Nr. 89.— 50. Jahrgang. *** Montag, den 18. April 1898. Grscheint täglich mit Ausnahme der Soun= und Feiertage.— Preis für das Bierteljahr in der Expedition 1 4 75 J, auf allen Kaiserl. Postanstalten 2 4 Siurückungsgebühr für eine einspaltige Petitzeile oder deren Raum 5 10 J. Früher under dem Tterr: „ Druck und Verlag von Ald. Pfeiffer in Solingen.— Für die Redaktion verantwortlich.: Rudolf Pfeisfer in Solingen.— Die Expedition defindet sich in Solingen, Kaiserstr. 140. (Fernsprech= Anschluß Nr. 90). Der spanisch=amerikanische Konflikt. Der Senat hat seine Entscheidung getroffen. Lange zeuug hat es gedauert, bis er seinen Entschluß faßte. Die letzte Entscheidung über Krieg oder Frieden liegt uun in der Hand des Präsidenten Kinley. Auf Suha betrachtet man allgemein den Krieg als eine willkommene Aenderung, wiewohl die dortigen Spanier sich sagen, daß auf die Dauer der Krieg verhängnißvolle Falzen für sie haben müsse. In Mittel= und Südamerika nimmt das spanische Bevölkerungselement in dem schwebenden Konflikte mit Leib und Seele Partei für Spanien und gegen die Vereinigten Staaten. In Meriko, in den Staaten des Isthmus, in Pein, Chile 2c. sind Sammlungen zu Gunsten der spanischen Sache im Gange; in Meriko gilt sogar die Bildung von Freischaaren zur Unterstützung der spanischen Waffen nicht für ausgeschlossen. Bemerkenswerth erscheint, daß dieser Stimmungsumschwung sich erst von dem Zeitpunkte allmählich verbereitete, wo es klar zu werden anfing, daß Amerika seine Hand in der cubanischen Affaire hatte und eine Politik inszenirte, welche darauf abzielte, die Perle der Antillen der eigenen Machtsphäre einzuverleiben. Bie dahin gehörten die Sympathien des spanischen Amerika, das die Traditionen seines Befreiungskampses vom spanischen Joch noch keineswegs vergessen hat, überwiegend den Cubanern. Sobald aber Amerika auf der Bildfläche erschien, griff ein vollständiger Stimmungsumschlag Platz. Das politische Moment trat zurück hinter dem Bewußtsein der Stammessolidarität der Bewohner des ehemals spanischen Amerika. Dieses Solidaritätebewußtsein ist das Ergebniß der Reaktion des transatlantischen Romanenthums gegen die Uebertreibungen der Monroedoktrin seitens der panamerikanistischen Ingos. Nicht mit Unrecht steht auch der Euroväer im allgemeinen sympathisch den Spaniern gegenüber, ist doch das Vorgehen der Vereinigten Staaten ein derartiges, daß im Falle des Ausbruchs des Krieges die moralische Schuld zum größten Theil auf Seiten Amerikas liegt, ein Vorgehen, dem durch die Absicht Me Kinleys, Spanien dadurch zu zwingen, den ersten Schlag zu führen, daß Amerika Schiffe mit Lebensbedarf unter Begleitung von Kriegsschiffen nach Cuba sendet, die Krone aufgesetzt würde. Man fragt sich unwillkürlich nach dem Grunde der Hinzögerung des Senatsbeschlusses und man vermuthet dabei mit Recht wohl eine egoistische Absicht. Jeder Tag des Hinzögerns diente Nordamerika dazu, seine eigenen Rüstungen zu vollenden. Fast jeder Tag brachte der Flotte der Vereinigten Staaten neuen Zuwachs. Berichte aus Keywest lassen erkennen, daß das dort versammelte amerikanische Geschwader mit Ungeduld die Eröffnung der Feindseligkeiten erwartet und daß die Erhaltung des Friedens in den Reihen der Offiziere und Mannschaften eine nicht ungefährliche Unzufriedenheit erzeugen würde.„Rache für die„Maine“! ist das Gefühl, unter dessen Bann die ganze Flotte der Vereinigten Staaten steht. In nächster Nähe des aufständischen Landes wurden nun auch die Landtruppen zusammengezogen, um den Aktionen der Flotte Nachdruck zu verleihen und nöthigenfalls auf die Insel Cuba befördert zu werden. Auf einen Erfolg einer etwaigen Jatervention der Mächte ist nicht zu hoffen, es ist nur noch eine Frage der Zeit, ob Amerika den jetzigen ungesunden Verhältnissen, unter denen der Handel nicht nur der betheiligten Mächte, sondern der ganze interaationale Handel leidet, auf diese oder jene Weise ein Ende bereitet. Für das Wahrscheinlichste wird gehalten, daß Kriegsfalle die Spanier sich auf die Ver heidigung Cubas beschränken werden. Den Der Spinnerlehrling. Von William Westall.(7 (Fortsetzung.) Die Starken nahmen die größten und besten Bissen ind die Schwachen, welche nicht die besondere Gunst der Befängnißwärter besaßen oder Geld hatten, um sich Brod u kaufen, mußten von der Gnade ihrer Mitgefangenen eben oder— verhungern. Die zum Tode Verurtheilten surden jedoch sters mit einer gewissen Rücksicht, sowohl on Aufsehern, als Mitgefangenen behandelt; und das raurige Loos von Frau Brorley rührte sogar die Geküther und erweckte das Mitleid der Verkommensten dieser ehen Weider. Sie bewilligten ihr und Sophie ein reichiches Maß von Speise und erwiesen ihnen allerlei kleine Aufmerksamkeiten. Und so kleinlich ist die Natur der Menschen, und so ief ist die Eitelkeit und Eigenliebe in ihr eingewurzelt, satz trotz ihres traurigen Geschickes und elenden Daseins slese unglückliche Frau die Aufmerksamkeiten dieser Meären nicht ohne Freude entgegennahm. Als es Zeit geworden war, daß die Kinder zur Ruhe sedracht werden mußten, bat Sophie die Mutter um Erlaubniß, die Gebete der Kinder mit anhören zu dürfen. „Gebete??“ fragte sie ganz erstaunt.„Hier betet Nlemand; wozu sollten wir wohl beten? Außerdem habe ich den Kindern auch keine Gebete gelehrt. Aber wenn Sie wollen—“ Sephie machte Gebrauch von der Erlaubniß, zog die Einder zu sich und sprach ihnen ein kleines Gebet vor, das sie einst ihrem Robin gelehrt hatte. Als die Kinder es auswendig wußten, knieten sie neben der Skeinbank nieder und sprachen das Gebet mit gefalteten Handen nach. Währenddem waren einige Gefangene serausgetreten und sahen dieser ungewohnten Scene mit srozem Interesse und tiefem Stillschweigen zu. Nacheem die Kinder wieder aufgestanden waren und Sophie le in ihre Arme geschlossen hatte, kam jene Frau, welche sie dei ihrem Eintritt so roh behandelt hatte, auf sie zu und sagte: =Sie sind eine gute Frau; ich habe Sie vorhin ansteundlich behandelt, ich bitte Sie deshalb um Vereeihung und werde es nicht wieder thun. Und ich will von dafür Sorge tragen, daß Ihnen kein Mensch ein Haar krümmen soll, sonst soll ihm—.“ Ein fürchterlicher Fluch schloß ihre Rede. Während ihrer kurzen Anwesenheit im Gefängniß burde Sophie mit eben so viel Achtung und Rücksicht von den übrigen Gefangenen behandelt wie Frau Amerikanern dürfte angesichts der klimatischen Verhältnisse und der bald beginnenden Regenzeit das Vordringen auf Cuba schwerer sein, als sie anzunehmen scheinen. Die spanische Flotte dürfte aller Voraussicht nach zwischen Cuba und dem Festlande kreuzen, um den Amerikanern den Nachschub abzuschneiden. Dort wäre somit der wahrscheinlichste Punkt für eine etwaige Seeschlacht. Betreffs des Umstandes, daß Amerika und Spanien, die beide nicht in der Konvention sind, Kaperbriefe ausstellen dürfen, erwartet man einen Einspruch Englands. Madrid, 16. April. Ministerpräsident Sagasta erklärte betr. der amerikanischen Beschuldigung, wonach die Explosion des Panzers„Maine“ durch Spanier herbeigeführt worden sei, daß diese schändliche Verläumdung die Verurtheilung der ganzen zivilisirten Welt verdiene. Jeder Spanier und die amerikanischen Beamten kannten die thatsächliche Ursache der Explosion. — 16. April. In dem heute abgehaltenen Ministerrathe wurde genehmigt, daß die Dampfer der„Companie transatlantique“, für den Kriegsfall als Kriegsschiffe verwendet werden sollen. Der Marineminister theilte das Ergebniß der Untersuchung in Betreff der „Maine“=Erplosion mit, welches der Ministerrath sorgfältig prüfte und in dem amtlichen Blatte zu veröffentlichen beschloß. Der Kriegs= und der Marineminister theilten sodann die kürzlich getroffenen Anordnungen mit und schlugen vor, sie in Rücksicht auf die möglicherweise eintretenden Ereignisse anzunehmen. Die zukünftige Gestaltung des Parlaments und ebenso die Arbeiten, welche dem Parlament sogleich vorgelegt werden sollen, waren gleichfalls der Gegenstand der Berathungen des Ministerrathes. — 16. April. Die spanische Flotte ist bei Kap Verdi zusammengezogen. — 16. April. Die Thronrede, womit die spanischen Cortes am Mittwoch eröffnet werden sollen, wird, wie es heißt, höflich, aber entschieden die Botschaft MeKinleps zurückweisen. Sie wird die Einmischung der Vereinigten Staaten in den cubanischen Aufstand seit drei Jahren nachweisen und die ganze Schuld am Kriege den fortgesetzten Intriguen der Regierung in Washington zuschreiben. — 16. April. Der Minister des Innern hat den Präfekten von Malaga angewiesen, dem Konsul der Vereinigten Staaten Genugthuung zu gewähren und die Urheber der Unruhen in Haft zu setzen.