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Hönscheider Sonntag, den 24. de. Mie., Nachmittags 6 Uhr findet die Ausdändigung der Erinnerungs: Medailen durch Herrn Bürgermeister Gläßner an die Beteranen der Bürgermeisterei Höbscheid statt. Die Kameraden werden ersucht, sich Nachmittags 5½ Uhr im Vereinslokal einzufinden. Anzug: Müge, Orden und Edrenzeichen sind anzulegen. Es wird erwartet, daß sich jedes Mitglied zu Ehren der Beteranen, die so tapfer in den Feldzügen für das Wobl des Vaterlandes gekampft haben, an der Feier betbeiligen wird. Die Herren Beieranen unsers Bezirks welche Richtmitglieder uns. Vereins sind, werden gebeten, sich zu eben erwähnter Zeit im Vereinslokal bei Herrn Alb. Tillmanns, Neuendof, einzufinden. Der Vorkond. Senntag: Fussbal! punkt 8 Uhr. Waldecker Verein. Zu der am nächsten Sonntag stattsindenden Monats- Sitzung wird um vollzädliges Erscheinen der Mitglieder freundlichst gebeten. Meigener Kranken- und Sterbe- Auflage(E. 5) Sonntag, den 24. April. Nachmittags von 6 bis 8 Uhr: Emptang der Belträge und Ballotag.. Nachdem: General=Versammlung NB. Es wird gebeten, wegen wichtigen Vereinsangelegenheiten zahlreich zu erscheinen. Der Vorsond. Täglich frischen Pariser Kopssalat per St. 13 Pfg., große Gurken per St. 50 Pfg., großen franz. Blumenkohl per St. 40 Pfg., neue Kartosfseln per Pfd. 15 Pfg., Apfelfinen, Cttronen, Blutorangen, hochseine Tafel=Aepfel, frische Maikräuter, sowie frisch geschl. junges Geflügel, franz. Poularden, junge Hahnen und Suppenhühner empfiehlt zur gefl. Abnahme bestens. C. Wilkens, Müdlenoläuchen und Kircür 56. Ein in allen däuslichen Arbeiten erfabrenes tüchtiges Jowie täglich frischen Partier Repssalat, Blumenkobl, greße,#### 50 Vig. große Gul en. 50 Big., runde u. Riereokartosseln,###serner friiche dlaue Brüsseler Weintreuben, Aoselsinen. Zittonen. Maikräuter, Latteln, Zeigen, Cocos:, Was= und Geselnüsse Tafel-Heosel empfiehlt zur gefl. Abnadme bestens Joh. de Vogt, a3 nerstraße 101. 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Unter all den bisherigen Meldungen aus den Vereinigten Staaten über die Stimmung im Volke fanden wir nicht eine einzige, welche besonnen die kritische Lage beurtheilte; aus allen sprach der fanatische Ruf„Es lebe der Krieg!“, nach allen war unter der ganzen maßgebenden amerikanischen Bevölkerung nicht einer, der nicht miteingestimmt hätte in das johlende Geschrei und das stür mische Verlangen nach Kampf. Wahrhaft wohlthuend in diesem betäubenden Lärm berührt daher eine Nachricht, nach welcher ein Deutscher, Karl Schurz, der, in Liblar bei Köln geboren, ein guter Bürger der Vereinigten Staaten geworden ist, trotzdem aber dem Geburtslande seine Liebe und Anhänglichkeit bewahrt hat, der Freund Kinkels, aber dennoch ein Verehrer Bismarcks, in einer Versammlung der New.Yorker Handelskammer am 7. April seiner Ansicht über die zum Kriege aufreizenden Preßstimmen bemerkenswerthen Ausdruck gab. Unter lang anbaltendem Applaus erhob sich der Redner und begann: Meine Herren! Ich will hier nicht ausführen, inwieweit wir gerechtfertigt sind, Krieg zu erklären, noch will ich mich über die Leiden der Einwohner auf Cuba verbreiten. Es wird genügend sein, zu erklären, daß ich mit allen Völkern sympathisire, welche für eine gute Rezierung kämpfen, die Cubaner eingeschlossen. Ich stehe nicht hier als ein Mann, der Frieden um jeden Preis verlangt, glaube überhaupt nicht, daß sich ein solcher unter uns befindet. Aber ich wünsche, gegen das Fabriziren einer künstlichen Stimmung zu protestiren, die Krieg um jeden Preis fordert. Das ist die Stimmung, gegen welche wir heutigen Tages anzukämpfen haben. Ich las soeben in einem Blatte folgende Depesche aus Washington:„Die Verzögerung der Einreichung der Botschaft Me Kinleys hat im Kongreß große Unzufriedenheit hervorgerufen und von verschiedener Seite dem Präsidenten strengen Tadel zugezogen, dem vorgeworfen wird, er versuche, Zeit zu gewinnen, in der Hoffnung, den Krieg abwenden zu können.“ Und viele Journale gaben derselben Thatsache in noch aufreizenderer Sprache Ausdruck, erklärend, der Kongreß und das Land seien wieder einmal an der Nase herumgeführt worden. Meine Herren! Sind wir eine zivilisirte Nation? Haben wir den barbarischen Zustand der Indianer abgestreift, unter denen derjenige der Größte und Stärkste ist, der die meisten blutigen Skalps am Gürtel trägt? Ich war Soldat während des letzten Krieges. Ich war bei Gottysburg, und am Tage nach der Schlacht ritt ich die Reihen ab, um zu seben, ob die Verwundeten in guter Behandlung seien. Ich habe etliche 10—15000 derselben gesehen, und, meine Herren, ich habe Haufen von abgehauenen Armen und Beinen erblickt, Hausen 7 und 8 Fuß hoch. Ich hörte die Hülferufe der Aermsten und sah sie im Todeskampfe. Ich bin kein Befürworter des Friedens um jeden Preis, aber ich spreche für den Frieden, solange er ohne Blosstellung unserer nationalen Ehre erhalten werden kann. Wissen Sie, meine Herren, was die oben erwähnte Depesche zu bedeuten hat? Wir müssen den Krieg heraufbeschwören, da womöglich schon morgen der geringste Vorwand dafür geschwunden sein kann. Sind wir ein christliches Volk? Wo ist unser Christenthum, wenn wir den obersten Erekutivbeamten des Landes tadeln, weil er Zeit gewinnen will, den Krieg abzuwenden?(Beifall.) Finden Sie irgend etwas in unserer Geschichte, das mehr geeignet wäre, die Schamröthe auf die Wangen eines jeden Amerikaners zu treiben, als diese Thatsache? Falls wir die Interessen, die Ehre und das Ansehen dieses Landes recht verstehen, den wahren Patriotismus empfinden, sollten wir Gott dafür danken, daß wir einen Präsidenten haben, der in dieser Krisis ruhig und gefaßt geblieben. (Lang anhaltender Beifall.) Madrid, 21. April. Die Königin=Regentin verlas persönlich im Saale des Senats die Thronrede, was einen feierlichen Eindruck machte. An mehreren Stellen der Thronrede ertönte dröhnender Beifall. Als die Königin=Regentin den Saal verließ, wurden stürmische Hochs auf die Königin=Regentin, den König und die Armee ausgebracht.— Die Kriegsvorbereitungen sind rüstig im Gange; auf Cuba stehen 150000 und auf Portorico 20000 Mann schlagfertige Soldaten. Man glaubt, daß der erste Kanonenschuß noch vor Sametag, dem Ablauf der Frist für das Ultimatum, fallen wird, da Spanien das Ultimatum sofort ablehnen wird.(S. N. Nachr.) — 21. April. Admiral Villali, Kommandant des Torpedogeschwaders, hat, bevor er Cadir verlassen, sich mit allen seinen Soldaten vor das Muttergottesbild begeben und eine Ansprache gehalten, in der er betonte, daß jene nicht in den Krieg ziehen sollten, die sich fürchteten. Die Soldaten antworteten: wir werden unserm Führer folgen und den Kriegsgefahren trotzen. Der Admiral und die Matrosen sind dann niedergekniet und haben geschworen, nicht mehr nach Spanien zurückzukehren, wenn nicht als Sieger. — 21. April. Wie aus Havanna gemeldet wird, wurde die Haltung der spanischen Rezierung dort mit Bezeisterung aufgenommen. Große Kundgebungen fanden in Havanna und Matanzas statt. — 21. April. Das Ultimatum mit Frist bis Samstag Morgen, Cuba zu täumen, ist eingetroffen, aber Spanien wird es, weil die Zumuthung beleidigend ist, nicht annehmen und betrachtet die Beziehungen als abgebrochen. Eine Frist besteht also nicht. Von Amerika muß jetzt der erste Angriff ausgehen. Woodford reist bestimmt heute Abend ab. Bernabé wollte gestern von Canada abreisen. 