früher unter dem Titel: Bergisches Volks=Blatt. Erscheint: Montags, Mittwochs, Freitags und SamsNr. 108. 1Po, 35 ik auf alen a. Pokanstalten 1 Mor 30 9sga. Clontag, 12. Juli 1886. Fur ze=Redachonperanw.: Alb. Peiterst in Seingen. 38. Jahrg. g.:—.— 1M. 25 Psg, aufalen X. Pokanstalten 1 M. 30 pg. Stontag, 12. Juli 1886. Dug uag Verlag von Abd. Pfeisr in Solugen 36. Jahtig. Druck und Verlag von Ald. Pfeisser in Sotingen * Rußland und der Berliner Vertrag. Mit der Aufhebung der Freihafenstellung Batums hat Rußland offen den Berliner Vertrag von 1878 gebrochen, und sein Hinweis, daß dieser Vertrag schon mehrfach, zuletzt zu Gunsten der Bulgaren durchbrochen worden sei, ist ein fadenscheiniger Entschuldigungsgrund. Verträge, so lautet die russische Logik, sind dazu da, um gebrochen zu werden, und die Staatsraison wird damit auf jenes Niveau herabgedrückt, auf dem unredliche Leute anlangen, welche ihr Gewissen damit beschwichtigen, daß ja vor und nach ihnen andere Menschen auch die Gesetze übertreten haben. Den autokratischen Staat wird um solche Moral zwar Niemand beneiden, aber das starke Rußland tröstet sich mit der Maxime, daß Gewalt vor Recht gehe. Die Perspektive der russischen Friedensliebe erscheint in bedenklicher Verkürzung und Krümmung, und zunächst ist natürlich das meistbetheiligte England wüthend. Der Minister=Präsident Gladstone erhält einen eigenthümlichen Dank vom Hause Rußland für die Unterstützung, die er dem Czarenreiche vor zehn Jahren erwies, als er die„bulgarischen Gräuel“ schilderte und das Einschreiten Rußlands gegen den Halbmond als eine Kulturthat feierte. Wenn man sich vergegenwärtigt, welche Schwierigkeiten England seinerzeit gerade wegen der Abtretung des türkischen Gebietes in Kleinasien an Rußland machte und wie es als alleräußerstes Zugeständniß die Abtretung guthieß unter der unaufgeblichen Bedingung, daß Batum Freihafen bleibe, so wird man es begreifen, daß in England, soweit es noch etwas vom Geiste Palmerston's gerettet hat, das russische Vorgehen wie eine Schmähung Englands aufgefaßt wird. Noch ist über die Stellungnahme Englands gegenüber der von Rußland verfügten Aufhebung der Freihafenstellung Batums eine offizielle Kundgebung nicht bekannt geworden, und schon rückt Rußland mit grobem Geschütz ins Feld, um dem allseitig von Sorgen bedrängten Kabinet Gladstone die Lust zu energischem Widerspruch zu nehmen. Die Petersburger Politiker haben wieder zu dem erprobten Mittel gegriffen, in Centralasien eine Mine auffliegen zu lassen. Man erinnert sich, daß kürzlich eine Notiz durch die Blätter lief, daß eine englische Kolonne unter Oberst Lockhardt nach der nordindischen Landschaft Badakschan aufgebrochen sei; eine Meldung, daß eben diese Truppenabtheilung von räuberischen Fürsten gefangen genommen sei, stellte sich als unrichtig heraus. Der eigentliche Zweck dieser Expedition wurde jedoch nicht ganz gestellt. Jetzt wird dem„Berl. Tagebl.“ aus Wien geineldet, in Petersdurg hege man ernste Besorgnisse wegen der Besetzung Badakschan's durch die Engländer; mehrfache Berathungen hierüber hätten bereits stattgefunden und der centralasiatische Forschungsreisende Oberst Prschewalski sei, um seine Ansicht zu äußern, nach Petersburg berufen.— Badakschan, das Quellgebiet des Armur Darja, liegt am Nordabhang des Hindukusch, also von Herat und Penschdeh, dem Gebiet, um welches sich die innerasiatischen Differenzen zwischen England und Rußland vor Jahresfrist drehten, weit nach Ostnordost! Die Ansprüche der Russen richten sich also immer zielbewußter auf die englischen Besitzungen in Indien. Unter diesen Umständen begreift man, daß Herr von Giers seine Familie allein nach Franzensbad reisen ließ. In Frankreich, wo man soeben wegen der Annektion der Neuen Hebriden sehr energisch gegen England auftritt, wird man sich über neue große Verlegenheiten Englands höchstens sehr freuen. Deutschland wird sehr wenig berührt; so wichtig die prinzipielle Aufrechterhaltung des Vertrages ist, so wird man sich des russischen Vorgehens halber sicher nicht mit Rußland überwerfen. In Oesterreich wird man kaum anders denken. Batum ist Hafen für die Länder des Kaukasus, liegt im Südostwinkel des Schwarzen Meeres und ist für die Engländer des Schiffsbauholzes wegen wichtig; der Verkehr mit anderen Nationen ist daselbst gering. Deutschland. Der Kaiser hat gestern früh seine Kur in Ems beendet und ist Nachmittags um 4 Uhr nach Coblenz abgereist. Kaiser Wilhelm wird am Sonntag den 18. ds. in Gastein ankommen und am 8. oder 9. August abreisen Für den Fürsten Bismarck sind Zimmer auf die ersten Tage des August bestellt. Nach einem dem„B. Tagebl.“ zugegangenen PrivatTelegramm ist endgiltig festgestellt, daß das österreichische Kaiserpaar unserem Kaiser in Gastein einen Besuch abstatten werde. Das österreichische Kaiserpaar wird am 7. August in Gastein eintreffen und dort zwei Tage verweilen. Zu der Meldung des„Czas“ von einer bevorstehenden Zusammenkunft der Kaiser von Deutschland, Oesterreich und Rußland, in deren Gefolge sich die Minister des Aeußern befinden würden, bemerkt die„Nationalzeitung“: man kann für den Fall, daß eine Zusammenkunft stattfinden sollte, annehmen, daß dieselbe auf deutschem Boden gehalten werden würde, und würde vielleicht in einem solchen Falle an Kiel oder Königsberg gedacht werden. Nach dem„Czas“ würde es sich bei dieser Zusammenkunft um die Erneuerung der Vereinbarungen von Skierniewice, deren Frist im nächsten Jahre abläuft, handeln. Auf dem Tempelhofer Felde bei Berlin hatten am Freitag früh die Garde: Landwehr=Bataillone Vorstellung vor dem Kronprinzen. Die Bataillone auf Kriegsstärke, 1000 Mann, gewährten einen imposanten Anblick. Der Kronprinz erschien, von Potsdam kommend, einen eleganten Rappen reitend, in kleiner Generalsuniform, seine Kriegsorden auf der Brust. Eine nur aus preußischen, unmittelbar betheiligten Officieren bestehende Suite empfing ihn. Der Kronprinz bot der Landwehr seinen guten Morgen, welcher weithin hallend erwidert wurde. Bei jedem Bataillon erfolgte Frontabritt, darauf Parademarsch in Zügen in dem bekannten ruhigen Tritt der Landwehr. Hierauf Marschbewegung, Ausführung einer Gefechtsidee und schließlich Parademarsch in Compagniefront. Von jedem Bataillon verabschiedete sich der Kronprinz besonders, ehe er zum folgenden hinüberritt. Die Tochter des aus Berlin ausgewiesenen Regierungsbaumeisters Keßler, Schülerin des Kunstgewerbemuseums in Berlin als Musterzeichnerin, hat, wie das„Berliner Volksblatt“ mittheilt, am 1. Juli die von der Kronprinzessin gestiftete Medaille für Kunst erhalten. Auf der Werft des„Vulcan“ in Stettin ist am Samstag der erste große Subventionsdampfer„Preußen“ in Anwesenheit der Minister von Puttkamer und von Bötticher sowie anderer hoher Würdenträger glücklich vom Stapel gelaufen. Das Hirschberger Thal ist von einer neuen Ueberschwemmung heimgesucht worden, die theilweise noch größer sein soll als die letzte. Namentlich