— Der„Epoca“ räth der Regierung, den Abbruch der diplomatischen Beziehungen nicht zu überstürzen und den Vereinigten Staaten die Verantwortung für den Bruch zu überlassen. — 17. Aptil. Die Kundgebungen wiederholten sich in verschiedenen Hauptorten der Provinz. In Malaga wurde das Wappenschild des amerikanischen Konsulats unter lärmendem Widerspruch des Volkes wieder angebracht. (S. unten.) Barcelona, 16. April. Infolge der politischen Kundgebungen ist die Universität geschlossen worden. Malaga, 16. April. Demonstranten durchliefen schreiend die Straßen und warfen Steine gegen das amerikanische Konsulat. Einer aus der Menge stieg eine Leiter hinauf zum Wappenschild des Konsulats, riß es hetunter und schleifte es durch die Straßen. Der Präfekt ging den Demonstranten entgegen und forderte sie zur Ruhe auf. Gendarmerie durchneht die Straßen. Die Stimmung ist sehr erregt. — 17. April. Die Kundgebungen dauerten gestern Abend fort. Die Gendarmerie und die Polizei schritten wiederholt mit blanker Waffe ein. Die Manifestanter antworteten mit Steinwürfen. Eine Person wurde leicht verletzt, verschiedene wurden verhaftet. Heute Vormittag war die Stadt ruhiger. Washington, 17. April. Der Senat nahm gestern mit der von der Mehrheit der Kommission beschlossenen Resolution gleichzeitig einen Zusatzantrag des Senators Davis an, welcher besagt, die Vereinigten Staaten bestreiten die Absicht, die Souveränetät, Jurisdiktion und Herrschaft(Kontrolle) über Cuba ausüben zu wollen, außer zum Zwecke der Pazifikation, und sind entschlossen, nach Durchführung der Pazifikation die Regierung und die Herrschaft über die Insel der einheimischen Bevölkerung zu überlassen. Das Repräsentantenhaus wird morgen über die Resolution dee Senats mit den dazu angenommenen Zusatzanträgen berathen. — 17. April. Der Senat hat vor der Abstimmung der Resolution über das Amendement Turpie besonders abgestimmt und dasselbe mit 57 gegen 31 Stimmen angenommen. New=York, 16. April. Es wurden bereits 50000 Freiwillige der Marinereserve eingezogen, um die neu angekauften Schiffe bemannen zu können. — 16. April. Das Verlangen der Vereinigten Staaten, das Wrack der„Maine“ sprengen zu dürfen, wird hier dahin erklärt, zur Hebung der beiden unter Wasser befindlichen Deckthürme mit den großen 10zölligen Geschützen sei die Sprengung für nothwendig erachtet worden. Da die beiden Geschütze einen Werth von über 100000 Dollars besitzen und sie in den Händen der Spanier für die Amerikaner gefährlich werden könnten, so legte man auf ihre Wiedererlangung natürlich großen Werth. Weil die spanischen Behörden nun die Sprengung der Thürme nicht gestatten wollten, hat man die Geschütze durch Entfernung ihrer wichtigsten Theile unbrauchbar zurückgelassen. — 16. April. Die Mobilisirunng von StaatsMilizen macht große Fortschritte. Der Kriegssekretär entwarf eine Bill betreffs Erlassung eines Aufrufs für 100000 Freiwillige.— Die Mächte gaben, nach der„Fikf. Ztg.“, der Regierung vertraulich zu verstehen, daß sie der Pazifizirung Cubas seitens der Vereinigten Staaten nicht epponirten, daß aber die amerikanische Flotte nicht die spanische Küste blockiren dürfe. — 16. April. Aus Madrid berichtet die Central News Agency, sämmtliche gegebenen Falls dienstpflichtigen Spanier, die sich im Auslande befinden, seien durch die Konsuln aufgefordert worden, unverzüglich nach der Heimath zurückzukehren. — 16. April. Die Blätter melden: Generalkonsul Lee werde im Kriegsfalle das Kommando über die Truppen in Virginia erhalten. Havanna, 16. April. Acht Bataillone der aktiven Armee sind hierher zurückgekehrt. 50 Familien schiffen sich auf der„Versailles“ ein, um Cubazu verlassen. Berlin, 16. April. Nach englischen Berichten richtete Me Kinley an die Führer der beiden Seiten des Hauses das dringliche Ersuchen, ihn nicht mit einer Resolution in Verlegenheit zu setzen, welche die Unabhängigkeit Cudas bezwecke, erklärte jedoch, ein Veto gegen die Beschlüsse des Hauses nicht einlegen zu wollen. Zur Begründung seines Ersuchens wies er auf die eventuelle Beleidigung sämmtlicher Mächte hin, welche Kolonialbesitz in Amerika haben. Diese würden sofort Protest erheben und die Vereinigten Staaten die Sympathien Europas verlieren.(Wie sich aus der nachstehenden Extrablatt=Meldung aue Wasdington ergiebt, hat das Ersuchen Me Kinleps nichts gefruchtet. D. R.) Aus denselben Quellen verlautet, Spanien und Amerika würden in einem eventuellen Kriege auf die Kaperei verzichten.(7) Im entgegengesetzten Falle würde England Einspruch erheben. Diese Nachricht ist jedoch mit großem Vorbehalt aufzunehmen. Die Vertretung der in den Vereinigten Staaten lebenden Spanier würde angeblich nicht Frankreich, sondern Oesterreich übernehmen. — 17. April. Laut Ertrablatt aus Washington nahm, wie wir bereits gestern durch Ertrablatt meldeten, der Senat mit 67 gegen 21 Stimmen den von der Mehrheit der Senatskommission beschlossenen Bericht mit einem Amendement Turpie an, wonach die Anerkennung der kubanischen Republik ausgzesprochen wird. Nimmt das Abgeordnetenhaus, welches nunmehr über den Senatsbeschluß berathen wird, die Fassung des Senats nicht an, so muß, wie die„Köln. Ztg.“ ausführt, die Angelegenheit einem gemeinschaftlichen Ausschusse beider Häuser vorgelegt werden, ehe der Präsident wieder damit befaßt wird. Nach einem Telegramm von Sonntag aus Washington dürfte es zwischen den beiden Kammern zu einem Konflikt kommen. Anzeichen deuten auf einen starken Widerstand dagegen, daß durch die Legislative die Unabhängigkeit und die republikanische Regierung Cubas anerkannt werden sollten. Unter diesen Umständen ist der Ausbruch eines Krieges zum mindesten auf einige Tage verschoben. Die amerikanische Parteipolitik ist nun eifrig am Werke. Nach Ansicht der amerikanischen Kolonie in London hält man die kriegerische Stimmung in den Vereinigten Staaten für so ausgesprochen, daß man Me Kinley vielleicht in Anklagezustand versetzen würde, wenn der Friede anders als durch eine völlige Unterwerfung Spaniens unter die amerikanischen Forderungen erhalten würde. Hamburg, 16. April. Die Hamburg=Amerikanische Packetfahrt=Aktien=Gesellschaft theilt mit, die Familie des Lezationssekretärs bei der amerikanischen Gesandtschaft in Madrid Mc. Artbur sei gestern von Cherbourg mit dem Schnelldampfer„Fürst Bismarck“ nach New=woik gereist. Paris, 16. April. Angesichts des bevorstehenden amerikanischen Krieges trifft die Rezierung Maßrezeln zum Schutz der französischen Handeleinteressen; die europäischen Großmächte werden auch gemeinsame Maßregeln betreffs der Handelsinteressen ergreifen. — 17. April. Einer Meldung aus Havanna zufolge ist in einer Zusammenkunft der Generäle der Vertheidigungsplan für den Fall eines Krieges festgesetzt worden. Vertreter der Handelswelt von Havanna statteten Marschall Blanco einen Besuch ab und boten ihre unbedingte Unterstützung an. General Pando hat die Befestigungen von Cienfuego besichtigt, welche zur Zurückweisung jedes Angriffs in Stand gesetzt sind. Venedig, 16. April. Die„Gazetta di Venezia“ veröffentlicht den vollen Wortlaut des Briefes, den Don Carlos an den Deputirten von Estella, Melle, gerichtet hat:„An der Grenze von Navarra, das mich zu seinem Vertreter in den Cortes ernannte, hatte ich den Schmerz, mich von Spanien zu trennen. Ich sagte mir jedoch, daß ich vielleicht wiederkommen würde. Jetzt naht die Stunde, daß ich mein Versprechen einlöse. Daher wende ich mich an dich, damit du als Abzeordneter meines mir unvergeßlichen Estella verkündest: 22 Jahre der patriotischen Sammlung liefern den Beweis, daß ich weder ehrgeizig noch ein Verschwörer din. Wenn man in Madrid den Handschuh aufnehmen wird, den Washington Spanien ins Antlitz schleudert, werden wir auch fernerhin dasselbe Beispiel der Entsagung geben, welches ich bis jetzt gab, voll des Bedauerns, am Kampfe nur mit meinen Wünschen und mit dem EinBrorley. Niemand belästigte sie, und obgleich sie viele rohe und gemeine Worte hören mußte, so waren doch keine derselben an sie gerichtet. An diesem Ort der Qual war die Nacht noch unerträglicher als der Tag. Zur Lagerstätte diente den Gefangenen eine Holzpritsche, die mit einer schmutzigen und zerlumpten Decke belegt war. Das Gefängniß, welches nur für hundert Personen Raum bot, war mit beinahe dreihundert Gefangenen belegt; das Geschrei der betrunkenen Weiber, das Gewimmer der Kinder und die Beschwichtigungsrufe der Mütter sowie das zahllose Ungeziefer machten jede Nachtruhe zur Unmöglichkeit. Und obwohl Sophie im höchsten Grade übermüdet und schlafbedürftig war, so vermochte sie doch kein Auge zu schließen. 6. Kapitel. In der Gefängnißkirche. Am anderen Tage war Sonntag. Sophie war eine in den Grundsätzen des christlichen Glaubens und in der Furcht Gottes erzogene Frau, die gewohnt war, jeden Sonntag zur Kirche zu gehen. Aber mehr denn je empfand sie heute das Bedürfniß in andachtsvoller Erbauung an geheiligter Stätte und durch das Hören von Gottes Wort Trost in ihrer bejammernswerthen Lage zu suchen und neue Hoffnung zu schöpfen. Stand sie auch ganz allein in der Welt, fecn von ihren Lieben, ohne Schutz und Hülse, dem furchtbarsten Elend preisgegeben und einer vielleicht entsetzlichen Zukunft entgegensehend, so hatte sie doch das Gottvertrauen nicht verloren. Darum bat sie Frau Brorley, sie zur Gefängnißkirche zu begleiten; aber diese lehnte ihre Bitte rundweg ab. „Nein,“ sagte sie,„ich werde nicht gehen und ich habe meine ganz bestimmten Gründe für meine Weigerung. Uebrigens kann ich Ihnen mit aller Sicherheit voraussagen, daß auch Sie nicht zum zweiten Male die Kirche besuchen werden.