitgeber zu Angaben darüber au zufordern, ob sie beabsichtigen, im Herbst d. J.!" Entlassung kommende Reservisten in Sstz, lung zu nehmen. Den Arbeitgebern, welche auf diest Arbeitekräfte rechnen, ist zu empfehlen, möglichst eeir die zuständigen Behörden davon in Kenntniß zu setzen, damit nicht erst kurz vor der Entlassung an die Erlen gung solcher Anträge herangegangen zu werden braucht. — Radfahrer dürfte die Nachricht interessiten, daß der Regierungsptäsident von Rheinbaben“ Polizei= Verordnung erlassen hat, wonach Radsapt“. bei Benutzung der Schiffbrücken zu Düsseldor Wesel abzusitzen und das Rad zu führen haben. 3 widerhandlungen werden mit Gelostrafe bis zu 60 M: oder entsprechender Haft bestraft. Die Verordnung!“ sofort in Kraft.„„ 8 8 * Kohlfurt, 18. Mai. Beim Schutzen sien 0es furterbrücker Schützen=Vereins ist Helt Schützenkönig geworden. Preise erhiel Gräfe Kalk, 6. Heinr. Kolde=Düsseldorf, 7. Call d“ haus, 8. Ernst Clauberz, 9. Emil Brinkmunn,“ Wolfertz. d. Ehrenpreise, I den 1. Alb. BetzholdErkrath, 2. Emil Wolfertz. * 2 Wald, 17. Mai. An Stelle des Lehrers Herrn ereten zu Schlagbaum, welcher nach Remscheid versetzt *„ ist, wird am 1. Juni Herr Lehrer Biebworde. aus Reinehagen bei Remscheid zu Schlagbaum schlag angestellt werden. :.— 17, Mai. Die auf gestern von Herrn Bürzereister Heinrich in den Rathekeller einberufene Verammlung zur Gründung einer höheren Töchterschule vam zu keinem endgültigen Beschlusse. Es soll nun zu diesem Zwecke im Laufe der nächsten Wochen eine zweite Versammlung stattfinden. Hhligs, 18. Mai. Die Vermiethung des Schützenzeltes und der beiden Bierze te für gas diesjährige Schützenfest hat gestern stattgefunden. Die Schützenburg wurde von Herrn Viktor Biermann vierselbst für 1775 Maik angesteigert; für das erste Bierzelt zahlt Herr Carl Bremer hierselbst 410 Mark und für das zweite Bierzelt Herr Gastwirth Köller aus Mülheim a. Rhein 375 16. Mai. Am Himmelfahrtstag Nachmittags wird in der Festhalle des Herrn Fr. Klaas zu Dierath die Probe der Leichlinger Gesang=Vereine stattfinden, welche beim Wettstreit die Begrüßungschöre singen werden. Sitzung des Schöffengerichts. * Solingen, 17. Mai. Vorsitzender: Herr Amtsrichter Fritsch, Schöffen Herren Hermann Koopmann von hier und Fabrikant Zeien von Wald, Amtsanwalt Herr Stadtsekretär Hermes, Gerichtsschreiber Herr Aktuar Lamberti.— Gegenstand der Verhandlungen bildeten nur 2 Haftsachen.— Die erste richtete sich gegen einen 56 Jahre alten polnischen Erdarbeiter, welcher sich wegen Landstreicherei und Bettelns zu verantworten hatte. Derselbe radebrechte kaum verständliches Deutsch, gestand zu, in Wald gebettelt zu haben, bestritt dagegen die Landstreicherei und wandte ein, er sei, um hier Arbeit zu suchen, von Hause weggegangen. Demnach wurde er in diesem Punkt freigesprochen. Wegen des Bettelns dagegen erhielt er 2 Wochen Haft, welche als durch die Untersuchungshaft verbüßt erklärt wurden.