Nr. 117. Dienstag, den 4. Oktober 1886. #uck und Verlag a Wilhelm Müller jr. in Obligs. : die 6gespaltene Garmondzeile oder 10 Pfg.— Reclamen 20 Pfg. 11. Jahrgang. für die Wee rWr. Bürgermeisterei Merscheid und Umgegend. Erscheint Dienstags, Donnerstags und Sppediton: Merschelterstraßz Abonnementspreis pro Quartal: 1 Mark 50 Pfe., in der Expedition abgeholt 1 Mark 25 Pfg. Politische Nachrichten. Deutschland. „ Berlin, 4. Oktb. Der Kaiser nahm Freitag Vormittag in Baben=waden den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geh. Raths von Wilmowski, entgegen, stattete Mittags der Gräfin Fürstenberg und der Frau v. Stolipine einen Besuch ab und fuhr darauf zur Wiese des Lowntennis Klubs, woselbst Se. Majestät einige Zeit in Unterhaltung mit dem Gesandten v. Eisendecher verweilte. Die Mitglieder des preußischen Staatsministeriums werden nach der bevorstehenden Rückkehr des Landwirthschaftsministers Dr. Lucius vollzählig in Berlin versammelt sein. In der zweiten Hälfte des Monats sollen dann die Ministerberathungen beginnen, welche sich auf die Arbeiten für den preußischen Landtag beziehen. Bis dahin werden auch die Vorarbeiten für den Staatshaushaltsetat abgeschlossen sein. Die Aufstellung des Reichshaushaltsetats wird gleichfalls lebhaft gefördert; man hofft in etwa drei Wochen dem Bundesrath die einzelnen Etatspositionen unterbreiten zu können. — Der deutsche Botschafter in London, Graf Haßfeldt, hat sich mit viermonatlichem Urlaub nach Deutschland begeben. —„So lange Kaiser Wilhelm lebt“, läßt sich die hochkonservative Kreuzztg. aus Paris aus dem Munde eines russischen Diplomaten schreiben,„halte Rußland still; später würden alle Beziehungen der europäischen Staaten sich ändern, die Orientfrage werde in Wien entschieden werden, über Wien führe der Weg Rußlands nach Konstantinopel.“ — Von einer bevorstehenden Verlobung des italienischen Kronprinzen mit der Prinzessin Sophie von Preußen ist in einzelnen Blättern gefabelt worden. Wie vorauszusehen, wird jetzt die ganze Mittheilung für leeres Gerede erklärt. — Das spanische Amtsblatt veröffentlicht das Gesetz wegen Verlängerung des deutsch=spanischen Handelsvertrages. — Die Nordd. Allg. Ztg. bringt folgende sensationelle Nachricht: In verschiedenen Blättern finden sich neuerdings Mittheilungen anscheinend spekulativer Natur aus den zur Zeit über die Verstaatlichung einiger kleinerer Privatbahnen geführten kommissarischen Verhandlungen, welche vollständig aus der Luft gegriffen sind. Irren wir nicht, so wird in Folge dessen untersucht werden, ob nicht die Strafbestimmung des Art. 249 d Nr. 2 der Aktiengesetznovelle vom 18. Juli 1884 zur Anwendung zu kommen hat, welche lautet: Mit Gefängniß bis zu einem Jahre und zugleich mit Geldbuße bis zu Zehntausend Mark wird bestraft, wer in betrügerischer Absicht auf Täuschung berechnete Mittel anwendet, um auf den Kurs von Aüten einzumirten.: Ausland. Spanien. Die spanische Regierung soll beschlossen haben, die bei der letzten Revolte betheiligten Offiziere und Unteroffiziere erschießen zu lassen, die Gemeinen dagegen zu begnadigen.— Seit dem 24. v. M. sind in den Grenzdistricten keine karlistischen Banden mehr bemerkt worden. General Kaulbars hatte einer Deputation der Einwohner von Sofia erklärt, er habe nichts gegen die Neuwahl eines Fürsten von Bulgarien, aber erst müsse die Regierung seine Forderungen erfüllen. Das klang sehr schroff, und der General hat es deshalb für angezeigt gefunden, seinen Ton etwas zu mäßigen. In einer Unterredung mit mehreren bulgarischen Ministern sagte er diesen, von Seiten Rußlands werde nicht beabsichtigt, auf Aenderungen der bulgarischen Verfassung hinzuwirken, man möge also ruhig seine Vorschläge acceptieren. Am Freitag wollte nun die bulgarische Regierung dem russischen Vertreter ihre Entscheidung überreichen. In Folge der Erklärungen Kaulbars scheint eine Einigung zu Stande kommen zu sollen. Der Ministerrath beschloß, wenn die Zusagen in bestimmter Form wiederholt würden, den russischen Wünschen innerhalb der Verfassung zu entsprechen. Damit wäre der Zank vorläufig abgethan.— In ihrer Antwort auf die Note des russischen Kommissars Generals v. Kaulbars nimmt die bulgarische Regierung die von Kaulbars gestellten Forderungen betreffs der Aufhebung des Belagerungszustandes und der Freilassung der wegen des Staatsstrichs vom 21. August Verhafteten an, erklärt aber die Hinausschiebung der Wahlen zur großen Sobranje für unthunlich. Der Joest'sche Raubmord vor dem Schwurgericht. * Elberfeld, 1. Oktober. In früher Stunde schon umlagerte das Publikum in hellen Haufen das Landgerichtsgebäude, um sich unter allen Umständen den Zutritt zu der Verhandlung zu sichern. Und man kann sich das Interesse des Publikums an der Verhandlung leicht erklären, denn selten hat sich in hiesiger, sonst an Mord und Todtschlag nicht gerade armen Gegend, ein Vorkommniß ereignet, das so große Sensation in allen Kreisen hervorgerufen hätte, wie der Joest'sche Raubmord, und selten hat zugleich über die Details der eingeleiteten Untersuchung so wenig verlautet, wie ebenfalls im vorliegenden Falle. Kaum haben sich die Thüren des Gerichtssaales geöffnet, so ist auch schon der Zuhörerraum bis auf den letzten Platz gefüllt.— Gegen 9¼ Uhr wird der Angeklagte von 2 Polizisten in den Saal geführt. K. ist von schmächtiger, kleiner Figur. In großer Erregung nimmt er auf der Anklagebank Platz, faßt sich jedoch bald und beantwortet in der Folge die vom Herrn Präsidenten an ihn gerichteten Fragen mit fester Stimme.— Den Vorsitz bei der gegen 9½ Uhr beginnenden Verhandlung führt Herr Landgerichtsdirektor Dummreicher, die Anklage ist vertreten durch Herrn Assessor Schüller, der Angeklagte durch Herrn Rechtsanwalt Heuser. Unter den Geschworenen befinden sich aus dortiger Gegend die Herren Paltzow und Rieger von Solingen und Carl Lütters von Dorp.— Die Zahl der geladenen Zeugen beträgt 25, 10 derselben melden sich beim Aufruf nicht, finden sich jedoch später nach und nach ein. Zu den Zeugen gehören 2 aus dem Zuchthaus vorgeführte Personen.