“ Sophie beharrte jedoch bei ihrem Entschluß und war einigermaßen überrascht, daß die meisten ihrer Mitgefangenen, bei welchen sie bisher jedes religiöse Gefühl vermißt hatte, sich zum Kirchgang meldeten. Sie hörte wiederholt, daß diese sich viel über die„Henkerspredigt“ unterhielten, aber sie war zu sehr mit ihren eigenen Gedanken beschäftigt, um nach der Bedeutung dieses Ausdrucks zu fragen. Die Frauen wurden von den Gefängnißwärtern in einen langen, ziemlich dunkelen Raum geführt, welcher als Belsaal eingerichtet war, und nahmen in einem verschlossenen Stand an der einen Längsseite des Saales Platz. Rechts von ihnen saß eine Anzahl zum Tode verurtheilter Verbrecher, deren Hinrichtung jedoch noch aufgehoben war, da sie der Gnade des Königs empfohlen waren. Auf der gegenüberliegenden Seite des Saales hatten sich die Sheriffs von London, die Richter und Staatsanwälte niedergelassen; sie trugen ihre volle Amtstracht und waren mit der goldenen Kette— dem Zeichen ihrer Würde— angethan. Einige Lakaien in reichen, goldbetreßten Livreen standen hinter ihren Stühlen. Die am äußersten Ende des Saales befindlichen Bänke wurden von etwa 50 bis 60 roh aussehenden Männern und Frauen eingenommen, welche zu dem Gefängniß in keiner direkten Beziehung standen. Sie waren aus der Stadt hierher gekommen, um ihre Augen an einem Schauspiel zu weiden, welches für sie nicht weniger interessant und aufregend war, als ein Faustkampf auf Leben und Tod oder eine öffentliche Hinrichtung. In Mitte der Kirche, dem Altar gerade gegenüber, befand sich ein durch schwarzangestrichene Schranken begrenzter, viereckiger Raum, in welchem auf einem gleichfalle schwarz bekleideten Tisch ein offener Sarg stand. Nachdem die Kirche sich nach und nach gefüllt hatte und Beamte, Gefangene und Fremde die ihnen angewiesenen Plätze eingenommen hatten, trat der Geistliche vor den Altar. Das Gewirr der Stimmen verstummte, das Hasten und Scharren mit den Füßen hörte auf und inmitten einer feierlichen Stille, welche hin und wieder durch ein leises Seufzen der Gefangenen unterbrochen ward, wurden fünf an Händen und Füßen gefesselte Männer und zwei Frauen in den umgrenzten Raum in der Mitte des Saales geführt, wo sie rings um den offenen Sarg Aufstellung nahmen. Sie alle waren dazu verurtheilt, am nächsten Tage gehenkt zu werden. Die eine der Frauen hatte ein Paar Stiefel und die andere einen wollenen Unterrock gestohlen. Unter den zum Tode verurtheilten Männern befand sich ein Pferdedieb, ein Einbrecher, ein Straßenräuber, ein Falschmünzer, ein Urkundenfälscher und ein Junge von 17 Jahren, welcher sein Leben dadurch verwirkt hatte, daß er seinen Prinzipal um 12 Schillinge betrogen hatte. Unter allen diesen Opfern der grausamen Gesetze Englands war also kein einziger Mörder! Nachdem zunächst einige Verse gesungen waren, las der Geistliche die Liturgie und wandte sich dann zu den Sheriffs von London, indem er mit lauter Stimme die Worte sprach:.... J 84 „Nachdem diese Unglualichen von Rechts wegen zum Tode durch den Strang verurtheilt worden sind, wollen wir jetzt Gott um Gnade für ihre armen Seelen bitten.“ Die Sheriffs nickten zustimmend, die ganze Gemeinde erhob sich, den Verurtheilten wurden Gebetbücher in die Hände gedrückt. Aber nur eine der Frauen und der Junge konnten lesen; der letztere war jedoch so aufgeregt, daß er das Buch verkehrt in die Hand nahm und mit weitgeöffneten Augen wie geistesabwesend hineinstarrte. Die beiden Frauen standen auf dem Punkt, ohnmächtig zu werden, der Eind.echer stieß einen furchtdaren Fluch aus und der Straßentäuber versuchte zu lachen und ein gleichgültiges Gesicht zu machen, als wenn ihn die Sache nichts angehe. Nach einem längeren Gebet„für die armen Sünder, welche der Vollstreckung der irdischen Gerechtigkeit entgegen sehen“, folgte die Predigt. Es war eine in ihrer Art eindrucksvolle und gewaltige Rede; dazu kam noch der unheimliche Ort und die tragisch schauerlichen Umstände, welche den Worten des Predigers eine solche Wirkung verliehen, daß selbst die verstocktesten und hartherzigsten seiner Zuhörer ergriffen wurden und die übrigen sich in einen Zustand von Angst und Schrecken versetzt fühlten. Einize der Frauen verfielen in Weinkrämpfe, andere schrieen und kreischten laut auf; der 17jährige fiel in Ohnmacht und mußte hinausgetragen werden; der Eindrecher gerieth in einen Wuthanfall und schlug einen Wärter mit seinen beiden zusammengefesselten Händen zu Boden. Nur mit großer Mühe und Anstrengung konnte er überwältigt werden. Sophie war mehr todt als lebendig und bereute bitter, daß sie Frau Brorleps Rath nicht befolgt hatte; halb ohnmächtig wurde sie von der„rothen Hanne“ in das Gefängniß zurückgetragen. 7. Kapitel. Herr Chubb. Bartlett war ein eingefleischter alter Junggeselle. Er wohnte in seinem Laden und schlief in einer kleinen über demselben gelegenen Stube. Außerdem besaß er nur noch einen ganz kleinen Raum hinter dem Laden, welcher ihm als Komptoir, Arbeits= und Empfangszimmer diente. Hier schrieb er seine Briefe und Zeitungsartikel, empfing seine Freunde und nahm seine Mahlzeiten ein, die er sich von einem benachbarten Speisehaus bringen ließ. Die Reinigung seiner Wohnung lag einer alten Aufwärterin ob, die schon seit vielen Jahren in seinen Diensten stand. Außerdem beschäftigte er in seinem Laden einen jungen flachsköpfigen Menschen mit Namen Salomon Langsam, den er einst als Lehrling in das Geschäft genommen und dann als Gehülfen bebsier bet.(Garsezung aigt.) fluß meines Namens theilnehmen zu können. Mit ganzem Herzen werde ich diejenigen, die das Glück haben, ins Feuer zu kommen, glücklich preisen und es so ansehen, als wenn diejenigen Carlisten, die sich zu dem Kriege gegen die Vereinigten Staaten verpflichten, meiner Sache dienten, wer es auch sei, der sie anführen wird. Wird jedoch, wie nach allem zu befürchten steht, die Politik der Erniedrigungen fortgesetzt, dann entreiße ich die Wafsen denjenigen, die nicht würdig sind, sie zu tragen, und nehme ihren Platz ein.“ London, 16. April. In Washington sind Gerüchte in Umlauf, daß die Großmächte eine Intervention und Flotten=Demonstration zu Gunsten Spaniens beabsichtigen. Die Union wird keine Einmischung dulden und solche Gerüchte helfen nur der ertremen Kriegspartei. Southampton, 16. April. Auf Anweisung der Regierung der Vereinigten Staaten ist heute Nachmittag der Dampfer„New York“ der„American Line“ von tier nach New=Yoik in See gegangen. Der derselben Linie gzehörige Dampfer„St. Pau!“ ist ebenfalls von der amerikanischen Regierung requirirt worden. Deutsches Der Kaiser ließ sich in Wiesbaden einen Kinematograpben durch den Berliner Wintergartendirektor Dorn vorführen und drückte seinen Beifall darüber aus. Dem Schlachtenmaler Röchling gab der Kaiser selbstgezeichnete Skizzen, die Schlacht bei Leuthen darstellend, und beauftragte Röchling, der bereits Skizzen anfertigte und an Ort und Stelle photozraphische Aufnahmen machte, mit der Ausführung der Gemälde. Das großherzoglich hessische Paar wird am Mittwoch einer Einladung des Kaisers nach Homburg entsprechen. Es scheint ausgemachte Sache zu sein, daß Prinz Heinrich von Preußen, der auf der„Gesion" bei Shanghai angekommen ist, dem kaiserlichen Hofe in Peking einen Besuch abstatten wird. Somit wird Prinz Heinrich das erste Mitglied einer europäischen Herischerfamilie sein, das dem„Sohn des Himmels“ von Angesicht iu Angesicht gegenübertritt. Daß das heute gelungen ist, schreibt die„Köln. Ztg.“, kennzeichnet den gewaltigen Fortschritt, den die Erschließung Chinas in den letzten Jahren gemacht hat, und bedeutet zugleich einen nicht boch genug zu werthenden Erfolg der deutschen Politik, der vor allem unserm rührigen Gesandten v. Heyking zu danken ist. Selbstverständlich konnte von einem Besuche des Bruders des deutschen Kaisers in Peking nur dann die Rede sein, wenn der Kaiser von China sich verpflichtete, beim Empfange die Formen der europäischen Etikette zu wahren und auch den Schein einer Demüthigung von dem preußischen Prinzen fernzuhalten. Der„Reichsanz.“ veröffentlicht das am 10. d. M. in Homburg v. d. Höhe vom Kaiser vollzogene Flottengesetz. Aus Straßburg i. E. schreibt man der„Voss. Ztg.