25000 Mann Reserve sind einberufen. England fragte an, wie Spanien das Durchsuchungsrecht bei Schiffen mit neutraler Flagge ausüben wird. Spanien nimmt alle laut internationalem Brauche ihm zustehenden Rechte in Anspruch. Der britische Botschafter theilte ferner mit, seine Regierung werde die Steinkohle als Kriegskontrebande betrachten und den Verkauf an beide Parteien untersagen. In militärischen Kreisen sieht man dem Ausbruch der Feindseligkeiten für Sonntag entgegen. — 21. April. Der amerikanische Gesandte Woodford hat heute der spanischen Rezierung das Ultimatum überreichen wollen, letztere hat es zurückgegeben mit der Erklärung, Spanien nehme keinerlei Weisung an. Woodford hat seine Archive bereits dem englischen Botschafter übergeben. — 21. April. Nach dem heutigen Ministerrath, der eine Stunde dauerte, sprachen die Botschafter Frankreichs und Oesterreich=Ungarns im Ministerium des Aeußern vor, desgleichen der britische Botschafter, der die Mittheilung machte, daß er die Geschäfte der amerikanischen Gesandtschaft übernommen habe. Die Arbeiten des Kongresses sollen abgekürzt werden. — 21. April. Der amerikanische Konsul in Malaga reiste nach Gibraltar ab nach Uebergabe der Archive und des Mobiliars an den englischen Konsul. Der Sekretär der Präsektur geleitete den Konsul zum Bahnhof. Das Wappenschild und die Fahnenstange wurden vom Konsulatsgebäude entfernt. Barcelona, 21. April. Infolge der pessimistischen Nachrichten aus New=York und Washingtom stürmte die Menge die Filiale der Bank von Spanien, um Papierzeld gegen Gold auszuwechseln. Die Bank wurde militärisch besetzt. — 17. April. Die Behauptungen, daß die Cubaner bereit seien, an der Seite der Spanier gegen Amerika zu fechten, werden als grundlos bezeichnet. Der Waffenstillstand ist vollkommen gescheitert. Die Aufständischen weigerten sich, ihn in irgend einer Form anzuerkennen. Die Meldung der spanischen Behörden, daß die Feindseligkeiten eingestellt seien, ist unwahr. Die spanischen Truppen setzen ihre Operationen gegen die Aufständischen grade so fort wie vor der Verkündigung des Waffenstillstandes. Die Truppen haben gestern an verschiedenen Punkten Pinar del Rios die Aufständischen angegriffen. Havanna, 21. April. Es herrscht hier vollständige Ruhe, die Geschäfte sind jedoch total gelähmt. Das Banner der Cubanischen Republik besteht aus drei blauen und zwei weißen Streifen. In der oberen Ecke befindet sich ein silberner dreieckiger Stern auf rothem Felde. New=York, 20. April. Die Regierung miethete 15 große Schifse für den Truppentransport. Diese Schiffe können in einer Fahrt 15000 Mann befördern. — Zur Aufbringung der Kriegskosten dürfte, wie der „Frankf. Ztg.“ berichtet wird, eine neue Einkommensteuerbill eingebracht werden, da die angeregten Steuern auf Kaffee, Thee, Petroleum und ähnliche Bedarfsartikel wenig Anklang in der Geschäftswelt finden.— Eine empfindliche Stockung, namentlich in Ellenwaaren und Lurusartikeln, macht sich bereits bemeikbar. — 21. April. Das Geschwader der Vereinigten Staaten ist abgedampft, um unverzüglich die Blockade der Häfen von Cuba und Portorico zu beginnen. Die Stadt New=York zeigt vielfach Flaggenschmuck. Wien, 20. April. Spanien bereitet ein Rundschreiben an die Mächte vor, in dem es die volle Verantwortung für den Krieg der Union zuschreibt. Die Vereinigten Staaten werden keinerlei Mittheilung an die Mächte machen. Paris, 21. April. Der„Figaro“ meldet aus Barcelona, daß in Folge der Baisse spanischer Werthe gestern ein großer Andrang des Publikums vor der Zweiganstalt der Bank von Spanien zum Austausch der Banknoten in Silber stattfand. — 21. April. Für die spanische Nationalsamm: lung zur Vermehrung der Flotte gingen der spanischen Botschaft zablreiche Gaben zu. Eine hohe Persönlichkeit sandte 250000 Frcs. ein. Rom, 20. April. Die Königin=Regentin von Spanien hat an den Papst einen Brief geschrieben, worin sie die gefährliche Lage schildert und dem Papst für seine Bemühungen zur Erhaltung des Friedens dankt. Sie hebt hervor, daß diese Leidenschaften und Begierden in Amerika die Oberhand gewonnen hätten. Es habe der Vorsehung gefallen, Spanien durch neue Prüfungen heimzusuchen; es bereite sich darauf vor, in der Zuversicht, daß seine Söhne alles ertragen werden, um das Vaterland zu retten. Bielefeld, 20. Apil. Im 106 Jahren ist Hr. Abraham Vorreater in Enger alteste Person im ganzen Umkleise, gestern“ die Der Entschlafene war vor Jahresfrist kötperlich geistig verhältnißmäßig noch recht rüstig; aist im Jahre kränkelte er. Es1 im upten Stadt= und Landkreis Solingen Solingen, 22. April 1898 2.— Die Einkommensteuer=Einschätzung für das 9 1898 99 ergibt im Stadtkreis Solingen Vorjahr ein Mehr von 22603 M. Das Einssteuersoll für 189798(214277 M.) ißt n: 1898 99 auf 236880 M. angewachsen. Da Plus auch 195pCt. Kommunalsteuerzuschlag zu entrie sind, fließt in unsere Stadtkasse zu sehen. Daß die Petitionen in der laufenden Tagung noch im Plenum zur Erötterung kommen sollten, ist nicht sehr wahrscheinlich. Von verschiedenen Seiten wird anläßlich des Verkaufes dreier Schnelldampfer seitens der Hamburg=AmerikaLinie an die Vereinigten Staaten mit Recht darauf hingewiesen, daß es im höchsten Grade bedenklich ist, wenn es dem Belieben einer Schifffahitsgesellschaft überlassen bleibt, Schiffe zu verkaufen, welche von vornherein eventuell als Hilfskreuzer für die deutsche Marine in Auesicht genommen und bestimmt sind. Die Abgeordneten für Breslau, Gothein und Wetekamp, und der Abgeordnete Rickert=Danzig haben, unterstützt von Mitgliedern der freisinnigen und anderer Parteien folgende Interpellation bezüglich des Mädchengymnasiums in Breslau eingebracht:„Welches sind die Gründe, aus denen die kgl. Staatsrezierung die Genehmigung zur Errichtung eines von den städtischen Behörden in Bresiau beschlossenen Mädchengymnasiums versagt hat?“ Oesterreich Ungarn. Wien, 19. April. Die„Wiener Ztg.“ veröffentlicht eine Ministerialverordnung, wonach zur Verhütung der Einschleppung der San José=Schildlaus die Einfuhr von lebenden Pflinzen, Pflanzenabfällen und Fässern, welche zur Verpackung solcher dienten, sowie die Einfuhr von frischen Obst und Obstabfällen, insofern die Untersuchung an der Eingangsstelle das Vorhandensein der San José=Schildlaus konstatirt, von heute ab aus Amerika verboten wird. Dänemark. Kopenhagen, 21. Apil. König Christian tritt Anfang Mai seine alljährliche Badereise nach Wiesbaden an.— Pein; Christian von Dänemark ist heute nach Cannes abgereist, wo seine ment zur Probe zu singen, ein Zeichen, daß die Leistungen Vermählung mit der Prinzessin Alexandrine von des jungen strebsamen Künstlers während der ku Mecklenburg am 26. April stattfinden wird. Frankreich. Paris, 21. Aptil. Der Staatsanwalt beantragte in dem Verleumdungsprozesse gegen Zola das Urtheil der Strafkammer zu bestätigen, d. b. ihre Zuständigkeit anzuerkennen aus dem Grunde, weil die Schriftkundigen keine öffentlichen Mandate besäßen, weil ihre Mitwirkung nicht obligatorisch sei und ihr Urtheil sich den Richtern nicht aufdränge. Außerdem seien die 3 Kläger von Zola nicht wegen ihrer Aussagen, sondern wegen ihrer Berichte angeziiffen worden. Das Urtheil wird nach 8 Tagen erfolgen. Rußzland. Petersburg, 21. April. Die Kaiserin leidet an heftigem Seitenstechen, infolgedessen die Auefahrten 4000 M. Die Zunahme der Steuerkraft Stadt ist um so erfreulicher, als in nächster Zeit man cherlei beträchtliche Ausgaben(Thalsperre, Schulbauten u. a.) für sie in Aussicht steben. — Das Amtsjubiläum des Herrn holz, der am 29. d. M. eine 25jährige Amt in unserer Stadt vollendet, wird am Freitag, den 29 ds., im Kaisersaal hierselbst Nachmittags durch mit Kaffeetrinken verbundene festliche Vereinizung und Abends durch eine gemüthliche Feier in angemessener Weise begangen werden. Der große FreundesKollegenkreis des Herrn Rektor, namentlich aber die zahlreichen ehemaligen Schülerinnen, die im Lauf Vierteljahrhunderts den Unterricht des Herrn tb.ils in der Schule an der Schulstraße, theils in de stattlichen Schulhause an der Burgstraße, genossen haben werden dem Ehrentag des allgemein werthgeschätzten Lehrers sicherlich ein reges Interesse entzegenbringen. ∆— Herr Opernsänzer Hermann Plücker hier hat in den letzten Wochen von mehreren von Hoftheatern die Aufforderung erhalten, behufs Engage, ment zur Probe zu singen, ein Zeichen, daß die Leistungen Zeit seines öffentlichen Auftretens bereits die Aufmerksamkeit größerer Bühnen auf sich gelenkt haben. Von den Hoftheatern in Dresden, Hannover und Wiesbaden ist vor kurzem die mehrfache Aufforderung an ihn gangen, sich vorzustellen, und wird Herr Plücker im Laufe der nächsten Woche zunächst nach Wiesbaden reisen. um dort zu siagen. Wir unterlassen nicht, an dieser Stelle nochmals auf das Konzert aufmerksam zu machen. das Herr Plücker am kommenden Sonntag, unter Muwirkung heivorragender Kräfte in der Schützenburg veranstaltet. Er wird in demselben u. A. auch das berühmte Postillonslied aus der Oper„Der Postilldn von Lonjumeau“ singen, mit dessen Vortrag er kürzlich in Barmen ganz außerordentlichen Beifall errungen hat, — Gleich der ersten war auch die gestrige zweite Vgrstellung, des Düseldorser Stadtheater= Ensenbies in Landtag. Abgeordnetenhaus. Berlin, 21. April. Fortsetzung der Besprechuug der Interpellation Szmula. Abg. Latacz(Zentr.) führt aus: An die Zulassung ausländischer Arbeiter ohne Wahrung der politischen Interessen denke auch das Zentrum nicht. Er glaube jedoch, daß eine weitere Zulassung als jetzt mit den politischen Interessen nicht im Widerspruch stehe. Der Mangel an Gesinde mache sich bereits bei den kleinen Grundbesitzern fühlbar. Es müßten Mittel angewendet werden, welche sofort helfen. Geh.