— Der Angeklagte erklärt auf Befragen des Herrn Präsidenten: Ich heiße Gustav Kampmann, bin geboren am 18. August 1845 zu Dabring= hausen, von Profession Gärtner=Tagelöhner und wohnte zuletzt in Kleinenberg, Gemeinde Wald. Vorbestraft bin ich viermal wegen Diebstahls: mit 3 Monaten Gefängniß, 2 Jahr Zuchthaus, 6 Jahr Zuchthaus und 2 Jahr Zuchthaus, einmal wegen Fluchtversuchs im Zuchthaus zu Jauer(Schlesien) mit 1 Jahr Zusatzstrafe. Die Frage, ob er sich schuldig bekenne, verneint er mit dem Zusatz: Das kann ich nicht, ich habe es nicht gethan. Ueber die Sachlage belehrt der Herr Präsident die Geschworenen etwa wie folgt: In Solingen zwischen Kölner= und Hochstraße, hinter dem damaligen Hotel„zu den vier Jahreszeiten" wohnte im Februar 1876 das kinderlose Ehepaar Joest. Beide Leute waren, wenn auch noch nicht so sehr alt, doch ziemlich gebrechlich. Joest betrieb einen Schrothandel. In dem bereits erwähnten Hause hatte das Paar ein Zimmer inne, in derselben Etage, durch einen freien Raum von diesem getrennt, war ein 2. bewohntes Gelaß; daß untere Haus war als Pferdestall 2c. benutzt. Am 3. Februar, Morgens fanden Nachbarn gegen sonstigen Gebrauch die Hausthüre offen, die Zimmerthür indeß war ordnungsgemäß verschlossen, und da sich in dem Raume eine Katze(der Liebling der Ehefrau Joest) durch lautes Miauen bemerkbar machte, so nahm man an, daß die Leutchen einen Ausgang gemacht hatten. Am 5. endlich mag dort bei den Nachbarn der Verdacht aufgestiegen sein, daß nicht Alles in der Wohnung in Ordnung sei. Das Miauen der Katze war zum Geheul geworden, wie toll hörte man das Thier in der Stube herum und gegen die Fenster springen. An einen verübten Mord dachte allerdings noch Niemand. Hauptsächlich zu dem Zweck, das Thier herauszulassen, ließ man endlich am 5. die Zimmerthür gewaltsam öffnen, und es bot sich ihnen ein entsetzlicher Anblick. Beide Leute lagen auf der Erde erwordet, mit dem Kopf nach jder Thüre hin, Auf dem Tische stand eine Lampe mit noch halb gefülltem Reservoir; das Licht schien durch Ausblasen gelöscht. Die Leichen waren durch ein Oberbett zum Theil zugedeckt. Neben der Lampe bemerkte man 2 Teller, Löffel 2c. und in jenen ein Rest von Rosinensuppe. Man schien die Leutchen(Joest war 47, die Frau 35 Jahre alt, beide waren klein und schwach) während des Essens überfallen und ermordet zu haben, daß man dann die Leichen, da ihr Anblick den Mördern Grauen eingeflößt haben mag, mit dem Oberbett bedeckt, dann die im Zimmer befindlichen Kästen nach Werthobjekten durchsucht und endlich vor dem Weggehen das Licht gelöscht worden sei. Es fanden damals eine Reihe von Vernehmungen statt, deren Resultat vorerst ein negatives blieb. Schon war die Sache ziemlich vergessen, da lief von Jauer die Nachricht bei der Staatsanwaltschaft ein, ein dort internirter Sträfling, der heute angeklagte Gust. Kampmann, hat gestanden, mit Anderen den Mord ausgeführt zu haben. Die dann wieder aufgenommene Untersuchung führte indeß wieder zu keinem Resultat, da Kampmann nicht lange nachher sein Geständniß wieder zurückzog. Bis zum Jahre 1885 ruhte nun wieder die Untersuchung, bis ein seltener Zufall zu deren erneuter Wiederaufnahme führte. Durch eine Verwechselung nämlich kamen die Gerichtsakten in die Hand eines Polizeikommissars Namens Braun. Dieser unterzog dieselben einer genauen Durchsicht, er meinte in denselben doch genügenden Anlaß zur Fortsetzung der Untersuchung gegen Kampmann zu haben, und seinen Bemühungen gelang es in der Folge auch, Zeugen herbeizuschaffen, welche die von Kampmann eingestandenen Details im Wesentlichen als thatsächlich begründet erscheinen ließen. Nun konnte man endlich die Verhandlung gegen Kampmann einleiten. Nachdem dieser seine 7jährige Gefängnißstrafe in Jauer verbüßt, wurde er im September des vergangenen Jahres wieder in Untersuchungshaft genommen. Die Vorhaft währt demnach heute bereits 1 Jahr 12 Tage. Meist war er in Einzelhaft, da, im August, kam K. plötzlich mit dem Antrag an das Gericht, ihn aus der Isolirzelle zu entlassen. Präs.: Was waren Ihre Gründe für diesen Antrag?— Angekl.: Schon früher wollte ich heraus zu den Andern, man hatte mir das abgeschlagen, und von den Gefängnißbeamten war mir gerathen worden, mich dieserwegen direkt an die Gerichte zu wenden.—Präs.: Man nimmt Anderes als Motiv für Ihr Geständniß. an; man meint, daß Ihnen das Gewissen keine Ruhe gelassen habe. — Angekl.: Nein, mein Gewissen ist ganz ruhig.— Präs.: Sie haben sich einem Aufseher gegenüber doch wohl anders geäußert.— Angekl.: Ich habe gesagt, mir könne man nichts beweisen. Ich sagte das in Bezug auf einen Diebstahl.— Präs.: Wie wir hören werden, haben Sie gesagt, wer Sie in Haft gebracht, solle noch dran glauben. Man könnte Ihnen nichts beweisen, wohl aber Sie den Andern. Wenn er auch selbst hineinfalle und 15 Jahre Zuchthaus bekomme, er werde sich rächen.— Angekl.: Es handelte sich dabei nur um eine Hehlerei.— Präs.: Ich verlange ja nicht, die Wahrheit von Ihnen zu hören, bin vielmehr gefaßt darauf, daß Sie die Unwahrheit sagen.— Angekl.: Ich gebe zu, daß ich viel gelogen habe, was ich indeß jetzt sage, ist wahr.— Präs.: Gelegentlich einer Unterredung mit einem Polizeikommissar hat dieser Ihnen den Namen Kimpel genannt. Was haben Sie da gemacht? — Angekl.: Der Kommissar sagte mir, Kimpel habe mich angeschwärzt.— Präs.: Als er den Namen Kimpel genannt, da fuhren Sie entsetzlich auf. Sie warfen sich zur Erde und tobten wie ein Rasender. Sie riefen aus, Sie seien nicht fähig, zu morden, wohl aber Andere.— Angekl.: Wer sollte nicht aufgeregt sein, wenn 8 hardveraden. Original-Roman von Julius Keller. 41(Fortsetzung) Sein Mund scheint sich zu einem Ausruf unendlichen Erstaunens öffnen zu wollen, der Fremde aber erhebt abwehrend die Hand und spricht hastig: „Sag dem Herrn des Hauses, daß ein Unbekannter ihn in einer äußerst wichtigen Angelegenheit zu sprechen wünsche, ja, ihn unter allen Umständen sprechen müsse.“ „Gut ich werds ausrichten,“ murmelt der Portier, augenscheinlich im Banne einer großen Erregung stehend und entfernt sich schnell, in das Haus verschwindend. Der junge Mann betritt nun vollends den Garten und schließt das Thor hinter sich. „Ein Vagabund,“ klingt es leise, von unsäglicher Bitterkeit erfüllt von seinen Lippen—— dann harrt er wortlos des Wiedererscheinens des Portiers. Nach längere Zeit erst zeigt sich dessen breitschultrige Gestalt auf der obersten Stufe der Treppe, welche zur Hausthür empor führt. Er winkt dem mit banger Erwartung auf ihn Hinschauenden näher zu kommen, und erleichtert aufathmend, schnell und hastig, folgt dieser der Aufforderung. Fragend blickt der Portier ihn an, der den Flur des Hauses Betretende aber sagt: „Ich weiß Bescheid und bedarf keiner Zurechtweisung.“ „Nehmen Sie's nicht übel, daß ich Sie nicht gleich erkannt habe,“ spricht der andere in etwas brüskem Ton,„Sie sehen sehr verändert aus,“ worauf er langsam, mit neugierig beobachtenden Blicken dem die Treppe hinaufeilenden folgt... Heinrich Barthold saß in demselben Zimmer, auf demselben Platz, wie an jenem Tage, da er die Nachricht von seines Sohnes plötzlicher Abreise erhielt. Er war während der drei verflossenen Jahre sichtlich gealtert — sein Haar war spärlicher und schneeweiß geworden, rheumatische Leiden hatten sich eingestellt und dem Antlitz des alten Herrn einen Zug schmerzlichem Empfindens einverleibt,— die Strenge und Härte waren aber deshalb nicht aus seinem Gesichte gewichen, ebenso sind seine finstern Blicke dieselben geblieben. „Was kann das für eine wichtige Angelegenheit sein, wegen welcher man mich zu sprechen wünscht?“ grübelte er.„Vielleicht eine Wohlthätigkeits=Bettelei— eine Sammlung für milde Stiftungen— eine Wahlangelegenheit.