“ Schon seit einiger Zeit ist hier in unterrichteten Kreisen das Gerücht von dem bevorstehenden Rücktritt des Staatssekretärs v. Puttkamer und dessen Ersetzung durch den Bezirkepräsidenten von Lothringen Frhrn. v. Hammerstein verbreitet. Dem Vernehmen nach wird die Angelegenheit bei der bevorstehenden Anwesenheit des Kaisers auf Schloß Urville zur Erledigung kommen. Fihr. v. Hammerstein ist seit ungefähr 18 Jahren Bezirkepräsitent. Er ist Mitglied des Landwirthschafterathes in Berlin und hat sich die landwirthschaftlichen Interessen in Lothringen ganz besonders angelegen sein lassen. Ausland Oesterreich=Ungarn. Pola, 16. April. Das von Kreta zurückberufene österreichisch=ungarische Geschwader ist mit dem Infanterie=Bataillon an Bord hier eingelaufen und wurde vom Kriegsminister, dem Korpskommandanten, dem Kontre=Admiral Heicke und zahlreichen Zuschauern empfangen. Der Kriegsminister hielt eine Ansprache an das Offizierkorps, um ihm im allerhöchsten Auftrage die Zufriedenheit des Kaisers mit der Disziplin und der Haltung des Bataillons während seines Aufenthalts auf Kreta kundzugeben. Kreta. Kanca, 16. April. Die Admirale haben zum Zweck der Pazifikation die Insel in vier Bezirke eingetheilt, der Westen wird den Italienern anvertraut, Sitia und Hierapetra den Franzosen, Kandia den Engländern und Rethymo den Russen. Kanea und die Suda=Bucht erhalten internationale Besatzungen. Die Admirale ersuchten darum, daß die türkischen Garnisonen in den neu besetzten Plätzen um die Hälfte verringert würden. Türkei. Konstantinopel 16. Apil. Der eiste Dragoman der deutschen Botschaft, Testa, erhielt den rothen Adlerolden 2. Klasse mit Eichenlaub und ein anerkennendes Schreiben für seine Thätigkeit in Athen. Testa reist am Montag in Betreff der griechischen Anleihe nach Paris. China. Shanghai, 16. April. Die„Gefion“ ginz heute Morgen 9 Uhr 30 Min. auf der Höhe der GützlaffInsel vor Anker. Es herrscht staiker Regen. — 17. April. Der deutsche Kreuzer„Gefion“ verließ heute früh die Gutzlaff=Insel. Das Dampfboot „Viktoria“ mit dem deutschen Generalkonsul Dr. Stuebel an Bord stieß zur„Gesion" bei Wusung. Prinz Heinrich landete inoffiziell um 11½ Uhr Vormittags. Die Kauffahrteischiffe und Dachten im Hafen trugen Flaggenschmuck. Am Nachmittag begab sich Prinz Heinrich nach der Pagode von Lungioha, etwa 5 Meilen von Shanzhai und begrüßte dort die deutsche Kolonie, die ein großes Picknick veranstaltet hatte. Das Wetter, das am Morgen schön gewesen war, wurde Nachmittags leider trübe und regnerisch. Aheinland und Westsalen. Barmen, 16. April. Die Theatersaison ist geschlossen, und die Operngrößen unserer Bühne empfehlen sich in einer Serie von Abschiedskonzerten. Den Anfang machte, laut„Barm. Ztg., der Liederabend der Damen Sorgas und Bergmann und des Herrn Plücker im Vereinehause. Mit dem Besuch konnten die Konzertgeber ebenso zufrieden sein wie der Besuch mit dem Korzut. In dem Liederprogramm waren treffliche Kompositionen vertreten, und der Erfolg, den Sänger und Sängerinnen ernteten, war derart, daß sie das Programm durch etliche Zugaben noch eiweitern mußten. Es sind drei ausgesprochene Talente, die mit den Damen Sorgas und Beramann sowie Herrn Plücker diesmal von unserer Bühne scheiden, alle drei noch nicht auf der Höhe ihrer Entwicklung, aber auch alle drei mit schönen Mitteln begabt und für die Zukunft das Beste verheißend. Man wird mit Jateresse ihre weitere künstlerische Laufbahn verfolgen, auf der Kritik und Publikum in voller Einmüthigkeit ihre besten Wünsche ihnen mitgeben. Mülheim a. Rh., 15. April. Der Stadtverordnete Architekt Josef Krahe hat hier auf gräßliche Weise seinen Tod gefunden. Der Verunglückte stand auf einer Leiter an einem Neubau, als ein schwerer Balken heraufgezogen wurde. Gleichzeitig fuhr ein Leichenwagen vorbei, der gegen den Balken anstieß, worauf dieser mit solcher Wucht gegen den Kopf des Architekten geschleudert wurde, daß dessen Tod sofort eintrat. Koblenz, 15. April. Ein Unfall, der glücklicher Weise ohne Verletzung von Menschen verlief, ereignete sich auf dem hiesigen Rheinbahnhof. Dem Schnellzug Frankfurt=Köln wurde eine Vorspannmaschine vorgelegt. Als die Maschine anziehen wollte, platzte mit furchtbarem Kuall ein Dampfcylinder; der schwere eiserne Deckel flog scharf an einem in der Nähe stehenden Weichenwärter vorbei. Kreuzuach, 16. April. In Waldböckelheim wurde der 70jährige Ackerer Wickert von einem Radler überfahren und durch den Fall so schwer verletzt, daß er starb. Den Radfahrer, einen jungen Lehrer, scheint keine Schuld zu treffen, da er rechtzeitig und anhaltend geklingelt hatte. Er war in einen Rechen hineingefahren, den W. mit sich führte, und kam selbst ernstlich zu Schaden. Trier, 17. April. Ein 22jähriges, aus Güstrow zugereistes Mädchen erschoß sich in einem hiesigen Hotel. Mainz, 15. April. Im hiesigen Zentralbahnhofe wurde heute Abend der Heizer Hardt, als er vor dem Tunnel die Geleise überschritt, von dem einlaufenden Frankfurt=Kölner=Schnellzuge überfahren und getödtet. In ähnlicher Weise und unweit der heutigen Unglücksstelle fand erst vor kurzer Zeit der Maschinist Dalle aus Kastel seinen Tod. Düsseldorf, 16. April. Der Unterstaatssekretär im Reichspostamt, Fritsch, besuchte vorgestern und gestern die hiesige Oberpostdirektion, sowie die Postämter 1(Haroldstraße) und 6(Hauptbahnhof). Der Besuch soll hauptsächlich dem Posthausneubau am Hauptbahnhof gegolten haben. Cleve, 17. April. Die Wahl des Kreisschulinspektors Dr. phil. Pick in Aachen zum Direktor der hiesigen Landwirthschaftsschule ist bestätigt worden. Stadt= und Landkreis Solingen. Solingen, 18. April 1898. — Die für nächsten Mittwoch anberaumte Stadtverordneten=Versammlung wird sich u. a. auch mit der „Regulirung der hiesigen Staatseisenbahn=Anlagen“ beschäftigen. — Der Königl. Kreisbauinspektor, Herr Baurath Thielen zu Elberfeld, ist vom 1. d. Mts. ab mit der Verwaltung der Stelle des hochbautechnischen Raths bei der Königl. Regierung in Arnsberg betraut worden. Die Verwaltung der Königl. Kreisbauinspektion zu Elberfeld ist von dem gleichen Zeitpunkte ab vorläufig kommissarisch dem Königl. Kreiebauinspektor Herrn Misling übertragen worden. — Die elektrische Straßenbahn beförderte gestern 10500 Personen, während in der vergangenen Woche 45000 Fahrgäste die Bahn benutzten. Auch auf der Strecke Grünewald=Höhscheid und zurück herrschte ein sehr lebhafter Verkehr. *.— Der„Solinger Sängerbund“ gab gestern Abend im großen Saale der Schützenburg vor vollem Hause ein Konzert, das im Allgemeinen einen schönen Verlauf nahm. An der Spitze des Prozramms stand die Beethoven'sche Leonoren=Ouverture(No. 3), die sehr gut vorgetragen wurde und eine weihevolle Stimmung erweckte. Der Dirigent, Herr Musikdirektor Fritz Binder, gab sich aber auch alle Mühe, ein streng harmonisch durchgebildetes Werk zu bieten und wenn zeitweise die Blasinstrumente nicht richtiz einzusetzen schienen, so mag daran wohl mehr die ungünstige Stellung des Zuhörers, als der Mangel an Aufmerksamkeit seitens der Mitspielenden die Schuld tragen. Herr Binder, auf dessen treffliche Vorträge als Solist wir nachher noch zu sprechen kommen werden, zeigte sich gestern nicht nur als Meister seiner Kapelle, sondern auch als feiner Beherrscher der aufgeführten Stücke. Insbesondere äußerte sich auch seine Gewandtheit bei der Direktion der Männer= chöre, deren Leistungen in Hinsicht auf Präzision der Einsätze, auf Korrektheit und Sicherheit nichts zu wünschen übrig ließen. Weniger Anerkennung dagegen müssen wir der Begleitung des Orchesters zollen, das namentlich im 3. Theil des 2. Konzertes von SaintSaEns sich durchaus etwas mehr dem brillanten Spiel des vortragenden Künstlers anpassen mußte. Durchweg— und wir mußten das bei der Begleitung der Männerchöre wie der Klaviervorträge bemerken— trat das Orchester gegenüber den Partien des Gesangs und Klaviers zu sehr in den Vordergrund. Der„Nachtgesang im Walde“ von Schubert mit seiner melodischen Einleitung, dem rauschenden und hallenden Thema der Zauber des Waldes und dem lebendigen Schlusse der Huldigung an die nächtlichen Schönheiten des Forstes versetzte den athemlos Lauschenden in die schöne Frühlingszeit, der wir in naher Zeit entgegengehen. Die beiden Weinzierl'schen Lieder,„Fröhlicher Abschied“ und „Schelmenlied“ erweckten einen wahren Jubel bei der Zuhörerschaft, die nicht müde wurde, Beifall zu klatschen und auf deren Verlangen das letztere Liedchen wieder: holt werden mußte. Insbesondere möchten wir hier die beiden Soli„Blickt in's Aug“ und„Der Augen Leuchten“, heivorheben, welche in vollendeter Reinheit und mit schönem Ausdruck wiedergegeben wurden. Sehr großen Anklang fanden auch die beiden Volkslieder, „Blümchen am Haaz“ von Steich und„'s Herz“ von Silcher, obwohl hier die Aussprache, namentlich bei dem schwäbischen herzlichen Volkslied, natürlicher hätte sein dürfen. Die Vorträge der Kapelle des 53. InfanterieRegiments waren präzis und angemessen. Das kleine, aber reizende„Pizzicato“ von Delibes, die„Serenata“ von Moszkowski, die Balletmusik aus Rubinsteins „Feramors“ und das Schlußstück, das Vorspiel zu „Die Meistersinger von Nürnberg“ von Wagner legten deutliches Zeugniß ab von der guten Schulung der Musiker. Gaben so der Chor und die Musikkapelle sich alle Mühe, den Abend zu einem schönen zu gestalten, so darf mit nicht weniger Recht der Solisten gedacht werden, in deren Reihe durch die plötzliche Verhinderung des Herrn Professor Grützmacher von Köln eine Lücke getreten war. Fräulein M. Rindt aus Dortmund berührte durch ihre weiche, klangvolle, jedoch leider nicht ausgiebige Stimme sympathisch, auch war die„Aussprache eine reine und vollendete. Die Leistung der Künstlerin wuchs im Laufe des Abends. Vermißten wir anfangs auch bei den Liebesliedern„Von ewiger Liebe“ von Brahms und„Liebestreu" von Hildach die nothwendige Wärme und das innige Gefühl, so trat bei dem dritten Liede„Still wie die Nacht“ von Bohm schon die Sängerin aus ihrer Ueberlegung und Berechnung heraus, es sang nicht mehr nur die ausgebildete, sondern auch die fühlende Künstlerin und die unergründliche Tiefe der Liebe athmete aus ihrem Vortrag. Wir wissen nicht, weshalb das weiche Moll gerade den Vorzug der Künstlerin findet, allein wir konnten fühlen, daß ein innerer Drang und ein seelisches Bedürfniß sie dazu bewog. So waren auch, nachdem die Sängerin den richtigen Ton gefunden, die 3 Lieder„Immer leiser wird mein Schlummer“ von Brahms,„Aus der Jugendzeit“ von Radecke und„In meiner Heimath“ von Hildach von jenem anmutbvollen, gedankenreichen und herzenswarmen Ausdruck beseelt und getragen, den diese Kompositionen und Themata erforderten, und mit Recht spendete das Publikum lebhaften Beifall. Als Künstler in der Begleitung, wie in seinen Vorträgen als Klaviervirtuose zeigte sich endlich Herr Binder. Das op. 22 g-moll von Saint=Sacns gab dem jungen Musikdirektor alle Gelegenheit, sein Können zu zeigen, und wer auf der einen Seite in den nachherigen Stücken „Träumerei“ von Schumann und 2.