=Rath Conrad erklärt, zweifellos trügen die Vorspiegelung falscher Thatsachen und die Ausbeutung seitens der Gesindevermiether viel zur Verschlimmerung der Arbeiter=Frage bei. Die polizeilichen Bestimmungen bezüglich der Gesindevermiether und Gesinde= Makler müßten scharf angewendet werden. Abg. Seer(nat.=lib.) führt aus, man könne durch den Bau von Arbeiterwohnungen und durch Begünstigung verheiratheter Leute dem Arbeitermangel bedeutend abhelfen, müsse aber auch darauf sehen, die Arbeiter das ganze Jahr hindurch zu beschäftigen. Abg. Graf Ballestrem(Zentr.) hält die Vorschläge Seer's für unzureichend. Das einzige Mittel sei die Zulassung fremder Arbeiter. Eine Entscheidung über die Zulassung derselben sei aber besser den Landräthen anzuvertrauen, die mit den jeweiligen Bedürfnissen besser vertraut seien, als die Regierungs=Präsidenten. Redner bespricht die verschiedenen Nationalitäten und schildert, wie die landwirthschaftlichen Arbeiter allmälig zu industriellen Arbeitern würden und wie die Gewerbefreiheit und Freizügigkeit den Uebelstand zu einem dauernden gestalten. Vielleicht ließe sich durch die Abschaffung des letzten Schuljahres für Schulkinder deren Arbeitskraft einem gesunden Erwerbsleben zuführen. Nachdem Abg. Szmula noch für die dauernde Zulassung fremder Arbeiter eingetreten, bestreitet Landwirth= schaftsminister v. Hammerstein, daß zu Gunsten der Industrie im Allgemeinen eine weitergehende Zulassung russisch=polnischer Arbeiter gewährt sei, als für die Landwirthschaft. Abg. Cenrad=Graudenz(freikons.) hält eine unbedingte Zulassung fremder Arbeiter nicht für räthlich und empfiehlt Förderung der innern Kolonisation und Gründung von Arbeiter=Kolonien. Abg. Horn(kons) ist nicht für die Abschaffung der Freizügigkeit, wohl aber müßten die Auswüchse beseitigt, namentlich die strafrechtliche Verfolgung des Kontrakt= bruches angeordnet werden. Abg. Mendels=Steinfels(kons.) betont die dringende Nothwendigkeit der Regelung der Arbeiterfrage und spricht sich gegen die generelle Zulassung russischer und polnischer Arbeiter aus. Er tritt für Ausdehnung der Winterbeschäftigung und schärfere Maßnahmen gegen den Kontraktbuch und Verleitung dazu ein. Es folgen persönliche Bemerkungen, womit die Interpellation erledigt ist. 2. Berathung des Komptabilitätsgesetzes Die Kommissionsfassung wird angenommen, ebenso der Rest des Gesetzes. Die Resolution der Kommission beantragt einige Ausnahmebestimmungen zu dem Gesetz und wird mit einer redaktionellen Adänderung ebenfalls angenommen. Montag 11 Uhr: Dritte Berathung des Komptabilitätsgesetzes. Deutschland. Der Kaiser hat von dem Stande der Vorarbeiten für das vaterländische Kaiser Friedrich=Denkmal in Kronberg Kenntniß genommen und den Wunsch ausgedrückt, daß dieses pietätvolle Unternehmen eine kläftige und eifrige Förderung in den weitesten Kreisen finden möchte. Der Kaiser hat ein Geschenk von 3000 Mk. für das Denkmal auszahlen lassen. Dem preußischen Abgeordnetenhause sind zwei Petitionen, welche sich auf die Einführung der Stenographie in den höhern Lehranstalten beziehen, zugegangen. Die eine wünscht das Gabelsbergersche, die andere das Stolze=Schreysche System dabei gewählt Bulgarien, der Anfangs Mai hier eintrifft, wird weni; Mahlmallen das Untzrn, Vertucht, wie drei Tage hier verweilen. Ihm zu Ehren wird eine Parade aller Garde=Regimenter veranstaltet. China. Peking, 21. April. In Fung Tocheng in der Provinz Kiangsin soll ein Pöbelhaufen die dortige römisch=katholische Mission angegriffen haben. Messer und Schwerter wurden dabei verwendet. Die französischen Missionare riefen eine Anzahl ihrer Konvertiten zur Hülfe. In dem Gefecht wurden 1 Priester und 3 Konvertiten getödtet. Eine Abtheilung Truppen ist dorthin abgegangen. Tschinanfu, 20. Apil. Der Provinzialschatzmeister hat Anweisung erhalten, 66000 Taels für eine neue katholische Kirche in Tschuyeh auszuzahlen. Dieses zur Erinnerung an den Tod der beiden deutschen Missionare zu erbauende Gotteshaus soll über dem Eingang in Stein gemeißelt die Worte tragen: Tschih Tschien, d. h, auf kaiserlichen Befehl errichtet. Shanghai, 20. April. Der apostolische Vikar von Süd=Schantung, Msgr. v. Anzer ist, wie der„Köln. Volksztg.“ telegraphisch gemeldet wird, mit dem Dampfer „China“ von San Franciéco wohlbehalten hier eingetroffen und reist zunächst nach Peking weiter. Rheinland und Westfalen Cronenberg, 21. April. Einen häßlichen Abschluß fand am Sametag Abend eine Hielingsfeier zu Dohr. Zu derselben hatte sich, so berichtet die„Cr. Ztg.“, als ungeladener Gast ein Mann vom Hahnerberg eingefunden, der mit dem Schwiegervater des Bräutigams in Unfrieden lebt. Es entspann sich ein Wortwechsel, an dem sich auch der Schwager des Bräutigams betheiligte, bis der Streit in eine Schlägerei ausartete, bei welchem der Bräutigam schwere Verletzungen mit einer Handsäge am Kopfe erhielt, so daß der Zustand des Mannes sehr bedenklich ist. Der eine der beiden Thäter ist bereits nach Elberfeld gebracht worden, während der andere sich seiner Verhaftung bieher noch entzogen hat. Köln, 20. Aptil. Von der besonderen Frechheit eines Diebes zeugt folgender Vorfall. Ein Mensch schlich sich in den Keller eines bewohnten Hauses an der Johannisstraße, sperrte die Wasserleitung ab und riß alsdann die Bleirohre herunter. Als ein Bewohner der ersten Etage sich erkundigen wollte, weshalb die Wasserleitung abgesperrt wurde, kam der mit dem Rohr beladene Dieb gerade aus dem Keller und sagte zu dem ihn fragend ansehenden Miether:„Da soll der Kuckuck die Wasserleitung im Keller repariren, gehen Sie doch mal herunter zum Meister und sehen Sie sich die Geschichte im Keller an.“ Der ahnungelose Mann ließ den Dieb ziehen und begab sich in den Keller, wo er über den Sachverhalt aufgeklärt wurde; später war der Dieb verschwunden. Der Kriminalpolizei ist Anzeige erstattet. Der betreffende Mensch hat derartige Diebstähle in leerstehenden Häusern mehrfach ausgeführt. Honnef, 20. April. Der Kronprinz von Schweden traf heute Morgen zum Besuche seiner Mutter hier ein. Am Bahnhofe empfinzen den hohen Gast der Kammerherr der Königin, Graf Stiernswärd, Bürgermeister Wächter u. a. Der Kronprinz unterhielt sich leutselig mit den verschiedenen Herren und fuhr unter den Hochrufen der zahlreich erschienenen Bürger und Kurgäste nach der Villa Berg. Der Großherzog und die Großberzogin von Luremburg waren gestern zu einem mehrstündigen Besuche eingetroffen. Neutz, 19. April. Der Absturz, den am Sonntag der Arbeiter L. erlitt, als er von dem Heißluftballondes Luftschiffers Thomik einige Meter mit in die Höhe gerissen worden war, weil er auf das Kommando„Los“ das um sein Bein geschlungene Seil nicht gleich fahren lassen konnte, scheint für den Betroffenen leider böse Folgen zu haben. Gestern mußte er sich, weil die Schmerzen in der Brust zunahmen, zu Beit legen, und heute ist er in das Hespital übersesüht worden. Hörde, 20. April. Ein schreckliches Unglück ereignere sich in einer Bau=Abtheilung der hiesigen Arbeiter ging in dem Augenblicke durch die Betriebsstätte, als ein 7000 Kilo schweres Eisenstück niederstürzte und den bedauernswerthen Mann zu einer unkenntlichen Masse zerdrückte. wenig Wohlwoulen das Unterneymen in Solingen findet, geht doch der Truppe die denkbar günstigste Kritik voraus. Die Künstler leisteten auch gestern wiederum Gutes, jede Rolle befand sich in guten Händen und das Zusammenspiel klappte durchaus. Das Stück „Gräfin Fritzi“ an und für sich dürfte nur getheilten Beifall gefunden haben. Die Effekte sind meist an den Haaren herbeigezogen und die Handlung erscheint als eine ziemlich nichtssagende. Dabei ist der Humor in dem Schwank nur kümmerlich vertreten, und Rührszenen machen ihn gar hin und wieder zur Tragödie. Das Lustspiel hat die Lebenslaufbahn einer romantischen Bühnenkünstlerin zum Gegenstande, deren Namensänderung allerlei komische Szenen hervorruft und endlich unter merkwürdigen Umständen mit einer Verlobung sein Ende findet. Hoffentlich haben die noch zu erwartenden zugkräftigeren Bühnenstücke, als„Heimath“ und„Charley's Tante", besseren Erfolg, was der sich durchaus bewährenden Theatertruppe und nicht minder dem rührigen Herrn Pohl nur zu wünschen wäre. Ob ein Cyklus klassischer Schauspiele nicht mehr Sympathie hierorts erwerben würde, lassen wir dahingestellt. — Der Bändeschleifer=Verein hielt gestern Abend im Rob. Dinger'schen Lokale eine Versammlung ab. Das den Fabrikanten mitgetheilte Preisverzeichniß soll am 25. dss. Mts. in Kraft treten. 