“ Sein Raisonnement wurde durch das Oeffnen der Thür unterbrochen. Seine Augen blitzten zornig, als er die reducirte Kleidung des Eintredenden bemerkt, wie dieser aber einige Schritte ins Zimmer gemacht hatte, seinen Kopf hob und so dem alten Herrn sein Gesicht voll zuwendete, da bemächtigte sich Heinrich Barthold's eine seltsame Erregung. Er richtete sich in seinem Sessel auf beugte sich weit vor, als wolle er den Blick in das Gesicht des vor ihm Stehenden versenken. Er starrte den Fremdin mit weit geöffneten Augen an, als sähe er ein Gespenst. Eine Secunde hindurch herrschte tiefes Schweigen, dann endlich fragte der alte Barthold in dumpfen Ton: „Walter?!“ „Ja, Vater,“ entgegnete der Angeredete, mit gewaltsamer Anstrengung, das Zittern seiner Lippen, das Beben seines Tones zu überwinden,„ich bin es, Dein Sohn Walter.“ Ein heftiger, unbeschreiblicher Kampf spiegelte sich auf dem runzeligen Gesicht Heinrich Barthold's. Aber seine Willenskraft, seine schroffe Entschlossenheit blieben Sieger. Er überwand die Erregung, welche ihn beim Anblick seines einzigen Sohnes überkommen, so weit, um eine eisige Ruhe zur Schau tragen zu können. „Und was führt Dich zu mir?“ fragte er kalt. „Das Unglück, die Noth, das Elend!“ war Walters verzweifelte Antwort.„Ich war nach Deinem Abweisen aller meiner Briefe, nachdem meine Schreiben uneröffnet zurückgekommen, auf diesen Empfang vorbereitet und hätte es nicht gewagt, wieder vor Dich hinzutreten, wenn meine entsetzliche Lage und die Sorge um mein armes, krankes Weib mich nicht dazu veranlaßt hätten.“ „Sprich nicht von deinem Weibe!" herrschte der Vater ihn an.„Sage mir kurz, was Du von mir erwartest.“ „Verzeihung— Mitleid— Hülfe!" stieß Walter abgebrochen und bebend hervor.„Glaube nicht, daß ich komme, um ein#lmosen von Dir zu erbitten, Dich um ein Geschenk anzuflehen! Nein Vater, ich komme, um Deine volle Verzeihung zu erlangen, um Dir zu sagen, daß— es Deine Pflicht ist, zu vergeben und mich und mein Weib in Dein Haus aufzunehmen!“ „Ah, Du redest eine kühne Sprache!“ „Ich weiß, daß mein Flehen Dich nicht rühren würde ich kenne Deine Entschlossenheit, und hatte Gelegenheit, mich davon zu überzeugen, das Deine Gesinnung noch dieselbe ist, wie an dem Tage da ich Dich verlassen... Keinen meiner Briefe hast Du eröffnet — Du wolltest kein Lebenszeichen von mir empfangen und ließest mich deutlich fühlen, daß ich Dein Sohn nicht mehr sei! Deßhalb kann ich nicht anders, als heute vor Dich hintreten und Dir sagen Vater, Dein einziger Sohn ist dem Untergange nahe, das Schicksal hat sich verderbenbringend an seine Fersen geheftet, all' seine Unternehmungen mißglückten, Krankheit und Fehlschläge jeder Art verfolgten ihn— er selbst lag monatelang todtkrank darnieder... er empfand, daß ihm, fern von der Heimath, das Glück nicht hold zu sein scheine und wandte der Fremde den Rücken zu... er kehrte aus der Themsestadt hierher zurück— doch nichts als Unglück, nur bittere Enttäuschungen erblühten ihm auch auf heimathlichem Boden!... Ein unglücklicher Stern schwebt über seinem Leben, ein düsteres Verhängniß waltet über ihm und seinem armen jungen Weibe.... Willst Du ihn untergehen lassen, ohne Hülfe ohne Rettung?.... (Fortsetzung folgt.) GURPeerer-Paam! Treteld. Ichen= u. Hohlr. Magen t. Elberfelderstr. Namm 1.. Bahnboftraße. Donabrück. Nicolaiort. Oberbangen. 1 Siegen, friedrich=Carlstr. 8 Coblenzerstraße. — Fichen ae T Pohutotstgahe theilen einem geehrten Publikum von Solingen u. Umgegend ergebenst mit, daß sie am Sonntag, 10. Oktober d.., in 43 Kirchstaße 43 ** 5 —*—— ihr 10tes Geschäft Am Altenmarkt eröffnen. Dasselbe umfaßt sämmtliche Seiden-, Tuch-, Manulactur-, Woll-, weiss- und Bett-waaren, sowie fertige Herren=, Damen=, Knaben= und Mädchen=Confection, verbunden mit eleganter Anfertigung nach Maass. Hochachtungsvoll Gebrüder Alsberg. . 8 S Aursone Lsian dsich ust ee merhin erscheinen, wenn Jemand, der nach langen Jahren an eine ihn nicht direkt interessirende That erinnert wird, sich gebehrdet, wie Sie es thaten.— Angekl.: Ja, aber das war ja nicht wahr. — Präs.: Weßhalb haben Sie in Jauer gestanden?— Angek.: Ich war mehrmals mit Arrest bestraft; absolut wollte ich weg. Die Behandlung in Jauer war eine schlechte. Ich habe ja auch einen Fluchtversuch gemacht.— Präs.: Früher haben Sie gesagt, das Gewissen habe Sie so sehr geplagt, daß Sie wegmußten.— Angekl.: Ich habe den Pastor gründlich belogen, um nur wegzukommen.— Präs.: Sie wollten das Abendmahl nehmen; der Gefängniß=Geistliche merkte, daß es mit Ihnen nicht richtig sei, er hat gefragt, was Sie auf dem Gewissen hätten und als er Ihnen gesagt, nein ich lasse Sie nicht zum Abendmahl, wenn sie nicht bekennen, da haben Sie gerufen:„Nein, Nein ich kann es nicht sagen, ich mache sonst mich und Andere unglücklich.— Angekl.: Ich habe Alle furchtbar beschwindelt.— Präs.: Nachdem der Geistliche weiter auf Sie eingewirkt, haben Sie endlich, um sich den Genuß des Abendmahls zu sichern, ein umfassendes Geständniß abgelegt.— Angekl.: Ich habe den Pastor nur gebeten, sich zu meinen Gunsten zu verwenden. Präs.: Was war denn der Grund, weßhalb Sie es in Jauer nicht länger aushalten konnten?— Angekl.: Die Arbeit war gar zu schwer, die Füße bluteten mir vor aller Arbeit. Auch die Hand war mir weh! Präs.: Weßhalb wollten Sie denn speziell aus der Küche weg. Eine Katze soll sie weggetrieben haben. Ihr Schreien und Miauen haben Sie nicht länger anhören können. Sie wurden dadurch an das Gejammer der Joest'schen Katze und dadurch an den verübten Mord erinnert.— Angekl.: Die Zeitungen hatten s. Z. über das Benehmen der Joest'schen Katze ausführlich berichtet.— Präs.: Auffallend und in hohem Grade verdächtig muß es erscheinen, wenn Sie jetzt, ohne daß ich darnach gefragt habe, sich über die.'sche Katze auslassen.— Angekl.: Ich habe stets gelogen, auch hier in Elberfeld vor dem Untersuchungsrichter noch. Mein einziger Zweck war, von Jauer wegzukommen oder nicht wieder nach vort zurückgeschickt zu werden. Ich agirte nach einem vorgenommenen Plane.— Präs.: Wie kam es denn, daß Sie, trotzdem Sie sich vorgenommen hatten, sich als den Verbrecher hinzustellen, dem Pastor erklärten, Sie könnten nichts weiter sagen, Sie machten sonst sich und Andere unglücklich? Angekl.: Ich mußte sehr schlau vorgehen; man würde mir vielleicht nicht geglaubt haben, wenn ich mich ohne jede Umschweife zu dem Mord bekannt hätte.— Präsid.: Weshalb aber bestätigen Sie hier Ihr Geständniß vor dem Untersuchungsrichter?— Angekl.: Ich habe auch hier noch gelogen. Weil ich den Geistlichen belogen hatte, wurde ich ja nach Werden gebracht. — Präs.: Sie traten früher unter dem Namen„Schwatte Kruhs“. auf. Haben Sie nicht mit Kimpel bei den Eheleuten Joest, die im Rufe standen, Hehler zu sein, verkehrt?(Kimpel ist mit unter Anklage gestellt. Derselbe erscheint nicht auf der Anklagebank, weil er nicht aufzufinden war.)— Angekl.: Im Jahre 1875 nicht.— Präs.: Waren Sie im Jahre 1875 bei einer unter dem Namen„KnochenAgnes benannten Person in Mülheim a. Rh.; dort soll sich das Diebesgesindel aus der ganzen Gegend seine Rendez=vous gegeben haben. — Angekl.: Nein.— Präs.: Sie haben einmal Branntwein getrunken, und wenn Sie getrunken haben, dann werden Sie gesprächig Ist damals nicht von Ihnen zu der Person gesagt worden, Sie hätten am Abend vorher einmal einen guten Schlag gethan?