— Der zweite Angeklagte, ein 22 Jahre alter Klempnergeselle aus Holstein, war geständig, am 28. April d. J. in Wald einem Fabrikanten 2 Taschenmesser gestohlen zu haben. Mit Rucksicht auf bisherige Unbescholtenheit lautete das Urtheil auf nur 3 Tage Gefängniß, welche ebenfalls als verbüßt erklärt wurden. Elberfeld, 14. Mai. Am 9. und 10. September v. I. fanden in Haan die Gemeindewahlen statt. Von der sozialdemokratischen Partei wurden die Genossen Schmalt und Ehrmann aufgestellt. Der Bürgermeister Czettritz erklärte jedoch in beiden Fällen die Wahl für ungültig. Schmalt war nämlich versehentlich nicht in die Wählerliste eingetragen worden, und es giebt in Haan zwei Ehrmänner gleichen Vornamens, so daß mangels näherer Angabe bei den meisten Stimmen nicht ersichtlich war, welcher gemeint sei. In einer Versammlung von Genossen tadelten am 12. September Agent J. von hier und der Heizer B. von Haan das Verfahren des Bürgermeisters und nannten es parteiisch. Der Kreisausschuß und die höhere Instanz billigten aber die Entscheidung des Bürgermeisters, und B. erklärte auch an anderer Stelle, der Burgermeister habe nicht anders entscheiden können. Die beiden Redner hatten sich nun gestern vor der Strafkammer wegen Beleidigung des Bürgermeisters zu verantworten. Sie beriefen sich auf einen ähnlichen Wahlvorgang, wo in Haan ein Gewählter dennoch anerkannt worden sei, obwohl auch er einen Namensvetter in der Gemeinde gehabt habe. Der Bürgermeister habe also nach zweierlei Grundsätzen gehandelt. Das Gericht billigte den Angeklagten den Schutz des § 139 des Str=G.=B. zu und sprach sie frei. — 16. Mai. Das Schwurgericht beendete heute seine Tagung mit einem Falle, der nicht öffentlich verhandelt werden konnte. Der Fabrikarbeiter Franz Steffens von Wald wurde des versuchten Verbrechens aus§ 176,1 des Str.=G.=B. schuldig befunden und zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. —(Strafkammer.) Acht Monate Gefängniß betrug die Strafe für einen Solinger Fabrikarbeiter, der einem betrunkenen Zechgenossen das Bargeld aus der Tasche gestohlen, später aber zurückgegeben hatte. Der Angeklagte ist schon wiederholt bestraft, sonst wäre er weit billiger davongekommen.(Tägl. Anz.) Graz, 12. Mai. Das Kreisgericht Bihatsch(Bosnien) verurtheilte die 76jährige Bäuerin Smiljana aus Haschani, die ihren 40jährigen Stiefsohn mit einer Axt erschlagen, die Leiche in der Speisekammer zerstückt und die Leichentheile im Walde vergraben hatte, zum Tode durch den Strang, Nachrichten. Hanau, 13. Mai. Ein bei dem hiesigen Ulanen regiment dienender Freiwilliger Namens Hahn wurde bereits seit 14 Tagen vermißt. Man glaubte allgemein, er sei desertirt. Heute wurde er jedoch in einer mit Wasser gefüllten Kiesgrube als Leiche gefunden. Da Hahn bedeutende Schulden hinterlassen hat, so nimmt man an, daß er Selbstmord begangen hat. Cronberg, 15. Mai. Gestern ist Professor Röntgen zu zweitägigem Besuche bei der Kaiserin Friedrich eingetroffen. Berlin, 13. Mai. Vom Präsidium des Bundes der Industriellen sind der Handeleminister Brefeld und der Staatssekretär Graf Posadowsky gebeten worden, ein„Deutsches Handels=Museum" zu gründen, um dadurch den deutschen Ausfuhrhandel zu fördern und zu unterstützen. Nach dem Plane soll das Museum Erzeugnisse der ausländischen Staaten, sowie Erzeugnisse deutscher Kunst und deutschen Fleißes, die bereits in alle Welt ausgeführt werden, enthalten. — 14. Mai. Prof. Dr. Robert Koch ist von seiner Afrikareise in Italien eingetroffen und hält sich gegenwärtig in Rom auf; er wird wahrscheinlich am 20. d. wieder hier eintreffen. — 16. Mai. Den Abendblättern zufolge sind Melchert, Hüsche und Wollin, Inhaber des Mehl= und Getreidegeschäftes von Julius Reißner hier, flüchtig. Die selben sollen Konossaments im Betrage von 250,000 M. als Unterlagen gegeben haben. Sie haben„wie weiter