6 Firmen in Solingen und Umgegend haben dasselbe noch nicht anerkannt. ∆— Der Verband„Vereinigte BrieftaubenLiebhaber=Vereine des Kreises Solingen und Umgegend“ hat seine diesjährigen Touren, wie folgt, festgesetzt: 1) Haupttour. Vortouren: Von Opladen(13 km) Sonntag, den 24. April, Troisdorf (45 km) 1. Mai, Dillenburg(95 km) 8. Mai, Friedberg(155 km) 15. Mai. Preistouren: Von Würzburg(250 km) 22. Mai, Ansbach(325 km) 30. Mai, Ingolstadt(405 km) 12. Juni, Passau(542 km) 26. Juni, St. Pölten bei Wien(700 km) 9. Juli, Budapest(1000 km) 30. Juli. Bei der Tour nach Ansbach konkurriren die Mitglieder um die silberne oder bronzene, bei Ingolstadt um die goldene Staatsmedaille. 2. Hauptto ur. Vor touren: Von Leichlingen(8 km) 10. Juli, Schlebusch(19 km) 17. Juli, Troisdorf (45 km) 24. Juli, Dillenburg(95 km) 31. Juli. Preistouren: Von Friedberg(155 km) 7. August, Würzburg(250 km) 14. August, Ansbach(325 km) 21. August. Der Verband besteht z. Z. aus 27 Vereinen, darunter folgende: Solinger Brieftauben=Verein, Brieftaubenpost, Gesellschaft„Courier". Gesellschaft „Beieftaube", Beieftaubenverein„Falk“, Verein„Brief taube“=Grünewald, Brieftaube„Hohenzollern“, Berzischer Geflügelzucht=Verein, Abtheilung für Brieftauben=Wald, Gesellschaft„Brieftaubenpost"=Wald, Gesellschaft„Brieftaube“=Höhscheid, Briefte iben=Klub=Oben=Widdert, Geselschaft„Columbia“=Ohligs, Vereinigte Brieftauben=Lied haber=Ohligs, Oblizser Brieftauben=Verein, Gesellschaft „Brieftaube“=Gräftath, Brieftaube„Heimath“=Stöcken. In diesem Jahre ist die Tour Budopest(1000 km) neu; wahrscheinlich werden auch einige Liebhaber eine Anzag Tauben an der sehr großen Tour ab Arad(Unzam) (1200 km) mit denjenigen der rheinischen Vereinizung theilnehmen lassen. Wir wünschen der Vereinizung diesen großen Wettflügen ein„Gut Flug!“ An einzelnet Tagen werden zur Beförderung der Tauben der gansen rheinischen Liebhaber=Vereinigung nach den Auflaßoriel Sonderzüge vom Hauptbahnhof in Köln aus abgelasseh. *— Am Mittwoch Vormittag fand die alle 2 Monake wiederkehrende Häuteversteigerung für Solingen und Neur scheid bei Herrn Wirth Küpper an der unteren Kaisetst: statt. Die Betbeiligung von auswärts war eine se#t ledhafte. Das Ausgebot waren 90 rothe Ochsendault, 350 bunte Ochsenhäute, 600 Kubhäute, 120 Stierkamt, 100 Rinderbäute, 24 Pinken, 2000 Kalbfelle, 200 Schhf felle. An Preisen wurden erzielt:." 191 Für rotbe Ochsenbäute, über 100 Pfd. wiegeno, 1: bis 43½, 90—100 Pfe. 41½, 80—90 Pfd. 37, besch z 9.— 89 Fe; bunte Ochsenhäute 80—100 Pfd. Kerb. 31.— 35½, unter 60 Pfd. 32, beschädigte Loch= nat S##— 34, beschädigte Engerlings. 28—35 Brrzie, Kuvoaute, rotde, süddeutsche 105 Pfd. 40 Pfg., boni 3 z i bi5 über 80 Pfd. 35, 65—80 Pfe. 331, 50—65 Pb.“;, Hi, schzzuter 30 Pfd. 34, beschädigte Loch= und Kerb 31“ beschavigte Engerlings 28—31 Pfg., Stierbäute, schwett“ 28½, mitleie 28½—29, leichtere 31, beschädigte 29.“ — 273 Pfz., Rinderhäute über 60 Pfd. 35½, 50. 60 Pfd 35, unter 50 Pfd. 37½2—38, beschädigte 30—351; Pfg. Kinken 39“z Pfg., Kalbselle mit Kopf 13 18 Pid. 6.70. a 13 Pfd. 4 70, unter 9½ Pfd. 4,15 Mk., Hammelfelle es We. das Stück.— Im Großen und Ganzen wurden Remscheider Waare dieselben Preise bezahlt. Ein Ackerer aus Hühscheid bei Witzhelden, astern Abend mit der Bahn fahren wollte und seine Fahrkarte verloren hatte, wollte hierselbst bei der Sperre it einer gebrauchten sich durchschwindeln. Er wurde eshalb in Haft genommen, heute Morgen aber nach seiner Vernehmung wieder entlassen. — Der Saatenstand in Preußen berechtigt — die Mitte des Monats April zu folgenden Erwortungen(1 entspricht einer sehr guten, 2 einer guten, a einer mittleren, 4 einer geringen, 5 einer sehr geringen Ernte): Winterweizen 2,3, Winterspelz 2,4, Winteraggen 2.3, Klee und Luzerne 2,.3, Wiesen 2/5. Der umfang der durch Winterschäden nöthig gewordenen Umacherungen wird sich mit Sicherheit eist nach den Maigerichten feststellen lassen; zweifellos aber wird er im Verzleiche mit demjenigen früherer Jahre verschwindend nein und mehr durch Mäuse= und Schneckenfraß im Herbst und Winter als durch Frost und Schnee veranlaßt sein. * Höhscheid, 22. Aptil. Auf dem Höhscheider Platz findet am Sonntag Nachmittag 6 Uhr die Vertheilung der Erinnerungsmedaillen an die hiesigen Reteranen durch Herrn Bürgermeister Gläßner statt. Bei ungünstiger Witterung wird die Aushändigung im Tillmanns'schen Lokale geschehen. Wald, 21. April. Herr Lehrer Hermann Kretzen ist zum 1. August von der Königl. Rezierung zum Lehrer an einer Volksschule in Remscheid ernannt.— Auch Herr Lehrer P. v. d. Thüsen verläßt am 1. Juli unsere Gemeinde, um die Verwaltung einer Lehrerstelle in Elberfeld zu übernehmen.— Frl. Wilhelm, gegenwärtig an Schule II thätig, siedelt mit dem 1. Mai nach Saarbrücken über. — 21. April. Eine Sommertour wird auch in diesem Jahre der Gesangverein„Harmonie“ der Firma Kortenbach& Rauh unternehmen, und zwar diesmal an die See. Die Fahrt geht über Wesel, Nymwegen u. s. w. nach Rotterdam. Am nächsten Tag wird die Fahrt nach dem Haag und dem herrlichen Seebade Scheveningen fortgesetzt. — 21. April. Der Nachricht über das im Bahnzuze aus Elberfeld von einem Postillon aus Wald angeblich verübte Sittlichkeitsverbrechen fügt die„Wald. Ztg.“ hinzu: Ganz so schlimm scheint die Sache doch nicht zu sein. Der Mann hat in betrunkenem Zustande das bezeichnete Mädchen belästigt und ist hierfür ganz erbärmlich verhauen worden. Ein Sittlichkeitsverbrechen scheint aber nicht vorzuliegen, da sich der Mann auf freiem Fuße befindet. 2— 22. April. Der vorgestern einem Bäcker aus Haan von einem Fremden gestohlene Bäckerwagen mit vorgespanntem Ponny ist wieder im Besitze des Eigenthümers. Als der Dieb von dem Bestohlenen erwischt wurde, gab er vor, er habe nur einen Scherz machen wollen. Daß die Polizeibehörde sich mit dieser Ausrede abfinden lassen wird, muß bezweifelt werden. * Ohligs, 21. April. Die Bauarbeiten für die neue achtklassige evang. Schule zu Merscheid sind zu vergeben. Zeichnungen, Anschlag und Bedingungen sind auf dem Rathhause, Zimmer 4, einzusehen. Verschlossene Angebote mit der Aufschrift„Evangelische Schule Merscheid“ sind bis zum 4. Mai, Nachmittags 4 Uhr, abzugeben. Gerichts=Verhandlungen. Sitzung des Schöffengerichts. " Solingen, 22. April. Vorsitzender: Herr Amtsrichter Arimond; Schöffen: Herren Albert Pfeiffer und Wilhelm Tilmes, beide von hier; Amtsanwalt: Herr Stadtsekretär Hermes; Gerichtsschreiber: Herr Aktuar Lamberti.— Fünf junge Leute von hier, 3 Handlungsgehülfen, 1 Anstreicher und 1 Landmesserzehülfe hatten sich wegen ruhestörenden Lärmens, Unfugs und Sachbeschädigung, einer derselben ferner wegen wörtlicher Beleidigung und vorsätzlicher Mißhandlung eines Anstreichermeisters zu verantworten. Diese Strafthaten sollen am 1. Januar d. J. in später Stunde in der Bismarckstraße hierselbst vorgekommen sein. Durch die Beweisaufnahme wurde nur der erste Angeklagte, noch nicht ganz 18 Jahre alt, welcher indessen schon einmal wegen Körperverletzung bestraft ist, der Beleidigung, Mißhandlung und Sachbeschädigung genüzend überführt; das Urtheil lautete darum gegen diesen auf insgesammt 75 Mark Gelostrafe oder 15 Taze Gefängniß; die übrigen Angeklagten wurden freigesprochen.— Gegen einen Buchhalter hierselbst war Strafverfügung erlassen worden, weil er die Aufforderung der Polizeibehörde, den Nachweis zu erbringen, daß sein (nahezu 5 Jahre altes) Kind mit Erfolg bezw. zur gesetzlichen Genüge geimpft worden sei, nicht befolgt habe. Derselbe wandte ein, daß nach ärztlichem Attest das Kind 3 Mal(im Jahr 1895), wenn auch ohne Erfolg zeimpftworden sei, womit dem Gesetz genügt sei. Der Amtsanwalt vertrat die Ansicht, daß die Impfung, nachdem die erste vergeblich gewesen, in den beiden darauf fol#enden Jahren hätte wiederholt werden müssen, wogegen Gir den Anzeklagten geltend gemacht wurde, daß diese hübesten Zeitraum su Gericht schloß sch dielser Ausfäibrung frei.: Aur an und brach den weiten, weil der Bischuldiste den— tarschen Lehun: Bschut. u. inzwichen zu einer mili besteiten saiches ober die Anzeklazten, der eineiu hibe, bälten Elberfeld, 20. Apeil.