„Polonaise“ von Liszt die vollendete Technik, die große Fingerfertigkeit, und die geistreiche Wiedergabe der Gedanken und Empfindungen der Tonschöpfer bewunderte, der versagte andererseits auch nicht seine Anerkennung dem Komponisten der lebendigen, ansprechenden„Gavotte". Mit Befriedigung darf der Dirigent des Sängerbundes auf den Abend zurückblicken, und nicht minder auch alle diejenigen, welche zu dem hohen Genuße beitrugen. — Gestern Morgen 7 Uhr hatte die I. Abtheilung der freiwilligen Feuerwehr eine Uebung an der Schützenburg. An derselben nahmen sämmtliche Kompagnieen theil. Der Uebung lag die Idee zu Grunde, aus den oberen Räumen eines mehrstöckigen Hauses Menschen und Sachen zu retten. Nach einer kurzen Schulübung mit den Rettungsgeräthen wurde ein Sturmangriff gemacht, bei dem die Schiebeleiter, der Rettungsschlauch und die Spille in Thätigkeit gesetzt wurden. Zu gleicher Zeit wurde mit 4 Strabliöhren, welche ihr Wasser von 2 Hydranten und einer Druckspritze erhielten, gearbeitet. Der Verlauf der Uebung war ein gelungener, die Aueführung der einzelnen Bewegungen eine sichere und man konnte sehen, daß die Mitglieder mit Lust und Liebe bei der Sache waren. Gegen ½10 Uhr war die Uebung beendet, worauf die ganze Abtheilung unter klingendem Spiel zurückkehrte. — Nur mit Freuden kann man das Wiederaufleben des seiner Zeit so beliebt gewesenen Solinger Instrumental=Vereins begrüßen, das gestern im „Kaisersaal“ gegebene eiste Konzert bewies seine Lebensfähigkeit zur Genüge. Die Schuld des leider nur schwachen Besuches ist wohl dem sch önen Frühlingswetter auf's Konto zu schreiben, das Alt und Jung verlockend in's Freie trieb. Die Nummern des Programms, welches recht geschickt zusammengestellt war, wurden durchaus gefällig vorgetragen und ernteten den vollen Beifall des dankbaren Publikums. Besonderen Anklang fanden der„Hochzeitémarsch“ aus dem Sommernachtstraum und das„Lied ohne Worte“, letzteres für Streichorchester, vor Allem aber der Marsch über das„Bergische Heimathlied“, komponirt vom Dirigenten Herrn Stöhter. Das Motiv der Originalmelodie beibehaltend, ist die Komposition recht gefällig zu einem Marsch umgearbeitet und macht ihrem Verfasser alle Ehre. Im 2. Theil des Prozramms erfreute Fräul. Julie Küller die Anwesenden durch einen Violinvortrag. Die junge Dilettantin spielte das 7. Rode'sche Violinkonzert und die ausdrucksvolle Wiedergabe des gewiß schwierigen Tonstücks sicherte ihr alle Anerkennung. Ein zweites Solo,„Trompeter=Polka“, war bei Herrn Herm. Krengel in guten Händen.— Kurz, der Erfolg des ganzen Konzerts ist unbestritten ein guter; wir hoffen daher, daß es Herrn Stöhter gelingt, den wiedererstandenen Verein einst auf die Höhe zu bringen, die der Verein unter seinem leider allzu früh verstorbenen Vorgänger Herrn Knappe erreicht hatte. — In der St. Seb. Schützenhalle hielt gestern Abend Herr Dr. med. Prager=Elberfeld auf Veranlassung des Naturheil=Vereins Solingen, einen längeren Vortrag über das Thema Die„Naturheilkunde im Vergleich zur Meoizinheilkunde" vor einer sehr zahlreichen Zuhörerschaft. In seiner Einleitung bemeikte Redner, daß das 19. Jahrhundert das Jahrhundert der Reformen sei. Dieselben beschränkten sich nicht auf die Gebiete der Industrie und des Handels. Zum Wohle der Menschheit sei es gelungen, auch die Heilmethode zu reformiren. Die Naturheilkunde sei es, welche einzig und allein auf die dem Menschen angeborene Naturheilkraft baue. Leider werde von den allopathischen Aerzten die Sache nicht so unterstützt, wie sie es verdiene. Es liege ihm fern, einen Zwist herbeizuführen, er wolle nur seine Prinzipien verfechten, weil er wünsche, daß das Volk sich mit der Naturheilmethode immer mehr befreunde. Der Vortragende schildert die Heilmittel seiner Methode und die der Allopathie. Daß die letzteren zum Theil aus Giften beständen, bewiesen Tausende von chronisch Kranken, die ihr Siechthum jenen verdanken. Dagegen lehre die Natutheilmethode, daß Gesundheitspflege und Heilkunde sich gleichen müssen. Nur dann gelange man zum Ziele, wenn man dem Körper diejenigen Stoffe zuführe, die naturgemäß erforderlich sind. Redner kommt zunächst auf die Blutarmuth, bezw. die Bleichsucht zu sprechen und betont, daß frische Luft, Bewegung und naturgemäße Ernährung durch frische Gemüse, besonders Spinat, die besten Mittel gegen diese Krankheit seien und verwirft Eisen= Präparate, Salzsäure und ähnliche Medikamente, durch welche der Körper nur geschwächt würde. Der Vortragende berührt sodann die englische Gliederkrankheit sowie die skrephulösen Erkrankungen. Nur durch Zufuhr von frischer Milch, frischer Luft und durch kalte Abwaschungen, bezw. Abreibungen seien die skrophulösen Kinder zu kuriren, wogegen er den viel verordneten Leberthran, der den Magen ruinire, verwirft. Bei der Diphtheritis würde z. B. von den allopathischen Aerzten sehr häufig chlorsaures Kali verschrieben. Herr Dr. Orthmann=Ohligs sei ihm zwar kürzlich bei seinem Vortrage in Ohligs entgegengetreten und habe behauptet, dies sei nicht der Fall. Er bleibe aber dabei, zumal nach den letzten Veröffentlichungen des Elberfelder Krankenhauses bei den meisten Diphtheritis=Kranken chloisaures Kali verordnet worden sei. Des Weiteren spricht Redner über Lungenkrankheiten, Fieber= und Seuche=Erscheinungen, Blinddarmentzündung 2c. und betont, daß der Aufruf zur Errichtung einer Lungenheilstätte würdig sei von sämmtlichen Anhängern der Naturheilkunde unterschrieben zu werden. Bei allen Krankheiten stehe die Naturheilmethode, die bessere Resultate aufweise, als die der Medizin, auf dem Standpunkte, den Krankheitsstoff herauszubefördern, nichts sei besser als eine naturgemäße Behandlung. Die größten Triumphe feiere die Naturheilkunde bei allen akuten Krankheiten, in vielen Fällen helfe sie noch solchen Kranken, welche homsopathisch und allopathisch dirckt aufgegeben waren. Bei Fiebererscheinungen seien einfache Bäder und Einpackungen das Beste. Nachdem Redner noch auf die schädlichen Einflüsse beim Gebrauch von Quecksilber, Jod=Kali, Bromkali und Morphium hingewiesen, geht er auf die Chirurgie über. Die Naturheilkunde verhüte so viel wie möglich die Operationen, auch hier seien die besten Kurmittel Luft, Wasser, Diät und Bewegung. Von den Wasser= Kurformen wurden die verschiedensten Bäder, Abreibungen, Umschläge, Packunzen, Deuchen und die Klystiere erwähnt. Besonders auf dem Gebiete der Frauenheilkunde gelänge es durch Umschläge, Massage 2c. ohne jeden operativen Eingriff zu heilen. An Spezialärzten, denen sich noch neuerdings ein„Spezialarzt für Wurmkrankheiten" zugesellt habe, sei zwar kein Mangel, wer sich von diesen aber behandeln lasse, müsse dies sowohl als auch die Arzneiz bezahlen, wegegen die Kosten der Naturheif gering seien. Nachdem der Vortrazende noch. die Zwecke und Ziele der Anhänger der Naturbei die ihr besonderes Augenmerk auf das Verhüten der heiten lege, erläutert, bittet er die Anwesenden dema Verein=Solingen beizutreten. Es folgte dann noch Besprechung zwischen einigen Herren aus der g“ Versammlung und dem Vortrazenden. Nachdem dr Letztere noch die eingegangenen Fragen: M.; Sonnenbäder?“ und„In welcher Weise sin0 Genuß von Alkohol und Tabak Einhalt gethan werden;: beantwortet hatte, wurde die Versammlung sitzenden des hiesizen Naturheil=Vereins geschlossen. Zu Ehren des gestern und am Samstag bitagenden Ausschusses des 8. deutschen T kreises(Rheinland, Westfalen und Lippe) veranstaltete vorgestern Abend im weißen Saale des Zentralhotele der Solinger Turnerbund einen wohlgelun zahlreich besuchten Kommers. Nachdem der Vorsitzende des Turnerbundes, Herr Spitzer, den Kreisausschuß herzlich begrüßt hatte, entbot Namens der Stadtverwaltung der Herr 1. Beigeordnete Kühne den Vertretern Turnkreises bergischen Gruß, hieß sie in längerer Rede bestens willkommen und schloß, geschickt die landschaftliche, gewerbliche und kommerzielle Stellung Solinzens zur edlen Turnsache und zum deutschen Vaterlande schildeind, mit einem bezeistert aufgenommenen Hoch auf den deutschen Kaiser. Der Vorsitzende des Kreisaus, schusses, Herr Rentner Schlör=M.