gemeldet wird, bei der hiesigen Filiale der Hamburger Waaren=Kredit=Anstalt 17 gefälschte Akzepte lombardirt. Sömmerda(Erfurt), 14. Mai. Ein merkwürdiges Verhängniß scheint über einer sonst ehrenhaften Familie hier obzuwalten: am 4. Mai 1882 ging die noch junge Frau des Landwirths Rehmus, geb. Hähnel, ihr 1 Jahr altes Kind mitnehmend, in die Unstrut; beide wurden alsbald als Leichen herausgeholt. Am 5. Juni 1894 wurde die Mutter der Selbstmörderin Marie Hähnel als Leiche aus der Unstrut gezogen. Am 4. Mai d. J. ertränkte sich der Vater, der Landwirth Wilhelm Hähnel, 76 Jahre alt, und am vorigen Sonnabend ging die Tochter, verehelichte Böhme, in die Unstrut. Sie wurde indeß noch rechtzeitig berausgezogen, und wenn auch mit großer Mühe, ins Leben zurückgebracht. Karlsruhe, 16. Mai. Verflossene Nacht wurde der Dienstknecht Wentzel aus Freiburg von dem Italiener Vesentini nach kurzem Wortwechsel auf der Straße erstochen.— In der gleichen Nacht wurde der Kanonier Link von hier nach vorangegangenem Wirthehaus=Streit von dem Bahnarbeiter Schaible in den Unterleib gestochen und tödtlich verletzt. Dresden, 16. Mai. Bei dem Armee=Jagdrennen kam Lieutenant Graf Königsmarck zu Fall und erlitt eine schwere Rückenmarksquetschung, die seine Ueberführung in das Krankenhaus nothwendig machte. Lüttich, 15. Mai. In der Maschinenbauanstalt von Gadisseur& Dechiron geriethen auf noch nicht ermittelte Weise zwei Arbeiter zwischen das Fallgewicht und den Amboß eines Dampfhammers, der eine wurde erdrückt, der andere tödtlich verwundet. Paris, 16. Mai. Der Eisenbahngesellschaft P LM wurde heute aus einem verschlossenen Traneportwagen Werthpapiere im Betrage von 500000 Frks. gestohlen. — 15. Mai. Das Blatt„Menschenrecht“ meldet, Major Esterhazy sei vorgestern in einem Modemagazin plötzlich irrsinnig geworden. New=York, 14. Mai. Der französische Ozean dampfer„Touraine" übersegelte heute beim Verlassen des New=Yorker Hafens ein Boot, in welchem sich neun Männer befanden, die im Hafen Minen legten; zwei Insassen des Bootes ertranken. Reueste Nachrichten und Telegramme. Berlin, 17. Mai. Der„Lok.=Anz.“ meldet aus Madrid: Eine amtliche Depesche aus Porto=Rico besagt, daß, als das französische Panzerschiff„Admiral Rigault=Genonilly" den Hafen von San Juan nach dem Bombardement verließ, die Besatzung bei der Ausfahrt ein Hoch auf Spanien, die spanische Armee u. Marine ausbrachte. — 17. Mai. Die„Voss. Ztg.“ meldet aus Elding: Auf dem frischen Haff kenterte infolge eines Wirbelsturmes ein Fischerboot. Vier Personen ertranken. Metz, 16. Mai. Der Kaiser hat dem Bürgermeister Frhrn. von Kramer 1000 Mark zur Vertheilung unter die Armen übergeben. Wien, 17. Mai. Wie autbentisch versichert wird, ist ein von der„Frankf. Ztg.“ veröffentlichter Geheimvertrag zwischen Rußland und Oesterreich vollständig erfunden. London, 16. Mai. Wie die Blätter melden, hat die Königin an Gladstone ein Handschreiben gerichtet, in welchem sie ihren Dank für die während seines langen Lebens als Staatsmann dem Lande gewidmete Thätigkeit auespricht. Rom, 16. Mai. Die„Perseveranca" veröffentlicht die Liste der bei den Unruhen in Mailand ums Leben Gekommenen, wonach 80 Personen getödtet worden sind, darunter 2 Militärpersonen und 10 Frauen. Die Kapuziner, welche in Mailand verhaftet waren, sind vollständig außer gerichtliche Verfolgung gesetzt. In vielen Städten geben fortgesetzt reiche Beträge für die zu den Waffen einberufenen Reservisten ein. Washington, 16. Mai. Die Rezierung hat die Atlantische Kabelgesellschaft angewiesen, keine Depeschen über die Bewegungen der Kriegsschiffe der Vereinigten Staaten zu befördern und keine Auskunft über bevorstehende Operationen zu geben.