— Angekl.: Wenn ich für nöthig fand mir einen falschen Namen beizulegen, wie sollte ich denn dazu gekommen sein, so etwas zu sagen!— Präs.: Als eine andere Person dazu kam, da haben Sie allerdings den Mund gehalten. Damals waren Sie noch viel unvorsichtiger. Sie haben damals Einzelheiten über die That erzählt, die nur der wissen konnte, der selbst bei dem Mord betheiligt war.— Angekl.: Erst viel später, 1883 din ich zu der Frau(Wolke) gekommen.— Der Staatsanwall macht darauf aufmerksam, daß Kampmann früher zugegeben habe, dort gewesen zu sein.— Präs.: Sie haben früher einmal den Versuch zur Erbringung des Alibibeweises gemacht.— Angekl.: Eine Frau Wittmbroich pflegte uns unseren Bedarf an Spezereiwaaren nach Kleinenberg zu bringen: Diese hat uns am 3. Morgens die erste Nachricht von dem verübten Mord gebracht.— Präs.: Sie haben gesagt, an dem Thattage sei Ihnen ein Kind geboren worden, Sie seien deshalb den ganzen Tag zu Hause geblieben. Nun ist aber laut amtlicher Bescheinigung das Kind schon in der Nacht vom 2. zum 3. und zwar gegen 1 Uhr geboren.— Angekl.: Am Morgen des 3. Februar bekam ich die erste Kunde von dem Mord.— Präs.: Nach früherer Aussage soll Ihnen ein Mann davon erzählt haben.— Gegen 1 Uhr wurde die Sitzung auf 4½ Uhr vertagt. Ar der Aschen bisten iuner uste dur er dhe Abends ist erst der Mord passirt; wie konnte man Ihnen da am andern Morgen desselben Tages schon davon erzählen?— Angekl.: Es muß doch so sein, sonst hätte man es mir doch nicht erzählen können.— Präs.: Hat Sie der Pastor s. Z. nicht gefragt: Ist Jemand bei der That ums Leben gekommen?— Angekl.: Ich habe keinen Namen genannt; ich wußte es nicht; es war mir auch unbekannt, wie viele Personen ums Leben gekommen sind.— Präs.: Sie haben geantwortet: Ja. 2. Des Weiteren haben Sie dem Pastor als dieser Ihnen das Abendmahl verweigerte, auf seine Fragen geantwortet: Sie seien zu vier in Mülheim bei der Althändlerin zusammengekommen und hätten einen gemeinsamen Schlag verabredet. In der Joest'schen Wohnung hätte es oben gewaltig gepoltert, die Katze sei gegen das Fenster gesprungen. Zwei aus Ihrer Gesellschaft hätten den Mord verübt, Sie und ein Anderer hätten während der That unten Wache gehalten. Es werden denn auch vier Personen, Joh. Jos. Kolf, Joh. Aug. Kimpel, Gustav Thomas und der heutige Angeklagte als die Mörder angesehen. Sie bildeten im Jahre 1874 eine Einbrecherbande, welche die ganze Gegend unsicher machte.— Nach Verlesung des gleich nach der That an Ort und Stelle aufgenommenen Protokolls beginnt die Zeugenvernehmung. Der erste Zeuze ist Herr Polizeicommissar Dralle. Am Freitag den 5. Februar, Nachmittags gegen 3 Uhr ist bei ihm die Anzeige von dem stattgehabten Morde gemacht worden. Er hat sich sofort an Ort und Stelle begeben und gefunden was wir an anderer Stelle bereits mittheilten. Während des Essens scheinen die Leute durch Schläge auf den Hinterkopf getödtet worden zu sein. Der Stuhl, auf dem die Frau gesessen, war umgeworfen. Von dem Hofe führte ein dunkler Gang zu der 14stufigen Treppe. Der Vorsöller war durch ein Fenster erleuchtet. An einer Seite befanden sich drei Thüren. Die erste führte zu der Wohnung der damals 66 Jahre alten Näherin Katharina Heider, die zweite in die nur bei Tage benutzten Geschäftsräume des Spediteurs van den Bergl aus Düsseldorf, die dritte in die von den Eheleuten Joest bewohnte Stube. Wenn die Mörder nicht die Vorsicht gebrauchten, sich unten ihrer Fußbekleidung zu entledigen, so hätte die Näherin sie unbedingt beim Passiren ihrer Zimmerthür hören müssen. Kampmann hat u. A. dem mehrfach erwähnten Anstaltsgeistlichen auch bekannt, man habe die Leute während des Essens erschlagen. Wirklich standen noch Ueberreste von Suppe auf dem Tisch. Verschiedene Kisten waren geöffnet und anscheinend durchwühlt. In einer derselben fand sich das Mitgliedsbuch einer Sterbekasse in Burg mit einem Geldbetrag von 226 Thalern, meist in größeren Scheinen. Das Buch war mit einem Band umwunden. Ein rothes Portefeuille, das Joest besessen haben sollte, fehlte. Die Leichen trugen Verletzungen am Hinterkopf, nur Joest hatte außerdem einige Schrammen im Gesicht. Bei Joest hatte nicht lange vorher eine Haussuchung stattgefunden, weil man ihn im Verdachte der Hehlerei hatte. Nach ihrem Tode ging an ihre Adresse ein Geldbetrag von Mk. 145 per Postanweisung von Wuppermann in Oberbilk ein.— Die jetzt im Krankenhause zu Solingen untergebrachte 76 Jahre alte Näherin Katharina Heider, bekanntlich die Zimmernachbarin der Joest'schen Eheleute berichtet nichts Neues. Sie hat während der Mordnacht nicht das mindeste verdächtige Geräusch gehört, nur soll ein im Pferdestall befindlicher Hund mehreremals angeschlagen haben. Die Familie J. pflegte Abends gegen 8 Uhr zu Abend zu essen, und wenn kein Besuch da war, gleich nachher zu Bette zu gehen.— Von größerem Interesse sind die Aussagen einer Frau Wald. Sie wohnte im Feb. 1875 in der Petersburg. Am 3. Feb. Abends gegen 8 Uhr, wo sie sich auf den Hof begab, hat sie 2 Männer, wovon einer die Statur des Angeklagten hatte, auf die J. Wohnung zuschreiten sehen. Einer sagte bei ihrem Anblick:„Da steht Jemand“ der Andere aber drängte ihn vorwärts, und Beide begaben sich eiligst die Treppe hinauf. Später hatte sie nichts mehr von den beiden Leuten gesehen. Sie waren vom Neumarkt hergekommen.— Ein weiterer Zeuge berichtet, daß Joest ihm am Morgen desselben Tages 140 Thlr. in Baar für gelieferten Schrot ausgezahlt habe, ein anderer, daß Joest nicht lange vorher von ihm 200 Thlr.(2 Hundert=Thaler= Scheine) erhalten und mit ihm keinen unbedeutenden Umschlag erzielt habe.(Die Anklage nimmt an, diese 200 Thaler seien geraubt und von den Räubern zu gleichen Theilen unter sich vertheilt worden. Bei einer späteren Gelegenheit soll man sich wechselseitig Vorwürfe wegen dieser Theilung gemacht haben.) Nach einem weiteren Zeugen pflegte Joest hartes Geld in einem Körbchen, das für gewöhnlich in einer der durchwühlten Kisten stand, aufzubewahren. Die Erben haben, und dieser Umstand widerspricht anscheinend der Annahme der Staatsanwaltschaft, daß Joest nicht unvermögend gewesen, später aus der Nachlassenschaft nicht mehr wie 40 Thaler herausgeschlagen.— Die Anklage lautet, was wir vergaßen zu sagen, auf Mord.— Die 2 folgenden Zeugen, ein Bruder resp. Schwager des ermordeten Joest, sind zu der Obduktion zugezogen worden. Sie haben den Anblick indeß nicht ertragen können und sich frühzeitig absentirt. Dem Einen von ihnen hat Frau Joest noch am Nachmittage des verhängnißvollen 3. Februar Rosinensuppe gebracht. Etwa 6 Wochen vorher ist von Einem bemerkt worden, daß Joest Geld einem leinenen Säckchen entnahm. Nach dem Obduktionsbefund waren beiden Ermordeten die Schädel durch unter großer Kraftaufwendung mit schweren, etwas scharfkantigen Instrumenten geführte Schläge vollständig zersplittert. Der Tod ist zweifellos eine Folge dieser Verletzungen gewesen. Die Leichenstarre war fast vorüber, der Tod muß deshalb 30 bis 40 Stunden vor der Secirung eingetreten sein. Herr Kreisphysikus Geheimer Sanitätsrath Dr. Feldmann hat selten Schädel so zerstückelt gesehen Jeder einzelne der zahlreichen Schläge war absolut tödtlich. Die Verletzungen sind offenbar mit 2 verschiedenen Instrumenten, einem runden und einem viereckigen, beigebracht, kurz nachdem die Leute ihre Mahlzeit zu sich genommen hatten. Eine Gegenwehr kann nicht stattgefunden haben. Der Mörder müssen mehrere gewesen sein.