Nr. 109.= 50. Jahrgang. Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedition 1 44 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2# Einrückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 10 J. Erstes Blatt. Mittwoch, den 11. Mai 1898. Früher under dem Titer. Druck und Verlag von Ald. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich: S" 719 G1... Rudolf Pfeiffer in Solingen.— Die Expedition befindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. Vergisches Volks=Blati.(Fernsprech=Anschluß Nr. 90). Wohne Wupperstr. 29. Dr. Kemperdick fr. Iuuilal für Zahnleidende von H. Breuhaus, Brüderstrasse 49 Künstlichen Zahnersatz nach bewährter Methode, Wurzelstift.— Federzähne ohne Gaumen und Plombiren unter Garantie. Schmerzlose Zahnoperationen mittelst Lachgas oder Bromaethyle. Sprechstunden von Morgens 9 bis Abends 7 Uhr. Großartiges Lager nur billiger 1 neueste diesjähr. Muster, bekannt billigste Preise. 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Bei Nr. 907.— Die Firma Rovert Schlieper mit dem Siße zu Solingen und als deren Inhaber der Lederdändler Wilbelm Langwieler daselbst. Solingen, den 5. Mai 1898. Königliches Amtsgericht 3. In unser Gesellschafts=Rezister ist Folgendes eingetragen worden: BeiNr. 487.— Firma Nich. Schreiner & Steffens zu Solingen— Die Handelsgesellschaft ist durch gegenseitige Uebereinkunft aufgelöst und die Firma erloschen. Solingen, den 9. Mai 1898. Königliches Amtsgericht 3. Sool- und Thermalbad. bei Anna in Westfalen. Saison vom 15. Mai bei Anna in Westfalen. 5. Anf. Ctiober. Ausführliche Prospekte und Auskunst unentgeltlich. Actien-Gesellschaft Königsborn, Unna-Königsborn i. Westf. ur Beachtung! Atelier und Wohnung befinden sich jetzt Kalserstr. 259 (Hofchen). Otto Lorenz, rhon Im Prachtbau Kaisersaal. Nur 2 Gustspi--la! tag, den 12. und Freitag, den 13. Mai, Ansong 8“. U1 Rössfler-Absnde, Hofkünstler aus Berlin. rühmlichst bekannt durch sein 30 Jahre langes Auftreten in Berlin. 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Den Blättern zufolge passirte gestern Nachmittag die aus neun Schiffen bestehende spanische Flotte in Sicht das Kap Espichel, südlich von Lissabon. Die Fahrt ging in südlicher Richtung. Havanna, 9. Mai. Die cubanische Kammer hat an den Kolonialminister eine Adresse abgesandt, in welcher sie gegen den Angriff seitens der Vereinigten Staaten Widerspruch erhebt und den Entschluß mittheilt, die Souveränetät des Mutterlandes nachdrücklich zu vertheidigen. — 10. Mai. Drei amerikanische Schiffe versuchten die Einfahrt in den Kanal von Cardenas zu erzwingen, mußten aber vor drei spanischen Kanonenbooten Washington, 9. Mai. Präsident Ma. Kinley sandte dem Kongreß eine Botschaft, worin er in nahezu denselben Ausdrücken, wie die Depesche des Admirals Dewey abgefaßt ist, von dem erfochtenen Siege Mittheilung macht und hinzufügt:„Der materielle Vortheil dieses ersten Erfolges wird übertroffen durch den starken moralischen Eindruck auf das Herz der Nation, das erregt ist nicht durch Eitelkeit oder Erwerbungsgier, sondern durch das Gefühl tiefer Dankbarkeit, daß wir gesiegt haben infolge der Gerechtigkeit unserer Sache(!) und daß durch die Gnade Gottes ein wichtiger Schritt geschehen ist zur Erreichung des ersehnten Friedens.“ Die Botschaft schließt mit der Bitte an den Kongreß, eine Dankesbezeugung für Admiral Dewey, die Offiziere und die Mannschaften zu beschließen. Beide Kammern nahmen infolge dessen unverzüglich eine Resolution an, worin die Dankesbezeugung zum Ausdruck gelangt und die Ernennung Deweys zum Kontre=Admiral genehmigt wird. New=York, 9. Mai. Ein Invasionsheer von 66000 Mann soll binnen 10 Tagen in Cuba sein. General Miles ist der Anführer dieser Armee.— Mc. Kinley's Programm ist jetzt: schnellste Beendigung des Krieges.— Der Senat ermächtigte, nach der„Frkf. Ztg., den Präsidenten, Dewey einen Ehrensäbel zu überreiche.„„o„....19 am 90.8 — 10. Mai. Der„World wird aus Key= West telegraphirt: Das amerikanische Torpedoboot„Winslow“ gerieth am Sonntag bei Cardenas mit drei spanischen Kanonenbooten in ein Gefecht und machte eines derselben kampfunfähig. Das Torpedoboot selbst wurde nicht beschädigt. Havre 10. Mai. Eine Jagd auf das amerikanische Kriegsschiff„Montgomery“ hat, nach dem Berichte des französischen Dampfers„Olinde Rodriguez", ein größeres und schnelleres spanisches Kriegsschiff 90 Meilen nördlich von Port au Prince gemacht. Das spanische Schiff kam seinem Gegner immer näher, als die Nacht einbrach. Die Leute des französischen Dampfers hörten dann noch vier Schüsse. Das weitere Schicksal beider Schiffe ist unbekannt. Landtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 10. Mai. In 2. Lesung wurde der Rest der Eisenbahnvorlage durch Annahme der Linie Treuenbrietzen=Nauen erledigt, für welche militärische Gründe angeführt wurden. Abg. v. Evnern(nat.=lib) erklärt, es zeige sich auch hier wieder, daß die großen Städte beim Bau von Hauptbahnen bevorzugt werden. Da werde der Grund und Boden vom Staate angekauft, während für die Sekundärbahnen der Terrainerwerb den Gemeinden zur Last falle. Dann wurden die beiden Pfarrer=Besoldungsgesetze in 3. Lesung angenommen, so daß jetzt nur noch die Zustimmung des Herrenhauses erforderlich ist. Abg. v Evnern(nat.=lib.) sprach gegen das Gesetz, in welchem er eine wesentliche Benachtheiligung der evang. Kirche erblickt. Endlich wurde der Antrag Baensch=Schmidtlein(frk.) auf Neuregelung der Verpflichtung zur Unterhaltung der öffentlichen Volksschulen berathen. Abg. v. Hevdebrandt(kons.) stellte hierzu den Unterantrag, daß die Regelung im Rahmen eines allgemeinen Volksschulgesetzes erfolgen soll. Abg. Dr. Porsch (Zent.) schloß sich diesem Unterantrage Namen des Zentrums an, während Abgg. Gerlich 4frk.) Sepdel(nat.=lib.) und Rickert(frs. Vg.) demselben widersprachen, weil dadurch die Sache auf unabsehbare Zeit hinausgeschoben würde. Schließlich zog Abg. Frhr. von Zedlitz(frk.) mit Rücksicht darauf, daß über die Nothwendigkeit der Regelung alle Parteien einverstanden sind, den Antrag Namens der Antragsteller zurück. Morgen Anerbenrecht für Westfalen u. s. w. Deutsches Anläßlich der Anwesenheit des Kaiserpaares in Metz bewegte sich am Montag Abend ein stattlicher Fackelzug mit 12 Musikkorps durch die Stadt; die Straßen erstrahlten zum Theil in prächtiger Illumination. Vor dem Bezirkepräsidialgebäude trugen die vereinigten Sänger Kompositionen vor. Hierauf brachte Bürgermeister Frhr. v. Kramer das Kaiserhoch aus, in das die tausendköpfige Menge bezeistert einstimmte. Während dieser Huldigung erschien das Kaiserpaar auf dem Balkon und dankte. Die Beleuchtung der Kathedrale, der elektrische Scheinwerfer und die bengalischen Feuer wären wirkungsvoll. Während der Huldigung der Bürgerschaft empfing der Kaiser eine Abordnung der Stadt, deren Führer, Bürgermeister Frhr. v. Kramer, dem Kaiser nochmals den tiefsten Dank aussprach, dem alten Metz die Quelle zu neuer Blüte und gedeihlicher Entfaltung erschlossen zu haben. Daß dieser heutige Tag kommen konnte, verdankte das alte ehrwürdige Metz der dauernden Wiedervereinigung mit dem großen geeinten Vaterlande und dem hochherzigen Sinne des Kaisers, dessen Herz so warm schlage für das Wohlergehen des Volkes. Dafür aber wurzele die Liebe zum Kaiser auch tief im Herzen des Volkes, in welchem die alte deutsche Treue zu dem von Gott gesetzten Herrscher und seinem hohen Hause lebe und fortleben werde. Der Kaiser dankte dem Bürgermeister aufs herzlichste und sprach seine große Freude über die schönen Kundgebungen der Bürgerschaft von Metz aus; besonders habe es ihn erfreut, daß auch so viele Alteinbeimische sich den Huldigungen angeschlossen hätten. Der Kaiser empfing dann noch den Vorsitzenden der Metzer Kriegervereine, Regierungskanzleisekretär Tiebel, und sprach seinen Dank und seine Anerkennung aus. Tiebel wurde auch der Kaiserin vorgestellt. Wie verlautet, wird der Kaiser in den nächsten Tagen eine größere militärische Uebung abhalten und nach deren Schluß bei dem kommandirenden Gencral Grafen Häseler speisen. Am Sonntag, unmittelbar nach Beendigung des Gottesdienstes werden der Kaiser und die Kaiserin nach Straßburg abreisen, wo sie bis Dienstag zu bleiben gedenken. Der Dienstag ist für militärische Uebungen in Aussicht genommen. Am Nachmittag soll die Abreise nach Potsdam erfolgen, wo das Kaiserpaar Mittwoch früh eintreffen würde. Prinz Adalbert, der dritte Sohn des Kaisers, wird nach Absolvirung eines Lehrkursus an Bord des Schulschiffes„Charlotte“ zum Oktober d. Je. die Kadettenschule in Plön beziehen. Die Weigerung des bieherigen Präsidenten des Reichstags, des Frhrn. v. Buol, wieder ein Mandat anzunehmen, hat überrascht. Die„Germania“ hofft noch, daß Frhr. v. Buol sich, den Wünschen seiner Fraktionsgenossen und wohl der gesammten Zentrumspartei im Reiche folgend, zur Wiederannahme einer Kandidatur entschließen wird. Ausland Großbritannien. London, 9. Mai. Der chinesisch=japanische Krieg ist abgewickelt. Mit einem Check von nahezu 12000000 L.= 240 Mill. Mk., dem größten Check, der je auf die Bank von England gezogen wurde, hat China am Samstag seine Kriegsschuld an Japan abgetragen. Italien. Mailand, 9. Mai. Während des Tages ereignete sich ein einziger Zwischenfall. Zwischen der Porta Monforte und der Porta Felicia bildeten sich Ansammlungen, der Aufstand wurde aber alsbald unterdrückt und ungefähr 200 Ruhestörer, welche in einem Mönchskloster Zuflucht gesucht hatten, wurden verhaftet. Unter den heute Verhafteten befinden sich die sozialistischen Deputirten Turati, Bissolati und Costa. — 10. Mai. Hier ist eine Revolution ausgebrochen. Die Arbeitecbevölkerung kämpft seit 3 Tagen ohne Waffen, ohne Führer, mit Steinen wider die kleinkaliberigen Gewehre. Die Truppen wurden vielfach mit großen Verlusten zurückgeschlagen. Der Kampf endigt erst auf den Dächern und entsteht von Neuem in einem Stadttheil, wenn er in einem andern zu Ende ist. Die Verluste des Volkes sollen furchtbar sein. Am Samstag gab es nach einem Telegramm der„Frankf. Ztg.“ etwa 150 Todte und mehrere hundert Verwundete. Die Verwundungen sind zumeist schwer infolge der entsetzlichen Wirkung der neuen Geschosse. Am Sonntag waren die Opfer noch zahlreicher. Gestern fand ein blutiger Kampf statt auf der ganzen Südostseite der Stadt, während dessen von draußen eindringend Studenten und Landleute weit im Innern der Stadt vordrangen. Das Gefecht begann um 11 Uhr Vormittags; um 3½2 Uhr ergaben sich die letzten Aufrührer. Rom, 10. Mai. Dem„Popolo Romano“ zufolge ist es nunmehr offenkundig, daß es sich bei den Unruhen in Mailand um einen vorbedachten Plan handelte, der jedoch vor dem von den Führern der Umsturzpartei festgesetzten Zeitpunkte zur Ausführung gekommen sei. China. Peking, 7. Mai. Prinz Heinrich von Preußen wird mit 12 Offizieren am 13. Mai hier erwartet. * Ohligs, 10. Mai. Die gestern im Lokale des Herrn H. Hammesfahr stattgefundene Versammlung des freisinnigen Wahlvereins war zahlreich besucht; es waren auch Vertrauensmänner aus den Gemeinden Leichlingen und Neukirchen anwesend. Das Zusammengehen der beiden liberalen Parteien wurde allgemein anerkannt, weil nur hierdurch ein Erfolg möglich wäre. Rheinland und Westfalen. Vohwinkel, 9. Mai. Die hiesige Einwohnerschaft wurde in der vorigen Nacht durch Feuerlärm im Schlafe gestört. Es brannte die Scheune auf dem Meckel'schen Besitzthum in Krutscheidt bis auf die Grundmauern nieder; die Feuerwehr mußte sich darauf beschränken, die angrenzenden Gebäude vor dem Uebergreifen des Feuers zu schützen. Der Brand ist nach der„Elbf. Ztg.“ zweifellos auf einen Racheakt zurückzuführen, denn die Scheune ist schon zweimal niedergebrannt und vor kaum Jahresfrist erst wieder aufgebaut worden. Auch damals lag zweifellos Brandstiftung vor, doch hat man leider den ruchlosen Thäter nicht ermitteln können. Elverfeld, 11. Mai. In der Sitzung des BezirksAusschusses zu Düsseldorf vom gestrigen Tage sind, so meldet der„Tägl. Anz.“, sämmtliche Einsprüche gegen das Projekt der Schwebebahn verworfen worden. Mit dem Bau der Bahn scheint nunmehr ernstlich begonnen zu werden.