— Nach einer Depesche der„New=York World“ aus Cajo Hueso entsprach General Blanco in entgegenkommender Weise den Vorstellungen des amerikanischen Offiziers Bramard hin sichtlich der Freilassung zweier Korrespondenten NewYorker Blätter. Zwei kriegsgefangene spanische Offiziere werden unter weißer Flagge nach Havanna gesandt, um gegen die Korrespondenten ausgewechselt zu werden. Eine Depesche des„Evening Journal“ aus Washing ton besagt, dem Marinedepartement sei die Nachricht zugegangen, daß 3 spanische Fahrzeuge auf der Höhe von Martinique bemerkt worden seien. Man glaubt, daß es die„Princesa de Asturia,„Catalonia“ und „Cardenol Cizneros“ gewesen sind. Westdeutsches Patentbürean, Rölnerstraße 26 (nahe Südbabnhof) 32jähr. techn. Erfahr., 9 J. i. Berlin, seit 95 i. Solingen. Für den Hausputz: Luhn's Wasch=Extrakt. Besitzer alter Briesschaften werden auf die Annonce des Kgl. Schauspielers Steinecke in Hannover verwiesen. Mancher besitzt in alten Briefen u. s. w. ein hübsches Sümmchen, da für alte Postwertbzeichen, je nach Seitenheit, bode Preise bezahlt werden; das Alter bedingt nicht den Preis, Herr St. giebt gratis Ankaufslisten aus, es kann sich jeder selbst vom Werthe seiner Originale über zeugen. Kirchlicher Anzeiger. Evangelische Gemeinde Wald. Am Donnerstag Morgen 10 Uhr wird Pastor Hunke aus Wipperfürth eine Gastpredigt halten. Gustav=Adolf=Frauen=Verein. Heute keine Versammlung. Giesekke. Südstädt. evangel. Frauen=u. Jungfrauen=Verein. Die Versammlung am Mittwoch änt aus. Frauenund Jungfrauen=Verein der Stadtmission. Mittwoch Nachmittag 4 Uhr: Vereinsstunde. Grünewalder Frauen= und Jungfrauen- Verein. Morgen, Mittwoch, Nachm. ½3 Uhr: Versammlung. Der Vorstand. Ev. Frauenverein, Krahenhöhe. Mittwoch 3 Uhr: Versammlung. Gemeinschaft. Ebenezer=Kirche. Emilienstraße. Mittwoch Abend 8 ½ Uhr: Bibelstunde. Gräfrather Jungfrauen=Verein Mittwoch Abend 8 Uhr. Bacheorogecgen Oecgeegcecee August Zwinge Anna Zwinge geb. Roth *VERMAHLTE. 3· 8 Solingen, den 17. Mai 1898. 2 Udeetecbstecs Ooceedeeeebece 5#0 Pönigl. Standesamt Solingen. 16. Mai. Geburten: Heinrich, S. v. Fuhrmann Heinr. Noll, Goldstr. Wilhelmine Hedwig, T. v. Messerreider Jul. Moll, Meigen. Max, S. v. Stuckateur Heinr. Darius, Blumenstr. Elisabeth Eugenie, T. v. Fabrikant Rob. Röder, Schützenstr. Ida Pauline, T. v. Ausmacher Herm. Birkenkamp, Mangenbarstr. Otto Herm., S. v. Messerreider Carl Christmann, Emilienstr. Carl Josef Wilh., S. v. Fabrikarb. Aug. Heßmer, Weyersbrarstr. Erich, S. v. Messerreider Rob. mann, Bünkenberg. Johanne Regine, T. v. Fabrikant Carl Reinh. Braun, Nordstr. Else Anna, T. v. Tagelöhner Otto Schneider, Kullerstr. Friedr. Erich, S. v. Brauereiarb. Gust. Wonnenberg, Schützenstr. Helene Martha, T. v. Commis Gust. Gondrom, Mittelstr. Ida Anna Helene Irmgard, T. v. Fabrikarb. Theod. Stensmann, Kronprinzenstr. Helene, T. v. Fabrikarb. Peter Hens, Imclauberg. Friedr. Wilh, S. v. Schleifer Carl Herder, Friedrichsstr. Heinr. Wilh., S. v. Messerarb. Peter Schumacher, Bertramsmühle. Edmund, S. v. Bierhändler Anton Schmidt, Kaiserstr. Eine