— Die Spezereihändlerin Hüttenbruch(nicht Wittenbruch) ist bekanntlich diejenige Person, welche dem Angeklagten die erste Kunde von dem Mord überbracht haben soll. Sie weiß sich indeß davon nichts mehr zu entsinnen, jedenfalls erklärt sie die Aussage Kampmann, sie sei kurz vorher in Solingen gewesen und habe von dort die Neuigkeit mitgebracht, für unwahr. Sie wohnte in der Nachbarschaft des Angeklagten. Als sie dessen Frau am Tage nach der Entbindung Suppe gebracht, sei ein Mann dort anwesend gewesen, ob Kampmann, wisse sie nicht, da sie diesen nicht kenne. Auch davon, ob K. häufig Nachts von Hause abwesend gewesen, will sie nichts wissen.— Die Frau des Angeklagten, geb. Henriette Bremer, 41 Jahr alt, jetzt in Ohligs wohnhaft, erklärt, auf das Recht ihr Zeugniß zu verweigern aufmerksam gemacht, aussagen zu wollen. Besonderes weiß sie nicht zu bekunden, nur sagt sie, allerdings mit großer Unsicherheit, aus, in zder ganzen betr. Woche sei Kampmann nicht von Hause weggewesen. Sie wird wegen ihres Verwandtschaftsverhältnisses zu dem Angeklagten nicht vereidet. Früher, zu der Zeit, wo ihr Mann noch der Meinung war, das bet:. Kind sei an einem anderen Tage geboren, hat sie ihr Zeugniß verweigert. Der Herr Staatsanwalt schließt hieraus auf die Furcht der Frau, ihren Mann hereinzulegen. Der Vertheidiger protestirt gegen diese Annahme. Zum Schluß wird eine Vorbestrafung der Frau wegen Meineids constatirt. Der folgende und nach Criminalcommissar Braun der wichtigste Zeuge, ist Pastor Trangott Wilh. Rudolph, früher Strafanstaltsgeistlicher in Jauer, jetzt anderorts im Civildienst thatig. (Fortsetzung folgt.) Die Verhandlung ging am Samstag um 4½ Uhr zu Ende. Kampmann wird des Mordes für nichtschuldig, der Beihülfe beim Mord für schuldig befunden und zu der höchsten zulässigen Strafe von 15 Jahren Zuchthaus, 10jährigem Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht verurtheilt. Rheinland und Westfalen. w Ohligs, 4. Oktober. Es kommen immer noch Fälle vor, in welchem Viehbesitzer es unterlassen, von dem Ausbruch ver dächtiger Krankheitserscheinungen bei den Hausthieren, namentlich aber bei dem Ausbruche der Rotzkrankheit unter den Pferden, die gemäß dem Reichsviehseuchengesetz von 1880 erforderliche Anzeige bei der Ortspolizeibehörde zu machen, durch welche Unterlassung die Betreffenden sich nicht nur strafbar machen, sondern auch der ihnen zukommenden Entschädigung verlustig gehen. Deshalb wird die ge# nauste Beachtung der Bestimmungen des erwähnten Reichsgesetzes empfohlen, damit künftig derartige Zuwiderhandlungen gegen dar Gesetz vermieden werden. Die Anzeigepflicht erstreckt sich auf so#gende Seuchen: Milzbrand, Tollwuth, Rotz(Wurm) der Pferoe, Esel, Maulthiere und Maulesel, Maul= und Klauenseuche des Rino“ viehes, der Schafe, Ziegen und Schweine, Lungenseuche des Rino viehs, Pockenseuche der Schafe, Beschälseuche der Pferde, Bläschen ausschlag der Pfeide und des Rindviehes, Räude der Pferde, Estt, Maulthiere, Maulesel und Schafe. Der Besitzer muß nicht nur den wirklichen Ausbruch dieser Seuchen, sondern alle verdächtigen er scheinungen, welche den Ausbruch einer solchen Krankheit befürchten lassen, anzeigen. X Ohligs, 4. Okt. Gestern Nachmittag fielen in Bavert 3 Mann von einem Pflaumenbaum, in Folge Brechens eines Astes. Einer von denselben, Vater von 3 kleinen Kinder, hat so schwere Verletzungen im Rücken davongetragen, daß derselbe heute ins Kranken aus überführt werden mußte. Sein Leben steht im Zweifel. Die beiden Anderen kamen mit kleinen Schrammungen davon. * Höhscheid, 30. Sept. Heute wurde die katholische Pfarrstelle hier nach fast neunjähriger Vakanz wieder ordnungsmäßig besetzt. Seit dem Tode des Herrn Pfarrers Pesch im Herbste 1877 wurde die Pfarre 7 Jahre durch benachbarte Geistliche aushülfsweise pastorirt. Seit den letzten 2 Jahren hatten wir in der Person des Herrn Kaplan Haas einen ständigen Hülfsgeistlichen. Heute nun wurde Herr Josef Heinrich Imdahl, bisher Vikar in Merkstein bei Aachen, in feierlichster Weise in sein Amt als Pfarrer hier eingeführt. Der Kirchenvorstand holte ihn des Morgens per Wagen von Solingen ab. Unterhalb Hingenberg erwartete ihn die Gemeinde, die bis dort in feierlicher Prozession ihm entgegengezogen war. Kerr Kaplan Haas begrüßte ihn mit einigen Worten, worauf denn aus der Schaar der weißgekleideten Mädchen eins hervortrat und den neuen Pfarrer in einem entsprechenden Gedichte willkommen hieß. Nunmehr setzte sich die Prozession in Bewegung und geleitete den Herrn Pfarrer auf den mit zahlreichen Triumphbogen gezierten Weg in die Pfarrkirche. Hier hegrüßte ihn vor der Kirchthüre wieder ein Kind mit einem kleinen Grr######orauf Herr Dechant Bruckmann von Solingen dem Pfarrer den Kirchenschlusser übergab. Der Herr Dechant verlas dann von der Kanzel die Installationsurkunde des hochwürdigen Herrn Erzbischofs und hielt eine zündende Ansprache an die Gemeinde. Der Herr Pfarrer Imdahl begrüßte nach Verlesung des Evangeliums vom guten Hirten in trefflicher Rede seine neue Gemeinde. Dann begann das feierliche Leviten=Hochamt, bei dem die Kinder der kath. Schule Kohlsberg eine dreistimmige Messe sangen. Die kirchliche Feier schloß mit einem Tedeum. Nachmittags um 4 Uhr fand eine von zahlreichen Gästen besuchte Feier im Krämer'schen Lokale statt. Die Reihe der Trinksprüche eröffnete Herr Kaplan Haas mit einem Hoch auf Se. Majestät den Kaiser und Se. Heiligkeit den Papst, jene beiden Friedensfürsten, deren Friedensliebe das heutige Fest möglich gemacht habe. Der Vorsitzende des Kirchenvorstandes begrüßte Herrn Pfarrer Imdahl Namens der kirchlichen und Herr Bürgermeister Gläßner Namens der bürgerlichen Gemeinde Höhscheid. Herr Pfarrer Imdahl dankte für den feierlichen Empfang in warmen Worten und gab der Hoffnung auf ein ersprießliches Zusammenwirken aller Kräfte Ausdruck. Weiter wurde getoastet auf die Mutter des Herrn Pfarrers, auf Herrn Bürgermeister Gläßner, Herrn Lehrer Westhoff, Herrn Kaplan Haas. Die Zwischenpausen füllte der Gesangverein„Cäcilia“ zu Kohlsberg, dessen Direktion Herr Lehrer Westhoff für diesen Tag übernommen hatte, würdig mit ansprechenden Liedern aus. Auf den Gesichtern aller Festtheilnehmer war die Freude zu lesen, endlich wieder einen Pfarrer zu haben. * Solingen, 2. Oct. Eine ziemlich erhebliche Anzahl von Mitgliedern des hiesigen Cavallerie=Vereins begab sich am Donnerstag Nachmittag nach Remscheid, um dort der Beerdigung des auf so traurige Weise ums Leben