(Straftaumer.) zum 9. Junur den Schertenschaser war aber nicht in das doß P. der mit& Ostag dehulb die Vermuthuns nabe, er stsache bete veseindet war, sich selbst die Kleider zeestochen habe, was er allerdings bestritt. Er setzte sich aber in anderer Beziehung derart in Widerspruch mit somodi ven der Autiaz heutigen Schöffengerichtssitzung ein Bäcker= meister von hier wegen Betrugs. Die hiesige ArmenSishungsten iünf Nutzungertrurhtigen ermächtigen, bei den Bäckermeistern im Gewichte von so und so viel Pfunden in Empfang zu nehmen. Der Bäckermeister hat nun, wie durch Zeugen festgestellt wurde, wiederholt nur Brode von acht Pfund, statt von zehn Pfo. verabfolgt, trotzdem er fertzelest sehn Psd. berechnet und bezuhlt genommen. ..* chuldigung des Angeklazten, daß die städtische Verwaltung einen sehr niedrigen Preis für das Brod bezabse, sand nach der„Köln. Volkeztz. beim Gerichte kein Gehri, da er alsdann den Auftrag nicht anzunehmen brauche. In Anbetracht des Umstandes, daß durch die festgestellte Handlungsweise nicht nur die Stadt, sondern namentlich auch die armen Empfänger geschädigt würden, erkannte das Gericht auf eine Gefängnißstrafe von vier Wochen.(K. Volkeztg.) Lüneburg, 20. April. Wegen dringenden Ver: dachtes, vor etwa zwei Jahren einen Schäfer in Celle ermordet und beraubt und dessen Leiche auf einem Geundstück in Celle verscharrt zu haben, we sie gegen Ende des vorigen Jahres aufgefunden wurde, ist jetzt ein Arbeiter festgenommen worden. Berlin, 21. April. Das hiesige Schwurgericht verurtheilte heute den Besitzer Witteck aus Biederswalde bei Liebemühl wegen Ermordung seines Schwiegervaters Demboweki zum Tode. Sprottau, 20. April. Der 26jährige Stellenbesitzerssohn Giesel aus Gebirgsdorf, der Bahnattentate dadurch verübte, daß er schwere Steine auf die Schienen wälzte, ist vom Schwurgericht zu vier Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Polizeiaufsicht verurtheilt worden. Vermischte Nachrichten. — Das ursprünglich als Diekreditirung der deutschen Industrieerzeugnisse von dem britischen Konkurrenzneide ausgeheckte„made in Germany“ ist zur großen Enttäuschung der englischen Geschäftswelt in sein Gegentheil umgeschlagen und zwar so sehr, daß die Herren Engländer diese Aufschrift jetzt ihren eigenen Erzeugnissen auf den Weg geben, um für dieselben nur überhaupt noch Absatz zu finden. Eine bittere Verzeltung!(B. P. N.) Lübeck, 21. April. Der Ausschuß der Hanseatischen Versicherungsanstalt bewilligte 440000 M. zur Errichtung einer Heilstätte für weibliche Lungenkranke und 180000 M. für ein Genesungsheim für Männer. München, 21. April. Am 18. April miethete in einem Hause an der Marimilianstraße ein angeblicher Kaufmann P. St. aus Remscheid ein Zimmer mit vollständiger Pension um 5 Mk. täglich, ließ sich, angeblich zur Abholung seiner Effekten vom Zollamte, von der Miethgeberin 20 Mk. leihen und verschwand auf Nimmerwiedersehen. Lüttich, 20. April. Die belgische Waffenindustrie scheint im Rückgang bezriffen zu sein. Nach einer amtlichen Stastistik sind nämlich im Monate März nur 1210394 Waffen ausgeführt worden, gegen 1290163 während desselben Monats des Vorjahres. Da jedoch die Einfuhr von 147460 Stück auf 79722 zurückgegangen ist, kann angenommen werden, daß der Minderbetrag an Ausfuhr durch inländische Bestellungen gedeckt wird. Für den hausputz: Luhn's Wasch=Extrakt. Neueste Nachrichten und Telegramme. Madrid, 21. April. Marschall Martinez Campos fragt im Senat an, ob es wahr sei, daß Woodford seine Pässe erhalten und daß Bernabé Washington verlassen habe, um nach Spanien zurück zukehren. Der Minister des Aeußeren beantwortet beide Fragen zustimmend; er habe Bernadé Befehle gegeben, alle Beziehungen zu der amerikanischen Rezierung abzubrechen. Campos schätzt sich glücklich über die von der Regierung gezeigte Weisheit, die gerne alle Forderungen erfüllte, die nicht die Würde Spaniens verletzten. Seit dem Jahre 1820 verfolgten die Verein. Staaten das Ziel, sich Cubas zu bemächtigen. Redner erinnert daran, daß in Amerika 40 Millionen Einwohner von spanischer Abstammung leben, die dem Mutterlunde günstig gesinnt sine. Fernando Gonzada(Rep.) erklärt, er sei vollkommen einverstanden mit Martincz Campos, und fügt hinzu, wenn das Vaterland in Gefahr sei, seien alle Parteien in Spanien einig und böten der Regierung bedinzungslos ihre Mittülfe an. Ein Antraz mehrerer Senatoren, die Mitwirkung zur Rettung der Ehre Spaniens anzubieten, wurde durch Zuruf ang nommen. Der Minister des Arußeren dankte Namens der nationalen Rezierung. Der Präsident hielt sodann eine patriotische Ansprache, die sehr beifällig und mit großer Begeisterung aufgenommen wurde. — 21. April. In dem heute unter dem Vorsitz der Königin=Rezentin abgehaltenen Ministerrath erklärte Ministerpräsident Sagasta, in diesem feierlichen Augenblick, wo bald der erste Kanonenschuß erdröhne, übernehme die Rezierung die volle Verantwortlichkeit, indeß halte sie es für empfehlenswerth, wenn die Regentin die Meinung aller politischen Führer und einflußreichen Persönlichkeiten der Parteien, ebenso die der Hauptführer der Armee höre. Infolgedessen wird die Königin=Rezentin heute Abend mit den in Betracht kommenden Persönlichkeiten eine Konferenz abhalten. 21. April. Der Herzog Vija de Armiso wurde zum Präsidenten der Deputirtenkammer gewählt. — 21. April. Die Deputirtenkammer der Präsidentschaft fordert die Kammer dringend auf, sich sobald als möglich zu konstituiren, damit die Wahlen für die Kommission vorgenommen würden. Man glaubt, daß die Kammer am Samstag zusammengetreten sein wird. In den Wandelgängen gaben die Deputirten aller Parteien ihren Gefühlen Ausdruck, daß Spanien gegen die Vereinigten Staaten bis aufs äußerste kämpfen müsse. — 21. April. Der amerikanische Gesandte Woodford, der 1. Gesandtschaftssekretär, des Letzteren Mutter und Schwester, sowie andere Beamte der Gesandtschaft sind mit dem Erpreßzug in der Richtung nach Paris abgereist. Der Bahnhof war von berittenen Gendarmen umgeben, der Bahnsteig war von der Polizei besetzt. Auch der P.äfekt befand sich auf dem Bahnsteig. Als Woodford den Bahnsteig überschritt, grüßte er durch Lüften des Hutes, was von mehreren Personen erwidert wurde. In dem Augenblick des Abganges des Zuges bewahrte die Menge auf dem Bahnsteig eine respektvolle Haltung, dann erschollen die Rufe:„Es lebe Spanien, es lebe die Armee, es lebe die Marine!“ Woodford zeigte sich vor seiner Abreise sehr bewegt. Während seines Aufenthalts in Madrid empfing derselbe Beweise der Hochachtung; er zeigte sich stets korrekt und machte große Anstrengungen zur Eihaltung des Friedens. Als die Rufe:„Es lebe Spanien!“ fortgesetzt wurden, grüßte Woodford vom Waggonsenster aus mit dem Hut. Washington, 21. April. Senat und Repräsentantenkammer nahmen die Vorlage an, welche den Präsidenten ermächtigt, die Ausfuhr von Kohlen und anderer im Kriege zu verwendenden Materialien zu verbieten. Der Senat nahm die Freiwilligenbill an. Die Truppen werden in den südlichen Häfen und den Häfen des Golfs schnellmöglichst zusammengezogen. Nach Annahme der Freiwilligenbill wird Präsident Mr Kinlcy 100000 Mann zu den Fahnen rufen, 80000 Mann sollen auf Cuba mit der jetzt bereits versammelten zegulären Armee zusammenwirken und 20000 Mann die Artillerie beim Küstenschutz unterstützen. — 21. April. Das Staats=Departement empfing heute früh ein Telegramm von Woodford, aus dem hervorgeht, daß die spanische Rezierung die diplomatischen Beziehungen abgebrochen habe. Diese Haltung mache lede weitere diplomatische Aktion seitens der Vereinigten Staaten unnöthig. Eine Depesche an Woodford besazt: Der Präsident beauftragt Sie, entsprechend den Reselutionen des Kongresses, Spanien aufzufordern, sofort auf die Souveränität in Cuba zu verzichten und seine Truppen zu Wasser und zu Lande zurückzuziehen. Die Dipesche schließt: Wenn bis zum nächsten Samstag, den 23. April, Mittags, die Rezierung der Vereinigten Staaten nicht von der spanischen Regierung eine vollständig befriedigende Antwort empfangen hat, wird der Präsicent ohne andere vorberige Benachrichtigung in dem nothwendigen Maße die Vellmacht und Autorität anwenden, die ihm durch die gemeinsame Resolution verlichen und auferlegt wird. Die Botschafter Camben und Hengelmüller begaben sich in das Staats=Departement, um die Rezierung amtlich daron in Kenntniß zu setzen, daß sie die Ver tretung der Interessen Spaniens übernommen haben. 