unehel. Geburt. Sterbefälle: Louise Paula Hoß, 6 Mon., Bleichstr. Josefa Sonnenschein, geb. Ruthenbeck, 48 J., verh., 1. Felderstr. Heiratben: Bildhauer Heinr. Carl Cahn und Marie Koch, b. h. Aufgebote: Commis Walter Stock und Caroline Backhaus, b. h. Handlungsgehülfe Gust. Gotthelf. hiers., und Natalie Thal, Duisburg. Lehrer Carl Goetze, dierf., und Anna Putsch, Höhscheid. ichstagswahl. Die nach Vorschrift des Wahlgesetzes für den deutschen Reichstag vom 31. Mai 1869 und des dazu ergangenen Reglements vom 28. Mai 1870 aufgestellten Wählerlisten der Stadt Solingen liegen vom 18. d. Mte. ab 8 Tage lang im hiesigen Rathhause Zimmer Nr. 4 zu Jeder= manns Einsicht offen. Wer diese Listen für unrichtig oder unvollständig hält, kann dieses innerhalb 8 Tagen nach Beginn der Auslegung beim Unterzeichneten schriftlich anzeigen oder zu Protokoll geben und muß die Beweismittel für seine Behauptungen, falls dieselben nicht au Notorietät beruhen, beibringen, was unter Hinweis auf§ 3 des Reglements vom 28. Mai 1870 hierdurch bekannt gemacht wird. Solingen, 14. Mai 1898. Der Oberbürgermeister Dicke. In Gemäßheit des§ 65 des Kommunal=Abgabengesetzes vom 14. Juli 1893 liegt die Hundesteuer=Hebekolle für 1898 99 vom 16. d. Mis. an * Wochen lang auf der hiesigen Stadtkasse zur Einsicht offen. Einsprüche können bei dem Unter zeichneten binnen 4 Wochen nach Ablauf der Auslegungsfrist geltend gemacht werden. Wald, den 13. Mai 1898. Der Bürgermeister: Heinrich. Gerichtlicher Verkauf. Am Mittwoch, den 18. Mai 1898, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem alten Markte zu Solingen öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Secretairschrank und 1 großer Solingen. Der Gerichtsvollzieher: Casinostraße 32. Stange. Todes- Anzeige. Gestern Nachmittag gegen 5½ Uhr verschied sanft und ruhig nach längerem, mit Geduld ertragenem Leiden, meine liebe Gattin, unsere gute, unvergessliche Mutter, Schwiegermutter, Grossmutter, Schwiegertochter, Schwester, Schwägerin und Tante Frau Rob. Sonnenschein, Josefa, geb. Rutenbeck, im Alter von 48 Jahren 6 Monaten und im 25. Jahre einer glücklichen und zufriedenen Ehe. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen. Solingen, Goch und Nordamerika, den 16. Mai 1898. Die Beerdigung findet Donnerstag Nachmittag punkt 3 Uhr vom Sterbehause, I. Felderstrasse Nr. 26, aus statt. Sollte Jemand aus Versehen keine Einladung erhalten haben, so bitten wir, diese als solche zu betrachten. — 9— Während des Umbaues befindet sich der Verkauf meiner Backwaaren Goldstrasse 32. O. R. Mertens. Todes-Anzeige. Am Sonntag entschlief nach langem schwerem Leiden unser allverehrtes Mitglied Herr Carl Londorf. Wir werden ihm stets ein bleibendes Andenken bewahren. M. G.=V.„Harmonie“ der Firma Heinrich Kaufmaun& Söhne. 50 Properes, versektes Küchenmädchen und 1 Zweitmädchen, was mit einem 2jährigen Kinde umzugehen versteht, mit guten Zeug nissen, gegen hohen Lohn gesucht. Frau S. Gaertner, Kaisersraße 159. 0 Vernickelei Ein Madchen gesucht. Näh. Zlorauraße Nr. 58. Mädchen für alle Hausarbeit per sofort gesucht. Kniserstrasse 50. Gefundenes Geld! Deutsche u. Ausland=Briefmarken und Postconverte kaufe ich und bezadle Seltenheiten von 1850—75, namentlich die der deutsch. Einzelstaaten — bis à 100 Mk.!— Ankaufsliste gratis. Länderangabe erbeten. H. Steinecke, Kgl. 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