gekommenen Herrn Hermann vom Busch beizuwohnen Das Leichengefolge hinter dem Sarge des so jäh dem Leben Entrissenen war ein imposantes, die aufrichtige Theilnahme eine allgemeine. * Opladen, 1. Oktb. Gestern Abend passirte hier ein Unglücksfall eigenthümlicher Art. Ein auf dem Heimwege nach Reusrath begriffener Arbeiter der hiesigen Dynamitfabrik wollte sich eine Pfeife anzünden und strich, wie das so häufig geschieht, das Zündhölzchen an seiner Hose an. Letztere, die er während der Arbeit angehabt, nach Beendigung derselben aber nicht gewechselt zu haben scheint, ist jedenfalls durch Abwischen der Hände mit kleinen Partikelchen Sprengöls behaftet gewesen; denn es erfolgte sofort eine Explosion, der zufolge der Arbeiter ganz bedeutende Brandwunden erlitt. Man schaffte ihn mittelst Wagens zum Arzte, wo ihm der erste Verband angelegt wurde, und von da nach Mülheim ins Krankenhaus. * Radevormwald, 30. Sept. Gestern Morgen gab sich ein erst jüngst zum Stadtverordneten gewählter und in bestem Ansehen stehender Herr zu Richlingen den Tod, indem er in einen Brunnen sprang. Anfälle von Schwermuth, die zuletzt in eine Art Geistesgestörtheit übergingen, scheinen das Motiv gewesen zu sein. * Barmen, 1. Okt. Wie verlautet, sollen mit dem 1. Januar k. J. die Bahnstationen Unterbarmen, Elberfeld=Ottenbruch, Sonnborn und Schwelm der Rheinischen Eisenbahn für den Personenund Gepäckverkehr geschlossen werden. Die Stationen Unterbarmen und Elberfeld=Ottenbruch sollen auch für den Güterverkehr geschlossen und soll derselbe dann auf die Stationen Elberfeld=Mirke bezw. Mittelbarmen übertragen werden. * Düsseldorf, 1. Oktb. In nicht geringer Aufregung sind die hiesigen Geschäftsinhaber. Die hiesige Verwaltung hat an sämmtliche Geschäfte die Aufforderung ergeben lassen, die Namen der Ladengehülfinnen anzugeben und sollen dieselben zur Ortskrankenkasse angemeldet werden. Schritte, welche von Seiten mehrerer Ladenbesitzer bei der Regierung dieserhalb gemacht wurden, mit der Motivirung, daß Ladengehülfinnen nicht als im stehenden Gewerbe beschäftigt, zu betrachten seien, waren ohne Erfolg. Die Petenten wurden an die städtische Behörde verwiesen. Die städtische Verwaltung besteht darauf, daß die Ladengehülsinnen zur Ortskrankenkasse angemeldet werden. In den Kreisen der Ladenbesitzer will man es auf eine richterliche Entscheidung ankommen lassen. Auf das Resultat kann man mit Recht gespannt sein. * Düsseldorf, 1. October. Das Programm der bei der Anwesenheit des Herrn Erzbischofs zu veranstaltenden Festlichkeiten ist festgestellt wie folgt: 1. Ankunft des Her n Erzbischofs auf dem Bergisch=Märkischen Bahnhofe Dienstag den 5. October., Nachmittags 4 Uhr. 2. Abholung des Herrn Erzbischofs durch einen aus Korporationen bestehenden, mit Spalier umgebenen Zug der sich um 3 Uhr Nachmittags auf dem Karlsplatze bildet. 3. Serenade an demselben Tage auf dem Maxplatze Abends um 8 Uhr. 4. Illiumination am 10. October. 5. Konzert in der Tonhalle am 14. October. 6. Fackelzug am 17. October. 7. FestVersammlung in der Tonhalle am 19. October. * Düsseldorf, 1. Oct. Einen grausigen Selbstmord vollführte heute Nachmittag ein Mann auf der Fahrt nach hier. Verselbe war in den gegen 5 Uhr hier eintreffenden Personenzug in Neanderthal bei Eckrath eingestiegen und hatte ein Billet bis hier gelöst. In dem Coupee, welches er benutzte, befanden sich noch mehrere Passagiere, welche, nachdem der Zug im Fahren war, durch ein eigenthümliches Geräusch aufmerksam wurden und zu ihrem Entsetzen den zuletzt eingestiegenen Passagier blutüberströmt mit durchschnittenem Halse vor sich sahen. Der Mann war in wenigen Minuten eine Leiche. Da der Zug in Geresheim hielt, wurde die Leiche dort ausgeladen und die hiesige Behörde sofort benachrichtigt. Wer der Selbstmörder ist, konnte vorab nicht festgestellt werden. * Kaiserswerth, 1. Oktb. Die Kaiserin hat aus Anlaß der 50jährigen Jubiläumsfeier des Diakonissenwerks in Kaiserswerth dem Vorstande der Anstalt ein Geldgeschenk von 1000 Mk. überweisen lassen.— Das durch den Grafen Ziethen=Schwerin überreichte Geschenk betrug 3000 Mk. * Mülheim a, Rh., 30. Sept. Von Morgen ab werden von Seiten der Kreissparkasse Spareinlagen bis zum Betrage von 3000 Mk. mit 3½, über 3000 Mk. mit 2½8 Prozent verzinst. * Köln, 30. Sept. Eine beunruhigende Kunde beginnt sich in der Stadt zu verbreiten: Der neue Herr Bürgermeister hält die finanzielle Lage Kölns nicht für so berühmt, wie man allgemein dachte und hoffte, und schlimmes steht uns daher bevor, das Schreckgespenst der Steuererhöhung wird in Bälde den friedsamen Bürger ereilen. Nun, wo so viel Aussicht vorhanden ist für die Erfüllung unserer Herzenswünsche, als da sind: neue feste Rheinbrücke, ferner eine allen strahlende elekt ische Sonne am Himmel der Stadt u. s. da kann man ja schon ein übrigens thun, denn ohne Geld ist ja bekanntlich nichts zu erreichen. * Köln, 1. Oktb. Die wissenschaftliche Prüfung für den einjährig=freiwilligen Dienst in der Lese, welche am 27. d. M. begann, hat wiederum einen kläglichen Abschluß gefunden. Es haiten sich im Ganzen zu der Prüfung 27 gemeldet; von diesen entschu digten sich 3 und 4 blieben aus. Von den übtigen 20 wurden nach der schriftlichen Prüfung nur 9 zur mündlichen zugelassen. Von diesen erwiesen sich vier als nicht genügend vorbereitet, den übrigen fünfen wurde der Berechtigungsschein ausgestellt. * Bonn, 1. Oktv. Die im Rheine gegenüber Grav Rheigdorf in Thätigkeit befindliche Baggermaschine förderte gestern Nach mittag vom Grunde des Rheines einen ca. 10 Meter langen und 60 Centimer im Durchmesser haltenden Eichstamm zu Tage, an welchem sich noch die Wurzeln befanden. * Bonn, 1. Oktb. Heute beging die 3. Schwadron des hiesigen Königs=Husaren=Regimentes ein schönes und seltenes Fest, ihres Wachtmeisters Philipp Jacobs fünfundzwanzigjähriges Dienstjubiläum. Der Jubilar hat seine ganze Dienstzeit bei einer und derselben Schwadron gestanden und mit derselben zwei Feldzüge mitgemacht; aus dem letzten kehrte er mit dem eisernen Kreuz zurück. * Adenau, 1. Oktb. Eine heitere Wette ist dieser Tage hierselbst zum Austrag gekommen. Als in diesem Jahre die Hühnerjagd eröffnet wurde, behauptet in einer Gesellschaft ein Herr einem Nimrod gegenüber, die ganze Beute, welche dieser mit seinem Personal erlegen würde, werde so gering sein, daß er(der erstere) dieselbe noch ganz gemüthlich nach Tisch verzehren könne. So kam folgende Wette zustande. Der eine als Lieferant verpflichtete sich, während der ganzen Hühnerpacht seinem Partner täglich zwei Rebhühner zu schießen, die derselbe dann jedesmal nach Tisch verzehren müßte; falls dieser aber dazu nicht im Stande sei, müßte er für jedes bis dahin verzehrte Huhn zwei Mark bezahlen und außerdem noch ein Faß Bier zum Besten geben. Sollte der Jäger aber auch nur einen Tag nicht in der Lage sein, die Hühner zu liefern, so dürfte er für die von seinem Partner bis dahin verzehrten Hühner keinen Pfennig beanspruchen und müßte noch obendrein ein Faß Bier auflegen. Der Nimrod, welcher mit einem großen Personal auf die Jagd ging, konnte, der„Mayener Ztg.