— Die von der Elektrizitätsgesellschaft Union zu Berlin aufgestellten Pläne für eine elektrische Kleinbahn von Elberfeld(Döppersberg) über Augustastraße, Hahnerberg nach Cronenberg mit Abzweigung von Cronenfeld über Gerstau nach Remscheid=Hasten sind der Kgl. Eisenbahn=Direktion zugegangen. Barmen, 10. Mai. Die erste diesjährige Aussendung armer erholungsbedürftiger Kinder in die Barmer Ferienkolonie in Königsborn erfolgte am Samstag. Erwa 100 Kinder, darunter 35 aus Lennep, wurden dorthin zu vierwöchiger Kur entsendet. Frechen, 9. Mai. Gestern stach ein Vater seinen Sohn, mit dem er in Streit gerathen war, mit einem Messer in den Unterleib und verwundete ihn dadurch lebensgefährlich. Düsseldorf, 10. Mai. Ein Klempnergeselle, der vom Amtsgericht in Solingen wegen Hausfriedens: bruchs und Sachbeschädigung gesucht wurde, ist hier ermittelt und festgenommen worden.(D. Gen.=Anz.) Mülheim a. d. Ruhr, 10. Mai. Auf der Ruhr fuhren gestern in einem Fischerboot 3 junge Leute. Sie konnten das Fahrzeug nicht bemeistern, weil die Strömung bei dem hohen Wasserstande sehr stark war. An einem Brückenpfeiler zerschellte das Boot, und die 3 Leute stürzten ins Wasser. Ein Insasse blieb an der eisernen Kette des Bootes hängen und fand sofort den Tod. Die beiden andern suchten sich durch Schwimmen zu retten; einer gerieth in einen Strudel und ertrank ebenfalls. Der dritte wurde von Arbeitern der Friedrich= Wilhelmshütte gerettet. 9. Mai. Bei dem Versuche, ein am Boden liegendes krankes Pferd aufzurichten, verunglückte gestern im Stall der Firma Aug. Müller& Co. in Möllenkotten der Kutscher Jacobi. Beim kräftigen Anziehen des Gurtes, der unter das Thier geschoven wurde, riß dieser und Jacobi stürzte mit solcher Wucht en die Ag Sieser unl„. Kurzte init„Esche. Wacht un die nahe Wand, daß er durch den Anprall des Kopfes eine schwere Gehirnerschütterung erlitt und besinnungslos niederstürzte. Noch gestern Abend verschied der Unglückliche, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Er hinterläßt eine Frau und ein Kind. Castrop, 9. Mai. Hier geriethen zwei Italiener in Streit. Der eine zog dabei sein Messer und rannte es seinem Gegner in den Leib. Der Gestochene starb bald. Der Thäter wurde sofort durch einen Beamten festgenommen, riß sich aber los und entsprang in den Wald. Es bedurfte eines größeren Aufgebots an Beamten, um den Verbrecher wieder festzunehmen. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 11. Mai. *— Den einzigen Gegenstand der gestrigen öffentStadtverordnetensitzung bildete die Anlage eines neuen Wasserwerks. Nachdem Herr Geh. Rezierungsrath Piofessor Intze aus Aachen, dessen Ausführungen in kurzem Ueberblicke unser Sitzungsbericht wiedergibt, die Art der Anlage und die Kosten des Wasserwerks im Sengbachthale eingehend besprochen, wurde dieselbe einstimmig beschlossen. Dadurch haben unsere Stadtverordneten bekundet, daß sie nicht nur von der dringenden Nothwendigkeit eines solchen Werkes überzeugt sind, sondern daß sie sich auch einen erfreulichen Erfolg zum Wohle der Bürgerschaft Soliugens von der Anlage versprechen. Nicht mit Unrecht war das Wasser aus dem Morebachthal trotz aller Gegenmaßregeln machmal der Gegenstand der Kritik, und auch das Quantum, das aus den seitherigen Bezuge=Quellen erzielt wurde, erschien auf die Dauer nicht hinreichend. Der Stadtseckel wird zwar sehr in Anspruch genommen werden, indessen Noth bricht Eisea. Möge die neue Anlage— wir schließen uns hierin den Worten des Herrn Oberbürgermeisters an— der Stadt Solingen zum Segen gereichen.— In der sich anschließenden geheimen Sitzung wurde die Uebernahme der Bürgschaft seitens der Stadt für ein Darlehen von 50000 M. beschlossen, das der Solinger Spar und Bauverein bei der Versicherungsanstalt Rheinprovinz in Düsseldorf aufnehmen will. Außerdem wurde ein persönliches Gesuch erledigt. — Im Landkreise Solingen betrug das Einkommensteuersoll für 1897/98 334028,00 Mark; für 1898 99 ist dasselbe auf Mark 380057 festgesetzt, es ergibt sich mithin ein Mehr von 46029 Mk. Von dem Einkommensteuersoll für 1898 99 entfallen auf die Gemeinden Ohligs 95777 Mk.(78094), Wald 52064 Mk.(49179), Gräfratb 27323 Mk.(23757), Höhscheid 23519 Mk.(22804). Die eingeklammerten Zahlen bedeuten das Soll für das verflossene Rechnungsjahr. — Die seither im städtischen Waisenhaus auf dem Kirchplatz untergebrachten 14 Kinder haben nunmehr Aufnahme im städtischen Familienhause zu Dornsiepen gefunden. — Die Leiche des am 1. ds. Mts. an Königskotten ertrunkenen 24 Jahre alten Scheerenschleifers vom 4. Feld wurde gestern am Schaltkotten gelandet und ins städtische Leichenhaus überführt. — Am Donnerstag und Freitag Abend wird Herr Hofkünstler Rößner im Kaisersaale 2 Gastspiele geben. Der Künstler, welcher durch seine Vorführungen die Auszeichnungen und Anerkennungen hoyer und höchster Herrschaften erhielt, und dem überall, wo er bis jetzt auftrat, ein volles Haus beschieden war, wird an den beiden Abenden sich zuerst als bekannter Meister in der höheren Salon=Zauberkunst zeigen, sodann antispiritistische Enthüllungen geben und zuletzt die Röntgenstrahlen vorführen, wobei jedem Besucher Gelegenheit geboten ist, seinen Arm, Hand 2c. durchleuchten zu lassen. Die„Elb. Ztg.“ schreibt u. A. über das Auftreten des Herrn Rößner am Ende des vergangenen Monats:„In dem von uns angedeuteten Rahmen verlief gestern Abend die erste Soiree des Herrn Hofkünstler Rößner zur größten Zufriedenheit aller Erschienenen. Herr Rößner hat das gute Urtheil, das wir über ihn gefällt, wiederum in glänzender Weise bestätigt.“ An einem guten Besuche dürfte es auch hier dem Künstler, der von überall her bestens empfohlen ist, nicht fehlen. — Ein interessanter Fund wurde beim Abbruch des Herrn Karl Kremer=Kölnerstraße gehörigen Hauses gemacht. Im Keller des Gebäudes wurde nämlich ein Grabstein aufgefunden, der in klaren deutschen Buchstaben folgende Inschrift trägt: Diese zwei Gräber und Anna Maria sindt zu gehörig Elisabeth Mumm Peter Weyersberg Eheleuth Anno 17.. den zu Pilghausen. Der Grabstein ist 1 Meter lang, 60 cm breit und durchschnittlich 7 cm dick. Derselbe ist, nachdem die Beerdigungen auf dem altenev. Kirchhofe im Jahre 1804 eingestellt worden waren, muthmaßlich in Privatbesitz übergegangen; geraume Zeit später gelangten die dortigen Grabsteine zur öffentlichen Versteigerung. Wie verlautet, beabsichtigt ein Angehöriger der genannten Familie den Stein zu erwerben. — Nicht allein in den Abendstunden, wie unlängst aus Wald mitgetheilt wurde, sondern auch in der Frühe lassen unsere Bahnverbindungen zu wünschen übrig. Wie uns ein Leser unseres Blattes mittheilt, ist es wiederholt vorgekommen, daß der Zug 7,32 Uhr ab Vohwinkel nach Solingen keine Lokomotive hatte und auf dieselbe längere Zeit(bis zu 20 Minuten) warten mußte, ehe sie von auswärts eintraf. Dabei ist es den Fahrgästen nicht gestattet, in den Zug einzusteigen. Sie sind somit gezwungen, sich der Ungunst der Witterung preiszugeben, da ein Aufsuchen des weitab gelegenen Wartesaales in Erwartung des Abfahrens des Zuges nicht gut möglich ist. Eine überdachte Halle hat jener Bahnsteig nicht. — Heute Morgen wurde ein in einer Fabrik an der Kronprinzenstraße beschäftigtes Putzmädchen festgenommen. Dasselbe steht im Verdacht, daselbst Scheeren und Freimarken unterschlagen zu haben; das weitere wird die Untersuchung ergeben. — Von Meigen aus wurde gestern Nachmittag in der Richtung Küllenhahn ein heftiger Waldbrand bemerkt. — In der vorgestrigen General=Versammlung des Remscheider Gewerbe=Vereins lag eine Anfrage des Patentamtes vor, ob unter den Worten„Fuchsmesser“ und„Fuchszugmesser“ allgemein übliche Waarennamen zu verstehen sind. Die Antwort wiro dahin lautend ertheilt werden, daß die erwähnten Worte eine ganz bestimmte Gattung von Messern bezeichnen, zum Unterschied von Wagner=, Schindel= oder Binder=Zugmessern. Dann wurde das Vorgehen des Verbandes süddeutscher Eisenhändler beleuchtet, der die Fabrikanten mit allerlei Manipulationen zwingen will, nicht an Konsumenten zu verkaufen. Dadurch werde insbesondere der Kleingewerbetreibende geschädigt. Wie die„Remsch. Ztg. meldet, beschloß der Verein, Stellung zu dieser Sache zu nehmen und wählte eine viergliedrige Kommission, die in einer schriftlichen Ausarbeitung die Angelegenheit klar erörtern, bezw. Vorschläge machen sou. Beabsichtigt ist, dieses Erposé den Fabrikanten=Vereinen und den Handelskammern der benachbarten Bezirke zu unterbreiten behufs gemeinsamen Vorgehens. — Die„drei gestrengen Herren“ haben nach dem Kalender heute ihre Herrschaft angetieten, ohne daß eine merkliche Aenderung in der Witterung vor sich gegangen ist. Die Maikühle war schon vor ihrem Einzuge vorhanden und wird jetzt um so unbehaglicher empfunden, als ihr eine Reihe sonniger Tage voraufging. — Vergangene Nacht wurde zu Kohlfurth, ein Schimmel(Wallach) gestohlen. — In der Verleihung der Kaiser WilhelmMedaille wird fortan auf Kaiserlichen Befehl ein Neuerung eintreten. In geeigneten Fällen soll ausnahmsweise und auf besonderen Antrag der Behörde auch solchen Veteranen die Medaille verliehen werden, die nach den bisher getroffenen Bestimmungen von der Verleihung der Medaille ausgeschlossen sind, d. h. den Veteranen, die mit dem Militärstrafgesetz in Konflikt gerathen waren. * Höhscheid, 10. Mai. Die Frage der Anstellung eines neuen Pfarrers an der evang. Gemeinde Wiodert scheint nun endlich der Lösung nahe. Sicherem Vernehmen nach wird der im vorigen Jahre zurückgetretene Pfarrer Schneider am 1. Juli d. I. pensiont werden. Der baldigen Wiederbesetzung der erledigten Pfarrstelle darf nunmehr entgegengesehen werden. * Gräfrath, 9. Mai. Gestern feierte der Flachg, berger Turnerbund sein Stiftungsfest; eine zahl. reiche auswärtige Turnerschaar hatte der an sie ergan, genen Einladung Folge geleistet. Im stattlichen Festug waren vertreten die Turnvereine aus Mangenberg Germania=Oberhaan, Gräfrath, Dorperhaf Walder Turngemeinde, Barmen=Rittershausen, Wid, dert, Halbenberg, Leichlingen und allgemeiner Turnerbund Obligs. Nach dem Umzuge durch die festlich geschmückten Ortschaften Flachsberg, Central, Foche und Gräfrath löste sich der Festzug im Festlokale bei Frau Wwe. Marcus auf, und hier begann bald ein regeg Leben und Treiben. Von den ausgesetzten Preisen erhielten am Reck: den 1. K. ill, T.=V. Mangenberg den 2. Frings, T.=V. Germania=Oberhaan, den 3 Jacoby, T.=V. Gräfrath, den 1. Ehrenpreis Keull. T.=V. Mangenberg, den 2. Uesseler, T.=V. Gräfratham Barren: den 1. Schumacher, T.=V. Mangenberz den 2. Fischer, T.=V. Dorperhof, den 3. Tack, Tu„. gemeinde Wald, den Ehrenpreis Frings, GermanigOberhaan; im Stemmen: den 1. Bruchhaus=Gräfrath. den 2. Bauermann=Wald, den 3. Wittich= Oberbag.“ Ehreapreis: Haimes= Dorperhof; im Ringen: den 1 Hermes=Dorperhof, den 2. Butterweck=Wald, den 3 Arns=Leichlingen, den Ehrenpreis Weber=Dorperhof: für beste Haltung im Festzuge: Ehrenpreis: T.=V. Halbenberg, für große Betheiligung im Festzuge: den Ehrenpreig T.=V. Gräfrath. Die Preise bestanden aus silbernen, silbervergoldeten Lorbeerkränzen, 2 Fruchtschalen, 1 Photographie=Album und 1 Weinvowle. * Stadtverordneten=Sitzung zu Solingen am 10. Mai 1898. Unter dem Vorsitz des Herrn Oberbürgermeisters Dicke waren anwesend die Stadtverordneten Herren Huzo Beamann, Böker, Dr. Büren, Dahmann, Grah, Hacring, Hartkopf, Hasselbach, Heberlein, Hermes, Hoppe, Kron, Lauterjung, Linder, Meuwsen, Müller, Raßpe, Röttzen, Schwarz, San.