steht das Zackengebiet unter Wasser. Die niedriger gelegenen Stadttheile Hirschbergs und die umliegenden Ortschaften sind gleichfalls überschwemmt Adgeordneter Dr. Windthorst ist in Ems zum Kurgebrauch eingetroffen. Der„Reichsanzeiger“ veröffentlicht den unterm 22. Jan v. J. zwischen dem deutschen Reiche und der Südafrikanischen Republik festgestellten Handels= und Freundschaftsvertrag. Die deutsche Handelsbilanz für 1885 ergiebt ein Minus der Ausfuhr gegenüber der Einfuhr um 64 Millionen. Es ist dies eine verhältnißmäßig kleine Unterbilanz, die schwerlich einen Verlust am Nationalvermögen bedeutet, da derselben Zinsen von im Auslande stehenden Capitalien sowie internationale Handelsgewinne gegenüber stehen, die zum Theil in Gestalt von Waaren eingehen. In den Freihandelsjahren betrug die Unterbilanz jährlich durchschittlich über eine Milliarde. Die Unterbilanz des Jahres 1885 würde noch erheblich geringer sein, ohne die durch den neuen Zolltarif veranlaßte Speculationseinfuhr, welche namentlich von der Landwirthschaft bitter empfunden wurde. Ausland. Frankreich. In Paris gehören Revolvergeschichten im Sitzungssaale der Kammer und auf der Börse schon nicht mehr zu den Seltenheiten. Die Deputirtenkammer war am vorigen Donnerstag abermals Zeuge eines solchen Vorfalls. Nach dem Schluß der Sitzung feuerte von der Tribüne aus ein Mensch einen Schuß auf den Präsidenten ab und warf zugleich einen Brief in den Sitzungssaal hinunter. Die Kugel schlug zwei Meter über dem Kopfe des Präsidenten in die Wand ein. Der Thäter, welcher sofort von den Ordnern verhaftet wurde, war im Besitz eines sechsläufigen Revolvers, von dem noch vier Läufe geladen waren; er erklärte, er habe über den Kopf des Präsidenten hinweggezielt, er sei ein unglücklicher Mensch und habe durch seine That nur die Aufmerksamkeit auf sein Elend lenken wollen. Großbritannien. Die„Times meint hinsichtuch der Batumfrage, obwohl diese Frage nicht wichtig genug sei, um einen ernsten Streit zu veranlassen, müsse doch von der Thatsache Kenntniß genommen werden, daß Rußland eine direkte Herausforderung an England gerichtet habe, welches seine Politik demgemäß gestalten müsse. Durch den Widerruf des Artikels 59 des Berliner Vertrages werde die von England auf dem Berliner Kongreß eingegangene Verpflichtung, den früheren Stand der Dinge betreffs der Dardanellen zu achten, zum todten Buchstaben Edenso wie Rußland erlange England seine Freiheit des Handeins wieder. — Bis Samstag Mitternacht waren, dem„Disch. Montagsbl.“ zufolge, 572 Wahlen bekannt; davon entfallen auf die Konservativen 290, auf die dissentirenden Liberalen 62, auf die Anhänger Gladstones 148 und auf die Parnelliten 72. Rußland. Durch einen kaiserlichen Ukas ist die Schließung des Freihafens von Batum vom 17. d. M. ab angeordnet. Die Baldruine. Novelle von H. Walthari.(7 (Forts. und Schluß.)(Nachdruck verboten.) „Dort im Grunde liegt Hammerstein und Sonnenborn. Da wohnen alte Kunden.“ Von woher mögen sie jetzt ihr Mehl beziehen?“ sagte er in Gedanken zu sich selber. Dann mußte er über seine Worte lachen.— Es war ein bitteres Lachen.— Weiterhin wurde der Weg noch einsamer. Kurzer Rasen wuchs darauf und es waren nur noch vereinzelte Eindrücke von Karrenrädern sichtbar. Hin und wieder führte er kurze Strecken durch den Wald, dann kam Haide und Gestrüpp und endlich senkte sich das Gelände nach einem schmalen Thal, eingefaßt von Fels und Wald. Der Mönch stand auf der Höhe und schaute hinab. Zann setzte er sich unter einem frühlingsgrünen Lärchendaumchen nieder. Vögel sangen um ihn her, bunte Fliegen schwirrten durch das Sonnenlicht und im kurzen Grase huschten goldgrüne Laufkäfer und braune Eidechsen. Friede war ringsher in der Natur. Eine jugendliche Stimme sang fern im hohen Wald: „Hier auf der Bergeshöhe Da steh ich manches Mal Und schau mit stiller Sehnsucht In's dunkle Waldesthal. Allda wuchs einst verborgen Das Blümlein Tausendschön, Doch als der Winter kommen, .. Da mußte es vergehn.“— —. So klang es zum einsamen Mönch herüber, als er hmadschaute in den Dünnenbroich. Seine Züge veränder5ch 19, nicht, sie blieden finster und starr. Aber als er # nach einiger Zeit erhob, zitterten seine Knie und über eine Lippen kam ein schwerer Seufzer, wie er hervordringt nach innerm Kampf und Herzensweh. Langsam schritt er solle zanune hohen Buchen und Eichen. Der Pfad —. ihn hinabführen nach seinem Ziel. Er wähnte, daß epgethan sei, was ihn erst bewegte, da er hinabschaute ggs Thal, welches so viele Erinnerungen für ihn barg. Und um sich zu stärken nach dem, was ihn durchwogt, sang er still vor sich hin: „Hoffe stets und zage nicht Rese be eche ee Sei gefaßt und klage nicht! Lern' geduldig Alles tragen! Wenn sich Leid an Leiden reiht, Ist die Hülfe nicht mehr weit. Alle Stürme toben aus, Nach den Stürmen lacht die Sonne. Stille folgt auf das Gebraus Und auf Leiden folget Wonne. Nur die Hoffnung halte fest. Daß Sie nimmer Dich verläßt, Freue Dich in trüber Zeit. Daß Dir noch ein Ort geblieben, Wo verstummet Schmerz und Leid In der ew'gen Heimath drüben. Wandle muthig Deine Bahn Duldend, hoffend, himmelan" Es war, als gäbe ihm das Lied, während er sang, den ganzen Frieden wieder, denn seine Augen leuchteten wärmer und seine Züge verloren das schmerzlich Starre Aber wie er das letzte Wort gesungen, da tönte von nahem Baume, wie höhnend, eines Kukuks Ruf durch den Wald. Der Mönch fuhr zusammen. „Das klingt zur rechten Stunde, um einen Narren zu bekehren“, sagte er mit ditterem Lachen.„Hoffen und Harren macht manchen zum Narren! Und was habe ich auch zu hoffen?“ Dann sang er wild, ingrimmig: „Und droht Dir nichts wie Angst und Pein, Dann drück' die Augen zu! Das Leben ist ein eitler Schein, Im Grabe nur ist Ruh.“— „Im Grabe ist Ruh“, tönte es klagend, wie von lebendigem Echo zurück.„„ Frater Sebaldus schaute sich überrascht um. Da blinkten ihm aus dem Grün der Bäume die weißen Mauern einer kleinen Kapelle entgegen, welche er bis jetzt übersehen hatte. Er stand ganz nahe vor ihr und aus ihrem Innern mußten die Töne gekommen sein. Er trat in das Bethäuslein ein. Dort stand eine Nonne, mit dem Rücken dem Eingang zugewandt. Sie schmückte ein hölzernes Marienbild mit den Blumen des Waldes. „Der Herr sei mit Dir,“ sagte der Mönch. Da wandte se sich um und er suhr zurück, wie vom Büitze gerofsen „Adelheid! tönte es von seinen Lippen und„Franz!“ klang es halb schreiend, halb wie Jubel zurück. Dann lag die Nonne an des Mannes Brust und umsing ihn mit beiden Armen, nicht wissend, was sie that. Einen Augenblick später riß sie sich mit schmerzlichem Aufschrei los. „Deine Kugel hat meinen Vater getödtet: Dein Kuß wird seiner Tochter bald die ewige Ruhe geben", flüsterte sie schauernd. Dann floh sie dem Eingange zu. „Im Grabe wird es still sein.“ hörte er sie noch sagen. Als er wankend aus der Kapelle trat, war sie verschwunden. Er strich sich mit der Hand üder die Stirn. In seinem Antlitz leuchtete es, hald wie Verklärung. Dann wandte er sich und schritt zurück nach der Gegend des Waldthals, wo er sein Glück fand und verlor.