21. April. Das Zentralhülfskomitee für Cuba miethete ein Dampfschiff, das am Sametag Mittag mit 1000 Tonnen Lebensmitteln für die Aufständischen abgehen soll. Die Rezierung wird für die Sicherheit dieses Schiffes garantiren. Dasselbe geht nach Key West, um dort Instruktionen zu erwarten; wenn nöthig, wird die Rezierung demselben eine Kriegsschiffeskorte beigeben. New=York, 21. April. Das fliegende Geschwader bei Hauptairoads erhielt den Befehl, auszu laufen. Min glaubt, daß es mit dem Kev=West=Geschwader bei der Bleckade Cuba's zusammenwirken werde. Rio de Janciro, 22. April. Der Kreuzer „Nietheroy“, ist an die Vereinigten Staaten verkauft worden; er wird mit 300,000 Dollar Geld an Berd als Handelsschiff nach den Vereinigten Staaten abgehen. New=York, 22. April. Das Atlantische Geschwader ist abgegangen, um die so fortige Blockade Havannas herzustellen. Der Beschluß, das Geschwader abgehen zu lassen wurde gestern Nachmittag im Kabinetsrath gesatzt! er sollte geheim bleiben; um 3 Uhr erfuhr man jedoch, daß das Geschwader bereite von Key West abging, um die Blockade herzustellen. Die Truppen vereinen ihre Operationen mit denen des Geschwaders sobald sie konzentrirt sein können, was vor aussichtlich in 10 Tagen der Fall ist. Washington, 22. April. Nach Erachten des Staatsdepartements besteht Kriegs. zustand zwischen Spanien und den Ver einigten Staaten, wofür Spanien(!) ver antwortlich ist. adrid, 22. April. Die Note, welche dem amerikanischen Gesandten vom Minister des Aeußern zuging, um ihn zur Abreise zu veranlassen, lautet folgendermaßen:„Mit Bedauern theile ich mit, daß, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten die Resolution der beiden Häuser des Kongresses genehmigt hat, welche auf sofortige bewaff nete Intervention detreffs der spanischen Provinz Cuba abzielen,— eine Intervention, welche eine Kriegserklärung in sich birgt, und die Beziehungen der beiden Regierungen abgebrochen sind, Spanien weiter keine Mittheilung von Amerika entgegen nehmen wird. Erzellenz werden dement. sprechend thun, was hier angemessen erscheint.“ Kauft Grümer& Neu' PanamaLolz: Wasch Extract. * Die Dauefrau siebt an ihrer Wäsche Daß viele Löchelchen sie hat, Und daß sie nicht mal sauber wurde Und spricht, da had' ich den Salat; Da ließ ich mich einmal bereden Und ging von dem Gewohnten ab. Hol' Anna die erprobte Waare Grümer& Neu! Nun aber Trad! Hüser& Co., Commandit-Gesellschaft. Commandite der Berg. 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Gestern Nachmittag ging das dem Wirth E. gehörige Pferd mit dem Wagen durch. Das Gefährt schlug an der Ecke der Bredderstraße vollständig um, wodurch der Kutscher, der auf dem Wagen saß, heruntergeschleudert und schwer verletzt wurde. Köln, 20. April. In einer heute stattgehabten, zahlreich besuchten Versammlung der streikenden Schuhmachergesellen wurde bekannt gegeben, daß 22 Werkstätten die Forderungen der Streikenden bewilligt haben; der Streik dauert fort. Bonn, 19. April. In Kessenich stürzte heute Mittag an einem Neubau das Dachgesimse herab und riß ein Gerüst mit, auf dem 5 Stuckateure arbeiteten. Zwei Arbeiter wurden lebensgefährlich verletzt. Koblenz, 20. Aptil. Heute Vormittag wurde der Generalsuperintendent der Rheinprovinz Umbeck in sein Amt eingeführt. Von den etwa 150 aus allen Theilen der Provinz erschienenen Geistlichen wurde er von seiner Wohnung aus im feierlichen Zuge in die festlich geschmückte St. Florinekirche geleitet, in der sich bereits eine zahlreiche Gemeinde eingefunden hatte. Auch der Erbgroßherzog von Baden, Oberpräsident Nasse und zahlreiche höhere Offiziere und Beamte waren erschienen. Eingeleitet wurde, laut„Köln. Ztg., die Feier mit einem Vortrage des evangelischen Kirchenchors, zu dem der 23. Psalm„Gott ist mein Hirt“ von Mendelssohn gewählt war. Dann ergriff der Vizepräsident des evangelischen Oberkirchenraths D. von der Goltz das Wort zu einer längeren Ansprache, in der er der außerordentlichen Verdienste des verstorbenen Generalsuperinkendenten D. Baur gedachte, das bisherige segensreiche Wirken des jetzigen Oberhirten hervorhob und daran den Wunsch knüpfte, daß auch seine Thätigkeit in dem neuen verantwortungsreichen Amte eine für die rheinische evangelisch= Kirche ersprießliche sein möge. Nachdem der Kuchenchor das Lied„Es mögen wohl Berge weichen“ gelungen, sprach Generalsuperintendent Umbeck über Römer 10 r. 16. Mit einem Schlußworte des künftigen Präses der Provinzialsynode, Superintendenten Sch. Attgelti aus Wülfrath, ging die erhebende Feier zu Ende. An diese schloß sich ein Festmahl. Trier, 19. April. Grobe Ausschreitungen bei den Kontrolversammlungen sind leider in ünserer Gegend keine Seltenheit. Eine wahre Schlacht wurde am Samstag Abend in Schweich geliefert, an der sich nicht weniger als 30—40 Personen betheiligten. Mit Zaunlatten, Wagenrungen und Messern haben sich die Ercedenten gefährliche Verletzungen beigebracht. Hamm, 20. April. Ein ganz verwegener Diebstahl wurde Nachts bei dem Uhrmacher und Zigarrenhändler Kortmann ausgeführt. Nachdem man die Thür zu seinem Geschäfte mittels Nachschlüssels ge öffnet und so in den Hausflur gelangt war, begaben sich die Lanzfinger nach Störung der elektrischen Schellenverbindung in den Laden, indem sie nech 2 verschlossene Thüren mittels Nachschlüssels öffneten. Dann räumten sie, laut„Barm. Ztg., das Schaufenster aus, 32 silberne Taschenuhren; hierauf raubten sie aus einem Schranke etwa 40 silberne= und Nickelketten, zusammen im Werthe von etwa 1000 Mk. Herr Kortmann kann noch von Glück sagen, daß er die goldenen Uhren und Ketten, wie gewohnt, auch dieses Mal zur Nacht mit auf sein Schlafzimmer genommen. 2 fremde Männer, die am Tage vorher Mittags in verdächtiger Weise sich vor dem K. schen Geschäfte herumgetrieben, sind des Diebstahls dringend verdächtig. Vermischte Nachrichten. Berlin, 18. April. In der Resseurce war am Sonntag eine Ausstellung vegetarisch lebender Kin der veranstaltet, um Propaganda für die fleischlose Er nährung zu machen. Es waren 60 Kinder zur Stelle, darunter allerdings viele, deren zartes Alter eine andere als fleischlose Nahrung wohl nicht zuließ. Der Andrang des Publikums war groß. — 20. April. Unter gewaltigem Zulauf wurde Dienétag Nachmittag zu Rirdorf Luise Günther beerdigt. Schon um 2½ Uhr war der Andrang so stark, daß die Gendarmerie den Kirchhof sperren mußte. Eine Anzahl Berliner Kriminalbeamter war erschienen, um unter der Menge Umschau nach dem Mörder zu halten, ohne Erfolg. Die Angehörigen der Ermordeten besichtigten die Leiche noch einmal; dann wurde der Saig in der Halle aufgebahrt. Hier hielt Pastor Schmidt von Heilig=Kreuz die Grabrede im Anschluß an Psalm 130:„Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir. Angehörige der Ermordeten trugen den Sarg zur Gruft, an welcher der Geistliche noch ein stilles Gebet verrichtete. Am Friedhofsthor hatten sich unterdessen wüste Auftritte abgespielt. Wenn das Thor geöffnet werden mußte, wurde es jedesmal gestürmt. Die Gendarmen konnten oft den Andrange der Menge nicht webren. Hüte, Schirme u. s. w., ja selbst kleine Kinder fielen zu Boden und Weiber kletterten über den Zaun des Friedhofes hinweg. Auf diesem waren mindestens 3000 Personen und wohl 2000 standen noch draußen. Aus Baden, 20. April. In Engen feiern heute zwei Bürger die fünfzigste Wiederkehr des Tages, an dem sie 1848 erschossen werden sollten. Die Beiden waren im Gefecht bei Kandern gefangen worden und wurden vor die Leiche des erschossenen Generals v. Gazern geführt, woselbst sie auf Befebl des Obersten v. Hinkeldev erschossen werden sollten. Im letzten Augenblick erschien noch Oberlieutenant Glorrer vom 2. Bad. Inf.