=Rath Dr. Stratmann, Theegarten. Tilmes, ferner die Herren Beigeordneten Baumann, Kühne und Wolters, Herr Gas= und WasserwerkeDirekter Klose, Herr Stadtgeometer Strohmeyer und Herr Techniker Balluf vom städtischen Gas= und Wasserwerk, sowie Herr Stadtsekretär Friedrichs als Protokollführer. Außerdem wohnte der Sitzung Herr Landrath Dönhoff bei. Es fehlten die Herren Stadtverordneten Kommerzienrath Beckmann, Berrenberg, Kommerzienrath Coppel, Felix, Kirschbaum, Langenberg, Lüttges und Schumacher. Tages=Ordnung: Die Anlage eines neuen Wasserwerkes der Stadt Solingen. Der Herr Vorsitzende eröffnet die Sitzung und führt etwa Folgendes aus: Die lebhaften und berechtigten Klegen, die vor 2 Jahren laut wurden betreffs der Wasserversorgung der Stadt Solingen, haben Veranlassung gegeben, eine eingehende Prüfung dahin vorzunehmen, ob durch Verbesserung der bestehenden Wasserwerksanlage es ermöglicht werden könnte, eine allen Anforderungen in qualitativer und quantitativer Beziehung genügende Wasserversorgung zu schaffen. Die daraufhin angestellten eingehenden Untersuchungen haben ein negatives Resaltat ergeben. Wenn wir auch in der Lage seien, eventuell eine genügende Menze Wasser zu erreichen, so sei dieses Wasser in der Zukunft wegen seiner Qualität höchst bedenklich, und es seien Zweifel vorhanden, ob es überhaupt filtrationsfähig sei. Man habe deshalb Untersuchungen eingeleitet über die Anlage einer Thalsperre im Sengbachthale, sowie über die Anlage einer Pumpstation. Mit diesen sei Geh. Regierungsrath Professor Intze betraut worden, dem er hiermit zu seinem Vortrag das Wort ertheile. Herr Professor Intze knüpft an das vom Herrn Vorsitzenden Gesprochene an und bemerkt sodann, wean man für die Zukunft sorgen wolle, dann müsse man sich die Frage vorlegen, ob man das bestehende Wasserweik erweitern wolle oder nicht. Der gegenwärtige Jahreskonsum an Wasser sei in Solingen auf 850000 Kubikmeter gestiegen. Eine Erweiterung der Anlagen im Morsbachthal müsse als nicht geeignet erscheinen, da dort niemals die in Zukunft für Solingen nöthige Wassermenge gewonnen werden könnte und namentlich Bedenken in qualitativer Hinsicht obwalteten. Redner verbreitet sich dann über die Wasseranlagen in verschiedenen Städten und kommt hierauf auf die Arten und Resultate der angestellten Untersuchungen im Sengbachthale zu sprechen, indem er dieselben mit den im Eschbachthale, der Wasserversorgungsanlage für die Stadt Remscheid, vergleicht. Zunächst erörtert der Herr Professor die Frage, wie ein gutes Versorgungswasser beschaffen sein soll und beantwortet, immer Vergleiche ziehend zwischen dem in dem Rohrnetz der Stadt Remscheid befindlichen und dem gegenwärtigen Wasser Solingens, die Frage hinsichtlich der Rückstände, der organischen Substanz und der Zahl der Bakterien. Die im Wasser vorhandene Salpetersäure sei in Solingen auf 9 zu 100 herabgesunken, der Chlorgehalt über 5 hinausgewachsen und die Qualität des gegenwärtigen Wassers des halb sehr der Verbesserung bedürftig. Die in der Thalsperre in Remscheid angestellten Untersuchungen des Wassers haben keine höhere Anzahl von Bakterien ergeben, als das in den Rödren befindliche, ebenso nicht das Bachwasser im Senzbac thale. Er komme deshalb zu dem Schlusse, daß leichter sei, aus dem Wasser im Sengbachthale in ähnlicht Weise wie in Remscheid ein Versorgungswasser zu schaffen, welches das jetzige und das Remscheider Wasser übertreff. Sodann bespricht der Redner die Mittel, um dos Wtit, zu verbessern und namentlich die schädliche salpe. Säure und den Ammoniak, der in dem früheren Solinze Wasser bis zur Anlage der Filterstation vorhane war, auszuscheiden. Er berührt hierbei die einfachste natürlichste Art, die Filtration durch Ueberrieselung der Wiesen und erwähr; dann noch die Möglichkeiten, geeignete technische Hilfsmittel(Vorfilterung, wie). L. in Lennep, oder Filterplatten, wie z. B. in Worme)## jeder Zeit die Qualität des Wassers zu verbessern. dann feiner die Frage betreffe, ob es möglich se, Sengbachthale das nothwendige reichliche Wasser in 5# Qualität zu schaffen, so müsse er dieselbe unbedig bejahen. Wenn man z. B. in Worms aus schmutziggelten Rheinwasser, in Altona aus dem““ Unrath von Hamburg mit sich führenden Elbewasse“ qualitativ gutes Wasser schaffen konnte, danne in Leichtes, aus dem reichlich vorhandenen Wasse Sengbachtbale ein in jeder Beziehung gutes Wals“ liefern. Eine weitere Frage sei, wie man das Wp fasse und in die Stadt hineinbringe. Hier sei nicht möglich, mit natürlichem Gefälle das Versorst wasser in die Stadt zu bringen, allein die im Semithen thale zu schaffenden Wasserkräfte in Verbindur9.— die bereits vorhandenen des Wupperwassers ervl%'(campf, Hebung des Wassers ohne Zuhülfenabme von iustean kraft. Die beiden zu vereinigenden Wasserkräfte“ ausich vortrefflich, insofern, als das im Sengbuc zulegende Sammelbecken als Regulator Listunz vollen Betriebe des Wasserwerks erforderlich“„nenen anzesehen werden kann. Auf Grund der vorsettnfenden Messungen, wobei aber die unterirdisch Wassermengen nicht mitgezählt sind, kam der Herr Frofessor zu dem Resultat, daß für die Versorzung der Stadt und den Betrieb ein Sammelbecken von ##ma) 3000000 Kubikmeter nothwendig sei. Dieses Sammelbecken speichert den wesentlichen Ueberschuß der Rassermengen des Sengbachthales auf und schafft „ trockenen Zeiten die dann erforderliche Leigung des Pumpwerks. Für das letztere müßten Turbinen angelegt werden. Durch die Anlage eines Sammelbeckens von dem genannten Inhalte würde ein ueherschuß im Mittel von 2000000 UIP während des Jahres zur Verfügung stehen, nach Abzug der zur elekgischen Anlage erforderlichen Kräfte, noch eine solche on 1600000 HP, ein Ueberschuß an Kraft, der für industrielle Zwecke oder elektrische Beleuchtungsanlagen weiterer Nutzen abgegeben werden könnte. In so ünstiger Weise habe Redner die Verhältnisse noch nie gstroffen. Zum Schlusse kommt der Herr Professor auf die Kostenfrage zu sprechen und verweist dabei auf die angestellten Berechnungen. Für die Herren Stadtverordneten komme es im Wesentlichen nur darauf an, ab die Anlage eine rentable sei. Dies müsse er in jeder Beziehung bejahen. Die Kostenübersicht bei Inberriebsetzung des neuen Werkes im Jahre 1901 stellt sich folgendermaßen: 1) Wassermenge. Das im Jahre 1896/97 verkaufte Wasserquantum betrage 670 000 Kubikmeter, die Zunahme in 4 Jahren 230060 Kubikmeter, folglich ist im Jahre 1901 die Summe verkauften Wassers 900000 Zubikmeter. Dazu kommen für besondere städtische Bedürfnisse und Verluste 200000 Kubikmeter, so daß die Summe des geförderten Wassers 1 100000 Kubikmeter betrage. 2) Anlagekapital. Der Buchwerth des jetzigen Wasserwerks ist im Jahre 1901 1040000 Mk., die Kosten des neuen Wasserwerks mit Elektrizitätsanlage betragen 2260000 Mk, so daß das Anlagekapital im Jahre 1901 die Summe von 3300000 Mk. betrage. 3) Die jährlichen Kosten des Betriebs und der Unterhaltung sind a) für die alte Anlage. Arbeitslöhne(ohne jetziges Pumpwerk) 3000 Mk. Gehälter wie jetzt rund 10000 Mk., Unterhaltung der Gebäude und Maschinen(ohne Betrieb) 3000 Mk., Unterhaltung der Wirthschaftsgebäude 1400 Mk., Unterhaltung der Rohrnetze und der Wassermesser 2600 Mk., verschiedene Ausgaben 5000 Mk., in Summa 25000 Mk. b) für die neue Anlage. Betrieb der Pumpen, Turbinen, Filter und Dynamos 12000 Mk., Abgabe für Betriebswasser der Wuppersperren, Unterhaltung der Thalsperren und Unvorhergesehenes 8000 Mk., in Summa 20000 Mk. Somit betragen die totalen jährlichen Betriebskosten und Unterhaltungskosten 25000+ 20000= 45000 Mk. Diesen gegenüber stehen die jährlichen Einnahmen aus dem Wasserwerk für den Verkauf von 900,000 cbm. Wasser à 21 Pfg.= 189,000 Mk.; hiervon ab für Betriebskosten 45,000 Mk., bleiben somit 144,000 Mk. zur Verzinsung und Amorlisation des Anlagekapitals von 3,300,000 Mk.= 4½%. Beim Elektrizitätswerk sind im Jahre 1901 disponibel p. a. 2,000,000 HP Stunden in der Stadt bezw. 20,000,000 Glühlampenstunden. Die Betriebsunkosten hier für betragen 10,000 Mk. pro Jahr. Die obere Grenze der Einnahmen sei daher 20,000,000 Glühlamp.=Stdn. à 2 Pfg. = 400,000 Mk. oder 2,000,000 UIP Stunden elektrische Energieabgabe à 6 Pfg.= 120,000 Mk. Nimmt man nun an, daß abgegeben werden etwa 2,000,000 Glühlampenstunden à 2 Pfg.= 40,000 Mk. und 1,000,000 HP Stunden à 6 Pfg.= 60,000 Mk., so ist die Summe der Einnahmen 100,000 Mk. und es bleibt nach Abzug der jährlichen Betriebskosten von 10,000 Mk. ein Ueberschuß von 90,000 Mk. Nimmt man an, daß im zukünftigen Betriebe 2,000,000 ebw. Wasser pro Jahr vorhanden seien und davon 1,700,000 cbm. 4 20 Pfg.= 340,000 Mk. verkauft werden, so ergiebt sich nach Abzug der jährlichen Ausgaben(Neues Werk einschl. Elektrizitätsweik 140,000 Mk., altes Werk 5% von 1,040,000 Mk.= 52,000 Mk. und Betriebskosten des alten Werks= 25,000 Mk.) in der Gesammtsumme von 217,000 M. ein Ueberschuß aus dem Wasserwerk von 123,000 Mk. Aus dem Elektrizitätswerk sollen im Jahre 1901 1,500,000 HP Stunden oder 15,000,000 Glühlampenstunden disponibel sein. Davon sollen verkauft werden 3,000,000 Glühlampenstunden à 2 Pfg.= 60,000 Mk. und 1,200,000 HP Stunden à 6 Pfg.= 72,000, so ergiebt sich eine Summe von 132,000 Mk. Der Ueberschuß betrage in diesem Falle in der Totalsumme dann 123,000+ 132,000= 255,000 Mk. Nachdem der Herr Redner sodann noch eine Zukunftsfrage erörtet hatte, dahin gehend, daß vielleicht die Anlage eines zweiten höherliegenden Wasserreservoirs zur Versorgung der höherliegenden Stadttbeile mit Wasser und zu Feuerlöschzwecken nöthig werden könnte, in welches das Wasser durch eine selbstthätige Pumpe emporgebracht würde, glaubt er sämmtlichen wesentlichen Fragen gerecht geworden zu sein. Lebhafter Beifall wurde den Ausführungen des Herrn Professors, der die Resultate seiner Untersuchungen an der Hand von Plänen und Skizzen zeigte, zu Theil. Der Herr Oberbürgermeister eröffnet sodann die Diskussion. Herr Kron fragt an, ob die elektrische Anlage später eingebaut werden könne oder ob dies jetzt geschehen müsse, bezw. ob die Anlage bei einem spätern Einbau mehr Kosten verursachen würde. Die Frage sei ja sehr bestimmend für einen event. Beschluß. Herr Professor Intze erwidert, diese Frage sei vollständig berechtigt; die Anlage werde relativ billiger, wenn schon jetzt der Einbau stattfinde; später würde derselbe enorm viel Geld kosten. Das Einzige, was jetzt fortbleiben könne, seien die Turbinen und die Dynamos. Es wäre aber desser, wenn man dieselben nicht fortließe; die Kosten verselben würden gegenüber der beträchtlichen Gesammtausgabe auch keine Rolle spielen. Man könne höchstens 30,000 Mark sparen. Die Rentabilität des Wasserweikes werde sofort bei Inbetriebnahme desselben da sein; denn im Prinzip für die Anlage des Wasserwerkes entschieden würde, dann sei es am besten, alle Anlagen bis auf 1 Turbine und 1 Motor einzurichten. Herr Sanitätsrath Dr. Stratmann: Sind die Bodenverhältnisse auch darauf untersucht worden, daß uns auch genügend Sicherheit geboten ist, daß das angestaute Wasser sich nicht unterirdisch verlieren kann? Herr Professor Intze erwidert, daß er bestimmt versichern könne, daß das Wasser dicht abgesperrt werde. Zuerst sei man auch hinsichtlich dieser Angelegenheit Zweifeln bei der Remscheider Thalsperre begegnet; die Untersuchungen hätten aber deren Haltlosigkeit ergeben. Im Uebrigen seien die Bodenverhältnisse in dieser Hinsicht hier noch günstiger, als in Remscheid. Man dürfe hier vollständig beruhigt sein. Herr Schwarz: Ist in maßgebenden Kreisen schon die Frage erörtert worden, ob event. das alte Wasserwerk sich in irgend einer Weise verwerthen läßt? Herr Vorsitzender: Diese Angelegenheit dürfte für uns ein Rechenerempel sein; läßt sich das Werk verwerthen, dann ist es gut; wenn nicht, müssen wir es liegen lassen. Der Herr Vorsitzende fährt dann fort: Der lichtvolle Vortrag des Herrn Geheimen Regierungsrathes wird Sie überzeugt und keinerlei Zweifel zurückgelassen haben, an der Vorzüglichkeit des Projektes. Wir können deshalb wohl in die Verbandlungen über die Angelegenheit eintreten, ob die Thalsperre im Sengbachthale nach dem uns vorliegenden Gutachten des Herrn Professor Intze ausgeführt werden soll, und eröffne ich hierüber die Diskussion. Herr Kron: Ich glaube, daß Diejenigen, die sich mit der Materie befaßt haben, auch eingehend mit derselben vertraut sind, in der gestrigen Versammlung ist die Angelegenheit auch besprochen und erörtert worden, und ich für meine Person habe nichts dagegen, wenn wir die Thalsperre bauen. Ueber die anderen damit verknüpften Anlagen werden uns wohl noch detaillirte Projektstücke des Herr Professors Intze vorgelegt? Herr Vorsitzender: Selbstverständlich. Herr Sanitätsrath Dr. Stratmann: Herrn Professor Intze möchte ich event. die Oberleitung über das Ganze anvertraut sehen. Herr Professor Intze: Wenn die Herren mich damit betrauen wollen, so wird es für mich eine Ehre sein, die Anlage so gut auszuführen, wie in Remscheid(Bravo). Die Diskussion über die Angelegenheit wird hiernach geschlossen, und Kollegium beschließt nunmehr einstimmig den Bau der Thalsperre im Sengbachthale. Herr Vorsitzender: Bei diesem wichtigen Beschlusse haben wir selbstverständlich den einstimmigen Wunsch, daß dieses schöne Projekt in gleicher Weise, wie hier vorgetragen, zur Ausführung gelange; hoffentlich wird der heutige Beschluß auch der Stadt Solingen zum Heil und zum Segen gereichen. Hiermit sind die Verhandlungen beendet; Versammlung tritt nun in die Berathung der in der nichtöffentlichen Sitzung vorliegenden Gegenstände ein. *8 Stadtverordneten=Sitzung zu Gräfrath am 10. Mai 1898. Unter dem Vorsitz des Herrn Bürgermeisters Kürten sind anwesend die Herren Stadtverordneten Gust. Hammesfahr, Joest, Kremer, Küller, Lange, Ohliger, Pohlig, Dr. Pütz, Rütgers, Schäfer, vom Stein, Stock, Stoll, Tang, Willms und Wolfertz. Es fehlt der Herr Stadtverordnete Wegmann. Tages=Ordnung: 1) Fischereiverpachtung. Die 6jährige Pacht zeit der Fischerei im Nümmener Bach läuft mit dem 1. August d. Is. ab. Die neuerliche öffentliche Ausschreibung für gleiche Pachtdauer wird einstimmig beschlossen. Einem Antrage des Herrn Friedr. Fedder zu Fleußmühle, ihm die Fischerei in dem Fleußmühlener= und Külferbache, wegen Anlage einer Forellenzucht in seinem von genannten Bächen gebildeten Teich, unter der Hand zu verpachten, wird nicht entsprochen, sondern die öffentliche Ausschreibung der Fischerei auch in diesen Bächen einstimmig zum Beschluß erhoben. 