—— Nach wenigen Monaten senkten sie im Klosterfriedhof zu Gräfrath die Schwester Cordula ins Grad. Sie war ruhiger geworden und immer schwächer von Tag zu Tag.—— Bald entstand in der Gegend die Sage, es gehe um auf ihrem Grabe. Es war kurze Zeit nach dem Tode der Nonne, als der Pfarrer an der Klosterkirche eines Abends spät bei hellem Mondenlichte von seinem Studirzimmer nach dem stillen Friedhof schaute. Da saß auf einem frischen Grade eine Mönchsgestalt mit langem Bart. Mit großen Augen starrte sie nach dem Monde und aus des Gespenstes Brust stöhnte und ächzte es. In jenen Jahren ist auch in den Wupperbergen des Oefteren ein Einsiedler bemerkt worden. Hoch an einer steilen, fast unzugänglichen Felswand im Dünnenbroich soll seine einfache Hütte gestanden haben. (Hat der Versicherungs= Agent) einer ungünstig situirten Versicherungsgesellschaft auf Gegenseitigkeit einen Versicherungslustigen zum Eintritt in diese Gesellschaft durch die Täuschung bewogen, daß die Vermögenslage derselben eine gute sei und Nachschüsse weder bisher gefordert worden seien, noch in Zukunft erhoben werden würden, und dadurch den Eintretenden in seinem Vermögen geschädigt, so hat er sich dadurch, nach einem Urtheil des Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 29. April d. J., des Betruges schuldig gemacht. Bbeinischeestllches. * Solingen. Das beklagenswerthe Ende des am Freitag Abend auf der Bahnstation Ohligs um's Leben gekommenen St. zu Katternbergerstraße, eines wackeren, allgemein beliebten Mannes, findet bei unserer Bevblkerung allgemein noch die regste Theilnahme. Der Verungkückte ist gestern Nachmittag auf dem Friedhofe zu Ohligs, an der Seite seiner verstorbenen ersten Gattin beerdigt worden. — Der Landwehrverein zu Schlagbaum feierte am gestrigen Sonntag sein diesjähriges Stiftungsfest. Vertreten waren die Kriegervereine von Schlagbaum, Gräfrath, Haan, Solingen. Um 4 Uhr bewegte sich der Zug vom Vereinslokal zum Festlokal. Hier toastete Herr peter Weiß in einem Gedicht auf unsern Kaiser; Herr Hermann Hülder, Mitglied des Gräfrather Landwehr=Vereins, feierte in schwungvollen Worten den Held von Königgrätz, Weißenburg und Gravelotte, den Kronprinzen. Auch die Gesangvereine„Concordia“, Hecken, und„Eintracht“ zu Schlagbaum ernteten lebhaften Beifall. Das ganze Fest verlief bei fröhlicher Stimmung in ungetrübter Weise. — Die 1. Klasse der hiesigen Mittel=(Mädchen=) Schule machte am Samstag einen Ausflug nach Hackhausen. — Die nächste Herbstprüfung für den einjährig=freiwilligen Militärdienst findet am Mittwoch, den 22. Sept. Morgens 8 Uhr, und die folgenden Tage in dem Dienstgebäude der Kgl. Regierung zu Düsseldorf statt. Gesuche um Zulassung sind spätestens bis zum 1. August d. J. bei der Kgl. Prüfungs=Commission für Einj.=Freiw. in Düsseldorf anzubringen. — Bei dem gestern vom Männer=Turnverein in Elberfeld veranstalteten Preisturnen erhielt den 1. Preis im Hochweitsprung Herr Ernst Lingohr vom Schlagbaumer TurnVerein. — Die seit etwa 40 Jahren in Benutzung befindliche Bäckerbude an der unteren Kaiserstraße hat, weil das anschießende Haus mit Schaufenstern versehen worden ist, niedergelegt werden müssen. Mit dem jedem Einheimischen wohlbekannten Häuschen verliert der südliche Stadttheil ein Merkzeichen, auf das unzählige Male Ortsunkundige behufs leichterer Auffindung des richtigen Weges verwiesen worden sind. —(Statistisches). Im Kreise Solingen ist in der Woche vom 20.— 26. Juni nur 1 Fall von ansteckender Krankheit(Diphtherie) mit tödtlichem Ausgang vorgetommen, im Regierungsbezirk Düsseldorf überhaupt 9; im letzteren Bezirk erlagen ferner 3 Personen dem Darmtyphus, 25 den Masern und 3 dem Scharlach. * Solingen. Ein in Untersuchung befindlicher Gärtnergehülfe aus Durlach wurde am Samstag mittelst GendarmerieEscorte von Springe(Hannover) hier eingeliefert. Der Mann hat im Frühjahr in Gemeinschaft mit einem Collegen zum Nachtheil eines in Dorp wohnenden Gärtners mehrere Blumenbeete beschädigt. § Solingen. Auf der mittleren Kaiserstraße fand gestern Abend gegen ½10 Uhr zwischen mehreren Burschen von hier eine Keilerei statt, in welcher wieder Revolver und Messer angewandt wurden. Die Betheiligten trugen meist mehr oder minder kleine Verwundungen davon, einer dagegen erlitt eine nicht unerhebliche klaffende Wunde am Hinterkopfe. * Dorp. In der am Samstag Abend stattgehabten General=Versammlung der„Torper freiw. Feuerwehr“ sind die Herren Lütters, Hartkopf und Clarenbach als Führer der 1., 2. und 3. Abtheilung, Herr Herberz als Schriftführer und Herr Hausmann als Cassirer wiedergewählt worden. An Stelle des zum Führer gewählten Vorstandsmitgliedes Lütters wurde Herr Max Stamm und an Stelle des Vorstandsmitgliedes Herrn Windhövel Herr Raßpe gewählt. In der Tags vorher stattgehabten Vorstandssitzung war Herr Hauptmann Lauterjung wiedergewählt worden. * Kohlfurtherbrücke. In der Nähe von Sudberg ist vor wenigen Tagen ein kleines Mädchen, das mit Altersgenossen spielte und von diesen zum Scherz an einem niedrigen Wegesabhang herabgerollt wurde, von den Hufen des Pferdes einer unerwartet des Weges kommenden Karre so unglücklich am Kopf getroffen worden, daß es bald darauf seinen Geist aufgab. Höhscheid. Unser Schützenfest hat gestern unter zahlreicher Antheilnahme der Bewohner hiesiger und der angrenzenden Gemeinden begonnen. Reges Leoen entfaltete sich besonders auf dem Festplatze. Fahnen= und Guirlandenschmuck trugen die Häuser des Festbezirks in einem Maaße, wie's nur bei außergewöhnlichen Gelegenheiten der zu sein pflegt. 4 Höbscheid. Herr Hauptlehrer Pfeffer zu Widdert wird im Laufe der Herbstferien seine hiesige Stelle verlassen. Derselbe ist zum Hauptlehrer der achtklassigen Schule zu BarmenWichlinghausen berufen und ernannt. Der Schulbezirk Widdert verliert in ihm einen ebenso pflichttreuen als reichbegabten Lehrer und Erzieher seiner Jugend. Herr Pfeffer wirkte beinahe neun Jahre hierselbst. Er hat sich allgemein in hohem Grade die Liebe und Achtung in seinem und den angrenzenden Schulbezirken erworben. So ungern man ihn scheiden sieht, es ist ihm der ehrenvolle Ruf zu gönnen und wünschen wir ihm von Herzen Gottes Segen auch in seinem fernern Wirken. * Merscheid. An Volksschulen der hiesigen Stadtbürgermeisterei sind provisorisch angestellt worden die Herren Lehrer Lohmann und Pistor. Elberfeld. In der Samstagssitzung der Strafkammer wurde u. A. über nachfolgenden Fall verhandelt: Der 22 Jahre alte Wilh. E, Fabrikarbeiter von Haan, kam am 28. Sept. v. J. zu Windhöfel bei Haan mit seinem Bruder Peter aus einer Wirthschaft. Auf der Straße sahen die Beiden einen gebrechlichen, bemitleidenswerthen Menschen vor sich hergehen, den sie dazu ausersahen, ihr Müthchen an ihm zu kühlen. Mit der Bemerkung:„den wollen wir einmal überlaufen“ rannte Peter E. den