“ zufolge, die versprochene Portion nicht liefern und verlor daher die Wette. * Vom Rhein, 30. Sept. Ein Vorfall, der an jenen Burschen erinnert, den sein Lieutenant in den zoologischen Garten geschickt hatte und der auf die Frage, obs ihm dort gefallen habe, erwiderte: „Ganz gut; aber, Herr Lieutenant, solche Thiere gibts ja gar nicht“ — hat sich dieser Tage in dem Städtchen Wevelinghoven an der Erft zugetragen, wie folgendes Schreiben beweist, das eine dortige Druckerei erhielt:„Bitte um umgehende Einsendung der gestern von mir eingesandten Annonce betreffend Wohnungsanzeige, und nehme ich hiermit die Bestellung für nächsten Samstag zurück. Es geht sich mir darum, festzustellen, wer diesen großen Fehler Rentier statt Rentner geschrieben oder gedruckt hat. Selbst wenn die Annonce etwas undeutlich(was gestern Morgen in aller Eile geschehen ist) geschrieben war, so meine ich doch, hätte der Drucker so viel Verstand haben müssen, um zu wissen, daß es kein Rentier gibt, was Wohnungen zu vermiethen hat.“ * Vom Rhein, 30. Sept. Nach einer dem Ministerium für auswärtige Angelegenheiten zugegangenen Anzeige des kaiserlichen General=Consulats zu Rotterdam hat die Polizeibehörde daselbst die Zusage ertheilt, dafür zu sorgen, daß diejenigen in holländischen öffentlichen Häusern sich aufhaltenden Mädchen, welche den Wunsch zu erkennen geben, ihrem traurigen Gewerbe zu entsagen, ermöglicht werde, jene Häuser zu verlassen und dabei mitzunehmen, was sie in denselben eingebracht haben. Etwaige Schulden, welche ihnen dort auf Rechnung geschrieben sind, sollen als nicht vorhanden betrachtet werden und nicht einklagbar sein. Die vom kaiserlichen Consul eingezogenen Erkundigungen haben bestätigt, daß längs der preußischholländischen Grenze, namentlich aber von der Rheinprovinz aus, durch Gesindevermiether, Inhaber öffentlicher Häuser und verkommene Frauenzimmer der Handel mit deutschen Mädchen zu beklagenswerthen Zwecken betrieben wird. Die unglücklichen Geschöpfe, welche aus den bezeichneten holländischen Häusern fort wollen, können die Hülfe der niederländischen Polizei in Anspruch nehmen. * Vom Rhein, 1. Oct. Gestern Nachmittng fuhr das Dampfboot„Elberfeld" bei Oberwinter auf und sank infolge des erlittenen Leckes. * Ruhrort, 1. Oktober. Der Buchhalter der hiesigen Gasfabrik, welcher nach England durchgebrannt war, hat sich aus Reue über sein Vergehen von dort zurückgekehrt, heute vormittag dem Untersuchungsrichter gestellt. Von dem entwendeten Gelde hat er den größten Theil wieder zurückgebracht und dem Direktor der Gasfabrik eingehändigt. * Herr Commerzienrath Haniel hat dem Krankenhause in Ruhrort 30000 Mk. vermacht und dieselbe Summe seiner ArbeiterWittwenkasse. * Essen, 2. October. Oberbürgermeister Zweigert wurde heute Mittag durch den Regierungspräsidenten Berlepsch eingeführt. Die Stadt und Krupps Etablissement sind festlich beflaggt. * Dortmund, 1. Oct. Der Urheber des am 8. März cr. zu Marten stattgefundenen Eisenbahnunglücks, bei dem eine Person getödtet und verletzt wurden, der Weichensteller a. D. Drenkelfort aus Marten, wurde vorgestern von der hiesigen Strafkammer zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt. * Winterberg i. Sauerlande, 28. Sept. Die„Ruhrquelle“, wenigstens die unter diesem Namen vorzugsweise bekannte Quelle des Ruhrflusses, ist nicht mehr vorhanden; dieselbe ist in Folge der Dürre des Sommeis versiecht, und noch der Stein mit der Inschrift„Ruhrquelle“ läßt die Stelle erkennen, wo der herrliche Flus seinen winzigen Anfang nimmt. * Berlin, 30. September. Der Firma Siemens u. Halske Berlin ist kürzlich der Auftrag geworden, im Vatican in Rom nlagen für elektrisches Licht einzurichten. Mit der Anfertigung r dynamo=elektrischen Maschine hat man bereits begonnen und immtliche Geräthschaften sollen bis Ende dieses Jahres soweit fertig in, daß mit der Aufstellung an Ort und Stelle begonnen werin kann.— Der Generalintendant der königlichen Schauspiele v. ülsen, der vor einigen Tagen einen Schlaganfall erlitten hatte, ist zute früh gestorben. Berlin, 1. October. Heute fand vor dem Landgericht die erhandlung gegen die zwölfjährige M. Schneider statt, welche n kleines Mädchen der Ohrringe beraubt und dasselbe dann aus dem Fenster gestürzt hatte. Der Gerichtshof erkannte auf 8 Jahre Gefängniß. Die Angeklagte erzählte die grausigen Einzelheiten ihrer That ohne auch nur eine Thräne zu vergießen oder Neue zu empfinden. * Wiedenbrück, 1. Oct. Neuerdings hat wieder ein großes Brandunglück den Landwirth Eckernkämper im hiesigen Kirchspiel fast an den Bettelstab gebracht. Von der beweglichen Habe, von der nur wenig gerettet wurde, war nichts versichert; zwei Kühe, ein Rind und vier Schweine kamen in den Flammen um. Und trotz so furchtbarer Mahnungen scheut man die wenigen Pfennige Versicherungsgebühr! * Hersfeld, 27. Sept. Ein geheimnißvoller Mord ist heute Nacht in dem benachbarten Dorfe Friedlos verübt worden. Der Bauer N. wurde in seinem Gehöft dicht hinter dem Wohnhause heute früh mit einer klaffenden Wunde am Kopfe blutüberströmt und völlig bewußtlos aufgefunden. Troß aller Hilfe kam derselbe auch nicht wieder zu sich und verstarb nach kurzer Zeit, ohne über die Urheber der Unthat auch nur, die geringste Mittheilung machen zu können. Das Verbrechen ist noch in geheimnißvolles Dunkel gehüllt und vermuthet man, daß hier ein scheußlicher Racheakt vorliegt, wofür alle Anzeichen sprechen. Das Nähere muß die Untersuchung ergeben und sind Staatsanwalt und Untersuchungsrichter heute Nachmittag bereits aus Kassel am Thatorte eingetroffen. * Aus der Pfalz, 30. Sept. Der am 3. d. M. in Neustadt a. d. H. verstorbene Commerzienrath Friedrich Hetzel hat dieser Stadt, da er während seines Lebens schon mehr als 1000000 Mk. zugewandt hatte, in seinem letzten Willen die Summe von 740000 Mk. vermacht. * Weilburg, 28. September. Der einzige Sohn des Trompeters von Gravelotte, des Füsiliers August Zernikow, dessen glorreiche Thaten durch Wort u. Lied verherrlicht worden sind, schrieb nachfolgenden Brief an den Kaiser:„An Seine Majestät. Da ich meinen Vormund schon mehrere Mal gebeten habe, dafür zu sorgen mich in die Unteroffizierschule zu Potsdam unterzubringen, bis jetzt aber vergeblich auf Erfüllung meiner Bitte gehofft habe, so bitte ich, mich in die Unteroffizierschule zu Potsdam aufnehmen zu wollen. Ich bin der Sohn von dem Trompeter August Zernikow der am 16. August 1870 in der Schlacht bei Vionville gefallen ist.