2) Jagdverpachtung. Die bisherigen 3 Bezirke sollen in ihren Grenzen beibehalten werden, nur aus den beiden ersten die Gelände des Stadtwaldes und des Ererzierplatzes als Jagdgebiete ausgenommen sein und zwar mit Rücksicht auf den dortigen starken Verkehr. Versammlung beschließt unter diesen Voraussetzungen die öffentliche Ausschreibung der Jagdverpachtung auf 6 Jahre, noch mit dem Unterschied, daß die Pachtzeit von Februar zu Februar läuft, nicht wie bisher von August bis August. 3) Wahl eines Beigeordneten. Fur den am 1. April nach Bremen verzogenen Herrn Wolff ist die Neuwahl eines Beigeordneten erforderlich. Aus derselben geht Herr Fritz Weck hervor und zwar wird demselben die Vertretung des Herrn Bürgermeisters an 2ter Stelle übertragen. 1. Beigeordneter ist zur Zeit Herr Kremer. 4) Stadtverordneten=Ergänzungswahl. Die an Stelle des verzogenen Herrn Wolff erforderliche Neuwahl wird bis zu den allgemeinen Ergänzungswahlen im November d. Is. verschoben. 5) Wahl eines Mitgliedes der KieinbahnKommission. Aus derselben geht an Stelle des Herrn Wolff Herr Albert Küller hervor. 6) Wahl eines Mitgliedes der WegebauKommission. Auch hier ist das Mandat durch den Wegzug des Herrn Wolff erledigt; gewählt wird Herr Wolfertz. 7) Anstellung eines Polizei=Sekrerars. Wird von der Tages=Ordnung zurückgestellt, bezw. in die geheime Sitzung verwiesen. 8) Bewilligung an die freiwillige Feuerwehr Schlagbaum für die Beschaffung einer Feuerspritze. Ein dieebezügliches Gesuch ist bereits in einer früheren Sitzung zur Sprache gekommen, damals jedoch vorläufig abgelehnt worden mit dem Bescheide an die Gesuchsteller, vorher die zuständigen FeuerversicherungsGesellschaften um Beiträge anzugehen. Dem nun vorliegenden erneuten Gesuch zufolge ist Solches gescheben mit dem Erfolge, daß von 14 in Frage gezogenen Gesellschaften drei 350 Mk. zu den nothwendigen Mk. 1000 beisteuern. Es verbleiben noch 650 Mk., die die betheiligten Gemeinden aufzubringen ersucht werden. Wald, als meistinteressirte, hat bereits 400 Mk. bewilligt, und der Herr Vorsitzende glaubt nun eine Summe von Mk. 150 als für Gräfrath angemessen bezeichnen können, welchem Antrage Kollegium dann auch zustimmt. Solingen dürfte somit noch Mk. 100 zu bewilligen haben. 9) Feststellung der Verzeichnisse unbeibringlicher Gemeindesteuern. Die Niederschlagung von Steuerresten aus den letzten beiden Jahren zusammen in Höhe von 554,08 Mk. findet einstimmig Genehmigung. 10) Antrag auf Uebernahme der Kosten der Lehrmittel der Volksschulen auf den Gemeinde=Etat. Herr Vorsitzendr bringt den diesbezüglichen Antrag, unterzeichnet von den Stadtverord= neten Herren Lange, Ohliger, Schäfer und vom Stein zum Vortrag, bemerkt jedoch im Voraus, daß der Antrag, weil mit weniger als 5 Unterschriften versehen, der vorgeschriebenen Form ermangele, und somit eine Beschlußfassung darüber noch nicht erfolgen könne. Nichtsdestoweniger halte er eine Besprechung der Angelegenheit für geboten, weshalb ihre Aufnahme in die heutige Tagesordnung erfolgte. Zuvor handelt es sich um die Richtigstellung des Antrages, es sind nämlich nicht Lehrmittel, deren Kosten die Gemeinden bekanntlich bestreiten, sondern Lernmittel gemeint. Der Herr Vorsitzende wendet sich entschieden gegen den Antrag und begründet in längerer Ausführung seine Ansicht. Schon mit Rücksicht auf die in Folge der neuen Lehrerbesoldungsordnung unverhältnißmäßig gestiegenen Mehrausgaben für Schulzwecke, welche gegen das Vorjahr die Ziffer von 9326 Mk. erreichen, sei es, finanziell betrachtet, gewagt, den Etat um etwa 5000 Mk. jährlich mehr zu belasten, in der Hauptsache aber wären die Konsequenzen, die ein solcher Beschluß nach sich ziehen würde, schweiwiegender Natur und für eine kleine Gemeinde wie Gräfrath nur nachtheilig. Wie sollte eine derartige Einrichtung, von der Gemeinde Gräfrath einseitig beschlossen, bestehen können? Die Folgen wären, daß fluktuirende Familien, die ja überall wohnen können, wo sie wollen, in die Gemeinde hinüberzögen, daß unabsehbare Unzuträglichkeiten durch die Büchervertheilung und =Abgabe wie durchUmzug in andere Gemeinden entständen und ein gewisser Unterschied zwischen arm und arm doch bliebe. Im Uebrigen sei ja auch die Armenverwaltung bemüht, in dieser Beziehung Erleichterung zu schaffen. Keinenfalls könne das nur kleine Gemeinwesen Gräfrath in einer solch wichtigen Frage die Initiative ergreifen, da müßten größere Körperschaften vorangehen. Ihm läge durchaus fern, einer Entlastung der ärmeren Klassen entgegenzutreten, aber in diesem Falle könne er einen Vortheil für das Gemeinwesen nicht einsehen. In der sich nun anschließenden lebhaften Debatte begründen die Herren Antragsteller ihren Standpunkt zür Sache, indem sie ganz besonders für die verschämten Armen plaidiren, denen es wahrlich schwer würde, das Geld für die Lernmittel für ihre Kinder aufzubringen, im Uebrigen bestreiten sie die politische Färbung ihrer Forderung keineswegs. Herr Dr. Pütz glaubt einen geeigneten Ausweg darin zu erblicken, daß die Lehrer beim Abgang der Kinder von der Schule diese befragen, ob sie die Bücher 2c. zur Benutzung für ärmere Kinder zurücklassen wollten. Es würde dies Verfahren jedenfalls eine Erleichterung bedeuten und eine gute Anzahl Lernmittel zur Verfügung stellen, auch wäre damit dem Odium, das nun einmal auf dem gestellten Antrage ruhe, begegnet. Diesem wider spricht Herr Küller, der es wegen der weiteren Auebildung der Kinder für zweckmäßig hält, daß die Kinder die Schulbücher auch nach Abgang von der Schule behalten. Im Uebrigen spricht Redner gegen den Antrag. Nachdem der Herr Vorsitzende noch versichert, daß er nach Möglichkeit die Steuersätze von Mk. 4 herabzumindern bemüht sein würde, und so in liberaler Weise ein Aequivalent geschaffen sei für die Auslage für Lernmittel, bittet er die Herren Antragsteller ihren Antrag zurückzuziehen, im andern Falle denselben erneut in der vorgeschriebenen Form einzureichen. 11) Geschäftliche Mittheilungen. Der Herr Vorsitzende setzt die Versammlung von der regierungsseitig erfolgten Genehmigung der s. Z. beschlossenen Lehrerbesoldungsordnung in Kenntniß und theilt weiter mit, daß, im Einverständniß mit der Wegebaukommission, eingelaufenen Wünschen auf Wegeverbesserungen in kurzer Zeit entsprochen werden würde, und zwar für die Wege Ringelshäuschen—Central, Donaustraße—3. Stockdum und U.=Flachsberg nach den zehn Morgen. Wegen Erbreiterung eines Weges zu Flachsberg sind Verhandlungen mit dem Besitzer des ehemaligen Deus'schen Ring= ofens Bredt=Barmen im Gange. Gerichts=Verhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. □ Ohligs, 10. Mai. In der heutigen Sitzung des Schöffengerichts, welches gebildet war aus den Herren Amtsrichter Dr. Lucas als Vorsitzender, Fabrikanten Wilhelm Helrichs und Ernst Melcher als Schoffen, Sekretär Sasse als Gerichtsschreiber und Bürgermeister Trommershausen als Amtsanwalt, kamen folgende Sachen zur Verhandlung: Eine Wittwe in Merscheid hatte der im selben Hause wohnenden Dienstmagd nacherzählt, sie habe sich in nicht ehrenhafter Weise auf ihrem Schlafzimmer mit 3 jungen Leuten unterhalten; die Wittwe wurde für diese Behauptung mit 12 Mark Geldbuße oder 4 Tagen Haft bestraft.— Im Februar d. J. Nachmittags 4 Uhr kam der Schleifer A. in Ohligs in die Schleiferei, um zu arbeiten. Sein Riemen war aber vom Stein geworfen, infolgedessen er nicht sofort mit der Arbeit beginnen konnte. Seinen Mitarbeiter C. frug er nach dem Urbeber dieses Scherzes; dieser erklärte ihm, von nichts zu wissen. Die Beiden bekamen Wortwechsel, A. schlug auf C. ein, so daß dieser einige Verletzungen davon trug, was mit einer Geldstrafe von 15 Mark oder mit 5 Tagen Gefängniß gesühnt wurde.— Der Schleifer E. in Ohligs war bei dem Schleifer M. daselbst Kostgänger gewesen und wollte seine Salonbüchse am 6. März d. I. abholen. Er schlug die Büchse entzwei und wollte den M. schlagen. M. setzte ihn jedoch vor die Thüre, aus Wuth hierüber schlug E. einige Fensterscheiben an der Wohnung des M. ein und bedrohte ihn noch mit Kaputmachen. E. wurde zu! Woche Gefängniß verurtheilt.— Aus einer Messerfabrik in Merscheid, wo der Arbeiter S. aus Höbscheid beschäftigt war, verschwanden 1 schwerer Hammer und verschiedene Stahlstangen. Diese wurden denn auch bei S. vorgefunden und trotz seines Leugnens, daß er die Sachen schon früher besessen hätte, wurde er wegen Diebstahls zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt.— Die Sache gegen den Schachtmeister E. in Ohligs wegen Diebstahls konnte nicht verbandelt werden, weil der als Zeuge geladene Ausschachter K. aus Wald nicht erschienen war. Letzterer wurde wegen unentschuldigten Ausbleibens zu 20 M. Geldstrafe oder 3 Tagen Haft bestraft, ihm auch die Kosten des heutigen Termins auferlegt. Die Sache selbst wurde auf den 3. Juni vertagt.— Der Schleifer L. aus Ohligs sollte sich dadurch einer fahrlässigen Körper verletzung schuldig gemacht haben, daß er einen Hund auf den echleifer S. hetzte. L. bestritt dies, die Beweisaufnahme fiel zu seinen Gunsten aus, weshalb er denn auch von Strafe und Kosten freigesprochen wurde.— Der einfachen Mißhandlung für schuldig befunden und zu 15 Mark oder 5 Tagen Gefängniß verurtheilt, wurde der Fabrikarbeiter A. zu Rupelrath. Er hatte seinen Mitarbeiter K., mit welchem er einige Tage vorher in der Fabrik Streitigkeiten gehabt datte, des Morgens früh auf dem Wege zur Fabrik mißhandelt, wodurch K. einige Verletzungen davon getragen hatte.— Gegen den nicht erschienenen Mauter S. aus Höbscheid wurde Vorführungsbefehl erlassen und die Sache auf den 1. Juni ver tagt.— Am Abend des 19. März d. Is. waren einige Leute in einer Wirtbschaft in Ohligs, wobei der Maurer B. ein 20 Markstück zeigte, womit er sein Bier bezahlen wollte. Seine Kameraden sagten ihm, er möge das Stück nicht wechseln lassen, sie wollten das Bier für ihn zahlen. Er hatte das 20.Markstück auf den Tisch gelegt, der mitanwesende Maurer Z. aus Obligs hatte dasselbe in der Hand gehabt. In einer anderen Wirthschaft, wohin sich die Gesellschaft begeben hatte, vermißte B. das Geldstück. Draußen schlug einer von der Gesellschaft vor, nach der H'schen Wirthschaft zurückzukehren, um sich dort von dem Wirth durchsuchen zu lassen, womit sich denn alle einverstanden erklärten, auch Z. Letzterer zog es aber vor, sich aus dem Staube zu machen, indem er eiligst davon lief. Heute hatte sich Z. wegen Diebstahls zu verantworten und wurde auf Grund der Beweisaufnahme zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt.— Aus der Untersuchungsbaft vorgeführt wurde der Maurer P. aus Obligs, welcher seit längerer Zeit seine Familie verlassen und sich nicht darum gekümmert hatte. Als er zu seiner Familie zurückkehrte, mißhandelte und bedrohte er seine Frau, welche Strafantrag stellte. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen erhielt P. 3 Monate und 14 Tage Gefängniß.— Der Dachdecker M. zu Aufderböhe wurde mit 3 Tagen Haft bestraft, weil er sich der Pflicht, seine Kinder zu unterhalten, entzogen hatte.— Eines Abends spät, im Januar ds. Is., drang der Scheerenhärter W. in Obligs in eine Wirthschaft, welche schon Feierabend gemacht hatte. Er wurde aufgefordert, wegzugehen, was er auf wiederholtes Ersuchen nicht that. Wegen Hausfriedensbruchs erhielt er 10 Tage Gefängniß.— Wegen Theilnahme an einer Kaßenmusik erhielt die Ehefrau T. in Obligs 5 M. Geldstrafe oder 2 Tage Haft.