Krüppel an und warf ihn zu Boden. Beide Brüder schlugen alsdann auf den wehrlos am Boden liegenden Menschen, der ihnen nicht das mindeste gethan hatte, noch ein. Peter E. wurde von der Strafkammer am 15. Februar wegen dieser Brutalität mit fünfzehn Monaten Gefängniß bestraft. Der andere Angeklagte, welcher damals nicht ermittelt werden konnte, gestand die That ein und erhiett eine Gefängnißstrafe von einem Jahre, wovon zwei Monate, als durch Vorhaft verbüßt, abgerechnet werden. — Das am Freitag früh hier gestohlene Fuhrwerk, welches einen Werth von 1500 Mark repräsentirt, soll, wie die„E. Zig schreidt, in Gräfrath herrenlos aufgegriffen worden sein. — Dank der hochherzigen Gabe einer edlen Dame konnte den Kindern des lutherischen Rettungshauses auch in diesem Jahre wieder die Freude eines Ausflugs bereitet werden. Am vergangenen Donnerstag wurde der Ausflug. dessen Ziel Königswinter war, unternommen. — Eine unliebsame Ueberraschung wurde am Samstag einem Bleilöther bereitet. Als derselbe von seiner Arbeit heimkehrte, fand er daß ihm seine erworbenen Ersparnisse in Höhe von 111 M. aus einer verschlossenen Kassette und ein dunkler Anzug im Werthe von 60 M. gestohlen worden waren. Die Polizei glaubt in der Frau eines Schumachers die Diebin bereits ermittelt zu haben. Hückeswagen. Herr Bürgermeister Wirth gedenkt im August d. I. sein 50jähriges Dienstiubiläum zu feiern. Düsseldorf. Seitens der Kgl. Regierung ist an die Polizeibedörden des Bezirks die Aufforderung ergangen. auf das Treiben einer Menge von Personen aus BuenosAires und Montevideo zu achten, welche, wie die angestellten Ermittelungen ergeben haben, mit falschen Legitimationen und oft beträchtlichen Geldmitteln versehen, nach Europa kommen, um junge Mädchen durch falsche Vorspiegelungen nach Südamerika zu locken und dort in verrufenen Häusern unterzubringen. Köln. Der Verbandstag rheinisch=westfälischer Stenographen(Stolze) wird am 24. und 25. d. Mts. hier abgehelten. — Am Freitag fiel ein Faß Wein aus einem Schiffe in den Rhein. Den Schiffer trifft ein Schaden von 200 Mark. — In einer der größten Bierbrauereien ist, wie das Tagebl.“ berichtet, das ganze Braupersonal wegen Unterschlagung plötzlich entlassen worden. Bergheim. Ein schreckliches Unglück hat die Familie des hiesigen Amtsrichters betroffen. Ein etwa 1½ Jahre altes Kind wurde von dem Kindermädchen für einen Augenblick der Obhut des Küchenmädchens anvertraut. Während das Kind nun in der Küche spielte, beginnt der Suppenkessel zu kochen. Die Köchin springt hinzu, um dem abzuhelfen, stößt aber dabei den Kessel um, so daß dessen kochender Inhalt sich über das arme Kind ergießt. Infolge der Brandwunden ist dasselbe verschieden. Koblenz. Vor einigen Tagen starb eine 50 Jahre alte, mit einem Herzleiden behaftete Frau infolge eines eigenthümlichen Vorkommnisses. Die Tochter besagter Frau hatte gebügelt und letztere bei ihr gesessen. Plötzlich tritt eine mitunter etwas geistig gestörte Frau aus demselben Hause im Hemd in ihr Zimmer. Das Mädchen schreit bei dem iinerwarteten Anblick auf, und als nun auch die Mutter auf die weiße Gestalt der Eingetretenen hinschaute, wurde auch sie erschreckt, röchelte zweimal und war— eine Leiche. Dümpten. Nach qualvollen Leiden starb vor einigen Tagen eine 75jährige Frau, welche beim Anpassen von Holzschuhen gestolpert und so unglücklich hingefallen war, daß sie sich die Füße zerbrach, was zur Todesursache wurde. Essen. Die Wittwe Riesers von hier, welche am Charfreitag dieses Jahres nach einem stattgehabten Streit ihren Ehemann durch einen mit einem Küchenmesser geführten Stich in die Brust getödtet hatte, wurde, laut der„Rh. W. Zig.“, wegen Todtschlags unter Annahme mildernder Um stände zu 4 Jahren Gefängniß verurtheilt. Schwerte. Ein jäher Tod ereilte den Handelsmann S. R. von hier. Er trat an den Schalter des Bahnhofes in Dortmund, um ein Billet zu lösen und sagte zu einem neben ihm Stehenden:„Da bin ich doch noch früh gekommen.“ Gleich darauf sank er zusammen und verschied. Dortmund. Zu Wambel wurde am vorigen Donnerstag der Landwirty W. der„Rh. W. Ztg. zufolge, auf dem Felde vom Blitz erschlagen. Vermischtes. Tübingen, 6. Juli, Gestern ertrank ein braver, hoffnungsvoller Jüngling, stud. jur. in der Badeanstalt. Hier befanden sich gegen 100 Personen, unter diesen der Bruder des Verunglückten. Schon hatten sämtliche Badende den Platz verlassen, als der Badeaufseher zurückgelassene Kleider bemerkte und, auf einen Unglücksfall schließend, das Wasser abließ, worauf der verunglückte junge Mann mit dem Gesicht auf dem Boden liegend gefunden wurde. Ein Genickkrampf hatte sein Ende herbeigeführt. Unbeschreiblich groß war der Jammer des herbeigeholten Bruders. Lörrach. Der Adjutant des hiesigen Bezirkskommandos, der sich vor einigen Tagen in Uniform im benachbarten Basel aufhielt, wurde daselbst von einer tobenden Menge verfolgt und derart insultirt, daß er vom Säbel Gebrauch machen mußte. Ein Knecht wurde am Halse leicht ver wundet. Die Menge warf schließlich den Offizier zu Boden und riß ihm die Uniform buchstäblich vom Leibe. Wie ver lautet, trifft die Hauptschuld einen Apotheker aus Basel, der die Leute durch händelsüchtige Redensarten aufgehetzt haben sol. Die am Großglockner aufgefundenen verunglückten Touristen Markgraf Pallavicini und Genossen sind mindestens zwölfhundert Meter tief hinabgestürzt. 18jähriger junger Mann in Gudensberg ritzte sich beim Abdecken einer gefallenen Kuh mit dem hierbei von ihm benutzten Messer die Haut. Durch diese an und für sich ganz geringe Verletzung trat Blutvergiftung ein, und innerhalb drei Tagen war der junge Mann eine Leiche. " Ingelheim, 7. Juli. Der 18jährige Sohn des hiesigen Wirthes W. war mit einem Genossen zu einem Eisenhändler gegangen, um sich einen Revolver zu kaufen. Nachdem der Kauf abgeschlossen, begaben sich die jungen Leute vor den Ort, um die Waffe zu probiren, was sie indessen nicht fertig brachten. Sie begaben sich zu dem Händler zurück, um sich von diesem die Behandlung der Waffe zeigen zu lassen, vergaßen aber zu bemerken, daß der Revolver geloden sei. Der Eisenhändler nahm hierauf die Waffe in die Hand, drückte los, und der junge W. stürzt von einer Kugel durchbohrt todt zur Erde. Ein gleicher Unfall wird aus dem weimarischen Dorfe Olbersleben gemeldet. Kruft, 8. Juli. Ein schreckliches Unglück ereignete sich gestern hier. Die Mutter eines Stationsbeamten wollte Feuer anmachen, und um dasselbe rasch anzufachen, goß sie Petroleum auf. Im Nu explodirte die Kanne, und die Kleider der Frau fingen Feuer. Die Aermste verbrannte Schden ersag u sie deute unter großen Schmerzen ihren Chemnitz. Die Königin von Sachsen schwebte vor wenigen Tagen in der Nähe unserer Stadt in Lebensgefahr. Ein Barrierenwärter hatte die Bahnbarriere geschlossen, und der Eilzug, mit dem die hohe Frau Dresden zurückkehrte, stieß auf einen schwerbeladenen Ste wagen. Der Wagen wurde vollständig zertrümmert die