=Gladbach, stellte hierauf zunächst die Mitglieder des Ausschusses vor dankte für die warmen Begrüßungsworte und brachte. anschließend an goldene Worte Jahns, Arndts und Gegrgis, die Turnsache in menschlicher und vaterländischer Begeyung feiernd, ein Gut Heil auf Solingen und seine Bürgerschaft aus. Herr Turnlehrer Schröder= Baimen wendet sich insbesondere gegen die wilde Turnerei und Preisjägerei und wünscht, ein Hoch auf den Turnerbund auebringend, dem Bunde stetes Blüben, Wachsen und Gedeihen. Namens der Männerriege sprach in humoristisch angehauchter Rede Herr Louis Sabin und toastete auf die Vorturner, Herrn Spitzer und Herrn Hahmann, worauf Herr Spitzer für die anerkennenden Worte seinen Dank ausspricht und die Verdienste des Kreisturnwarts, Herrn Schröder=Barmen, rühmt. Nachdem noch der eifrigen Beinühungen des 1. Gauturnwarts des niederbergischen Turngaues, des Ehrenmitgliedes des Turnerbundes, Herrn G. Birkendahl, gedacht worden, schloß in früher Stunde die fröhliche Feier, welche durch allgemeinen Gesang und musikalische Vorträge verschönert wurde. Ganz besondere Verdienste um den schönen Verlauf des Abends erwarb sich noch der„Ossian“, welcher mehrere Lieder in bekannt gediegener Weise zum Vortrag brachte, sowie eine Anzahl von Turnern, die eine Reihe plastischer Marmorgruppen nach antiken Vorbildern in hübscher Gruppirung darstellte. — Am Sametag und Sonntag fand in der„Erholung“ eine Sitzung des Kreisausschusses des 8. deutschen Turnkreises(Rheinland=Westfalen=Lippe) statt. Aus den Verhandlungen ist hervorzuheben, daß der Kreisturntag in diesem Jahre in Krefeld stattfinden soll. Nähere Mittheilungen über die zum Besuch des deutschen Turnfestes in Hamburg zugestandenen Fahrt=Vergünstigungen machte der Kreisvertreter Herr Schloer=M.= Gladbach. Für den 8. Kreis sollen anläßlich des großen Turnfestes, welches in den Tagen vom 23.—27. Juli stattfindet, 2 Sonderzüge beantragt werden, wovon der eine ab Düsseldorf über Oberhausen, Altenessen, Münster nach Hamburg, der andere ab Elberfeld über Hagen, Hamm, Münster nach Hamburg fährt. Mit der Beschaffung geeigneter Standquartiere für das deutsche Turnfest wurde das Kreisausschußmitglied Herr MeyerHagen beauftragt.— Gestern Nachmittag machten die Kreisausschußmitglieder einen Abstecher nach der Riesenbrücke bezw. Müngsten. — An dem Bezirkstage des Gabelsberger Stenographen=Vereins in Lennep, der gestern stattfand, betheiligte sich auch der hiesige Gabelsberger Stenegraphen=Verein. Bei dem Wettschreiben in der 2. theilung(120 Silben) erhielt der Bureaugehülfe Herr Eduard Mecklenbeck, Mitglied des hiesigen Vereins, den 2. Preis. — Gestern Nachmittag nahmen 2 Radler, die vom Felsenkeller nach Müngsten fuhren, im schärfsten Tempo die Kurve an der steinernen Brücke zu Müngsten. Beide kamen zu Fall, ohne sich zu verletzen, dagegen wurde ein kleiner Knabe von einem der unbesonnenen Fahrer angerannt, infolge dessen der Kleine über beftige Kreuzschmerzen klagte. Der Feststellung ihrer Persönlichkeit hatten sich die Fahrer bei Zeiten zu entziehen gewußt. Es zeugt von großer Rücksichtslosigkeit, wenn Radfahrer durch viel besuchte Ausflugsorte dahinsausen, unbekümmert darum, was daraus für Folgen entstehen. — Ueber die Revision der Müngstener Eisenbahnbrücke schreibt die„Remsch. Ztg.“: Dem zizantischen Brückenbau wird seitens der Betriebsleitung steitz scharfe Aufmerksamkeit gewidmet; die Anschluß=Nieten der Schienenträger an die Querträger werden alle geprüft; eine allgemeine Revision findet alle fünf Jahre statt. In diesem Zeitraum wird auch der Anstrich der Brücke erneuert werden müssen, und welche gewaltize Fläche dabei in Betracht kommt, geht aus der Thatsache hervor, daß sich die Kosten dieses Anstriches auf 25000 Mark stellen. Rechnet man hierzu noch die Auszaben für die Revisionen, so ergeben sich die durch schnittlichen Unterhaltungskosten, abgesehen von außelgewöhnlichen Reparaturkosten der Brücke, mit jährlich etwa 6000 Mark. — Gestern mußte ein Familienvater von hier in Haft genommen werden, der seine Frau mit einer Kaffeekanne mißhandelt hat. Nach seiner Vernehmung wurde der Mann wieder entlassen. Festgenommen wurde sernet ein Bettler, der in der Ufergartenstraße eine Frau bedrohtt. Der Butsche wurde heute dem Amtsgericht vorzeführt. — Am Samstag bezw. heute wurden 2 Maurer aus Wald aus dem hiesigen Gerichtsgefängniß Elberfeld abgeführt, die beschuldigt sind, Anfanzs Aptil in Wald einen Mann überfallen, demselben die Uhr, das Portemonnaie, den Schirm 2c. abzenommen und den Erlös in Alkohol umgesetzt zu haben. Nachdem die beiden Straßenräuber ihre Heldenthat vollinh“ waren sie übrigens selbst mit einander handzemem?“ wolden, derart, daß ihre Wunden noch nicht geheilt sind. — Die neueste Nr. des Reg.=Amtsbl. enthielt besondere Beilage den Entwurf des Statuts einer stein Innung, einer Zwangsinnung, eines Beschlusses der Innungsversammlung, betr. Vorschriften zur Rezeuts des Lehilingswesens. — Von einem Mitgliede des„Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands“ wurde bei dem Rechtsralt desselben in Leipzig die Frage aufgeworfen, ob ein Kuut mann, welcher Waaren von dritten gegen Lohn berstut“ läßt und diesen das hierzu erforderliche Rohmattn liefert, sich als Fabrikant bezeichnen darf. Der Reh“ rath des Verbandes theilte auf eine bezügl. Auftäße bin; wenn eine Person Artikel in der geschilderten Walse““ stellen lasse, dürfe siesich nach seinem Dafürhalten aud Gett“ kant nennen, da sie selbst produzire und nicht nur Panttt“ In Wiesbaden wird in der ersten Woche Auzust der 20. Verbandstag der Haus= und geundbesitzer Deutschlands stattfinden. Eine reze Antbeilnahme steht in Aussicht. gsyscheid, 18. April. Gestern Abend waren Eilmannsschen Lokale zu Neuenhoferstraße wieder greiche Mitglider des„Höhscheider KriegerFereins" versammelt. Anlaß dazu gab der anzescdiste Vortrag des Herrn Bürgermeister Gläßner zer die Schlacht bei Mars la Tour. Der Voraunde verstand es, auf Grund der eigenen Kriegserleb„isse ein überaus interessantes Bild der bedeutsamen und usien Schlacht vom 16. Aug. 1870 zu reichnen. An Hand von eizens angefertigten Zeichnungen erläuterte uedner die Stellung der beiden Gegner vor dem Beginn campfes und schilderte aledann eingehend, wie sich er entwickelt hat. Die Schlacht im Allgemeinen verzlich der Vortragende mit dem Gewitter, das sich in em hohen Gebirge entladet. Ungleich heftiger noch der Donner aus den Tod und Verderben speienden Smerschlünden; treffe im Unwetter der zündende Strahl in Haus oder vernichte er ein Menschenleben, so fielen der tosenden Schlacht tausende dem Schnitter Tod shings zum Opfer. In jedes Mitkämpfers Erinnerung sahe der Eindruck an das grausige Gerümmel unvergeßsich fort. Aus dem wohldurchdachten zwei Stunden andauernden Vortrage nahmen einzelne Phasen des Kampfes das besondere Interesse der Zuhörerschaft in Anspruch, namentlich der kühne Todesritt der Brizade Bredow, deren Mannen, mit unverwelklichen Lorbeern gekrönt, ihr Leben einsetzten, um ihren bedrängten Kameraden in der Feuerlinie Luft zu verschaffen, dann aber auch der Nachmittags sich entspinnende verzweifelte Kampf auf dem Wege nach, in und aus der tiefen Schlucht. Hier hat sckanntlich die 38. Brigade, das 16. und das 57. Regt., sehr schwere Verluste erlitten. Die Männer, die in iener Zeit den Heldentod gestorben oder unverletzt heimzekehrt sind, haben in der That sich den Dank des Vaterlandes in hervorragender Weise erworben. Die unbedingte Unterordnung unter die Befehle des Führers, der straffe Gehorsam haben Erfolge gezeitigt, die für die fernere Entwickelung des Krieges von wesentlicher Bedeutung waren. Nicht minder sind der Furchtlosigkeit des preußischen Soldaten, der Bismarck in dem geflügelten Wort Ausdruck gab:„Wir Deutsche fürchten Gott, sonst nichts auf dieser Welt,“ wie der Vortragende zum Schluß hervorhob, die glorreichen Siege von 1870/71 zu verdanken.