— In der Privatklagesache der Ebefrau L. gegen die Ehefrau W. kam ein Vergleich zu Stande. Nachrichten. Oldenburg, 10. Mai. Gestern Abend stieß au der Station Hohenkirchen(Strecke Jever=Karolinenfiel) die Personenzüge 191 und 188 in Folge falscher Weichen stellung zusammen. Da das Zugpersonal abgesprungen war, lief der Zug 191 mit zurückgelegter Steigerung mit Reisenden nach Karolinenfiel zurück. Der in dem Zug befindliche Kaufmann Mertens aus Jever wurde getödtet und ein Reisender verletzt. Der Materialschaden ist bedeutend. Der schuldige Weichensteller wurde seines Dienstes enthoben. London, 10. Mai. Die nach Sydney bestimmten Dampfer„Merkoworth" und„Maitland“ sind mit andern Schiffen im Orkan bei Sydney gescheitert; mehr als vierzig Passagiere und Schiffsleute kamen dabei ums Leben. Neueste Nachrichten und Telegramme. Berlin, 11. Mai. Die Morgenblätter melden aus Lemberg(Galizien): Gestern Mittag überfielen Arbeitslose die Brodläden am Schützenplatz und plün derten sie aus. Die Polizei nahm Verhaftungen vor. Während die Verhafteten weggeführt wurden, erneuerten sich die Ausschreitungen, wobei 1 Arbeiter schwer verletzt wurde. Eine große Anzahl nothleidender Bauern aus der Umgebukg von Kalamea, wo dem Vernehinen nach Hungertyphus herrschen soll, ist in der Stadt Kalamea eingetroffen. Man befürchtet Unruhen. Bern, 10. Mai. Aus Mailand kommen zahlreiche Flüchtlinge hier an. London, 11. Mai.(Telegramm.) Die„Times meldet aus New=York: Das Marinedepartement in Washington macht bekannt, daß 4 Kreuzer und 3Torpedoboote des spanischen Cap=Verde=Geschwaders gestern in Cadir angekommen seien. Die Nachricht wurde in Wasdingten Nachmittags offiziell bekannt gegeben. Die amerikanische Aktion gegen Cuba und Portorico wird nunmehr beschleunigt. Madrid, 10. Mai. Der Postdampfer„Montserrat“ lief, von Cienfuegos kommend, in Havanna ein; man sieht das hier als einen Beweis dafür an, daß die Blockade keine nachdrückliche ist.(Der „Montserrat“ hatte bekanntlich auch die Blockade von Cienfuegos durchbrochen. D. R.) Konstantinopel, 10. Mai. Die Hungersnoth hat gestern in Tchataloja an der Bahnstrecke von Adrianopel einen Aufruhr hervorgerufen. Die Linie ist militärisch besetzt. Mehrere Personen sollen getödtet oder verwundet worden kein. waschen wir unsere Wäsche aber nur mit Grümer Morgen& Neu Panoma=Holz Wasch=Extrakt, ruft die sparsame Hausfrau ihren Wäscherinnen zu. Grümer& Neu' echter Pauama=Holz=WaschExtraktist in allen Handlungen" Pfd. zu 15 Pfg. käuflich. SOLINGER BANK. II. Mai. Briefe Geld Briefe Geld Amstd.Rttd.k.S. 169.75 169.25 London„ 120.51320.475 Austräge in Effecten werden prompt und zu Bedingungen ausgeführt. Atw., Bres k. S. 80.95 80.65 81.1080.80 billigen Paris Anzeiger. Evangelische Gemeinde Solingen. Sitzung des Presbyteriums am Donnerstag, den 12. Mai, Nachm. 6 Uhr, im Betsaale zu Krahenhöhe. . S.„Katechumenenunterricht für “ Maochen meines Bezirks beginnt Freitag, den 13. d. Mts., 11 Uhr Vormittags. Nur diejenigen Mädchen, welche 12 Jahre alt sind oder vor dem 1. verden, haden sich einzufinden. Mitzudringen ist der Taufschein(Stammduch) und das Gesangbuch. Giesekke. " Evangel. Vereinshaus. Lonnerstag 8½ Uhr: Gebetskunde. Eine Wohnung in der Jägerstr. an kleine Familie per 1. Juni zu vermiethen. Nah. i. d. Exp. Immanuels- Verein, Schrodtberg. Heute Abend 8½ Uhr: Bibl. Vortrag. Nichtmitglieder und Frauen haben Zutritt. Der Vorstand. Höhscheider Frauen= u. Morgen, Donnerstag, den 12. Mai, Nachm. 4 Uhr: Versammlung. Der Vorstand. Sebebedebebeeebeeiie HSeeeleedebebepche! 9 S. Hermann Schimmelbusch S Marie Schimmelbusch 8 geb. Elscheidt 8 VERMAHLTE. s4 Buxhaus b. Gräfrath, * 10. Mai 1898. Bekanntmachung. Das frühere Goldschmidt'sche Haus, Bergstraße 13. soll auf den Abbruch bis zur Erdgleiche verkauft werden. Diejenigen, welche den Abbruch unter gleichzeitiger Uebernahme des Materials übernehmen wollen, ersuche ich, bezügliche Offerten unter Angabe der Bedingungen bis zum 25. dss. Ms., Vormittags 11 Uhr, auf dem Stadtbauamte, Zimmer Nr. 17, abzugeben. Solingen, den 9. Mai 1898. Der Oberbürgermeister: Dicke. Königl. Standesamt Solingen. 10. Mai. Geburten: Eduard Wilhelm Werner, S. v. Kaufmann Heinrich Difsé, Kaiserstraße. Hedwig Alwine, T. v. Fabrikarbeiter Otto Palm, Schützenstr. Anna Elisabeth, T. v. Tagelöhner Heinrich Otto, Schützenstr. Sterbefälle: Näherin Wilhelmine Butz, 59 J., ledig, Wupperstr. Friedr. Reinh. Krumm, 2 Mon., Schrodtberg. Heiratben: Fabrikarb. Carl und Hulda Hoppe, v. h. Dreher Franz Kreit und Anna Müller, b. h. Fabrikarbeiter Heinrich Lenz und Bertha Schmidt, b. h. Scheerenhärter Eugen Stöpfgeshoff und Elise Müller, v. h. Aufgebete: Schleifer Gust. Zinner und Lina Nippes, b. h. Gerichtlicher Verkauf. Am Donnerstag, den 12. Mai 1898, Vormittags 11 Uhr, soll vor dem Hause des Wirthes Herrn Wasserloss zu Höhscheid, Weegerstraße 38, gegen einen Dritten öffentlich meist bietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1 Plappschrank. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: 1 Klosterwall 18. Dillenberger. Gerichtlicher Verkauf. Am Donnerstag, den 12. Mai 1898, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen, vor dem Hause der Wirthin Wwe. Schaaf öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: Versch. Sophas, versch. Sessel, Verticon, Tische, Bücher, Waschmaschine, etc. etc. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Casinostraße. Lehrmädchen z. bess. Costüm=Nähen ges. Frau Hildebrandi, Blumenstr. Patentbüreau I Blocksiep en, Solingen, Blumenstr. 11 besteht seit 1878. Direkte, billigste Besorgung von Patenten, GebrauchsI muster= und Waarenzeichen=Schutz. Gerichtlicher Verkauf. Am Donnerstag, den 12. Mai 1898, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden: %„„„ Büffetschrank. Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Oststraße 11. Reich. Ein junger Mann(Installateur) sucht anständig mobl. Zimmer mit Pension in der Nähe des städt. Gas= u. Wasserwerkes ev. Südbahnhofs. Offerten unter A. Nr. 128 an die Exp. abzugeben. anständige junge Leute erh. Kort und 1.oxi.„#ihte. Flurstr. 24, am Suboahaglf. 2 im Fodec- Anreige. Gestern Abend 11 Uhr entschlief sanft und ruhig festen Glauben an ihren Erlöser unsere liebe Schwester, Schwägerin und Tante Wilhelmine Butz im Alter von 59 Jahren. Phil. 1, 21. 23. Freunden und Bekannten widmen diese TrauerAnzeige mit der Bitte um stille Theilnahme. Die trauernden Hinterbliebenen. Solingen und Hattingen, den 10. Mai 1898. Die Beerdigung findet Freitag Nachmittag 4½ Uhr, vom hause Wupperstrasse 82, aus statt.] Natürliches Mineralwasser. Tafelgetränk I. Ranges Aerztlicherseits bestens empfohlen bei chron. Magenkatarrh, Blasen- u. Mierenleiden Aelteste Brunnen-Unternehmung des Bezirks Gerolstein. Haupt-Niederlage: Gustav Käfer, Solingen. Die Direktion: Gerolstein, Rheinprenssen. Todes- Anzeige. Heute Nachmittag 3 Uhr entschlief sanft nach längerem mit grosser Geduld ertragenem Leiden unser geliebter Gatte, Vater, Bruder, Schwager und Onkel Emil Wollertz im Alter von 45 Jahren und im 17. Jahre einer glücklichen und zufriedenen Ehe. Um stille Theilnahme bitten Die trauernden Hinterbliebenen: Hlelene Wolfertz, geb. Köller, Ella Wolfertz, Frieda Woltertz. Kreuzweg, Limminghofen, Merscheid, Solingen, Zur Strassen, den 10. Mai 1898. Die Beerdigung findet am Donnerstag Nachmittag 3½ Uhr vom Sterbehause, Victoriastrasse, aus statt. Todes- Anzeige. Gestern Nachmittag verschied nach längerem Leiden mein langjähriger bewährter Mitarbeiter Herr Emil Wolfertz zu Kreuzweg. Dem Entschlafenen, der mit seltener Pflichttreue seinen Beruf erfüllte, werde ich stets ein ehrendes Andenken Solingen, den 11. Mai 1898. C. Ohliger. Installation von Acetylenbeleuchtungen wird ausgeführt durch Dr. Wenzlik, Vertreter der Berliner Allgemeinen Carbit- u. Acetylen-Gesellschaft. Unser Tuch- und Buxkin-Lager ist mit den neuesten Erzeugnissen des In- und Auslandes auf das Reichhaltigste versehen und stehen wir mit Mustercollection und directer Offerte gern zu Diensten Klasing& Baumann, Maassgeschäft für hochfeine Herren-Garderobe. NB. Neben unserm Maassgeschäft bleibt der Ausschnitt sämmtlicher Paletot- und Anzugstoffe in unveränderter Weise wie bisher bestehen. Eroffnung einer eine *%„„ 0 durch direkte Rhein-Seedampter(ohne Umladung) Hden Riga und vice versa. Ab Düsseldorf: D„Egeria“„ Hinrichs„ 23.„ Ab Riga: D„Themis“ Capt. Stahn am 27. April, Auskunft über Frachten 2c. ertheilen: in Düsseldorf: W## in Riga:„ L. W. Cretschmar. meimsing& Grimm. Schiffsmakler und Spedition, Commision und Rhederei. Solinger Schützen- Kegel-Verein. Von morgen Donnerstag, den 12. Mai an ist der Kogertrscha nach der Schützenburg verlegt. Der Vorstand. Gabelsberger Stenographen-Verein. Sonntag, den 15. Mai 1898: Ausslug nach Küllenhahn und Cronenberg. Der Vorstand. Danksagung Allen, welche unserem theuren Entschlafenen die letzte Ehre erwiesen haben, sowie für die überaus zahlreichen Beweise herzlichster Theilnahme an dem uns betroffenen schweren Verluste statten wir hiermit unsern innigsten Dank ab. Familie Wilhelm Fremken. Solingen, den 10. Mai 1898. Rtuig: Gaid tauetlose Sonare. A Lartel! Landw. Casino, Solingen. Haupt-Versamm.u, Sonntag, den 15. d. M., Nachmillug# 6 Uhr, bei Braß, Krahenhöhe. 1) Vortrag des Herrn Biermanns von hier über: Nutzen der Bienen für die Landwirthschaft. 2) Vorlage der geprüften Jahresrechnung und Vorstandswahl. 3) Vertrag des landw. Vereins mit der Stuttgarter Lebens= Versiche rungs= und Rentenbank. 4) Verschiedenes und Aufnahme von Bestellungen. Der Vorsitzende: Gütz. und morgen eintreffend: per Pfd. 1,15 Mk. „„ 1.10„ Treiwilliger Verkauf. Auf Anstehen der Erben sollen die zum Nachlaß des zu Viktoriastraße, Gemeinde Wald, versterbenen Rentners Johann Daniel Dinger gehörigen Mobilien am Montag, den 16. Mai 1898, Morgens 9 Uhr, in dem Wohnhause des Erblassers, Viktoriastraße 137, durch den Unterzeichneten öffentlich gegen baare Zahlung versteigert werden, Tische, Stühle, Oßen, Schränke, Sopha, Bett, Kommode, Wanduhr, 11 Kasten mit ausgestopften Vögeln 2c. 2c. Solingen, 10. Mai 1898. J. Blocksiepen, Auktionator u. Gerichtstaxator. Feinste Molkerei=Süßrahmbutter in 1=Pfd.= Stücken Feinste Bauernbutter Süssrahm-Margarine: Feinste Süßrahm=Margarine Süße Eß=Margarine Gute Margarine Gewöhnliche Margarine bei 5 Pfd. bei 5 Pfd. bei 5 Pfd. bei 5 Pfd. Billige Fleischwaaren: per Pfd. 70 Pfg. 65„ 60„ 55„ 50„ 45„ 40„ 38„ Geschäfts-Eröffnung. Den geehrten Einwohnern von Solingen und Umgegend mache ich hiermit die ergebene Anzeige, dass ich nach langjähriger selbständiger Thätigkeit als erster Architekt im Baugeschäft des Herrn Maus hier ein Archite ktur- und Baugeschäft eröffne. Unter Zusicherung pünktlicher und redlicher Bedienung halte ich mich zu allen in mein Fach einschlagenden Arbeiten, Bauentwürfen, Neubauten, Ausbesserungen u. s. w. bestens empfohlen. Solingen, den 10. Mai 1898. (Oetstrasse 43). Franz Fischer, Architekt und Baugewerksmeister. 817 Meordeneerernvemeeeeerbemm#nn Klaschenschilder für Wirthe sind zu haben bei August Miebach, vis-à-vis dem Königlichen Amtsgericht. 5000 Mark an 1. 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In der gestrigen Sitzung der größeren Vertretung der evang. Gemeinde entspann sich, so berichtet das„L. Kreisbl.“, eine lebhafte Erörterung um die Frage, ob an dem neuen Kirchengestühl wieder Plättchen mit den Namen der Besitzer angebracht werden sollten. Die einen berufen sich auf ihr erworbenes Recht, die andern wiesen auf den Zug der Zeit hin, der überall, wo es geht, die Unterschiede in den Kirchen aufzuheben sucht. Zudem sei durch reichsgerichtlichen Spruch entschieden, daß mit dem ersten Orgelton das Recht auf einen bestimmten Platz hinfällig werde. Mit 22 gegen 22 Stimmen, wobei die Stimme des Vorsitzenden den Ausschlag gab, wurde endlich beschlossen, die Plättchen wegfallen zu lassen. Rönsahl, 8. Mai. Gestern wurde unter Feierlichkeiten der Grundstein zu der Sperrmauer an der Thalsperre im Lingesethale gelegt. Der Bau der Thalsperre, welche nach ihrer Fertigstellung 3 Millionen Kubikmeter Wasser fassen wird, schreitet rüstig vorwärts; an derselben sind zur Zeit ungefähr 150 Arbeiter beschäftigt. Wiesbaden, 6. Mai. In der heutigen Stadtverordnetensitzung erschien der neue Regierungspräsident Dr. Wentzel, um vor Eröffnung der Verhandlungen eine Ansprache an die Stadtverordneten zu richten. Er lege besonderen Werth auf persönliche Beziehungen, weil man durch Aussprachen in vielen Fällen mehr erreichen könne, als durch fruchtlose Schreibereien. Er sei für Jedermann jederzeit zu sprechen und stets erfreut, wenn er mit erfahrenen praktischen Männern eine Sache berathen könne. Man gewinne dabei einer Sache oft neue Seiten ab und komme leichter zu einem objektiven Urtheil. Was die weitere Entwickelung der Stadt betrifft, so werde er stets die darauf gerichteten Bestrebungen unterstützen. — 8. Mai. Wie der„Rhein. Kur.