Maschine des Zuges wie der erste Wagen desselben zienligh, stark beschädigt: weiteres Unglück wurde nicht anMagdeburg, 8. Juli. In Grusons Kanonengießerei öffnete sich gestern plötzlich beim Guß einer ein falsches Ventil, so daß die glühende, flüssige Lara heraus. strömte und die Brust des zunächst stehenden übergoß, indeß die Anderen sich rechzeitig retten Für das Leben des schwer Verletzten ist zu fürchten. Innsbruck. Ein seit einigen Tagen vermißter Man fand seine Leiche mit zerschmettertem Kopfe etwa 400 Schritte von der Stelle entfernt, wo er sich von seinen Genossen getrennt hatte, um einen ihm angeblich bekannten s# zeren Weg einzuschlagen. „ Ein zerstreuter Professor.) Professoren und Ge. lht: haven bekanntlich das Recht— zerstreut zu Einen etwas zu ausgedehnten Gebrauch von diesem Rechte machte jedoch ein Budapester Gelehrter, der vor einigen Tagen mit seiner jungen Gattin über Wien und Prag nach Karlsbad zum Kuraufenthalte reiste. Herr Professor v. K. traf am Sonnabend in Wien ein und benutzte am Vontag zur Weiterreise nach Prag den Kourirzug. Kaum hatte sich jedoch der Zug in Bewegung gesetzt, als der Professor die unliebsame Entdeckung machte, daßer seinen Handkoffer, der mehrere für ihn unentbehrliche Gegenstände enthielt, im Hotel zu Wien vergessen habe. Er veranlaßte deshalb seine junge Gattin, in Gmünd auszusteigen, um an den Hotelier in Wien zu telegraphiren, daß man den Koffer direkt nach Karlsbad senden möge. Die Dame stieg in Gmünd aus, hatie sich aber unglücklicherweise bei dem Geschäfte des Telegraphirens etwas zu lange aufgehalten und— der Zug fuhr ohne sie fort. Nun befand sich der Professor in heller Verzweiflung, um so mehr, da er die Fahrkarte der Gattin im Besitze hatte und mit Sicherheit annehmen mußte, daß seine bedauernswerthe Frau nicht so viel Geld bei sich habe, um mit dem nächsten Zuge die Reise fortsetzen zu können. Die Fahrt von Gmünd nach Prag gestaltete sich daher für den armen Gelehrten zur furchtbaren Seelenpein. Endlich in Prag angelangt, stieg er auch aus, kaum daß der Zug ordentlich still hielt, um mit dem nächsten Zuge zurück nach Gmünd zu seiner Gattin zu reisen. In einer unglückseligen Zerstreuung hatte er aber im Coupee einen Reiseplaid und seine Hutschachtel vergessen, mußte er doch seine ganze Aufmerksamkeit darauf konzentriren, keins der vielen kleinen Gepäckstücke der Gattin zurückzulassen. Sechs Stunden später befand sich der Herr Professor wieder in Gmünd, die Gattin, die er dort suchte, fand er aber nicht — dieselbe war gerade eine Stunde zuvor mit dem Peronenzuge nach Prag gefahren. Die Nacht über mußte der Professor in Gmünd zubringen, während sich seine Gattin in Prag, sein Reisekoffer in Wien und sein Reiseplaid und eine Hutschachtel zur Stunde unbekannt wo befanden. Des anderen Tages fand sich das Ehepaar endlich in Prag zusammen; sie hatten aber alle Lust zur Besichtigung der Sehenswürdigkeiten verloren und reisten aus Angst vor weiteren Abendteuern unverzüglich nach Karlsbad ab. (Für den Kölner Dom) wird im August d. I. wieder eine Hauscollecte bei den katholischen Einwohnern des Regierungsbezirks Düsseldorf abgehalten werden. (Die Meininger) gehen vorläufig nicht nach Amerika. (Unglücksfall im Circus.) Coburg, 7. Juli. Eine aufregende Production in dem hier anwesenden Circus fand gestern ein jähes, gräßliches Ende. Ein Mohr mit einem Löwengebiß wiederholte das stets mit großem Beifall gezeigte Kunststück, daß er, mit den Füßen oden an der Spitze des Cirkusdaches an Ringen hängend und mit dem Kopfe abwärts in der Luft schwedend, mit seinen Zähnen einen zwölfjährigen Knaben an einem um dessen Lenden geschlungenen Gurt festhielt und in eine solche Bewegung setzte, daß der Knabe in rasender Geschwindigkeit sich um sich selbst drehte. Da mit einem Male durchzitterte ein hundertfacher Schreckensschrei die Luft: der Gurt war geplatzt, und der Kleine tief herab in die Manege gestürzt, aus der er bewußtlos und aus dem Munde blutend hinweggetragen wurde. Ein anwesender Arzt leistete dem Verunglückten die erste Hülfe. (Verlorene Briefe.) Die„Gartenlaube' bringt einen beachtenswerthen Vorschlag, in welcher Weise der Uebelstand bekämpft werden soll, daß so viele aufgegebene Briese von den Postbehörden als unanbringlich vernichtet werden müssen. Im Jahre 1884 ist im deutschen Reichspostgebiete eine Viertelmillion unanbringlicher Briefe und Postkarten vernichtet worden. Es läßt sich schwer in Werte fassen, welche Summe von Enttäuschungen, materiellem Schaden 2c. dadurch erwachsen ist und im Laufe eines jeden Jahres von neuem verursacht wird. Dem Uebelstande ist leicht dadurch zu begegnen, daß jeder Absender seine genaue Adresse dem abgehenden Briefe beifügt. Das Bewußtsein der Nothwendigkeit dieser Maßregel ist jedoch keineswegs genügend tief in die Volksschichten eingedrungen, und man muß darum dem Vorschlage beipflichten, daß dieses Bewußtsein durch entsprechende Belehrung der Schuljugend im Volke gestärkt werde. (Eine bedauerliche Ausschreitung von Landwehrleuten) hat in Hamburg stattgefunden. Dieselben waren nach Stade zu einer 12tägigen Uebung eingezogen und am Samstag wieder entlassen worden. Sie benutzten zur Heimkehr ein Stader Dampfschiff. auf welchem sich auch der gleichfalls zur Uebung eingezogene Sergeant Braun beand, der wegen seiner Härte im Dienst sich in so hohem Grade unbeliebt gemacht hatte, daß auf dem Schiffe der angverhaltene Groll der übrigen Landwehrmannschaften zum hellen Ausbruch gelangte und ernste Gefahren für das Leden des Braun, der über Bord geworfen werden sollte, vorhanden waren. Der Capitän sah sich schließlich genöthigt, den Hartbedrängten in seine Kajüte einzuschließen und die Nochslagge zu hissen. Selbst bei der Ankunft im Hamburger Hafen ließ die Erbitterung der Mannschaft nicht nach, sodaß auf Besehl der Polizei das Schiff mitten im Strome vor Anker gehen mußte und erst, nachdem eine größere Anzahl von Constablern herbeigcrufen war, die Landung erfolgen durfte. Das Schlimmste bei der ganzen Angelegenheu ist nun der Umstand, daß die 250 Entlassenen noch den Bestimmungen der Kriegsartikel unterworfen waren. Die Haupt edelsführer wurden gefänglich eingezogen und hatten bereite mehrere Verhöre zu bestehen. Gesicht zu Gräfrath. 1) Schöner Friede meiner Heimat, Meiner Jugend schöne Stunden!— Hätt' auf meiner späten Heimkehr Frieden, Jugend ich gefunden. *) Deiner Pappeln stolze Reihen Rauschen finster auf mich nieder, Richt begrüßen mich wie vordem Aus dem Thale frohe Lieder! 3) Doch es plätschern noch die Wasser Auf des Marktes breitem Raume Und erzählen mir geschäftig Von dem alten Jugendtraume! 4) Also schleichen meine Blicke aes ee er läßt des Kondes Schimmer „ ein bleiches Bild dort sehen! 8) Müde schleudre ich die Stiegen Auf zum alten Kirchlein droben, Und mir ist, als ob da drinnen Teusend— Gott den Herren loben! 6) Auf dem hohen Gitterfenster Nur des ew'gen Lichtes Schimmer Flackert und mischt sich gespenstisch des Mondes bleichem Flimmer. 