— Der Dank, den der Vorsitzende, Herr Lipineki im Einverständniß Aller dem Vortragenden ausdrückte, fand seine Entgegnung in einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den Landesherrn, wobei der Herr Bürgermeister die eindringliche Aufforderung an die Kameraden richtete, die Errungenschaften des Jahres 1870/71 werthzuschätzen und allzeit dafür einzutreten. it Gräfrath, 16. April. Herr Postgehülfe Meertz nach Düsseldorf und an dessen Stelle Herr Hackforth von Isselburg hierher versetzt. Von dem ich iet dag Sapz. Mitassenartiger Geschwindizkeit Eitd sihl Lus Eileise für unsere elektrische Bahn gelegt, man ist schon vom Central bis zum hiesigen Bahnhof zekommen. In nächster Woche dürfte man die Strecke zurch den Stadtbezirk in Angriff nehmen. Die„Wald. Zeg. sugt dieser Mittheilung noch hinzu: Na, vielleicht geräth es doch noch, daß in diesem Jahre gefahren wird. G##, 17. April. Gestern Vormittag stürzte zu Inllistlaße ein Klempnergeselle von einem Neubau und und trug anscheinend schwere innere Verletzungen davon; äußere Verletzungen sind keine zu verzeichnen. Hoffentlich ist keine Lebensgefahr vorhanden. Pkarrstell.Ppeit. Als Konddaten für die ditte #e an hiesizer ev. Gemeinde sind vom PresUhlekium die Herren Hülfsprediger Ferling zu Eckenhagen, Jung zu Essen und Rosenkranz zu Köln in Aussicht genommen worden. der hiesigen 4klassigen evangelischen Ortsschule werden am 1. Juni bezw. 1. Ils2Lehrerstellen frei. Das Grundgehalt beträgt 1200 Mi. die Alterszulage 150 Mk. Außerdem wird freie Dienstwohnung mit Garten bezw. MiethsentHöhe von 250 Mk. für verheirathete und 150 Mk. für unverheirathete Lehrer gewährt. Bewerber müssen ihre Meldung nebst Zeugnissen 2c. bis zum 1. Mai d. J. an Herrn Kreieschulinspektor Dr. Lipkau in Burscheid senden. Gerichts=Verhandlungen. unggeie... 16. Kprll.(Straskammer.) Ein Handeärhut 390 ae langen suchte für seine Geschäfts. grunrung 500 wek. Darlehen. Sein guter Freund W. ein Metzger in Barmen, wies ihn an einen andern Metger in Barmen, der„Kapitalist" sei. Dieser Metzger that denn auch sehr großspurig, als der Solinger mit seinem Freunde zu ihm kam, erzählte von seinew Landgut bei Koln, von seinem Konto bei Schwarzschild, Fischer u. Co. und von 17000 Mk, die er in einem Geschäft als Antheil stecken habe. Er gab dem Solinger einen Wechsel über 300 Mk. auf das vorgenannte Bankhaus und ließ sich„zur Sicherheit" von dem Handlungsgehilfen ein Acept über dieselbe Summe geben, das jedoch nicht ausgegeben werden durfte. Der Metzger setzte aber dieses Accept doch in Umlauf, und der Handlungsgehilfe mußte es auf die Klage eines Dritten hin wohl oder übel bezahlen, während der Wechsel auf die Bank nicht bezahlt wurde, weil die Bankherren den Aussteller gar nicht kannten! Das alles sah aus wie ein wohlüberlegter Betrug, deshalb hatte sich der Metzger gestern vor der Strafkammer zu verantworten, desgleichen seine Frau, die ihm renom miren geholfen haben sollte. Die mündliche Verhandlung trug aber doch manche Bedenken in die Sache. Fraglich erschien zunächst die betrügerische Absicht, auch hat der Geschädigte noch gar nicht versucht, ob er nicht das Geld von dem Metzger bekommen kann. Dieser soll nämlich nicht so gänzlich unbemittelt sein, wie die Anklage voraussetzte. Unter diesen Umständen erfolgte Freisprechung. Vermischte Nachrichten. Lübeck, 14. April. Der hier sehr bekannte schwedische Schooner„Skjold“, Kapitän E. D. Ruthström, ist von einem schweren Seeunglück betoffen, webei leider der Kapitän, sowie der Steuermann und ein Jungmann ihren Tod fanden. Das Schiff ist in der vorigen Woche unweit Kappelshamn während eines schweren Sturmes mitten in der Nacht gestrandet und total wrack geworden. Die oben erwähnten drei Personen sind durch Sturzseen über Bord gespült, leider lag keine Möglichkeit vor, die Leute in der Finsterniß und bei der hochgehenden See zu ketten. Würzburg, 14. April. In Mellrichstadt hat sich der Notar Ebert erschossen. Ebert war ein tüchtiger Jurist, befand sich aber schon seit langem in mißlichen Vermözensverhältnissen, wodurch auch sein Familienleben gestört worden war.(Frankf. Ztg.) Paris, 15. Aptil. Wie aus Marseille berichtet wird, erplodirten in der verflossenen Nacht vor dem Eingang eines Hauses auf dem Beulevard Batala 2 Bomben und richteten erbeblichen Sachschaden an. Man vermuthet, daß es sich um ein anarchistisches Attentat handelt.— Ein furchtbares Familien= drama spielte sich gestern in der Rue Boursault der Vorstadt Batianolles ab. Die Frau eines Maurers tödtete sich mit ihren beiden Kindern, indem sie in ihrem Schlafzimmer ein Kehlenbecken anzündete. Die unglückliche Frau sell schon seit geraumer Zeit geisteskrank gewesen sein. Paris, 15. Aptil. Der Pariser Polizeiinspektor Royer erhielt den Auftrag, den ehemaligen Koch Besnard aus seiner Wohnung nach der Irrenanstalt zu befördern. Rover ließ seine zwei Begleiter im Vorzimmer und betrat das Zimmer der Gattin Besnards mit den Worten:„Denke Dir, wer gekommen ist, Dein alter Onkel aus der Normadie!“. Im ersten Augenblicke zeigte Besnard sich freundlich und kleidete sich an, um mit dem Gaste eine Promenade zu machen, plötzlich aber schrie er auf:„Elender Verführer, für einen alten Onkel bist Du zu hübsch!“ und bohrte dem Royer das Messer in die Brust, so daß der Tod sofort eintrat. (Die Persönlichkeit des Präsidenten Mac Kinley) wird wie folgt beschrieben: Seine Erscheinung ist würde= und eindrucksvoll. Er ähnelt dem ersten Napoleon so sehr, daß seine Bekannten in Ohio ihm den Namen„der kleine Korporal“ gaben. Seine Augen sind scharf, sein Gesichtsausdruck wohlwollend und zugleich fest. Sein Kopf ist massiv und gescheit. Seine Gestalt nähert sich der Beleibtheit. Er trägt sich aufrecht und kleidet sich höchst einfach. Er ist zugleich ein „Gentleman“ und ein rastloser Arbeiter. Er besitzt wunderbaren Takt. Sein tiefer Gerechtigkeitssinn verdietet ihm, schnelle Entschlüsse zu fassen. Sorgfältig wägt er alle Seiten einer Frage ab. Wenn er seine Entscheidung aber gefaßt hat, deharrt er fest bei dem, was er für recht und gut defunden hat. Präsident Mac Kinley ist ein Mann von den einfachsten Lebensgewohnheiten. Die Verhältnisse haben ihn auf die Höhen des Lebens getragen, aber die Einfachheit seiner Sitten hat sich nicht geändert.“— Dazu schreibt die„T. R.“: Bei der Schilderung scheint das Auge der Liede seine Beobachtungen geliefert zu haben. Neneste Nachrichten und Berlin, 17. Aptil. Nach einer Amsterdamer Meldung soll die Verlobung der Königin Wilhelmine mit dem Prinzen Bernbard von Weimar am Kiönungstage der Königin bekannt gegeben werden. Paris, 17. April. Der„Temps“ meldet aus Madrid: Die Abstimmung des Senats in Washing= ton hat hier einen schlechten Eindruck gemacht. Man ist mehr als je überzeugt, diß man sich einem Bruche nähere und daß die Resolutionen der amerikanischen Kammern, einmal durch den Präsidenten genehmigt, es beinahe der spinischen Rezierung unmözlich machen werden, den Krieg zu vermeiden und somit die guten Dienste des Papstes und der Mächte fruchtlos machen werden. Montreur, 17. April. Die Kaiserin von Oesterreich ist heute nach Kissingen abgereist. Konstantinopel, 18. Aptil. Aus Kanea wird gemeldet: Gestern Mittag kam es bei Privolo zwischen Soldaten des russischen Detachements und Muhamedanern, welche wegen Viehdiebstahls verfolgt wurden, zu einem heftigen Gefecht, bei dem beiderseits viele Schüsse abgegeben wurden. Getödtet wurde Niemand. Gustav Adolf= und MissionsFrauen=Verein. Dienstag Nachm. 4½ Uhr: Verrammlung. Kullerstraße bei Morsbach. Dienstag Abend 8½2 Uhr: Bibelstunde. Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntn iß, daß der bisherige Präses der rheinischen Provinzial=Synode, Superintendent Umbeck aus Kreuznach, das ihm Allerhöchst verliehene Amt des Generalsuperintendenten der Rheinprovinz am 1. April d. Is. angetreten hat. Düsseldorf den 8. April 1898. Der Regierungs=Präsident. Frhr. v. Rheinbaben. Eingesandt. Solingen, 18. April. Wenn sich das Gerücht bestätizt, daß die Straßenbahn nach Schaberg durchgeführt werden soll, dann möchte es sich dringend empfehlen, daß dieselbe hinter dem Kichhof hergefuhrt würde, dann würde die Bahn direkt an der großen Brücke münden, die Seildraht=Bahn würde dadurch etwas verlängert und während der Fahrt bis zur Brücke wäre ein hüdscher Blick geboten. N. N. Für den hausputz: Luhn's Wasch=Extrakt. Steckbrief. Gegen den unten beschriebenen Prokuristen Karl Rautenbach, geboren am 23. Mai 1848 zu Dabringhausen, verbeirathet, Dissident, und wohnhaft in Selingen, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft wegen Urkundenfälschung verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Königliche ArresthausGefängniß zu Elberfeld abzuliefern. Elberfeld, den 14. April 1898. Der Untersuchungsrichter II bei dem Königlichen Landgerichte. Beschreibung. Alter: 49 Jahre. Größe: 1,70 m, Statur: schlank(gesetzt), haare: blond, Stirn: frei, Bart: brauner Schnurr= und Vollbart, Augenbrauen; blond, Augen: braun, Nase und Mund: gewöhnlich, Zähne: gut, Kinn: rund, Gesicht: oval, Gesichtsfarbe: gesund, Sprache: deutsch. Besondere Kennzeichen: angehende G'itze. Bei der heute stattgefundenen Wahl eines Stadtverordneten in der 2. Abtheilung des 3. Wahlbezirks haben Stimmen erhalten: 1. Der Bauunternehmer Friedrich Rau jr. zu Obenpilghausen, 31 Stimmen. 2. Der Messerausmacher Robert Dinger hier Josefstr., 16 Stimmen. 