“ mittheilt, mußte ein Steuerzahler der Stadt aus der ihm zugestellten Steuereinschätzung zu seinem unliebsamen Erstaunen ersehen, daß er um nicht weniger als 17 Steuerstufen höher eingeschätzt war, als er sein Einkommen deklarirt hatte. Düsseldorf, 9. Mai. In der vorigen Woche fand hier die 3. Vorstandesitzung des Verbandes zur Förderung des Arbeitsnachweises im diesseitigen Regierungsbezizke statt. Der Vorsitzende wird für die nächste Sitzung einen Entwurf vorlegen, wonach sich das Zentralbureau damit befassen wird, die zur Entlassung kommenden Schulkinder mehr als bisher dem Handwerk in Großindustrie und Kleingewerbe zuzuführen. Dem Verbande trat als Mitglied neu hinzu die Stadt Solingen mit ihrem Arbeitsnachweise und mit den an diesen angeschlossenen Gemeinden Wald, Ohligs, Gräfrath und Höhscheid. Heerdt, 9. Mai. Heute Morgen ereignete sich in der Volksschule ein unglücklicher Vorfall. Ein Mädchen hatte in der Schürze an der linken Brustseite eine Nähnadel stecken, welche durch eine Bewegung des Oberkörpers nach vorne durch die Kleider in den Körper des Kindes eindrang. Das Kind, welches schon die Zeichen des nahen Todes kundgab, wurde Herrn Dr. Schmitz zugeführt, welcher eine Operation vornahm und die Nadel entfernte, die sich neben dem Herzen eingebohrt hatte. Es war bereits die höchste Gefahr vorhanden, doch hofft man, daß das Mädchen dem Leben erhalten bleibt. Odenkirchen, 7. Mai. Das 3jährige Söhnchen des Fabrikarbeiters Neuß aus Bell griff in einem unbewachten Augenblick nach einem mit heißem Wasser gefüllten Topf, stieß denselben um und verbrühte sich derart, daß es bald darauf verschied. Der Spinnerlehrling. Von William Westall.(27 (Fortsetzung.) Die eizentlichen Fabrikgebäude waren mit einer hohen, ununterbrochenen Mauer umgeben; in unmittelbarer Nähe derselben befanden sich eine Anzahl kleiner, meist einstöckiger Häuser, die jedoch in ihrer Bauart und Aussehen fast alle von einander verschieden waren; sie schienen ebenso wie die Fabrik zu verschiedenen Zeiten und Zwecken erbaut worden zu sein. Etwas abseits auf einem kleinen Hügel lag ein etwas größeres, in eigenthümlichem Stil erbautes Haus, welches mit reicher Stuckatur verziert war. Man gelangte zu ihm auf einer breiten, von hohen alten Birken eingesäumten Landstraße. Zur Rechten schlossen sich dann die der Landwirthschaft dienenden Gebäude an, während auf der anderen Seite ein großer Gemüsegarten lag. Dies war das Heim der Herren Ruberry, welches ihre Vorfahren schon seit undenklichen Zeiten besessen hatten. Die umliegende Landschaft entbehrte zwar des saftigen Grüns der südenglischen Gegenden, war jedoch durchaus nicht arm an Schönheit und Fruchtbarkeit. Die Berze, welche das Thal umschlossen, in welchem Birkenstedt lag, waren mit prächtigen Laubwäldern gekrönt, während krystallklare, murmelnde Bäche sich von ihnen herab in das reiche Thal ergossen. Auf Robin hatte jedoch, wie gesagt, weder Birkenstedt selbst noch die Umgegend einen besonderen Eindruck gemacht; als jedoch Herr Ruberry erklärt hatte, daß die Fabrik hunderttausend Pfund werth sei, da erschien es ihm ein großes Glück zu sein, eine solche Baumwollspinnerei zu besitzen und er sprach diesen Gedanken mit großer Freimüthigkeit und Naivität aus. Derr Ruberry schien geschmeichelt zu sein. „Ja,“ sagte er freundlich,„es ist kein schlechtes Gechäft. Es ist jedenfalls besser, Fabrikherr als Lehrling in sein! Damit soll aber nicht gesagt sein, daß Sie es nicht auch einmal so weit bringen könnten; mancher hat mit nichts angefangen und ist später doch ein reicher Mann geworden. Heda! Betty, wo sind Sie?!“ Sie befanden sich jetzt vor der Thür eines größeren Näuses, welches dicht vor den Thoren der Fabrik lag. Auf Ruberrys Ruf erschien eine alte starke Frau, die mit einer bedruckten Kattunblouse, einem rothen Unterrock und nägelbeschlagenen Schuhen bekleidet war; auf dem Kopfe trug sie eine Mütze, welche vielleicht früher einmal weiß gewesen war. Ihr folgte ein Mann, der noch um ein Bedeutendes größer und dicker als die Frau war.„Führen Sie das Pferd in den Krefeld, 8. Mai. Wegen Verbreitung falscher Fünfmarkscheine wurde gestern in Duisburg der von hier stammende frühere Kravattenfabrikant Peter Steinfortz verhaftet. Steinsotz ist erst kürzlich aus dem Zuchthause entlassen worden, wo er eine für Brandstiftung und Betrug erhaltene Strafe verbüßt hat. Nach seinem Mitschuldigen wird eiftig gesucht. Ruhrort, 9. Mai. Die Ruhr führt Hochwasser. Auch die Stadt Schwerte steht theilweise unter Wasser. Rülheim a. d. R., 8. Mai. Das beste Zeichen für den anwachsenden Wohlstand unserer Einwohnerschaft und einen flotten Geschäftsgang bietet wohl der Umstand, daß die Einkommensteuer=Veranlagung in diesem Jahr ein Mehr von 220000 Mark gegen das Vorjahr für den Kreis ergeben hat. Es betrug die Einkommensteuer der Zensiten einschließlich der Aktiengesellschaften nämlich im Vorjahre 588296 Mk. gegen 809 424 Mk. im laufenden Steuerjahre. Es entfielen auf MülheimRuhr 360235(254192 im Vorjahr), auf Oberhausen 300647(210071). Bochum, 6. Mai. Die Wiederaufnahme des Essener Meineidsprozesses Schröder und Genossen wird von dem aus dem Zuchthause nunmehr entlassenen Schröder mit Energie betrieben. Eine von Schröder verfaßte Broschüre, in welcher das gesammte den Prozeß betreffende Material zusammengestellt ist, ist erschienen und gelangt bei allen Abgeordneten des Reichs= und Landtages zur Vertheilung. Altena, 9. Mai. Ein interessanter Prozeß kommt in den nächsten Tagen hier zur Verhandlung. Ein Restaurateur und Delikatessenhändler empfahl in den Lokalblättern auch Prikel=Würstchen. Hierdurch fühlte sich ein hiesiger Spediteur beleidigt und hat Klage ein gelegt. Der Spediteur macht geltend, daß er in vertrauten Kreisen mit diesem Worte(Prikel) angeredet zu werden pflegt. Der Beklagte behauptet, dieses nicht zu wissen, daß er vielmehr den fraglichen Ausdruck nur als eine Eigenschaft kenne, der mancherlei Waaren beigelegt würde. Auf den Ausgang der Klage darf man somit gespannt sein. Hamm, 9. Mai. Daß Jemand sich selbst des Meineides bezichtigt, dürfte wohl nicht oft vorkommen. Der hiesigen Polizei stellte sich der Schlosser W. aus Heeren bei Camen, früher Polizeisergeant in Duisburg, freiwillig mit dem Geständniß, er habe im Jahre 1894 vor der Strafkammer in Paderborn wissentlich einen Meineid geleistet. W. wurde in Haft genommen und dem königl. Amtsgericht zugeführt. Gerichts=Verhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. Solingen, 10. Mai.(Schluß.) Wegen öffentlicher Beleidigung zweier Polizeibeamten hatte sich ein Anstreicher von Wald zu verantworten. Die Beamten hatten den Beschuldigten s. Zt. wegen verbotenen Schießens angezeigt und demselben den Revolver abgenommen und dieses Verfahren hatte der Angeklagte s. Zt. gleichsam als Taschendieberei hingestellt. Das Gericht billigte dem Angeklagten mildernde Umstände zu und verurtheilte denselben zu 15 Mark Geldstrafe oder 3 Tagen Haft, sprach auch den Beleidigten die Befugniß zu, das Urtheil einmal durch die „Walder Zeitung" öffentlich auf Kosten des Angeklagten bekannt zu machen.— Ein 18 Jahre alter Arbeiter von Wald soll in der Nacht vom 13./14. Februar ds. Is. dadurch ruhestörenden Lärm bezw. groben Unfug verübt haben, daß er seinen mit Eisen beschlagenen Stock über das Pflaster schleifte. Da sich das Gericht nicht davon überzeugen konnte, daß es dem jungen Mann um eine Ruhestörung zu thun gewesen sei, sprach es denselben kostenlos frei.— Ein Fabrikant von Wald hatte gegen eine polizeiliche Strafverfügung, wodurch ihm zur Last gelegt war, sich geStall, Dick; Gib ist vom Wagen gefallen und liegt betrunken im Chausseegraben.“ Dick führte den Befehl schweigend aus. Unterdessen waren die kleinen Waisenkinder mit Robins Hülfe ausgestiegen und standen, jeder mit seinem Bündelchen im Arm, erwartungsvoll vor der Thür. Kommt; ich will Euch etwas zu essen geben, sagte Betty in rauhem aber nicht gerade unfreundlichem Tone, „Ihr seht hungrig aus.“ Die Kinder traten, von Robin gefolgt, in das Haus. Sie wurden in einen großen, niedrigen Raum geführt, in welchem sich eine Anzahl langer Tische und Holz bänke befand. An einem Ende des Saales über einem großen, offenen Kamin hing ein mächtiger Kessel, aus welchem eine dicke Dampfwolke emporstieg. Nachdem Knaben und Mädchen an gesonderten Tischen Platz genommen hatten, legte Betty jedem Kinde eine Portion Grütze vor, die sie mit einem großen Holzlöffel aus dem Kessel schöpfte. Dann goß sie in jeden Eßnapf etwas bläulich aussehende Milch und gab jedem der vierzehn Kinder ein Stück schwarzes Roggenbrod. Die Kinder waren sehr hungrig, und Hunger ist bekanntlich der beste Koch. Hafergrütze ist nun zwar ein sehr schönes und nahrhaftes Gericht, aber mit bläulicher oder vielmehr saurer Milch ist dies immerhin ein zweifelhafter Genuß. Jedenfalls entsprach dies Gericht nicht den großen Erwartungen, welche die Kinder gehegt hatten. Sie sahen es erst eine Weile zögernd und zweifelnd an und, nachdem sie etwas von der Grütze gekostet hatten, legten sie den Löffel traurig und enttäuscht nieder. Die Kost im Arbeitshause war noch besser gewesen als diese. „Was? Ihr mögt meine Hafergrütze nicht?“ rief die Alte empört aus.„In London habt Ihr bessere Kost erhalten? Nun wartet nur, in einer Woche werdet Ihr schon Geschmack daran finden, denn das laßt Euch nur gesagt sein, daß Ihr außer Kartoffeln nichts anders erhaltet.“ Die armen Kinder, deren Hoffnungen so sehr getäuscht waren, sahen sich bestürzt und schweigend an, als plötzlich eine Glocke läutete und gleich darauf eine Horde Lehrlinge aus der Fabrik in das Zimmer stürzte. Es befanden sich unter ihnen Knaben und Mädchen jeden Alters von 9 bis 19 Jahren. Die meisten Knaben waren nur mit groben Hemden und vor Schmutz starrenden Hosen bekleidet. Einige hatten blau unterlaufene Augen und andere offene Wunden am ganzen Körper und im Gesicht, über welches das ungekämmte und mit Baumwollfasern durchsetzte Haar in wirren Strähnen fiel. Die weigert zu haben, den Schornstein seiner Schmiede reinigen zu lassen, auf gerichtliche Entscheidung angetragen. Der Fabrikant glaubt, daß der Schornstein, welcher nur den geringen Rauch eines Härtefeuers aufnehme, nie gereinigt worden sei, auch nicht gereinigt zu werden brauche. Der als Zeuge vernommene Schornsteinfeger bekundete, daß der pp. Schornstein, s. g. russische Röhre, alle Vierteljahre gereinigt werden müsse. Das Gericht beschloß zur näveren Feststellung, ob der betreffende Schornstein zu der von dem Schornsteinseger angegebenen Kategorie gedöre, noch den Herrn Gewerbeinspektor hierselbst als Sachverständigen zu vernehmen und vertagte darum die Sache.— Ein 42 Jahre alter Fabrikarbeiter von Wald, welcher durch Betheiligung an einer Kaßenmusik groben Unfug verübt haben sollte, bestritt diese Beschuldigung und die Sache wurde zur Ladung weiterer Zeugen vertagt.— Vorsätzliche Sachbeschädigung und wörtliche Beleidigung einer Schwägerin war einer noch nicht ganz 20 Jahre alten Ehefrau von hier zur Last gelegt. Zur Ladung weiterer Zeugen wurde auch diese Sache vertagt.— Ein Gabelschleifer und ein Messerreider von Höhscheid sind angeklagt, in der Nacht vom 14. Dezember v. J. dem Schalen schneider Sch. von Katternberg 2 Kaninchen gestohlen und einen Zaun desselben vorsätzlich beschädigt zu haben. Dieselben gaben an, die Kaninchen allerdings mitgenommen zu haben, wollen aber betrunkengewesen sein und die Kaninchenauch anderen Tages wieder zurückgeschickt haben. Auf Grund der Beweisaufnahme wurden dieselben von der Sachbeschädigung freigesprochen, weil angenommen werden konnte, daß die Sachbeschädigung nicht vorsätzlich erfolgt sei; wegen des Diebstahls wurden beide zu je 1 Tag Gefängniß verurtheilt. Vermischte Nachrichten Obwohl die Generalkonferenz der deutschen Eisen bahnen, der die Festsetzung allgemeiner Tarifvorschriften obliegt, erst gegen Ende des Jahres in Berlin stattfinden wird, so ist doch bereits ein Antrag in Vorbereitung, der für die Preisermäßigung für Kinder eine andere Altersgrenze zu bestimmen sucht. Die Eingabe wird nach einer Meldung des„Schw. M.