7) Grausen faßt mich schier— ich eile, Eile weiter auf bemooster Erde zu dem dunklen Baue, Zu dem alten Nonnenkloster. 9) Sinnend berg' ich meine Stirne, Reine Stirn, die brennend heiße In dem tauesfeuchten Grase, Daß ich aus dem Wahn mich reiße. 9) Aber stetig neue Bilder Vor dem Blicke sich entfalten, Aus der Zeit des Sangs, der Minne Bunte, wechselnde Gestalten. 10) Aus den Zeiten, da zu Kutten Lepter patzten, Diedeme, Aus den Zeiten schönen Faustrechts, Aus der Zeit der heilgen Feme!— 11) Klingen aus dem alten Kloster Hundertstimmig fromme Sänge Mischen drein sich aus dem Kirchlein Schwermuthsvoll der Orgel Klänge? 12) Horch! und wieder klingt's andächtig: Fromme Nonnen— fromme Chöre Kennest du das Klagelied nicht? „Miserere, Miserere!“ 13) Und es huscht und raschelt drinnen Dumpfes Beten in den Hallen. Aus dem Thor, dem schweren, steinern, Beterinnen summend wallen! 14) Immer länger wird die Reihe, Bleiche Züge, sromme Nonnen, Und hinaus auf schmalen Wege Wandeln sie zum heilgen Bronnen! 15) Schon deckt sie des Waldes Schatten Drin sich bunt die Blätter särden— Gleicht ihr ihm nicht, Himmelsbräute? Sterben hier und dorten sterben. 16) Ha! was reißt mich los vom Traume? Gellend tönt ein schrilles Pfeifen; Sausend durch die Nonnenandacht Zieht das Dampfroß glühn'de Streisen! 17) Gut, daß jene Himmelsbräute Bloße Traumgespinnste waren. Denn sonst hätte sie gewißlich Die Knltur noch— überfahren! E. Langscheid. □ Musikalisches. Soelingen. Das gestern in der Schützenburg veranstaltete „Fest=Concert“ hat in erfreulichem Maaße wieder bewiesen, wich reges Interesse unsere Bürgerschaft an den Bestrebungen der fest in ihr wurzelnden Gesang=Vereine„Phönix,“„Solinger Sängerbund" und„Ossian“ nimmt, wie die Bevölkerung unserer Stadt in ihrer Gesammtheit stets bereit ist, eifrig beizutragen zu irgend einem löblichen Zweck, den jene Vereine in's Auge gefaßt haben. Hier trat nun noch fördernd der Umstand hinzu, daß das mitwirkende Orchester ebenfalls aus einheimischen Kläften bestand, und endlich wird auch noch ein Theil des Erfolges darauf zurückzuführen sein, daß Beiträge zur demnächstigen Jubelfeier des Schützen=Vereins überhaupt gern gespendet wurden. Schon geraume Zeit vor der angesetzten Stunde hatte sich der weite Saal mit Besuchern angefüllt, deren Sorge, einen guten erhalten, sich als völlig begründet erwies. Es konnte deshalb, was sonst bei hiesigen Concerten meist nicht üblich ist, pünktlich mit der Aufführung begonnen werden. Den Anfang derselben bildete der vom Instrumental=Verein unter Leitung des Herrn Musikdirectors Knappe vorgetragene Hoch zeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum“, die stets wirkungsvolle Composition von Mendelssohn=Bartholdy. Ebenfalls recht sorgfältig ausgeführt war Nr. 4 des Programms, das seelen5. Act der Oper Manfred"; leider fand dasselbe nicht die verdiente Würdigung, was wohl in dem nicht Jedermann behagenden Charakter des Reinecke'schen Stückes seine Erklärung finden mag. Als ferneren Vorträgen des Instrumental=Vereins ward noch dem beim Beginn des 2. Theils folgenden Festmarsche, componirt vom Dirigenten Herrn Knappe, Ouverture zur Zauberslöte anhaltender Beifall gezollt. Noch nachdrücklicher gab sich allerdings das Verlangen der Zuhörerschaft nach wiederholtem Vortrag kund, als unser wackeres Quartett Hartkopf den„Waldesgruß" von Abt und im zweiten Theil den„Abschied“ von Böhme gesungen hatte. Mit gewohnter Bereitwilligkeit kamen die tüchtigen Sänger, deren Beliebtheit seit der ehrenvollen Reise an den Kronprinzlichen Hof sicherlich noch gestiegen, dem ungestümen Verlangen nach. Eine fernere, inceß gänzlich unerwartete schätzbare Bereicherung erfuhr das Programm durch das Auftreten des in hiesigen musikliebenden Kreisen hochgeschätzten Biolinvirtuosen Herrn Heinrich Schuster aus Berlin. Mit Sicherheit überwand der junge Künstler die schwierigsten Stellen in der„Reverie" von Vieuxtemps und ließ darnach noch, um dem reichlich gespendeten Beifall zu genügen, das„Abendlied“ von Schumann unter verständnißvoller Harmonium=Begleitung seitens des Herrn Musikdirectors Sturm folgen Die vereinigten Gesang=Vereine Phönix, Sängerbund und Ossian wurden unter Leitung des Herrn Sturm, bezw. Herrn Knappe,“) ihrer Aufgabe völlig gerecht. Es dürfte namentlich zu erwähnen sein der Choc: „Der Landsknecht“ von J. Herbeck, eine kecke, ungestüm daher: brausende Composition, in welcher der kriegerische Gedanke, an den sich die Tondichtung anlehnt, im kräftigen Trommelwirbel und dem trefflich nachgeahmten Zischen der Kugeln auf's faßlichste zum Ausdruck kommt. Im Gegensatz hierzu war der Chor von F. O. Sturm:„Im Volkston“ eine Tondichtung, die sich vorwiegend mit der Darstellung inniger Liede zwischen zwei einander treu ergebenen Menschenkindern befaßt und sich deshalb in sanften zarten Tönen an den lauschenden Zuhörer wendet. Als Schlußchor für die große Sängerschaar waren vorzüglich gewöhlt die 6 Niederländischen Volkslieder, die auch für Denjenigen, der sie schon mehrfach gehört, stets neue unvergleichliche Schönheiten enthalten. Der in diese Chöre eingeschodenen Solovorträge entledigten sich die Herren R. Küpp r=Ohligs und R. Rehfeld von hier in befriedigendster Weise: Ersterer seinen schönen vollen Bariton zur vollen Geltung bringend, Letzterer die genossene vorzügliche Schulung verrathend.— Die Aufführung, welcher, obgleich sie mehr als 3 Stunden währte, die gesammte Zuhörerschaft bis zum Schluß anwohnte, ist sowohl in gesanglicher als auch in p kuniärer Hinsicht als völlig gelungen zu betrachten *) Herr Musik=Direktor Lorenz, der Dirigent des„Sängerbund" war leider zu allseitigem Bedauern durch Krankheit verhindert, die unter seiner Leitung einstudirten Chöre zu dirigiren. Eintragungen in das Muster=Register Muster für plastische Erzeugnisse. Schutzfrist 3 Jahre. Solingen. Friedr. Koch zu Kirschdeide, 1 Packet mit 1 Modell für einklingige Korkziehermesser mit Glasschneider, Glasbrecher, Metermaß und Schraubenzieder in beliebiger Große und Beschalung, versiegelt, Fabrik=Nr. 9460,(11. Juni 1886).— Wilhelm von zur Gatden in Solingen, 1 Packet mit 1 Modell für Zuschlagkräuseleisen, versiegelt, Fabrik=Nr. 1600,(15.Juni 1886). — Georg Hoffmann in Soliugen, 1 Packet, mit 4 Modellen, und zwar für Windvogel, 2 Modelle je einen vierflugeligen Stern darstellend, mit verschiedenen Bilden, in der Mitte mit und ohne Fähnchen, in jeder Größe, Material und Ausfübrung, wie auch speziell das Befestigen der Fähnchen und Schließen der Flügel, 2 Modelle je einen Schmetterling darstellend, in bunten Farden und verschiedenen Bildern, für jede Größe, Material und Ausführung, versiegelt, Fabrik=Nr. 46, Schutzfrist 5 Jahre(17. Juni August Hartkopf in Solingen, 1 Packet mit! Modell für Kartoffelschälmesser mit in der Schneide ausgeschweifter Klinge, in allen Großen und mit beliebig geformten Heften offen, Fabrik=Nr. 103½ A, G,(19. Juni 1886).