3. Der Bauunternehmer Friedrich Rau sen. hier, Oberstr., 1 Stimme. Hiernach ist der Bauunternehmer Friediich Rau jr. zu Obenpilghausen sum Stadtverordneten auf die Amtsdauer 1898 bis Ende 1903 gewählt worden. Nach§ 26 der Städteordnung kann von jedem stimmfähigen Bürger innerdalb zwei Wochen nach dieser Bekanntmachung gegen das stattgehabte WahlSirgremn d dem unterzeichneten #eister Beschwerde und Einwach erhoben werden. Höhscheid, den 15. April 1898. — Der Bürgermeister: Gläßner. Die Feldjagd der Gemeinde Stockem vorzüglichem Bestand an Hasen ine Feldhuhnern, ca. 178 Hektar groß, id am 27. April, Nachmittags 2½ hr, in der Gastwirthschaft von P. I. renbach zu Uckendorf bei Wahn auf 6 Jahre verpachtet. siaserus des Jagdbezirks von den Wahn und Troisdorf Falls Spich, wie in Aussicht eizgmnen, Haltestelle der Eisenbahn in 10 mt die Jagd von da bequem Minuten zu erreichen. bei Wahn(Rheinland). Bürgermeister von Niedercassel: Clostermann. Ein Rädgen auf halbe Tage gesucht. Näheres in der Expedition. Oeffentliche der Stadtverordneten=Versammlung zu Solingen am Mittwoch, den 20. ds. Mts., Nachmittags 5 Uhr im Sitzungssaal der Stadtverordneten=Versammlung. Tages=Ordnung: 1) Geschäftliche Mittheilungen. 2) Regulirung der Staatseisenbahnanlagen in Solingen. 3) Regulirung der Klosterwallstraße. 4) Errichtung eines Anbaues an die Schule zu Dorperhof. 5) Bewilligung eines Credits zur Drucklegung der Lokalpolizei=Verordnungen. 6) Gesuch des Schützenhöher Turnvereins um Stiftung eines Ehrenpreises. 7) Antrag des Königlichen Gewerbegerichts auf Erhöhung der Miethe für die Geschäftsräume. Hierauf folgt: Nichtöffentliche Sitzung. Solingen, den 16. April 1898. Der Oberbürgermeister: Dicke. ertesrtensmreeruft Statt jeder besonderen 89 46r4lge S## urch die glückliche Geburt eines prächtigen Mädchens wurden hocherfreut Fritz Hoppe und Frau, Helene geb. Heuser. Mangenberg, 15. April 1898. oenenerententeiente * ci in prächtiger Junge angekommen. 1 S□ Paul Schwolz und Frau, Juliane geb. Heßmer. I Solingen, den 17. April 1898. 7 Uererlerzüzte nerrerendrr# Geburts=Anzeige. 8#ie glückliche Geburt eines 1) prächtigen Töchterchens beehren sich ergebenst anzuzeigen Ernst Breit und Frau, Emma, geb. Schleicher. Köln, den 17. April 1898. Königl. Standesamt Solingen. 16. April. Sterbefälle. Johanne Helene Schmidt geb. Rößling, 66 J, verw., Emilienstr. Tagelöhner Peter Kürten, 67 J., verh., Eichholz. Paul Ernst Bick, 4 M., Grünewalderstr. Heirathen. Messerreider Eduard Bergfeld, hiers., und Anna Maag, Wald. Techniker Diedrich van Laak, Hiesfeld, und Lydia Fechler, hierselbst. Aufgebote. Klempnermeister Paul Feeth und Wilhelmine Franz, b. h. Komptorist Fr. Wilh. Röhr, bierselbst, und Frieda Lüders, Hamburg Schleifer Fr. Wilh. Loose und Ida Petrick, b. h. Bäcker Heinr. Schmahl und Maria Steinkönger, b. h. Schlosser Heinrich Kaiser und Margaretha Goldmann, b. h. Fabrikarbeiter Carl Haas und Eugenie Müller, b. h. Fabrikarbtr. Paulus Wanken und Elisabeth Fuchs, b. h. Schleifer Friedr. Meis, hiers., und Adele Rauhaus, Höhscheid. Kaufmann Wilhelm Kotthaus, Düsseldorf, und Emma Fondermann, hierselbst. Ich suche einen Knaben für meine Schreibstube. Rechtsanwalt Dr. Noest. Euchl.junger≈ für dauernde Stellung gesucht. Wo, sagt die Erpedition. Königl. Standesamt Gräfrath. 1.—15. April. Geburten: Paulus, S. v. Stiefeleisenschmied Friedrich Wilhelm Mehler, Ketzberg. Friedrich Wilhelm, S. v. Mezger Friedrich Wilhelm Ritterskamp, Bergeibruhl. Bertha, T. v. Kutscher Anton Kinzel, O.=Flachsberg. Dorothea, T. v. Kaufmann Gidbert Karl Louis Schaub, Gräfrath. Anna Margarethe, T. v. Lagerist Ernst Mertens, ObenFlachsberg. Ernst Willv, S. v. Schwertfabrikarbeiter Johann Wilhelm Lüchhausen, 2. Stockdum. Karl Fritz, S. v. Gabelschleifer Karl Rauhaus, Neuenkulle. Emil, S. v. Gabelfeiler Emil Schrick, Gräfrath. Aloys, S. v. Fabrikarbeiter Kaspar Schönberger, Laiken. Wilhelm, S. v. Gasfabrikarbeiter Ernst Krämer, Tummelhaus. Pauline Erna, T. v. Färbereiarbeiter Otto Jung, Gräfrath. Wilhelm, S. v. Messerschleifer Anton Herwig, Central. Elisabeth Antonie, T. v. Bahnsteigschaffner Heinrich Leo, Gräfrath. Maria Elisabeth, T. v. Pfarrer Karl Friedr. Wilh. Brachmann, Rinzelshäuschen. Friedrich, S. v. Schleifer Friedr. Kirchhoff, Ehren. Heinr. Alex, S. v. Schlosser Theodor Heinr. Mauermann, 2. Stockdum. Juliane Charlette, T. v. Messerreider Emil Joest, Rauenhaus. Sterdefälle: Todigeburt der Eheleute Tischler Abraham Paul Hantusch, Central. August Flocke, 20 J. 1 Mon., led., 3. Stockdum. Ehefrau Karl Wilhelm Heidelberg, Johanna Helena, geb. Lauterjung. 76 J. 1 Mon., Foche. Restaurateur Emil Jung, 38 J. 1 Mon., verh., Schulstraße. Seidenweber Friedr. Herm. Angott, 53 J. 8 Mon., verd., Paashaus. Helene Martha Horn, 1 Mon. 21 T., Gräfrath. Heirathen: Musketier Gustav Wieler, Köln, und Zuckerfabrikarbeiterin Klara Hartkopf, Nümmen. Messerreider Johann Wilhelm Werres, Paashaus, und Martha Ohliger, Barmen. Aufgebete: Fabrikarbeiter Karl Andreas Friedrich Bosse und Fabrikarbeiterin Lidia Rüttgers, beide Edren. Messerreider Karl Müller, 1. Steckdum, und Dienstmagd Margaretha Schmitz, Solingen. Kupferschläger Emil Hammesfahr, Gräfrath, und Anna Katharine Hilberg, Cassel. Eisenbahn-Stations= Diätar Gustav Otto Naurath, Lennep, und Adele Tillmanns, Elberfeld. Friedr. August Jacobs, Eigen, und Emma Schweitzer, Ringelshäuschen. Lehrling sezerei gesucht. Näheres in der Expedition. von 16—18 Jahren Junge für leichte Beschäftigung gesucht. Carl Eickdorn. Ein ordentl. Junge für die Packstube gesucht. Friedrichstraße 52. Ein Knabe, welcher Lust hat, die Klempnerei zu erlernen, gesucht. Näheres in der Expedition. ETEUTU TieischHeun nach Prof. Dr. KEMMERICH'S Methede hergestellt unter steter Controlle der Herren Pros. 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April 1898, Mittags 12 Uhr, sollen vor dem Hause des Wirthes Schmitz zu Solingen Kullerstraße(gegen einen Dritten) öffentlich meistbietend gegen daate Zahlung versteigert werden: 1 Tisch, 1 Sophe, 1 Aquarium Solingen, Der Gerichtsvollzieher: Wupperstr. 29. Stange. Tücht. Hosenarbeiter ges. Blneleld& Aslmacher, Kirchplatz. Freiwilliger Verkauf. Auf Anstehen der Betheiligten sollen die zum Nachlaß des hierselbst verstordenen Schneidermeisters Johann König gedörigen Modilien am Zienstag, den 19. April er., Vermittags 11 Uhr in der Wednung des Erdlassers, Nordwall Nr. 7, I. Stoge, durch den Unterzeichneten öffentlich meistbietend gegen baare Zahlung versteigert werden, namentlich: 1 vollst. Bett, 1 Kleiderschrank, Kommode, Tische, Nähmaschine, Eckschrank, Ofen, Kücheneinrichtung 2c. 2c. Der Gerichtsvollzieher: Dillenberger. Solingen Klosterwall 18. 6000 Mark auf erste Hypotbek gegen mäßige Zinsen zum Ausleiden bereit. 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Tages=Ordnung: I. Prüfung der nachträglich angemeldeten Forderungen. II. Beschlußfassung über einen Antrag mehrerer Gläubiger auf Widerruf der Bestellung der am 1. Februar 1898 gewählten Mitglieder des Glaudiger- Ausschusses und auf Neuwahl anderer Mitglieder desselben. III. Beschlußfassung über einen bei dem Konkursgerichte zu stellenden Antrag auf Entlassung des bisberigen Konkursverwalters. IV. Im Falle der Entlassung des Konkursverwalters: Neuwahl eines anderen Verwalters. V. Beschlußfassung über den vom Gemeinschuldner gemachten Vorschlag eines Zwangs=Vergleichs. Solingen, den 6. April 1898. Königliches Amisgericht 4. Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über das Vermögen des Fadrikanten Oite Wester, Indader der Firme C. B8. Kodl Nacs. zu Solingen, ist zur Abnahme der Schlußrechnung des Verwalters, zur Erbebung von Einwendungen gegen das Schlußverzeichniß der bei der Vertheilung zu berücksichtigenden Forderungen und zur Beschlußfassung der Gläudiger über die nicht verwertdbaren Vermögensstücke der Schlußtermin auf den 2. Mai 1898, Vorm. 11 Uhr, vor dem Königlichen Amtsgerichte hier. elbst, Wupperstraße 60, Zimmer No. 26, bestimmt. Solingen, den 9. April 1898. Dreesmann, Gerichtsschreider des Königlichen Amtsgerichts 4. Wegen Verheirathung meines jetzigen Dienstmädchen suche daldigst ein in allen häuslichen Arbeiten erfahrenes Mädchen. Frau Ew. Schmachtenberg. Kaiserstraße 233. Ein ordentliches Mädchen, welches zu Hause schlafen kann, auf ganze Tage gesucht. Wasgraße 20. Ein treues Mädchen auf hal Tage gesucht. Goldstraße Nr. 1. in erdentl. braves Dienumädche per Anfang Mai gesucht. Kran J. Rohr, Kaiserstr. 135. Tüchtige Zienstmädchen erhalte sofort Stelle unentgeldlich. Südwall 5. 1 oder 2 Zimmer mögl. 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Handelskammer“; Moritz Böker, Direktor der berg. Stahl=Industrie=Gesellschaft“; C. Borchardt, Direktor der städt. Gas= und Wasserwerke: R. von Stag. Direktor des städt. Realgymnasiums; Schröter. Postdirektor; W. v. d. Nahmer, Direktor des Alexanderwerkes; Dr. Fublroth, San.=Rath; Jul. Krumm.(Remsch. Zeitung); Dr. Franz Ziegler(General=Anzeiger); Aug. Altena, Fabrikant; Herm. Hasenelever, Kaufmann; Ernst Koch, Fabrikant; Müller, Köln, Direktor des intern. Vereins der Gastwirthe: Vogel, Mettmann, Vorsitzender des Rhein.=Westf. Wirthe=Verbandes: Rud. Schwarz, Solingen, Fabrikant. Stadtv.; Eugen Schlösser, Kaufmann und Chef der freiw. Stadt=Feuerwehr. Ausbellungs-Komitee: Carl Kampmann, Vorsitzender; Ewald Pleiß, Kassirer; Louis Ernst, Schriftführer; Otto Schiesen, stellvertr. Vorsitzender: Platte, stellvertr. Kassirer; C. W. Kaiser. Architekt. stellvertr. Schriftführer; Rud. Braunschweig, Ernst Kaiser, Max Wiebel, Beisitzer. 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