“ anstatt des 4. bezw. 10. das 6. bezw. 14. Lebensjahr vorschlagen, d. h. also den Anfang und den Abschluß des schulpflichtigen Alters. — Die Frage: Wie schwer darf ein einfacher Brief sein? hat jetzt eine neue amtliche Beantwortung erhalten. Der Empfänger eines genau 15,5 Gramm wiegenden Briefes wurde durch Zahlung des Strafportos herangezogen, weil der Brief schon zu den„doppelten“ rechne. Auf seine Beschwerde bei der Postdirektion wurde ihm der amtliche Bescheid zu Theil, daß nur ein Mehr gewicht von 0,4 Gramm über 15 Gcamm straffrei bleibe, ein Mehrgewicht von 0,5 Gramm indessen dem Strafporto unterliege. — Alle Handwerker werden gut thun, die neue reichsgesetzliche Bestimmung, wonach auf Grund der letzten Novelle zur Gewerbeordnung der Lehrvertrag binnen 4 Wochen nach Beginn der Lehre schriftlich abzuschließen ist, in ihrem eigenen Interesse zu beachten. Abgesehen davon, daß sie dazu durch die Ortspolizeibehörde zwangsweise angehalten werden können, sind sie auch nur in diesem Falle in der Lage, gewisse neue Rechte geltend zu machen. So kann der Lehrherr den Anspruch auf die zwangsweise Rückkehr des vor Ablauf des Vertrages fortgebliebenen Lehrlings nur dann geltend machen, wenn der Lehrvertrag schriftlich abgeschlossen war. Ferner kann er, wenn das Lehrverhältniß vor Ablauf der verabredeten Zeit sein Ende erreicht, eine eventuelle Ent schädigung nur bei dem Vorhandensein eines schriftlichen Lehrvertrages verlangen. Ueberdies ist der Lehivertrag kosten= und stempelfrei. Er muß enthalten: die Bezeichnung des Gewerbes oder des Zweiges der gewerblichen Thätigkeit, in dem die Ausbildung erfolgt; die Mädchen gingen ebenso wie die Knaben baarfuß; die meisten von ihnen trugen nur einen Untertock und darüber eine lange den Rücken und die Schultern gleichmäßig bedeckende Schürze, welche bis auf die Füße reichte. Im Vergleich zu dieser halb nackten und schmutzigen Bande sahen die kleinen Londoner wie Kinder wohlhabender Leute aus. Einige der Lehrlinge sahen die Fremden erstaunt und neuzierig an, aber die meisten waren zu hungrig, um für irgend etwas anderes Interesse zu haben als für ihr Abendbrod. Sie eilten sofort zu der alten Betty, um sich ihre Näpfe mit Grütze füllen zu lassen, und stürmten alsdann in die Küche, wo ihnen eine Anzahl Kartoffel zugezählt wurde, die die Mädchen in ihre schmutzigen Schürzen und die Knaben in ihre ebenso schmutzigen Hemden thaten. Nachdem sie dann an den langen Tischen Platz genommen hatten, verzehrten sie ihr kärgliches Abendbrod mit wahrem Heißhunger. Da ihr Appetit jedoch noch nicht gestillt war, so wandten sie ihre Aufmerksamkeit den neuangekommenen Kindern zu und vertilgten noch das von diesen unberührte Essen. Robin war sprachlos vor Erstaunen und Entsetzen; er glaubte plötzlich in eine Gesellschaft von Wilden gerathen zu sein. Die Szene, die sich nun abspielte, spottete allerdings jeder Beschreibung. Die Lehrlinge, Knaben und Mädchen, fingen an, sich um die Reste des Abendbrodes zu streiten und zu zanken; mit wildem Geschrei fuhren sie aufeinander los, rauften sich gegenseitig die Haare aus und schlugen mit Fäusten auf einander ein. Mitten unter den Kämpfenden stand die alte Betty mit hoch erhobenem Kochlöffel und machte vergebliche Anstrengungen, Ruhe und Frieden zu stiften, denn die Prügelei hatte so große Dimensionen angenommen, daß sie sich nicht Gehör verschaffen konnte und ihre Stimme in dem furchtbaren Lärm der Kömpfenden, Schreienden und Fluchenden ungehört verhallte. Plötzlich öffnete sich die Thür und Dick erschien mit einer großen Hundepeitsche. „Ruhe!! Wollt Ihr gleich Ruhe halten!“ rief er mit Stentor=Stimme und ergriff den ersten besten Burschen bei den Hosenträgern und versetzte ihm einige derbe Hiebe mit der Peitsche, so daß die übrigen ängstlich und erschrocken in die äußersten Winkel des Saales flüchteten. „Marsch! Zu Bett alle miteinander!“ rief er von neuem, indem er mit der Peitsche knallte und sie gelegentlich auf die Köpfe und Rücken der Lehrlinge herabsausen ließ. Der Befehl wurde schweigend und schleunigst ausgeführt. Einen Augenblick später befanden sich die neuangekommenen Kinder allein in dem Saal. Angabe der Dauer der Lehrzeit; die Angabe der gegenseitigen Leistungen; die gesetzlichen und sonstigen Voraussetzungen, unter denen die einseitige Aufösung des Vertrages zulässig ist. Frankfurt, 6. Mai. Der Zentralvorstand des Allgemeinen evangelisch=protestantischen Missionsvereins hat einen„Aufcuf an das evar gelische Deutschland“ gerichtet, in welchem um Beiträge für die evangelische Mission in Kiautschau gebeten wird. Das Mindeste, was die bereits in China arbeitenden Missionare des Vereins, Dr. theol. Faber und Pfarrer Kranz, anrathen, ist nach der„Frankf. Zig. die Erwerbung eines größeren Grundstückes, Errichtung einer Schule und eines Hospitales, Anstellung von Lehrern und Aerzten. Berlin, 8. Mai. Die Zahl der Studirenden der Heilkunde betrug nach dem neuesten Universitäts=Kalender im Winter=Halbjahr 1897 98 an den einzelnen Universitäten: Wien 1508, München 1396, Berlin 1360, Würzburg 742, Leipzig 724, Graz 561, Erlangen 434, Freiburg 392, Zürich 353, Bceolau 345, Straßburg 329, Greifswald 293, Genf 289, Halle 265, Bonn 264, Kiel 263, Tübingen 255, Marburg, 249, Göttingen 236, Königsberg 235, Gießen 224, Bern 208, Heidelberz 203, Jena 198, Lausanne 157, Basel 149, Rostock 106. — 10. Mai. Aus Inner=Afrika ist dieser Tage die Nachricht eingegangen, daß am letzten Weihnachtsheiligabend Herr Arnold Genthe bei einem Streifzuge am Luapula(Overlauf des Kongo) von einem Elefanten getödtet wurde. Arnold Genthe war der Sohn des Archäologen Professors Dr. Genthe, der hier am Grauen Kloster als Oberlehrer, später als Gynnasialdirektoe in Korbach, Duisburg und Hamburg wirkte. — 10. Mai. Die Verhandlung gegen den Oberfaktor Grünenthal u. Gen. findet am 6. Juni vor dem Berliner Schwurgericht statt. Hamburg, 9. Mai. Heute wurde hier ein Privatier verhaftet, welcher seine jetzt 41jährige Schwester seit 17 Jahren eingesperrt gehalten hat, um sich ihres Erbtheils zu bemächtigen. Die gänzlich verwahrloste Person wurde in das städtische Krankenhaus geschafft. Stettin, 8. Mai. Der älteste Invalide, der am 11. Februar 1795 zu Wolgast geborene August Wilhelm Schmidt, der gegenwärtig noch in Wolgast als Rentner lebt, bekundet trotz seines hohen Alters noch das größte Interesse für alle öffentlichen Angelegenheiten, vor allem liegt ihm das Kriegervereinewesen sehr am Heczen. Dem hiesigen Verein deutscher Kriegsveteranen hat er einen prächtigen Fahnennagel übersandt und als Sinnspruch darauf die Worte eingraviren lassen, die ihn sein ganzes Leben geleitet haben:„Mit Gott für König und Vaterland.“ Uelzen, 5. Mai. Kürzlich ist hier eine Photographie aufgenommen und jetzt ausgestellt worden, die die lebenden Vertreter von fünf Geschlechtern darstellt: Ururahne, Urahne, Ahne, Mutter und Kind, also ein Geschlecht mehr, als in dem bekannten Schwabschen Gedichte. Die Urahne oder lggoßmutter ist in diesem Falle die unter dem Namen L. Heidheim bekannte Romanschriftstellerin, deren verwittwete Mutter hier lebt und sich mit ihren 87 Jahren noch einer beneidenswerthen geistigen und körperlichen Frische erfreut. Frau Heioheim ist 64 Jahre, ihre älteste verheirathete Tochter(die in diesem jugendlichen Alter schon mehrfach Großmutter ist) 42 Jahre alt. Beide sind mit der 22jährigen Tochter der letzteren hier zum Besuche der Uegroßmutter zusammengetroffen und haben dann ein photographische Aufnahme anfertigen lassen, die als „Ihr könnt jetzt auch zu Bett geben, sagte Dick. „Die Jungen kommen mit mir—, Betty, Du führst die Mädchen!“ Robin empfand es schmerzlich, sich einem so katege risch ausgesprochenen Befehl fügen zu müssen; aber da eine Weigerung nutzlos gewesen wäre und er außerdem sehr müde war, so folgte er schweigend den anderen. 22. Kapitel. Unglück über Unglück. „Es war ein langer, dumpfiger Raum, in welchen die Kinder geführt wurden. Rings an den Wänden befanden sich die aus rohem Holz gezimmerten Lagerstätten, von welchem immer zwei bis drei über einander lagen. Sie sahen wie die Schlafstellen der Schiffskabinen aus und wurden von den Lehrlingen mit einer Art von Galgenhumor„Särge“ genannt; denn sie hatten ungefähr die Form derselben, und viele der armen Kleinen waren schon darin gestorben. Nur wenige kleine vergitterte Fenster ließen das Tageslicht in den halbdunklen Raum dringen. Von den kleineren Kindern schliefen immer zwei in einem Bett; da aber Robin zu den großen gerechnet wurde, so erhielt er eins für sich allein. Die Kinder mußten ihre Kleider und Bündel in die Betten legen, da Tische oder Stühle nicht vorhanden waren. Als Robin und die anderen in die ihnen angewie senen Lagerstätten geklettert waren, entfernte sich Dick mit einem kurzen„Gute Nacht“ und verschloß die Thür hinter sich. Robin empfand es schmerzlich, daß er wie ein Gefangener behandelt werde. Die widerlich schmutzi gen Bettlaken, die augenscheinlich seit lange nicht gereinigt waren, erfüllten ihn mit Ekel und Entsetzen. Es konnte nunmehr für ihn kein Zweifel darüber bestehen, daß er von Moses Weevil in empörendster Weise getäuscht worden war; eine namenlose Wuth und Rachsucht bemächtigte sich seiner und er begann bereits Pläne zu schmieden, wie er seine Flucht von diesem Orte des Schreckens bewerkstelligen könne, als er eine Stimme neben sich leise flüstern hörte. „Schläfst Du schon?“ fragte sein Nachbar halblaut. „Nein, ich kann überhaupt nicht schlafen. „Das glaube ich wohl; die meisten können die ersten Nächte nicht schlafen. Später ist man aber so ermüdet von der anstrengenden Arbeit, daß man doch schläft. Wie heißt Du?“ „Nelson! Und Du?“ „Blincoe. Ich bin auch aus London hierher geschickt worden. Die Leute aus dieser Gegend lassen ihre Kinder nicht Lehrlinge werden.“ (Fortsetzung folgt.) K FA MAE Familienbild von fünf lebenden Geschlechtern allzemeine Theilnahme erregt. Frankfurt a. M., 7. Mai. Der Prozeß gegen Emile Zola wegen seines Eintretene für den unglücklichen Dripfus hat unlängst ein eigenthümliches Standesamt=Nachspiel hier gebadt. Dort hat ein ehrenwerther Bürger Namens Hörle die Geburt eines Söhnchens angemeldet, welches die Vornamen Zela August Laboti erbielt. Diese Namen sind auch standesamtlich eingetragen worden. Kassel, 9. Mai. Aus allen Theilen Kurhessens weiden Ueberschwemmungsnöthe gemeldet. Die Fulda nebst ihren Nebenflüssen steigt weiter, Wolkenbrüche haben verheerend gewirkt. Straubing, 8. Mai. Heute wurde am Schlusse des Gottesdienstes in der Pfarrkirche ein Attentat auf den Stadtpfarter und Landtags=Abgeordneten Scheubeck unternommen. Ein hiesiger Einwohner, Vater von fünf Kindern, gab, wie der„Köln. Volksztg.“ geschrieben wird, einen Revolverschuß ab, der aber glücklicher Weise nicht traf. Als Grund der That wird Haß angegeben, weil ihm der Armenpflezschaftsrath, in dem der Stadtpfarrer Sitz und Stimme hat, nur vier Mark wöchentlich zugesprochen habe. Seinem Handwerk nach ist er Schneider. Seit einigen Jahren leidet er an Epilepsie. Jedenfalls wird er zur Beobachtung seines Geisteszustandes vor seiner Aburtheilung in die Kreis=Irrenanstalt gebracht. Luzern, 9. Mai. Infolge der Unruhen in Oberitalien stellte die Gotthardbahn den Güterverkehr ein; Güter weiden italienischerseits von der schweizerischen Grenze ab nicht mehr befördert, Personenwagen nur unter militärischer Eskorte. Lüttich, 9. Mai. Durch den Unglücksfall in der Gute Heffnungs=Kohlengrube bei Awirs wurden fünf in einem Fehrstuhl befindliche Arbeiter getödtet und eine Anzahl anderer schwer verwundet. Kopenhagen, 7. Mai. In dem schweren Sturm am 24. März war die deutsche Galeas„Katharina“ mit ihrer aus 3 Mann bestehenden Besatzung untergegangen, nachdem der in großer Nähe vorbeifahrende dänische Postdamfer„Dronningen“ keinen Versuch zur Rettung jener Leute gemacht hatte. Der Kapitän des letzteren, Rüste, behauptete, die hohe See würde das Aussetzen eines Bootes und das Wenden des Dampfers unmöglich gemacht haben. In Dänemark wellte man indeß diese Entschuldigung nicht gelten lassen und jetzt hat der Kapitän des Dampfers ein hattes Urtheil über sich ergehen lassen. In Aarhus fand wegen dieser Sache auf Einladung eines Vorstandsmitgliedes des dänischen Schiffervereins eine Versammlung ron 28 Schiffekapitänen aus allen Theile des Landes statt, welche einen Beschlußantrag annahm, daß nach den Ermittelungen der Kapitän Rüste an jenem Tage seine Seemannepflicht versäumt und dadurch einen Makel auf die Ehre des dänischen Seemannsstandes geheftet habe. Zugleich sprach die Versammlung ihr Bedauern aus, daß kein seegerichtliches Verhör über die Angelegenheit aufgenommen sei, und den Wunsch, daß dies noch jetzt nachgeholt werde. (Freudige Ereignisse am Hofe des Fürsten von Rampur.) In Rampur, einem indobritischen Vasallenstaat, an dessen Spitze ein Fürst steht, der Nawarb genannt wird, jährlich 2 Millionen Mark einnimmt und dagegen die Verpflichtung hat, etwa 2000 Soldaten zu unterhalten, herrschen seltsame Gebräuche.