=Reg. und hat bei Oberst v. Hinkeldey um Pareon für die Beiden, der ihnen auch gewährt wurde. Als Kriegsgefangene behandelt, sollten sie nun nach der Festung Rastatt verbracht werden. Auf dem Transport, in Müllheim, wurden die Gefangenen, deren Zahl erheblich gestiegen war, durch die aufständige Bürzerschaft während der Nacht befreit. London, 20. Aptil. Ein eigenthümliches Unglück trug sich am vergangenen Mittwoch in Orford zu. Im St. Sepulchres=Kirchhof arbeitete der alte Todtengräber Sylvester, der seit 30 Jahren dort sein Amt verrichtet hat, in einem Grab, das bereits zehn Fuß tief war, als plötzlich eine große Masse Erde nachgab und ihn völlig begrub. Ein kleiner Junge hatte den Unfall bemerkt und auf sein Geschrei hin war Hilfe schnell zur Stelle. Schon schien der Lebendig Begrabene gerettet, als die Grabwand wieder nachgab, und nun dauerte es ein paar Stunden, bis seine Leiche ausgegraben war. Sylvester hatte keine Stützen verwendet, was er als„neumodische Erfindung“ verschmäbte. — 20. Apzil. Passagiere des in Queenstown eingetroffenen Philadelphia=Dampfers„Belzenland“ berichten, daß unterwegs ein Reisender erster Klasse, Theodor Schelle, 39 Jahre alt, in selbstmörderischer Ab sicht über Bord sprang. Der Dampfer wurde gestoppt und Schelle herausgezogen, doch starb er bald an Erschöpfung. Es wurden 4000 M. bei ihm gefunden. Aus den brieflichen Mittheilungen eines jungen Solingers. Tsingtau, 25. Februar 1898. Liebe Eltern! Wir sind jetzt glücklich in China angekommen. Von Port=Said habe ich einen Brief an Euch geschrieben und mitgetheilt, was ich bis dahin gesehen und erlebt hatte. Port=Said liegt in Aegypten und gehört zu Afrika. Da sind wir nicht an's Land gekommen, wir kriegten dort Kohlen an Bord; das thaten die schwarzen Araber und Reger; da wurde man aber fast verrückt über das Geschrei und Gejohle, das die Kerle dabei machten; das war mir bald zu toll. Von da fuhren wir durch den SuezKanal. Da konnten wir die arabische Wüste sehen und Karawanen mit vielen Kameelen. Dann kamen wir in das Rothe Meer. Hier haben wir den Berg Sinat und Horeb und auch die Stelle gesehen, wo Moses das Rothe Meer getheilt und sein Volk durchgeführt hat. Jetzt hatten wir wieder 14 Tage zu fahren, wo wir nichts mehr sahen wie Himmel und Wasser und dabei kamen wir in die heiße Zone. Da haben wir im Januar eine Hitze erlebt, daß wir bald nackt herumliefen; mit nackten Füßen mußte man sich in Acht nehmen, daß man nicht hintrat, wo die Sonne hinschien, denn man hätte sich die Füße verbrannt. Des Nachts konnte man nicht liegen vor Hitze. Dann trafen wir in Singapore ein, wo wir anlegten. Hier blieben wir einen halben Tag. Nun ging die Fahrt in die chinesischen Gewässer. Hier konnte man aber erst Seegang spüren, hier ist die Schifffahrt nicht so leicht, darauf ging die Fahrt wieder auf Norden zu, es wurde nach und nach wieder kälter und es war ein Sturm, daß unser„Kasten“, fast nicht im Stande war, die halbe Fahrt wie sonst in der Stunde zurückzulegen. Und ein Schaukeln! Wenn ich des Morgens frah die Reveille schlug, dann flog ich bald mitsammt der Trommel über das Oberdeck vor all dem Sturm und Schaukeln. Als wir wieder 12 Tage gefabren, kamen wir in Hong= kong an. Da legten wir an und sind 4 Tage geblieben; da konnten wir jeden Tag an Land und in die Stadt geben. Wie ich da mit meinen Kameraden in die Stadt kam, da hatten wir erst das richtige chinesische Leben und Treiben vor uns. Alle liefen da herum mit ihren langen Zöpfen, die lang berabhingen bei allen Männlein und Knäblein; bloß die Damenwelt hatte eine ganz besondere Figur, die haben den Scheitel gemacht wie in Solingen, sie haben die Haare zu einem besonderen Knäuel auf dem Hinterkopf zusammengerollt. Die Männer und Kinder sind dagegen auf dem Kopf um den Zopf herum rasirt. Wie wir da in der Stadt herumgingen, da haben wir uns alle gewundert über das, was uns da vor Augen kam. Hier ist das so modern mit den Handwagen fahren. Da fabren unzählige Chinesen den ganzen Tag mit ihrem Handwagen durch die Straßen im Galopp. Ein Chinese fährt den andern; das kostet gewöhnlich 5 Cent(ist 10 Pfz.) In jedem Hause ist ein Geschäft, es kann sein, was es will, überall ist ein Laden und ein ganz komischer Geruch in der Stadt nach Opium, Morphium und dergl., daß man Kopfschmerzen kriegt. Hier lernten wir auch eine eigenthümliche Sitte unter den Chinesen kennen. Die Weibsleute haben die Füße so klein wie bei uns zu Hause ein Kind, das keine 6 Jahre alt ist. Es werden idnen die Füße von klein an gebrochen und so fest umwickelt, daß diese in ihrem Leben nicht mehr wachsen können.(Ich will mal sehen, daß ich später ein Pärchen mit nach Solingen bringen kann, dann fangen wir eine Schaubude an und zieden damit auf die Kirmeß. Das wäre etwas, was noch nicht dagewesen wäre.) Als wir nun den Tag über in der Stadt herumspaziert waren, gingen wir Abends in eine deutsche Wirthschaft, vielmehr Hotel. Deren ist bloß eine oder zwei hier, sonst fand man bei den Chinesen kein Bierlokal, das kennen sie nicht. In dem Hotel traf sich nun alles zusammen. Wir waren hier mit englischen und chinesischen Marinesoldaten zusammen, das war ein Leben; sprechen konnte man aber nicht zusammen, weil 9 B per 65 der drii und Bei der dett stof 20, illes eine andere Sprache hatte, das ging bloß mit Zeigen und Winken. Aber die Engländer konnten mehr aufen als wir. An das Bier, das man in Deutschsand trinken konnte, braucht man hier nicht zu denken, zenn hier ist das Bier selten und will man Bier trinken, zann muß man für die Flasche 80 Pfg., 1 Mk. oder Mk. 50 Pfg. zahlen. Anders gibts nicht. Der Wein ist so zu sagen billiger als das Bier. Ich muß Euch noch mittheilen, daß es in Hong=kong viele Apfelsinen gibt. Die wachsen da, wie bei Euch zu Hause die Aepfel. Auch so frisch bekommt man sie, mit Stiel und Blätter noch daran, 15 Stück für 10 Pfg. Die waren so dick wie die Katternberger und Hingenberger Aepfel, doch bekommt man bei Euch nicht so viel Aepfel ür 20 Pfg., wie hier für 10 Pfg. Apfelsinen. Das Der Spinnerlehrling. Von William Westall.(11 (Fortsetzung.) Es war eine Erscheinung, die Bartlett an ein Bild von Torquemada erinnerte, welches er einst in einem Geschichtsbuch gesehen hatte und welches einen Richter der spanischen Inquisition darstellte. Nichts Ehrwüriges und Achtunggebietendes lag in diesen Zügen, man erkannte in diesem Manne nur den Vollstrecker eines grausamen Gesetzes, welches sein Herz, das vielleicht früher auch einmal menschlichen Regungen zugänglich zewesen war, in Stein verwandelt hatte.„Nein, Mitleid und Erbarmen ist von diesem Manne nicht zu erwarten“, dachte Bartlett,„und wenn die unglückliche Frau wirklich freigesprochen werden sollte, so wird es gewiß gegen seinen Willen geschehen.“ Der ungünstige Eindruck, den der Buchhändler von dem Charakter des Richters empfangen hatte, sollte sogleich seine Bestätigung finden. Die ersten Angeklagten, die vorgeführt wurden, bekannten ihre Schuld und wurden ausnahmslos zu den höchsten gesetzlich zulässigen Strafen verurtheilt. Ein alter, gebrechlicher Mann, welcher angeklagt war, Aepfel im Werthe von einem Schilling gestohlen zu haben, war offen genug, seine Schuld einzugestehen und sich der Gnade des Richters zu empfehlen. Baron Hardreß suchte etwas darin, die Angeklagten mit ausgesuchtester Höflichkeit und Liebenswürdigkeit zu behandeln— vielleicht weil er fühlte, daß der hierin liegende Hohn seine Opfer noch mehr kränkte. So drückte er dem alten Mann in wohlgesetzten Worten sein auflichtiges Bedauern aus, daß es nicht Sache des Richters sei, Gnade vor Recht gehen zu lassen, und daß er auch in diesem Falle Sr. Majestät dem Könige, dem allein das Recht der Begnadigung zustehe, nicht empfehlen könne von diesem Rechte Gebrauch zu machen, denn das Stehlen von Aepfeln sei ein arges Vergehen gegen die Gesetze des Staates. Darum müsse er den Angeklagten, so leid es ihm thue, zur Deportation nach Australien verurtheilen. Diese Strafe bedeutete thatsächlich ein Todesurtheil, denn der arme alte Mann sah so elend und gebrochen aus, daß es keinem Zweifel unterliegen konnte, er würde die Reise bis ans andere Ende der Welt nicht überleben. Gegen zwölf Uhr wurde der Name Mary Nelson aufgerufen und Robins Mutter wurde von einem Polizisten in den Saal geführt. Die feierliche Stille, die in dem Saale herrschte, und die vielen Augen, die sich war auch das Beste, was es gab. Als wir nun von Hong=kong abfuhren, fuhren wir noch 6 Tage, bis wir an den Punkt kamen, wo wir uns längere Zeit aufhalten müssen. Wir sind am Abend des 7. Februar im Hafen von Tsingtau eingelaufen und wurden am andern Morgen ausgeschifft. Seitdem sind wir hier in unserem neuen Quartier. Hier befindet sich noch ein ganzes Geschwader von uns, 6 Kreuzer. Also 6 Kriegsschiffe sind hier. Dazu kommt noch die MarineArtillerie und die Seebataillone. Die Forts, in denen wir nun sind, sind im November von dem Geschwader eingenommen worden und die chinesischen Soldaten haben sich über die Berge geflüchtet. Jetzt wohnen wir hier. Es sind noch einige Ortschaften da, welche von Chinesen bewohnt sind, alles Händler und Arbeiter für uns. Den Leuten wird nichts angethan. Wir müssen den ganzen Tag mit den Chinesen verkehren. Hier kann man aber billig kaufen. Hier thut man Eier backen und Fleisch braten, denn verzehren kann man hier nichts. Ein Hase kostet 50 Pfg., eine lebende Gans auch 50 Pfg., ein Huhn oder Hähnchen 20 Pfg. Ein Dutzend schöner Hühnereier kostet 20 Pfg. Das ist sehr billig; da werdet Ihr Euch wundern. Aber es ist Wahrheit. Aber viele Arbeit haben wir noch hier in den Forts, Tragerei und Schlepperei von dem Material und der Munition, die wir mitgebracht haben für die 30 Geschütze. Nun könnt Ihr Euch denken, wie lange die Fahrt gedauert hat, vom 21. Dezember bis 7. Februar, rund Wochen. Acht Tage nach der Ankunft habe auf sie richteten, verwirrten sie einen Augenblick und sie blieb zitternd an der Thür stehen. Bald gewann sie jedoch ihre Selbstbeherrschung wieder und ging festen Schrittes auf den Gerichtshof zu. Im Vorbeigehen bemerkte sie Bartlett und Robin und winkte ihnen einen freundlichen Gruß mit den Augen zu. Robin war in einem Zustand der höchsten Erregung, und Bartlett hatte die größte Mühe, ihn zu beruhigen, um nicht den Richter auf ihn aufmerksam zu machen und sich seinen Unwillen zuzuziehen. Nachdem Blake einen prüfenden Blick auf die Gefangene geworfen hatte, musterte er mit gespannter Aufmerksamkeit die Mienen und Bewegungen der Geschworenen. „Sie macht einen guten Eindruck" flüsterte er Chubb zu.