— Emi Spitzer zu Buckert, Gde. Wald, 1 Packet mit 2 Modellen für Obstmesser, versiegelt, Fabrik=Nr. 90 und 95(19. Juni 1886). — August Witte zu auf der Bech bei Obligs, 1 Packet mit 1 Modell für Taschenmesser in Pfeisenform, offen, Fabrik=Nru. 1300—1330,(23. Juni 1886). Auflösung des Rätbsels „Es ist noch nicht aller in vor. Nr.: Tage Abend.“ Muthmaßliches Wetter am 13. Juli (nach Solinaer Beobachtungen) Trüber Himmel, geringe Niederschläge Barometer und Thermometer am 12. Juli Morgens 10 Uhr1088 + 14 Innere Mission. Am Donnerstag, Abends 8½ Uhr Bibelstunde im evang. Vereinshaus in Solingen: Herr Stadtmissionar Loh Missionsfest. Der Solinger Bibel= und Missions= Verein wird, so Gott will, am Mittwoch, den 21. Juli cr., sein Jahresfest, in der Kirche zu Widdert, feiern. Die Festpredigt, zu welcher der Gottesdienst um 3 Uhr Nachm. beginnt, hat Herr Pastor Burkhardt aus Remlingrade übernommen. In der Nachversammlung, welche im Lokale von David Knecht, zu Unten=Widdert, stattfinden soll, wird Herr Missionsinspector Dr. Schreiber Mittheilungen aus dem Gebiete der Mission machen. Zu reger Theilnahme werden Alle herzlich eingeladen. Der Vorstand. Standesamt der Stadt Dorp. 8.— 9. Juli. Geburten: Hulda, T. v. Scheerenseiler Friedrich Moritz Hartmann 1. Hästen. Paul Walter, S. v. Ackerer Ernst Rabenschlag, Krahenhöhe. Paul, S. v. Messerschmied Ernst Hermes, Theegarten. Sterbefälle: Karl Klein, 24 Tg., Meigen. Wwe. Emil Moll, Emilie geb. Joest, 56 J. 10 M., Meigen. Aufgebote: Messerreider Wilhelm Pohl hier, mit Anna Maria Leymann, Solingen. Am 13. August v. J. wurde zwischen Erprather=Mühle und Erprather=Höfchen auf dem Gebiete der Gemeinde Holzheim die Leiche eines im besten Mannesalter stehenden unbekannten Mannes in der Erft aufgefunden. Die Leiche war bekleidet mit grau und schwarz gestreiftem Tuchrock, grau und schwarz gestreifter Weste, schwarztuchener Uniformhose, verhältnißmäßig gut erhaltenen ledernen Zugstiefeln, Stoffhosenträgern mit eingestickten blauen, grünen und rothen Blumen, einem anscheinend halbseidenen und mit eben solchen Blumen gestickten Vorhemdchen, vermittelst einer um den Hals gehenden Binde hinten geknöpft, einem Shirting=Hemde ohne Zeichen. . In den Taschen wurden, außer verschiedenen anderen Gegenständen, eine silberne Cykinderuhr mit weißer NickelKette, welche auf dem Zifferblatt sowohl als auf dem inneren Deckel die Auf„W. Rittershausen in Hattingen“ und auf dem Verschlußdeckel die Zeichen„(A. B.) 12954“ und die Nr. 7930 trug, ein schwarzled. Toilette=Etuis mit Spiegel und Kamm, ein schwarz= ledernes Cigarren= Etuis mit Goldstickerei, ein roßledernes Vortemonnaie, ein Taschenmesser in Flaschenform, ein weiß horner Federhalter mit Bleistift, mit einem Vergrößerungsglas und der Photographie des Niederwald=Denkmals versehen, und ein weißgelbes Taschentuch mit rothbraunem Rande geunden. An einem Finger trug die Leiche Suen goldenen Ring mit weißröthlichem „Die Leiche, 1.,81 m groß, ohne Bart, hatte struppige dunkelblonde Haare und gut erhaltene Zähne. Die Farbe der Augen ließ sich nicht mehr erkennen. der, der über die Persönlichkeit * Mannes Auskunft geben kann, wird ersucht, dieses hierher zu den AkDdg. 5127 anzuzeigen. —-##kivorf, den 22. Juni 1886. Königliche Staats=Anwaltschaft. Ied wetsüchrige Authebmgtgschll ven Aushebungsbezirk Solingen 15. und 16 Schützenburg Juli er. hierselbst findet am 14. im Saale der statt. Es kommen zur Vorstellung: 1. am Mittwoch, den 14. Juli, Morgens 7½ Uhr, die von der Königlichen Ersatz=Commission in diesem Jahre als dauernd unbrauchbar bezeichneten, sowie die zur Ersatz=Reserve 2. Klasse designirten Militärpflichtigen sämmtlich, außerdem von den zur Ersatz=Reserve 1. Klasse vorgeschlagenen: diejenigen, welche in der Vorstellungsliste 1) unter Nr. 1 bis 340 inclusive aufgeführt sind. 2. am Donnerstag, den 15. Juli, Morgens 7½ Uhr, die übrigen zur Ersatz=Reserve 1. Klasse desig nirten Militärpflichtigen von Nr. 34 bis zum Schluß der Vorstellungsliste D. sowie von den als tauglich bezeichneten Militärpflichtigen diejenigen, welche in der Vorstellungsliste E un ter Nr. 1 bis 160 inclusive aufgeführt sind. 3. am Freitag, den 16. Juli, Morgens 7½ Uh tauglich bezeichneten Militärpflichtiger von Nr. 161 bis zum Schlusse der Vorstellungsliste E und die in Zugang gekommenen Militärpflichtigen. Solingen, 28. Mai 1886. Der Königliche Landrath: Geheime Regierungsrath Melbeck. Mit Bezug auf§ 94 der ErsatzOrdnung bringe ich hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß im Aushebungsbezirk Solingen die Vorstellung der von einem Truppentheil als untauglich abgewiesenen, sowie der auf Reklamation zu befreienden, zum einjährig=freiwilligen Dienst berechtigten Militärpflichtigen vor der Königlichen Ober=Ersatz=Commission beim Ausam Freitag, den Morgens 9 Uhr, im Saale der Schützenburg hierselbst stattfindet. Diejenigen Militärpflichtigen, welche nach Vorstehendem sich zu stellen haben, werden hierdurch angewiesen, sich bis zum 25. Juni er. unter Abgabe ihres Berechtigungsscheines bei der Ortsbehörde ihres Aufenthalts=Ortes zu melden. Die Herren Bürgermeister wollen die Nachweisungen über die Anmeldungen nebst den Berechtigungsscheinen mir bis zum 1. Juli er. einsenden. Solingen, den 28. Mai 1886. Der Königliche Landrath: Geheime Regierungsrath Melbeck. hebungsgeschäfte 16. Juli 1886, Um Weiterungen beim Aushebungsgeschäfte zu vermeiden, bringe ich hierdurch zur Kenntniß der Militärpflichtigen, daß Gesuche um Umdesignirungen von Rekruten grundsätzlich keine Berücksichtigung finden. Solingen, 28. Mai 1886. Der Königliche Landrath: Geheime Regierungsrath Meldeck. Sichdgemeide Solangen In Gemäßheit des§ 19 der Städteordnung liegt die Liste der stimmfähigen Bürger zur Wahl der Stadtverordneten vom 15. bis 30. d. Mts. im Rathhause, Zimmer Nr. 4, zur Einsicht offen. Wer die Liste für unrichtig oder unvollständig hält, kann innerhalb vorerwähnter Frist seinen Einspruch bei dem Unterzeichneten geliend machen. Solingen, den 12. Juli 1886. Der Bürgermeister: van Reenen. Bekanntmachung. Der Fabrikant Herr Gustav Hermann Broch, welchem durch Urkunde Königlicher Regierung zu Düsseldorf vom 9. August 1882 1 111 B 3951, die Genehmigung ertheilt worden, in seinem hierselbst neven der Gerichtsstraße auf dem Grundstücke Flur IV Nr. 450/54 belegenen Fabrikgebäude sechs Schlaghämmer für Hand= und Maschinenbetrieb anzulegen, beabsichtigt in einem neu aufzuführenden Fabrikanbau zwei der bereits concessionirten Hämmer zu verlegen und außerdem vier Frictions=Fallhämmer neu anzulegen, was mit dem Bemerken zur Kenntnitz gebracht wird, daß etwaige Einwendungen gegen diese Anlage binnen einer Präclusiv=Frist von 14 Tagen bei der unterzeichneten Behörde schriftlich in zwei Exemplaren oder zu Protokoll anzudringen sind und später eingehende Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr berücksichtigt werden können. Die 14tägige Frist nimmt ihren Anfang mit dem Ablaufe des 3. Juli 1886, an welchem Tage das diese Bekanntmachung enthaltende Regierungsamtsblatt zur Ausgabe gelangte. Zur Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen wird Termin auf Dienstag, den 27. Juli 1886, Vormittags 11 Uhr im Rathhause, Zimmer Nr. o anberaumt, wozu sowohl der Unternehmer, als auch die Widersprechenden unter dem Bemerken geladen werden, daß im Falle des Ausbleibens gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen wird. Solingen, 23. Juni und 12. Juli 1886. Der Bürgermeister: van Meenen. Stadtgemeinde Wald. Die berichtigte Liste der stimmfähigen Bürger hiesiger Gemeinde liegt in Gemäßheit des§ 19 der Städte=Ordnung vom 15.