„Dem Nawarb ist ein Mädchen geboren,“ schreibt eine Zeitung in Bombay,„und Freude herischt im ganzen Land. Wegen des freudigen Ereignisses ist jedem Staatsbeamten das Gehalt einer ganzen Woche— in Abzug gebracht worden." (Admiral Deweys Herzensgeschichte.) Ganz New=York spricht augenblicklich nur von Admiral Dewey, dem Helden des Tages, dem Sieger von Manila, und da kursirt denn auch eine interessante kleine Geschichte, die mit den jüngsten Ereignissen in innigstem Zusammenbange steht. Man behauptet nämlich, daß Admiral Dewey ein ganz besonderes persönliches Entzücken empfinden muß, einen so glänzenden Sieg über die Spanier errungen zu haben. Der so jetzt gefeierte Held soll— wie die Yankees mit großer Bestimmtheit zu wissen vorgeben— die ganze spanische Nation so glühend und leidenschaftlich hassen, wie nur je ein Mensch zu hassen vermag. Und zwar ist die Ursache dieses Hasses in einer unglücklichen Liebe zu suchen, die das Leben des Admirals in einer Beziehung zu einem gänzlich verfehlten gestempelt hat. Vor etwa 20 Jahren verliebte sich der Admiral Dewey in die ehemalige erste Schönheit Washingtons, Miß Virginia Lowery; aber seine tiefe Neigung fand keine Erwiderung bei der jungen Dame, die ihr Herz bereits einem völlig mittellosen, aber sehr interessanten Attaché der spanischen Gesandschaft, Namens Brunetti, geschenkt hatte. Miß Loweiys Eltern verweigerten zwar ihre Einwilligung zu einer Heirath mit dem Spanier, doch vermochten sie die Tochter nicht zu bestimmen, dem amerikanischen Freier, der mehr nach ihrem Wunsche war, die Hand zu reichen. Die schöne Virginia wies seinen Antrag wie noch viele andere rundweg ab und schien ledig bleiben zu wollen. Sennor Brunetti war inzwischen spanischer Minister von Merico geworden und seiner Liebe treu geblieben. Vor kaum drei Jahren konnte er endlich die immer noch sehr schöne Amerikanerin heimführen. Brunetti ist heute nicht nur sehr reich, sondern darf sich auch Herzog v. Arkes nennen. Admiral Dewey soll die jetzige Herzogin von Arkos ebenso hassen, wie er sie einst geliebt hat, und da ist es wehl kein Wunder, daß er Allem, was spanisch ist, Tod und Vernichtung geschworen hat.— Sie haben doch eine eine blühende Phantasie, diese Yankees! (Lebensregeln in allerlei Sprüchen.) Wer weiß zu leben? wer zu leiden weiß; Wer zu genießen? der zu meiden weiß. Wer ist der Reiche: der sich beim Ertrag Des eignen Fleißes zu bescheiden weiß. D. F. Strauß. Sich im Spiegel zu beschau'n, Kann den Affen nur erbau'n. Wirke!— Nur in seinen Werken Kann der Mensch sich selbst bemerken. Rückert. Wer rings nach Gunst nur schielet, Nach Huld gefügig strebt, Nach Lob nur lüstern zielet, Nur für den Beifall lebt, Wer steis gesenkten Hauptes Was andre meinen, meint, Der Allerweltsfreund, glaubt es, Ist keines Menschen Freund. Ebert. Des Lebens Kunst ist leicht zu lernen und zu lehren; Du mußt vom Schicksal nie zu viel begehren; Der, welchem ein bescheid'nes Loos genügt, Hat einen Schatz, der nie versiegt. Dem Unersättlichen in jeglichem Genuß Wird selbst das Glück zum Ueberfluß. L. Bechstein. 198. Preuß. 10. Mai. 53791 68676 3000 16844 60037 78174. 121283 150716 187609 216581 1500 35559 85253 138094 171025 200721 210597. 500 14479 49221 77647 94909 117759 148320 182037 210774 Lotterie 4. Klasse.(Ohne Gewähr.) Vorm. 5000 Mk. auf Nr. 22838 103740.„„ 49102 Mk. auf Nr. 6573 9547 10570 13197 29063 34777 39935 47721 64492 71726 74124 75792 88474 91072 109961 118746 131456 138018 141671 144821 163058 172217 174170 178684 204414 206196 210744 214718 222885 223874. 19455 63288 79817 127623 151251 192858 219808 Mi. auf 36161 119858 142790 176873 201765 Mk. auf 25131 50328 77890 105195 127213 148929 186209 215643. Nr. 14352 19357 31023 35442 69355 133399 164778 192630 200159 dung von 30 Pfg. franko von Fischereidirektor Bartmann in Wiesbaden zu beziehen ist, verdient die wärmste Empfehlung. 39751 128804 144046 180239 205590 55060 68584 130408 132858 145782 163245 181446 207922 208107 208887 Nr. 135 27469 51243 84271 108293 128083 156380 188160 392 5926 27985 69975 84470 108582 129623 163310 195682 12176 49033 72343 87125 112085 131415 166182 207786 Nachm. 15000 Mk. auf Nr. 113011. M. auf Nr. 34690 135213. 5000 Mk. 36559. 3000 Mk. auf Nr. 3143 3890 9791 12506 28176 32768 37436 40359 40956 43659 45391 55196 66229 69587 86131 91538 98064 103427 106695 107600 113119 120836 126404 132995 135114 143137 162032 176081 176131 179476 193561 211127 216690 218999 219994 221380. 1500 Mk. auf Nr. 7471 18663 19068 30147 40062 44072 48411 61471 64053 79224 85603 86599 128100 133412 134219 142025 149126 155232 158012 167876 177423 178892 193575 200370 202571 212449 213250 213898 220137. 500 Mk. auf Nr. 3249 4699 8352 11405 21333 21825 22434 33180 44317 54249 63474 68245 70314 77591 84998 94167 98217 98938 107167 107213 115597 122631 123083 124137 144635 151128 166215 168572 173489 177982 190237 194593 194679 204470 223298 13798 49066 75783 89388 115604 132560 179640 208331 10000 auf Nr. 19745 44521 91778 119162 161996 198997 23589 73804 140593 170719 210129 10969 52711 90984 115002 150157 181018 224297. Bücherschau. Der Goldfisch, der kleine, 1611 von den Portugiesen in Europa eingeführte, farbenprächtige und bescheidene Chinese ist heute im Palast, wie in der Hütte überall ein beliebter Hausfreund. Leider aber wird er aus Unkenntniß und Gedankenlosigkeit in Bezug auf Wohnung und Nahrung meist schlecht behandelt, ja, geradezu grausam gequält. Sein Loos zu verbessern stellt sich ein kleines, elegant ausgestattetes Heftchen unter dem Titel„Der Goldfisch und seine Pflege, eine Epistel zur Verhütung einer gedankenlosen Thierquälerei von Schulte vom Brühl“ zur Aufgabe. Der bekannte Schriftsteller und Naturfreund gibt hier in Form eines anmuthigen Plauder=Briefes an eine Freundin alles zum Besten, was jeder Goldfischbesitzer über das Fischchen und seinen Unterhalt wissen sollte. Das mit 10 Illustrationen geschmückte Heftchen, das gegen EinsenRud. Ibach Sohn in Barmen hat jetzt den im Frühjahr 1897 begonnenen großen Erweiterungsbau seiner in Schwelm gelegenen Pianino=Fabrik vollendet und dieselbe damit auf eine Leistungsfähigkeit von 3—4000 strumenten jährlich gebracht. Das immer schon großartige Hauptzebäude, dessen Dimensionen dem vorüberfahrenden Reisepublikum stets auffielen, macht jetzt mit seiner über 100 Meter langen Front deren ca. 250 große Fenster in 5 Steckwerken Abends im elektrischen Lichte erstrablen, einen imposanten Eindruck Die mustergültige Vollkommenheit der inneren Einrichtung hat mit diesem Wachstbum gleichen Schritt gehalten, so daß das Etablissement allen Ansprüchen seiner über die ganze Welt verbreiteten Kund. schaft vollauf genügen kann. Die Ziebung der Großen Meyzer Dombau.Geld Lonerie VII. Reibe, in welcher 200,000 Mark, darunter Haupttreffer von 50000 Mark, 20000 Mark, 10000 Mark zur Entscheidung gelangen, findet bestimmt vom 14.—17. Mai d. I. statt. Loose à 3 Mk. 30 Pfg. sind noch in allen Lotteriegeschäften und den sonstigen durch Plakate kenntlichen Verkaufsstellen zu haben. Auch direct von der Verwaltung der Dombau=Geld=Lotterie in Metz zu beziehen. Die allsorgende Mutter Natur hat dem Kinde in der Muttermilch eine zum Gedeihen genügende Nahrung angewiesen, aber wie unzählig viele der kleinen Wesen müssen sich aus irgend einem Grunde mit einem künstlichen Ersatzmittel behelfen!— Dabei kann man nicht vorsichtig genug sein, denn bei dem einen fehlt es an dem nöthigen Eiweiß (dem Fleisch und blutbildenden Nährstoff), das andere ist zu arm an Fett(dem Wärme= und Krafterzeuger) und an Nährsalzen(den Knochen und Zähne bildenden Bestandtheilen) und fast alle enthalten so viel unlösliches Stärke. mehl(eine Substanz, die für Kinder unter einem Jahr vollständig unverdaulich ist, daß sie eher das Gedeihen des Kindes beeinträchtigen, als es fördern. Nach dem Urtheil maßgebender Kinderärzte ist dagegen die Dr. Theinhardt's lösliche Kindernahrung als ein vollkommen brauchbares und rationelles Säuglingknährmittel aufgestellt. Alle die obigen Mängel sind darin ausgeglichen, die Zusammensetzung an Eiweiß, Fett, Kohlehydraten und Nährsalzen ist eine der Muttermilch fan vollkommen gleiche, seine Bekömmlichkeit ist durch jahrelang angestellte Controlversuche erwiesen, denn die gesunden Kinder sind überaus prächtig dabei gediehen, die ungenügend und schlecht ernährten nahmen schon in verhältnißmäßig ganz kurzer Zeit bei regelmäßiger Darreichung der Dr. Theinhardts Kindernahrung an Kräften zu und selbst in ganz verzweifelten Fällen(z. B. bei Brechdurchfällen, Verdauungsstörungen und Rhachitis) hat sie Vorzügliches geleistet. Es liegen von höchsten Autoritäten Urtheile vor, wonach durch Darreichung der Dr. Theinhardt's Kindernahrung Säuglingen geradezu das Leben gerettet und erhalten wurde. Speziell für die Damen. Durch Zusatz von wirkungsvollen Ingredienzien, wie sie uns von ersten medizinischen Autoritäten neuerdings an die Hand gegeben worden sind, ist die Doering's Seife mit der Eule, bekannt unter der Devise:„Die beste der Welt“, abermals verbessert und durch diese Verbesserung in ihrem Einflusse auf die Erhaltung der Schönheit der Haut wesentlich eihöht worden, so daß sich keine Seife zur Toilette mehr eignen dürfte als die in ihrer Art unübertreffliche Doering's Seife mit der Eule. Wir ersuchen alle Damen, Mütter, wie Jedermann, dem die Pflege der Haut ernst ist, um erneute Versuche. Der Preis ist nicht erhöht worden, für 40 Pfg. überall erhältlich. Bekanntmachung. Der lebhafte Verkehr auf den Hauptstraßen der Stadt, welcher in letzter Zeit durch die electrische Straßenbahn noch bedeutend zugenommen, hat das Presbyterium veranlaßt in der gestrigen Sitzung die von Alters her für die Leichenwagen bestehenden Wegevorschriften außer Kraft zu setzen, mit der Bestimmung, daß in Zukunft der Kutscher des Leichenwagens verpflichtet sein sol, den nächsten öffentlichen Weg zum Friedhose einzuschlagen. Wenn Beerdigungen auf dem nördlichen Theile des Friedhofes stattfinden, so sollen die#n der oberen Kaiserstraße, der Nordstraße, sowie aus der Richtung von Potshaus kommenden Leichenzuge den Eingana zum Friedhose durch das nördliche Tvor nehmen. Solingen, den 6. Mai 1898. Das Presbyterium der evangel. Gemeinde: N. d. Tetzlaff, Pfr. Bekanntmachung. Ich bringe hierdurch zur Kenntniß der Interessenten, daß die Reinigung der Wasserläufe des Gräfrather und Ehrenerbaches gemäß§ der Vorfluth= und Bachschauordnung für den Itterbach im Bereiche der Bürzermeistereien Ohligs, Wald und Gräfrath vom 19. Dezember 1896 im Bezirke der hiesigen Bürgermeisterei in der Zeit vom 1. bis 7. Juni d. J. vorzunehmen ist. Die Inhaber oder Besitzer der Wasserwerke sind verpflichtet, die Oberund Untergräben, sowie Sammelteiche entweder mittelst Bagzers und Nachspülens oder mittelst des sogenannten „Mottflößens“ zu reinigen. Die Uferbesitzer haben den Mutterbach sowie die Quellen und Nebengewässer des Itterbaches, soweit ihr Eigenthum an das Wasser grenzt, durch Auswerfen des Mottes und Unrathes, sowie durch Entfernung von Wurzelstöcken u. dergl. zu reinigen. Die bei der Räumung auszuwerfenden Stoffe sind von den Räumungspflichtigen, soweit sie nicht zur normalen Herstellung der Ufer gebraucht werden, gleich nach dem Abtrocknen, spätestens aber nach Aberntung der anliegenden Grundstücke, einzuebnen oder abzufahren, so daß nicht erhöhte Uferränder oder Wälle entstehen können. Von öffentlichen Wegen ist der Graben=Aufwurf stets sofort nach der Räumung durch den Räumungspflichtigen zu entfernen. Zuwiderhandlungen werden, soweit nicht in anderen Gesetzen und Verordnungen strengere Strafen hierfür angedroht sind, mit einer Geldstrafe von 3 bis 30 Mark oder im Unvermögensfalle mit verhältnißmäßiger Haft bestraft. Gräfrath, den 9. Mai 1898. Der Bürgermeister: Kürten. Diese Woche Sonkabend-Zienung. 000 Métzer Bombau-Geldioose aU Mark 30 Tig. u. 8. W. 990 haff Osorgelngewinne, teffer 30,00 9, 20,0 SS, 10,000 LOOSEàsS Mk. 30 Pfg.(Porto u. Liste 20 Pfg. extra) sind noch zu beziehen durch die F. A. Schrader, Haupt-Agentur, Hannover, Gr. 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