„Diese blassen und feinen Züge, diese unschuldigen, treuherzigen Augen, ihre anständigen, wenn auch etwas abgenutzten Kleider und ihr ganzes bescheidenes und passendes Auftreten sprechen zu ihren Gunsten. Sie hat schon die Sympathie der Geschworenen gewonnen. Sehen Sie nur, mit welchem Interesse sie sie betrachten und wie sie sich über sie unterhalten. „Dies ist die Gefangene, welche sich weigert, ihren Namen und ihre Adresse anzugeben, Mylord,“ sagte der Gerichtsschreiber.„Sie wird in den Akten„Mary Nelson" bezeichnet— ein Name, welcher auf einigen, in ihrem Besitz befindlichen Pfandscheinen gefunden wurde.“ „Der Name ist von nebensächlicher Bedeutung, bemerkte der Richter gleichgültig,„übrigens wird sie auch wohl„Nelson" heißen. Leute, die bei der Verübung eines Verbrechens ertappt werden, pflegen gewöhnlich mit der Wahrheit auf gespanntem Fuße zu stehen.— Verlesen Sie die Anklageschrift.“ Diese besagte, daß die Gefangene Mary Nelson, „unbekannten Standes und Gewerbes", beschuldigt werde, am Abend des 13. Dezember einen Mantel im Werthe von zehn Schilling aus dem Laden des Kaufmanns Jakob Lazarus entgegen den Gesetzen und dem Willen Sr. Maj. des Königs unrechtmäßig entwendet zu haben. „Angeklagte, bekennen Sie sich schuldig oder nicht?“ fragte der Richter im strengen Tone. „Ich bin unschuldig, antwortete Sophie mit leiser, aber doch deutlich vernehmbarer Stimme. Die Verhandlung begann. Der erste von der Anklagebehörde geladene Zeuge war John Smith, welcher die Fragen des Staatsanwalts dahin beantwortete, daß er den Diebstahl beobachtet habe, und im übrigen seine vor dem Polizei=Richter gemachte Auesage wiederholte. Blake nahm ihn in ein scharfes Kreuzverhör, vermochte jedoch seine Aussagen nicht abzuschwächen. Der nächste Zeuge war Perkins, welcher bestimmt versicherte, daß die Angeklagte nicht geflohen, sondern ihm entgegengekommen sei, als er sie an jenem Abend traf. Er beschwor seine Aussage hoch und heilig und versicherte, daß die Gefangene ihm sogleich ihr Bedauern über ihre That ausgesprochen habe und willens gewesen sei, den Mantel zurückzubringen. „Es thut Ihnen jetzt wohl sehr leid, daß Sie die Angeklagte damals nicht haben laufen lassen?“ fragte der Richter mit einem höhnischen Lächeln. „Allerdings, Mylord, ich bedauere es von ganzem Herzen,“ antwortete der brave Mensch treuherzig,„und ich werde es Zeit meines Lebens bedauern.“ Sodann wurde der Polizist vernommen, welcher Sophie verhaftet hatte; dieses Verhör ergab jeroch keine neuen oder wichtigen Momente für die Anklage. Hierauf erhob sich Herr Blake und richtete in ehrerbietiger und höflicher Weise die Bitte an den Richter, eine Vertheidigungsrede halten zu dürfen. „Eine Vertheidigungsrede?!“ rief Baron Hardreß erstaunt aus.„Aber das ist ja gegen alle Regel und Gewohnheit bei Kapitalverbrechen. Womit wollen Sie diese ungewöhnliche Bitte motiviren, Herr Blake?“ „Damit, daß die Angeklagte eine Frau ist, Mylord, und damit, daß sie die Gattin eines Offiziers Sr. Majestät des Königs ist. Ich weiß sehr wohl, daß meine Bitte ungewöhnlich ist, aber unter den obwaltenden Umständen hege ich die zuversichtliche Hoffnung, daß Sie eine Ausnahme zu Gunsten dieser Frau machen werden.“ „Die Gattin eines Offiziers?!“, rief Hardreß erstaunt und ungläubig aus.„Aber womit wollen Sie das beweisen?" „Wenn Sie die Güte haben wollen, diesen Brief zu lesen, Mylord, welcher im Besitz der Frau gefunden wurde, so werden Sie sich davon überzeugen, daß ich die Wahrheit sagte.“ „Dieser Brief scheint allerdings echt zu sein,“ sagte der Richter, nachdem er ihn flüchtig durchgesehen hatte, „aber es fehlt immer noch der Beweis dafür, daß er wirklich an die Angeklagte gerichtet worden ist. Und ihre Weigerung, ihren Namen zu nennen, bestärkt meinen Verdacht, daß sie den Brief gefunden oder gestohlen hat. Doch es ist nicht meine Gewohnheit, Partei zu nehmen oder die Angeklagten ungerecht oder hartherzig zu behandeln, daher will ich Ihnen gestatten, eine Vertheidigungsrede zu halten. Ich knüpfe aber die Bedingung daran, daß Sie kurz und nur strikte zur ich meinen 24. Geburtstag erlebt. Den Richard N., mit dem ich früher öfters zusammen gewesen bin und der auch einige Male zu Hause bei uns gewesen ist, habe ich hier auch angetroffen, was uns beide sehr freute. Ich habe auch von meinem früheren Prinzipal, Herrn O., einen Brief erhalten, worin sich 2 Fünfmarkscheine und für 2 M. Briefmarken befanden. 6 M. waren von meinem Herrn Prinzipal und das Uebrige von den Arbeiterkollegen, wofür ich ihnen herzlich danke..... Eines habe ich noch vergessen, Euch mitzutheilen, daß nämlich jeder Soldat 60 scharfe Patronen hat. Der auf Posten Stehende hat 30 Patronen in der Tasche und steht mit geladenem Gewehr. Abends von der Dämmerung an bis Morgens mit aufgepflanztem scharfen Seitengewehr. Hier ist nicht zu spassen. und sich in den gehörigen Schranken halten werden. Anderenfalls würde ich mich genöthigt sehen, ihre Rede für null und nichtig zu erklären und die Herren Geschworenen zu ersuchen, den Fall so zu beurtheilen, als wenn überhaupt keine Vertheidigungsrede gehalten worden wäre.“ Nachdem sich Blake für die Güte und Nachsicht des Richters bedankt hatte, begann er seine Rede, und hätte er sein eigenes Leben vertheidigen müssen, er hätte nicht eindrucksvoller und warmherziger sprechen können. Er machte keinerlei Versuche, die Thatsachen zu verdrehen oder die Aussagen der Belastungszeugen zu bezweifeln, Er bestritt nicht, daß seine Klientin den Mantel unrechtmäßigerweise entwendet habe; aber er bestritt nachdrücklichst, daß sie in verbrecherischer Absicht einen überlegten Diebstahl ausgeführt habe. Und ohne die Absicht, ein Verbrechen zu begehen, könne es kein Verbrechen geben. Gesetzt, er ginge zu einem Freunde, um ein Buch zu leihen, und er nähme sich das Buch selbst in der Absicht, es am nächsten Tage wiederzubringen, da der Freund gerade nicht zu Hause sei— würde dies ein Verbrechen sein? Und dann könne es keinem Zweifel unterliegen, daß die Angeklagte nicht im Vollbesitze ihrer Sinne und Geisteskräfte gewesen sei, als sie den Mantel fortnahm; sie wußte in dem Augenblick nicht, was sie that. Er bitte die Geschworenen, einmal in die Lage der Frau zu versetzen und vor Gott und Menschen zu bekennen, ob sie unter denselben Umständen nicht ebenso gehandelt haben würden, wie unglückliche Mutter für ihr sterbendes Kind handelte. Dann machte Herr Blake eine lebhafte Beschreibung der trostlosen, jammervollen Lage, in welcher Frau befunden hatte— sie, die Gattin eines Offiziers, welcher für seinen König und Vaterland gekämpft geblutet hatte. Er schilderte mit den dunkelsten Farden, wie sie durch die Straßen der Weltstadt gewandett — allein und von aller Welt verlassen, ohne Obdach, ohne Nahrung und ohne einen Pfennig Geld zu Aber alles Ungemach und Elend würde sie geduldig tragen haben, doch ihr gequältes Mutterherz vermochlt es nicht mit anzusehen, wie ihr kleiner Knabe, ihr Li auf der Welt, bungernd und frierend dem sicheren entgegenging. Und unter Würdigung der Gemüth fassung, in welcher die unglückliche Frau sich gungig habe, sei es zu verstehen, daß sie sich einen—#u vergessen konnte und den Mantel nahm, um näßtes und vor Kälte zitterndes Fxorisezhung so, 10 al. .60—3.20 50—350 18 20— leen ise 2 20 4 50 51 30 53— 100— — 5 60 20 Pie. * ändert.