—30. d. M. auf dem hiesigen Rathhause Zimmer Nr. 4 zur Einsicht offen. Während dieser Zeit können Einwendungen gegen die Richtigkeit der Liste bei mir erhoben werden. Wald, den 10. Juli 1886. Der Bürgermeister: Alvermann. Todes=* Anzeige. Heute Morgen gegen 3 Uhr entschlief sanft und gottergeben, nach kurzem aber schwerem Leiden, in Folge der Gehirnentzündung, unser lieber Sohn und Bruder im jugendlichen Alter von 10 Jahren und 6 Monaten. Um stille Theilnahme bitten Die tiefbetrübten Hinterbliebenen: Julius Köhnen u. Familie. Clauberg, 11. Juli 1886. Die Beerdigung sowie die kirchliche Exequien finden Mittwoch Morgen 9 Uhr statt. Todes=Anzeige. Gestern Morgen 10 Uhr entschlief sanft und ruhig, nach kurzem, aber schwerem Leiden, unser innigstg=liebtes Töchterchen Kühnste im Alter von 8 Jahren 2 Mon. Die trauernden Eltern: Otto Langensiepen und Frau, Auguste geb. Klein nebst Familie. Solingen, 12. Juli 1886. Tandfagung. Für die vielen Beweise der Theilnahme, welche uns von allen Siten, besonders auch von dem Gesangverein Solinger Männerchor bei dem schmerzlichen Verluste unseres theuren Gatten und Vaters entgegengebracht wurden, sagen wir hiermit unsern tiefgefühlten Dank. Nw. Aug. Stamm u. Kinder. Todes-Anzeige. Heute Nachmittag 2 Uhr eutschlief sanft und ruhig nach längerem Leiden unser guter Vater, Schwieger- und Grossvater, Bruder, Schwager und Onkel Verdinand Feiniger Alter von 83 Jahren.— Es bitten um Die trauernden Katternberg, den 10. Juli 1886. stille Theilnahme Hinterbliebenen. Die Beerdigung findet Dienstag, den 13. Juli, Nachmittage 3 Uhr stett. Am Dienstag, den 13. Juli 1886, Vormittags 11 Uhr, sollen auf dem Markte zu Solingen öffentlich meist bietend gegen baare Zahlung versteigert werden: 1) 1 Rolle Packleinen und 1 Kiste Rosinen. 2) 1 Wanduhr, 3 Schildereien, 3 Rohrstühle 2c. 3) 1 Commodekiste, 1 Wanduhr, 1 Schrank, 1 Nähmaschine 2c. Der Gerichtsvollzieher: Relterbaum. Ein Ladenlokal, sedem Geschäft eignet, ist pr. 1. Nov. d. J. zu vermiethen. Näheres bei Gust. Bick. Dorp, Grünewalderstraße 18. Ein Mädchen gung gesucht für leichte BeschäftiNäh. in der Exped. 2 ordentl. junge Leute finden Kost und Logis. Solingen, Kronenbergerstr. 25. Wegen Sterbefall sind in Solingen, Casinostraße, im Hause Nr. 52 drei Zimmer sofort, sowie drei Zimmer in 14 Tagen an stille Familien zu verm. Ein Mädchen gesucht, welches zu Hause schlafen kann. Solingen, Nordstraße 28, Hinterhaus. Im schönsten Theile, der Stadt aa schonster Straße ist sofort eine Wohnung von 8 Räumen mit schönem Garten mit allen Bequemlichkeiten in einem seinen Hause an eine stille kleine Familie zu vermiethen. Reflectanten bitte schriftlich unter N 1 Wohnung bei der Exped. ein zukommen. durch die Geburt eines kräftigen * Mädchens wurden hochersreut Otto Kirschbaum u. Frau, Eva geb. Moller. Buenos=Aires, den 10. Juni 1886. Zwei gut eingespielte Violinen billigst zu verkaufen. Wo, sagt die Exp. Ein Geselle zum Ausmachen und ein Junge für leichte Beschaftigung auf Wochenlohn sofort ges. N. i. d. E. Diensteinkommen der Lehrer. (Eingesandt.) Nr. 106 der Ztg. berichtete aus der letzten Sitzung des Hödscheider Stadtraths über den ersten Punkt der Tagesordnung:„Diensteinkommen der Lehrer," daß der Miethwertb der Dienstwodnungen der Herren Schumacher und Kuhnen auf 300 Mk. festgestellt sei, weitere Mittheilungen fehlten. Die weitern Beschlüsse über diesen Punkt sind aber derart, daß sie nicht nur in Hobscheid, sondern weit über dessen Grenzen hinaus Aufmerksamkeit u. Beachtung verdienen. Auf den Vorschlägen der Commission fußend, wurde beschlossen: 1. Der Miethwert der Dienstwobnung des Herrn Hauptlehrers Schumacher wird auf 300 Mark festgestellt. 2. Den übrigen Hauptlehrern der Gemeinde wird die Dienstwobnung mit 150 Mk. angerechnet. 3) Da es das Prinzip der Gemeindevertretung ist, die Ledrer in Bezug auf ihr Einkommen gleich zu stellen, so sollen die Bezüge aus Kirchenund anderen Fonds, die etliche Hauptlehrer als Neven=Einnahmen bezieben, von den Bezügen aus Gemeinoemitteln gekürzt werden. 4. Wo das nicht an geht, weil es die Vokation der betreffenden Lehrer nicht gestattet, da soll die Aenderung mit dem etwaigen Wechsel erfolgen. 5. Derjenige Lehrer, der sich diesen Abzug nicht gefallen lassen will, soll im Gehalte nicht steigen. 6. Die Lehrer an den Theilschulen in Neu=Löhdorf und Waldbeim sollen nach denselben Grundsätzen behandelt werden. 7. Es soll ein anderes Statut ausgearbeitet werden, durch welches jeder Zweifel über die Höhe des pensionsfäbigen Gehaltes ausgeschlossen wird. 8. Der Werth der Dienstwohnung des Klassenledrers Kuhnen ist auf 300 Mk. festzusetzen. Wir fragen: Glaubt die Gemeinde durch solches Vorgehen aus ihrer bedrängten Lage befreit zu werden? Die Schulen legen vielen Gemeinden eine schwere Last auf, das ist ja wahr, aber sind denn die Lehrer schuld daran und gebietet es nicht schon die Klugbeit, einen theuern, aber unentbehrlichen Ge genstand, wie die Schule es ist, so virl als irgend möglich nutzbringend zu gestalten? Werden aber die Lehter dann mit Freudigkeit in ihre Klasse treten können? Wenn dieses Vorgeden gegen die Schule und Lehrer so weiter getrieben wird, so kann das nur negirend wirken. (Den Werth der Wohnung normirte Solingen auf 450 Mk., Dorp auf 400 Mk., Wald auf 400 Mk., Merscheid auf 450 Mk., Höhscheid auf 150, für auf 300 Mt.) Ein Freund der Schule und Voltsbildung. — — E. INVNNRVIFAP LESERTELD * Wallstrasse 18—20 Wallstrasse 18—20 0 PENEET Sämmtliche Vorräthe des reichhaltigen Waarenlagers sind ohne Ausnahme zum Ausverkauf gestellt. Verkauf gegen baar ohne jeden Rabatt. GROSSE Sariner Hauyogonr- u. Plordio-Totoria. Zöhug 4. August d. J. 3521 Vollblutpferde 1 Einsvännige Equipage. Waminn" Reitpferde. en#— 90 Golbrür u. Silberne Münzen. Peinspunnige Ehnipagr. Phiihrt (Complet zum Abfahren.) Orwinnt Oose 2 Mak. 11 L0 Loose für 20 Mark. Für Porto und Liste * B W„*etin anmmzen. 15 Pig. anzufügen. Loose A 22 Mari! in allen durch Placate kenntlichen Verkaufsstellen zu haben, auch zu beziehen durch 11 Loose für 20 Mrt. F. A. Schrader, Hannover, Große Packhofstraße 29. Patente. Prima me Häringe à Stück 12 Pfg. empfiehlt Carl Dahmann, Solingen, Neumarkt 3. 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