“ Auf diese kurz gefaßte Bitte kam auch richtig der so sehnlichst erhoffte Bescheid. August Zernikow, erhielt unterm 28. v. M. vom Bezirkscommando zu Bernau die Ordre, sich zu melden, und ist nun da er noch nicht das vorschriftsmäßige Alter hat, um in die Unteroffizierschule zu Potsdam eintreten zu können, in die UnteroffizierVorschule zu Weilburg aufgenommen worden. * Würzburg, 30. Sept. In dem benachbarten Karlsstadt fand heute eine Hochzeit statt. In dem Augenblicke, als die Gäste zu Tisch gehen wollten, erschien ein hiesiger Gerichtsvollzieher, welcher das bereitstehende Essen für gepfändet erklärte. Wohl oder übel mußten die Brautleute sich für den Betrag des gepfändeten Mahles verbürgen, um den Hochzeitsschmaus genießen zu können. Der Restaurateur schuldet seit Jahren seinem Fleischlieferanten einen größeren Betrag, den dieser auf diesem originellen Wege nun endlich erhält, nachdem er vorher den Schuldner vergeblich gepfändet hatte. Ich bringe hierdurch zur öffentlichen Kenntniß, daß ich die durch Erlaß des Herrn Ministers des Innern vom 17. Juli ds. Irs. mir übertragene interimistische Verwaltung des Landraths Amtes zu Solingen am heutigen Tage übernommen habe. Solingen, 1. Oktbr. 1886. Möllenhoff, Königl. Regierungsraty. Bekanntmachung. Diejenigen Mannschaften des Beurlaubtenstandes, welche in der Zeit vom: 1) 1. April bis ultimo Sept. 1874 )1.„„„ 1879 eingetreten, sowie 3) diejenigen Kavalleristen, welche in der Zeit vom 1. April bis ultimo September 1876 als 4jährig Frei.oillige eingetreten und bei der diesjährigen HerbstControll=Versammlung zum Landsturm resp. Landwehr überzuführen sind, haben den Militärpaß bei ihrem zuständigen Bezirksfeldwebel behufs Eintragung des Uebertritts=Vermerks in der Zeit vom 25. bis 28. Oktober cr., abzugeben. Gräfrath, 1. Oktober 1886. Königl. Landwehr=BezirksCommando. Lanz-Cursus. Aut vielseitigen Wunsch beabsichtige ich, am DonBrannschweigerleberwurst Sardellenleberwurst, Ernffelleberwurst, Frankfurter Knackwürste, feinsten Schinken, (roh und gekocht) empfiehlt(5582 frau C. Neuss, Ohligs. Preußische Klassen=Lotterte! Habe noch einige ¼ und ½ Antheile zu vergeben à 10 Mk. und 5 Mk. 50 Pfg.(5598 Wilh. Eicker, Ohligs. Ein ordentliches Alndermärchrn, welches auch häusliche Arbeiten verrichten muß, auf sofort gesucht. Näh. in der Exped.[5599 nerstag, den 7. Octoberor., im Saale des Herrn Eduard Witte, Ohligs, einen Tanz-Cursus zu eröffnen Anmeldungen nimmt Herr Witte entgegen.(5583 Hochachtungsvoll August Emmerich, Tanz- u. Anstandslehrer. Dianinosbillig, baarod.Raten* F a b r i k W e i d e n s l a u f e r, B e r l i n N W. kann auf sofort gesucht. Näh. in d. Expedition. Ein kräftiges Mäachen von 14—16 Jahren zu Kindern gesucht von(5601 Frau C. J. Kronenberg, Auf der Höhe. Ziehung 6. Oktbr. 1886 *•1111 Pfervelbiterte. Gew.: 1 viersp., 4 zweisp., 5 einsp. Equipagen, 44 Arbeits=, Wagen= und Reitpferde, 400 Gewinne im Werthe von 84000 Mk. Loose à 8 Mark 25 Pfg.(5600 empfiehlt Wilhelm Eicker, Ohligs. 3ol AaS. he 18—20 ELBERFELD Wallstraße 18—20 empfiehlt während der diesjährigen sämmtliche Artikel des sehr reichhaltigen Waaren-Lagers zu außergewöhnlich billigen Preisen. Alles Nähere enthalten die zur Vertheilung gekommenen Extra-Beilagen. Spartase der Stadt Selichen. Abschluß pr. Monat Sept. 1886. Bestand an Einlagen am 4 J3 1. Sept. 1886... 6174836.77 hierzu an Einlagen pro Sept. 1886.. 106780.42 Sa. 6281567.19 Ab Rückzahlungen pro Sept. 1886 7067222 Bleibt Einlage=Bestand am 1. Octbr. 1886 6210894.97 Spar=Einlagen werden ohne Rücksicht auf den Wohnort des Einlegers in dem Bureau des Herrn Rendanten Bougs (Dorperstraße 43) angenommen. Die Einlagen werden mit 4 resp. 3½% verzinst. Ein= und Auszahlungen bei der Sparkasse finden täglich von—12 Uhr Vormittags und von—5 Nachmittags statt. Die Sparkasse bleibt Samstag Nachmittags sowie den letzten Wochentag jeden Monats geschlossen. Solingen, den 1. Oktober 1886. Die Sparkassen=Verwaltung. Sparkasse in Wald. Bestandan Einlagen am 1. Sept. 1886 808 2102K 13. Einlagen im Mon. September 23 397 22„ Ga. 891616„ 35 Ab Rückzahlung 14146„ 25 Bleibt Bestand an Einlagen am 1. Oktobr. 1886 817479-410 Jede Summe von 3e### an wird angenommen. Die Einlagen werden mit 4 resp. 8 1/% verzinst. Die eingelegten Summen können ganz oder theilweise nach erfolgter Kündigung nebst den Zinsen stets zurückgenommen werden: bei 1 bis 30 uc sogleich, bei 30 bis 150 uc nach 8 Tagen, bei 150 bis 300 nach 14 Tagen, bei 300 bis 500 nach 1 Monat, bei 500 bis 1500 nach 2 Monaten, bei 1500 bis 3900. nach 3 Monaten, bei 3000 bis 5009 4 nach 6 Monaten. Alle Ein- und Auszahlungen erfolgen in der Wohnung des Rendauten Herrn Eugels zu Wald. Artenhoferstr. Nr. 10a, bei dem auch etwaige Anträge auf Darlehen anzubringen sind. Wald den 1. Oktober 1886. Die Sparbassen=Vexwaltung. Heute Morgen gegen 9 Uhr verschied nach kurzem Leiden unser lieber Gatte, Vater, Großvater u. Schwievater Johann Hahn im Alter von 72 Jahren 11 Mon., was wir Freunden und Bekannten mit der Bitte um stille Theilnahmee hiermit anzeigen. Die trauernden Hinterbliebenen. Broßhaus, 2. Okbr. 1886. Die Beerdigung findet am Dienstag Nachmittag ½3 Uhr statt. 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Gegenwärtiger Nachtrag tritt sofort nach erfolgter vorschriftsmäßiger Bekanntmachung in Kraft. Aufgestellt auf Grund Beschlusses der General=Versammlung vom 23. d. Mts. Ohligs, den 26. Aug. 1886. Der Bürgermeister von Merscheid: gez. Kelders. Der Vorstand: gez. Hebel. Vorsitzender. Gesehen und genehmigt. Düsseldorf, den 20. Juli 1886. Königliche Regierung. Abtheilung des Innern: gez. v. Roon. Vorstehender Nachtrag wird hierdurch zur Kenntniß der Betheiligten gebracht. Ohligs, den 1. Oktober 1886. Der Bürgermeister von Merscheid. Kelders. Licitation. In Theilungssachen Kleoper und Klesper wird der unterzeichnete Notar auf Grund eines Urtheils der ersten Civilkammer des Königlichen Landgerichts in Elberfeld vom 25. Mai 1886, am Montag den 15. November 1886, Abends 6 Uhr, zu Ohligs, Gemeinde Merscheid, beim Gastwirth Herrn Eduard Witte, die zur Theilungsmasse gehörigen Immobilien öffentlich zum Verkaufe ausstellen und bei erreichter Taxe von 2200 Mark den destnitiven Zuschlag ertheilen. Die Immobilien bestehen in 16 Are 60 Meter Hofraum und Hausgarten zu Wiefeldick in der Gemeinde Merscheid unter Flur=Abtheilung„Hackhausertannen“ nebst aufstehendem, noch nicht ganz fertigem Wohnhaufe mit Stallung und sonstigem An= und Zubehör, begrenzt von einem Wege, Heinrich Krengel und Wilhelm Faasen. Das Heft der Verkaufsbedingungen und die sonsigen„Ki, acten sind beim Unterzeichneten einzusehen. Solingen, den 1. September 1886. Rosenbaum, Frau Wwe. Buntenbach, Steinstr. 10. Ohl1ge Steinstr. 10. empfiehlt ihr reichhaltiges Lager in kurzen u. langen Pfeifen, Eigarrenspitzen u. Spazierstöcke aller Art; große Auswahl in weißen und bemalten Pfeifenköpfen und Abgüssen, Pfeifenspitzen Schläuchen, Tabaksbeuteln 2c. 2c. zu billigen Preisen. Ferner: gute abgelagerte Cigarren, Rauch=, Kau= u. Schnupftabak von anerkannt bester Qualitat. NB. Reparaturen an Pfeiffen und Stöcken schnell und billig im Hause.[5444 175. Königl. Preuß. Lotterie(Ziet 6. Octdr. 86) in ½1, ½, ¼, ½, 1/16, ½8 Antheilen. Kothe Kreuz=Loose à.5 Mark, Goshe u5 Worte 38 Vie. 1 Kreuz, 1, Preuß. zus. mit Liste u. Porto 9½, Mi) empfiehlt und ¼ Krenz, 1. Preuß. zus. mit Liste u. Porto 17!.)versend. proriz A. Fuhse, Bankgesch, Berlin., in Feber-Haufe.